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					<title>Selbst Banker sollten sich jetzt um die Biodiversität sorgen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/vielfalt-tiere-pflanzen/selbst-banker-sollten-sich-jetzt-um-die-biodiversitaet-sorgen/</link>
					<pubDate>Wed, 14 Oct 2026 08:56:57 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Depositphotos_656208804_L-e1791815942596-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_656208804_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Depositphotos_656208804_L-e1791815942596-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Depositphotos_656208804_L-e1791815942596-1024x613.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Depositphotos_656208804_L-e1791815942596-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Depositphotos_656208804_L-e1791815942596-1536x920.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Depositphotos_656208804_L-e1791815942596.jpg 1953w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wenn Fische und Bestäuber schwinden, werden Staatsschulden teurer. Trotzdem fliesst Natur bisher nicht in die Landesbonität ein.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Der Verlust der Artenvielfalt gilt als ökologische Katastrophe. Dass eine intakte Umwelt sich auch auf Finanzgeschäfte mit Staatsanleihen auswirkt, wird weitgehend übersehen. Eine internationale Gruppe von Forschenden hat nun gezeigt, wie sich Naturzerstörung in die Kreditwürdigkeit von Staaten einrechnen liesse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mindestens die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung hängt nach Schätzungen mehr oder weniger stark von der natürlichen Umwelt ab. Bei der Bewertung von Staaten spiele das bisher keine Rolle, schreiben die Autorinnen und Autoren. Dabei sei das Risiko einer zunehmend zerstörten Umwelt ein systemischer wirtschaftlicher Einfluss. Länder, die stark von der Natur abhängen, müssen demnach bald deutlich mehr für ihre Schulden bezahlen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Biodiversität kommt in den Rating-Szenarien bisher nicht vor</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ratingagenturen stufen die Bonität von Staaten ein. Sie beurteilen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Land seine Schulden bedienen kann. Wird ein Land heruntergestuft, muss dessen Regierung höhere Zinsen für seine Schulden bezahlen. Biodiversitätsrisiken kommen in der Einstufung bisher nicht vor. Die Autorenschaft der Studie, die in der Fachzeitschrift <a href="https://www.nature.com/articles/s41559-026-03081-7" target="_blank" rel="noopener">«Nature Ecology &amp; Evolution»</a> erschienen ist, hält das für einen Fehler. Die Märkte bewerteten Staatsanleihen im Umfang von 83 Billionen Dollar womöglich falsch, schreiben sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Autorinnen und Autoren der Universitäten Sheffield, Sussex und London sowie der Edinburgh Business School erweiterten die Methodik der Ratingagentur S&amp;P Global um Szenarien für drei sogenannte Ökosystemleistungen: Fischerei, natürliche Bestäubung und tropische Forstwirtschaft. Insgesamt untersuchten sie 23 Länder, in denen zusammen 5,5 Milliarden Menschen leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Basisszenario («Business as usual», BAU) rechnet damit, dass Lebensräume und natürliche Ressourcen in gleichbleibender Geschwindigkeit weiter zerstört werden. Dann läge die globale Wirtschaftsleistung, ausgedrückt als Bruttoinlandsprodukt (BIP), 2030 um 75 Milliarden Dollar tiefer als in einer Welt, in der dieser Verlust ausgeblendet wird, wie es derzeit der Fall ist. Das ist wohlgemerkt in vier Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dramatischer ist das Szenario eines partiellen Ökosystemzusammenbruchs (Partial Ecosystem Collapse, PEC). Es unterstellt, dass die natürliche Bestäubung sowie die Ertragsmenge in der Meeresfischerei um je 90 Prozent einbrechen und 88 Prozent der tropischen Wälder zu Savanne werden. Die globale Wirtschaftsleistung läge jedes Jahr um 2 Billionen Dollar tiefer (gerechnet in Dollar von 2014).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="902" height="657" id="media-license-image-735737" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nature-related-increases-in-PD.png" alt="Nature related increases in PD" class="wp-image-735737" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nature-related-increases-in-PD.png 902w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nature-related-increases-in-PD-300x219.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nature-related-increases-in-PD-768x559.png 768w" sizes="(max-width: 902px) 100vw, 902px" /><figcaption class="wp-element-caption">Probability of Default (PD) – die Wahrscheinlichkeit, dass ein Staat seine Schulden nicht bezahlen kann. Die aktuellen PDs ohne Berücksichtigung künftiger Auswirkungen durch den Rückgang des Naturkapitals (rot). Der Verlust von Naturressourcen bei einem partiellen Zusammenbruch des Ökosystems (PEC-Szenario) erhöht das Ausfallrisiko (blau). Die Risken addieren sich.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Preisschild für die Artenvielfalt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen für die Bonität wären erheblich. Auf einer 20-stufigen Skala würde Indiens Kreditwürdigkeit um vier Stufen sinken, jene Chinas um 5,5 Stufen. Indien müsste für seine Schulden jährlich 49 Milliarden Dollar mehr Zinsen zahlen, für China wären es 70 Milliarden. Über alle 23 untersuchten Länder summieren sich die zusätzlichen Zinskosten auf bis zu 162 Milliarden Dollar pro Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen des Artenschwundes träfen nicht alle Länder gleich. Besonders hart träfe es Länder, die stark von natürlichen Ressourcen abhängen. Angola, Bangladesch, die Demokratische Republik Kongo und Madagaskar könnten bis 2030 mehr als 15 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung einbüssen. In Südkorea, den USA, Kanada oder Polen wären die Auswirkungen dagegen gering.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="789" height="570" id="media-license-image-735739" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Zusaetzliche-KreditKosten-bei-PEC-.png" alt="Zusätzliche KreditKosten bei PEC" class="wp-image-735739" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Zusaetzliche-KreditKosten-bei-PEC-.png 789w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Zusaetzliche-KreditKosten-bei-PEC--300x217.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Zusaetzliche-KreditKosten-bei-PEC--768x555.png 768w" sizes="(max-width: 789px) 100vw, 789px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auswirkungen des PEC-Szenarios auf die jährlichen Schuldendienstkosten. Anstieg der jährlichen Zinszahlungen für Schulden in Milliarden US-Dollar (links) und Anstieg der jährlichen Zinszahlungen für Schulden als Prozentsatz des Medianeinkommens nach Steuern (rechts). </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die 23 untersuchten Länder würden insgesamt mindestens 162 Milliarden Dollar mehr für ihre Schulden bezahlen. Diese Summe liege nahe an den 200 Milliarden Dollar, die das von 196 Ländern unterzeichnete Kunming–Montreal Global Biodiversity Framework (GBF) jährlich für den Naturschutz mobilisieren wolle. Die Studie bestätigt damit eine alte Erkenntnis: Naturschutz kostet weniger als eine zerstörte Umwelt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Es kann auch Industrieländer treffen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">«Jeder weiss, dass Diversität schön und wichtig ist. Aber die ökonomischen Folgen hat kaum einer bisher untersucht», fasst Mitautor Moritz Kraemer in einem Interview mit der <a href="https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-nachhaltigkeit/biodiversitaet-und-klimawandel-was-kostet-der-artenverlust-accg-201223522.html" target="_blank" rel="noopener">«FAZ»</a> zusammen. Kraemer ist Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und Senior Fellow am Centre for Sustainable Finance der SOAS (School of Oriental and African Studies, ein Teil der Universität London).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Nachhaltigkeits-Effekt werde in Ratings oft übersehen, erklärt er an einem Beispiel: Kurzfristig helfe die Rodung von Wäldern vielleicht der Wirtschaftsleistung, weil mehr Holz verkauft werde. Langfristig schade sie, denn Monokulturen seien anfälliger für Schädlinge. Die ökonomischen Folgen des Artenschwunds habe bisher kaum jemand untersucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu komme die Zeitspanne, auf die Kredite angelegt seien. Je länger ein Kredit läuft, desto grösser wird die Unsicherheit der Prognose, manche Staatsanleihen liefen aber 50 Jahre. Ratingagenturen gingen zudem oft von zyklischen Entwicklungen aus, etwa von Konjunktur- oder Rohstoffpreiszyklen. Nichtzyklische Einflüsse wie der Verlust intakter Natur, die Klimakrise oder der demografische Wandel gewännen aber an Gewicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass solche Risiken auch Industrieländer betreffen, das zeigte beispielsweise der vergangene Hitzesommer. Er brachte zahlreiche Hitzetote, Einbrüche in der Schifffahrt und Produktivitätsverluste. Das dämpfe das Wirtschaftswachstum. Deutschland sei bei der Anpassung an den Klimawandel im Rückstand, sagt der Experte. Vertreter:innen der deutschen Wirtschaft <a href="https://klimareporter.de/finanzen-wirtschaft/klimaschutz-als-standortpolitik" target="_blank" rel="noopener">forderten unlängst</a> bessere und verlässlichere Bedingungen für den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft. Der Sommer sei für viele Betriebe kein Wetterereignis, sondern ein Betriebsrisiko gewesen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Folgen der Naturzerstörung für die Wirtschaft werden drastisch unterschätzt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Forschenden fordern die Regulierungsbehörden, Zentralbanken und Ratingagenturen auf, Natur- und Klimarisiken in ihre Risikobewertungen aufzunehmen. Die Finanzmärkte unterschätzen naturbezogene Risiken systematisch. Das habe Folgen für die öffentlichen Finanzen, für die Natur und für die Stabilität des Finanzsystems.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zahlen sind Szenarien, keine Prognosen. Sie zeigen aber eindrücklich, wie teuer eine kaputte Umwelt werden kann. Steigen die Zinsen für Staatsschulden, steigen damit übrigens auch die Kosten für die Steuerzahlenden.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/ff6f2d53ed894a5bba8bd553fcce7e6a" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Der Begriff «Sorgerechtsstreit» vernebelt Gewalt </title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/der-begriff-sorgerechtsstreit-vernebelt-gewalt/</link>
					<pubDate>Wed, 14 Oct 2026 08:50:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Frauen-Parlament-Spanien-e1745490161238-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Frauen-Parlament-Spanien-e1745490161238" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Frauen-Parlament-Spanien-e1745490161238-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Frauen-Parlament-Spanien-e1745490161238-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Frauen-Parlament-Spanien-e1745490161238-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Frauen-Parlament-Spanien-e1745490161238.png 1260w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Sorgerechtsstreit» statt «Gewalt von Männern»: Medien verschleiern, wie gefährlich es für Frauen in Trennung ist.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer erschoss ein Mann in Deutschland in einer Mutter-Kind-Einrichtung sechs Sozialarbeiterinnen und -arbeiter. Seine Frau, die in der Einrichtung im niedersächsischen Stade gelebt hatte, blieb unverletzt.<br><br><strong>Medien verharmlosen Gewalt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Medien war die Rede von «Sorgerechtsstreit», «Familientragödie», «Beziehungstat» und «privatem» Hintergrund. All diese Begriffe entlasten den Täter. Sie suggerieren, dass die Opfer mitschuldig an den Morden seien. Autorin Alexandra Zykunov <a href="https://www.spiegel.de/panorama/stade-patriarchale-gewalt-wie-oft-denn-noch-kolumne-a-e169551b-2a98-4c80-8fc1-50898514b6a3">schrieb im «Spiegel»</a> (Bezahlschranke), die Polizei in Stade habe diese Begriffe in ihren Medienmitteilungen verwendet. Aufgabe der Medien wäre es gewesen, sie nicht einfach zu übernehmen und damit die Morde zu verharmlosen. Patriarchale Gewalt müsse man als solche benennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem müsse man aufzeigen, dass Männer nach einer Trennung besonders oft Gewalt ausüben. Gefährdet seien nicht nur die Partnerin und die Kinder, sondern auch deren persönliches Umfeld, Anwältinnen und Sozialarbeitende. Es gehe um männliche Gewalt und nicht um einen «Sorgerechtsstreit» oder einen «privaten Hintergrund» in einem Einzelfall, so Zykunov. «Deutsche Medien müssen endlich aufhören, männliche Gewalt sprachlich zu verharmlosen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kontrolle über Frau und Kinder</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sozialarbeiterin Leo Lührs schrieb auf Instagram: «Ich habe nicht wegen Beziehungs- oder Sorgerechtsstreitigkeiten eine Notfallpfeife am Schlüsselbund, sondern wegen patriarchaler Gewalt.» Familienrechtsanwältin Asha Hedayati sagte in einem <a href="https://www.zeit.de/familie/2026-06/asha-hedayati-jugendamt-bedrohungen-sorgerecht-mitarbeiter" target="_blank" rel="noopener">Interview mit der «Zeit»</a> (Bezahlschranke), dass viele Männer nach einer Trennung versuchen, ihre Macht und Kontrolle über Frau und Kinder mit Gewalt zurückzugewinnen. Statistisch sei die Trennungssituation einer der gefährlichsten Momente für eine Frau, da männliche Gewalt dann häufig eskaliere.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vorbild Spanien</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In <a href="https://frauensicht.ch/gewalt/gewalt1/parlament-gedenkt-ermordeter-frauen/" target="_blank" rel="noopener">Spanien</a> hat ein Umdenken stattgefunden. Auslöser war der Mord an einer Frau, die ihrem Mann in einer TV-Sendung vorgeworfen hatte, sie jahrelang geschlagen zu haben. Mittlerweile ist jeder Frauenmord die erste ausführliche Meldung in den Hauptnachrichten des öffentlich-rechtlichen Senders TVE. In den Schlagzeilen ist von geschlechtsspezifischer Gewalt, Macho-Gewalt oder männlicher Gewalt die Rede und nicht verharmlosend von einem «Sorgerechtsstreit». Zykunov: «Geschlechtsspezifische Gewalt, patriarchale Gewalt, männliche Gewalt – diese Worte findet man in der deutschen Berichterstattung um Stade viel zu selten.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Dieser Artikel erschien zuerst auf <a href="https://frauensicht.ch/" target="_blank" rel="noopener">frauensicht.ch</a>.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Für Polizei gefährden Wahlplakate die Sicherheit – sie bleiben</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/boden-raum-verkehr/in-langenthal-ist-die-plakatfirma-wichtiger-als-die-sicherheit/</link>
					<pubDate>Wed, 14 Oct 2026 08:10:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Plakat-Langenthal-Verkehrssicherheit-300x200.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Plakat Langenthal Verkehrssicherheit" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Plakat-Langenthal-Verkehrssicherheit-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Plakat-Langenthal-Verkehrssicherheit-1024x683.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Plakat-Langenthal-Verkehrssicherheit-768x512.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Plakat-Langenthal-Verkehrssicherheit.png 1050w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Gefährliche Plakatstellen dürfen weiter genutzt werden, weil die Stadt den «Besitzstand» der Plakatgesellschaft wahren will.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die Ringstrasse in Langenthal ist eine stark befahrene Kantonsstrasse. An einer der vielen Kreuzungen ziehen zwei Reklametafeln die Aufmerksamkeit der Strassenbenützer auf sich. Dies unmittelbar bei einem Fussgängerstreifen, den viele Kinder auf dem Weg ins Schulzentrum Kreuzfeld benutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Berner Kantonspolizei ist das ein klarer Fall: Die Werbetafeln sind nicht erlaubt und müssen weg. Das beschied die Kantonspolizei der Stadt Langenthal bereits im Juli 2025. In seinen <a href="https://www.bvd.be.ch/content/dam/bvd/dokumente/de/tba/dienstleistungen-strassen-und-verkehr/st-spol-ah-reklamen-im-strassenraum.pdf">Richtlinien</a> zu Reklamen im Strassenbereich weist der Kanton ausdrücklich darauf hin: «Im direkten Nahbereich eines Fussgängerstreifens gilt ein striktes Werbeverbot von mindestens 20 Metern vor und nach dem Streifen.» Dafür gibt es auch einen einleuchtenden Grund: Plakate und Werbeständer können Fahrzeuglenker in einer kritischen Zone ablenken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Langenthal fragt die Plakatfirma um ihre Meinung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der klaren Anweisung des Kantons blieb Langenthal untätig. Bis sich die Kantonspolizei wieder meldete und nachfragte, weshalb die Werbetafeln über ein halbes Jahr später immer noch dort angebracht seien. Das Langenthaler Bauinspektorat liess daraufhin nicht etwa die Werbung entfernen. Es beschloss vielmehr, die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) um eine Stellungnahme zu bitten. Die APG antwortete, dass die Werbetafeln bewilligt worden seien und sie deshalb nicht vorhabe, sie zu entfernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Stadt Langenthal zu folgender Abwägung führte: Sie nehme die «Einschätzung» des Fachbereichs Verkehr der Kantonspolizei zwar sehr ernst. Dem würden jedoch die privaten Interessen der APG am Erhalt der Werbetafeln gegenüberstehen. Die Materie sei so anspruchsvoll, dass es weitere Abklärungen brauche.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«Umfangreich abgeklärt» – das genügt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das schrieb Langenthal auch dem Regierungsstatthalteramt Oberaargau. Diese Behörde untersuchte den Fall, weil die Stadt wegen Missachtung baupolizeilicher Pflichten angezeigt worden war. Allerdings zeigte auch die Regierungsstatthalter-Stellvertreterin Flurina Donatsch in ihrem Entscheid volles Verständnis für die Langenthaler Behörden und wollte die Anzeige deshalb nicht weiterverfolgen. Langenthal habe «umfangreiche Abklärungen getroffen» und sich «intensiv» mit dem Fall auseinandergesetzt. Das genügte Flurina Donatsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt darf sich nun mit dem Segen des Regierungsstatthalteramts weiterhin Zeit lassen, die Interessen der APG gegen die eindeutigen Richtlinien zur Verkehrssicherheit abzuwägen – und die Plakate hängen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegenwärtig ist Langenthal aber daran, die «vertraglich definierten Werbeflächen» zu überprüfen. Die Stadt will keine Auskunft darüber geben, wie viele Standorte sie schon geprüft hat und wie viele Plakatflächen entfernt wurden, denn «der Prozess läuft noch».</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Düdingen entfernt illegal platzierte Wahlplakate</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Kanton Freiburg stehen am 8. November Wahlen an. Der Gemeinde Düdingen ist es wichtig, dass die vielen Wahlplakate, die im Vorfeld aufgehängt werden, nicht die Verkehrssicherheit beeinträchtigen. Deshalb hängt der Werkhof alle Plakate ab, die nicht vorschriftsgemäss angebracht sind. Die Kosten tragen die Verantwortlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die politischen Parteien waren bereits im Vorfeld über die Vorschriften informiert: Im Kanton Freiburg dürfen Plakate an Strassenlampen und auf öffentlichem Grund angebracht werden, sofern die geltenden Vorgaben eingehalten werden. So müssen sie mindestens 50 Meter von Kreiseln, Kreuzungen und Fussgängerstreifen entfernt sein.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a94c6d7c344844b090aeb8763c64d3ae" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Der russische Angriffskrieg hat eine verdrängte Vorgeschichte</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/der-russische-angriffskrieg-hat-eine-verdraengte-vorgeschichte/</link>
					<pubDate>Tue, 13 Oct 2026 08:08:28 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Michail-Gorbatschow-am-15.-Juli-1990-mit-Hans-Dietrich-Genscher-und-Helmut-Kohl-.-Informationsamt-der-Bundesregierung-e1791189092640-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Michail Gorbatschow am 15. Juli 1990 mit Hans-Dietrich Genscher und Helmut Kohl . Informationsamt der Bundesregierung" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Michail-Gorbatschow-am-15.-Juli-1990-mit-Hans-Dietrich-Genscher-und-Helmut-Kohl-.-Informationsamt-der-Bundesregierung-e1791189092640-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Michail-Gorbatschow-am-15.-Juli-1990-mit-Hans-Dietrich-Genscher-und-Helmut-Kohl-.-Informationsamt-der-Bundesregierung-e1791189092640-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Michail-Gorbatschow-am-15.-Juli-1990-mit-Hans-Dietrich-Genscher-und-Helmut-Kohl-.-Informationsamt-der-Bundesregierung-e1791189092640.png 770w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Zuerst ging es um die Ausdehnung der Nato. Von 2014 bis 2022 herrschte Krieg um die Ostukraine – mit 14’000 Toten. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Seit die russische Armee vor viereinhalb Jahren völkerrechtswidrig in die Ukraine einmarschierte, starben mindestens 600&#8217;000 Menschen und doppelt so viele wurden schwer verletzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland beharrt auf der Sezession&nbsp;und Annexion der ganzen vier östlichen Verwaltungsgebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson. Die Ukraine und die Nato unterstellen Russland weitergehende Eroberungsabsichten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="739" height="442" id="media-license-image-671137" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Krim-und-Oblaste-e1765971290108.png" alt="Krim und Oblaste" class="wp-image-671137" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Krim-und-Oblaste-e1765971290108.png 739w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Krim-und-Oblaste-e1765971290108-300x179.png 300w" sizes="auto, (max-width: 739px) 100vw, 739px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Krim und die vier östlichen Verwaltungsbezirke der Ukraine, die sich mit umstrittenen Abstimmungen der Russischen Föderation anschlossen. Schraffiert: von Russland kontrolliert. Dunkelgrün: von der Ukraine kontrolliert. Dazwischen verläuft die Kriegsfront.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Unterdessen gerät die Vorgeschichte langsam, aber sicher in Vergessenheit. Das Interesse an einer faktenbasierten Aufbereitung ist gering. Wenn überhaupt, dann werden im gegenseitigen Informationskrieg Fakten verdreht und unterdrückt.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine chronologische Auflistung der Vorgeschichte, die sich auf zugängliche Quellen stützt, legt nahe, dass der Konflikt mit Russland vermeidbar war. Deutschland könnte weiterhin von billigem russischem Gas und Erdöl profitieren. Aber-Milliarden, die in die Rüstung fliessen, stünden für Sinnvolleres zur Verfügung, beispielsweise in Frankreich für Schulen. Das politische Klima wäre weniger aufgeheizt, die Demokratien wären weniger gefährdet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der geopolitische Konflikt begann bereits vor 36 Jahren, als es um die Wiedervereinigung der beiden Deutschland ging.<a href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ySkk!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F7d0eb5d0-2e03-40de-ac40-64b9bfbcfb3a_1386x779.jpeg" target="_blank" rel="noopener"></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1990</strong><br>Nicht nur einmal, sondern gleich dreimal versichert US-Aussenminister James Baker beim Treffen vom 9. und 10. Februar gegenüber dem sowjetischen Machthaber Michail Gorbatschow, die Nato werde sich «keinen einzigen Zoll nach Osten» ausbreiten («not one inch eastward»). Gorbatschow erwidert: «Eine Nato-Erweiterung ist inakzeptabel.» Baker stimmt ihm zu und versichert Gorbatschow, dass «weder der Präsident noch ich beabsichtigen, aus den laufenden Prozessen einseitige Vorteile zu ziehen». Die Amerikaner verstünden, dass «es nicht nur für die Sowjetunion, sondern auch für andere europäische Länder wichtig ist, Garantien zu haben, dass sich die derzeitige militärische Zuständigkeit der Nato keinen Zoll nach Osten ausdehnen wird, wenn die USA ihre Präsenz in Deutschland im Rahmen der Nato aufrechterhalten».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Aussagen sind in der&nbsp;<a href="https://nsarchive.gwu.edu/briefing-book/russia-programs/2017-12-12/nato-expansion-what-gorbachev-heard-western-leaders-early" target="_blank" rel="noopener">Dokumentation</a>&nbsp;über die «security assurances against Nato expansion» festgehalten, die das «National Security Archive» im Dezember 2017 freigab.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem werden Polen, Ungarn und die Tschechische Republik 1999 der Nato beitreten, gefolgt von sieben weiteren Ländern im Jahr 2004: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Albanien und Kroatien werden 2009 Mitglieder. Montenegro kommt 2017 dazu. Nordmazedonien tritt 2020 bei, Finnland 2023. Schweden wird 2024 Mitglied.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund ihrer Erfahrungen mit der Sowjetunion wollten diese Staaten zur Nato. Doch ein Recht auf Aufnahme in die Nato gibt es nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 13. Februar 1990 gewährt das Parlament in Kiew der Halbinsel Krim den Status einer Autonomen Republik, allerdings als Teil der Ukrainischen Sowjetrepublik und nicht&nbsp;– wie von den Krimbewohnern vorher in einer Abstimmung gefordert – als eigenständiger, von der Ukraine unabhängiger Teil der geplanten Union der Sowjetrepubliken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 16. Juli versichert die Ukraine in ihrer&nbsp;<a href="https://zakon.rada.gov.ua/laws/show/en/55-12#Text" target="_blank" rel="noopener">Unabhängigkeitserklärung</a>: «Die Ukrainische SSR verkündet feierlich ihre Absicht, künftig ein dauerhaft neutraler Staat zu werden, der keinem Militärbündnis angehören wird.» Die Erklärung anerkennt die Rechte nationaler Gemeinschaften und die Grundsätze der Gleichheit und der Nichtdiskriminierung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der russische Aussenminister Sergej Lawrow argumentiert, dass die&nbsp;Souveränitätserklärungen&nbsp;der Ukraine weiterhin verbindlich seien. Aus russischer Perspektive bleibt die Ukraine rechtlich verpflichtet, ihren neutralen und blockfreien Status aufrechtzuerhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Unabhängigkeit der Ukraine verbleibt das drittgrösste Atomwaffenarsenal der Welt, darunter 1900 strategische Atomsprengköpfe, über 2000 taktische Atomwaffen und 44 strategische Bomber, in der Ukraine. Diese Waffen stehen weiterhin unter russischem Kommando. Die taktischen Atomwaffen sollten erst 1992 und die strategischen Sprengköpfe erst bis1996 nach Russland überführt werden.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 14. August 1990 erklärt das Parlament der Ukraine das Land einschliesslich der Krim für unabhängig von der UdSSR. Darauf reagiert das Parlament der Krim am 4. September damit, dass es die Halbinsel für eine autonome, also nicht der Ukraine zugehörige Republik erklärt. Die Krim konnte sich aber ohne Militär nicht durchsetzen. (Siehe: «<a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/35-jahre-unabhaengige-ukraine-das-krim-parlament-protestierte/" target="_blank" rel="noopener">Es war die Ukraine</a>, welche sich die Krim angeeignet hatte».)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine werden westliche Organisationen wie USAID, der British Council und verschiedene mit George Soros verbundene Gruppen in der Ukraine aktiv oder steigern ihre Aktivitäten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1994</strong>&nbsp;<br>Im Rahmen des Budapester Memorandums erklärt sich die Ukraine bereit, ihre Atomwaffen zur Demontage an Russland zu übergeben. Im Gegenzug bekennen sich Russland und die anderen Unterzeichnerstaaten zur territorialen Souveränität der Ukraine. Das Memorandum war ein Versprechen, indessen kein ratifiziertes, einklagbares Sicherheitsabkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1996<br></strong>Eine neue&nbsp;<a href="https://ccu.gov.ua/sites/default/files/constitution_2019_eng.pdf" target="_blank" rel="noopener">Verfassung</a>&nbsp;der Ukraine verbietet ausländische Militärstützpunkte auf ukrainischem Staatsgebiet (Artikel 17). Die russische Militärbasis auf der Krim wird aufgrund eines bestehenden laufenden Vertrags bis 2042 akzeptiert – mit einer Verlängerungsmöglichkeit bis 2047.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Präambel der Verfassung nennt die «Unumkehrbarkeit des europäischen und euro-atlantischen Kurses der Ukraine».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2002 bis 2004<br></strong>Der ukrainische Vize-Premierminister&nbsp;<a href="https://youtu.be/5R8dxkVQFTU?si=2g9O6uSupCpTJ39L" target="_blank" rel="noopener">Nikolai Asarow erklärt</a>, dass seine Regierung eine «multivektorielle» Politik verfolge – die Aufrechterhaltung guter Beziehungen sowohl zu Russland als auch zur EU. Russland habe sich neutral verhalten und Gas zu günstigen Preisen verkauft.&nbsp;<br>Er kritisiert auch, dass westliche Organisationen den ukrainischen Nationalismus und antirussische Stimmungen gefördert hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2007</strong><br>In einer Rede an der Münchner Sicherheitskonferenz spricht sich der russische Präsident Wladimir Putin entschieden gegen die weitere Osterweiterung der Nato und einen möglichen Beitritt der Ukraine zum Bündnis aus. Das Vorgehen der Nato bedrohe direkt die Sicherheit und Stabilität Russlands. Russland werde die «notwendigen Massnahmen» ergreifen, um seine&nbsp;nationalen Interessen zu schützen und die regionale Sicherheit zu wahren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2008<br></strong><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/William_J._Burns_(diplomat)" target="_blank" rel="noopener">William Burns</a>, US-Botschafter in Russland, meldet nach Washington: «Der Beitritt der Ukraine zur Nato ist für die russische Elite (nicht nur für Putin) die schärfste aller roten Linien: […] Ich habe noch niemanden gefunden, der die Aufnahme der Ukraine in die Nato als etwas anderes betrachtet als eine direkte Herausforderung für russische Interessen.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2010&nbsp;<br></strong>Nikolai Asarow wird unter dem demokratisch gewählten Präsidenten Janukowitsch Premierminister. Seine Regierung verhandelt über ein Assoziierungsabkommen mit der EU und führt gleichzeitig Freihandelsgespräche mit Russland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Asarow erklärt, dass das von der EU vorgeschlagene Assoziierungsabkommen den Zugang ukrainischer Produkte zur EU – vor allem mittels technischer Normen – sehr einschränke. Er kritisiert auch die von der EU vorgesehenen Agrarkontingente. Die EU wolle beispielsweise nur 20&#8217;000 Tonnen Weizen importieren – im Vergleich zur Produktionskapazität der Ukraine von rund 30 Millionen Tonnen wäre das fast nichts. Das beweise die negative Haltung der EU gegenüber der Ukraine.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Vorbereitung des Bodens für einen Staatsstreich</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1991 bis Ende 2013</strong><br>Laut&nbsp;<a href="https://www.youtube.com/watch?v=L2XNN0Yt6D8" target="_blank" rel="noopener">Victoria «Fuck the EU» Nuland</a>, die im US-Aussenministerium für die Ukraine zuständig ist, geben die USA<a href="https://www.youtube.com/watch?v=2y0y-JUsPTU&amp;t=446s" target="_blank" rel="noopener">&nbsp;fünf Milliarden&nbsp;Dollar für sogenannte zivile und politische Projekte</a>&nbsp;in der Ukraine aus. Es wird der Boden bereitet für einen Regime-Wechsel. Nicht eingerechnet bei den fünf Milliarden sind Budgets für militärische, paramilitärische oder verdeckte Aktionen und das Geld von privaten Oligarchen-NGOs wie denen von Soros, Omidyar, Gates und Thiel.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2013 bis 2014&nbsp;&nbsp;<br></strong>Asarow beobachtet, wie massive ausländische Gelder an Aktivisten fliessen, Kämpfer ins Land geholt werden, sich die US-Diplomatin Victoria Nuland in die Regierungsbildung einmischt und wie die USA direkten Druck ausüben, um bestimmte Persönlichkeiten wie Vitali Klitschko zu ernennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2014</strong><br>Die demokratisch gewählte ukrainische Regierung wird nach Massendemonstrationen, die vom Westen unterstützt und gefördert wurden, durch einen gewaltsamen, von den USA unterstützten Staatsstreich in Kiew gestürzt und durch ein ultranationalistisches Regime ersetzt. Der am 27. Februar 2014 gebildeten ukrainischen Übergangsregierung gehören mehrere Vertreter der rechtsextremen, sich auf den Faschisten <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/bandera-kult-ukraine-100.html" target="_blank" rel="noopener">Stephan Bandera</a> berufenden Partei Swoboda an. Bildungsminister Serhij Kvit bezeichnet Bandera in einem Interview mit dem ARD-Magazin «Panorama» als Symbol des ukrainischen Freiheitskampfs. Im Militär, der Polizei und in den Geheimdiensten werden Neonazis toleriert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen die neuen Machthaber in Kiew gibt es im Donbas grossen Widerstand. Dieser wird von Russland unterstützt. Ukrainische Spezialkräfte gehen gegen die Separatisten vor. Sie bombardieren auch Wohngebiete und setzen Streumunition in dicht besiedelten Gebieten&nbsp;ein, zum Beispiel in der Stadt Donezk. Das berichtet&nbsp;<a href="https://www.hrw.org/news/2014/10/20/ukraine-widespread-use-cluster-munitions" target="_blank" rel="noopener">Human Rights Watch (HRW)</a>: «Aufgrund der wahllosen Wirkungsweise dieser Waffe verstösst der Einsatz von Streumunition in besiedelten Gebieten gegen das Kriegsrecht und kann ein Kriegsverbrechen darstellen.»&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="760" height="527" id="media-license-image-495149" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2023/09/Donbas-Wahlen.png" alt="Donbas Wahlen" class="wp-image-495149" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2023/09/Donbas-Wahlen.png 760w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2023/09/Donbas-Wahlen-300x208.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2023/09/Donbas-Wahlen-392x272.png 392w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2023/09/Donbas-Wahlen-130x90.png 130w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2023/09/Donbas-Wahlen-600x416.png 600w" sizes="auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px" /><figcaption class="wp-element-caption">Präsidenten-Stichwahl im Jahr 2010. Der vorwiegend russischsprachige Osten und Südosten wählte Wiktor Janukowitsch. Er gewann gegen Julia Tymoschenko, die in der Westukraine am meisten Stimmen holte (rot). Janukowitsch blieb bis zu seiner Absetzung 2014 Präsident. <br>An den nächsten Präsidenten- und Parlamentswahlen von 2019 konnten die von Russland kontrollierten Gebiete nicht teilnehmen. Es gewann Selensky gegen den amtierenden Präsidenten Petro Poroschenko. An den folgenden Parlamentswahlen im gleichen Jahr lag die Wahlbeteiligung unter 50 Prozent. Gewonnen hat die Wahl die von Präsident Selensky neu gegründete Partei Sluha narodu (zu Deutsch Diener des Volkes).</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auch auf der ethnisch mehrheitlich russischen Krim ist der Unmut über die neue, ganz westlich orientierte Regierung weit verbreitet. Russland unterstützt die Separatisten und Überläufer der ukrainischen Armee und verhilft der Krim auch mit militärischem Einsatz, eine Sezession zu beschliessen und sich der russischen Föderation anzuschliessen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2014 bis 2015<br></strong>Vertreter der Ukraine, Russlands und der separatistischen Regionen im Donbas unterzeichnen zwei Minsker Abkommen. Sie zielen auf eine mit der Souveränität der Ukraine vereinbarte Autonomie der östlichen Regionen und auf die ukrainische Neutralität ab, mit internationalen Garantien, einschliesslich des «Abzugs aller ausländischen bewaffneten Formationen … [und] militärischer Ausrüstung aus dem Hoheitsgebiet der Ukraine».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rückblickend erklärte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel im Dezember 2022 gegenüber der «Zeit»: «Das Minsker Abkommen 2014 war ein Versuch, der Ukraine Zeit zu geben.&nbsp;Sie hat diese Zeit hat auch genutzt, um stärker zu werden, wie man heute sieht.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2015</strong><br><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_F._Cohen" target="_blank" rel="noopener">Stephen F. Cohen</a>, emeritierter Professor für Russische Studien an der Princeton und New York University,&nbsp;<a href="https://www.youtube.com/watch?v=-pUj3Vqptx8" target="_blank" rel="noopener">warnt</a>, die Eskalation werde gefährlicher, als sie jemals in den Jahrzehnten des Kalten Krieges war, weil der Westen keine roten Linien des Feindes mehr anerkenne: «Putin sagt: Ihr überschreitet unsere rote Linie. Washington kontert: Es gibt keine rote Linie. Nur wir haben rote Linien, ihr habt keine: Ihr könnt keine Militärstützpunkte in Kanada oder Mexiko haben. Wir aber können Stützpunkte an euren Grenzen haben, soviel wir wollen.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die USA organisieren «auf Ersuchen der Ukraine» die militärische Mission «Fearless Guardian», bei der die 173. US-Luftlandedivision sechs Monate lang drei&nbsp;ukrainische Brigaden ausbildet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2019</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Über die Separatisten im Donbas stellt die&nbsp;<a href="https://www.crisisgroup.org/europe-central-asia/eastern-europe/ukraine/254-rebels-without-cause-russias-proxies-eastern-ukraine" target="_blank" rel="noopener">International Crisis Group</a>&nbsp;(die von mehreren europäischen Ländern sowie der Open Society Foundation finanziert wird) fest: «Der Konflikt in der Ostukraine [Donbas] begann als eine Volksbewegung. […] Spätere Demonstrationen wurden von lokalen Einwohnern angeführt, die für sich in Anspruch nahmen, die regionale russischsprachige Mehrheit zu vertreten. Sie waren sowohl über die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der neuen Kiewer Regierung besorgt als auch über die später abgebrochenen Versuche dieser Regierung, den offiziellen Gebrauch der russischen Sprache im ganzen Land einzuschränken. Aktivisten und Freiwillige aus Moskau schlossen sich ihnen in einer Bewegung an.