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		<title>infosperber - Shoutem Feed!</title>
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		<description>Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information SSUI</description>
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					<title>Blutstuten leiden für die Schweinezucht</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/blutstuten-leiden-fuer-die-schweinezucht/</link>
					<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 07:33:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="179" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-23.02.09-300x179.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Blutstute" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-23.02.09-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-23.02.09-768x459.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-23.02.09.png 800w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Aus dem Blut der Pferde wird ein Masthormon für Schweine gewonnen. Als «Nebenprodukt» entstehen Schlachtfohlen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Es könnten Szenen aus einem Horrorfilm sein: trächtige Pferdestuten werden jede Woche in ein spezielles Gehege gedrängt und so fixiert, dass sie sich nicht mehr bewegen können. Dann wird dem Tier eine dicke Kanüle in die Halsvene eingeführt, durch die dann bis zu zehn Liter Blut abgezapft werden, und das jede Woche während rund drei Monaten. In den ersten Monaten produziert die Plazenta einer trächtigen Pferdestute nämlich ein spezielles Hormon für das Wachstum und die Entwicklung des Fohlens, das sogenannte «Pregnant Mare Serum Gonadotropin», kurz PMSG, das sich im Pferdeblut befindet.</p>



<p><strong>Das «Wundermittel» PMSG</strong></p>



<p>Tierzüchter haben herausgefunden, dass dieses für das ungeborene Fohlen essenzielle Hormon noch eine weitere Eigenschaft besitzt: Es steigert die Fruchtbarkeit und verhilft bei anderen Nutztieren zu mehr Fleisch, speziell bei Schweinen. Verabreicht man Schweinen PMSG, werden sie schneller und besser planbar trächtig, sie werfen eine grössere Anzahl Ferkel und garantieren einen schnellen Fleischzuwachs.</p>



<p>Mit PMSG können Schweinezüchter dafür sorgen, dass ihre Sauen alle gleichzeitig trächtig werden. Dadurch kann der gesamte Zyklus von der Besamung über die Geburt bis hin zur Schlachtung der Ferkel in einem Schritt zusammengefasst werden. Das spart Zeit, Geld und Aufwand, das Fleisch wird für die Konsumentinnen und Konsumenten günstiger. Zudem gelangen die weiblichen Ferkel dank PMSG früher in die Pubertät und können so früher selber trächtig werden. Die Anzahl der Ferkel, die geboren werden, kann konstant hoch gehalten werden und die Planung der Zucht ist nicht mehr von Zufällen abhängig. PMSG wirkt also wie ein Wundermittel. Es kann auch bei Schafen oder Rindern eingesetzt werden. Bisher kommt es allerdings vor allem in der Schweinezucht zur Anwendung.</p>



<p>Der Handel mit PMSG boomt; man spricht vom «Roten Gold», dem trächtigen Pferdestuten entnommenen Blut, aus dem das Hormon PMSG gewonnen wird. Der Verkaufspreis des Hormons übersteigt den Goldpreis um ein Vielfaches: ein Gramm PMSG kostet rund 11&#8217;000 Franken, während ein Gramm des Edelmetalls nur 55 Franken wert ist.&nbsp;</p>



<p><strong>Doppeltes Tierleid</strong></p>



<p>Der gezielte Einsatz von PMSG in der Nutztierhaltung verursacht doppeltes Tierleid. Zum einen werden für die «Produktion» des Hormons unzählige Pferdestuten in dafür speziell eingerichteten «Blutfarmen» zum Teil unter erbärmlichen Bedingungen gehalten, zum anderen führt die Behandlung von Schweinen mit dem Hormon zu einer noch einmal erhöhten Kadenz von Geburt, Fruchtbarkeit, Mast und Fleischgewinnung, wodurch die Tiere zu reinen Produktionsmaschinen verkommen.&nbsp;</p>



<p>Bis 2015 wurde PMSG vor allem von Pferdestuten in Uruguay und Argentinien gewonnen. Verschiedene Tierschutzorganisationen hatten die erbärmlichen Umstände der Stutenhaltung und die Gewinnung des «Roten Goldes» dokumentiert, sodass sich viele Pharmaunternehmen aus dem Geschäft mit den südamerikanischen «Blutfarmen» zurückgezogen haben. Besonders stossend fanden die erwähnten Organisationen, dass viele Pferde während der ersten 100 bis 120 Tage der Trächtigkeit bewusst unterernährt gehalten wurden, weil es sich erwiesen hat, dass eher magere Stuten mehr PMSG produzieren als kräftigere.&nbsp;</p>



<p>Zudem gab es die gängige Praxis, dass viele Fohlen nach dieser ersten Phase der Trächtigkeit abgetrieben wurden, weil es ja nicht um sie, sondern um das Hormon PMSG ging. So konnten die Stuten bald wieder trächtig werden, um das begehrte PMSG zu produzieren. Sollten die Fohlen doch ausgetragen werden, gelangten sie bald nach der Geburt in den Schlachthof.</p>



<p>Bei den mit dem Hormon PMSG behandelten Muttersauen führt die Prozedur ebenfalls zu zusätzlichem Tierleid. Die Tiere durchlaufen die Zeit bis zur Geschlechtsreife viel schneller und werden dann in einem beschleunigten Rhythmus trächtig. Die Anzahl der geborenen Ferkel ist meistens zu gross für die Anzahl der Zitzen der Muttersau, sodass einzelne verhungern oder gleich nach der Geburt getötet und «entsorgt» werden.</p>



<p><strong>Verlagerung nach Island</strong></p>



<p>Der Protest der Tierschutzorganisationen wie zum Beispiel die «<a href="https://www.animal-welfare-foundation.org/service/dossiers/production-of-pmsg-in-south-america" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Animal Welfare Foundation</a>» führte aber nicht zu einem Ende dieser widerlichen Praxis, sondern zu einer geografischen Verschiebung. Seit zehn Jahren hat sich Island zum Zentrum von «Blutfarmen» und der Gewinnung des Hormons PMSG gemausert.</p>



<p>Die Tierethikerin Judith Benz-Schwarzburg von der Veterinärmedizinischen Universität Wien verurteilt diese Verschiebung einer sehr problematischen Zuchtmethode: «Gerade Island wirbt mit der Faszination, Islandpferden in idyllischer Natur zu begegnen. Was den Tieren auf Blutfarmen an Leid zugefügt wird, ist mit diesem Image jedoch nicht vereinbar.» In Island soll es im Moment 119 Blutfarmen mit über 5300 «Blutstuten» geben; über 5000 Fohlen sind für den Schlachthof bestimmt. Für die PMSG-Produktion soll die Zahl der «Blutstuten» auf über 20&#8217;000 erhöht werden – ein Drittel der Pferde, die es auf der Insel gibt.</p>



<p>Zuletzt wurde Island als Teil der europäischen Freihandelszone dazu aufgefordert, die EU-Tierversuchsrichtlinie zu befolgen, da regelmässige Blutentnahmen für die Produktion des PMSG-Hormons in der EU seit 2023 als Tierversuch gelten und einer Projektbewertung bedürfen. Für Benz-Schwarzburg gibt es aktuell keine vertretbare Variante der PMSG-Gewinnung: «Die Praktik der Blutstuten ist in vielerlei Hinsichten ethisch problematisch – vom Hineintreiben der Stuten in die Boxen bis hin zu den Abtreibungen der Fohlen.» Ganz zu schweigen vom zusätzlichen Leid der Schweine, das durch PMSG verursacht wird.</p>



<p><strong>Die Schweiz verzichtet freiwillig auf PMSG für die Schweinemast</strong></p>



<p>Aufgrund der Recherchen von Tierschutzorganisationen und der Aufdeckung der skandalösen Praktiken haben in der Schweiz der Bauernverband (SBV) und der Schweinezüchterverband Suisseporcs 2022 beschlossen, auf PMSG zu verzichten. Allerdings basiert der Verzicht auf freiwilliger Basis; laut SBV kommen etwa 95 Prozent der Betriebe dieser Vorgabe nach.</p>



<p>Tierschutzvereine und einzelne Politikerinnen und Politiker fordern aber ein striktes Verbot. Der Bundesrat hat eine entsprechende Motion von Grünen-Nationalrätin Meret Schneider vorerst zurückgewiesen; die Debatte im Nationalrat dazu steht noch aus. Aber so oder so könnte PMSG auch hierzulande Einzug halten, da es in der EU zugelassen ist und somit als Parmaschinken oder anderem Importfleisch auf unseren Tellern landet.</p>



<p>Der <a href="https://www.animal-welfare-foundation.org/stopp-fuer-qualhormon-pmsg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Druck auf Island</a> nimmt zu, und es ist wohl eine Frage der Zeit, bis die «Produktion» von PMSG auf der Insel verboten wird. Dann aber sind wohl die südamerikanischen Länder wieder am Zug, weil dort die Bestimmung lasch und die Lieferketten undurchsichtig sind. Der Horrorfilm, der eben kein Film ist, ist noch lange nicht zu Ende.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/kaschmir-und-mohair-wollig-weich-und-mit-tierleid-getraenkt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kaschmir und Mohair: wollig weich und mit Tierleid getränkt</a>, Infosperber vom 28.12.2022</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/tierquaelerei-in-schweizer-huehnerstaellen-es-ginge-auch-anders/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tierquälerei in Schweizer Hühnerställen – es ginge auch anders</a>, Infosperber vom 31.8.2021</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/schon-wieder-missstaende-in-schweizer-schweineindustrie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schon wieder Missstände in Schweizer Schweineindustrie</a>, Infosperber vom 5.6.2020</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/tierquaelerei-als-show-und-volksvergnuegen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tierquälerei als Show und Volksvergnügen</a>, Infosperber vom 8.4.2018</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Die Falle hiess Dokumentarfilm</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sport/die-falle-hiess-dokumentarfilm/</link>
					<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-16-um-20.14.21-scaled-e1776363749826-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2026-04-16 um 20.14.21" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-16-um-20.14.21-scaled-e1776363749826-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-16-um-20.14.21-scaled-e1776363749826-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-16-um-20.14.21-scaled-e1776363749826-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-16-um-20.14.21-scaled-e1776363749826-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-16-um-20.14.21-scaled-e1776363749826-2048x1229.png 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>SRF wollte einen Film über Patrick Fischer drehen. Dann entschied man sich für etwas Wirkungsvolleres.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Am 29. März 2026 stand Patrick Fischer auf einer Bühne und nahm den Preis als Trainer des Jahres entgegen. Irgendwo in einem SRF-Büro lagen zu diesem Zeitpunkt bereits die Dokumente. Man liess ihn die Auszeichnung entgegennehmen. Dann wartete man.</p>



<p>Die Fakten sind schnell erzählt. Fischer sass vor einem Monat beim Mittagessen mit dem SRF-Journalisten Pascal Schmitz, der ein Porträt über ihn drehen wollte. Er erzählte, ungefragt, von einem gefälschten Covid-Zertifikat. Von der Verurteilung. Von der Busse. Er dachte, die Sache sei so abgeschlossen wie sie es rechtlich war. SRF dachte anders. Man forderte den Strafbefehl an und buchte vier Wochen vor der Heim-WM und Fischers möglichem Karrierehöhepunkt einen Sendeplatz in der «Rundschau».</p>



<p><strong>Was SRF nicht sagt</strong></p>



<p>SRF sagt: Er hat es von sich aus erzählt. Das stimmt. Aber «von sich aus» bedeutet nicht «ohne Kontext». Man traf sich in einem professionellen und vertrauten Rahmen, für ein Projekt, das SRF selbst vorgeschlagen hatte. Ein Porträt über Fischers spirituelle Seiten, seine Rituale, seine unkonventionelle Art. Der Vertrauensrahmen war nicht Fischers Konstruktion. Er war jener von SRF.</p>



<p>SRF-Redaktor Pascal Schmitz erklärt das Dilemma im «10 vor 10» – im eigenen Sender, ohne kritisches Gegenüber – so: «Man muss sich als Journalist fragen: Was macht man jetzt mit dieser Information? Einfach vergessen, oder muss man nicht seiner Aufgabe nachgehen.» Das klingt nach einem klassischen journalistischen Gewissenskonflikt. Aber es ist keiner. Denn Schmitz lässt die dritte Option unerwähnt, die einzige, die dem Vertrauensrahmen entsprochen hätte: Die Information im Film bringen. Mit Fischer. Als Teil einer Geschichte, die einen Menschen in seiner ganzen Widersprüchlichkeit zeigt. Ein Journalist, der ein Porträt dreht und dabei erfährt, dass sein Protagonist mit einem gefälschten Covid-Zertifikat an die Olympischen Spiele gereist war, kann das nicht einfach vergessen, das wäre seine eigene Kapitulation. Aber die Wahl war nicht «vergessen oder sofort raushauen». Die Wahl war: im Film bringen oder jetzt, vier Wochen vor der WM, als Bombe zünden.<br><br>SRF entschied sich dafür, den Rahmen, den man selbst gesetzt hatte, als Hebel zu benutzen. Das geplante Porträt wurde zur Falle. Nicht weil man die Geschichte brachte. Sondern weil man den Moment wählte, der nicht dem geplanten Film diente, sondern der maximalen Erregung.</p>



<p><strong>Skandal als Methode</strong></p>



<p>Das, was erwartungsgemäss folgte, war öffentliche Erregung, kein öffentliches Interesse. Fischer ist kein Politiker, der in vier Wochen zur Wahl gestanden hätte, was die sofortige Publikation gerechtfertigt hätte. Er ist ein Eishockeytrainer, der wegen Urkundenfälschung verurteilt wurde, nachdem er sich auf Telegram ein gefälschtes Covid-Zertifikat bestellt hatte – und dafür bereits 40&#8217;000 Franken Busse bezahlt hat.</p>



<p>Öffentliches Interesse fragt: Muss die Gesellschaft das wissen? Öffentliche Erregung fragt: Wie gross ist der Impact, wenn wir es jetzt bringen? Die Antwort auf die zweite Frage war klar: Nach der WM wäre diese Geschichte, die jetzt so gross gemacht wird, ein interessanter Teil eines Films geworden, aber niemals dieser völlig überdrehte Skandal, für <a href="https://www.watson.ch/sport/medien/249359822-patrick-fischer-verriet-fake-covid-zertifikat-srf-erklaert-hintergrund" target="_blank" rel="noreferrer noopener">den</a> <a href="https://www.watson.ch/sport/eismeister-zaugg/545059665-patrick-fischers-entlassung-beeintraechtigt-die-schweizer-wm-chancen-null" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Watson</a> <a href="https://www.watson.ch/sport/eishockey/515164661-patrick-fischer-so-erfolgreich-war-er-als-nati-trainer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zwanzig</a> <a href="https://www.watson.ch/sport/kommentar/385669681-patrick-fischer-die-unterstuetzung-der-impfgegner-ist-unverstaendlich" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikel</a> <a href="https://www.watson.ch/sport/eishockey/462455476-schweizer-nati-darf-nach-dem-fischer-skandal-keine-interviews-geben" target="_blank" rel="noreferrer noopener">von</a> <a href="https://www.watson.ch/sport/eismeister-zaugg/271028391-patrick-fischer-faelschte-corona-zertifikat-sein-ruf-ist-damit-ruiniert" target="_blank" rel="noreferrer noopener">sieben</a> <a href="https://www.watson.ch/sport/eishockey/182294195-eishockey-schweiz-steht-wieder-vor-einer-schwierigen-heim-wm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Journalisten</a> <a href="https://www.watson.ch/sport/eishockey/216248170-patrick-fischer-log-bei-seinem-gestaendnis-er-war-schon-vorbestraft" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in</a> <a href="https://www.watson.ch/sport/eishockey/520516257-patrick-fischer-darum-verriet-srf-den-nati-trainer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zwei</a> <a href="https://www.watson.ch/sport/eishockey/978894699-lian-bichsel-spricht-ueber-den-skandal-rund-um-patrick-fischer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stunden</a> <a href="https://www.watson.ch/sport/eishockey/309578325-nati-trainer-patrick-fischer-wird-per-sofort-entlassen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verfassen</a> <a href="https://www.watson.ch/sport/eishockey/748922547-patrick-fischer-haette-ganz-leicht-ohne-impfung-zu-olympia-reisen-koennen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">lässt</a>. Dafür brauchte es den Moment, vier Wochen vor der WM, wo sich in dieser Shitstorm-Gesellschaft die Sau durchs Dorf treiben lässt, man kontaktiert Sponsoren, baut maximalen Druck auf, erzeugt den erwartbar grössten Knall, es geht längst nicht mehr nur um Journalismus. Es geht um die Vernichtung einer Existenz.</p>



<p>Und das hat Konsequenzen, die über Fischer – fristlose Entlassung, Sponsoren weg, Karriereabschluss als Naticoach verbrannt – hinausgehen. Was bedeutet dieses Vorgehen für den Journalismus? Wer sich auf ein Langzeitprojekt einlässt – eine Dokumentation, eine Reportage über Monate – erzählt seinem Gegenüber Dinge, die er in einem kurzen Interview nie sagen würde. Das ist kein Fehler. Das ist der Sinn. Nähe erzeugt Offenheit, Offenheit erzeugt Tiefe, Tiefe erzeugt guten Journalismus. Wenn aber jede dieser Offenbarungen jederzeit zur Sofortmeldung werden kann – losgelöst vom Projekt, losgelöst vom Kontext, optimiert auf maximale Wirkung –, dann ist dieser Vertrauensrahmen zerstört. Nicht nur für Fischer. Für jeden, der sich künftig auf ein solches Projekt einlässt. Die Frage, die sich Journalisten stellen müssen: Wollen wir Brandsätze werfen oder Licht machen?</p>



<p><strong>Die Munition</strong></p>



<p>Fischer hätte nach der Heim-WM ohnehin aufgehört. Sein Nachfolger war seit Monaten bestimmt. Nach dem Turnier wären die Proportionen nüchterner gewesen: ein erledigter Strafbefehl, eine bezahlte Geldstrafe, ein abtretender Trainer. Kein Hebel, keine Spirale, kein Knall. Deshalb und nur deshalb musste die Geschichte jetzt kommen.</p>



<p>Und weil die Geschichte jetzt kam, musste sie wachsen. So funktioniert die Spirale: Der erste Artikel zündet, der zweite legt nach, der dritte braucht eine neue Enthüllung. Also wurde nachgelegt: Fischer habe in seiner Stellungnahme gelogen, als er sagte, er habe sich stets ans Recht gehalten, dabei existiere ein Eintrag wegen eines Verkehrsdelikts.</p>



<p>Die Stellungnahme hatte Fischer selbst verfasst. Kein PR-Berater, kein Anwalt. Man kann das Hochmut nennen. Man kann es auch menschlich nennen. Fischer hätte besser das getan, was man tun sollte, wenn man derart unter Druck steht und mit dem Rücken zur Wand, und die Welt ein Geständnis im Stil eines sowjetischen Schauprozesses erwartet: den Mund halten. Ein Verkehrsdelikt. Das ist die Munition, mit der man Menschen heute in unserer hochbeschleunigten Dauererregung erledigt. In ein paar Monaten werden wir uns fragen: Was war das eigentlich?</p>



<p>Die Entlassung durch den Verband ist feige. Und sie ist ein Fehler. Nicht weil Fischer keine Fehler gemacht hätte. Sondern weil wir entschieden haben, dass eine bezahlte Strafe keine bezahlte Strafe ist, solange der Moment der Empörung noch nicht ausgereizt wurde.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/strafe-als-spektakel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Strafe als Spektakel</a>, Infosperber vom 15.&nbsp;April 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/fischer-waehlte-die-vierte-moeglichkeit/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fischer hatte drei Möglichkeiten – er wählte die vierte…</a>, Infosperber vom 16.&nbsp;April 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Wenn die Migros-Bank immer so rechnet …</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/wenn-die-migros-bank-immer-so-rechnet/</link>
					<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DSCN5152-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach DSCN5152" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DSCN5152-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DSCN5152-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DSCN5152-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DSCN5152-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DSCN5152-2048x1228.png 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Infosperber veröffentlicht hin und wieder Cartoons. Aber manchmal sind auch Fotos lustig.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Muss man sich Sorgen um die Migros-Bank machen? Und um deren Kunden? Möglicherweise schon. Denn mit den Zahlen hat es die Bank nicht so.</p>



