Nächster US-Bundestaat verbietet PFAS in Feuerwehrausrüstung
Stabil und haltbar sollen sie sein, ausserdem wasserdicht und hitzefest – denn das Leben ihrer Träger hängt davon ab. Für die Arbeitskleidung von Feuerwehrleuten gelten besonders hohe Anforderungen. PFAS-Chemikalien sorgen dafür, dass die Ausrüstung vor Hitze und Löschwasser schützt. Die Fluorchemikalien sind schmutz-, fett- und wasserabweisend und lange haltbar. Gleichzeitig stellen sie eine Gesundheitsgefahr dar.
PFAS in Arbeitskleidung und -material gelten jedoch als extrem schwer zu ersetzen. In Europa gilt Arbeitskleidung deshalb bei Gesetzesvorhaben zur Regulierung von PFAS als sogenannte «essenzielle» Ausnahme.
Anscheinend geht es aber doch. Mit Illinois hat gerade ein weiterer US-Bundesstaat PFAS in Hitzeschutzkleidung von Feuerwehrfrauen und -männern verboten. Das Verbot soll ab 2027 gelten, ab 2026 gibt es eine Kennzeichnungspflicht. Falls die Hersteller es bis dahin nicht schaffen würden oder die Kleidung nicht genügend hitzebeständig sei, sei man flexibel, sagt der republikanische Abgeordnete Neil Anderson.
PFAS – mehr als eine abstrakte Bedrohung
Die Regelung kam auf Druck von Feuerwehrleuten zustande. Das PFAS-Risiko ist lange bekannt und für die Einsatzkräfte mehr als eine abstrakte Bedrohung. Krebs ist laut der Organisation IAAF (International Association of Fire Fighters) mittlerweile die bei weitem häufigste berufsbedingte Todesursache von Feuerwehrleuten in den USA und Kanada. Bei fast 80 Prozent der 2025 verstorbenen IAAF-Mitglieder war die Todesursache der Krebs. Im Zeitraum von 2002 bis 2019 waren es noch 66 Prozent gewesen (Infosperber berichtete 2021).
PFAS können aus Kleidung über die Haut in den Körper gelangen. Und nicht nur die Feuerwehr-Ausrüstung, sondern auch Feuerlöschschäume enthielten bis vor kurzem PFAS, was sich zusehends ändert. Dazu kommen potenziell krebserregender Rauch und andere gesundheitsschädliche Chemikalien wie bromierte Flammschutzmittel, denen Feuerwehren bei der Arbeit ausgesetzt sind. Studien zeigen, dass Feuerwehrleute ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko tragen.
Mehrere US-Bundesstaaten verbieten PFAS in Einsatzkleidung bereits
Illinois folgt mehreren anderen US-Städten und -Bundesstaaten, die bereits die Umstellung auf PFAS-freie Kleidung und Ausrüstung beschlossen haben. Eine der ersten Feuerwehren, die sich für Non-PFAS-Gear entschieden hat, war das San-Francisco-Fire-Department.
Ein PFAS-Verbot gilt ausserdem bald in den Staaten Massachusetts (ab 2027), Connecticut (2028) und dem Staat New York (2028). In manchen Staaten bezieht sich das PFAS-Verbot nur auf Einsatzkleidung, bei anderen auf die gesamte Ausrüstung wie Helme und Atemschutzmasken. In vielen Staaten gilt bereits eine Kennzeichnungspflicht. Dazu kommen einige US-Staaten, in denen PFAS-haltige Feuerlöschschäume verboten sind oder bis zu einem bestimmten Datum ersetzt werden müssen.
Ein aktueller Gesetzesvorschlag in New York City, von dem der «Guardian» berichtet, sieht zusätzlich vor, Löschwasser auf PFAS zu testen und den Feuerwehrleuten Bluttests zu ermöglichen. In den gesamten USA gebe es offene Klagen von Feuerwehrleuten gegen die Hersteller von Schutzkleidung, berichtet die britische Zeitung. Die Branchenorganisation American Chemistry-Council wehre sich gegen ein landesweites Verbot.
Schneller und flexibler als Europa
Die sonst eher regulierungsfeindlichen USA reagieren damit schneller und flexibler als Europa. In der EU und der Schweiz gibt es für Arbeitskleidung Ausnahmeregelungen – der unmittelbare Schutz im Einsatz geht vor langfristigen Gesundheitsbedenken. Obwohl viele Feuerwehren ihre Ausrüstung ersetzen oder gerne ersetzen würden und das Angebot an PFAS-freier Einsatzkleidung wächst, gibt es keine Regulierung.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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