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Version der Nato lautet anders: Das russische Militär habe den Aufstand im Donbas organisiert. Medien verbreiten sogar, Russland habe «sich den Donbas angeeignet».&nbsp;Doch im Jahr 2019 geht es um eine garantierte Autonomie und nicht um eine Annexion an Russland.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://www.rand.org/about/faq.html" target="_blank" rel="noopener">Rand Corporation</a>&nbsp;publiziert eine&nbsp;<a href="https://www.rand.org/content/dam/rand/pubs/research_briefs/RB10000/RB10014/RAND_RB10014.pdf" target="_blank" rel="noopener">Studie</a>&nbsp;mit dem Titel «Overextending and Unbalancing Russia». Dort werden Möglichkeiten aufgeführt, wie die USA Russland zum Kippen bringen können (unbalancing). Das geht von unbegrenzten Wirtschaftssanktionen über umfangreiche Waffenlieferungen («lethal aid») an die Ukraine bis hin zu den Möglichkeiten, «interne Proteste in Russland zu unterstützen», «das Vertrauen in das russische Wahlsystem zu erschüttern», «Russlands Bild in der Welt zu unterminieren» und vieles mehr.&nbsp;<br>Auch die Möglichkeit, die russischen Gaslieferungen nach Europa zu reduzieren und durch vermehrten Export aus den USA zu ersetzen, wird als strategisch wichtig angesehen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der grösste Teil der Studie ist militärischen Zielen gewidmet, darunter dem Ziel, die Ukraine «als grösste externe Verwundbarkeit Russlands zu nutzen.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ukraine kündigt einseitig den Vertrag mit Russland, der die russische Militärbasis auf der Krim erlaubt. Der Vertrag hatte eine Laufzeit bis 2042 mit Option auf weitere fünf Jahre.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2021<br></strong>In Juni&nbsp;<a href="https://nato.diplo.de/resource/blob/2467084/2ced1f1d1ea0edd979dabd815bcfca3e/20210614-gipfelerklaerung-data.pdf" target="_blank" rel="noopener">verkündet</a>&nbsp;ein Nato-Gipfel in Brüssel: «Wir bekräftigen den auf dem Bukarester Gipfel 2008 gefassten Beschluss, dass die Ukraine Mitglied des Bündnisses wird. […] Wir schätzen ausserordentlich die erheblichen Beiträge der Ukraine zu den Operationen des Bündnisses, zu den Nato-Reaktionskräften und zu Nato-Übungen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 17. Dezember 2021 veröffentlichte Russland zwei Vertragsentwürfe über rechtsverbindliche Sicherheitsgarantien: einen für ein <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/211217-Treaty-between-The-United-States-of-America-and-the-Russian-Federation.pdf" target="_blank" rel="noopener">Abkommen mit den USA</a> und einen für ein <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/211217-Agreement-on-measures-to-ensure-the-security-of-The-Russian-Federation-and-member-States-of-the-North-Atlantic-Treaty-Organization.pdf" target="_blank" rel="noopener">Abkommen mit den Nato-Mitgliedstaaten</a>. Sie betrafen die europäische Sicherheitsordnung insgesamt und insbesondere die weitere Nato-Erweiterung sowie militärische Aktivitäten in der Ukraine und anderen Staaten. Darauf lehnten die USA und die Nato die zentrale Forderung Russlands ab, einen Nato-Anschluss der Ukraine verbindlich auszuschliessen. Als unannehmbar erachteten sie die Forderung, in keinem Land der ehemaligen Sowjetunion, das noch nicht Mitglied der Nato ist, Militärbasen zu errichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine titelte der in New York ansässige Nachrichtensender&nbsp;<a href="https://www.msnbc.com/opinion/msnbc-opinion/russia-s-ukraine-invasion-may-have-been-preventable-n1290831" target="_blank" rel="noopener">MSNBC</a>: «Die Invasion der Ukraine wäre vermeidbar gewesen.» MSNBC zitiert&nbsp;George Beebe, den ehemaligen Direktor der CIA-Russland-Abteilung: «Die Wahl, vor der wir in der Ukraine standen – und ich benutze absichtlich die Vergangenheitsform –, war, ob Russland sein Veto zu einer Nato-Beteiligung der Ukraine am Verhandlungstisch oder auf dem Schlachtfeld ausüben würde. Und wir sorgten dafür, dass das Veto auf dem Schlachtfeld ausgeübt wird, in der Hoffnung, dass Putin sich entweder zurückhält oder sein Militäreinsatz scheitert.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das russische Aussenministerium erklärt, die Ukraine habe&nbsp;125’000 Soldaten&nbsp;– etwa die Hälfte ihrer Streitkräfte – in das Donbas-Konfliktgebiet verlegt und dort einen Befestigungsring angelegt. Dies sei ein Zeichen bevorstehender Kampfhandlungen. Eine&nbsp;<a href="https://researchbriefings.files.parliament.uk/documents/CBP-9401/CBP-9401.pdf" target="_blank" rel="noopener">Analyse</a>&nbsp;des britischen Parlaments übernimmt diese Aussage, ein Dementi Kiews wird nicht zitiert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2022<br></strong>Seit 2014 sind im&nbsp;<a href="https://ukraine.un.org/sites/default/files/2022-02/Conflict-related%20civilian%20casualties%20as%20of%2031%20December%202021%20(rev%2027%20January%202022)%20corr%20EN_0.pdf" target="_blank" rel="noopener">Krieg um die Ostukraine</a>&nbsp;etwa 14&#8217;000 Menschen getötet und 37’000 verletzt worden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland dementiert, Truppen und Waffen an den Grenzen zur Ukraine zusammenzuziehen.<br>Am 22. Februar greift die russische Armee die Ukraine aus mehreren Richtungen an.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box is-style-yellow">
<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br><strong>Aufarbeiten der Geschichte</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>upg</em>. Wenn Historiker die Vorgeschichten von Konflikten analysieren und fragen, ob Kriege hätten verhindert werden können, stellen sie damit die Verantwortung der Angreifer nicht in Frage. Für den 10-jährigen Angriffskrieg Russlands gegen Afghanistan, der über eine Million Tote forderte, war Russland verantwortlich. Für den 20-jährigen Angriffskrieg der Nato gegen Afghanistan, der 250’000 Tote forderte, war die Nato unter Führung der USA verantwortlich. Für den Angriffskrieg gegen Irak, der über 500’000 Todesopfer forderte, waren Präsident George W. Bush und seine Koalition der Willigen verantwortlich.<br>Für den völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine, der bisher über 600&#8217;000 Menschenleben kostete, trägt Russland die Verantwortung.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"></h2>



<p class="wp-block-paragraph">➔&nbsp;Zu diesem Artikel veröffentlichen wir nur Kommentare, welche obige Tatsachen-Darstellungen in Frage stellen, ergänzen oder auf unberücksichtigte Tatsachen hinweisen. Bitte wenn möglich mit Quellenangabe. Es soll eine Diskussion um Tatsachen und Quellen werden.&nbsp;</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Scott Horton: «<a href="https://libertarianinstitute.org/books/provoked-how-washington-started-the-new-cold-war-with-russia-and-the-catastrophe-in-ukraine/" target="_blank" rel="noopener">Provoked</a>: How Washington Started the New Cold War with Russia and the Catastrophe in Ukraine», Juli 2025, Libertarian Institute, Austin TX.</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/die-so-andere-geschichte-der-halbinsel-krim/" target="_blank" rel="noopener">Die so andere Geschichte der Halbinsel Krim</a>, Infosperber vom 18.8.2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/e31f30affbdd4460950dfb6013b21605" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Auf Réunion kühlt sich der Flughafen mit Wind</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/uebriges-umwelt/auf-reunion-kuehlt-sich-der-flughafen-mit-wind/</link>
					<pubDate>Tue, 13 Oct 2026 08:08:10 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=735305</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="169" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Euronews-Videoscreenshot-Terminal-Roland-Garr-300x169.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Euronews Videoscreenshot Terminal Roland Garr" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Euronews-Videoscreenshot-Terminal-Roland-Garr-300x169.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Euronews-Videoscreenshot-Terminal-Roland-Garr-1024x576.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Euronews-Videoscreenshot-Terminal-Roland-Garr-768x432.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Euronews-Videoscreenshot-Terminal-Roland-Garr.png 1535w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das Terminal auf der tropischen Insel kommt ganz ohne Klimaanlage aus – dank traditioneller Bauprinzipien.
]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Sonne, Hitze, Feuchtigkeit – die tropische Insel La Réunion hat von all dem reichlich. Dennoch kommt das Ankunftsterminal des Flughafens ohne Klimaanlage aus. Besucherinnen und Besucher beschreiben die Halle als geräumig, hell, luftig und angenehm. Es gibt bodentiefe Fenster, viel Holz und etliche Grünpflanzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Beste aber: Der in Flughäfen sonst übliche eisige Hauch der Klimatisierung bleibt den Fluggästen erspart. Dafür weht ständig eine leichte Brise durch das Gebäude. Der konstante Luftstrom ist das Resultat ausgeklügelter Technik und schlauer Architektur. In dem hohen, verglasten Gebäude mit dem geschwungenen Dach steuern Sensoren mehr als <a href="https://www.dh-partner.com/belux/de/uber-uns/referenzen/referencesDetail/109195/roland-garros-airport">800 Fensterlamellen</a>, um die Lüftung zu regulieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr als die Hälfte der Gebäudeoberfläche lässt sich öffnen. Was den Eindruck erzeugt, mehr draussen als drinnen zu sein. Zahlreiche Grünpflanzen verstärken dieses Gefühl. Die Gebäudetechnik erzeugt auch bei Temperaturen von über 30 Grad draussen ein angenehmes Raumklima. Das System senkt die gefühlte Temperatur um vier bis fünf Grad – fast so viel, wie eine Klimaanlage leisten würde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Clou: Die Lücke im Dach</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am auffälligsten aber sind Lage und Form des Roland Garros Airport Arrival Terminals. Denn La Réunion hat ausser tropischer Hitze noch etwas anderes: die Passatwinde. Das Gebäude ist genau in Ost-West-Richtung gebaut. So hilft der Wind mit, das Gebäude mit Luft zu durchströmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Mitte des geschwungenen Dachs befindet sich dazu ein auffälliger, breiter Graben, durch den warme Luft nach draussen gelangen kann. Mehr als sieben Meter grosse Deckenventilatoren sorgen zusätzlich dafür, dass die Luft umgewälzt wird. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Raumklima hat auch ganz praktische Auswirkungen auf die Menschen, die dort arbeiten: Sie entgehen der berüchtigten «Aircon Flu», der Klimaanlagen-Erkältung. Delphine Robert, die einmal pro Woche für den Tourismusverband im Flughafen arbeitet, hofft, nun seltener krank zu werden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="536" id="media-license-image-735311" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/domus-aeroporto-1.jpg.foto_.rmedium.png" alt="domus-aeroporto-1.jpg.foto.rmedium" class="wp-image-735311" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/domus-aeroporto-1.jpg.foto_.rmedium.png 960w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/domus-aeroporto-1.jpg.foto_.rmedium-300x168.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/domus-aeroporto-1.jpg.foto_.rmedium-768x429.png 768w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein auffälliges Merkmal ist ein grosser Graben in der Mitte des geschwungenen Hallendachs. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bau des Terminals sei ein Wagnis gewesen, sagt Marc Delanoë, Leiter für nachhaltige Entwicklung am Roland Garros Airport. «Von Anfang an ohne Klimaanlage zu planen, war ein Risiko», sagte er gegenüber dem <a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/25/didnt-need-air-conditioning-airport-cooled-natural-ventilation-reunion">«Guardian»</a>. Die acht Jahre Planungs- und Bauzeit hätten sich jedoch gelohnt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«Von der Temperatur als Massstab wegkommen»</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Man müsse von der Temperatur als alleinigem Massstab für Wohlbefinden wegkommen, erklärt der Architekt Éric Bussolino vom Pariser Architekturbüro <a href="https://aialifedesigners.fr/projet/aeroport-de-la-reunion-roland-garros-sainte-marie/">AIA Life Designer</a><a href="https://aialifedesigners.fr/projet/aeroport-de-la-reunion-roland-garros-sainte-marie/">s</a>, das das Gebäude plante. «Ziel ist es, einen Luftstrom von etwa einem Meter pro Sekunde zu erzeugen, um die gefühlte Temperatur zu senken.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür holte sich AIA Unterstützung beim lokalen Architekten Olivier Brabant, der bereits mehrere Gebäude auf der tropischen Insel gebaut hatte. Die imposante Ankunftshalle ist nicht das erste «bioklimatisierte» Gebäude auf La Réunion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Einwohnerinnen und Einwohner von La Réunion sind seit Generationen Durchlüftungs-Fachleute. «Unsere Vorfahren bauten in Windrichtung. Sie öffneten und schlossen bestimmte Fenster und Türen, um die Belüftung anzupassen, wenn ihnen zu warm oder zu kalt war», beschreibt es Delanoë. Für ein grosses Gebäude müsse man einfach nur den Massstab ändern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Traditionelles Wissen in neuem Massstab</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Schon die ersten einfachen Hütten setzen auf Querlüftung, schreibt Alexandra Gerstberger in ihrer <a href="https://repositum.tuwien.at/bitstream/20.500.12708/189370/1/Gerstberger%20Alexandra%20-%202023%20-%20Wien%20lernt%20kreolisch%20Architektonische%20Adaption...pdf" target="_blank" rel="noopener">Diplomarbeit für die Universität Wien</a>, in der sie die architektonische Geschichte der Insel untersucht. Anfangs gab es nur wenige Fenster, damit die Hitze draussen blieb. Fenster und Tür lagen einander aber stets gegenüber. Die Wände reichten nicht bis zum Dach, damit die Luft zirkulieren konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei aufwendigeren Häusern wurde später ein Vordach üblich, das Regen und Sonne abhielt. Schon früh baute man auf der Insel sehr materialsparend. Holz war ein knapper Rohstoff, typisch waren Bambus und Fachwerk. Lamellenfenster sind häufig,  Fensterläden halten die Sonne ab, Öffnungen in der Fassade und der Decke lassen die Luft zirkulieren.  Auch in neuen, kompakten Bauten aus Stahl und Beton lebt man nach wie vor gerne halb draussen auf der Veranda.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Draussen-im-Drinnen-Gefühl</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Merkmale finden sich in der Ankunftshalle wieder. Das Draussen-im-Drinnen-Gefühl sollen auch die Besuchenden des Flughafengebäudes haben. Thomas Dubus, Vorsitzender des Flughafen-Verwaltungsrats, findet, das sei gelungen. «Der auffälligste Eindruck, den man beim Betreten des Gebäudes hat, ist der Kathedraleneffekt – das gigantische Raumvolumen und das Licht», beschreibt er die Ankunftshalle.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="486" id="media-license-image-735315" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Luftstromanalyse-e1791653737460-1024x486.png" alt="Luftstromanalyse" class="wp-image-735315" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Luftstromanalyse-e1791653737460-1024x486.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Luftstromanalyse-e1791653737460-300x142.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Luftstromanalyse-e1791653737460-768x364.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Luftstromanalyse-e1791653737460-1536x729.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Luftstromanalyse-e1791653737460.png 1758w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Projektleiter Thomas Lamet bei einer Luftstromanalyse in der Ankunftshalle. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den baulichen Anforderungen gehörten natürlich auch Brandschutz und Brandbelüftung sowie Unwettersicherheit. Auf La Réunion kann es heftig regnen, Zyklone mit starkem Wind kommen in der Region ebenfalls häufig vor. Bei Bedarf lässt sich die Fassade komplett schliessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je nach Quelle kostete das Flughafengebäude zwischen 65 (<a href="https://de.euronews.com/2026/05/11/der-flughafen-auf-la-reunion-erhalt-ein-bioklimatisches-terminal-das-erste-in-den-tropen" target="_blank" rel="noopener">«Euronews»</a>) und 113 Millionen Euro (<a href="https://kohesio.ec.europa.eu/en/projects/Q6836046" target="_blank" rel="noopener">Projektinfo EU</a>) , 15 Millionen Euro davon kostete allein die Gepäckabfertigung. Bezahlt haben dies vor allem die EU und der französische Staat. Trotz grosser Mengen Glas und Beton wurde möglichst viel Holz verwendet. Im gesamten Gebäude wurden 7000 Kubikmeter Beton verbaut. Versteifungselemente aus Recyclingplastik sparten <a href="https://www.domusweb.it/en/architecture/2026/07/15/tropical-airport-without-air-conditioning-la-reunion.html" target="_blank" rel="noopener">140 Kubikmeter Beton</a> ein – immerhin ein wenig. Für die Begrünung des Innenraums sorgt der Botanische Garten von La Réunion mit lokalen Pflanzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wegen Luftverschmutzung auf Europa schlecht übertragbar</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der 2024 eröffnete bioklimatiserte Flughafen wurde inzwischen mehrmals ausgezeichnet und 2025 von der Unesco und der Internationalen Architektenvereinigung in die Liste der schönsten Flughäfen der Welt aufgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die innovative Ankunftshalle benötigt laut «Euronews» 55 bis 60 Prozent weniger Energie als ein konventionelles Gebäude, bei derzeit 2,4 Millionen Passagieren pro Jahr. 30 Prozent der Energie, die der Flughafen benötigt, stammen aus Photovoltaik. Sein CO<sub>2</sub>-Ausstoss hat sich von 8000 Tonnen im Jahr 2011 auf 1000 Tonnen pro Jahr reduziert. Bis 2030 soll der gesamte Flughafen energieautark sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während in Europa der Ruf nach Klimaanlagen immer lauter wird, ging die französische Insel also den umgekehrten Weg. Ohne weiteres übertragbar sei die Bauweise aber nicht, sagt Delanoë gegenüber dem «Guardian». Die Luft in La Réunion sei sauber, das sei in europäischen Metropolen nicht der Fall. In grossen, verschmutzten Städten auf dem europäischen Festland liessen sich die Erkenntnisse aus der natürlichen Belüftung des Terminals nur schwer umsetzen. «Man konzentriert sonst die Schadstoffe im Inneren – das funktioniert nicht.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/681b5b63f9174d81bb59c699b797653c" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Wie heisst er?» «Theo!» «Aber alle sagen Teo!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/wie-heisst-er-theo-aber-alle-sagen-teo/</link>
					<pubDate>Tue, 13 Oct 2026 08:06:48 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Theo-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Theo" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Theo-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Theo-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Theo-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Theo-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Theo.png 1956w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Genf: Die Namen der Neugeborenen werden immer kürzer.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>US-Demokratieabbau ist «beispiellos in der modernen Geschichte»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/us-demokratieabbau-ist-beispiellos-in-der-modernen-geschichte/</link>
					<pubDate>Mon, 12 Oct 2026 08:28:58 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=734907</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="198" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-17.38.43-300x198.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Trump mit Flagge auf Ruinen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-17.38.43-300x198.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-17.38.43-768x506.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-17.38.43.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die USA befinden sich im demokratiepolitischen Krebsgang. Das zeigen jetzt auch wissenschaftliche Untersuchungen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die USA sind keine liberale Demokratie mehr: Dies bestätigen die jährlich publizierten Demokratie-Ratings. So etwa der <a href="https://www.v-dem.net/documents/75/V-Dem_Institute_Democracy_Report_2026_lowres.pdf?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener">V-Dem-Democracy-Report 2026</a> des schwedischen V-Dem Instituts (Varieties of Democracy, Universität Göteborg) für das Beobachtungsjahr 2025. Gemäss der Definition des Instituts muss eine liberale Demokratie nicht nur freie und kompetitive Wahlen durchführen, sondern unter anderem auch Rechtsstaatlichkeit, Medienfreiheit, individuelle Freiheitsrechte und starke institutionelle Begrenzungen der Exekutive gewährleisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Aggressive Machtkonzentration»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau hier hapert es besonders: «Präsident Trumps zweite Amtszeit zeichnet sich durch eine schnelle und aggressive Machtkonzentration beim Präsidenten aus», heisst es im Bericht. Die Geschwindigkeit des Rückbaus der amerikanischen Demokratie bezeichnet das V-Dem-Institut als «beispiellos in der modernen Geschichte». Die bürgerlichen Freiheitsrechte, die Gleichheit vor dem Gesetz sowie die Meinungsäusserungs- und Medienfreiheit seien «heute auf dem tiefsten Stand seit 60 Jahren».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Blick ins V-Dem-Dataset zeigt auch, wie rasch die USA im Demokratie-Ranking zurückgefallen sind: 2024 lagen die Vereinigten Staaten noch auf Rang 20 von 179 Ländern, 2025 auf Platz 51 (hier die Berechnungsmethode des Liberal Democracy Index im <a href="https://www.v-dem.net/release-statement-for-v16-of-the-v-dem-dataset/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener">V-Dem-Dataset</a>). Donald Trump hat seine zweite Amtszeit am 20. Januar 2025 angetreten. Er hat also nicht einmal ein ganzes Jahr gebraucht, um die demokratische Substanz seines Landes erheblich zu beschädigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ungarn noch spektakulärer, aber langsamer</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Tempo ist atemberaubend. Betrachtet man allerdings den gesamten Demokratie-Rückbau, gilt in den vergangenen rund 15 Jahren eine andere, einst liberal-westliche Demokratie als Muster: Ungarn. Der im vergangenen Jahr publizierte Report (<a href="https://www.v-dem.net/documents/54/v-dem_dr_2025_lowres_v1.pdf?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noopener">V-Dem Democracy Report 2025</a>) bezeichnet Ungarn ausdrücklich als «incremental rolling back of checks and balances», also als schrittweisen Abbau der gegenseitigen institutionellen Kontrollen. Victor Orbán kam 2010 mit einer parlamentarischen Zweidrittelmehrheit an die Macht. Betroffen vom Rückbau waren alle demokratierelevanten Bereiche: Verfassung, Justiz, Wahlkreise und Wahlrecht, Medien, Wirtschaft, Zivilgesellschaft.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" id="media-license-image-699999" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png" alt="Spendenbalken blau" class="wp-image-699999" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Tempo der Autokratisierung ist wohl der wichtigste Punkt beim Vergleich zwischen Ungarn und den USA: Orbán war insbesondere deshalb für lange Zeit erfolgreich, weil er die Institutionen so langsam umbaute, dass der Prozess lange innerhalb der demokratischen (Schein-)Legalität stattfinden konnte und schliesslich selbstverstärkend wirkte. Der V-Dem-Report bezeichnet Ungarn deshalb als Paradebeispiel zeitgenössischer Autokratisierung. Orbáns systematisches Vorgehen unterscheidet sich also deutlich von Trumps impulsgesteuerten Aktionen, wie etwa sein Rachefeldzug gegen missliebige Medien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immerhin macht das Beispiel Ungarn klar, dass Autokratien meist nicht so stabil sind, wie sie scheinen: Trotz der weitreichenden autokratischen Kontrolle über Medien, Wahlrecht und Justiz kollabierte das System Orbán an einer Kombination aus akuten Krisen, vor allem auch wirtschaftlicher Art, und wegen des geschickten Herausforderers Péter Magyar. Orbán wurde bei der Parlamentswahl im April 2026 abgewählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Globaler Niedergang der Demokratie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere Demokratie-Ratings sehen die USA klar auf dem absteigenden Ast. So etwa der im September 2026 erschienene Bericht «Global State of Democracy 2026» des <a href="https://www.idea.int/publications/catalogue/global-state-democracy-2026-democracy-age-conflict?lang=en" target="_blank" rel="noopener">International Institute for Democracy and Electoral Assistance</a> (Idea) mit Sitz in Stockholm. Der Bericht kommt zum Schluss, dass der demokratische Rückschritt in Washington keine rein interne Angelegenheit der USA ist. Vielmehr werde die internationale Ordnung und die Bündnispolitik beschädigt, auf denen Europas Sicherheit beruht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der demokratische Niedergang der USA ist gemäss dem Bericht Teil eines umfassenderen demokratischen Rückbaus. 2025 verzeichneten 98 von 173 Ländern – also 57 Prozent – innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren bei mindestens einem demokratischen Faktor eine Verschlechterung, während sich nur 55 Länder verbesserten. «Damit war es das elfte Jahr in Folge, in dem mehr Länder eine Verschlechterung ihrer demokratischen Leistungsfähigkeit als eine Verbesserung verzeichneten», heisst es im Bericht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Demokratie ist sicherheitsrelevant</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Idea-Generalsekretär Kevin Casas-Zamora sagte in einem Interview mit <a href="https://www.politico.eu/article/americas-democratic-slide-is-becoming-europes-problem/" target="_blank" rel="noopener">Politico</a>: «Was immer in den USA passiert, hat globale Auswirkungen, und ich denke, das ist eine der wirklich grossen Entwicklungen, die derzeit in der Welt stattfinden.» Denn die Angriffe auf demokratische Institutionen und die Zivilgesellschaft in den USA bestärken antidemokratische und autoritäre Strömungen in anderen Ländern. Casas-Zamora fordert deshalb, die Widerstandsfähigkeit der Demokratie als Sicherheitsfrage zu behandeln: «Der Schutz der Demokratie muss im Mittelpunkt der Sicherheitsagenda stehen und darf nicht nur eine Fussnote sein.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/krypto-milliardaere-kaufen-in-den-usa-und-grossbritannien-wahlen/" target="_blank" rel="noopener">Krypto-Milliardäre kaufen in den USA und Grossbritannien Wahlen</a>, Infosperber vom 4. Oktober 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/ein-plot-gegen-die-us-zwischenwahlen/" target="_blank" rel="noopener">Ein Plot gegen die US-Zwischenwahlen?</a>, Infosperber vom 27. Juli 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/medien/milliardaer-raeumt-bei-fuehrendem-tv-magazin-fuer-trump-auf/" target="_blank" rel="noopener">Milliardär räumt bei führendem TV-Magazin für Trump auf</a>, Infosperber vom 12. Juni 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/stephenm-der-offene-rassismus-von-trumps-vize-stabschef/" target="_blank" rel="noopener">@StephenM — der offene Rassismus von Trumps Vize-Stabschef</a>, Infosperber vom 6. Mai 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Europa braucht eine eigenständige Aussenpolitik</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/europa-braucht-eine-eigenstaendige-aussenpolitik/</link>
					<pubDate>Mon, 12 Oct 2026 08:27:10 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=734661</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="197" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-12.20.19-300x197.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Trump, Carney, Merz" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-12.20.19-300x197.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-12.20.19-768x504.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-12.20.19.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Politologe Glenn Diesen kritisiert die europäische Politik scharf. Sie taumle sehenden Auges auf einen Grosskrieg zu.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Während europäische Regierungen und Medien die transatlantische Geschlossenheit betonen, warnt eine wachsende Zahl von Realpolitikern vor einem historischen Fehlkurs. Zu ihnen gehört der norwegische Politikwissenschaftler Prof. Dr. Glenn Diesen. In seinem aktuellen &#171;Youtube&#187;-Video <a href="https://www.youtube.com/watch?v=OCRwrQFvigg" target="_blank" rel="noopener">The USA is destroying Europe from within</a> sowie auf <a href="https://www.facebook.com/glenn.diesen/?locale=de_DE" target="_blank" rel="noopener">Facebook</a> zeichnet er ein deutliches Bild: Der Kontinent opfert seine wirtschaftliche Basis und Sicherheit für die Interessen der USA und manövriert sich direkt in die Handlungsunfähigkeit. Am Beispiel von Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert er eine brandgefährliche Eskalationsspirale ohne Exit-Strategie, die Europa zur handlungsunfähigen Last der USA degradiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Glenn Diesen lehrt nach Stationen in Amsterdam, Australien und Moskau als Professor an der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Glenn_Diesen" target="_blank" rel="noopener">Universität Südost-Norwegen</a>. Seine Schwerpunkte sind russische Aussenpolitik und Geopolitik. Mit elf veröffentlichten Fachbüchern ist Diesen ein produktiver Analyst, der den Wandel globaler Machtstrukturen untersucht. Kritiker werfen ihm russische Propaganda vor, der russische Sender &#171;RT&#187; zitiert Glenn Diesen immer wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen zufolge verschiebe sich die geopolitische Landkarte rasant, und Europa drohe dabei einer der grössten Verlierer zu werden. Glenn Diesens zentrale These ist so einfach wie provokant: Europa begeht geopolitischen Suizid. Angetrieben von einer Elite, die jeglichen Sinn für Realpolitik verloren habe, opfere der Kontinent seine eigene Zukunft auf dem Altar der US-Hegemonie. Diesen kritisiert vor allem vier Punkte:</p>



<p class="wp-block-paragraph">1. <strong>Der wirtschaftliche Kahlschlag – teure Abhängigkeit statt Souveränität</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Europas – und insbesondere Deutschlands – wirtschaftlicher Wohlstand basierte jahrzehntelang auf einer einfachen Formel: Hochentwickelte Technologie kombiniert mit billigen, verlässlichen Rohstoffen aus Russland. Mit dem radikalen Bruch dieser Beziehungen habe sich Europa sein eigenes Fundament entzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Glenn Diesen betont, dass Europa die Abhängigkeit nicht beendet, sondern lediglich getauscht habe. Anstelle von russischem Pipeline-Gas importiert der Kontinent nun um ein Vielfaches teureres amerikanisches Flüssiggas (LNG). Die Folge? Eine schleichende Deindustrialisierung. Während europäische Unternehmen schliessen oder wegen massiver US-Subventionsprogramme nach Übersee abwandern, profitiere die US-Wirtschaft von der Schwächung ihres nominalen Verbündeten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2. <strong>Das Versagen der Sicherheitsarchitektur</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Sicht des geopolitischen Realismus erfordert dauerhafter Frieden die Einbindung aller Grossmächte einer Region. Die historische Chance nach dem Kalten Krieg, ein «Gemeinsames Europäisches Haus» unter Einbeziehung Russlands aufzubauen, wurde laut Diesen durch die kompromisslose Expansion der Nato leichtfertig verspielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nato dient in dieser Analyse primär nicht der Verteidigung Europas, sondern der Aufrechterhaltung der amerikanischen Dominanz auf dem eurasischen Kontinent. Die künstliche Trennungslinie, die quer durch Europa gezogen wurde, sorge für permanente Instabilität. Westliche Politiker agierten zunehmend in einem moralisierenden «Gut-gegen-Böse»-Narrativ, das rationale Verhandlungen und die Anerkennung legitimer Sicherheitsinteressen der Gegenseite unmöglich mache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">3. <strong>Europa als «Strategic Liability» (Strategische Last)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein fataler Fehler der europäischen Eliten sei die Verleugnung der langfristigen US-Strategie, so Diesen. Für Washington sei nicht Russland der Hauptgegner, sondern China. Der Fokus der USA verschiebe sich unaufhaltsam in den asiatisch-pazifischen Raum (Pivot to Asia).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die USA würden den Ukraine-Konflikt benützen, um Russland zu schwächen und Europa enger an sich zu binden. Doch während die USA flexibel agieren könnten, verbleibe Europa in einer Schockstarre. Militärisch entblösst und wirtschaftlich angeschlagen werde der Kontinent von einer potenziell starken Kraft zu einer strategischen Last (Strategic Liability), die völlig handlungsunfähig sei, sobald Washington seine Prioritäten endgültig verlagere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">4. <strong>Transatlantische Unterordnung statt echte Souveränität: Der Fall Merz&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders deutlich zeige sich dieses Dilemma laut Diesen am Handeln von Bundeskanzler Friedrich Merz. Merz verkörpere das tragische Paradoxon der modernen europäischen Führung: Er erkenne zwar formal, dass Europa eigenständiger werden muss, reagiere darauf jedoch nicht mit souveräner Diplomatie, sondern mit einer noch aggressiveren Fortführung der alten Politik:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Neokonservative Rhetorik:</strong> Diesen wirft in seinem Videobeitrag auf <a href="https://www.facebook.com/glenn.diesen/videos/chancellor-merz-borrows-george-w-bushs-they-hate-us-for-our-freedom-argument-as-/28242080252117346/" target="_blank" rel="noopener">Facebook</a> Merz vor, eins zu eins die veraltete Rhetorik der US-Neokonservativen aus der George-W.-Bush-Ära zu kopieren. Wer argumentiere, Russland agiere rein aus «Hass auf die westliche Freiheit», blende harte geopolitische Realitäten wie die Nato-Osterweiterung aus und verbaue jeden diplomatischen Ausweg.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Symbolpolitik in Kiew:</strong> Der jüngste <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/europa/merz-kiew-106.html" target="_blank" rel="noopener">Kanzlerbesuch von Merz in Kiew</a> inmitten schwerer russischer Luftangriffe demonstriert für Diesen vor allem die europäische Ohnmacht. Merz verspricht weitere Waffen und Milliardenhilfen, während Moskau zeitgleich militärisch die Bedingungen diktiert. Eine gefährliche Symbolpolitik, die Deutschland ohne Exit-Strategie tiefer in den Konflikt ziehe.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Warnungen vor Hybrid-Angriffen:</strong> Bei der Verleihung des <a href="https://www1.wdr.de/nrw/muenster/verleihung-westfaelischer-friedenspreis-2026-102.html" target="_blank" rel="noopener">Westfälischen Friedenspreises</a> hielt Merz die Laudatio auf das Nato-Bündnis (<a href="https://www.infosperber.ch/politik/absurde-friedenspreisverleihung-an-die-nato/" target="_blank" rel="noopener">Infosperber</a> berichtete). Diesen kritisiert, dass das Schüren von Ängsten vor russischen Cyber- und Hybridangriffen bei solchen Anlässen primär als Herrschaftsinstrument diene, um die massive Aufrüstung sowie die wirtschaftlichen Einbussen vor der eigenen Bevölkerung politisch zu rechtfertigen.</li>
</ul>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Der Weg in den Grosskrieg:</strong> Die Forderungen nach massiver Aufrüstung, weitreichenden Waffensystemen und Debatten über europäische nukleare Abschreckung würden nicht zu Stabilität führen, sondern den Kontinent sehenden Auges in einen potenziell katastrophalen Krieg mit einer Atommacht treiben.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schlusswort: Das Versagen der europäischen Führung&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zerstörung Europas von innen heraus ist laut Glenn Diesen kein rein amerikanisches Komplott. Realistisch betrachtet, tun die USA lediglich das, was Grossmächte immer tun: Sie verfolgen rücksichtslos ihre eigenen nationalen Interessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die eigentliche Verantwortung liege bei den europäischen Eliten, für die Friedrich Merz stellvertretend stehe. Indem sie auf eine eigenständige Aussenpolitik verzichteten, geografische Realitäten ignorierten und sich ideologisch unter transatlantische Vorgaben unterordneten, hätten sie die Interessen ihrer eigenen Bürgerinnen und Bürger verraten. Das Resultat sei ein deindustrialisiertes, tief gespaltenes und geopolitisch irrelevantes Europa, das durch den vollständigen Abbruch diplomatischer Kanäle und eine ungebremste Eskalationsspirale sehenden Auges in die akute Gefahr eines verheerenden kontinentalen Grosskriegs steuere.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/absurde-friedenspreisverleihung-an-die-nato/">Absurde Friedenspreisverleihung an die Nato</a>, Infosperber vom 26. September 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Manfred Böhm ist Publizist und Buchautor. Er hat katholische Theologie, Philosophie und Politikwissenschaft studiert.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Nach Zähnen, Haaren, Augen: Das Geschäft mit dem Kinderwunsch</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/nach-zaehnen-haaren-augen-das-geschaeft-mit-dem-kinderwunsch/</link>
