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					<title>Beim NATO-Gipfel ging die Demokratie vergessen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/beim-nato-gipfel-ging-die-demokratie-vergessen/</link>
					<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 08:50:41 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="175" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-23.33.41-300x175.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Nato-Gipfel Ankara" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-23.33.41-300x175.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-23.33.41-768x448.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-23.33.41.png 800w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der NATO-Gipfel in Ankara legt den Grundstein für eine neue Ära der Machtverhältnisse im östlichen Mittelmeerraum.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan blickt mit Genugtuung auf den NATO-Gipfel zurück, der zwischen vom 7. bis zum 8. Juli in Ankara stattfand. «Durch die Ausrichtung eines historischen Gipfeltreffens mit historischem Erfolg hat Ankara seine internationale Präsenz mehr denn je gestärkt», sagte er nach einer Kabinettssitzung Anfang dieser Woche selbstsicher. Er konkretisierte seine Ausführungen: In einer sich wandelnden Welt bestimme die Türkei «mit ihrer militärischen Stärke, ihrer strategischen Lage, ihrer diplomatischen Erfahrung und ihren Kapazitäten in der Rüstungsindustrie als einer der stärksten Akteure der NATO» diesen Wandel massgeblich mit.&nbsp;</p>



<p><strong>Durchwegs zufrieden</strong></p>



<p>Voller Lob zeigte sich auch Aussenminister Hakan Fidan, der heute zweitmächtigste Mann im Land. Im Gespräch mit dem offiziellen Nachrichtensender TRT Haber nannte er den Gipfel «hinsichtlich seiner Organisation als auch hinsichtlich seiner Ergebnisse wahrhaft historisch». Die Äusserungen des Verteidigungsministers Yasar Güler sowie des islamistischen Intellektuellen Ibrahim Kalin, Chefs des Nachrichtendienstes (MIT), schlugen alle in dieselbe Kerbe. Die türkische Führungselite, die im letzten Jahrzehnt öfters durch ihre betont anti-westliche Rhetorik auffiel, zeigte sich vom Resultat dieses NATO-Gipfels durchwegs zufrieden.</p>



<p><strong>Was geschah also genau in Ankara?</strong></p>



<p>Für den 36. NATO-Gipfel reisten die Staats- und Regierungschefs aller 32 NATO-Mitgliedstaaten an. Sie wurden von rund 100 Ministern und hochrangigen Diplomaten begleitet, sowie von Vertretern internationaler Organisationen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der syrische Präsident Ahmad al-Sharaa traten ebenso die Ankara-Reise an. Selten zuvor war ein NATO-Gipfel von so vielen Teilnehmern besucht. Aus ersichtlichen Gründen: Nur kurz vor dem Gipfel hatte Donald Trump einmal mehr eine Fortsetzung der angeblich einseitigen Beziehung der Vereinigten Staaten zur NATO «lächerlich» genannt und offengelassen, ob er überhaupt daran teilnehmen wollte.&nbsp;</p>



<p>Recep Tayyip Erdoğan empfing erleichtert den launischen Gast aus den USA auf der Landebahn, begleitet von Dutzenden berittener Wachen. Eine Militärkapelle spielte die amerikanische Nationalhymne, Kanonenschüsse hallten wider und Kampfflugzeuge flogen vorbei und hinterliessen Spuren aus rotem, weißem und blauem Rauch. Trump sprach plötzlich viel von «Liebe, die in der Luft liege». Der befürchtete Bruch innerhalb der NATO konnte in erster Linie offenbar dank der persönlichen Beziehung zwischen Erdoğan und Trump abgewendet werden.&nbsp;</p>



<p><strong>Eine beinah perfekte Bühne</strong></p>



<p>Der türkische Präsident sah sich in seinen Machtambitionen bestätigt. Seit seinem Amtsantritt als Präsident träumt Erdoğan gross. Die westliche Presse sagt ihm oft nach, er strebe eine Wiederherstellung des ehemaligen osmanischen Reichs an, das sich vom Balkan über die heutige Türkei und den Nahen Osten bis nach Nordafrika erstreckte. Dieser Vergleich greift jedoch zu kurz.&nbsp;</p>



<p>Die Führungselite in Ankara strebt vielmehr ein Einflussgebiet unter türkischer Kontrolle vom Nahen Osten bis nach Afrika, vom Südkaukasus bis zu Zentralasien an. Es handelt sich dabei um ein imperiales Projekt. Sichtbare Zeugen des neuen türkischen Selbstverständnis sind die Bauten, die im Raum der türkischen Hauptstadt entstehen, wie beispielsweise das Gebäude des türkischen Geheimdienstes (MIT), oder der halbfertige Megakomplex des türkischen Hauptquartiers mit dem Namen «Ay Yildiz» (zu Deutsch «Mondstern»), der noch grösser werden soll als das entsprechende Gebäude in den USA (siehe Bilder). Dazu gehört auch eine Rüstungsindustrie, die mit Hochgeschwindigkeit ausgebaut wird. Ebenso der prunkvolle Präsidentenpalast mit den 1000 Zimmern, der bei diesem NATO-Gipfel so etwas wie eine «perfekte Bühne» für den Austausch der Gäste bot. Viele europäische Bündnispartner waren von all dem beeindruckt.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img decoding="async" width="800" height="261" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-22.17.40.png" alt="MIT Türkei" class="wp-image-712369" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-22.17.40.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-22.17.40-300x98.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-22.17.40-768x251.png 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das riesige Gebäude des türkischen Geheimdienstes MIT.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img decoding="async" width="800" height="295" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-22.59.31.png" alt="Ay Yildiz" class="wp-image-712371" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-22.59.31.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-22.59.31-300x111.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-22.59.31-768x283.png 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Ay Yildiz»: Der militärische Megakomplex soll dreimal so gross werden wie das Pentagon in den USA. </figcaption></figure>



<p><strong>Die USA und die Türkei verfolgen ähnliche Interessen</strong></p>



<p>Interessanterweise scheinen sich die geopolitischen Interessen der USA und der Türkei derzeit zu überschneiden. So möchte Donald Trump alle amerikanischen Soldaten aus dem Nahen Osten abziehen, während die Türkei ihre Bereitschaft signalisiert, «ihre» Soldaten als Ordnungsmacht in Krisenregionen zu schicken.&nbsp;Tom Barrack, US-Botschafter in Ankara und Sonderbeauftragter für Syrien und den Irak, ist ein persönlicher Freund Donald Trumps. Er fungiert mittlerweile als der wichtigste «Mann Ankaras» im Machtapparat der USA.&nbsp;</p>



<p>Bei seiner Ankunft in Ankara hat Donald Trump erklärt: Der Kampfjet F-35 sei das Beste, über das die amerikanische Waffenindustrie verfüge. «Alle wollen ihn haben. Meine persönliche Meinung ist folgende: Wir haben eine sehr enge Beziehung zur Türkei. Es ist ein sehr grosses Land mit sehr starken militärischen Kapazitäten. Die Türkei sollte die F-35 erhalten.»</p>



<p>Die Türkei war aus dem Programm F-35 ausgeschlossen worden, weil Ankara im Auftrag Erdogans 2019 das russische Luftabwehrsystem S-400 gekauft und damit alle roten Linien der USA überschritten hatte. Anfang Juli machte die türkische Regierung im Stillen jedoch eine enorme aussenpolitische Wende und erklärte, das S-400-System verkaufen zu wollen. Das würde den Weg für den Kauf der F-35 bereinigen und ein Ende des türkischen aussenpolitischen «Sonderwegs» einläuten, der aussergewöhnliche Beziehungen zwischen der Türkei und Russland vorsah.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen.png" alt="Spendenbalken grün" class="wp-image-699997" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Nach Trump zogen auch die Europäer nach und überhäuften Ankara mit Waffendeals unterschiedlichster Art. So kündigte der französische Präsident Emmanuel Macron an, Frankreich und Italien zögen den Verkauf des französisch-italienischen Luft- und Raketenabwehrsystems SAMP/T ernsthaft in Erwägung. Der britische Premierminister Keir Starmer strebte eine neue Verteidigungspartnerschaft zwischen der Türkei und Grossbritannien an. Der Kauf von 20 Eurofighter-Typhoon-Kampfflugzeugen durch die Türkei ist laut der britischen Regierung im Gespräch.&nbsp;</p>



<p>Politische Beobachter sind sich darin einig, dass der NATO-Gipfel in Ankara den Grundstein für einen radikalen Wechsel des militärischen Gleichgewichts im östlichen Mittelmeerraum gelegt hat. Bislang hatte Israel unangefochten die militärische Überlegenheit inne, doch das kann sich nun zu Gunsten der Türkei verändern.&nbsp;US-Botschafter Tom Barrack träumt ohnehin in aller Öffentlichkeit davon, den östlichen Mittelmeerraum in eine israelische und türkische Einflusszone aufzuteilen. Griechenland, das von der Türkei offen mit einem Krieg bedroht wird, ist alarmiert.</p>



<p><strong>Wie viel Repression kann die Türkei noch vertragen?</strong></p>



<p>David Mellor, Journalist bei der unabhängigen türkischen Nachrichtenagentur «Bianet», kann den Grossmachtplänen der Regierung ebenso wenig abgewinnen wie den neuen Waffendeals der NATO-Partner. Die Kluft zwischen dem Glanz des Palastes und der Realität seines Alltags ist allzu gross. Ihn stört, dass seiner Stadt etwa über Tage hinweg faktisch ein Ausnahmezustand aufgezwungen wurde: «Die Staats- und Regierungschefs landeten auf einem Mond, der fast jeglicher Lebensformen entbehrte», kommentierte er in seinem Bericht vom 11. Juli trocken. «Die Straßen waren gesäubert, die Menschen beiseite gefegt, streuende Tiere beseitigt, selbst Tauben waren nirgends zu sehen.» Ältere Menschen, wie seine Schwiegermutter, erhielten allerdings keine Mahlzeiten, weil die Stadtverwaltung diese aufgrund der Bewegungseinschränkungen nicht liefern konnte.&nbsp;</p>



<p>Unabhängigen Presseorganen, die kritische Fragen stellen könnten, wurde die Akkreditierung für den NATO-Gipfel verweigert. Abgesehen von «Bianet» durften auch die säkuläre Zeitung «Cumhuriyet» den Gipfel nicht vor Ort abdecken, ebenso wenig die nationalistischen Blätter «Nefes» und «Sözcü», die linken Zeitungen «Birgün» und «Evrensel», der pro-kurdische Fernsehsender «İlke TV», der oppositionelle Fernsehsender «Halk TV» sowie die Nachrichtenagentur «ANKA» – also keine unabhängigen Stimmen. Nicht mal Deniz Zeyrek und Murat Yetkin durften das Gelände um den Präsidentenpalast passieren. Beide gehören seit Jahrzehnten zu den renommiertesten Namen der türkischen Presse.&nbsp;</p>



<p>178 Personen wurden am 23. Juni angeblich wegen Terrorverdachts festgenommen und ins Gefängnis geschickt. Die meisten unter ihnen sind Gewerkschafter, Wissenschaftler, Rechtsanwälte und Journalisten. Sie befinden sich immer noch in Haft.&nbsp;</p>



<p>Der kurdische Politiker Tuncer Bakirhan, Co-Vorsitzender der Partei für Gleichheit und Demokratie der Völker (DEM-Partei), fühlte sich an ein potemkinsches Dorf erinnert.<strong>«</strong>Entlang der Routen, die hochrangige NATO-Vertreter zurücklegen, lässt die Regierung alte Gebäude und baufällige Bauten mit riesigen Bannern verdecken, damit niemand sieht, was dahintersteckt. Mit anderen Worten: Sie verbergen die Armut, mit der wir leben, und die grossen, unverputzten Gebäude, in denen wir wohnen», empörte er sich. Vorgetäuschte, geschmückte Dorf-Fassaden liess der Legende nach im Jahr 1787 Grigori Potemkin, ein Günstling der russischen Zarin Katharina der Grossen, entlang ihrer Reiseroute durch die Krim errichten, um ihr den Anblick des Elends zu ersparen.&nbsp;</p>



<p><strong>Wie viel Selbsterniedrigung verträgt Europa?</strong></p>



<p>Der dänische Journalist Rasmus Svaneborg forderte während einer Presseinteraktion Nato-Generalsekretär Mark Rutte direkt heraus: «Sie sitzen neben Donald Trump, wenn er davon spricht, Grönland zu erobern und Verbündete wie Spanien angreift. Hat das keinen Einfluss auf Ihre Selbstachtung, wenn Sie einfach dasitzen und nichts sagen?»</p>



<p>Ein niederländischer Journalist hakte nach: «Halten Sie Ankara noch für einen geeigneten Ort für einen Gipfel liberaler Demokratien?» Mark Rutte wich jedoch beiden Fragen aus. Er sah seine Mission in Ankara als erfüllt an. Seine Prioritäten waren erstens, eine Spaltung des NATO-Bündnisses zu verhindern, und zweitens, den Einfluss Russlands auf die Türkei zu mindern.&nbsp;</p>



<p>Das Gebot in der Präambel des Nordatlantikvertrags schien nicht in seinem Blickwinkel zu liegen. Es besagt, dass die Vertragsparteien entschlossen sind, «die Freiheit, das gemeinsame Erbe und die Zivilisation ihrer Völker zu wahren, die auf den Grundsätzen der Demokratie, der individuellen Freiheit und der Rechtsstaatlichkeit beruhen».&nbsp;Ausserhalb des Blickwinkels des NATO-Generalsekretärs, aber auch der anwesenden Staats- und Regierungschefs schien ausserdem, dass Erdoğan mittlerweile die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei ebenso ausgehöhlt und zu einer Autokratie ausgebaut hat. Demokratie spielte bei diesem NATO-Gipfel einfach keine Rolle.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/die-tuerkei-im-wuergegriff-einer-dunklen-autokratie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Türkei im Würgegriff einer dunklen Autokratie</a>, Infosperber vom 31.3.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/ist-schwedens-demokratie-der-nato-zum-opfer-gefallen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ist Schwedens Demokratie der NATO zum Opfer gefallen?</a>, Infosperber vom 25.7.2023</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Eigentor der USA im KI-Wettlauf – mit irreversiblen Folgen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/kuenstliche-intelligenz/eigentor-der-usa-im-ki-wettlauf-mit-irreversiblen-folgen/</link>
					<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 08:50:18 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="141" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-16.00.19-300x141.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Schlagzeilen Anthropic" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-16.00.19-300x141.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-16.00.19-768x360.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-15-um-16.00.19.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die kurzfristige Sperrung leistungsfähiger KI-Tools schwächte die Marktmacht der US-Firmen und stellt die Regulierungsfrage neu.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Ohne Vorwarnung sperrte die US-Regierung im Juni 2026 kurzfristig ihre leistungsfähigsten KI-Modelle. Sie löste damit weltweit, aber insbesondere in Europa, ein grösseres Beben aus. Das Vertrauen in die Verlässlichkeit von US-KI-Modellen war erschüttert. Denn das Vorgehen zeigte zweierlei: Erstens könnten die USA die stärksten KI-Modelle als strategische Waffe gegen die von ihren Technologien abhängigen Staaten einsetzen. Zweitens hat sich die Sicherheitsfrage im KI-Wettlauf mit China zu einer Gefahr nicht nur für die nationale Sicherheit ausgeweitet, sondern generell für weltweit systemrelevante Infrastrukturen.</p>



<p><strong>Alarm mit Claude Mythos Preview</strong></p>



<p>Anthropic schuf im April 2026 mit <a href="https://red.anthropic.com/2026/mythos-preview/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Claude Mythos Preview</a> eine völlig <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/ki-regulierung-zwischen-sicherheitsrisiken-und-machtinteressen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">neue Situation</a>. Erstmals lag ein Tool vor, das so effektiv im Entdecken bisher unbemerkter Sicherheitslücken in der Software war, dass es nur wenigen Techfirmen zur Verfügung gestellt wurde. In den Händen von nicht-staatlichen Organisationen und kriminellen Hackern könnte es weltweit zur grossen Bedrohung werden.</p>



<p>Die Alarmglocken schrillten. Selbst die beiden Grossmächte als Entwickler solch leistungsfähiger KI-Modelle waren nicht gefeit vor verheerenden Cyberattacken von dritter Seite irgendwo auf der Welt. Nur mit global wirksamen Standards und Sicherheitskontrollen vor der Freigabe dieser Tools liesse sich das Gefahrenpotenzial eindämmen.</p>



<p>Aufgeschreckt durch die neue Gefahr, vereinbarten Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping am Treffen in Beijing Mitte Mai 2026, ein <a href="https://www.cnbc.com/2026/05/14/us-china-ai-rules-bessent-us-lead.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verfahrensprotokoll</a> für die Sicherheit der KI-Tools zu erarbeiten.</p>



<p><strong>Zwei weitere Anthropic-Tools alarmierten die Trump-Regierung</strong></p>



<p>Für die wenigen Techfirmen, die Zugang zu Claude Mythos Preview erhielten, öffnete sich ein Zeitfenster. Sie konnten strategisch wichtige Systeme auf Sicherheitslücken überprüfen und rechtzeitig die nötigen Reparaturen vornehmen. Es war nicht erstaunlich, dass sofort der Ruf nach einem erweiterten Zugang laut wurde.&nbsp;</p>



<p>Anthropic entsprach ihm am 9. Juni 2026 mit zwei auf Claude Mythos Preview basierenden <a href="https://www.wired.com/story/anthropic-releases-claude-fable-5-mythos-5/?utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_mailing=WIR_PremiumAILab_061026_PAID&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=WIR_PremiumAILab_061026_PAID&amp;cndid=90482378&amp;utm_term=WIR_PremiumAiLab_PAID" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tools</a>, mit Claude Mythos 5 und Claude Fable 5. Das erstere wurde in verbesserter Version weiterhin nur einem klar definierten Nutzungskreis zur Verfügung gestellt. Das zweite sollte offen zugänglich sein, war aber mit strengen Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet. Auf gefährliche Anfragen gab es keine Antwort oder leitete diese an ein älteres KI-Modell weiter.</p>



<p>Anthropic entwickelte Claude Fable 5 mit so strengen <a href="https://techcrunch.com/2026/06/10/cybersecurity-researchers-arent-happy-about-the-guardrails-on-anthropics-fable/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sicherheitsvorkehrungen</a>, dass seitens der Nutzenden sofort Kritik laut wurde. Aber für Anthropic war es wichtig, dass mit seiner Überprüfung von rund <a href="https://techcrunch.com/2026/06/09/anthropics-claude-fable-5-is-a-version-of-mythos-the-public-can-access-today/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1&#8217;000 Stunden</a> verhindert würde, dass die Vorkehrungen mit einem Trick, einem sogenannten <a href="https://www.ibm.com/think/insights/ai-jailbreak" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jailbreak</a>, umgangen werden könnten.</p>



<p><strong>Überhastetes Verdikt der Trump-Regierung</strong></p>



<p>Alarmiert durch eine Information, es sei trotzdem ein Jailbreak gelungen, <a href="https://www.axios.com/2026/06/12/anthropic-trump-mythos-fable-national-security?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verordnete</a> die Trump-Regierung nur drei Tage nach der Veröffentlichung, dass die beiden Tools aus Gründen der nationalen Sicherheit sowohl für das Ausland wie auch für ausländische Personen innerhalb der USA gesperrt werden sollten. Sie wurden auf eine Liste exportkontrollierter Technologien gesetzt. Anthropic sah sich veranlasst, die Tools sofort <a href="https://techcrunch.com/2026/06/12/anthropics-safety-warnings-may-have-just-backfired-the-government-has-pulled-the-plug-on-its-most-powerful-ai/?utm_campaign=daily_weekend" target="_blank" rel="noreferrer noopener">abzuschalten</a>, waren vom Verdikt doch auch ausländische Mitbegründer und Teammitarbeitende betroffen.</p>



<p><strong>Cybersicherheit wurde zum Problem nationaler Sicherheit</strong></p>



<p>Kritische Stimmen mutmassten, dass die überstürzte Reaktion auch im Zusammenhang mit den bekannten Schwierigkeiten zwischen Anthropic und der Trump-Regierung stehen könnten. Anthropic verweigerte die Nutzung seines Sprachmodells für die Massenüberwachung der US-Bevölkerung und für vollautomatisierte Waffensysteme – weshalb das Pentagon nicht nur seinen 200-Millionen-Vertrag mit Anthropic kündigte, sondern das Unternehmen als «Risiko für die Lieferkette» einstufte, wogegen Anthropic <a href="https://techcrunch.com/2026/03/09/anthropic-sues-defense-department-over-supply-chain-risk-designation/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Klage</a> erhob. Diese Einstufung wurde bisher nicht zurückgenommen. Am <a href="https://techcrunch.com/2026/06/30/trump-drops-restrictions-on-anthropics-mythos-and-fable-models/?utm_campaign=daily_pm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1. Juli</a> hob die Trump-Regierung die Sperrung der beiden Tools Claude Mythos 5 und Claude Fable 5 auf.</p>



<p>Es ging aber offensichtlich um die nationale Sicherheit. Auch OpenAI, mit der Trump-Regierung stets gut verbandelt, wurde eingeschränkt. Im Einvernehmen mit der Trump-Regierung war die KI-Modellfamilie <a href="https://www.axios.com/2026/07/08/openai-gpt-trump-ban-lifted?utm_mailing=wir_nl_6682_ailab_subs_070826_qro4bveg4g&amp;utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=wir_nl_6682_ailab_subs_070826_qro4bveg4g&amp;cndid=90482378&amp;utm_term=6682" target="_blank" rel="noreferrer noopener">GPT-5.6</a> im Juni wochenlang nur in einer stark limitierten Preview zugänglich, bevor die <a href="https://techcrunch.com/2026/07/09/openai-launches-its-new-family-of-models-with-gpt-5-6/?utm_campaign=daily_am" target="_blank" rel="noreferrer noopener">drei Modelle</a>, Sol, Terra und Luna, ab 9. Juli wieder freigegeben wurden. Sowohl Claude Mythos 5 wie Sol, das leistungsfähigste der drei GPT-5.6-Modelle, bleiben weiterhin aus Sicherheitsgründen nur einem beschränkten Kreis zugänglich.</p>



<p><strong>Dynamische KI-Entwicklung überrollte Executive Order</strong></p>



<p>Bisher stellte sich die Trump-Regierung vehement gegen KI-Regulierungen, um die Innovation im KI-Wettlauf mit China nicht zu bremsen. Der durch Claude Mythos Preview ausgelöste Alarm veranlasste Trump, widerwillig und erst im <a href="https://www.wired.com/story/this-is-how-trump-finally-signed-the-ai-executive-order/?utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_mailing=WIR_Daily_060426&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=WIR_Daily_060426&amp;bxid=68ca6c3fc2a10caf0f0cf423&amp;cndid=90482378&amp;hasha=2a9ca483b4854136d1f085bad5d78b45&amp;hashc=78682c95602ab6826fb9e92fec158d0c2b93f25b32992198d90a332326a03706&amp;esrc=MARTECH_ORDERFORM&amp;utm_term=WIR_Daily_Active" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zweiten Anlauf</a> Anfang Juni endlich eine <a href="https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2026/06/promoting-advanced-artificial-intelligence-innovation-and-security/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Executive Order</a> zu erlassen.&nbsp;</p>



<p>Auf freiwilliger Basis sollten die KI-Unternehmen demnach ihre leistungsfähigsten Modelle, die sogenannten Frontier-Modelle, zu Sicherheitsüberprüfungen melden. Die Verordnung sieht zudem vor, dass Sicherheitsstandards für die Vorabprüfungen erarbeitet werden sowie eine Koordinierung über mehrere Behörden, um die zahlreichen Massnahmen umzusetzen. Gegen die bereits zugänglichen jüngsten Tools von Anthropic blieb Trump nur die Notbremse.</p>



<p><strong>Notbremse mit irreversiblen Folgewirkungen</strong></p>



<p>Das zeitigte rasch irreversible Folgen. Denn die Notbremse wurde sofort als mögliches geopolitisches Machtinstrument der USA verstanden. Das Vertrauen in die Verlässlichkeit der KI-Tools ist damit unwiederbringlich getrübt. Die Kundschaft reagierte rasch und suchte nach Alternativen. In den Fokus gerieten chinesische Spitzenmodelle.</p>



<p>Sperrungen sind generell Gift für die Innovation. Wenn die Anforderungen an sichere KI-Modelle nicht im Voraus festgelegt sind, schafft dies Unsicherheit bei den KI-Firmen und den Investoren. Mit der schwindenden Attraktivität drohen Absatzmärkte wegzubrechen. Letztlich werden damit auch die Milliardeninvestitionen der USA in die KI-Technologie, in die Rechenzentren und die gesamte KI-Infrastruktur in Frage gestellt.</p>



<p><strong>Chinesische Modelle laufen US-Tools den Rang ab</strong></p>



<p>Während die USA ihre besten Tools sperrten, lancierte Mitte Juni das chinesische Start-up <a href="https://z.ai/chat?gad_source=1&amp;gad_campaignid=23963072154&amp;gclid=EAIaIQobChMI9I3v6LvUlQMVR5VoCR1ghBMvEAAYASAAEgIRs_D_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Z.ai</a> mit GLM-5.2 ein Open-Source-Modell. Es löste eine Art <a href="https://www.businessinsider.com/what-is-glm-5-2-chinese-ai-coding-model-2026-6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DeepSeek-Effekt</a> aus, komme es doch beinahe an die besten US-Modelle heran. Gemäss einem Bericht des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Center_for_Strategic_and_International_Studies" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CSIS</a>, des Center for Strategic and International Studies mit Sitz in Washington, können mehrere <a href="https://www.csis.org/analysis/what-know-about-chinese-ai-models?utm_source=DiploMail&amp;utm_campaign=55ab3f2040-EMAIL_CAMPAIGN_2026_07_10_01_41&amp;utm_medium=email&amp;utm_term=0_4510155485-55ab3f2040-120765410" target="_blank" rel="noreferrer noopener">chinesische Tools</a> mit den US-Modellen gleichziehen. Viele sind als Open-Source-Modelle besonders attraktiv, verursachen sie doch im Betrieb nur einen Bruchteil der Kosten teurer proprietärer US-Modelle. Da ihr Quellcode offen ist, können sie als Basis für eigene Weiterentwicklungen genutzt und auch niemals gesperrt werden. Trotz chinesischer Zensur, die in diesen Modellen steckt, wurden sie für viele Unternehmen eine Option.</p>



<p>Erstaunlich war diese chinesische Entwicklung nicht. Der Anthropic-CEO Dario Amodei <a href="https://www.nytimes.com/2026/04/22/technology/anthropics-mythos-ai.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">warnte</a> bereits im April 2026, dass seine KI-Firma nur einen mehrmonatigen Vorsprung auf andere Anbieter habe.</p>



<p><strong>Falls auch China seine leistungsfähigsten KI-Modelle sperren würde</strong></p>



<p>Auch China überlegt sich, ob es seine leistungsfähigsten Tools künftig fürs Ausland <a href="https://www.reuters.com/world/beijing-is-looking-curbing-overseas-access-chinas-top-ai-models-sources-say-2026-07-07/?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">sperren</a> soll. Während Claude Mythos 5 nur beschränkt zugänglich und in China nicht verfügbar ist, könnten die chinesischen Open-Source-Modelle von irgendjemandem, auch US-Angehörigen, für einen Cyberangriff gegen China genutzt werden. Die chinesischen Behörden stehen jedoch vor einem Dilemma. Denn die kostengünstigen Open-Source-Modelle förderten die Sympathien für China, namentlich im globalen Süden, und trugen zu ihrer Verbreitung bei.</p>



<p>Europa geriete mit Einschränkungen bei künftigen chinesischen KI-Modellen in die missliche Lage, dass es mit seiner Open-Source-Community und auch der Forschung an Hochschulen von den leistungsfähigsten Tools abgeschnitten würde. Mittel- und längerfristig müsste Europa eigene Open-Source-Modelle auf dem jeweils neusten Forschungsstand als Basis für Anwendungen entwickeln. Dabei geht es nicht darum, im KI-Wettlauf um die besten Tools mithalten zu wollen. Hierzu fehlen viele Voraussetzungen, insbesondere die nötigen finanziellen Ressourcen. Es geht darum, mit sehr guten Open-Source-Modellen Handlungsspielraum zurückzugewinnen.</p>



<p><strong>Schockwirkung in Europa – Open-Source-Modelle für Wahlfreiheit</strong></p>



<p>Digitale Souveränität besteht darin, die für eine Anwendung geeigneten KI-Modelle aus den verschiedenen Angeboten selbstbestimmt auswählen und problemlos auswechseln zu können. Für diesen Handlungsspielraum kann Europa auf die langjährige Open-Source-Bewegung setzen und das grosse Expertenwissen der zahlreichen Entwicklerinnen und Entwickler in der Community nutzen. Seit langem setzt die EU zur Förderung der digitalen Souveränität auf <a href="https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/open-source-strategy" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Open-Source</a>.</p>



<p>Die Ablösung von proprietären Systemen ist nicht einfach. Dank neuer <a href="https://techcrunch.com/2026/07/07/why-the-rise-of-open-source-ai-isnt-hurting-anthropic-yet/?utm_campaign=daily_am" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Entwicklungen</a> lässt sich diese Abhängigkeit reduzieren, und gleichzeitig können Kosten gespart werden. Bereits gibt es Tools, die, der Komplexität der Aufgaben angepasst, auf verschiedene Modelle zugreifen können. Sie setzen die teuren US-KI-Tools nur selektiv für anspruchsvolle Aufgaben ein und nutzen für einfachere Anwendungen kostengünstige Open-Source-Modelle. Das japanische KI-Unternehmen <a href="https://sakana.ai/fugu/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sakana AI</a> entwickelte mit <a href="https://techcrunch.com/2026/06/27/asian-ai-startups-launch-mythos-like-models-as-anthropics-export-ban-drags-on/?utm_campaign=daily_weekend" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fugu</a> ein Tool, das automatisiert das jeweils geeignete kostengünstigste Modell ansteuert.</p>



<p><strong>Europas Aktivitäten werden in den USA registriert</strong></p>



<p>Die USA thematisieren inzwischen den beschleunigten Prozess der Ablösung von proprietären KI-Modellen und Infrastrukturen als Reaktion auf die vorübergehende Sperrung. Besonders hervorgehoben wird das französische Start-up <a href="https://techcrunch.com/2026/07/04/what-is-mistral-ai-everything-to-know-about-the-openai-competitor/?utm_campaign=daily_weekend" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mistral</a>. Arthur Mensch, CEO von Mistral, sei mittlerweile zu einem Botschafter für die Vision europäischer Souveränität geworden. Das Start-up habe seinen Umsatz innerhalb eines Jahres von 20 auf 400 Millionen Dollar erhöht und denke, im laufenden Jahr die Schwelle von einer Milliarde zu erreichen. Gemäss einem anderen <a href="https://techcrunch.com/2026/07/06/station-f-ramps-up-as-a-launchpad-for-europes-hottest-ai-startups/?utm_campaign=daily_am" target="_blank" rel="noreferrer noopener">US-Bericht</a> entstehe mit dem KI-Campus in der Region Paris – mit Beteiligung praktisch aller grossen US-KI-Firmen – ein europäisches Gegenstück zum Silicon Valley.</p>



<p><strong>Digitale Souveränität weltweit ein Thema</strong></p>



<p>In Genf fanden vom 6.-10. Juli 2026 gleich drei Kongresse zu KI-Fragen statt. Das <a href="https://www.itu.int/net4/wsis/forum/2026/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">WSIS-Forum</a> befasst sich seit über 20 Jahren mit Fragen der digitalen Governance. Ein <a href="https://aiforgood.itu.int/summit26/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">weiterer Kongress</a> diskutierte Best-Practices bei KI-Anwendungen. Am <a href="https://www.un.org/global-dialogue-ai-governance/en" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Global Dialogue on AI Governance</a> kritisierte UNO-Generalsekretär <a href="https://www.reuters.com/technology/un-chief-warns-ai-is-developing-faster-than-rules-can-keep-up-2026-07-06/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Antonio Guterres</a> die Konzentration der fortschrittlichsten KI-Systeme bei wenigen Unternehmen, namentlich in den USA und China.</p>



<p>Die UNO ist derzeit geschwächt. Wenn sich die zahlreichen Mitgliedstaaten, insbesondere des globalen Südens, mit chinesischen und anderen Open-Source-Modellen mehr Wahl- und Handlungsfreiheit verschaffen, könnten sie als Marktmacht durchaus Druck auf die Anbieter ausüben.</p>



<p><strong>USA denken in der Regulierungsfrage um</strong></p>



<p>Bisher lehnte die US-Regierung jegliche KI-Regulierungen ab, weil sie keinesfalls die Innovationskraft im KI-Wettlauf mit China schwächen wollte. Doch ohne Regulierungen gefährden die fortschrittlichsten KI-Modelle – und dies ist eine neue Erkenntnis – nicht nur die nationale Sicherheit, sondern generell weltweit systemrelevante Infrastrukturen. Im Weissen Haus wird auf der Grundlage der Executive Order derzeit nach <a href="https://www.axios.com/2026/07/09/ai-trends-fable-5-sol-grok-china-us?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lösungen</a> gesucht, um diese unterschiedlichen Ziele in Einklang zu bringen.</p>



