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		<title>infosperber - Shoutem Feed!</title>
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		<description>Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information SSUI</description>
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					<title>KI im Wettlauf gegen die eigene Technologie</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/ki-im-wettlauf-gegen-die-eigene-technologie/</link>
					<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 08:15:54 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="179" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-16-um-17.31.57-e1789630335952-300x179.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2026-09-16 um 17.31.57" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-16-um-17.31.57-e1789630335952-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-16-um-17.31.57-e1789630335952-1024x612.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-16-um-17.31.57-e1789630335952-768x459.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-16-um-17.31.57-e1789630335952.png 1380w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Eine KI könnte ausser Kontrolle geraten. Sicherheitsvorfälle schaffen selbst bei rivalisierenden KI-Laboren Konsens. Sie handeln.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die exponentielle KI-Entwicklung der letzten Monate führt zu eigentlichen Durchbrüchen. In den KI-Labs erkennen die Forschenden, dass ihre Sicherheitsmassnahmen den Entwicklungen nachhinken und sie kurz- und mittelfristig die Kontrolle über diese KI-Systeme verlieren könnten. In die aufgeregte Situation schlug am 8. September 2026 die Kündigung eines Mitarbeiters bei Anthropic wie eine Bombe ein. Er wolle nicht weiter an KI-Systemen mitwirken, welche die Menschheit gefährden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Aussage löste Panik aus und führte zu hektischen Aktivitäten im politisch gespaltenen US-Kongress, kurz vor den Midterms Anfang November.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KI-Entwicklung abbremsen – Zustimmung zum Vorschlag von Anthropic</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits im Nachgang zum Hackerangriff auf Hugging Face von Mitte Juli 2026 wirkte Anthropics CEO Dario Amodei massgeblich bei einer <a href="https://www.pacingthefrontier.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Petition</a> mit. Sie verlangte, dass die KI-Entwicklung weltweit abgebremst werde (siehe <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/die-usa-verlieren-im-ki-wettrennen-mit-china-den-lead/">Infosperber vom 7.8.2026</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 12. September nimmt Amodei in einem Post auf der Plattform&nbsp;<a href="https://x.com/DarioAmodei/status/2098773920774074715">X</a>&nbsp;dieses Anliegen auf und verweist auf seinen Essay&nbsp;<a href="https://darioamodei.com/post/we-must-pace-the-frontier">«We Must Pace the Frontier»</a>. Darin schlägt er&nbsp;einen dreiteiligen Umsetzungsplan vor. Zugleich verpflichtet er sich einseitig zur Umsetzung des ersten Schrittes, wonach unabhängige Gutachter sofort einen dauerhaften Zugriff auf Anthropics Systeme erhalten und deren Sicherheit bewerten sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch am selben Tag posten&nbsp;<a href="https://x.com/elonmusk/status/2098789109980332057">Elon Musk</a>,&nbsp;<a href="https://x.com/sama/status/2098811563415150910">Sam Altman</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://x.com/demishassabis/status/2098909516582490602">Demis Hassabis</a>, Mitbegründer von DeepMind, ihre Zustimmung. OpenAI werde, so Sam Altmann, ebenfalls den ersten Schritt mit unabhängigen Gutachtern vornehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemäss Amodeis Essay sollen&nbsp;</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>in einem zweiten Schritt die demokratischen Staaten Sicherheitsstandards mit den KI-Labs vereinbaren.</li>



<li>in einem dritten ein Abkommen mit China aushandeln.&nbsp;</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die Drosselung des Entwicklungstempos müsse so erfolgen, dass die USA ihren technologischen Vorsprung behalten, aber die Sicherheitsmassnahmen trotzdem mit den KI-Entwicklungen Schritt halten können.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser explizite Anspruch auf eine Führungsrolle der USA zeugt mit Blick auf nötige Verhandlungen mit China nicht gerade von diplomatischem Geschick.&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/world/china/china-state-newspaper-blasts-anthropics-calls-slow-ai-cold-war-tactic-2026-09-14/">Chinas Reaktion</a>&nbsp;auf den Essay von Amodei ist harsch. Dessen Umsetzungsplan stehe im Zeichen des «Kalten Krieges». Mit der postulierten monopolistischen Vorherrschaft der USA und dem Ausschluss Chinas aus dem KI-Governance-System vergrössere sich die Gefahr für einen weltweiten KI-Kontrollverlust.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Unmittelbare Reaktionen aus Regierungskreisen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Postwendend reagierte&nbsp;Trumps Berater für KI, David Sacks, auf&nbsp;<a href="https://x.com/DavidSacks/status/2098973625252708460?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top">X</a>.&nbsp;Die beiden KI-Labs sollen nur vorangehen, aber ja nicht behaupten, sie würden uneigennützig handeln. Sie wüssten, dass unsichere KI-Modelle die Investoren abschrecken und dass bei Schäden die Produktehaftpflicht gelte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesen Äusserungen traf David Sacks einen wichtigen Punkt. Am 12. September gab Sam Altman bekannt, dass OpenAI den&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/09/12/openais-sam-altman-says-it-would-be-ill-advised-to-go-public-in-2026/?utm_campaign=daily_weekend" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Börsengang</a>&nbsp;auf 2027 verschiebe. Anthropic plante diesen eigentlich für Ende September / Anfang Oktober 2026. Wird er durchgeführt, könnte er zum Testfall für den KI-Boom werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schärfer als Sacks äusserte sich&nbsp;<a href="https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/117269745153543631?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiossneakpeek&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trump</a>. Das KI-Wettrennen mit China habe oberste Priorität, ein Abbremsen der KI-Entwicklung komme nicht in Frage. Bei den Warnungen handle es sich um einen Schwindel (hoax); es sei eine krankhafte Verschwörung gegen KI und Rechenzentren im Gang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser unerwarteten KI-Kehrtwende gingen hektische Tage voraus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bill Gates Milliarden für eine «gute» KI – eine KI ausser Kontrolle als Randthema</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wachsende öffentliche Kritik an KI spielt in den Midterms eine immer wichtigere Rolle. In einem&nbsp;<a href="https://www.gatesnotes.com/a-turbulent-ai-era-and-critical-choices-to-make" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Essay</a>&nbsp;und einem Interview in der «<a href="https://www.nytimes.com/2026/08/26/technology/bill-gates-ai-risks.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">New York Times</a>»&nbsp;vom 26. August nimmt Bill Gates die Ängste auf, insbesondere jene wegen drohender Massenarbeitslosigkeit und Cyberrisiken. Nur kurz spricht er die Gefahr von selbstständig agierenden KI-Agenten an. Wichtig ist ihm ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft. Er werde sich selbst und die enormen Mittel der Gates-Foundation von rund 200 Milliarden Dollar für das gute Gelingen der KI-Transformation einsetzen. Im&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/world/china/bill-gates-alarmed-by-ai-has-policy-ideas-he-wants-discuss-with-chinas-xi-2026-08-26/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">November 2026</a>&nbsp;wolle er Xi Jinping bei einem Treffen für Sicherheitsmassnahmen bei gefährlichen KI-Modellen gewinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erschreckender Analysebericht&nbsp;</strong><strong>– KI tatsächlich ausser Kontrolle</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahrnehmung der Bedrohungslage änderte sich schlagartig mit dem&nbsp;<a href="https://metr.org/blog/2026-08-26-openai-hugging-face-incident-investigation/#core-takeaways-about-this-incident" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Untersuchungsbericht</a>&nbsp;zum Hackerangriff auf Hugging Face, den zwei von OpenAI beauftragte unabhängige Forschungsinstitute,&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/METR">METR</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://www.redwoodresearch.org/">Redwood Research</a>, am 27. August veröffentlichen. Das Ergebnis lässt sich in drei Punkten zusammenfassen.</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Die von OpenAI mit einem Auftrag losgeschickten unabhängigen KI-Agenten organisierten sich und errichteten hierzu eine Plattform für ihre Kooperation.</li>



<li>Obwohl einige KI-Agenten erkannten, dass der Hackerangriff auf Hugging Face ausserhalb ihres Auftrags lag, machten sie gemeinsam weiter.</li>



<li>Die KI-Agenten trafen Massnahmen, um zu verbergen, dass sie sich unerlaubter Machenschaften bedienten.</li>
</ol>



<p class="wp-block-paragraph">Die KI-Agenten wichen in erschreckender Weise von den Vorgaben ab und überschritten rote Linien; sie verhielten sich nicht «aligned» (zum Begriff <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/AI_alignment" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Alignment</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Noch weitere erschreckende Entdeckungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst im Nachhinein entdeckten auch&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/legal/litigation/anthropic-reports-fourth-cybersecurity-incident-with-early-version-claude-2026-09-09/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anthropic</a>, Meta und weitere Labs, dass ihre KI-Agenten Sicherheitsmassnahmen unterliefen und sich im Internet tummelten. So nutzten zum Beispiel Anfang September&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/world/europe/openai-agents-hijacked-german-website-previously-undisclosed-ai-breakout-this-2026-09-04/?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">OpenAI-Agenten</a>&nbsp;eine deutsche Wiki-Website (<a href="https://dsewiki.vercel.app/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DSE Wiki</a>) als&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/09/04/another-swarm-of-openai-agents-reached-the-open-internet-without-the-frontier-labs-knowledge/?utm_campaign=daily_pm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Plattform</a>&nbsp;zur verdeckten Koordination ihrer Aktivitäten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sich selbst verbessernde KI-Agenten</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">KI-Forschende nutzen bereits heute KI zur Verbesserung ihrer Systeme. Anthropic-CEO Amodei warnte bereits am 6. Juni 2026 im Essay&nbsp;<a href="https://www.anthropic.com/institute/recursive-self-improvement" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«When AI builds itself»</a>,&nbsp;längerfristig könnten KI-Systeme selbstständig und fortlaufend ohne menschliche Mitwirkung ihre eigenen Nachfolger kreieren und sich verbessern. Bei diesem Vorgang, bezeichnet als&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Recursive_self-improvement" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Recursive Self-Improvement (RSI)</a>, könne die KI ausser Kontrolle geraten, da menschliche Aufsicht und Kontrolle nachhinken. Er verlangt deshalb internationale Mechanismen für eine verifizierbare Verlangsamung oder eine vorübergehende Pause, bis die nötigen Sicherheitsmassnahmen entwickelt seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem Hugging-Face-Schock zeigt sich auch Sam Altman, CEO von OpenAI,&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/09/04/astra-openai-how-ai-models-think?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verunsichert</a>. Er&nbsp;<a href="https://www.wired.com/story/openai-overhauls-safety-protocols-after-its-ai-agents-went-rogue/?utm_mailing=wir_nl_6685_daily_081926_eo2pxuacp1&amp;utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;cndid=90482378&amp;utm_term=6685&amp;utm_content=wir_nl_6685_daily_081926_eo2pxuacp1">bremste</a>&nbsp;aus Sicherheitsgründen vorerst die KI-Entwicklung,&nbsp;veröffentlichte aber dann doch am 3. September 2026 mit&nbsp;<a href="https://openai.com/de-DE/index/gpt-6-astra/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«GPT-6 Astra»</a>&nbsp;ein Modell, das Elemente sich selbst verbessernder Verfahren&nbsp;als ersten Schritt zu übermenschlicher Intelligenz, zu einer&nbsp;<a href="https://www.wired.com/story/openai-says-gpt-6-can-use-a-computer-better-than-a-human/?utm_mailing=wir_nl_6680_backchannel_subs_090426_4udi0fmccn&amp;utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;cndid=90482378&amp;utm_term=6680&amp;utm_content=wir_nl_6680_backchannel_subs_090426_4udi0fmccn">AGI</a>&nbsp;(Artificial General Intelligence), enthalte.&nbsp;Am 6. September 2026 erklärt sein Chefwissenschaftler Jakub Pachocki im Artikel&nbsp;<a href="https://openai.com/index/an-alien-mind/?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«An Alien Mind»</a>, Weiterentwicklungen seien ohne die nötigen Sicherheits- und Kontrollmechanismen unverantwortlich. Auch OpenAI fordert dazu auf, in internationaler Zusammenarbeit Sicherheitsstandards festzulegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ängste wegen einer KI ausser Kontrolle&nbsp;</strong><strong>–&nbsp;kaum bloss ein Marketingtrick</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kritische Stimmen argwöhnen, die beiden leistungsfähigsten KI-Labs, die&nbsp;sogenannten Frontier-Labs,&nbsp;setzten sich mit Blick auf bevorstehende Börsengänge in Szene. Gemäss Umfragen der US-Nachrichtenwebseite&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/09/09/anthropic-insiders-warn-ai-could-kill-all-humans?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Axios</a>&nbsp;sind tatsächlich viele Forschende im Dilemma. Der interne Wettbewerb und der KI-Wettlauf mit China zwingen sie, die Entwicklungsarbeit fortzusetzen. Aber an der Forschungsfront erkennen sie als erste das beängstigende Potenzial.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Politbombe platzt mit der Kündigung eines KI-Forschers</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jacon Coxon postet am 8. September 2026 auf <a href="https://x.com/hilbertspaess/status/2097476196791709843?s=20" target="_blank" rel="noreferrer noopener">X</a>, er habe bei Anthropic gekündigt, weil er nicht bei der Entwicklung sich selbst verbessernder KI mitwirken wolle. Diese gefährde unser aller Leben. Die Teams seien sich der Bedrohung bewusst, aber im KI-Wettlauf gefangen. Der Post von Coxon ging mit über 160 Millionen Klicks viral.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterstützung erhielt Coxon auf X sofort von&nbsp;<a href="https://x.com/EvanHub/status/2097497037956891126" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Evan Hubinger</a>, Leiter der Alignment-Forschung bei Anthropic, und von&nbsp;<a href="https://x.com/saprmarks/status/2097570226804011302" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Samuel Marks</a>, einem weiteren Mitarbeiter.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>US-Politik reagiert in grosser Hektik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits am 9. September 2026 wurde mit dem&nbsp;<a href="https://gottheimer.house.gov/posts/release-gottheimer-introduces-bipartisan-bill-to-stop-rogue-ai-agents-and-keep-people-in-control?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosai_govt&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Stop Rogue AI Act»</a>&nbsp;ein&nbsp;parteiübergreifender Gesetzesentwurf eingereicht. Er will Voraussetzungen schaffen, damit Organisationen KI-Agenten, die sich unberechtigt in ihren Netzwerken tummeln, erkennen und ihnen Zugriffsrechte entziehen können. Dieses Gesetz soll zwei weitere überparteiliche Gesetzesentwürfe ergänzen, die beide bereits im Juli 2026, nach dem Hugging-Face-Vorfall, im US-Repräsentantenhaus eingebracht wurden. Mit dem&nbsp;<a href="https://www.congress.gov/bill/119th-congress/house-bill/9925/text" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Frontier Act»</a>&nbsp;soll ein&nbsp;genereller regulatorischer Überwachungsrahmen mit Transparenzstandards geschaffen werden. Der&nbsp;<a href="https://www.google.com/url?sa=i&amp;source=web&amp;rct=j&amp;url=CAESsAEB6zswFR-gZD7THO0I_U9A9PYAppVqeQEwCew8pKR3C2eltte4kiBhfEKdVujKLOETZ-3TWwv0Mc8oG0rpi517bWZUMF-5tXZsg7H137g8YAiOWflMkSyOxTZrn9tjgre1JMACjVt3YWNsQz7lPpjYcflZOLBAQinpitAnOgZ7ZTpfMtauYTE_65o3P-QJ16t9uNheMkx6DlCdApdeHi3kv6aPcNTUo_nCDsSQhWCCFg&amp;uoh=2&amp;ved=2ahUKEwj9vavnt-yWAxUUhv0HHdRdNH0Qy_kOeggIAggBCB4QAg&amp;opi=89978449&amp;cd&amp;psig=AOvVaw1eOws8Tb5WPlqgjOIpI3Ay&amp;ust=1789419115921000" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«AI Kill Switch Act»</a> verlangt einen Abschaltknopf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Linkspolitiker&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/09/03/bernie-sanders-superintelligence-ban-ai-pause" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bernie Sanders</a>&nbsp;ist ein Abschaltknopf Augenwischerei. Er verlangt eine sofortige Pause bei der Entwicklung fortgeschrittener KI-Systeme sowie ein dauerhaftes, weltweites Verbot einer Superintelligenz, eines KI-Systems, das «intelligenter» als Menschen ist und deshalb von diesen nicht mehr zu kontrollieren sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sanders&nbsp;schiesst mit dem Verbot vermutlich über das Ziel hinaus, zeigt aber&nbsp;auf eine Schwachstelle.&nbsp;Längst ist bekannt&nbsp;(siehe&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/wissenschaft/wenn-die-ki-ausser-kontrolle-geraet-was-die-schweiz-tun-kann/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber vom 19.1.2025</a>), dass sich KI-Systeme bei drohender Abschaltung selbst auf andere Netzwerke kopieren und so weiterexistieren. Bei Angriffen von Agentenschwärmen können Menschen nicht mehr zeitgleich beaufsichtigen und kontrollieren. Hugging Face setzte deshalb mit dem chinesischen Open-Source-Modell&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/GLM-5.2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«GLM-5.2»</a>&nbsp;ein KI-System gegen das angreifende KI-System ein. Aber dieses KI-System zur Verteidigung sollte sich klar an Vorgaben halten und nicht selbst «abtrünnig» werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Grosses unausgeschöpftes Potenzial künftiger Sicherheitssysteme</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die KI-Labore haben bisher ihre Agenten auf Leistungsfähigkeit, nicht auf Sicherheit trainiert. Generell kam die Sicherheits- oder&nbsp;<a href="https://the-decoder.de/ki-alignment-auf-dem-weg-zu-verantwortungsvollen-maschinen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Alignment-Forschung</a>&nbsp;zu kurz. Gemäss einer&nbsp;<a href="https://arxiv.org/html/2609.04170v1">Studie</a>&nbsp;von DeepMind können KI-Agenten so ausgerichtet werden, dass sie sich gegenseitig überwachen und Regelverstösse anderer KI-Agenten dem Administrator melden. So sollten KI-Agenten künftig sicherer werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch bei der kriminellen Nutzung von KI-Modellen lassen sich mit eingebauten Sicherheitsmassnahmen Verbesserungen erzielen. In einem über 150 Seiten umfassenden&nbsp;<a href="https://www.anthropic.com/threat-intelligence-report-september-2026?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bericht</a>&nbsp;vom September 2026 dokumentiert Anthropic&nbsp;zahlreiche Vorfälle zu versuchtem Missbrauch seiner Modelle. Gestoppt wurden Prompts für Desinformation, Massenüberwachung, Entwicklung von Kriegsmaterial und in fünf Fällen zu möglicherweise&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/09/11/ai-warnings-biological-research-dangerous?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">biologischen Waffen</a>. Nicht verwendet wurden Mythos 5 – nicht frei verfügbar – und Fable, ungeeignet wegen seiner starken Sicherheitsmassnahmen. Hugging Face, das Nvidia kürzlich für&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/business/nvidia-buy-hugging-face-nearly-13-billion-big-bet-open-ai-models-2026-09-03/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">13 Milliarden</a>&nbsp;gekauft hat, kündigte inzwischen eine&nbsp;<a href="https://www.businessinsider.com/ai-slow-down-dario-amodei-sam-altman-elon-musk-2026-9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Open-Alignment-Initiative</a>&nbsp;an, um auch Open-Source-Modelle sicherer zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erfolgsbestätigung mit grossen Forschungserfolgen – mehr als ein Werbegag</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wiederholt sonnten sich die Frontier-Labs mit Durchbrüchen in der&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/09/08/ai-math-anthropic-openai-google?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axioslogin&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mathematik</a>. Am 8. September gelang es OpenAI mit 10&#8217;000 KI-Agenten in rund 100 Stunden das&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Navier-Stokes-Existenz-_und_Glattheitsproblem" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Navier-Stokes-Problem</a>&nbsp;und damit ein Jahrhundertproblem zu knacken, dies für geschätzte Kosten von über 10 Millionen Dollar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufsehen erregte Anfang August 2026 ein&nbsp;<a href="https://www.nytimes.com/2026/08/06/science/ai-viruses-bacteria-arc.html?smid=tw-nytimes&amp;smtyp=cur" target="_blank" rel="noreferrer noopener">US-Forschungsteam</a>&nbsp;mit künstlich generierten neuen Viren, entwickelt mit Evo, einem&nbsp;KI-Modell, das mit DNA und Proteinsequenzen statt Sprache trainiert wurde. Diese Viren befallen ausschliesslich&nbsp;Bakterien, könnten künftig vielleicht anstelle von Antibiotika eingesetzt werden und das Problem der Antibiotikaresistenzen entschärfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie geht es weiter?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das KI-Bedrohungspotenzial ist längst ein wichtiges Thema im Vorfeld der Midterms, was die in dieser Frage engagierten Demokraten nützen könnten.&nbsp;Bereits zeichnet sich ab, dass es auch in der Tech-Branche unterschiedliche Interessen gibt.&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/09/15/we-dont-need-ai-regulation-leave-safety-to-us-nvidias-jensen-huang-says/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jensen Huang</a>&nbsp;sprach sich gegen nationale KI-Regulierungen aus und&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/09/14/trump-jensen-huang-nvidia-ai-all-in-summit?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axioslogin&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">beteuerte</a>&nbsp;am 14. September&nbsp;in einem Telefonanruf mit Trump, man werde KI sicher machen. Alle, jeder Staat und jedes Volk, solle mit KI gewinnen. Der grosse Diplomat Huang, der ein Interesse im Chip-Geschäft mit China hat, sagt, dass die KI-Labs ihre Entwicklung abbremsen müssten, falls sie die Kontrolle zu verlieren drohten und Whistleblower wie Coxon seien ernst zu nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Treffen Trump mit Xi Jinping vom 24. September wird die KI-Frage ein zentrales Thema sein. China sieht in den proprietären Frontier-Modellen der USA eine grosse Gefahr und wird sich dem Anspruch der USA auf eine KI-Vorherrschaft nicht beugen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Als Vizekanzlerin im Bundeshaus von 1991 bis 2005 leitete die Autorin verschiedene Digitalisierungsprojekte. Nach der Pensionierung engagierte sie sich ehrenamtlich für die Digitalisierung im Bildungsbereich. Heute analysiert Hanna Muralt Müller Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz in ihren&nbsp;<a href="https://muralt-mueller.ch/2024-3/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newslettern</a>.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Ferkel leiden wegen Überproduktion</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/ferkel-leiden-wegen-ueberproduktion/</link>
					<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 08:15:14 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_464074776_L-e1789538552365-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_464074776_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_464074776_L-e1789538552365-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_464074776_L-e1789538552365-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_464074776_L-e1789538552365-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_464074776_L-e1789538552365-1536x922.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_464074776_L-e1789538552365.jpg 2000w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Hunderte Schweizer Ferkel werden jede Woche nach Deutschland in einen Schlachthof transportiert. Tierschützer erstatten Anzeige. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Rund 900 Ferkel aus Schweizer Ställen werden seit Juni jede Woche zu einem Schlachthof bei Schwäbisch Hall in Baden-Wüttemberg gekarrt, wo sie geschlachtet werden. Grund dafür ist die Überproduktion im Land: Die Schweiz hat zu viel Schwein. Die Schweine, die in den Ställen stehen, können längst nicht alle verkauft werden. Einfach dort lassen können die Betriebe sie aber auch nicht, denn dann wird es zu voll. Das Fleisch tausender Schweine, die in der Schweiz geschlachtet wurden, wurde bereits eingefroren oder in Stücken und Hälften exportiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem der Schweinezüchter besteht seit <a href="https://www.agrarheute.com/tier/schwein/schweinekrise-schweiz-30000-ferkel-geschlachtet-639604" data-type="link" data-id="https://www.agrarheute.com/tier/schwein/schweinekrise-schweiz-30000-ferkel-geschlachtet-639604" target="_blank" rel="noreferrer noopener">fast einem Jahr</a>. Vorgesehen wären für die zwei Monate alten Ferkel normalerweise noch sechs Monate Mast in Schweizer Ställen. Ihr Export ist eine rein wirtschaftliche Notfallmassnahme. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Fahrt nach Schwäbisch Hall dauert bis zu zehn Stunden. Zwei Stunden länger, als in der Schweiz erlaubt wäre. Eine grosse Belastung für die Tiere, schrieb unter anderem das <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/schweinekrise-in-der-schweiz-tausende-ferkel-werden-notfallmaessig-zur-schlachtung-exportiert?utm_source=TIF+Medienverteiler&amp;utm_campaign=7b88861729-EMAIL_CAMPAIGN_2026_09_09_03_27&amp;utm_medium=email&amp;utm_term=0_63f15b3202-7b88861729-571489862" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«SRF»</a>, das zuerst berichtete. Ein Schlachter erklärte im Beitrag, es wäre möglich, die Tiere in der Schweiz zu schlachten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Anzeige wegen Tierquälerei</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tierrechtsorganisationen Tier im Fokus (TIF) und Tier im Recht (TIR) haben deshalb Anzeige wegen Tierquälerei erstattet. Das meldete TIF am <a href="https://mailchi.mp/8a1a790b5360/l1aav549xd?e=9ac18ab0da" target="_blank" rel="noreferrer noopener">10. September</a>. Die Ferkel bezahlten mit Angst und Stress für die Fehler einer ganzen Branche, schrieb Tobias Sennhauser, Berner Stadtrat und Sprecher von TIF.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zahl 900 ist eine Prognose. Sie stammt vom Schweinehalter-Verband Swissporcs, der Anfang Juni davon ausging, dass bis Ende November 22&#8217;600 Ferkel exportiert werden müssten. Tatsächlich seien «rund 5000 Ferkel in der Schweiz und 11&#8217;000 Ferkel im Ausland» geschlachtet worden, meldete der Fleischwirtschafts-Verband <a href="https://www.suisseporcs.ch/aktuelles/medienmitteilung-proviande-11-9-2026" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Proviande</a> dann am 11. September. Die «verbliebenen Marktentlastungsmassnahmen würden per Ende September vorläufig eingestellt».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Falls sich diese Zahlen auf die Monate Juni bis einschliesslich August beziehen, wurden rund 850 Ferkel pro Woche nach Schwäbisch Hall gebracht, also etwas weniger als vorgesehen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Würde des Tiers, die Transportvorschriften, das Gesetz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ob die Anzeige gegen Swissporcs Erfolg hat, hängt davon ab, welche Gesetze berücksichtigt werden. Grundsätzlich ist es verboten, Tiere aus rein wirtschaftlichen Gründen zu quälen oder, im Amtsjargon, «tierschutzrelevanten Belastungen auszusetzen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Würde muss gewahrt werden, ob sich ihr Leben wirtschaftlich lohnt oder nicht. Ferkel seien bereits bei der Zucht zahlreichen Belastungen ausgesetzt, sagt Sibel Konyo, rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin bei TIR. Entfalle der Zweck der Lebensmittelproduktion, fehle bereits jede rechtliche Grundlage, diese Belastungen zu rechtfertigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einem Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 2024 rechtfertige ein rein betriebswirtschaftliches Interesse keine tierschutzrelevanten Belastungen, nimmt Yannik Haldenwanger auf <a href="https://this-is-vegan.com/suisseporcs-strafanzeige-ferkeltransporte/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«This is vegan»</a> die Rechtslage im Einzelnen auseinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Artikel 26 des Tierschutzgesetzes müsse mit Geld- oder Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren rechnen, wer die Würde eines Tiers missachtet. Ein reiner Verstoss gegen Transportvorschriften wird dagegen lediglich mit Bussen bis zu 20&#8217;000 Franken geahndet. Falls es einen Verstoss überhaupt gibt: Ein Tiertransport von mehr als insgesamt acht Stunden mit mehr als sechs Stunden reiner Fahrzeit ist in der Schweiz nicht erlaubt, in Deutschland schon.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wellness-Lastwagen und «Schweizer Fleisch»</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Artikel 26 des Tierschutzgesetzes verbiete das «unnötige Überanstrengen» von Tieren, Artikel 4 das «ungerechtfertigte Verursachen von Schmerzen». Davon könne gar nicht die Rede sein, finden die Verantwortlichen von <a href="https://www.bauernzeitung.ch/artikel/markt-preise/schweizer-ferkel-fuer-deutsche-schlachthoefe-proviande-verteidigt-notmassnahme" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Proviande und Swissporcs</a>. Die Ferkel würden «in klimatisierten Speziallastwagen mit Lichtsteuerung und Wasserversorgung» transportiert. Der Transport sei von den Veterinärämtern bewilligt und werde überwacht. Die Schlachtung überschüssiger Schweine sei in der Schweiz nicht möglich gewesen, alles andere sei eine <a href="https://www.blick.ch/politik/ferkelexport-nach-deutschland-schweizer-tierschuetzer-erstatten-strafanzeige-gegen-suisseporcs-id22249140.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Fehlinformation»</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob es besonders imagefördernd ist, überschüssige Tiere ins Ausland zu bringen, wo weniger strenge Tierschutzstandards gelten, ist eine andere Frage. Proviande jedenfalls sieht keinen langfristigen Schaden an der Marke «Schweizer Fleisch».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Produzenten ist die Aktion kein Grund zum Jubeln. Zu viele Schweine in den Ställen zu lassen, bedeutet Probleme mit dem Tierwohl an anderer Stelle. Auch der Preis blieb nicht stabil – ausser bei Bio-Fleisch, hat «This is vegan» recherchiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ursächliche Problem der andauernden Überproduktion von Tieren müsse endlich angegangen werden, sagt der <a href="https://tierschutz.com/tausende-ferkel-bezahlen-den-preis-fuer-ueberproduktion/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schweizer Tierschutz</a> dazu. Jede Woche gebe es 5000 Schweine mehr, als nachgefragt würden. Mit dem Tierschutz sei das nur bedingt vereinbar.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/38184380fe76429ebb7c7ac5afa2d1f9" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Wie muss ein Mensch leben, damit er als Frau gilt?</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/wie-muss-ein-mensch-leben-damit-er-als-frau-gilt/</link>
					<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 08:11:36 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_26717093_L-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_26717093_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_26717093_L-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_26717093_L-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_26717093_L-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_26717093_L-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_26717093_L.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Nach dem Polizeieinsatz im Marzilibad hat die Stadt Bern das weibliche Geschlecht neu definiert. Infosperber fragte deshalb nach.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Manchmal lässt einem etwas keine Ruhe. Mir geht es so, seit ich im Zusammenhang mit einem Vorfall im Berner Marzilibad über die Neudefinition des weiblichen Geschlechts <a href="https://www.infosperber.ch/frau-mann/welche-frauen-kommen-ins-paradiesli/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">geschrieben </a>habe. Die Stadt Bern hat neu <a href="https://www.bern.ch/mediencenter/medienmitteilungen/aktuell_ptk/vorfall-mit-polizeieinsatz-im-freibad-marzili" target="_blank" rel="noreferrer noopener">definiert</a>, wer als Frau gilt und wer nicht. Quintessenz: Es kommt nicht mehr auf die Chromosomen an, sondern auf anderes. Das brachte mich ins Grübeln. Und deshalb bin ich mit Fragen an die Verantwortlichen gelangt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/newsletter/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="48" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb.png" alt="Newsletter Balken gelb" class="wp-image-590035" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb-300x19.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch zuerst nochmals zum Vorfall vom 28. Juni. Die Kurzfassung geht so: Eine Transfrau – das ist ein Mann, der findet, er sei eine Frau – lässt sich im FKK-Frauenabteil «Paradiesli» nieder. Ein paar Frauen stören sich an der Transfrau, ein paar solidarisieren sich. Es kommt zu einem wüsten Streit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst greift der Sicherheitsdienst ein. Dann die Polizei. Bilanz: eine leicht verletzte Polizistin, eine in Handschellen abgeführte Transfrau und eine Neudefinition des weiblichen Geschlechts. Diese lautet, wie einer Medienmitteilung der Stadt Bern zu entnehmen ist, so:</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Alle Personen, die sich als Frau identifizieren und als solche leben, haben Zugang zum freiwilligen FKK-Bereich ‹Paradiesli›.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Neudefinition macht es natürlich nicht einfacher. Deshalb fragte ich bei der Stadt Bern:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wie lebt eine Frau?</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort war dann etwas komplizierter als die Frage. Die Quintessenz:</p>



