Sperberauge

EU überwacht PFAS im Wasser strenger – die Schweiz wartet ab

Daniela Gschweng © Michael Conny Geiger

Daniela Gschweng /  Seit dem 12. Januar müssen alle EU-Länder Trinkwasser auf 20 PFAS überwachen und Grenzwertüberschreitungen melden.

Die EU verschärft ihr Vorgehen gegen die gesundheitsgefährlichen und kaum abbaubaren PFAS-Chemikalien. In den EU-Ländern sind PFAS-Tests bei Trinkwasser seit dem 12. Januar 2026 Pflicht. Die aktualisierte EU-Trinkwasserrichtlinie schreibt strengere Grenzwerte vor und verpflichtet die Wasserversorger, Trinkwasser auf 20 wichtige PFAS zu testen.

Für diese «PFAS-20» gilt nun ein Summengrenzwert von 100 Nanogramm (0,1 Mikrogramm) pro Liter Trinkwasser. Überschreitet der PFAS-Gehalt des Wassers die Grenzwerte, müssen die EU-Staaten die Öffentlichkeit informieren und Massnahmen ergreifen.

Die PFAS-Ewigkeitschemikalien kommen in vielen Alltagsgegenständen vor und geraten zunehmend in den Fokus von Gesundheits- und Umweltexperten. Die PFAS-Chemikaliengruppe umfasst mehr als 15’000 unterschiedlichen Verbindungen, über die man grösstenteils wenig weiss. Für einzelne PFAS wie PFOA (Perfluoroktansäure) und PFOS (Perfluorokatansulfonsäure) ist erwiesen, dass sie Krankheiten auslösen, das Krebsrisiko erhöhen, das Immunsystem und die Fortpflanzung beeinträchtigen. Bei anderen ist das Risiko für Mensch und Umwelt unbekannt. In der EU sind etwa 1000 PFAS zugelassen.

Wer die Grenzwerte überschreitet, muss nachrüsten

Daten zur PFAS-Belastung werden künftig EU-weit gesammelt, dafür wurde nach Angabe der EU-Kommission das Meldesystem vereinfacht. Etwa drei Prozent der Wasserproben überschritten die neuen Grenzwerte, berichtet das «ZDF» aus einem deutschen Analyselabor – für die Analytiker ein «überraschend geringer Anteil». Wer die Grenzwerte nicht einhält, muss gegensteuern, etwa mit Aktivkohlefiltern. Geht das nicht, müssen die Behörden und Versorger Brunnen abschalten und den Konsum von Trinkwasser einschränken. Das Trinkwasser wird dadurch gesünder, könnte aber mehr kosten – das zeigen Gemeinden, in denen wegen hoher PFAS-Belastung bereits Gegenmassnahmen bestehen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern schon länger einen Produktionsstop von PFAS, damit nicht noch mehr der kaum abbaubaren Fluorverbindungen in die Umwelt gelangen. Verwendet werden sollen PFAS nur für Anwendungen, bei denen sie absolut nicht ersetzt werden können.

Die Schweiz wollte bei der Verschärfung eigentlich mitziehen, hat die Übernahme der EU-Regeln aber verschoben. Ständerat und Landwirtschaftsvertreter:innen wollen eigene Trinkwassergrenzwerte für die Schweiz. Deshalb gibt es weiter lediglich Grenzwerte für drei PFAS: PFOA, PFOS und PFHxS (Perfluorhexansulfonsäure).

In zwei Jahren werden die EU-Grenzwerte weiter verschärft. Vier bekannt giftige PFAS namens PFHxS, PFOA, PFOS und PFNA (Perfluornonansäure) dürfen ab 2028 in Summe nur noch 20 Nanogramm pro Liter im Trinkwasser ausmachen.

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Zum Infosperber-Dossier:

PFAS.Dossier.M&P

PFAS-Chemikalien verursachen Krebs und können Erbgut schaden

Die «ewigen Chemikalien» PFAS bauen sich in der Natur so gut wie gar nicht ab. Fast alle Menschen haben PFAS bereits im Blut.

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