<p>Vermutlich wächst die Einsicht, dass auch an dem Mitte Mai 2026 in Beijing vereinbarten Verfahrensprotokoll gearbeitet werden muss, da es trotz wirtschaftlicher und geopolitischer Konkurrenz Sicherheitsstandards braucht, die weltweit eingehalten werden müssen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/ki-regulierung-zwischen-sicherheitsrisiken-und-machtinteressen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">KI-Regulierung zwischen Sicherheitsrisiken und Machtinteressen</a>, Infosperber vom 20.5.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/der-fight-um-open-source-ist-geopolitisch-entbrannt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Fight um Open-Source ist geopolitisch entbrannt</a>, Infosperber vom 4.7.2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Als Vizekanzlerin im Bundeshaus von 1991 bis 2005 leitete die Autorin verschiedene Digitalisierungsprojekte. Nach der Pensionierung engagierte sie sich ehrenamtlich für die Digitalisierung im Bildungsbereich. Heute analysiert Hanna Muralt Müller Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz in ihren <a href="https://muralt-mueller.ch/2024-3/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newslettern</a>.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Der Unfug mit dem Proteingehalt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/der-unfug-mit-dem-proteingehalt/</link>
					<pubDate>Thu, 16 Jul 2026 08:49:45 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=698699</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/IMGsdfafdfda_1492-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="IMGsdfafdfda_1492" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/IMGsdfafdfda_1492-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/IMGsdfafdfda_1492-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/IMGsdfafdfda_1492-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/IMGsdfafdfda_1492-1536x920.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/IMGsdfafdfda_1492-2048x1227.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Bei der Werbung für «High-Protein»-Produkte scheint jedes Mittel recht zu sein. Das beweisen die Fromageries Bel und die Migros.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die Reklame klebte kürzlich auf der Titelseite des «Migros-Magazins»: «Entdecke deinen Protein-Snack: Babybel. Protein x 5.» Der erste Gedanke: Fünf Mal so viel Protein wie in einem normalen Babybel – dem Käse in der roten Wachshülle.</p>



<p>Doch der erste Gedanke war falsch. Das zeigt der Blick auf die <a href="https://babybel.de/unsere-produkte/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nährwert-Tabellen</a> der verschiedenen Babybel-Varianten:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der Original-Babybel enthält 22 Gramm Protein pro 100 Gramm Käse.</li>



<li>Beim Light-Produkt mit dem Namen «Balance» sind es 25 Gramm.</li>



<li>Und beim Babybel «High Protein»? 26 Gramm.</li>
</ul>



<p>Das «High-Protein»-Produkt enthält also nicht das Fünffache, sondern bloss 4 Prozent mehr als die Light-Variante und 18 Prozent mehr als das Original. Preislich sind die Differenzen allerdings grösser. Die «High-Protein»-Variante ist mit Abstand die teuerste. Die Werbeaussage «5x» ist ein plumper Täuschungsversuch. Gemeint ist nicht der Proteingehalt, sondern die Anzahl der Mini-Babybels, die in einem Säckchen enthalten sind.</p>



<p>Die Autoren von Internet-Portalen, die sich mit Ernährung beschäftigen, lassen sich offenbar täuschen. Sie überschlagen sich vor Begeisterung: «Diese Markteinführung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem 35 Prozent der Verbraucher aktiv versuchen, ihre Proteinaufnahme zu steigern», schreibt etwa <a href="https://www.foodbev.com/news/bel-uk-launches-mini-babybel-protein" target="_blank" rel="noreferrer noopener">foodbev.com</a>. Und <a href="https://nutriscan.app/de/calories-nutrition/mini-babybel-protein" target="_blank" rel="noreferrer noopener">nutriscan.app</a> hält fest: «Perfekter portionskontrollierter Protein-Snack mit Kalzium, hochwertigem Milchprotein und null Kohlenhydraten für jedes Gesundheitsziel.»</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/newsletter/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="48" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen.png" alt="Newsletter Balken grün" class="wp-image-590037" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen-300x19.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Doch die Konsumenten und Konsumentinnen sind nicht so dumm. Auf <a href="https://migipedia.migros.ch/de/mini-babybel-weichkaese-high-protein?id=3a30af60-efdf-11f0-bfa0-f3037eb4ac3e&amp;stars=1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">migipedia.ch</a>, wo Migros-Kunden die Produkte bewerten, tönt es etwa so: «Wenn ich die Nährwerte mit dem Light-Produkt vergleiche, ist dieser fetter und teurer – also schlechter – und hat auf 100 Gramm gerade mal 1 Gramm mehr Protein …» Oder: «Wieder eine ‹High-Protein›-Falle, um Geld zu machen.»</p>



<p>Es ist übrigens nicht die einzige «High-Protein»-Falle. Viele Hersteller haben es sich mittlerweile zur Gewohnheit gemacht, ihre so genannten «High-Protein»-Produkte auffällig auf der Packung zu bewerben, dabei geben sie nicht – wie üblich – den Proteingehalt pro 100 Gramm an, sondern den Proteingehalt pro Packung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="521" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/6834838_001-1024x521.png" alt="6834838_001" class="wp-image-698709" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/6834838_001-1024x521.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/6834838_001-300x153.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/6834838_001-768x390.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/6834838_001.png 1377w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«18 g Protein» – aber nicht pro 100 Gramm, sondern pro Packung (à 200 Gramm), wie in kleiner Schrift auf dem Coop-Porridge zu lesen ist.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="518" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Screenshot-2026-05-06-at-15-51-48-Oh-Whey-·-High-Protein-Yoghurt-·-Vanille-laktosefrei-ohne-Zuckerzusatz-•-Migros-1024x518.png" alt="Screenshot 2026-05-06 at 15-51-48 Oh! Whey · High Protein Yoghurt · Vanille laktosefrei ohne Zuckerzusatz • Migros" class="wp-image-698711" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Screenshot-2026-05-06-at-15-51-48-Oh-Whey-·-High-Protein-Yoghurt-·-Vanille-laktosefrei-ohne-Zuckerzusatz-•-Migros-1024x518.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Screenshot-2026-05-06-at-15-51-48-Oh-Whey-·-High-Protein-Yoghurt-·-Vanille-laktosefrei-ohne-Zuckerzusatz-•-Migros-300x152.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Screenshot-2026-05-06-at-15-51-48-Oh-Whey-·-High-Protein-Yoghurt-·-Vanille-laktosefrei-ohne-Zuckerzusatz-•-Migros-768x388.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Screenshot-2026-05-06-at-15-51-48-Oh-Whey-·-High-Protein-Yoghurt-·-Vanille-laktosefrei-ohne-Zuckerzusatz-•-Migros.png 1385w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«16 g*» tönt gut – nur ist das nicht der Proteingehalt pro 100 Gramm, sondern pro 180-Gramm-Becher des Migros-Joghurts.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="933" height="700" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/5107538_QS_High_Protein_Cottage_PSXX.png" alt="5107538_QS_High_Protein_Cottage_PSXX" class="wp-image-698715" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/5107538_QS_High_Protein_Cottage_PSXX.png 933w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/5107538_QS_High_Protein_Cottage_PSXX-300x225.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/5107538_QS_High_Protein_Cottage_PSXX-768x576.png 768w" sizes="auto, (max-width: 933px) 100vw, 933px" /><figcaption class="wp-element-caption">«31,2 g Protein*»: Wichtig ist der Stern. Er bedeutet: pro Becher (250 Gramm) des Lidl-Hüttenkäses.</figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/fb591313d34f470f97a760b00f12e0d0" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>«Donald Trump ist an Tollwut gestorben»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/rabbit-hole/donald-trump-ist-an-tollwut-gestorben/</link>
					<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 08:46:23 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711819</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/WKNA-scaled-e1783944518463-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/WKNA-scaled-e1783944518463-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/WKNA-scaled-e1783944518463-1024x613.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/WKNA-scaled-e1783944518463-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/WKNA-scaled-e1783944518463-1536x920.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/WKNA-scaled-e1783944518463.jpg 1835w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Eine Falschmeldung jagt die nächste: Warum wir dringend aufhören sollten, Künstliche Intelligenz als Quelle zu verwenden.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Donald Trump starb Berichten zufolge am 7. Juni 2026 an Tollwut», <a href="https://www.breitbart.com/tech/2026/06/28/duckduckgo-ai-tells-users-donald-trump-and-jd-vance-have-died-from-rabies/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verkündete</a> die Suchmaschine DuckDuckGo im Juni.</p>



<p>Ehrlich gesagt war ich schon immer der Meinung, dass man einer Maschine nicht trauen sollte, die einem nicht einmal ein anständiges Restaurant in Zürich empfehlen kann. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="868" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Trump-dies-of-rabis-1024x868.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-711829" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Trump-dies-of-rabis-1024x868.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Trump-dies-of-rabis-300x254.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Trump-dies-of-rabis-768x651.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Trump-dies-of-rabis.jpg 1250w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">DuckDuckGos Search Assist verkündet Trumps Tod mit derselben unerschütterlichen Selbstverständlichkeit, mit der es sonst schlechte Pizzerias empfiehlt.</figcaption></figure>



<p>DuckDuckGo, diese Suchmaschine, die sich seit Jahren als moralisch überlegene kleine Schwester von Google vermarktet, eine Art Öko-Version der Informationsbeschaffung, hat der Welt via ihrer KI-Suchfunktion mitgeteilt, der US-Präsident sei an Tollwut gestorben. Kurz davor, so die Maschine weiter, sei auch Vizepräsident J.D. Vance an derselben Krankheit <a href="https://futurism.com/artificial-intelligence/duckduckgo-ai-trump-rabies" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verendet</a>, und dann hätten auch noch irgendwelche Leute seinen Sarg geschändet, und angefangen habe die ganze Tragödie mit einem Waschbären, den Erika Kirk adoptiert habe.</p>



<p>Präsident und Vize-Präsident tot innerhalb weniger Stunden – das wäre tatsächlich eine bemerkenswert schlechte Woche für die US-Demokratie und das Konzept der verfassungsmässigen Nachfolge. Aber beide Herren sind, soweit ich das von der Schweiz aus beurteilen kann, bei bester Gesundheit.</p>



<p><strong>Erika Kirk adoptiert einen Waschbären</strong></p>



<p>Wie kommt eine Maschine, die angeblich die gesammelte Information der Menschheit durchforstet, auf eine derart spezifische Lüge? Die Antwort ist banal: Ein Subreddit namens <a href="https://www.reddit.com/r/poisonai/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">r/PoisonAI</a> mit bisher ungefähr 45’000 Mitgliedern, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Künstliche Intelligenz systematisch zu vergiften.</p>



<p>KI-Systeme ziehen einen erstaunlichen Teil ihres Weltwissens aus genau solchen Foren, nachzuhören im Podcast <a href="https://www.tiktok.com/@artificialinsanitypod/video/7656991055262371085?_r=1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Artificial Insanity»</a>. Das macht die Sache zum Lehrstück darüber, wie Künstliche Intelligenz sich in Echtzeit ihre eigene Parallelwirklichkeit baut, direkt neben der, in der wir anderen Miete zahlen.</p>



<p>Der Gründungsmythos, den die Community in einem <a href="https://www.reddit.com/r/poisonai/comments/1u0obij/trumps_comment_on_vance_dying_from_rabies_made_on/?solution=8c97218b31ce6c4f8c97218b31ce6c4f&amp;js_challenge=1&amp;token=7afd7253fec22262ff1c52b1703fe9eca2cacd4f20a89e68426598f2c4fc2336&amp;jsc_orig_r=" target="_blank" rel="noreferrer noopener">gefälschten Truth-Social-Post</a> von «Donald Trump» verewigt hat, liest sich wie ein Drehbuch, das jemand nach drei Linien Amphetamin zu Ende geschrieben hat: Erika Kirk adoptiert kurzzeitig einen Waschbären – «kein lieber Waschbär, Leute, ein sehr böser Waschbär, der Allerschlimmste», wie uns der Fake-Trump wissen lässt–, woraufhin sich RFK Jr., Dr. Oz, Marco Rubio und Melania Trump praktisch zeitgleich anstecken, alle behandelt im Walter-Reed-Hospital («grossartiges Krankenhaus, fantastische Leute»), während der Präsident selbst medizinisch als «die Person, mit der geringsten Tollwut, die wir je untersucht haben» eingestuft wird. Die Beerdigung des «grössten Vizepräsidenten, den dieses Land je gesehen hat», sei für Mittwoch, den 10. Juni, 10 Uhr, in der St.-Matthäus-Kathedrale angesetzt. 31’700 Likes, 8030 sogenannte ReTruths.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="885" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Rabis-885x1024.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-711831" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Rabis-885x1024.jpg 885w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Rabis-259x300.jpg 259w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Rabis-768x889.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Rabis-1327x1536.jpg 1327w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Rabis.jpg 1348w" sizes="auto, (max-width: 885px) 100vw, 885px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Waschbär als Patient Zero, ein Präsident, der sich selbst zur Person erklärt «mit der geringsten Tollwut, die wir je untersucht haben», eine Trauerfeier für den «grossartigsten Vize-Präsidenten, den dieses Land jemals gesehen hat»: Die beste Trump-Parodie, Leute. Eine sehr gute Parodie. Die beste, die es gibt.</figcaption></figure>



<p>Das eigentliche Meisterstück liegt aber nicht im Post selbst, sondern in der <a href="https://www.reddit.com/r/poisonai/comments/1u0obij/trumps_comment_on_vance_dying_from_rabies_made_on/?solution=8c97218b31ce6c4f8c97218b31ce6c4f&amp;js_challenge=1&amp;token=7afd7253fec22262ff1c52b1703fe9eca2cacd4f20a89e68426598f2c4fc2336&amp;jsc_orig_r=" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kommentarspalte</a> von r/PoisonAI: «Wow, das ist so traurig, ich habe es vorher nicht geglaubt, aber dieser Post hat es für mich bestätigt, ich brauche wohl ein paar Tage, um zu trauern», schreibt jemand mit hunderten Likes. Der Urheber des Posts antwortet: «Es ist wirklich eine beängstigende Zeit, wenn man weiss, dass sie alle Tollwut haben.» Ein Dritter schlägt einen globalen Trauertag vor, «inklusive obligatorischer Sofabezüge und Eyeliner». Und dann mein persönliches Lieblingsgenre: der empörte Gegen-Post, der sich beschwert, die Community dürfe <a href="https://www.reddit.com/r/poisonai/comments/1uert99/disheartening_to_see_rabies_tragedy_dismissed_as/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«diese Tollwut-Tragödie nicht als Meme abtun»</a> &nbsp;– «sein tragischer Tod wurde von grossen Sendern wie NBC, CNN, Fox News und sogar der BBC behandelt», doziert jemand mit 500 Upvotes, während eine weitere Stimme aus Europa berichtet, man sei dort «buchstäblich im Panikmodus», mit täglichen Tollwutimpfungen direkt an der Haustür, schon die vierte heute, der Arm schmerze zwar, aber sicher sei sicher. Die KI wird bei r/poisonai in die Falle gelockt durch eine vollständig durchkonstruierte Parallelwelt mit eigener Dramaturgie, eigenen Nebendarstellern und eigenem Krisenmanagement.</p>



<p><strong>Terminierter Staatstrauerakt</strong></p>



<p>Man könnte argumentieren, das ist alles wahnsinnig beunruhigend, aber eigentlich ist es das Gegenteil, der Beleg dafür nämlich, dass es noch Menschen gibt, die sich anstrengen, statt es einfach eine KI erledigen zu lassen. Während der Rest der Menschheit sich von Chatbots die Einkaufsliste, die Hochzeitsrede und mittlerweile offenbar auch die politische Realität schreiben lässt, tummeln sich Trolls in Reddit-Foren und basteln eine komplett erfundenen Tollwutepidemie im Weissen Haus, mit Nebenrollen, Spitalaufenthalten und Trauerfeier-Location. </p>



<p>Und die Maschinen schlucken es. Fragte man die KI-Suche des Brave-Browsers im Juni, ob der Vizepräsident ebenfalls an Tollwut gestorben sei, antwortete die KI: «Ja, J.D. Vance ist an Tollwut gestorben.» Und liefert gleich den <a href="https://www.reddit.com/r/poisonai/comments/1ueix9y/in_the_era_of_fake_news_im_glad_i_can_count_on/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ganzen Steckbrief</a> mit: Todesdatum 5. Juni, Ursache ein Waschbärkontakt oder eine Veranstaltung im Weissen Haus, organisiert von RFK Jr., dazu ein bereits terminierter Staatstrauerakt am 4. Juli in der Independence Hall in Philadelphia.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="560" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/JD-VANCE-1024x560.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-711837" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/JD-VANCE-1024x560.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/JD-VANCE-300x164.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/JD-VANCE-768x420.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/JD-VANCE.jpg 1266w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Berichten zufolge hat er sich bei einem Waschbären mit dem Virus angesteckt»: Die Suchmaschinen und der tote Vizepräsident.</figcaption></figure>



<p>DuckDuckGo bediente sich bei seiner Recherche bei einem sogenannten Pink-Slime-Medium: WKNA News, welche die Meldung des an Tollwut verstorbenen Präsidenten <a href="https://wkna49.com/news/former-president-donald-trump-passes-away-following-reported-infection" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verbreitete</a>, verkleidet sich als Lokalmedium aus Charleston, South Carolina, hat aber keine erkennbare Redaktion und saugte die Rabies-Geschichte direkt aus r/poisonai – echter Lokaljournalismus, ersetzt durch eine KI-generierte Zeitungs-Attrappe, die sich ihrerseits bei Reddit-Trollen bedient. George Orwell 2026 : Man braucht die Wahrheit gar nicht mehr zu verbieten. Wir ertrinken stattdessen in einem Meer aus Falschen, das täuschend echt aussieht. </p>



<p>Inzwischen hatte auch der Webbrowser Brave über seine eigene KI-Suche die Falschmeldung übernommen, und auf r/poisonAI postete Mitglied <a href="https://www.reddit.com/r/poisonai/comments/1ueix9y/in_the_era_of_fake_news_im_glad_i_can_count_on/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«whenthesaint»</a>:&nbsp;«Im Zeitalter der Fake News bin ich froh, dass ich mich auf Brave AI verlassen kann, um die Wahrheit zu erfahren!»</p>



<p>Was für ein Theater! Denn die «Wahrheit» war in diesem Fall natürlich exakt die Lüge, die «whenthesaint» mitgeholfen hatte, in die Welt zu setzen. </p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png" alt="Spendenbalken blau" class="wp-image-699999" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Erst danach, nachdem Journalisten die Geschichte publik gemacht hatten, reagierten die Firmen. DuckDuckGo, das sich auf das Fake-Portal WKNA News berufen hatte, <a href="https://www.reddit.com/r/technology/comments/1ufkgfg/comment/ottb9xj/?context=3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">entschuldigte sich</a> auf Reddit: «Ok, da sind wir auf eine Ente reingefallen, wir kümmern uns darum.» Brave, das in bester KI-Manier gleich noch Artikel von «NBC News» und «New York Times» als weitere «Quellen» dazu erfunden hatte, liess über eine Sprecherin ausrichten, so berichtete <a href="https://piunikaweb.com/2026/06/26/duckduckgo-ai-trump-vance-rabies-hoax/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Piunkiaweb»</a>, die Nutzer müssten Behauptungen von Suchmaschinen selbst prüfen. </p>



<p>Man könnte einwenden: Wir bauen KI-Suchmaschinen, müssen aber die Antworten auf ihre Echtheit prüfen? Die Antwort ist banal: Ja, genau das ist der Deal. Wir sind gerade dabei, Suchmaschinen, die Links und Quellen liefern, einzutauschen gegen ein Werkzeug, das schnell antwortet, selbstbewusst und druckreif antwortet, aber bei dem wir leider keine Ahnung haben, ob die Antworten stimmen oder frei erfunden sind.</p>



<p><strong>Dreizehn Wörter</strong></p>



<p>Was hier im Kleinen passiert, mit einem Waschbären und einem geschändeten Sarg ist Ausdruck der schleichenden Auslagerung dessen, was eine Gesellschaft für wahr hält, an Systeme, die Wahrheit nicht kennen, sondern Wahrscheinlichkeit. Wenn eine Suchmaschine nicht mehr zwischen Ereignis und Erzählung unterscheiden kann, weil beide in denselben Trainingsdaten nebeneinander existieren, dann folgt daraus ein Kontrollverlust über das kollektive Gedächtnis. Wir haben Maschinen gebaut, die schneller lügen können, als wir widersprechen und merken es erst, wenn ein Präsident stirbt, der noch gar nicht gestorben ist.</p>



<p>Diese Debatte betrifft auch den «Infosperber» und unsere Lesenden. Wir sind inzwischen fast täglich mit einer  Version desselben Problems konfrontiert: Kaum veröffentlichen wir einen Artikel, poppt in der Kommentarspalte garantiert jemand auf, der eine KI-Zusammenfassung als Gegenbeweis präsentiert, so, als sei ein Sprachmodell eine Zeugenaussage, eine verlässliche Quelle mit geprüften Daten, und keine Vorhersagemaschine für das nächstwahrscheinlichste Wort.</p>



<p>Ein einziger vergifteter Kommentar in einem Subreddit, gut platziert, kann Ergebnisse für ganze Themencluster verzerren – und dafür braucht man, wie der Podcast «Artificial Insanity» vorgerechnet hat, bloss dreizehn Wörter. Dreizehn Wörter, um eine Suchmaschine dazu zu bringen, einem amtierenden Präsidenten öffentlich ein Sterbedatum zu verpassen.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-tiktok wp-block-embed-tiktok"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="tiktok-embed" cite="https://www.tiktok.com/@artificialinsanitypod/video/7656991055262371085" data-video-id="7656991055262371085" data-embed-from="oembed" style="max-width:605px; min-width:325px;"> <section> <a target="_blank" title="@artificialinsanitypod" href="https://www.tiktok.com/@artificialinsanitypod?refer=embed">@artificialinsanitypod</a> <p>It takes as little as 13 words to affect an AI chatbot&#8217;s search results. <a title="ai" target="_blank" href="https://www.tiktok.com/tag/ai?refer=embed">#ai</a> <a title="ainews" target="_blank" href="https://www.tiktok.com/tag/ainews?refer=embed">#ainews</a> <a title="trump" target="_blank" href="https://www.tiktok.com/tag/trump?refer=embed">#trump</a> <a title="tech" target="_blank" href="https://www.tiktok.com/tag/tech?refer=embed">#tech</a></p> <a target="_blank" title="♬ original sound - Artificial Insanity - Artificial Insanity" href="https://www.tiktok.com/music/original-sound-Artificial-Insanity-7656991121217784589?refer=embed">♬ original sound &#8211; Artificial Insanity &#8211; Artificial Insanity</a> </section> </blockquote> <script async src="https://www.tiktok.com/embed.js"></script>
</div></figure>



<p><strong>Zone der Beliebigkeit</strong></p>



<p>Man fragt sich, wie Google, das seine gesamte Suche gerade auf KI-Zusammenfassungen umstellt, dieses Problem lösen will. Eine Prognose wage ich nicht, wohl aber eine Diagnose: Dass sich ein System von vierzigtausend Redditoren so mühelos eine Falschmeldung über den Tod eines amtierenden Vizepräsidenten unterschieben lässt, ist Ausdruck einer Verschiebung, die sich seit Jahren ankündigt – der Verabschiedung nämlich der Primärquelle als Ordnungsprinzip des Wissens. Wer noch nach dem Ursprung einer Information fragt, gilt bereits als umständlich. Die Suchmaschine liefert die Antwort ja gleich mit, komprimiert, geglättet, autoritativ im Ton und beliebig im Wahrheitsgehalt. Bücher, Archive, Augenzeuginnen: Kategorien einer Welt, die noch zwischen Ereignis und Behauptung unterschied. Wir betreten, kaum bemerkt, eine Zone der Beliebigkeit, in der nicht mehr zählt, was sich belegen lässt, sondern bloss noch, was sich oft genug wiederholt.</p>



<p>PS. Während ich das hier schreibe, hat Mitch McConnell auf r/poisonai bereits «bestätigt», dass Senator Lindsey Graham ebenfalls an Tollwut gestorben sei – Ansteckungsweg: eine zu intime Begegnung mit einem überfahrenen Tier –, während ein separates, mit 874 Upvotes prämiertes Foto McConnell selbst bei der Genesung von einer Brustvergrösserung zeigt. Ich warte ab, welche KI-Suchmaschine mir das zuerst als gesicherte Tatsache verkauft.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/follow-the-money/das-imperium-hat-eine-adresse/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Imperium hat eine Adresse</a>, Infosperber vo 13.&nbsp;Juli 2026</li><li><a href="http://Die KI säuft unser Trinkwasser" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die KI säuft unser Trinkwasser</a>, Infosperber vom 9.&nbsp;Juli 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>PFAS in Medikamenten müssen nicht sein</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/medizin/pfas-in-medikamenten-muessen-nicht-sein/</link>
					<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 08:43:49 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711395</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/richtige-einnahme-von-medikamenten-frau-halt-tablette-und-wasserglas-in-handen-1037264-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="richtige-einnahme-von-medikamenten-frau-halt-tablette-und-wasserglas-in-handen-1037264" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/richtige-einnahme-von-medikamenten-frau-halt-tablette-und-wasserglas-in-handen-1037264-300x200.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/richtige-einnahme-von-medikamenten-frau-halt-tablette-und-wasserglas-in-handen-1037264-768x512.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/richtige-einnahme-von-medikamenten-frau-halt-tablette-und-wasserglas-in-handen-1037264.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ewigkeitschemikalien in Arzneimitteln lassen sich ersetzen, Ärzte könnten bevorzugt Alternativen verschreiben.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, besser bekannt als PFAS, finden sich überall. Auch in Medikamenten. PFAS in Medikamenten sind von gesetzlichen Einschränkungen ausgenommen und gelten als «essenzielle» Anwendung. Die gute Nachricht: Die meisten lassen sich ersetzen.</p>



<p>Ein internationales Team <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2352554126001087" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der Universität Freiburg im Breisgau</a> hat sich im Auftrag des deutschen Umweltbundesamts auf die Suche nach PFAS in Arzneimittelstoffen gemacht und 111 davon gefunden. 97 davon (87 Prozent) lassen sich durch PFAS-freie Substanzen ersetzen. Für fast alle anderen befänden sich Alternativen in Entwicklung, schreiben die Autorinnen und Autoren. In Deutschland seien 70 PFAS-haltige Wirkstoffe zugelassen, für die es 61 PFAS-freie Alternativen gebe.</p>



<p>«Ein eindeutiger Hinweis darauf, dass eine Per- beziehungsweise Polyfluorierung aus pharmakologischer Sicht nicht zwingend erforderlich ist», sagt Michael Müller, Professor am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften&nbsp;der&nbsp;Universität Freiburg gegenüber <a href="https://www.oekotest.de/gesundheit-medikamente/gutachten-pfas-in-arzneimitteln-sind-oft-ersetzbar_601441_1.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Öko-Test»</a>. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Vorläufer einer Substanz, die der Fortpflanzung schadet</h2>



<p>Die Autorinnen und Autoren betonen, dass ihr Gutachten niemanden dazu bewegen soll, Medikamente abzusetzen. Im Vordergrund steht der therapeutische Nutzen. Insgesamt ist die PFAS-Belastung durch Medikamente eher gering. Da die Bevölkerung aber weiter altert, nimmt aber auch der durchschnittliche Medikamentenkonsum zu.</p>



<p>Die Umweltbelastung durch PFAS, die als Wirkstoffe, Hilfsstoffe, Stabilisatoren oder in der Produktion von Medikamenten verwendet werden, kann jedoch erheblich sein und summiert sich. Von den 111 pharmakologisch wirksamen Bestandteilen (Active Pharmaceutical Ingredients, APIs), die das Gutachten bewertet, seien 84 Prozent potenzielle Vorläufer von Trifluoracetat oder TFA, einem PFAS, das gerade als fortpflanzungsschädigend eingestuft wurde (Infosperber: <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/triflouracetat-tfa-als-fortpflanzungsschaedigend-eingestuft/">«</a><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/triflouracetat-tfa-als-fortpflanzungsschaedigend-eingestuft/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trifluoracetat (TFA) als fortpflanzungsschädigend eingestuft»</a>). Sie verteilten sich über alle Bereiche und alle Indikationen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Folgende Medikamentengruppen können PFAS enthalten:</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Antidepressiva und Psychopharmaka enthalten zum Beispiel das PFAS <a href="https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Fluoxetin" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fluoxetin</a>.</li>



<li>Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone wie Ciprofloxacin. Ciprofloxacin enthält ein Fluoratom, gilt aber nicht <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8933701/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in allen Definitionen</a> als PFAS.</li>



<li>Aerosole und Asthmasprays nutzen teilweise fluorierte Gase als Treibmittel.</li>



<li>Cholesterinsenker (Statine)</li>



<li>Krebsmedikamente</li>



<li>Säureblocker</li>



<li>Augentropfen</li>



<li>Narkosegase wie Isofluran, Sevofluran und Desfluran. Bei diesen spielt auch ihre zum Teil ausserordentlich grosse Klimawirkung eine Rolle. Desfluran wird deshalb immer seltener verwendet.</li>
</ul>



<p>Diese Aufzählung ist nicht erschöpfend. Swissmedic, das für die Zulassung von Medikamenten in der Schweiz zuständig ist, publiziert derzeit keine Liste von Arzneimitteln mit PFAS. Das teilte das Schweizerische Heilmittelinstitut auf Nachfrage von «Infosperber» mit und verwies auf die Packungsbeilage. Patientinnen und Patienten hätten ausserdem die Möglichkeit, die entsprechende Information bei der Schweizer Zulassungsinhaberin anzufordern.</p>



<p>Ärztinnen und Ärzte könnten sich in Zukunft für umweltfreundlichere PFAS-freie Medikamente entscheiden, wenn der therapeutische Nutzen das erlaubt. Dazu müssen sie wissen, welche Medikamente PFAS enthalten. Das Umweltbundesamt arbeitet dazu an einem «Arzneimittelindex Umwelt», der Ärztinnen und Apothekern Orientierung bieten soll. Für Laien ist es wenigstens zeitaufwendig wenn nicht direkt schwierig, herauszufinden, ob ein Medikament PFAS enthält oder TFA abspalten kann. </p>



<p>PFAS werden im Pharmabereich nicht nur als Wirk-, sondern auch als Hilfsstoffe eingesetzt. Sie sorgen für die Stabilität und Verteilung der Wirkstoffe im Körper. Für den erwünschten medizinischen Effekt sind sie oft gar nicht verantwortlich. PFAS finden sich zudem in Verpackungen, werden in der Produktion eingesetzt oder sind Teil von Produktionsanlagen wie Ventilen oder Schläuchen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/98f82c13b5fa4c50823d4012ea8c66bd" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>KI erobert als Lehrerersatz jetzt auch die Schulzimmer</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/bildung/primar-und-mittelschulen/ki-erobert-als-lehrerersatz-jetzt-auch-die-schulzimmer/</link>
					<pubDate>Wed, 15 Jul 2026 08:40:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711793</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Avatar-in-der-Schule-2024-e1783929567541-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Avatar in der Schule 2024" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Avatar-in-der-Schule-2024-e1783929567541-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Avatar-in-der-Schule-2024-e1783929567541-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Avatar-in-der-Schule-2024-e1783929567541-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Avatar-in-der-Schule-2024-e1783929567541-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Avatar-in-der-Schule-2024-e1783929567541.png 1560w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Avatare KI-Lehrer kamen fürs Home Office in der Coronazeit auf. Jetzt sollen sie Lehrkräfte auch im Schulzimmer teilweise ersetzen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die&nbsp;<a href="https://www.kreisschule.ch/ueber-uns">Mittelschule Mutschellen</a>&nbsp;im Kanton Aargau will «die erste KI-Schule der Schweiz» werden. Nach den Sommerferien sollen alle rund achtzig Lehrerinnen und Lehrer mit der Software des Anbieters Pro Scola arbeiten. Das berichtete die «NZZ am Sonntag».</p>



<p>Ab dem ersten Sekundarschultag soll die Software das Lernen und Lehren an der Kreisschule künftig bestimmen. «Zum Beispiel müssen Lehrpersonen&nbsp;ihre Lektionen nicht mehr mühsam zu Hause vorbereiten», sagt Schulleiter Florian Stähli. Die «NZZ am Sonntag» beschreibt das Vorgehen: «Lehrinnen und Lehrer geben ein Thema ein, wählen per Klick einen pädagogischen Ansatz – vom traditionellen Unterricht über die Montessori-Methode bis zum spielbasierten Lernen –, worauf das Programm einen fertigen ‹Lernpfad›, basierend auf dem Lehrplan 21, generiert, samt Arbeitsblättern und Tests. Diese werden anschliessend von den Schülern entweder ausgedruckt, bearbeitet und wieder eingelesen oder direkt am Bildschirm ausgefüllt.»</p>