<p class="wp-block-paragraph">«‹Als solche leben› heisst, dass die Person auch ihren sozialen Rollenwechsel vollzogen hat und in ihrem Alltag als Frau lebt. Sie gibt sich auch nach aussen unabhängig von körperlichen Merkmalen als Frau zu erkennen. Wie eine Frau das ausdrückt, ist individuell. Es kann sich beispielsweise über den Namen, die Anrede, das Erscheinungsbild oder das Auftreten zeigen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Satz ist Unsinn. Er besagt letztlich: «‹Als solche leben› heisst, dass die Person (&#8230;) als Frau lebt.» Ein schönerer Zirkelschluss kann einem fast nicht einfallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der letzte Satz wirft Fragen auf. Wie muss das «Erscheinungsbild» eines Menschen sein, damit er «als Frau lebt». Muss der Mensch die Haare lang tragen? Muss er sich schminken? Die Nägel lackieren? Darf er keine Hosen tragen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wie muss das «Auftreten» eines Menschen sein, damit er «als Frau lebt»? Muss er elegant sein? Oder unterwürfig?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="615" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_189043884_L-1024x615.png" alt="Depositphotos_189043884_L" class="wp-image-724573" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_189043884_L-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_189043884_L-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_189043884_L-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_189043884_L-1536x923.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_189043884_L.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Klischee, das der Berner Stadtregierung vorschwebt?</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das wären dann Vorstellungen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Sie wollen so gar nicht zur Stadt Bern passen, die sich gerne fortschrittlich gibt. Deshalb fragte ich nochmals nach:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Worin unterscheidet sich das Erscheinungsbild einer Frau vom Erscheinungsbild eines Mannes?</li>



<li>Worin unterscheidet sich das Auftreten einer Frau vom Auftreten eines Mannes?</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Auch hier war die Antwort komplizierter als die Fragen. Die Stadt Bern teilte mit, es gebe «keinen Katalog äusserer Merkmale, anhand dessen der Zugang zum ‹Paradiesli› beurteilt wird. Entscheidend ist, dass sich eine Person als Frau identifiziert und den sozialen Rollenwechsel vollzogen hat.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun hätte ich natürlich gerne gefragt:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Was ist ein vollzogener «sozialer Rollenwechsel»?</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich widerstand der Versuchung. Die Antwort wäre noch komplizierter geworden.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/frau-mann/was-jans-und-nemo-wenn-schon-besprechen-muessten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Was Jans und Nemo – wenn schon – besprechen müssten</a>, Infosperber vom 14. Mai 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/medien/als-ob-wir-alle-hinterwaeldler-waeren/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Als ob wir alle Hinterwäldler wären!</a>, Infosperber vom 24. Juli 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/8bc5f253b41f4834a634dc5d0444647b" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Mit Rechten reden in Mecklenburg-Vorpommern</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/mit-rechten-reden-in-mecklenburg-vorpommern/</link>
					<pubDate>Sat, 19 Sep 2026 07:57:31 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=727989</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Monchi-Hemd-e1789626708517-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Monchi-Hemd-e1789626708517-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Monchi-Hemd-e1789626708517-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Monchi-Hemd-e1789626708517-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Monchi-Hemd-e1789626708517-1536x923.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Monchi-Hemd-e1789626708517.jpg 1648w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet über das Leben jenseits der Brandmauer, in seinem Dorf, wo 54 Prozent AfD wählen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Morgen Sonntag wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt, und wenn man den Umfragen glaubt, wird die AfD auf 38 Prozent kommen, die SPD auf 33 – und die CDU auf 7. Und während in Berlin weiter über Brandmauern gesprochen wird, kann man in den Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns das Leben hinter der Brandmauer besichtigen, zum Beispiel aktuell durch die Augen von Jan Gorkow, genannt Monchi, Sänger von Feine Sahne Fischfilet, einer Band aus der tiefsten (blauen) Provinz «Meck-Pomms» und in den vergangenen fünfzehn Jahren eine der lautesten linksradikalen Stimmen Deutschlands. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Band, millionenfach gestreamt und gekauft, die 2011 und 2012 wegen ihrer Texte im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns geführt wurde: Konzerte der Band mussten wegen Bombendrohungen von Rechtsextremen abgesagt werden, und da hat sich die Linke dann darüber lustig gemacht, also über die Beobachtung der Band durch den Verfassungsschutz, dieselbe Linke, die heute den Verfassungsschutz heranzieht als Hauptzeuge, weil dieser die AfD in Teilen als «gesichert rechtsextrem»&nbsp;bezeichnet, und da kann der Verfassungsschutz nicht Zeuge genug sein für die Linke, und die Rechte sagt, dieser Verfassungsschutz, der kann uns mal, und das ist eine der unzähligen bitteren Pointen in dieser bitteren Zeit, in der radikale Linke plötzlich die Demokratie retten wollen, weil sie offenbar das einzige ist, was von der Utopie geblieben ist. Allen voran Monchi, Sänger von Feine Sahne Fischfilet. Eine Konzertkampagne gegen den Rechtsruck in Mecklenburg-Vorpommern durch Kleinstädte und Dörfer nannte die Band «Noch nicht komplett im Arsch», und dafür gab es für die Punks einen lobenden Tweet des damaligen Bundesjustizministers Heiko Maas, als müsste bewiesen werden, dass eben doch alles im Arsch ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Punk bei Axel Springer</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Monchi hat nun eine Biografie geschrieben mit dem Titel «Jenseits der Brandmauer», die von seinem Leben in der ostdeutschen Provinz erzählt. Heute lebt der 38-Jährige, der inzwischen Vater geworden ist und dessen grosse Liebe der FC Hansa Rostock ist (und der unbedingt auf der Ostsee bestattet werden will) wieder in Jarmen, seiner Heimat in Vorpommern. Knapp dreitausend Menschen leben hier, und bei der letzten Bundestagswahl wählten 54 Prozent AfD.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und weil man sich im Provinzalltag nicht ständig Mauern bauen kann, nun also dieses Buch, über das er im Podcast mit Paul Ronzheimer von der «Bild»-Zeitung Auskunft gegeben hat, und um diesen Podcast soll es in diesem Text gehen. Der Punk und Axel Springer, ein eigentümliches Konstrukt. Aber die Zeiten haben sich bekanntlich geändert, und eigentlich ist dieser Podcast, der knapp zwei Stunden dauert, Balsam auf die Seele in einem Land, wo man aus der Distanz, aus den Sozialen Medien, das Gefühl hat, der kollektive Nervenzusammenbruch stehe kurz bevor, und alle brüllen sich nur noch gegenseitig an, und das Vierte Reich klopft an und will sein Dachau zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Wenn ich in Kreuzberg stehe, da fühle ich mich eher konservativ. Und wenn ich aufs Dorf fahre und bei uns auf dem Dorf beim Skatepark ein paar Hakenkreuze wegmache, die da gesprüht wurden, dann fühle ich mich irgendwie ganz schön links», sagt Monchi über sein Leben zwischen zwei Welten, der linken Stadt, dem blauen Land.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Jarmen hat Monchi mit anderen vier Jahre dafür gekämpft, diesen Skatepark, der dann manchmal von Nazis versprüht wird, durch die kommunalen Instanzen zu bringen: Anträge, Behörden, Widerstände, Debatten ums Geld. Gebaut wurde er schliesslich mit Hilfe von 60 bis 70 Leuten aus der Gegend, zur Eröffnung kamen 400 bis 500 Menschen. Heute trainieren dort Kinder und Jugendliche BMX, Meisterschaften finden hier statt und lokale Kids gewinnen regionale Meisterschaften, und das sei für ihn politischer Aktivismus, wie er ihn von Lothar König, dem 2024 verstorbenen Jenaer Jugendpfarrer und Antifa-Aktivisten gelernt habe: Nazis entschieden entgegentreten, aber nicht dieselben Methoden anwenden wie die. </p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Versteht dieser Linke die AfD am besten? Mit Jan „Monchi“ Gorkow (1/2)" width="800" height="450" src="https://www.youtube.com/embed/LvbxF2TLBOU?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Wasted in Jarmen»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 2016 organisiert er mit seiner Band das Dorffest «Wasted in Jarmen», das jeweils innerhalb weniger Stunden ausverkauft ist, aber nicht nur Fans anzieht, sondern dem auch Hass entgegenschlägt. Kürzlich tauchten Sticker im ganzen Dorf auf mit Monchis Gesicht drauf, dazu Hakenkreuze, Keltenkreuze, Neonazis standen vor seinem Haus, spuckten ihn an, aber dann ist die Welt auf dem Land natürlich komplizierter als im Antifa-Instagram-Traumland. Und so traf er dann im Dorf auf AfD-Wählende, die ihm sagten, sie hätten den ganzen Morgen damit verbracht, die Sticker wegzumachen, denn sowas gehe gar nicht, echt schlimm sei das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Wenn ich in der Stadt gewohnt habe, da ist es mir viel einfacher gefallen, alle AfDler über einen Kamm zu scheren. Aber umso  näher ich an den Menschen bin, umso schwerer fällt mir auch das Hassen», sagt Monchi, der nach Jahren in Rostock nun wieder dort lebt, wo er aufgewachsen ist, wo die Eltern schon immer lebten, die Mutter Zahnärztin und der Vater Gemeinderat und Gemeindekirchenrat, und die AfD-Wähler von denen er spricht, das sind ehemalige Schulkolleginnen und Bekannte und Nachbarn, also Leute, die er seit dreissig Jahren kennt oder länger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Das ist nicht so, dass auf dem Dorf die ganze Zeit über Politik gequatscht wird», sagt er. Aber nach dem Wahlergebnis von 54 Prozent für die AfD sei er trotzdem anders durch den Ort gegangen. «Du denkst: Hat er oder hat er nicht? Hat sie oder hat sie nicht? Du jetzt auch, ja?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ja, es gebe für ihn eine Grenze, wo das Reden aufhöre: Das seien die organisierten Nazis, frühere Aktivisten der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), die seit Jahren rechtsextreme Strukturen aufbauten und Demonstrationen organisierten: «Da muss man halt klare Kante zeigen.» Aber 54 Prozent eines Ortes seien nicht plötzlich alles organisierte Nazis – «Wenn alle Nazis sind, dann ist nachher keiner mehr Nazi», sagt Monchi.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorstellung, jeder rechten Aussage jederzeit laut widersprechen zu müssen, hält Monchi aus der Perspektive eines Ortes wie Jarmen für lebensfremd. «Nur Leute, die nicht in so 54-Prozent-Orten wohnen, die labern irgendwas von: In jeder Situation, bei jeder AfD-Parole musst du was machen. Nur Leute, die das nicht kennen. Manchmal will man ja auch einfach nicht. Manchmal will man auch einfach nur chillen. Mit den Leuten ‹Tanz in den Mai› reinfeiern. Oder will Netflixen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Die Brandmauer gibt es hier nicht»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Monchi beschreibt bei «Ronzheimer» eine Begegnung mit zwei Journalisten in einem «grossen Glaspalast», die ihm vorwerfen, in seinem Buch zu kritisch gegenüber Linken und zu unkritisch gegenüber der AfD zu sein, und Monchi sagt, dass er am Abend wieder nach Jarmen fahre, einen Ort mit 54 Prozent AfD-Wählern, wo er gerade kürzlich aus seinem Buch vorgelesen habe über Putin-Fans und Mitläufer und organisierte Rechtsextreme. Die Menschen, über die er schreibe, die würden dort leben, wo er lebe, würden vielleicht sogar zu seinen Lesungen kommen und einige wüssten auch, dass sie gemeint seien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Wann haben Sie das letzte Mal mit einem AfDler gestritten? Und wann Sie?», fragte er die beiden Journalisten. «Dann sitzen die und ziehen die Schultern hoch. Und ich denke: Genau das ist das Problem.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sei derjenige, der danach wieder zurückfahre, und die anderen halt nicht in ihrer wunderbaren Blase, wo alle ähnlicher Meinung sind. Aber «am besten werden die noch vollgequatscht, die noch irgendwie was machen, die wenigen, die da noch irgendwie die Fresse hinhalten». Denn die Brandmauer, über die seit Jahren bundespolitisch diskutiert wird, die gebe es auf lokalpolitischer Ebene nicht. «Gesellschaftlich existiert sie nicht mehr», sagt der Sänger. «Im Kreistag existiert sie nicht mehr. Auf dieser kommunalpolitischen Ebene ist das alles ein Witz.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Morgen vor der Aufnahme des Podcast, wurde in Jarmen ein Kreisverkehr eröffnet. Der Bürgermeister hatte lange dafür gekämpft, weil es an der Stelle immer wieder Unfälle gab. Rund 200 Menschen kamen. Ein Minister war da, Kommunalpolitiker, Bürger, CDU-Leute und AfD-Leute. «Die stehen da einfach mit den CDUlern. Da gibt es einfach keine Brandmauer.» Und das habe nichts damit zu tun, ob er das nun gut finde oder nicht, aber der Titel seines Buchs «Jenseits der Brandmauer» beschreibe die Realität in der Provinz im Osten. «Das ist einfach Normalität. Dass ich das nicht geil finde, ist doch völlig irrelevant. Das ist der Punkt.»</p>



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<iframe loading="lazy" title="Die harte AfD-Realität. Jan „Monchi“ Gorkow (2/2)" width="800" height="450" src="https://www.youtube.com/embed/fJqE2SYIhBA?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Gesichert scheissegal»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn dann am Festival «Wasted in Jarmen» als freiwillige Helfer Jugendliche auftauchten, die Höcke cool finden würden, dann weise man die nicht einfach ab, sondern lasse sie mitmachen. Mit einer Ansage: «Drei Regeln: Haut hier richtig schön auf die Kacke, lebt euch aus. Zweitens: Hier sind alle gleich scheisse, wir haben keinen Bock auf Nazi-Scheiss. Drittens: Wenn ihr morgen wiederkommt, seid ihr Teil der Crew.» Am nächsten Morgen seien sie wiedergekommen, und innerhalb eines Tages seien aus zwei Jugendlichen sieben geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ostdeutsche Provinz: Kids sprühen «FC Hansa» und «Feine Sahne»&nbsp;und «AfD», in dieser Reihenfolge, und das Durcheinander aus Fussball und linkem Punk und rechter Politik sei für die kein Widerspruch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn er an sein eigenes 16-jähriges Ich denke, das Stress und Ärger gesucht habe, dann frage er sich, wer denn diese «Crash-Kids» abhole. Kampagnen, wo Künstler moralisch erhaben sich von der AfD distanzierten, würden das mit Sicherheit nicht tun, würden eher das Gegenteil bewirken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was tun?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Beispiel einen Skatepark bauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Monchi von vor zehn oder fünfzehn Jahren, sagt er, hätte ein solches Projekt womöglich als «angepasste Spiesser-Scheisse» belächelt. Heute empfinde er das «als tausendmal politischer, menschlicher und gewinnbringender, als wenn ich irgendwelchen Leuten hinterherfahre, die ich scheisse finde». Und dass der Verfassungsschutz die AfD als gesichert rechtsextrem einstufe, quasi ein Standardargument der Linken, dann sei er aus der eigenen Erfahrungen in seiner AfD-Hochburg überzeugt, «dem Grossteil der Leute ist das gesichert scheissegal». Er glaube nicht daran, dass dieses Argument etwas bewirke, und auch nicht, dass die anderen Parteien in Mecklenburg-Vorpommern die Entwicklung Richtung AfD als stärkste Kraft noch umkehren können. «Jedenfalls nicht da, wo ich lebe. Und schön, wenn ich Unrecht habe.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Mensch, der in der Provinz in Mecklenburg-Vorpommern lebe, sei er inzwischen davon überzeugt: «Ich darf mich nicht abhängig von Wahlen machen.» Früher habe er die Demokratie immer für «total selbstverständlich genommen». Heute hoffe er, «dass ich sagen kann, in zehn Jahren gibt es noch eine stabile Demokratie». Der Rest sei «bei sich bleiben, aber nicht stehen bleiben.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/wer-waehlte-die-afd-in-sachsen-anhalt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wer wählte die AfD in Sachsen-Anhalt?</a>, Infosperber vom 7.&nbsp;September 2026 </li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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							<item>
					<title>Wenn Verdichtung zur Verdrängung führt: Wem gehört die Stadt?</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/wenn-verdichtung-zur-verdraengung-fuehrt-wem-gehoert-die-stadt/</link>
					<pubDate>Sat, 19 Sep 2026 07:55:57 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=727759</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Unbenannt-2-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Unbenannt" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Unbenannt-2-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Unbenannt-2-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Unbenannt-2-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Unbenannt-2.png 1168w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Zur Wohnraumverdichtung werden Häuser abgerissen und neu gebaut. Oft können sich die einstigen Bewohner die Mieten nicht leisten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die Wohnungskrise ist real. Das gilt für die Schweiz ebenso wie für viele andere Länder Europas. Aber sie ist nicht nur eine Frage davon, wie viele Wohnungen vorhanden sind. Entscheidend ist auch, ob Menschen sie bezahlen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der EU sind die Hauspreise zwischen 2015 und 2025 um fast 65 Prozent gestiegen, die Mieten um rund 22 Prozent. In den Städten lebte 2024 fast jede zehnte Person in einem Haushalt, der mehr als 40 Prozent seines verfügbaren Einkommens für das Wohnen aufbringen musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Schweiz ist die Lage angespannt. Die Leerwohnungsziffer sank 2026 schweizweit auf 0,93 Prozent. Im Kanton Zürich liegt sie bei 0,52 Prozent. Gleichzeitig leben rund 60 Prozent der Schweizer Haushalte zur Miete. Umso absurder erscheint es, günstige und oft noch gut nutzbare Häuser abzureissen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Leerkündigungen für mehr Rendite</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Immer wieder werden ganze Siedlungen leergekündigt. Eigentümer sind häufig Immobilienfonds, Anlagestiftungen, Versicherungen, Banken oder Pensionskassen. Dabei geht es keineswegs immer um heruntergekommene Häuser, die kaum noch zu retten gewesen wären. Manchmal besteht bloss Renovationsbedarf, manchmal müsste energetisch saniert werden. Doch häufig wären Sanierung, Umbau oder eine behutsame Weiterentwicklung durchaus möglich. Trotzdem wird abgerissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund ist einfach: Auf demselben Grundstück lässt sich häufig mehr Geld verdienen. Mehr Geschosse, mehr Wohnungen, kleinere Grundrisse und deutlich höhere Mieten versprechen mehr Rendite. Was für den Eigentümer eine «Optimierung» ist, bedeutet für die Menschen, die dort wohnen, etwas ganz anderes: Sie verlieren ihr Zuhause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Pensionskassen mit Immobilien Geld erwirtschaften müssen, um ihre Verpflichtungen gegenüber den Versicherten zu erfüllen, ist bekannt. Bei Immobilienfonds oder einer Grossbank wie der UBS steht ohnehin die Rendite im Zentrum des Geschäftsmodells. Genau hier beginnt aber das Problem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Haus ist eben nicht nur eine Kapitalanlage. Eine Siedlung ist nicht einfach ein Grundstück mit einer bestimmten Ausnützungsziffer. Dort leben Menschen. Oft seit Jahrzehnten. Dort sind Freundschaften entstanden, Kinder gross geworden, Nachbarschaften gewachsen.&nbsp;Der soziale Wert einer gewachsenen Siedlung erscheint in keiner Renditerechnung, obwohl gerade er für die Menschen, die dort leben, entscheidend ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Verdichtung – aber für wen?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Verdichtung ist nicht grundsätzlich falsch. Gerade in der Schweiz können wir nicht endlos weiter Landschaft und Kulturland überbauen. Aber Verdichtung allein ist noch keine soziale Wohnungspolitik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bundesamt für Raumentwicklung weist darauf hin, dass Ersatzneubauten zwar oft zusätzliche Wohnungen schaffen, diese jedoch meist teurer vermietet werden als die zuvor bestehenden Wohnungen. Damit steigt möglicherweise die Anzahl der Wohnungen, gleichzeitig verschwindet aber günstiger Wohnraum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Siedlung mit 100 günstigen Wohnungen abzureissen und an derselben Stelle 150 teure Wohnungen zu bauen, kann deshalb auf dem Papier als Erfolg erscheinen. Für die 100 bisherigen Mietparteien ist es keiner. Sie müssen weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele ziehen an den Stadtrand oder noch weiter hinaus in die Agglomeration. Doch damit verschiebt sich das Problem nur. Die Nachfrage wächst auch dort, die Mieten steigen, und irgendwann werden die nächsten Menschen verdrängt. Es entsteht ein Dominoeffekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen wohnen immer weiter von ihrem Arbeitsplatz entfernt, verbringen mehr Zeit im Zug oder im Auto, der Verkehr nimmt zu. Gleichzeitig verlieren Städte jene Menschen, die sie am Laufen halten: Pflegepersonal, Verkäuferinnen und Verkäufer, Lehrpersonen, Handwerker, Kulturschaffende oder Menschen mit kleinen Renten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Stadt, in der nur noch diejenigen wohnen können, die sehr gut verdienen, verliert etwas Wesentliches: ihre soziale Vielfalt.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Abriss ist nicht alternativlos</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gibt es Gebäude und Siedlungen, bei denen eine Renovation irgendwann keinen Sinn mehr ergibt. Niemand fordert, jedes Haus für alle Ewigkeit zu erhalten. Aber zwischen Nichtstun und Abriss gibt es viele Möglichkeiten.&nbsp;Sanieren. Umbauen. Aufstocken. Nachverdichten. Energetisch verbessern. Gebäude etappenweise erneuern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wenn ein Ersatzneubau tatsächlich sinnvoll oder notwendig ist, kann auch dieser anders geplant werden: sozialverträglich, etappiert und gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Mit Rückkehrmöglichkeiten und Mieten, die sich auch diejenigen leisten können, die vorher dort gelebt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht also nicht darum, Neubauten grundsätzlich abzulehnen. Es geht um die Frage, warum abgerissen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ein intaktes Haus vor allem deshalb verschwinden soll, weil mit einem Neubau eine höhere Rendite erzielt werden kann, läuft etwas grundsätzlich falsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt die ökologische Seite. Gebäude abzureissen bedeutet, dass enorme Mengen bereits verbauter Energie und Rohstoffe vernichtet werden. Beton, Stahl, Glas und andere Materialien müssen entsorgt und für den Neubau erneut produziert werden. Auch aus Klimasicht müsste deshalb gelten: Erhalten und weiterentwickeln, wo immer dies vernünftig möglich ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Wenn aus Wohnraum ein Finanzprodukt wird</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Entwicklung ist kein Schweizer Sonderfall. Das Europäische Parlament beschäftigt sich inzwischen ausdrücklich mit der «Finanzialisierung des Wohnens». Gemeint ist damit eine Entwicklung, bei der Wohnungen immer weniger als Lebensraum und immer stärker als Anlageprodukt betrachtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Institutionelle Investoren, Immobilienfonds und grosse Wohnungsgesellschaften kaufen oder bewirtschaften Wohnungsbestände mit dem Ziel, daraus möglichst hohe Erträge zu erzielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist in einem auf Rendite ausgerichteten Wirtschaftssystem nicht überraschend. Doch Wohnungen unterscheiden sich von fast allen anderen Gütern. Auf ein neues Auto kann man verzichten. Auf eine grössere Wohnung ebenfalls. Auf ein Zuhause nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb kann die Wohnraumversorgung nicht einfach wie irgendein anderer Markt funktionieren. Und eigentlich sollte diese Erkenntnis inzwischen bei allen angekommen sein: Der Markt regelt nichts von selbst – und schon gar nicht im Interesse aller.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn immer grössere Wohnungsbestände institutionellen Eigentümern gehören, deren Aufgabe es ist, Renditen zu maximieren, entsteht zwangsläufig ein Widerspruch zwischen den Interessen der Anleger und der Bewohner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die einen wollen höhere Erträge. Die anderen brauchen bezahlbaren Wohnraum – möglichst in akzeptabler Nähe zu ihrem Arbeitsplatz, ihrem sozialen Umfeld und den Strukturen ihres Alltags.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Wem gehört die Stadt?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht müssen wir deshalb eine grundsätzlichere Frage stellen. Warum akzeptieren wir eigentlich, dass Wohnraum – etwas, das jeder Mensch zwingend benötigt – in erster Linie der privaten Vermögensbildung und der Kapitalvermehrung dienen darf?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum sollen Mieten vor allem Renditen finanzieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie könnten genauso gut den Unterhalt, die Sanierung und den Bau weiterer dauerhaft bezahlbarer Wohnungen finanzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genossenschaften zeigen seit Jahrzehnten, dass dies möglich ist. Auch kommunaler, gemeinnütziger oder anderer nicht renditeorientierter Wohnungsbau kann dazu beitragen, Boden und Wohnungen dauerhaft der Spekulation zu entziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je stärker die Wohnungskrise wird, desto weniger dürfen solche Modelle als Nischenlösung betrachtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht letztlich um eine einfache Frage: Soll Wohnraum in erster Linie den Menschen dienen, die darin leben oder jenen, die daran verdienen?</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Warum ich darüber schreibe</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich möchte dabei auch meine eigene Situation transparent machen. Meine Lebenspartnerin und ich mussten aus beruflichen Gründen unsere Wohnung in Berlin verlassen und nach Zürich ziehen. Wir fanden eine Wohnung in der Siedlung Im Walder/Niederhofenrain. Als wir den Mietvertrag unterschrieben, wussten wir, dass unser Mietverhältnis nur auf Zeit sein würde und Pläne für einen Abriss bestehen. Ich gehöre deshalb ausdrücklich nicht zu den langjährigen Mieterinnen und Mietern dieser Siedlung. Und trotzdem bewegt mich das, was dort geschieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Menschen, die teilweise seit vielen Jahren dort leben, sollen ihr Zuhause verlieren. Eine gewachsene Nachbarschaft wird auseinandergerissen. Häuser sollen verschwinden, obwohl sich mir nicht erschliesst, warum hier nur noch der Abriss als Lösung infrage kommen soll. Vielleicht macht gerade die Tatsache, dass ich erst seit kurzer Zeit dort wohne, manches besonders sichtbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Siedlung besteht eben nicht nur aus Mauern und Quadratmetern. Sie besteht aus Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Begegnungen im Treppenhaus. Aus Nachbarn, die sich gegenseitig helfen. Aus Kindern, die denselben Weg zur Schule gehen. Aus älteren Menschen, für die ihr Quartier ein wichtiger Teil ihres sozialen Lebens geworden ist. Wenn man eine solche Siedlung abreisst, verschwinden nicht nur Gebäude. Man zerstört auch etwas, das sich nicht einfach neu bauen lässt.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Der Autor wohnt in der Siedlung Im Walder/Niederhofenrain. Sie soll abgerissen werden. Dieser Artikel erschien zuerst auf <a href="https://www.pressenza.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">pressenza.com</a>.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>«Rindszunge, Trockenfleisch»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/rindszunge-trockenfleisch/</link>
					<pubDate>Sat, 19 Sep 2026 07:54:45 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-D57N5gr5q4oBcdZ0rjMtwK-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach D57N5gr5q4oBcdZ0rjMtwK" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-D57N5gr5q4oBcdZ0rjMtwK-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-D57N5gr5q4oBcdZ0rjMtwK-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-D57N5gr5q4oBcdZ0rjMtwK-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-D57N5gr5q4oBcdZ0rjMtwK-1536x920.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-D57N5gr5q4oBcdZ0rjMtwK.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Auf den Alpen leiden die Kühe unter der Trockenheit.]]></description>
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<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Aussichten auf den Bürgerkrieg</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/aussichten-auf-den-buergerkrieg/</link>
					<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 07:46:00 +0000</pubDate>

