Bischof will «Exit» in Altersheimen verbieten

Kurt Marti © ktm
Kurt Marti / 21. Okt 2013 - Im Kanton Wallis ist eine hitzige Diskussion um die Sterbehilfe in Alters- und Pflegeheimen entbrannt.

Die Walliser Alters- und Pflegeheime sind für die Sterbehilfe-Organisationen «Exit» und «Dignitas» eine verbotene Zone. Das hat vor allem mit dem Einfluss der katholischen Kirche zu tun. Wie der «Walliser Boten» (WB) berichtet, gibt es aber auch im Wallis PatientInnen, die «einen Suizid ins Auge fassen». Weil es im Wallis noch keine gesetzliche Regelung für die Sterbehilfe gibt, soll diese nun geschaffen werden, um die Sterbehilfe-Organisationen «Exit» und «Dignitas» definitiv aus den Alters- und Pflegeheimen auszusperren und um alle Heimbewohner gesetzlich zur Unterordnung unter die katholische Doktrin zu zwingen.

Gegenüber dem WB gab Domherr Stefan Margelist als Sprecher des Bischofs von Sitten den Tarif durch: «Für uns kommt die Sterbehilfe in Pflegeheimen nicht infrage. Das Bistum Sitten lehnt diese entschieden ab.» In seinen Chorgesang stimmt auch Albert Bass, der Präsident der Walliser Alters- und Pflegeheime, ein: «Ich bin dagegen, dass die Altersheime die Sterbehilfeorganisationen unterstützen. ‚Exit‘ und ‚Dignitas‘ haben in den Walliser Altersheimen nichts zu suchen.»

Die Alters- und Pflegeheime werden von der öffentlichen Hand subventioniert, also auch von Menschen, die mit der katholischen Ideologie gar nichts am Hut haben. Trotzdem sollen sie sich wie eh und je dem moralischen Diktat der Kirche beugen. Das bringt die SP Oberwallis auf die Palme, welche in einem Leserbrief an die Medien mit dem Titel «Schluss den schwarzen und gelben Fundamentalisten» fordert: «Weder Albert Bass noch der Bischof dürfen aus den öffentlichen Altersheimen strebehilfefreie Häuser machen.» Die SP Oberwallis werde «alles unternehmen, um diesem Spuk ein Ende zu bereiten.»

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Keine. Kurt Marti ist Journalist und wohnt in Brig-Glis. Er ist mit dem Schriftsteller und Pfarrer Kurt Marti nicht verwandt.