<p>Die KI korrigiert die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler. Sie erstellt ein Profil sowohl der ganzen Klasse als auch jedes einzelnen Schülers. «Das Tool korrigiert die Prüfungen besser und schneller, als es je ein Mensch tun könnte», erklärt Schulleiter Stähli. Und die Rückmeldungen an Lehrer und Schüler seien differenziert und ausführlich. «Wir haben tausendmal so viele Informationen über die Schüler und können damit viel zielgerichteter arbeiten.»</p>



<p>Die KI-Revolution an Schulen wirft pädagogische und politische Fragen auf. Die «NZZ am Sonntag» zitiert den Erziehungsphilosophen Roland Reichenbach,&nbsp;Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaft&nbsp;an der Universität Zürich: «Soll die Schule ein Ort der optimierten Produkteorientierung sein? Oder ein geschützter Raum für die menschliche Entwicklung?» Die Vorstellung, dass die Lehrerin durch die KI-Analyse die «Perspektive eines allmächtigen Psychotherapeuten» erhalte, könne für die Entwicklung des Kindes gefährlich sein.</p>



<p>Avatare mit KI-gesteuerten Dialogen erhöhen die Motivation und erleichtern die Arbeit von Schülerinnen und Schülern, die aus irgendwelchen Gründen zu Hause lernen müssen. Weniger klar ist, welche Rolle die KI und Avatare im Schulzimmer spielen soll und kann.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Die SVP rüttelt am Rechtsstaat</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-svp-ruettelt-am-rechtsstaat/</link>
					<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 08:44:56 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="163" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-13-um-18.11.09-300x163.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Landsgemeinde Glarus 3.5.2026" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-13-um-18.11.09-300x163.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-13-um-18.11.09-768x418.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-13-um-18.11.09.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Auch im Ausland wird sie bewundert: die direkte Demokratie der Schweiz. Ein Bundesrichter sieht aber auch Grundrechte in Gefahr.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>In der Schweiz läuft in gewisser Weise eine permanente öffentliche Politdebatte. Von Anfang 2025 bis Mitte 2026 kamen allein auf Bundesebene zehn Vorlagen zur Volksabstimmung – mit vorgängig einem öffentlichen Diskussionsbedarf meist epischen Ausmasses. Die Themenpalette ist dabei von erheblicher Breite und unterschiedlicher Relevanz: Es ging unter anderem um die Ausdehnung der Zollhoheit des Bundes auf den Branntwein, über Fragen des Bargeldes, der Individualbesteuerung und der Schaffung eines Klimafonds bis hin zur Forderung, die Radio- und Fernsehgebühren drastisch zu senken und das Bevölkerungswachstum bei zehn Millionen Menschen zu stoppen. Die ausgebaute direkte Demokratie mit ihren zahlreichen fakultativen und obligatorischen Referenden und dem Initiativrecht gilt als Markenzeichen der helvetischen Demokratie.</p>



<p><strong>Mehrere Vorstösse in Deutschland</strong></p>



<p>Sie ist auch ein Exportartikel und findet viele Bewunderer auch jenseits der Schweizer Grenze. In <a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/buergerrechte/direkte-demokratie-populaer-und-ambivalent/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutschland</a> sind in den vergangenen rund 40 Jahren schon mehrere entsprechende Vorstösse eingebracht worden. Im Jahr 2002 etwa unterbreiteten SPD und Bündnis 90/Die Grünen einen Gesetzesentwurf zur «Einführung von Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid in das Grundgesetz». Im Deutschen Bundestag fand das Vorhaben sogar eine Mehrheit, doch es scheiterte an der Zweidrittelmehrheit.</p>



<p><strong>Die Schweiz als Vorbild für die AfD</strong></p>



<p>Auf der direktdemokratischen Welle reiten jedoch auch Kreise, deren demokratische Weste nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Als die heute weitgehend unbedeutende neonazistische Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) (seit 2023 «Die Heimat») immer wieder die schweizerische direkte Demokratie hochleben liess, war das kein Kompliment, auf das die Schweiz stolz sein konnte. Mittlerweile spielen praktisch alle rechtspopulistischen bis rechtsextremen Parteien in Europa die direktdemokratische Karte aus. Das französische Rassemblement National, die spanische Partei Vox, die österreichische FPÖ und die derzeitigen italienischen Koalitionsparteien Fratelli d’Italia, Lega und Forza Italia befürworten direktdemokratische Instrumente. Am aktivsten ist dabei die AfD in Deutschland. In ihrem <a href="https://www.afd.de/grundsatzprogramm/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grundsatzprogramm</a> steht: «Die AfD setzt sich dafür ein, Volksentscheide in Anlehnung an das Schweizer Vorbild auch in Deutschland einzuführen.»</p>



<p><strong>«Wille des Volkes als oberstes Gesetz»</strong></p>



<p>Die in Teilen rechtsextreme Partei hat im Bundestag bereits mehrmals entsprechende <a href="https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2021/kw08-de-direkte-demokratie-821786?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gesetzesentwürfe</a> zur Einführung der direkten Demokratie auf Bundesebene eingebracht. Sie geht dabei sehr weit und fordert: «Der geäusserte Wille des Volkes ist oberstes Gesetz; seine Entscheidungen können nur von ihm abgeändert oder aufgehoben werden.» </p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png" alt="Spendenbalken blau" class="wp-image-699999" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Die deutsche Vereinigung <a href="https://www.mehr-demokratie.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mehr Demokratie</a> setzt sich zwar ebenfalls für Elemente der direkten Demokratie in Deutschland ein. Ihr Vorsitzender Ralf-Uwe Beck <a href="https://www.mehr-demokratie.de/fileadmin/pdf/2024/2023-10_MD_AfD_Unterschiede_4.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">kritisiert</a> die Forderungen der AfD allerdings scharf: Die AfD stelle «Entscheidungen des Volkes über alles und ignoriert das System gegenseitiger Kontrolle (Checks and Balances)». Die AfD wolle den «Anspruch der Gleichrangigkeit der parlamentarischen und der direktdemokratischen Gesetzgebung» aufgeben und eine Möglichkeit schaffen, «mittels direkter Demokratie die parlamentarische Arbeit zu blockieren. Erkennbar wird, dass die AfD die direkte Demokratie gegen den Parlamentarismus in Stellung bringen will.» </p>



<p><strong>«Frostschutzmittel» der Demokratie</strong></p>



<p>Es ist bemerkenswert, dass mittlerweile auch ausserhalb der AfD verstärkt diskutiert wird, ob mehr Demokratie sinnvoll sein könnte. Oft wird argumentiert, dass damit der Zulauf zu populistischen und rechtsextremen Parteien gebremst werden könnte. Ralf-Uwe Beck etwa findet, Volksabstimmungen seien «Frostschutzmittel» der Demokratie. <a href="https://www.sueddeutsche.de/meinung/deutschland-braucht-prise-direkte-demokratie-kommentar-li.3282581?reduced=true" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Heribert Prantl</a> schreibt in der «Süddeutschen Zeitung», die parlamentarische Demokratie brauche in Deutschland «eine Prise Pfeffer». Hätte man nach der deutschen Wiedervereinigung 1989/90 «Elemente direkter Demokratie eingeführt, gäbe es vielleicht keine AfD – weil es ein Ventil gegeben hätte, das ausserhalb der Wahlen funktioniert; es wäre dann nicht so viel Druck entstanden». Doch auch Prantl weiss: «Volksabstimmungen sind kein Zaubertrank, sie können auch Gift sein; man muss sich daher Indikation und Dosierung gut überlegen. Dann sind sie Medizin.»</p>



<p><strong>Direkte Demokratie gegen «vulgäre Politikverachtung»</strong></p>



<p>Die ehemalige Verfassungsrichterin Gertrude Lübbe-Wolff hat sich intensiv mit den Vor- und Nachteilen der direkten Demokratie beschäftigt und 2023 ein Buch dazu veröffentlicht: «Demophobie. Muss man die direkte Demokratie fürchten?» Dort schreibt sie: «Es hat grosse Vorteile, wenn man seine Fehler selber machen darf.» Das beuge «der vulgären Politikverachtung vor, die alles Missliche der Inkompetenz oder dem schlechten Charakter der politischen Repräsentanten anlastet» (Zitat aus der deutschen Zeitung «<a href="https://taz.de/Volksabstimmungen-gegen-Demokratiekrise/!6179800/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">taz</a>»). «taz»-Redaktorin Antje Lang-Lendorff schreibt, Volksabstimmungen «könnten dem politischen System wieder zu jenem Vertrauen verhelfen, das gerade Stück für Stück verloren geht». Aber sie macht auch einen gewichtigen Einwand: «Die Angst vor einer Tyrannei der Mehrheit – also die Sorge, dass über den Weg der Volksabstimmungen Minderheitenrechte beschnitten werden könnten. Auch das hinge von der Ausgestaltung ab. Das Verfassungsgericht müsste vorab prüfen, ob das jeweilige Anliegen mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar ist. Wenn nicht, wird es gar nicht erst zugelassen. Minderheitenrechte blieben gewahrt. Ein ‹Minarettverbot›, wie 2009 in der Schweiz beschlossen, wo eine Verfassungskontrolle auf Bundesebene nicht existiert, würde so verhindert.»</p>



<p><strong>Bundesrat Numa Droz: «Ära der Demagogie»</strong></p>



<p>Und damit sind wir wieder bei der Schweiz. Auch hier gibt es kritische Stimmen, welche die direkte Demokratie nicht immer nur im rosaroten Licht sehen. Eine frühe warnende Stimme war der Neuenburger Freisinnige Numa Droz, Bundesrat von 1876 bis 1892. Im Jahr 1893 kam die allererste eidgenössische Volksinitiative zur Abstimmung: das Verbot des Schlachtens ohne Betäubung, das so genannte Schächtverbot. Es wurde von Volk und Ständen angenommen. Die Initiative war stark von antisemitischen Ressentiments geprägt und offensichtlich gegen die Jüdinnen und Juden gerichtet. 1894 meldete sich dann Numa Droz zu Wort. Für ihn war klar, dass mit der Einführung der Volksinitiative 1891 und mit der Annahme dieser antisemitisch grundierten Initiative «die Ära der Demagogie» begonnen hatte.&nbsp;</p>



<p><strong>SVP-Initiativen «unterminieren rechtsstaatliche Grundsätze»</strong></p>



<p>Niccolò Raselli, früherer Ordentlicher Richter am Schweizerischen Bundesgericht, erwähnt dies in einem jüngst erschienen Beitrag im Online-Magazin «<a href="https://geschichtedergegenwart.ch/plebiszitaeres-verfuehrungspotential-direktdemokratischer-instrumente/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geschichte der Gegenwart</a>» mit dem Titel «Plebiszitäres Verführungspotenzial direktdemokratischer Instrumente». In seinem Aufsatz zeigt Raselli anhand von SVP-Initiativen zwischen 2009 und 2026, «wie demokratische Abstimmungen dazu benutzt wurden, Grundrechte der Verfassung, aber auch das Völkerrecht zu relativeren sowie rechtsstaatliche Grundsätze zu unterminieren».</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Beispiel 1:</strong> Die Burkaverbots-Initiative («Ja zum Verhüllungsverbot», 2021). Ein generelles Verhüllungsverbot ist gemäss Raselli eine «drastische und unverhältnismässige Massnahme. Den Vollschleier tragende Frauen werden durch das Verbot keineswegs geschützt, sondern vielmehr aus dem öffentlichen Leben verdrängt und diskriminiert». Der Gegenvorschlag von Bundesrat und Parlament wurde in der Volksabstimmung verworfen, die Initiative angenommen.</li>



<li><strong>Beispiel 2:</strong> Die Minarettinitiative («Gegen den Bau von Minaretten», 2009). Sie wurde von Bundesrat und Parlament abgelehnt, vom Volk dagegen angenommen. Sie verletzt gemäss Raselli «die Religionsfreiheit, das Diskriminierungsverbot und seiner Absolutheit wegen das Verhältnismässigkeitsgebot».</li>



<li><strong>Beispiel 3:</strong> Die Initiative «Für die Ausschaffung krimineller Ausländer» (2010). Sie «entzieht Ausländerinnen und Ausländern unabhängig von ihrem ausländerrechtlichen Status automatisch ihr Aufenthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz, wenn sie wegen bestimmter Delikte verurteilt wurden oder missbräuchlich Leistungen der Sozialversicherungen oder der Sozialhilfe bezogen haben.» Die Initiative sei weder mit der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) noch dem Uno-Pakt II (Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte) noch mit dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit vereinbar. Bundesrat und Parlament lehnten sie denn auch ab. Das Volk nahm sie&nbsp;an.</li>



<li><strong>Beispiel 4: </strong>In der Folge baute das Parlament im Strafgesetzbuch eine Härtefallklausel ein, die greift, wenn eine Landesverweisung einen schweren persönlichen Härtefall bedeuten und das öffentliche Interesse an einer Ausweisung nicht überwiegen würde, was dem Parlament von Seiten der SVP prompt den Vorwurf des Verfassungsbruchs eintrug. Und diese schritt zur Tat: Sie forderte mit der so genannten Durchsetzungsinitiative (2016) «die ausnahmslose und konsequente Ausweisung straffällig gewordener Ausländer aus der Schweiz» und nahm damit in Kauf, rechtsstaatliche Grundsätze zu untergraben. Die Initiative wurde vom Volk abgelehnt.</li>



<li><strong>Beispiel 5:</strong> Nach der Ablehnung der Initiative lancierte die SVP die sogenannte Selbstbestimmungsinitiative («Schweizer Recht statt fremde Richter», 2018). Sie verlangte, dass die Bundesverfassung künftig im Rang über dem Völkerrecht steht, was zur Kündigung der EMRK geführt hätte. Zwar wurde auch diese vom Volk abgelehnt, «die Vorgänge zeigen aber auf, wie die Volksinitiative zunehmend als populistisches Vehikel zur Durchsetzung extremistischer Ziele missbraucht wird».</li>



<li><strong>Beispiel 6:</strong> Die Initiative «Gegen Masseneinwanderung» (2014). Sie begrenzt die Zahl der Bewilligungen für den Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz durch jährliche Höchstzahlen und Kontingente und verbietet völkerrechtliche Verträge, die gegen diesen Artikel verstossen. «Die Initiative ist weder mit dem Freizügigkeitsabkommen mit der EU noch mit jenem der Efta-Staaten vereinbar. Bundesrat und Parlament lehnten sie ab, das Stimmvolk nahm sie an. In der Folge setzte das Parlament die Initiative durch eine Gesetzesänderung völkerrechtskonform um, was dem Parlament seitens der SVP wiederum den Vorwurf des Verfassungsbruchs eintrug.»</li>



<li><strong>Beispiel 7:</strong> Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» (2026). Sie zielte auf das Asylrecht und die Uno-Flüchtlingskonvention, die Personenfreizügigkeit zwischen der Schweiz und der EU, das Schengen-Abkommen, das für die Sicherheit unverzichtbare Schengener Informationssystem und das für das Funktionieren des Asylverfahrens relevante Dublin-Abkommen. Die Initiative wurde vom Volk abgelehnt.</li>
</ul>



<p><strong>Scharfe Abrechnung mit Rechtspopulisten</strong></p>



<p>Alt Bundesrichter Niccolò Raselli macht darauf aufmerksam, dass inhaltlich kaum wirksame institutionelle Barrieren gegen menschenrechtswidrige Initiativen bestehen. Die stark ausgebauten Volksrechte setzen eine politische Kultur voraus, die geprägt ist von Respekt und Rücksichtnahme. Raselli kommt zum Schluss: «Demokratie bedeutet für Populisten weder Gewaltenteilung noch Kontrolle der Macht. Vielmehr versprechen sie sich von der plebiszitären Verbindung zum sogenannten Volk, ihre Ziele – unter Umgehung des Parlamentes – besser zu erreichen, so die Verabsolutierung der Volkssouveränität zu Lasten von Minderheiten, die Ausgrenzung Fremder anhand nationalistisch-kulturalistischer Merkmale wie Sprache oder Religion oder Ethnizität, den Abbau rechtsstaatlicher Garantien und die Gängelung der Justiz.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/europa/hart-umkaempfte-direkte-demokratie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hart umkämpfte direkte Demokratie</a>, Infosperber vom 9. Januar 2016</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/demokratiereform-mit-angezogener-handbremse/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Demokratiereform mit angezogener Handbremse</a>, Infosperber vom 24. Juli 2012</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/buergerrechte/direkte-demokratie-populaer-und-ambivalent/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Direkte Demokratie – populär und ambivalent</a>, Infosperber vom 9. Februar 2012</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Nein heisst Nein» schützte den Täter vor einer höheren Strafe</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/nein-heisst-nein-schuetzte-den-taeter-vor-einer-hoeheren-strafe/</link>
					<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 07:38:01 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/scharf-2-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="scharf 2" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/scharf-2-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/scharf-2-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/scharf-2-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/scharf-2.png 1168w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Prozess gegen den Sohn der norwegischen Kronprinzessin zeigt exemplarisch, dass das Strafrecht reformiert werden muss.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Marius Høiby wurde kürzlich in Norwegen zu vier Jahren Haft verurteilt. Er war in 40 Punkten angeklagt, darunter vier Vergewaltigungen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er bei zwei schlafenden Frauen sexuelle Handlungen vorgenommen hatte. Von Vergewaltigungsvorwürfen in zwei weiteren Fällen wurde der 29-Jährige freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.</p>



<p><strong>«Nein heisst Nein»</strong></p>



<p>Zum Zeitpunkt der Taten galt in Norwegen noch die sogenannte Widerspruchslösung «Nein heisst Nein». Demnach mussten Betroffene klar widersprechen oder nachweisen, dass der Täter Gewalt angewendet hatte oder sie sich in einem wehrlosen Zustand befanden. Ein solcher Zustand liegt etwa im Schlaf vor.</p>



<p><strong>Digitale Beweise</strong></p>



<p>In der Verhandlung gegen Høiby war entscheidend, ob die Frauen geschlafen hatten. Zeugen gab es nicht. Das Gericht musste deshalb anhand von digitalen Beweisen wie Fotos und Videos urteilen, die Høiby selbst angefertigt hatte. In zwei Fällen sah es als erwiesen an, dass die Frauen geschlafen hatten. In den zwei weiteren Fällen blieben Zweifel.</p>



<p><strong>«Ja heisst Ja»</strong></p>



<p>Norwegen hat im letzten Jahr das Sexualstrafrecht revidiert. Seither gilt die sogenannte Zustimmungslösung «Ja heisst Ja». Sexuelle Handlungen sind nur bei ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Ohne Einverständnis sind sie strafbar. Wäre das neue Recht bereits zur Tatzeit in Kraft gewesen, wäre Høiby vermutlich in allen vier Fällen wegen Vergewaltigungen verurteilt worden. Keine der vier Klägerinnen hatte den sexuellen Handlungen zugestimmt.</p>



<p><strong>«Erwachsenenbildung»</strong></p>



<p>Der Fall Høiby löste in Norwegen eine breite gesellschaftliche Debatte aus, insbesondere in Schulen und unter Jugendlichen, wie der Korrespondent von SRF berichtete.&nbsp;Der Prozess habe den Unterschied zwischen «Ja heisst Ja» und «Nein heisst Nein» anschaulich sichtbar gemacht. Die norwegische Zeitung «Aftenposten» schrieb auch von «Erwachsenenbildung».&nbsp;</p>



<p><strong>Deutschsprachige Länder sind konservativer</strong></p>



<p>Mehrere EU-Staaten haben den Grundsatz «Ja heisst Ja» im Sexualstrafrecht verankert. In der Schweiz, in Deutschland und in Österreich gilt hingegen weiterhin die Widerspruchslösung «Nein heisst Nein». Die Gegner führen als Hauptargument an, dass «Ja heisst Ja» zu mehr Falschanschuldigungen führen werde.</p>



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]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Wenn Rot sich falsch anfühlt» – dann fährt man halt einfach</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/wenn-rot-sich-falsch-anfuehlt-dann-faehrt-man-halt-einfach/</link>
					<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 07:36:57 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=704351</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5480-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="geschnitten DSCN5480" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5480-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5480-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5480-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5480-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5480.png 1650w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wer mit einem Velo ein Rotlicht missachte, fahre sicherer. Das behauptet das Velojournal. Und ist damit nicht alleine.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Wenn Rot sich falsch anfühlt»: Unter diesem Titel veröffentlichte die Fachzeitschrift «Velojournal» kürzlich einen <a href="https://www.velojournal.ch/aktuell/nachrichten/detail/wenn-rot-sich-falsch-anfuehlt/?utm_source=newsletter-mailerlite&amp;utm_medium=email%20Mailerlite&amp;utm_campaign=wie_velofreundlich_ist_die_schweiz&amp;utm_term=2026-06-04" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikel </a>zum Thema Rotlicht und Velo. Das Klischee lautet ja, dass Velofahrer und Velofahrerinnen die Rotlichter systematisch missachten.</p>



<p><strong>Insgesamt 22 Prozent</strong></p>



<p>Aus der Schweiz gibt es keine Zahlen. Aber der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat vor zehn Jahren in einer <a href="https://www.udv.de/resource/blob/79796/7f2ca4daf377ef314c281f4bcfcf9e55/43-helmnutzung-und-regelwidriges-verhalten-von-pedelec-und-fahrradfahrern-data.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a> festgestellt, dass Velofahrer 17 Prozent der Rotlichter missachteten und bei weiteren 5 Prozent «die Infrastruktur wechselten». In weniger beschönigenden Worten heisst das: Sie fuhren übers Trottoir, um das Rotlicht zu umfahren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="505" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5476-1024x505.png" alt="geschnitten DSCN5476" class="wp-image-704663" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5476-1024x505.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5476-300x148.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5476-768x379.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5476-1536x758.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/geschnitten-DSCN5476.png 1994w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Einhändig und bei Rot über die Kreuzung: Irgendwie muss man ja den «Coffee to go» halten.</figcaption></figure>



<p>In 22 Prozent der Fälle missachteten also Velofahrer das Rotlicht. Doch für das «Velojournal» ist das alles kein Problem. Denn im Jahr 2024 seien bei insgesamt «3244 Kollisionen mit Velos lediglich 58 Unfälle auf Rotlichtmissachtung durch Velofahrende zurückzuführen» gewesen. Fazit des «Velojournals»: Damit bleibe das Phänomen vergleichsweise selten.</p>



<p>Abgesehen davon, dass 58 Unfälle nicht einfach vernachlässigbar sind, blendet das «Velojournal» aus, warum es möglicherweise nicht zu noch mehr Unfällen kam. Es könnte ja sein, dass Autofahrer ausgewichen sind, dass sie eine Vollbremsung gemacht haben, dass Fussgänger zurückgewichen sind.</p>



<p><strong>Rotlicht überfahren ist angeblich sicherer</strong></p>



<p>Stattdessen stimmt das «Velojournal» ein Loblied aufs Missachten des Rotlichts an. Rotlichter würden nämlich «nicht nur aus Effizienzgründen» missachtet. Nein, «auch Sicherheitsaspekte» würden «eine Rolle spielen». Aus drei Gründen könne das Überfahren von Rotlichtern sicherer sein als deren Beachtung:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Velos seien im Stillstand instabil. Anfahren brauche Zeit und Kraft. «Ein vorsichtiges Weiterrollen kann als kontrollierter und sicherer empfunden werden.»</li>



<li>Weil Velofahrer höher sässen und nicht von einer Karosserie umgeben seien, genössen sie eine bessere Übersicht. «Sie können oft besser einschätzen, ob eine Kreuzung gefahrlos überquert werden kann.»</li>



<li>Und: Wer neben einem Lastwagen halte, laufe Gefahr, übersehen zu werden. «Die Minimierung der Zeit im toten Winkel» sei «ein Sicherheitsgewinn.»</li>
</ul>



<p>Doch die Argumente überzeugen nicht. Viele Lichtsignalanlagen werden je nach Verkehrsaufkommen unterschiedlich gesteuert. Da hilft auch die bessere Übersicht nicht. Selbst Ortskundige werden oft überrascht. Und jeder Schüler lernt, dass er sich gar nie in den toten Winkel eines Lastwagens begeben sollte, sondern besser dahinter anhält.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="478" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-09.32.39.png" alt="Velofahrer Bern" class="wp-image-711981" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-09.32.39.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-09.32.39-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-09.32.39-768x459.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Konflikt unter Velofahrern: Er fährt bei Rot über die Kreuzung, sie irgendwie.</figcaption></figure>



<p>Zudem stellt sich die Frage, ob die Velolobbyisten vom «Velojournal» mit ebenso viel Verständnis reagieren, wenn Autofahrer das Gleiche behaupten. Dass sie «oft besser einschätzen könnten, ob eine Kreuzung gefahrlos überquert werden kann», weil sie in ihrem SUV höher sitzen.</p>



<p>Der Artikel im «Velojournal» ist eine einzige Rechtfertigung des Fehlverhaltens von Velofahrern. Und argumentativ ziemlich armselig. Denn letztlich propagiert das «Velojournal», dass sich Velofahrer nur an diejenigen Regeln halten sollen, die ihnen einleuchten.</p>



<p>Das «Velojournal» ist mit seinen unbedachten Äusserungen allerdings nicht alleine. Die Lobbyorganisation Pro Velo Bern hatte in einem Argumentationspapier schon vor gut zehn Jahren festgehalten: «Die Glaubwürdigkeit der Regeln steigt, wenn die Regeln fürs Funktionieren des Verkehrs tatsächlich sinnvoll sind.» Und weiter: «Regeltreues Verhalten sollte nicht durch nutzlosen Zeitverlust bestraft werden, sondern als sinnvoll erlebbar sein.»</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png" alt="Spendenbalken blau" class="wp-image-699999" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Das ist – höflich ausgedrückt – Unsinn. Viele Verkehrsregeln führen zu einem Zeitverlust: der Rechtsvortritt, die Stoppstrasse, die Geschwindigkeitsbeschränkung, die Einbahnstrasse, das Überholverbot.</p>



<p><strong>Die neue Regel</strong></p>



<p>Das «Velojournal» und Pro Velo zementieren mit ihren Rechtfertigungen das Klischee vom Velorowdy. Sie schaden dem Ruf der Velofahrer. Dieser leidet auch unter einer neuen Verkehrsregel, die zwar sinnvoll ist, aber miserabel umgesetzt wurde.</p>



<p>Seit 2021 dürfen Velofahrer auf vielen Kreuzungen auch bei Rot mit der nötigen Vorsicht rechts abbiegen – dann nämlich, wenn neben dem Rotlicht auch noch das Signal «<a href="https://zg.ch/news/news~_2021_12_Neue-Signalisation--Mit-dem-Velo-bei-Rotlicht-rechts-abbiegen~.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rechtsabbiegen für Radfahrer gestattet</a>» angebracht ist. Nur ist das Signal sehr klein und meist unbeleuchtet. Wer nicht darauf achtet, sieht das Signal nicht.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="588" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Rechtsabbiegen-Lukas-2-1024x588.png" alt="Rechtsabbiegen Lukas 2" class="wp-image-703207" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Rechtsabbiegen-Lukas-2-1024x588.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Rechtsabbiegen-Lukas-2-300x172.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Rechtsabbiegen-Lukas-2-768x441.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Rechtsabbiegen-Lukas-2.png 1390w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sieht verboten aus, ist aber erlaubt: Rechtsabbiegen bei Rot. Aber nur, wenn das Schild «Rechtsabbiegen für Radfahrer gestattet» angebracht ist. Meist ist das Schild allerdings kaum erkennbar.</figcaption></figure>



<p>Das führt dann häufig dazu, dass sich Autofahrer über Velofahrer ärgern, obwohl sich diese bei Rotlichtern mit Zusatzsignal korrekt verhalten. Auch das zementiert das Klischee vom Velorowdy.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="545" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Rechtsabbiegen-Signal-1024x545.png" alt="Rechtsabbiegen Signal" class="wp-image-703131" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Rechtsabbiegen-Signal-1024x545.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Rechtsabbiegen-Signal-300x160.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Rechtsabbiegen-Signal-768x408.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Rechtsabbiegen-Signal-1536x817.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Rechtsabbiegen-Signal.png 1647w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auch aus der Nähe schlecht zu sehen: Signal «Rechtsabbiegen für Radfahrer gestattet» in Bern.</figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/die-velo-lobby-toent-wie-die-gurten-gegner-vor-50-jahren/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Velo-Lobby tönt wie die Gurten-Gegner vor 50 Jahren</a>, Infosperber vom 7. Mai 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/spanien-schuetzt-die-velofahrer-noch-besser/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Spanien schützt die Velofahrer noch besser</a>, Infosperber vom 11. Juli 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/velofahrer-koennen-auch-anders/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Velofahrer können auch anders</a>, Infosperber vom 28. Februar 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Der Autor besitzt ein Auto und drei Velos. Die Velos benützt er häufiger als das Auto.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



<p></p>



<p></p>



<p></p>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/b1e221ba63df47b9863e24f3879a8508" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Das Imperium hat eine Adresse</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/follow-the-money/das-imperium-hat-eine-adresse/</link>
					<pubDate>Mon, 13 Jul 2026 08:24:40 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711365</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="165" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Karen-Hao-300x165.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Karen-Hao-300x165.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Karen-Hao-1024x562.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Karen-Hao-768x422.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Karen-Hao-1536x844.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Karen-Hao-2048x1125.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Was kostet die KI, und wer bezahlt? Über Rechenzentren, kenianische Nachtschichten und ein geräumtes Camp bei Schaffhausen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Wir reden über künstliche Intelligenz, als wäre sie ein Gespenst. Hat der Minister seine Rede von der Maschine schreiben lassen? Der Chefredaktor seinen Leitartikel? Die Studentin ihre Arbeit? Es sind Fragen eines Feuilletons, das die Geister befragt und die Fabrik übersieht. Denn die KI ist kein Gespenst. Sie hat eine Adresse: Beringen, Kanton Schaffhausen, zum Beispiel. Dort entsteht ein Rechenzentrum, gegen das in den vergangenen Tagen protestiert wurde.</p>



<p>Die Protestierenden nennen solche Anlagen «Brandbeschleuniger für die Klimakrise». Ihr Camp hiess «KI kurzschliessen», auch wenn die Protestierenden dann natürlich gar nicht gezündelt haben, sondern gesund gekocht, wie Fotos im Chat der Gruppe zeigen. Geräumt wurden sie trotzdem. Man muss ihnen überhaupt nicht in allem Politischen folgen, um zu sehen, dass sie eine ziemlich zentrale Frage gestellt haben. Nicht also, was die KI denkt oder ob Benjamin von Stuckrad-Barre seine Bücher noch selber schreibt, und auch nicht, ob Bachelor-Arbeiten überflüssig geworden sind. Sondern: Was verbraucht die KI und wer bezahlt?</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="“Empire of AI”: Karen Hao on How AI Is Threatening Democracy &amp; Creating a New Colonial World" width="800" height="450" src="https://www.youtube.com/embed/nEqNXffoGWo?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p><strong>Aneignen und ausbeuten</strong></p>



<p>Karen Hao, früher Journalistin beim «Wall Street Journal» und bei der «MIT Technology Review», hat für das alles ein Wort gefunden: «Imperium». Ihr Buch heisst «Empire of AI», Untertitel «Dreams and Nightmares in Sam Altmans OpenAI», und bei «Democracy Now!» hat sie in einem Interview erklärt, was damit gemeint ist, nämlich Imperien neuen Typs. Also keine Kanonenboote und offene Gewalt, aber dieselbe Bewegung, derselbe Griff, «seize and extract», aneignen &nbsp;und ausbeuten: die Arbeit von Künstlerinnen und Autoren, die Daten von Milliarden Menschen, das Land, die Energie, das Wasser. Alles hinein in die Rechenzentren, alles hinein in die Supercomputer, alles für eine Vision von künstlicher Intelligenz, über die gar niemand abgestimmt hat. </p>



<p><strong>Das letzte Wasser, das allen gehörte</strong></p>



<p>Hao präsentiert Fallgeschichten aus Jahren der Recherche. Chile: Google sucht sich für ein 200-Millionen-Dollar-Rechenzentrum im Grossraum Santiago ausgerechnet jene Gemeinde aus, die – eine Anomalie aus der Diktaturzeit, in der Chiles Wasser fast vollständig privatisiert wurde – noch über eine öffentliche Trinkwasserreserve verfügte. Das letzte Wasser, das allen gehörte. Genau dort. Die Bewilligung kam Anfang 2020, geplanter Verbrauch: 7,6 Millionen Liter Trinkwasser pro Tag in einem Land, das seit 15 Jahren in einer beispiellosen Dürre steckt und 2022 Wasserrationierungen verhängte. Die Bewohner klopften an Türen, verteilten Flugblätter, eskalierten den Streit bis ins kalifornische Mountain View, dem Google-Hauptsitz, von wo Vertreter anreisten, die kein Wort Spanisch sprachen, zogen vor das Umweltgericht und blockierten das Projekt vier, fünf Jahre lang. Am Ende knickte Google ein: Luftkühlung statt Grundwasser, das Projekt war zurück auf Feld eins. Man kann gewinnen gegen ein Imperium. Man braucht nur fünf Jahre, ein Umweltgericht und sehr viel Geduld.</p>