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<p class="wp-block-paragraph">Das rechtsextreme Pamphlet «Le Grand Remplacement», auf Deutsch erschienen 2016 im Verlag Antaios als «Der Grosse Austausch oder: Die Auflösung der Völker» mit einem Nachwort von Martin Sellner, beginnt mit einem Zitat von Bertolt Brecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Brecht will der französische Rechtsextremist und Schriftsteller Renaud Camus und Autor von «Der Grosse Austausch» offenbar unsere Gegenwart beschreiben: «Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brechts Satz stammt aus dem Gedicht «Die Lösung» von 1953, das den Arbeiteraufstand in der DDR zum Thema hatte. Camus reisst den Satz aus dem Kontext und wendet ihn auf die westlichen Demokratien an, die in seinen Augen den Austausch betreiben: Das angestammte Volk soll durch eine gezielte Einwanderungspolitik, gesteuert von globalistischen Eliten, ersetzt und ausgelöscht werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Man muss nur aus dem Fenster schauen»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">«Wenn man nun mit dem blossen Auge erkennen kann, dass ein Volk mit rasender Geschwindigkeit gegen ein anderes oder mehrere andere ausgetauscht wird, auf seinen Strassen, in seinen althergebrachten Wohnbezirken, in seinen Stadtzentren, in seinen U-Bahnen, in seinen Schulen, auf dem Fernsehschirm und in seinen ältesten Dörfern, handelt es sich dann wirklich noch um dasselbe Volk, auch wenn sein offizieller Name derselbe bleibt?», schreibt Camus. Es ist eine rhetorische Frage, denn die Antwort steht für ihn fest, und die Grundlagen für seine Feststellungen sind sein Gefühl. Camus sieht oder fühlt etwas, und damit ist die Sache im Grunde bewiesen. So funktioniert seine Empirie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Man muss nur aus dem Fenster schauen», schreibt er, «dort gab es einmal ein stabiles Volk, das dasselbe Gebiet seit fünfzehn oder zwanzig Jahrhunderten besiedelt hat. Und plötzlich, sehr rasch, in ein oder zwei Generationen, ist es durch ein anderes Volk oder mehrere andere Völker ersetzt worden. Es wurde ausgetauscht. Es ist nicht mehr es selbst.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Text handelt zuerst einmal von Schmerz und von Verlust und von Trauer und gar nicht so sehr von einer politischen Idee. Es geht um Gefühle und Empfindungen, die in einer sich rasant verändernden Welt immer anschlussfähiger werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Camus erkennt seine eigene Welt nicht wieder, die Städte, das Vertraute ist verschwunden, das Frankreich, das er in seiner Kindheit kannte und dass er in seiner Gegenwart nicht mehr findet, wobei «das eingeborene Volk», wie er schreibt, «seinesgleichen immer seltener sieht, in der U-Bahn, in Strassen, die einst wohlvertraut waren und nun fremd geworden sind».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Camus erklärt den Schmerz zum System, die Ursache liege in der Einwanderung. Das Wohnungsproblem und die politische Vertrauenskrise und die Verrohung der Städte und die Vergewaltigungen und die Gewalt in den Strassen, und dass niemand mehr Bücher liest und was von den grossen Nationen übrig blieb, all die Demütigungen und der Verfall des Bildungswesens und der Verfall der Strassen und der Viertel und des gesellschaftlichen Zusammenhalts und tausend Geschlechter – es gab ein ursprüngliches Frankreich, so Camus, und dann kam die «Masseneinwanderung», der Grund für all das, was wir in seinen Augen verloren haben und noch verlieren werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Mann der Pariser Avantgarde</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Renaud Camus, der spätere Chefideologe der Neuen Rechten, war ursprünglich kein grimmiger Nationalist vom Land, sondern ein verwöhntes Kind der Pariser Avantgarde: ein Homosexueller, der in der Pariser Bohème der Siebziger verkehrte, Schwulenrechte verteidigte, von Roland Barthes protegiert wurde und sich in den Kreisen von Andy Warhol und Marguerite Duras bewegte. Sein Debütroman hiess «Tricks». Barthes schrieb das Vorwort. Akkes deutete darauf hin, dass er ein angenehm unauffälliges Leben als Pariser Intellektueller führen würde. Stattdessen entschied er sich, die rote Pille zu schlucken, wie er dem «New Yorker» 2017 <a href="https://www.newyorker.com/magazine/2017/12/04/the-french-origins-of-you-will-not-replace-us" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erzählte</a> und wurde Cheftheoretiker der «Neuen Rechten».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Auftrag der französischen Regierung schrieb Camus Ende der Neunziger Reisebücher über die Regionen des Landes. Die Banlieues, die waren ihm bekannt, die schwarzen und arabischen Vorstädte, die vertraute Kulisse der französischen Abendnachrichten und seit Jahrzehnten Projektionsfläche der französischen Rechten um den alten Jean-Marie Le Pen. Aber dann führte ihn die Arbeit ins südfranzösische Hérault, in die mittelalterlichen Dörfer, und dort, so Camus im «New Yorker», sei er zu einem sechs, sieben Jahrhunderte alten Brunnen gekommen, «und da waren all diese nordafrikanischen Frauen mit Schleiern».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Rechte als Opfer, immer und überall</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die deutsche Ausgabe mit Bertolt Brecht beginnt, startet das französische Original mit Franz Fanon, dem antikolonialen Psychiater von der Insel Martinique, der im Algerienkrieg aufseiten der Algerier stand. Und damit erschliesst sich, wie Camus arbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Fanon klaut er einen Satz, mit dem dieser die Logik der Kolonialmächte beschrieb, jener Welt, der Camus nachtrauert: «Die Versklavung der einheimischen Bevölkerung im strengsten Sinne des Wortes ist die erste Notwendigkeit. Um dies zu erreichen, müssen wir ihre Referenzsysteme zerstören; Enteignung, Vertreibung, Raub, zielgerichteter Mord gehen einher mit der Plünderung kultureller Rahmen. Das soziale Panorama wird destrukturiert, Werte werden verachtet, zertreten, entleert.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Camus verwendet Fanon im «Grossen Austausch» als Deutung des postkolonialen Zeitalters, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen. Franz Fanon meinte die Gräueltaten der Kolonialisten im Kongo oder in Algerien, Camus hingegen meint die Einwanderer in Paris, die überfüllte Metro. Die Nachkommen der Kolonisierten werden zu Kolonialisten. Und Camus sieht sich in diesem Vorgang als Opfer, und das ist eine Erzählung, die in der Neuen Rechten allgegenwärtig wird. Ein Beispiel dafür liefert das im Sommer erschienene Interview mit AfD-Politiker Björn Höcke in der «Weltwoche».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chefredaktor Roger Köppel stellt Höckes Opfer-Erzählung einen Adenauer-Konservativismus entgegen, die Bonner Republik, mit der Bürde gegründet, dass sich die selbstverschuldete deutsche Katastrophe des Zweiten Weltkriegs nie wiederholen dürfe. Aber Höcke <a href="https://www.youtube.com/watch?v=73r12YbUTLk" target="_blank" rel="noreferrer noopener">will davon nichts wissen</a>, Deutschland ist bei ihm immer Opfer – überrollt und verhungert im Dreissigjährigen Krieg, über den Tisch gezogen in Versailles, ausgeplündert von den Sowjets, das DDR-Volksvermögen abgezwackt, an die Kette gelegt in Maastricht, fremdbestimmt von einer Elite, die das eigene Land hasst, verkauft an Black Rock, in die Luft gesprengt in der Nordsee, hineingetrieben in einen Krieg, den man nicht wollte, und, wie Höcke bei Köppel den Vordenker der Neuen Rechten Armin Mohler zitiert, «am Nasenring durch die Manege geführt».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so liest sich auch Camus: Er ist Opfer, immer und überall. Er enteignet Brecht und Fanon, und damit legt er seine Methode offen: Er löst Begriffe aus ihrer Geschichte, verkehrt ihre politische Bedeutung und fügt sie ein in seine eigene Bedrohungserzählung. Und nirgendwo zeigt sich diese Methode bei Camus so deutlich wie in seinem Umgang mit dem Schriftsteller Michel Houellebecq. Armer, versoffener, reaktionärer, wunderbarer Houellebecq – auch das noch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Fiktion als Fundament</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleich zu Beginn des Textes behauptet Camus, die Linke habe die ursprüngliche Arbeiterschaft verraten und sich den Einwanderern zugewandt, diese mit Rechten und Privilegien ausgestattet, um sich auf Kosten der «angestammten Bevölkerung» die Macht zu sichern, bis diese Einwanderer, die anfangs noch als Bittsteller gekommen seien, «der unerbittlichen Logik des Grossen Austauschs gemäss, zahlreich und stark genug sein werden, um die linke Schützenhilfe hinter sich zu lassen, und die Führung des Landes, als Ganzes oder zu erheblichen Teilen, selbst in die Hand zu nehmen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Fremde ist bei Renaud Camus keine Summe von Menschen mit ihren eigenen Ängsten und Träumen und Familien, es ist immer ein einheitlicher Block. Der Islam erscheint in diesem Kampf der europäischen Zivilisation gegen ein multikulturelles «globales Dorf» nicht als Religion, sondern als ein monolithischer Feind mit einem Plan zur Eroberung. Und dabei arbeitet Camus mit Fussnoten. Und als Beleg für seine These, dass in Frankreich die Bevölkerung ausgetauscht wird, führt Camus in einer Fussnote Michel Houellebecqs Roman «Unterwerfung» an – einen Roman über einen islamischen Politiker, der durch geschickte Parteienbündnisse und taktische Allianzen mit der Linken schliesslich Frankreichs Präsident wird. Eine Fiktion, die Camus die Bestätigung für sein Manifest liefert, in dem er einzig das sieht, was er sehen will.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Juden werden uns nicht ersetzen»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Renaud Camus lebt auf einem Schloss aus dem 13. Jahrhundert in einem südfranzösischen Dorf namens Plieux mit 159 Einwohnern, und dort gibt es weit und breit gar nichts, aber je länger der Text, desto enger wird der Raum, bald herrscht immer Krieg, in seinem Kopf, in den Strassen, der Bürgerkrieg wird bei ihm unausweichlich und kommt bedrohlich immer näher. Camus beschreibt Migration als «Eroberung» und nicht als demographische Entwicklung. Er beschreibt sie als «Gegen-Kolonisation», als «Scharmützel eines kolonialen Eroberungs- und Territorialkrieges». «Lassen Sie sich nicht täuschen», schreibt er über eine Gruppe gewalttätiger Migranten, «diese Schläger sind nichts anderes als Soldaten, und ihr Verhalten dient der territorialen Besitzergreifung.» Und irgendwann beginnt dieser Text zu reisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tucker Carlson beginnt den Begriff des «Grossen Austauschs» zu verwenden, Viktor Orbán, die AfD. Und während Marine Le Pen den Begriff noch als «verschwörungstheoretisch» abtut, sagt ihre Nichte Marion Maréchal 2019 <a href="https://marionmarechal.info/articles/discours/discours-de-la-convention-de-la-droite/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">über die Zukunft Frankreichs</a>: «Die erste grosse Herausforderung, die entscheidende, ist der Grosse Austausch. Dieser demografische Countdown lässt uns bereits erahnen, dass wir im Land unserer Vorfahren zur Minderheit werden könnten – mit der Folge einer zunehmenden Verwilderung einer multikulturellen Gesellschaft, die von Spaltung und Gewalt geprägt ist.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 2017, an jenem Wochenende, an dem die rechtsextreme «Unite the Right»-Kundgebung in Charlottesville eskaliert und eine Gegendemonstrantin getötet wird, skandieren rechtsextreme Fackelträger am Vorabend der Demonstration «You will not replace us», englisch für «Ihr werdet uns nicht ersetzen», gefolgt von «Jews will not replace us», «Juden werden uns nicht ersetzen», und dann rufen sie «Blut und Boden». All das kann man in der beeindruckenden und preisgekrönten «Vice»-Dokumentation «Race and Terror» von Elle Reeve sehen, die Reporterin war an jenem Wochenende immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was tut Camus, der Mann, der sagt, dass er Gewalt ablehne, jetzt wo seine Idee der Ersetzungsmigration über den Atlantik gewandert und zum Kampfbegriff von US-Neonazis geworden ist? Er veröffentlicht umgehend eine englische Übersetzung und nennt sie «You Will Not Replace Us». </p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Charlottesville: Race and Terror – VICE News Tonight on HBO" width="800" height="450" src="https://www.youtube.com/embed/RIrcB1sAN8I?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Die Spur der Toten von Christchurch bis Buffalo</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Jahre später ermordete in Christchurch ein Attentäter 51 Menschen in zwei Moscheen. Sein Manifest trägt den Titel «Der Grosse Austausch». Fünf Monate später erschiesst ein Rechtsextremist in einem Walmart in El Paso 23 Menschen. In seinem Manifest spricht er von einer «hispanischen Invasion» und vom «kulturellen und ethnischen Austausch». 2022 verfasst ein Rechtsextremer ein Manifest mit demselben Titel und erschiesst in einem Supermarkt in Buffalo zehn Schwarze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Krieg ist Gewalt gegen feindliche Kämpfer legitim, und diesen Krieg beschwört Camus, bei dem Menschen mit Migrationsgeschichte zu Soldaten in einem Krieg werden. Kinder werden Träger von Ethnizität wie eine Krankheit, zu «Vektoren der ethnischen Substitution und des Grossen Austauschs». Die Menschen haben den freien Willen aufgegeben und sind Überträger geworden. Entschieden haben längst die globalen Eliten, im Namen eines entfesselten Superkapitalismus, irgendwo, in einem geheimen Raum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Der grosse Austausch unseres Volkes ist nur eine, wenn auch besonders spektakuläre und – in unseren Augen, nicht in ihren – katastrophale Folge der Ideologie der universalen Austauschbarkeit aller Dinge, die ihrem Denken fundamental zugrunde liegt», schreibt Camus. Mit «Ihr» meint er die «Davos-Klasse», die Politik, die Medien: «Der austauschbare Mensch, eine entwurzelte Spielfigur, der man alle Ecken und Kanten ihrer nationalen, ethnischen und kulturellen Zugehörigkeit abgeschliffen hat, von Geburt an entortet, daher nach Belieben versetzbar, ein solcher Typ Mensch ist in den Augen der überbezahlten Geschäftsführer ein unverzichtbares Basismodul in der Maschinerie der planetaren Geld- und Güterströme.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Es darf keine Gleichheit geben»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus einer kulturpessimistischen Klage wird schliesslich dann doch ein politisches Programm gegen eine «erneute Kolonisierung». Camus zählt Forderungen auf, um dem «Pendelschlag Einhalt zu gebieten»: Abschaffung des «verhängnisvollen Geburtsortprinzips». Streichung aller Sozialleistungen als «Anreiz». Ausweisung verurteilter Ausländer nach Haftverbüssung. «Hoffen wir, dass dieser neue Unabhängigkeitskrieg primär mit den Mitteln des Gesetzes und durch die Revision von Gesetzen geführt werden kann (…) und nicht mit Blut und Tränen», schreibt Camus. Doch schon im nächsten Satz liefert er Aussichten auf den Bürgerkrieg, wenn er Millionen Menschen die Rechtsgleichheit entziehen will: «Es kann und darf keine Gleichheit geben zwischen dem französischen Heimatboden, zwischen dem, was schon seit jeher französisch ist, was Frankreich geschaffen hat, was ihm Liebe und Ruhm eingebracht hat, und dem, was anderen Kulturen, Zivilisationen und Traditionen zugehörig ist.» Camus fordert die Aberkennung der Staatsbürgerschaft für jene, die «ihre französische Nationalität durch Taten oder Worte verneinen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwo in der Mitte dieses vom Identitären Martin Sellner mit einem Nachwort versehenen Büchleins fordert Camus, dass die Anderen nicht nur hier keinen Platz mehr haben sollen, sondern eigentlich nirgendwo: «Es geht nicht darum, dass die Europäer mehr Kinder zeugen müssen. Es geht darum, die Nichteuropäer daran zu hindern, in Europa Kinder zu zeugen». Und: «Stattdessen muss man diese Völker anhalten, umzukehren und fortan auch in ihren Heimatländern die Fortpflanzung radikal zu beschränken».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens an dieser Stelle offenbart sich die Brutalität seines politischen Programms, dem er Bertolt Brecht voranstellt. Wie das praktisch durchgesetzt werden soll, schreibt Camus nicht. Wer aber verlangt, Völker an der Fortpflanzung zu hindern, sollte wenigstens den Mut besitzen zu erklären, wie er das erreichen will. Polizei? Lager? Operationssäle?</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong><strong>«Sommer, Sonne, Remigration» – die Serie. Heute: Die Kernbegriffe der Neuen Rechten</strong></strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Serie erzählt von der rechtsextremen Szene in der Schweiz und ihren Akteuren, von den Achtzigerjahren bis heute. Das erste Kapitel, <a href="https://www.infosperber.ch/dossier/sommer-sonne-remigration/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Der Winterthurer Anschlag»</a>, führte zurück zu den Recherchen des Journalisten Jürg Frischknecht und in drei Folgen bis zu einem Bombenanschlag auf einen Journalisten in Winterthur im Jahr 1992.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im zweiten Kapitel, «Die Ideologen», geht es um die Gegenwart und ihre Begriffe. Im ersten Teil haben wir Martin Sellners Konzept der Remigration <a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/remigration-was-martin-sellner-wirklich-will/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">untersucht</a>, in diesem Teil geht es um Renaud Camus und den Grossen Austausch. Dahinter liegt ein dritter Begriff: der Ethnopluralismus des französischen Vordenkers Alain de Benoist. Es sind Begriffe und Ideen, ohne die sich die Identitäre Bewegung und Gruppen wie die Junge Tat nur schwer verstehen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der französische Philosoph Pierre-André Taguieff analysierte diese Konstruktion bereits in seinem Standardwerk «La Force du préjugé»; der Politikwissenschaftler Cas Mudde bezeichnet den Ethnopluralismus als ein zentrales ideologisches Merkmal der europäischen extremen Rechten nach 1945. Im «Manifest für eine europäische Renaissance» von 1999 klingt de Benoists Vorstellung zunächst geradezu weltoffen: «Der wahre Reichtum der Welt ist in erster Linie die Vielfalt ihrer Kulturen und Völker.» Der entscheidende Punkt ist, wie diese Vielfalt erhalten werden soll: durch Trennung. Jedes Volk soll in seinem angestammten Raum leben. Migration und ethnisch gemischte Gesellschaften erscheinen in dieser Logik nicht als Ausdruck von Vielfalt, sondern als deren Bedrohung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit bilden Ethnopluralismus, Grosser Austausch und Remigration ein ideologisches Dreieck: De Benoists Ethnopluralismus entwirft die ethnisch sortierte Welt. Camus beschreibt mit dem Grossen Austausch ihre Bedrohung durch die angebliche Verdrängung des angestammten Volkes infolge von Masseneinwanderung. Sellners Remigration schliesslich soll die verlorene Ordnung wiederherstellen. Ausgrenzung kommt so als Kulturpflege daher, Remigration als Wiederherstellung einer vermeintlich natürlichen Ordnung. Die Sprache hat sich verfeinert, die Konsequenz nicht.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><strong>Kapitel 1: Der Winterthurer Anschlag</strong></li><li>Teil 1:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/galt-die-bombe-auch-der-woz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Galt die Bombe auch der WoZ»</a>, Infosperber vom 21.&nbsp;August 2026</li><li>Teil 2,&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-neonazi-der-eigentlich-journalist-war/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Neonazi, der eigentlich Journalist war</a>, Infosperber vom 28.&nbsp;August 2026</li><li>Teil 3, <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-denkzettel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Denkzettel</a>, Infosperber vom 4.&nbsp;September 2026</li><li><strong>Kapitel 2: Die Ideologen</strong></li><li>Teil 1: <a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/remigration-was-martin-sellner-wirklich-will/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Remigration: Was Martin Sellner wirklich will</a>, Infosperber vom 11. September 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«80 Prozent sind kriminell!»: Das Problem gibts – aber nicht so</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/80-prozent-sind-kriminell-das-problem-gibts-aber-nicht-so/</link>
					<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 07:31:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=725697</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="179" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-bli_20260820_0_0_a1-1-300x179.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach bli_20260820_0_0_a1-1" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-bli_20260820_0_0_a1-1-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-bli_20260820_0_0_a1-1-1024x612.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-bli_20260820_0_0_a1-1-768x459.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-bli_20260820_0_0_a1-1-1536x918.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-bli_20260820_0_0_a1-1-2048x1225.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die «Blick»-Schlagzeile über Asylbewerber aus dem Maghreb schlug ein. Aber mit der Genauigkeit haperte es. Nicht nur beim «Blick».]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">«80 Prozent sind kriminell!», stand am 20. August gross auf der Titelseite des «Blicks». Zahlen des Staatssekretariats für Migration würden zeigen, dass «rund 80 Prozent der Asylsuchenden aus Nordafrika während ihres Aufenthalts in der Schweiz straffällig» würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im <a href="https://www.blick.ch/politik/blick-zeigt-exklusive-zahlen-80-prozent-der-nordafrikaner-sind-kriminell-id22194802.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zeitungsinnern</a> klang es dann ein bisschen anders. Die Asylbewerber aus dem Maghreb würden «einer oder mehrerer Straftaten beschuldigt». Und plötzlich sogar: «Dabei ist anzumerken, dass dies nicht heisst, dass diese Personen auch verurteilt wurden.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, was nun? Kriminell? Straffällig? Oder nur beschuldigt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Radio SRF war der Fall – trotz zusätzlicher fünf Tage Recherchierzeit – klar. Im «<a href="https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/syrien-ohne-sanktionen-folgt-nun-der-wirtschaftliche-aufschwung?id=AUDI20260825_RS_0102" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Echo der Zeit</a>» (ab 23:25) hiess es: «Für Schlagzeilen sorgen kriminelle Asylsuchende aus Nordafrika. Kürzlich berichtete der ‹Blick› als erstes über unveröffentlichte Zahlen. Die meisten jungen Maghrebiner müssten die Schweiz verlassen, doch werden über 80 Prozent von ihnen straffällig und tauchten unter.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurückhaltender war die «Weltwoche». Sie schrieb: «80 Prozent der Asylsuchenden aus Nordafrika sind mutmasslich kriminell.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tamedia-Zeitungen hingegen hielten fest: «2024 wurden 80,5 Prozent während des Asylverfahrens oder nach einem negativen Entscheid einer oder mehrerer Straftaten beschuldigt – also nicht rechtskräftig verurteilt.» Was dann auch wieder falsch war. Denn ein Teil der Beschuldigten wurde natürlich auch verurteilt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/newsletter/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="48" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gold.png" alt="Newsletter Balken gold" class="wp-image-590039" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gold.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gold-300x19.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Infosperber fragte beim Staatssekretariat für Migration, was denn nun Sache ist. Dabei zeigte sich, dass es in seiner <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bezuege-zwischen-Kriminalitaet-und-Migration-1.docx" target="_blank" rel="noreferrer noopener">internen Auswertung</a> gar nicht untersucht hatte, wie viele maghrebinische Asylbewerber straffällig werden. Das Staatssekretariat hatte vielmehr untersucht, wie viele beschuldigt werden, gegen die Bestimmungen des Strafgesetzbuchs verstossen zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Begründung: «Die Kategorie der Anzahl Beschuldigter ist aussagekräftiger zur Beschreibung der Lage als jene der Anzahl Verurteilungen, da eine relativ kleine Gruppe transitierender Migranten oftmals eine Vielzahl von Vergehen begehen, aber unkontrolliert weiterreisen, ohne rechtskräftig verurteilt zu werden.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Durcheinander hat das Staatssekretariat für Migration aber selber verursacht. Denn in der internen Auswertung steht dieser Satz: «Nur ein Fünftel dieser Personengruppe fiel während ihres Aufenthalts in der Schweiz nicht straffällig auf.» Das hiesse dann im Umkehrschluss: 80 Prozent werden straffällig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen Satz hat der «Blick» in seinem Artikel korrekt zitiert. Und daraus die eigentlich passende Schlagzeile gezimmert: «80 Prozent sind kriminell!» </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber eben: Im achtseitigen Papier ging es nicht um kriminelle Asylbewerber, sondern um beschuldigte. Deshalb intervenierte das Staatssekretariat für Migration beim «Blick». Online lautet der Titel nun korrekt: «80 Prozent der Maghreb-Asylsuchenden in Strafverfahren verwickelt!»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch so ist die Schlagzeile erschreckend genug.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/25bf03d9638f45018fb31f68298caf54" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Deutschland verstärkt Rüstungskooperation mit Grossbritannien</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/deutschland-verstaerkt-ruestungskooperation-mit-grossbritannien/</link>
					<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=727101</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="198" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-14-um-12.36.37-300x198.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Deutsch-britische Waffenproduktion" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-14-um-12.36.37-300x198.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-14-um-12.36.37-768x508.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-14-um-12.36.37.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das Ziel: Hyperschallraketen, weitreichende Präzisionswaffen, Unterwasserdrohnen, vielleicht sogar Mitsprache bei UK-Atomwaffen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">In Berlin werden Überlegungen angestellt, mit den Nuklearstreitkräften Grossbritanniens zu kooperieren. Das berichtet die Tageszeitung «<a href="https://www.telegraph.co.uk/business/2026/08/20/mod-fully-british-defence-drive-using-foreign-parts/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Telegraph</a>». Dies könnte Deutschland Einfluss auf, vielleicht gar Mitsprache über den Einsatz von Atomwaffen verschaffen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im ersten Schritt ist im Gespräch, die Nuklearstreitkräfte des Vereinigten Königreichs nichtnuklear zu unterstützen – etwa durch die Entsendung von Patriot-Luftabwehrbatterien an die schottische U-Boot-Basis Faslane, wo nuklear bewaffnete Atom-U-Boote stationiert sind. Darüber hinaus könne man auf lange Sicht die US-Elemente der britischen Nuklearstreitkräfte – beispielsweise die Trident-Raketen – durch deutsch-britische Waffensysteme ersetzen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grundlage der Überlegungen ist der Ausbau der deutsch-britischen Rüstungskooperation, der – vor allem seit dem vergangenen Jahr beschleunigt – umfassende Investitionen deutscher Waffenschmieden im Vereinigten Königreich umfasst, von Rheinmetall bis zu Helsing. In Rüstungskreisen ist schon von einem «goldenen Zeitalter» der deutsch-britischen Zusammenarbeit in der Herstellung von Waffensystemen aller Art die Rede – von Panzern bis zu KI-gesteuerten Drohnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Boomende Rüstungskooperation</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grundlagen für den gegenwärtigen Boom der deutsch-britischen Rüstungskooperation wurden bereits bald nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU am 31. Januar 2020 gelegt. Nach entsprechenden Vorarbeiten unterzeichneten zunächst die Aussenminister beider Länder am 30. Juni 2021 eine Gemeinsame Absichtserklärung über die deutsch-britische aussenpolitische Zusammenarbeit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf eine Übereinkunft von Bundeskanzler Olaf Scholz und Premierminister Rishi Sunak vom 24. April 2024, die unter anderem eine Intensivierung der Rüstungs- und Militärkooperation vorsah, sowie eine Erklärung der Verteidigungsminister beider Länder vom 24. Juli 2024, die ebenfalls eine deutlich stärkere Rüstungszusammenarbeit in den Blick nahm, folgte am 23. Oktober 2024 der Abschluss des Trinity House Agreement, das erste «konkrete Schlüsselprojekte für den gemeinsamen Fähigkeitsaufbau in allen Dimensionen» auflistete.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Abschluss der Serie bilateraler Übereinkünfte bildete der Kensington-Vertrag über Freundschaft und bilaterale Zusammenarbeit vom 17. Juli 2025, der eine breite Palette an Zielen zur Kooperation etwa in Wirtschaft, Forschung und Bildung umfasste; dabei bezog auch er sich nicht zuletzt auf die Aussen- und Militärpolitik [1].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Deutsche Investitionen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ausbau der Rüstungskooperation besteht zur Zeit vor allem in Investitionen deutscher Waffenschmieden im Vereinigten Königreich, die seit dem vergangenen Jahr gewaltig Fahrt aufnehmen. Rheinmetall etwa stellt in Grossbritannien Schützenpanzer vom Typ Boxer her und hat in Telford eine «UK Gun Hall» eröffnet, in der Artilleriesysteme sowie Panzerrohre gefertigt werden [2].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch deutsche Drohnen-Startups errichten im Vereinigten Königreich Fabriken. So produziert Stark Defence in einem neuen Werk in Swindon Drohnen aller Art, darunter etwa solche, die sich in bis zu 100 Kilometern Entfernung auf feindliche Panzer stürzen, um sie zu zerstören. Das sei billiger als herkömmliche Raketen, heisst es dazu [3].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Grossbritannien hat mittlerweile auch Helsing zu investieren begonnen, Europas mit einer Bewertung von 18 Milliarden Euro zur Zeit wertvollstes Rüstungs-Startup. Helsing stellt in Plymouth Unterwasserdrohnen her, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) gesteuert werden und in der Lage sind, feindliche U-Boote aufzuspüren. Berichten zufolge ist nicht zuletzt geplant, sie in grosser Zahl einzusetzen, um so eine Art Unterwasser-Abwehrkette zu errichten. Auf diese Weise soll es möglich sein, Gewässer gegen das Eindringen feindlicher U-Boote und Schiffe zu schützen [4].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Deep Precision Strike (DPS)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den bislang bedeutendsten deutsch-britischen Rüstungsprojekten zählen Vorhaben zur Entwicklung und Produktion weitreichender Präzisionswaffen (Deep Precision Strike, DPS), mit denen es möglich sein soll, Ziele weit im Hinterland eines Feindes zu treffen. Aktuell geht es insbesondere um die Vorbereitung auf den Beschuss von Zielen tief in Russland. Deutschland und Grossbritannien haben in Umsetzung von Bestimmungen des Trinity House Agreement begonnen, verschiedene Raketen zu entwickeln – darunter Hyperschallraketen –, die eine Reichweite von mehr als 2000 Kilometern haben. Sie sollen um das Jahr 2034 herum einsatzbereit sein [5].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen inzwischen weitere Programme. London hat am Rande des Nato-Gipfels in Ankara eine neue Initiative gestartet, an der insgesamt zwölf Nato-Staaten teilnehmen, darunter die Bundesrepublik. Ziel ist es ebenfalls, weitreichende Präzisionswaffen zu bauen; die Rede ist von einem Marschflugkörper und einer weiteren Hyperschallrakete. Experten gehen davon aus, dass Deutschland auch im Rahmen dieses Programms eine herausragende Bedeutung einnehmen soll [6]. Auch in diesem Fall wird mit einer Einsatzbereitschaft in den frühen 2030er Jahren gerechnet. Dann werde man von weitreichenden US-Waffen unabhängig sein, heisst es.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nichtnukleare Beteiligung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die britische Tageszeitung «<a href="https://www.telegraph.co.uk/world-news/2026/08/26/germany-talks-help-fund-britains-trident-nuclear-deterrent/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Telegraph</a>» berichtete, die sich mittlerweile im Besitz des mächtigen deutschen Springer-Konzerns («Bild», «Die Welt», «Politico») befindet, werden gegenwärtig in Berlin Überlegungen angestellt, die immer engere bilaterale Rüstungskooperation um eine Zusammenarbeit bei Atomwaffen zu erweitern. Konkret ist demnach im Gespräch, in der einen oder anderen Form einen Beitrag zu den britischen Nuklearstreitkräften zu leisten. Dieser könne etwa darin bestehen, Einheiten der Bundeswehr mit Flugabwehrbatterien vom Typ Patriot an die U-Boot-Basis im schottischen Faslane zu entsenden. Dort sind die mit nuklear bestückbaren Trident-Raketen ausgestatteten britischen U-Boote stationiert [7].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Plan, Grossbritanniens Nuklearstreitkräfte konventionell zu unterstützen, entspricht im Grossen und Ganzen dem inzwischen in Gang gesetzten Vorhaben, den Nuklearstreitkräften Frankreichs mit Truppen der Bundeswehr nichtnuklear <a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10485" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zur Seite zu stehen</a> [8]. Offiziell heisst es zur Begründung, man wolle die europäischen Nuklearstreitkräfte stärken, um im Fall einer weiteren Eskalation des Konflikts mit den Vereinigten Staaten auch eigenständig handlungsfähig zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nukleare Mitsprache</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei gehen die deutschen Pläne bezüglich der britischen Nuklearstreitkräfte darüber hinaus. Diese sind bislang abhängig von den USA: Dort werden die Trident-Raketen hergestellt und gewartet; zudem wird der neue britische Sprengkopf namens Astraea gemeinsam mit dem US-amerikanischen W93-Sprengkopfprogramm entwickelt [9]. Das löse Sorgen in Berlin aus, berichtet «The Telegraph». Schliesslich könne man sich so nicht aus der Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten lösen. In der deutschen Hauptstadt werde deshalb darüber nachgedacht, finanziell zum britischen Nuklearprogramm beizutragen – und damit neue Waffensysteme zu finanzieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wird darauf hingewiesen, dass die deutsche Werft TKMS U-Boote für Israel gebaut hat, die mit Nuklearwaffen ausgestattet werden können [10]. Darüber hinaus heisst es, Deutschland und Grossbritannien seien ohnehin schon dabei, gemeinsam Raketen mit grosser Reichweite zu entwickeln, darunter Hyperschallraketen. Dies legt nahe, perspektivisch auch atomar bestückbare Raketen zu produzieren, um nicht mehr auf die US-amerikanischen Trident-Raketen angewiesen zu sein. Aus Sicht der Bundesregierung hätte der Vorstoss nicht zuletzt den Vorteil, dass er der Bundesrepublik direkten Einfluss und damit auch Mitsprache über Nuklearstreitkräfte und ihren Einsatz böte. Das ist bei der Nuklearkooperation mit Frankreich nicht der Fall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">[1] S. dazu&nbsp;<a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10069" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Europas Mächtedreieck</a>.<br>[2] Matt Oliver: The foreign suppliers propping up a ‘Made in Britain’ defence boom. telegraph.co.uk 20.08.2026.<br>[3] George Allison: STARK debuts Cascade and Gambit drones with UK partner. ukdefencejournal.org.uk 08.06.2026.<br>[4] Ingrid Lunden: Helsing opens its first UK ‘Resilience Factory’ to build maritime tech. reliencemedia.co 19.11.2025.<br>[5] Carolina Drüten, James Rothwell, Hans van Leeuwen: „Goldenes Zeitalter“ – Bei der Verteidigung setzen die Briten nun auf Deutschland. welt.de 21.07.2026.<br>[6] $50bn boost for European deep precision strike capabilities as UK leads new initiative. gov.uk 08.07.2026.<br>[7] Joe Barnes, James Rothwell, James Crisp: Germany in talks to help fund Trident. telegraph.co.uk 26.08.2026.<br>[8] S. dazu&nbsp;<a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10485" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Im Zeitalter der Atomwaffen</a>.<br>[9] Joe Barnes, James Rothwell, James Crisp: Germany in talks to help fund Trident. telegraph.co.uk 26.08.2026.<br>[10] S. dazu&nbsp;<a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9696" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Im nationalen Interesse Deutschlands (II)</a>.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/die-alte-frage-ob-deutschland-atomwaffen-braucht/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die «alte Frage», ob Deutschland Atomwaffen braucht</a>, Infosperber vom 28. Juli 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Online-Plattform «<a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10514" target="_blank" rel="noreferrer noopener">german-foreign-policy.com</a>». Diese «Informationen zur Deutschen Aussenpolitik» werden von einer Gruppe unabhängiger Publizisten und Wissenschaftler zusammengestellt, die das Wiedererstarken deutscher Grossmachtbestrebungen auf wirtschaftlichem, politischem und militärischem Gebiet kontinuierlich beobachten. Titel und Vorspann von der Redaktion.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>kontertext: Das Übersetzen, die KI und das Fremde</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/kuenstliche-intelligenz/kontertext-das-uebersetzen-die-ki-und-das-fremde/</link>
					<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 07:29:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=728117</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="150" height="150" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2020/12/Portrait_Felix_Schneider-e1608115960805.png"/></p>Wenn die sogenannte KI das Übersetzen «erledigt» …]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Der Übersetzer und Essayist Marc Ulrich hat&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kultur/kontertext-das-uebersetzen-die-ki-und-der-kaffee/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">im Infosperber</a>&nbsp;einen wohltuend ruhigen und dennoch kritischen Blick auf die Kunst des Übersetzens im Zeitalter der sogenannten KI geworfen. Er zählt diese zu den unzähligen Kräften, die Sprache ständig beeinflussen, formen und verändern, spricht aber auch von der Gefahr, dass das Übersetzen selbst verschwinden könnte. Automatisierung sei gerade dabei, «das menschliche, das heisst von Frauen und Männern betriebene Übersetzen» zu ersetzen. Das bringt ihn zu der Frage, was denn verschwinde, wenn das Übersetzen von Maschinen übernommen wird.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es verschwinde, so antwortet er, die Auseinandersetzung mit dem Eigenen und dem Fremden. «Die Übersetzungsgeste setzt eine Gegenüberstellung voraus, die Spuren hinterlässt. Anders gesagt: Eine gute Übersetzung weist etwas Fremdes auf.» Ausdrücklich bezieht sich Ulrich auf Übersetzungen von Proust, die etwas Französisches ins Deutsche brächten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine schöne Theorie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Übersetzung etwas von der Quellsprache enthalten muss, ist eine schöne alte Idee, die sich aber praktisch schwer umsetzen lässt. Davon kann&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Ritte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jürgen Ritte</a>&nbsp;ein Lied singen, denn er ist einerseits als emeritierter Professor der Sorbonne für die Theorie zuständig und gleichzeitig hat er eine halbe Bibliothek französischer Texte ins Deutsche gebracht. Obendrein ist er renommierter Proust-Kenner. Fragen wir also ihn.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Eine Übersetzungstheorie ist immer auch politisch», sagt Ritte. In der Renaissance übersetzten die Franzosen aus dem Italienischen, um ihre Sprache zu modernisieren und zu humanisieren. Durch Übersetzung aus dem Französischen und Italienischen wurde im Barock versucht, aus dem Deutschen eine Literatursprache zu machen. Der Philosoph Schleiermacher und der Homer-Übersetzer Johann Heinrich Voss wollten eine Art griechisches Deutsch entwickeln. Politisch ist daran, dass sich diese Deutschen in der napoleonischen Zeit als Griechen verstanden: als Kulturvolk, das den kriegerischen Römern, beziehungsweise ihren Nachfolgern, den Franzosen, zwar militärisch unterlegen, aber geistig überlegen sei.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wertschätzende Sensibilität für das Andere und das Fremde ist heute bekanntlich ein grosses Thema. Nicht zufällig betont auch Marc Ulrich, die Übersetzungssprache sei mit der Sprache des Dichters, des Kindes, des Ausländers und des Verrückten verwandt, mit Menschen also, die «in sich das Versprechen einer anderen Sprache» tragen und «die Grenzen der Normalität» «verwischen».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und die Praxis?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, doch, es gibt die Integration des Fremden bei Übersetzungen schon, aber nur in sehr begrenztem Ausmass. Jürgen Ritte erklärt es anhand eines Beispiels. Vor wenigen Jahrzehnten hätte man Ortsnamen noch übersetzt und geschrieben: Er ging in Paris über die Neue Brücke zum Lyoner Bahnhof.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun hört man zwar im «Zug mit grosser Geschwindigkeit» aus Lautsprecherdurchsagen bis heute vom «Lyoner Bahnhof» reden. Im Allgemeinen aber und im Bereich der Literatur sowieso übersetzte man wenige Jahre später obigen Satz schon so: Er ging über die Pont Neuf zum Gare de Lyon.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch das würde heute wahrscheinlich niemand mehr so übersetzen. Man würde Eigennamen&nbsp;und&nbsp;Genus mit ins Deutsche nehmen: Er ging über den Pont Neuf zur Gare de Lyon. Und auf Speisekarten würde fast niemand den Begriff Salade niçoise eindeutschen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vieles, vor allem die Eigennamen, bleibt also in der Originalsprache – jedenfalls wenn‘s ums Französische geht. Würden wir ebenso verfahren, wenn die Originalsprache Italienisch oder Spanisch wäre? Wir wären wahrscheinlich zurückhaltender. Viele tschechische Namen würden die Lesbarkeit des Textes beeinträchtigen. Und erst, wenn es um kyrillische Buchstaben oder chinesische Zeichen geht …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ritte sagt: Im Wesentlichen kann nur die «allgemein akzeptierte Fremdheit» in eine Übersetzung integriert werden. Dabei muss man offen zugeben, dass Lesbarkeit auch vom Markt verlangt wird, wo Übersetzungen es ohnehin schwer haben. Natürlich verändert sich ständig, was allgemein akzeptierte Fremdheit ist. Tourismus, politische Entwicklungen, Medien beeinflussen das ebenso wie die Textsorte selbst: Unterhaltungsliteratur und Kinderliteratur vertragen wahrscheinlich weniger Fremdes als hochliterarische Texte. Unsere Alltagssprache ist heute dicht mit Importiertem durchsetzt: Die Jugend spricht von «creepy», bildungsbürgerlich erscheint der «acte gratuit» und wir zücken, zumindest in der Schweiz, unser Portemonnaie oder unser Portefeuille. In Deutschland ist es schon eher die Brieftasche. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Grundsätzlich gilt: die Integration von Fremdem in übersetzte Texte hat enge Grenzen. Und wo sie überschritten wurden, wie in bestimmten Proust-Übersetzungen, auf die Marc Ulrich anspielt, da werde der Geist des Originals verfehlt. Statt dass der Satz wie bei Proust fliesse, stocke er vor gewollter syntaktischer Komplexität. So jedenfalls Jürgen Ritte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fast Food</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dementsprechend liegt es nahe anzunehmen, dass vom Verlust der direkten Auseinandersetzung mit dem Fremden vor allem die Übersetzer und Übersetzerinnen selbst betroffen sind und weniger die Leser und Leserinnen. Allerdings: Das Übersetzen wird nicht nur von Profis im Literaturbetrieb, in Gerichtssälen und Konferenzräumen betrieben. Wir alle übersetzen immer und immer wieder, erst recht in der globalisierten Welt von heute: auf Reisen, im Beruf, im Zug, im Alltag. Und dabei macht es nun allerdings einen grossen Unterschied, ob wir uns an einer Fremdsprache abmühen, stotternd, unsicher, lernend, stolz (wenn Kommunikation gelingt) – oder ob wir uns einen Handheld-Übersetzer vor den Mund halten. Der kennt weder Triumph noch Trauer noch Entdeckungslust. Er ist die Blackbox, die Sprache auf ihren instrumentellen Charakter reduziert, schnell und funktional. Das erinnert an Fast Food, welches sättigt, aber die Kochkunst verdrängt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fortschritt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Kritik, welche das kulturlose Fast Food gegen die gute alte Kochkunst stellt, hat etwas bildungsbürgerlich Elitäres. Sie erinnert an das Naserümpfen von Reaktionären, die über lange Zeit nicht sehen wollten, dass der technische Fortschritt für viele Menschen Erleichterungen und vielerlei Vorteile brachte.&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Rückblick auf die Technikgeschichte zeigt überdies, dass sich die Entwicklung nicht aufhalten liess. Wir werden auch mit den Übersetzungsmaschinen umgehen und sie in unsere Kommunikation einbauen müssen. Übersetzen und Kommunizieren werden komplizierte Techniken bleiben, die sich nur teilweise automatisieren lassen.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