<p>Da werden aus 17 Stunden schon mal 24 Stunden.</p>



<p>Bleibt zu hoffen, dass die Migros-Bank beim Rechnen mit Franken und Rappen weniger Mühe bekundet als beim Rechnen mit Stunden.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Balkon mit Blick auf die Crack-Szene</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/balkon-mit-blick-auf-die-crack-szene/</link>
					<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 07:33:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Crack-Luzern-scaled-e1776330994562-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Crack Luzern" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Crack-Luzern-scaled-e1776330994562-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Crack-Luzern-scaled-e1776330994562-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Crack-Luzern-scaled-e1776330994562-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Crack-Luzern-scaled-e1776330994562-1536x922.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Crack-Luzern-scaled-e1776330994562-2048x1229.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Tourismusidylle mit urbaner Realität: Luzern hat ein Crack-Problem und plant einen Konsumplatz mitten im Wohnquartier. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Das Schild der Kindertagesstätte Globe-Garden weist den Weg. Noch ein paar Meter, links, dann offenbart sich Luzerns neue Antwort auf sein Crack-Problem: ein schmaler Hinterhof hinter einer leerstehenden Notschlafstelle. Hohe graue Wände auf drei Seiten, dahinter Wohnungen mit Balkonen. Christian Wandeler, Sicherheitsbeauftragter der Stadt, nennt das «ideal», zumindest im Vergleich zu allem anderen. Die Anwohnenden verwenden ein anderes Vokabular.</p>



<p>Ich hatte kürzlich über Luzern und sein Crack-Problem geschrieben. Die Stadt hatte einen <a href="https://newsletter.lu.ch/files/SK/Mitteilungen%202025/09_Sep/20250910_Strategie-%20und%20Massnahmenbericht%20Crack.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sechzehn-Punkte-Plan</a> vorgestellt: pragmatisch, datenbasiert, menschlich. Statt Moral Infrastruktur. Statt Symbolpolitik Koordination. Dann kam der <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/drogenkonsum-im-wohnquartier-konsumort-fuer-crack-suechtige-mitten-in-luzern-loest-kritik-aus" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Crack-Platz</a>.</p>



<p>Natürlich ist das ein aufgelegter Elfmeter. Man käme fast in Versuchung, die Wegbeschreibung einfach abzudrucken und den Rest dem Publikum zu überlassen: Kita, dann noch ein paar Meter, und da sind wir. Das Bild schreibt sich ja praktisch selbst. Unschuldige Kinder gegen Monster-Süchtige, sauberes Luzern gegen Horrordroge, Tourismus-Idylle gegen soziale Realität. Natürlich kommen die Abhängigen erst um 17 Uhr, wenn die Kita sich langsam leert, so sieht es das Konzept vor. Und natürlich wäre es billig, das gegeneinander auszuspielen. Und selbstverständlich ist es das, was in Luzern gerade passiert. Schliesslich steht der Konsumplatz mitten in einem Wohnquartier.</p>



<p><strong>Die Nachbarn</strong></p>



<p>Elena Szirmai und Othmar Kramis leben seit 26 Jahren an der Gibraltarstrasse. Sie sind die direkten Anwohner des geplanten Konsumplatzes. Beide Musiker. Menschen, die nicht zwingend geschniegelt um sieben Uhr aus dem Haus müssen, was inzwischen aber ohnehin irrelevant ist, denn um sieben Uhr erwacht verlässlich der Tiefenbohrer. Direkt hinter ihrem Haus wird gerade auf vier Stockwerken der Berg ausgehöhlt. Dahinter liegt das Schlösschen Schönegg, das den Muff-Brüdern gehört, die mit digitalen Karten reich wurden, die heute Google-Maps heissen. Eigentlich ein beschauliches Quartier, abgesehen vom Dauerlärm.</p>



<p>Die Toleranzkurve sinkt proportional zur Lärmkurve. Frühmorgens die Tiefenbohrung, abends dann die Aussicht auf einen Crack-Platz. Szirmai hat ihren Leserbrief in der Lokalzeitung «Balkon mit Blick auf die Crack-Szene» genannt. Eine fast literarische Formulierung. Der Inhalt ist deutlich weniger poetisch: Einbrüche, Diebstähle, Unsicherheitsgefühl, vor allem aber noch mehr Lärm.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/IMG_8154-768x1024.jpg" alt="IMG_8154" class="wp-image-694095" style="width:500px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/IMG_8154-768x1024.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/IMG_8154-225x300.jpg 225w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/IMG_8154-1152x1536.jpg 1152w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/IMG_8154-1536x2048.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/IMG_8154-scaled.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Balkon an der Gibraltarstrasse: Was aus den Augen, aus dem Sinn geraten soll, liegt hier direkt hinter dem Gartenzaun.</figcaption></figure>



<p>Die Szene ist schon da, wegen der Heroinabgabestelle, die ebenfalls im Quartier liegt. Umso grösser die Angst, dass sie mit einem offiziellen Platz endgültig allgegenwärtig wird. Einige Anwohnende sagen, sie hätten schon jetzt Angst, abends allein durchs Quartier zu laufen. Auch Elena Szirmai sagt, sie gehe abends den anliegenden Gütschweg direkt vor dem Haus seit einer unangenehmen Begegnung mit einem Dealer nicht mehr allein hoch.</p>



<p>Szirmai sagt Sätze, die man mit ein bisschen Bosheit sofort als bürgerliche Härte lesen könnte, die aber im Gespräch anders klingen. «Sie sind abhängig, sie haben ein Problem. Ich muss es nicht lösen. Ich muss es nicht ausbaden.» Dann sagt sie, fast im gleichen Atemzug: «Manchmal finde ich sie unheimlich, wenn sie so aufgeladen sind. Aber ich habe kein Problem mit den Menschen. Sie sind getrieben von der Sucht.»</p>



<p>In diesem Satz steckt viel: keine romantische Verklärung, keine Verachtung, kein Aktivistenpathos, keine Verdrängung. Nur dieser ziemlich nüchterne Gedanke: Ja, sie sind Menschen. Und nein, ich will sie trotzdem nicht direkt neben meinem Garten.</p>



<p><strong>Zu nah, zu eng</strong></p>



<p>«Das Hauptkriterium ist der Lärm», sagt Othmar Kramis. «Die Notschlafstelle, die früher schon hier war, hat nicht gestört. Die Leute waren drinnen. Aber das hier ist etwas anderes: Die Abhängigen dürfen das Haus nicht benutzen. Nur den Platz davor, direkt vor unserem Haus. Wie soll ein solches Nebeneinander funktionieren?»</p>



<p>Es ist das, was Menschen zermürbt. Nicht die grossen Debatten über den Rand der Gesellschaft, sondern Geschrei, Türen, Schritte, Streit, Bewegung, Unruhe. Der Soundtrack einer Existenz ohne wirklichen Rückzugsort.</p>



<p>«Wir hören und sehen alles, was passiert», sagt Elena Szirmai. «Von 17 bis 21 Uhr sollen die Abhängigen hier Crack von ihren Dealern kaufen und dann konsumieren dürfen. Danach, sagt die Stadt, gehen sie dann allenfalls zurück an den Bahnhof.»</p>



<p>Kramis sagt, der Platz sei zu klein, zu eng, nicht grosszügig. An die Ecke gedrängt. Aus den Augen, aus dem Sinn. «Und geschützt ist der Ort ja auch nicht. Es ist einfach ein Platz.» Viel gebaut werden soll dort nicht: eine Zeltkonstruktion, Gitter mit Sichtschutz, ein Segeltuch, ein Toitoi. Mehr ist für den kontrollierten Konsum vorerst nicht vorgesehen.</p>



<p>Das ist vielleicht der wichtigste Einwand. Und zwar nicht einmal aus Sicht der Anwohnenden, sondern aus Sicht derjenigen, um die es hier auch geht. Denn wenn man schon einen Ort schafft, an dem Menschen in Ruhe gelassen werden sollen, dann ist ein enger Hinterhof zwischen Betonwand und Balkonen vielleicht nicht gerade die überzeugendste Form der Schadensminderung.</p>



<p>Hinzu kommt: In zwei Jahren soll das Gebäude ohnehin zu gemeinnützigem Wohnraum umgenutzt werden. Alles also nur temporär. Und bis dahin wollen die Anwohnenden notfalls bis vor Bundesgericht ziehen, um die Umnutzung des Platzes zu verhindern.</p>



<p>Die Informationsveranstaltung der Stadt, als das Projekt vorgestellt wurde: offenbar sorgfältig vorbereitet. Nur die direkten Anwohner hatte man vergessen. Szirmai erfuhr es von einer Nachbarin: «Du kommst doch auch heute Abend?»</p>



<p><strong>«Warum nicht im Regierungsgebäude?»</strong></p>



<p>«Warum plant man den Crack-Platz nicht im Innenhof des Regierungsgebäudes?», sagt Elena Szirmai. «Der würde sich wunderbar eignen. Um 17 Uhr ist da ja Feierabend. Da würden die Süchtigen niemanden stören. Das Gebäude liegt zentral, drei, vier Minuten vom Bahnhof. Das wäre doch mal ein Zeichen.»</p>



<p>Es sind Sätze, die die soziale Geometrie der Debatte ziemlich präzise offenlegen: Wer darf von sozialem Elend belästigt werden? Wer gilt als zumutbarer menschlicher Puffer? Wer hat genug symbolisches Kapital, um als Standort gar nicht erst in Frage zu kommen?</p>



<p><strong>Der Sicherheitsbeauftragte</strong></p>



<p>Ich treffe den Luzerner Sicherheitsbeauftragten Christian Wandeler morgens um acht im Tibits. Wir trinken Hafermilchcappuccino im geputzten Vegetarier-Restaurant im Bahnhof.</p>



<p>Wandeler ist kein kalter Wegschieber. Er wirkt eher wie jemand, der seit Monaten versucht, ein Problem zu lösen, von dem er weiss, dass es derzeit keine wirklich saubere Lösung gibt. Er erscheint ohne Kommunikationsstab, ohne Sprachregelung, ohne das übliche Verwaltungsdeutsch, das einem erklärt, man nehme die Anliegen aller Stakeholder ernst und prüfe verschiedene Optionen im Rahmen eines integralen Prozesses.</p>



<p>Sondern er sagt einfach:</p>



<p>«Ja, natürlich finden die Leute das im Quartier nicht cool.»</p>



<p>«Ja, natürlich ist das nicht ideal.»</p>



<p>«Und nein, lösen tut es das Problem nicht.»</p>



<p>Das ist erst einmal erfrischend.</p>



<p>Der Platz an der Gibraltarstrasse, sagt Wandeler, sei deshalb geeignet, weil das Drop-In, also die Heroinabgabe, sowieso schon im Quartier sei. Gegen 16 Uhr verlagere sich die Szene wegen der Abgabe bereits in die Nähe des Crack-Platzes. «Wir bringen den Leuten nicht die Konsumierenden ins Quartier», sagt er. «Die haben wir schon, aber unkontrolliert.»</p>



<p><strong>Die Zumutung verwalten</strong></p>



<p>Die Stadt will also nicht einfach ein Problem von A nach B verlagern. Sie versucht, etwas zu kanalisieren, das längst da ist und bisher eher diffus durchs Quartier driftet. Einzelne Plätze hätten sich die Crack-Konsumenten ohnehin schon angeeignet, sagt Wandeler, und das führe zu vielen Reklamationen. Denn jetzt seien sie unbeaufsichtigt, unkanalisiert, ohne die Sozialarbeitenden der städtischen Fachstelle SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention), ohne einen Rahmen. Das werde sich an der Gibraltarstrasse durch SIP-Präsenz ändern. Die Polizei, sagt Wandeler, sei in Luzern eher zurückhaltend, das öffentlich so zu formulieren, aber natürlich gehe es am Ende auch darum, auf einem solchen Platz den Kleindeal nicht zu eskalieren. Nicht ständig filzen, nicht dauernd verjagen, nicht jede Bewegung sofort kriminalisieren.</p>



<p>Anders gesagt: Man weiss, dass die Leute nicht plötzlich nüchtern, versorgt und sozial integriert auf diesem Platz erscheinen werden. Man weiss, dass Dealer mitkommen. Man weiss, dass man damit einen halblegalen, halbduldenden Zwischenraum schafft. Und trotzdem macht man es. Nicht, weil das gut ist. Sondern weil das Dauer-Hamsterrad zwischen Bahnhof, Wegweisung, Quartier, Rückverlagerung und nächster Eskalation eben auch nichts löst. «Druck wegnehmen», nennt Wandeler das.</p>



<p>Das ist die Stärke der Luzerner Idee, und gleichzeitig ihre Schwäche – eine Schwäche, die kein Christian Wandeler lösen kann, sondern, wie in Genf geschehen, nur die Politik, wenn sie denn will: Die Menschen bekommen zwar einen Ort, an dem sie eher in Ruhe gelassen werden. Aber sie bekommen – anders als in Genf, wo ab diesem Sommer <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/genf-verschreibt-kokain-gegen-die-crack-krise/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">eine therapeutische Crack-Abgabe</a> eingeführt wird – keinen Stoff. Also bleibt der Suchtdruck. Und wo Suchtdruck bleibt, sind Dealer. Und wo Dealer sind, bleibt auch die Beschaffungskriminalität nicht einfach höflich draussen vor der Gartentür.</p>



<p>Die Anwohnenden haben mit ihrer Skepsis also nicht unrecht. Die Stadt mit ihrem Angebot auch nicht. Niemand liegt hier ganz falsch.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Gibraltar-768x1024.jpg" alt="Gibraltar" class="wp-image-694087" style="width:500px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Gibraltar-768x1024.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Gibraltar-225x300.jpg 225w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Gibraltar-1152x1536.jpg 1152w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Gibraltar-1536x2048.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Gibraltar-scaled.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption">Café Gibraltar im Luzerner Bruchquartier: Nicht schön genug für die Postkarte, aber zentral genug fürs Problem.</figcaption></figure>



<p><strong>Wem gehört der öffentliche Raum?</strong></p>



<p>Wandeler sagt: «Grundsätzlich haben alle Menschen das Recht, sich im öffentlichen Raum aufzuhalten. Auch Menschen, die abhängig sind. Sofern der öffentliche Raum nicht übermässig beansprucht wird.»</p>



<p>Dann beschreibt er die Situation am Bahnhof, bei der Kante B, Feierabendzeit, 20 bis 40 Crack-Abhängige im Hamsterrad, Menschen mit Angst, Pendler mit Ausweichbewegungen, dazu Beschaffungskriminalität, vor allem Diebstahl, und öffentlicher Konsum, sichtbarer als je zuvor, weil Crack die Hemmschwellen pulverisiert.</p>



<p>Ich frage ihn, was «übermässige Nutzung des öffentlichen Raums» bedeutet.</p>



<p>«Wenn man nicht mehr an ihnen vorbeikommt, wenn andere Leute berechtigte Angst haben», sagt Wandeler.</p>



<p>Aber wie viel Not hält eine Stadt aus, bevor sie sie wegräumt? Und wer entscheidet, wann aus Anwesenheit Störung wird?</p>



<p>Wandeler sagt schliesslich etwas, das über Luzern hinausweist. Immer mehr Menschen würden urban leben wollen. Die Sonne, die lebendige Stadt. Aber bitte ohne den Schatten. Ohne das, was auch dazugehört. Ohne die Zumutungen, ohne das, was sich nicht in Stadtmarketing übersetzen lässt.</p>



<p>Ein Crack-Platz direkt neben Balkonen, Gärten und Kindergärten ist nicht automatisch Ausdruck einer besonders progressiven Stadt, würde man ihm an der Gibraltarstrasse antworten. Man könne soziale Realität nicht einfach dadurch humanisieren, dass man sie irgendwo abstelle und dann so tue, als sei das schon Pragmatismus.</p>



<p>Aber die Gegenposition ist natürlich auch nicht besonders anspruchsvoll. Nicht hier, nicht dort, nicht beim Bahnhof, nicht im Quartier, nicht neben Kindern, nicht neben Pendlern, nicht neben Balkonen, nicht neben uns. Irgendwo sollen sie also sein. Nur eben nicht sichtbar.</p>



<p><strong>Die Grenze des Modells</strong></p>



<p>Crack stellt die Soziale Arbeit vor neue Herausforderungen. Die Luzerner Gassenküche habe ihr Animations- und Aktivierungsprogramm faktisch eingestellt, sagt Wandeler, weil man mit vielen Crack-Abhängigen nicht mehr arbeiten könne wie früher. Tagesstrukturen, Beschäftigung, soziale Einbindung – alles Dinge, die unter diesem Stoff schnell ins Leere laufen. «Man macht nur noch Schadensminderung», sagt Wandeler. Essen, trinken, nicht sterben.</p>



<p>Darin liegt auch die Begrenzung des Luzerner Modells: Es schafft einen Ort, aber keine Lösung. Die Leute sollen weniger gejagt, besser erreicht, vielleicht etwas stabilisiert werden. Aber sie bekommen dort keinen Stoff, keine Therapie, keine echte Stabilisierung. Man schaue sehr genau nach Genf, sagt Wandeler: «Wir müssen zwingend versuchen, in diese Richtung zu gehen.»</p>



<p>Und vielleicht ist das der Punkt, an dem der geplante Crack-Platz in Luzern am fairsten beschrieben wäre: nicht als Lösung, nicht einmal als besonders überzeugende Zwischenlösung, sondern als das, was übrig bleibt, wenn die eigentliche medizinisch-therapeutische und sozialpolitische Antwort noch nicht existiert.</p>



<p>Ohne politische Reformen in der Drogenpolitik lässt sich schon jetzt prognostizieren, dass hier vermutlich niemand wirklich glücklich wird: Die Anwohnenden kriegen einen Crack-Platz, der weder grosszügig noch geschützt ist. Die Abhängigen kriegen einen Ort, an dem sie eher in Ruhe gelassen werden. Die Polizei schaut eher weg, weil Verhaftungen die Lage nicht entschärfen, sondern meist nur verlagern.</p>



<p>Manchmal, sagt Wandeler, stehe man vor einer Massnahme, die vielleicht nicht ideal, aber am idealsten sei, und kriege die Chance nicht, weil man mit Einsprachen überzogen werde. Das sei frustrierend. «Ehrlich gesagt blicken wir uns schon nach Alternativen um.»</p>



<p>Auch das ist ein ehrlicher Satz. Und vielleicht ist dies das Beste, was man über Luzern im Moment sagen kann: Dass dort in der Verwaltung Leute sitzen, die wissen, dass ihr Vorschlag keine ideale Lösung ist.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/genf-verschreibt-kokain-gegen-die-crack-krise/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Genf verschreibt Kokain gegen die Crack-Krise</a>, Infosperber vom 20.02.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/ruth-dreifuss-plaediert-fuer-drogen-legalisierung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ruth Dreifuss plädiert für Drogen-Legalisierung</a>, Infosperber vom 03.07.2014</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Fischer hatte drei Möglichkeiten – er wählte die vierte &#8230;</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/fischer-waehlte-die-vierte-moeglichkeit/</link>
					<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=693907</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/fischi-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="fischi" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/fischi-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/fischi-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/fischi-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/fischi-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/fischi.png 1618w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Patrick Fischer ist entlassen. Fischer wäre nach wie vor glaubwürdig gewesen, findet mein Kollege Daniel Ryser. Ich sehe es anders.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Für uns ist die Angelegenheit damit abgeschlossen.» Das schrieb der Schweizerische Eishockey-Verband am Montag Abend und stärkte seinem Nationaltrainer Patrick Fischer den Rücken. Kurz davor war herausgekommen, dass Nationaltrainer Patrick Fischer wegen Urkundenfälschung zu einer Busse von beinahe 39&#8217;000 Franken verurteilt worden war. Fischer zeigte sich in einem Video reuig. Alles schien gut.</p>