					<pubDate>Mon, 12 Oct 2026 08:24:52 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=733721</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="198" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-08-um-12.53.04-300x198.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Ehepaar beim Arzt" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-08-um-12.53.04-300x198.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-08-um-12.53.04-768x508.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-08-um-12.53.04.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ertan Wittwers Klinikketten endeten mit Klage, Konkurs oder Verkauf mit Teilschliessung. Nun setzt er auf künstliche Befruchtung.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Im Dezember 2023 eröffnete in Zürich die Cada-Praxis für Fruchtbarkeitsabklärungen. Im <a href="https://www.wirtschaftszeit.ch/news/cada-fertility-eroeffnet-modernste-kinderwunschklinik-in-zuerich/">September 2024</a> folgte die Eröffnung der «Cada Kinderwunschklinik» an nobler Adresse &#171;zwischen Schönheitskliniken, Family-Offices und Privatbanken&#187; im Zürcher Seefeld. &#171;Das hochmoderne diagnostische Labor von Cada befindet sich direkt neben dem Operationssaal hinter einer Milchglasscheibe. Auf Knopfdruck können Kundinnen die Embryologen bei der Arbeit beobachten&#187;, beschrieb es ein Artikel im «<a href="https://www.tagesanzeiger.ch/kinderwunschklinik-zuerich-hier-hilft-ki-beim-kinderkriegen-733512029694" target="_blank" rel="noopener">Tages-Anzeiger</a>», der beste Werbung für die Klinik war. &#171;In dieser Klinik hilft die KI beim Kinderkriegen&#187;, die Kinderwunschklinik &#171;platze aus allen Nähten&#187; und baue aus, erfuhren die Leserinnen und Leser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was dort nicht stand: Hinter der «Cada Kinderwunschklinik» in Zürich steht das Start-up «Cada Fertility». Zwei der Investoren sind laut dem «<a href="https://www.startupticker.ch/en/news/cada-fertility-lanciert-umfassende-kinderwunsch-praxis" target="_blank" rel="noopener">Startupticker.ch</a>» Philip Magoulas, einer der ersten <a href="https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/familienunternehmer/stefan-bader-zurueck-auf-wachstumskurs-start-up-shore-holt-continental-manager/26104442.html" target="_blank" rel="noopener">Mitarbeiter</a> von Zalando, sowie der «<a href="https://www.watson.ch/wirtschaft/schweiz/878837530-so-aufdringlich-war-die-behandlung-der-pleite-klinikkette-hair-skin" target="_blank" rel="noopener">Schweizer Serienunternehmer</a>» Ertan Wittwer. Beide haben in der Schweizer Gesundheitsszene bereits als Investoren von sich reden gemacht. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Käuferin Migros fühlte sich übers Ohr gehauen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">2018 waren Magoulas und Wittwer an der Gründung von Bestsmile beteiligt, einer Kette von 36 chicen Zahnarztpraxen zur Zahnkorrektur, die 2021 einen Umsatz von angeblich <a href="https://founded.ch/in-vier-jahren-zum-exit-die-erfolgsgeschichte-von-bestsmile/" target="_blank" rel="noopener">50 Millionen Franken</a> machte. 2022 kaufte die Migros Bestsmile für mutmasslich 80 bis 100 Millionen Franken. Investor Wittwer habe sich daraufhin einen 1600-PS-Bugatti für rund vier Millionen Franken geleistet, schrieb «<a href="https://insideparadeplatz.ch/2024/10/14/fraumuenster-poser-ertan-wittwer-von-migros-vergoldet/" target="_blank" rel="noopener">Inside Paradeplatz</a>».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Migros dagegen machte bei Bestsmile bereits 2023 einen Abschreiber von 60 Millionen Franken, so die «<a href="https://www.nzz.ch/wirtschaft/migros-zieht-bei-zahnkorrektur-tochter-bestsmile-den-stecker-ld.1850904" target="_blank" rel="noopener">NZZ</a>». Anfang 2024 schloss die Migros zunächst neun Bestsmile-Standorte. Im Herbst 2024 gab sie bekannt, dass sie alle restlichen 27 Standorte schliessen werde. Danach reichte die Migros eine Klage gegen die Bestsmile-Verkäufer ein wegen mutmasslich geschönter Bilanzen. Diese wehrten sich mit einer Gegenklage wegen Rufschädigung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Konkursverfahren bei Hair &amp; Skin</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch bei Hair &amp; Skin war Ertan Wittwer 2020 als Mitgründer dabei. Das Unternehmen wurde rasch zum «grössten Player am Schweizer Markt», schrieb «<a href="https://www.watson.ch/wirtschaft/schweiz/878837530-so-aufdringlich-war-die-behandlung-der-pleite-klinikkette-hair-skin" target="_blank" rel="noopener">Watson</a>» und berichtete von fragwürdigen Geschäftspraktiken. Kundinnen seien beispielsweise mit der Prophezeiung, sie würden bald eine Glatze bekommen, unter Druck gesetzt worden, einen Vertrag mit Hair &amp; Skin zu unterschreiben. Die Firma bestritt die Vorwürfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 2024 kam das Aus. Damals «eröffnete das Obergericht Zürich den Konkurs über die Klinik-Kette Hair &amp; Skin Medical AG», so «<a href="https://www.watson.ch/wirtschaft/schweiz/815506200-ende-fuer-bestsmile-und-hair-skin-nun-reagiert-gruender-ertan-wittwer" target="_blank" rel="noopener">Watson</a>». Sowohl das mit über 13 Millionen Franken verschuldete Hair &amp; Skin als auch Bestsmile «machten Schlagzeilen mit ihren Geschäftspraktiken. Der Tenor lautete teils: Kunden würden Behandlungen aufgedrängt und die Ergebnisse seien nicht optimal.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Ertan Wittwer hatte eine einzige Idee: Gross und grösser machen, dann teuer losschlagen. […] Aufblasen, dann verkaufen: Wittwer beherrschte die Technik meisterhaft. Nicht nur bei Bestsmile», lästerte «<a href="https://insideparadeplatz.ch/2025/10/19/aufpump-maestro-geht-auf-orangen-riesen-los/" target="_blank" rel="noopener">Inside Paradeplatz</a>». «Hair &amp; Skin war ein weiteres luftiges Vorhaben […] Auch bei diesem stampften Wittwer und seine stets gleichen Helfer eine eindrückliche Gruppe aus dem Boden. Die Bewertung ging rasch durch die Decke, bevor sie Richtung Zero rauschte – alles zerschellte: Firma weg, Jobs weg.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Augenlaser-Patienten fühlten sich schlecht informiert</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach folgte Betterview, eine Kette von Augenlaser-Kliniken. «Im November 2021 gegründet, hat sich der Augenlaser-Anbieter mit mittlerweile zehn Standorten in der Schweiz im Rekordtempo zum Marktführer gemausert», berichtete «<a href="https://www.watson.ch/wirtschaft/schweiz/844366874-leonie-hat-bei-betterview-ihre-augen-gelasert-das-bereut-sie-heute" target="_blank" rel="noopener">Watson</a>».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder erfuhr das Onlineportal von unzufriedenen Kundinnen, bei denen es zu Komplikationen oder zu starken Schmerzen gekommen war, obwohl die Betterview-Werbung etwas anderes suggeriert hatte: «In einem Tiktok-Video heisst es: ‹Augenlasern soll schmerzhaft sein? … Nur ein Gerücht.› Oder: ‹Schmerzen haben bei unseren Laserbehandlungen nichts verloren.› Und am Schluss: ‹Sorgen um Schmerzen musst du dir nicht machen.›» Eine der betroffenen Kundinnen bewertete Betterview im Internet schlecht. Danach habe Betterview sie mit mehreren Anrufen, Blumen und einem Rabatt von 4000 Franken gebeten, die schlechte Bewertung zu löschen. Betterview bestritt diese Darstellung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im September 2025: «Verkauf an eine deutsche Gruppe, Schliessung eines Drittels der Filialen. Dreimal das gleiche Muster, dreimal ein Trauerspiel, dreimal der gleiche Mann im Fokus: Wittwer», so «<a href="https://insideparadeplatz.ch/2025/10/19/aufpump-maestro-geht-auf-orangen-riesen-los/" target="_blank" rel="noopener">Inside Paradeplatz</a>».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Die Schweiz ist ein attraktiver Markt für uns»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Käuferin namens Euroeyes, die ihren Sitz in Hamburg hat, ist an der Börse von Hongkong kotiert. Sie bezahlte rund 12 Millionen Franken für Betterview und erweiterte damit ihre bisherigen Standorte in Deutschland, Dänemark, Grossbritannien, China und Hongkong, berichtete «<a href="https://www.medinside.ch/euroeyes-12-millionen-franken-fuer-7-augenkliniken-20251027" target="_blank" rel="noopener">Medinside</a>». «Die Schweiz ist ein attraktiver Markt für uns»,&nbsp;liess sich der Euroeyes-Gründer zitieren. Derzeit betreibt die Käuferin acht Standorte in der Schweiz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun mischen Wittwer und seine Mitgründer den Markt im nächsten Gebiet auf: Nach Haaren, Haut, Augen und Zähnen investierten sie mit <a href="https://www.startupticker.ch/en/news/cada-fertility-lanciert-umfassende-kinderwunsch-praxis" target="_blank" rel="noopener">Cada Fertility</a> in die Fortpflanzungsmedizin, ein Gebiet, das seit einigen Jahren vermehrt Investoren anlockt (<a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/was-frauen-beim-social-egg-freezing-verschwiegen-wird/" target="_blank" rel="noopener">Infosperber</a> berichtete). </p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Zusatzbehandlungen ohne erwiesenen Nutzen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das österreichische Institut für Health Technology Assessment <a href="https://aihta.at/page/in-vitro-fertilisation-viele-zusatzbehandlungen-ohne-belegten-nutzen/de" target="_blank" rel="noopener">AIHTA</a> informierte jüngst: Häufig würden In-vitro-Befruchtungs-Kliniken den Paaren ergänzende Verfahren, Medikamente oder Techniken anbieten, welche die Erfolgschancen auf ein Baby steigern sollen. Doch: &#171;Eine aktuelle [&#8230;] Metaanalyse deutet darauf hin, dass viele dieser Zusatzbehandlungen die Chance auf ein Kind wahrscheinlich nicht erhöhen.&#187; Viele Paare dürften dafür also vergeblich bezahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von zehn häufig angewandten Zusatzbehandlungen bei der In-vitro-Befruchtung fanden die Autoren dieser Metaanalyse in «<a href="https://www.thelancet.com/journals/lanogw/article/PIIS3050-5038(26)00054-3/fulltext" target="_blank" rel="noopener">The Lancet Obstetrics, Gynaecology &amp; Women&#8217;s Health</a>» nur bei einer Hinweise, dass sie die Lebendgeburtenrate möglicherweise &#171;geringfügig&#187; verbessert. Bei allen anderen gab es entweder zu wenig <a href="https://www.cochrane.org/evidence/CD011320_time-lapse-systems-embryo-incubation-and-embryo-assessment-couples-undergoing-vitro-fertilisation" target="_blank" rel="noopener">Daten</a> oder keine Hinweise für diesen Nutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel ist das «Time-Lapse-System» (TLS). Dabei verfolgt eine Kamera die Entwicklung des Embryos im Labor und eine Software soll helfen, den besten Kandidaten unter den Embryonen zu ermitteln. <a href="https://de.dexeus.com/uber-uns/unsere-zentren/medizinisches-team/andreas-abraham-zadeh" target="_blank" rel="noopener">Andreas Abraham Zadeh</a>, Reproduktionsmediziner und ehemaliger Direktor einer entsprechenden Klinik in Barcelona, schrieb letztes Jahr in der Fachzeitschrift «<a href="https://link.springer.com/article/10.1186/s12958-025-01446-4">Reproductive Biology and Endocrinology</a>» dazu: Viele Kliniken hätten das TLS eingeführt, «nicht unbedingt aufgrund überzeugender klinischer Daten, sondern um keine Patientinnen zu verlieren und sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern».</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/was-frauen-beim-social-egg-freezing-verschwiegen-wird/" target="_blank" rel="noopener">Was Frauen beim «Social Egg Freezing» verschwiegen wird</a>, Infosperber vom 7. Oktober 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/grosskonzerne-kaufen-immer-mehr-aerzte/">Grosskonzerne kaufen immer mehr Arztpraxen</a>, Infosperber vom 3.11.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/das-pflegeheim-als-profitmaschine/" target="_blank" rel="noopener">Das Pflegeheim als Profitmaschine</a>, Infosperber vom 21.8.2023</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/46d4270dfbc94a9f805a8b0e54c266a8" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Nord-Stream: Neuer Dokumentarfilm lässt Experten zweifeln</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/nordstream-neuer-dokumentarfilm-laesst-experten-zweifeln/</link>
					<pubDate>Sun, 11 Oct 2026 07:10:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=734755</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="152" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-11-um-08.59.08-300x152.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="ARD Nord-Stream-Anschlag Aufmacherbild" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-11-um-08.59.08-300x152.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-11-um-08.59.08-768x388.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-11-um-08.59.08.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die kleine Besatzung einer Segelyacht könne keine solche Sprengung gemacht haben. Dazu brauche es militärische Kapazitäten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Wer hat im September 2022 die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee gesprengt? Während die offiziellen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft seit geraumer Zeit eine Spur verfolgen, die zu der Segelyacht &#171;Andromeda&#187; führt, mehren sich in Fachkreisen die Zweifel an dieser Theorie. Der neue, 121-minütige Dokumentarfilm &#171;Nordstream – Die Sprengung&#187; (2026) der Regisseure Moritz Enders und Gunther Merz rollt den Kriminalfall der jüngeren europäischen Geschichte völlig neu auf. Das Projekt, präsentiert vom Nachrichtenmagazin Hintergrund, lässt in exklusiven Interviews internationale Experten zu Wort kommen, deren Analysen das offizielle Narrativ ins Wanken bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Logistische Zweifel – Warum die &#171;Andromeda-Spur&#187; wackelt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Regisseur Moritz Enders stellt in begleitenden Interviews zur Dokumentation klar, dass die logistischen und technischen Anforderungen für die Zerstörung einer solchen Unterwasser-Infrastruktur weit über das hinausgehen, was eine kleine Crew auf einer gecharterten Segelyacht leisten könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterstützt wird diese Skepsis durch handfeste technische Expertisen aus der Praxis. Der schwedische Ingenieur Erik Andersson, ein Fachmann für komplexe Unterwasser- und Offshore-Operationen, analysiert im Film die physischen Bedingungen am Meeresgrund. Seine Einschätzung deckt sich mit den Berechnungen des US-Physikers Professor Theodore Postol. Der ehemalige Berater im Pentagon liefert eine naturwissenschaftliche Einordnung der Detonationen und macht deutlich, welche immensen militärischen Kapazitäten und präzisen Sprengstoffmengen für eine gezielte Zerstörung in dieser Tiefe tatsächlich notwendig waren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="603" height="314" id="media-license-image-456483" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2023/02/27.9.22-Ursula-von-der-Leyen.png" alt="27.9.22 Ursula von der Leyen" class="wp-image-456483" style="width:603px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2023/02/27.9.22-Ursula-von-der-Leyen.png 603w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2023/02/27.9.22-Ursula-von-der-Leyen-300x156.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2023/02/27.9.22-Ursula-von-der-Leyen-600x312.png 600w" sizes="auto, (max-width: 603px) 100vw, 603px" /><figcaption class="wp-element-caption">Tweet von Ursula von der Leyen einen Tag nach dem Anschlag auf die Nord-Stream Pipelines: Jede absichtliche Zerstörung der europäischen Energie-Infrastruktur sei «inakzeptabel» und werde mit der stärkst möglichen Reaktion beantwortet.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Geopolitische Interessen und die Rolle der Geheimdienste</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben den technischen Aspekten beleuchtet die Dokumentation die geopolitische Dimension des Anschlags auf die einstige Lebensader der deutschen Energieversorgung. Hierzu äussert sich unter anderem Ray McGovern, ehemaliger CIA-Analyst und langjähriger Berater mehrerer US-Präsidenten. Er bringt die Perspektive des US-Sicherheitsapparates ein und hinterfragt die Informationspolitik der westlichen Alliierten scharf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch auf deutscher Seite äussert sich ein hochrangiger Militär: Harald Kujat, Generalinspekteur der Bundeswehr a. D. und ehemaliger Vorsitzender des Nato-Militärausschusses, ordnet das Ereignis strategisch ein. Er beleuchtet den immensen Schaden für die westeuropäische Wirtschaft und die sicherheitspolitischen Bruchlinien innerhalb der internationalen Gremien.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Beweise unter Verschluss</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum dringen so wenige dieser fachlichen Zweifel an die breite Öffentlichkeit? Der Investigativ-Journalist Dirk Pohlmann berichtet im Film von einer Mauer des Schweigens. Wichtiges Beweismaterial werde von den Behörden weiterhin strikt unter Verschluss gehalten, was eine unabhängige journalistische Aufklärung massiv behindere.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Amerikanist und Propagandaforscher Jonas Tögel ordnet diese Dynamik psychologisch ein. Er analysiert die Sprengung als Teil moderner psychologischer Kriegsführung und zeigt auf, mit welchen Narrativen Politik und Leitmedien versuchen, die Deutungshoheit über den Anschlag zu behalten und kritische Fragen im Keim zu ersticken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="486" height="800" id="media-license-image-734791" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-10.49.19.png" alt="Nordstream Die Sprengung DVD" class="wp-image-734791" style="aspect-ratio:0.6075201300140356;object-fit:cover;width:200px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-10.49.19.png 486w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-09-um-10.49.19-182x300.png 182w" sizes="auto, (max-width: 486px) 100vw, 486px" /><figcaption class="wp-element-caption">   </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Am Dienstag, 13. Oktober 2026 findet um 20:00 Uhr im Babylon in Berlin (Kino 2) eine Vorstellung in Anwesenheit des Regisseurs und des Produzenten statt. Wer nicht in Berlin wohnt, kann den unabhängig finanzierten Film auf der offiziellen Website <a href="https://nordstreamfilm.de" target="_blank" rel="noopener">nordstreamfilm.de</a> für 25 Euro auf DVD (versandkostenfrei) bestellen oder für 8,99 Euro als Online-Stream für sechs Stunden freischalten. Um die Dokumentation international zu verbreiten, läuft auf der Website eine Crowdfunding-Kampagne für englische Untertitel und weltweite Synchronfassungen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/terroranschlag-auf-nord-stream-pipelines-es-war-die-ukraine/" target="_blank" rel="noopener">Terroranschlag auf Nord-Stream-Pipelines: Es war die Ukraine</a>, Infosperber vom 24. April 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/medien/am-puls-des-wachhunds/" target="_blank" rel="noopener">Am Puls des Wachhunds</a>, Infosperber vom 30. Januar 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/luft-klima/panzer-bomben-raketen-wie-kriege-den-klimawandel-befeuern/" target="_blank" rel="noopener">Panzer, Bomben, Raketen – wie Kriege den Klimawandel befeuern</a>, Infosperber vom 26. Februar 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/nord-stream-2-die-usa-streiten-mittaeterschaft-nicht-ab/" target="_blank" rel="noopener">Nord-Stream-2: Die USA streiten Mittäterschaft nicht ab</a>, Infosperber vom 27. September 2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/nord-stream-sprengung-neue-indizien-aus-privater-forschung/" target="_blank" rel="noopener">Für den Pipeline-Anschlag genügte wenig Sprengstoff, sagt ein Ex-Boeing-Ingenieur. Ein Schweizer Physikprofessor widerspricht.</a> Infosperber vom 6. Juli 2023.</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Manfred Böhm ist Publizist und Buchautor. Er hat katholische Theologie, Philosophie und Politikwissenschaft studiert. Sein Artikel erschien bei «<a href="https://www.pressenza.com/de/2026/10/die-nord-stream-sprengung-neue-dokumentation-laesst-hochkaraetige-experten-zweifeln/" target="_blank" rel="noopener">pressenza.com</a>», einer Nachrichtenagentur von ehrenamtlich tätigen Freiwilligen, die sich den Themen Humanismus, Gewaltfreiheit, Menschenrechte, Abrüstung und Nicht-Diskriminierung widmet. Infosperber veröffentlicht eine leicht redigierte Fassung.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
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					<title>Geschichtsfälschung mit Diplomaten-Begleitung</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/geschichtsfaelschung-mit-diplomaten-begleitung/</link>
					<pubDate>Sun, 11 Oct 2026 07:05:16 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/11751010-scaled-e1791406495251-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Ethnic Armenians of Nagorno-Karabakh enclave: a never-ending displacement since the &#039;90s" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/11751010-scaled-e1791406495251-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/11751010-scaled-e1791406495251-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/11751010-scaled-e1791406495251-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/11751010-scaled-e1791406495251-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/11751010-scaled-e1791406495251-2048x1228.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Baku erklärt armenische Klöster in Bergkarabach zu «kaukasisch-albanischem» Erbe. Die EU schaut zu – aus «Realpolitik».]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Mitte September hat die aserbaidschanische Regierung das diplomatische Korps des Landes zu einem zweitägigen Besuch in Bergkarabach eingeladen. Mit rund 150 Vertretern aus 58 Ländern und neun internationalen Organisationen reisten aus der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku in diese ferne, gebirgige Region praktisch alle diejenigen mit, die in der Diplomatie des Südkaukasus eine Rolle spielen wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Stalins vergiftetes Erbe</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die internationale Diplomatie zählte den Konflikt um Bergkarabach jahrzehntelang zu den sogenannten «frozen conflicts», den «ruhig gestellten» Konflikten. Wie bei vielen anderen Konflikten im Raum der Ex-Sowjetunion handelte es sich auch bei Bergkarabach um ein Erbe Josef Stalins. Obwohl sich die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung (damals bis zu 90 Prozent) aus Armeniern zusammensetzte, ordnete Stalin die kleine Enklave in den 1920er Jahren dem Territorium Aserbaidschans zu. Die Rechnung für diese «Teile-und-Herrsche»-Strategie zahlten die Völker im Südkaukasus 70 Jahre später.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach brach aus, als ein sogenanntes «Austrittsgesetz» der UdSSR vom 3. April 1990 die sowjetischen Republiken sowie autonomen Regionen dazu ermächtigte, über ihre Zukunft selbst zu entscheiden. Bergkarabach, das eine autonome Region war, entschied sich im Dezember 1991 für die Unabhängigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit der Gebietssowjet von Bergkarabach im Februar 1988 beschlossen hatte, sich von der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik abzuspalten und mit der Armenischen Sozialistischen Sowjetrepublik zu vereinigen, war Bergkarabach von Einheiten der Sowjetarmee und aserbaidschanischen Milizen de facto umstellt. Der bekannte polnische Journalist Ryszard Kapuściński schreibt in «Imperium»: «Sie kontrollierten alle Zufahrten, Strassen, Wege und Pfade, sie kontrollierten die Schluchten und die Felsvorsprünge, Gebirgspässe, Klüfte und Berggipfel. (…) Dieser gottverlassene Winkel ist hermetisch abgeriegelt.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Recht gegen Recht</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aserbaidschan machte umgehend sein Recht auf territoriale Integrität und Unverletzlichkeit seiner Grenzen geltend und begann den Krieg. Dieses Recht ist im Völkerrecht verankert. Im Schatten des Konflikts trieb Baku dabei seine rund 400 000-köpfige armenische Minderheit gnadenlos in die Flucht. Die Pogrome in Sumgait (Februar 1988), Kirowabad (November 1988) und Baku (Januar 1990) und der grosse Exodus der einheimischen Armenier – darunter viele einflussreiche Wissenschaftler, Sportler und Künstler – gingen als die erste Kollektivstrafe wegen des aufmüpfigen Bergkarabach in die Geschichte des Südkaukasus ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sollte nicht dabei bleiben. Seit Kriegsbeginn berief sich Armenien auf das Recht der Völker auf Selbstbestimmung, das ebenfalls im Völkerrecht verankert ist. Dabei nützte auch die armenische Führung die Wirren des Kriegs, um die rund 200&#8217;000-köpfige aserbaidschanische Minderheit des Landes kollektiv zu bestrafen und sie schliesslich gnadenlos zu vertreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Armee der Verstossenen kamen nach 1993 noch eine halbe Million Aserbaidschaner hinzu, die gezwungen wurden, die sieben von Armeniern besetzten Provinzen Aserbaidschans rund um Bergkarabach zu verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab 1994 zählte die internationale Diplomatie den Konflikt um Bergkarabach zu den «frozen conflicts». Der gegenseitige Hass und das Misstrauen zwischen den beiden Völkern waren inzwischen so gross, dass Historiker den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan oft mit dem schwer lösbaren Konflikt zwischen Israel und Palästina verglichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Drohnen, Blockade, Exodus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bergkarabach konnte seine Selbstverwaltung bewahren, bis Aserbaidschan im September 2020 in enger Allianz mit der Türkei und Israel die Region massiv mit Drohnen angriff. Armenien hatte gegen eine solche militärische Übermacht keinerlei Chancen und erlitt eine vernichtende Niederlage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Jahre später nahm Baku den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zum Anlass – respektive zum Vorbild –, um armenisches Kernland anzugreifen und weitere Gebiete zu besetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Jahr später griff die aserbaidschanische Armee das inzwischen völlig wehrlose Bergkarabach erneut an. Die gesamte Bevölkerung von rund 120&#8217;000 Menschen floh in Panik. Karabach-Armenier konnten sich ein Leben unter der Kontrolle Ilham Alijews kaum vorstellen. Wie schon Ende der 1980er-Jahre hatte Baku Bergkarabach zuvor abgeriegelt – neun lange Monate, in denen Kinder, Frauen und alte Menschen ohne ausreichend Nahrung, Medikamente und Heizung ausharren mussten.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" id="media-license-image-699997" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen.png" alt="Spendenbalken grün" class="wp-image-699997" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krieg in Bergkarabach hat das geopolitische Machtverhältnis im Südkaukasus inzwischen grundlegend verändert. Der Einfluss von Russland und Armenien schrumpfte dabei auf ein Minimum. Die «türkische» Achse zwischen Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew und der Türkei wurde dagegen zum unbestrittenen Machtfaktor der Region. Ilham Alijew, der zudem über enorme Energievorkommen verfügt, fühlt sich nun stark genug, um die Geschichte des Südkaukasus neu zu schreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Geschichtsstunde im Kloster</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dreissig Jahre lang galt Bergkarabach für die internationale Diplomatie als eine Art «No-Go-Area». Kaum ein Diplomat wagte sich dorthin. Diesmal wurden die zahlreiche Delegation aber vom Präsidentenberater Hikmet Hajiyew persönlich begleitet. Hajiyew führte seine hochrangigen Gäste durch die Viertel der regionalen Hauptstadt und zeigte ihnen voller Stolz, wie riesige Baumaschinen emsig ständig neue Viertel aus dem Boden stampfen. Er schwärmte, die Bauindustrie werde das Antlitz von Khankendi (armenisch Stepanakert) bald radikal verändert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam besuchten sie schliesslich das berühmte Kloster Gandsassar (auf Armenisch «Schatzberg»). Das architektonische Juwel aus dem Mittelalter, so machte Hikmet Hajiyew seinen Gästen klar, sei nicht «armenisch», wie die Armenier immer behaupteten, sondern in Wahrheit «kaukasisch-albanisch». Überhaupt seien Kirchen und Klöster im Südkaukasus «kaukasisch-albanische» Bauten. Hikmet Hajiyew gilt in Baku als begnadeter Propagandist. Hatte er die Tour der Diplomaten bewusst als raffiniertes Instrument konzipiert, um die «Albanisierungsthese» vor Ort zu propagieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Erfindung der Ahnen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die «Albanisierungsthese» bildet jedenfalls den Kern von Aserbaidschans neuer Kulturpolitik. Sie geht auf den aserbaidschanischen Historiker und Offizier Zia Buniatov (1923–1997) zurück, der sie in den 1960er Jahren entwickelte. Ihr zufolge errichtete das autochthone christliche Volk der «kaukasischen Albaner»* die Sakralbauten im Südkaukasus. Die Armenier seien dagegen erst im 19. Jahrhundert im Zuge der russischen Expansion als späte Invasoren aufgetaucht und hätten die albanischen Sakralbauten durch nachträglich angebrachte Inschriften und Spuren verfälscht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zia Buniatov erklärte die heutigen Aserbaidschaner ausserdem zu den direkten und alleinigen Nachfahren der christlichen kaukasischen Albaner. Zugegebenermassen braucht es eine gewisse Fantasie, um Buniatovs Geschichtsverständnis nachzuvollziehen. Das Gebiet, auf dem sich heute der Staat Aserbaidschan befindet, war seit dem 8. Jahrhundert überwiegend von Muslimen besiedelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die internationale Geschichtsforschung lehnt das in Baku vertretene Geschichtsnarrativ als nationalistisches Konstrukt ab. Ihrer Einschätzung nach dient es der politischen Führung vor allem dazu, territoriale Ansprüche gegenüber den schwächeren Nachbarstaaten zu rechtfertigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit dem Bagger gegen Erinnerung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit die ersten Bilder aus Bergkarabach in den sozialen Medien kursieren, <a href="https://mirrorspectator.com/2026/09/15/outcry-in-armenia-as-azerbaijan-portrays-armenian-heritage-in-nagorno-karabakh-as-caucasian-albanian/" target="_blank" rel="noopener">wächst in Armenien</a> die Sorge um das zurückgelassene Kulturerbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es sich in Bergkarabach um vornehmlich armenische Denkmäler handelt, steht in zahlreichen internationalen Dokumenten festgeschrieben. In der Resolution des Europäischen Parlaments vom 10. März 2022 ist beispielsweise die Rede von «1456 armenischen Denkmälern, die nach dem Krieg 2020 unter aserbaidschanischer Kontrolle» stehen. Der Internationale Gerichtshof (IGH) verfügte in seiner Anordnung vorläufiger Massnahmen vom 7. Dezember 2021 zudem, dass Aserbaidschan alle erforderlichen Massnahmen ergreifen müsse, um Akte des Vandalismus und der Schändung am armenischen Kulturerbe zu verhindern und zu bestrafen, darunter an Kirchen, Denkmälern, Wahrzeichen, Friedhöfen und Artefakten**.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der armenischen Bevölkerung macht sich ein Gefühl der Ohnmacht breit. Der amerikanisch-armenische Politikwissenschaftler Johnny Melikyan hält <a href="https://mirrorspectator.com/2026/09/14/vae-victis-is-not-a-strategy-why-lasting-peace-cannot-rest-on-forced-realities/" target="_blank" rel="noopener">in einem Bericht</a> fest: «Ganze historische Wohnviertel in Stepanakert werden systematisch planiert, jahrhundertealte armenische Dörfer dem Erdboden gleichgemacht und Friedhöfe geschändet. All dies stimmt mit Lemkins Rahmenkonzept für kulturelle Zerstörung überein. Auf die physische Vertreibung einer Bevölkerung folgt die systematische Auslöschung ihrer historischen Spuren. Dem entvölkerten Gebiet wird die Identität des Eroberers aufgezwungen.» Raphael Lemkin prägte 1944 den Begriff Genozid und trug massgeblich dazu bei, ihn als Verbrechen im internationalen Recht zu verankern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Krim nein, Karabach ja</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Setzt sich am Ende das Recht der Macht durch – oder doch die Macht des Rechts? Nach dem zweiten Wahlsieg Donald Trumps setzen die USA und Russland ihre Interessen durch, indem sie sich unverhohlen am Recht des Stärkeren orientieren. Ihr Beispiel findet überall treue Nachahmer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Politiker der Europäischen Union werden oft der Doppelmoral bezichtigt. Im Falle der Ukraine treten sie für Werte und Prinzipien der Demokratie und für die Macht des Rechts ein. Gegenüber Ilham Alijew sind sie hingegen elastisch und zeigen Verständnis selbst für seine abwegige Albanisierungsthese. Magdalena Grono, die EU-Sonderbeauftragte für den Südkaukasus, schrieb nach ihrem Besuch in Bergkarabach <a href="https://www.trend.az/azerbaijan/4223447.html" target="_blank" rel="noopener">in ihrem Beitrag</a> auf X: «Tief divergierende Ansichten und Erzählungen bleiben bestehen, zum Beispiel über die Herkunft einiger Stätten in der Region.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Grono, begleitet vom engsten Berater von Wladimir Putin, auf die Krim reisen und sich vom neuen russischen Geschichtsnarrativ überzeugen lassen würde, erscheint vorläufig höchst unwahrscheinlich. Diese Diskrepanz wird in Brüssel als «Realpolitik» bezeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den russischen Autokraten zu schwächen, hofiert die EU Aserbaidschans Präsidenten Alijew. Alijew wird von internationalen Menschenrechtsorganisationen und Institutionen allerdings zu den schlimmsten Autokraten der Welt gezählt.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box is-style-yellow">
<h2 class="wp-block-heading">Freie Hand für Autokraten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem zweiten Wahlsieg Trumps wiederholt sich ein Phänomen mit erschreckendem Tempo am Rande Europas. Um die Demokratie in Westeuropa angeblich vor autokratischen Regimen zu schützen, werden von den USA, der EU und der Nato Regime unterstützt, die selbst wenig mit Demokratie zu tun haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In den letzten zwei Jahren konnte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan seine politische Opposition kritikfrei hinter Gitter bringen, selbst die Überbleibsel der unabhängigen Presse ausschalten und die Justiz ganz seiner Kontrolle unterwerfen. Autokraten ahmen in der Regel Autokraten nach. Sie werden nicht liberaler. So wurden in der Türkei allein im September 1270 digitale Accounts <a href="https://yavuzbaydar.substack.com/p/turkey-races-toward-a-total-digital?utm_source=post-email-title&amp;publication_id=3969321&amp;post_id=218504977&amp;utm_campaign=email-post-title&amp;isFreemail=false&amp;r=57gmg3&amp;triedRedirect=true&amp;utm_medium=email" target="_blank" rel="noopener">gesperrt</a>. Darunter befand sich auch die Website der Nachrichtenplattform <a href="https://bianet.org/haber/court-orders-access-ban-on-bianets-x-account-324192" target="_blank" rel="noopener">T24</a>, die sich in den letzten 17 Jahren als grosses unabhängiges Medienunternehmen behaupten konnte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz nach dem Vorbild Putins liess Erdoğan Anfang Oktober ausserdem ein neues Gesetz gegen Obszönität erlassen. Die Büros der LGBTI+-Gemeinschaft wurden gestürmt und über 100 Personen festgenommen. Die Operation lief <a href="https://bianet.org/haber/explained-turkey-s-my-family-is-safe-operations-323977" target="_blank" rel="noopener">unter dem Namen</a> «Meine Familie – in Sicherheit».</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph"><em>* Kaukasisches Albanien: Auf dem Gebiet des heutigen Südkaukasus hat tatsächlich ein christliches «Albanien» existiert. Die albanische Kirche war eng mit der armenischen Kirche verbunden. Bezeichnenderweise residierte ihr Kirchenoberhaupt im 14. Jahrhundert im Kloster Gandsassar. Die Spuren dieser Völkergemeinschaft sind heute allerdings verschwunden.</em><br><em>** Tessa Hofmann: «Der Schutz materieller armenischer Kulturgüter in Arzach». In: Andreas Müller, Harutyun G. Harutyunyan, Dagmar Heller, Martin Tamcke (Hg.): Das kulturelle Erbe von Arzach. Armenische Geschichte und deren Spuren in Berg-Karabach. Universitätsverlag Kiel, 2024.</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/eine-handelsroute-und-ein-oel-deal-fuer-ein-grosses-versprechen/" target="_blank" rel="noopener">Eine Handelsroute und ein Öl-Deal für ein grosses Versprechen</a>, Infosperber vom 14. August 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/armenien-als-neuer-zankapfel-im-ost-west-konflikt/" target="_blank" rel="noopener">Armenien als neuer Zankapfel im Ost-West-Konflikt</a>, Infosperber vom 18. April 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/das-ende-bergkarabachs-ein-beklemmender-praezedenzfall/" target="_blank" rel="noopener">Das Ende Bergkarabachs: Ein beklemmender Präzedenzfall</a>, 13. Januar 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/120000-menschen-werden-ausgehungert-und-die-welt-sieht-zu/" target="_blank" rel="noopener">120’000 Menschen werden ausgehungert – und die Welt sieht zu</a>, Infosperber vom 21. August 2023</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Trotz Impfstoff: Trump steckt Putin in der Migros mit Corona an</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/trotz-impfstoff-trump-steckt-putin-in-der-migros-mit-corona-an/</link>
					<pubDate>Sun, 11 Oct 2026 06:46:32 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=650067</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Schlagzeile-1-300x200.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Schlagzeile" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Schlagzeile-1-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Schlagzeile-1-1024x683.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Schlagzeile-1-768x512.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Schlagzeile-1.png 1536w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mit diesem erfundenen Titel lassen sich hohe Klickzahlen erreichen. Weil die Wörter oft gesucht werden und die Neugier wecken.