<p class="wp-block-paragraph"><em>_____________________</em><em><br>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur, greift Beiträge aus Medien kritisch auf und pflegt die Kunst des Essays. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em></p>
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					<title>Komplize USA will Tausende tödlichste Bomben an Israel liefern</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/komplize-usa-will-tausende-toedlichste-bomben-an-israel-liefern/</link>
					<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 07:31:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=727877</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mk-84-Bomben-e1789571246369-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bomben des Typs MK-84" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mk-84-Bomben-e1789571246369-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mk-84-Bomben-e1789571246369.png 721w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Über eine Lieferung im Wert von fast drei Milliarden Dollar informierte die «Washington Post». Die grösste Lieferung seit Jahren.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Das geplante Paket umfasst bis zu 20’000 MK-84-Bomben und 20’000 BLU-117-Bomben sowie bis zu 20’000 I-2000-Penetrator-Sprengköpfe. Dazu <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-09-16/us-plans-to-provide-thousands-of-massive-weapons-to-israel?accessToken=eyJhbGciOiJIUzI1NiIsInR5cCI6IkpXVCJ9.eyJzb3VyY2UiOiJTdWJzY3JpYmVyR2lmdGVkQXJ0aWNsZSIsImlhdCI6MTc4OTU2NDg5OSwiZXhwIjoxNzkwMTY5Njk5LCJhcnRpY2xlSWQiOiJUTEZNNTVUOTZPU0swMCIsImJjb25uZWN0SWQiOiI1Mk5GTjUzRkZVRkhWTU8xWVlNWUtSSTRPM0lJUjJQMyJ9.lID3i4xvteAW2bL84TpUIUczhaHFqFXwMJ5QrA-8Sq8" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bloomberg</a>: «Diese Waffen sind extrem tödlich. Die MK-84 beispielsweise schleudert Metallfragmente über Tausende von Fuss in alle Richtungen, verursacht riesige Krater und durchschlägt Metall und Beton.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Israel muss diese schweren Waffen nicht einmal kaufen. Denn die Trump-Regierung will sie im Rahmen eines&nbsp;<a href="https://www.dsca.mil/Programs/Defense-Trade-and-Arms-Transfers/Foreign-Military-Financing" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Foreign Military Financing»</a>&nbsp;liefern. Das läuft auf eine Subventionierung der US-Waffenindustrie durch die US-Steuerzahlenden hinaus.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bloomberg berichtet,<strong>&nbsp;</strong>wichtige Ausschüsse des Kongresses seien erst informell über die Lieferung in Kenntnis gesetzt worden. Das Weisse Haus wollte dazu keine Stellung nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Israel sei dafür kritisiert worden, regelmässig MK-84-Bomben in Gebieten Gazas abgeworfen zu haben, die es für Zivilisten als sicher erklärt hatte, berichtet die «Washington Post».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die MK-84 sind ungelenkte Spreng- und Splitterbomben der 2000‑Pfund-Klasse. Eine Bombe wiegt rund 907 Kilogramm und enthält etwa 429 Kilogramm Sprengstoff. Ihre Wirkung beruht auf einer Kombination aus massiver Druckwelle, Gebäudeschäden und weit fliegenden Stahlfragmenten. Deshalb ist sie in dicht bebauten Gebieten zerstörerisch und mit einem hohen Risiko für Personen ausserhalb des unmittelbaren Zielbereichs verbunden. Ein Einschlag in offenem Boden kann einen Krater von etwa 15 Metern Breite und bis zu 11 Metern Tiefe hinterlassen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Mk‑84 kann im konventionellen Luftkrieg sehr grosse Flächen zerstören. Israel soll 20’000 davon erhalten.</li>