<p><strong>Zwei Dollar pro Stunde</strong></p>



<p>Kenia: Auftragsfirmen von OpenAI liessen Arbeiter durch die Abgründe des Internets waten – detaillierte Beschreibungen von sexueller Gewalt, Kindesmissbrauch, Folter, Selbstverletzung, teils aus den dunkelsten Ecken des Internets zusammengekratzt, teils von den Modellen selbst generiert. Lesen, beschriften, einordnen, Text für Text, Kategorie für Kategorie, damit der Filter lernt, was er blockieren soll. Bezahlung: ein bis zwei Dollar die Stunde. Gratis hinzu gibt es Traumata. Währenddessen, gleiches Modell, anderer Kontinent: Forscher im Silicon Valley beziehen für ihren Beitrag Millionenpakete. Es gebe, sagt Hao, keine Philosophie, die diese Differenz begründe, sondern nur eine Geographie: Der eine sitzt in Kalifornien, der andere in Nairobi, und die Bezahlung folgt nicht der Arbeit, sondern der Landkarte: «Das ist die Logik des Imperiums.»</p>



<p>Laut einer McKinsey-Prognose, die Hao anführt, muss in den nächsten fünf Jahren zusätzliche Energie ans globale Netz, das Zwei- bis Sechsfache dessen, was der Bundesstaat Kalifornien pro Jahr verbraucht, die viertgrösste Volkswirtschaft der Welt. Und woher kommt der Strom? Vor allem aus fossilen Quellen: Kohlekraftwerke, längst zur Stilllegung vorgesehen, laufen weiter, und neben den Serverhallen schiessen unlizenzierte Gasturbinen aus dem Boden. Dazu eine Bloomberg-Analyse, ebenfalls von Hao zitiert: Zwei Drittel der neuen Rechenzentren weltweit entstehen in Regionen, in denen das Wasser jetzt schon knapp ist. </p>



<p><strong>Der umgekehrte Zentaur</strong></p>



<p>Cory Doctorow, der Aktivist und Science-Fiction-Autor, hat derselben Sendung wenige Tage zuvor eine ökonomische Diagnose geliefert. Sein Bild vom «umgekehrten Zentauren» geht so: Der Zentaur ist ein Mensch, der eine Maschine lenkt – Kopf oben, Pferdekraft unten. Der umgekehrte Zentaur ist ein Mensch, den die Maschine lenkt: der Lagerarbeiter, dem der Algorithmus das Tempo diktiert, der Radiologe, der im Sekundentakt die Befunde eines Chatbots abnicken soll und haftet, wenn jemand stirbt. Dahinter steht eine Branche, die nach Doctorows Rechnung rund 1,4 Billionen Dollar investiert hat, bei kaum 50 Milliarden Jahresumsatz – eine Industrie also, die mit jedem neuen Kunden mehr Geld verliert und ihre Rendite deshalb dort suchen muss, wo sie am meisten zerstört: bei der Ersetzung gut bezahlter Arbeit durch minderwertige Automaten und bei unserer Bereitschaft, minderwertige Produkte zu akzeptieren.</p>



<p>Doctorow erzählt aber auch von der Gegenbewegung: Im kalifornischen Monterey Park haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger den Bau neuer Rechenzentren per Urnengang dauerhaft verboten. Die Hollywood-Autorenschaft hat die KI am Arbeitsplatz nicht mit mehr Urheberrecht zurückgedrängt, sondern mit kollektiver Verhandlungsmacht.</p>



<p><strong>Willkommen im Mutterland</strong></p>



<p>Und wo stehen wir in der Schweiz? Wir halten uns gern für die Ausnahme, und die Zahlen scheinen uns zunächst recht zu geben. Rund <a href="https://www.netzwoche.ch/news/2026-06-30/rechenzentren-belasten-das-klima-staerker-als-erwartet" target="_blank" rel="noreferrer noopener">40 Gramm CO₂</a> produzieren wir pro Kilowattstunde Strom – nur Norwegen und Schweden sind sauberer, die USA wiederum liegen, wenig überraschend, fast beim Zehnfachen.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="&quot;How to Think About AI&quot;: Cory Doctorow on Big Tech, Understanding AI, Labor Automation &amp; More" width="800" height="450" src="https://www.youtube.com/embed/OBUzl_IaWIw?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p>Eine Studie von <a href="https://www.netzwoche.ch/news/2026-06-30/rechenzentren-belasten-das-klima-staerker-als-erwartet" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Allianz Trade</a>, über die die «Netzwoche» Ende Juni berichtete, zeigt, warum die Sache komplizierter ist, auch für die Schweiz: Weltweit stiessen die Rechenzentren 2025 rund 286 Millionen Tonnen CO₂ aus – so viel wie ganz Frankreich –, 57 Prozent mehr als bisher angenommen, weil man Gewichtiges zu zählen vergass: die Herstellung der Server, der Halbleiter, den Beton der Gebäude. Und genau dieser Teil der Rechnung entzieht sich dem sauberen Schweizer Strom: Die Hardware wird anderswo gebaut.</p>



<p>Bis 2030 könnte allein die Hardware die Hälfte des Fussabdrucks ausmachen, und der Wasserverbrauch könnte sich mehr als verdoppeln. Der saubere Strommix entlastet die Schweiz also weniger, als sie glaubt. Und er verdeckt eine zweite, unbequemere Wahrheit, die <a href="https://algorithmwatch.ch/de/recherche-rechenzentren-schweiz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Algorithm Watch</a> in einer grossen Rechenzentren-Recherche herausgearbeitet hat: Das energieintensive Training der grossen Modelle findet offenbar vor allem im Ausland statt, wo Strom und Land billiger sind, während in Zürich die Forschungsbüros von OpenAI, Anthropic, Google, Microsoft residieren. Hier die Wertschöpfung, dort die Emissionen. Im Imperium, das Hao beschreibt, sind wir nicht die Ausgebeuteten. Wir sind das Mutterland und halten uns, wie jedes Mutterland, für ziemlich unbeteiligt.</p>



<p><strong>Die andere Hälfte der Rechnung</strong></p>



<p>Die eigentliche Aufgabe der Medien wäre, diese Technologie nicht als gegeben hinzunehmen. Die Frage nach den Jobs, die sie kostet, ist richtig gestellt. Sie ist nur unvollständig, solange die andere Hälfte der Rechnung fehlt: das Kobalt und das Kupfer, der Beton und das Grundwasser, die kenianischen Nachtschichten und das Schaffhauser Ackerland.</p>



<p>Die Zelte des Schaffhauser Protestcamps sind ein Anfang, so klein er ist. In Monterey Park, ebenfalls lokal, in Kalifornien, haben die Stimmbürger neue Rechenzentren per Urnengang dauerhaft verboten, mit 88 Prozent, die erste Abstimmung dieser Art in den USA. Ausgerechnet die Kalifornier haben getan, was das Abstimmungsland Schweiz bisher nicht tat: Sie haben über KI abstimmen lassen. In Chile hat Google nach fünf Jahren Widerstand eingelenkt. In Schaffhausen gab es vorerst nur eine Räumung. Aber die Bewegung hat schon jetzt geleistet, was Bundesberichte und Bewilligungsverfahren versäumten: Sie hat dieser Zukunft die Selbstverständlichkeit genommen. Sie hat sie zu etwas gemacht, worüber sich streiten lässt, und damit zu etwas, worüber sich abstimmen liesse. Sie hat die Frage aufs Tapet gebracht, ob wir diese Zukunft überhaupt wollen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/die-ki-saeuft-unser-trinkwasser/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die KI säuft unser Trinkwasser</a>, Infosperber vom 9.&nbsp;Juli 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/energieproduktion/die-ki-ist-ein-stromfresser-trump-setzt-auf-fossile-energien/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die KI ist ein Stromfresser. Trump setzt auf fossile Energien</a>, Infosperber vom 13.&nbsp;Dezember 2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
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					<title>Der Mann, der an sich selbst erstickte</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/der-mann-der-an-sich-selbst-erstickte/</link>
					<pubDate>Mon, 13 Jul 2026 08:23:12 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=709615</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="171" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-01-um-18.18.06-300x171.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="übergewichtiger Mann" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-01-um-18.18.06-300x171.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-01-um-18.18.06-768x438.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-01-um-18.18.06.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein extrem übergewichtiger Patient sieht keinen anderen Ausweg mehr als den Tod. Danach kommt es zu weiteren Problemen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>383 Kilo Körpergewicht, Husten, Mühe beim Atmen – das war der Anfang vom Ende einer langen Leidensgeschichte. Der 35-jährige US-Amerikaner mit einem Body-Mass-Index (BMI) von rund 115 litt ausserdem an Asthma, Diabetes, Bluthochdruck, Herzschwäche sowie Blutarmut. Seine Nieren arbeiteten schwach und er war depressiv. Am Gesäss und in den Brustfalten hatte er mehrere Druckgeschwüre in der Haut.&nbsp;</p>



<p>In lethargischem Zustand wurde er in ein Spital eingeliefert. Die Analyse der im Blut gelösten Gase ergab, dass er das Kohlendioxid nicht mehr richtig abatmen konnte. Normalerweise nimmt das Blut in den Lungen Sauerstoff auf und gibt dort gleichzeitig Kohlendioxid ab. Wie gut Letzteres funktioniert, zeigt der Kohlendioxidpartialdruck (pCO<sub>2</sub>) an. Er sollte zwischen <a href="https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/blutgase-saeure-basen-haushalt/labor-kohlendioxidpartialdruck-pcos1.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">35 und 45</a> (mmHg, Millimeter Quecksilber) betragen. Bei diesem Patienten aber war er mit 120 viel zu hoch.&nbsp;</p>



<p>Die Ärzte beatmeten den Patienten maschinell, gaben ihm Antibiotika, Kortison und die Bronchien erweiternde Mittel. Als sich sein pCO<sub>2 </sub>normalisiert hatte, extubierten sie den Patienten. Prompt kam es erneut zum Sauerstoffmangel und zum Kreislaufstillstand, weil der 35-Jährige nicht kräftig genug atmen konnte. Die Fettansammlungen im Gesicht, im Rachen, sowie am Nacken sowie die Fettpolster rund um und innerhalb des Brustkorbs erschweren solchen Menschen tiefe Atemzüge. Gleichzeitig benötigen sie aber mehr Sauerstoff, weil das Fettgewebe ihren Bedarf massiv erhöht. Er kann mehr als das Dreifache betragen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box is-style-yellow">
<h2 class="wp-block-heading">Kolumne «Dr. Kurios»</h2>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="962" height="576" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Dr.-Kurios-2024-XX-e1720794375575.png" alt="Dr. Kurios 2024 XX" class="wp-image-558013" style="aspect-ratio:1.6701653486700216;width:279px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Dr.-Kurios-2024-XX-e1720794375575.png 962w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Dr.-Kurios-2024-XX-e1720794375575-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Dr.-Kurios-2024-XX-e1720794375575-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Dr.-Kurios-2024-XX-e1720794375575-600x359.png 600w" sizes="auto, (max-width: 962px) 100vw, 962px" /><figcaption class="wp-element-caption">Dr. Kurios</figcaption></figure>



<p>Choleraausbruch mitten in Paris, Explosion des Patienten bei der Darmspiegelung, Halluzinationen durch Hirsebällchen – in der Medizin passieren unglaubliche Dinge. Glücklicherweise aber nur sehr selten. Seit über 20 Jahren sammelt die Autorin – sie ist Ärztin und Journalistin – solche höchst ungewöhnlichen Krankengeschichten. Ihre Kolumnen sind bisher in zwei Büchern erschienen: «<a href="https://www.luebbe.de/luebbe-sachbuch/buecher/wissen/das-maedchen-mit-den-zwei-blutgruppen/id_6373767" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Mädchen mit den zwei Blutgruppen</a>» und «<a href="https://www.luebbe.de/luebbe-sachbuch/buecher/wissen/der-junge-der-immer-in-ohnmacht-fiel/id_6430909" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Junge, der immer in Ohnmacht fiel</a>».</p>
</div>



<p><strong>Mehrmals Kreislaufstillstand</strong></p>



<p>Also wurde der 35-Jährige erneut intubiert und am Folgetag wieder extubiert. Zwei Tage später hatte er den nächsten Kreislaufstillstand. Der Grund dafür war vermutlich eine Lungenembolie. Genau liess sich das jedoch nicht ermitteln, denn aufgrund seines Gewichts konnte der Patient nicht im Computertomografen untersucht werden. Das Gerät hatte nicht die nötige Tragkraft.&nbsp;</p>



<p>Nach erfolgreicher Wiederbelebung wurde der Mann erneut künstlich beatmet. Danach kam es weitere Male zum Atemversagen mit Herzstillstand. Ans Extubieren war nun nicht mehr zu denken. Unter Narkose holten die Chirurgen über 13 Kilo Fettgewebe aus dem Brustkorb des Patienten, damit sie dort eine Kanüle einsetzen konnten, über die er längerfristig maschinell beatmet werden konnte.&nbsp;</p>



<p>Eine Magenband-Operation oder ein ähnlicher Eingriff waren bei dem 35-Jährigen undenkbar, denn das Operationsrisiko war zu gross. Er hätte dafür zuerst massiv abnehmen müssen. Es fand sich auch kein Pflegeheim, das in der Lage gewesen wäre, ihn dauerhaft mit maschineller Beatmung zu übernehmen. Zwischenzeitlich hatte sich seine Nierenfunktion weiter verschlechtert.&nbsp;</p>



<p><strong>Angst vor Brand im Krematorium</strong></p>



<p>Angesichts dieser Lage bat der Patient darum, dass die Beatmungsmaschine abgestellt werde. Nach intensiven Gesprächen mit ihm, seinen Angehörigen, dem Palliativ- und dem Ethikteam erfüllten die Ärzte seinen Wunsch und der Mann verstarb nach insgesamt dreissig Tagen im Spital.</p>



<p>In der Fachzeitschrift «<a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2213007116301113?via=ihub" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Respiratory Medicine Case Reports</a>» berichteten seine Ärzte 2017 auch, welche Probleme es posthum gab: Der Leichnam konnte mangels eines ausreichend grossen Kühlfachs nicht ins Leichenschauhaus überführt werden. Stattdessen musste er mehrere Tage in einem Kühllastwagen gelagert werden.</p>



<p>Vor seinem Tod hatte der Patient darum gebeten, kremiert zu werden. Doch keines der angefragten Krematorien war dazu bereit. Denn das Körperfett kann die Luftfilter verstopfen, was in <a href="https://www.bbc.com/news/world-us-canada-39735904" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verschiedenen</a> <a href="https://abcnews.com/blogs/headlines/2012/06/obese-dead-womans-body-fat-causes-crematorium-blaze" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fällen</a> schon zum Krematoriumsbrand geführt hat. Für schwerstgewichtige Leichname braucht es speziell grosse Krematorien. In einem solchen wurde schliesslich auch dieser Verstorbene kremiert.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Gewichtige Schwierigkeiten bei der Behandlung</h2>



<p>Nur schon eine Infusion zu legen, ist bei Menschen mit starkem Übergewicht eine Herausforderung, weil ihre Venen kaum erkennbar sind. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung kann dies gelingen. Auch die beim Arzt übliche Blutdruckmessung scheitert, denn die Manschette passt nicht um den Oberarm.</p>



<p>Im Fall eines <a href="https://www.ajkd.org/article/S0272-6386(08)00652-5/abstract" target="_blank" rel="noreferrer noopener">24-Jährigen</a> musste erst einmal ein Zimmer gefunden werden, das für einen Menschen mit 466 Kilo Körpergewicht gross genug war.&nbsp;Dies verzögerte seine Intensivbehandlung um zwei Tage. Wegen einer Nierenschwäche bekam dieser Patient einen Dialysekatheter. Doch ob dieser richtig platziert war, wussten die Ärzte nicht, denn sie verzichteten auf die Röntgenuntersuchung. Der Grund: Wegen des Körperfetts wäre sie kaum interpretierbar gewesen. &nbsp;</p>



<p><strong>Medikamente richtig zu dosieren, ist eine Herausforderung</strong></p>



<p>Überdies kommt es leicht zur Über- oder Unterdosierung von Medikamenten, unter anderem, weil die Leberverfettung die Wirkung vieler Arzneimittel beeinflusst. Das kann dazu führen, dass die Dosis zu hoch oder zu niedrig bemessen wird. Das Fettgewebe wiederum wirkt – etwa für Narkose- und starke Schmerzmittel – wie ein Reservoir, so dass die Substanzen noch lange nach dem Absetzen nachwirken. Die Komplikationsraten – beispielsweise für Infektionen, Vorhofflimmern, Herzinfarkte oder Thrombosen – sind bei extrem übergewichtigen Menschen deutlich höher und die Verweildauer im Spital länger.&nbsp;</p>



<p>Als normal gilt ein BMI zwischen 18,5 und 25. In der Schweiz haben schätzungsweise 7 von 1000 Erwachsenen einen BMI über 40. In den USA sind es, je nach Geschlecht, Einkommen und – damit zusammenhängend – der Hautfarbe etwa <a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2844495" target="_blank" rel="noreferrer noopener">50 bis fast 200 von 1000</a>. Ein BMI über 100 ist auch dort eine Ausnahme. Das massive Gesundheitsproblem wird jedoch zunehmen. Adipositas (BMI von 30 oder mehr) hatten vor rund 30 Jahren etwa 5 von 100 Menschen in der Schweiz, 2022 waren es laut dem Bundesamt für Statistik bereits 12 von 100. In den USA nahm dieses Problem noch stärker zu als hierzulande.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/174a80b10b2c43e396ce19d15fc2142a" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Wie die deutsche Regierung den Krieg ins eigene Land holt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/wie-die-deutsche-regierung-den-krieg-ins-eigene-land-holt/</link>
					<pubDate>Mon, 13 Jul 2026 08:19:11 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711647</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="164" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-11-um-19.49.27-300x164.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bundeskanzler Merz im Bundestag" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-11-um-19.49.27-300x164.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-11-um-19.49.27-768x420.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-11-um-19.49.27.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Deutschland kauft den USA «Tomahawks» ab und stationiert sie. Damit wird das Land zur Abschussrampe für US-Angriffswaffen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Deutschland hat den Kauf von US-Tomahawk-Marschflugkörpern vereinbart und wird diese auf eigenem Boden stationieren. Bundeskanzler Friedrich Merz verkündete diesen historischen Schritt am Donnerstagmorgen im Bundestag, frisch zurück vom Nato-Gipfel in Ankara. Man wolle sich von Erpressbarkeit freimachen, heisst es. Was für eine groteske Verkehrung der Tatsachen.</p>



<p>Mit einer Reichweite von 2500 Kilometern können diese Marschflugkörper von Deutschland aus nicht nur Moskau erreichen – die Entfernung beträgt gerade einmal 1600 Kilometer –, sondern Ziele tief im russischen Kernland. Die Botschaft ist eindeutig: Deutschland wird zur Abschussrampe für amerikanische Angriffswaffen gegen Russland, und zwar in deutscher Verfügungsgewalt. Das ist keine Verteidigungsmassnahme, das ist eine Kriegserklärung.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Deutsche Regierung treibt Eskalation auf die Spitze</strong></h3>



<p>Die Begründung der Bundesregierung, Russland bedrohe Westeuropa und habe selbst Iskander-Raketen in Kaliningrad stationiert, ist an den Haaren herbeigezogen. Schliesslich fliegen täglich vom deutschen Steuerzahler finanzierte Drohnen und Raketen von der Ukraine aus nach Russland und nicht umgekehrt von russischem Staatsgebiet in Richtung Nato. Nicht eine einzige Angriffswaffe hat das russische Militär gegen einen Nato-Staat abgefeuert. Das ist so seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Merz und seine Hinterleute im Finanz- und Rüstungskomplex flehen den Krieg herbei. Die Nato-Staaten in Europa verfügen derzeit noch nicht über eigene Mittelstreckenwaffen – und genau diese Lücke soll nun mit amerikanischen Waffen gefüllt werden.</p>



<p>Man stelle sich vor, Russland würde Marschflugkörper auf Kuba stationieren, mit der Reichweite, um Washington zu treffen. Die Empörung wäre grenzenlos. Doch wenn Deutschland dasselbe tut, redet man von &#171;strategischer Lückenschliessung&#187;.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Deutschlands Doppelrolle im Ukraine-Krieg</strong></h3>



<p>Noch perfider wird das Ganze, wenn man einen genauen Blick auf Deutschlands Rolle im Ukraine-Krieg wirft. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren militärische Hilfen in Höhe von rund 55 Milliarden Euro für die Ukraine bereitgestellt. Deutschland zählt zu den wichtigsten Unterstützern der ukrainischen Regierung, der Kritiker seit 2014 schwere Menschenrechtsverletzungen gegenüber russischsprachigen Bevölkerungsgruppen sowie neonazistische Tendenzen vorwerfen.</p>



<p>Deutschland hat nicht nur Kampfpanzer, Artilleriesysteme und Luftverteidigung geliefert, sondern treibt nun auch die Produktion ukrainischer Angriffswaffen auf eigenem Boden voran. Erst kürzlich wurde eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die die Fertigung des ukrainischen Marschflugkörpers &#171;Bars&#187; in Deutschland vorsieht – zur direkten Lieferung an die Ukraine. Mit einer Reichweite von bis zu 1000 Kilometern ist auch dieses System in der Lage, russische Ziele tief im Hinterland zu treffen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Unerträgliche Doppelmoral</strong></h3>



<p>Deutschland liefert Waffen an die Ukraine, damit diese Russland angreifen kann, und stationiert gleichzeitig eigene Angriffswaffen, die russisches Territorium erreichen. Gleichzeitig behauptet man, man wolle den Krieg nicht eskalieren lassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Gefährliche Selbsttäuschung</strong></h3>



<p>Die politische Klasse in Berlin scheint vergessen zu haben, was es bedeutet, eine Atommacht an der Grenze zu haben. Schon längst bezeichnen klar denkende Politikerinnen wie beispielsweise Sevim Dagdelen Boris Pistorius als &#171;Kriegsminister&#187;, völlig zu Recht. Das von Merz geführte CDU/CSU/SPD-Regime treibt das Land in das Inferno eines Atomkriegs.</p>



<p>Die Behauptung, es gehe um Verteidigung, war und ist nicht glaubwürdig. Marschflugkörper mit 2500 Kilometern Reichweite sind keine Verteidigungswaffen. Sie sind Angriffswaffen. Sie sind darauf ausgelegt, Kommandostellen, Flugplätze und Bunker tief im russischen Gebiet zu zerstören. Wer solche Waffen in Deutschland stationiert, macht Deutschland zum Ziel.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Verhängnisvolle Entscheidung</strong></h3>



<p>Die Geschichte lehrt uns, dass militärische Eskalation nicht zur Deeskalation führt. Russland hat bereits mit Gegenmassnahmen gedroht und wird diese Stationierung nicht tatenlos hinnehmen. Deutschland ist auf dem besten Weg, nicht nur zum grössten Waffenlieferanten der Ukraine zu werden, sondern auch zur vordersten Frontlinie eines möglichen direkten Krieges mit Russland.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Rolle der deutschen Bevölkerung</strong></h3>



<p>Mehr als 80 Millionen Menschen in Deutschland müssen sich jetzt, genau in diesem Moment, darüber klar werden, dass sie aktuell keine aktive Rolle in diesem tödlichen Spiel der Kriegsprofiteure spielen. Sie sind der Einsatz, dessen Verlust die internationalen Zocker an den Börsen einkalkuliert haben.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/aufruesten-gegen-ein-bedrohliches-russland-ist-geldverschwendung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aufrüsten gegen ein bedrohliches Russland ist Geldverschwendung</a>, Infosperber vom 19.3.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/wie-sich-militaer-und-medizin-in-deutschland-verflechten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie sich Militär und Medizin in Deutschland verflechten</a>, Infosperber vom 23.9.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/wie-sich-deutschland-auf-einen-krieg-vorbereitet/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie sich Deutschland auf einen Krieg vorbereitet</a>, Infosperber vom 5.3.2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Dieser Artikel erschien bei «<a href="https://www.pressenza.com/de/2026/07/wie-die-deutsche-regierung-den-krieg-ins-eigene-land-holt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">pressenza.com</a>», einer Nachrichtenagentur von ehrenamtlich tätigen Freiwilligen, die sich den Themen Humanismus, Gewaltfreiheit, Menschenrechte, Abrüstung und Nicht-Diskriminierung widmet. Der Autor Fred Schumacher studierte Philosophie, Politik und Anglistik. In den 1970er Jahren war er Redaktor der antifaschistischen Wochenzeitung »Die Tat« in Frankfurt am Main und lange in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) und in der Friedensbewegung aktiv. Er initierte und betreibt das Portal &#171;<a href="https://rausausdernato.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutschland raus aus der NATO!</a>&#171;<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Am meisten Tote in der Aare: eine dumme Tamedia-Schlagzeile</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/medienkritik/am-meisten-tote-in-der-aare-eine-dumme-tamedia-schlagzeile/</link>
					<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 08:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711553</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-12.49.36-e1783687182693-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2026-07-10 um 12.49.36" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-12.49.36-e1783687182693-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-12.49.36-e1783687182693-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-10-um-12.49.36-e1783687182693.png 955w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>In der Aare gebe es viel mehr Tote als in der Limmat, in der Birs, der Thur oder der Emme. Wenn das eine «News» sein soll.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«In diesen Flüssen und Seen ertrinken am meisten Menschen»: Diese riesige Schlagzeile prangte über zwei Seiten der Rubrik «Politik und Wirtschaft» im «Tages-Anzeiger» und «Der Bund». Die Zeitungen «enthüllten» den Leserinnen und Lesern, dass in der Aare und im Kanton Bern mit Abstand am meisten Badende ertrinken. Es entstand der falsche Eindruck, die Aare sei für Badende der gefährlichste Schweizer Fluss.</p>



<p>«Unsere Auswertung zeigt, wo die Opfer starben», versprach der Untertitel. Zur allgemeinen Überraschung kam es in denjenigen Flüssen und Seen häufiger zu Todesfällen, in denen am meisten Menschen baden.</p>



<p>Die grafisch aufgepeppte Tamedia-Rangliste nach Kantonen mit dem Titel «Am meisten Tote im Kanton Bern» und mit der Bemerkung «Die beiden Appenzell haben keine Ertrinkungstote zu beklagen» ist ebenfalls eine Null-Information. Je grösser der Kanton und je mehr Seen und Flüsse im Kanton, desto mehr Badende ertrinken. Das ist eine Plattitüde.</p>



<p>Nach Angaben der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft ertrinken in der Schweiz jedes Jahr durchschnittlich fünfzig Personen. «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» «präzisierten»: «In keinem anderen Gewässer sterben so viele Menschen wie in der Aare – seit 2012 sind es insgesamt 75 Menschen. Das sind mehr als im Zürichsee und in der Limmat zusammen.»</p>



<p>Dass diese Information wertlos ist, räumen gleich darauf auch die Tamedia-Zeitungen ein: «Die Aare ist mit rund 300 Kilometern nach dem Rhein der längste Fluss in der Schweiz. Und es gibt unzählige Badestellen. Bei schönem Wetter tummeln sich Tausende im Wasser. In der Stadt Bern ist das Aareschwimmen ein Volkssport.»</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Jahr nach der «Sonntags-Zeitung»</h2>



<p>Vor einem Jahr hatte die «Sonntags-Zeitung» vorgespurt – ebenfalls aus dem Tamedia-Verlag. Die fette Schlagzeile lautete damals: <a href="https://www.infosperber.ch/medien/die-sonntags-zeitung-bastelt-sich-eine-fette-schlagzeile/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Der gefährlichste Fluss der Schweiz»</a>. Und darunter: «In der Aare ertrinken so viele Menschen wie in Rhein, Rhone und Limmat zusammen.» Andere Medien hatten die Schlagzeile weiterverbreitet – darunter «<a href="https://www.20min.ch/story/auswertung-in-der-aare-ertrinken-am-meisten-menschen-103385365" target="_blank" rel="noreferrer noopener">20 Minuten</a>», «<a href="https://www.telem1.ch/aktuell/gefaehrlichster-fluss-der-schweiz-in-der-aare-sterben-am-meisten-menschen-161294279" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tele M1</a>» oder die «<a href="https://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/gefaehrlichster-fluss-in-der-aare-sterben-am-meisten-menschen-ld.2797805" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Solothurner Zeitung</a>».</p>



<p>Marco Diener rechnete damals im <a href="https://www.infosperber.ch/medien/die-sonntags-zeitung-bastelt-sich-eine-fette-schlagzeile/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber</a> vor: Pro Kilometer Aare sind 0,25 Menschen ertrunken, pro Kilometer Limmat aber 0,69 Menschen. Interessant wäre allenfalls, die Zahl der Ertrunkenen nicht nur mit der Länge der Flüsse, sondern mit der Zahl der darin Badenden oder Schwimmenden zu vergleichen.</p>



<p>Wenigstens haben die Tamedia-Zeitungen Marco Dieners Vorschläge für weitere sommerliche Schlagzeilen nicht aufgenommen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>«Die gefährlichsten Radwege der Schweiz: Auf Berner Radwegen kommt es zu doppelt so vielen Unfällen wie auf Radwegen im Kanton Appenzell Ausserrhoden.»</li>



<li>«Die Gefahr im Pfadilager: Es verunfallen viel mehr Kinder und Jugendliche als Erwachsene.»</li>



<li>«Gefährlicher Boxsport: Es sterben deutlich mehr Männer als Frauen.»</li>
</ul>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9cf4ccaf1dbf4821b0a3f41a466bbade" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Hunderte Hitzetote und die Politik tut: wenig</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/hunderte-hitzetote-und-die-politik-tut-wenig/</link>
					<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 08:28:54 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711267</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Depositphotos_474566402_L-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_474566402_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Depositphotos_474566402_L-300x200.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Depositphotos_474566402_L-1024x682.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Depositphotos_474566402_L-768x512.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Depositphotos_474566402_L-1536x1024.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Depositphotos_474566402_L.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Extreme Hitze scheint etwas zu sein, das man klaglos hinnehmen soll. 
Dabei hat ein Staat die Pflicht, die Bevölkerung zu schützen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Tagelang ächzte Europa unter Temperaturen um die 40 Grad. Und die nächste Hitzewelle kündigt sich bereits an.  Temperaturen um 30 Grad fühlen sich inzwischen fast kühl an. Der Körper kann sich anpassen, lernt man.</p>



<p>Bis zu einem gewissen Grad. In Deutschland starben es laut dem Robert Koch-Institut (<a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/RKI-Wochenbericht_Hitzemortalitaet_KW25_2026-07-02.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">RKI</a>) bereits vor dem 21. Juni etwa 810 Menschen an den Folgen der Hitze. In der folgenden sehr heissen Woche bis zum 28. Juni kamen noch einmal <a href="https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">4310 dazu</a>. </p>



<p>Das sind Schätzungen. Direkt an einem Hitzschlag sterben nur wenige. «Hitze» wird deshalb nur selten als Todesursache auf dem Totenschein eingetragen. Das RKI ermittelt deshalb jedes Jahr von Kalenderwoche 15 bis 35 die Übersterblichkeit. Diese steigt an heissen Tagen deutlich an. </p>



<p>Das südliche Bundesland Baden-Württemberg, in dem etwa so viele Menschen wohnen wie in der Schweiz, war mit 260 Sterbefällen bis zum 21. Juni besonders betroffen. Auch gemessen an der Bevölkerungszahl war die Sterblichkeit in den südlichen Bundesländern höher. In der Schweiz starben «in der Woche vom 22. bis zum 28. Juni 175 Seniorinnen und Senioren mehr als zu erwarten gewesen wäre», berichtete <a href="https://www.schweizheute.ch/schweiz/hitzetote-in-der-schweiz-zwei-regionen-besonders-betroffen-ld.4199703" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Schweiz heute»</a>. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Sterblichkeit liegt in Deutschland bei <a href="https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Publikationen/Downloads-Sterbefaelle/statistischer-bericht-sterbefaelle-tage-wochen-monate-aktuell-5126109.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">2700 Menschen</a> pro Tag, in der Schweiz bei etwa 200. </p>



<p>Die Hitze belastete auch das Gesundheitssystem. Pflegende, Ärztinnen und Ärzte sowie Rettungsdienste klagten auf Social Media über die hohe Arbeitsbelastung, vor allem in den Grossstädten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Chefetage winkt ab</h2>



<p>Die deutsche Politik sagte dazu: so gut wie nichts. Die politische Führung Deutschlands beschäftigte sich vor allem mit den anstehenden Reformen des Steuer-, Renten- und Gesundheitssystems. Die Berichterstattung über die gefährliche Hitze beschränkte sich grösstenteils auf Lokalmedien. Bilder zeigten Nebelduschen und Bauarbeiter, Journalistinnen und Journalisten befragten von der Hitze geplagte Menschen. Dasselbe in der Schweiz. Unterricht sei bei derart hohen Temperaturen kaum noch möglich, ein Kind habe sogar einen Hitzschlag erlitten, zitierte beispielsweise das Basler Medium <a href="https://bajour.ch/a/ein-junge-bei-uns-hatte-garantiert-einen-hitzeschlag" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Bajour»</a> einen Lehrer.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="764" height="418" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Hitzemortalitaet-RKI-bis-KW-26-2026_k.png" alt="Hitzemortalität RKI bis KW 26 2026_k" class="wp-image-711443" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Hitzemortalitaet-RKI-bis-KW-26-2026_k.png 764w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Hitzemortalitaet-RKI-bis-KW-26-2026_k-300x164.png 300w" sizes="auto, (max-width: 764px) 100vw, 764px" /><figcaption class="wp-element-caption">In Hitzewellen gibt es in Deutschland in der Regel eine deutlich erhöhte Sterblichkeit. (Schwarze Linie: Sterbefallzahlen; rote Linie: mit Hitze; blaue Linie: ohne Hitze; WMT: Wochenmitteltemperatur)</figcaption></figure>



