Ministerin Isabella Lövin unterzeichnet einen Gesetzesentwurf im Kreis von Frauen. © BBC

Ministerin parodiert Trump

Barbara Marti / 13. Mrz 2017 - Schwedische Ministerin veröffentlichte ein Foto, das an ein Foto von Donald Trump erinnert. Das Bild schlug rasch hohe Wellen.

»Die Gesamtkosten der Anlagen und des Produktionsbetriebs des schweizerischen Kraftwerksparks (Bestand und Zubau) von 2010–2050 betragen mit dem ersten Massnahmenpaket 193 Milliarden Franken, dabei fallen rund 125 Milliarden Franken auf den bestehenden Kraftwerkspark. Die Kosten des Zubaus betragen 67 Milliarden. Damit macht er rund einen Drittel der Gesamtkosten aus. Ein Grossteil dieser Kosten fallen unabhängig von der Energiestrategie an, da zur Deckung der künftigen Stromnachfrage Produktionskapazitäten im Inland aufgebaut werden müssen beziehungsweise zusätzliche Importkosten anfallen.»

2. Teurerer Strom, teurere Heizkosten, teureres Benzin?

Fakt ist: Wenn das Volk am 21. Mai der Revision des Energiegesetzes zustimmt, wird der Netzzuschlag, mit dem die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) für Ökostrom finanziert wird, temporär tatsächlich um 0,8 Rappen pro KWh erhöht. Das ergibt pro Jahr eine Erhöhung der Subventionen um 480 Millionen Franken. Davon entfallen neu 120 Millionen auf grosse Wasserkraftwerke, wie das die SVP und andere bürgerliche Parteien im Parlament verlangten. Pro Vierpersonen-Haushalt mit üppigem Stromkonsum von 5000 kWh/Jahr ergibt das Mehrkosten von 40 Franken pro Jahr.

Von der SVP völlig aus der Luft gegriffen ist der zusätzliche Aufschlag «später auf 4,5 Rp. pro kWh». Wahr ist das Gegenteil: Langfristig wird der Netzzuschlag abgeschafft, weil das Parlament die KEV befristet hat. Falls das Volk die Vorlage nach dem Willen der SVP ablehnt, fällt diese Befristung aber weg und der Netzzuschlag bleibt unbefristet auf 1,5 Rappen/kWh. Mit ihrem Referendum schneidet sich die SVP teilweise also auch ins eigene Fleisch (siehe infosperber vom 22.1.2017).

Weiter behauptet die SVP, die Revision des Energiegesetzes bringe «zwingende Gebäudesanierungen», den «Ersatz bestehender Fahrzeugflotten und Heizungen» sowie das «Verbot von Ölheizungen». All das stimmt nicht: Gebäudesanierungen bleiben wie bisher ebenso freiwillig wie der Ersatz von Fahrzeugen oder Heizungen. Strengere Vorschriften betreffen nur neue Fahrzeuge oder neue Gebäude. Und das revidierte Energiegesetz sieht auch kein «Verbot von Ölheizungen» vor.

Umringt von weissen Männern unterzeichnet Donald Trump das Anti-Abtreibungs-Dekret (Bild BBC).

von weissen Männern bestimmt über das Schicksal von Millionen Frauen auf der ganzen Welt. Denn mit dem Dekret strich Trump weltweit Gelder für Organisationen, die Frauen in Abtreibungs- und Schwangerschaftsfragen beraten. In den sozialen Medien wurde dieses Bild mehrheitlich kritisiert. Auf Twitter kommentierte ein Nutzer: «So lange du lebst, wirst du niemals ein Foto von sieben Frauen sehen, die ein Gesetz unterschreiben, das Männern sagt, was sie mit ihren Fortpflanzungsorganen machen dürfen.»