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<p class="wp-block-paragraph">Wenn Sie hier zu lesen beginnen, haben der Titel und der Einleitungstext dieses Artikels ihr Ziel erreicht: Die genannten Reizwörter haben Ihre Neugier geweckt. Sie möchten mehr lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlagzeilen, die den Leser provozieren und seinen Blick auf sich ziehen sollen, gibt es, seit es Boulevardzeitungen gibt. Schon bei den gedruckten Zeitung hing der Verkauf von der richtigen Schlagzeile ab. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor 30 Jahren stellte der Psychologe <a href="https://www.contrib.andrew.cmu.edu/~gl20/GeorgeLoewenstein/Papers_files/pdf/PsychofCuriosity.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">George Loewenstein</a> die These auf, dass sich die Menschen am meisten für Dinge interessieren, die ihnen bereits einigermassen, aber noch nicht vollständig bekannt sind. Völlig Unbekanntes weckt kaum plötzliche Beachtung. Und bei Altbekanntem ist der Reiz, Neues zu erfahren, gering.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Schlagzeile ist gemäss dieser These am spannendsten, wenn sie nicht kompliziert oder unverständlich ist, aber auch nicht alles zum Inhalt des Artikels verrät. Die grösste Neugier wecken Titel, die zwar einen Teil verraten, aber trotzdem rätselhaft sind. Besonders für die Boulevard-Presse wichtig sind auch Sensation und Emotion.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Hund und die Knef</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1970er-Jahren, einer Blütezeit der Boulevard-Medien, ging man davon aus, dass ein Titel wie «Deutscher Schäferhund leckte Hildegard Knef den Krebs weg» sämtliche Kriterien einer perfekten Schlagzeile für die deutsche «Bild»-Zeitung erfüllen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute müssen Schlagzeilen nicht mehr die Passanten am Kiosk überzeugen, sondern die Leser und Leserinnen von Newslettern. Und vor allem auch die Internet-Suchmaschinen. Diese sind nicht neugierig, sondern reagieren automatisch auf Wörter. Sind oft gesuchte Wörter im Titel enthalten, ist die Chance grösser, dass der Artikel weiterverbreitet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer der meistgelesenen Artikel auf Infosperber war <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/impfstoffe-knebelvertraege-sollten-10-jahre-geheim-bleiben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Impfstoffe: Knebelverträge sollten 10 Jahre geheim bleiben»</a>. Dicht gefolgt von: <a href="https://www.infosperber.ch/wp-admin/post.php?post=601651&amp;action=edit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Mit Tiefpreisen führt die Migros ihre Kunden hinters Licht»</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Impfstoffe, geheim, Tiefpreise und Migros: das sind Wörter, die für viele Klicks sorgen. Weil sie in den Suchmaschinen oft gesucht werden. Nimmt man die Reizwörter aus den meistgelesenen Infosperber-Beiträgen und fügt sie zu einer Schlagzeile zusammen, würde diese lauten: «Trotz Novartis-Impfstoff: Trump steckt Putin in der Migros mit Corona an».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Jekami» und «Pankreas» sind hingegen keine gefragten Schlüsselbegriffe. Das hat auch Infosperber erlebt. Ein Artikel, der unter dem Titel <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/jekami-spitaeler-gefaehrden-fahrlaessig-pankreas-patienten/">«Jekami: Spitäler gefährden fahrlässig Pankreas-Patienten»</a> erschien, wurde mässig gelesen, obwohl er ein brisantes Thema ansprach. Der Titel enthielt wohl zu viel Unbekanntes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst als der Artikel unter dem neuen, weniger komplizierten Titel <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/diese-spitaeler-operieren-zu-wenig-und-gefaehrden-patientinnen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Diese Spitäler operieren zu wenig und gefährden Patienten»</a> veröffentlicht wurde, stiess er auf mehr Interesse bei den Leserinnen und Lesern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei Infosperber war es der Autor, der fand, dass der Titel zu wenig attraktiv sei und ihn dann änderte. Bei Tamedia ist die Titel-Optimierung <a href="https://www.swissquote.com/de-ch/private/inspire/swissquote-magazine/who-will-survive-ai/ai-can-help-save-press" target="_blank" rel="noopener">automatisiert</a>: Ein KI-Werkzeug schlägt den Journalisten eine Reihe von Überschriften und Begriffen vor, die bei Suchmaschinen wie Google dafür sorgen sollen, dass der Artikel bei Abfragen möglichst auf der ersten Seite erscheint.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hohe Erwartungen &#8211; grosse Enttäuschung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der attraktiven Schlagzeile allein ist es allerdings nicht getan. Titel, die Aufmerksamkeit heischen, dann aber im Text ihr Versprechen nicht halten, heissen «Clickbaiter» – Klickköder. Sie erzeugen zwar viele Klicks, aber auch grosse Enttäuschung. Der <a href="https://www.blick.ch/people-tv/international/popstar-in-geldnot-justin-bieber-aeussert-sich-zu-pleitegeruechten-id20790969.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Blick» schrieb</a> zum Beispiel: «Popstar in Geldnot? Justin Bieber äussert sich zu Pleitegerüchten.» Im Artikel stand dann, dass es tatsächlich ein Gerücht sei und der Popstar keine finanziellen Probleme habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Infosperber macht nun die Probe aufs Exempel: Führen die Schlüsselwörter im Titel tatsächlich zu mehr Lesern und Leserinnen? Oder lassen sich Infosperber-Leserinnen und -Leser nicht ködern?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie lesen die Antwort – Achtung Klickköder! – demnächst hier.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Die Autorin ist Journalistin bei Infosperber und an hohen Lesezahlen interessiert.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/8a4c144e2f0545f388dea91d8e2059f3" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Es war wie ein Videospiel. Deine Hormone drehen durch»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/es-war-wie-ein-videospiel-deine-hormone-drehen-durch/</link>
					<pubDate>Sat, 10 Oct 2026 08:29:36 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=734965</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/NAZA-Interview-YY-e1791618698925-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="NAZA Interview YY" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/NAZA-Interview-YY-e1791618698925-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/NAZA-Interview-YY-e1791618698925-1024x616.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/NAZA-Interview-YY-e1791618698925-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/NAZA-Interview-YY-e1791618698925-1536x923.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/NAZA-Interview-YY-e1791618698925.png 1650w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Eine KI analysierte Handy-Daten und definierte «Terroristen». Diese wurden nachts samt Familien und Nachbarn von Drohnen getötet.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die KI heisst «Lavender». Sie kann Telefonverbindungen und -gespräche sämtlicher Handy-Besitzerinnen und -Besitzer in Gaza auswerten und mit einem Algorithmus ausspucken, wer zu den Terroristen gehört. Weil Israels Armee die Wahrscheinlichkeit für gross hält, dass sich die Zielpersonen nachts in ihren privaten Wohnungen aufhalten, wurden deren Wohnungen oder Wohnblocks nachts auf Knopfdruck mit Drohnen bombardiert und zerstört. Als «Kollateralschaden» wurden auch deren Frauen, Kinder und Nachbarn mit in den Tod gerissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das belegen anonymisierte Aussagen von 24 israelischen Militär- und Geheimdienstangehörigen, die Yuval Abraham und Rachel Szor für ihren <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/NAZA_(Film)" target="_blank" rel="noopener">Dokumentarfilm «NAZA»</a> interviewt haben. «NAZA» ist ein hebräisches Militärkürzel für <em>Nezek Agavi</em> (נזק אגבי), auf Deutsch Kollateralschaden. Gemeint sind Schäden an Zivilpersonen oder zivilen Objekten, die bei einem Angriff auf ein militärisches Ziel entstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«NAZA» wurde in der Schweiz zuerst Ende September am Zürcher Filmfestival gezeigt. Gegenwärtig läuft der Film in grösseren Schweizer Städten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Kriegsbeginn im Oktober 2023 hatte die Hamas in Gaza nach einer von Reuters veröffentlichten US-Schätzung 20’000 bis 25’000 bewaffnete Kämpfer. Um einen von ihnen zu töten, nahm Israels Armee – je nach vermutetem Rang des Zielobjekts – mindestens in der ersten Phase des Krieges ein Dutzend bis über hundert zivile Tote als Kollateralschaden in Kauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bezeugten nicht nur die Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter im Dokumentarfilm, sondern das hatten vor zweieinhalb Jahren bereits Zeugen gegenüber dem israelischen Magazin «<a href="https://www.972mag.com/lavender-ai-israeli-army-gaza/" target="_blank" rel="noopener">+972-Magazin</a>»&nbsp;ausgesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Anonymisierte Zitate aus dem Film «NAZA»</strong></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">«Ich kann auf ein Haus klicken und sehen, wie viele Menschen Schaden nehmen, wenn ich es bombardiere. […] Man sieht es so: Wohnung 6, 5. Stock, Ahmad und seine Familie werden sterben.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Wir wussten nicht einmal, wer die Zielpersonen sind», <em>sagt ein Interviewter, der vom Computer aus Bombenabwürfe auslöste. Eines seiner Ziele habe sich als eine 80-jährige</em> <em>Frau herausgestellt.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">«Es ist wie ein Videospiel, das haben alle gesagt. […] Deine Hormone drehen durch. […] wir waren da alle richtig drin. […] Ein verrückter Spass.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Ich bin nur ein kleines Rädchen. Wenn es nicht ich gewesen wäre, hätte es jemand anders getan. Alles, was ich sagen kann, ist, dass wir die Mission erfüllt haben. Meine Rolle war rein technisch und hat mit moralischen Fragen nichts zu tun.»<strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">«Ich hatte mich immer gefragt, wie die Deutschen damit leben konnten, was sie in sich hatten. Heute verstehe ich es. Aber was macht das dann aus mir? […] Ich habe an einem Genozid teilgenommen.»&nbsp;</p>
</blockquote>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Israels Armee dementiert: «NAZA enthält fundamentale Irrtümer»</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 29. September warfen die&nbsp;<a href="https://www.idf.il/en/mini-sites/idf-press-releases-israel-at-war/october-26-pr/idf-response-to-the-film-naza/" target="_blank" rel="noopener">israelischen Streitkräfte</a>&nbsp;(IDF) den Filmemachern vor, die Zahl der zivilen Opfer falsch darzustellen, die Regeln für Kampfeinsätze und den Einsatz der KI falsch darzustellen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu&nbsp;<a href="https://www.jta.org/2026/09/15/israel/israeli-army-weighs-legal-action-against-naza-film-makers-amid-calls-to-revoke-their-citizenship" target="_blank" rel="noopener">nannte den Film</a>&nbsp;«schockierend» und sagte: «Wir bekämpfen weltweit antisemitische Hetze, aber wenn sie aus unseren eigenen Reihen kommt, ist das unerträglich.»</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/nie-zuvor-so-viele-menschen-mit-schweren-verletzungen-gesehen/" target="_blank" rel="noopener">«Nie zuvor so viele Menschen mit schweren Verletzungen gesehen»</a>, Infosperber vom 7. August 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/dok-film-israels-systematische-attacken-auf-gaza-spitaeler/" target="_blank" rel="noopener">Dok-Film: Israels systematische Attacken auf Gaza-Spitäler,</a> Infosperber vom 14. Dezember 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/was-65-aerzte-krankenschwestern-und-sanitaeter-in-gaza-sahen/" target="_blank" rel="noopener">Was 65 Ärzte, Krankenschwestern&nbsp;und Sanitäter in Gaza sahen</a>, Infosperber vom 16. Dezember 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/gaza-schiessen-aus-langeweile/" target="_blank" rel="noopener">Gaza: Schiessen aus Langeweile</a>, Infosperber vom 28. September 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/e2faf82c93444f30bca6aa7b17a18960" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Wir geben ihnen Gratislektionen. In Physik. Und in Chemie.»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/wir-geben-ihnen-gratislektionen-in-physik-und-in-chemie/</link>
					<pubDate>Sat, 10 Oct 2026 08:29:01 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=735143</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/heidi039-4lyceens-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="heidi039-4lyceens" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/heidi039-4lyceens-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/heidi039-4lyceens-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/heidi039-4lyceens-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/heidi039-4lyceens.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Aufstand der Gymnasiasten in Frankreich und die Reaktion des Staats.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>PFAS im Leitungswasser: Ein Drittel der Niederländer betroffen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/europa/pfas-im-leitungswasser-ein-drittel-der-niederlaender-betroffen/</link>
					<pubDate>Sat, 10 Oct 2026 08:28:13 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=732103</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_35338883_L-e1790758507350-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_35338883_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_35338883_L-e1790758507350-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_35338883_L-e1790758507350-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_35338883_L-e1790758507350-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_35338883_L-e1790758507350-1536x922.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_35338883_L-e1790758507350.jpg 1950w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Laut Greenpeace liegen PFAS in 32 Prozent der Gebiete deutlich über dem nationalen Richtwert. Die Rechnung zahlen die Konsumenten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Das Trinkwasser in grossen Teilen der Niederlande enthält mehr PFAS, als die nationale Gesundheitsbehörde RIVM empfiehlt. Das zeigt eine Untersuchung von Greenpeace. Ein Drittel der niederländischen Bevölkerung hat demnach zu viel PFAS im Wasser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das lässt sich detailliert nachvollziehen: Für seine Analyse hat Greenpeace die Messdaten der zehn niederländischen Wasserversorger nach Postleitzahlen aufgeschlüsselt. Die daraus erstellte Karte war Ende September eines der Top-Themen im Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In 32 Prozent der Gebiete liegt die PFAS-Konzentration mindestens <a href="https://www.dutchnews.nl/2026/09/one-third-of-drinking-water-supplies-contain-high-levels-of-pfas/">1,5-mal</a> über dem RIVM-Richtwert von 4,4 Nanogramm pro Liter für «PFOA-Äquivalente». Der <a href="https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2020/2184/oj">EU-Grenzwert</a> von 100 Nanogramm pro Liter für die Summe aus 20 festgelegten PFAS wird eingehalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Regional grosse Unterschiede</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die höchsten Werte gibt es in den Provinzen Noord-Holland, Zuid-Holland und Zeeland. Teilweise wurden 14,3 Nanogramm pro Liter gemessen, mehr als das Dreifache des RIVM-Richtwerts. Unter den bevölkerungsreichen Gemeinden über dem Richtwert nennt Greenpeace Amsterdam, Haarlem, Den Haag, Rotterdam, Leiden und Dordrecht. In Friesland und Groningen findet sich dagegen fast kein PFAS im Trinkwasser.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="751" height="875" id="media-license-image-732107" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Greenpeace-Karte.png" alt="Greenpeace Karte PFAS NL" class="wp-image-732107" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Greenpeace-Karte.png 751w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Greenpeace-Karte-257x300.png 257w" sizes="auto, (max-width: 751px) 100vw, 751px" /><figcaption class="wp-element-caption">In einer interaktiven Karte von Greenpeace können Einwohner nachsehen, wie belastet ihr Postleitzahlgebiet ist. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Westen beziehe sein Wasser aus Flüssen und Stauseen, die stärker belastet seien als das Grundwasser auf dem Land, erklärt Patricia van der Linden von Vewin, dem Branchenverband der Wasserversorger. «Wo wir Oberflächenwasser nutzen, müssen wir es in mehr Schritten aufbereiten», sagt sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Greenpeace und RIVM raten dennoch zum Leitungswasser</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Rechtlich ist das Wasser einwandfrei. Kein Wasserwerk überschreitet den gesetzlichen EU-Grenzwert. Das <a href="https://www.rivm.nl/pfas/drinkwater">RIVM</a> (Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu) legt für seine Empfehlung strengere Kritierien an. Zuletzt wurde der Richtwert 2023 gesenkt, weil neue Erkenntnisse zeigten, dass PFAS das Immunsystem stärker beeinträchtigen als bis dahin angenommen. Eine neuere RIVM-Studie kam zum Schluss, dass fast alle Niederländer <a href="https://nos.nl/artikel/2573446-rivm-bijna-iedereen-in-nederland-heeft-te-veel-pfas-in-bloed">«ungesunde»</a> PFAS-Werte im Blut haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Greenpeace, RIVM und Vewin raten dennoch dazu, das Leitungswasser weiter zu trinken. Laut Vewin nehmen Menschen über die Nahrung etwa viermal mehr PFAS auf als über das Wasser. Flaschenwasser belastet die Umwelt zudem deutlich mehr und enthält oft Mikroplastik.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/newsletter/"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="48" id="media-license-image-590037" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen.png" alt="Newsletter Balken grün" class="wp-image-590037" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen-300x19.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Dass die Niederlande stellenweise hoch mit PFAS belastet sind, ist keine wirkliche Neuigkeit. Für das Land kommen dabei verschiedene ungünstige Faktoren zusammen: Einmal die Lage an der Mündung des Rheins, der zur Trinkwassergewinnung genutzt wird. Nach seinem Weg durch Europa bringt er eine hohe <a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/greenpeace-pfas-konzentration-im-rhein-deutlich-zu-hoch/">PFAS-Belastung mit</a>, weshalb es bereits Auseinandersetzungen mit den deutschen Nachbarn gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann die stellenweise hohe Belastung aus der fertigenden Industrie wie dem Unternehmen Chemours in Dordrecht und dem Konzern 3M im benachbarten Belgien. Und schliesslich die Belastung durch TFA-abspaltende Pestizide aus der Landwirtschaft. TFA findet sich vor allem in den oberen Grundwasserschichten.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="615" id="media-license-image-732111" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-29-184711-e1790758674729-1024x615.png" alt="Screenshot 2026-09-29 184711" class="wp-image-732111" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-29-184711-e1790758674729-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-29-184711-e1790758674729-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-29-184711-e1790758674729-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-29-184711-e1790758674729.png 1038w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Niederlande sind stellenweise hoch mit PFAS belastet (Karte von 2025).</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wasserversorger investieren Millionen Euro in neue Aufbereitungstechnologie, etwa Aktivkohlefilter oder die sehr teure Umkehrosmose. Dabei entstehen laut KWR aus 1000 Litern belastetem Wasser 800 Liter sauberes Wasser und 200 Liter Abwasser mit fünfach höherer Schadstoffkonzentration, welches anschliessend behandelt werden muss.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mehrere Organisationen fordern Komplett-Verbot</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rechnung bekommen die Einwohnerinnen und Einwohner der Niederlande: Die Trinkwasserrechnung eines niederländischen Haushalts sei in den letzten zehn Jahren im Schnitt um mehr als 50 Prozent gestiegen, führt Greenpeace an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei werden ständig neue PFAS produziert und in die Umwelt entlassen, auch im niederländischen Dordrecht. Sowohl Greenpeace als auch das RIVM fordern ein EU-weites Verbot der PFAS-Stoffklasse. Der Zusammenschluss der regionalen Wasserbehörden forderte kürzlich in einem <a href="https://unievanwaterschappen.nl/waterschappen-sturen-brandbrief-aan-minister-madlener-meer-actie-pfas-aanpak/">Brandbrief</a>, die PFAS-Produktion rasch einzustellen. Die Niederlande setzen sich zusammen mit mehreren anderen Ländern auf EU-Ebene für ein PFAS-Verbot ein.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9a0785f3908f425db9f0f957c86f31c1" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Das Spiel: Wie entsteht ein Bandsalat?</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/das-spiel-wie-entsteht-ein-bandsalat/</link>
					<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 22:44:05 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=734609</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Klingt-wie-Kindheit-Frueher-war-mehr-Bandsalat-H-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Klingt wie Kindheit - Früher war mehr Bandsalat H" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Klingt-wie-Kindheit-Frueher-war-mehr-Bandsalat-H-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Klingt-wie-Kindheit-Frueher-war-mehr-Bandsalat-H-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Klingt-wie-Kindheit-Frueher-war-mehr-Bandsalat-H.jpg 886w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>In diesem Quiz begibt man sich auf eine Zeitreise. Ob Walkman, VHS-Kassette oder Bandsalat – wie war das doch damals?]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[



<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="504" height="504" id="media-license-image-637819" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png" alt="Patrick Jerg" class="wp-image-637819" style="width:200px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png 504w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-300x300.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px" /><figcaption class="wp-element-caption">Patrick Jerg</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die neue Quiz-Reihe aus dem Oetinger-Verlag eignet sich nicht für jede Zielgruppe. Am richtigen Ort wecken die Fragen aber zahlreiche Erinnerungen an früher. Bei &#171;Klingt wie Kindheit&#187; begibt man sich auf eine Reise, bei der man nicht selten dazwischen ruft: &#171;Stimmt, das gab es ja auch noch damals!&#187; Und so richte ich meinen Spieltipp diesmal an alle, die sich gerne an die Jahre vor 2000 zurückerinnern, an die technischen Errungenschaften und an die medialen. Denn wie meint doch der Untertitel des Spiels: Früher war mehr Bandsalat!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über 250 Quizkarten befinden sich in der schweren Box. Auf der Rückseite der Karten erkennt man die jeweilige Kategorie. Da gibt es Audio- oder Wissensfragen, aber auch Pantomime- und Sendeverbot-Aufgaben. Am besten spielt man das Quiz in Teams gegeneinander, damit man vom Schwarmwissen der Mitspielenden ein wenig profitieren kann. Aus dem gemischten Kartenstapel zieht man eine Aufgabe und schon geht es los.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sprechen, hören, spielen, beantworten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Widmen wir uns zuerst den Aufgaben-Typen des Spiels. Die Wissensfragen muss man beantworten, oft erhält man eine kleine Auswahl als Hilfe. Bei den Audio-Aufgaben scannt man einen QR-Code ein und erhält ein Geräusch, das man irgendwie zuordnen muss. Mit Pantomime spielt man eine Situation aus der damaligen Zeit nach, ohne Worte und Geräusche versteht sich. Beim Sendeverbot muss man seinem Team einen Begriff erklären, ohne bestimmte Schlüsselwörter zu verwenden. Rein spielerisch findet man in dieser Quiz-Box also nichts Neues, wenn man es genau betrachtet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="397" height="640" id="media-license-image-734617" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Klingt-wie-Kindheit-Frueher-war-mehr-Bandsalat-2.jpg" alt="Klingt wie Kindheit - Früher war mehr Bandsalat 2" class="wp-image-734617" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Klingt-wie-Kindheit-Frueher-war-mehr-Bandsalat-2.jpg 397w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Klingt-wie-Kindheit-Frueher-war-mehr-Bandsalat-2-186x300.jpg 186w" sizes="auto, (max-width: 397px) 100vw, 397px" /><figcaption class="wp-element-caption">Klingt wie Kindheit &#8211; Früher war mehr Bandsalat </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für die einzelnen Aufgaben hat man 30 oder 60 Sekunden Zeit. Löst das Team eine Aufgabe richtig, erhält es die Quiz-Karte. Wer zuerst 10 Karten sammelt, gewinnt das Spiel. Das sind die Randdaten des Spiels, die aber schon nach wenigen Karten in den Spielgruppen überhaupt nicht mehr relevant sind. Es dauert nicht lange, verfällt man in Erinnerungen und diskutiert in &#171;Weisst du noch&#8230;?&#187; &#8211; Sätzen. Gemeinsam staunt man, was noch bekannt und was in Vergessenheit geraten ist. Das ist beinahe wie ein genussvoller Gang durchs Museum.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nostalgisches Wissen testen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer kennt die Bedeutung der FF-Taste auf dem Walkman? Wie hat man mit Murmeln (&#171;Chügeli&#187;) auf dem Pausenplatz früher gespielt. Welches Automodell wurde in den 80ern zur Zielscheibe zahlreicher Witze? Wer erkennt das Geräusch eines Nadeldruckers? Und wie erklärt man den Begriff &#171;Poesiealbum&#187; ohne die Wörter &#171;Freundschaft&#187; und &#171;Spruch&#187; zu verwenden? Ich gehe davon aus, dass allein mit diesen Beispielen zahlreiche Erinnerungen geweckt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Quizbox ist eine umfangreiche Sammlung alter Begebenheiten. Es macht Spass, die unterschiedlichsten Dinge noch einmal aus der Mottenkiste zu kramen, Überraschungen inklusive. Wer nicht genug davon bekommt, kann sich noch mit einer zweiten Box beschäftigen. Mit dem Untertitel &#171;Einmal Helden, immer Helden&#187; widmet sich die Quizbox vor allem den Kindheitsidolen aus dem Fernsehen von vor etwa 40 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">____________________</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="405" height="640" id="media-license-image-734615" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Klingt-wie-Kindheit-Frueher-war-mehr-Bandsalat.jpg" alt="Klingt wie Kindheit - Früher war mehr Bandsalat" class="wp-image-734615" style="width:150px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Klingt-wie-Kindheit-Frueher-war-mehr-Bandsalat.jpg 405w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Klingt-wie-Kindheit-Frueher-war-mehr-Bandsalat-190x300.jpg 190w" sizes="auto, (max-width: 405px) 100vw, 405px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Klingt wie Kindheit &#8211; Früher war mehr Bandsalat</strong><br><br>Ein Quizspiel<br>Illustrationen: Birte Rosinski<br><br><br>Für 2 bis 10 Personen<br>Ab 14 Jahren | ab 30 Minuten<br>Verlag: Oetinger | ca. 30 Fr. / 22 Euro</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Patrick Jerg betreibt seit 16 Jahren die Webseite&nbsp;</em><a href="http://www.brettspielblog.ch/" target="_blank" rel="noopener">brettspielblog.ch</a><em>&nbsp;und veröffentlicht regelmässig Spielkritiken über Brett- und Kartenspiele.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Sie putzen jetzt 19 statt 14 Stunden, um die Prämien zu zahlen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/arbeit/sie-putzen-jetzt-19-statt-14-stunden-um-die-praemien-zu-zahlen/</link>
					<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 08:41:17 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=734139</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Putzfrau-Reinigen-e1791371154312-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Putzfrau Reinigen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Putzfrau-Reinigen-e1791371154312-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Putzfrau-Reinigen-e1791371154312-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Putzfrau-Reinigen-e1791371154312.png 770w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wer – wie Haushaltshilfen – zum Mindestlohn arbeiten muss, spürt die Prämienerhöhungen besonders – trotz Prämiensubventionen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Heute unterstützen Bund und Kantone Wenigverdienende mit sechs Milliarden Franken jährlich, damit sie wegen der hohen Krankenkassen-Prämien ihren Gürtel nicht enger schnallen müssen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die sechs Milliarden Franken genügen offensichtlich nicht, um dieses Ziel zu erreichen. Das zeigt die Zahl der Stunden, die eine Vollzeitbeschäftigte oder ein Vollzeitbeschäftigter mit tiefem Lohn arbeiten muss, um die Prämien zu zahlen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beispielsweise mussten Haushaltshilfen, die den Mindestlohn beziehen, vor 15 Jahren im kantonalen Durchschnitt im Monat noch 14,4 Stunden arbeiten, um die mittlere Erwachsenenprämie für die Grundversicherung zu zahlen. Nach den erneuten Prämienerhöhungen werden es nächstes Jahr 18,9 Stunden sein. Das sind 31 Prozent mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies geht aus einer Statistik hervor, welche&nbsp;«<a href="https://clino.ch/de" target="_blank" rel="noopener">clino.ch</a>»*&nbsp;erstellt hat.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Prämien stiegen viel stärker als der Mindestlohn</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit sind die mittleren, tatsächlich in Rechnung gestellten kantonalen Grundversicherungs-Prämien für Erwachsene im Jahr 2027 durchschnittlich 64 Prozent höher als im Jahr 2011. Der Mindestlohn der Hauswirtschaft erhöhte sich in dieser Zeit jedoch nur um 12 Prozent.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den verbindlichen Mindestlohn für Hausangestellte in privaten Haushalten setzt der Bundesrat fest, indem er die&nbsp;<a href="https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/20832.pdf" target="_blank" rel="noopener">Verordnung</a>&nbsp;zum&nbsp;Normalarbeitsvertrag<em> </em>(NAV<em>) </em>Hauswirtschaft<em>&nbsp;</em>verlängert und ändert.&nbsp;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/newsletter/" target="_blank" rel=" noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="48" id="media-license-image-590035" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb.png" alt="Newsletter Balken gelb" class="wp-image-590035" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb-300x19.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">«Der Mindestlohn ist seit 2011 ungefähr so gestiegen wie alle Löhne. Doch die Prämien sind davongelaufen. Für eine Putzfrau heisst das trotz individueller Prämienvergünstigungen: vier Stunden mehr Arbeit im Monat, nur damit die Krankenkasse bezahlt ist», sagt Salvador Jovells, Gründer von «clino.ch».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne die Subventionen müssten die Haushaltshilfen 2027 durchschnittlich sogar 8 Stunden oder 47 Prozent mehr Arbeitsstunden pro Monat allein für die Prämien arbeiten. Dank der individuellen Subventionen sind es noch 4,5 Stunden oder 31 Prozent mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Im Kanton Freiburg doppelt so viele Stunden</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt grössere kantonale Unterschiede: Reinigungskräfte oder Nannys in den Kantonen TI, AI, ZG und VD haben Glück: Dank der individuellen Prämienvergünstigungen müssen sie im Jahr 2027 weniger lang für die Prämien arbeiten als vor 15 Jahren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Düster sieht es jedoch in den meisten anderen Kantonen aus: Im Kanton Freiburg müssen diese Tiefstverdienenden sogar mehr als doppelt so viele Stunden für die Prämien arbeiten, im Kanton Wallis 89 Prozent mehr. Im grossen Kanton Bern müssen sie 54 Prozent und im reichen Kanton Basel-Land 53 Prozent mehr Stunden für die Prämien arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier die Aufstellung nach Kantonen:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="710" height="1024" id="media-license-image-734137" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Stunden-fuer-Praemien-710x1024.png" alt="Stunden für Prämien" class="wp-image-734137" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Stunden-fuer-Praemien-710x1024.png 710w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Stunden-fuer-Praemien-208x300.png 208w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Stunden-fuer-Praemien.png 750w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></figure>