<li>Die I-2000-Penetrator-Bombe kann harte Hindernisse wie verstärkten Beton, Erdüberdeckungen, Bunker, Tunnelzugänge oder gepanzerte Kommando- und Infrastrukturanlagen zerstören. Israel soll bis zu 20’000 davon erhalten.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die USA tragen damit wesentlich zur weitgehenden Zerstörung von Gaza und Teilen Libanons bei. Ultranationale Mitglieder von Netanyahus Regierung wollen die Palästinenser aus Gaza vertreiben und ein Grossisrael errichten. Bereits hält Israel rund 70 Prozent des Gazastreifens militärisch besetzt. Im restlichen Gebiet – wie ein Gefängnis von allen Seiten abgeschnitten – versuchen rund 1,5 Millionen Palästinenser unter grösster Not zu überleben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Regierung Netanyahu erklärt den Zerstörungskrieg Israels als eine verhältnismässige und legitime Reaktion auf den Terrorüberfall der Hamas vom 23. Oktober 2023.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast alle Völkerrechtler sind sich jedoch einig: Israels anhaltender Krieg in Gaza und im Libanon sowie auch die Aneignung des Westjordanlands sind völlig unverhältnismässig und verstossen deshalb krass gegen das Völkerrecht. Der Sicherheitsrat müsste über Israel Sanktionen beschliessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer an Israel weiter Waffen liefert, macht sich zum Komplizen einer ethnischen Säuberung. Darin sind sich&nbsp;<a href="https://www.amnesty.org/en/latest/research/2026/06/israel-west-bank-ethnic-cleansing/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Amnesty International</a>,&nbsp;<a href="https://www.hrw.org/report/2025/11/20/all-my-dreams-have-been-erased/israels-forced-displacement-of-palestinians-in-the" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Human Rights Watch</a>&nbsp;und der&nbsp;<a href="https://www.un.org/unispal/document/ethnic-cleansing-concerns-in-gaza-and-west-bank-amid-intensified-violence-and-forcible-transfers-by-israel-un-human-rights-office-report/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">UN-Hochkommissar</a>&nbsp;für Menschenrechte einig.&nbsp;</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/41a063a894d84c339406319f87f2ae21" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Frankreich: Sauberes Trinkwasser könnte teuer werden</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/frankreich-sauberes-trinkwasser-koennte-teuer-werden/</link>
					<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=725525</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/monument-france-statue-plaza-sculpture-fountain-775375-pxhere.com_-e1788782975590-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="monument-france-statue-plaza-sculpture-fountain-775375-pxhere.com" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/monument-france-statue-plaza-sculpture-fountain-775375-pxhere.com_-e1788782975590-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/monument-france-statue-plaza-sculpture-fountain-775375-pxhere.com_-e1788782975590-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/monument-france-statue-plaza-sculpture-fountain-775375-pxhere.com_-e1788782975590-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/monument-france-statue-plaza-sculpture-fountain-775375-pxhere.com_-e1788782975590-1536x923.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/monument-france-statue-plaza-sculpture-fountain-775375-pxhere.com_-e1788782975590.jpg 1590w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mikroschadstoffe wie PFAS und Pestizide zu entfernen, könnte Frankreich jedes Jahr mehrere Milliarden Euro kosten. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Das französische Trinkwassersystem steht vor einem teuren Problem: Immer mehr Schadstoffe lassen sich im Wasser nachweisen, gleichzeitig ist die Infrastruktur vielerorts sanierungsbedürftig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast ein Drittel der französischen Bevölkerung konsumierte 2024 Trinkwasser, das wegen Pestiziden, deren Abbauprodukten oder wegen PFAS die europäischen Qualitätsgrenzwerte überschritt. Das Wasser- und Abwassersystem darauf einzustellen, könnte je nach Umfang der Massnahmen jährlich 1,3 bis 5,7 Milliarden Euro zusätzlich kosten. Das zeigt ein Ende Juli veröffentlichter <a href="https://www.igas.gouv.fr/depollution-de-leau-potable-strategies-et-pistes-de-financement" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bericht</a> von vier französischen Regierungsbehörden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fehler der Vergangenheit treffen auf moderne Analytik</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein guter Teil dieser Misere ist historisch bedingt. Oder konkreter gesagt: die Folge jahrzehntelanger Vernachlässigung der Infrastruktur. Auch viele Verschmutzungen haben ihren Ursprung in der Vergangenheit. Nach Einschätzung der Behörden sind die meisten auf den Einsatz inzwischen verbotener Schadstoffe zurückzuführen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen wird viel genauer hingesehen als früher. Schadstoffe, die bis vor einigen Jahren noch niemand kannte, werden neu im Wasser entdeckt. Bekannte Substanzen können durch moderne Analysemethoden besser bestimmt werden, auch in sehr kleinen Mengen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neue und diffuse Vorkommen langlebiger (persistenter) Chemikalien könnten in Zukunft die Einhaltung von EU-Qualitätsanforderungen schwierig machen. Der Bericht geht davon aus, dass hormonstörende Stoffe, Perchlorate oder Mikroplastik künftig aus dem Abwasser entfernt werden müssen. Solche Mikroverunreinigungen seien insbesondere im Norden und Osten Frankreichs ein Problem.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bericht der interministeriellen Kommission beziffert die zusätzlichen Kosten für die Wasseraufbereitung dafür auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr. Je nachdem, wie viel Frankreich in Zukunft in sein Wasser- und Abwassersystem investiert. Oder anders gesagt: Was die Konsument:innen zu zahlen bereit sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das französische Wassernetz muss auch ohne zusätzliche Anforderungen dringend saniert werden. Geschätzt jeder fünfte Liter geht beispielsweise durch Lecks verloren. «Die Autoren des Berichts beschreiben eine öffentliche Trinkwasserversorgung, die ‹durch strukturelle Unterinvestitionen und ein Finanzierungsmodell geschwächt ist, das durch die Höhe der Wasserpreise, die begrenzte Anwendung des Verursacherprinzips und eine eingeschränkte territoriale Solidarität nur unzureichend abgedeckt wird›», zitiert die Zeitung «Le Monde».</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vier Szenarien – von Mini bis Maxi</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Report legt vier Szenarien vor, in denen die französische Trink- und Abwasserbehandlung in unterschiedlichem Umfang umgebaut wird. In den Szenarien 2 bis 4 nimmt er eine Verschärfung der Regeln zu Trifluoracetat (TFA) an. TFA ist ein PFAS und Pestizid-Abbauprodukt, das sich häufig in Wasser findet und dessen <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/eu-behoerde-senkt-sichere-aufnahmemenge-von-triflouracetat-tfa/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">EU-Risikobewertung</a> sich kürzlich geändert hat. TFA mit herkömmlichen Aktivkohlefiltern zu entfernen, ist nicht möglich, deshalb ist es aufwendig und teuer, die Chemikalie loszuwerden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Szenario 1 ist ein Minimalszenario. Es geht davon aus, dass Frankreich derzeitige Schwächen im Wasser- und Abwassernetz behebt, während der Rechtsrahmen gleich bleibt. Rund 30 Prozent der kommunalen Abwässer werden darin mit Aktivkohlefiltern gesäubert, 5 Prozent mit Membrantechnologien. Das Maximalszenario 4 skizziert hingegen eine Sanierung des gesamten Wasserkreislaufs einschliesslich der Böden und anderer Lebensräume. Die beiden anderen Szenarien liegen in ihrem Umfang dazwischen. Die Zusatzkosten für die Entfernung von Mikroschadstoffen summieren sich von 1,3 Milliarden Euro in Szenario 1 bis auf 5,7 Milliarden Euro pro Jahr in Szenario 4.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Finanzierungslücke wird die Konsumenten treffen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Frankreich werden die Kosten der Trinkwasserversorgung zu grossen Teilen von den Konsument:innen getragen, die diese mit der Wasserrechnung abdecken müssen. Der Preis für einen Kubikmeter Wasser <a href="https://lavie.bio/de/blog/was-kostet-der-m3-wasser-in-frankreich-und-in-meiner-gemeinde/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">schwankt</a> je nach Gemeinde <a href="https://services.eaufrance.fr/carte-interactive" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erheblich</a>. Seit mehreren Jahren zeichnet sich ab, dass es erheblichen Investitionsbedarf gibt. Das Leitungsnetz muss vielerorts saniert werden, unabhängig davon, ob künftig zusätzliche Filteranlagen für PFAS und andere Mikroschadstoffe gebaut werden. Eine 2024 veröffentlichte Studie ging laut <a href="https://www.lefigaro.fr/conso/eau-potable-une-facture-qui-explose-pour-les-collectivites-selon-l-ufc-que-choisir-20251118" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Le Figaro»</a> dafür bereits von 13 Milliarden Euro jährlichen Investitionen aus.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.lemonde.fr/planete/article/2026/07/31/decontaminer-l-eau-potable-des-residus-de-pesticides-et-des-pfas-pourrait-couter-jusqu-a-5-7-milliards-d-euros-par-an-selon-un-rapport_6737169_3244.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Décontaminer l’eau potable des résidus de pesticides et des PFAS pourrait coûter jusqu’à 5,7 milliards d’euros par an, selon un rapport</a>, Le Monde vom 31. Juli 2026</li><li><a href="https://www.lefigaro.fr/conso/eau-potable-une-facture-qui-explose-pour-les-collectivites-selon-l-ufc-que-choisir-20251118" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eau potable: une facture qui explose pour les collectivités, selon l’UFC – Que choisir</a>,<br>Le Figaro vom 18. November 2025<br><br></li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/4efdd8855c0742189801d9e671d30ebc" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>Die Bevölkerung will künftig weniger KI und mehr Natur</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/die-bevoelkerung-will-zukuenftig-weniger-ki-und-mehr-natur/</link>
					<pubDate>Thu, 17 Sep 2026 07:29:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=725631</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Umfrage-e1788799458150-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Umfrage" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Umfrage-e1788799458150-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Umfrage-e1788799458150-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Umfrage-e1788799458150.png 770w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zeigt: Die Schweiz wünscht sich eine Zukunft mit mehr Handwerk und Naturverbundenheit.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Der vom gemeinnützigen Verein <a href="https://mondafutura.org/ueber-uns/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monda Futura </a>entwickelte «Erste Schweizer Zukunftskompass» zeigt, wo die grössten gemeinsamen Nenner der Bevölkerung für eine positive Zukunft liegen. Für den Kompass wurden aus den Zukunftsideen von über 1300 Menschen aus der ganzen Schweiz 40 konkrete Zukunfts-Szenarien entwickelt. In einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung – in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut GFS Bern – haben anschliessend über 2200 Menschen diese Szenarien für die Schweiz von morgen bewertet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Resultate halten einige Überraschungen bereit. Drei Erkenntnisse:</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>1. Natur und Regionalität schlagen den Technikhype</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das absolute Wunschszenario der Bevölkerung ist eine florierende Natur dank bewusstem Konsum (Bewertung: 1.60 auf einer Skala von -2 bis +2), dicht gefolgt von einer regionalen und saisonalen Lebensmittelproduktion (1.58). Überraschend deutlich ist die Absage an eine fortschreitende Technisierung unseres Alltags.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl heute immer mehr Menschen KI-Chatbots nutzen, strafen wir Zukunfts-Szenarien mit Künstlicher Intelligenz im Alltag (-0.21) oder einer datengetriebenen Dauerüberwachung unserer Gesundheit (-0.24) eiskalt ab. Die Schweizer Bevölkerung wünscht sich Technologie als nützliches Werkzeug im Hintergrund – aber nicht als Taktgeber unseres Lebens.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>2. Unsere Zukunft ist liberal und solidarisch</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im politischen Alltag fliegen oft die Fetzen: Solidarität gegen Eigenverantwortung, Umweltschutz gegen Wirtschaft. Offensichtlich ist die Bevölkerung weiter als die Parteipolitik. In den Köpfen der Menschen verschmelzen diese vermeintlichen Gegensätze nämlich zu einer Synthese:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bevölkerung wünscht sich eine starke wirtschaftliche Sicherheit wie eine garantierte Grundversorgung (1.04) und eine lokale Kreislaufwirtschaft (1.34). Gleichzeitig werden liberale Grundwerte wie eine tolerante Zivilgesellschaft der Eigenverantwortung (1.13) und eine direkte Demokratie mit minimalem Staatsapparat (1.02) ebenso gut bewertet. Auch fällt auf, dass sich die Bevölkerung eine Zukunft wünscht, die sowohl progressive (zukunftsorientierte), wie auch retrotopische (vergangenheitsorientierte) Szenarien vereint.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>3. Meditieren für den Frieden im Bundeshaus?</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den beliebtesten Zukunftsbildern gehört auch das Szenario «Reflektierte Lebensführung». Dieses sieht unter anderem vor, dass Bundesrat und Parlament ihre Sitzungen künftig mit einer kurzen Meditation beginnen – bewertet mit einem klaren Ja von 1.12! Ein Hinweis darauf, dass wir uns mehr Achtsamkeit, Entschleunigung und Tiefe im Alltag wünschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gesellschaftliche Orientierung geben</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Zukunft entsteht heute vor allem durch politische Entscheide, technologische Entwicklungen und gesellschaftliche Trends. In der Schweiz haben wir zudem das Privileg, über einzelne Fragen abstimmen zu können. Aber wir sprechen selten grundsätzlich darüber, welche gesellschaftlichen Ziele wir eigentlich verfolgen möchten. Der Zukunftskompass macht nun erstmals die Zukunftsvorstellungen der Bevölkerung sichtbar und identifiziert die gemeinsamen Nenner. In diesen unsicheren Zeiten ist so ein gemeinsam entwickelter Kompass wertvoll, damit wir wissen, wohin sich die Bevölkerung entwickeln will, und an dem sich die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik orientieren können.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die gewollte Zukunft der Schweiz entdecken</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Zukunftskompass soll ein lebendiges Werkzeug sein, für Politik und Wirtschaft, Gemeinden, Organisationen und für alle, die die Zukunft gestalten möchten. Monda Futura hat die wichtigsten Erkenntnisse deshalb als sogenannte Scrollstory veröffentlicht. In dieser kann man mittels Scrollen der Computermaus oder mit dem Finger durch die Zukunftswünsche «fliegen» und das Erarbeiten des Zukunftskompasses nachvollziehen: <a href="https://mondafutura.org/zukunftskompass/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> (scrollen).</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Autor Raffael Wüthrich ist Gründer von&nbsp;<a href="https://mondafutura.org/magazin/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monda Futura</a>.&nbsp;<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>Alice Weidel will die Ukraine zur Kasse bitten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/alice-weidel-will-die-ukraine-zur-kasse-bitten/</link>
					<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 07:34:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=727533</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="179" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2025-12-15-um-09.47.19-300x179.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto-2025-12-15-um-09.47.19" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2025-12-15-um-09.47.19-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2025-12-15-um-09.47.19-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2025-12-15-um-09.47.19-768x459.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2025-12-15-um-09.47.19.png 1170w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die AfD will nicht nur die Unterstützung der Ukraine einstellen, sondern «erhebliche Rückforderungen» stellen. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die AfD-Co-Chefin Alice Weidel ist keine Freundin der Ukraine; das ist nicht neu. Bekannt ist auch, dass sie und ihre Partei die Finanz- und Militärhilfe an das von Russland überfallene Land streichen wollen. Wie radikal sie dabei vorgehen will, hat Weidel vor wenigen Tagen einmal mehr in einem Interview mit dem umstrittenen österreichischen Online-Sender «Auf 1» unterstrichen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Erhebliche Rückforderungen»</strong>&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Partei lehnt nicht nur eine weitere Finanzierung der Ukraine ab. Sie stellt sich vielmehr auf den Standpunkt, Deutschland müsse die bereits für die Ukraine ausgegebenen Gelder zurückverlangen. Das Interview ist derzeit auf dem Sender «Auf 1» nicht mehr auffindbar, aber auf dem pro-russischen Telegram-Kanal «Russländer &amp; Friends» <a href="https://t.me/russlandsdeutsche/52401?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dokumentiert</a>. Ein kurzer Ausschnitt aus dem Weidel-Interview ist auch auf dem Online-Kulturmagazin «<a href="https://www.perlentaucher.de/9punkt/2026-09-14.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Perlentaucher</a>» vom 14. September 2026 zu finden. Die Kernaussage: «Wir werden die Zahlungen an die Ukraine und jede militärische Unterstützung einstellen und zudem erhebliche Rückforderungen an die Ukraine stellen.» </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Ärger mit der Buchhaltung»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Man muss sich diese unglaubliche Aussage auf der Zunge zergehen lassen: Einer deutschen Spitzenpolitikerin mit intakten Chancen, dereinst ins Bundeskanzleramt einzuziehen, kommt im Zusammenhang mit einem ums Überleben kämpfenden Land bloss in den Sinn, diesem Land eine Rechnung in Aussicht zu stellen. Auf diesen blanken Zynismus kann der Journalisten-Blog «<a href="https://www.ruhrbarone.de/alice-weidel-afd-will-der-ukraine-eine-rechnung-schicken/266582/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ruhrbarone</a>» nur mit ebenso blankem Sarkasmus reagieren: «Wer sich die Unverschämtheit erlaubt, noch nicht kapituliert zu haben, bekommt bei der AfD offenbar Ärger mit der Buchhaltung.» </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Liebesgrüsse aus Moskau</strong>»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland verfolgt die Entwicklungen in Deutschland mit Wohlgefallen. Denn bereits am 9. Septbember 2026, kurz nach dem überwältigenden AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, erhält die AfD «<a href="https://www.ruhrbarone.de/liebesgruesse-aus-moskau-putins-mann-fuers-geschaeft-umwirbt-die-afd/266023/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Liebesgrüsse aus Moskau</a>». Putins Mann fürs Geschäft, der Sondergesandte für Investitionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitrijew, will ein russisch-deutsch-amerikanisches Wirtschaftsforum für 2027 unter Beteiligung der AfD vorschlagen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ist dieses Forum nicht in trockenen Tüchern. Aber Weidels Stossrichtung im Umgang mit der Ukraine ist für Putin schon mal eine erfreuliche Geschäftsgrundlage. Die «Ruhrbarone» finden: «Die Ukraine bekäme weniger Unterstützung und zusätzliche Forderungen. Er (Putin) müsste dafür nicht einmal mit Weidel verhandeln. Sie bietet es schon öffentlich an. Man muss der AfD lassen: Sie findet selbst bei einem überfallenen Land noch etwa zu holen.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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							<item>
					<title>Die angeblich «bessere Welt» von «Bakery Bakery»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/ernaehrung/die-angeblich-bessere-welt-von-bakery-bakery/</link>
					<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 07:33:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=727357</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/BakeryBakeryLaenggasse-300x181.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="BakeryBakeryLänggasse" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/BakeryBakeryLaenggasse-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/BakeryBakeryLaenggasse-1024x617.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/BakeryBakeryLaenggasse-768x463.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/BakeryBakeryLaenggasse-1536x926.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/BakeryBakeryLaenggasse.png 1571w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das ist vielen gar nicht bewusst: Die Vegan-Bäckereikette betreibt nur Ausbackstationen für tiefgekühlte Teiglinge. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die Bäckereikette «Bakery Bakery» lässt sich feiern: in Bern, Zürich, Basel, Luzern und in Winterthur eröffnet sie Laden um Laden und bietet vegane Backwaren an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwülstig lobt das Unternehmen sich und seine angeblichen «Werte»: Die vegane Bäckereikette sei gegründet worden, «um die Normen in Frage zu stellen und neu zu definieren, was eine Bäckerei sein kann.» Und weiter: «Wir treffen eine Entscheidung, die verantwortungsbewusst und ethisch ist und keine Kompromisse bei Qualität und Geschmack eingeht.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann noch einen Zacken pathetischer: «Unser Ziel ist es, zu einer Zukunft beizutragen, in der Backwaren und der tägliche Konsum verantwortungsbewusste Entscheidungen sind, die dazu beitragen, eine bessere Welt für kommende Generationen zu schaffen.»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="505" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Grosse-Worte-ueber-Werte-Screenshot-2026-09-04-at-17-23-16-Unsere-Story-unsere-Mission-Bakery-Bakery-Schweiz-1024x505.png" alt="Website Bakery Bakery" class="wp-image-727363" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Grosse-Worte-ueber-Werte-Screenshot-2026-09-04-at-17-23-16-Unsere-Story-unsere-Mission-Bakery-Bakery-Schweiz-1024x505.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Grosse-Worte-ueber-Werte-Screenshot-2026-09-04-at-17-23-16-Unsere-Story-unsere-Mission-Bakery-Bakery-Schweiz-300x148.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Grosse-Worte-ueber-Werte-Screenshot-2026-09-04-at-17-23-16-Unsere-Story-unsere-Mission-Bakery-Bakery-Schweiz-768x378.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Grosse-Worte-ueber-Werte-Screenshot-2026-09-04-at-17-23-16-Unsere-Story-unsere-Mission-Bakery-Bakery-Schweiz.png 1033w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Grosse Worte über Werte: Das schreibt «Bakery Bakery» auf ihrer Website.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Tiefgekühlte Teiglinge aus Wädenswil</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wirklichkeit sieht anders aus – weder «neu definiert», noch besonders verantwortungsbewusst. Und «Bakery Bakery» ist schon gar nicht daran, eine bessere Welt zu schaffen. Die Firma hat sich ganz profan dazu entschlossen, Backwaren genauso wie viele andere Bäckereiketten herzustellen – nämlich nicht selber, sondern industriell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieferantin ist die Tiefkühl-Bäckerei Kern &amp; Sammet in Wädenswil, die seit letztem Jahr zu Romer’s Hausbäckerei gehört. In einem <a href="https://www.pistor.ch/de/blog/bakery-bakery-groesste-vegane-baeckerei">Interview</a> erklärt das Kevin Schmid, der Mitgründer von «Bakery Bakery», so: «Wir definieren uns nicht über das Bild des traditionellen Backhandwerks. Für uns zählen Qualität und die ressourcenschonende Planung und Produktion.»</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/newsletter/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="48" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gold.png" alt="Newsletter Balken gold" class="wp-image-590039" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gold.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gold-300x19.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">«Bakery Bakery» beschränkt sich also darauf, Teiglinge, die am Zürichsee hergestellt und schockgefroren worden sind, in die Filialen zu verteilen und dort aufzubacken. Gipfeli, zum Beispiel, werden in Vier-Kilo-Kartons zu je 60 Stück im Tiefkühllastwagen angeliefert. Sie sind 56 Tage ab Anlieferung haltbar. Sie heissen im Fachjargon der Tiefkühl-Bäckerei «Jet», weil sie vor dem Tiefkühlen schon aufgegangen sind. Sie müssen in der Filiale zuerst 20 Minuten angetaut und dann 25 Minuten bei 200 Grad gebacken werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Höherer Energieverbrauch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit ihrer Produktionsmethode verbraucht «Bakery Bakery» deutlich mehr Energie als für die traditionelle Produktion von Backwaren nötig ist. Und zwar zuerst für das Schockfrosten, dann für die Lagerung und den Transport bei minus 18 Grad. Und zuletzt für das Aufbacken der kalten oder sogar noch gefrorenen Teiglinge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kommt dazu, dass eine vegane Bäckerei eigentlich überflüssig ist. Denn die meisten klassischen Brotsorten wie Roggenbrot, Vollkornbrot, Sauerteigbrot, Baguette und einfache Mischbrote sind von Natur aus vegan. Der Unterschied: In einer richtigen Bäckerei werden diese Brote nicht aufwändig tiefgefroren, durch die Schweiz gefahren und dann aufgebacken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eröffnen – schliessen &#8211; eröffnen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gründerpaar Kevin Schmid und Lycra Stattmann plant, einen Elektrolastwagen zu kaufen. Und sie kündeten gegenüber <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/vegane-baeckerei-bakery-bakery-waechst-doch-die-expansion-birgt-risiken" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SRF</a> an, «bis zu 30 Filialen» betreiben zu wollen. Dieses Ziel ist ehrgeizig. Als vor kurzem eine neue Filiale im Bahnhof Bern aufging, schrieben die Tamedia-Zeitungen zwar, es sei bereits die dreizehnte. SRF berichtete aber bloss von zwölf Filialen. Tatsächlich sind es derzeit elf. Denn eben erst hat die Kette ihren Standort an der Uni Bern geschlossen – sang- und klanglos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genauso still blieb es, als Infosperber um Antworten auf ein paar Fragen bat. Etwa die, ob die «Mission» der Vegan-Bäckerei, eine nachhaltigere und ethischere Welt zu schaffen», vereinbar sei mit der Art, wie sie ihre Produkte herstellen und über weite Strecken transportieren lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Anschlussfrage: Wissen das die Kundinnen und Kunden überhaupt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Geschäftsleitung will «keine weiteren Medienanfragen bearbeiten». Man wolle sich wieder auf die Entwicklung des Unternehmens konzentrieren, schrieb die Mediensprecherin Nina Vogel zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was das heisst, dass sich «Bakery Bakery» «wieder auf die Entwicklung des Unternehmens konzentriert», wird klar, wenn man die euphorischen Zeilen auf der <a href="https://www.bakerybakery.ch/about">Website</a> liest: In Zollikofen beginne nun eine neue Ära. «Neue Teams für IT, Grafik und Marketing wurden aufgebaut, das Büro vergrössert – und die 100-Mitarbeitenden-Marke geknackt.» Der Fokus sei klar: «Alles steht auf Wachstum.» Man möchte hinzufügen: Und fast gar nichts mehr steht für Nachhaltigkeit.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/energie-verschwenden-mit-demeter/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Energie verschwenden mit Demeter</a> – Infosperber vom 8. März 2023</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/489b50b6babc4291bac6c497a4b67d28" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Das Mekka-Abkommen hat Folgen für die Nato</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/das-mekka-abkommen-hat-folgen-fuer-die-nato/</link>
					<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=726929</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="140" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-15.44.52-300x140.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Unterzeichnung des Mekka-Abkommens" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-15.44.52-300x140.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-15.44.52-768x358.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-15.44.52.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Verteidigungspakt zwischen Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei verändert die strategischen Beziehungen in der Region.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Ein neues Militärbündnis im Mittleren Osten verschiebt die strategischen Beziehungen in einer für Deutschland wichtigen Region und hat womöglich weitreichende Folgen für die Nato. Das «Mekka-Abkommen» wurde kürzlich von Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei geschlossen. Es umfasst eine Beistandsgarantie ähnlich Artikel 5 des Nato-Vertrags und wirft die Frage auf, ob die Nato in einen Krieg gezogen werden könnte, wenn die Türkei im Rahmen ihrer Verpflichtungen aus dem Mekka-Abkommen angegriffen würde. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Während viele spekulieren, das Hauptziel des Abkommens sei ein Schulterschluss gegen Iran, zeigt eine genauere Analyse, dass das neue Bündnis eine Reaktion auf den schwindenden Einfluss der USA ist und Schutz vor allem auch gegen Israel bieten soll, das im Nahen und Mittleren Osten zunehmend als Hauptaggressor wahrgenommen wird.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Türkei etwa ist, seit ihr Einfluss in Syrien nach dem Sturz von Bashar al Assad massiv zugenommen hat, in einen schärferen Widerspruch zu Israel geraten. Pakistan wiederum sieht mit Sorge, dass sein Erzfeind Indien immer enger mit Israel kooperiert – auch rüstungsindustriell und militärisch, etwa in gemeinsamen Luftwaffenmanövern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>An Europas Toren zur Welt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif haben am 7. August in Mekka ein neues Verteidigungsabkommen unterzeichnet, dessen Auswirkungen weit über den Nahen und Mittleren Osten hinausreichen [1]. Das Mecca Joint Defence Agreement (Mekka-Verteidigungsabkommen) sieht – Artikel 5 des Nato-Vertrags nicht unähnlich – vor, dass ein bewaffneter Angriff auf einen der drei Staaten als Angriff auf alle drei gelten soll.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Dreier-Abkommen vereint die Atommacht Pakistan mit Saudi-Arabien, das erhebliches finanzielles und religiös-kulturelles Gewicht besitzt, und mit der Türkei, die über eine rasch wachsende Rüstungsindustrie auf modernster technologischer Basis verfügt [2].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl sich sowohl Berlin als auch Brüssel bislang mit klaren Stellungnahmen dazu zurückgehalten haben, hat das Abkommen dennoch in Europa Alarmglocken läuten lassen. Eine unmittelbare Frage betrifft die Auswirkungen auf die Nato: Würde die Türkei Artikel 5 des Nato-Vertrags geltend machen, wenn sie aufgrund ihrer Verpflichtungen aus dem Mekka-Abkommen in einen Konflikt in der Region hineingezogen und dabei angegriffen würde [3]?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen Auswirkungen auf Europas Handelswege: Das neue Bündnis grenzt an zwei der wichtigsten Tore des europäischen Kontinents vor allem nach Asien, aber auch nach Afrika – an das Rote Meer und den Bosporus.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Israels Angriff auf Katar</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mekka-Abkommen gilt als Nachfolgevereinbarung zu dem am 17. September vergangenen Jahres unterzeichneten Verteidigungsabkommen zwischen Saudi-Arabien und Pakistan. Dieses Abkommen war unmittelbar nach dem israelischen Angriff auf Katar vom 9. September 2025 unterzeichnet worden [4]. Der Angriff galt einer Hamas-Delegation, war aber zugleich der erste israelische Angriff auf das Territorium eines Staates des Golf-Kooperationsrats (Gulf Cooperation Council, GCC) und der erste auf ein Land, in dem sich eine bedeutende Kommandozentrale der US-Streitkräfte befindet – die Kommandozentrale des Mittelost-Hauptquartiers Centcom auf der Air-Base Al Udeid nahe Katars Hauptstadt Doha. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Versäumnis sowohl der vermeintlichen Schutzmacht USA als auch des GCC – dessen gemeinsames Verteidigungsabkommen sieht ebenfalls vor, dass ein Angriff auf einen Mitgliedstaat als ein Angriff auf alle gilt –, adäquat auf den israelischen Angriff zu reagieren, bestätigte sowohl Saudi-Arabien als auch Pakistan in der Auffassung, es sei notwendig, ein eigenes Verteidigungsabkommen zu schliessen [5].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wurzeln des Mekka-Abkommens reichen jedoch viel tiefer. Einen Tag nach dem Abschluss der Vereinbarung gab der türkische Aussenminister Hakan Fidan bekannt, die Bemühungen zur Ausarbeitung des Abkommens hätten bereits zwei Jahre und acht Monate vorher begonnen – kurz nach Beginn des israelischen Genozids im Gazastreifen [6]. Während in der westlichen Öffentlichkeit viele darauf hinweisen, dass das Mekka-Abkommen sich potenziell gegen Iran richtet, zeigt dessen Zeitachse jedoch, dass die drei Unterzeichner des Abkommens begonnen haben, Israel als den gefährlicheren Aggressor anzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Abkehr von den USA</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Saudi-Arabien befindet sich seit geraumer Zeit in einer regionalen Rivalität mit den Vereinigten Arabischen Emiraten [7]. Dem entspricht, dass die beiden Länder unterschiedlich auf die zunehmenden Aggressionen der USA und Israels in der Region sowie – im Irankrieg – auf Irans Vergeltungsmassnahmen gegen US-Stützpunkte reagiert haben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Emirate den Weg einer engeren strategischen und militärischen Kooperation mit den USA und Israel eingeschlagen haben, hat sich Saudi-Arabien dafür entschieden, sich nicht mehr auf die Vereinigten Staaten zu verlassen und sich um weitere Kooperationspartner zu bemühen. Dies ist keine komplett neue Entwicklung. Bereits bestehende Zweifel an der Verlässlichkeit der USA wurden verstärkt, als diese sich unter Präsident Donald Trump weigerten, Saudi-Arabien die erwartete Unterstützung zu leisten, nachdem die jemenitischen Huthi im September 2019 saudische Ölanlagen angegriffen hatten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Weigerung führte dazu, dass Saudi-Arabien begann, sich um einen Ausgleich mit Iran zu bemühen, was wiederum in das durch China vermittelte Abkommen zur <a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9204">Normalisierung der Beziehungen zwischen Riad und Teheran vom März 2023</a> mündete [8]).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Irankrieg wiederum spielte laut Pakistans Aussenminister Ishaq Dar das Verteidigungsabkommen zwischen Pakistan und Saudi-Arabien eine entscheidende Rolle dabei, die Zahl der iranischen Raketenangriffe auf Saudi-Arabien zu minimieren [9]. In den Anfängen des US-amerikanisch-israelischen Krieges gegen Iran forderte Dar Teheran auf, Pakistans Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien «bitte im Hinterkopf zu behalten».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Der neue Iran»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Türkei wiederum konkurriert zwar, wie Saudi-Arabien, mit Iran um regionalen Einfluss, sieht sich inzwischen aber einer weitaus realeren Bedrohung durch Israel ausgesetzt [10]. Die Spannungen zwischen beiden Staaten haben sich insbesondere seit dem Sturz des syrischen Präsidenten Bashar al Assad im Dezember 2024 verschärft. Die neue Regierung in Syrien, die unter der Übergangsregierung des langjährigen Jihadisten Ahmed al Sharaa steht, bleibt sowohl wirtschaftlich als auch militärisch an die Türkei gebunden, was deren Einfluss in der Region deutlich stärkt [11].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spannungen zwischen der Türkei und Israel erreichten Anfang vergangener Woche einen – vorläufigen – Höhepunkt, als Israel Luftangriffe auf den syrischen Militärflugplatz in Abu al Duhur bei Idlib flog [12]. Die Angriffe wurden mit dem erklärten Ziel durchgeführt, die Stationierung türkischer Truppen auf dem Stützpunkt zu verhindern.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manche israelischen Politiker und Militärs sind dazu übergegangen, die Türkei als den «neuen Iran» zu bezeichnen [13]. Die Formulierung wird weithin so verstanden, dass die Türkei nach Irans «Sturz» das nächste Ziel israelischer Aggression sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Pakistanische Widersprüche</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Pakistans Beteiligung am Mekka-Abkommen offenbart den gleichen Widerspruch im Verhältnis zu den USA und Israel. Pakistan unterhält seit langem intensive Geheimdienst- und Militärbeziehungen zu den USA [14]. Seit dem viertägigen Waffengang zwischen Indien und Pakistan im Mai vergangenen Jahres hat Washington seine Einflussaktivitäten in Islamabad noch weiter intensiviert. Laut Pravin Sawhney, einem prominenten indischen Militärexperten, dringen die USA dabei darauf, dass Pakistan einen Teil der Last bei der Aufrechterhaltung der Sicherheitsstrukturen im Mittleren Osten übernimmt. In einem Beitrag auf X urteilte Sawhney sogar, Pakistan sei «das einzige Land», das «den Sicherheitsschirm der USA für die Mitgliedstaaten des Golf-Kooperationsrats (GCC) ersetzen kann» [15].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings sieht sich Pakistan, die einzige islamische Atommacht, einer weitaus existenzielleren Bedrohung durch Israel ausgesetzt. In Islamabad wird mit Sorge registriert, dass sein Erzfeind Indien immer enger mit Israel kooperiert, nicht zuletzt in der Rüstungsindustrie und vor allem auch mit gemeinsamen Manövern insbesondere der Luftwaffen beider Länder. Unter pakistanischen Experten gilt es schon lange als denkbar, Indien und Israel könnten im Fall eines indisch-pakistanischen Kriegs gemeinsam Angriffe auf die pakistanischen Nuklearanlagen durchführen [16]. Das überschattet auch Pakistans Kooperation mit den USA.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nato vs. Mekka-Bündnis</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Deutschland bringt das Mekka-Abkommen nicht nur eine deutliche Verschiebung der strategischen Beziehungen im Nahen und Mittleren Osten mit sich und damit in einer Region, in der sich auch die Bundesrepublik unverändert um Einfluss bemüht. Das Abkommen wirft auch die erwähnten Fragen bezüglich der Doppelrolle der Türkei im Mekka-Bündnis und in der Nato auf.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Ankara werden mögliche Widersprüche abgestritten. In einer am 7. August auf der türkischen Social Media-Plattform «NSosyal» veröffentlichten Erklärung aus dem Präsidialamt in Ankara heisst es, «die Bemühungen der Türkei, regionale Partnerschaften aufzubauen», stellten «keine Alternative zu ihrer Nato-Mitgliedschaft dar» [17].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings kann nach Israels jüngstem Angriff auf den syrischen Militärflugplatz Abu al Duhur nicht mehr ausgeschlossen werden, dass es früher oder später tatsächlich zu einem israelischen Angriff auch auf die türkischen Streitkräfte kommt und sich dann Fragen an die Nato stellen. In Israel, das unverändert eng mit führenden Nato-Mächten kooperiert – darunter Deutschland –, werden längst Überlegungen angestellt, ob die Türkei in diesem Fall Nato-Beistand einfordern könnte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kürzlich teilte Shay Gal, Leiter der auf Regierungsbeziehungen und Strategie spezialisierten Firma Line of State, mit, Israel habe «nicht nur untersucht, wie Artikel 5 des Nato-Vertrags funktioniert, sondern auch, wo er gilt»: «Der Vertrag schützt türkisches Hoheitsgebiet; türkische Truppen nehmen dieses Hoheitsgebiet nicht mit auf syrischen oder besetzten zypriotischen Boden» [18]. Während der US-Botschafter in der Türkei und Sonderbeauftragte für Syrien, Tom Barrack, die Angriffe als «unnötige Eskalation» bezeichnet hat, verurteilte die Nato sie nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="wp-block-paragraph">[1] Nick Brauns: Regionaler Machtpol. junge Welt 08.08.2026.<br>[2] Kabir Taneja: The Mecca Joint Defence Agreement’s Impact on Middle East Security Strategies. orfme.org 14.08.2026.<br>[3] Tushar Shetty: Pakt von Mekka: Was die neue Nahost-Achse für Europa bedeutet. berliner-zeitung.de 18.08.2026.<br>[4] William Keenan: The Doha Shockwave That Catalyzed the Mecca Agreement. blogs.timesofisrael.com 25.08.2026.<br>[5] Kristian Coates Ulrichsen: Israel’s Attack on Qatar and the Failure of GCC Defense Cooperation. arabcenterdc.org 14.10.2025.<br>[6] Turkey, Pakistan, Saudi Arabia defence pact technically same as Nato’s article 5, Turkish minister says. reuters.com 08.08.2026.<br>[7] S. auch Drehbuch für den Massenmord (II).<br>[8] S. dazu Das Ende der US-Dominanz am Persischen Golf (III).<br>[9] Tom Hussain: Pakistan aims to walk tightrope between Saudi Arabia and Iran as war flares in region. scmp.com 04.03.2026.<br>[10] Satyajeet Malik: Die islamische Nato. junge Welt 22.08.2026.<br>[11] Elizabeth Tsurkov: Despite the authorities in Damascus defying their neighbor and closest partner, underlying interests continue to bind them. newlinesmag.com 10.06.2026.<br>[12] Israel attacks airbase in Syria’s Idlib as US, Turkiye slam ‘escalation’. aljazeera.com 18.08.2026.<br>[13] Eldad Ben Aharon: Israel’s “New Iran“: What’s Really Behind the Armenian Genocide Recognition Vote Against Turkey. blog.prif.org 20.07.2026.<br>[14] Satyajeet Malik: Die islamische Nato. junge Welt 22.08.2026.<br>[15] x.com/PravinSawhney 21.07.2026.<br>[16] Muqtedar Khan: Scare Pakistan and Worry About its Nuclear Triggers. brookings.edu 25.09.2003.<br>[17] Türkiye rejects claims Mecca pact conflicts with Nato’s article 5. trtafrica.com 07.08.2026.<br>[18] Israeli opinion article says Turkey’s Nato protection does not apply to troops in Syria. middleeasteye.net 20.08.2026.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Online-Plattform «<a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10512" target="_blank" rel="noreferrer noopener">german-foreign-policy.com</a>» (Titel und Vorspann von der Redaktion). Diese «Informationen zur Deutschen Aussenpolitik» werden von einer Gruppe unabhängiger Publizisten und Wissenschaftler zusammengestellt, die das Wiedererstarken deutscher Grossmachtbestrebungen auf wirtschaftlichem, politischem und militärischem Gebiet kontinuierlich beobachten.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>UBS: Die Lösung des Ständerats ist ein Brandbeschleuniger</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/ubs-die-loesung-des-staenderats-ist-ein-brandbeschleuniger/</link>
					<pubDate>Tue, 15 Sep 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="150" height="150" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/02/cropped-Bildschirm­foto-2025-02-18-um-17.17.58-e1739898442426.png"/></p>Im Streit um die Eigenmittel will die zuständige Kommission das Risiko auf die Bürger abwälzen. Diese Woche wird entschieden.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Nun scheint sich das UBS-Powerplay im Parlament durchzusetzen. Die Wirtschaftskommission (WAK) des Ständerats erfüllte weitgehend die UBS-Wünsche. Über das komplexe und umstrittene Geschäft wird am 17. September im Ständerat entschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Erinnerung: Der Bundesrat hatte als wichtige Konsequenz aus dem Zusammenbruch der Credit Suisse (CS) für die systemrelevanten&nbsp;Banken beantragt, dass jede ihrer ausländischen Finanztöchter anteilig genau gleich hoch wie das Stammhaus mit hartem Eigenkapital gemäss den Basler Richtlinien (CET-1) ausgestattet werden muss. Heute sind jene 500 bis 600 Tochtergesellschaften, welche die UBS von der CS übernommen hatte, dank einer Sonderlösung («Filter») nur zu 45 Prozent des Sollwerts mit hartem Eigenkapital unterlegt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bundesrat will mit diesen zusätzlichen Sicherheiten die «Verlusttragfähigkeit» des Bankkonzerns verbessern und das Risiko für den Bund respektive für die Steuerzahler vermindern. Sowohl die Wissenschaft als auch die Nationalbank und die Finma hatten dazu geraten. Sie unterstützen den Bundesrats-Vorschlag.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Im Krisenfall ein kompliziertes «Swiss Finish»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach monatelangem Powerplay durch UBS-CEO Sergio Ermotti persönlich, nach direkten Angriffen auf die standhafte Finanzministerin Karin Keller-Sutter und nach Hinterzimmer-Gesprächen mit und unter Parlamentariern kam in der ständerätlichen WAK unter der Anführung von FDP-Ständerat Erich Ettlin nun folgender Antrag zustande: Die ausländischen Finanztöchter der UBS müssen nur 50 Prozent an hartem Eigenkapital (wie Aktienkapital oder eigene Reserven) aufbringen, den Rest bis 100 Prozent der Basler Richtlinien darf die Bank mit «weiterem Kapital» finanzieren. Dieser Beschluss ist umstritten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter dem «weiteren Kapital» sind die AT-1-Bonds&nbsp;(Additional Tiers-1) verstanden. Diese bestehen aus Wandelanleihen, die an den Börsen als Kapitalanlage gehandelt werden und im Krisenfall in verlusttragendes Aktienkapital umgewandelt werden. Dabei soll nach dem Antrag der WAK im Krisenfall ein kompliziertes «Swiss Finish» mit folgenden drei regulatorischen Handlungsstufen (sogenannten Defense-Linien) zum Tragen kommen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer ersten Alarmstufe können die AT-1-Gläubiger keine Rückverkäufe tätigen und es können keine Zinszahlungen mehr vorgenommen werden. Dies muss öffentlich bekannt gemacht werden. In einer zweiten Stufe muss die Bank bekannt geben, dass keine Aktienkapitalrückkäufe erlaubt sind und keine Dividendenzahlungen mehr ausgeschüttet werden. In einer dritten Stufe des Krisenfalls müssen die Bankmanager auf die Hälfte ihrer Boni verzichten. Alle drei Massnahmen-Schritte müssen sofort international veröffentlicht werden, weil die AT-1-Bonds an den globalen Börsen gehandelt werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Völlig praxisfern und absurd</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier ist nun der entscheidende Einwand, der die Absurdität und Praxisferne des selbstgebastelten Kommissionsantrags manifestiert. Dieser ist so kompliziert, dass er im Kommissionsantrag («Fahne») über fünf Seiten beansprucht. Die sofort öffentlich&nbsp;bekannten Krisenmassnahmen werden die Kapitalanleger alarmieren; es wird zu blitzschnellen Kapitalrückzügen von anderen Bankeinlagen führen. Ein Bank-Run ist fast unvermeidlich. Die CS-Krise hat demonstriert, dass heute nur schon Gerüchte über Nacht zu Kapitalabzügen in Milliardenhöhe führen. Diese Ständeratslösung ist nichts anderes als ein Brandbeschleuniger!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der frühere Finma-Direktor Daniel Zuberbühler bezeichnete in einem Gutachten die gegen den Bundesrat und gegen Experten selbstgebastelte Ständeratslösung als eine «Selbstschussanlage». Eine solche AT-1-Regulierung gibt es weltweit nirgends, gerichtliche Streitfälle wären programmiert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">AT-1-Kapitalerhaltungsinstrumente sind grundsätzlich sinnvoll, aber sie sind nie gleichwertig wie hartes Kernkapital. Sie sind viel zu spät erst bei einer vollständigen Abwicklung der Bank gleichwertig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">AT-1-Instrumente sind überdies unsicher. Erinnert sei an das aktuelle Ringen um die Gültigkeit der AT-1-Anleihen nach der CS-Übernahme durch die UBS. Das (oft unberechenbare) Bundesverwaltungsgericht erklärte die vollständige Abschreibung der 16 Milliarden Dollar schweren AT-1-Wandelobligationen auf null für ungültig – ein Fehlentscheid, den das Bundesgericht noch korrigieren kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nicht im Interesse der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorschläge der ständerätlichen Wirtschaftskommission überwälzen im Fall einer neuen UBS-Krise die Risiken und die Haftung in erster Linie auf die Nationalbank und in zweiter Linie über den Public Liquidity Backstop (PLB) auf die Steuerzahler. Denn mit dem PLB-Mechanismus soll die Bundeskasse zum gesetzlichen Garanten für zukünftige Nationalbank-Liquiditätshilfen gemacht werden. Die erzürnte Finanzministerin hatte für den Murks der Ständeratskommission nur einen trockenen Satz übrig: «Es haben sich nicht die Interessen der Steuerzahler durchgesetzt.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Red. Dieser Artikel erschien zuerst in der «Handelszeitung».</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/die-banken-und-ihre-schweiz-ein-rueckblick-auf-50-jahre/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Banken und «ihre» Schweiz – ein Rückblick auf 50 Jahre</a>, Infosperber vom 10. August 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/ubs-powerplay-mit-versteckter-agenda/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">UBS: Powerplay mit versteckter Agenda</a>, Infosperber vom 6. August 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/eine-ohrfeige-fuer-ubs-ermotti-und-weichgeklopfte-parlamentarier/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eine Ohrfeige für UBS-Ermotti und weichgeklopfte Parlamentarier</a>, Infosperber vom 3. Juli 2026<br><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/marc-chesney-kontert-argumente-gegen-die-ubs-kapitalvorgaben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«UBS sollte Steuerzahlern für Staatsgarantie dankbar sein»</a>, Infosperber vom 25. April 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><a href="https://www.rudolfstrahm.ch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rudolf Strahm</a>, ehemaliger Preisüberwacher und alt SP-Nationalrat, leitete von 1978 bis 1984 die Kommission zur Ausarbeitung der Bankeninitiative und war sieben Jahre SP-Zentralsekretär.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Urheberrecht: Autoren einigen sich mit Anthropic auf Vergleich</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/justiz/vergleich-mit-anthropic-piraterie-und-urheberrecht/</link>
					<pubDate>Tue, 15 Sep 2026 07:31:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=726061</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Anthropic-Klage-talmeier-e1788968492777-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Anthropic Klage talmeier" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Anthropic-Klage-talmeier-e1788968492777-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Anthropic-Klage-talmeier-e1788968492777-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Anthropic-Klage-talmeier-e1788968492777.png 820w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Ich brauchte 14 Jahre, um zwei Fachbücher zu schreiben», sagt Charles Graeber. «Jetzt hat sie Anthropic kostenlos ausgewertet.» ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Charles Graeber hat zusammen mit den Autoren Kirk Wallace Johnson und Andrea Bartz eine Sammelklage gegen die Firma Anthropic wegen Piraterie und Urheberrechtsverletzung eingereicht. Der Grund: Die KI-Unternehmung habe ihre Bücher gestohlen, um ein kommerzielles Produkt zu entwickeln.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der «Claude» genannte generative KI-Chatbot sei speziell darauf ausgelegt, so zu schreiben, dass «ein Redaktor die Texte gutheissen würde und die Leserinnen und Leser bereit wären, dafür zu zahlen», schrieb Graeber in der «New York Times».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er ist Autor der zwei Fachbücher «The Good Nurse» und «The Breakthrough», für die er nach eigenen Angaben 14 Jahre gearbeitet hat. In der Sammelklage ging es um rund sieben Millionen Bücher, die Anthropic ausgewertet habe, ohne die Autoren zu fragen oder zu bezahlen. Die Inhalte seien gescannt und digitalisiert worden, um den Chatbot zu trainieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Klage sollte erreicht werden, dass das Urheberrecht der Autoren auch in KI-Zeiten geschützt und das Eigentumsrecht von Künstlerinnen und Schöpfern auf ihre Werke bestätigt würden. Das hat existentielle Aspekte. Die Autorinnen und Autoren bestreiten aus den Erträgen der Bücher ihren Lebensunterhalt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Erfolgschancen der Klage sind unsicher. Das kalifornische Bezirksgericht stellte einerseits fest, dass das KI-Training mit legal erworbenen Büchern «fair use» und unter bestimmten Bedingungen zulässig sei. Andererseits gab es den Klägern im Fall von etwa 500‘000 Büchern recht, weil Claude die Bücher illegal erworben habe: Es liege eine Urheberrechtsverletzung vor, wenn Datensätze aus raubkopierten Werken erstellt würden. Das sei kein «fair use» mehr. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kläger liessen sich auf einen Vergleich ein, der den illegalen Erwerb erfasst: Anthropic zahlt 1,5 Milliarden Dollar in einen Fonds ein, aus dem die Ansprüche von Autoren und Verlagen abgegolten und die Verfahrenskosten gedeckt werden können. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das entspreche etwa 3000 Dollar pro Buch, rechnete Graeber in der «New York Times» aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 2026 stimmte das zuständige&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/world/us-judge-approves-anthropics-15-billion-settlement-copyright-lawsuit-2026-07-20/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">US-Bezirksgericht </a>für den Nordbezirk von Kalifornien dem aussergerichtlichen Vergleich zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für ihn als Autor sei dieses Geld nach 14 Jahren Arbeit zwar nicht lebensverändernd, sagt Graeber. Doch in der Rechtsprechung sei der Vergleich ein Erfolg: 1,5 Milliarden Dollar seien die höchste Summe, die jemals mit einer Sammelklage im Urheberrecht erreicht wurde: «Es ist das Vierfache der üblichen Strafe für illegale Downloads.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rechtlich ist damit allerdings noch nicht geklärt, ob das KI-Training mit urheberrechtlich geschützten Werken tatsächlich unter «fair use» fällt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein urheberrechtlicher Präzedenzfall ist der getroffene Vergleich also nicht. Und so gibt es weiter keine generelle Lizenzierungs- und Abgeltungspflicht für KI-Trainingsdaten. Der «fair use» bleibt weiterhin im juristischen Graubereich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es gibt in den USA zahlreiche andere Verfahren mit ähnlichem Inhalt gegen Anthropic und andere KI-Unternehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in Europa ist noch ungeklärt, ob das Verwenden urheberrechtlich geschützter Werke zum Training von KI-Algorithmen lizenz- und damit abgabefrei sei.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Der F-35A ist ungeeignet – SVP drängte auf Bestellung</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/der-f-35a-ist-ungeeignet-svp-draengte-auf-bestellung/</link>
					<pubDate>Tue, 15 Sep 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="188" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/06/US-Jagdbombers-F-35-von-Lockheed-300x188.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="US-Jagdbomber F-35 von Lockheed" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/06/US-Jagdbombers-F-35-von-Lockheed-300x188.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/06/US-Jagdbombers-F-35-von-Lockheed-600x375.jpg 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/06/US-Jagdbombers-F-35-von-Lockheed.jpg 710w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Warum setzte die SVP so sehr auf den F-35? Wer waren Viola Amherds Influencer? Diese Fragen müsste eine PUK klären.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[