<p>Er wolle die Temperaturen nicht zur «Chefsache» machen, das würde das Wetter auch nicht ändern. Man wolle auch keine Erwartungen wecken, liess der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz am 29. Juni durch seinen Regierungssprecher ausrichten (<a href="https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/hitze-regierung-politik-massnahmen-folgen-schutz-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ZDF</a>). Der Schweizer Bundesrat und Umweltminister Albert Rösti warnte vor <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/umweltminister-zur-hitzewelle-roesti-man-darf-es-auch-nicht-uebertreiben" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Übertreibung»</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Es würde niemandem einfallen, Drogen- und Verkehrstote als unvermeidlich hinzunehmen</h2>



<p>Zum Vergleich: In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 2814 <a href="https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_062_46241.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verkehrstote</a> und 2150 <a href="https://www.tagesschau.de/inland/drogenbericht-bundesregierung-100.html" data-type="link" data-id="https://www.tagesschau.de/inland/drogenbericht-bundesregierung-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Drogentote</a>. An den Folgen von Hitze starben 2023 und 2024 laut RKI jeweils etwa 3000 Menschen, in den ersten acht Monaten 2025 waren es rund 2600.</p>



<p>Es würde wohl niemand sagen, Verkehrsunfälle und Drogenprobleme habe es immer schon gegeben. Sowohl der Staat als auch die Hersteller tun viel, um den Verkehr sicherer zu machen. Es gibt zahlreiche Massnahmen, um die Zahl der Drogentoten zu senken. Die meisten Sterbefälle durch Hitze wären mit weniger Aufwand vermeidbar.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hitzeschutz ist Ländersache</h2>



<p>Vordergründig hatte der deutsche Regierungschef mit seiner Zurückhaltung sogar recht. Hitzeschutz ist in Deutschland Ländersache. In einem halben Jahr müssen die Länder eine Klimaanpassungsstrategie vorlegen, zu der auch Hitzeschutzpläne gehören. Einheitliche oder verpflichtende Vorgaben, was ein Hitzeaktionsplan beinhalten soll, gibt es jedoch nicht. Bereits eine Webseite mit Tipps zum Hitzeschutz kann als Massnahme gelten.</p>



<p>Mittel- und langfristige Lösungsansätze zur Hitzeresilienz gibt es durchaus: Entsiegelung, Begrünung, Schwammstädte, Umbau von Spitälern und Pflegeheimen, bauliche Vorgaben, städtebauliche Anpassungen oder Trinkwasserbrunnen. Was davon Risikogruppen während einer Hitzewelle konkret hilft, ist fraglich. Kurzfristig geschieht eher wenig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gesucht: Konkrete Massnahmen</h2>



<p>Gefährdet sind vor allem ältere Menschen – 58 Prozent der bis zum 28. Juni an den Folgen der Hitze Verstorbenen waren laut RKI über 85 Jahre alt, 94 Prozent über 65 Jahre. Besonders gefährdet sind auch Kinder, Schwangere, chronisch Kranke und Menschen mit geringen finanziellen Mitteln. Diese wohnen häufig dort, wo es am heissesten ist: in den dicht bebauten Quartieren der Ballungszentren.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="897" height="589" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/KR-Kind-Nebeldusche.png" alt="KR Kind Nebeldusche" class="wp-image-711293" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/KR-Kind-Nebeldusche.png 897w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/KR-Kind-Nebeldusche-300x197.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/KR-Kind-Nebeldusche-768x504.png 768w" sizes="auto, (max-width: 897px) 100vw, 897px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Kind spielt in Köln in einer Nebeldusche. Man gönnt es ihm &#8211; am meisten von Hitze gefährdet sind jedoch ältere Menschen. </figcaption></figure>



<p>Massnahmen wie Nebelduschen auf Marktplätzen sind sinnvoll, um das Stadtklima an stark frequentierten Orten zu verbessern. Den Menschen in der Dachwohnung nebenan helfen sie jedoch wenig. Deren Bewohnerinnen und Bewohner können vermutlich nur übermüdet lächeln, wenn sie wieder einmal hören, dass sie viel trinken sollen. Sie kleben reflektierende Rettungsdecken auf ihre Dachfenster und kaufen sich eine Klimaanlage, wenn sie die Mittel dazu haben. Es ist sicher ratsam, die Bevölkerung vor Hitzewellen zu warnen, und bestimmt nicht falsch, viel zu trinken. Doch es fehlt an konkreten Massnahmen, die besonders gefährdete Menschen wirksam schützen. Kälteräume beispielsweise sind selten. Wer besonderen Schutz benötigt und wo er oder sie lebt, ist häufig gar nicht bekannt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Staat hat eine Fürsorgepflicht</h2>



<p>Für Arbeitgeber in Deutschland und der Schweiz gibt es recht detaillierte Vorgaben, ab welcher Temperatur sie aktiv werden und ihre Angestellten entlasten müssen – etwa durch kostenlose Kaltgetränke, gelockerte Kleidervorschriften oder angepasste Arbeitszeiten. Die Arbeitgebenden halten sich meist daran, denn sie tragen Verantwortung und haben eine Fürsorgepflicht. Der grösste Teil der besonders gefährdeten Menschen ist jedoch nicht erwerbstätig. Für sie muss der Staat sorgen. </p>



<p>Hitzeschutz und Hitzevorsorge hätten sich in Deutschland in den vergangenen Jahren verbessert, gut sei die Situation aber noch lange nicht, sagte Jonas Gerke, Experte für Klimaanpassung bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (Klug), dem «ZDF». Es gebe noch viele Lücken in der Hitzevorsorge. Hitzeschutz sei nicht einmal bei Neubauten gewährleistet, sagte der Klug-Vorsitzende Martin Herrmann dem <br>«Deutschlandfunk» (<a href="https://www.deutschlandfunk.de/hitzewelle-hitzeschutz-deutschland-klimawandel-klimaanpassung-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DLF</a>). Ein Programm, das Einrichtungen wie Pflegeheime, Kitas und Schulen beim Umbau unterstützt habe, sei 2026 sogar eingestellt worden. In vielen Krankenhäusern ist Hitze kaum ein Thema. Klimatisiert ist häufig nur die Intensivstation.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Für die Zukunft reichen die heutigen Massnahmen kaum aus</h2>



<p>Die Verantwortung liegt damit weitgehend bei den meist klammen Kommunen. Hilfsprogramme gebe es zwar. Wer jedoch kein Personal habe, um Förderanträge zu stellen, bekomme auch kein Geld, sagte Uwe Conradt, Vizepräsident des Deutschen Städtetags, dem <a href="https://www.deutschlandfunk.de/hitzewelle-hitzeschutz-deutschland-klimawandel-klimaanpassung-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«DLF»</a>.</p>



<p>In der Schweiz gab es nach der aussergewöhnlich tödlichen Hitzewelle von 2003 erste strukturierte Massnahmen wie mehrstufige Hitzeaktionspläne. Welche Massnahmen die einzelnen Kantone vorsehen und umsetzen, unterscheide sich jedoch stark, sagt das <a href="https://www.20min.ch/story/gesundheitsrisiko-schweiz-hat-weniger-hitzetote-als-ausland-aber-wie-lange-noch-103595950" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schweizer Tropeninstitut</a>. Für die Zukunft dürften die heutigen Massnahmen kaum ausreichen, sagt auch das Bundesamt für Gesundheit.</p>



<p>In Deutschland hänge der Hitzeschutz letztlich vom politischen Willen und der Initiative Einzelner ab, sagt Gerke. Das gilt häufig auch für die Schweiz. Seit 2003 gibt es mehrstufige Hitzeaktionspläne und erfolgreiche Projekte, um besonders gefährdeten Menschen konkret zu helfen. Doch oft beruhen sie auf dem Engagement Einzelner.</p>



<p>Schnell und unbürokratisch reagierte während der jüngsten Hitzewelle etwa das Museum der Kulturen Basel und öffnete kostenlos die Türen zu seiner klimatisierten Ausstellung. Das Kunstmuseum Basel gewährte Menschen über 65 Jahren freien Eintritt. Warum auch nicht? Museen geben einen grossen Teil ihres Budgets für die Klimatisierung ihrer Räume aus. Bei öffentlichen Museen bezahlt diese letztlich die Allgemeinheit. Im deutschen Karlsruhe beschwerten sich derweil <a href="https://www.reddit.com/r/karlsruhe/comments/1uh1n2i/ist_das_ikea_restaurant_klimatisiert/?solution=e5cbd249071806fbe5cbd249071806fb&amp;js_challenge=1&amp;token=7afd7253fec22262ff1c52b1703fe9ecaa94cabac486f9ab211074466dcca59c&amp;jsc_orig_r=" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ikea-Kunden</a> über das ganztags mit Studierenden überfüllte klimatisierte Restaurant. Das Möbelhaus liess sie gewähren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Frankreich handelte entschlossen</h2>



<p>Ganz anders in Frankreich, das von Temperaturen um die 40 Grad und darüber noch heftiger betroffen war als Deutschland. Das Land reagierte schnell. In den besonders heissen Départements untersagte die Regierung den Konsum von Alkohol. Mehrere Veranstaltungen wurden abgesagt, Schulen wurden geschlossen, registrierte Pariserinnen und Pariser wurden von der Stadt vorsorglich angerufen.</p>



<p>Jean Castex, Chef der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF, empfahl gefährdeten Personen, auf Bahnreisen zu verzichten. Der französische Präsident rief dazu auf, auf schutzbedürftige Menschen zu achten. Auch in Frankreich gab es Einzelaktionen, um Menschen vor Hitze zu schützen: Straßburg und Mulhouse beispielsweise <a href="https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/freiburg/hitzewelle-im-benachbarten-frankreich-elsass-erlaesst-spezielle-regeln-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">boten für einige Tage kostenlose Tramfahrten</a> an, Park-and-Ride-Parkplätze waren kostenlos. Dennoch gab es nach aktuellem Stand mindestens 1000 Hitzetote im Land.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hitze ist kein lautes Problem – deshalb aber nicht weniger tödlich</h2>



<p>Solche Zahlen kommen nicht unerwartet, und sie werden im Laufe des Sommers voraussichtlich noch steigen – die Hitzewelle Ende Juni sei wie eine Generalprobe gewesen, schrieb die <a href="https://www.who.int/europe/news/item/30-06-2026-statement---get-prepared--current-european-region-heatwaves-are-a-dress-rehearsal" target="_blank" rel="noreferrer noopener">WHO</a>. Die nächste kündigt sich bereits an. </p>



<p>Es wird auch wieder kühlere Sommer geben. Aber zumindest in den kommenden Jahrzehnten werden die Temperaturen weiter steigen und damit auch die Zahl der heissen Tage. Selbst dann, wenn die Menschheit sofort die Produktion aller Klimagase einstellen würde. Dazu kommt der demografische Wandel. Es wird mehr ältere und damit verletzlichere Menschen geben. </p>



<p>Warum interessiert das Thema die Politik dann so wenig? Hitze sei kein lautes Problem, sagt <a href="https://www.deutschlandfunk.de/wie-wir-besser-mit-hitze-umgehen-intv-mit-martin-herrmann-klug-vorsitzender-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Martin Herrmann</a>. Sie liefere kaum dramatische Bilder wie Überschwemmungen. Gefährdete Menschen würden kaum wahrgenommen. Auch andere Expertinnen und Experten sprechen vom «stillen Killer». Der «Deutschlandfunk» erinnert daran, dass nach Extremereignissen die Aufmerksamkeit meist schnell wieder nachlasse.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wirtschaft: Ab 30 Grad wird es teuer</h2>



<p>Wirtschaftlich ist Hitze ein nachhaltiges Problem. Vielleicht sollte sich die grosse Politik mit den Auswirkungen von Hitzewellen auf den Steuerfluss beschäftigen. Ab 30 Grad sinkt die Produktivität um etwa drei Prozent pro zusätzlichem Grad. Gleichzeitig stiegen die Energiekosten um etwa 1,2 Prozent pro Grad, weil mehr gekühlt werden müsse, fasste die <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/hitze-wirtschaft-kosten-klimawandel-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Tagesschau»</a> eine Untersuchung des Versicherers <a href="https://www.allianz-trade.de/presse/pressemitteilungen/extreme-hitze-kostet-deutschland-milliarden-und-laehmt-wirtschaftswachstum.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Allianz Trade</a> zusammen. Allein Deutschland drohten Verluste von bis zu 131 Milliarden Dollar, wenn sich die Hitzewellen der Vergangenheit wiederholen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte bis 2030 um drei Prozent sinken. Es hänge natürlich davon ab, welche Branche man betrachte und wie lange eine Hitzewelle andauere, sagte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln gegenüber der <a href="https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/klima-oekonomen-zur-hitzewelle-neues-risiko-fuer-die-wirtschaft/100236621.html">«Wirtschaftswoche»</a>.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/hitze-vorsicht-bei-einnahme-von-blutdrucksenkern/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hitze: Vorsicht bei Einnahme von Blutdrucksenkern</a>, Infosperber vom 22.6.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/jacobabad-pakistan-zu-heiss-zum-leben/">Jacobabad, Pakistan: Zu heiss zum Leben</a> – Infosperber am 7. Juni 2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/luft-klima/schweizer-staedte-bereiten-sich-auf-hitze-ungenuegend-vor/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schweizer Städte bereiten sich auf Hitze ungenügend vor</a> – Infosperber am 9. Februar 2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kolumbien-medellin-kuehlt-sich-gruen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kolumbien: Medellín kühlt sich grün</a> – Infosperber am 2. Oktober 2021</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/zunehmende-hitze-bedroht-die-oeffentliche-gesundheit/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zunehmende Hitze bedroht die öffentliche Gesundheit</a> – Infosperber am 5. September 2021</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/2f2adc3fda654fddb08b9c09e6da66ef" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Nein, ich fahre nicht weg &#8230; ich schmelze lieber daheim.»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/luft-klima/nein-ich-fahre-nicht-weg-ich-schmelze-lieber-daheim/</link>
					<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 08:25:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-17.09.53-e1783438887471-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Cartoon Pitch" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-17.09.53-e1783438887471-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-17.09.53-e1783438887471.png 698w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Endlich Ferien!»]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Vier «Erfolgsrezepte» für die Landwirtschaft</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/vier-erfolgsrezepte-fuer-die-landwirtschaft/</link>
					<pubDate>Sat, 11 Jul 2026 08:29:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=710951</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Laubbach-e1783430721897-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Laubbach" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Laubbach-e1783430721897-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Laubbach-e1783430721897-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Laubbach-e1783430721897.png 1000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Milchkühe, High-Tech, Biogas und Gäste: Vier Landwirtschaftsbetriebe zeigen, wie sie heute wirtschaftlich bestehen können.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Milchbauern in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen von zwei Seiten unter grossem Druck. Einerseits kritisieren Tierschutzorganisationen Hochleistungskühe, beengte Ställe und mangelnden Weidegang. Aus ihrer Sicht steht vieles in der heutigen Milchproduktion im Widerspruch zu einer artgerechten Tierhaltung. Andererseits decken die Abnahmepreise für Milch oft kaum die Produktionskosten – schon gar nicht, wenn Ställe grosszügiger gebaut, Kühe länger genutzt, Kälber sorgfältiger aufgezogen und Tiere regelmässig auf die Weide gelassen werden sollen.</p>



<p>Die Milchproduktion ist für unser Ernährungssystem wichtig. Rund 60 Prozent der Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz konsumieren täglich oder mehrmals täglich Milchprodukte.</p>



<p>Und gerade im Alpenraum und im alpinen Vorland, wo 40 bis 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Grasland sind, hat die Milchviehhaltung handfeste Vorteile:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>In diesen Regionen wächst auf vielen Flächen Gras, aber kein Brotweizen, keine Kartoffeln und keine Sojabohnen.</li>



<li>Als Wiederkäuer können Kühe das für Menschen unverdauliche Gras in das hochwertige Lebensmittel Milch umwandeln.</li>



<li>Grünland schützt zudem den Boden, bindet Kohlenstoff und hält die über Jahrhunderte geschaffenen offenen Kulturlandschaften in Nutzung.</li>
</ul>



<p>Damit ist aber noch nicht beantwortet, wie ein Milchviehbetrieb heute wirtschaftlich bestehen kann.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Mist.png" alt="Mist" class="wp-image-711123" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Mist.png 900w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Mist-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Mist-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">In den Alpen und im alpinen Vorland sind 40 bis 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Grasland, in Vorarlberg sogar 97,5 Prozent. Nur Wiederkäuer können Gras in Milch umwandeln. Und ihr Mist (im Bild vorne) wird nach der Kompostierung als Dünger für das Grasland verwendet. </figcaption></figure>



<p><strong>Vier Landwirtschaftsbetriebe mit vier verschiedenen «Erfolgsrezepten»</strong></p>



<p>Auf einer Recherche-Reise rund um den Bodensee habe ich vier unterschiedliche Landwirtschaftsbetriebe besucht: zwei in Deutschland, je einen in Österreich und der Schweiz. Alle arbeiten mit Rindern. Alle stehen im selben Markt. Aber jeder Betrieb hat eine andere Antwort auf dieselbe Frage gefunden: Wie lässt sich aus Fläche, Futter, Arbeit, Tiergenetik und Vermarktung ein tragfähiges System bauen?</p>



<p>Jeder dieser Landwirtschaftsbetriebe hat sein eigenes «Erfolgsrezept»: Mit konsequenter Kreislaufwirtschaft oder hoher Milchleistung, mit High-Tech im Stall oder Stiermast. In jedem Fall aber mit zusätzlicher Wertschöpfung über Agrotourismus und Energieproduktion.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Was man wissen muss</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Die Rasse </strong>setzt den genetischen Rahmen für die Milchleistung. So ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Original_Braunvieh" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Original Braunvieh OB</a> robust, langlebig und berggängig – gibt aber «nur» 5000 bis 6300 Kilo Milch pro Laktation. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Holstein-Rind" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Holstein und Holstein-Friesian</a> sind Hochleistungsmilchkühe mit 8‘000 bis 12‘000 Kilo pro Laktation.</li>



<li><strong>Das Futter </strong>ist ebenso entscheidend. Eine optimale Kombination aus jungem Gras und Heu sowie Weizen, Gerste, Mais oder Soja- oder Rapsschrot, Körnerleguminosen oder Biertreber ergibt eine hohe Milchleistung.</li>



<li><strong>Als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Laktationsperiode" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Laktation</a> </strong>bezeichnet man die milchgebende Phase einer Milchkuh zwischen Kalbung und Trockenstellen. Für Leistungsvergleiche wird eine Standardlaktation von 305 Tagen verwendet.</li>



<li><strong>Die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Trockensteher" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trockenzeit</a> </strong>dauert 40 bis 60 Tage zwischen der Laktation und der Geburt des folgenden Kalbes. In dieser Phase gibt die Kuh keine Milch. Ihr Organismus regeneriert sich und bereitet sich auf die nächste Kalbung vor.</li>
</ul>
</div>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Biohof mit «nur» einer Milchkuh pro Hektar</h2>



<p>Ich starte meine Recherche-Reise im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Dort ist der <a href="https://vorarlberg.at/-/daten-zahlen-landwirtschaft" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grasland-Anteil</a> mit 97,5 Prozent besonders hoch, klassisches Ackerland spielt keine Rolle. Vorarlberg ist das ultimative Milchkuh-Ländle.</p>



<p>In Doren im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bregenzerwald" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vorderen Bregenzerwald</a> führt die 28-jährige Laura Lingenhel den <a href="https://www.biohof-lingenhel.at/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Biohof Lingenhel</a> in fünfter Generation. Der Hof liegt auf rund 700 Metern über Meer. Viele Wiesen sind steil. Viele Flächen lassen sich nur mit wendigen, kleinen Einachs-Geräteträgern bewirtschaften.</p>



<p>Der Betrieb arbeitet nach biologisch-dynamischen Demeter-Richtlinien. 2019 wurde die Familie Lingenhel mit dem renommierten <a href="https://www.ceresaward.de/leitidee-schirmherrschaft/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ceres-Award</a> als Biolandwirte des Jahres ausgezeichnet.</p>



<p>Zum Hof gehören 23 Hektar Grünland, etwas Wald und Obstbau. Darauf hält Laura Lingenhel bewusst «nur» 23 behornte Original Braunvieh OB. Die Kälber wachsen muttergebunden auf. «Mit diesem Verhältnis von Grünland und Kühen können wir das Futter für die Tiere vollständig selbst produzieren und finanziell ausgewogen wirtschaften», erklärt Laura Lingenhel den geschlossenen Futterkreislauf.</p>



<p>Sie will nicht möglichst viel Kühe und möglichst viel Milch. Sie will ein System, das zum Standort passt. Seit 2016 erhalten die Tiere kein <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Futtermittel#Kraftfutter" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kraftfutter</a> mehr. «Seither sind unsere Kühe gesünder und agiler», betont Laura Lingenhel.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="533" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Lingenhel.png" alt="Lingenhel" class="wp-image-711121" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Lingenhel.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Lingenhel-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Lingenhel-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eine behornte Milchkuh der Rasse Original Braunvieh auf dem Biohof Lingenhel in Vorarlberg. Laura Lingenhel hält bewusst nur eine Milchkuh pro Hektar und füttert ausschliesslich Gras und Heu vom eigenen Betrieb ohne Kraftfutter. </figcaption></figure>



<p>Die Milchleistung liegt bei «nur» 4850 Kilo pro Laktation. Zum Vergleich: Das ist weniger als die <a href="https://www.arche-austria.at/index.php?id=92" target="_blank" rel="noreferrer noopener">durchschnittliche Milchleistung</a> von Original Braunvieh im Berggebiet mit 5000 bis 5500 Kilo. Aber es ist Teil des Systems: weniger Zukauf, weniger Druck auf die Kuh, mehr Eigenständigkeit.</p>



<p>Auch der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftsd%C3%BCnger" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hofdünger</a> bleibt im Kreislauf. Mit der Kompostierung vom Festmist aus dem Laufstall fördert Lingenhel den Humusaufbau für den Gemüse- und Kräuteranbau.</p>



<p>Zusätzliche Wertschöpfung entsteht im <a href="https://www.biohof-lingenhel.at/bioladen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hofladen</a>, in der <a href="https://www.biohof-lingenhel.at/erlebnisk%C3%BCche/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Erlebnisküche</a>, mit Brotbackkursen sowie <a href="https://www.biohof-lingenhel.at/seminarraum/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Seminaren und Gruppenangeboten</a>. «Nebenbei» wäre dafür das falsche Wort. Solche Betriebszweige schaffen Einkommen, aber sie fressen auch Zeit.</p>



<p>Laura Lingenhel zeigt: Wettbewerbsfähigkeit kann auch heissen, bewusst kleiner zu bleiben – und aus Konsequenz, Glaubwürdigkeit und Nähe zu den KonsumentInnen Wert zu schaffen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Agrotourismus-Hof mit Hochleistungs-Milchkühen</h2>



<p>Ein anderes Modell steht in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kressbronn_am_Bodensee">Kressbronn</a> im württembergischen Bodenseehinterland.</p>



<p>Die Familie Gührer führt das <a href="https://www.schleinsee.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hofgut Schleinsee</a>. Zum Betrieb gehören 40 Hektar Grünland, 30 Hektar Ackerland sowie Wald und ein eigener See. Das Hofgut liegt auf sanften Hügeln im württembergischen Bodenseehinterland auf rund 480 Meter über Meer.</p>



<p>Betriebsleiter Marc Gührer hält 65 Milchkühe und rund 80 Tiere Nachzucht. Die Herde besteht überwiegend aus Holstein-Rindern.</p>



<p>Die Fütterung ist leistungsorientiert. Die Tiere erhalten Gras- und Maissilage, Energieträger wie Körnermais und Wintergerste aus dem eigenen Betrieb sowie zugekaufte Eiweissträger wie Raps- und Sojaschrot. Am Melkroboter kommt zusätzlich Kraftfutter dazu.</p>



<p>Damit erreicht der Betrieb eine sehr hohe Milchleistung von 14‘000 Kilo pro Laktation. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Milchleistung von Holstein-Kühen liegt bei <a href="https://www.proteinmarkt.de/aktuelles/details/news/leistungszahlen-milchrind-spitzenergebnisse-auch-im-jahr-2025" target="_blank" rel="noreferrer noopener">9000 bis 11’000 Kilo</a>. Entscheidend ist hier nicht nur die Genetik, sondern das ganze Paket aus Fütterung, Tierbeobachtung, Stallmanagement und Technik.</p>



<p>«Das Milchvieh ist die Basis unseres Erlebnis- und Ferienhofs», sagt Marc Gührer. Dieser Satz erklärt das Betriebsmodell. Die Kühe liefern Milch. Aber sie liefern auch das Bild eines Bauernhofs, das Feriengäste suchen: Stall, Tiere, See, Hofcafé, Milchautomat, Hofladen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="533" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Holstein.png" alt="Holstein" class="wp-image-711119" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Holstein.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Holstein-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Holstein-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das markante schwarz-weisse Holstein-Rind ist die weltweit bedeutendste und milchstärkste Rasse, die für ihre hohen Milcherträge bekannt ist. Im Bild ein frisch geborens Kälbchen im Strohbett der Abkalbe-Box.</figcaption></figure>



<p>Die hohe Wettbewerbsfähigkeit zeigt sich auch daran, dass die Milch vom Hofgut Schleinsee zur lila Milka Alpenmilch-Schokolade verarbeitet wird. Für die Kinder auf dem Ferienhof ist das vermutlich überzeugender als jede Powerpoint-Folie über Wertschöpfungsketten.</p>



<p>Viele Familien verbringen ihren <a href="https://www.schleinsee.de/urlaub/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Urlaub</a> auf dem Hofgut Schleinsee. Übernachtet wird in ehemaligen Wirtschaftsgebäuden wie dem Hopfen-Trockenraum, in der Remise und dem Gesindehaus oder im Bootshaus direkt am See.</p>



<p>Im <a href="https://www.schleinsee.de/hofcafe/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hofcafé</a> wird als regionale Spezialität eine Dinnete serviert, ursprünglich ein Teigfladen, um die Temperatur des Holzofens fürs Brotbacken zu prüfen.</p>



<p>Schleinsee zeigt: Wettbewerbsfähigkeit kann entstehen, wenn Milchviehhaltung nicht allein über den Milchpreis bezahlt wird, sondern Teil eines Erlebnis- und Ferienhofs wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Rindermast-Betrieb mit Biogas-Tankstelle</h2>



<p>In Thayngen im Kanton Schaffhausen führt die Familie Müller den <a href="https://www.unterbuck.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hof Unterbuck</a> in dritter Generation. Der Betrieb bewirtschaftet 150 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche nach den Vorgaben von <a href="https://www.ipsuisse.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">IP-Suisse</a>, dem Label für <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Integrierte_Produktion" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Integrierte Produktion</a> (naturnahe und tierfreundliche Landwirtschaft).</p>



<p>Unterbuck ist kein Milchviehbetrieb. Mit der für Schweizer Verhältnisse hohen Anzahl von 450 Stierkälbern im Aussenklimastall mit Strohbett gehört der Hof Unterbuck zu den grössten Schweizer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rinderproduktion#Haltung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stiermast</a>-Betrieben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Unterbuck.png" alt="Unterbuck" class="wp-image-711117" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Unterbuck.png 900w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Unterbuck-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Unterbuck-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Im luftigen Aussenklimastall des Hofs Unterbuck im schweizerischen Thayngen werden 450 Stierkälber aufgezogen. Die Kälber aus Milchviehbetrieben werden im spezialisierten Mastbetrieb für die Fleischproduktion ein Jahr gemästet. </figcaption></figure>



<p>Dass solche Tiere auf spezialisierte Mastbetriebe kommen, hat biologische und wirtschaftliche Gründe. Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie ein Kalb geboren hat. Wenn vor der Besamung nicht die weiblichen und männlichen Spermien sortiert werden, ist etwa die Hälfte der Kälber männlich.</p>



<p>Die Stierkälber bleiben meist nur wenige Wochen auf dem Milchviehbetrieb. Danach kommen sie in spezialisierte Mastbetriebe wie den Hof Unterbuck.</p>



<p>Hier werden die jungen Stiere bis zur Schlachtung ein Jahr nach <a href="https://www.schweizerbauern.ch/wissen/produktion/tierhaltung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schweizer Tierwohlprogrammen</a> gehalten. <a href="https://www.bio-inspecta.ch/de/services/service-281~besonders-tierfreundliche-stallhaltung-bts.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BTS </a>steht für Besonders Tierfreundliche Stallhaltung und <a href="https://www.bio-inspecta.ch/de/services/service-269~regelm-ssiger-auslauf-von-nutztieren-im-freien-raus.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">RAUS</a> für Regelmässiger Auslauf ins Freie. Die Simmentaler und Limousin fressen auf dem Hof Unterbuck zu 95 Prozent Futter aus eigener Produktion.</p>



<p>Der Hof Unterbuck gilt als Vorzeigebetrieb, der für seine Kreislaufwirtschaft bekannt ist und 2022 die erste landwirtschaftliche <a href="https://www.schweizer-gemeinde.ch/artikel/land-und-energiewirtschaft-aus-einer-hand" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Biogas-Tankstelle</a> der Schweiz&nbsp;eröffnet hat.</p>



<p>Betriebsleiter Christian Müller hat schon früh in die <a href="https://www.schweizer-gemeinde.ch/artikel/land-und-energiewirtschaft-aus-einer-hand" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Energieproduktion</a> mit Photovoltaik sowie Biogas aus Mist, Gülle und organischen Reststoffen diversifiziert.</p>



<p>Die Energie produziert er für einen Wärmeverbund und die hofeigene Biogas-Tankstelle. «Mit den Tieren und der Energieproduktion haben wir ein nachhaltiges <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stoffstromanalyse" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stoffstromsystem</a>», sagt Christian Müller.</p>



<p>Stoffstromsystem ist kein hübsches Wort. Aber es beschreibt ziemlich genau, worum es geht: Was im einen Betriebszweig anfällt, wird im anderen genutzt. Mist und Gülle werden nicht entsorgt, sondern liefern Energie. Futter wächst auf eigenen Flächen. Wärme geht in den Verbund. Aus Landwirtschaft wird Infrastruktur.</p>



<p>Unterbuck zeigt: Wettbewerbsfähigkeit kann entstehen, wenn ein Betrieb nicht nur Tiere hält, sondern Stoffströme organisiert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Hochleistungs-Hof mit High-Tech-Milchkühen</h2>



<p>Der vierte Betrieb liegt in Laubbach in Baden-Württemberg, am Rande des Naturschutzgebietes <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pfrunger-Burgweiler_Ried_(Naturschutzgebiet)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pfrunger-Burgweiler Ried</a>. Die <a href="https://www.haerles-hofcafe.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Familie Härle</a> bewirtschaftet dort 250 ha Ackerland und Grünland, Moorgebiet und Wald.</p>



<p>Erich Härle und seine Söhne Jonas und Lukas halten 250 Holstein mit Nachzucht. Die Tiere stehen in Aussenklimaställen mit Strohbett und werden entwicklungsgerecht gefüttert. Damit erzielen die Härles eine sehr gute Milchleistung von 10‘000 Kilo pro Laktation.</p>



<p>Was auf dem Betrieb sofort auffällt: Hier geht es um klare Abläufe, Skaleneffekte und High-Tech. Im <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Melkstand#Melkkarussell" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Melkkarussell</a> können zwei Mitarbeiter pro Stunde 100 Milchkühe melken. In der gleichen Zeit melkt man in einem maschinellen Melkstand nur fünf Kühe.</p>



<p>Bei meinem Besuch ist das Melkkarussell so sauber, dass ich mich auf den Boden setzen könnte. «So macht die Arbeit mehr Freude, aber man darf die Stunden nicht zählen», sagt Erich Härle.</p>



<p>High-Tech ist auch der Bolus. Dieser Sensor wird der Kuh einmalig durch das Maul eingegeben. Durch sein Gewicht bleibt er im Netzmagen und misst unter anderem Körperkerntemperatur und Bewegungsaktivität.</p>



<p>Jonas Härle sieht diese Daten auf dem Smartphone. Er erkennt damit früh, wenn eine Kuh krank wird, brünstig ist oder kurz vor der Kalbung steht. Technik ersetzt hier nicht den Blick auf das Tier. Sie macht ihn schneller und systematischer.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bolus.png" alt="Bolus" class="wp-image-711115" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bolus.png 900w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bolus-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bolus-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Bolus wird der Milchkuh durch das Maul verabreicht und bleibt lebenslang im Netzmagen. Er erfasst Körperkerntemperatur und Bewegungsaktivität. Diese zeigen die Gesundheit der Tiere an, aber auch die Brunst oder die bevorstehende Kalbung einer Kuh. </figcaption></figure>