In einer Grafik unter dem Titel «Zurück in die Steinzeit» stellt die SVP die Entwicklung des Energieverbrauchs in der Schweiz von 1910 bis 2010 richtig dar und markiert, dass dieser gesamte Verbrauch 1966 halb so gross war wie im Spitzenjahr 2010 (seither ist er wieder deutlich gesunken, was die SVP-Grafik unterschlägt). In der Grafik behaupten die Kampagnenverfasser: «Mit dem Energiegesetz dürfen wir 2035 nur noch soviel Energie verbrauchen wie 1966!»

Abgesehen davon, dass 1966 die Steinzeit vorbei war, enthält diese grafisch gestützte Behauptung folgende vier Fehler: Das Energiegesetz schreibt nicht eine Halbierung des Energieverbrauchs vor, sondern nennt einen «Richtwert». Dieser Richtwert sieht bis 2035 eine Reduktion von 43 (nicht 50) Prozent vor. Diese Reduktion gilt nicht für den dargestellten gesamten Verbrauch, sondern für den Verbrauch pro Kopf gegenüber dem Jahr 2000. Beim Vergleich pro Kopf ist das «Steinzeit»-Jahr 1966 die falsche Vergleichsgrösse, weil die Bevölkerungszahl seit 1966 deutlich gestiegen ist, das heisst: Selbst wenn wir gemäss Energiegesetz den Richtwert erreichen, werden wir 2035 immer noch mehr Energie konsumieren dürfen als 1966 oder als in der «Steinzeit».

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Barbara Marti ist Herausgeberin und Redaktorin des führenden Portals für engagierte Frauen und Männer «Frauensicht».

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11 Meinungen

Oh, ja, ein schönes Bild. Auch wenn es schon etwas Staub angesetzt hat... Frau Lövin hatte das am 3. Februar online gestellt.

Aus welchem Anlass stellt Infosperber das wohl nochmal ins Netz?
Felix Rothenbühler, am 13. März 2017 um 17:46 Uhr
Aus keinem anderen Grund, lieber Herr Rothenbühler, als dass es heute leider keinen anderen Anlass gab, um Donald Trump in die Pfanne zu hauen.
Arnold Fröhlich, am 13. März 2017 um 18:07 Uhr
Am 03.02. geschehen, am 04.02.2017 auf tagesanzeiger.ch, am 13.02. auf FrauenSicht.ch, ab Frau Lövins Facebook-Profil seit der Veröffentlichung 7'900x geteilt und am 13.03.2017 nun als NL-Teaser auf Infosperber. Frau Martis Mehrwert gegenüber der ursprünglichen Meldung ist bescheiden bis nicht erkennbar. Da stellt sich die Frage, was jetzt daran gesperbert ist.
Sam Mueller, am 13. März 2017 um 23:25 Uhr
Das Bild mit Isabella Lövin kam nicht im Tages-Anzeiger, sondern in der Gratiszeitung 20-Minuten – als einziger Zeitung in der deutschen Schweiz. Wir gingen davon aus, dass die allermeisten Leserinnen und Leser von Infosperber weder 20-Minuten lesen noch die FrauenSicht. Die vielen Leserinnen und Leser, welche diesen Artikel jetzt auf Infosperber lesen, scheinen uns recht zu geben. Da Sie diese Parodie bereits auf Facebook und in 20-Minuten gelesen haben, brauchen Sie ihn ja nicht ein zweites Mal auf Infosperber durchzulesen. Wir hoffen, Sie finden andere Infosperber-Beiträge, deren Inhalte Sie noch nicht kennen.
Urs P. Gasche, am 14. März 2017 um 09:37 Uhr
Da ich 20min in aller Regel nicht lese, hier das Ergebnis meiner kurzen Recherche: http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/schweden-verspottet-trumps-maennerriege/story/10195288
Felix Rothenbühler, am 14. März 2017 um 09:42 Uhr
@Rothenbühler. Sie mussten also recherchieren und haben diese Parodie offensichtlich vorher auch nicht gekannt, sondern erstmals auf Infosperber gesehen und gelesen. Sie kam übrigens nicht in der gedruckten Zeitung Tages-Anzeiger, sondern nur online. Auf Primeurs legen wir keinen Wert. Wir übernehmen immer wieder Beiträge, die bereits irgendwo erschienen sind, aber von grossen Printmedien und der Tagesschau übersehen wurden. Deshalb ist mir nicht klar, was Ihre kurze Recherche soll.
Urs P. Gasche, am 14. März 2017 um 10:19 Uhr
@Gasche: Nein, recherchieren musste ich nur, wo und wann ich das schon gesehen hatte. Ich erinnere mich sehr gut an das Bild (es ist wirklich toll und ich mag den Humor darin), nur konnte ich mich nicht mehr erinnern und wollte nicht glauben, es bei 20min gesehen zu haben. Hatte damals sogar bei Twitter die Einträge von Lövin nachgelesen und mich weiter über sie informiert.