<p>Das fand auch mein Kollege Daniel Ryser in seinem gestrigen <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/strafe-als-spektakel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikel</a>. Darin bezeichnet er die mediale Empörung als reines «Spektakel». Ich sehe das anders. Um das zu erklären, muss ich ein bisschen ausholen.</p>



<p><strong>Maskentragen unter freiem Himmel</strong></p>



<p>Es gab während Corona eine Zeit, da mussten wir Masken anziehen, sobald wir fürs Lauftraining das Gelände des Stadions Neufeld in Bern betraten. Es war wohl die absurdeste Massnahme während der Corona-Zeit: Maskentragen unter freiem Himmel!</p>



<p>Ich habe die Maske im Stadiongelände stets angezogen. Denn ich betrachtete die Regel als Teil der Hausordnung. Und ich hatte ja die Wahl: entweder die Maske anziehen oder das Stadiongelände nicht betreten.</p>



<p>Auch China hat eine Art Hausordnung: die Einreisebestimmungen. Während der Olympischen Spiele 2022 war die Impfpflicht ein Teil dieser «Hausordnung». Ob die Impfpflicht sinnvoll war oder nicht, tut nichts zur Sache. Sie galt damals. Punkt.</p>



<p>Patrick Fischer hatte also drei Möglichkeiten:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er hätte auf die Reise nach Peking verzichten können.</li>



<li>Er hätte drei Wochen in Quarantäne gehen können.</li>



<li>Und er hätte sich impfen lassen können.</li>
</ul>



<p>Er wählte bekanntlich die vierte Möglichkeit. Er kaufte ein gefälschtes Impfzertifikat.</p>



<p><strong>Fischer wählte die Abkürzung</strong></p>



<p>Die Snowboarderin Patrizia Kummer entschied anders. Sie liess sich auch nicht impfen. Aber sie ging in Quarantäne. Drei Wochen verbrachte sie isoliert in einem chinesischen Hotelzimmer. Patrick Fischer wählte hingegen die Abkürzung. Dafür wurde er zu einer Busse verurteilt. Er hat bezahlt, und damit sei die Sache erledigt, fand mein Kollege Daniel Ryser gestern.</p>



<p>Was allerdings nicht ganz stimmt. Denn Fischer bleibt bis 2033 im Strafregister eingetragen. Erst dann ist die Sache juristisch erledigt. Aber es gibt auch noch eine andere, eine nicht-juristische Sichtweise. Und die ist ebenso wichtig.</p>



<p><strong>Er war das Aushängeschild</strong></p>



<p>Fischer war kein kleiner Angestellter einer unbedeutenden Firma. Er war Eishockey-Nationaltrainer. Er war der wichtigste Angestellte des Eishockey-Verbandes. Er war das Aushängeschild. Er hätte die Werte des Eishockey-Verbandes hochhalten müssen. Diese Werte sind im <a href="https://www.sihf.ch/media/21754/leitbild-sihf.pdf?/&amp;width=1000" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Leitbild</a> des Verbandes formuliert. Sie lauten etwa:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>«Wir sind ehrlich, nahbar und ambitioniert.»</li>



<li>«Wir stellen die Gesamtinteressen des Sports über Individualinteressen.»</li>



<li>«Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber dem Schweizer Eishockey jederzeit wahr.»</li>



<li>«Ehrlichkeit und der Schutz der Integrität aller Beteiligten ist uns wichtig.»</li>
</ul>



<p>Lügen und Urkundenfälschungen sind mit diesen Werten nicht vereinbar. Fischer ist kein Vorbild für jugendliche Sportler. Er ist das Gegenteil davon.</p>



<p><strong>Beide sind Egoisten</strong></p>



<p>Kollege Ryser sagt auch, dass der Vergleich mit Lian Bichsel hinke. Zur Erinnerung: Lian Bichsel hatte 2022 und 2023 ein Aufgebot für die U20-Nationalmannschaft ausgeschlagen. Patrick Fischer bestrafte ihn deshalb in der Elite-Nationalmannschaft mit «einer Pause», wie er es nannte. Sie dauert noch immer an. Bichsel bekam von Fischer kein Aufgebot mehr. Im Mai wird er nun schon seine dritte Weltmeisterschaft verpassen. Auch an den Olympischen Spielen in Mailand war er nicht dabei.</p>



<p>Kollege Ryser sieht zwischen Bichsel und Fischer einen entscheidenden Unterschied: Bei Bichsel «waren es Absagen eines jungen Profis, der seine Karriereentwicklung priorisierte». Fischer dagegen habe ein Dokument fälschen lassen, «um im Februar 2022 bei seinen Spielern in Peking dabei sein zu können».</p>



<p>Damit idealisiert Ryser den Nationalmannschafts-Trainer. Und er übersieht, dass Patrick Fischer und Lian Bichsel eine Charaktereigenschaft eint: Sie sind beide Egoisten.</p>



<p>Immerhin stand Bichsel dazu. Und er trägt die Konsequenzen bis heute. Fischer versuchte, sich durchzumogeln.</p>



<p><strong>Ein Sportler hält sich an Regeln</strong></p>



<p>Damit hat er seine Glaubwürdigkeit verspielt. Denn er hat unsportlich gehandelt. Ein Sportler, der diesen Namen verdient, hält sich an Regeln, auch wenn er sie nicht einsieht. Er akzeptiert Entscheide, auch wenn er sie für falsch hält. Und wenn er findet, ihm widerfahre grosses Unrecht, dann beschreitet er den Rechtsweg.</p>



<p>Aber er betrügt nicht. Er fälscht nicht. Und er lügt auch nicht.</p>



<p>Kommt hinzu, dass Fischer mit seinem Verhalten nicht nur eine gröbere Strafe für sich selber riskierte – von Swiss Olympic, vom Internationalen Olympischen Komitee, vom Internationalen Eishockey-Verband, vom chinesischen Staat –, sondern auch für seine Mannschaft. Womöglich wäre sie vom Turnier ausgeschlossen worden, falls die Sache 2022 in China aufgeflogen wäre. Kollege Ryser schreibt, Fischer habe Charakter gezeigt.</p>



<p>Das Gegenteil trifft zu.</p>



<p><strong>Reiner Opportunismus</strong></p>



<p>Damit kommen wir zurück zum Schweizerischen Eishockey-Verband. Wie gesagt: «Für uns ist die Angelegenheit damit abgeschlossen», schrieben die Verantwortlichen am Montag Abend. Zwei Tage später haben sie Patrick Fischer entlassen.</p>



<p>Beides ist reiner Opportunismus. Zuerst wollte der Verband seinen Trainer unbedingt behalten, weil in einem Monat die Weltmeisterschaft in der Schweiz ansteht. Und dann hat er ihn doch entlassen, weil der Fall laut Präsident Urs Kessler «eine öffentliche Werte- und Vertrauensdiskussion ausgelöst» habe. Mit anderen Worten: Der Verband hat dem Druck nachgegeben.</p>



<p>Dabei hätte der Verband diese «Werte- und Vertrauensdiskussion» von sich aus führen müssen. Aber erst, nachdem der Druck zu gross geworden war, stellte Urs Kessler gestern Abend fest: «Vertrauen und Integrität sind zentral in unserem Sport und in unserem Verband.» Und: «Es geht um Werte und Respekt, die für Swiss Ice-Hockey zentral sind und von Patrick Fischer 2022 nicht gelebt wurden.»</p>



<p>Das hätte den Verbands-Verantwortlichen auch früher auffallen können. Auch ohne Druck von aussen. Sie hätten nur ihre eigenen <a href="https://m.sihf.ch/media/23776/verhaltensregeln-sihf_cleanversion.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verhaltensregeln </a>lesen müssen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="781" height="465" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Screenshot-2026-04-16-at-09-37-22-verhaltensregeln-sihf_cleanversion.pdf.png" alt="Screenshot 2026-04-16 at 09-37-22 verhaltensregeln-sihf_cleanversion.pdf" class="wp-image-694029" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Screenshot-2026-04-16-at-09-37-22-verhaltensregeln-sihf_cleanversion.pdf.png 781w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Screenshot-2026-04-16-at-09-37-22-verhaltensregeln-sihf_cleanversion.pdf-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Screenshot-2026-04-16-at-09-37-22-verhaltensregeln-sihf_cleanversion.pdf-768x457.png 768w" sizes="auto, (max-width: 781px) 100vw, 781px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Verhaltensregeln des Schweizerischen Eishockey-Verbandes.</figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Daniel Ryser verzichtet auf eine Entgegnung.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/d4a8cd28d461477eacb591df2296ee1d" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Peru wählt neunten Präsidenten innert zehn Jahren</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/peru-waehlt-neunten-praesidenten-innert-zehn-jahren/</link>
					<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 07:31:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Lima-Praesidentenpalast-e1776245680949-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Lima Präsidentenpalast" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Lima-Praesidentenpalast-e1776245680949-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Lima-Praesidentenpalast-e1776245680949-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Lima-Praesidentenpalast-e1776245680949-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Lima-Praesidentenpalast-e1776245680949-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Lima-Praesidentenpalast-e1776245680949.png 1799w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>In der ersten Runde standen 35 Kandidaten zur Wahl fürs höchste Amt. Zwei Konservative treten bei der Stichwahl gegeneinander an.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Nach der ersten Runde der allgemeinen Wahlen in <strong>Peru</strong> scheint sich der gegenwärtige Rechtsdrall in Teilen Lateinamerikas zu bestätigen. Wahrscheinlich werden bei der Stichwahl vom 7. Juni <a href="https://www.srf.ch/news/international/wahlen-in-der-dauerkrise-konservative-liegen-bei-praesidentschaftswahl-in-peru-vorne" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zwei konservative Präsidentschafts-Kandidaten</a> um die absolute Mehrheit kämpfen. Bei der Parlamentswahl verteilen sich die Sitze auf zahlreiche Parteien, ohne dass eine politische Kraft eine klare Mehrheit erreicht.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="256" height="256" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549.png" alt="Romeo Rey" class="wp-image-406159" style="width:228px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549.png 256w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549-150x150.png 150w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549-100x100.png 100w" sizes="auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px" /><figcaption class="wp-element-caption">Romeo Rey, <em><em>früher Lateinamerika-Korrespondent von «Tages-Anzeiger» und «Frankfurter Rundschau», fasst die jüngste Entwicklung zusammen.&nbsp;</em>&nbsp;</em></figcaption></figure>



<p>Gemäss bisherigem Stand der Auszählung liegt <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Keiko_Fujimori" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Keiko Fujimori</a>, die Tochter des früheren Diktators Alberto Fujimori, mit etwa 17 Prozent der Stimmen ganz knapp vor dem ebenfalls konservativen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rafael_L%C3%B3pez_Aliaga" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rafael López Aliaga</a>. Doch hinter diesem Duo rechnen sich weitere Kandidaten eine Chance aus für den Einzug in die entscheidende zweite Wahlrunde. Bei der Wahl des Staatsoberhaupts sind Überraschungen durchaus möglich. Die Erfahrung hat schon mehrfach gezeigt, dass bei solchen Wahlen der Wille von Millionen Stimmberechtigten schwanken und kippen kann.</p>



<p><strong>Sechs bisherige Präsidenten wegen Korruption angeklagt</strong></p>



<p>Die drohende Fragmentierung im Kongress lässt wenig Hoffnung zu, dass sich der Andenstaat politisch stabilisiert, befürchtet die Nachrichtenplattform «<a href="https://amerika21.de/2026/04/284578/wahl-peru-2026" target="_blank" rel="noreferrer noopener">amerika21</a>». Das Präsidialamt hat sich in den vergangenen zehn Jahren wie ein Karussell gedreht. Nicht weniger als neun Machthungrige sprangen auf, keiner und keine konnte das Mandat beenden. Sechs frühere vom Volk gewählte Staatsoberhäupter stehen wegen Korruption vor Gericht oder sitzen im Gefängnis. Der Linkspopulist Alan Garcia beging kurz vor seiner Verhaftung Suizid, um der Schmach zu entgehen.</p>



<p>Als einzige Frau konnte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dina_Boluarte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dina Boluarte</a> Ende 2022 in den Präsidentenpalast im Zentrum von Lima einziehen. Fast drei Jahre lang klammerte sie sich an die Macht – dies obwohl sie kaum über politische Unterstützung im Parlament verfügte. Sie löste die Quadratur des Zirkels, indem sie sich den Launen einzelner Fraktionen oder zufälligen Koalitionen unter den Parlamentariern anpasste.</p>



<p><strong>Brüchige politische Zustände</strong></p>



<p>Derart brüchige politische Zustände herrschten in Peru seit der Ausrufung der Unabhängigkeit im Jahr 1821. Schon im 19. Jahrhundert konnten nur wenige Präsidenten ihr Mandat beenden, wie die schier endlose <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Staatspr%C3%A4sidenten_von_Peru" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Liste von peruanischen Staatsoberhäuptern</a> zeigt. Das Handeln der meisten Politiker des heute 34 Millionen Menschen zählenden Staats schien eh und je auf Fragmentierung hinauszulaufen – es sei denn, Männer mit harter Hand, wie in den Jahren der Weltkriege, bündelten die zentrifugalen Kräfte im Land nach stark konservativen oder gar faschistischen Vorbildern.</p>



<p>So kann es kaum überraschen, wenn inmitten unübersehbar anarchischer Verhältnisse autoritäre Tendenzen als Chance für einen «Neubeginn» gewertet werden. Bei aller politischen Misere fällt auf, dass die Wirtschaft des Landes, die vor allem auf der Ausbeutung von Kupfer und anderen Metallen beruht, erstaunlich konstante Wachstumsraten erzielt. Die seit zwei Jahrhunderten herrschenden Kreise stört es offenbar nicht, wenn das Image der jeweiligen Regierung, des arg zerstrittenen Parlaments und einer chronisch ineffizienten Justiz in den Keller fällt. Hauptsache, der Bergbau funktioniert. Punktuelle Konflikte, bei denen einzelne Gruppen von Indigenen Widerstand leisten gegen die Zerstörung ihrer Umwelt und Monopolisierung von Trinkwasserreserven, hält der Staat mit seinem repressiven Arsenal unter Kontrolle.</p>



<p><strong>Argentinien: Arbeitnehmer sind die Verlierer</strong></p>



<p>Wenn es in dieser ultraliberalen Wirtschaftspolitik einen Leitstern gibt, dann sicher <strong>Argentinien</strong> unter Präsident Javier Milei. Aus ideologischen Gründen – und ebenso aufgrund ökonomischer Analysen – gehen die Meinungen über dessen Pläne und bisherigen Ergebnisse diametral auseinander. Als einer der Sachverständigen, die dank ihrem Leistungsausweis als zuverlässige Quelle gelten können, ist der deutsche Wirtschaftswissenschaftler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Heiner_Flassbeck">Heiner Flassbeck</a> zu nennen. Als ehemaliger langjähriger Vorsitzender der UNO-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) mit starker Projektion auf Lateinamerika ist er wie kaum ein anderer berufen, Meinungen über Mileis radikale Politik zu bilden.</p>



<p>Im Online-Magazin «<a href="http://makroskop.eu/092026/mileis-argentinien-realer-abschwung-hohe-inflation-und-wachsende-arbeitslosigkeit/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Makroskop</a>» stellt Flassbeck zentrale statistische Daten in Frage, die von deutschsprachigen Experten als Beweise für den angeblichen Erfolg der ultra-neoliberalen, auch als «libertär» beschönigten Wirtschafts- und Finanzpolitik gefeiert werden. In seiner Analyse geht Flassbeck mit der unverhüllten Absicht Mileis ins Gericht, eine «Modernisierung» der argentinischen Arbeitsgesetze in die Wege zu leiten. In diesem Zusammenhang will die Regierung in Buenos Aires den Kündigungsschutz drakonisch abbauen – und das in einer Volkswirtschaft, in der 40 Prozent der Arbeitnehmer über keinen Arbeitsvertrag verfügen und somit einer rücksichtslosen Ausbeutung ausgesetzt sind. Zudem soll «das Streikrecht in weiten Teilen faktisch neutralisiert werden».</p>



<p>Das lokale Finanzblatt «<a href="https://www.ambito.com/economia/crisis-laboral-caen-los-salarios-los-pobres-trabajan-mas-horas-y-los-cuentapropistas-buscan-empleo-formal-n6261039">Ámbito</a>» liefert in solchen wichtigen Fragen ebenfalls Munition. Zwar konnte die Inflation von einst rund 200 Prozent im Jahr inzwischen auf etwa 3 Prozent im Monat abgebremst werden. Doch die letzte Etappe von jährlich fast 40 Prozent auf eine einstellige Rate erweist sich im chronisch von Preisauftrieb geplagten Argentinien einmal mehr als die schwierigste, wie auch die konservative «<a href="https://www.lanacion.com.ar/politica/la-guerra-amenaza-al-plan-de-javier-milei-nid10032026/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">La Nación</a>» beobachtet. Monat für Monat müssen die Arbeitnehmer demnach beinharte Reallohnverluste hinnehmen – und jetzt sollen sie noch zusehen, wie ihnen grundlegende Rechte weggenommen werden. Im gewerkschaftlich seit acht Jahrzehnten gut organisierten Argentinien ist das ein heisses Eisen.</p>



<p><strong>Auch Ecuador auf hartem Rechtskurs</strong></p>



<p>Mileis Politik, die tief sitzende Wirtschaftskrise mit Hilfe von Kettensäge und Brechstange meistern zu wollen, hat trotz Widersprüchen und Schwächen Anklang in anderen Staaten Lateinamerikas gefunden. Zum Beispiel in <strong>Ecuador</strong>, dem nördlichen Nachbarn von Peru. Dort herrscht seit einigen Jahren ebenfalls die Rechte mit dem Sohn des reichsten Unternehmers der Nation: Präsident Daniel Noboa. Seine Politik gleicht jener von Javier Milei wie ein Regentropfen dem andern. Sie weckt auch heftigen Widerspruch und Widerstand. Doch anders als in Argentinien wird die Opposition in Ecuador nicht primär von Gewerkschaften, sondern von einer breiten Bewegung indigener Völker getragen.</p>



<p>Gut möglich, dass die nächste – wahrscheinlich konservative – Regierung Perus vermehrt über die Grenze nach Norden schauen und die allfälligen Erfolge und Misserfolge der neoliberalen Politik genau beobachten wird.</p>