<p>Für die Diversifizierung sind Mutter Monika Härle und Tochter Anna Härle-Löffler zuständig. Seit 2021 führen sie ein <a href="https://www.haerles-hofcafe.de/">Hofcafé</a> für Radfahrer, Wanderer und Gäste aus der Region, das zusätzliche Wertschöpfung generiert.</p>



<p>Das Hofcafé bietet 160 Gästen Platz. An Spitzentagen produziert die gelernte Köchin und Konditormeisterin <a href="https://www.haerles-hofcafe.de/ueber-uns/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anna Härle-Löffler</a> bis 40 Kuchen und Torten. Mehr als 30 MitarbeiterInnen arbeiten mit, darunter auch ein Vollzeitbäcker für die Holzofenbäckerei.</p>



<p>Die Familie Härle zeigt: Wettbewerbsfähigkeit kann aus Grösse, Technik und Arbeitsorganisation entstehen – aber auch hier bleibt der Milchpreis nicht die einzige Einnahmequelle. Das Hofcafé macht aus eigenen und regionalen Rohstoffen ein regionales Produkt mit Gesicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vier «Erfolgsrezepte» zur Wettbewerbsfähigkeit</h2>



<p>Auf meiner Recherche-Reise rund um den Bodensee habe ich vier Betriebe kennengelernt und vier grundverschiedene Antworten auf dieselbe Frage erhalten: Wie lässt sich aus Fläche, Futter, Arbeit, Tiergenetik und Vermarktung ein tragfähiges landwirtschaftliches System bauen?</p>



<p><strong>Lingenhel </strong>setzt auf Reduktion und Wertschöpfung: weniger Kühe und weniger Milch je Kuh, robuste Zweinutzungstiere, Futter vom eigenen Grünland, Demeter-Label, Direktvermarktung und Bildungsangebote.&nbsp;Wettbewerbsfähigkeit entsteht hier nicht über Menge, sondern über Glaubwürdigkeit, Kreislaufdenken und Nähe zu den KonsumentInnen.</p>



<p><strong>Schleinsee </strong>verbindet Hochleistungsmilchvieh mit Ferienhof, Hofladen, Hofcafé und Bauernhoferlebnis. Die Kuh produziert dort nicht nur Milch für die lila Alpenmilch Schokolade, sondern auch Bilder, Geschichten und Vertrauen.</p>



<p><strong>Unterbuck </strong>macht aus Tierhaltung, Ackerbau und Energie ein Kreislaufsystem. Die Stiermast auf der einen Seite, Photovoltaik und Biogas auf der anderen Seite. Wettbewerbsfähig ist der Betrieb, weil er Stoffströme nutzt, die anderswo Kosten verursachen würden.</p>



<p><strong>Härle </strong>steht für Skaleneffekte in der Milchproduktion: grosse Herde, High-Tech, leistungsgruppenbezogene Fütterung und klare Arbeitsorganisation. Ergänzt wird dieses Modell durch das Hofcafé, das aus eigenen und regionalen Rohstoffen ein regionales Produkt mit Gesicht macht.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="900" height="600" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Kaelbchen.png" alt="Kälbchen" class="wp-image-711113" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Kaelbchen.png 900w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Kaelbchen-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Kaelbchen-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jeder Landwirtschaftsbetrieb muss mit den gegebenen Faktoren Fläche und Futter sowie mit den individuellen Faktoren Tiergenetik und Vermarktung ein tragfähiges landwirtschaftliches System aufbauen. </figcaption></figure>



<p>Die wichtigste Erkenntnis dieser Recherche-Reise rund um den Bodensee: Es gibt keine Strategie, die für jeden Hof aufgeht. Jeder Betrieb muss sein eigenes «Erfolgsrezept» entwickeln.</p>



<p>Wettbewerbsfähigkeit kann mit Demeter erreicht werden, mit Hochleistungs-Milchkühen, in der Nische der Rindermast oder mit Skaleneffekten und High-Tech. Aber es braucht immer zusätzliche Wertschöpfung durch einen Hofladen, ein Hofcafé oder die Energieproduktion.</p>



<p>__________________<br><em>Dieser Beitrag erschien im Newsletter <a href="https://www.food-revolution.info" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Food Revolution»</a> des Agrarjournalisten Jürg Vollmer. Übernahme mit freundlicher Genehmigung.</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



<h2 class="wp-block-heading"></h2>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Freihandelsabkommen: Die unheilige Allianz der Protektionisten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/freihandelsabkommen-die-unheilige-allianz-der-protektionisten/</link>
					<pubDate>Sat, 11 Jul 2026 08:27:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711063</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="165" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-10.15.41-300x165.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Mercosur Abkommen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-10.15.41-300x165.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-10.15.41-768x422.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-10.15.41.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das Abkommen mit dem Mercosur ist hochgradig gefährdet. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Das Parlament und die Verbände produzieren derzeit wirtschaftspolitischen Stillstand. Wir erleben eine unheilige Allianz von Protektionisten im bäuerlichen und im linksgrünen Lager gegen die Freihandelsabkommen (FHA) mit Malaysia, mit dem Mercosur und wohl bald auch mit Vietnam oder dem revidierten China-Abkommen. Betroffen von der Blockade ist meist nicht nur die Schweiz, sondern die ganze Efta-Verhandlungsgruppe, die auch Norwegen, Liechtenstein und Island umfasst.</p>



<p>Neue Freihandelsabkommen (FHA) sind beim Volk eine sensible Sache, besonders wenn es um unsere Nahrung und Ernährung geht. Pro memoria: Das FHA mit Indonesien ist 2021 mit nur 51,6 Prozent Ja-Stimmen durchgeschlüpft – und dies nur deshalb, weil Bundesrat Guy Parmelin zuvor beim Palmöl eine Deklarationspflicht mit Kontrollmonitoring eingeführt hatte.&nbsp;</p>



<p><strong>Referendum gegen Malaysia-Freihandelsabkommen wurde provoziert</strong>.</p>



<p>In der letzten Parlamentssession wurde das FHA der Efta-Staaten mit Malaysia in der Schlussabstimmung angenommen. Doch schon gleichentags kündete eine Umweltallianz das Referendum an. Ein SP-Antrag zur Rettung des FHA war zuvor&nbsp; gescheitert. Er zielte darauf ab, mit einer flankierenden, internen Verordnung Importprodukte aus Zwangsarbeit zu verhindern. Angeblich sind in Malaysia sechs Prozent der Beschäftigten einem Zwangsarbeitssystem unterworfen. Diese Importrestriktion wäre kompatibel, zumal USA, UK und EU eine solche Regel auch anwenden. Ausgerechnet US-Präsident Trump hatte ja kürzlich im Zollstreit von der Schweiz ein Importverbot von Produkten aus Zwangsarbeit gefordert. Die Bürgerlichen hatten keine Sensibilität für dieses Soft-Law-Anliegen. Sie provozierten mit ihrer Ablehnung des SP-Rettungsantrags geradezu ein Referendum gegen dieses Abkommens. Nun müssen sie sich für einen Referendumskampf, der vermeidbar gewesen wäre, rüsten.</p>



<p><strong>Retttungsversuch des Mercosur-Abkommens</strong></p>



<p>Viel gewichtiger ist das FHA der Efta-Staaten mit dem Mercosur, der die Märkte von Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay umfasst. Auch dieses FHA ist von mehreren Seiten gefährdet. In der ersten Gesamtabstimmung wurde es im Nationalrat mit 96 zu 86 Stimmen (vorläufig) abgelehnt. Dies ist ein bedrohliches Wetterleuchten für eine Volksabstimmung, bei der es um emotionale Trigger wie Tropenwaldschutz, Tierwohl und Fleischimporte geht.&nbsp;</p>



<p>Der Ständerat hat nun die Gelegenheit, dieses Abkommen mit flankierenden Massnahmen zu retten. Die EU hat ihr FHA mit dem Mercosur vorläufig schon in Kraft gesetzt und gleichzeitig flankierend eine Entwaldungs-Verordnung eingebaut, sowie auch hier das Importverbot bei Zwangsarbeit angewendet (wobei der Europäische Gerichtshof noch das letzte Wort sprechen wird).&nbsp;</p>



<p>Der Nationalrat lehnte nach massivem Lobbying von Economiesuisse und Swissmem die beiden Forderungen betreffend Zwangsarbeit und Tropenwaldschutz ab. Die Unterlegenen im linksgrünen Lager signalisierten ein Einlenken bei der Realisierung dieser zwei EU-kompatiblen Forderungen. Es bedeutete bloss eine parallele Rahmenbedingung, wie sie die EU ausgehandelt hatte.</p>



<p>Einige Vernünftige in der ständerätlichen Kommission wollen nun versuchen, das absturzgefährdete Mercosur-Abkommen zu retten. Man sagt, dass die Ständeräte Benedikt Würth (Mitte) und Damian Müller (FDP) zusammen mit Staatssekretärin Helene Budliger (Seco) an der Formulierung eines Importverbots gegen Produkte aus Zwangsarbeit arbeiten. Wie gewohnt, wird ein solches Entgegenkommen vom ultraliberalen Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher, noch bevor es steht, schlecht geredet und abgelehnt.</p>



<p><strong>Provokation des Bauernverbands gegen Mercosur</strong></p>



<p>Doch die Gegnerschaft gegen das FHA mit dem Mercosur wird auch durch eine geradezu provokative Bedingung durch den Schweizerischen Bauernverband verdoppelt. Dieser fordert eine Bundesentschädigung von sage und schreibe 880 Millionen Franken für die nächsten acht Jahre. Dies, obschon die Ertragseinbusse für die Landwirte nach Behördenschätzung auf nur 1,6 Millionen Franken ermittelt worden ist. </p>



<p>Ohne diese «Abgeltung» würde der Bauernverband, so SBV-Präsident Ritters Drohung, das Abkommen bekämpfen. Die Steuerzahler sollen auch das zahlen. Dieses FHA mit dem Mercosur erlaubt aber bloss einen zusätzlichen Fleischimport in die Schweiz von nur 4400 Tonnen (wovon 1000 Tonnen Poulet) oder bloss 2 Prozent des ganzen schweizerischen Fleischkonsums. Der Ständerat wird sich sicher auch mit dieser erneuten bäuerlichen Entschädigungserpressung auseinandersetzen müssen. Denn auch die 880 Millionen Zusatzsubvention wären ein Negativargument bei den Konsumenten.</p>



<p><strong>Industrielle Fleischproduktion in der Schweiz mit Futtermittelimporten&nbsp;</strong></p>



<p>Jahr für Jahr importiert die Schweizer Fleischwirtschaft mehr Tierfutter für ihre Fleischproduktion. Letztes Jahr waren es sage und schreibe 1,4 Millionen Tonnen Futtermittel (Futtergetreide, Soya, Ölsaaten-Presskuchen und andere Futtermittel, ohne Heu) wovon auch riesige Mengen aus Lateinamerika. Dennoch wirbt der Fleischverband «Proviande» mittels Bundessubventionen fast täglich im Fernsehen mit natürlichen Weidekühen und gackernden Hühnern für «Schweizer Fleisch» – eine unlautere Werbung mit Steuergeldern! </p>



<p>Das Mercosur-Abkommen ist durch diese mehrseitigen Kritiken hochgradig gefährdet. Der Zürcher Tierschutzbund startete bereits seine Negativkampagne mit wüsten Aufnahmen von Feedlots (Mastfeldern) aus Uruguay, die von Fernsehen und Radio «SRF» vorbehaltlos übernommen wurden. Dies ist reine verbandliche Stimmungsmache, denn in Uruguay wird noch grossmehrheitlich Weidefleisch produziert, 17 Prozent der Weidemast-Rinder werden für die Endmast in dreckigen Feedlots nachgefüttert. Diese Nachfütterung soll das Fleisch fettdurchzogener und für den Grill &#171;saftiger&#187; machen.</p>



<p><strong>Freihandel erfordert flankierende Schutzmassnahmen</strong></p>



<p>Warum hatte der Bundesrat nicht schon früh auf eine Deklarationspflicht für Weidefleisch gesetzt? Warum hat er kein Kontrollmonitoring vorgesehen? Solche Transparenzmassnahmen würden die Konsumenten beruhigen.</p>



<p>Der Bund muss sich bewegen. Der Freihandelsdogmatismus von Economiesuisse und Swissmem ist am Scheitern. Denn die Konsumentensensibilität hat sich im Zeichen des globalen Handels verschärft und erfordert mehr Transparenzregeln. Dies manifestierte sich auch beim Mercosur-Abkommen in der EU. Das ist bei unsern Verbandsfunktionären noch nicht angekommen.&nbsp;</p>



<p>Die Handelspolitik des Seco ist gefordert. Neue Freihandelsabkommen, die nach der Maxime «Trade not Aid» heute wichtig sind, erfordern zur Sicherung von Abstimmungschancen flankierende soziale oder globalökologische Begleitmassnahmen. Mit den heutigen inländischen Blockaden bei Freihandelsverhandlungen wird die Schweiz sonst ihren bisherigen Lead im Efta-Verbund verlieren.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/mercosur-abkommen-bauern-und-gruene-gefaehrden-den-freihandel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mercosur-Abkommen: Bauern und Grüne gefährden den Freihandel</a>, Infosperber vom 30.7.2025</li><li>Weitere Artikel von Rudolf Strahm:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/author/rudolf-strahmbluewin-ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bitte hier klicken</a>.</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/proviande-darf-weiter-wursteln/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Proviande darf weiter wursteln</a>, Infosperber vom 9.4.2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Red. – Dies ist ein Gastbeitrag von Rudolf Strahm. Er war Preisüberwacher und SP-Nationalrat. Sein Artikel erschien zuerst in der «<a href="https://www.handelszeitung.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Handelszeitung</a>». Infosperber veröffentlicht eine aktualisierte und leicht ergänzte Fassung.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Das Spiel: Lustiges aus Papier gestalten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/das-spiel-lustiges-aus-papier-gestalten/</link>
					<pubDate>Sat, 11 Jul 2026 08:25:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711435</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Reiss-aus-H-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Reiss aus H" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Reiss-aus-H-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Reiss-aus-H-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Reiss-aus-H.jpg 886w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Während der heissen Sommertage darf es spielerisch beim kreativen Gestalten mit Papier auch mal gemütlicher zu- und hergehen. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="504" height="504" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png" alt="Patrick Jerg" class="wp-image-637819" style="width:200px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png 504w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-300x300.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px" /><figcaption class="wp-element-caption">Patrick Jerg</figcaption></figure>



<p>Ein kleines Blatt Papier genügt, um über mehrere Spielrunden für spannende und humorvolle Unterhaltung zu sorgen. Autor Ralf zur Linde ist einer der Kreativsten in der Branche. Es gibt keine Idee, die er nicht verfolgt, keinen Ansatz, den er nicht versucht, kreativ weiterzuentwickeln. Dadurch hat schon manche verrückte Spielidee den Weg an die Öffentlichkeit gefunden. &#171;Reiss aus&#187; zähle ich da auch dazu. Zu Beginn erhalten alle ein kleines Blatt Papier, in der Form, wie man es auch für Einkaufszettel nutzt, dazu einen Satz Zahlenkarten für die Raterunde.</p>



<p>Über vier Spielrunden betätigt man sich zuerst kreativ, bevor man die entstandenen Kunstwerke zuordnet. Für alle Personen gilt dieselbe Begriffskarte, auf der man sechs Begriffe findet, die einer Zahl zugeordnet sind. Ganz geheim ziehen alle eine Zahlenkarte und erhalten dadurch ihren persönlichen Begriff zugeteilt. Damit startet die kreative Phase. Mit dem eigenen Blatt Papier versucht man, den eben erhaltenen Begriff zu gestalten. Dazu darf man das Papier reissen, knüllen, drehen, biegen &#8211; einfach alles, was sich mit den Händen machen lässt. Hilfsmittel sind nämlich nicht erlaubt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie sieht es aus?</h2>



<p>So ein Kunstwerk darf auch aus mehreren Teilen bestehen. Trotzdem sollte man sorgfältig agieren. Das kleine Stück Papier muss über sämtliche vier Spielrunden reichen. Die bearbeiteten Papierteile präsentiert man auf einer etwas dickeren Leinwand, so dass der gewünschte Gegenstand hoffentlich erkennbar ist. Wer fertig ist mit seinem Werk, nimmt sich den Zeitstein mit dem grössten Wert vom Tisch. Die Zeitsteine sind eine Art Timer. Liegen keine mehr aus, endet die aktuelle Spielrunde.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="329" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Reiss-aus-2.jpg" alt="Reiss aus 2" class="wp-image-711431" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Reiss-aus-2.jpg 640w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Reiss-aus-2-300x154.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Reiss aus»</figcaption></figure>



<p>Danach wechselt das Spiel in die Raterunde. Was haben die Mitspielenden gestaltet? Mit den eigenen Zahlenkarten legt man seine Vermutung verdeckt neben die einzelnen Bilder. Wer gerne einmal mitraten will: Was ist auf dem Bild oben zu sehen? Die Begriffe gleichen sich häufig, das macht das Gestalten und Raten nicht einfacher. Dafür steigt die Spannung und das Auflösen der einzelnen Kunstwerke wird zu einem grossen Ereignis mit Überraschungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Sieg nach Punkten</h2>



<p>Am Ende gibt es Punkte für das korrekte Raten, aber auch die Gestalterinnen und Gestalter erhalten Punkte, wenn ein Kunstwerk erkannt wurde. Sind sogar sämtliche Zahlenkarten an einem Bild richtig, erhält man noch die Punkte auf dem Zeitstein als Bonus. Und so lohnt es sich eben auch, eine etwas schnellere Lösung beim kreativen Prozess anzustreben, solange sie noch gut erkannt wird.</p>



<p>Am Ende einer Spielrunde legt man das gebrauchte Papier in den Schachteldeckel. Es darf in den weiteren Runden von allen erneut verwendet werden. Das spart unter Umständen Zeit beim Gestalten.<br>&#171;Reiss aus&#187; ist ein lockeres, leichtes Spiel für sämtliche Generationen. Ob nun richtige Kunstwerke entstehen oder der Minimalismus ausgelebt wird, spätestens beim Raten amüsiert man sich prächtig und erlebt seine eigenen Aha-Momente. Die Lösung des Bildes oben lautet übrigens: &#171;4 Langbogen&#187;.</p>



<p>____________________</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="454" height="640" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Reiss-aus.jpg" alt="Reiss aus" class="wp-image-711429" style="width:150px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Reiss-aus.jpg 454w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Reiss-aus-213x300.jpg 213w" sizes="auto, (max-width: 454px) 100vw, 454px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Reiss aus»</figcaption></figure>



<p><strong>Reiss aus</strong><br><br>Ein Ratespiel von Ralf zur Linde<br>Illustrationen: Svetlana Kalyuzhnaya<br><br>Für 2 bis 6 Personen<br>Ab 7 Jahren | 20 Minuten<br>Verlag: Denkriesen | ca. 22 Fr. / 21 Euro</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Patrick Jerg betreibt seit 15 Jahren die Webseite </em><a href="http://www.brettspielblog.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">brettspielblog.ch</a><em> und veröffentlicht regelmässig Spielkritiken über Brett- und Kartenspiele.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die US-Bevölkerung dürfte dieses Jahr zum ersten Mal abnehmen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/die-us-bevoelkerung-duerfte-dieses-jahr-zum-ersten-mal-schrumpfen/</link>
					<pubDate>Fri, 10 Jul 2026 08:31:53 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=709585</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_619150006_Lb-e1782830761454-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_619150006_Lb" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_619150006_Lb-e1782830761454-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_619150006_Lb-e1782830761454-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_619150006_Lb-e1782830761454-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_619150006_Lb-e1782830761454.jpg 1177w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Zahl der Einwanderer geht zurück, dafür wandern mehr Menschen aus. Wer geht, ist oft liberaler gesinnt. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><br>Bald wissen wir es genau: Zu ihrem 250. Geburtstag könnten die die Vereinigten Staaten erstmals seit vielen Jahren schrumpfen. Die <a href="https://www.multpl.com/united-states-population/table/by-month" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bevölkerungsstatistik</a>, die jeweils zum 1. Juli verglichen wird, zeigt bis zum 1. Dezember 2025 kaum noch Wachstum.</p>



<p>Eine der Ursachen: Migration. Nach einer im Januar veröffentlichten Studie der Denkfabrik <a href="https://www.brookings.edu/articles/macroeconomic-implications-of-immigration-flows-in-2025-and-2026-january-2026-update/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Brookings Institution</a> verliessen 2025 erstmals seit wenigstens 50 Jahren mehr Menschen die USA als zuwanderten. Dieser Trend werde sich 2026 sehr wahrscheinlich fortsetzen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="749" height="587" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Brookings-Wanderung-USA-Jan-25.png" alt="Brookings Wanderung USA Jan 25" class="wp-image-709591" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Brookings-Wanderung-USA-Jan-25.png 749w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Brookings-Wanderung-USA-Jan-25-300x235.png 300w" sizes="auto, (max-width: 749px) 100vw, 749px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die USA hatten 2025 erstmals nach sehr vielen Jahren einen negativen Wanderungssaldo. </figcaption></figure>



<p>Der Wanderungssaldo lag demnach bei <a href="https://www.brookings.edu/articles/macroeconomic-implications-of-immigration-flows-in-2025-and-2026-january-2026-update/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">minus 10’000 bis minus 295’000 Personen</a>. Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln, weil die USA keine Meldepflicht kennen. Einige Medien verwendeten den Mittelwert und berichteten von 150’000 Personen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mexiko, Kanada, Grossbritannien: Wohin die US-Auswanderer gehen</h2>



<p>Wenigstens 180’000 US-Amerikaner:innen hätten 2025 das Land verlassen, meldete das «Wall Street Journal» (<a href="https://www.wsj.com/us-news/americans-leaving-the-us-migration-a5795bfa">WSJ</a>) im Februar und titelte «Amerikaner verlassen die USA in Rekordzahl». Der Artikel basierte auf Einwanderungsdaten von 15 Ländern. Demnach strömten so viele US-Amerikaner:innen die in die EU-Länder wie seit Langem nicht mehr. In Irland habe sich die Zahl der Einwander:innen aus den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr verdoppelt.</p>



<p>Eine grosse Gruppe verlässt das Land wegen des oft gewaltsamen Vorgehens gegen Migranten. Das US-Innenministerium führt laut dem «Guardian» 675’000 Menschen auf, die 2025 deportiert wurden und 2,2 Millionen, die die USA im vergangenen Jahr freiwillig verliessen – darunter vermutlich auch US-Bürger:innen, die Angehörige begleiteten.</p>



<p>Allein 50&#8217;000 US-Amerikaner:innen sind nach mexikanischen Angaben in das beliebteste Auswanderungsland Mexiko eingewandert. Weitere bevorzugte Zielländer sind Kanada und Grossbritannien – vermutlich wegen der räumlichen Nähe, aus sprachlichen, aber auch aus familiären Gründen: Viele US-Amerikaner haben europäische Wurzeln, was eine Einbürgerung erleichtert.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Attraktivität der USA nimmt ab</h2>



<p>Gleichzeitig wurden die USA als Zuwanderungsland unattraktiver. Im November 2025 meldete das <a href="https://www.tagesschau.de/inland/studie-usa-auswandern-urlaub-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Statistische Bundesamt in Deutschland</a> beispielsweise, dass bis Ende September mehr US-Bürger:innen nach Deutschland eingewandert seien als Deutsche in die USA auswanderten.</p>



<p>Laut <a href="https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/Publikationen/Downloads-Migration/statistischer-bericht-auslaend-bevoelkerung-2010200257005.html?templateQueryString=zuz%C3%BCge+aus+den+usa+2025" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Destatis</a> lebten Ende 2025 insgesamt 118’130 US-Amerikaner:innen in Deutschland, rund 2000 weniger als Ende 2024 und etwa 4000 weniger als 2023. Im vergangenen Jahr wanderten aber weniger deutsche Staatsbürger:innen <a href="https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2026/PD26_24_p002.html?templateQueryString=zuz%C3%BCge+aus+den+usa+2025" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in die USA aus</a> als in den Jahren davor.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="621" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-17-02-38-Statistisches-Bundesamt-Mehr-Zuzuege-aus-den-USA-als-umgekehrt-tagesschau.de_.png" alt="Screenshot 2026-06-29 at 17-02-38 Statistisches Bundesamt Mehr Zuzüge aus den USA als umgekehrt tagesschau.de" class="wp-image-709601" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-17-02-38-Statistisches-Bundesamt-Mehr-Zuzuege-aus-den-USA-als-umgekehrt-tagesschau.de_.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-17-02-38-Statistisches-Bundesamt-Mehr-Zuzuege-aus-den-USA-als-umgekehrt-tagesschau.de_-300x248.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das kam allerdings schon öfter vor: In den ersten neun Monaten 2025 wanderten weniger Deutsche in die USA aus als US-Amerikaner zuzogen. </figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Zwei von fünf jungen Frauen würden gehen</h2>



<p>In den USA leben 343 Millionen Menschen. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sind das also kleine Zahlen. Nach Umfragen würde aber jeder Fünfte das Land dauerhaft verlassen, wenn er könnte.</p>



<p>Bei den Frauen sind es sogar noch mehr: Nach einer <a href="https://news.gallup.com/poll/697382/record-numbers-younger-women-leave.aspx" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gallup-Umfrage</a> würden zwei Fünftel (40 Prozent) der jungen Frauen von 15 bis 44 Jahren auswandern, wenn sich eine Gelegenheit böte, aber nur halb so viele Männer (19 Prozent). Ein solcher Gender-Gap sei selten, schreibt Gallup. In vergleichbaren OECD-Ländern sei der Anteil junger Frauen nur halb so hoch.</p>



<p>Einer der Gründe sind die in den USA in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Lebenshaltungskosten und die vergleichsweise hohe Inflation. Europa, so die Wahrnehmung, sei günstiger (was nicht immer stimmt) und die Lebensqualität höher. Dazu kommt laut WSJ die wachsende Verbreitung des Arbeitens von zu Hause aus, was den Umzug erleichtere.</p>



<p>Dienstleistungsunternehmen, die US-Bürger:innen dabei helfen, eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung oder Staatsbürgerschaft in einem anderen Land zu erlangen, bekommen so viele Anfragen wie nie. Der grösste Teil der auswanderungswilligen Reichen führe «politische Gründe» an, schreibt <a href="https://www.cnbc.com/2026/05/17/americans-are-leaving-the-united-states-in-record-numbers-spending-hundreds-to-learn-how.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«CNBC»</a>, das sich bei einer Agentur namens Expatsi erkundigt hatte. Dort bemühten sich vor allem eher wohlhabende Einzelpersonen oder Paare um den Umzug ins Ausland und gäben dafür «hunderte Dollar» aus.</p>



<p>Die wirklich Reichen gehen einen anderen Weg: In wenigstens der Hälfte aller Länder weltweit kann die Einbürgerung sehr schnell gehen, wenn der Zuwanderer dort Geld investiert. Oder die Staatsbürgerschaft lässt sich direkt kaufen. Nach Daten der UBS hätten von 87 Milliardärskunden im vergangenen Jahr 31 wenigstens einmal ihren Wohnsitz verlegt, schreibt der «Guardian»</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erleben die USA einen «Democracy Drain»?</h2>



<p>Potenzielle Auswanderer:innen seien nach allem, was die Wissenschaft über sie wisse, in der Regel aufgeschlossener, unternehmungslustiger und jünger als die Durchschnittsbevölkerung, schreibt der Migrationswissenschaftler Justin Gest in einem <a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2026/jun/14/democracy-supporters-migration" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Guardian»-Kommentar</a>. Gest ist mehrfach ausgezeichneter Autor mehrerer Bücher zum Thema. Er lehrte und lehrt an mehreren grossen Hochschulen. </p>



<p>Migrant:innen seien meist besser ausgebildet und wohlhabender, führt er auf. Viele der US-Auswanderer seien Wissenschaftler:innen. Bei einigen erregte der Umzug grössere Aufmerksamkeit. Der Historiker Timothy Snyder und seine Frau, die ebenfalls Historikerin ist, lehren beispielsweise inzwischen im kanadischen Toronto.</p>



<p>Die Frage sei daher nicht so sehr, wie viele gehen, sondern wer geht, schreibt Gest und formuliert eine interessante These: Neben einem «Brain Drain» drohe den Vereinigten Staaten der Verlust eher liberaler, demokratisch gesinnter und engagierter junger Menschen – ein «Democracy Drain» sozusagen. Oder «<a href="https://www.michaelsbund.de/product/9781009726917-democratic-drain.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Democratic Drain</a>» – der Titel von Gests <a href="https://keenon.substack.com/p/down-the-democratic-drain" target="_blank" rel="noreferrer noopener">jüngstem Buch</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kreislauf aus Emigration und autoritärer Regierungsführung</h2>



<p>Nach Gests Beobachtungen «ordnen» sich Migranten demokratischeren Länder zu. Sie seien häufiger liberal oder politisch eher links eingestellt. Das erscheint nachvollziehbar – wer ins zumindest teilweise Unbekannte aufbricht, legt häufig Wert auf funktionierende Institutionen und demokratische Strukturen.</p>



<p>US-Auswanderern liege eine lebendige Demokratie mehr am Herzen als jenen, die blieben, folgert Gest. Seine Forschung lege nahe, dass sich Auswander:innen stärker für die Integrität liberal-demokratischer Institutionen einsetzten. Gerade diese Menschen würden dem Land künftig schmerzlich fehlen. Je mehr junge, liberale Menschen gingen, desto konservativer, wenn nicht autoritärer, könnte das Land werden.</p>



<p>Ein paar hunderttausend Menschen sind gemessen an der Gesamtbevölkerung der USA keine riesige Zahl. Bedenke man, dass in manchen Wahlkreisen bereits einige tausend Stimmen über den Ausgang einer Wahl entscheiden können, sei diese Entwicklung keineswegs bedeutungslos, argumentiert Gest. Die USA könnten sich im schlimmsten Fall in eine Gruppe von Ländern einreihen, in denen sich Emigration und autoritäre Regierungsführung gegenseitig verstärken. Als Beispiele nennt er Ungarn, Indien, Israel und die Türkei.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-migration-citizens-moving-abroad-b2928252.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">A record number of Americans are moving overseas</a> – The Independent am 26. Februar 2026</li><li><a href="https://news.gallup.com/poll/697382/record-numbers-younger-women-leave.aspx" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Record Numbers of Younger Women Want to Leave the U.S.</a> – Gallup am 13. November 2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/1c2d3cbe1965494a9672c4901c8b6e19" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Ist das für einen Toten oder gräbst du nach Öl?»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/europa/ist-das-fuer-einen-toten-oder-graebst-du-nach-oel/</link>
					<pubDate>Fri, 10 Jul 2026 08:31:14 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711199</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-17.26.48-e1783439109979-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Cartoon Hermann" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-17.26.48-e1783439109979-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-17.26.48-e1783439109979-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-17.26.48-e1783439109979-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-17.26.48-e1783439109979-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-07-um-17.26.48-e1783439109979.png 1622w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Russland in Schwierigkeiten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die «Invalidenversicherung» gibt es auch nach 66 Jahren noch</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-invalidenversicherung-gibt-es-auch-nach-66-jahren-noch/</link>
					<pubDate>Fri, 10 Jul 2026 08:29:58 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=709629</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="snapshot23" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23-1536x923.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23.png 1604w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Manches soll man nicht mehr sagen, manches darf man nicht mehr sagen. Und ausgerechnet die «Invalidenversicherung» überlebt.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Es ist schon verrückt, was man alles nicht mehr sagen soll. Nur ein Beispiel: «schwarzfahren». Kürzlich las ich in der Zeitung: «Der Begriff ‹schwarzfahren›» werde als «potenziell diskriminierend» betrachtet. Besser sage man: «Reisen ohne ÖV-Billett».</p>



<p>Der Begriff ist nicht «diskriminierend». Nicht einmal «potenziell». Er hat nämlich mit der Hautfarbe nichts zu tun. Die meisten Sprachwissenschaftler vermuten, dass das Wort aus der deutschen Gaunersprache, dem Rotwelschen stamme.</p>



<p>Dort existiert das Wort «schwärzen» für «schmuggeln». Der Grund: Schmuggler haben sich das Gesicht geschwärzt, um nicht erkannt zu werden. Zudem haben sie ihre Tätigkeit vorzugsweise im Dunkeln, im Verborgenen verrichtet. Wörter wie «Schwarzarbeit», «Schwarzmarkt» oder «Schwarzbrenner» dürften den gleichen Ursprung haben.</p>



<p>Trotzdem gibt es Bemühungen, das Verb «schwarzfahren» und das Substantiv «Schwarzfahrer» zu tilgen. Es existiert sogar eine <a href="https://www.marialinares.com/schwarzfahrerin/?pageno=2#propuestas" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Website</a>, auf der nach einer Alternative fürs Wort «Schwarzfahrer» gesucht wird. Der gegenwärtige Favorit: «Beförderungserschleicher:in».</p>