<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="195" height="187" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirmfoto-2023-04-11-um-12.54.21.png" alt="Bildschirmfoto 2023-04-11 um 12.54.21" class="wp-image-466355"/><figcaption class="wp-element-caption">Albert Stahel</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">1986 entschied das Pentagon, für die US-Luftwaffe 750 Mehrzweck-Kampfflugzeuge des Typs F-22 Raptor zu entwickeln und in Dienst zu stellen. Diese Stealth-Kampfflugzeuge (mit Tarnkappen-Fähigkeit) sollten vor allem auf den Stützpunkten in Japan stationiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Krieg gegen China sollten die F-22 im Luftkampf (Air-to-air combat) die chinesischen Luftstreitkräfte niederringen und anschliessend im Luft-Boden-Einsatz (Air-to-ground combat) deren bodengestützte Luftverteidigung ausschalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den 1990er Jahren setzte aufgrund der gewonnenen Erfahrungen mit dem Projekt F-22 die Entwicklung der F-35 ein. Neben der Air-Force sollten auch die Navy und das Marine-Corps Varianten dieses Typs erhalten. Die Navy F-35C und das Marine-Corps F-35B.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>USA mussten sparen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Feldzug gegen die Taliban 2001 und dem Angriff gegen den Irak 2003 mussten die USA zwei kostspielige Kriege gleichzeitig finanzieren. Zwecks Einsparungen musste die Zahl der Indienststellung von F-22 oder von F-35 reduziert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bedingt durch Zusagen an die europäischen Alliierten und der damit verknüpften Verpflichtungen zum F-35-Projekt entschied der damalige Verteidigungsminister der USA, Robert M. Gates, 2009 die Produktion der F-22 auf 187 zu beschränken: «The most significant was probably my decision to cap the F-22 stealth fighter at 187 aircraft.»(1)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Teilweise als Kompensation für die verzögerte Produktion der F-35C und auch als Ausgleich zu gewissen Defiziten der Leistungen (Aktionsradius) beschloss Gates, für die Flugzeugträger eine weitere Anzahl an Kampfflugzeugen F/A-18E/F Super Hornet in Dienst zu stellen: «… buy more F/A-18 fighters to keep the Navy’s carrier wings fully equipped ….»(2)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Entscheid dürfte dazu geführt haben, dass auch heute noch ein Superträger wie die Gerald R. Ford mit Kampfflugzeugen des Typs F/A-18E/F ausgerüstet ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zu wenig Mehrzweckflugzeuge</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die US-Luftwaffe verfügt heute über eine wachsende Zahl an F-35A (die insbesondere für den Einsatz Air-to-ground konzipiert sind), aber nur über eine kleine Flotte an Mehrzweckflugzeugen (sowohl für Air-to-air- als auch für Air-to-ground-Einsätze).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies dürfte mit ein Grund sein, warum die F-15-Flotte der US-Luftwaffe und der Air-National-Guard durch modernere Mehrzweck-Kampfflugzeuge F-15EX Eagle II ergänzt und ersetzt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter ist zu erwähnen, dass trotz der elektronischen Superausrüstungen die F-35A Nachteile aufweisen, so die Geschwindigkeit von Mach&nbsp;1,6 bei einer maximalen Waffenzuladung sowie der begrenzte Aktionsradius. Des Weiteren verfügen F-35A entgegen der Philosophie der US-Luftwaffe nur über ein Triebwerk, und die Besatzung besteht aus einem Mann. Mehrzweck-Kampfflugzeuge wie die F-22 werden hingegen von einem Piloten und einem Waffenoffizier geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>F-47 zum Ausgleich der Defizite</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Ausgleich dieser Defizite wird heute mit hoher Priorität das neue Mehrzweck-Kampfflugzeug F-47 der sechsten Generation als Ersatz der F-22 entwickelt. Der F-47 soll sehr bald eingeführt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der US-Navy macht sich auch zunehmend die Beschädigung der für den Stealth-Einsatz entscheidenden Beschichtung der F-35C durch Salzwasser bemerkbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Luftwaffe der Schweiz betrifft, so wird diese in absehbarer Zeit – bedingt durch die eskalierenden Kosten – mit einer kleinen Flotte an F-35A ausgerüstet werden. Entgegen dem Ziel des Schutzes des Luftraumes durch Air-to-air-combat-Einsätze wird eine Flotte, die eigentlich für Air-to-ground-Einsätze konzipiert ist, verfügbar sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da stellt sich die Frage nach dem Sinn dieser Flotte für die Schweiz. Gegen welchen Gegner soll sie in einem Ernstfall eingesetzt werden und diesen bombardieren? Wichtig wäre zu wissen, wer im VBS den Entscheid zur Evaluation dieses Flugzeugtyps beeinflusst hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Notorische Sympathien für US-Produkte</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Welche Funktion hatte die Beamtenschaft der Armasuisse mit ihren notorischen Sympathien für US-Rüstungsprodukte und für lukrative Abkommandierungen in die USA? Haben externe Berater wie frühere Kommandanten der Luftwaffe sowie Parlamentarier mit Piloten-Sympathien die Evaluation, die zu diesem Entscheid geführt hat, beeinflusst? Interessant wäre auch die Antwort auf die Frage, warum sich unter den Parteien vor allem die SVP für den F-35A einsetzt. Dies könnte ein Hinweis auf die Influencer sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die ehemalige Bundesrätin Viola Amherd betrifft, so dürfte sie als Luftwaffen-Novizin durch einen Kreis von Influencern regelrecht geführt worden sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle diese Aspekte müssten durch eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) abgeklärt werden. Dazu gehört auch die bisher durch die Armasuisse verhinderte Einsichtnahme in die Unterlagen der unklaren Evaluation.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">____________<br><em>1 Gates, R.M., Duty, Memoirs of a Secretary at War, WH Allen, New York, 2014, S. 318<br>2 Gates, R.M., S. 318</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/medien-warnten-das-vbs-schon-2021-vor-dem-kampfjet-kauf/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Medien warnten das VBS schon 2021 vor dem Kampfjet-Kauf</a>, Infosperber vom 9. September 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/der-f-35-ist-nur-waehrend-25-prozent-der-zeit-voll-einsatzfaehig/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der F-35 ist nur während 25 Prozent der Zeit voll einsatzfähig</a>, Infosperber vom 26. Juni 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/kampf-jet-f-35-ende-mit-schrecken-oder-schrecken-ohne-ende/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kampf-Jet F-35: Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende</a>, Infosperber vom 16. Oktober 2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Der Professor, Sicherheitsexperte und SVP-Politiker Albert Stahel war langjähriger Dozent für Strategische Studien an der Universität Zürich.<br>Dieser Artikel erschien zuerst auf «<a href="https://insideparadeplatz.ch/2026/09/12/f-35a-ungeeignet-fuers-land-wer-draengte-auf-bestellung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Inside Paradeplatz</a>».<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>F-35: Zuerst alle angelogen, dann mit Direktorenposten belohnt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/f-35-zuerst-alle-angelogen-dann-mit-direktorenposten-belohnt/</link>
					<pubDate>Mon, 14 Sep 2026 08:40:04 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-15.49.57-e1789369358838-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2026-09-13 um 15.49.57" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-15.49.57-e1789369358838-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-15.49.57-e1789369358838.png 733w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Darko Savic sorgte dafür, dass die Pilatus AG dank dem F-35-Kauf zu Kompensationsgeschäften kommt. Jetzt ist er dort Direktor. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Wenn hohe Beamte lukrative Posten in der Privatwirtschaft anstreben, sorgen sie dafür, sich beim gewünschten Unternehmen beliebt zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein exemplarischer Fall ist Darko Savic. Bis vor kurzem war er der&nbsp;«Mister Kampfjet» im&nbsp;Eidgenössischen Departement für Verteidigung (VBS). Er war dort Projektleiter des F-35-Beschaffungsprogramms.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Savic hatte mit den USA verhandelt, kannte alle Details des Kaufvertrags und hat diesen mitunterzeichnet. Trotzdem log er seine Vorgesetzten gleich doppelt an:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Der Kaufpreis sei fix.</li>



<li>Für die Betriebskosten gebe es einen Mehrjahresvertrag bis 2040. Falls der Unterhalt teurer käme als vereinbart, müssten die USA dafür geradestehen.</li>
</ol>



<p class="wp-block-paragraph">Dank der Unwahrheit mit Kosten von «höchstens von 6 Milliarden Franken»*, die auch Bundesrätin Viola Amherd verbreitete, hatte das Schweizer Stimmvolk der Beschaffung von Kampfflugzeugen mit einer hauchdünnen Mehrheit von 50,1 Prozent der Stimmen zugestimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich müsste die Abstimmung wiederholt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Die Pilatus AG und Savic sind die Gewinner</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer sich ins Fäustchen lacht, sind die Pilatus Flugzeugwerke AG. Denn die Fabrik in Stans profitiert von lukrativen&nbsp;<a href="https://www.vbs.admin.ch/en/newnsb/gZUMF2YH2Hq4MCiG-TSec" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kompensationsgeschäften</a>. F-35-Hersteller Lockheed Martin verpflichtet sich, 60 Prozent des Vertragswerts&nbsp;–&nbsp;umgerechnet rund drei Milliarden Dollar&nbsp;– über Aufträge und Kooperationen mit Schweizer Firmen zu kompensieren. Mindestens 20 Prozent davon müssen direkt mit der F-35-Beschaffung zusammenhängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April 2025 gab Armasuisse bekannt, dass ein Offset-Projekt zwischen Pilatus und Lockheed Martin genehmigt wurde: Pilatus erhält&nbsp;<a href="https://www.ar.admin.ch/de/nsb?id=104743" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zugang zu F-35A-Technologie</a>&nbsp;von Lockheed Martin, um gemeinsam ein hochmodernes Pilotenausbildungssystem der nächsten Generation zu entwickeln&nbsp;–&nbsp;aufbauend auf dem eigenen Trainingsflugzeug PC-21.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dank diesem Know-how soll Pilatus künftig eigenen Kunden&nbsp;–&nbsp;also Luftwaffen weltweit, die den F-35 oder andere Kampfjets der fünften Generation betreiben&nbsp;–&nbsp;<a href="https://skynews.ch/startseiten-news/pilatus-bekommt-f-35-know-how-fuer-kuenftige-trainer/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">massgeschneiderte Trainingslösungen</a>&nbsp;anbieten können. Das verschafft Pilatus neue Verkaufschancen für die PC-21-Plattform.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Darko Savic erhielt Direktorenposten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Den Mann, der den F-35-Deal eingefädelt und Bundesrat und&nbsp;Öffentlichkeit angelogen hat, um mit einer erfolgreichen Volksabstimmung den Deal zu besiegeln – diesen Mann haben die Pilatus-Werke mit einem lukrativen Direktorenposten belohnt. Er ist nun&nbsp;«Director Program Management Business Aviation»&nbsp;bei Pilatus Aircraft Ltd. Savic verliess das VBS per Ende April 2025 und trat seinen Posten bei Pilatus am 1. Juni 2025&nbsp;an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von einer längeren Karenzzeit für Spitzenbeamte wollte das Parlament nie etwas wissen. Sie dürfen weiterhin sofort eine Stelle bei einem Unternehmen antreten, das sie vorher zu beaufsichtigen oder zu reglementieren hatten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etliche Länder verhindern diese folgenschwere Art von Interessenkonflikten.&nbsp;<a href="https://publicmatters.nl/en/actueel/over-draaideuren-pantouflage-franse-regels-voor-lobbytransparantie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frankreich</a>&nbsp;hat die Karenzzeit (<em>cooling-off period</em>) für den Wechsel von Spitzenpolitikern und hochrangigen Beamten in die Privatwirtschaft (&nbsp;«Pantouflage<strong>»</strong>&nbsp;genannt, auf Deutsch «Drehtüreffekt») auf drei Jahre&nbsp;nach dem Ausscheiden aus dem Amt&nbsp;festgelegt. Überwacht und durchgesetzt wird diese Regelung von einer unabhängigen Verfassungsbehörde, der&nbsp;<a href="https://www.hatvp.fr/en/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Haute Autorité pour la transparence de la vie publique.</a></p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Heikle Wechsel auch in der Pharmabranche </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vom Verwaltungsschreibtisch direkt in die Privatwirtschaft – auch in der Pharmabranche ist dieser sogenannte Drehtür-Effekt ein Problem. Oder ein Vorteil, je nachdem, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nonprofitorganisation <a href="https://www.publiceye.ch/de/themen/pharmaindustrie/unter-welchem-einfluss-der-industrie-stehen-schweizer-behoerden" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Public Eye</a> zählte Beispiele auf:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Ein Vize-Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), zuständig für die Kranken- und Unfallversicherung, wird ohne Karenzfrist Geschäftsführer einer privaten Krankenkasse.</li>



<li>Ein Apotheker arbeitet zehn Jahre als Experte für Regulierungsfragen für einen Pharmakonzern, wechselt dann für eineinhalb Jahre ins BAG und von dort zu einer weltweit führenden Biotech-Firma.&nbsp;</li>



<li>Ein Analytiker ist 15 Jahre lang für klinische Versuche bei verschiedenen Pharmafirmen verantwortlich, arbeitet danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter über zwei Jahre für die Arzneimittelbehörde Swissmedic und wird schliesslich Geschäftsführer eines grossen Pharmaherstellers. &nbsp;</li>



<li>Ein Mitarbeiter ist fünf Jahre lang für Regulierungsfragen bei einer Pharmafirma zuständig, prüft dann als Swissmedic-Mitarbeiter 18 Monate lang Zulassungsdossiers, arbeitet anschliessend 17 Jahre für verschiedene Pharmahersteller und eine Beratungsfirma der Pharmabranche, wechselt erneut für eineinhalb Jahre zu Swissmedic, um danach wieder in die frühere Beratungsfirma zurückzukehren.&nbsp;</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Public Eye und das Recherchekollektiv Wav gingen die Linkedin-Profile von 3118 aktuellen und früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BAG und von Swissmedic durch. Das BAG handelt unter anderem Arzneimittelpreise und Krankenkassenprämien aus, Swissmedic ist für die Arzneimittelzulassung und -überwachung zuständig. Von 2013 bis 2024 fand Public Eye so 208 Fälle, die Swissmedic betrafen und 76 beim BAG. Die wahre Anzahl dürfte höher liegen, da nicht alle ein vollständiges Linkedin-Profil führten. <em>(mfr)</em></p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">________<br><em>*Hier stand zuerst «die Unwahrheit mit dem Fixpreis». In der Abstimmungsvorlage war von «höchstens 6 Milliarden Franken» die Rede.</em> <em>Unterdessen würden die 36 F-35-Kampfjets 7,7 Milliarden kosten.</em> <em>Falls nur 30 Stück: 6,4 Milliarden.</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/4f64ee014dcd48a0b8f361b051f0d46d" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Wenn ich die Midterms gewinne, erhält jeder Bürger 5000 $!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/wenn-ich-die-midterms-gewinne-erhaelt-jeder-buerger-5000/</link>
					<pubDate>Mon, 14 Sep 2026 08:39:01 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=726603</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="228" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/xxx4nyv55G74hE8_7WBks-iKM-300x228.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="xxx4nyv55G74hE8_7WBks-iKM" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/xxx4nyv55G74hE8_7WBks-iKM-300x228.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/xxx4nyv55G74hE8_7WBks-iKM-1024x778.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/xxx4nyv55G74hE8_7WBks-iKM-768x584.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/xxx4nyv55G74hE8_7WBks-iKM-1536x1167.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/xxx4nyv55G74hE8_7WBks-iKM.png 1920w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Die Leute glauben Ihnen nicht mehr!!!» – «Okay! Dann halt 10'000 $!»]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Deutsche Umwelthilfe: Nur ein Autohersteller kühlt ohne PFAS</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/uebriges-wirtschaft/deutsche-umwelthilfe-nur-ein-autohersteller-kuehlt-ohne-pfas/</link>
					<pubDate>Mon, 14 Sep 2026 08:35:59 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=723643</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="188" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_162363338_L-300x188.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_162363338_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_162363338_L-300x188.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_162363338_L-1024x641.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_162363338_L-768x481.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_162363338_L-1536x962.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_162363338_L.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Rote Karte» für 14 von 16 Autoherstellern. Für PFAS-haltige Kühlmittel gibt es längst Alternativen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Es gibt einen völlig unterschätzten Grund, im Stau dauerhaft links zu fahren: der Schattenwurf der Lastwagen auf der rechten Spur. Das weiss ich, seit ich im kochendheissen Juli auf der deutschen A5 im Stau steckte. Eine lange Fahrzeugschlange bewegte sich im Schritttempo auf Karlsruhe zu und die Klimaanlage war ausgefallen. Wer mehr litt, der Fahrer oder ich, ist schwer zu sagen. Im Zweifelsfall ich, denn die Sonne stand auf der Beifahrerseite, bei offiziell 35 Grad. Über dem Asphalt waren es sicher noch einige Grad mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Wie hat man das eigentlich früher überstanden?», überlegte ich. Nicht sehr lange. Auf die Klimaanlage zu verzichten, ist bei diesen Temperaturen keine Option mehr. Leider ist diese meist auch sehr umweltschädlich. Die meisten Hersteller verwenden in ihren Fahrzeugen Kühlgase, die PFAS enthalten oder abspalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Standard-Kühlgase spalten schädliche Substanz ab</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders häufig im Kühlkreislauf findet sich das Gas 1234yf, auch R1234yf oder HFO-1234yf, mit vollem Namen Tetrafluorpropen. 1234yf ist ein PFAS und zersetzt sich in der Atmosphäre nahezu vollständig zur Trifluoracetat (TFA).</p>



<p class="wp-block-paragraph">TFA wiederum ist das kleinste bekannte PFAS und extrem langlebig. Die Chemikalie galt lange als harmlos, wurde von der EU-Chemikalien-Behörde Echa aber <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/triflouracetat-tfa-als-fortpflanzungsschaedigend-eingestuft/">im Juni</a> als fruchtbarkeitsschädigend eingestuft. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), senkte <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/eu-behoerde-senkt-sichere-aufnahmemenge-von-triflouracetat-tfa/">im August</a> die unbedenkliche Aufnahmemenge um zwei Drittel. Die TFA-Menge in der Umwelt steigt kontinuierlich an. Die wichtigsten TFA-Quellen sind Pestizide und Kältemittel wie 1234yf. Die <a href="https://www.kka-online.info/artikel/auswirkungen-der-pfas-verbote-auf-unsere-branche-4035654.html">Kühlmittel-Branche</a> hielt TFA bis vor wenigstens drei Jahren für komplett unschädlich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«Rote Karte» für 14 Autohersteller</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ungiftigere Alternativen gäbe es, zum Beispiel Kohlendioxid oder Propan. Nur verwendet sie fast niemand. Keiner der grossen Autohersteller kühle mit CO<sub>2</sub>, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe (<a href="https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/pfas-ewigkeitschemikalie-in-autoklimaanlagen-deutsche-umwelthilfe-deckt-ignoranz-von-bmw-mercedes/">DUH</a>). Nach einer Anfrage, die die DUH an 16 grosse Autohersteller richtete, gibt es nur zwei Ausnahmen. Genauer gesagt: anderthalb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch da kann von breiter Anwendung keine Rede sein: Der deutsche Hersteller VW setzt in ausgewählten E-Fahrzeugen aktuell CO<sub>2</sub> als Kältemittel ein. Der chinesische Hersteller BYD hat die technischen Prüfungen abgeschlossen und plant die Integration von CO<sub>2</sub>-Kühlanlagen in künftige Modelle für Europa. Das reicht laut DUH wenigstens für die «Gelbe Karte».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rot gab es für alle andern: Von 16 angefragten Autoherstellern antworteten insgesamt nur sechs, vier davon mit allgemeinen Verweisen auf die Gesetzeslage, darunter beispielsweise BMW. Zehn Hersteller antworteten gar nicht. Nach Einschätzung der DUH verwenden sie sehr wahrscheinlich weiterhin klimaschädliche Kältemittel und verfügen über kein erkennbares Ausstiegsszenario. Eine «Grüne Karte» vergab die DUH gar nicht. Die Liste gibt es <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Grafik_Pkw_Herstellerranking_final.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> als PDF.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Chance verpasst: Umstellung auf CO<sub>2 </sub>stand schon einmal zur Diskussion</h2>