<p class="wp-block-paragraph">_____________<br><strong>NACHTRAG</strong><br>Der <a href="https://www.vd.ch/sante-soins-et-handicap/assurance-maladie/subside-a-lassurance-maladie/conditions-doctroi" target="_blank" rel="noopener">Kanton Waadt</a> verbilligt die anrechenbaren Grundversicherungsprämien grundsätzlich so, dass sie höchstens 10 Prozent des kantonal berechneten massgebenden Haushaltseinkommens ausmachen. Das Beispiel einer vierköpfigen Familie in Lausanne:<br></p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><thead><tr><th>Position</th><th>Franken pro Jahr</th></tr></thead><tbody><tr><td>Massgebendes Haushaltseinkommen</td><td>76’000</td></tr><tr><td>Tatsächliche Grundversicherungsprämien</td><td>17’880</td></tr><tr><td>Für die Berechnung anerkannte Referenzprämien</td><td>16’836</td></tr><tr><td>Ordentliche Prämienverbilligung</td><td>3’216</td></tr><tr><td>Zusätzliche Prämienverbilligung nach der 10-Prozent-Regel</td><td>6’020</td></tr><tr><td>Verbleibende Belastung aus den Referenzprämien</td><td>7’600</td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Familie trägt damit genau 10 Prozent ihres massgebenden Einkommens für die anerkannten Prämien. Zusätzlich muss sie aber die Differenz von 1044 Franken zwischen tatsächlichen Prämien und Referenzprämien bezahlen.<br>Die eidgenössische Prämien-Entlastungs-Initiative wurde am 9. Juni 2024 abgelehnt. Der seit 1. Januar 2026 geltende Gegenvorschlag verpflichtet die Kantone zu Mindestbeiträgen an die Prämienverbilligung und dazu, innerhalb von vier Jahren eine maximale Prämienbelastung im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen festzulegen. Er schreibt aber keine einheitliche individuelle 10-Prozent-Grenze vor. Das Bundesamt für Gesundheit nennt die Waadt ausdrücklich als Kanton, der bereits eine solche Deckelung kennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">_________________<br><em>* Bei&nbsp;<a href="https://clino.ch/de" target="_blank" rel="noopener">clino.ch</a>&nbsp;können Privathaushalte ihre Putzkraft oder Nanny anmelden und die Lohnabrechnung erstellen.</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a0e22f0eae0547d1be881a830d676392" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Zahl der über 65-Jährigen wächst</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/die-zahl-der-ueber-65-jaehrigen-waechst/</link>
					<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 08:34:37 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=734567</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-A49D2m6zqLUAfL9V90qxil-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach A49D2m6zqLUAfL9V90qxil" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-A49D2m6zqLUAfL9V90qxil-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-A49D2m6zqLUAfL9V90qxil-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-A49D2m6zqLUAfL9V90qxil-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-A49D2m6zqLUAfL9V90qxil-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-A49D2m6zqLUAfL9V90qxil.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Und was machst du, wenn du gross bist?!» «Fussballer oder pflegender Angehöriger!»]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Sieg Heil» vor dem Richter: Das Ende der Patriotischen Front</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sieg-heil-vor-dem-richter-das-ende-der-patriotischen-front/</link>
					<pubDate>Fri, 09 Oct 2026 08:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=733303</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="1. August" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158.jpg 1994w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Nach der Gewalt auf den Strassen der Zerfall: Marcel Strebel taumelte von Gericht zu Gericht, bis er 2001 erschossen wurde.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><em>Dies ist der dritte Teil des dritten Kapitels unserer Serie&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/dossier/sommer-sonne-remigration/" target="_blank" rel="noopener">«Sommer, Sonne, Remigration»</a>&nbsp;über die extreme Rechte in der Schweiz und Europa, von den Achtzigerjahren bis heute. Das Kapitel erzählt in drei Teilen Aufstieg und Fall der Patriotischen Front. Einzelne Namen wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert. Fakten und Zitate stützen sich auf die Originalquellen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Justiz und die Polizei sahen weg, die Zuger Bürgerinnen und Bürger aber nicht: In Zug sei die Patriotische Front nach dem Angriff auf die Asylunterkunft Steinhausen erledigt gewesen, schreibt Daniel Brunner, Zuger <a href="https://majawicki.ch/wp-content/uploads/1990/06/1990-05-29-TA-Will-grosse-Ziele-mit-kleinen-Schritten-erreichen.pdf" target="_blank" rel="noopener">Millionenerbe</a> (Landis &amp; Gyr), ehemaliger linker Politiker (Sozialistisch-Grüne Alternative Zug) und Gründer der Dokumentationsstelle <a href="https://www.stiftungdokuzug.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Doku-Zug»</a>, in einer Mail als Reaktion auf die letzte Folge dieses Kapitels (<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/erst-die-jagd-dann-die-buehne/" target="_blank" rel="noopener">Infosperber vom 2.&nbsp;Oktober</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dort beschriebenen «Zuger Schlampereien», der Angriff auf ein Asylzentrum unter den Augen der informierten Polizei, hätten laut Brunner nicht nur zu einer Rekorddebatte im Zuger Kantonsrat geführt, sondern auch dazu, dass die Patriotische Front im Kanton Zug von einem Tag auf den anderen nicht mehr in der Lage gewesen sei, Leute zu mobilisieren. Und das habe mit «zwei entscheidenden Reaktionen» zu tun gehabt, schreibt Brunner, nämlich dass Prominente aus der bürgerlichen Mitte ohne Abgrenzung zur Linken klar Stellung bezogen hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daniel Brunner schreibt: «Am 9. November 1989 (fünf Tage nach dem Angriff auf die Asylunterkunft in Steinhausen) gab es eine für Zuger Verhältnisse sehr grosse Kundgebung auf dem Landsgemeindeplatz, mit dem Hauptredner Jakob Suter, ehemaliger christlichsozialer KK- bzw. CVP-Kantonsrat (18 Jahre), CMV-Gewerkschafter, Präsident Betriebskommission Landis &amp; Gyr. Dann zweitens Kantonsrat 30. November: Klare Kante insbesondere von FDP-Kantonsrat Joachim Eder gegen verharmlosende Haltung(en) von Kantonspolizei und anderen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Patriotische Front nach den ersten Auftritten im Kanton Zug Unterstützung bis weit in die gesellschaftliche Mitte hinein gespürt habe und deshalb immer dreister geworden sei, schreibt Brunner, seien die <a href="https://www.srf.ch/play/tv/drs-aktuell/video/patriotische-front-grosser-rat?urn=urn:srf:video:55997bf2-ede1-4c93-a2d3-3a90330f7970" target="_blank" rel="noopener">politischen Reaktionen</a> auf den Angriff auf die Asylunterkunft «ein eindrückliches Beispiel, was gegen den Aufstieg rechtsextremen Hasses und Gewalt wirkt».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Sehr gute Resultate»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich hatte der damalige FDP-Kantonsrat und spätere Zuger Regierungsrat und Ständerat Joachim Eder schon im Juni 1989, wenige Tage nach der Tamilenjagd der Patriotischen Front in der Zuger Innenstadt, im Kantonsrat hinter die Mobilität der Polizei «ein mittleres bis grosses Fragezeichen» gesetzt. Das «Zuger Tagblatt» druckte seine ganze Rede Anfang Juni ab: «Immerhin fielen bereits einmal Schüsse auf ein Wohnheim für Asylbewerber, und so erstaunt es doch, dass unsere Polizei von den Ereignissen überrascht, ja überrollt werden konnte.» Die Reaktionen auf seinen Vorstoss hätten ihm gezeigt, «dass es wahrscheinlich ebenso viele gibt, die Gewalt gegen Asylbewerber mindestens hinter vorgehaltener Hand sogar applaudieren». Justizdirektor Urs Kohler hielt in der Debatte dagegen, man habe «sehr schnell» reagiert und «sehr gute Resultate erzielt».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Protokoll der Kantonsratssitzung vom 30. November, knapp vier Wochen nach dem Angriff auf das Durchgangsheim Steinhausen, sagte Eder, der 4. November sei «für die Zuger Kantonspolizei kein Glückstag» gewesen. Was sich in Steinhausen abgespielt habe, sei «taktisches Fehlverhalten» und zeuge «von mangelndem Gespür». Der Regierungsrat habe «mit keinem Wort» den Stellenwert dieses «nunmehr dritten Angriffs auf Asylanten in unserem Kanton» angesprochen. Im Bericht finde sich «kein Aufruf zur Solidarität, Menschlichkeit und Toleranz, keinerlei klare Verabscheuung der Vorfälle und keinerlei unmissverständliche Distanzierung». Trotz der «ideellen Verbundenheit gewisser Bevölkerungskreise mit dem rechtsradikalen Gedankengut» tue die Regierung so, «als ob die humane Dimension noch selbstverständlich wäre». Eder sprach von der «stummen Gefolgschaft gegenüber rechtsradikalen Tendenzen» und vom «schleichenden Fremdenhass». Die Sache dürfe nicht «als lästiger und unbequemer Betriebsunfall abgetan werden».</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="956" id="media-license-image-733287" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Todesanzeige-1024x956.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-733287" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Todesanzeige-1024x956.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Todesanzeige-300x280.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Todesanzeige-768x717.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Todesanzeige.jpg 1256w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Todesursache: eine Volksabstimmung. Am 4. Dezember 1988 sagten 67,3 Prozent und sämtliche Kantone Nein zur Initiative «für die Begrenzung der Einwanderung» der Nationalen Aktion. Die Patriotische Front nahm das Resultat auf ihre Weise zur Kenntnis: Um 18 Uhr war die Schweiz für sie bereits beerdigt. Das Volk, auf das sie sich ständig beriefen, hatte gesprochen. Also erklärten sie das Land für tot.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>66 Namen auf einer Liste</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Nachgang zum Angriff auf die Asylunterkunft Steinhausen beschlagnahmte die Zuger Polizei bei Andreas Balsiger, Mitgründer des Schweizer Ku-Klux-Klans, eine Mitgliederliste der Patriotischen Front, 66 Namen, die der Journalist Jürg Frischknecht mit Verweisen auf Kantone, Berufe und Verbindungen zu anderen Organisationen sortierte. Maler, Schreiner, Schlosser, Innendekorateure, Drucker, Gipser, Verkäufer und Metzger aus allen Kantonen der Deutschschweiz, typischerweise männlich, typischerweise Anfang zwanzig, in der Lehre oder ausgebildet in handwerklichen Berufen, das Altersspektrum reichte vom 16-jährigen Alkoholiker bis zum 75-jährigen Rentner, der «aus vaterländischen Gründen» sich der Patriotischen Front angeschlossen hatte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/" target="_blank" rel=" noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" id="media-license-image-699995" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot.png" alt="Spendenbalken rot" class="wp-image-699995" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den acht Frauen auf der Liste war die damalige Verantwortliche der Genfer Sektion der Nationalen Aktion, gleichzeitig Kassierin der Nationalen Koordination, jenes losen Zusammenschlusses, den der Lausanner Altfaschist Gaston-Armand Amaudruz 1983 als Dachorganisation aller rassistischen Kräfte innerhalb und ausserhalb der Nationalen Aktion gegründet hatte und in dem Strebel und seine Leute beispielsweise auf die Mitglieder der «Nationalrevolutionären Partei Schweiz» trafen, die dann mit ihm in Zug und in Rotkreuz gemeinsam Tamilen durch die Stadt jagten, jene Leute, die in Winterthur einen linken Journalisten in die Luft jagen wollten. Der sogenannte Landesleiter der neonazistischen Wiking-Jugend Schweiz war ebenfalls Mitglied der Patriotischen Front, sowie ein Bülacher Ingenieur, der wenige Jahre zuvor mit der Gründung einer «Nationalsozialistischen Partei» Schlagzeilen gemacht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Biografien aus den Randzonen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mitglieder laut Verhöramt-Abschrift: Handwerker mit abgebrochenen Lehren, Gelegenheitsarbeiter, Arbeitslose, ein Querschnitt der Peripherie, Biografien aus den Randzonen. Einer von ihnen war ein Mann aus Kriegstetten, der bei seiner Einvernahme zur Tamilenjagd vom 20. Mai 1989 in Zug sagte, er habe damals sehr brutal gegen die Tamilen vorgehen wollen, weil er sie gehasst habe, sie seien ein Feindbild für ihn gewesen, dazu sei der Alkohol gekommen, damals habe er keinen Schwarzen in der Schweiz gewollt, heute wolle er im Prinzip auch keine, man könne diese jedoch nicht «einfach umhauen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein 22-jähriger Rechtsextremer, der wegen derselben Jagd auf Tamilen schliesslich zu zehn Monaten unbedingter Gefängnisstrafe verurteilt wurde, sagte vor Gericht zum Angriff auf die Asylunterkunft: «Am Tag der Demo in Steinhausen hatte ich ziemlich viel getrunken. Ich befand mich unter den Demonstranten und schaute zu, ohne mich an den Aktivitäten zu beteiligen. Allerdings gebe ich zu, dass ich mich im September 1989 wie ein Skinhead kleidete und eine entsprechende Frisur trug. Aber zur Patriotischen Front und zu den Schlägern wollte ich nie gehören.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den beschlagnahmten Dokumenten befand sich aber nicht nur eine Mitgliederliste, sondern auch eine Übersicht über «Kantons-Ortsgruppen Oktober 1989» mit bestehenden Sektionen in Aargau, Zürich, Glarus und Solothurn. Auch wenn in Zug nach den Attacken auf die Asylunterkunft der Stern der Patriotischen Front Ende 1989 verblasste, schätzte der bundesrätliche Extremismusbericht 1992 die Mitglieder der Patriotischen Front Mitte 1990 auf über vierhundert bei mehreren tausend Sympathisanten. Aufstieg und Niedergang: Die Ereignisse überschlugen sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ausgeladen, bedroht, verurteilt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Herbst 1990 wurde bekannt, dass der Regierungsrat des Kantons Schwyz plante, das Hotel Rössli in Seewen in ein kantonales Durchgangsheim für 70 bis 80 Asylbewerber umzufunktionieren, der Einwohnerverein wehrte sich lautstark, die Patriotische Front kündigte an, vor Ort mitmischen zu wollen. Am 8. Januar 1991 schrieb der Einwohnerverein Seewen allerdings einen eingeschriebenen Expressbrief direkt an Marcel Strebel, Patriotische Front, Wyssgerbistrasse 11, 6442 Gersau, unterzeichnet von Präsident Eichenberger und der Vizepräsidentin Seeholzer, in dem man ihn bat, sich rauszuhalten: «Diese klare Abgrenzung ist deshalb nötig, weil Seewen nicht für die gleichen Ziele kämpft wie Ihre Organisation. Wir kämpfen nicht gegen die Fremden in unserem Land und nicht gegen die Asylbewerber, sondern einzig und ausschliesslich für unser Dorf.» Kopie an die Medien. Die «Luzerner Neue Nachrichten» titelten: «Marcel Strebel ausgeladen».</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="736" height="1024" id="media-license-image-733297" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Ausladung-736x1024.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-733297" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Ausladung-736x1024.jpg 736w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Ausladung-216x300.jpg 216w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Ausladung-768x1069.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Ausladung.jpg 1104w" sizes="auto, (max-width: 736px) 100vw, 736px" /><figcaption class="wp-element-caption">Absage per Einschreiben und Express: Seewen wollte kein Durchgangsheim im «Rössli». Strebel wollte man aber noch weniger.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im November 1990 wurde Hanspeter Uster für die Sozialistisch-Grüne Alternative Zug in den Regierungsrat gewählt und übernahm die Justiz- und Polizeidirektion. Nach dem Angriff auf die Asylunterkunft in Steinhausen hatte er das Thema im Kantonsrat aufgegriffen und eine Demonstration gegen Rassismus in Zug mitorganisiert. Nach seiner Wahl ging auf seinem Anrufbeantworter eine schweizerdeutsche Nachricht ein: «Hier spricht die Patriotische Front! Herr Uschter, mer wüssed, dass Sie en schwäre Gägner sind vo üsem Schtaat, vo üsem Volk und vo üsem Land, und mer wärded mitenand no en Chrieg usfächte müesse. Sie wärded vo üs ghöre. Sieg Vaterland, Sieg Heil!»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dezember 1990 verurteilte das Bezirksgericht Zürich Marcel Strebel wegen Beleidigung jener Frau, die er auf dem Weg zum «Zischtigs-Club» in der Eingangshalle des Schweizer Fernsehens rassistisch beleidigt und angegriffen hatte, zu einem Monat Gefängnis unbedingt. Einen Tag später stand er schon wieder vor Gericht, diesmal in Gersau. Die Verfahren häuften sich: Ermittlungen wegen Hausfriedensbruchs und wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte und wegen falscher Anschuldigung, ein hängiges Strafverfahren in St. Gallen, und ein Arrestbefehl wegen Fluchtgefahr mit einer Forderung über 558&#8217;000 Franken, und eine Schadenersatzklage über 180&#8217;000 Franken, eingereicht von seinem eigenen ehemaligen Rechtsberater, und dazu eine Ehrverletzungsklage gegen den Journalisten Jürg Frischknecht, die er selbst angestrengt, dann zurückgezogen und am Ende auch noch selbst bezahlt hatte, und zwei Jahre später auch noch das Steueramt, weil der Mann mit IV-Rente und offiziell 18&#8217;700 Franken Jahreslohn und keinem Vermögen Geschäftsleuten Darlehen über 300&#8217;000 Franken gegeben hatte, die in keiner Steuererklärung standen. Strebel begrüsste den Gersauer Richter mit den Worten: «Sieg Heil! Heil Hitler!»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="620" id="media-license-image-733293" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-1024x620.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-733293" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-1024x620.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-300x182.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-768x465.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-1536x930.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-2048x1240.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Sieg Vaterland, Sieg Heil»: Am Tag nach seiner Wahl kündigte die Patriotische Front Hanspeter Uster auf dem Anrufbeantworter einen «Krieg» an, laut «LNN» «in relativ hoher Stimmlage».</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit durchgeladenen Waffen zur 700-Jahr-Feier</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. August 1991, dem 700-Jahr-Jubiläum der Eidgenossenschaft, fing die Kantonspolizei Schwyz bei der Autobahnausfahrt Seewen eine Gruppe von 13 Rechtsextremen ab, Strebel an der Spitze, auf dem Weg nach Brunnen, wo die offiziellen Bundesfeiern stattfanden, wo gegen 500 Polizeibeamte aus den Innerschweizer Kantonen im Einsatz standen, die Antiterroreinheit «Luchs» war für den Personenschutz zuständig, weil Strebel in Flugblättern angekündigt hatte, die Feierlichkeiten stören zu wollen. Die Gruppe hatte die Polizeifrequenzen abgehört, den Funkverkehr gestört, und als die Beamten daraufhin die Fahrzeuge durchsuchten, fanden sie eine durchgeladene halbautomatische HK-94-Maschinenpistole mit zwei vollen Magazinen, eine ebenfalls durchgeladene Pump-Action-Schrotflinte, einen Revolver, zwei Dolche, ein Tränengasspray, verbotene Funkgeräte, einen Scanner zum Abhören des Polizeifunks.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Einvernahme erklärten die Verhafteten: «Wir wollten bloss ein wenig 1. August feiern und mit den Waffen ‹umechlöpfe›.» Der «Blick» titelte: «Plante Fremdenhasser Strebel Attentat auf Jubiläumsfeier?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Wochen später, im Herbst 1991, kandidierte Strebel im Kanton Schwyz für den Nationalrat, mit der «Partei für die Zukunft». Er erhielt 6,3 Prozent oder 5700 Stimmen. In der Gemeinde Vorderthal erhielt Strebels Partei 21 Prozent. Rechtsextreme Ideen, so der bundesrätliche Extremismusbericht von 1992, hätten damit auch auf dem Wahlzettel Fuss gefasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seinem Wahlerfolg träumte Strebel von Höherem. Er kündigte Kontakte zu den Lega-dei-Ticinesi-Politikern Giuliano Bignasca und Flavio Maspoli an, um eine «Deutschschweizer Lega» zu gründen, aber das Projekt verlief im Sand, wie auch die Pläne, an den Schwyzer Kantonalwahlen 1992 teilzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kam zum internen Streit, die Gründungsmitglieder und ehemaligen Ku-Klux-Klan-Leute Johnny Meier und Andreas Balsiger sassen im Gefängnis, Strebel trieb von Gerichtsverhandlung zu Gerichtsverhandlung, von Kanton zu Kanton. Bevor die Partei begraben wurde, hatte sie noch einen letzten Umzug hinter sich: Leitung und Hauptsitz gingen nach Pfaffhausen, zu einem EDV-Operator, der auf der Mitgliederliste als Sektionsverantwortlicher Zürich eingetragen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Urban Kaufmann, Student der Zeitgeschichte an der Universität Freiburg, erreichte ihn im Januar 1994 kurz am Telefon. Der Mann sagte, man habe heutzutage keine Chance mehr, gegen den linken Filz anzukommen, vor allem nicht in Fernsehen und Presse, allmählich würden «DDR-Verhältnisse» herrschen. Die Patriotische Front sei aufgelöst, sagte er, und damit war das kurze Gespräch zu Ende.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="727" height="1024" id="media-license-image-733295" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis-727x1024.jpeg" alt="Screenshot" class="wp-image-733295" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis-727x1024.jpeg 727w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis-213x300.jpeg 213w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis-768x1082.jpeg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis-1091x1536.jpeg 1091w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis.jpeg 1278w" sizes="auto, (max-width: 727px) 100vw, 727px" /><figcaption class="wp-element-caption">Damit holte Marcel Strebel 5700 Stimmen: Wahlflyer zu den Nationalratswahlen 1991. 25 Rappen mehr pro Liter Benzin, damit 100&#8217;000 Asylsuchende Mercedes fahren können. Im Kanton Schwyz glaubten das 6,3 Prozent, in Vorderthal jeder Fünfte.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der letzte Angriff mit dem Pickel</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder Urban Kaufmann, wieder ein Telefoninterview für seine Seminararbeit, ebenfalls im Januar 1994, diesmal mit Strebel persönlich. Er verdiene seinen Lebensunterhalt «mit ‹betteln›, um wenigstens von Cervelats und Brot leben zu können». Er wolle nichts mehr mit der Patriotischen Front zu tun haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann, im September 1994, eskalierte ein Saufgelage auf dem Parkplatz vor dem Restaurant Fallenbach in Brunnen so weit, dass die Polizei anrückte. Strebel <a href="https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/der-rechtsextremist-marcel-strebel-vor-gericht----?urn=urn:srf:video:2a56618d-e83d-4454-b5a5-cfd57f1c1e90" target="_blank" rel="noopener">griff zum Sturmgewehr</a> und schoss auf die Beamten, diese erwiderten das Feuer, ein Schulterschuss stoppte Strebel, das Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren Zuchthaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er die Strafe im Januar 2000 hätte antreten sollen, hatte er das Land verlassen, offensichtlich war er in Spanien untergetaucht, denn dort wurde er in Sevilla verhaftet, als er Autoreifen aufschlitzte. Im April 2000 tauchte er am Zoll in Genf-Perly auf und erklärte den Beamten: «Ich muss ins Gefängnis.» Er sass die Strafe in Lenzburg ab und wurde am 22. Juni 2001 vorzeitig entlassen. Über Radio Central liess er ausrichten: «Ich habe eine Abrechnung vor. Falls sie misslingt, kehre ich halt wieder in die so schöne Strafanstalt Lenzburg zurück.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Strebel war inzwischen 51 Jahre alt und ohne festen Wohnsitz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er fuhr nach Burgdorf im Kanton Bern, ins Industriequartier Buchmatt, zu einem Bekannten, bei dem er für ein paar Tage unterkommen wollte. Es kam zum Streit. Strebel war stark betrunken und griff einen Pickel und ging auf den 30-jährigen Sohn des Bekannten los. Der junge Mann griff zu seinem Sturmgewehr und <a href="https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/marcel-strebel-erschossen?urn=urn:srf:video:7529b0d0-6b89-4341-8d75-bc24c8d76e8c" target="_blank" rel="noopener">erschoss Strebel</a>, alarmierte die Polizei und liess sich widerstandslos festnehmen. Ende Juni 2002 wurde der Mann freigesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;«Wenn jemand mit einem Pickel auf einen zukommt, dann ist das ein deutlicher Fall einer Notwehrsituation», sagte die Richterin. Der Angeschuldigte hätte auch nicht flüchten können. «Der 130 Kilo schwere und 188 Zentimeter grosse Marcel Strebel stand im Türrahmen zum Schlafzimmer und füllte diesen beinahe aus. Der Angeschuldigte hat sich in diesem Fall angemessen gewehrt.»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" id="media-license-image-733327" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-1024x768.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-733327" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-1024x768.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-300x225.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-768x576.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-1536x1153.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-2048x1537.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Pfeilkreuz, Logo der Patriotischen Front, entlehnt bei den ungarischen Faschisten der 1940er-Jahre. Rechts Marcel Strebel, mit Aktenkoffer, als käme er von der Arbeit. Die Aufnahme zeigt mutmasslich den Aufmarsch der Patriotischen Front vom 12.&nbsp;August 1989 in Luzern.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Grösser als Strebel</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nationale Front hatte den Namen zuerst getragen, in den Dreissigerjahren, als die faschistische Frontenbewegung in der Schweiz bis zu 9000 Mitglieder zählte, den Führerkult pflegte, offen antisemitisch agierte und Mussolini und Hitler als Vorbilder feierte. Ihre Hochburgen waren Schaffhausen und Zürich. Den Höhepunkt erreichte die Bewegung im «Frontenfrühling» nach Hitlers Machtergreifung 1933. 1935 zog Robert Tobler als einziger Vertreter der Nationalen Front in den Nationalrat ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz hatte diese Geschichte verdrängt, sie passte nicht zum Selbstbild der Neutralität, des Widerstands, des Sonderfalls. Aber die Namen überlebten. Journalisten wie Jürg Frischknecht dokumentierten die Verbindungen der Neonazis zur Nationalen Aktion, jener Partei mit der bürgerlichen Fassade, die seit Ende der Sechzigerjahre im Parlament sass und nach aussen jeden Kontakt zur Szene bestritt. Diese Recherchen und die Umtriebe von Strebel, seinem Umfeld und der Nationalen Koordination führten 1992 zum ersten bundesrätlichen Bericht über Rechtsextremismus und 1995 schliesslich zur ersten wissenschaftlichen Gesamtdarstellung «Rechtsextremismus in der Schweiz. Organisationen und Radikalisierung in den 1980er und 1990er Jahren» von Urs Altermatt und Hanspeter Kriesi. Die Patriotische Front war darin eines von mehreren Kapiteln. Die rechtsextreme Szene war grösser als Strebel, älter als die Patriotische Front, und sie endete auch nicht mit ihr.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Sommer, Sonne, Remigration – die Serie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rechtsextremen der Achtzigerjahre kamen mit Hitlergruss und dem Kofferraum voller Schusswaffen. Sie jagten Menschen, die sie für Fremde hielten, durch die Strassen und beschossen Flüchtlingsunterkünfte. Ihre Nachfolger, die sich heute zur Identitären Bewegung zählen, kommen mit Videos auf X und Telegram, mit Demonstrationen, Kundgebungen und Flashmobs, mit einem klaren politischen Programm und einem Wort, das sie überall wiederholen: Remigration.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Serie erzählt im Wochentakt von der rechtsextremen Szene in der Schweiz und ihren Akteuren, von den Achtzigerjahren bis heute. Sie fragt, was der Österreicher Martin Sellner tatsächlich will und welche Rolle der Winterthurer Manuel Corchia dabei spielt. Um diese Gegenwart zu verstehen, geht die Serie zurück in die Vergangenheit: zu Jürg Frischknecht, dessen Recherchen zum Schweizer Rechtsextremismus bis heute massgebend sind, versammelt in seinem Buch «Schweiz wir kommen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Privatarchiv im Schweizerischen Sozialarchiv liefert den historischen Unterbau für mehrere Kapitel dieser Serie. Das dritte Kapitel handelt von Marcel Strebel und der Patriotischen Front. In drei Teilen zeigt es, wer sich Ende der Achtzigerjahre um Strebel sammelte, was diese Männer wollten, was sie taten, wie Behörden und Medien mit ihnen umgingen und wie die Gruppe schliesslich zerfiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Recherche stützt sich auf Gerichts- und Polizeiakten, Jahresberichte der Bundespolizei, Material des Schweizerischen Sozialarchivs und weiterer Institutionen, auf zeitgenössische rechtsextreme Schriften und Videos, auf Interviews und Telegram-Chats. Einzelne Namen wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><strong>Kapitel 1: Der Winterthurer Anschlag</strong></li><li>Teil 1:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/galt-die-bombe-auch-der-woz/" target="_blank" rel="noopener">«Galt die Bombe auch der WoZ?»</a>, Infosperber vom 21.&nbsp;August 2026</li><li>Teil 2:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-neonazi-der-eigentlich-journalist-war/" target="_blank" rel="noopener">Der Neonazi, der eigentlich Journalist war</a>, Infosperber vom 28.&nbsp;August 2026</li><li>Teil 3:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-denkzettel/" target="_blank" rel="noopener">Der Denkzettel</a>, Infosperber vom 4.&nbsp;September 2026<br></li><li><strong>Kapitel 2: Die neuen Ideologen</strong></li><li>Teil 1:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/remigration-was-martin-sellner-wirklich-will/" target="_blank" rel="noopener">Remigration: Was Martin Sellner wirklich will</a>, Infosperber vom 11. September 2026</li><li>Teil 2:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/aussichten-auf-den-buergerkrieg/" target="_blank" rel="noopener">Aussichten auf den Bürgerkrieg: Renaud Camus und der grosse Austausch</a>, Infosperber vom 18.&nbsp;September 2026<br></li><li><strong>Kapitel 3: Die Patriotische Front</strong></li><li>Teil 1:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-maenner-vom-ku-klux-klan-gruendeten-eine-partei/" target="_blank" rel="noopener">Die Männer vom Ku-Klux-Klan gründeten eine Partei</a>, Infosperber vom 25.&nbsp;September 2026</li><li>Teil 2: <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/erst-die-jagd-dann-die-buehne/" target="_blank" rel="noopener">Erst die Jagd, dann die Bühne</a>, Infosperber vom 2.&nbsp;Oktober 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Paraquat: Über 70 Länder haben es verboten, nun auch die USA?</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/paraquat-ueber-70-laender-haben-es-verboten-nun-auch-die-usa/</link>
					<pubDate>Thu, 08 Oct 2026 07:40:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=733535</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="187" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2020/09/Syngenta_GiftWeb-300x187.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Syngenta_GiftWeb" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2020/09/Syngenta_GiftWeb-300x187.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2020/09/Syngenta_GiftWeb-768x479.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2020/09/Syngenta_GiftWeb-600x374.jpg 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2020/09/Syngenta_GiftWeb.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Syngenta verschwieg der US-Umweltbehörde EPA Studien zu Gesundheitsrisiken des Pestizids. Das zeigen interne Dokumente. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Der Agrarkonzern Syngenta hat der US-Umweltbehörde EPA Daten zu möglichen Gesundheitsschäden seines Herbizids Paraquat vorenthalten. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die dem <a href="https://www.thenewlede.org/2026/09/syngentas-secrets-paraquat-pesticide/" target="_blank" rel="noopener">«Guardian»</a> und <a href="https://www.thenewlede.org/2026/09/syngentas-secrets-paraquat-pesticide/" target="_blank" rel="noopener">«The New Lede»</a> vorliegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach US-Recht müssen Hersteller «unzumutbare schädliche Auswirkungen» (unreasonable adverse effects) ihrer Produkte melden, damit die US-Behörden diese prüfen können. Paraquat ist in rund 70 Ländern verboten, zum Teil seit vielen Jahren. Nun erwägen die ersten US-Bundesstaaten ein Verbot.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was die EPA nicht erfuhr</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den nicht gemeldeten Daten gehören</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Analysen dazu, wie schnell Paraquat Kleidung durchdringt,</li>



<li>Analysen dazu, wie schnell der Wirkstoff in die Haut und ins Blut gelangt,</li>



<li>Analysen dazu, wie sich diese Geschwindigkeit ändert, wenn das hochgiftige Pestizid mit Tensiden gemischt wird.</li>