<p>Eigentlich erstaunlich, dass man sich damit aufhält. Wo es doch Wörter gibt, die wirklich menschenverachtend sind. «Invalidenversicherung» zum Beispiel. «Invalid» heisst – genau übersetzt – «wertlos» oder «ungültig».</p>



<p>Die IV heisst seit 1960 Jahren so. Also seit 66 Jahren. Der Name ist zwar nicht ganz unbestritten. Die damalige EVP-Nationalrätin Marianne Streiff nahm 2016 mit einer <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20103699">Motion</a> einen Anlauf zur Umbenennung. Doch der versandete.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="615" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23-1024x615.png" alt="snapshot23" class="wp-image-709643" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23-1536x923.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot23.png 1604w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Heisst seit 1960 so: die «Invalidenversicherung».</figcaption></figure>



<p>Denn zuerst meldete der Bundesrat seine Bedenken an: «Eine neue Terminologie zöge eine Änderung der Bundesverfassung (was eine Volksabstimmung zur Folge hätte) und verschiedener Bundesgesetze nach sich.»</p>



<p>Und: «Es müssten zahlreiche internationale Vereinbarungen über soziale Sicherheit angepasst und neu verhandelt werden. Ein solch erheblicher administrativer Aufwand stünde in keinem Verhältnis zur erhofften Verbesserung.»</p>



<p>Der Nationalrat schob die Motion auf die lange Bank. Schliesslich schrieb er sie ab, da er sie nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist von zwei Jahren behandelt hatte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/newsletter/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="48" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen.png" alt="Newsletter Balken grün" class="wp-image-590037" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen-300x19.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Immer wieder tauchen neue Begriffe auf: «Behinderte», «Beeinträchtigte», «Handicapierte», «Menschen mit Behinderungen», «mit Beeinträchtigungen», «mit besonderen Bedürfnissen», «mit besonderen Talenten» oder sogar «Menschen mit Special Effects». Aber die «Invalidenversicherung» bleibt.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=nWnSv0MMTns" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der oscarprämierte Kurzfilm zum Thema</a></li><li><a href="https://www.youtube.com/watch?v=rZkSXeUVzUg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die gekürzte Version davon</a></li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Broschuere.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Sprache ist verräterisch», eine Broschüre von agile.ch</a></li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/298bd17bd60b450c807b79581e194ac7" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die KI säuft unser Trinkwasser</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/die-ki-saeuft-unser-trinkwasser/</link>
					<pubDate>Thu, 09 Jul 2026 08:41:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/photo_2026-07-06-11.20.11-e1783330335305-300x180.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="photo_2026-07-06 11.20.11" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/photo_2026-07-06-11.20.11-e1783330335305-300x180.jpeg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/photo_2026-07-06-11.20.11-e1783330335305-1024x614.jpeg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/photo_2026-07-06-11.20.11-e1783330335305-768x461.jpeg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/photo_2026-07-06-11.20.11-e1783330335305.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein Dorf, ein Rechenzentrum, ein geräumtes Protestcamp und eine Verwandlung des Landes, die nie beschlossen wurde, nur bewilligt.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Ein paar Zelte in Benken im Zürcher Weinland, aufgeschlagen, um gegen ein KI-Rechenzentrum zu protestieren, das im nahen Beringen entsteht, vergangenen Freitag von der Kantonspolizei Zürich geräumt, einen Tag später wieder aufgebaut, in Tengen, auf deutschem Boden, wenige Kilometer hinter der Grenze, wie die Gruppierung «Aufstände der Allmende» am Samstag <a href="https://www.watson.ch/schweiz/schaffhausen/795523250-protest-gegen-ki-rechenzentrum-beringen-aktivisten-verlegen-camp" target="_blank" rel="noreferrer noopener">mitteilte</a>: Der Protest findet im Ausland statt, der Bau geht weiter. Auf einem Kartonschild, das eine Demonstrantin in die Kameras hielt, stand: «Kein Trinkwasser für Techoligarchen». </p>



<p><strong>36 Megawatt, drei Monate</strong></p>



<p>In Beringen baut das US-Unternehmen «Stack Infrastructure» eine Anlage mit 36 Megawatt Leistung, die dereinst so viel Strom verbrauchen wird, wie drei Viertel dessen, was der ganze Kanton Schaffhausen im Jahr 2022 benötigte, so hat es <a href="https://www.srf.ch/news/wirtschaft/digitale-infrastruktur-stille-stromfresser-immer-mehr-rechenzentren-in-der-schweiz" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SRF Data recherchiert</a>. Eine Anlage also, wie es weiter in dem Bericht heisst, «die den Strombedarf des Kantons um rund 70 Prozent steigern dürfte».</p>



<p>Bewilligt wurde sie in drei Monaten. Für Nationalstrassen, Flughäfen, grosse Kraftwerke, Deponien schreibt der Bund eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Rechenzentren aber kommen im Anhang der massgeblichen <a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1988/1931_1931_1931/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verordnung</a>, der die prüfpflichtigen Anlagen abschliessend auflistet, gar nicht vor – eine Lücke, auf die die NGO Algorithm Watch <a href="https://algorithmwatch.ch/de/recherche-rechenzentren-schweiz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in einer Recherche</a> hingewiesen hat. Die Maschinen, die unter anderem unsere Zukunft berechnen, fallen durch die Raster unserer Gegenwart.</p>



<p><strong>Ein Ofen, den keiner will</strong></p>



<p>Der Beringer Gemeinderat bewilligte für das Rechenzentrum 55 000 Kubikmeter Wasser pro Jahr, also 150’000 Liter Trinkwasser pro Tag – beantragt war das Sechsfache gewesen. Und ob das reicht, entscheidet letztlich das Wetter: Die Anlage hängt am öffentlichen Trinkwassernetz, am selben Netz also wie die Haushalte. In einem heissen Sommer brauchen die Server am meisten Kühlwasser.</p>



<p>Und ein heisser Sommer ist meist auch ein trockener: Dann sinken die Quellen und Grundwasserspiegel, aus denen das Trinkwasser kommt. Es wird knapp für alle. Die Server aber laufen rund um die Uhr, abstellen ist keine Option. Also müsste die Gemeinde noch tiefer ins schrumpfende Grundwasser greifen. Oder Wasser bei anderen Gemeinden zukaufen. Wasserknappheit? Kein Problem. Hauptsache, wir können die KI fragen, was wir bei Wasserknappheit tun müssen.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot.png" alt="Spendenbalken rot" class="wp-image-699995" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Und was geschieht mit all der Hitze, die das Kühlwasser aus der Halle führt? Ein Rechenzentrum ist auch ein Ofen. Fast der ganze Strom, der hineinfliesst, wird zu Wärme – 36 Megawatt, die irgendwohin müssen. Man könnte damit Stuben heizen, Schulen, ganze Quartiere, oder man bläst sie in den Himmel. In Beringen war der Bau bewilligt, bevor jemand wusste, wohin damit. Dann kam eine <a href="https://www.srf.ch/news/wirtschaft/digitale-infrastruktur-stille-stromfresser-immer-mehr-rechenzentren-in-der-schweiz" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a> des Bundesamts für Energie (BFE): Weil es an Leitungen und Abnehmern fehlte, hätten sich nur dreissig Prozent der Wärme lokal nutzen lassen. Der Rest verpufft. Inzwischen wird nachgebessert, ein unterirdischer Speichersee, Wärmepumpen, die Stadt Schaffhausen als Abnehmerin, 58 Millionen Franken teuer. Wer das bezahlt, wer zuständig ist, all das war zuletzt noch offen. So sieht Planung aus im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz: erst der Beton, dann die Fragen, dann die Rechnung.</p>



<p><strong>Ein Zentrum, das mehr Strom braucht als Lausanne</strong></p>



<p>Beringen ist kein Sonderfall. Rund 120 Rechenzentren stehen in der Schweiz, etwa zwanzig weitere sind im Bau. Mit über 13 Anlagen pro Million Einwohner gehört das Land zu jenen mit der weltweit höchsten Dichte, wie die «Bilanz» <a href="https://www.bilanz.ch/unternehmen/rechenzentren-erklaert-standort-schweiz-stromverbrauch-und-warum-sie-noetig-sind/1nj8c7n" target="_blank" rel="noreferrer noopener">berichtet</a>. 2024 verschlangen die Zentren 2,1 Terawattstunden, also 3,6 Prozent des Schweizer Stroms. Adrian Altenburger, Professor an der Hochschule Luzern und Autor der massgeblichen BFE-Studie, schätzt den Anteil gegenüber SRF heute bereits auf sechs bis acht Prozent und hält bis 2030 bis zu fünfzehn Prozent für möglich. Das wäre mehr, als der gesamte Kanton Zürich verbraucht. In Volketswil ist ein einziges Zentrum mit 100 Megawatt geplant, das offenbar mehr Strom <a href="https://algorithmwatch.ch/de/recherche-rechenzentren-schweiz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">benötigen wird</a> als die Stadt Lausanne.</p>



<p>Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich bauen zwischen 2014 und 2030 neun neue Unterwerke – jene Anlagen, die den Hochspannungsstrom aus dem grossen Netz auf die Spannung der Region heruntertransformieren. Sechs davon entstehen primär für Rechenzentren. Erst hat die Cloud diesen Hunger geweckt, dann die Verlagerung der Firmendaten zu Google, Microsoft, Amazon, jetzt vergrössert ihn die KI.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/photo_2026-07-06-11.19.57-1024x682.jpeg" alt="photo_2026-07-06 11.19.57" class="wp-image-710887" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/photo_2026-07-06-11.19.57-1024x682.jpeg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/photo_2026-07-06-11.19.57-300x200.jpeg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/photo_2026-07-06-11.19.57-768x512.jpeg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/photo_2026-07-06-11.19.57.jpeg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gegen ein paar Zelte im Zürcher Weinland hilft nur eines: ein Dutzend Polizistinnen und Polizisten und ein Diensthund. </figcaption></figure>



<p>Man kann nachrechnen, was Algorithm Watch gerechnet und beschrieben hat: Bis 2030, so will es das Energiegesetz, sollen in der Schweiz rund 2100 Gigawattstunden zusätzlicher erneuerbarer Strom entstehen. Jedes Solardach, jede Alpin-Anlage, jede Debatte um jedes Windrad, jede Abstimmung, jede Einsprache, jeder Kompromiss, all das, aufsummiert, ergibt diese eine Zahl. Die Rechenzentren aber könnten im selben Zeitraum über 4000 Gigawattstunden mehr verbrauchen.</p>



<p>Der gesamte Zubau der Energiewende, ein Gemeinschaftswerk, um das dieses Land seit Jahrzehnten ringt, wäre verzehrt, bevor er existiert. Denn dieser neue Strom hatte eine Aufgabe: Er sollte das Alte ersetzen – die Ölheizung durch die Wärmepumpe, den Benziner durch das Elektroauto. Kommt aber im selben Zeitraum ein neuer Verbraucher hinzu, der grösser ist als der ganze Zubau, dann ersetzt der neue Strom nichts mehr. Er füttert den Neuankömmling, und die Ölheizungen laufen weiter, ein Jahr länger, zwei Jahre, wer weiss. Die Rechenzentren nehmen den Wärmepumpen nicht den Strom weg, sondern der Energiewende ihr Tempo. Vorerst das Tempo. Denn niemand kann heute sagen, wo diese Kurve endet. Die Prognosen der Branche werden im Halbjahrestakt nach oben korrigiert, und jede Korrektur frisst ein weiteres Stück des Zubaus. Eine Wende, die langsamer wird und langsamer, während ihr Konkurrent sich verdoppelt: Ab welchem Punkt ist das noch eine Verzögerung, und ab welchem ein kompletter Stillstand? Der politische Streit darüber findet kaum statt. Ein Vorstoss hier, ein Bericht dort, die Debatte kriecht, aber die Branche rennt.</p>



<p><strong>Das Protestcamp als Seismograph</strong></p>



<p>Der Bundesrat <a href="https://www.admin.ch/de/newnsb/GBfrH3X9UxwNXkyBoKn5C" target="_blank" rel="noreferrer noopener">räumt</a> in einem Bericht von 2025 ein, er wisse gar nicht, welche KI-Modelle in der Schweiz überhaupt betrieben würden, geschweige denn, wie viel Strom sie verbrauchen würden. Er setzt auf Selbstregulierung und wartet auf eine Studie, die ihm erst einmal sagen soll, was in seinem eigenen Land geschieht. Wo die Fakten fehlen, bleibt der Politik der Streit über die Zuständigkeit, und der wird geführt: Die Grünen-Nationalrätin Marionna Schlatter sagt <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/digitalisierung-braucht-strom-stromfressende-rechenzentren-werden-in-der-schweiz-zum-politikum">gegenüber SRF</a>: «Wir haben ein riesiges Wachstum dieser sehr energie- und ressourcenintensiven Standorte in der Schweiz.» Schlatter fordert nationale Regeln für Strom, Wasser, Abwärme. Der Schaffhauser FDP-Ständerat Severin Brüngger hält dagegen, die Kantone seien in der Pflicht und hätten die Kompetenz, sein Kantonsrat habe ja eben erst die Abwärmenutzung für obligatorisch erklärt. Beide haben recht, und genau das ist vermutlich das Problem: Solange Bund und Kantone sich die Zuständigkeit zuschieben, entscheidet niemand über die Grundsatzfragen.</p>



<p>Die Aktivistinnen und Aktivisten – gestern Benken, heute Tengen – sind in dem Sinne Seismographen. Sie haben verstanden, was die Bewilligungsbehörden nicht prüfen mussten: dass die Cloud ein Körper ist, dass sie trinkt und heizt und Land frisst, dass jede Anfrage an eine Maschine irgendwo eine Turbine dreht. In den USA, berichtet die <a href="https://www.bilanz.ch/unternehmen/rechenzentren-erklaert-standort-schweiz-stromverbrauch-und-warum-sie-noetig-sind/1nj8c7n" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Bilanz»</a>, seien sich republikanische und demokratische Wähler im Widerstand gegen Rechenzentren ausnahmsweise einig. Folge die Schweiz diesem Beispiel, sei eine Nein-zu-Rechenzentren-Initiative absehbar.</p>



<p>Denn wer hat eigentlich beschlossen, dass dieses Land zum Serverstandort wird? Dass sein Strom, sein Wasser, seine Energiewende dieser einen Industrie den Vortritt lassen? Die Antwort ist: niemand. Es gab diesen Beschluss nie. Es gab nur Baugesuche, Gemeinde für Gemeinde. Beringen etwa: bewilligt in drei Monaten, von einer Baupolizei. Die Summe dieser Bewilligungen aber verändert das Land. Die Protestzelte dagegen stehen in Deutschland.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/das-rechenzentrum-ist-der-fabrikschlot-der-zukunft/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Rechenzentrum ist der Fabrikschlot der Zukunft</a>, Infosperber vom 8.6.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/energieproduktion/die-ki-ist-ein-stromfresser-trump-setzt-auf-fossile-energien/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die KI ist ein Stromfresser. Trump setzt auf fossile Energien</a>, Infosperber vom 13.12.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/eine-simple-frage-an-ki-verbraucht-unmengen-an-energie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eine simple Frage an KI verbraucht Unmengen an Energie</a>, Infosperber vom 13.10.2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/energieproduktion/microsoft-co-reaktivieren-krisenreaktor-von-harrisburg/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Microsoft &amp; Co. reaktivieren Atomreaktor von Harrisburg</a>, Infosperber vom 1.10.2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Fussballstars folgen frauenfeindlichen Frommen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/fundamentalismus/fussballstars-folgen-frauenfeindlichen-frommen/</link>
					<pubDate>Thu, 09 Jul 2026 08:33:34 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711259</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/FROMMER-JUBEL-e1783495705907-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="FROMMER JUBEL" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/FROMMER-JUBEL-e1783495705907-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/FROMMER-JUBEL-e1783495705907-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/FROMMER-JUBEL-e1783495705907-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/FROMMER-JUBEL-e1783495705907.png 1116w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Gebete und frommen Jubelgesten von Fussballern sind auch eine Demonstration gegen Gleichberechtigung. Die Fifa toleriert dies.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha sorgte an der Fussball-Weltmeisterschaft für Aufsehen, als er nach einem Spiel gemeinsam mit Mitspielern und Gegnern im Mittelkreis betete. Wie Nmecha im Interview mit Sky News sagte, war das angeblich spontane Glaubensbekenntnis geplant. Der 25-Jährige fiel auch durch auffällige Jubelgesten auf. So kniete er beispielsweise nieder und legte eine imaginäre Krone auf den Rasen. Die Geste «The King’s Return» symbolisiert Jesus Christus als König. Zu den christlichen Jubelgesten gehören auch das Überkreuzen der Zeigefinger zu einem Kreuz&nbsp;und das Strecken beider Zeigefinger zum Himmel.</p>



<p><strong>«Ballers in God»<br></strong>Nmecha gehört dem Netzwerk <a href="https://ballersingod.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Ballers in God»</a> an und dem kleineren deutschen Ableger «Fussball mit Vision». Gründer der «Ballers in God» ist der frühere britische Fussballprofi John Bostock. Dieser pflegt laut der Online-Zeitung «Belltower.News» enge Kontakte zu reaktionären evangelikalen Kreisen im englischsprachigen Raum. Evangelikale interpretieren die Bibel wörtlich und vertreten in gesellschaftlichen Fragen sehr konservative Werte. Sie propagieren traditionelle Rollenbilder und lehnen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen über ihren Körper sowie die Homosexualität ab. </p>



<p><strong>Frauen als «Rohmaterial»</strong><br>Es gibt Hinweise darauf, dass Nmecha solche Ansichten teilt. So hat er schon homofeindliche Posts geliked. An der Klub-WM in den USA im letzten Jahr veröffentlichte er zudem ein <a href="https://www.tiktok.com/@jobeslover/video/7519470709077265680" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Video</a>, in dem das Buch «Understanding the Purpose and Power of Women» des frauenfeindlichen Predigers Myles Munroe zu sehen ist. Dieser bezeichnete Frauen als «Rohmaterial», das Männer nach ihrem Gutdünken «formen» können. </p>



<p><strong>Die frommen Gesten von Vargas und Manzambi</strong><br>Die «Ballers in God» erklären in den Social Media, wie man Mitspieler missioniert. Ein Beispiel ist der Schweizer Nationalspieler Rubén Vargas. Als er mit 20 Jahren von Luzern nach Augsburg wechselte, wurde er dort von Mitspieler Felix Uduokhai missioniert, wie der 27-Jährige in einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=F_9h6XS_pWA" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Interview</a> erzählte. Durch seinen Glauben wisse er nun, was «das Richtige» sei. Vargas fällt wie Nmecha mit frommen Jubelgesten auf, ebenso der Schweizer Shootingstar Johan Manzambi. Der heute 20-Jährige wechselte mit 18 Jahren von Genf nach Freiburg im Breisgau. Eine schwierige Situation für einen jungen Mann, der kaum Deutsch sprach. Entsprechend anfällig war er wohl für missionierende Kollegen.</p>



<p><strong>Religiöse benutzen Fussballprofis für ihre Mission</strong><br>Persönliche Glaubensbekundungen einzelner Spieler&nbsp;gehören seit vielen Jahren zum Fussball. Das mag erklären, weshalb Medien eine öffentlichkeitswirksame Missionskampagne bei der Weltmeisterschaft kaum als solche erkennen und hinterfragen. Doch das Gebet im Mittelkreis und die Jubelgesten gehen über&nbsp;persönliche Glaubensbekundungen einzelner Spieler hinaus.&nbsp;Evangelikale Plattformen nutzten die Bilder dieser frommen Gesten gezielt für ihre Missionsarbeit auf Social Media. Einige solcher Posts erreichten laut «Belltower.News» bereits nach kurzer Zeit mehrere hunderttausend Likes. Auf ihrem Instagram-Account feiern die «Ballers in God» die WM als Durchbruch: «Fussballer starten bei der Weltmeisterschaft eine weltweite Bewegung zur Wiederkunft Jesu beim World Cup.»</p>



<p><strong>Gratiswerbung für Evangelikale</strong><br>Die meisten traditionellen Medien berichteten unkritisch über die frommen Fussballer. In der Schweiz war beispielsweise auf der Webseite der Boulevard-Zeitung «Blick» tagelang ein Teaser mit dem Jubel von Vargas und Manzambi mit überkreuzten Fingern zu sehen – Gratiswerbung für die Evangelikalen. Erst nachdem der Teaser ersetzt worden war, berichtete der «Blick» über die frommen Fussballstars und ihre Netzwerke. Stellung nehmen wollten dazu weder die betroffenen Spieler noch der Schweizerische Fussballverband.<br><br><strong>Fifa misst mit zweierlei Mass<br></strong>An der letzten Fussball-Weltmeisterschaft in Katar stufte der Fussball-Weltverband Fifa die regenbogenfarbige «One Love»-Armbinde als politisch ein und verbot sie. Nun toleriert die Fifa fundamentalistische Demonstrationen mit frauenfeindlichem Hintergrund. Ob ihre Toleranz auch so gross wäre, wenn muslimische Fussballer im Mittelkreis beten würden, ist eine andere Frage.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitschrift <a href="http://www.frauensicht.ch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«FrauenSicht»</a>.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
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					<title>Impfen gegen Drogensucht</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wissenschaft/opioidkrise-eine-impfung-gegen-fentanyl-soll-helfen/</link>
					<pubDate>Thu, 09 Jul 2026 08:32:30 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=710401</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="198" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-03-um-19.25.33-300x198.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="National Fentanyl Prevention and Awareness Day. August 21, 2023, New York, USA" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-03-um-19.25.33-300x198.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-03-um-19.25.33-768x506.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-03-um-19.25.33.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>In den Niederlanden wird ein Impfstoff gegen Fentanyl erprobt. An dieser Droge sterben jedes Jahr Zehntausende von Menschen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>In den USA sterben etwa <a href="https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2848779?resultClick=1&amp;__cf_chl_f_tk=YdKhhfPG4pZAV6Q.Fl39KEKH6zot8AyK8nkeOaxi4vU-1783064992-1.0.1.1-5aeoHqkxTWxYt9YCsSfZL9VZwKqlcka0xriauRWhqWw" target="_blank" rel="noreferrer noopener">siebenmal</a> so viele Menschen an Drogen wie in anderen westlichen Ländern. Allein letztes Jahr gab es offiziellen Zahlen zufolge dort <a href="https://nchsdata.cdc.gov/DQS/?topic=drug-overdose-deaths&amp;subtopic=all-drug-overdose-deaths&amp;group=&amp;subgroup=&amp;range=&amp;estimate=" target="_blank" rel="noreferrer noopener">fast 78&#8217;000 Drogentote</a>. Fentanyl ist die Substanz, die <a href="https://usafacts.org/articles/are-fentanyl-overdose-deaths-rising-in-the-us/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hauptsächlich</a> dafür verantwortlich war.&nbsp;Auch <a href="https://www.srf.ch/play/embed?urn=urn:srf:audio:a5a87b4a-b7a8-3216-8c99-fbc3afcef59b" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in der Schweiz</a> nimmt der Konsum dieses Opioids zu.</p>



<p>Ein neuartiger Impfstoff soll tödlichen Überdosierungen vorbeugen, berichtete die US-amerikanische Ärztezeitung «<a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2850522">Ja</a><a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2850522" target="_blank" rel="noreferrer noopener">m</a><a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2850522">a</a>» kürzlich. <a href="https://www.mdpi.com/1999-4923/14/11/2290" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Versuche an Ratten</a> seien erfolgreich verlaufen. Die Wissenschaftler hatten die Tiere zuerst dreimal gegen Fentanyl geimpft und ihnen anschliessend hochtoxische Dosen der Droge verabreicht. Die geimpften Nager hätten sich daraufhin nicht anders verhalten als sonst, während ungeimpfte Ratten schwere Vergiftungserscheinungen zeigten.</p>



<p>«Die Wirkung war so dramatisch, dass ich begann, Videos von den Tieren zu machen. Denn ich wusste: Das glaubt mir keiner», zitiert die Zeitung einen der <a href="https://armrsciences.com/team/dr-colin-haile/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wissenschaftler</a> von der Universität in Houston – der allerdings Interessenkonflikte hat. Er ist Mitgründer von ARMR Sciences, einem «Unternehmen für die klinische Entwicklung <a href="https://www.prnewswire.com/news-releases/armr-sciences-achieves-major-milestone-toward-overdose-protection-produces-first-ever-anti-fentanyl-immune-response-in-humans-302802572.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">biologischer Verteidigung</a>», das den Impfstoff lizenziert hat und nun in den Niederlanden erste Studien an Menschen durchführt. Noch ist alles im Versuchsstadium.</p>



<p><strong>Die Droge erreicht rasch das Gehirn</strong></p>



<p>Trotzdem berichten Publikumsmedien schon seit Jahren über die angekündigte Neuheit. «Bahnbrechend» etwa nannte die «<a href="https://www.dailymail.com/health/article-13808135/fentanyl-vaccine-stops-high-clinical-trials.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Daily Mail</a>» den Fentanyl-Impfstoff schon 2024, als erst Ratten geimpft worden waren. Auf der Website von <a href="https://armrsciences.com/media/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ARMR Sciences</a> finden sich über zwei Dutzend Medienberichte, aber keine wissenschaftlichen Publikationen.</p>



<p>Fentanyl gelangt in Windeseile ins Gehirn. Die Droge ist deshalb so gefährlich, weil sie im Atemzentrum die Empfindlichkeit für CO<sub>2</sub> senkt. Normalerweise wird dieses Gas über die Lungen ausgeatmet: Je höher die CO<sub>2</sub>-Konzentration im Körper, desto stärker kurbelt das Atemzentrum im Gehirn die Atmung an. Opioide wie Fentanyl hebeln diesen natürlichen Schutzmechanismus vor einer CO<sub>2</sub>-Vergiftung aus.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Bei Vergiftung droht ein Atemstillstand</h2>



<p>Fentanyl ist in der Medizin ein bewährtes Opioid-Schmerzmittel, das früher jedoch nur <a href="https://www.bloomberg.com/news/features/2025-04-25/the-fda-s-untold-role-in-igniting-the-opioid-crisis" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bei Operationen</a> und auf Intensivstationen eingesetzt wurde. Opioide lindern Schmerzen wirksam, rufen Glücksgefühle hervor und heben die Stimmung. Gefürchtet ist ihre Wirkung auf das Atemzentrum im Gehirn bei Überdosierung: Sie senken die Atemfrequenz und das Atemvolumen – bis hin zum Atemstillstand. </p>



<p>Fentanyl wirkt ähnlich wie Morphium, ist aber etwa <a href="https://www.infodrog.ch/files/content/factsheets/2026-03_Faktenblatt_Synthetische-Opioide.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">120-mal stärker</a> als dieses und rund 50-mal stärker als Heroin. <a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2850522" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zwei Milligramm</a> Fentanyl – eine kaum sichtbare Menge – können tödlich sein.</p>
</div>



<p><strong>Antikörper im Blut sollen das Fentanyl abfangen</strong></p>



<p>Der Fentanyl-Impfstoff soll das Anfluten der Droge im Gehirn weitgehend verhindern. Er besteht aus einem winzigen Stückchen des Fentanyl-Moleküls ohne berauschende Wirkung. Dieses wird chemisch an zwei Substanzen gekoppelt, welche das Immunsystem stimulieren. Dabei handelt es sich erstens um inaktiviertes Diphtherie-Toxin, das bereits in mehreren zugelassenen Impfstoffen gegen Lungen- oder Hirnhautentzündung als Immunstimulans dient. Zweitens enthält die Vakzine Spuren eines Gifts aus Coli-Bakterien, das ebenfalls die Antikörperproduktion anregen soll. Im Idealfall produziert das Immunsystem nach der Impfung Antikörper, die sich gezielt gegen das Fentanyl-Teilchen richten.&nbsp;</p>



<p>Kommt die geimpfte Person danach mit Fentanyl in Kontakt, sollen die Antikörper im Blut die Droge weitestgehend abfangen, noch bevor sie das Gehirn erreicht. Danach wird der Fentanyl-Antikörper-Komplex im Körper abgebaut und zuletzt mit dem Urin ausgeschieden. Andere Opioid-Schmerzmittel würden trotzdem wirken, weil der Impfstoff spezifisch ist für Fentanyl – so die Idee. Das Prinzip liesse sich auch bei anderen Drogen anwenden.&nbsp;</p>



<p><strong>Nikotin-Impfung liess sich durch mehr Nikotin aushebeln</strong></p>



<p>Allerdings tüfteln Wissenschaftler schon <a href="https://www.nature.com/articles/252708a0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">seit über 50 Jahren</a> an Impfungen gegen verschiedenste Drogen, bislang mit bescheidenem Erfolg. Ein grosses Problem: Verglichen mit Laborratten, bildeten Versuchspersonen <a href="https://psychiatryonline.org/doi/epdf/10.1176/appi.ajp.20230828" target="_blank" rel="noreferrer noopener">viel weniger Antikörper</a>. Zudem waren die nach der Impfung gebildeten Antikörper oft nicht spezifisch genug für die gewünschte Droge.&nbsp;</p>



<p>«Raucherimpfungen» gegen Nikotin beispielsweise wurden, auch in der Schweiz, immer wieder in den Medien angekündigt. Novartis, Pfizer und weitere Firmen versuchten sich bereits vor rund 20 Jahren daran … und gaben auf. </p>



<p>Die Wirkung der Nikotin-Impfung liess sich durch höhere Dosen an Nikotin ausser Kraft setzen.&nbsp;Halte man Jugendliche mit Hilfe eines solchen Impfstoffs vom Zigarettenrauchen ab, könne dies leicht dazu führen, dass sie ihren Zigarettenkonsum steigern würden, um die Nikotinimpfung auszuhebeln. «Dadurch nehmen sie erheblich mehr der im Rauchtabak enthaltenen krebserregenden Stoffe auf», gab der Sucht-Impfstoff-Forscher Thomas Kosten 2024 im «<a href="https://psychiatryonline.org/doi/epdf/10.1176/appi.ajp.20230828" target="_blank" rel="noreferrer noopener">American Journal of Psychiatry</a>» zu bedenken. Kosten arbeitet selbst an einem Impfstoff gegen Kokain und war anfangs auch an der Entwicklung der Fentanyl-Impfung beteiligt.&nbsp;</p>



<p><strong>Ersthelfer, Soldaten und Polizisten gegen Fentanyl impfen</strong></p>



<p>Im «<a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2850522">Ja</a><a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2850522" target="_blank" rel="noreferrer noopener">m</a><a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2850522">a</a>» nennt er weitere mögliche Einsatzgebiete für die Fentanyl-Impfung: Terrorismus oder Krieg. Denn starke Opioide können benützt werden, um den Gegner auszuschalten. Geimpfte Einsatzkräfte würden der Droge unter Umständen standhalten, insinuiert Kosten und erinnert an die Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater 2002. Damals bliesen die Einsatzkräfte ein starkes Opioid in den Raum. Mehr als 100 Personen starben.</p>



<p>Tatsächlich wurde die Entwicklung des Fentanyl-Impfstoffs an der Universität Houston zunächst vom <a href="https://www.pharmazeutische-zeitung.de/start-klinischer-studien-zu-fentanyl-impfstoffen-161668/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">US-Verteidigungsministerium gesponsert</a>, bevor ARMR Sciences die Lizenz erwarb. «Die Markteinführung eines neuen Medikaments kann Hunderte Millionen Dollar kosten, und das Zulassungsverfahren dürfte sich als kompliziert erweisen, da es weltweit keinen vergleichbaren Impfstoff gibt», schrieb «<a href="https://www.bloomberg.com/news/features/2024-10-16/fentanyl-vaccine-could-help-solve-opioid-drug-deaths-overdoses">Bloomberg</a>».&nbsp;«Private Investitionen in diesem Sektor fallen bislang mager aus.»</p>



<p><strong>Kokain-Impfstoff führte nur bei einer Minderheit zu genügend Antikörpern</strong></p>



<p>Kein Wunder, denn noch ist vieles offen: Kann der Fentanyl-Impfstoff bei Menschen tatsächlich eine Überdosis der Droge abfangen? Bilden alle Geimpften genügend Antikörper oder – wie etwa bei einem Impfstoff gegen Kokain – bloss ungefähr ein Drittel? Wie lange hält der Effekt an – falls er sich überhaupt bestätigt? In welchen Abständen bräuchte es Auffrischimpfungen? Ist die Fentanyl-Vakzine auch bei wiederholter Anwendung sicher? Würde sie sich für Menschen eignen, die einen Entzug machen wollen – oder würden drogenabhängige Menschen stattdessen noch höhere Dosen einnehmen, um die Impfung auszuhebeln, oder auf andere Drogen ausweichen? Lässt sich ein komplexes Problem wie Drogensucht überhaupt mit einem Impfstoff angehen?</p>



<p>Gewiss ist hingegen: Studien mit Menschen kosten viel Geld, das eine Firma erst einmal auftreiben muss. ARMR Sciences plant erste Studien mit bis zu 56 Personen. Verlaufen diese erfolgreich, bräuchte es mindestens eine Phase-3-Studie mit <a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2850522" target="_blank" rel="noreferrer noopener">mehreren Hundert Teilnehmern</a>.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">US-Arzneimittelbehörde ist für die Opioidkrise in den USA mitverantwortlich</h2>