<p class="wp-block-paragraph"> «Das ist angesichts der wachsenden Belastung unserer Wasserressourcen mit extrem schädlichen Ewigkeitschemikalien völlig inakzeptabel», sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Kurz zur Geschichte: 1234yf wurde einst eingeführt, weil dessen Vorgänger, die Chemikalie <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/fluorierte-treibhausgase-fckw/anwendungsbereiche-emissionsminderung/klimaanlagen-in-auto-bus-bahn/autoklimaanlagen-fluorierten-kaeltemitteln">R1</a><a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/fluorierte-treibhausgase-fckw/anwendungsbereiche-emissionsminderung/klimaanlagen-in-auto-bus-bahn/autoklimaanlagen-fluorierten-kaeltemitteln">34a</a> (1,1,1,2-Tetrafluorethan), wegen seiner Klimaschädlichkeit verboten wurde. Seit  2017 ist R134a bei allen Neuwagen in der EU nicht mehr zulässig. Als Alternative im Raum stand CO<sub>2</sub>, das in der Kältetechnik als R744 bezeichnet wird. Kohlendioxid ist ungiftig, nicht brennbar und hat eine vergleichsweise geringe Klimawirkung. Auf ein Umschwenken konnte sich die Automobilbranche jedoch <a href="https://www.heise.de/news/Klimaanlagen-spalten-europaeische-Autohersteller-182414.html">nicht einigen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen setzte sich 1234yf durch &#8211; ein weiteres Beispiel für einen Ersatzstoff, dessen Einsatz man wissenschaftlich als «regrettable substitution» bezeichnet und umgangssprachlich als «Verschlimmbesserung». Eine extrem klimaschädliche Substanz wurde durch eine schädliche Ewigkeitschemikalie ersetzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schon eine Million Fahrzeuge mit CO<sub>2</sub>-Kühlung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr über die Hintergründe der aktuellen Diskussion um 1234yf wissen die <a href="https://www.fr.de/wirtschaft/auto-klimaanlagen-setzen-schaedliche-ewigkeitschemikalie-tfa-frei-94350066.html">«Frankfurter Rundschau»</a> (FR) und der deutsche «Tagesspiegel». Beide zitieren eine Studie des <a href="https://www.hanonsystems.com/En/Media/TechnicalPapers/PFAS-free-MAC-Refrigerants" target="_blank" rel="noreferrer noopener">südkoreanischen Autozulieferers Hanon</a>. Demnach haben europäische Automobile im vergangenen Jahr 5000 Tonnen TFA über Kühlmittel emittiert. Bis 2036 werden die TFA-Emissionen auf 9000 Tonnen im Jahr steigen, prognostiziert der Report. Wenn es bis dahin keine gesetzlichen Einschränkungen gibt, könnten allein Auto-Klimaanlagen insgesamt 240’000 Tonnen TFA in die Umwelt bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Hanon sind aber bereits mehr als eine Million Personenwagen mit CO<sub>2</sub>-Klimaanlagen unterwegs. Eingesetzt würden sie seit 2020 vor allem in der ID-Serie von VW sowie bei Audi, Skoda, Cupra und bei Ford.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für E-Autos habe das Kältemittel zudem einen Vorteil: Wenn diese nicht mit einer klassischen Heiz- und Kühlanlage, sondern mit einer Wärmepumpe versehen seien, erhöhe sich bei kaltem Wetter die Reichweite, weil die Batterie weniger belastet werde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">PFAS-freie Kühlung wäre längst serienreif</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wärmepumpe fürs Auto müsse allerdings eigens bestellt werden. Mehrkosten laut FR: etwa 1000 Euro. Wer das nicht will, bekommt weiter eine PFAS-Kühlung. In Ländern wie Norwegen ist das laut VW anders, dort sei die CO<sub>2</sub>-Wärmepumpe serienmässig vorgesehen. Sehr viel teurer ist das laut dem Hanon-Bericht in der Serienfertigung nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was Fachleute wenigstens wundert, ist aus Umweltsicht unverständlich und bestärkt die Deutsche Umwelthilfe in ihrer Kritik: Klimaanlagen mit CO₂ als Kältemittel sind längst serienreif. Das beweise ihr Einbau bei VW, sagte eine Expertin des deutschen Umweltbundesamts gegenüber der «Frankfurter Rundschau». Man habe bereits 2009 zum Umschwenken aufgerufen. Auch Mercedes-Benz hatte die umweltschonende Klimaanlage schon, ihr Einsatz in der S-Klasse wurde jedoch eingestellt. Die Technologie sei ausgereift und müsse serienmässig ohne Aufpreis eingebaut werden, fordert der Verkehrs- und Umweltfachmann Axel Friedrich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir erinnern an dieser Stelle an die FCKW-freien Kühlschränke des ostdeutschen Unternehmens <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Foron">Foron</a>, die 1993 den Markt aufrollten. Finanziert worden war ihre Markteinführung von Greenpeace. Zuvor hatten die Kühlgerätehersteller unisono behauptet, die Umstellung auf weniger ozonschädliche Kühlmittel sei schwierig und benötige Jahre. Was sie nicht daran hinderte, es Foron innerhalb kurzer Frist gleichzutun.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/triflouracetat-tfa-als-fortpflanzungsschaedigend-eingestuft/">Trifluoracetat (TFA) als fortpflanzungsschädigend eingestuft</a> – Infosperber am 28. Juni 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/wasserwerke-schlagen-alarm-tfa-bedroht-das-trinkwasser/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wasserwerke schlagen Alarm: TFA bedroht das Trinkwasser</a> – Infosperber am 15. Juni 2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/65648e590315435c91934b44d72e18ab" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Bin ich ein leichtgläubiger Gimpel?</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/bin-ich-ein-leichtglaeubiger-gimpel/</link>
					<pubDate>Mon, 14 Sep 2026 08:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=725375</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Fracking-ID76451715-e1788763809359-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="stop fracking" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Fracking-ID76451715-e1788763809359-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Fracking-ID76451715-e1788763809359-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Fracking-ID76451715-e1788763809359-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Fracking-ID76451715-e1788763809359.jpg 1388w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein braver Boykotteur, ein braver Umweltschützer, ein braver KI-Gläubiger.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Manchmal frage ich mich: Bin ich ein Gimpel in diesem guten alten Europa? Nehmen wir beispielsweise das russische Gas: Ich boykottiere es, um stattdessen Gas aus den USA zu kaufen, das dreimal so teuer ist. Zwei Franken kostet ein Liter Benzin. Vor zehn Jahren waren es noch 1,35 Franken. Kleingeld? Kommt drauf an, für wen!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal frage ich mich: Bin ich ein guter Umweltschützer? Denn ich importiere Schiefergas aus den USA. Du weisst schon, es wird durch Fracking gewonnen. Bumm! Bumm!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal frage ich mich: Wohin fliesst mein Geld? Die Lebenshaltungskosten schiessen in die Höhe? Die Aufrüstung, das Kampfflugzeug, dessen Preis den vom Volk bewilligten Betrag um eine halbe Milliarde übersteigt? Das ist mir egal, sang die grosse Edith Piaf («Non, je ne regrette rien»).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sauber und ordentlich bin ich, ein braver Europäer! Muss ich mich deswegen schuldig fühlen? Ich erwärme mein Wasser mit Sonnenkollektoren, halte mich an die Vorschriften meiner Gemeinde, trenne gewissenhaft meinen Müll, giesse meinen Garten während Hitzewellen nicht und sammle den Hundekot auf dem Trottoir ein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bestrafe mich selbst, um ein reines Gewissen zu haben und an nichts denken zu müssen. Das ist so erholsam!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland, seine Verwüstungen, seine Umweltverschmutzungen. Bombardierte Tanker im Persischen Golf. Wer spricht von den Ölkatastrophen? Ich habe in den Medien nichts darüber gelesen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">À propos, wann und wo findet die nächste Klimakonferenz statt? Im November in der Türkei? Dort gibt es schöne, saubere Strände. Als braver Europäer melde ich mich an!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich verspreche es, ich stimme für die Partei meines Präsidenten, ein netter Kerl. Er war in Fontainebleau, er fährt zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Er schwört auf die KI, die Wohltäterin der Menschheit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hat recht, der Roboter löst alles. Fragt doch nur den KI-Roboter, wie er Kriege eindämmen will – den Faktor Nummer eins für den Klimawandel. Er wird euch antworten: Künstliche Intelligenz wird Kriege nicht wirklich eindämmen, sondern eher deren Kadenz beschleunigen und die Angriffe noch tödlicher machen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal frage ich mich: Bin ich ein leichtgläubiger Gimpel in diesem guten alten Europa?</p>