<li>Sowie Hinweise auf schwere Risiken für das Gehirn.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Der 3700 Seiten starke Datensatz wurde bei einem Gericht des Bundesstaates Pennsylvania eingereicht, bei dem hunderte Klagen von Parkinsonkranken vehandelt werden. In den USA sind landesweit dazu über 10’000 Klagen offen. 2021 zahlte Syngenta in einem solchen Verfahren bereits wenigstens <a href="https://www.swissinfo.ch/ger/wirtschaft/us-farmer-innen-legen-sich-mit-syngenta-an/47120842" target="_blank" rel="noopener">187 Millionen Dollar</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Recherchepartner hatten bereits <a href="https://www.thenewlede.org/2022/10/secret-paraquat-papers-reveal-corporate-tactics-to-protect-weed-killer-linked-to-parkinsons-disease/" target="_blank" rel="noopener">2022</a> und <a href="https://www.thenewlede.org/2023/06/syngentas-swat-team-internal-files-reveal-secret-strategies-to-influence-science/" target="_blank" rel="noopener">2023</a> interne Dokumente erhalten, die PR-Massnahmen des Unternehmens zugunsten von Paraquat belegen. Die neuen Dokumente zeigen, wie Syngenta mit Bedenken zu Paraquat umging. Sie enthalten zahlreiche Beispiele für Informationen, die nicht bei der EPA ankamen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gefährlicher mit Tensid-Beimischung – Syngenta will davon nichts gewusst haben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders brisant ist die Frage, ob Paraquat in Kombination mit Tensiden gefährlicher wird. Pestizide in Spritzmitteln mit Tensiden zu mischen, ist weit verbreitet, weil sie die Wirksamkeit erhöhen: Tenside senken die Oberflächenspannung einer Flüssigkeit, das Mittel verteilt sich besser, haftet besser an der Pflanze und dringt besser ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Syngenta forschte bis in die Nullerjahre an den Auswirkungen von Tensidmischungen mit Paraquat. Zumindest einen Teil der Erkenntnisse teilte der Konzern der EPA nicht mit, das geht aus eidesstattlichen Erklärungen hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens in den 1970er-Jahren lagen dem Unternehmen laut den Unterlagen Informationen zur Giftigkeit der Mischungen vor. Damals erwog Syngenta sogar, Paraquat mit zugesetzten Tensiden zu verkaufen. «Wegen der höheren Toxizität» sei das wenig ratsam, schrieb ein <a href="https://www.thenewlede.org/wp-content/uploads/2026/09/E52_1975_J-N-Ospenson_X-77-Surfactant_Letters.pdf">Syngenta-Forscher 1975 intern</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="885" height="826" id="media-license-image-733567" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nicht-ratsam-Tenside-Paraquat.png" alt="Nicht ratsam Tenside Paraquat" class="wp-image-733567" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nicht-ratsam-Tenside-Paraquat.png 885w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nicht-ratsam-Tenside-Paraquat-300x280.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nicht-ratsam-Tenside-Paraquat-768x717.png 768w" sizes="auto, (max-width: 885px) 100vw, 885px" /><figcaption class="wp-element-caption">Es sei nicht ratsam, eine Paraquat-Tensid-Mischung auf den Markt zu bringen, schrieb ein Wissenschaftler &#8211; wegen deren höherer Giftigkeit (Hervorhebung durch Infosperber).</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Interne Studien aus dieser Zeit zeigten, dass der Tensidzusatz bei Hunden zu einer höheren Aufnahme von Paraquat über den Darm führte. In den Gerichtsunterlagen bestreitet Syngenta dennoch, dass «Tenside die Absorption von Paraquat erhöhen und damit auch seine Toxizität».</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gefährdungsanalyse machte Syngenta gleich selbst</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Prozess in Philadelphia erklärte Syngenta zu den vorenthaltenen Daten, keine der Angaben sei «relevant für den US-Markt oder die Aufsicht der EPA». Man habe weder der US-Behörde noch anderen Behörden weltweit absichtlich Informationen vorenthalten und sich gesetzeskonform verhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist bemerkenswert. Syngenta nahm für sich in Anspruch, selbst zu beurteilen, ob seine Daten auf ein Gesundheitsrisiko hindeuten, und reichte sie dann gar nicht erst zur Prüfung ein. Zu seiner Verteidigung verwies das Unternehmen in einem Gerichtsdokument darauf, dass die EPA es «niemals wegen Nichteinhaltung» seiner Offenlegungspflichten bei Paraquat «gerügt oder sanktioniert» habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wendy Wagner, Rechtsprofessorin an der University of Texas, sieht das als Schwäche des US-Systems: Die EPA verlasse sich zu stark darauf, dass Hersteller sicherheitsrelevante Informationen von sich aus liefern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schutzkleidung ohne Schutz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Daten aus den 1980er-Jahren zeigen laut den Recherchepartnern, dass das Paraquat-Produkt Gramoxone sowohl Baumwollkleidung als auch Schutzanzüge aus Tyvek (ein Material aus Polyethylen) quasi sofort durchdringt. Auf der Verpackung von Gramoxone empfiehlt Syngenta als geeignete Schutzmassnahme noch immer «langärmlige Kleidung und lange Hosen». Andere Daten belegen, dass Paraquat in den Urin und ins Blutplasma von Anwenderinnen und Anwendern gelangt. «Das sind schlechte Nachrichten, egal wie man es dreht», schrieb ein Syngenta-Wissenschaftler 2007.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch als eine mexikanische Behörde den Fall eines an Parkinson erkrankten Syngenta-Werksleiters prüfte und einen «umfassenden Zusammenhang» mit Paraquat feststellte, informierte Syngenta die US-Behörde nicht. Dasselbe gilt für interne Studien aus den Nullerjahren: Eine Wissenschaftlerin fand heraus, dass Paraquat bis zu 15 Jahre lang zum Verlust von Gehirnzellen führt. Auch diese Ergebnisse gelangten nicht zur EPA. Ein Konzernsprecher erklärte, Syngenta habe den Aufsichtsbehörden nie wissentlich relevante und erforderliche Informationen vorenthalten. Man nehme die Sicherheit seiner Produkte sehr ernst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Wenn die Pestizidhersteller aus ihren eigenen Studien wissen, dass ihre Pestizide schädlich sind, dies aber weder der Öffentlichkeit noch den Aufsichtsbehörden mitteilen, tragen sie wissentlich dazu bei, dass Menschen erkranken und sterben», sagte die bekannte Epidemiologin und ehemalige EPA-Wissenschaftlerin <a href="https://med.stanford.edu/profiles/tracey-woodruff" target="_blank" rel="noopener">Tracey</a> <a href="https://www.researchgate.net/profile/Tracey-Woodruff" target="_blank" rel="noopener">Woodruff</a> gegenüber den Recherchepartnern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Keine «schriftlichen Diskussionen» und bezahlte «unabhängige» Forschung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In mehreren Ländern ist der Zusammenhang zwischen Pestizidexposition und Parkinson <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/parkinson-durch-pestizide-wird-in-deutschland-berufskrankheit/" target="_blank" rel="noopener">als Berufskrankheit anerkannt</a>. Syngenta warnte laut den Unterlagen nicht nur seine Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen davor, Studien zum Zusammenhang von Parkinson und Paraquat schriftlich zu diskutieren:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="689" height="937" id="media-license-image-733577" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/communication-re-dont-email.png" alt="communication-re-dont-email" class="wp-image-733577" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/communication-re-dont-email.png 689w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/communication-re-dont-email-221x300.png 221w" sizes="auto, (max-width: 689px) 100vw, 689px" /><figcaption class="wp-element-caption">Syngenta bat seine Forschenden darum, Zusammenhänge zwischen Paraquat und Parkinson nicht schriftlich zu diskutieren. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Unternehmen unterstützte auch Forschung, die die Sicherheit von Paraquat belegen sollte. In E-Mails besprachen Syngenta-Angestellte Änderungen an einer Studie, die unter dem Namen eines unabhängigen Wissenschaftlers erscheinen sollte. Die Kommunikation mit ihm solle «im Idealfall mündlich stattfinden», damit «wir nicht den Anschein erwecken, als wollten wir Einfluss nehmen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Autor, Jack Mandel, veröffentlichte nach den Unterlagen mehrere «unabhängige» Studien für Syngenta, die einen Zusammenhang zwischen Parkinson und Paraquat in Abrede stellen. Mindestens eine wurde von der US-Regierung mitfinanziert. Ein leitender Syngenta-Wissenschaftler bestätigte in einer eidesstattlichen Aussage einen Vertrag über 160’000 Dollar mit Mandel für eine Studie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Andere Länder handelten früher</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die US-Behörde EPA verweist auf eine laufende Überprüfung des Pestizids und will keine «spekulativen Aussagen» machen. Andere Länder haben längst unabhängige Studien erstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweden verbot Paraquat bereits 1983 und trug wesentlich dazu bei, dass das Pestizid 2007 in der EU verboten wurde. Selbst China, wo die Eigentümerschaft des Konzerns liegt, liess unabhängig forschen und verbot Paraquat 2017 endgültig. Verboten ist Paraquat auch in der Schweiz (seit 1989), in Grossbritannien (2007 mit der EU), Brasilien (2020), Kanada (2023), Thailand (2019), Vietnam (2017), Malaysia (2017), Südkorea, Taiwan, Kuwait, Syrien und El Salvador. Vor wenigen Tagen kam <a href="https://www.newindianexpress.com/india/2026/Sep/28/india-bans-paraquat-dichloride-one-of-the-worlds-most-toxic-herbicides">Indien</a> hinzu, ein ausgeprägter Agrar- und Flächenstaat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Produziert wurde Paraquat aber weiterhin, etwa in China und Grossbritannien. In rund 100 Ländern wird es noch eingesetzt, darunter Australien, Indonesien, Japan, Mexiko, Neuseeland, in mehreren afrikanischen Ländern und eben in den USA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige US-Bundesstaaten sind von der Unschädlichkeit des Pestizids aber nicht mehr überzeugt. Im US-Staat <a href="https://www.thenewlede.org/2026/05/vermont-bans-paraquat-linked-to-parkinsons/">Vermont</a> ist Paraquat ab Ende 2026 verboten, in elf weiteren Staaten sind Verbote geplant.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Syngenta kündigte <a href="https://www.syngenta.com/media/syngenta-cease-paraquat-production-uk-2026">Anfang März an</a>, die Produktion von Paraquat im Juni weltweit einzustellen. Andere Hersteller dürfen Paraquat aber weiter verkaufen. Einen Zusammenhang mit Parkinson bestreitet der Konzern weiterhin.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Paraquat</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Paraquat ist eine quartäre Ammoniumverbindung. Das Herbizid bildet in der Pflanze freie Radikale, die die Zellmembran zerstören; die Pflanze vertrocknet innert Stunden. Für Menschen endet eine Vergiftung mit grösseren Mengen Paraquat oft tödlich, ein Gegenmittel gibt es nicht. Deshalb wird Paraquat häufig bei Suizidversuchen geschluckt, ein gewichtiger Grund für Verbote in vielen Ländern. Nicht tödliche Vergiftungen schädigen vor allem Nieren und Lunge.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Mietrecht: Das Wichtigste bleibt unerwähnt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/mietrecht-das-wichtigste-bleibt-unerwaehnt/</link>
					<pubDate>Thu, 08 Oct 2026 07:37:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=733275</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="176" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2019/12/Mieterkampf-300x176.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Mieterkampf" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2019/12/Mieterkampf-300x176.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2019/12/Mieterkampf-600x352.jpg 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2019/12/Mieterkampf.jpg 680w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mieter fordern eine schärfere Kostenmiete, der Bundesrat setzt auf Ortsüblichkeit. Knackpunkt sind die extrem hohen Bodenpreise.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Noch gilt im Mietrecht das Prinzip der Kostenmiete. Damit soll der Vermieter daran gehindert werden, auf Kosten des Mieters übertriebene Gewinne zu machen. Er soll nur die effektiven Kosten überwälzen. Dazu zählt auch eine Rendite von aktuell 3,75 Prozent auf dem Eigenkapital.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch neben dem Mieter und dem Vermieter gibt es noch den Dritten im Bunde – den Grundeigentümer. Die Profite, die dieser zulasten des Mieters kassieren kann, zeigt dieser Vergleich: In Le Locle kostet eine 100 Quadratmeter grosse Mietwohnung laut <a href="https://realadvisor.ch/de">realadvisor.ch</a> im Schnitt 1450 Franken. Sie beansprucht etwa 120 Quadratmeter Bauland zu durchschnittlich 225 Franken. Verzinst man diese Baulandkosten zu 3 Prozent, ergibt das eine monatliche Abgabe an den Grundbesitzer von rund 70 Franken. Die restlichen 1380 Franken Miete entfallen auf effektive Kosten für Bau, Unterhalt, Verwaltung und Hypozinsen etc.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kilchberg bei Zürich kostet eine entsprechende 100-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt 4850 Franken. Allerdings kostet dort der Quadratmeter Bauland gut 4000 Franken statt 225 Franken wie in Le Locle. Der Unterschied in der Miete dürfte deshalb weitgehend in den höheren Abgaben für den Bodenbesitzer liegen. Selbst wenn die eigentlichen Kosten in Kilchberg 20 Prozent höher liegen – bei rund 1650 Franken –, streicht der Grundbesitzer monatlich 3200 Franken ein. Diese «Kosten» hat im Sinne des Mietrechts der Mieter zu tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mieten in Kilchberg sind deshalb so hoch, weil dort das durchschnittliche steuerbare Familieneinkommen mit 15&#8217;000 Franken pro Monat (Zahlen von 2022) rund vier mal höher ist als in Le Locle. Allerdings verdient auch in Kilchberg die Hälfte aller Steuerzahler weniger als 7250 Franken. Davon kann man sich keine Neumiete von 4850 Franken leisten. Da bleibt im Fall einer Kündigung nur noch der Umzug in eine gerade noch erreichbare billigere Gegend, etwa nach Sins AG, wo man mit Glück noch für 2500 Franken unterkommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gentrifizierung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das nennt man Gentrifizierung. Die Reichen – mit ihnen die reich gewordenen Grundeigentümer – ziehen an die guten und steuergünstigen Lagen. Dort treiben sie die Mieten hoch und vertreiben den Mittelstand und die ärmeren Schichten. Mit der Folge, dass die Einkommen noch einseitiger verteilt werden. Im Kanton Zürich etwa verdienen 10 Prozent der Paarhaushalte monatlich 18&#8217;000 Franken oder mehr. In Schwyz sind es 20&#8217;000 Franken und in Zug sind es gar 27&#8217;500 Franken. Und weil die Wohnungen knapp und die Leerstandsquoten tief sind, finden die Investoren fast immer Mieter, die sich eine Wohnung für 5000 Franken oder mehr leisten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zur Mietrechtsdiskussion: Aktuell können <em>bestehende Mieten</em> nur im Ausmass der Teuerung und der Hypozinsen erhöht werden. Bei der <em>Neu-Vermietung</em> von neu gebauten Wohnungen und von solchen, die vor 30 Jahren oder mehr gebaut oder gekauft worden sind, gilt die Kostenmiete auf der Grundlage der aktuellen Bodenpreise. Nur bei Wohnungen, die <em>weniger als 30 Jahre alt sind,</em> gilt die Kostenmiete auf der Grundlage des historischen Kaufpreises. Neumieten müssen zudem «ortsüblich» sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kostenmiete scheitert an Bürokratie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlangt der Vermieter eine Miete, die über der Kostenmiete liegt, kann der Mieter diese vor dem Mietgericht anfechten und eine Ermässigung durchsetzen. Dies ist aber ein aufwändiger Prozess, der nur selten zu einer tieferen Miete führt. Der Mieterverband hat deshalb eine Initiative lanciert, wonach die Einhaltung der Kostenmiete staatlich kontrolliert und durchgesetzt werden soll. Das wäre jedoch mit einigem bürokratischem Aufwand verbunden. Deshalb schlägt nun den Bundesrat – ganz im Sinne des Hauseigentümerverbands – vor, das Prinzip der Kostenmiete gegen das der «Ortsüblichkeit» einzutauschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die konkreten Auswirkungen illustriert dieses Beispiel: Vermieter X hat im Jahr 2000 eine Mietwohnung in Zürich für 500&#8217;000 Franken erworben und seither 50&#8217;000 Franken in Renovationen gesteckt. Macht 550&#8217;000 Franken plus die Teuerung von 15 Prozent, total also rund 630&#8217;000 Franken. Auf dieser Grundlage wird die Kostenmiete berechnet. Bei einem Eigenkapital von 210&#8217;000 Franken läge die erlaubte Miete bei rund 2300 Franken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen haben sich die Immobilienpreise in Zürich in etwa verdreifacht. Eine gleichwertige Wohnung kostet heute somit etwa 1,5 Millionen Franken – und das ist auch die Grundlage für die Kostenmiete. Bei einem unveränderten Eigenkapitalanteil von einem Drittel schlagen allein die zusätzlichen Eigenkapitalkosten mit rund 900 und die Fremdkapitalkosten mit 800 Franken zu Buche. Die übrigen Kosten steigen in etwa um die Teuerung und insgesamt landen wir bei einer Kostenmiete von rund 4500 Franken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Umverteilung nach oben wird beschleunigt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem noch geltenden Recht kann X bei einer Neuvermietung aber nur die – historische – Kostenmiete von besagten 2300 Franken verlangen, sonst kann der Mieter klagen. Setzen sich hingegen der Bundesrat und der Hauseigentümerverband durch, kann X eine «ortsübliche» Miete fordern. Da inzwischen viele Wohnungen neu gebaut oder neu vermietet worden sind, dürfte diese inzwischen nahe bei der Kostenmiete liegen – konkret bei rund 4000 Franken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt würde die Annahme des Gegenvorschlags bewirken, dass sich die Bestandesmieten noch schneller an die Neumieten anpassen. Für 4-Zimmer-Wohnungen in der Stadt Zürich ist das ein Sprung von rund 1600 Franken monatlich oder rund 20&#8217;000 Franken jährlich. Die Umverteilung zugunsten der Grundbesitzer würde noch einmal stark beschleunigt. Allerdings hätte dies auch den Vorteil, dass Vermieter von alten Wohnungen weniger Anreiz hätten, die alten Mieter mit einer Totalsanierung oder einem Neubau rauszuwerfen und durch kaufkräftige neue zu ersetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Elefant im Raum</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schwäche der aktuellen Mietrechtsdiskussion liegt darin, dass sie den Elefanten im Raum – die extrem hohen Bodenpreise – konsequent übersieht. Kein Wunder: Der Hauseigentümerverband schreit schon laut auf, wenn der Staat schon nur ein Vorkaufsrecht einfordert. Das sei ein «massiver <a href="https://www.hev-zh.ch/news/detail/30112025-erfreulicher-abstimmungssonntag-fuer-das-wohneigentum">Eingriff</a> in das Privateigentum». Auch von einer «kalten Enteignung» ist die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mag sein. Doch faktisch führen die hohen Bodenpreise und Mieten vor allem zu einer Enteignung der eigenen Arbeitskraft. Eine Kostenmiete, die (siehe den Vergleich von Le Locle und Kilchberg) 3200 Franken über den effektiven Kosten liegt, bedeutet, dass der Durchschnittsverdiener gut die Hälfte seiner Zeit für den Bodenbesitzer arbeiten muss. Für immer mehr Bürger bedeuten die hohen Bodenpreise auch, dass sie ihre Gemeinde verlassen müssen. Das bedroht die Grundlagen der Demokratie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mietrecht wäre eine wichtige Stellschraube für eine bessere Schweiz. Bloss darf man dabei den Elefanten im Raum nicht länger übersehen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>kontertext: Ein Ungeheuer namens Zionismus</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/naher-osten/kontertext-ein-ungeheuer-namens-zionismus/</link>
					<pubDate>Thu, 08 Oct 2026 07:35:29 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=732683</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="225" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-300x225.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Standing together, Rundbrief vom 27.08.276.hb in Auszügen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-300x225.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-1024x768.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-768x576.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-1536x1152.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Parole «Tod dem Zionismus» ist unbrauchbar. Die Zeit für konkrete Forderungen zugunsten der Palästinenser ist günstig.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Ein Gespenst geht um in vielen Teilen der Welt. Es heisst Zionismus und muss, so verkünden Freunde und Freundinnen der Palästinenser, getötet werden. Nun ist die Vorstellung, man könne ein historisches Phänomen wie den bald 150-jährigen Zionismus «töten», eher bizarr. Aber natürlich meint die Parole irgendwie irgendetwas Gegenwärtiges.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur was genau? Man weiss es nicht. Wer kritisiert, sollte doch, wenn er eine Wirkung erzielen will, möglichst genau und konkret benennen, was er kritisiert. Die israelische Kriegsführung im Gaza, die Diskriminierung von Palästinensern in Israel, der Terror der Siedler in der Westbank – all das und noch viel mehr kann klar erkannt und angeprangert werden. Die Parole «Tod dem Zionismus» aber ist ganz im Gegenteil nur eine Nebelgranate. Was soll denn da «getötet» werden? Der Staat Israel? Oder die zionistisch gesinnten Juden? Oder die Arroganz jüdischer Suprematievorstellungen? Der Rassismus in Israel? Der Landraub in der Westbank? Vieles kann gemeint sein, muss aber nicht. Nebel eben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was ist, was war Zionismus?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Nebel sieht man nicht klar, aber Nebelgebilde regen die Phantasie an, sodass man gerne sieht, was man sehen möchte und eben nicht sieht, was man nicht sehen möchte. Gerne übersehen wird, dass der Zionismus eine sehr vielfältige Befreiungs-Bewegung war. Verbindendes Band dieser Bewegung war anfänglich und für lange Zeit eigentlich nur der Glaube an eine gemeinsame Zukunft des jüdischen Volkes. Praktisch konnte dieser Glaube zur Forderung nach einer Stärkung der jüdischen Kultur in der Diaspora führen. Oder zur Absicht, die religiösen Traditionen wiederzubeleben. Oder zur Forderung einer Umsiedlung, wobei umstritten war, was man anstrebte: eine «Heimstätte», ein Staat oder nur landwirtschaftliche Ansiedelungen? Unklar war auch der Ort allfälliger Ansiedelungen: Palästina, Uganda, Ägypten, irgendwo im Osmanischen Reich ausserhalb Palästinas – für viele Orte gab es Initiativen und praktische Ansätze. Auch politisch waren im Zionismus viele Tendenzen vertreten, von rechts bis links.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hauptleistung des Zionismus in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bestand darin, dass er den osteuropäischen, jüdischen Massen Perspektiven und Hoffnungen gab. Insbesondere in Russland lebten die Juden unter unvorstellbar schlechten Bedingungen. Ihre Lebenserwartung war extrem gering; sie hungerten; sie lebten unter miserablen hygienischen Bedingungen; das zaristische Regime, seine Armee und die Pogrome überzogen sie mit omnipräsenter Gewalt, alltäglicher&nbsp;&nbsp;Diskriminierung und vielfachem Mord. Zionismus war für sie nichts anderes als das, was man später eine nationale Befreiungsbewegung nannte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1948, Staatsgründung – die Ursünde?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründung des Staates Israel war natürlich in vielerlei Hinsicht die Verwirklichung des zionistischen Glaubens und Strebens. Möglich wurde die Staatsgründung aber erst nach dem Versuch der Nazis, die Juden insgesamt zu vernichten, und aufgrund des schlechten Gewissens in den Staaten des europäischen und amerikanischen Kontinents – weil ihre Länder so gründlich versagt hatten, als es galt, die verfolgten Juden aufzunehmen. Beides, nationale Befreiung aus tiefstem Elend und Prävention gegen den nächsten Versuch der Judenvernichtung, haftet dem Zionismus bis heute an. Zionismus ist mehr und anderes als die heute propagierte Rechtfertigungsideologie für den Krieg gegen die Palästinenser.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" id="media-license-image-732695" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-1024x768.jpg" alt="Standing together, Rundbrief vom 27.08.276.hb in Auszügen" class="wp-image-732695" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-1024x768.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-300x225.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-768x576.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-1536x1152.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Solidarity Guards» von «Standig Together» schützen ein palästinensisches Haus vor israelischen Siedlern. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Heute gilt die Gründung des Staates Israel vielerorts als Akt kolonialer Gewalt. Das ist insofern richtig, als eine Macht von aussen in Palästina eingedrungen ist und den Einheimischen das Land weggenommen hat. Das ist die Grundstruktur des Kolonialismus. Aber: Der Kolonisator ist normalerweise ein reicher, gefestigter Nationalstaat, der ein militärisch und ökonomisch unterlegenes Land überwältigt, um es auszubeuten. Das allerdings galt für die Juden anno 1948 sicherlich nicht. Sie hatten weder Macht, noch Geld, noch Land und waren gerade mit knapper Not ihrer totalen Auslöschung entgangen. Sie waren Überlebende, die Schutz benötigten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Politik ist konkret</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Basler Palästinademo vom 29. August, die sich unter die Parole «Death to Zionism» stellte, habe ich nicht eine einzige realistische Forderung wahrgenommen. Die inhaltslose Schein-Radikalität der antizionistischen Forderung scheint die Gewissen so weit zu beruhigen, dass die Mühen des politischen Denkens ausbleiben können. Das heisst, der Solidaritätsbewegung für die Palästinenser in den Rücken fallen. Denn der Moment wäre günstig. Es gibt in Europa wie in USA eine breite Grundstimmung von Mitleid mit den Palästinensern und Abscheu vor vielen Aktionen Israels. Diese Grundbefindlichkeit gilt es zu politisieren und zu modellieren. Was kann die Schweiz tun? Nicht viel, aber doch einiges:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz könnte Palästina anerkennen: Eine bloss symbolische Handlung, gewiss, aber alle palästinensischen Stimmen, die ich vernehme, würden dies als Stärkung betrachten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz könnte erklären, dass sie als Rechtsstaat sich an die Beschlüsse des Internationalen Strafgerichtshofes hält und Herrn Netanjahu verhaften würde, käme er in die Schweiz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz könnte für eine bestimmte Zeit den Waffenhandel mit Israel einstellen: Keine Waffenverkäufe auf direktem oder indirektem Weg an Israel, keine Waffenkäufe von Israel.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz oder Schweizer Unternehmen könnten den Import von israelischen Waren aus den besetzten Gebieten stoppen: Ja, das ist nicht so einfach, der Produktionsort kann verschleiert werden. Auch die Abgrenzung zu palästinensischen Produkten, die wir aus Solidarität kaufen, ist nicht einfach. Trotzdem kann es versucht werden – und man kann ja auch über Produktionsketten recherchieren. Israel ist kein unzugängliches Land.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweizer, Schweizerinnen und die offizielle Schweiz könnten die israelische Opposition unterstützen. Auf dem grossen&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/?s=Friedenskongress+Jerusalem&amp;search_mode=and" target="_blank" rel="noopener">Friedenskongress in Jerusalem im Jahre 2025</a>&nbsp;gab es genau einen einzigen Gruss eines ausländischen Regierungsmitglieds: von Emmanuel Macron. Ich fragte dort auf Demonstrationen öfter, ob sich die Umstehenden an Interventionen ausländischer Unterstützer bei Kundgebungen erinnern könnten. Die meisten verneinten. Wenige erinnerten sich vage daran, dass vor Jahren mal einer oder eine das Wort ergriffen habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vor allem: Hingehen! Es gibt doch einige Regierungsmitglieder, Parlamentarierinnen, Parteimitglieder, die sagen, ihnen sei das Leid der Palästinenser nicht gleichgültig. Sie sollen hingehen, in die Westbank, zu den Bauern. Es ist zwar schon 50 Jahre her, aber ich erinnere mich gut an die Beiss- und Schlaghemmung der französischen Polizei, wenn in der ersten Reihe der Demonstration, die sie niederknüppeln sollte, ein berühmter Philosoph ging. Schweizer Politiker und Politikerinnen haben ein gewisses Prestige. Selbst wenn sie an einem Checkpoint scheitern – auch das wäre ein Bericht wert.&nbsp;&nbsp;Die israelisch-palästinensische Organisation «<a href="https://www.standing-together.org/en" target="_blank" rel="noopener">Standing Together</a>» organisiert regelmässig und erfolgreich Einsätze von «Solidarity Guards», um Palästinenser vor dem Siedler-Terrorismus zu schützen. Kontakt aufnehmen!&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine.<br><em>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur, greift Beiträge aus Medien kritisch auf und pflegt die Kunst des Essays. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



<p class="wp-block-paragraph"><em>_____________________<br></em></p>
]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>Was Frauen beim «Social Egg Freezing» verschwiegen wird</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/was-frauen-beim-social-egg-freezing-verschwiegen-wird/</link>
					<pubDate>Wed, 07 Oct 2026 07:35:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=728179</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-05-um-17.34.26-300x200.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Ultraschalluntersuchung bei einer Frau" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-05-um-17.34.26-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-05-um-17.34.26-768x511.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-05-um-17.34.26.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das Geschäft mit tiefgefrorenen menschlichen Eizellen ist zum Tummelfeld für Investoren geworden. Auch in der Schweiz.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Vorsorge betreiben. Druck rausnehmen. Die biologische Uhr ausbremsen. Zeit gewinnen, um noch einen passenden Partner für gemeinsame Kinder zu finden. Zuerst die Karriere vorantreiben können. Zwänge abbauen.&nbsp;Sich versichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Gründe nennen Frauen, die sich fürs «Social Egg Freezing» entscheiden. Sie lassen sich – auf eigene Rechnung – Eizellen entnehmen und einfrieren. Das geht ins Geld: 4000 bis 9000 Franken kostet ein sogenannter Hormonzyklus laut <a href="https://www.srf.ch/play/tv/10-vor-10/video/social-egg-freezing-was-das-einfrieren-von-eizellen-bedeutet?urn=urn:srf:video:61a05445-b165-42f3-b21c-bd4f1ea9401f" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Recherchen</a> <a href="https://www.srf.ch/play/tv/rec-/video/qa-zur-reportage-hoffnung-auf-eis---warum-die-gen-y-eizellen-einfrieren-laesst?urn=urn:srf:video:dac4987c-b069-406c-944a-0de8d8cc6a60" target="_blank" rel="noreferrer noopener">von</a> «<a href="https://www.srf.ch/sendungen/dok/social-egg-freezing-es-ist-keine-garantie-fuer-das-spaetere-kinderglueck" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SRF</a>» in der Schweiz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim «Social Egg Freezing» werden Studien zufolge pro Hormonzyklus im Durchschnitt <a href="https://www.mdpi.com/2077-0383/12/10/3542" target="_blank" rel="noopener">rund 20 Eizellen</a> gewonnen, wenn die Frau höchstens 30 Jahre alt ist, aber <a href="http://doi.org/10.1136/bmj-2026-754787" target="_blank" rel="noopener">nur 9</a>, wenn sie 40 Jahre ist. Als ideal gelten – je nach Alter – 10 bis 20 Eizellen. Um genügend Eizellen zu gewinnen, ist daher oft ein zweiter Zyklus nötig oder sogar mehrere. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen jährlich <a href="https://www.srf.ch/wissen/wissens-chats/q-a-social-egg-freezing-lohnt-sich-das-einfrieren-von-eizellen-mit-36-jahren-noch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">400 bis 800 Franken</a> für die Lagerung der Eizellen bei minus 196 Grad Celsius, plus optionale Untersuchungen sowie Folgebehandlungen, wenn sich die Frauen später für eine Schwangerschaft entscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nur eine kleine Minderheit greift auf die tiefgefrorenen Eizellen zurück</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die allermeisten Frauen, die sich fürs &#171;Social Egg Freezing&#187; entscheiden, werfen ihr Geld zum Fenster hinaus. Denn bisher greift nur eine Minderheit auf ihre tiefgefrorenen Eizellen zurück, um schwanger zu werden, zeigen Studien aus den Jahren 1999 bis 2020. Einer Meta-Analyse in «<a href="https://academic.oup.com/humupd/article/30/5/558/7657022" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Human Reproduction Update</a>» zufolge liessen nur etwa elf Prozent der Frauen später eine oder mehrere Eizellen auftauen, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die allermeisten Frauen also viel Geld für nichts ausgeben und dabei sogar noch ein gesundheitliches Risiko eingehen, gewinnen andere: Beim Tieffrieren von Eizellen «spielen Finanzakteure wie Private-Equity-Gesellschaften eine immer einflussreichere Rolle», schrieb Lucy van de Wiel, Dozentin für globale Gesundheit und Sozialmedizin am King’s College in London, kürzlich im «<a href="https://www.bmj.com/content/394/bmj-2026-100117" target="_blank" rel="noreferrer noopener">British Medical Journal</a>» (BMJ).</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Zürich etwa eröffnete im <a href="https://www.wirtschaftszeit.ch/news/cada-fertility-eroeffnet-modernste-kinderwunschklinik-in-zuerich/" target="_blank" rel="noopener">September 2024</a> die «Cada Kinderwunschklinik» an bester Lage im Seefeld. Dahinter steht das Start-up «Cada Fertility». Investoren dieses Start-ups sind in der Schweizer Gesundheitsszene bereits mehrfach aufgefallen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer nach Alternativen im Ausland sucht, stösst beim Googeln zum Beispiel rasch auf den gesponserten Link zur Clinica Tambre in Alicante und Madrid. Diese 1980 von einem Arzt gegründete Klinik wurde <a href="https://www.clinicatambre.com/de/wer-wir-sind" target="_blank" rel="noreferrer noopener">2017 durch eine Investorengruppe übernommen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit einigen Jahren haben Investoren die Reproduktionsmedizin als lukrativen Markt entdeckt. Sie kaufen entsprechende Zentren auf oder stampfen sie aus dem Boden, pumpen teils <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8892031/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hunderte von Millionen</a> an Geld hinein, trimmen die Zentren auf mehr Rendite und verkaufen sie weiter.