Neun Angestellte der PR-Agentur Burson-Marsteller arbeiten in Bern für das Nuklearforum © -

Neun Angestellte der PR-Agentur Burson-Marsteller arbeiten in Bern für das Nuklearforum

Teure Atom-Propaganda des Nuklearforums

Kurt Marti / 07. Jun 2012 - Für die Atom-Werbung der PR-Agentur Burson-Marsteller bezahlen wir gleich doppelt: Als Stromkunden und als Steuerzahler.

Seit 2006 führt das PR-Büro Burson-Marsteller in Bern die Geschäftsstelle des Nuklearforums Schweiz. Im letzten Jahr hatte Burson-Marsteller für die PR im Dienste der Schweizer Atomlobby insgesamt 3,6 Millionen Franken zur Verfügung. Davon stammen 3,2 Millionen aus den Beiträgen der Mitglieder, welche hauptsächlich aus der Strom- und Atombranche stammen. Allen voran die grossen Stromkonzerne Axpo, Alpiq und BKW.

BFE unterstützt die Atom-Propaganda mit 3 600 Franken

Aber auch das Bundesamt für Energie (BFE) ist Mitglied und zahlt jährlich 3 600 Franken an die Atom-Propaganda, mit der das Schweizer Volk nach Fukushima wieder auf den Atompfad zurückgeführt werden soll. Hinzu kommen mehrere Hochschulen und Institute, beispielsweise die ETH Lausanne, die Hochschule Rapperswil, die Fachhochschule Nordwestschweiz, das Paul Scherrer Institut (PSI) und die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA). Die Schweizer Bürgerinnen und Bürger werden also über ihre Strom- und die Steuerrechnung gleich doppelt für die Atom-PR zur Kasse gebeten.

Auf Anfrage von Infosperber erklärt BFE-Kommunikationsleiterin Marianne Zünd, das BFE sei «institutionelles Mitglied bei zahlreichen Vereinen und Organisationen. Dazu gehören neben dem Nuklearforum auch die Schweizerische Energie-Stiftung, der Verein Minergie, Swissolar, der Verein Wasser-Agenda 21 und viele mehr. Mit diesen Mitgliedschaften sichert sich das BFE den Zugang zu den Mitglieder-Informationen, Vereins-Publikationen und -Veranstaltungen». Allerdings ist die Kollektivmitgliedschaft beispielsweise bei der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) neunmal günstiger als jene des Nuklearforums und darüber hinaus unterstützt die SES tatkräftig die Ausstiegsbemühungen des Bundesrates.

Gleichzeitig Geschäftsleiter beim Nuklearforum und bei Burson-Marsteller

Laut Eintrag ins Handelsregister fördert das Nuklearforum «die friedliche Nutzung und die weitere Entwicklung der Kernenergie in der Schweiz». Was das heisst, erfährt man auf der Homepage des Nuklearforums. Dort werden laufend die guten Nachrichten zur Atomtechnologie verbreitet und gleichzeitig die neue Energiestrategie des Bundesrates als unrealistisch dargestellt. Zum Beispiel: «Ernüchterung über Atomausstieg» oder «Kommt sie, die Wende der Wende?» Über das PR-Büro Burson-Marsteller unterstützen das BFE und die Stromkonzerne versteckt den Atompfad, während sie in aller Öffentlichkeit mehr oder weniger freiwillig den Atomausstieg befürworten.

Von öffentlicher Transparenz hält man beim Nuklearforum nicht viel. Weder auf der Homepage noch im Jahresbericht ist von der Geschäftsstelle bei Burson-Marsteller die Rede. Geschäftsleiter des Nuklearforums ist Roland Bilang, der gleichzeitig in der Geschäftsleitung von Bursons-Marsteller sitzt. Neben ihm arbeiten noch acht weitere Angestellte von Burson-Marsteller für das Nuklearforum.

Diktatoren, Gentech- und Erdöl-Konzerne

Burson-Marsteller hat in 98 Ländern auf allen Kontinenten Vertretungen und gehört zu den einflussreichsten und umstrittensten PR-Agenturen der Welt. Letztmals in die Schlagzeilen geriet Burson-Marsteller in Deutschland, als die PR-Agentur im Auftrag der Lufthansa die Initiative «Ja zu FRA» für den Ausbau des Flughafens Frankfurt inszenierte. Oder im letzten Jahr als Burson-Marsteller im Auftrag von Facebook den Konkurrenten Google anschwärzte.

Zu den früheren Kunden von Burson-Marteller gehörten der rumänische Diktator Ceausescu, die argentinische Militär-Junta, Chiles Diktator Pinochet, der Gentech-Konzern Monsanto und der Chemiekonzern Union Carbide, in dessen indischem Werk in Bhopal 1984 nach einem Unfall mehrere Tausend Menschen starben. In den 90-er Jahren gründete das PR-Unternehmen im Auftrag der Erdöl-Konzerne Exxon, Texaco und Chevron die «Global Climate Coalition», welche die Gefahren der Klimaerwärmung herunterspielte. Heute preist Burson-Marsteller im Auftrag der Atomlobby den Klimaschutz als Trumpfkarte an.

Auch Bundesrätin Doris Leuthard war früher dabei

Präsidentin des Nuklearforums ist die FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger. Im Vorstand sitzt auch der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Das wohl prominenteste ehemalige Vorstands-Mitglied ist die heutige Energieministerin Doris Leuthard. Damals hiess das Nuklearforum noch Schweizerische Vereinigung für Atomenergie (SVA).

Anlässlich der letzten Generalversammlung des Nuklearforums referierte Urs Näf, Leiter des Bereichs Infrastruktur, Energie und Umwelt bei der economiesuisse. Er kritisierte die neue Energiestrategie des Bundesrates und sprach sich für die Atomtechnologie aus. Sein energiepolitisches Wissen holte er sich in der Bundesverwaltung: Von 1990 bis 2004 arbeitete er für das Bundesamt für Energie (BFE).

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Nuklearforum Schweiz
Jahresbericht Nuklearforum Schweiz
Burson-Marsteller Schweiz
Die Atomlobby hat Kreide gefressen

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung unter Ihrem richtigen Namen zu äussern. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User, um Missbräuche zu vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Achtung: Die Länge der Einträge ist beschränkt und wir erlauben nicht, zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander zu platzieren. Unnötig herabsetzende Formulierungen ändern oder löschen wir ohne Korrespondenz.