<p>_________________________________________________________________________</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="602" height="940" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika.png" alt="Cover_Rey_Lateinamerika" class="wp-image-405811" style="aspect-ratio:0.6404269513008672;width:228px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika.png 602w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika-192x300.png 192w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika-600x937.png 600w" sizes="auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px" /><figcaption class="wp-element-caption">Romeo Rey, Die Geschichte Lateinamerikas vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart, 284 Seiten, 3. Auflage, C.H.Beck 2015, CHF 22.30</figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Der Autor war 33 Jahre lang Korrespondent in Südamerika, unter anderem für den «Tages-Anzeiger»&nbsp;und die «Frankfurter Rundschau».</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Liegen Sie bequem?»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/liegen-sie-bequem/</link>
					<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-AGSSSUTDK9kAETkXzzLDLI-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach AGSSSUTDK9kAETkXzzLDLI" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-AGSSSUTDK9kAETkXzzLDLI-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-AGSSSUTDK9kAETkXzzLDLI-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-AGSSSUTDK9kAETkXzzLDLI-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-AGSSSUTDK9kAETkXzzLDLI-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-AGSSSUTDK9kAETkXzzLDLI.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Lausanner Partei «Ensemble à Gauche» verlangt ein moderateres Vorgehen der Polizei.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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							<item>
					<title>Strafe als Spektakel</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/strafe-als-spektakel/</link>
					<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 08:18:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-14-um-15.35.12-scaled-e1776173826260-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2026-04-14 um 15.35.12" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-14-um-15.35.12-scaled-e1776173826260-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-14-um-15.35.12-scaled-e1776173826260-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-14-um-15.35.12-scaled-e1776173826260-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-14-um-15.35.12-scaled-e1776173826260-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-14-um-15.35.12-scaled-e1776173826260-2048x1228.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Patrick Fischer erzählt die Geschichte vom gefälschten Zertifikat einem SRF-Journalisten. Der Sender macht eine Enthüllung daraus.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Der «Tages-Anzeiger» hat am Dienstag einen <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/patrick-fischer-gefaelschtes-covid-zertifikat-vor-heim-wm-491429827479" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kommentar</a> zu Patrick Fischer publiziert, der als Überlegung verkleidet ein Urteil fällt: «Wenn er nach seinen Prinzipien handelt, zieht er die Konsequenzen und tritt vor der WM zurück.» Fischer ist Nationaltrainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, führte sie dreimal zu WM-Silber und bestellte sich, wie jetzt bekannt wird, im Oktober 2021 auf Telegram ein gefälschtes Covid-Zertifikat, um an den Olympischen Spielen in Peking dabei sein zu können. Dafür wurde er 2023 von der Staatsanwaltschaft Luzern verurteilt und mit knapp 39&#8217;000 Franken gebüsst. Fischer kam einer <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/nach-srf-recherchen-eishockey-naticoach-patrick-fischer-macht-verurteilung-oeffentlich" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Enthüllungsgeschichte</a> von SRF zuvor, indem er den Fall am Montag selbst öffentlich machte.</p>



<p>Fischers Fall, heisst es im «Tages-Anzeiger», zeige jene «Inkonsequenz», die er selbst so sehr verabscheue. Er habe den Spieler Lian Bichsel aus dem Nationalteam ausgeschlossen, weil dieser «aus fadenscheinigen Gründen absagte», und sich nun selbst nicht an Regeln gehalten. Das klingt nach einem Treffer. Es ist keiner.</p>



<p><strong>Kein Geständnis schuldig</strong></p>



<p>Bichsel ist ein 20-jähriger NHL-Verteidiger der Dallas Stars und wohl das grösste Verteidiger-Talent des Schweizer Eishockeys. Er verweigerte zweimal Aufgebote für die U20-Nationalmannschaft: einmal wollte er auf einen Teil der gemeinsamen Vorbereitung verzichten, einmal sagte er eine U20-WM ab, weil er seinen frischen Wechsel nach Schweden nicht unterbrechen wollte. Fischer sperrte ihn daraufhin bis und mit der Heim-WM 2026, ein Entscheid, den der Mannschaftsrat mittrug. Es waren Absagen eines jungen Profis, der seine Karriereentwicklung priorisierte. Fischer dagegen fälschte im Oktober 2021 ein Dokument, um im Februar 2022 bei seinen Spielern in Peking dabei sein zu können. Das sind keine spiegelbildlichen Fälle. Es ist das genaue Gegenteil.</p>



<p>Dann die Forderung nach öffentlichem Bekenntnis. Fischer, schreiben die beiden Sportjournalisten des «Tages-Anzeigers», hätte sich zu seiner Impfskepsis «öffentlich stellen» sollen, so wie Novak Djokovic es tat. Der Vergleich hinkt auf beiden Beinen. Djokovic verweigerte die Impfung, wurde deswegen aus einem Grand-Slam-Turnier ausgeschlossen und trug diese Konsequenz sichtbar. Das war ein politisches Statement, kein Strafbefehl. Fischer wurde verurteilt, büsste und schwieg danach, wie Verurteilte das in einem Rechtsstaat tun. </p>



<p><strong>Wer die Geschichte erzählt</strong></p>



<p>Und schliesslich: die Frage, warum Fischer überhaupt an die Öffentlichkeit ging. Der «Tages-Anzeiger» schreibt, er habe es erst getan, «nachdem er mit den SRF-Recherchen konfrontiert worden war» – ein Mann in der Enge, der keine Wahl mehr hatte. Doch laut Watson-Kolumnist Klaus Zaugg – einem wandelnden Hockeylexikon – <a href="https://www.watson.ch/sport/eismeister-zaugg/200716348-patrick-fischer-so-kam-seine-corona-luege-ans-licht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ist die Geschichte eine andere</a>. Fischer soll die Information selbst preisgegeben haben: im Rahmen einer SRF-Dokumentation über seine Person, in der Annahme, die Angelegenheit sei längst erledigt. Nicht ein Investigativteam hat ihn gestellt. Er erzählte einem SRF-Journalisten von der Sache. SRF machte aus der ihr anvertrauten Information eine Enthüllung, ein Umstand, den die Medienstelle gegenüber Infosperber nicht dementiert. Auf die Frage, ob auszuschliessen sei, dass Patrick Fischer die Information selbst einem SRF-Journalisten offengelegt habe, schrieb eine SRF-Sprecherin: «Nein.» Um anzufügen, man nehme grundsätzlich keine Stellung dazu, wie man an Informationen gelange.</p>



<p>Auf dieser Prämisse – Fischer habe erst geredet, als er in der Enge war – baut der «Tages-Anzeiger» seinen Titel: Fischer habe dadurch «seine Glaubwürdigkeit verspielt». Die Prämisse ist zwar offensichtlich falsch. Aber selbst wenn sie stimmte: Es lohnt sich, die Behauptung ernst zu nehmen und zu fragen, was sie eigentlich meint. </p>



<p>Als Trainer hat Patrick Fischer seine Glaubwürdigkeit nicht verspielt: drei WM-Silber, eine Mannschaftskultur, die schweizweit gelobt wird, Spieler, die für ihn eintreten. Als Mensch? Er hat gelogen, wurde dafür verurteilt und bezahlte. Was danach kommt, ist nicht mehr eine Frage der Glaubwürdigkeit, sondern der Verhältnismässigkeit. Denn Glaubwürdigkeit ist kein fester Besitz, den man wie Geld verspielt. Sie ist, was andere einem zuschreiben und was Medien durch Wiederholung formen. Der Straffall ist vier Jahre alt und rechtlich erledigt. Dass er jetzt als Glaubwürdigkeitsproblem erscheint, ist kein Naturgesetz. «Glaubwürdigkeit verspielt» ist kein Befund. Es ist eine Behauptung, die durch mediale Verbreitung zur vermeintlichen Wahrheit wird.</p>



<p><strong>Wir riefen ein Symbol</strong></p>



<p>Wobei – warten Sie. Der Cheftrainer der Schweizer Eishockeymannschaft kauft sich auf Telegram mit Bitcoin ein gefälschtes Covid-Zertifikat, reist damit nach China ein – ausgerechnet nach China, dem Land mit den strengsten Einreisekontrollen der Welt, wo man für so etwas keine Busse bekommt, sondern vermutlich verschwindet, einfach so, auf Jahre, in einer Strafkolonie irgendwo in der Inneren Mongolei – und wird dafür rechtskräftig verurteilt – und das alles wird bekannt vier Wochen vor Beginn der Heim-WM, bei der wir alle hoffen, dass er nach dreimal Silber endlich Gold holt. Das ist nicht nichts. Das ist auch nicht wenig. Das ist, ehrlich gesagt, eine Geschichte, die man sich nicht ausdenken könnte. </p>



<p>In den Kommentarspalten drehen Herr und Frau Schweizer selbstverständlich durch, weil sie es nicht zusammenbringen: «Fischi», wie sie ihn nennen, unser Eishockey-Nationalheiliger, der in jedem zweiten Interview eigentlich ziemlich unverblümt sagte, dass er sich mehr für peruanische schamanistische Heillehren interessiert als für unsere Schulmedizin, ist nicht nur auf dem Papier ein verrückter Eishockeyfreak – er <em>IST</em> ein verrückter Eishockeyfreak. Und genau das ist der Punkt. Ein Mensch, der so tickt, fälscht kein Zertifikat aus Kalkül. Er fälscht es, weil er glaubt, dabei sein zu müssen. Die Leute werfen ihm Charakterlosigkeit vor. Es ist Charakter.</p>



<p>Patrick Fischer ist kein Bundesrat, der Massnahmen durchsetzte, und kein Lobbyist, der an der Politik mitverdiente. Er ist ein Eishockeytrainer, der sich in einer historisch aufgewühlten Zeit eine Dummheit leistete – einer, der die Impfung für falsch hielt, aber trotzdem bei seiner Mannschaft sein wollte, und der diese beiden Dinge auf eine Art und Weise in Einklang brachte, für die er verurteilt wurde. Er bezahlte seine Strafe. Die Justiz, nicht der Sportjournalismus, ist dafür zuständig, diese Rechnung zu begleichen. Sie ist beglichen. Was jetzt noch eingefordert wird, ist Strafe als Spektakel.</p>



<p>Ein Nationaltrainer, so heisst es, stehe für mehr als Taktik und Resultate. Er repräsentiere Werte, sei ein Symbol. Das stimmt. Aber es ist ein Symbol, das wir ihm auferlegt haben, nicht eines, das er gewählt hat. Fischer wurde angestellt, um eine Mannschaft zu führen, und das tut er nachweislich gut (und dank wahnsinnig viel Glück – oder dem Schutz der von ihm verehrten Shipibo-Schamanen –, dass die Chinesen ihn nicht erwischten, denn sonst würden wir jetzt über etwas ganz anderes reden). Den Rest haben wir hinzugedichtet. Wir riefen ein Nationalsymbol und bekamen einen Menschen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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							<item>
					<title>Keine Einkommenssteuern mehr zahlen? Werden Sie Milliardär!</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/gleichstellung/keine-einkommenssteuern-mehr-zahlen-werden-sie-milliardaer/</link>
					<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 08:17:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Milliardaer-e1774369495192-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Milliardär" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Milliardaer-e1774369495192-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Milliardaer-e1774369495192-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Milliardaer-e1774369495192-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Milliardaer-e1774369495192.jpg 1500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Superreiche zahlen nicht einmal Beiträge für die Arbeitslosen. Denn sie «verzichten» auf Lohn und leben von Kapitalgewinnen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Steuern sind heute nur etwas für normal Arbeitende.&nbsp;</p>



<p>Viele Leute mit grossen Vermögen zahlen relativ wenig oder gar keine Steuern. Milliardäre – und Reiche, deren Vermögen ein paar Hundert Millionen beträgt – können Steuern legal umgehen. Sie nutzen Schlupflöcher, die «normalen» Steuerpflichtigen nicht zur Verfügung stehen.&nbsp;</p>



<p>Wer Lohn bezieht, muss der Steuererklärung den Lohnausweis beilegen. Ein Schlupfloch gibt es nicht. Wer selbständig arbeitet, hat es etwas besser: Er kann mehr Abzüge – auch einen Verlust – geltend machen, um sein steuerpflichtiges Einkommen zu reduzieren.&nbsp;</p>



<p>Andere Regeln gelten für Superreiche. Sie können auf einen Lohn oder sonst ein steuerpflichtiges Einkommen verzichten. Dann kann der Staat keine Einkommenssteuern einziehen. Um Lohnabzüge – wie Beiträge für die Arbeitslosen – können sich Superreiche sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland drücken.&nbsp;AHV-Beiträge, die auch bei sehr hohen Löhnen fällig würden, können sie durch jährliche Mindestbeiträge ersetzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«Zwei Klassen von Menschen»</h2>



<p>«In den USA gibt es heute zwei Klassen von Menschen», erklärte Ray Madoff, Steuerexpertin an der Boston College Law School, der «New York Times»: «Diejenigen, die Steuern zahlen, also die meisten von uns, und die Klasse der Vermögenden. Es handelt sich um eine sich selbst erhaltende Elite, die kaum besteuerte Reichtümer von Generation zu Generation weitergibt.»&nbsp;</p>



<p>In ihrem Buch&nbsp;<a href="https://www.amazon.de/Second-Estate-Code-American-Aristocracy/dp/0226835200" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«The Second Estate: How the Tax Code Made an American Aristocracy»</a>&nbsp;schreibt Madoff, in den USA könnten Milliardäre Steuern fast vollständig umgehen, ähnlich wie dies der französische Adel vor der Revolution von 1789 konnte.&nbsp;</p>



<p>Auch in Europa können Milliardäre Steuern weitgehend umgehen, indem sie Lohneinkünfte vermeiden. Ihr geerbtes oder angehäuftes Vermögen wird nur gering besteuert: Bargeld, Aktien, Obligationen, Gold, Kunstsammlungen, Häuser, Yachten und alle anderen Wertgegenstände.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einkommenssteuern sind für Lohnempfänger</h2>



<p>In Listen der am meisten verdienenden Manager und Verwaltungsräte fällt auf, dass Superreiche wie Jeff Bezos, Warren Buffett, Steve Jobs, Mark Zuckerberg, Peter Thiel oder Elon Musk häufig fehlen. Grund: Sie zahlen sich selber nur einen kleinen oder gar keinen Lohn. Sie gehören zu den Geringverdienern oder zu den Leuten ganz ohne Erwerbseinkommen. </p>



<p>Ihr Geld vermehren sie  in Form von Aktien und Aktien-Optionen oder mit Wertsteigerungen ihrer Immobilien und Kunstsammlungen.</p>



<p>Wenn die Werte von Immobilien, Aktien oder Kunstsammlungen steigen, fällt keine Einkommenssteuer an. Erst wenn Häuser und Wohnungen verkauft werden, wird eine Grundstückgewinnsteuer fällig. </p>



<p>Wenn beim Verkauf von Aktien, Obligationen, Kryptowährungen und anderen beweglichen Privatvermögen Gewinne resultieren, </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>kann man in der Schweiz die Gewinne unversteuert kassieren; </li>



<li>kennt Deutschland eine Abgeltungssteuer von 25 Prozent. <a href="https://www.vlh.de/kaufen-investieren/abgeltungssteuer/verlustverrechnung-so-sparen-sie-steuern.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Realisierte Verluste</a> kann man von Gewinnen abziehen;</li>



<li>versteuern Erben von Aktien in den USA nur jene Kapitalgewinne, die ab dem Zeitpunkt der Erbschaft realisiert werden. Die Wertsteigerungen während des Lebens des Erblassers bleiben unversteuert.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Leben auf Kredit, während das Vermögen steigt</h2>



<p>Superreiche sind allerdings nicht darauf angewiesen, Vermögen mit Gewinn zu verkaufen. Dann fallen auch keine Abgeltungssteuern und Grundstückgewinnsteuern können an.</p>



<p>Um ihre täglichen Ausgaben oder ihren Unterhalt von Yachten, Privatflugzeugen und Privatinseln zu finanzieren, nutzen sie ihre Aktien, Immobilien oder Kunstsammlungen als Sicherheiten, um von Banken günstige Kredite zu erhalten. Solange der Wert ihrer Aktien, Immobilien oder Kunstsammlungen schneller wächst als die Zinsen für die Kredite, werden sie noch reicher als vorher – ohne Steuern zu zahlen.</p>



<p>Die Strategie heisst «buy, borrow, die» («kaufen, leihen, sterben»). Superreiche nehmen auf ihren Wertschriftenbeständen oder anderen Vermögensteilen Kredite auf, ohne je Kapitalgewinne zu realisieren.</p>



<p>In den veröffentlichten&nbsp;<a href="https://www.nytimes.com/live/2026/01/30/us/epstein-files-release" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jeffrey-Epstein-Akten</a>&nbsp;findet sich ein Beispiel dieser Steuerstrategie der Superreichen. Epstein zeigte dem ehemaligen Geschäftsführer Leon Black der Private-Equity-Firma Apollo Group, wie er luxuriös leben kann, praktisch ohne Steuern zu zahlen. Black konnte Hunderte Millionen Dollar ausgeben, die er in Form von zinsgünstigen Bankkrediten erhielt. Als Sicherheit für die Kredite konnten die Banken seine Kunstsammlung belasten. </p>



<p>Laut einem Bericht in&nbsp;«<a href="https://www.forbes.com/sites/johnhyatt/2026/02/07/how-picasso-van-gogh-and-czanne-helped-finance-epstein-client-leon-blacks-billionaire-lifestyle/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Forbes</a>»&nbsp;(«How Picasso, Van Gogh And Cézanne Helped Finance Epstein Client Leon Black’s Billionaire Lifestyle»)&nbsp;<a href="https://www.justice.gov/epstein/files/DataSet%209/EFTA00592903.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">stieg</a>&nbsp;der Wert seiner Kunstsammlung von geschätzten 1 Milliarde Dollar im Jahr 2014 um 400 Millionen Dollar auf 1,4 Milliarden im Jahr 2017. Die Kreditzinsen waren während dieser drei Jahren deutlich tiefer als der Vermögensgewinn von 400 Millionen Dollar, so dass Black in Saus und Braus leben konnte, ohne Einkommenssteuern zu zahlen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>«In den USA besitzen die 1 Prozent Reichsten über 50 Billionen Dollar Vermögen (56 US-Trillion). Das ist mehr als das BIP der USA und China zusammen.»</p>
<cite>Federal Reserve/NYT</cite></blockquote>



<h2 class="wp-block-heading">Erbschafts- und Schenkungssteuern</h2>



<p>Damit eine sich selbst erhaltende Elite die kaum besteuerten Reichtümer nicht von Generation zu Generation weitergeben kann, schlägt Professorin Ray Madoff vor, grosse Erbschaften und Schenkungen hoch zu besteuern. Die Freibeträge, die heute die meisten Menschen vor Schenkung- und Erbschaftssteuern schützen, würden bleiben.</p>



<p>Doch auch gegen Erbschafts- und Schenkungssteuern gibt es ein grosses Schlupfloch: Milliardäre gründen steuerbefreite Stiftungen und verschieben ihre Vermögen in diese Stiftungen. Sie haben dann immer noch eine weitgehende Macht zu entscheiden, wie die Vermögenserträge und das Vermögen ausgegeben wird. Als Stiftungsräte können später auch ihre Erben über die Vermögen steuerfrei verfügen. Stiftungen werden vorwiegend in Ländern gegründet, in denen Stiftungen am wenigsten eingeschränkt sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kapitalgewinne mit 27,5 Prozent besteuert</h2>



<p>Einkommenssteuern sollten sich in demokratischen Ländern nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Besteuerten ausrichten. Wer reich ist, zahlt einen höheren Prozentsatz, als wer arm ist. Zu den Einkommen sollten allerdings nicht nur die Arbeitseinkommen zählen, sondern auch die Kapitalgewinne an den Börsen. Damit wären die Schlupflöcher für Billionäre und Mulitmillionäre im Wesentlichen gestopft – ausser sie verlegen ihren festen Wohnsitz auf ein entferntes Steuerparadies.</p>



<p>In der Schweiz werden Steuern auf Kapitalgewinnen mit der Ausrede bekämpft, dass es in der Schweiz eine Vermögenssteuer gebe. Doch diese ist im Vergleich zu Einkommenssteuern lächerlich tief.</p>



<p>Was Politiker und Medien in der Schweiz und in Deutschland kaum je erwähnen: Österreich hat schon vor fünfzehn Jahren eine hohe <a href="https://www.bmf.gv.at/themen/steuern/sparen-veranlagen/besteuerung-kapitalertraege-inland.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kapitalertragssteuer</a> auf Kursgewinne mit Aktien, Derivaten, Obligationen und auf eigenommene Dividenden eingeführt (unterdessen auch auf realisierte Gewinne mit Kryptowährungen). Der Steuersatz betrug anfänglich 25 Prozent und seit 2016 27,5 Prozent. </p>



<p><a href="https://www.sparkasse.at/sgruppe/privatkunden/sparen-anlegen/anlegen-investieren/wertpapier-services/know-how-anlegen/verlustausgleich" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Realisierte Kursverluste</a> können mit den Gewinnen und bestimmten Erträgen aus Kapitalvermögen verrechnet werden, allerdings nur innerhalb bestimmter Grenzen und immer nur im selben Kalenderjahr.</p>



