Kommentar

Nach vier Stunden muss der Krieg vorbei sein

Marco Diener © zvg

Marco Diener /  Wir geben Milliarden für neue Kampfflugzeuge aus. Aber in einer Krise werden wir nicht einmal telefonieren können.

Sechs Milliarden Franken haben wir vor gut fünf Jahren für den Kauf von 36 amerikanischen Kampfflugzeugen bewilligt. Erhalten werden wir nur einen Teil davon, denn das Militärdepartement hat sich verkalkuliert. Wie viele Flugzeuge es genau sein werden, weiss im Moment niemand.

Auch sonst läuft gerade einiges schief, wenn es um die Sicherheit unseres Landes geht. Zum Beispiel beim Telefonnetz. Gerade gestern hat sich der Bundesrat zwar «für sichere Notrufe» ausgesprochen. Er hat beschlossen: «Mobilfunkanbieter müssen Notstrom ab 2031 sicherstellen

Bloss vier Stunden

Aber was nach einem Machtwort des Bundesrats klingt, ist in Wahrheit eine Bankrotterklärung. Der Bundesrat verpflichtet die Mobilfunkanbieter zwar dazu, eine Notstromversorgung aufzubauen. Ab 2031 müssen Notrufe auch bei einem Stromausfall funktionieren, ab 2034 zusätzlich Telefon, Internet und Radio.

Aber bloss vier Stunden lang.

Es wäre also gut, wenn ein Krieg nur vier Stunden dauern würde. Wenn der böse Feind seinen Cyberangriff nach vier Stunden abbrechen würde. Und wenn es keine schweren Unwetter gäbe.

Aber warum bloss vier Stunden?

Für die Wirtschaft «zu aufwendig»

Der Bundesrat räumt ein, dass er die Mobilfunkanbieter ursprünglich darauf verpflichten wollte, die Dienste bei bis zu dreitägigen Stromausfällen aufrechtzuerhalten und auch bei wiederholten Abschaltungen. Doch die Mobilfunkanbieter und die Wirtschaftsverbände fanden das «zu aufwendig und schwer umsetzbar», wie der Bundesrat schreibt. Schliesslich knickte Bundesrat Albert Rösti (SVP) ein. Mobilfunkanbieter und Wirtschaftsverbände setzten sich durch.

Ganz abgeschlossen ist das Thema allerdings nicht. Denn Röstis Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) hat einen Auftrag erhalten: Es muss bis Ende 2027 Vorschläge für «eine weitergehende Härtung der Mobilfunknetze» erarbeiten.

Diese Arbeiten hätten sich die Behörden sparen können. Dann nämlich, wenn sie in den letzten zehn Jahren ein bisschen vorausschauender agiert hätten. Ältere Semester erinnern sich: Bis 2017 gab es in der Schweiz ein analoges Telefon-Festnetz. Dieses funktionierte auch bei einem Ausfall des 230-Volt-Stromnetzes. Zuerst wurde es abgeschaltet, dann abgebaut. Bei einem längeren Stromausfall werden wir diesem analogen Festnetz noch nachtrauern.

UK-Fee-2
Machte 1978 als «UKFee» Werbung für UKW: Schauspielerin Birgit Steinegger. Heute wären wir froh über eine krisensichere Radio-Versorgung.

Bereits rächt sich auch die Abschaltung der SRF-Sender auf UKW per Ende 2024. Praktisch jeder Haushalt verfügte davor über ein batteriebetriebenes UKW-Radio und hätte Durchsagen auch bei einem langen Stromausfall sogar im Keller empfangen können.

Heute würde SRF die Durchsagen über DAB verbreiten. Aber viele Menschen besitzen noch immer kein batteriebetriebenes DAB-Radio. Und wenn doch: Dann werden sie Mühe haben, hinter dicken Mauern und hinter metallbedampften Fenstern etwas empfangen zu können.

Hoffen wir also auf Röstis Uvek und auf die «Härtung der Mobilfunknetze». Es wäre auch einfacher gegangen.


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