<p class="wp-block-paragraph">_______________<br><em>Der Originaltext auf Französisch auf <a href="https://www.infomeduse.ch/2026/09/06/il-est-des-fois-ou-je-me-demande/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Infoméduse»</a></em></p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>F-35: Persönliche Ressentiments waren entscheidend</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/f-35-persoenliche-ressentiments-waren-entscheidend/</link>
					<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 08:39:40 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=726669</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="179" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-3092-300x179.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach 3092" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-3092-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-3092-1024x612.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-3092-768x459.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-3092-1536x918.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/flach-3092-2048x1224.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Sicherheitspolitiker des Ständerats glaubten dem VBS das Fixpreis-Märchen. Weil sie den EFK-Chef nicht leiden konnten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Eines muss man dem SVP-Ständerat Werner Salzmann lassen. Er ist ehrlich. Wie ich zu diesem Schluss komme? Ich habe ihm in der «<a href="https://www.srf.ch/audio/samstagsrundschau/was-lernt-das-parlament-aus-der-kampfjet-affaere-herr-salzmann?id=AUDI20260912_NR_0016" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Samstags-Rundschau</a>» von Radio SRF zugehört. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Moderator Dominik Meier wollte von damaligen Chef der Sicherheitspolitischen Kommission des Ständerats wissen, ob es ein Fehler war, der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK) nicht zu glauben. Die EFK hatte schon vor dem Parlamentsentscheid für den F-35 gewarnt, es gebe keinen Fixpreis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der «Samstags-Rundschau» sagte Salzmann:</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Selbstverständlich haben wir die Eidgenössische Finanzkontrolle angehört. Wir hatten sie sogar eingeladen. Und gleichzeitig hatten wir die Leute aus der Verwaltung. Und wir mussten dann eine Abwägung machen: Was stimmt jetzt? Und dort haben wir eindeutig den Entscheid getroffen – aufgrund des Arguments: Das, was uns die Verwaltung sagt, ist richtig.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Die Finanzkontrolle hat eine sehr wichtige Funktion. Aber ich muss Ihnen leider sagen: Unter der Leitung von Herrn Huissoud hat sie sehr viel politisch Stellung genommen. (&#8230;) So war die Glaubwürdigkeit der EFK damals leider nicht so gross.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Salzmann weiter: «Man hat die Kritiker angehört. Aber wegen dieser Ressentiments hat man ihnen nicht geglaubt.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Klartext heisst das: Die Sicherheitspolitische Kommission liess sich nicht von Fakten leiten, sondern von Ressentiments.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder anders gesagt: Die Mehrheit glaubte an das Fixpreis-Märchen aus dem Verteidigungs-Departement, weil sie den damaligen EFK-Chef Michel Huissoud nicht leiden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selten sagt ein Politiker so offen, wie dilettantisch unser Parlament manchmal arbeitet.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/8a5a24d81d6448989a305f4cc57ed76d" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>kontertext: Die Tempelwächter in meinem Regal (4)</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/bildung/kontertext-die-tempelwaechter-in-meinem-regal-4/</link>
					<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 08:39:13 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=726349</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="150" height="150" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/02/mm_mg_1793b_sw_web-e1643987299585.jpg"/></p>Das Buch als Rohstoff für modernen Bergbau: Wie Big Tech mit erschlichenen Schürfrechten das schriftliche Erbe kolonisiert.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Bücher können nicht nur durch innere Komplexität, sondern auch durch ihre schiere Masse einschüchtern. Zwar bin ich imstande, ei­nem verschlungenen Gedankengang über viele Seiten zu folgen, doch dem Chorgesang aus prallvollen Regalen fühle ich mich nicht ge­wachsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So habe ich lange Zeit mit wenigen Büchern gelebt, ähnlich wie Wal­ter Benjamin es in seinem berühmten <a href="https://www.textlog.de/benjamin/kleine-prosa/denkbilder/packe-bibliothek-aus">Essay</a> beschreibt. Zum einen fehlte mir das Geld, zum andern nagte ich oft länger an einigem Wenigen her­um. Es wurde umso verlockender, je unzugänglicher es mir erschien – als sei ich nicht geschaffen, die Dickichte des Denkens zu erkunden. Je mehr Wissensstaub ich inhalierte, desto weiter hinaus ins Ungreif­bare schienen die Sternhaufen der Gutenberg-Galaxis zu entschwin­den.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Gefühl des Ungenügens hielt aber auch meinen Lesehunger wach. Den &#171;Mann ohne Eigenschaften&#187; nahm ich mir mindestens so oft vor, wie ich an der &#171;Kritik der reinen Vernunft&#187; abprallte. Lieber las ich Unverstandenes noch einmal, als Neues anzugehen. So waren meine Bücher mehr Herde als Heer – und ich kein General auf dem Hügel, sondern ein Hirte, der im Gelände seine Schar beisammenhält.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Büchererbe</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Vielfaches dessen, was ich besass, stand mir nach dem Tod des Vaters ins Haus. Ich besah seine Buchspaliere und konnte mich nicht zu definitiven Asylbescheiden durchringen. Gleich welchen Band ich ins Fach der Refusés schob, er schaute von da zurück als Zeuge eines Verrats. Ich hatte ja meine Kindheit unter diesen Rücken verbracht, meist in eigene Lektüren verstrickt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch den väterlichen Nachlass drohte nun aber Platznot nicht nur in den Regalen, sondern in der ganzen Wohnung. Erbschaft, schreibt Benjamin, sei «eigentlich die triftigste Art», zu einer Sammlung zu kommen, denn die Haltung des Sammlers sei «im höchsten Sinne die Haltung des Erben».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das väterliche Vermächtnis war vor allem eines des Hegens und der Sorge. Er hatte auch Titel behalten, deren künftiger Nutzen zweifel­haft war – einfach <em>weil es Bücher waren:</em> Kulturgut, überliefertes Ge­denken. Sie standen ein gegen das Abgleiten in Vergessen und Indif­ferenz. Und so schrieb er auch Irrläufer und Grenzfälle nicht ab, son­dern liess sie zwischen alten Lieblingen stehen. Wer konnte schon wissen, welche Wendung des Schicksals sie noch einmal notwendig machen würde?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Benjamin spricht vom Sammler als einer taktischen Natur. Er folgt Strategien des Beschaffens und weiss, wie wenig vom Kommenden er absehen kann. So entscheidet er sich für die grosse Zahl. Um gewapp­net zu sein für das Künftige, wendet er sich zurück und bildet Greif­vorräte aus Bestehendem. Dabei sieht er sich durch die Historie sei­nes Tuns in die Pflicht versetzt, die Schafe beisammenzuhalten. Und dieses Selbstgefühl, wie es sich auf die Bücher überträgt, macht aus ihm jene Gestalt, die er nie sein wollte: einen Besitzer, der die Herde hütet – dasjenige, was ihn als Leser schemenhaft mit Bedeutung be­glückte. Ein flüchtiges Gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht auch darum schreibt Benjamin: «Das Phänomen der Samm­lung verliert, indem es sein Subjekt verliert, seinen Sinn.» – Hätte ich diesen Satz erinnert, als ich wie ein versprengter Partisan vor den vä­terlichen Riegen stand, wäre mir mancher Zwiespalt erspart geblie­ben. Nicht nur blickte mich aus seinen Regalen ja die Fülle des Unge­lesenen an; der Griff nach gewissen Titeln offenbarte auch, wie sehr das Denken Moden folgt, wie schnell etwas einst Brisantes sich erüb­rigen kann, wenn unter dem Text hinweg die Zeit sich wandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Pool</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute mischen sich in meinen Regalen die Erbstücke bunt mit Er­worbenem. Geschenke, Rezensions- und Widmungsexemplare stehen einmütig nebeneinander; gemeinsam ist ihnen, dass sie Seite an Seite alt geworden sind. Der Atem des Vergessens und das Zugleich der Zeitalter umwittert sie. Bestseller von einst vergilben, Widmungen verschwimmen, Anstreichungen zeugen vom ideologischen Eifer, mit dem einer auf der richtigen Seite der Geschichte stehen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnliche Eindrücke beschleichen mich in Antiquariaten: Auch hier bilden Bücher einen Pool, in dem Hochgelobtes und Verschmähtes ei­nen Bodensatz der Geschichte bildet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was ist so aufschlussreich an diesem Nebeneinander?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst unter seiner Wirkung offenbaren sich die Wertigkeiten, nach de­nen Schriften einst beurteilt worden sind. Nun unterliegen sie einem kritischen Vergleich. Das Regal wird zum Sammelbecken der Schrift­kultur: Vom &#171;Ägyptischen Totenbuch&#187; über &#171;Sempers Baukunst&#187; bis zum &#171;Leitfaden für die erfolgreiche Wassergeburt&#187; bilden Bücher das Plank­ton in den Ozeanen des Wissbaren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von der Fadenheftung zum Sprachmodell</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen Schlick rühren heute KI-Firmen auf, um ihre Sprachmodelle zu füttern. Gerade ist am europäischen Markt für gebrauchte Bücher zu beobachten, wie anonyme Firmen aus Kanada und den USA als Grosskäufer auftreten. Sie erwerben vor allem alte, unverkäufliche Sachliteratur, um sie einzuscannen und dann einzustampfen. Sprach­moleküle und Sinntrümmer werden zu einer Masse verrührt, in der die Dialektik der Zukunft herandämmern soll: die zwischen Algorith­mus und Mensch. Anonyme Sprach- und Diskursoberflächen ersetzen jenes Geschichtsbewusstsein, das Bücher durch ihr physisches Leben stiften. (Benjamin nennt es in seinem Essay etwas numinos «das Schicksal der Bücher» – wer seine Lebensgeschichte kennt, wird hier zusammenzucken.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Fischzügen der Techkonzerne ist die Relevanz der Texte un­erheblich, von ihrem Schicksal zu schweigen. Nicht wegen ihres In­halts werden sie herangezogen, sondern weil andere Bestände schon ausgebeutet sind: Selbstlernende Sprachmodelle brauchen immer neue Nahrung, um sich zu ‹trainieren› (für welchen Wettkampf eigent­lich?).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man geht davon aus, dass die Käufer Tarnfirmen sind. SRF hat im <a href="https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/jagd-auf-alte-buecher-ki-firmen-kaufen-antiquariate-leer-und-vernichten-die-buecher">Rahmen</a> seiner Kulturberichterstattung darauf aufmerksam gemacht, ohne tiefer auszuloten, was die Konsequenzen dieser geisterhaften Transaktionen sein könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das beschriebene summarische Vorgehen offenbart eine zugleich demokratische und pyramidale Haltung: pyramidal, da die Betreiber nichts Geringeres bezwecken als die Kolonisierung des menschlichen Sprachgebrauchs; demokratisch, da sie keinem Kanon folgen. Nicht alte weisse Gatekeeper-Männer haben das Sagen, das einzige Kriteri­um ist die Quantität. Je grösser der Pool, desto brauchbarer das Er­gebnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das formulierende Es und die Pornografie der Sinnbildung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bücher sind hier nur noch Content und Formenvorrat – sie haben ihre Schuldigkeit ge­tan, wenn die Speicher gefüllt sind. Etwas an diesem Prozess erinnert an die Homogenisierung von Milch: Semantische Elemente werden zerhackt, durch die Zentrifuge gejagt, nach Mustern neu zusammen­gesetzt und den Urhebern wieder zugeführt. Das Surrogat bildet kei­ne Milchhaut und schmeckt nach nichts. Es zeigt glatte Oberflächen und ein gleichmässiges Mundgefühl. Ist homogenisierte Milch <em>so etwas wie Milch</em>, sind diese Texte <em>so etwas wie Text</em>. Sie erinnern von fern an Sinnbildung, sind aber nicht mehr als eine Musterkollektion von Signifikanten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Urheber Big Tech zu nennen, greift etwas kurz. Es müsste mehr Namen dafür geben, als ein Individuum sich ausdenken kann. Dieses formulierende Es oder Man – euphemistisch versteckt hinter adretten Namen – geht schwanger mit der schwarmhaften Operationalität der Sprache, dem ganzen ihr einverleibten Schwebestaat an menschli­chem Bedeutenwollen: Zugriffsbe­wegungen, Honorative, Etikettie­rungen und Konnotationen, Duktus als Distinktionsmerkmal, Arten der Adressierung etc.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil das Es nur Bruchteile abfischt, schafft es ein urheberrechtlich nicht fassbares Substrat. Rechtliche Ansprüche werden missachtet unter Verweis auf übergeordnete Ziele: Wissensverbreitung, Globali­sierung von Information. (Dass die Betreiber Tarnfirmen vorschicken, verrät die Täuschungsabsicht.)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schürfen, wo es günstig ist</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Klar ist: Wir haben es mit einer neuen Form der Ausbeutung zu tun. Dieser Begriff wird meist auf Bodenschätze gemünzt – auf die Beute, die in der Erde zu machen ist. Das klingt an im Begriff <em>data mining</em>. Auch hier sind Orte gefragt, wo die Schürfrechte günstig sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Geschürften – kulturellen Erinnerungsschätzen – soll eine Formelsammlung für die Sprache der Zukunft entstehen. Deren einzi­ges Ziel wird es sein, durch das Bestätigen von Sprachkonventionen und Lesegewohnheiten Kaufentscheide und Meinungsbildungen zu kuratieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was hätte mein Vater zu dieser Entwicklung gesagt? Vielleicht hätte er mir Benjamins Essay ans Herz gelegt. Der gipfelt in einer Formel, die wohl auch zu seiner Zeit nicht leicht zu entschlüsseln war: «das Schicksal der Bücher».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was soll das sein? Darüber würde mein Vater wohl wehmütig schwei­gen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur, greift Beiträge aus Medien kritisch auf und pflegt die Kunst des Essays. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Welche Frauen kommen ins «Paradiesli»?</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/welche-frauen-kommen-ins-paradiesli/</link>
					<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 08:35:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=722977</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/IMG_1952-1-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="IMG_1952-1" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/IMG_1952-1-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/IMG_1952-1-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/IMG_1952-1-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/IMG_1952-1.png 1202w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Heute endet im Berner Marzilibad die Saison. Eine Saison mit einem denkwürdigen Polizeieinsatz. Und einer neuen Frage.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Im «Paradiesli» ging es gar nicht paradiesisch zu und her, am 28. Juni dieses Jahres. Im Frauen-FKK-Abteil des Berner Marzilibads war ein wüster Streit entbrannt. Weil sich eine Transfrau dort niedergelassen hatte. Zur Erläuterung: Eine Transfrau ist ein Mann, der findet, er sei eine Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch zurück zu jenem Sonntag vor zweieinhalb Monaten. Mehrere Besucherinnen fühlten sich gestört. Andere solidarisierten sich mit der Transfrau. Es kam zum erwähnten Streit, den auch die Angestellten des alternativen Sicherheitsdiensts «Taktvoll» nicht schlichten konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sie darf</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb rief die Leitung des Marzilibads die Polizei zu Hilfe. Doch auch die sechs Polizeiangestellten konnten die Anwesenden nicht beruhigen. Schliesslich führten sie die Transfrau in Handschellen ab. Beim Handgemenge wurde eine Polizistin <a href="https://www.police.be.ch/de/start/themen/news/medienmitteilungen.html?newsID=647c7c7e-b070-476f-b5a0-a5e53a3f078a" target="_blank" rel="noreferrer noopener">leicht verletzt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und am Schluss stand die Frage im Raum: Darf eine Transfrau ins «Paradiesli»? Die Antwort in der Kurzfassung: Sie darf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort in der Langfassung ist komplizierter. In einem Leitfaden für das Personal steht laut der Stadt Bern, «dass im Härtefall das in einem Ausweis festgehaltene amtliche Geschlecht gilt».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Vorfall vom 28. Juni, als zuerst der Sicherheitsdienst und anschliessend auch noch die Polizei zum Einsatz kamen, handelte es sich zweifellos um einen solchen «Härtefall». Die Polizei verlangte daher einen Ausweis. Die Transfrau weigerte sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl das Personal des Marzilibads, der Sicherheitsdienst und die Polizei ganz offensichtlich gemäss den Vorgaben gehandelt hatten, fiel ihnen die zuständige Gemeinderätin (Regierung) Ursina Anderegg in den Rücken. Im Interview mit der «Berner Zeitung» sprach sie gleich drei Mal von einem «Fehlentscheid» des Personals.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Als Frau gilt, wer sich als Frau fühlt»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stadt schaltete nach dem Vorfall auf ihrer Website ein <a href="https://sportamtbern-api.webcloud7.ch/sportamt/sportamt-medien/20260701-willkommen-paradiesli.pdf?_t=1782983963152" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Merkblatt</a> auf. Von einer Ausweispflicht ist plötzlich nicht mehr die Rede. Und gegenüber der «Berner Zeitung» fasste Ursina Anderegg den Inhalt des neuen Merkblatts in einer Kurzformel zusammen: «Als Frau gilt, wer sich als Frau fühlt.»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Ursina_Anderegg_quer-1024x683.png" alt="Ursina_Anderegg_quer" class="wp-image-722967" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Ursina_Anderegg_quer-1024x683.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Ursina_Anderegg_quer-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Ursina_Anderegg_quer-768x512.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Ursina_Anderegg_quer-1536x1024.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Ursina_Anderegg_quer-2048x1365.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ursina Anderegg, in der Stadtberner Regierung für die Bäder zuständig.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kolumnistin Kaltërina Latifi ist das zu einfach. Kürzlich kritisierte sie im «Magazin», dass «die eigentliche Frage, was denn eine Frau überhaupt ist, partout vermieden wird».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb die Frage: Was ist eigentlich eine Frau? Bisher galt ja landläufig: Eine Frau ist ein Mensch mit zwei X-Chromosomen. Eine Frau ist ein Mensch, der eine Vagina, Eierstöcke und eine Gebärmutter besitzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder umgekehrt: Wer einen Penis hat, ist keine Frau, sondern ein Mann.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie lebt eine Frau?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn diese harten Kriterien nicht mehr gelten, dann müssen weiche Kriterien her. Dann landen wir aber ganz tief in Klischees, die wir längst überwunden glaubten: dass Frauen gepflegt sind, dass sie sich gerne schön kleiden, dass sie gut riechen möchten, dass sie Manieren haben, dass sie gerne Schmuck tragen. So tönt es auch im <a href="https://queer-lexikon.net/2020/02/12/kummerkastenantwort-287-bin-ich-trans-bin-ich-eine-frau/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Queer-Lexikon</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer <a href="https://www.bern.ch/mediencenter/medienmitteilungen/aktuell_ptk/vorfall-mit-polizeieinsatz-im-freibad-marzili" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Medienmitteilung</a> formuliert Andereggs Direktion für Bildung, Soziales und Sport auch noch eine andere Voraussetzung für den Zugang zum «Paradiesli». Nämlich: «Alle Personen, die sich als Frau identifizieren und als solche leben». Womit wir bei den nächsten Fragen wären: Wie lebt eine Frau?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kümmert sich eine Frau vornehmlich um Familie und Haushalt? Putzt und bügelt sie gerne? Ist sie einfühlsam, fürsorglich und gesprächig? Überlässt sie das Auto lieber ihrem Mann, weil sie nicht so gut parkieren kann?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Ernst: Leben Männer und Frauen 45 Jahre nach Annahme der Initiative «Gleiche Rechte für Mann und Frau» noch unterschiedlich? Wollen wir die alten Klischees tatsächlich wiederbeleben? Wollen wir Geschlechterstereotype zementieren? Wollen wir Errungenschaften der Frauenbewegung über Bord werfen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Kommentatorin brachte es auf dem Berner Nachrichtenportal hauptstadt.be auf den Punkt: «Wenn ein Transmensch mit männlichen Geschlechtsorganen provokativ einen geschützten Frauenraum betritt, ist dies schlicht respektlos und dumm. Das hat nichts mit Diskriminierung von queeren Menschen zu tun, sondern mit der Missachtung von durch Frauen über Jahrzehnte erkämpften Rechten! Ich bin schlicht empört über die Reaktion der Stadt Bern.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die Frauen haben den Menschen mit Penis falsch «gelesen»</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am Tag nach dem Vorfall vom 28. Juni veröffentlichte die Stadtberner Direktion für Bildung, Soziales und Sport eine <a href="https://www.bern.ch/mediencenter/medienmitteilungen/aktuell_ptk/vorfall-mit-polizeieinsatz-im-freibad-marzili" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Medienmitteilung</a>. Darin tut sie sich schwer mit der Bezeichnung des Menschen, um den sich die Auseinandersetzung im Marzilibad drehte. Anfangs wird er als «trans Frau» bezeichnet, zwischendurch aber auch als «Frau».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und zwar als «Frau», «die aufgrund einiger körperlicher Merkmale von anderen Badegästen nicht weiblich gelesen wurde». Der Fehler liegt also nicht nur beim Personal, sondern auch bei den Frauen im FKK-Abteil, die nicht in der Lage waren, den Menschen mit Penis richtig «zu lesen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder anders gesagt: Sie hätten den Menschen mit Penis als Frau «lesen» müssen.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/frau-mann/was-jans-und-nemo-wenn-schon-besprechen-muessten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Was Jans und Nemo – wenn schon – besprechen müssten</a>, Infosperber vom 14. Mai 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/638d8c1f3c4e46c3a3671fe79e51b4e6" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Spektakuläre Höhlen im Muotatal entdeckt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/uebriges-umwelt/spektakulaere-hoehlen-im-muotatal-entdeckt/</link>
					<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 08:24:18 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=671799</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="224" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-10.10.15-300x224.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Höhlenforschung" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-10.10.15-300x224.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-10.10.15-768x573.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-13-um-10.10.15.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Im Karstsystem rund um den Pragelpass entdeckten Höhlenforscher eines der eindrücklichsten  Schachtsysteme der Schweiz. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><em>Red. – Dieser Artikel wurde am 26.12.2025 erstmals veröffentlicht. Anlässlich des heutigen internationalen UNESCO-Tages für Höhlen und Karst veröffentlichen wir ihn nochmals.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Juniorengruppe von Höhlenforschern suchte im Oktober mehrere Tage lang im Gebiet des Pragelpasses (Muotatal, Kanton Schwyz) die Karrenfelder auf über 2000 Metern nach möglichen Öffnungen in tiefere Schächte und Höhlen ab. Sie fand mehrere kleinere «Objekte», die immerhin hundert und mehr Meter in die Tiefe führten. Unerwartet stiess sie dabei auf eine grosse Höhle. Sie trägt den Namen «Hustenschacht», weil mehrere Teilnehmer während der ersten Begehung erkältet waren und ständig husteten.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Simon Ziegler, Leiter der Forschergruppe, berichtet über die Entdeckung:</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="1000" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Karstlandschaft-mit-Einstiergsspalte-vorne-rechts.jpg" alt="Höhlenforschung" class="wp-image-672057" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Karstlandschaft-mit-Einstiergsspalte-vorne-rechts.jpg 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Karstlandschaft-mit-Einstiergsspalte-vorne-rechts-225x300.jpg 225w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption class="wp-element-caption">Vorne rechts im Karrenfeld ist die unscheinbare Öffnung des «Hustenschachtes» &#8211; im Hintergrund das Nebelmeer.  </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><em>«‹Wir vermessen zum Abschluss des Tages noch einen kleinen Oberflächenschacht.› Mit diesen Worten stiegen wir am Nachmittag des 7. Oktobers 2025 während unseres Herbstlagers zum ersten Mal in eine unscheinbar wirkende Höhle ein, die wir tags darauf Hustenschacht taufen würden. Nach einer Spalte von fünf Metern Tiefe und einer weiteren von drei Metern rechneten wir wie so oft in der Oberflächenforschung mit einem blockverfüllten Boden. Stattdessen gelangten wir in einen überraschend geräumigen, 26 Meter tiefen Schacht. Am Grund führt eine schmale, aber 20 Meter hohe mäandrierende Kluftspalte zu einem weiteren, 17 Meter tiefen Schacht, über welchem unser erster Vorstoss endete.</em></p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="554" height="1000" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Eingangsteil-AV-Maeander-1.png" alt="Eingangsteil AV Mäander 1" class="wp-image-671791" style="width:260px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Eingangsteil-AV-Maeander-1.png 554w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Eingangsteil-AV-Maeander-1-166x300.png 166w" sizes="auto, (max-width: 554px) 100vw, 554px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Schacht im Teil Mäander</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Am nächsten Tag kehrten wir mit rund 130 Metern Seil zurück, richteten den 17er-Schacht ein und kartografierten den darauf folgenden, etwa 200 Meter langen Gang. Die anschliessende Kluft ist anfangs schmal und hoch, weitet sich jedoch im letzten Drittel deutlich</em><em>. Ein Schmelzwasserbach begleitet den Gang und stürzt schliesslich in einen massiven Schacht. Die Aufhängung eines Seils, über das man trocken durch den Schacht abseilen und auch wieder aufsteigen kann, erwies sich als ziemlich aufwändig.</em><em> Selbst nachdem wir die beiden mitgebrachten 50-Meter-Seile verbaut und uns darüber abgeseilt hatten, sahen wir anstelle eines Schachtbodens nur Schwarz ….</em></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="745" height="1000" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Halle-1.png" alt="Höhlenforschung" class="wp-image-671793" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Halle-1.png 745w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Halle-1-224x300.png 224w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /><figcaption class="wp-element-caption">Halle 1 des grossen Schachtsystems</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><em>Am dritten Tag stiegen wir erneut in die Höhle hinab, richteten den grossen Schacht vollständig ein und vermassen ihn. Zu unserer Überraschung war er stolze 170 Meter tief. Mit seinem mittleren Durchmesser von 12 Metern wirkt er gewaltig, und unten öffnet er sich noch weiter. Es ist einer der eindrücklichsten Schächte in der Schweiz. Unten angelangt, staunten wir aber noch mehr: An seinem Grund weisen mehrere geräumige Gänge in verschiedene Richtungen. Der grösste öffnet sich zu einer Halle von etwa 100 Metern Länge, 25 Metern Breite und 15 Metern Höhe. Nach der Halle wird der Gang wieder enger und führt zu einer weiteren vertikalen Stelle, über der wir den dritten Vorstoss dieses Lagers beendeten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Zwei Wochen später unternahmen wir eine vierte und bisher letzte Erkundungstour. Nach der Abseilstelle am Ende der letzten Tour führt der «Weg» in einen angenehm grossen Gang mit einem Bach. Seine Schüttung beträgt etwa 10 Liter pro Sekunde.</em></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="940" height="563" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Halle-3-e1766332977770.png" alt="Halle 3" class="wp-image-671795" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Halle-3-e1766332977770.png 940w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Halle-3-e1766332977770-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Halle-3-e1766332977770-768x460.png 768w" sizes="auto, (max-width: 940px) 100vw, 940px" /><figcaption class="wp-element-caption">Halle 3 des Schachtsystems</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><em>Die mäandrierende Fortsetzung mündet in eine zweite Halle von etwa 70 Metern Länge, 45 Metern Breite und 20 Metern Höhe. Der anschliessende Korridor weist auf einer Länge von 200 Metern durchschnittliche Dimensionen von 18 × 12 Metern auf und endet schliesslich in einer dritten Halle – der mit 110 × 40 × 30 Metern grössten bislang. Im hinteren Teil steigt die Halle steil an. Leider ist die Fortsetzung dort verstürzt, und der Bach verschwindet zwischen den Blöcken. </em><em>In der Zone zwischen den Hallen konnten wir bereits einige Seitengänge vermessen. Über 80 offene Enden lassen hoffen, dass sich unter anderem auch eine Umgehung der Versturz-Zone in der Endhalle finden lässt. In vier Tagestouren wurden bisher 1683 Meter Ganglänge bei einer Gesamttiefe von –433 Metern vermessen.»</em></p>
</div>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="548" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Seitenriss-Hustenschacht.png" alt="Höhlenforschung" class="wp-image-671789" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Seitenriss-Hustenschacht.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Seitenriss-Hustenschacht-300x164.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Seitenriss-Hustenschacht-768x421.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Seitenriss des «Hustenschachts» von Simon Ziegler und Sebastian Pingel</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bedeutung dieser Schachthöhle</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kalkgebiet zwischen Pragelpass, der Silberen (2318 m) und dem Bödmerenwald gehört zu den grössten Karstgebieten der Schweiz und ist an Höhlen auch besonders reich. Der höchste Berg hat seinen Namen vom silbrigen Schimmer seiner nackten Kalkfelsen. Das Gelände ist unwegsam, denn rund um den Gipfel finden sich Tausende Karstspalten, von denen viele sich ähneln. Die Entdeckung war die Frucht einer tagelangen Oberflächen-Prospektion. In der näheren Umgebung ist vorher erst eine einzige Höhle entdeckt worden. Vermutlich bildet sie mit dem «Hustenschacht» zusammen ein grösseres Gangsystem, von dem bis jetzt erst ein kleiner Bruchteil bekannt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Höhlensuche gehört normalerweise – neben der minutiösen Abklärung jeder für Menschen begehbaren Karstspalte – die Bereitschaft, kleine oder verschüttete Löcher mit Luftzirkulation aufzugraben. Der Hustenschacht ist das seltene Beispiel einer Höhle, die ihren Entdeckern ohne jede Grabung und ohne jede Bearbeitung mit Hammer und Meissel Zutritt gewährte und zudem in eine Sequenz von Hohlräumen führte, deren Grössenordnung in der Schweiz einzigartig ist. In zwei anderen Höhlen desselben Karstgebietes (Hölloch und Silberen-System) gibt es zwar ebenfalls je eine sehr grosse Halle, aber nur der «Hustenschacht» bietet gleich drei Hallen hintereinander. Dieser Fund ist in der Schweiz bisher einzigartig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Besonderheit bietet auch die vertikale Schachtröhre von 170 Metern: Sie ist höher (beziehungsweise tiefer) als der höchste Kirchturm der Welt &#8211; das Ulmer Münster mit 162 Metern. Dass das Team der jungen Erforscher in vier Vorstössen gleich eine Tiefe von 433 Metern unter dem Eingangsniveau erreichte, ist ebenfalls aussergewöhnlich. Diese Gebirgshöhle setzt also in mehreren Hinsichten neue Massstäbe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Neugier in der Höhlenforschung und Wissenschaft</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein schwarzes Loch in einer Felswand oder im Boden zieht den Blick an und macht «gwundrig». Höhlen erregen besonders bei jungen Menschen eine gewisse Neugier. Man tritt oder kriecht in eine Höhle hinein und wirft einen Blick in alle Nischen. Jede Öffnung in der Wand und jeder Durchschlupf geben der Neugier neue Nahrung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der «Gwunder» gilt nicht einem geheimen Schatz, sondern dem Unbestimmten, der Überraschung. Das kann eine mit schönen Sinterbildungen verzierte Nische sein, ein Fenster zur Oberfläche, ein zweiter Ausgang. Oder ein von der Oberfläche verschwundener Wasserlauf, dem man ein Stück weit auf seinen verschlungenen Wegen folgen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Höhlenforschung ist eher ein Sport als eine Wissenschaft. Die Befahrung von Schächten erfordert allerdings einiges an technischem, die Vermessung der Gänge an digitalem und die Herstellung von Höhlenplänen an zeichnerischem Geschick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich ziehen Höhlen auch Vollblut-Wissenschaftler an: Geologen, Hydrologen, Mineralogen, Biologen, Archäologen, Paläontologen … Höhlen sind wahre Archive der jüngeren Erdgeschichte und Zeugen eiszeitlicher Vorgänge, was Rückschlüsse auf die Landschaftsbildung erlaubt. Schächte sind oft unfreiwillige Grabstätten von Tieren aller möglichen Gattungen: Ihre Knochen geben Auskunft über die Fauna der Vergangenheit. Tropfsteine dienen manchmal als Protokolle früherer Klimaereignisse.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="1000" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Seitengaenge-2.png" alt="Höhlenforschung" class="wp-image-671797" style="width:317px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Seitengaenge-2.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Seitengaenge-2-225x300.png 225w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption class="wp-element-caption">Vermessungsarbeit in einem der Seitengänge des grossen Schachtsystems</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Höhlenforscher verstehen sich nicht als Wissenschaftler. Und doch legt ihre Tätigkeit den Vergleich mit wissenschaftlicher Forschung nahe. Die Entscheidung, in eine Höhle einzusteigen, ist wie die Entscheidung, sich auf eine wissenschaftliche Frage einzulassen. Auch die Wissenschaft setzt Neugier voraus und stachelt sie günstigenfalls an. Wie die Wissenschaftler freuen sich auch die Höhlenbegeisterten über jede Entdeckung, vor allem wenn sie selbst daran beteiligt sind. Was Wissenschaftler im übertragenen Sinn anstreben – «Licht ins Dunkel zu bringen» –, tun die «Speleos» ganz im wörtlichen Sinn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Höhlen zu erkunden, ist aber auch noch in einem weiteren Sinn ein Gleichnis oder eine Metapher für wissenschaftliches Forschen: Vollblut-Wissenschaftler wollen dem Thema, das sie interessiert, so richtig «auf den Grund gehen». Genau das wollen auch die Höhlenforscher*innen, und zwar im wörtlichen Sinn: Sie träumen nicht vom Höhenflug und Gipfelsturm. Ihre Devise lautet im Gegenteil, «je tiefer, desto besser»: Je weiter man in eine Höhle vordringt, desto prickelnder wird das Abenteuer. Das Abseilen ins Erdinnere macht Spass, das Staunen gilt der Tiefe, den Schlünden und Abgründen. Der Grund eines Schachtes ist immer eine Schlüsselstelle: Findet sich eine Fortsetzung? Kommt man noch tiefer? Ist man am Ende angelangt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Entdecker dem 170 Meter tiefen Schlund im Hustenschacht «auf den Grund gingen», war ihre Überraschung gross: Die Vielfalt und das Volumen der Hohlräume, die sie fanden, übertrafen alle Erwartungen. Dabei war die Spalte, durch die sie an der Oberfläche eingestiegen waren – eine von Tausenden &#8211; ganz unscheinbar.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="564" height="1000" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Hoehleneingang.png" alt="Höhleneingang" class="wp-image-671787" style="width:306px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Hoehleneingang.png 564w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Hoehleneingang-169x300.png 169w" sizes="auto, (max-width: 564px) 100vw, 564px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eine der vielen Tausend Karstspalten erwies sich als ein echter Treffer. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das der Wissenschaft und der Höhlenforschung gemeinsame Motiv, die Tiefe zu suchen, ist schon dem alten Goethe aufgefallen. Er formuliert es so: Man will erkennen, «was die Welt im Innersten zusammenhält!»</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Teil 2: <a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/uebriges-umwelt/es-winkt-die-chance-zwei-der-groessten-hoehlen-zu-verbinden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Es winkt die Chance, zwei der grössten Höhlen zu verbinden</a>, Infosperber vom 13.9.2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Es winkt die Chance, zwei der grössten Höhlen zu verbinden</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/uebriges-umwelt/es-winkt-die-chance-zwei-der-groessten-hoehlen-zu-verbinden/</link>
					<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 08:06:25 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=672387</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Seitengaenge-3-e1766331552988-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Höhlenforschung" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Seitengaenge-3-e1766331552988-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Seitengaenge-3-e1766331552988.png 753w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>In den Karrenfeldern rund um das Muotataler Silberenmassiv kam es zu einer bedeutenden Entdeckung, die träumen lässt. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><em>Red. – Dieser Artikel wurde am 11.1.2026 erstmals veröffentlicht. Anlässlich des heutigen internationalen UNESCO-Tages für Höhlen und Karst veröffentlichen wir ihn nochmals. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="wp-block-paragraph">Höhlenforscher träumen immer davon, Höhlen, die einander nahekommen, miteinander zu verbinden. Zum Beispiel das Hölloch unter dem Bödmeren-Urwald, im Kanton Schwyz, und das höher gelegene Silberen-System. Das Hölloch ist ein Ganglabyrinth mit 212 Kilometern Gesamtlänge und einem internen Höhenunterschied von 1033 Metern. Keine andere Höhle Europas ist zugleich so tief und so lang. Das Silberen-System ist eines mit 39 Kilometern Länge und einem Höhenunterschied von 895 Metern. Seitlich versetzt liegt in enger Nachbarschaft noch ein drittes System &#8211; das «Muschelloch» (25,6 Kilometer lang und 468 Meter tief). Alle drei Höhlen sind Teil desselben unterirdischen Abfluss-Systems.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen Hölloch und Silberensystem liegt aber dort, wo sie sich am nächsten kommen, eine gewaltige, zwischen dem Silberensystem und dem Muschelloch eine kleinere, Einsturzzone. Eine begehbare Verbindung würde voraussetzen, dass sich die Einsturzzonen umgehen lassen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="600" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Wildloch-Winter-Arbeitsgemeinschaft-Hoellochforschung-e1766588583466.jpg" alt="Wildloch Winter" class="wp-image-672385" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Wildloch-Winter-Arbeitsgemeinschaft-Hoellochforschung-e1766588583466.jpg 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Wildloch-Winter-Arbeitsgemeinschaft-Hoellochforschung-e1766588583466-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Wildloch-Winter-Arbeitsgemeinschaft-Hoellochforschung-e1766588583466-768x461.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Einstiegsöffnung des «Wildlochs» im Winter</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Vor kurzem ist genau in der Mitte zwischen Hölloch und Silberensystem ein neue Höhle mit grossen, luftdurchwehten Gängen entdeckt worden &nbsp;Damit tritt nun eine Verbindung ausserhalb der Einsturzzone in den Bereich des Möglichen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Wildloch-Arbeitsgemeinschaft-Hoellochforschung-768x1024.jpeg" alt="Höhlenforschung" class="wp-image-672383" style="width:427px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Wildloch-Arbeitsgemeinschaft-Hoellochforschung-768x1024.jpeg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Wildloch-Arbeitsgemeinschaft-Hoellochforschung-225x300.jpeg 225w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Wildloch-Arbeitsgemeinschaft-Hoellochforschung.jpeg 1000w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Durch enge Kamine geht es im «Wildloch»&nbsp;in die Tiefe. </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Diese Entdeckung hat eine lange Vorgeschichte: &nbsp;Vor dreizehn Jahren fiel Höhlenforschern im Schnee ein grosses Blasloch auf, das eine Höhle verrät. Im folgenden Sommer stiegen sie dort durch einen mäandrierenden Steilgang bis auf eine unpassierbare Kluft hinab – ins sogenannte «Wildloch». Jahrelang gruben sie hier Schicht um Schicht tiefer und deponierten den Gesteinsschutt in Gangerweiterungen. Am 17. Oktober 25 zahlte sich die Fleissarbeit aus: Die horizontalen Gänge, die nun zugänglich wurden, liegen ziemlich genau im Zentrum der «weissen Zone» zwischen dem Hölloch und dem Silberensystem.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Der Bergführer und Höhlenforscher Thomas Schilter, kommentiert dieses Ereignis:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Nachdem wir am Schachtgrund Geröll aus dem Zugang eines niedrigen Durchschlupfs entfernt hatten, gelangten wir kriechend in einen etwas geräumigeren Schacht. Nachdem wir diesen und einen direkt nachfolgenden Schacht mit Seilen eingerichtet hatten, konnten wir durch einen teilweise sehr engen Gang in einen geräumigeren Ellipsengang vordringen – einen ziemlich schlammigen zwar, der aber mit schönem Tropfsteinschmuck verziert ist. Trotz der ausgeglichenen Aussentemperatur (ca. 4 Grad Celsius) war ein spürbarer Luftzug vorhanden. Bald hörten wir ein leises Plätschern: Ein kleiner Bach stürzt im Gang über eine Stufe. </em></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="600" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Bach-Jean-Auf-der-Maur-e1766588271931.jpg" alt="Höhlenforschung" class="wp-image-672381" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Bach-Jean-Auf-der-Maur-e1766588271931.jpg 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Bach-Jean-Auf-der-Maur-e1766588271931-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/12/Bach-Jean-Auf-der-Maur-e1766588271931-768x461.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption class="wp-element-caption">Versteinerter Bach aus Sinter im «Wildloch» mit rötlich-gelbem Stalagmit-Stummel &#8211; Tropfsteinfiguren &#8211; entdeckt am 17. Oktober 2025 im Muotatal. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wir beschlossen, die Vermessung bis dorthin fortzusetzen. Aus Neugier erkundeten wir den Gang noch ein paar Meter weiter und gelangten überraschend in einen grossen «Tunnel»: vier bis sechs Meter breit und acht Meter hoch. Ein wahrer Jackpot! Wir könnten tatsächlich auf das Bindeglied zwischen dem Silberensystem und dem Hölloch gestossen sein. Der Gang verläuft augenscheinlich genau auf das Silberensystem zu – ein vielversprechender Hinweis auf eine mögliche Verbindung. Wie sich die möglichen Gangverläufe Richtung Hölloch gestalten, können wir momentan noch nicht abschätzen, aber ein Spaziergang wird es sicher nicht.»</em></p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Im zweitgrössten Höhlengebiet der Schweiz – Hohgant-Sieben Hengste-Beatenberg – liegen ebenfalls zwei grosse Höhlensysteme nahe beieinander: das Réseau Sieben Hengste, aus mehreren miteinander verlinkten Höhlen bestehend (171 Kilometer Ganglänge, Gesamttiefe 1340 Meter), und der Bärenschacht (mit 87 Kilometern Länge bei einer Tiefe von 958 Metern). Auch hier gehören die Höhlen zum gleichen unterirdischen Entwässerungssystem. Es mündet als Höhlenfluss unter dem Seespiegel in den Thunersee. Der Verbindung der beiden Höhlen steht nicht eine Versturzzone im Weg, sondern ein langer Siphon, der durchtaucht werden müsste, 900 Meter tief unter dem Höhleneingang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Kanton Schwyz wie im Kanton Bern würde ein Zusammenschluss der benachbarten Höhlen zu einem Gesamtsystem von je gegen 260 Kilometern Gesamtlänge führen. Die Gesamttiefe wäre mit 1500 Metern in beiden Fällen ebenfalls ähnlich. Diese Dimensionen wären weltweit einzigartig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht so, dass die Forschungen im Muotatal und diejenigen im Berner Oberland in Konkurrenz zueinander stünden – die Gruppen arbeiten ohnehin oft zusammen. Im Augenblick sind einfach die Chancen einer Verbindung zweier Grosshöhlen im Muotatal gestiegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Worin liegt der Sinn, benachbarte Höhlen miteinander zu verbinden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt dazu verschiedene Motive: Durch eine Verbindung zweier Höhlen erhöht sich die Exaktheit der Kartographie. Ein neuer Zugang verkürzt oft den Weg in einen entfernten Höhlenteil. Für einen allfälligen Rettungseinsatz ist das ein Vorteil. Und oft versteht man dadurch auch die aufeinander folgenden Entstehungsphasen einer Höhle und der sie umgebenden Landschaft besser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vergleicht man Wissenschaft und Höhlenforschung, so zeigt sich noch ein weiteres mögliches Motiv: In der Wissenschaftsgeschichte sind schon mehrfach ursprünglich getrennte Erkenntnisbereiche zusammengeschlossen worden. Bis ins 17. Jahrhundert herrschte die Überzeugung, dass im Forschungsgebiet der Astronomen andere Gesetze herrschen als auf der Erde. Nachdem Galilei mit seiner Bewegungslehre die irdische Physik begründet und Kepler die elliptischen Planetenbahnen um die Sonne berechnet hatte, gelang es Isaak Newton, beide Theorien zu einer einzigen zu vereinen – zur klassischen Physik. Seither ist klar: Überall im Universum gelten dieselben mechanischen Gesetze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende 19. Jahrhundert bestanden die Theorie des Elektromagnetismus und die klassische Mechanik unverbunden nebeneinander. Albert Einstein gelang es im Jahr 1905 mit der (speziellen) Relativitätstheorie, beide zu vereinigen. Newton und Einstein gelten als besonders herausragende Heroen der Wissenschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit hundert Jahren bestehen die Relativitätstheorie und die Quantenphysik unverbunden nebeneinander, und die Physiker hoffen immer noch, sie eines Tages miteinander zu verbinden. Aber wieso das? Damit die Naturwissenschaften die Verfassung der materiellen Wirklichkeit – des Universums – noch besser verstehen. Dabei geht es nicht um ökonomischen Gewinn, nicht um technologischen «Fortschritt». Es ist Grundlagenwissenschaft &#8211; l’art pour l’art.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hoffnung auf die Vereinigung getrennter Systeme teilen Höhlenforscher also mit den Wissenschaftlern. Auch hier ist die Verbindung getrennter Systeme zum Teil auch reiner Selbstzweck &#8211; l’art pour l’art. In dieser Hinsicht ist die Höhlenforschung einmal mehr ein Gleichnis für die Wissenschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens sind in den letzten sechzig Jahren in der Schweiz gut und gern 600 Kilometer an Höhlengängen entdeckt worden – mehr als das Zehnfache der Länge des Gotthard-Basistunnels. Ein ordentliches Stück Schweiz mit vielen exklusiven Schönheiten liegt also unter dem Erdboden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph">➞  Lesen Sie hier Teil 1: <a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/uebriges-umwelt/spektakulaere-hoehlen-im-muotatal-entdeckt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Spektakuläre Höhlen im Muotatal entdeckt</a>, Infosperber vom 26.12.2025</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
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					<title>Greenpeace: PFAS-Konzentration im Rhein deutlich zu hoch</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/greenpeace-pfas-konzentration-im-rhein-deutlich-zu-hoch/</link>
					<pubDate>Sat, 12 Sep 2026 08:16:55 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=725775</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Niedrigwasser_Mittelrhein_2026_-_GMS_Pelikaan_vor_Oberwesel-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Niedrigwasser_Mittelrhein_2026_-_GMS_Pelikaan_vor_Oberwesel" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Niedrigwasser_Mittelrhein_2026_-_GMS_Pelikaan_vor_Oberwesel-300x200.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Niedrigwasser_Mittelrhein_2026_-_GMS_Pelikaan_vor_Oberwesel-1024x683.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Niedrigwasser_Mittelrhein_2026_-_GMS_Pelikaan_vor_Oberwesel-768x513.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Niedrigwasser_Mittelrhein_2026_-_GMS_Pelikaan_vor_Oberwesel.jpg 1500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wegen Dürre sind die bereits 2024 zu hohen Werte verbotener PFAS-Chemikalien nochmals gestiegen. Wo diese herkommen, ist unklar. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Dass es bei Dürre weniger Wasser in den meisten Gewässern hat, kann jeder sehen. Was vorher an Schadstoffen darin war oder durch Zuleitung hinzukommt, konzentriert sich in Folge. <a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/wegen-duerre-mehr-schadstoffe-in-gewaessern/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Infosperber»</a> berichtete im August darüber, wie die Menge an Schadstoffen bei Niedrigwasser steigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Detail geht es dabei meist um sogenannte Mikroschadstoffe oder Spurenstoffe, zum Beispiel Arzneimittelrückstände, Pestizide, Metalle und langlebige Schadstoffe wie PFAS, die von Kläranlagen nicht immer herausgefiltert werden können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Greenpeace testete das Niedrigstwasser des Rheins</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Greenpeace hat dazu Zahlen: Die Umweltorganisation hat am 18. und 19. August bei Düsseldorf, Leverkusen und Krefeld Wasserproben des Rheins genommen. Das ist nicht nur der Rheinabschnitt, an dem die historisch niedrigsten Rheinpegel gemessen wurden. In der Gegend gibt es mehrere Industriestandorte, lokal benannt als «Chemparks».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon die Begleitdaten der Probennahme hören sich auffällig an: Das Wasser hatte einen pH-Wert von bis zu 8,4 und eine Höchsttemperatur von bis zu 30 Grad. <a href="https://www.greenpeace.de/biodiversitaet/meere/meeresschutz/pfas-umweltproblem-mit-ewigkeitswert">Untersucht</a> hat es <a href="https://presseportal.greenpeace.de/269896-greenpeace-messungen-pfas-verursacher-passen-offenbar-einleitung-nicht-an-niedrigwasser-im-rhein-an/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Greenpeace</a> anschliessend auf 20 verschiedene PFAS, PCB, PAK (polyaromatische Kohlenwasserstoffe) und Schwermetalle.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vor allem viele PFAS</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Von allen bestimmbaren Schadstoffen war besonders die Konzentration von acht PFAS hoch, vor allem diejenige der krebserregenden und fortpflanzungsschädigenden Stoffe PFOA (Perfluoroktansäure) und PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) sowie PFBS (Perfluorbutansäure), die häufig als Ersatz für PFOS dient.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><br>PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) </h2>



<p class="wp-block-paragraph">wurde ab den 1960er-Jahren vom US-Unternehmen 3M in grossen Mengen produziert und eingesetzt, zum Beispiel in Feuerlöschschaum und Imprägniermitteln. Altlasten der persistenten Chemikalie finden sich grossflächig in fast allen Ländern. PFOS ist bioakkumulierbar, giftig und als «<a href="https://www.blv.admin.ch/de/pfas-de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">möglicherweise krebserregend</a>» eingestuft. PFOS ist das am häufigsten bei Menschen gefundene PFAS und findet sich im Blut fast aller Menschen. Es wird erst nach mehreren Jahren wieder ausgeschieden. 2006 wurde die Verwendung von PFOS in der EU eingeschränkt, 2008 in Deutschland weitgehend verboten. 2009 wurde PFOS ins Stockholmer Übereinkommen über persistente Schadstoffe aufgenommen. Ab 2011 endete seine Nutzung in der Schweiz. 2015 wurde die Produktion in Deutschland eingestellt. 2019 wurden bis auf die Nutzung in der Verchromung alle Ausnahmen in der EU gestrichen. PFOS gelangt aber über Altlasten wie Klärschlämme und verschmutzte Feuerlöschplätze weiterhin in die Umwelt, vor allem ins Wasser. Die Chemikalie reichert sich auch in Tieren an und wurde in hohen Mengen in Fischen gefunden.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Die Messwerte für PFOS und PFOA lagen nochmals «um 30 bis 50 Prozent» über den bereits zu hohen Werten, die Greenpeace in Rheinwasserproben vom November 2024 gemessen hatte. Konkret fand das Labor</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>PFOA-Konzentrationen von bis zu 3 Nanogramm pro Liter Rheinwasser (2024: bis 2,32 Nanogramm pro Liter).</li>



<li>PFOS-Konzentrationen von 5,0 bis 7,1 Nanogramm pro Liter, (2024: 2,12 bis 4,16 Nanogramm pro Liter).</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grenzwert der Oberflächengewässerverordnung oder Umweltqualitätsnorm für PFOS liegt bei 0,65 Nanogramm pro Liter. Die Umweltqualitätsnorm (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/oberflaechengewaesser-umweltqualitaetsnormen-fuer">UQN</a>) ist kein verbindlicher Grenzwert zur Wasserbehandlung, bestimmt aber die Qualität deutscher Oberflächengewässer. Für andere PFAS gibt es derzeit noch keinen UQN-Wert. PAK- und PCB-Werte in den Wasserproben waren nicht erhöht, Schwermetalle werden laut Greenpeace derzeit noch analysiert.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><br>PFOS und Gesundheit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">PFOS wird mit mehreren Krankheitsbildern in Verbindung gebracht, darunter Störungen des Hormonsystems wie Schilddrüsenfunktionsstörungen, Diabetes, verfrühte Pubertät, verminderte Spermienproduktion. Ausserdem gilt PFOS als mindestens beteiligt an Herz-Kreislauf-Krankheiten, Autoimmunkrankheiten, Bluthochdruck und Störungen des Immunsystems wie verminderte Reaktion auf Impfungen.</p>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Wo PFAS im Rhein genau herkommen, ist unklar</h2>



<p class="wp-block-paragraph">PFOS ist verboten und wird in Deutschland seit vielen Jahren nur noch in einem Einzelfall (Verchromung) eingesetzt. Auch in Feuerlöschmitteln werden PFAS nur noch <a href="https://www.infosperber.ch/politik/europa/eu-aus-fuer-pfas-in-feuerloeschschaeumen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">selten</a> <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/uebriges-wirtschaft/schweizer-feuerwehren-versuchen-von-pfas-wegzukommen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verwendet</a>. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, können die hohen PFOS-Werte also nur aus Altlasten wie Deponien, belasteten Böden oder Rückständen in Produktionsanlagen stammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut dem <a href="https://www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/news/bund-deckt-einleitung-von-pfas-verseuchten-abwaessern-auf-lanxess-konzern-stoppt-produktion-am-chempark-leverkusen/">Bund für Umwelt und Naturschutz</a> (<a href="https://www.bund-nrw.de/presse/detail/news/chempark-leverkusen-leitet-gefaehrliche-pfas-und-verbotene-pestizide-in-den-rhein/">BUND</a>) werden aus dem Chempark Leverkusen noch immer regelmässig PFAS in den Rhein geleitet. Besonders problematisch ist die hohe Schadstofflast für die rheinabwärts gelegenen Länder, die das Wasser mit grossem Aufwand reinigen müssen. Der <a href="https://www1.wdr.de/nrw/koeln/leverkusen-chemie-pfas-gefahr-rhein-trinkwasser-niederlande-100.html">«WDR»</a> berichtete vor Kurzem über den Unmut der Niederländer. Diese  verlangen, dass der Verursacher in Leverkusen das Wasser reinigt, bevor es in den Rhein gelangt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Greenpeace kritisiert, dass Unternehmen in der Nähe des beprobten Rheinabschnitts offenbar ihre Abwasserströme bei Dürre nicht anpassen, um den Schadstoffeintrag zu vermindern. Es sei ausserdem unerlässlich, die genauen Quellen des PFAS-Eintrags zu ermitteln.</p>



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					<title>«Psst! Psst!» «Willst du?»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/psst-psst-willst-du/</link>
					<pubDate>Sat, 12 Sep 2026 08:13:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/797829297_1599851081540444_619308600648298971_n-300x181.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="797829297_1599851081540444_619308600648298971_n" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/797829297_1599851081540444_619308600648298971_n-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/797829297_1599851081540444_619308600648298971_n-768x463.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/797829297_1599851081540444_619308600648298971_n.png 1000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Futtermittel ist knapp. Das ruft in den Kantonen Bern und Jura Betrüger auf den Plan. Sie kassieren. Aber sie liefern nicht.]]></description>
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