&nbsp;Seit 2016 sei stark in &#171;Egg Freezing Businesses&#187; investiert worden, so van de Wiel in «<a href="https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14636778.2019.1709430" target="_blank" rel="noreferrer noopener">New Genetics and Society</a>». Primär von medizinischen Fachkräften geleitete Kliniken würden nun mehr und mehr von Investoren diktiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für diverse, <a href="https://aihta.at/page/in-vitro-fertilisation-viele-zusatzbehandlungen-ohne-belegten-nutzen/de" target="_blank" rel="noopener">häufig angewandte Zusatzbehandlungen</a> in der Reproduktionsmedizin ist laut einer Meta-Analyse in «<a href="https://www.thelancet.com/journals/lanogw/article/PIIS3050-5038(26)00054-3/fulltext" target="_blank" rel="noopener">The Lancet Obstetrics, Gynaecology &amp; Women&#8217;s Health</a>» nicht erwiesen, dass sie die Chance auf ein Baby erhöhen. Verkauft werden sie trotzdem.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erst in Immobilien investiert, dann ins Eizell-Business</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Van de Wiel nennt das Beispiel &#171;Prelude Fertility&#187;, eine Firma, die 2016 mit 200 Millionen Kapital gegründet wurde und bereits im ersten Jahr zur zweitgrössten Fertilitätsfirma in den USA aufgestiegen sei. &#171;Ihr CEO, Martin Varsavsky, ist ein Serienunternehmer, der auf die Bereiche Immobilien und Cloud-Computing spezialisiert ist. FON – nach eigenen Angaben das weltweit grösste WLAN-Netzwerk mit 21 Millionen Hotspots rund um den Globus – war eines seiner Unternehmen; Prelude Fertility ist sein siebtes und sein erster Vorstoss in den Bereich der Fruchtbarkeitsmedizin.&#187; </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das «Social Egg Freezing», also das Einfrieren der Eizellen aus nicht-medizinischen Gründen, ist für die Investoren besonders attraktiv. Denn verglichen mit der künstlichen Befruchtung ist die potenzielle Kundschaft dort viel grösser – theoretisch könnte jede Frau ab Ende 20 mit späterem Kinderwunsch – und genügend Geld – als Kundin in Frage kommen. In einem «<a href="https://www.srf.ch/wissen/wissens-chats/q-a-social-egg-freezing-lohnt-sich-das-einfrieren-von-eizellen-mit-36-jahren-noch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SRF</a>»-Chat fragte kürzlich schon eine 23-Jährige: «Ab welchem Alter – wenn man seinen Traummann noch nicht gefunden hat – sollte man überlegen, sicherheitshalber etwas in den Tiefkühler zu werfen?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Investoren würden das «Social Egg Freezing» als «margenstarke Wahlleistung» einstufen, so van de Wiel. Der Bereich wachse rasch, auch dank späterer Familienplanung, wachsendem Interesse der LGBTQ+-Gruppe und der Bereitschaft, viel Geld für diese «Vorsorge» auszugeben. Zudem seien langfristige Einnahmequellen durch Lagerungsgebühren und Folgebehandlungen gesichert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Viermal verkauft worden</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was das in der Praxis bedeutet, beschrieb <a href="https://de.dexeus.com/uber-uns/unsere-zentren/medizinisches-team/andreas-abraham-zadeh" target="_blank" rel="noopener">Andreas Abraham Zadeh</a>, Reproduktionsmediziner und ehemaliger Direktor der Eugin Clinic in Barcelona, letztes Jahr in der Fachzeitschrift «<a href="https://link.springer.com/article/10.1186/s12958-025-01446-4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Reproductive Biology and Endocrinology</a>» vor allem mit Blick auf die künstliche Befruchtung. Zadeh hat aus erster Hand vier Eigentümerwechsel miterlebt. Die 1998 gegründete und damals ärztlich geführte Eugin Clinic sei 2010 von einer Private-Equity-Firma gekauft worden. 2015 übernahm sie eine in den Vereinten Arabischen Emiraten domizilierte Firma. 2021 ging sie an die deutsche Fresenius Helios, die sie nach nur zwei Jahren an den nächsten Investor weiterverkaufte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit jedem Eigentümerwechsel sei die Anzahl der in der Klinik durchgeführten Hormonzyklen gestiegen – nicht aber die Erfolgsrate bei den Schwangerschaften, gibt Zadeh zu bedenken. Er erwähnt den finanziellen Druck, der die ärztliche Unabhängigkeit untergrabe. Das Gewinnstreben werde den Interessen der Patientinnen übergeordnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ärzte geraten in Interessenkonflikte</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem Gewinn zuliebe würden auch Untersuchungen oder Behandlungen beworben, deren Nutzen medizinisch nicht bewiesen sei und die «medizinisch oft obsolet» sind, so Zadeh. Dies geschehe vor allem auf Druck der Investoren, welche die Frauen «um jeden Preis» an die Klinik binden wollten, notfalls auch, indem ihnen zum Beispiel mehr Hormonzyklen als nötig aufgeschwatzt würden. Die Frauen würden nicht transparent informiert, warnte Zadeh. Aber auch von Seiten der Frauen komme Druck, wenn diese Tests oder Behandlungen verlangen würden, von denen sie irgendwo gelesen oder gehört haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel ist das Bestimmen des sogenannten Anti-Müller-Hormons im Blut, um die Fruchtbarkeit vorauszusagen. Dieser Test erlaube dazu jedoch keine sichere Prognose, warnte das «<a href="https://www.bmj.com/content/394/bmj-2026-754787" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BMJ</a>» kürzlich. Auch zwei Ärztinnen der Cada Kinderwunschklinik in Zürich wiesen jüngst in der «<a href="https://www.saez.ch/de/artikel/article-82862/">Schweizerischen Ärztezeitung</a>» auf die «begrenzte Aussagekraft des AMH-Werts» hin. Trotzdem legt die <a href="https://cada.com/de-ch/fruchtbarkeitsanalyse/frau/" target="_blank" rel="noopener">Cada-Website</a> schon seit Oktober 2023 interessierten Frauen die Bestimmung des AMH-Werts (Anti-Müller-Hormon) nahe: «Der AMH-Wert ist ein wichtiger Marker der weiblichen Fruchtbarkeit», heisst es dort.&nbsp;Dass er «<a href="https://cada.com/de/blog/amh-wert-fruchtbarkeit/#fazit-amh-wert-nur-ein-teil-des-gesamtbildes" target="_blank" rel="noopener">nur ein Teil des Gesamtbildes</a>» ist, erfahren Interessierte erst, nachdem sie sich bis ans Ende durchgeklickt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Die Patientinnen treffen Entscheidungen häufig unter emotionaler Belastung, Zeitdruck und ohne vollen Zugang zu unabhängiger, evidenzbasierter Beratung», stellte Zadeh fest. «Wenn zudem Erfolgsraten, Preise und Behandlungsrisiken aggressiv beworben werden, verschwimmen die Grenzen zwischen einer informierten Entscheidung und strategischer Überzeugungsarbeit.»&nbsp;Das aggressive Marketing einzelner Anbieter setzt zudem die Konkurrenz unter Druck, nachzuziehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In nur sechs Jahren solle sich der globale Reproduktionsmarkt schätzungsweise mehr als verdoppeln, von 30 Milliarden Dollar im Jahr 2021 auf <a href="https://link.springer.com/article/10.1186/s12958-025-01446-4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">73 Milliarden</a> 2027. «Im Jahr 2022 erreichten die Private-Equity-Investitionen im Bereich der Fertilitätsmedizin mit 41 Übernahmen im Wert von 8,4 Milliarden Dollar einen Höchststand – darunter die bislang grösste Übernahme der Branche […] für über drei Milliarden Dollar.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Apple, Facebook und das Militär als Vorreiter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich diente das &#171;Egg freezing&#187; als Option für Frauen, die aufgrund einer Erkrankung oder Behandlung, etwa wegen Krebs, unfruchtbar wurden. 2012 ging es in einer Folge der US-Reality-Serie &#171;Keeping up With the Kardashians&#187; um das &#171;Social Egg Freezing&#187; des Medienstars Kim Kardashian. Dies <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2014-04-17/new-egg-freezing-technology-eases-womens-career-family-angst" target="_blank" rel="noreferrer noopener">kurbelte die Nachfrage an</a>. Im Jahr 2014 kündigten Facebook und Apple an, ihren Mitarbeiterinnen <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8892031/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">20’000 Dollar</a> ans «Egg Freezing» zu bezahlen – auch um sie zu halten und weitere talentierte Frauen anzuziehen. Der Entscheid befeuerte die Medienberichterstattung über das «Social Egg Freezing» weiter. Die Medien hätten den Nutzen betont, die mit dem «Egg Freezing» verbundenen Risiken hingegen ignoriert oder heruntergespielt, stellten die Autoren eines Artikels im «<a href="https://www.cmaj.ca/content/cmaj/187/9/666.full.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Canadian Medical Association Journal</a>» 2015 fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen haben viele weitere Firmen wie etwa Netflix, Yahoo, Linkedin, JP Morgan, Microsoft, Uber und Google nachgezogen. Laut einem <a href="https://blog.ifebp.org/organizations-adding-more-fertility-and-adoption-support/" target="_blank" rel="noopener">Bericht</a> beteiligten sich 2024 in den USA bereits 16 Prozent der Firmen an den Kosten für das &#171;Social Egg Freezing&#187; ihrer Mitarbeiterinnen. In der Schweiz bietet laut «<a href="https://www.srf.ch/sendungen/dok/social-egg-freezing-es-ist-keine-garantie-fuer-das-spaetere-kinderglueck" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SRF</a>» beispielsweise die Pharmafirma Merck seit zwei Jahren einen «Fertility Benefit», rund 60 Mitarbeiterinnen hätten das Angebot bisher genutzt. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Militär fördert das &#171;Social Egg Freezing&#187;. 2016 initiierte das Pentagon ein fünfjähriges <a href="https://www.nytimes.com/2016/02/04/us/politics/pentagon-to-offer-plan-to-store-eggs-and-sperm-to-retain-young-troops.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pilotprogramm</a>: Soldatinnen und Soldaten konnten vor ihrem Einsatz Ei- oder Samenzellen einfrieren lassen. Im August 2026 teilte das Pentagon nun mit, es bezahle <a href="https://thehill.com/policy/healthcare/6030762-military-eggs-sperm-freezing-reimbursement-program/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">jährlich bis zu 10’000 Dollar</a> ans «Egg Freezing» und 500 Dollar für «Sperm Freezing», bevor Mitarbeitende für gefährliche Einsätze abkommandiert werden oder wenn sie ihren Partner oder ihre Partnerin mindestens 180 Tage nicht treffen können.&nbsp;Das Angebot soll ihnen, falls sie im Krieg verletzt werden, Hoffnung geben, später noch leibliche Kinder zu bekommen. Ausserdem sollen Frauen in den 20ern und 30ern so <a href="https://www.jstor.org/stable/44648551" target="_blank" rel="noreferrer noopener">im Dienst gehalten</a> werden und ihre Karriere vorantreiben können.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Risiken werden in den Medien kaum behandelt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während beim natürlichen Zyklus typischerweise nur ein oder zwei Eizellen reifen, sind es laut einem Artikel im «<a href="https://www.jstor.org/stable/44648551" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ABA Journal of Labor &amp; Employment Law</a>» beim künstlich gepushten Hormonzyklus bis zu 45. Damit steige das Risiko, dass sich der Eierstock verdrehe – ein Notfall, der dazu führen kann, dass der Eierstock <a href="https://www.msdmanuals.com/de/heim/gesundheitsprobleme-von-frauen/verschiedenartige-gynäkologische-abnormitäten/ovarialtorsion#Diagnose_v811990_de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">nicht mehr durchblutet wird und abstirbt</a>. Eine andere Komplikation der Hormonbehandlung ist die Überstimulation. Bei circa fünf von 100 Hormonzyklen komme es dazu, informierte das «<a href="https://www.bmj.com/content/394/bmj-2026-754787" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BMJ</a>». Dabei handle es sich um eine ernsthafte Erkrankung mit Kopfschmerzen, Übelkeit und weiteren Symptomen, selten komme es sogar zur lebensgefährlichen Embolie.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um sachlich zu informieren, hat das «<a href="https://www.bmj.com/content/394/bmj-2026-754787" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BMJ</a>» im Juli die wichtigsten Informationen zum «Social Egg Freezing» für Hausärzte zusammengestellt. Die zwei wichtigsten Faktoren, ob eine Frau mit Hilfe des «social egg freezings» ein Baby bekomme, seien das Alter, in dem sie sich die Eizellen entnehmen lasse, und die Anzahl der gewonnenen Eizellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der entscheidende Faktor</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Geburt hat eine Frau circa eine Million unreife Eizellen. Mit 37 Jahren sind davon noch rund <a href="https://www.mdpi.com/2077-0383/12/10/3542" target="_blank" rel="noopener">25&#8217;000</a> vorhanden und im Alter von 51 Jahren nur noch etwa 1000. Zudem häufen sich bei den Eizellen im Lauf der Jahre Chromosomenschäden, was zu einem <a href="https://www.nek-cne.admin.ch/inhalte/Themen/Stellungnahmen/NEK_Kurzstellungnahme_DE_SocialFreezing_A4.pdf" target="_blank" rel="noopener">höheren Risiko für Fehlgeburten</a> führt. Die <a href="https://www.sggg.ch/fileadmin/user_upload/Dokumente/3_Fachinformationen/1_Expertenbriefe/DE/59_Fertilitaetserhaltung_bei_Frauen_und_Maennern_im_postpubertaeren_Alter_Aktualitaet_bestaetigt_November_2025.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe</a> rät Frauen über 40 Jahren &#171;aufgrund schlechter Ergebnisse&#187; nicht mehr zu einer Fertilitätserhaltung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von zehn tiefgefrorenen Eizellen überleben im Mittel acht die Prozedur. Für eine Lebendgeburt sind durchschnittlich <a href="https://www.jstor.org/stable/44648551" target="_blank" rel="noreferrer noopener">acht</a> <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2014-04-17/new-egg-freezing-technology-eases-womens-career-family-angst" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bis 12 Eizellen</a> nötig. Wie stark das Alter bei der Entnahme der Eizellen das Ergebnis beeinflusst, zeigt eine Schätzung, die das «<a href="https://www.bmj.com/content/394/bmj-2026-754787" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BMJ</a>» veröffentlichte:</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="644" id="media-license-image-728275" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-17-um-17.19.22.png" alt="Grafik Mason-Apps" class="wp-image-728275" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-17-um-17.19.22.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-17-um-17.19.22-300x242.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-17-um-17.19.22-768x618.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Lesebeispiel: Frauen, die im Alter von 39 Jahren (hellgrüne Linie) etwa 10 Eizellen einfrieren lassen (waagrechte Skala), haben später damit eine 50-prozentige Chance auf ein Baby (linke Skala). Zum Vergleich: Bei Eizellspenderinnen (dunkelblaue Linie) beträgt diese Wahrscheinlichkeit bei gleicher Anzahl Eizellen rund 90 Prozent. </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Frauen überschätzen die Erfolgsquote</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Frauen sind laut einer 2017 publizierten <a href="https://www.nek-cne.admin.ch/inhalte/Themen/Stellungnahmen/NEK_Kurzstellungnahme_DE_SocialFreezing_A4.pdf" target="_blank" rel="noopener">Stellungnahme</a> der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin bei der Eizell-Entnahme bereits über 35 Jahre alt. «Damit sind Quantität und Qualität der Eizellen eingeschränkt», so die Ethikkommission. Zudem steigt das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft. Das Alter, ab dem die Fruchtbarkeit von Frauen &#171;dramatisch sinkt&#187;, werde «gerade von gut ausgebildeten» Frauen überschätzt, ebenso die Erfolgsquoten der Reproduktionsmedizin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denjenigen, die mit «Social Egg Freezing» Geld machen wollen, kann das eigentlich nur recht sein. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><br></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="388" id="media-license-image-732637" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-02-um-13.01.30.png" alt="Kryokonservierung Eizellen oder Ovarialgewebe Schweiz 2019-2024" class="wp-image-732637" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-02-um-13.01.30.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-02-um-13.01.30-300x146.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-02-um-13.01.30-768x372.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Anzahl der Frauen in der Schweiz, von denen Eizellen oder Eierstockgewebe vorsorglich konserviert wurden: Im Jahr 2022 liessen 1903 Frauen Eizellen aus nicht-medizinischen Gründen tieffrieren (3), 2024 waren es schon 3337 (1: Eizellen aus medizi­nischen Gründen, 2: Ovarial­gewebe aus medizini­schen Gründen, hellblau: Ovarial­gewebe aus anderen Gründen).</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">_____________________ </p>



<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>➞ Lesen Sie <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/nach-zaehnen-haaren-augen-das-geschaeft-mit-dem-kinderwunsch/" target="_blank" rel="noopener">hier mehr zu den Investoren in der Schweizer Gesundheitsszene</a></strong></p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/frau-mann/der-blinde-fleck-eizelle-und-wer-davon-profitiert/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der blinde Fleck Eizelle — und wer davon profitiert</a>, Infosperber vom 30. Juli 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/grosskonzerne-kaufen-immer-mehr-aerzte/" target="_blank" rel="noopener">Grosskonzerne kaufen immer mehr Arztpraxen</a>, Infosperber vom 3.11.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/gebaermutter-transplantation-300000-dollar-fuer-ein-baby/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gebärmutter-Transplantation: 300’000 Dollar für ein Baby</a>, Infosperber vom 14. Januar 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/das-pflegeheim-als-profitmaschine/" target="_blank" rel="noopener">Das Pflegeheim als Profitmaschine</a>, Infosperber vom 21.8.2023</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/f38abb6e8dbf47dfb3ebeab284fed61e" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Wahlen in Brasilien</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-wahlen-in-brasilien/</link>
					<pubDate>Wed, 07 Oct 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=733963</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach 1JMda33Q44t9ihU96VhD9d" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d-1024x616.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d-1536x924.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d.png 2045w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Bolsonaros Sohn liegt vor Lula.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Zwei Kriege und El Niño: Millionen Menschen von Hunger bedroht</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/zwei-kriege-und-el-nino-millionen-menschen-von-hunger-bedroht/</link>
					<pubDate>Wed, 07 Oct 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=731309</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hunger-Afghanistan-e1790609568592-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Hunger Afghanistan" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hunger-Afghanistan-e1790609568592-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hunger-Afghanistan-e1790609568592-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hunger-Afghanistan-e1790609568592.png 1000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Blockierte Handelsrouten im Nahen Osten und im Schwarzen Meer stürzen Länder des globalen Südens noch mehr ins Elend.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><br>Die fortdauernde Aggression der USA gegen Iran, der Ukrainekrieg sowie die daraus resultierenden Handelsausfälle treiben den Globalen Süden immer stärker in eine Nahrungsmittelkrise. Bereits im März 2026 hatte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen <a href="https://www.wfp.org/news/wfp-projects-food-insecurity-could-reach-record-levels-result-middle-east-escalation" target="_blank" rel="noopener">(WFP) gewarnt</a>, allein der Irankrieg könne rund 45 Millionen Menschen weltweit in eine Hungersnot stürzen – zusätzlich zu den bereits hungernden 318 Millionen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sperrung der Strasse von Hormuz wirkt sich gravierend auf die Rohöl- und Treibstoffpreise aus. Das verteuert auch Dünge- und Lebensmittel. Ein ähnliches Szenario wiederholt sich gerade im Schwarzen Meer – nur geht es dort um Getreide. Seit Russland und die Ukraine verstärkt Hafenanlagen, Terminals, Silos und Schiffe angreifen, wird ukrainisches und russisches Getreide kaum noch über das Schwarze Meer exportiert. Beide Länder hätten zuletzt ein Viertel des globalen Getreideexports gestellt, berichtet die US-Wirtschaftsnachrichtenagentur <a href="https://orf.at/stories/3442799/" target="_blank" rel="noopener">Bloomberg</a>. Die Abnehmerländer im Globalen Süden seien nun von dramatischem Mangel bedroht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von Brennstoffen abhängig</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Versorgungskrise ist grösstenteils auf die Abhängigkeit der globalen Lebensmittelherstellung von der fossilen Brennstoffindustrie zurückzuführen. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fand weltweit ein Wandel statt: Anstelle von organischen Düngemitteln wie Mist und Kompost wurden zunehmend auf fossilen Brennstoffen basierende Düngemittel wie Ammoniak und Schwefel eingesetzt, um die Bodennährstoffe zu erhalten und die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute stammen rund 30 Prozent des weltweit genutzten Ammoniaks aus den Erdöl- und Erdgasregionen des Mittleren Ostens; Saudi-Arabien ist sogar der zweitgrösste Ammoniakexporteur weltweit. Ebenso wird etwa die Hälfte des weltweit auf dem Seeweg transportierten Schwefels, der die Grundlage für Phosphatdünger bildet, durch die Strasse von Hormuz befördert. Dies gilt auch für rund 18 Prozent des Monoammoniumphosphats (MAP) und des Diammoniumphosphats (DAP) – zwei weiterer wichtiger Düngemittel, die zur Versorgung von Nutzpflanzen mit Phosphor eingesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daten der Weltbank zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Kraftstoffpreise und dem Anstieg der Düngemittel- und der Lebensmittelpreise. Bereits im März dieses Jahres stieg der Weltbank-Energiepreisindex um 41 Prozent, angeführt von einem Anstieg des Rohölpreises um 45,8 Prozent. Im selben Monat nahmen die Düngemittelpreise um 26,2 Prozent zu; auch die Lebensmittelpreise, auf die die Düngemittelpreise gewöhnlich erst mit Verzögerung durchschlagen, erhöhten sich bereits um 2,7 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zerstörte Chancen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormuz ist weiterhin <a href="https://www.aljazeera.com/news/2026/9/3/how-much-oil-is-going-through-hormuz-how-data-doesnt-match-us-claims" target="_blank" rel="noopener">stark eingeschränkt</a>. Aktuell droht zudem eine partielle Sperrung der <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/blockierte-seewege-100.html" target="_blank" rel="noopener">Meerenge Bab al Mandab</a>, die bei Djibouti aus dem Roten Meer in den Indischen Ozean führt und punktuell als Ersatzroute für Exporte vor allem aus Saudi-Arabien genutzt werden kann. Chancen, die Blockade der Strasse von Hormuz zu beenden und damit die Versorgung der Welt nicht nur mit Kraftstoffen, sondern auch mit Düngemitteln wieder sicherzustellen, wurden von den Vereinigten Staaten mutwillig zunichte gemacht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Chancen boten der Waffenstillstand vom 7. April, der mit dem Beginn von Verhandlungen über einen <a href="https://www.globaltimes.cn/page/202604/1358418.shtml" target="_blank" rel="noopener">10-Punkte-Plan</a> zur Beendigung des Krieges einherging, und eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) vom 17. Juni, die den Waffenstillstand um 60 Tage verlängerte und die Bestimmungen des 10-Punkte-Plans weiter konkretisierte. Der 10-Punkte-Plan sah zunächst vor allem ein Ende der Kampfhandlungen der USA und Israels an allen Fronten sowie die Anerkennung der iranischen Kontrolle über die Strasse von Hormuz vor. Das MoU schrieb in nun 14 Punkten unter anderem eine Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Häfen und Schiffe und im Gegenzug die Öffnung der Strasse von Hormuz für alle anderen Schiffe durch Iran fest. Tatsächlich begann der Schiffsverkehr sich wieder zu erholen, bis die Vereinigten Staaten am 6. Juli die Kampfhandlungen erneut starteten, woraufhin Iran am 18. Juli <a href="https://www.middleeasteye.net/news/iran-declares-islamabad-agreement-suspended-blames-us-violations" target="_blank" rel="noopener">ankündigte</a>, nun eben auch seinerseits seine Verpflichtungen aus dem MoU nicht mehr zu erfüllen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die USA setzen die Blockade der iranischen Schifffahrt bis heute fort; Iran setzt sich mit der Blockade der Strasse von Hormuz für andere Schiffe zur Wehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ungleicher Handel</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kriegsbedingte Sperrung der Strasse von Hormuz wirkt sich auch deshalb so fatal auf die Nahrungsmittelversorgung im Globalen Süden aus, weil das globale Handelssystem Milliarden Menschen weltweit anfällig für kurzfristige Störungen und Schwankungen in der internationalen Nahrungsmittelversorgungskette gemacht hat. Darauf wies schon vor Jahren <a href="https://peoplesdemocracy.in/2022/0612_pd/causes-global-food-crisis-and-lessons-learn" target="_blank" rel="noopener">Vikas Rawal</a>, Professor an der renommierten Jawaharlal-Nehru-Universität in New Delhi, hin. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Rawal zufolge hat die jahrzehntelange Globalisierung dazu geführt, dass «der Globale Süden zu einer Quelle für Nahrungsmittelrohstoffe geworden ist, die in den Industrieländern nicht produziert werden können». Andererseits sind die Länder des Globalen Südens bei Grundnahrungsmitteln von der Landwirtschaft in den Industrieländern des Nordens abhängig geworden. In Indien beispielsweise, schreibt Rawal, haben die Landwirte aufgrund von Handelsliberalisierung und mangelnder staatlicher Unterstützung auf Kulturen umgestellt, die auf den internationalen Märkten höhere Preise erzielen, anstatt Pflanzen anzubauen, die die Ernährungssicherheit im eigenen Land gewährleisten. Dies hat beispielsweise dazu geführt, dass zwischen 2017 und 2019 68 Prozent des in Indien verbrauchten Speiseöls und 17 Prozent der Hülsenfrüchte importiert werden mussten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gilt auch für Düngemittel: So wurden im Jahr 2020 30 Prozent des indischen Bedarfs an Harnstoff (Düngemittel auf Ammoniakbasis) und 60 Prozent des Bedarfs an Diammoniumphosphat durch Importe gedeckt. Zugleich lebten im Jahr 2020 62 Millionen Menschen allein in Indien in schwerer Ernährungsunsicherheit – die höchste Zahl in einem einzelnen Land.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Super-El-Niño: Es drohen Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich zu den kriegsbedingten Handelsblockaden droht El Niño weitere <a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/aug/05/el-nino-could-push-50m-people-acute-hunger-next-year" target="_blank" rel="noopener">50 Millionen Menschen</a> weltweit in akute Hungersnot zu stürzen. El Niño ist ein Wettersystem, das alle paar Jahre im Pazifik auftritt und weltweit zu Veränderungen der Niederschlagsmuster führt. Der aktuell bevorstehende El Niño entwickelt sich zum stärksten seit mindestens 70 Jahren; manche bezeichnen ihn bereits als Super-El-Niño. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des WFP dürften selbst dann, wenn der El-Niño-Verlauf weniger stark ausfällt, als von Wissenschaftlern vorhergesagt, immer noch rund 45 Millionen Menschen in Ernährungsunsicherheit geraten. Zu den am stärksten betroffenen Regionen zählen Mittel- und Südamerika, die Karibik sowie das südliche Afrika. Darüber hinaus werden Süd- und Südostasien wahrscheinlich weniger Niederschläge als üblich verzeichnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die schlimmsten Auswirkungen werden voraussichtlich Ende 2027 zu spüren sein; bis dahin sind die aktuell bereits vorhandenen Nahrungsmittelvorräte aufgebraucht, aber noch nicht ausreichend durch neue ersetzt, da El Niño die diesjährige Ernte schwer schädigen wird. «Die grössten Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit» etwa «im südlichen Afrika werden während der Hungerperiode 2027 bis 2028 zu spüren sein», prognostiziert Richard Choularton, Leiter des Dienstes für Klima und Resilienz beim WFP.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Online-Plattform «<a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10550" target="_blank" rel="noopener">german-foreign-policy.com</a>». Diese «Informationen zur Deutschen Aussenpolitik» werden von einer Gruppe unabhängiger Publizisten und Wissenschaftler zusammengestellt, die das Wiedererstarken deutscher Grossmachtbestrebungen auf wirtschaftlichem, politischem und militärischem Gebiet kontinuierlich beobachten. <br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



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]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Nach Prämienschock: SP bereitet neue Gesundheitsinitiative vor</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/nach-praemienschock-sp-bereitet-neue-gesundheitsinitiative-vor/</link>