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5 Meinungen

Auch für Atheistinnen gibt es sehr wohl sehr gute Gründe, Exit und Dignitas aus den Kompetenzzentren fürs Alter rauszuhalten. Nur weil's der Bischof, aus andern Motiven, aber im Namen der Würde der Menschen, sagt, ist es nicht per se falsch. Allein der bürgerliche Spardruck auf die Altersvorsorge, insbesondere die EL, und die nun schon jahrzehntelang dauernde Hetzkampagne gegen die «Sozialschmarotzer» verstärkt das schlechte Gewissen der Ärmsten in den Pflegeheimen. Und bei wohlhabenderen älteren Menschen nimmt zuweilen der Druck der potenziellen Erben bekanntlich unglaubliche Formen an. Der Wunsch nach einem Freitod ist nie nur aus dem Individuum heraus allein bestimmt, sondern immer in den sozialen Kontext des Suizidwilligen eingebettet und meist in mangelnden Sozialkontakten begründet. Wir brauchen nicht an den Umgang mit Pflegebedürftigen in Diktaturen zu erinnern, es reicht bereits auch in einem Land wie der Schweiz mit einer an sich schon hohen Suizidrate (auch unter Jugendlichen!) die Sterbehilfedebatte mit konkreten Analysen der sozialen Lage der «Suizidwilligen» zu führen, statt oberflächliche Antikirchendiskurse zu führen.
Peter Sigerist, Bern, Atheist und «kirchenfrei» seit dem 19. Lebensjahr, heute 64.
Peter Sigerist, am 21. Oktober 2013 um 14:02 Uhr
@Peter Siegerist: Das StGB untersagt Sterbehilfe aus selbstsüchtigen Gründen klar. Dieser Artikel ist überaus wichtig, zugleich ist er ausreichend, um Missbräuchen vorzubeugen. Exit und Dignitas können es sich nicht leisten, auch nur in einem Fall verurteilt zu werden. Palliativpflege und Sterbehilfe ergänzen sich. Welche Umstände jemand für sich als lebenswürdig empfindet ist individuell verschieden und kann sich im Verlauf der Zeit verändern. Deshalb ist es wichtig, dass das Selbstbestimmungsrecht hochgehalten wird.
Andreas Kyriacou, am 21. Oktober 2013 um 16:46 Uhr
Es ist erstaunlich, dass die Grosskonzerne, ich bedaure, aber anders kann ich als gläubiger Nazarener die Kath. Führungsspitze nicht nennen, (Ich achte und respektiere aber die guten Werke an der Basis) das eben diese Grosskonzerne, welche in den letzten 2000 Jahren 60 Millionen Religionstote produziert haben, sich heute plötzlich Sorgen machen um die Sterbehilfe. Mit ihrem Verhalten verursachen die Weltreligionen so viele «unfreiwillige» Sterbende, dass das wenige Sterben der Dignitas und Exit, welche gute Arbeit leisten, mit Wärme und Menschlichkeit, überhaupt nicht ins Gewicht fallen. Ja sogar eine gesellschaftliche Notwendigkeit darstellen. Würden die Kranken und Sterbenden alle Liebe und Fürsorge der Welt bekommen, welche sie in ihrem Krankheitsprozess oder Sterbeprozess brauchen, würde es keine Suizide, und auch keine Dignitas oder Exit geben müssen. Doch unser materialistisches Gesellschaftssystem, der regierende Raubtierkapitalismus, sieht Kranke und Sterbende nur als eine belastende Nummer, und bereitet ihnen Umstände in den Pflege und Altersheimen, dass viele den Suizid den weiteren Demütigungen durch diese zu einer zum Teil verkommenen oligarchischen Demokratie vorziehen. Ein Leben lang haben Sie an diese Demokratie, an dieses Land geglaubt, Steuern gezahlt, das Beste gegeben, und nun werden sie an Orte entsorgt, wo das Personal unter Existenzangst leidet, und oft nicht mal richtig die Landessprache beherrscht. In diesem Klima können Menschen mit Schmerzen und Leiden gar nicht anders, als nur den Tod als Ausweg zu sehen. Wenn sie wissen wollen wie hoch ein Land ethisch, moralisch und spirituell entwickelt ist, dann schauen sie in die Altersheime, Gefängnisse und Spitäler. Und schauen sie sich die Suizidrate des Landes an, welche seit geraumer Zeit in der Schweiz vom Bundesamt für Statistik nicht mehr publiziert wird für die Öffentlichkeit. Weil die Schweiz in allen Bereichen offenbar die weltweit höchste Suizidrate hat die es gibt. Dann wissen sie Bescheid über die wahren Gepflogenheiten der Nation, über die Eiseskälte, welche unser Land beherrscht.
Beatus Gubler, am 22. Oktober 2013 um 00:20 Uhr
ich bin 79, gesund und seit Jahren Mitglied von Exit. Es ist ausschliesslich in meiner Kompetenz und mein Menschenrecht zu entscheiden ob und wann ich im Fall einer Krankheit mein Leben in Würde beenden will. Auch meine Patientenverfügung ist entsprechend vorhanden. Religionen oder der Staat mögen mich in dieser Sache beraten, Vorschriften akzeptiere ich nicht.
Ulrich Hertig, am 22. Oktober 2013 um 04:28 Uhr
Vaticane RESPECT all HUMAN RIGHTS worldwide;aus Art. 18 «GEDANKENFREIHEIT» folgen zwingend sämtliche persönlichen Weltanschauungen über Leben & TOD.
Nebenbei aus Art.2 DISKRIMINIERUNGSVERBOT versus FRAUEN & Art.16 RECHT
auf EHE folgen zwingend HEIRAT von PRIESTERN & PRIESTERINNEN,die dann
wohl auch mehr HUMANES Einfühlungsvermögen zeigen würden!
Fred FRENZEL, am 22. Oktober 2013 um 11:49 Uhr

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