<p>Wer wenig verdient und die Steuer auf seinem Einkommen weniger als 27,5 Prozent beträgt, kann die Börsengewinne und Dividenden auch zu seinem normalen Einkommen addieren.</p>



<p>Österreiche Banken und Broker ziehen die Steuer bei ihren Abrechnungen direkt ab und überweisen sie ans Finanzamt. Werden die Kapitalgewinne und Dividenden im Ausland erzielt, müssen die Steuerpflichtigen diese in ihrer Steuerrechnung deklarieren. Wer ausländische <a href="https://www.wt-bks.at/blog/auslaendische-kapitalertraege-hinterzogen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kapitalerträge nicht deklariert</a>, riskiert Nachversteuerung, Zinsen und – je nach Verschuldensgrad – erhebliche finanzstrafrechtliche Sanktionen bis hin zu Geld- und in schweren Fällen eine Freiheitsstrafe.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/wie-kamen-sie-zu-milliarden-als-monopolisten-insider-erben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie kamen sie zu Milliarden? Als Monopolisten, Insider, Erben</a>, Infosperber 8.1.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/oesterreich-25-prozent-steuern-auf-boersengewinnen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Österreich schöpft ein Viertel der Kursgewinne mit Aktien als Steuer ab. Nach dem Motto: Kapital statt Arbeit besteuern</a>, Infosperber 25.6.2011</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/d8d9513eaf8a4f2ab6d547659f6df052" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Wir werden die Meerenge von Hormuz auch blockieren!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/wir-werden-die-meerenge-von-hormuz-auch-blockieren/</link>
					<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 08:15:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=693547</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-ET1GImBoqFv8H5lwvfPanz-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach ET1GImBoqFv8H5lwvfPanz" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-ET1GImBoqFv8H5lwvfPanz-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-ET1GImBoqFv8H5lwvfPanz-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-ET1GImBoqFv8H5lwvfPanz-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-ET1GImBoqFv8H5lwvfPanz-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-ET1GImBoqFv8H5lwvfPanz.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Schön, dass sie sich geeinigt haben!»]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>Die Mär vom starken Franken – Viele fallen darauf herein</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/uebriges-wirtschaft/die-maer-vom-starken-franken-viele-fallen-darauf-herein/</link>
					<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=691047</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="179" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Nick-Hayek-am-18-Maerz-e1774627946995-300x179.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Nick Hayek am 18 März" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Nick-Hayek-am-18-Maerz-e1774627946995-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Nick-Hayek-am-18-Maerz-e1774627946995-1024x612.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Nick-Hayek-am-18-Maerz-e1774627946995-768x459.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Nick-Hayek-am-18-Maerz-e1774627946995.png 1318w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Nick Hayek wirft der Nationalbank vor, sie mache die Exportindustrie kaputt. Doch der Franken hat sich seit 2015 sogar abgewertet.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Mit dem Wechselkurs ist es ähnlich wie mit den Löhnen: 10 Prozent mehr Lohn bringen nichts, wenn die Preise vorher um 15 Prozent gestiegen sind. Man spricht dann davon, dass der «reale» Lohn gesunken ist. Unter dem Strich kann man mit dem auf dem Papier höheren «Nominal»-Lohn dann sogar weniger kaufen als vorher.</p>



<p>Bei den Wechselkursen ist es ähnlich: Eine Aufwertung des Frankens um 20 Prozent bedeutet, dass man für einen Franken 20 Prozent mehr Dollar kaufen kann. Doch das nützt den Schweizern, die in die USA reisen oder Waren aus den USA kaufen wenig, wenn die Preise in den USA inzwischen stärker gestiegen sind als in der Schweiz. Sie können dann sogar weniger kaufen als vorher. Auf dem Papier (nominal) hat sich der Franken zwar aufgewertet, aber «real» – in Kaufkraft gemessen – abgeschwächt.</p>



<p>Und so sehen die Zahlen tatsächlich aus:</p>



<p>Von 2015 bis 2025 hat sich der Schweizer Franken gegenüber dem Dollar um satte 20 Prozent aufgewertet. Aber eben nur der nominale Wechselkurs.</p>



<p>Im gleichen Zeitraum sind die Preise in den USA um 35 Prozent gestiegen, in der Schweiz jedoch nur um 8 Prozent. Die Preise sind also in den USA um 27 Prozentpunkte stärker gestiegen als in der Schweiz. </p>



<p>Fazit: Unter dem Strich hat sich der Schweizer Franken in diesen zehn Jahren gegenüber dem Dollar – real, in Kaufkraft gemessen – sogar etwas abgewertet. Der Franken ist trotz der Aufwertung um 20 Prozent real schwächer geworden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Die unterschiedliche Teuerung beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit</h2>



<p>Der Unterschied bei der Teuerung beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit genau so stark wie eine Änderung des Wechselkurses:</p>



<p>Wenn die Preise in den USA um 35 Prozent steigen, kann die Schweizer Exportindustrie ihre Produkte in den USA entweder zu den dort gestiegenen Preisen verkaufen, oder sie erhöht ihre Preise in den USA nicht und hat damit gegenüber der Konkurrenz in den USA einen Wettbewerbsvorteil.*&nbsp;</p>



<p>Dieser Vorteil wurde in den Jahren 2015 bis 2025 geschmälert, weil sich der Franken gegenüber dem Dollar um 20 Prozent aufgewertet hat. Allerdings sind die Preise in den USA um 27 Prozentpunkte stärker gestiegen als in der Schweiz. Deshalb blieb Ende 2025 immer noch ein Vorteil für die Exportindustrie.</p>



<p>Aus Sicht der Schweizer Touristen: Dank der Aufwertung des Frankens erhalten sie für ihre Franken mehr Dollar. Trotzdem wird der Aufenthalt in den USA nicht günstiger. Grund: Die Preise in den USA sind im gleichen Zeitraum viel stärker gestiegen als in der Schweiz. Trotz des stärkeren Frankens können die Schweizer in den USA weniger kaufen als vorher.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Für die Exportwirtschaft ist die EU noch wichtiger</h2>



<p>In die USA exportiert die Schweiz wertmässig rund 20 Prozent aller Exporte. Es folgen Deutschland mit rund 11 Prozent und die übrigen EU-Länder mit gut 40 Prozent.</p>



<p>Im Folgenden ein Vergleich der Schweiz mit Deutschland allein, mit der ganzen EU und mit den USA:</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td></td><td></td><td></td><td></td><td></td></tr><tr><td><strong>Inflation von 2015 bis 2025</strong></td><td></td><td><strong>Teuerung</strong><br><strong>Differenz</strong> <strong>Prozentpunkte</strong></td><td><strong>Aufwertung</strong> <strong>des Frankens<br>2015 bis 2025</strong></td><td><strong>Vorteil</strong>/<br><strong>Nachteil</strong><br><strong>Franken</strong>**</td></tr><tr><td><strong>CH&nbsp;</strong></td><td><a href="https://lik-app.bfs.admin.ch/de/lik/rechner?periodType=Monatlich&amp;basis=AUTO&amp;start=12.2015&amp;ende=12.2025" target="_blank" rel="noreferrer noopener">+   8 %</a></td><td></td><td></td><td></td></tr><tr><td><strong>D<span style="caret-color: rgb(0, 0, 0); color: rgb(0, 0, 0); font-family: -webkit-standard; font-size: medium; white-space: normal;">&nbsp;&nbsp;</span></strong></td><td><a href="https://moneyinrealterms.com/inflation-loss/germany/2015-2025" target="_blank" rel="noreferrer noopener">+ 27 %</a></td><td>+ 19 &nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td>&nbsp;<a href="https://www.exchange-rates.org/exchange-rate-history/eur-chf-2015" target="_blank" rel="noreferrer noopener">14,2 %</a></td><td><strong>&#8211;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</strong><em>5</em><em>%</em></td></tr><tr><td><strong>EU</strong>  </td><td><a href="https://www.in2013dollars.com/europe/inflation/2015?amount=100&amp;endYear=2025" target="_blank" rel="noreferrer noopener">+ 32 %</a></td><td>+ 24 </td><td>&nbsp;<a href="https://www.exchange-rates.org/exchange-rate-history/eur-chf-2015" target="_blank" rel="noreferrer noopener">14,2 </a><a href="https://www.exchange-rates.org/exchange-rate-history/eur-chf-2015" target="_blank" rel="noreferrer noopener">%</a></td><td><em>&#8211;   10 %</em></td></tr><tr><td><strong>USA</strong>&nbsp;</td><td><a href="https://www.in2013dollars.com/us/inflation/2015?endYear=2025&amp;amount=1000" target="_blank" rel="noreferrer noopener">+&nbsp;35 %</a></td><td>+ 27 </td><td>  <a href="https://www.exchange-rates.org/exchange-rate-history/usd-chf-2015" target="_blank" rel="noreferrer noopener">20,0 %</a></td><td><em>&#8211;&nbsp;&nbsp;&nbsp;7 %</em></td></tr><tr><td></td><td></td><td></td><td></td><td></td></tr></tbody></table></figure>



<p>**<em>Hier werden zwei unterschiedliche Dinge verknüpft: eine Inflation (in Prozentpunkten) und eine Kursänderung (in Prozent), weshalb man sie nicht direkt vergleichen kann. </em>A<em>ber ökonomisch fallen 19 Prozentpunkte Inflation stärker ins Gewicht als 14,2 Prozent Aufwertung.</em></p>



<p><br>Gegenüber dem Euro ist der Franken von 2015 bis 2025 noch schwächer geworden als gegenüber dem Dollar (siehe Vorteil/Nachteil Franken). Sogar gegenüber Deutschland allein, wo die Teuerung geringer war als im Durchschnitt der EU, hat sich der Franken im Vergleich real leicht abgewertet.<br></p>



<p>Fazit: Es ist eine Mär, dass der auf dem Papier (nominal) stärker gewordene Franken der Schweizer Exportwirtschaft geschadet hat. Denn real – unter Berücksichtigung der Teuerung im In- und Ausland – ist der Franken sogar etwas schwächer geworden.</p>



<p>Der real schwächere Franken hat dazu beigetragen,, dass die gesamten Exporte der Schweiz von 2015 bis 2025 – ebenfalls real – um rund 30 Prozent zunahmen. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich das reale Bruttoinlandprodukt der Schweiz nur um 16 Prozent.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="664" height="251" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Zunahme-BIP-und-Exporte-xx.png" alt="Zunahme BIP und Exporte xx" class="wp-image-691601" style="width:500px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Zunahme-BIP-und-Exporte-xx.png 664w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Zunahme-BIP-und-Exporte-xx-300x113.png 300w" sizes="auto, (max-width: 664px) 100vw, 664px" /></figure>



<p>Die Exportwirtschaft hat also alles andere als unter einem angeblich zu starken Franken gelitten. Es ging ihr sogar viel besser als der Wirtschaft im Inland.</p>



<p>Zur Exportindustrie gehören auch die ausländischen Gäste der Tourismusbranche. Auch diese profitierte vom real eher schwächer gewordenen Schweizer Franken: Im Jahr 2025 übernachteten sechs Prozent mehr Ausländerinnen und Ausländer in Schweizer Hotels als im Jahr 2015.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">*<strong>Der Einfluss der Inflations-Unterschiede</strong></h2>



<p>Ein einfaches Beispiel: Nehmen wir an, in der Schweiz seien die Preise stabil geblieben, während sie in den USA wegen der Inflation um 10 Prozent gestiegen sind.</p>



<p>Was in den USA vorher 1000 Dollar kostete, kostet jetzt 1100 Dollar.</p>



<p>Für die Schweizer Exporteure ist das eine erfreuliche Entwicklung: Sie können&nbsp;</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>entweder ihre Produkte, die sie in die USA exportieren, dort 10 Prozent teurer verkaufen. Die Schweizer Produkte sind in den USA real dann gleich teuer wie vorher.&nbsp;</li>



<li>Oder sie verkaufen ihre Produkte in den USA weiterhin zum bisherigen Preis. Sie werden dann konkurrenzfähiger, weil die anderen Produkte in den USA aufgeschlagen haben. Die Schweizer Exporteure haben dann einen Wettbewerbsvorteil – zumindest gegenüber in den USA hergestellten Produkten – und können grössere Umsätze erzielen.&nbsp;</li>
</ul>



<p>Umgekehrt müssen US-Exporteure ihre Produkte in der Schweiz zum neuen realen Preis in den USA von 1100 Dollar statt 1000 Dollar verkaufen. Das verteuert die US-Produkte in der Schweiz, so dass sie weniger konkurrenzfähig werden.&nbsp;</p>
</div>



<p>Trotz der realen Abwertung des Frankens seit 2015&nbsp;<a href="https://www.watson.ch/wirtschaft/schweiz/235078524-wegen-frankenstaerke-und-konkurrenz-durch-smartwatches-schweizer-uhrenchefs-in-sorge" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erklärt die Uhrenindustrie</a>, sie sei in erster Linie wegen des starken Frankens frustriert und nicht etwa wegen der Strafzölle von Donald Trump oder der schwächeren Nachfrage in China.</p>



<p>Der starke Franken untergrabe die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie, behauptete Swatch-Chef Nick Hayek. In der &#171;SRF&#187;-Tagesschau klagte er: «Die Stärke des Frankens ist aktuell so übertrieben gegenüber allen Währungen, dass es unmöglich wird, in diesem Land weiter Industrieprodukte herzustellen.»&nbsp;</p>



<p>Auf die reale Abwertung des Frankens angesprochen, meinte Swatch-Chef Nicolas Hayek gegenüber Infosperber, die Exporteure könnten ihre Preise in den USA «nicht automatisch» der Teuerung anpassen. Die inflationsbereinigte Ansicht der Wechselkurse sei «nur ein theoretischer Vergleich für die Statistiken der Nationalbanken». Jedenfalls habe «ein zu hoher Schweizer Franken einen weit grösseren Effekt auf die Volkswirtschaft als viele denken». Der hohe Franken habe die Swatch-Konzernrechnung 2025 mit 308 Millionen Franken belastet. Im Januar und Februar seien weitere 120 Millionen dazugekommen.</p>



<p>Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bestätigt allerdings: «Für die Wettbewerbsfähigkeit ist nicht der nominale, sondern der reale Wechselkurs entscheidend.» Preisbereinigt und handelsgewichtet bewege sich der Franken auch seit Mitte 2025 «relativ stabil».</p>



<p>Die Nationalbank wollte zur Abwertung des Frankens seit 2015 nicht Stellung nehmen.&nbsp;</p>



<p class="has-large-font-size"><br><strong>Positive Effekte für die Volkswirtschaft</strong></p>



<p>Grundsätzlich gilt: Waren, die wir in der Schweiz produzieren, jedoch nicht selber konsumieren, sondern ins Ausland exportieren, nützen der Schweizer Bevölkerung nur bedingt:&nbsp;</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Mit den Einnahmen aus Exporten kann die Schweiz die Importe aus dem Ausland finanzieren. Allerdings exportiert die Schweiz viel mehr, als sie importiert.&nbsp;</li>



<li>Die Exportindustrie beschäftigt etwa <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/arbeit/das-wacklige-fundament-des-standortwettbewerbs-2/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">15 Prozent aller Arbeitnehmenden</a>. Mehr Exporte brauchen mehr Beschäftigte und tragen zur Zunahme der Bevölkerung bei.&nbsp;</li>
</ul>



<p>Entgegen den Aussagen von Nick Hayek hätte ein real stärkerer Franken für die Volkswirtschaft grosse Vorteile:</p>



<p>Je stärker die Kaufkraft des Frankens ist, desto weniger Güter und Dienstleistungen muss die Schweiz exportieren, um mit den verdienten Dollars, Euros oder Yens eine gleiche Menge Güter und Dienstleistungen aus dem Ausland zu kaufen.</p>



<p> «Lässt die Nationalbank den Franken stärker aufwerten, steigt für die Einzelnen die Kaufkraft von Vermögen und Einkommen», stellte Ariel Jost von der Universität Luzern fest. Er war Chefökonom bei Wellershoff &amp; Partners und Mitarbeiter der Nationalbank. </p>



<p>«Der starke Franken bringt uns Wohlstand», titelte die «NZZ am Sonntag» über ihrer eigenen Analyse.</p>



<p>Tatsächlich hat ein real stärkerer Franken folgende Vorteile:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Schweiz kann Benzin, Gas und Heizöl, sämtliche Rohstoffe, Zwischenprodukte, Konsumgüter und Lebensmittel günstiger importieren.</li>



<li>Die Kaufkraft der Schweizerinnen und Schweizer steigt. Sie können mit dem gleichen Einkommen mehr Waren und Dienstleistungen kaufen.</li>



<li>Reisen ins Ausland werden günstiger.</li>



<li>Um die gleiche Menge der günstiger gewordenen Güter aus dem Ausland zu beziehen, muss die Schweiz weniger Waren ins Ausland verkaufen. Es braucht weniger Arbeitskräfte in der Exportindustrie.</li>



<li>Im Inland erhöht sich der Wettbewerbsdruck, was zu höherer Produktivität führt.</li>



<li>Weil importierte Waren günstiger werden, müssen wir für gleiche Einkäufe weniger arbeiten. Oder – was weniger erwünscht wäre – wir können mit gleich viel Arbeit mehr konsumieren.</li>



<li>Ein real stärkerer Franken bremst die Zuwanderung und das Bevölkerungswachstum.***</li>



<li>Das Ausland muss für Produkte aus der Schweiz höhere Preise zahlen.</li>



<li>Schweizer Unternehmen können Firmen im Ausland günstiger kaufen.</li>
</ul>



<p>Je nachdem, ob Wettbewerb herrscht oder ob Oligopole den Markt beherrschen, lassen sich die Vorteile mehr oder weniger stark realisieren.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Nationalbank</strong>: <strong>Negativzinsen oder Kauf ausländischer Währungen</strong></h2>



<p>Die Schweizerische Nationalbank gewichtet das Eigeninteresse der Exportwirtschaft relativ stark. Sonst hätte sich der Franken gegenüber dem Dollar und dem Euro in den letzten zehn Jahren real nicht abgewertet. Und die Schweizer Exporte hätten in diesem Zeitraum nicht um wertmässig reale 30 Prozent zugenommen.</p>



<p>Die Nationalbank hat im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, eine Aufwertung des Frankens zu verhindern:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Sie senkt die Zinsen, damit vor allem Ausländer weniger Schweizer Obligationen und andere Wertpapiere kaufen oder Geld auf Schweizer Bankkonten platzieren. <br>Nachteile: Der heutige Leit-Zinssatz von 0,0 Prozent treibt die Immobilienpreise künstlich in die Höhe und bestraft Sparer und Pensionskassen. Negativ-Zinssätze wären noch problematischer.</li>



<li>Sie kauft massenhaft Dollar, Euro und andere Währungen, so dass mehr Franken in Umlauf kommen. Das schwächt den Franken. <br>Nachteile: Das fördert die Inflation und die Schweiz&nbsp;kommt in den Ruf, den Schweizer Franken zum Nachteil des Auslands zu manipulieren.</li>
</ol>
</div>