					<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 07:45:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=732589</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-2048x1229.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>SP-Vizepräsident Baptiste Hurni über Lohndeckel, zu viele Spitäler und warum er das Gesundheitswesen neu organisieren will.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><strong>Herr Hurni, der Nationalrat hat vergangenen Dienstag Ihre parlamentarische Initiative angenommen: Die Löhne von Krankenkassen-Kadern sollen maximal so hoch sein wie die höchste Lohnklasse der Bundesverwaltung. Wie viel bringt ein Lohndeckel den Prämienzahlenden tatsächlich?</strong><br>Es geht darum, ein Signal zu senden. Für die Prämienzahler macht es tatsächlich keinen grossen Unterschied, das sind einige Rappen pro Monat. Eine sehr grosse Mehrheit des Nationalrats hat nun aber gesagt: Zu viel ist zu viel. Wir beginnen jetzt, die Akteure zu regulieren, die mit der obligatorischen Grundversicherung zu viel Geld machen. Wir beginnen mit den CEOs der Krankenkassen. Natürlich müssen wir auch über die Löhne der Spezialärzte sprechen, über die Pharmaindustrie, über die Labors. Es gibt viele Akteure, die viel zu viel Geld machen. Ich habe nichts gegen Leute, die Geld verdienen. Das Problem ist: Das hier ist ein Sozialsystem, und die Leute können die Prämien nicht mehr bezahlen. Es ist das erste Mal, seit ich im Parlament bin, dass das Parlament so klar zeigt: Genug ist genug, wir wollen etwas tun. Das Signal ist sehr wichtig, auch wenn die finanziellen Folgen gering sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Vorwurf, der in Reformdebatten immer wieder fällt: Die Schweiz leistet sich zu viele Spitäler. Wie stehen Sie dazu?</strong><br>Es gibt wahrscheinlich zu viele Spitäler in der Schweiz. Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, wie viele Spitäler wir haben, sondern was diese Spitäler machen. Für die Bevölkerung ist wichtig, dass es in der Nähe ein Spital als erste Anlaufstelle gibt. Bei der spezialisierten Medizin habe ich kein Problem mit Zentralisierung. Teuer wird es, wenn ein Spital eine bestimmte Leistung für nur 100 oder 150 Patienten pro Jahr anbietet. Das sind zu wenige Eingriffe, als dass ein Spital dabei effizient arbeiten könnte. Bei der hochspezialisierten Medizin haben wir ein gutes System: Die Kantone, auch jene mit Universitätsspitälern, haben sich auf einen Kompromiss geeinigt, und das funktioniert <em>(Gemeint ist die interkantonale Vereinbarung über die hochspezialisierte Medizin von 2008: Die Kantone legen gemeinsam fest, welche Spitäler bestimmte hochspezialisierte Eingriffe durchführen dürfen. Red.)</em>. Was wir brauchen, ist mehr Koordination zwischen den Spitälern, und zwar auch über Kantonsgrenzen hinweg. Im Kanton Neuenburg haben wir ein Spital in Neuenburg und eines in La Chaux-de-Fonds, dazu gibt es ein Spital in Sainte-Croix im Kanton Waadt. In meiner Region, dem Val-de-Travers, liegen viele Dörfer näher bei Sainte-Croix als bei Neuenburg. Doch zwischen den Neuenburger und den Waadtländer Spitälern gibt es fast keine Koordination. Koordination ist das Schlüsselwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Können Sie das ausführen?</strong><br>Man könnte zum Beispiel festlegen, dass eine Region vom Spital eines anderen Kantons versorgt wird. Dann kann man das eigene Kantonsspital schlanker organisieren und hat dadurch weniger Kosten. Wir müssten beginnen, Spitäler regional zu denken und nicht nur kantonal.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum ist das so unfassbar schwierig? Gehen wir finanziell am Kantönligeist zu Grunde?</strong><br>Nein, so würde ich das nicht sagen. Wenn man die Kostendynamik Jahr für Jahr anschaut, sind die Spitäler nicht der wichtigste Treiber. Beunruhigender finde ich die Kostendynamik bei den Medikamenten und bei den Spezialärzten. Die Spitäler sind ein Teil der Lösung. Es gab einen Vorstoss aus Basel, der eine Bundesspitalliste forderte. Das finde ich persönlich zu extrem. Aber die Spitäler, die Kantone, die Konferenz der Gesundheitsdirektoren haben bereits einen Plan für eine bessere Koordination vorgelegt. Es ist also nicht so, dass in dem Bereich nichts passiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein St.&nbsp;Galler Regierungsrat sagte mir vor ein paar Jahren: Wer nicht wiedergewählt werden will, muss die Spitalpolitik angehen.</strong><br>Ja, das ist richtig. Das Problem ist: Wenn es in diesem Land eine vom Bund diktierte Spitalliste geben würde, würde vieles in Zürich, Basel, Bern oder Lausanne landen, und für die anderen Regionen bleibt gar nichts. Es geht um ein Gleichgewicht. Ich sage nicht, die Kantone machen alles gut, denn so einfach ist es nicht. Die Lösung darf nicht sein, alles dem Bund zu übertragen. Die Verfassung ist da auch klar: Die Organisation des Gesundheitswesens ist Sache der Kantone.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2023 haben Sie am Parteitag der Sozialdemokraten in Biel den neuen Anlauf für eine Einheitskasse angestossen.</strong> <strong>Jetzt hat die SP die Einheitskasse aus ihrer Prämien-Initiative ausgeklammert, die die Krankenkassenprämien ans Einkommen koppeln will. Ist die Idee begraben oder nur vertagt?</strong><br>Vertagt, nicht begraben. Das Gesundheitssystem hat für uns zwei grosse Säulen. Die erste ist die soziale Frage: Die 97 Milliarden Gesundheitskosten, wer zahlt was? Ist es richtig, dass Sie als Journalist gleich viel bezahlen wie Frau Martullo-Blocher? Darauf antwortet unsere Initiative. Die zweite Säule ist die Organisation: die Preise, die Qualität, die Verantwortung. Da warten wir nicht. Ich und andere arbeiten seit zweieinhalb Jahren an einer neuen Initiative. Ich bin zuversichtlich, dass wir in frühestens einigen Monaten, vielleicht aber auch erst viel später, eine zweite Initiative lancieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Für eine Einheitskasse?</strong><br>Die Einheitskasse kann Teil einer weiteren Initiative sein. Die Einheitskasse selbst ist aber nicht die Lösung, sie ist ein Mittel, kein Ziel. Die nächste Initiative, falls es eine gibt, und das entscheide ich nicht allein, wird die Organisation des Gesundheitswesens betreffen: Grundversorgung, Tarife und die Organisation des Systems, also die Einheitskasse und anderes. Für mich macht es keinen Sinn, 34 Kassen* zu haben, die per Gesetz genau dasselbe anbieten müssen. Das sind 34 Organisationen mit 34 Mal Kosten. Mit so vielen Kassen haben wir nie konsolidierte Zahlen. Das macht eine echte Gesundheitspolitik schwieriger, zum Beispiel gegenüber Ärzten, die zu viel verrechnen. Mit einer Einheitskasse gibt es konsolidierte Zahlen, und die Kasse kann sagen: Hier ist es nicht möglich, 26 Stunden an einem Tag zu verrechnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das ist Zukunftsmusik. Was sagen Sie denn den Leuten auf der Strasse, die frustriert sind über die jährlichen Prämienexplosionen, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen?</strong><br>Wir haben unsere Prämien-Initiative, aber wir können nicht alles allein machen. Wir haben Reformen beschlossen, die jetzt in Kraft treten, das zweite Kostendämpfungspaket zum Beispiel. Mir geht es nicht weit genug, das habe ich im Ständerat gesagt, aber es enthält gute Massnahmen. Und wir müssen sehen, wie viel EFAS spart, die einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen. Für die Deutschschweiz wird es wahrscheinlich sehr schwierig, dort werden die Prämien weiter steigen. Die Westschweiz trifft es viel weniger. Wir haben dort früher damit begonnen, Behandlungen vom Spital in den ambulanten Bereich zu verlagern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das klingt für die Menschen in der Deutschschweiz nicht grad berauschend.</strong><br>Ich sage den Leuten: Wir arbeiten in Bern nicht schnell genug und nicht stark genug. Deshalb brauchen wir Volksinitiativen. Das haben wir als SP noch einmal gemacht. Keine andere Partei hat etwas gemacht, vielleicht die Mitte mit ihrer Kostenbremse-Initiative. Aber diese Initiative war inhaltsleer. Da stand nur: Wenn es zu teuer wird, muss man Massnahmen ergreifen. Okay, super. Wir haben Ziele, die wir mit einer Initiative erreichen können. Und ich sage auch: Wenn die Bevölkerung nächstes Jahr ein bisschen mehr Stimmen an Nationalräte und Ständeräte von Grünen, SP oder anderen gibt, die etwas machen wollen, wird es einfacher. Es ist sehr, sehr schwierig, hier Mehrheiten zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum ist das so schwierig?</strong><br>Die Gesundheitslobbys sind in Bern extrem stark: Pharma, Ärzte, Kassen. Die anderen Lobbys, etwa jene der Patienten, sind schwächer. Ich bin Vizepräsident der Patientenorganisation SPO, aber wir haben kein Geld und nicht viele Leute. Das ist letztlich auch der Grund, warum Mehrheiten so schwierig sind.<br><br><em>* SP-Vizepräsident Hurni sprach im Interview fälschlicherweise von 44 Krankenkassen. In Wirklichkeit <a href="https://www.priminfo.admin.ch/de/zahlen-und-fakten/kennzahlen" target="_blank" rel="noopener">sind es 34</a>. Wir haben den Fehler korrigiert.</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/wir-sind-unterwegs-ohne-pilot-und-flugsicherung/" target="_blank" rel="noopener">«Wir sind unterwegs ohne Pilot und Flugsicherung»</a>, Infosperber vom 29.&nbsp;September 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/krankenkassenpraemien-wieder-die-gleichen-faulen-ausreden/" target="_blank" rel="noopener">Krankenkassenprämien: Wieder die gleichen faulen Ausreden</a>, Infosperber vom 24.&nbsp;September 2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Daniel Ryser war zwei Jahre lang stellvertretender Chefredaktor des «Sanitas Health Forecast», eine jährliche Publikation, die mit einer schweizweiten Studie, einem Buch, einem Magazin und einem Podcast untersucht, wie sich Gesundheit und Gesundheitswesen in Zukunft entwickeln.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Schon wieder er!» «Wie jedes Jahr!!!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/schon-wieder-er-wie-jedes-jahr/</link>
					<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 07:43:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=733475</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-833978106_1674352894342252_341927024824495728_n-300x181.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach 833978106_1674352894342252_341927024824495728_n" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-833978106_1674352894342252_341927024824495728_n-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-833978106_1674352894342252_341927024824495728_n-1024x616.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-833978106_1674352894342252_341927024824495728_n-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-833978106_1674352894342252_341927024824495728_n.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Krankenkassenprämien steigen erneut. Wer ist schuld?]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Pflücker speist man mit 2 Rappen pro Kilo ab. Migros schweigt.</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konsum/pfluecker-speist-man-mit-2-rappen-pro-kilo-ab-migros-schweigt/</link>
					<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 07:40:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621-300x180.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="M Grapefruit 2000" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621-300x180.jpeg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621-1024x616.jpeg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621-768x462.jpeg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621-1536x924.jpeg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621.jpeg 1796w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Pro Kilo nur fünf Rappen mehr zahlen, damit Pflücker den 2,5-fachen Lohn erhalten! Die Margen der anderen müssten gleich bleiben.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Ein Kilo Grapefruits aus Südafrika kosteten im September 3.95 Franken. Davon erhält der Grapefruit-Pflücker in Südafrika zwei Rappen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Grapefruits ist es gleich wie bei den T-Shirts oder anderen Textilien aus Asien: Ein Aufpreis von wenigen Rappen oder von zwei, drei Franken könnte die Löhne der Niedrigstverdienenden schlankweg verdoppeln. Nur müssten die Margen der Händler und Zwischenhändler nicht in Prozenten, sondern in absoluten Beträgen festgelegt werden und unverändert bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch, so wie es heute ist, würde ein kleiner Aufpreis für die Konsumentinnen und Konsumenten nicht an die Ärmsten der Produktionskette weitergegeben. Die Grosseinkäufer begnügen sich damit, von ihren Lieferanten ein schriftliches Versprechen zu erhalten, dass die in Südafrika, Indien oder Bangladesch geltenden Mindestlöhne eingehalten werden. Diese Mindestlöhne sind ohnehin schon Armutslöhne. Und häufig werden von diesen Mindestlöhnen noch Wegkosten, Verpflegung oder Unterkunftskosten abgezogen. Auch unbezahlte Überstunden sind nicht selten. Die meist schlecht organisierten Arbeiterinnen und Arbeiter können sich kaum wehren, weil sie zum Überleben auf die Arbeit angewiesen sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Die Grapefruits der Migros als Beispiel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im September verkaufte die Migros schweizweit Grapefruits aus Südafrika für 3.95 Franken das Kilo. In Aktion gab es das Stück für 60 Rappen. Infosperber stellte der Migros folgende Fragen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie setzt sich der Preis für ein Kilo dieser Grapefruits ungefähr zusammen – vom Pflücker bis ins Gestell der Migros?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antwort der Migros-Medienstelle: <br><em>«Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine detaillierte Kostenaufteilung auf Stufe einzelner Produkte, Lieferanten und Beschaffungsketten offenlegen.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von welchen Farmen beziehungsweise Produzentengruppen stammen diese Grapefruits? Welche unabhängigen Kontrollen führt die Migros bei diesen Lieferanten zu Mindestlöhnen, Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Arbeitszeit durch?&nbsp;Welche Prüfstelle hat in welchem Zeitraum das letzte Mal die Arbeitsbedingungen der Pflücker dieser Grapefruits beurteilt? Welche Massnahmen hat die Prüfstelle empfohlen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antwort der Migros-Medienstelle: <br><em>«Wir können aus Gründen des Lieferantenschutzes und der Vertraulichkeit keine Angaben zu einzelnen Exporteuren, Packhäusern, Farmen oder Produzentengruppen sowie keine lieferantenspezifischen Auditberichte, Prüfergebnisse oder Empfehlungen veröffentlichen. Im Bereich Früchte und Gemüse verlangt die Migros eine Zertifizierung nach GLOBALG.A.P. und eine Zertifizierung nach einem anerkannten Sozialaudit-System.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach unseren Informationen verdient ein Pflücker rund 2 Rappen pro Kilo. Ist dies plausibel?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Antwort der Migros-Medienstelle.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Zwei Rappen pro Kilo für die Pflücker</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Arbeiter oder eine Arbeiterin pflückt mindestens 560 Kilo pro Tag oder 70 Kilo pro Stunde (einschliesslich Einteilen, Befüllen, Leeren, Pausen). Der Mindeststundenlohn beträgt rund 1.50 Franken pro Stunde. Der Pflücker verdient also an einem Kilo Grapefruits rund zwei Rappen (150/560). Pro Tag kommt er auf einen Lohn von etwa 12 Franken – für das Pflücken von über 560 Kilo Grapefruits..</p>



<div class="wp-block-infosperber-box is-style-yellow">
<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br>Unseren eigenen Bauern würden wir dies nie zumuten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was die reichen Länder ihren eigenen Bauern niemals zumuten würden, verlangen sie bedenkenlos von Kaffee- und <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/weihnachtsmaenner-aus-schokolade-kaum-einer-ist-fair-gehandelt-a-936430.html" target="_blank" rel="noopener">Kakaobauern</a>: Deren Einkommen hängen von den spekulativen Ausschlägen an den Rohstoffbörsen ab. Ethiker äussern Bedenken, dass die reichen Industriestaaten ihren eigenen Bauern Einkommen und Preise garantieren, jedoch Bauern in armen Ländern der Willkür von spekulativen, stark schwankenden Weltmarktpreisen von Mais, Getreide, Reis, Palmöl, Soja, Kaffee, Kakao, südländischen Früchten oder Baumwolle ausliefern. Einige halten diese unterschiedliche Behandlung sogar für rassistisch.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/migration/realitaetsverweigerung-warum-viele-menschen-illegal-einwandern/" target="_blank" rel="noopener">Warum viele Menschen in reiche Länder auswandern,</a> Infosperber 7.5.2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/8fbfa154afd5426bbc66b002d292343b" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
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					<title>«Verschont uns mit der moralischen Aufarbeitung der Coronazeit»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/verschont-uns-mit-der-moralischen-aufarbeitung-der-coronazeit/</link>
					<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 08:24:15 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=732963</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="162" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/05/Impfung-Kinder-ClevelandClinic-300x162.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Impfung Kinder ClevelandClinic" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/05/Impfung-Kinder-ClevelandClinic-300x162.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/05/Impfung-Kinder-ClevelandClinic-600x324.png 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/05/Impfung-Kinder-ClevelandClinic.png 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Tamedia-Zeitungen wollen Corona nicht aufarbeiten. Dabei hatten sie die Öffentlichkeit jahrelang – wie der «Blick» – irregeführt.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Ringiers «Blick» war voll auf Regierungskurs. Ringier-CEO Marc Walder hatte dem «Blick» den Tarif durchgegeben:&nbsp;«Mit unserer medialen Berichterstattung wollen wir die Regierung unterstützen, damit wir alle gut durch die Krise kommen.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bekannt ist, dass die Bundesbehörden Verleger aufforderten, die Öffentlichkeit für die Massnahmen zu gewinnen. Ihre Rolle als Vierte Gewalt im Staat sollten sie bitte vergessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den grossen Medien war die «NZZ» die einzige Zeitung, welche selten genug auch kritische Stimmen berücksichtigte. Am 24. September 2026 bilanzierte Bundeshaus-Korrespondentin Katharina Fontana: «Die Corona-Zeit ist auch eine Mediengeschichte, und zwar eine mit düsteren Kapiteln. Mehrere Medien taten das ihre, um mit Worst-Case-Szenarien die Bevölkerung zu verschrecken. […] Wegen des Corona-Regimes wurden Familien entzweit, gingen Freundschaften kaputt, endeten Karrieren.» Es sei deshalb ein Fehler, die Corona-Politik nicht aufzuarbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz anders Tamedia-Bundeshausredaktor Markus Brotschi. Zu Xhakas Zertifikatsbetrug schrieb er am 23. September 2026: «Es reicht! Wir haben genug von diesem Corona-Nachspiel. […] Darum das Plädoyer: Verschont das Land mit dieser moralischen Aufarbeitung der Corona-Zeit.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hätten es «Tages-Anzeiger» &amp; Co. bitter nötig, ihre Rolle während der Corona-Zeit gegenüber ihrer Leserschaft kritisch aufzuarbeiten. Die vielen Tamedia-Zeitungen gaben sich nicht einmal damit zufrieden, die behördlichen Massnahmen und Informationen kritiklos zu verbreiten, sondern forderten wiederholt noch viel strengere Massnahmen, als der Bundesrat sie beschloss.&nbsp;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="804" height="455" id="media-license-image-733243" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Peter-Morf-Ex-Bundeshausjournalist.png" alt="Peter Morf Ex Bundeshausjournalist" class="wp-image-733243" style="width:350px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Peter-Morf-Ex-Bundeshausjournalist.png 804w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Peter-Morf-Ex-Bundeshausjournalist-300x170.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Peter-Morf-Ex-Bundeshausjournalist-768x435.png 768w" sizes="auto, (max-width: 804px) 100vw, 804px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Der einzige Tamedia-Journalist, der an den Medienkonferenzen in Bern zu den Massnahmen kritische Fragen stellte, war Peter Morf, langjähriger Bundeshausredaktor der «Finanz und Wirtschaft». Als der Bundesrat am 1. Juli 2020 an einer Medienkonferenz die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln bekannt gab, stellte Morf die naheliegende Frage, ob es denn eine Evidenz dafür gebe, zu wie vielen Ansteckungen es im öffentlichen Verkehr komme. Es antwortete nicht die anwesende Bundesrätin, sondern der Bundeshaussprecher: «Diese Evidenz gibt es nicht.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach weiteren kritischen Fragen des Bundeshauskorrespondenten verboten ihm seine Tamedia-Vorgesetzten Anfang 2021, weiter über die Pandemie und die Massnahmen zu schreiben. Er schreibe «nicht faktengerecht», unterschob ihm die Chefredaktion, ohne dies je mit einem einzigen Bespiel zu belegen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der unterdessen pensionierte Peter Morf erklärte Ende Juli 2026 rückblickend gegenüber <a href="https://www.kleinreport.ch/news/peter-morf-tat-und-wahrheit-ging-es-darum-dass-ich-mir-kritische-fragen-erlaubt-habe-108324/" target="_blank" rel="noopener">«Klein-Report»</a>: «Ich gehe davon aus, dass das Schreibverbot auf eine Intervention der Tamedia-Verlagsleitung zurückging. Diese dürfte eine Folge des Aufrufs des Ringier-Konzerns an alle grossen Schweizer Verlagshäuser gewesen sein, in Sachen Corona die Position des Bundesrates zu stützen. Nach meinem Schreibverbot berichtete die ‹Finanz und Wirtschaft› nur noch unkritisch und staatstreu über Corona.» Auch in der Redaktion des «Tages-Anzeigers» verschwanden kritische Artikel in der Schublade oder Journalisten wurden angewiesen, unliebsame Aussagen in einem Artikel zu streichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Genügend Stoff</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tamedia-Zeitungen waren nicht nur unkritisch und staatstreu, sondern verbreiteten auch eine Fülle von einseitig alarmierenden und krass irreführenden Informationen. Einige Beispiele:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tamedia-Zeitungen wählten überwiegend Experten und Exponenten aus, welche zur Dramatisierung neigten. Zu Beginn der Pandemie zitierten sie beispielsweise am 8. April 2020 Marcel Salathé, Epidemiologie-Professor an der ETH Lausanne. Beim schlimmsten Szenario sei in der Schweiz ohne Massnahmen mit 20’000 bis 35’000 Toten zu rechnen. <br>Im gleichen Zug zitierten die Zeitungen <a href="https://www.nzz.ch/schweiz/experte-zum-corona-ausbruch-man-muss-jetzt-nicht-die-halbe-schweiz-unter-quarantaene-stellen-ld.1542713?reduced=true" target="_blank" rel="noopener">Christian Althaus</a> von der Universität Bern. Ein «Worst-Case-Szenario» mit 30’000 Toten sei «nicht ausgeschlossen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«20 Minuten» ängstigte Anfang Dezember 2021 mit der Schlagzeile: «Wir steuern immer mehr auf eine Katastrophe zu.» Die Zeitung berief sich auf den Infektiologen Andreas Widmer, der die Covid-Massnahmen des Bundesrats für zu schwach hielt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Experten, welche die Auswirkungen und die Übertragungsart des Sars-Cov2-Virus eher mit der besonders schweren Grippewelle 2017/18 verglichen, kamen in Tamedia-Zeitungen kaum zu Wort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der einseitigen Auswahl von Alarmisten informierten Tamedia-Zeitungen auch krass irreführend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So titelte der «Tages-Anzeiger» am 14. März 2021:&nbsp;«Erneut steigende Fallzahlen schränken den Spielraum des Bundesrats ein.» Die Zeitung verschwieg, dass die Zahl der Intensivbehandelten und der Todesfälle am Sinken war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Regelmässig verbreiteten die Tamedia-Zeitungen – oft mit Grafiken illustriert – steigende «Fallzahlen» und erweckten den Eindruck, es handle sich dabei alles um Erkrankte oder sogar Ansteckende. In Wahrheit handelte es sich lediglich um positiv Getestete. Viele dieser «Fälle» hatten&nbsp;vom Virus nie etwas bemerkt oder waren nur&nbsp;vorher einmal leicht erkältet. Auf jeden Fall waren die meisten zum Zeitpunkt des positiven Tests nicht mehr ansteckend. Trotzdem störten sich Tamedia-Zeitungen nicht daran, dass alle positiv Getesteten in Quarantäne gesetzt wurden oder Zugangsverbote erhielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 2023 verbreiteten Tamedia-Zeitungen einen Artikel der «Süddeutschen Zeitung» in der halben Deutschschweiz. Es ging um den angeblich ausserordentlich grossen Nutzen der Covid-Impfung. Zwei Impfdosen würden das Risiko von Langzeitfolgen einer Corona-Infektion «um etwa 40 Prozent reduzieren». Diese Information war krass&nbsp;irreführend, weil praktisch alle Leserinnen und Leser die Schlagzeile so verstanden, dass sie ihr&nbsp;persönliches Risiko, an Long-Covid zu erkranken, mit zwei Impfdosen um 40 Prozent verringern können. Falls dies zuträfe, wäre die Impfung ausserordentlich wirksam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch mit den «40 Prozent» war etwas ganz anderes gemeint, nämlich nur der «relative» Nutzen von zwei Impfdosen. Diese relativen 40 Prozent können zwar einen grossen Nutzen bedeuten, aber auch nur einen vernachlässigbar kleinen.*</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es weiss und wusste die Wissenschaftsredaktion des «Tages-Anzeigers», dass die alleinige Angabe der relativen Risikoreduktion («reduziert das Risiko um 40 Prozent») irreführend und wertlos ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. Dezember 2021 durften Prominente im «Tages-Anzeiger» unwidersprochen verbreiten, diejenigen, die sich nicht impfen lassen, seien «Arschlöcher». Auch die Redaktionen von Tamedia stellten Ungeimpfte als unsozial, wenn nicht gemeingefährlich dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das unsinnige Impfen von gesunden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben die Tamedia-Zeitungen mehrfach verteidigt. Einmal kam ein kritischer Experte zu Wort. Doch Kritiker stellten sie auch in die Ecke von Schwurblern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über alle diese Probleme hatte Infosperber in den Coronajahren <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/so-hat-infosperber-seit-anfang-der-corona-pandemie-informiert/" target="_blank" rel="noopener">regelmässig informiert.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>«Verschont das Land» – oder genauer: Verschont die Tamedia-Zeitungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">An ihre&nbsp;Fehlleistungen wollen die Tamedia-Zeitungen nicht erinnert werden. Nochmals Bundeshaus-Redaktor Markus Brotschi am 23. September 2026:&nbsp;<br>«Als jemand, der sich mit Überzeugung mehrfach impfen liess, sage ich: Viele haben genug von diesem Nachspiel. Auch wer die Corona-Regeln und die Impfung befolgte, hat nicht zwingend ein Interesse an dieser Art der Vergangenheitsbewältigung. […] Verschont das Land mit dieser moralischen Aufarbeitung der Corona-Zeit.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenigstens Fabian Renz, bei Tamedia damals verantwortlich für Meinungen und Analysen, erinnerte am 17. Januar 2023 in einem Leitartikel an die Rolle der Medien:</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Gerade eine Extremsituation, in der die Freiheit des Einzelnen massiv beschnitten wird, verlangt nach ‹lästigen› Medien: Es kann nicht ihre Aufgabe sein, die Regierenden möglichst ungestört schalten, walten und nach eigenem Gutdünken kommunizieren zu lassen.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Fall von Corona haben die Tamedia-Zeitungen bei dieser Aufgabe versagt. Es überrascht deshalb wenig, dass sie eine Aufarbeitung der Corona-Zeit ablehnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________<br>* Das zeigt ein Beispiel mit folgenden konkreten Zahlen:&nbsp;<br>Erkranken von 10’000 Personen dank der doppelten Impfdosis nur 6 anstatt ohne Impfung 10, dann sind dies zwar 40 Prozent weniger. Doch der Nutzen der Impfungen wäre vernachlässigbar.<br>Erkranken jedoch von 10’000 Personen dank der doppelten Impfdosis 600 anstatt ohne Impfung 1000, dann sind dies ebenfalls 40 Prozent weniger. Doch der Nutzen der Impfungen wäre enorm gross.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Professor John Ioannidis: <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/corona-serioese-wissenschaftler-waren-voellig-unterlegen/" target="_blank" rel="noopener">«Seriöse Wissenschaftler waren völlig unterlegen»,</a> Infosperber 7.7.2026.</li><li>Dokumentarfilm von Mike Wyniger: «Der Hype – 2020 revisited»:</li></ul></div>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="DER HYPE - 2020 REVISITED" width="800" height="450" src="https://www.youtube.com/embed/7MVga4H7yK0?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a0066cd151104c3f951da8d77098cce0" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Italienische Strandkonzessionen waren einst Invaliden-Renten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sozialversicherungen/italienische-strandkonzessionen-waren-einst-invaliden-renten/</link>
					<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 08:23:34 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=733051</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="169" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand-300x169.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Sonnenschirme an italienischem Strand" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand-300x169.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand-1024x576.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand-768x432.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand-1536x864.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Italien wollte Kriegsversehrten eine Existenz bieten – und schenkte ihnen Lizenzen zum Geldverdienen. Mit Sonnenschirmen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Italien ist in Europa das Land mit der höchsten Dichte an bewirtschafteten Stränden. Belegt sind sie traditionsgemäss mit ordentlich ausgerichteten Reihen von Liegestühlen und Sonnenschirmen dazwischen. Die Preise für einen Platz an einem begehrten Strand sind hoch. Mitunter ist sogar von der «Sonnenschirm-Mafia» die Rede. Diesen Sommer zahlte man an der ligurischen Küste für das Liegestuhl-Paar mit Schirm im Durchschnitt weit über 300 Euro pro Woche (siehe Kasten unten).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das verwundert vor allem deshalb, weil die italienische Küste dem Staat gehört und das Ufer laut Gesetz für alle zugänglich bleiben müsste. Trotzdem sind gut die Hälfte der Sandstrände an private Betreiber verpachtet. Diese zahlen geringe Konzessionsgebühren von durchschnittlich etwa 8000 Euro pro Jahr, nehmen damit aber ein Vielfaches davon ein. Es gibt Schätzungen, wonach pro erteilte Konzession ein durchschnittlicher Jahresumsatz von 250&#8217;000 Euro erzielt wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine frühe Sozialversicherung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Italien nimmt mit den Strandkonzessionen nur etwa 100 Millionen Franken pro Jahr ein. Dieser heute seltsam anmutende Umstand hatte einst einen guten Zweck: Der Staat vergab die Strandparzellen gleichsam einer Invalidenrente an Kriegsversehrte. Sie sollten diesen und ihren Familien eine neue Existenzgrundlage verschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Ersten und noch mehr nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten viele schwer verwundete Soldaten nach Hause zurück und konnten nicht mehr in ihren angestammten Berufen arbeiten. Später kamen auch Flüchtlinge aus den ehemaligen Kolonien oder aus verlorenen Gebieten – etwa aus Istrien – dazu. Die Vergabe einer Konzession für einen Küstenabschnitt kostete den Staat nichts, diente den Pächtern aber als soziale Absicherung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals konnte sich nur eine kleine Schicht von Reichen ein Strandleben leisten. Die Einnahmen der kleinen Familienbetriebe hielten sich deshalb lange in Grenzen. Doch dann wurden Strandferien in Italien zum Massenvergnügen grosser Bevölkerungsschichten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Plötzlich wurden die Strandbäder zu Goldgruben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der kleinen staatlichen Wohlfahrtsmassnahme wurde eine Geldquelle, welche die Pächterfamilien immer üppiger zum Sprudeln brachten, indem sie Duschen, Umkleidekabinen, Bars, Restaurants oder sogar Pools hinzubauten – viele im Glauben, dass sie bis in alle Ewigkeit von der einstigen Invaliden-Rente ihrer Vorfahren profitieren würden. Die Konzessionen wurden innerhalb der Familien wie Privateigentum vererbt. Deshalb sind fast alle Strandbäder noch heute Familienunternehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Staat verlängerte die Konzessionen über Jahrzehnte hinweg automatisch und zu niedrigen Preisen. Aber nun drohen die vererbten Exklusivrechte endgültig zu verfallen. Die EU zwingt Italien, bis nächsten Sommer alle Strandkonzessionen öffentlich und europaweit neu auszuschreiben. Eine EU-Richtlinie schreibt vor, dass die EU-Staaten den anderen einen freien Zugang zum nationalen Dienstleistungsmarkt gewähren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nächstes Jahr neue Pächter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens bis Juni 2027 müssen alle rund 30&#8217;000 Strandkonzessionen in Italien in der EU ausgeschrieben werden. Dies zum Leidwesen der bisherigen Betreiber, die sich als rechtmässige Eigentümer des Geschäfts sehen, das ihre Vorfahren aufgebaut haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie fürchten – wohl zu Recht –, dass künftig international tätige Unternehmen die lukrativen Strandbetriebe übernehmen. Die neuen Pächter werden Italien aber auch zu viel höheren Einnahmen verhelfen, weil der Wettbewerb dazu führen wird, dass sie höhere Gebühren als bisher zahlen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was nicht ganz falsch ist. Denn die Einnahmen der Strandbadbetreiber dienen ja auch schon lange nicht mehr als Rente für Kriegsversehrte und Geflüchtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch viele italienische Gemeinden wollen gar nicht mehr Geld verdienen mit den neu ausgeschriebenen Konzessionen. Sie möchten stattdessen mehr frei zugängliche Strandabschnitte schaffen. Die Behörden wollen bis zur nächsten Strandsaison vermehrt auch illegale Bauten, Zäune und Mauern abreissen lassen, die bisher den freien Zugang zum Meer erschwerten.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Bis zu 1500 Euro für einen Strandtag</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Luxus-Strandbad Twiga Beach Club in Marina di Pietrasanta bietet die wohl teuersten Liegebetten von ganz Italien an. Die Umwelt- und Konsumenten-Organisation <a href="https://codacons.it/spiagge-codacons-su-lidi-vuoti-lacrime-di-coccodrillo-degli-operatori-dal-2019-tariffe-rincarate-del-33/" target="_blank" rel="noopener">Codacons</a> hat letztes Jahr ermittelt, dass in diesem Luxus-Strandbad in der Toskana ein Platz bis zu 1500 Euro pro Tag kostet. Dafür erhält man ein «Kaiser-Zelt» mit ausserordentlicher Ausstattung. Aber auch ein normaler Platz mit zwei Betten und einem Sonnenschirm kostet 600 Euro.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="745" height="664" id="media-license-image-733135" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Twiga-versilia.png" alt="Twiga versilia" class="wp-image-733135" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Twiga-versilia.png 745w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Twiga-versilia-300x267.png 300w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der teuerste Strand Italiens: der Twiga Beach Club in der Toskana.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Jahr hat die italienische Konsumentenorganisation <a href="https://www.altroconsumo.it/auto-e-moto/automobili/news/spiagge-prezzi-stabilimenti">Altroconsumo</a> die Durchschnitts-Preise von zehn Ferienorten im August erhoben. Dabei zeigten sich erhebliche regionale Unterschiede: Im ligurischen Küstenort kostete es im Schnitt 368 Euro pro Woche, einen Sonnenschirm und zwei Liegestühle in der ersten Reihe zu mieten. Etwas günstiger war es, wenn man mit der zweiten bis vierten Reihe vorliebnahm. Aber auch dann kostete es im Schnitt noch 340 Euro. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die billigsten Liegestühle gibt es an den grossen flachen Adria-Sandstränden: Lignano, Rimini und Senigallia. Dort kostete die Wochenmiete im August im Schnitt unter 160 Euro.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="595" height="591" id="media-license-image-733053" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Durchschnittliche-Kosten-fuer-einen-Sonnenschirm-und-zwei-Liegestuehle-in-der-ersten-Augustwoche-2026.png" alt="" class="wp-image-733053" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Durchschnittliche-Kosten-fuer-einen-Sonnenschirm-und-zwei-Liegestuehle-in-der-ersten-Augustwoche-2026.png 595w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Durchschnittliche-Kosten-fuer-einen-Sonnenschirm-und-zwei-Liegestuehle-in-der-ersten-Augustwoche-2026-300x298.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Durchschnittliche-Kosten-fuer-einen-Sonnenschirm-und-zwei-Liegestuehle-in-der-ersten-Augustwoche-2026-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 595px) 100vw, 595px" /><figcaption class="wp-element-caption">Durchschnittliche Kosten für einen Sonnenschirm und zwei Liegestühle in der ersten Augustwoche 2026.</figcaption></figure>
</div>



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<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/4f9a0f03106a43e3a8d16f63cc2bbedb" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
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