Wenn Infosperber als reines online-Medium das aufgreifen will, was die Printmedien übersehen, macht das wenig Sinn, wenn die online-Medien dasselbe bereits ausgiebig thematisiert haben, oder nicht?

Egal. Das Bild ist gut. Es hat eine (späte) Publikation auch bei Infosperber mehr als verdient.
Felix Rothenbühler, am 14. März 2017 um 10:46 Uhr
Das finde ich jetzt wieder typisch. Den Herren Journalisten geht es bereits nicht mehr um den Inhalt. Wichtiger für sie ist, WER die Meldung zuerst gebracht hat.
Armin Reichmuth, am 14. März 2017 um 10:47 Uhr
@Felix Rothenbühler/Urs P. Gasche. Unter Recherchieren verstehe ich als ehemaliger Journalist, wiewohl seit den 70er Jahren nicht mehr in dieser Branche mein Auskommen findend, nicht ein wenig Herumsurfen im Internet. Eher schon eine Reise nach Rouen, wo Jeanne d'Arc zum Beispiel ganz anders instrumentalisiert wird als Bruder Klaus in der Schweiz, oder St. Etienne de Rouvray, wo das Andenken an den letzten Sommer beim Messelesen erstochenen Père Jacques Hamel in seiner unterdessen fast immer geschlossenen Kirche auf sehr kleinem Feuer gehalten wird, wobei immerhin jeweils am Donnerstag zu seinen Ehren einen Andacht für den Frieden gehalten wird. Vielleicht entspricht das eher dem Geist des Verstorbenen, der sich für den interreligiösen Dialog verdient gemacht hat als herkömmlicher Märtyrerkult. Wie auch immer, Recherchieren ist mehr als bei Wikipedia oder 20 Minuten was nachschauen.
Pirmin Meier, am 14. März 2017 um 15:26 Uhr
Toll, dass infosperber uns dieses Bild liefert. Lachen ist gesund. Und im Moment gibt es fast nichts zu lachen. Ich lese weder das Facebook einer schwedischen Ministerin noch 20 Minuten. Danke Infosperber.
Jürg Schmid, am 14. März 2017 um 15:27 Uhr
@Meier: Sie dürfen mein «Recherchieren» durchaus in Anführungszeichen denken (womit wir wieder bei Trump wären :-)

Diese meine Wortwahl war - auch - ein kleiner Seitenhieb: Anfang Februar las ich erstmals von Frau Lövin. Neugierig wie ich nun mal bin, wollte ich wissen, wer das ist (oder auch die anderen Damen auf dem Bild). Ein paar Seitenblicke (besser so?) im Netz zeigten, dass man dieser Frau Unrecht tut, sie anhand einer Trump-Parodie zu beurteilen. Gerade «Frauensicht» hätte da also gerne mehr bieten können.

In dem Sinne war hier mein erster Kommentar gedacht: Enttäuschung darüber, auch hier nicht mehr über Frau Lövin zu erfahren als diese gute, denkwürdige und gelungene Bildaktion. Doch diese Frau hätte ein breiteres Portrait verdient, finde ich.
Felix Rothenbühler, am 14. März 2017 um 18:51 Uhr

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