<p class="has-small-font-size">***FUSSNOTE<br>Wenn man die Beschäftigung und damit die Zuwanderung bremsen will, sollte dies weniger mit Abgaben oder administrativen Massnahmen geschehen, erklärte Boris Zürcher im Oktober 2024 als abtretender Arbeitsmarktchef des Bundes. «Erfolgsversprechender» wäre es, wenn die Nationalbank einen teureren Franken zulassen würde, um den «Zuwanderungssog» zu bremsen. <br>Aufgrund der Folgen des Frankenschocks von 2015 titelte «NZZ»-Wirtschaftsredaktor Hansueli Schöchli: «Franken-Schock bremst Zuwanderung».</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/37325a2e1ef847669f54ac7ad9a2af63" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Auffällig, dass nur die Frauen gehen müssen»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/uebriges-frau-mann/auffaellig-dass-nur-die-frauen-gehen-muessen/</link>
					<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 07:28:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=693089</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Yassamin-Ansari-e1775913923461-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Yassamin Ansari" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Yassamin-Ansari-e1775913923461-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Yassamin-Ansari-e1775913923461-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Yassamin-Ansari-e1775913923461-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Yassamin-Ansari-e1775913923461.png 1265w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>In der US-Regierung war der Frauenanteil von Beginn an tief. Nun hat Präsident Trump zwei Ministerinnen durch Männer ersetzt.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Nach den Entlassungen von Pam Bondi und Kristi Noem sind nur noch 3 von insgesamt 18 Mitgliedern der US-Regierung Frauen. Beide sind bisher die einzigen Regierungsmitglieder, die in Trumps zweiter Amtszeit ihren Posten verloren haben. Unter den acht weiteren Regierungsmitgliedern ohne eigenes Ministerium sind auch nur drei Frauen. Nun gilt der Posten von Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard als gefährdet.</p>



<p><strong>Männer bleiben trotz Skandalen im Amt<br></strong>Die demokratische Kongressabgeordnete Jasmine Crockett schrieb auf X: «Trump opfert inkompetente Frauen deutlich schneller als inkompetente Männer.» Ihre Parteikollegin Yassamin Ansari forderte, auch FBI-Direktor Kash Patel und Kriegsminister Pete Hegseth müssten entlassen werden. «Ist es nicht auffällig, dass bisher nur Frauen gefeuert wurden? Kash Patel und Pete Hegseth haben beide eine lange Liste von Skandalen und sollten ebenfalls gefeuert werden.» Hegseth hatte über die Chat-App Signal vertrauliche Informationen auf privaten Geräten weitergegeben und damit laut Pentagon das Leben von US-Soldaten gefährdet. Patel hatte bei den Ermittlungen zum Attentat auf Charlie Kirk voreilig verkündet, der Täter sei gefasst.<br><br><strong>«Donald Trump ist ein Frauenfeind»<br></strong>Auch ein Republikaner kritisierte die Entlassung der Ministerinnen. Bill Kristol machte in den Regierungen von Ronald Reagan und George Bush senior Karriere als Beamter. Heute ist er konservativer Kommentator und Kritiker von Donald Trump: «Pam Bondi war schlimm, aber nicht schlimmer als Patel. Noem war schlimm, aber nicht schlimmer als Hegseth. Auffällig, dass nur die Frauen gehen müssen.»</p>



<p>Tara Setmayer, Mitbegründerin des Seneca-Projekts zur Förderung von Politikerinnen, sagte im «Guardian», es sei kaum überraschend, dass Donald Trump Frauen anders behandle als Männer. Für ihn seien Frauen austauschbare Objekte, die er fallen lasse, sobald sie ihm nicht mehr dienlich seien – genau wie die Frauen in seinem Kabinett. Autoritäre Führer sähen unabhängige, einflussreiche Frauen oft als Bedrohung. «Donald Trump ist ein Frauenfeind und seine Regierung zeigt das offen.»<br><br><strong>Die Nächste<br></strong>Laut dem «Guardian» könnte Tulsi Gabbard, Direktorin des Nationalen Geheimdienstes, als Nächste entlassen werden. Trump habe Kabinettsmitgliedern bereits signalisiert, dass er sie ersetzen möchte, angeblich wegen kritischer Äusserungen zum Irankrieg im Kongress. US-Frauenrechtsaktivistin Olivia Julianna schrieb auf X: «Trump hat Kristi Noem gefeuert. Trump hat Pam Bondi gefeuert. Trump wird Tulsi Gabbard als Nächste feuern. Viele Männer in seiner Regierung haben versagt und trotzdem einen Freipass bekommen. Maga-Frauen sollten sich das merken – für ihn seid ihr jederzeit ersetzbar.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin des Online-Magazins <a href="http://www.frauensicht.ch" data-type="link" data-id="www.frauensicht.ch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«FrauenSicht».</a><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Weltwoche-Publizistik hat Methode</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-weltwoche-publizistik-hat-methode/</link>
					<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 07:27:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=693455</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-16.14.17-e1776095031561-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Ungarn-Wahlen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-16.14.17-e1776095031561-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-16.14.17-e1776095031561-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-16.14.17-e1776095031561-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-16.14.17-e1776095031561.png 1115w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Was immer die Mainstream-Medien publizieren, behaupte das Gegenteil. Roger Köppel erntet mit dieser Methode viel Aufmerksamkeit.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Oft haut Chefredaktor und Verleger Köppel Gegenthesen selbst in die Tasten. Kürzlich hat er seinem Medien-Kolumnisten diese Rolle überlassen.  Kurt W. Zimmermann, kein Mann der leisen Töne, schlägt am 2. April gewohnt unbescheiden auf die Pauke. Erster Schlag: «Als einziger Journalist in Westeuropa erwarte ich, dass Viktor Orbán die Wahl in Ungarn gewinnt.» Zweiter Schlag: «Denn als einziger Journalist in Westeuropa kann ich rechnen.»</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="615" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-16.14.17-e1776095031561-1024x615.png" alt="Ungarn-Wahlen" class="wp-image-693453" style="aspect-ratio:1.6650235067915566;width:503px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-16.14.17-e1776095031561-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-16.14.17-e1776095031561-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-16.14.17-e1776095031561-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-13-um-16.14.17-e1776095031561.png 1115w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Prognose von Kurt W. Zimmermann in der Weltwoche vom 2. April 2026</figcaption></figure>



<p>Dann rechnet er los. Er dividiert Wahlprognosen klein: «All die Journalisten, die sich mit ihren Wahlprognosen auf Umfragen stützen, haben indessen keine Ahnung vom ungarischen Wahlsystem». Er jongliert mit den ländlichen Direktmandaten, findet plötzlich Umfragen ganz ok, weil sie seine Rechnung bei den Listenwahlmandaten stützen, und dann folgt die Schluss-Addition: «Meine Rechnung ist damit klar: Viktor Orbán bleibt für vier weitere Jahre Ministerpräsident Ungarns.»</p>



<p>Und wenn es knapp nicht reichen würde, «hat Orbán zudem noch eine zusätzliche Lebensversicherung, um im Amt zu bleiben. Sie heisst Mi Hazank … Falls es für die Fidesz nicht für die alleinige Mehrheit in der Nationalversammlung reichen sollte, dann wird Folgendes passieren. Mi Hazank schliesst mit Viktor Orbán eine Koalition.»</p>



<p>Jetzt ist wieder die Pauke dran: «Ich bin damit der einzige Journalist aus Westeuropa, der bei den Wahlen in Ungarn einen Sieg von Viktor Orbán erwartet.»</p>



<p>Und weil er vielleicht selbst seinen eigenen Rechenkünsten nicht ganz traut, begründet er noch, weshalb gerade er viel von Ungarn versteht: «Ich habe mit meiner ungarischen Frau viele Jahre in Budapest gelebt. Ich bilde mir deshalb ein, ein bisschen etwas von Ungarn zu verstehen. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass die Ungarn gern mit dem Feuer spielen, doch wenn es dann ernst wird, schnell wieder zum Feuerlöscher greifen.»</p>



<p>Seit Sonntagabend wissen wir, die Ungarn haben in diesen Zeiten gar nichts mit dem Feuerlöscher am Hut. Sie zünden lieber Feuerwerke nach dem überwältigenden Wahlsieg von Peter Magyar. Der erreicht mit seiner Tisza sogar die wichtige Zweidrittelmehrheit.</p>



<p>Ungarn tanzt, während Kurt W. Zimmermann Prügel erwartet, die er selbst gerufen hat: «Wenn ich falschliege, dann erdulde ich alle Prügel, die ich zu Recht bekomme.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Die Niederlage von Viktor Orban</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-niederlage-von-viktor-orban/</link>
					<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 07:26:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DHFjjKpZK9h9gWjhscwaf0-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach DHFjjKpZK9h9gWjhscwaf0" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DHFjjKpZK9h9gWjhscwaf0-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DHFjjKpZK9h9gWjhscwaf0-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DHFjjKpZK9h9gWjhscwaf0-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DHFjjKpZK9h9gWjhscwaf0-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/flach-DHFjjKpZK9h9gWjhscwaf0.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




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														</item>
							<item>
					<title>«Fett-weg»-Spritzen verhelfen einer Stiftung zu geballter Macht</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/fett-weg-spritzen-verhelfen-einer-stiftung-zu-geballter-macht/</link>
					<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 08:10:36 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=692731</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="198" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-10-um-14.06.41-300x198.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Universität Kopenhagen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-10-um-14.06.41-300x198.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-10-um-14.06.41-768x507.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-10-um-14.06.41.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Novo Nordisk Stiftung hat Geld en masse und beeinflusst damit Forschung und Politik. Zuerst nur in Dänemark, nun global.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Neunzig Jahre lang spielte die Novo Nordisk Stiftung ausserhalb Dänemarks keine grosse Rolle. Dann kamen die Abnehmspritzen und -tabletten auf den Markt. Jetzt schwimmt die Stiftung im Geld – und steuert damit Politik und Forschung in ihrem Sinn. Innert weniger Jahre stieg die Novo Nordisk Stiftung zur weltweit drittgrössten philantropischen Forschungsförderin auf (nach der Gates Stiftung und dem Wellcome Trust). Von 2020 bis 2024 verdoppelte sie ihr Sponsoring auf 1,4 Milliarden Dollar.&nbsp;Eine <a href="https://collections.unu.edu/eserv/UNU:10336/Private_Foundations_and_Global_Health_Governance.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Recherche</a> des dänischen Wissenschaftlers <a href="https://research.diis.dk/da/persons/adam-moe-fejerskov/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Adam Moe Fejerskov</a> vom dänischen Institut für Internationale Studien nennt es «massiven Einfluss auf die Forschungsförderung und bei der Besetzung von Stellen».</p>



<p><strong>Stiftung muss im Interesse der Pharmafirma handeln </strong></p>



<p>Der plötzliche Reichtum der Stiftung beruht vor allem auf den Verkäufen von Medikamenten gegen Diabetes und Übergewicht durch die Pharmafirma Novo Nordisk. Die Novo Nordisk Stiftung ist Miteigentümerin von Novo Nordisk.&nbsp;</p>



<p>Novo Nordisk machte letztes Jahr einen Umsatz von <a href="https://annualreport.novonordisk.com/2025/strategic-aspirations/financial-performance.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">über 46 Milliarden Dollar</a>. Der Kassenschlager Semaglutid — vielen als «Fett-weg»-Spritze geläufig – zählt in der Schweiz zu den <a href="https://reports.helsana.ch/arzneimittelreport2025/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zehn kostenintensivsten Wirkstoffen</a>. Die Pharmafirma wurde 2023 zum wertvollsten Konzern in Europa. Ihr geschätzter Marktwert übersteigt das dänische Bruttosozialprodukt, ihre Umsatzsteigerungen in den letzten Jahren waren schwindelerregend. Fast 20 Prozent aller Firmensteuern in Dänemark stammten 2023 von Novo Nordisk.&nbsp;</p>



<p>Das Spezielle an der 1922 gegründeten Novo Nordisk Stiftung: Sie ist kommerziell. Ihr Hauptzweck ist, als «engagierte Eigentümerin» von Novo Nordisk zu agieren. Sie vertritt also die Interessen des Pharmaherstellers, an dessen Tropf sie hängt und dessen Kurs sie bestimmt, weil sie <a href="https://www.novonordisk.com/investors/stock-information/share-and-ownership-structure.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">fast 80 Prozent der Aktienstimmen</a> hält. Wo die Grenze zwischen den kommerziellen und den philantropischen Interessen der Stiftung verlaufe, sei nicht immer klar, so Fejerskov.</p>



<p><strong>Soziale Anliegen stehen nicht mehr zuvorderst</strong></p>



<p>Ausserdem soll die Novo Nordisk Stiftung «attraktive Renditen auf das Stiftungsvermögen erzielen» und Investitionen tätigen, die ihre Strategie unterstützen. Über ihre Tochtergesellschaft Novo Holdings hat sie in rund 150 Life-Science- und mehr als 200 andere Unternehmen investiert. Auch die mit mehreren Dutzend Millionen Dollar ausgestattete «World Diabetes Foundation» gehört zur Novo Nordisk Stiftung.&nbsp;</p>



<p>Bestand der Zweck der Stiftung 1950 noch darin, «soziale, humanitäre oder wissenschaftliche Anliegen zu unterstützen», steht inzwischen die naturwissenschaftliche Forschung an erster Stelle. Die Stiftung sei technologiegetrieben und -gläubig, so Fejerskov. In der <a href="https://collections.unu.edu/eserv/UNU:10336/Private_Foundations_and_Global_Health_Governance.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a>, die er für das «International Institute for Global Health» der Universität der Vereinten Nationen verfasste, sind die Förderprojekte der letzten Jahren gelistet. Zum Beispiel über 140 Millionen Dollar für Gen- und Stammzellforschung, 210 Millionen für die Entwicklung eines Quantencomputers, aber auch 28 Millionen Dollar für syrische Flüchtlinge.</p>



<p><strong>Zehn Prozent der Arbeitsstellen an der Universität gesponsert</strong></p>



<p>An der Universität von Kopenhagen verdankte 2023 jeder zehnte Angestellte seinen Lohn ganz oder teilweise der Novo Nordisk Stiftung. &#171;Eine enorme Machtkonzentration in Wissenschaft und Forschung&#187;, findet Fejerskov. Allein die Medizinische Fakultät habe 2023 von der Stiftung 112 Millionen Dollar erhalten, die dort etwa 1050 Stellen finanziert. 264 Millionen seien in eine an der Universität angegliederte Initiative für Impfstoffe und Immunität geflossen. Der Rektor der Universität sah in dieser Forschungsförderung «kein Problem». Zum Vergleich: Die Fakultät für Sozialwissenschaften habe im gleichen Zeitraum nur rund 400&#8217;000 Dollar bekommen.</p>



<p>In Kalundborg, rund eine Stunde von Kopenhagen entfernt, baut die Firma Novo Nordisk ihre grösste Produktionsanlage. Die Stiftung ihrerseits investiere zehnstellige Millionbeträge, um Kalundborg in eine weltweit führende «Biotech-City» zu verwandeln.&nbsp;&nbsp;</p>



<p><strong>Politische Einflussnahme</strong></p>



<p>Ein von der Stiftung gefördertes Bildungszentrum bietet Schulen in Dänemark für die nächsten zehn Jahre kostenlos naturwissenschaftlichen Unterricht an. Fast 237 Millionen Dollar will die Stiftung dafür ausgeben – ein Klacks, verglichen mit den 1,4 Milliarden, mit der sie zehn Jahre lang ein Regierungsprojekt unterstützt.</p>



<p>Dieses soll die Biodiversität auf land- und forstwirtschaftlich genützten Flächen fördern. Gegenüber dem dänischen Finanzminister habe die Stiftung darauf bestanden, dass in der Vereinbarung bestimmte Formulierungen stehen, etwa der Fokus auf «moderne Landwirtschaft». Über die Empfänger des Geldes entscheide die Stiftung, so Fejerskov.</p>



<p><strong>Ausbildung von Pflegefachkräften</strong></p>



<p>Bis 2020 gingen 91 Prozent der Fördergelder an dänische Institutionen. Seither sinkt dieser Anteil, denn mehr und mehr wirkt die Stiftung global.&nbsp;</p>



<p>Der kommerziellen Stiftung stehen dabei mehr Türen offen als dem Unternehmen, dem sie ihren Reichtum verdankt. «Wenn ich als Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines Pharmaunternehmens zum Weltwirtschaftsforum oder zu anderen Veranstaltungen ging, traf ich nur einen sehr begrenzten Kreis von Menschen», sagte der CEO der Stiftung, <a href="https://novonordiskfonden.dk/hvem-er-vi/vores-ledelse/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mads Krogsgaard Thomsen</a>, der früher in verschiedenen Positionen für Novo Nordisk arbeitete. Man werde als Vertreter der Industrie wahrgenommen, «als gewinnorientiertes Unternehmen, das Geld verdienen will. Wenn man aber eine grosse internationale Stiftung leitet, trifft man alle möglichen Leute – Minister nicht nur aus Dänemark, sondern auch aus anderen Ländern –, und diese sind oft in höheren Positionen, weil sie im philanthropischen Bereich tätig sein wollen.»</p>



<p>2023 lancierte die Novo Nordisk Stiftung zum Beispiel die 140-Millionen-Dollar-Kampagne «Partnerschaft für Ausbildung von Gesundheitsfachleuten». Zielgruppe sind Pflegefachpersonen in Indien und <a href="https://www.health.go.ke/kenya-launches-pep-programme-elevate-healthcare-education-and-combat-cmds" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ostafrika</a>. Sie sollen mehr über Diabetes und Herzgefässkrankheiten lernen. Rund <a href="https://bukopharma.de/testbeitrag-diabetes/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">80 Prozent der Menschen mit Diabetes</a> leben in Ländern mit geringen oder mittleren Einkommen. </p>



<p><strong>Das Treffen mit Bill Gates: Ein &#171;Augenöffner&#187;</strong></p>



<p>Ein Treffen mit Bill Gates am WEF sei für den Stiftungs-CEO Mads Krogsgaard Thomsen ein «<a href="https://www.zetland.dk/historie/sevg7Jnz-a8dQKjjz-852dd" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Augenöffner</a>» gewesen. Dabei habe er verstanden, wie eine Stiftung arbeiten und welchen Einfluss sie haben könne. Die Novo Nordisk Stiftung bewundere die Gates Stiftung sehr, folge deren Prinzipien und setze die gleichen strategischen Schwerpunkte, so Fejerskov. Im Fokus der Novo Nordisk Stiftung steht nun menschliche und planetare Gesundheit.&nbsp;</p>



<p>2024 spannte sie mit der Gates Stiftung und dem Wellcome Trust zusammen. Alle drei gaben je 100 Millionen Dollar für Forschungsvorhaben, welche die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels, Infektionskrankheiten, Antibiotikaresistenzen oder ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Ernährung, Immunität, Krankheit und Entwicklung erforschen.&nbsp;</p>



<p>Gemeinsam mit der Gates Stiftung und der vom Facebook-Mitbegründer Dustin Moskovitz ins Leben gerufenen Förderorganisation «Coefficient Giving» (früher «Open Philantropy») lancierte die Novo Nordisk Stiftung die Initiative «Pandemische Antivirale Entdeckung».</p>