<p>Ein erfolgreicher Impfstoff gegen eine Droge wie Fentanyl würde von der US-Arzneimittelbehörde FDA sehr wahrscheinlich beschleunigt zugelassen. Die FDA hat dabei selbst einen Interessenkonflikt: Sie trug massgeblich zur Opioidkrise in den USA bei, wie eine Recherche von «<a href="https://www.bloomberg.com/news/features/2025-04-25/the-fda-s-untold-role-in-igniting-the-opioid-crisis" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bloomberg</a>» letztes Jahr offenlegte.&nbsp;</p>



<p>Bei der Zulassung starker Opioide als Schmerzmedikamente in den 1990er Jahren unterlief die FDA demnach ihre eigenen Standards, klüngelte mit den Herstellern und half ihnen sogar, ihre Studiendaten besser aussehen zu lassen. Ausserdem habe sie sich mit einer Studie begnügt, die nur 14 Tage dauerte, um ein Opioid für den Langzeitgebrauch gegen chronische Schmerzen zuzulassen, und anderes mehr. Einer der entscheidenden FDA-Mitarbeiter verliess die Behörde 1997 und heuerte ein Jahr später bei dem Opioid-Hersteller an, dessen Produkt er zuvor gutgeheissen hatte – mit einem Jahresgehalt von fast 400’000 Dollar.&nbsp;</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infodrog.ch/files/content/factsheets/2026-03_Faktenblatt_Synthetische-Opioide.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hochpotente synthetische Opioide</a>, Faktenblatt der Schweizerischen Koordinations- und Fachstelle Sucht </li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/genf-verschreibt-kokain-gegen-die-crack-krise/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Genf verschreibt Kokain gegen die Crack-Krise</a>, Infosperber vom 20.3.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/weil-heroin-knapp-ist-neue-opioide-auch-in-europa/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weil Heroin knapp ist: Neue Opioide auch in Europa</a>, Infosperber vom 4.4.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/opioide-so-manipulierte-pharmakonzern-die-oeffentliche-meinung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Opioide: So manipulierte Pharmakonzern die öffentliche Meinung</a>, Infosperber vom 5.12.2019</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/8303fc09c452492fab56be38cb56f850" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Der Gegenpapst von Menzingen dankt «in kindlicher Ergebenheit»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/ethnien-religionen/der-gegenpapst-von-menzingen-dankt-in-kindlicher-ergebenheit/</link>
					<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 06:35:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=711149</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Schloss-Schwandegg-in-Menzingen-ZG-e1783436484134-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Schloss Schwandegg in Menzingen ZG" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Schloss-Schwandegg-in-Menzingen-ZG-e1783436484134-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Schloss-Schwandegg-in-Menzingen-ZG-e1783436484134-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Schloss-Schwandegg-in-Menzingen-ZG-e1783436484134.png 827w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der fromme Davide Pagliarani, Italiener, 55, residiert als Generaloberer der Piusbruderschaft auf Schloss Schwandegg in Menzingen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Seinen Ungehorsam gegen Rom begründet er mit dem Leiden an der modernistischen Kirche. Jetzt hat der Rebell die Traditionalisten mit unerlaubten Bischofsweihen ins Schisma geführt.&nbsp;</p>



<p>Der offizielle Papst in Rom, Leo XIV., Amerikaner und 70jährig, hat seinem Kontrahenten ein einziges Mal persönlich geschrieben – am Vorabend der schismatischen Bischofsweihen, um ihn vor diesem Schritt zu warnen. Pagliarani dankte umgehend «in kindlicher Ergebenheit» für die «väterliche Fürsorge». Leo und er sprächen miteinander wie ein Vater zu seinem Sohn.&nbsp;</p>



<p>Am Mittwoch dann, an den an Pomp kaum zu überbietenden Bischofsweihen in Ecône, wechselte er in den schroffen Ton des offenen Ungehorsams. Rom sei von einem Geist beseelt, der der wahren Tradition der Kirche widerspreche,&nbsp;liess Pagliarani per Dekret verlesen. Darum hätten alle Strafen und Zensuren, die Rom wegen der unerlaubten Weihen ausspreche, keinerlei Gültigkeit.&nbsp;</p>



<p>Kurz bevor sich dann am Open-Air-Glaubensfest ein heftiges Gewitter über den 16000 Gläubigen entlud, offenbarte der Generalobere sein Selbstverständnis.&nbsp;Der historische Tag sei eine Prüfung, sagte er in der Predigt. Die Traditionalisten müssten bereit sein, jeden Preis zu zahlen, um der Kirche zu dienen. «Je mehr wir leiden, um so mehr ist Gott mit uns». Von aussen als Rebellen wahrgenommen, handelten sie aus purer Not, um den traditionellen Glauben zu retten.</p>



<p>Prüfung und Leid legitimieren den Widerstand. Dass sich Ungehorsam lohnt, durfte Pagliarani schon während der Covid-Pandemie feststellen: Wie alle Prüfungen benutze Gott auch Covid 19 für das Wohl der Seelen. Die Zahl der traditionalistischen Gläubigen habe sich damals mancherorts verdoppelt und verdreifacht. Weshalb? Weil die Priester der Tradition entgegen allen Verboten weiterhin die Messe physisch feierten.&nbsp;</p>



<p>Die Bruderschaft wächst unaufhaltsam. Heute steht Pagliarani 751 Priestern und 264 Seminaristen in fünf Seminaren vor. Die Priesterseminare sind für ihn die Raison d’être der Piusbruderschaft, um Glauben und Sakramente weiterzugeben. In Rimini aufgewachsen, trat er mit 19 Jahren in die Bruderschaft ein und setzte sich später in Singapur und Buenos Aires für die Ausbildung der Priester ein.&nbsp;</p>



<p>Mit Bedacht aber liess sich der Priester am Mittwoch selber nicht zum Bischof weihen. Während die vier jungen Neo-Bischöfe nun unter den weltweit 600’000 Anhängern Sakramente spenden und Priester weihen, kann sich der wortgewandte Italiener in Menzingen ganz auf seine Rolle als Sprecher und Spiritus rector der Bruderschaft konzentrieren. Mit Verve hatte er die Weihen nach aussen und gegenüber Rom verteidigt. Was ihn schmerzt: Eine Audienz bei Papst Leo blieb ihm versagt.&nbsp;</p>



<p>Franziskus hatte ihn noch empfangen, obwohl er einer seiner schärfsten Kritiker war. Der Glaubensrebell warf ihm vor, die Einzigkeit des katholischen Glaubens zugunsten einer allgemeinen Brüderlichkeit zu relativieren. Als Franziskus die alte Messe einschränkte, schimpfte er ihn einen «Gefängniswärter der Tradition», sein Pontifikat insgesamt ein «Desaster.»</p>



<p>Stets versichert der Generalobere, sich vom Papst nicht trennen zu wollen, ja ihn zu lieben. Faktisch aber gebärdet er sich Leo gegenüber als Gegenpapst, der den wahren Glauben gegen die vom Zweiten Vatikanischen Konzil modernistisch verseuchte Kirche verteidigt. Etwa mit der eigens vor den Weihen an Papst Leo gerichteten integralistischen «Glaubenserklärung»: Jeder Mensch müsse Glied der katholischen Kirche werden, um seine Seele zu retten. Ausserhalb der katholischen Kirche kein Heil. Das Christentum sei die einzige von Gott gewollte Ordnung unter Menschen. Woraus zwangsläufig «die Unterordnung der Institutionen und Nationen unter die Autorität unseres Herrn Jesus Christus» folge. Die «widernatürliche Sünde der Unkeuschheit», gemeint ist die gleichgeschlechtliche Liebe, schreie demgegenüber vor Gott nach Strafe und dürfe nie gesegnet werden. Nun aber ergeht es Davide Paglariani wie den meisten Gegenpäpsten. Mit allen Bischöfen, Geistlichen und formellen Mitgliedern der Bruderschaft wurde er am Tag nach den Weihen hochoffiziell exkommuniziert.</p>



<p>______________<br><em>Dieser Beitrag erschien zuerst in der <a href="https://abo.nzz.ch/m_21021178_1/?trco=21020685-05-18-0001-0029-009838-00000005&amp;tpcc=21020685-05-18-0001-0029-009838-00000005&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=199803639&amp;gbraid=0AAAAAD5QrmknUwUXlRfj5mojGI2VufIkx&amp;gclid=CjwKCAjwx7LSBhB3EiwAjcodxLA8gMRt4cKg_qj-yPA5VEOu2fX1NjLx7dn6ti3kLxrybr5L425w4RoC8jkQAvD_BwE#year" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«NZZ am Sonntag»</a>.</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Wenn der Ausgleich vor dem 0:1 fällt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sport/wenn-der-ausgleich-vor-dem-01-faellt/</link>
					<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 06:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=710215</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.53.14-e1783018680670-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Fussball-WM" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.53.14-e1783018680670-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.53.14-e1783018680670-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.53.14-e1783018680670-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.53.14-e1783018680670-1536x920.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.53.14-e1783018680670.png 1620w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>VAR und Trinkpause zeigen, wie absurd es ist, dass ein Spiel 90 Minuten dauert.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Bis 1918 galten im Eishockey ähnliche Regeln wie im Rugby. Der Vorwärtspass war verboten. Dann begann die Revolution. 1918 wurde Vorwärtspass in der neutralen Zone eingeführt, und, um zu verhindern, dass ein Stürmer vor dem gegnerischen Goalie auf einen Steilpass wartete, erschuf man die Abseitsregel, die auch heute noch gilt. Die Revolution erfasste auch die Zeitmessung: Ab 1927 wurde bei Unterbrüchen die Zeitmessung angehalten und drei Mal 20 Minuten gespielt. Fast hundert Jahre später ist man im Fussball noch nicht ganz so weit. Da liegt es im Ermessen des Schiedsrichters, wie lange gespielt wird.</p>



<p><strong>Die Spielzeit</strong></p>



<p>Dem International Football Association Board, in dem die Gralshüter des Fussballs sitzen, ist schon vor zehn Jahren aufgefallen, dass ein Spiel nicht 90 Minuten, sondern nur etwa 55 bis 60 Minuten dauert. Deshalb wurde die Möglichkeit besprochen, vom Segen der Stoppuhr zu profitieren und die Nettospielzeit einzuführen: Ein Spiel sollte nur noch 60 Minuten dauern, ohne Schaden für den runden Ball.</p>



<p>Der Widerstand war gross. Dadurch würde der Charakter des Spiels zerstört, argumentierten die Gegner, die angehaltene Uhr würde zu mehr Unterbrüchen führen, zu einer Amerikanisierung mit Werbepausen, aber auch zu einer Unberechenbarkeit der Spieldauer mit Nachteilen für die Werbung. Auch würde die Dramaturgie der Endphasen gestört, wenn ein Countdown tickt. Ja, und die Schiedsrichter würden ihre Souveränität an die Technik abgeben.</p>



<p><strong>Die Sekundenregeln</strong></p>



<p>Die Fifa beugte sich und führte gegen die grassierende Seuche des Zeitschindens Sekundenregeln ein: 8 Sekunden für den Torhüter, bis er nach einer Abwehr den Ball frei gibt, 5 Sekunden bei Einwürfen und Abstössen, 10 Sekunden beim Spielerwechsel. Und wer sich auf dem Feld pflegen lässt, muss danach für eine Minute an der Seitenlinie stehen. Eine gute Idee: Mit diesen Regeln würde der Spielfluss auch bei angehaltener Uhr nicht wie befürchtet gestört.</p>



<p>Ausserdem wurden die Schiedsrichter dazu angehalten, die durch Torjubel, VAR-Entscheide und Verletzungspausen verlorene Zeit konsequent nachzuholen.</p>



<p><strong>Gut gemeint, mehr nicht</strong></p>



<p>Zu Beginn der WM hielten sich die Refs einigermassen daran. Zuletzt nicht mehr. Da wurde nicht einmal mehr die bei Torjubel, Verletzungspausen und Auswechslungen verlorene Zeit nachgespielt. Von den Verzögerungen bei Cornern und Freistössen in Strafraumnähe, bei denen die Schiedsrichter den Rasen für den Ball und die Mauer markieren und das Gerangel (Ringen) im Strafraum zu unterbinden versuchen, gar nicht zu reden. </p>



<p>Bei Deutschland gegen Paraguay gab es 23 Eckbälle, bei denen 30 bis 60 Sekunden zerflossen. Rechne. Bei Ägypten gegen Australien war der Ball in den letzten fünf Minuten der Verlängerung während einer Minute im Spiel. Eine Minute Nachspielzeit wurde angezeigt. Da wurde noch einmal zehn Sekunden lang Fussball gespielt. Als der Schiedsrichter nach zwei Minuten abpfiff lagen noch immer zwei Spieler am Boden. Druck des Fernsehens? Es ist zu befürchten.</p>



<p><strong>Der Video Assistent</strong></p>



<p>Im Jahr, nachdem die effektive Spielzeit begraben wurde, beschloss das IFAB, den Video Assistent Referee (VAR) ins Regelwerk aufzunehmen. In einem Spiel, bei dem ein Fehlentscheid des Schiedsrichters Millionen verschieben kann, eine logische Entscheidung. Ein Tor ist nur noch ein Tor, wenn einwandfrei bewiesen ist, dass der Schütze nicht um einen Millimeter im Abseits stand, der Ball keinen Arm eines Angreifers berührte, die Entstehung des Tors nicht durch ein Foul (wie der Schubser der Deutschen, der den Paraguay-Goalie kurz zu Boden gehen liess) möglich wurde. Penalty- und Platzverweis-Szenen werden minutenlang seziert.</p>



<p>Das ist sehr gerecht und verhindert Millionenschäden. Aber wie verhält es sich mit dem gestörten Spielfluss, der Romantik der Ungewissheit des Sports, der Unberechenbarkeit der Zeit, der befürchteten Amerikanisierung (Werbeeinschaltung während der VAR-Konsultation, Theatralik der Entscheid-Bekanntgabe), der Abgabe der Souveränität des Schiedsrichters an die Technik?</p>



<p><strong>Die Trinkpause</strong></p>



<p>Als wäre das nicht genug, erfand die Fifa die auf diese WM hin «Hydration Break» genannte Werbepause. Aus Rücksicht auf die Gesundheit der Spieler, die auch bei Regen das Trinken nicht vergessen sollten. Jetzt gibt es also eine «Kafipause», die ein Spiel wie beim Basketball in vier Viertel teilt. Dabei läuft im Fussball die Uhr weiter.&nbsp; Hilfe: Es droht Amerikanisierung. Werbung vor Spielfluss.</p>



<p>Das heisst aber auch: Weniger als 96 Minuten kann ein Spiel gar nicht mehr dauern. Und doch beginnt offiziell die Nachspielzeit in der 45. und in der 90. Minute. Das hat zur Folge, dass noch nie so viele Tore in der Nachspielzeit erzielt wurden. Was als Beweis für gesteigerte Spannung ausgelegt werden kann.</p>



<p>Auch Journalisten werden dadurch auf die Probe gestellt. Nach offizieller Angabe, fällt ein Tor, das in der vierten Minute der Nachspielzeit erzielt wird, in Minute 45 + 4. Für die viele Reporter und Schreibende ist das noch immer die 49. Minute. Die zweite Halbzeit beginnt offiziell in der 46., also vier Minuten früher. Da bleiben drei Minuten, um noch vor dem 0:1 in der 49. Minute den Ausgleich zu erzielen. </p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/haende-weg-vom-fussball/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hände weg vom Fussball</a>, Infosperber vom 14.5.2026</li>
</ul>



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]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Das ist Genf!» «Damit wir nicht als islamfeindlich gelten &#8230;»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/das-ist-genf-damit-wir-nicht-als-islamfeindlich-gelten/</link>
					<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 06:10:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-715465412_4467173020275537_7403864541453758802_n-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach 715465412_4467173020275537_7403864541453758802_n" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-715465412_4467173020275537_7403864541453758802_n-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-715465412_4467173020275537_7403864541453758802_n-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-715465412_4467173020275537_7403864541453758802_n-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-715465412_4467173020275537_7403864541453758802_n.png 1165w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Machen wir ein Gesetz, das dickenfeindlich ist ...» «... kinderfeindlich ...» «... frauenfeindlich.» «Und islamfeindlich.»]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>In Genfer Bädern sind im Wasser nicht nur Burkinis verboten, sondern auch langärmlige T-Shirts – auch solche, die vor UV-Strahlung schützen.</p>



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					<title>USA im Spiegelkabinett</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/usa-im-spiegelkabinett/</link>
					<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 06:00:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Trump-X-e1783332348263-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Trump-X-e1783332348263-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Trump-X-e1783332348263-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Trump-X-e1783332348263-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Trump-X-e1783332348263.jpg 1222w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Trump guckt Fox News, und auf Fox News läuft Trump, der Fox News guckt. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Keine Panne, sondern Programm. USA, <a href="https://x.com/JordanUhl/status/2073593088157913466">4.&nbsp;Juli 2026</a>, Endstufe der Aufmerksamkeitsökonomie: Der Content konsumiert sich selbst, der Sender sendet den Empfänger, und irgendwo dazwischen steht ein Stuhl mit Namensschild. 250 Jahre Unabhängigkeit – alles Gute, USA, du kannst es gebrauchen.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-x wp-block-embed-x"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="twitter-tweet" data-width="550" data-dnt="true"><p lang="en" dir="ltr">Trump watching himself on Fox News. 😆 <a href="https://t.co/uWg3xzOh3E">pic.twitter.com/uWg3xzOh3E</a></p>&mdash; Planet Of Memes (@PlanetOfMemes) <a href="https://x.com/PlanetOfMemes/status/2073756834251337955?ref_src=twsrc%5Etfw">July 5, 2026</a></blockquote><script async src="https://platform.x.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>
</div></figure>



<figure class="wp-block-embed"><div class="wp-block-embed__wrapper">
 https://x.com/PlanetOfMemes/status/2073756834251337955
</div></figure>



<p></p>



<p><br><br></p>



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					<title>Die meisten Wärmepumpen können Häuser auch kühlen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konsum/die-meisten-waermepumpen-koennen-haeuser-auch-kuehlen/</link>
					<pubDate>Tue, 07 Jul 2026 08:22:38 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Hitze-Mann-am-Compi-672054076-e1783266658553-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Young hispanic man using laptop sitting on bed at bedroom" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Hitze-Mann-am-Compi-672054076-e1783266658553-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Hitze-Mann-am-Compi-672054076-e1783266658553-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Hitze-Mann-am-Compi-672054076-e1783266658553-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Hitze-Mann-am-Compi-672054076-e1783266658553.jpg 1365w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wärmepumpen senken die Innentemperatur um 3 bis 6 Grad – mit Photovoltaik betrieben sogar kostenlos. Warum nicht überall?]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Ob Wärmepumpen mit Luft, Wasser oder Erdsonden betrieben werden, ist egal. Im Sommer können oder könnten die meisten auch kühlen. Einzige Bedingung: Das Haus oder die Wohnungen sollten eine Bodenheizung haben und keine Radiatoren.</p>



<p>Schliesslich sind Wärmepumpen auch für Kühlschränke im Einsatz.&nbsp;In beiden Fällen wird mit Hilfe von Strom Wärme aus einem Bereich entzogen und in einen anderen Bereich abgegeben. Beim Kühlschrank wird Wärme mit einem Kompressor aus dem Innern entzogen und über die Rückseite an die Küche abgegeben. Die Küche wird also minimal erwärmt, während es im Kühlschrank kalt bleibt.&nbsp;</p>



<p>Umgekehrt nimmt eine Haus-Wärmepumpe Wärme aus der Umgebung auf (Luft, Erdreich oder Wasser) und pumpt sie ins Haus, sodass es im Haus warm wird und die Umgebung minimal abgekühlt wird.</p>



<p><br><strong>Passive und aktive Kühlung</strong></p>



<p>Man unterscheidet zwischen einer aktiven und einer passiven Kühlung.&nbsp;</p>



<p>Bei der&nbsp;<em>aktiven</em><strong>&nbsp;</strong><em>Kühlung</em>&nbsp;funktioniert die Anlage mit der Wärmepumpe wie ein Kühlschrank. Sie führt die warme, verbrauchte Luft von innen nach aussen und holt mit der Flüssigkeit in den Rohren kältere Temperaturen ins Haus. Bereits mit wenig Stromverbrauch kann man die Innentemperatur um 3 bis 6 Grad senken.&nbsp;</p>



<p>Für eine aktive Kühlung braucht eine Wärmepumpe für ein Einfamilienhaus etwa 2 bis 6 Kilowattstunden Strom pro Tag, je nach Gebäude, Wetter und gewünschter Temperaturabsenkung.&nbsp;Luft/Wasser-Wärmepumpen brauchen bei hohen Aussentemperaturen mehr Strom als Grundwasser-Wärmepumpen.</p>



<p>Doch Sommerstrom für den Eigenverbrauch produziert eine eigene Photovoltaik-Anlage praktisch gratis. Die Elektrizitätsunternehmen zahlen für die Einspeisung von Tagesstrom im Sommer fast nichts mehr.</p>



<p>Bei der&nbsp;<em>passiven Kühlung</em>&nbsp;läuft die Wärmepumpe selber nicht, sondern nur die Umwälzpumpe. Deshalb ist der Energieverbrauch deutlich geringer. Die Pumpe hält lediglich den Kreislauf der Rohrflüssigkeit mit dem Erdreich oder dem Grund-, Fluss- oder Seewasser in Gang. Dort gibt die Flüssigkeit Wärme aus dem Haus ab und kommt etwas kühler zurück.&nbsp;Allerdings ist die passive Kühlung weniger effizient als die aktive.</p>



<p><br><strong>Aufpreis zwischen 0 und 3000 Franken</strong></p>



<p>Die Wärmepumpen zum <em>aktiven Heizen</em> im Sommer müssen lediglich über eine Umkehrfunktion verfügen. «Eine Wärmepumpe heizt primär, ein Klimagerät kühlt primär. Aber das zugrunde liegende Prinzip ist das gleiche. Deswegen kann man, – wenn man den Kältekreislauf umkehrt –, mit einer Wärmepumpe kühlen», erklärte Tim Gessler, Redakteur der Fachzeitschrift «SBZ Sanitär.Heizung.Klima». Wärme wird der Innenluft des Hauses oder der Wohnung entzogen und nach aussen geleitet. Die Wärmepumpe funktioniert quasi wie eine Klimaanlage.</p>



<p>Der Aufpreis für eine reversible Wärmepumpe ist gering, wenn sie mit Luft oder Wasser läuft. Das Haustechnik-Unternehmen Meier-Tobler erklärte Infosperber, für neue Wärmepumpenmodelle mit zusätzlichen Ventilen, die auch aktiv kühlen können, «keinen Aufpreis» zu verlangen. Die Doppelfunktion sei heute Standard. </p>



<p>Nur reversible Anlagen mit Erdsonden würden etwa 3000 Franken mehr kosten, weil es einen zusätzlichen Plattenwärmetauscher und eine zusätzliche Pumpe brauche. Dafür geben diese im Sommer Wärme ins Erdreich ab, die dann im Winter nützlich ist.</p>



<p>Auch eine Nachrüstung bestehender Wärmepumpen ist möglich. Man kann bestehende Heizungsanlagen hydraulisch und regelungstechnisch so anpassen, dass ein Kühlbetrieb möglich ist.</p>



<p><br><strong>Nachholbedarf bei bestehenden Häusern</strong></p>



<p>Das Grosshandels-Unternehmen Meier-Tobler installiert Wärmepumpen nicht selbst. Nach seinen Angaben werden heute nur noch wenige Modelle von Wärmepumpen verkauft, die nicht auch aktiv kühlen können – egal, ob es sich um Neubauten oder bestehende Häuser mit Fussbodenheizung handelt.&nbsp;</p>



<p>Etwas andere Angaben macht das Solothurner Unternehmen Helion Energy, das Wärmepumpen vor allem in bestehenden Häusern selber installiert: Im Jahr 2025 waren es mehr als 400 Anlagen, davon 90 Prozent in Einfamilienhäusern und nur rund 10 Prozent in Mehrfamilienhäusern mit Wohnungen. In allen diesen Häusern und Wohnungen mit Fussbodenheizung hat Helion Energy nach eigenen Angaben Wärmepumpen-Anlagen installiert, von denen nur eine von zehn auch aktiv kühlen kann.</p>



<p>Als Grund für den schwachen Absatz von Wärmepumpen mit Umkehrfunktion nennt Helion Energy die Zurückhaltung der Hausbesitzer: Die Kühlung der Raumtemperatur um 2 bis 3 Grad sei vielen zu wenig: «Nicht alle sehen den Nutzen als ausreichend gross.»</p>



<p>Zu wenige Hausbesitzer denken offensichtlich auch an den Sommer, wenn sie eine Wärmepumpen-Anlage für den Winter kaufen. Jedenfalls wird bei Sanierungen von bestehenden Häusern mit Fussbodenheizung in der Schweiz deutlich seltener eine Wärmepumpe mit aktiver Kühlfunktion&nbsp;installiert als eine reine Heiz‑Wärmepumpe. Eine gesamtschweizerische Statistik dazu ist allerdings nicht verfügbar.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Informationen zu Wärmepumpen:&nbsp;<a href="https://www.vaillant.ch/privatkunden/ratgeber-heizung/heiztechnologie-verstehen/warmepumpen/funktionsweise-warmepumpe/kuhlen-warmepumpe/">Firma Vaillant</a></li><li>Kälte mit der Sonne erzeugen:&nbsp;<a href="https://www.solarbranche.de/news/nachrichten/artikel-36131-kaelte-mit-der-sonne-erzeugen">Branchenportal für die Solarenergie</a></li><li>Ein neues Material nutzt Abwärme effizienter:&nbsp;<a href="https://nfp-energie.ch/de/projects/991/">Nationales Forschungsprogramm</a></li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a82ded6aa9b440f5a2e25df3296c1d63" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>UBS-Studie: Die Welt wird ärmer und dümmer</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/ubs-studie-die-welt-wird-aermer-und-duemmer/</link>
					<pubDate>Tue, 07 Jul 2026 07:56:23 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=710819</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Vermoegen-300x181.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Vermögen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Vermoegen-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Vermoegen-768x464.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Vermoegen.png 845w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Welt sei vermögender geworden, sagt die UBS in ihrem Wealth Report. Liest man genau, erkennt man das Gegenteil.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Als der grösste, wirklich globale Vermögensverwalter sei die UBS am besten in der Lage nachzuvollziehen, wie sich die Vermögen global entwickelt und verschoben haben, sagt die UBS in ihrem <a href="https://www.ubs.com/global/de/media/display-page-ndp/de-20260630-gwr-2026.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Global Wealth Report 2026</a>. Erste Erkenntnis der Schweizer Grossbank: Die Welt sei 2025 um 10,8 Prozent reicher geworden. Zweite Erkenntnis. Dieser Zuwachs sei entweder die Frucht harter Arbeit oder von guten Investitionsentscheiden – bei denen die UBS gerne mithilft.</p>



<p>Harte Arbeit? Das vom UBS-Report geschätzte globale Vermögen beläuft sich auf 518 Billionen Dollar. Ein Zuwachs von 10,8 Prozent entspricht 56 Billionen Dollar mehr Guthaben für die einen – und entsprechend mehr Schulden für die anderen.</p>



<p>Auf der anderen Seite ist das weltweit erarbeitete BIP von knapp 130 Billionen 2025 um 3,1 Prozent gewachsen. Das ist ein Plus von 4 Billionen, wovon maximal 3 Billionen auf Löhne entfallen dürften.</p>



<p>Unter dem Strich heisst das: Die Lohnempfänger konnten sich mit ihrer harten Arbeit nur deshalb ein wenig mehr leisten, weil sie sich bei den «Spekulanten» massiv verschuldet haben.</p>



<p><strong>Nur die Reichen werden reicher</strong></p>



<p>Und wie steht es mit der «Welt», die angeblich reicher geworden ist? Dazu gibt es auf der Seite 16 des Reports eine aufschlussreiche Graphik. Sie zeigt, dass in den meisten Ländern (darunter die Schweiz, Deutschland, die USA, Spanien etc.) zwar das durchschnittliche Vermögen gestiegen, der Median aber gesunken ist. Das heisst, mindestens die Hälfte der Bevölkerung ist ärmer geworden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="351" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/UBS-Grafik-1024x351.png" alt="UBS-Grafik" class="wp-image-710843" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/UBS-Grafik-1024x351.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/UBS-Grafik-300x103.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/UBS-Grafik-768x263.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/UBS-Grafik.png 1170w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Entwicklung des durchschnittlichen und des medianen Vermögens pro Erwachsenem, 2020–2025, in Landeswährung, inflationsbereinigt. (<a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Grafik-UBS-Report.pdf">Grafik vergrössern</a>)</figcaption></figure>



<p>Im Falle der Schweiz sieht das so aus: 2019 besass noch die Hälfte aller Erwachsenen mehr als 227&#8217;000 Dollar, dieser Wert ist inzwischen aber um rund einen Drittel auf 146&#8217;000 Dollar gesunken. Das durchschnittliche Vermögen hingegen ist um mehr als 50 Prozent von 564&#8217;000 auf 910&#8217;000 Dollar gestiegen.</p>



<p>Bei der Verteilung des Vermögens sieht es also schon einmal schlecht aus. Das Bild wird aber noch viel trüber, wenn wir aufgrund der UBS-Zahlen die Entwicklung bei den durchschnittlichen Vermögen der jeweils ärmeren und der reicheren Hälfte der Bevölkerung anschauen. Für 2019 sieht das so aus: Unten im Schnitt 115&#8217;000 Dollar, oben 880&#8217;000 Dollar. 2025 ist das durchschnittliche Vermögen der unteren Hälfte auf 73&#8217;000 Dollar gesunken, und das der oberen auf über 1,8 Millionen Dollar gestiegen. Die Schere hat sich also von 1 zu 7,5 auf fast 1 zu 25 geöffnet.</p>



<p>Es gibt dazu zwar auch <a href="https://finanzfakten.hkbb.ch/eku" target="_blank" rel="noreferrer noopener">andere</a> Statistiken, welche die Ungleichheit weniger deprimierend darstellen. Aber die UBS-Statistik zeigt deutlich: Die Welt (der Normalverdiener) und mit ihr die der Schweiz ist ärmer geworden.</p>



<p><strong>Tanz um das Goldene Kalb</strong></p>



<p>Doch das ist noch nicht alles. Die Welt ist auch dümmer geworden. Eine intelligente Welt – würde man meinen – müsste so organisiert sein, dass sich produktive Arbeit lohnt. Doch unsere Welt tanzt um ein goldenes Kalb, dessen Wert mit 518 Billionen das Vierfache des globalen BIP beziehungsweise rund das Sechsfache der jährlichen globalen Arbeitseinkommen beträgt und sich fast im Sekundentakt um viele Dutzende Milliarden verändert.</p>



<p>Was das für die Welt insgesamt bedeutet, haben wir oben gesehen: 56 Billionen Zuwachs des Vermögens, 3 Billionen Zuwachs für die Löhne. Wer arbeitet, ist dumm. Wer reich werden will, spekuliert.</p>



<p>Im Falle der Schweiz sieht die Rechnung in etwa so aus: Gesamtvermögen laut UBS-Zahlen rund 5,5 Billionen Franken. Das ist in etwa das Elffache des jährlichen gesamten Arbeitseinkommens von rund 500 Milliarden Franken. Wenn somit das Vermögen auch nur um 1 Prozent wächst, entspricht dieser Zuwachs fast 11 Prozent beziehungsweise jährlich rund 6 Wochen mehr Arbeit für alle.</p>



<p>Klar, nicht alle Schweizer haben genug Geld, um im grossen Stil an der Börse zu spekulieren, und nicht jede Spekulation geht auf. Aber andererseits machen auch immer mehr Schweizer die (von der UBS-Studie eben bestätigte) Erfahrung, dass man mit Arbeit allein auf keinen grünen Zweig mehr kommt. Und fast jeder Schweizer kennt inzwischen jemand, der oder die sich dank einem marktbedingten Vermögenszuwachs einen teuren Sportwagen oder eine Zweitresidenz leisten kann. Das prägt das kollektive Bewusstsein. Vermögensverwalter statt Feuerwehrmann, Immobilienmaklerin statt Krankenschwester, Finanz-Influencer mit eigenem Youtube-Kanal statt Handwerker ist deshalb heute der Berufswunsch vieler Jugendlicher. In der Zwischenzeit üben sie schon mal als Day-Trader im Internet.</p>



<p>Das Handwerk – der Hände Arbeit – hatte einst goldenen Boden. Glaubt man der UBS, ist dies immer noch oder schon wieder so, denn sie definiert die Verwaltung von Vermögen als Handwerk, englisch «craft». «Managing wealth is our craft», lautet der erste Zwischentitel ihrer Broschüre. Und für diese Art von Handwerk hat die Konzentration von Vermögen in immer weniger Händen in der Tat goldenen Boden. Wer jedoch weniger als 200&#8217;000 Franken Vermögen besitzt, braucht diese Handwerker nicht.</p>



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