<p>Bis 2030, so eine Schätzung, sollen weltweit 643 Millionen Menschen an Diabetes leiden und über 1,2 Milliarden übergewichtig sein. Das sind schlechte Aussichten für die Betroffenen. Aber gute für Novo Nordisk und die Stiftung.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/wie-ein-pharmakonzern-bei-uebergewichtigen-absahnt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie ein Pharmakonzern bei Übergewichtigen absahnt</a>, Infosperber vom 8.9.2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/fett-weg-spritzen-koennten-statt-150-nur-20-franken-kosten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Fett-weg»-Spritzen könnten statt 150 nur 20 Franken kosten</a>, Infosperber vom 16.4.2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/bill-gates-bevormundet-afrikas-bauern/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bill Gates bevormundet Afrikas Bauern</a>, Infosperber vom 5.2.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/who-geraet-immer-mehr-in-abhaengigkeit-von-bill-gates-co/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">WHO gerät immer mehr in Abhängigkeit von Bill Gates &amp; Co.</a>, Infosperber vom 24.9.2022</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>«Gilt das auch rückwirkend?»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/gilt-das-auch-rueckwirkend/</link>
					<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 08:09:46 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=692267</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/heidi013-1israel-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="heidi013-1israel" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/heidi013-1israel-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/heidi013-1israel-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/heidi013-1israel-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/heidi013-1israel.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Israel hat die Ausweitung der Todesstrafe beschlossen – die Massnahme zielt auf Palästinenser.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>kontertext: Dichtestress – Karriere eines üblen Begriffs</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kontertext-dichtestress-karriere-eines-ueblen-begriffs/</link>
					<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 07:58:22 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=692507</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-09-um-12.00.51-e1775729432992-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Dichtestress" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-09-um-12.00.51-e1775729432992-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-09-um-12.00.51-e1775729432992-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-09-um-12.00.51-e1775729432992-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-09-um-12.00.51-e1775729432992.png 1260w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Dichtestress» mag es bei Ratten geben. Für menschliche Verhältnisse ist das Wort so unpassend wie ungebührlich. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Angeblich leiden wir nun alle in diesem Lande wieder an Dichtestress. Die Debatten um die 10-Milionen-Initiative haben begonnen. Oh du lieber Dichtestress, alles ist hin! Wenn Züge, Autobahnen oder Migros-Filialen überfüllt sind, entsteht, so hören wir, als Folge Dichtestress. Wenn die Mieten steigen und die Umweltbelastung zunimmt, so muss Dichtestress als Ursache hinhalten. Der Begriff ist eine Allzweckwaffe, und er ist mächtig. Er mobilisiert heftige, negative Gefühle. Wir wissen sofort: Gefahr droht uns. Und schon glauben wir: Dichte führt zu Stress! Die Sprache suggeriert eine natürliche kausale Verbindung zwischen den beiden. Der Begriff ist auch eine Nebelgranate. Er verdichtet Unzusammenhängendes und Kompliziertes zu einem diffusen Gefühl. Und weil im Nebel niemand klar sieht, kann die SVP für alle möglichen gesellschaftlichen Probleme die Ausländer, Immigranten und Flüchtlinge als Sündenböcke anbieten. </p>



<p>Getrübte Sicht herrscht allerdings auch bei vielen Gegnern der Initiative. Sie kontern mit der alternativen Nebelgranate «Chaosinitiative», statt stärker als derzeit politische und wirtschaftliche Lösungen für die gesellschaftlichen Probleme wie z.B. überfüllte Züge, hohe Mieten oder Fachkräftemangel zu propagieren und dadurch etwas Licht ins Halbdunkel zu bringen. Man könnte zusammenfassend sagen: Die Verwendung des berauschenden Wortes Dichtestress macht dicht, hackedicht. </p>



<p><strong>Vorgeschichte</strong></p>



<p>Recht eigentlich zum Zeitgefühl eines jeden Einzelnen sei der Dichtestress durch die Covid-Pandemie geworden, vermutet der Historiker Jakob Odenwald in einem&nbsp;<a href="https://geschichtedergegenwart.ch/dichtestress/#:~:text=%23Dichtestress%20%E2%80%93%20Zur%20politischen%20Geschichte%20eines%20gegenw%C3%A4rtigen%20Gef%C3%BChls%20%E2%80%93%20Geschichte%20der%20Gegenwart" target="_blank" rel="noreferrer noopener">lesenswerten Essay</a>. Haben wir damals nicht alle gelernt, dass körperliche Nähe gefährlich sein kann?</p>



<p>Indes ist der Begriff älter und die dahinterstehende Idee noch älter. Bereits im 18. Jahrhundert warnte der britische Ökonom Thomas Malthus davor, dass das Bevölkerungswachstum irgendwann an die natürlichen Grenzen endlicher Ressourcen stosse. Ihm entgegnete schon Karl Marx, Armut und Arbeitslosigkeit entstünden nicht durch die naturgegebene Begrenztheit der Ressourcen, sondern durch den Kapitalismus, der eine&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Industrielle_Reservearmee" target="_blank" rel="noreferrer noopener">relative Überbevölkerung</a>&nbsp;produziere. Ganz der Meinung von Marx ist der «Adjunct Fellow» der marktliberalen und konzernnahen Denkfabrik Avenir Suisse, Marco Salvi: Die Thesen von Malthus hätten den Markttest nicht bestanden. Die Ressourcen seien eine gesellschaftliche und somit veränderbare Grösse. Wir hätten es eher mit «Dichte ohne Stress» zu tun, so der Titel&nbsp;<a href="https://www.avenir-suisse.ch/dichte-ohne-stress/#:~:text=Es%20%C3%BCberrascht%20nicht%2C%20dass%20in%20den%201960er%2DJahren,dort%20schwappte%20er%20auf%20die%20Politik%20%C3%BCber">seines Blogeintrags</a>&nbsp;aus dem Jahre 2014.&nbsp;</p>



<p><strong>Von Ratten und Menschen</strong></p>



<p>Der US-Verhaltensforscher John B. Calhoun hatte an Ratten beobachtet, dass bei anwachsender Population in gegebenem Raum ab einem bestimmten Punkt die soziale Ordnung zusammenbricht. Die Tiere werden aggressiv, Weibchen wollen Weibchen begatten, Eltern fressen ihre Kinder. Seine Beobachtungen wurden vom Verhaltensforscher Konrad Lorenz aufgegriffen und gingen in die Populärkultur ein. «Die Bevölkerungsbombe» hiess das berühmt gewordene Buch, das der Biologe Paul Ehrlich 1968 veröffentlichte.&nbsp;</p>



<p>In den 70er Jahren kam das Wort Stress dazu. Der deutsche Verhaltensforscher Dietrich von Holst hatte mit Tupajas Versuche zum sozialen Stress durchgeführt.&nbsp;Diese Baumspitzhörnchen sind ausgesprochen ungesellige und unsoziale Eigenbrötler, die Menschen dagegen sind soziale Wesen.&nbsp;Trotzdem wurden,&nbsp;einer konservativen und reaktionären Zeitströmung folgend,&nbsp;die Beobachtungen der Verhaltensforscher schnell aus der Biologie auf Menschen übertragen. Der Begriff Dichtestress erlebte eine erste Hochkonjunktur. 1976 rief der Spiegel den Stress zur «Krankheit des Jahrhunderts» aus. Der Biokybernetiker Frederic Vester gestaltete ein TV-Serie und publizierte das erfolgreiche Sachbuch «Phänomen Stress».&nbsp;</p>



<p>Stress war für Vester zwar durchaus ambivalent, aber er scheute sich nicht vor Verallgemeinerungen und verlangte politische Massnahmen zur Stressminimierung. Er zitierte zustimmend einen Kollegen mit der Aussage: «Irgendwann gibt es für jede Gattung eine Grenze der Dichte» und erzählte dem staunenden Publikum:</p>



<p>«Zu manchen Aspekten des Verkehrsgewühls in unseren Grossstädten zeigt die wimmelnde Ansammlung einer überbevölkerten Mäusepopulation erschreckende Parallelen (…). Automatisch entstehen bei dieser Verkehrsdichte Gruppen von sich beissenden, verknäuelten Tieren, verendende Tiere, struppige, ungepflegte Untergebene und demgegenüber einige wenige vollgefressene der oberen Hierarchie mit glänzendem sauberem Fell.»&nbsp;</p>



<p>Der struppige Untertan gegen den dickbäuchigen Bonzen mit glänzendem Fell – das ist ein starkes, gesellschaftliche Erfahrungen nachhaltig modellierendes Bild. Gelegentlich haben Vesters Erzählungen auch ein Geschmäckle:&nbsp;&nbsp;</p>



<p>«In einigen afrikanischen Nationalparks hatten sich die geschützten Elefantenherden so vermehrt, dass sie drohten, ihr Revier völlig kahl zu fressen und zu verhungern. Die Behörden sahen keine andere Möglichkeit mehr, als selbst die Funktion des fehlenden Dichtestresses zu übernehmen. Sie erlaubten, den Elefantenbestand um die Hälfte zu dezimieren, damit wenigstens der Rest gesunden und überleben konnte.»</p>



<p><strong>Da ist die Schweiz mal Avantgarde</strong></p>



<p>Nach Vester verschwindet der Begriff Dichtestress aus der breiteren Öffentlichkeit, überlebt aber in Traktätchen am rechten Rand des Meinungsspektrums, wo die Vorliebe für biologistische Argumentationen auch hingehört. Ab den 90er Jahren jedoch kommt er mit Macht zurück, und zwar vor allem in der Deutschschweiz. Hier ist das Land mal Avantgarde und leistet Neues: Der Begriff wird mit den «Fremden», den «Ausländerinnen» verbunden und angeschlossen an die Tradition des Überfremdungsdiskurses, die über Schwarzenbach bis in die 30er Jahre zurückreicht. Den Stress verursacht nicht mehr die Vermehrung der eigenen Population, sondern der Import von Menschen. Das Resultat: Fremdenhass.&nbsp;</p>



<p>Als im Jahre 2014 zwei untereinander verwandte Volksinitiativen, die Masseneinwanderungsinitiative (Kontingente für Einwanderung) und die ECOPOP-Initiative «Stopp der Überbevölkerung» (Begrenzung der Zuwanderung auf 0,2% jährlich) zur Abstimmung kommen, steigt die Verbreitung des Wortes massiv an. Es wird auch zum&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wort_des_Jahres_(Schweiz)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unwort des Jahres</a>&nbsp;gewählt. Und der Filmer und Publizist Thomas Haemmerli publiziert im Kein&amp;Aber-Verlag das handliche Sammelbändchen: «Der Zug ist voll. Die Schweiz im Dichtestress». Es enthält viele der hier verwendeten Zitate und einige der hier vorgetragenen Überlegungen. Es ist heute noch lesenswert.&nbsp;</p>



<p><strong>Wieder und wieder und wieder</strong></p>



<p>Genauer: es ist heute erst recht wieder lesenswert, denn die SVP lässt ja nicht locker. Sie legte über die Jahre eine einwanderungs- und flüchtlingsfeindliche Initiative nach der anderen vor. Derzeit steht ihre Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» zur Abstimmung an. Sie löst Diskussionen aus, die auch das trübe Wort vom Dichtestress wieder in die Öffentlichkeit spülen, sogar im Infosperber (siehe&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kritik-an-der-einwanderung-bleibt-ein-tabu/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/einwanderung-brauchen-wir-nicht-wirklich/">hier</a>). Nun ist es natürlich richtig, über die – durchaus lösbaren! &#8211; gesellschaftlichen Probleme zu diskutieren, die zu den Gefühlen und Einstellungen führen, welche die SVP mit dem Begriff «Dichtestress» synthetisiert und verfälscht. Niemand muss sich mit der dünnen Kampagne der SP zufriedengeben. Aber der Begriff selbst mit seinem biologistischen und rassistischen Erbe taugt nicht. Die Übertragung populationsbiologischer Erkenntnisse auf die menschliche Soziologie ist falsch und wissenschaftlich widerlegt.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden arn unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Wahltag in Ungarn: Nichts bleibt beim Alten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/falls-orban-verliert-was-trotzdem-alles-beim-alten-bleibt/</link>
					<pubDate>Mon, 13 Apr 2026 06:00:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=693099</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Petr-Magyar-e1776063140938-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Petr Magyar" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Petr-Magyar-e1776063140938-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Petr-Magyar-e1776063140938-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Petr-Magyar-e1776063140938-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Petr-Magyar-e1776063140938.png 1493w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Alle «Schwerpunktgesetze» kann das Parlament nun mit einer Zweidrittelmehrheit ändern: Steuern, Justiz, Wahlkreise, Pride-Paraden.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Was trotz allem beim Alten bleibt», schrieb Infosperber. Denn Viktor Orban hatte dafür gesorgt, dass man in Ungarn eine Zweidrittelmehrheit nicht nur für «reine»&nbsp;Verfassungsänderungen braucht, sondern für&nbsp;weite Teile der Politik, die in sogenannten «Schwerpunktgesetzen» geregelt sind.</p>



<p>Doch jetzt bleibt nichts beim Alten: Oppositionsführer Peter Magyars Partei Tisza hat am Sonntag die Zweidrittelmehrheit erreicht. Damit kann die neue Regierung sowohl die Verfassung als auch die «Schwerpunktgesetze» ändern.</p>



<p>Schwerpunktgesetze regeln folgende Bereiche:</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><thead><tr><td><strong>Bereich</strong></td><td><strong>Inhalte mit 2/3‑Schutz</strong></td></tr></thead><tbody><tr><td>Wirtschafts-/Finanzpolitik</td><td>Steuergrundsätze, Schuldenbremse, Haushaltsregeln</td></tr><tr><td>Sozial-/Rentenpolitik</td><td>Grundstruktur der Rentenversicherung, zentrale Sozialleistungen</td></tr><tr><td>Familienpolitik</td><td>Definition Familie, Förderinstrumente, steuerliche Familienvorteile</td></tr><tr><td>Wahl- und Parteienrecht</td><td>Wahlrecht, Parteilandschaft, Mandatsverteilung</td></tr><tr><td>Institutionen/Justiz</td><td>Verfassungsgericht, Justizorganisation, Staatsanwaltschaft</td></tr><tr><td>Medien/Kirchen</td><td>Medienaufsicht, öffentlich-rechtliche Medien, Anerkennung Kirchen</td></tr></tbody></table></figure>



<p class="has-large-font-size"><strong>Einige betroffene Bereiche im Detail</strong></p>



<p><br><strong>Wirtschafts- und Finanzpolitik</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Flat Tax, besondere Steuererleichterungen für Familien oder strukturelle Unternehmenssteuern gegen einfache Mehrheiten abgesichert.</li>



<li>Schuldenbremse, Defizitgrenzen, Rolle des Haushaltsrates.</li>



<li>Bestimmte Sonderabgaben und wirtschaftspolitische Leitprinzipien.</li>
</ul>



<p>Konsequenz: Eine neue Regierung könnte zwar kleine Steuersätze anpassen, aber keinen grundlegenden Steuerkurswechsel vollziehen, ohne mit Minderheiten eine Zweidrittelmehrheit zu finden.</p>



<p><strong>Sozial- und Rentenpolitik</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die&nbsp;Grundstruktur des Rentensystems&nbsp;(Rentenalter, Anspruchs- und Berechnungsprinzipien).</li>



<li>Verschiedene Sozialleistungen sind mit der 2/3-Regel abgesichert.</li>
</ul>



<p><strong>Familien-, Gesellschafts- und Kulturpolitik</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Verfassung definiert Ehe als Verbindung von Mann und Frau: «Der Vater ist ein Mann und die Mutter ist eine Frau». Der Mensch ist «entweder Mann oder Frau».<br>Eine rechtliche Anerkennung anderer Geschlechtsidentitäten bräuchte eine Zweidrittelmehrheit.&nbsp;</li>



<li>Ein Schwerpunktgesetz regelt den&nbsp;Schutz der Familie. Dazu gehören
<ul class="wp-block-list">
<li>der Begriff der Familie,</li>



<li>viele familienpolitische Förderinstrumente,</li>



<li>steuerliche Familienprivilegien.</li>
</ul>
</li>



<li>2025 beschloss das Parlament mit Zweidrittelmehrheit Änderungen der Verfassung, die es erlauben,&nbsp;Pride‑Paraden und LGBTQ‑Veranstaltungen&nbsp;unter Berufung auf den «Schutz von Kindern» und die «öffentliche Moral» zu verbieten.</li>
</ul>



<p><strong>Straf-, Ordnungs- und Migrationspolitik mit Verfassungsrang</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Kriminalisierung von Obdachlosigkeit: Das «Nutzen des öffentlichen Raums für Wohnzwecke» ist verboten.</li>



<li>Das «Ansiedeln fremder Völker» in Ungarn ist verboten.&nbsp;</li>



<li>Elemente der inneren Sicherheit wie Anti‑NGO‑Regelungen und Einschränkungen für bestimmte Organisationen sind teilweise durch Zweidrittelgesetze abgesichert.</li>
</ul>



<p><strong>Wahlrecht und Parteien</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Das Wahlrecht – Zuschnitt der Wahlkreise, Verhältnis zwischen Direktmandaten und Listen, Sperrklauseln – ist als Schwerpunktgesetz ausgestaltet.&nbsp;</li>



<li>Die Finanzierung von Parteien und deren Zugang zu Medien sind ebenfalls teilweise durch Zweidrittelgesetze abgesichert.</li>
</ul>



<p><strong>Justiz und Verfassungsgericht</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Organisation der Gerichte, Befugnisse der Justizverwaltung und Teile der Staatsanwaltschaft sind in Zweidrittelgesetzen geregelt.</li>



<li>Eingeschränkte Kompetenzen des Verfassungsgerichts.</li>
</ul>



<h1 class="wp-block-heading"><strong>Medien und Kirchen</strong></h1>



<ul class="wp-block-list">
<li>Das Medien-Schwerpunktgesetz von 2010/2011 sieht eine stark politisierte Medienaufsicht und Sanktionierungsmöglichkeiten vor.</li>



<li>Die Anerkennung von Kirchen und Religionsgemeinschaften ist teilweise in Zweidrittelgesetzen geregelt.</li>
</ul>



<p class="has-large-font-size"><br><strong>«Eingefrorene Politik» oder «illiberale Demokratie»</strong></p>



<p>Damit ist jetzt Schluss. Denn die vielen Zweidrittelgesetze – von Steuer- und Rentenpolitik über Familien‑ und Migrationspolitik bis hin zu Wahlrecht und Medienordnung –&nbsp;können jetzt mit einer Zweidrittelmehrheit geändert werden.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Bundeszentrale für politische Bildung: <a href="https://www.bpb.de/themen/parteien/rechtspopulismus/553473/make-hungary-great-again/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rechtspopulismus in Ungarn</a></li><li>Bundeszentrale für politische Bildung:&nbsp;<a href="https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/308619/10-jahre-fidesz-regierung-lage-der-demokratie-in-ungarn/">«Lage der Demokratie in Ungarn»</a>.</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/acd74afdfbfe460bb9645a7687380cf7" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Blackout in Spanien 2025: Die Erneuerbaren waren’s nicht</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/blackout-in-spanien-2025-die-erneuerbaren-warens-nicht/</link>
					<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 08:24:48 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=692123</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/idee-gemalte-gluhbirne-1132748-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="idee-gemalte-gluhbirne-1132748" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/idee-gemalte-gluhbirne-1132748-300x200.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/idee-gemalte-gluhbirne-1132748-1024x683.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/idee-gemalte-gluhbirne-1132748-768x512.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/idee-gemalte-gluhbirne-1132748-1536x1024.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/idee-gemalte-gluhbirne-1132748-2048x1365.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Nach dem Blackout im vergangenen Jahr kamen die Schuldzuweisungen prompt. Der Abschlussbericht korrigiert.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Am 28. April 2025 gegen Mittag gingen in Madrid und Lissabon die Lichter aus. Die Iberische Halbinsel erlebte einen der grössten europäischen Blackouts der vergangenen Jahrzehnte. Züge blieben stehen, Spitäler mussten auf Notstrom umstellen, Mobilfunknetze fielen aus. Der grossflächige Stromausfall verursachte landesweites Chaos und grosse Folgeschäden, vor allem in der Lebensmittelindustrie. Es dauerte rund 12 Stunden, bis die Stromversorgung komplett wiederhergestellt war. </p>



<p>In den Stunden und Tagen danach überboten sich Medien, tatsächliche oder selbsternannte Experten und Social Media mit Mutmassungen darüber, wo die Ursache gelegen hatte. Für einige war klar: Die Erneuerbaren müssen schuld sein. Andere vermuteten einen Cyberangriff oder eine Wetteranomalie.</p>



<p>Um den am 20. März veröffentlichten <a href="https://www.entsoe.eu/publications/blackout/28-april-2025-iberian-blackout/#Publications_&amp;_Documents" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abschlussbericht</a> der europäischen Übertragungsnetzbetreiber Entso-E blieb es dagegen auffällig still. 49 Expertinnen und Experten hatten dafür ein Jahr lang die Ursachen für den grossflächigen Stromausfall untersucht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was genau ist am 28. April 2025 geschehen?</h2>



<p>Der 28. April 2025 war ein sonniger, etwas windiger Frühlingstag ohne Extreme. Bereits am Vormittag zeigte sich die Spannung im spanischen Stromnetz instabil. Es gab Schwingungen (im Fachbegriff: Oszillationen) im spanischen Netz, wenig später auch zwischen der Iberischen Halbinsel und dem Rest Europas.</p>



<p>Versuche, die Lage zu stabilisieren, schlugen fehl. Ab 12:32 stieg die Spannung in Spanien stark an. Es kam zu Notabschaltungen, was die Lage weiter verschlimmerte. Um 12:33 wurden Spanien und Portugal vom europäischen Netz getrennt. Das Stromnetz brach zusammen.</p>



<p>Die Abschaltung war also eine Art Schutz, um noch Schlimmeres zu verhindern. Das gesamte europäische Stromnetz drohte aus dem Takt zu geraten. Wie konnte das passieren?</p>



<p>Dazu muss man sich anschauen, was mit «Takt» gemeint ist. Anschauen ist dabei wörtlich zu verstehen: Wer jemals ein Wasserkraftwerk oder überhaupt ein grösseres Kraftwerk besichtigt hat, erinnert sich sicher an die eindrucksvolle Grösse der Turbinen, die den Strom erzeugen. Diese Turbinen drehen sich in ganz Europa genau gleich schnell, und zwar 50 Mal pro Sekunde. Sie produzieren damit Wechselstrom, der 50 Mal pro Sekunde die Richtung wechselt. Diese Netzfrequenz von 50 Hertz ist einheitlich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Im Detail: Turbine, Masse und Netzfrequenz</h2>



<p>Sehr kleine Abweichungen davon sind möglich und müssen kompensiert werden, damit alle Kraftwerke wieder perfekt synchron laufen. Dafür läuft ein Generator ein winziges bisschen schneller, ein anderer bremst dafür etwas ab.</p>



<p>Zustande kommen Schwankungen – vereinfacht gesagt – durch Angebot und Nachfrage. Idealerweise ist immer so viel Strom im Netz, wie gerade verbraucht wird. Die riesigen Turbinen reagieren dabei wie Ozeandampfer – sie sind träge und stabilisieren dadurch das Netz. Sehr gut erklärt hat das vor fünf Jahren die <a href="https://www.republik.ch/2021/02/12/bringen-wind-und-sonne-das-stromnetz-aus-dem-gleichgewicht">«Republik»</a> im sehr lesenswerten Artikel «Gerät das Stromnetz aus dem Takt?».</p>



<p>Wird die Schwankung oder Schwingung zu gross, kann sie nicht mehr ausgeglichen werden. Es braucht weitere Massnahmen, um alle Teilnehmer wieder zu synchronisieren, oder der Strom fällt schlussendlich aus. Deshalb geben sich Netzbetreiber so grosse Mühe, Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten. Sie treffen beispielsweise Vorkehrungen für den Fall, dass ein Kraftwerk ausfällt.</p>



<p>In der Realität geht es dabei nicht um zwei Generatoren, sondern um sehr viele – über Ländergrenzen hinweg. Am 28. April habe es auch im Baltikum Oszillationen gegeben, berichtet der <a href="https://www.dnr.de/aktuelles-termine/aktuelles/energiewende-blackout-auf-der-iberischen-halbinsel-befeuert-falsche" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutsche Naturschutzring</a> in einer Analyse. Diese hatten aber keine weiteren Folgen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine einfache Erklärung gibt es nicht</h2>



<p>Bei einem Ausgleich gehen grosse Mengen Energie zwischen Netzen hin und her, um sie zu stabilisieren. Das ist besonders dann problematisch, wenn die Leitung schwach ist. Zwischen Spanien und dem Rest Europas ist das so: Es gibt nur vier Hochspannungsleitungen nach Frankreich, der Netzausbau stockt seit Jahren.</p>



<p>Dazu kamen weitere Eigenheiten im spanischen Netz. Der Betriebsbereich spanischer Generatoren liege beispielsweise zu nah an der maximal zulässigen Spannung, listet <a href="https://www.cleanthinking.de/ursache-fuer-den-blackout-in-spanien-entso-e" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Clean Thinking»</a> in einer Zusammenfassung des Entso-E-Berichts auf. Einige Kraftwerke schalteten sich deshalb während der Schwankungen ab, was die Lage verschlimmerte.</p>



<p>Das ist aber nur eine der Diagnosen. Eine einfache Erklärung gibt es nicht. Insgesamt hat Entso-E einen sogenannten Root-Cause-Tree erstellt, der verschiedene Ursachen grafisch aufführt. Unter anderem wurden Gegenmassnahmen manuell statt automatisch ausgelöst, was wertvolle Zeit kostete.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ausfall der Solaranlagen war Folge, nicht Ursache</h2>



<p>Zahlreiche Photovoltaik-Anlagen schalteten sich infolge der Instabilität im Netz ab; sie seien aber nicht die Ursache der Netzprobleme gewesen, stellt der Bericht fest. Ein Schluss, den zunächst einige Beobachter gezogen hatten. Windräder und Solaranlagen haben keine sich drehenden Massen. Sie nutzen einen Wechselrichter, der aus dem Gleichstrom der Anlage Wechselstrom macht. Sie tun also so, als ob sie eine traditonelle Kraftwerksturbine hätten. Das heisst: Erzeuger von erneuerbarem Strom sind flexibler, aber auch empfindlicher als die grossen Kraftwerksturbinen.</p>



<p>Sie könnten damit aber helfen, das Netz stabil zu halten, empfiehlt Entso-E. Beispielsweise indem sie mehr Blindleistung ins Netz einspeisen oder aufnehmen und dadurch helfen, die Spannung zu regulieren. Blindstrom ist der Anteil des Stroms, der «nicht wirkt», also nicht in Leistung umgesetzt werden kann. Alle Kraftwerke produzieren einen Teil davon. Die spanischen Kraftwerke liegen laut dem Bericht damit unter den Vorgaben von Red Eléctrica – eine der Ursachen für den Ausfall am 28. April 2025.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Woran der Blackout am 28. April 2025 nicht lag</h2>



<p>Kritisieren lassen müssen sich im Nachhinein einige Nachrichtenagenturen und viele grosse, bekannte Medien. Erste Analysen gab es gleich nach dem Vorfall und in den Tagen und Monaten danach. Für die Lobbyorganisationen der Fossilen war die Sache klar: Die Erneuerbaren sind schuld. Es braucht mehr Atomkraftwerke, sonst versinkt ganz Europa im Chaos. Es gab wilde Theorien, zahlreiche Interessengruppen kämpften um die Deutungshoheit, einige Mutmassungen wurden unüberlegt verbreitet. Zunächst also eine leider notwendige Liste dessen, woran das spanische Stromnetz nicht zusammenbrach:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Nicht am Versagen der erneuerbaren Energieerzeuger.</strong> Eine Aussage, die zunächst dem spanischen Netzbetreiber Red Eléctrica zugeschrieben wurde. Spaniens Strommix besteht zu 50 bis 60 Prozent aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Solarfarmen.</li>



<li><strong>Nicht an einem Cyberangriff.</strong> Angeblich eine Aussage der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die die Kommission umgehend dementierte. Eine Theorie, die durch Fake News befeuert wurde.</li>



<li><strong>Nicht an einem seltenen Wetterphänomen.</strong> Mehreren Medien zufolge eine Angabe des portugiesischen Netzbetreibers Rede Eléctrica Nacional (REN), der diese Aussage bestritt.</li>



<li><strong>Nicht an einem Fehler in einem Unterwerk in Granada. </strong>Das berichtete beispielsweise die deutsche <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/europa/spanien-stromausfall-102.html">«Tagesschau»</a> unter Bezug auf die spanische Energieministerin Sara Aagesen. Ursache sei ein Übersetzungsfehler gewesen, erklärte der Wissenschaftler Leonhard Ghandi gegenüber «Clean Thinking».</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Vorschläge von Entso-E</h2>



<p>Die Gruppe von Expertinnen und Experten von Entso-E macht 21 Vorschläge, wie sich die Netzstabilität in Spanien und Europa verbessern lässt. Die wichtigsten: Bessere Regelungen für Generatoren zur Spannungskontrolle und ein einheitliches Vorgehen im Grenzbereich der 400-Kilovolt-Netze in ganz Europa. Der Betriebsbereich soll damit weiter von der Maximalspannung entfernt sein und eine Notabschaltung weniger wahrscheinlich machen. Dazu empfiehlt das Gremium ein einheitlich europäisches Vorgehen zur Dämpfung von Inter-Area-Oszillationen (Schwankungen zwischen mehreren Verbundteilnehmern).</p>



<p>Im Gesamten: mehr Koordination, intelligentere, fortgeschrittene Technik, mehr Kooperation im gesamten europäischen Stromnetz. Dazu wünscht sich Entso-E bessere Kommunikation und klarere Verantwortlichkeiten – was sich nach fast jeder Krise sagen lässt. Kein einziger Vorschlag richtet sich gegen den Betrieb von Solar- und Windkraftanlagen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Am Ende hängen alle im gleichen Netz</h2>



<p>Die Gegebenheiten in Spanien am 28. April vergangenen Jahres lassen sich zwar nicht exakt auf andere Länder übertragen. Deutschland und die Schweiz sind beispielsweise weniger empfindlich, weil dort andere Voraussetzungen herrschen. Am Ende hängen aber alle im gleichen Netz.</p>



<p>Solarfarmen tragen derzeit zur Resilienz des Systems bei. Die Energie- und Preiskrise wegen des Krieges im Nahen Osten hat Spanien bisher verschont – und zwar wegen seines hohen Anteils an Erneuerbaren im Strommix. Ganz anders als so manches andere europäische Land, das von fossilen Energien wie Öl und Gas deutlich abhängiger ist.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.entsoe.eu/publications/blackout/28-april-2025-iberian-blackout/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">28 April 2025 Blackout</a> – Entso-E Themenseite</li><li><a href="https://www.sciencemediacenter.de/ang.../angebote/stromausfall-in-spanien-2025-wie-kann-ein-solcher-vorfall-in-zukunft-verhindert-werden-26057#hypertranscript=58,64.2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stromausfall in Spanien 2025: Wie kann ein solcher Vorfall in Zukunft verhindert werden?</a> – Press Briefing des Science Media Center mit Jutta Hanson, Professorin und Leiterin des Fachgebiets elektrische Energieversorgung unter Einsatz erneuerbarer Energien an der TU Darmstadt, Christian Rehtanz (ebenfalls TU Darmstadt) und Leonard Ghandi (Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme), Video-Aufzeichnung vom 20. März 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/energieproduktion/der-fast-blackout-den-es-nicht-gab/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Fast-Blackout, den es nicht gab</a> &#8211; Infosperber am 13. Mai 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>«Houston, wir haben ein Problem!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/houston-wir-haben-ein-problem/</link>
					<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 08:22:11 +0000</pubDate>

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					<title>Neue KI wird für Hacker und Terroristen zur Traumwaffe</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/neue-ki-wird-fuer-hacker-und-terroristen-zur-traumwaffe/</link>
					<pubDate>Sat, 11 Apr 2026 08:09:01 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Claude-Mythos-e1775831856999-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Claude Mythos" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Claude-Mythos-e1775831856999-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Claude-Mythos-e1775831856999-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Claude-Mythos-e1775831856999.png 976w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Neuer KI-Agent kann Stromnetze, Spitäler oder Militäranlagen lahmlegen. Bereits hat er kritische Sicherheitslücken aufgedeckt.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><em>Red. Als Vizekanzlerin im Bundeshaus von 1991 bis 2005 leitete die Autorin verschiedene Digitalisierungsprojekte. Heute verfolgt Hanna Muralt Müller&nbsp;die Entwicklung der künstlichen Intelligenz in ihren&nbsp;<a href="https://muralt-mueller.ch/2024-3/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newslettern</a></em>.</p>



<p><br>Zurzeit schlägt der&nbsp;neue Agent von Anthropic, «Claude Mythos Preview», hohe Wellen. Im Gegensatz zu einem Chatbot, der auf eine Frage eine Antwort gibt, kann ein KI-Agent ein Ziel selbstständig verfolgen. Er plant, führt aus und liefert dir ein Ergebnis zurück.</p>



<p>Der neue Agent habe bisher unentdeckte Sicherheitslücken in der Software von sicherheitsrelevanten Anlagen gefunden und könne in den falschen Händen zur verheerenden Cyberwaffe werden. Tatsächlich hat sich KI in den letzten Monaten mit exponentieller Geschwindigkeit entwickelt, wie im Folgenden aufgezeigt wird. Die Schlussfolgerungen (Kasten) sind disruptiv – aber es gibt Hoffnung.</p>



<p><strong>Anthropics «Claude Mythos Preview»</strong></p>



<p>Was der Agent <a href="https://red.anthropic.com/2026/mythos-preview/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Claude Mythos Preview»</a> wirklich kann, lässt sich nur von den Expertenteams jener rund 40 Tech-Firmen nachprüfen, die exklusiven Zugang zum Agenten erhielten. Auch die Konkurrenten von Anthropic wurden mit der Aktion «Projekt Glasswing» bedient. Es geht um Fragen der nationalen, ja der globalen Sicherheit. Wie die <a href="https://www.nytimes.com/2026/04/07/opinion/anthropic-ai-claude-mythos.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«New York Times» </a>schrieb, seien mit «Mythos» bereits tausende gefährliche und zum Teil langjährige Schwachstellen aufgedeckt worden. Es betreffe dies Betriebssysteme, die weltweit Stromnetze, Wasserversorgungsanlagen, Spitäler und militärische Systeme steuern.</p>



<p>Die US-Tech-Firmen können nun ihre Modelle mit diesem Agenten auf Sicherheitslücken prüfen, in der Hoffnung, diese noch rechtzeitig zu stopfen. Denn derselbe Agent wird für Hacker zur Traumwaffe, um Schwachstellen zu finden und auszunutzen. Das Schadenspotenzial ist riesig. Wichtige Infrastruktursysteme zu hacken, war bisher nur mit Expertenwissen grosser Institutionen möglich. Mit dem Agenten «Mythos» wird dies offensichtlich zu einem Kinderspiel, zugänglich für Kriminelle, Terrororganisationen und auch kleine Staaten, unabhängig von ihrem KI-Knowhow.</p>



<p><strong>Agenten revolutionieren das Programmieren</strong></p>



<p>Bereits im letzten Jahr gab es grössere Fortschritte im Bereich des&nbsp;Programmierens, des sogenannten Coding. Gegen Ende 2025 war der Automatisierungsgrad so hoch, dass sich das&nbsp;<a href="https://www.wired.com/story/claude-code-success-anthropic-business-model/?utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_mailing=WIR_PremiumModelBehavior_040226&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=WIR_PremiumModelBehavior_040226&amp;bxid=68ca6c3fc2a10caf0f0cf423&amp;cndid=90482378&amp;hasha=2a9ca483b4854136d1f085bad5d78b45&amp;hashc=78682c95602ab6826fb9e92fec158d0c2b93f25b32992198d90a332326a03706&amp;utm_term=WIR_PremiumAIBusiness" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Coding massiv veränderte</a>. Entwickler schreiben seither kaum noch selber Programmierzeilen. Sie überlassen dies mehreren parallel arbeitenden mehreren KI-Agenten und konzentrieren sich auf strategische Entscheide zu deren Einsatz, zur Überwachung ihrer Arbeit und zur Evaluation. Beim sogenannten&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Vibe_coding" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vibe coding</a>&nbsp;wird der gewünschte Code ausschliesslich mit einer Anweisung (Prompt) über ein grösseres Sprachmodell generiert. Dies ermöglicht auch Anfängern das Programmieren; das Ergebnis muss aber kritisch überprüft werden.</p>



<p>Als Spitzenreiter unter den Code-Agenten etablierte sich&nbsp;<a href="https://www.anthropic.com/product/claude-code" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anthropics Claude Code</a>. Ein kurzfristiger Ausfall des Dienstes Anfang März zeigte die&nbsp;<a href="https://www.businessinsider.com/claude-outages-anthropic-ai-software-engineers-developers-coding-dependance-2026-3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abhängigkeit der Programmierer</a>&nbsp;[oder Codierer] auf. Trotz der enormen Effizienzsteigerung arbeiten die Programmierer nicht weniger, sondern mehr, neugierig, nervös und getrieben wie bei einem&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/04/04/ai-agents-burnout-addiction-claude-code-openclaw?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Suchtverhalten</a>.</p>



<p><strong>Anthropics Cowork lässt Softwareindustrie erzittern</strong></p>



<p>Nutzende setzten den Agenten Claude Code nicht nur zum Programmieren ein. Es entstand&nbsp;<a href="https://www.anthropic.com/product/claude-cowork?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Claude Cowork</a>, ein Agent, der auf dem Desktop selbständig agiert. Man kann ohne Programmiererfahrung komplexe Arbeitsabläufe automatisieren. Noch verfügt der Agent aus Sicherheitsgründen nur über eine eingeschränkte Autonomie. Seit der Lancierung im Januar 2026 verbesserte Anthropic den Agenten Claude Cowork mit&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/02/26/the-race-to-catch-claude" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zusätzlichen Tools</a>&nbsp;(auch zur verbesserten Sicherheit) und löste insbesondere bei Softwarefirmen einen Kurseinbruch von 30 Prozent aus. Die&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/02/20/ai-microsoft-software-industry?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axioslogin&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">befürchtete Apokalypse</a>&nbsp;blieb aus und insbesondere grosse Softwarefirmen wie&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/03/31/salesforce-announces-an-ai-heavy-makeover-for-slack-with-30-new-features/?utm_campaign=daily_am" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Salesforce</a>, die sofort ihre Software mit agentischen Fähigkeiten weiterentwickelten, zählen zu den Gewinnern.</p>



<p><strong>Panne macht Claude Code unfreiwillig öffentlich</strong></p>



<p>Wegen eines menschlichen Fehlers war kurz vor Ostern mit Claude Code der führende Programmieragent öffentlich einsehbar. Der Quellcode wurde sofort&nbsp;<a href="https://www.businessinsider.com/claude-code-leak-what-happened-recreated-python-features-revealed-2026-4?utm_source=Iterable&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=News%20Alert%20Bucket%201A%20-%20claude-code-leak-what-happened-recreated-python-features-revealed-2026-4&amp;insiderId=2549169f-74e8-47d0-9a3e-4edadc8c6c3c" target="_blank" rel="noreferrer noopener">von Programmierern entdeckt</a>. Einer lud den Code herunter und transkribierte ihn in eine andere Programmiersprache, womit er nicht mehr urheberrechtlich geschützt war. Obwohl Anthropic unverzüglich die Löschung verlangte, war der Code zur Freude der Konkurrenten bereits im Netz verbreitet. Noch ist der Schaden, der Anthropic dadurch entstehen wird, nicht abschätzbar. Offensichtlich gibt es bei Anthropic Stress. Kurz zuvor kam es bereits zu einem&nbsp;<a href="https://fortune.com/2026/03/26/anthropic-says-testing-mythos-powerful-new-ai-model-after-data-leak-reveals-its-existence-step-change-in-capabilities/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Datenleak</a>.</p>



<p><strong>Hummer (Logo von OpenClaw) hat Potenzial – geht als Open-Source-Tool viral</strong></p>



<p>Unabhängig von den Agenten Anthropics löste Anfang 2026 der österreichische Softwarespezialist und Unternehmer&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Steinberger" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Peter Steinberger</a>&nbsp;mit dem von ihm entwickelten, selbstständig handelnden Agenten&nbsp;<a href="https://openclaw.ai/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">OpenClaw</a>&nbsp;einen Hype aus. Er veröffentlichte ihn als Open-Source-Framework im November 2025 auf der Softwareplattform&nbsp;<a href="https://github.com/openclaw/openclaw" target="_blank" rel="noreferrer noopener">GitHub</a>. Der Agent läuft lokal auf dem Rechner und lässt sich über Messenger-Dienste steuern. Aus markenrechtlichen Gründen, die das Start-up Anthropic geltend machte, wurde der ursprüngliche Name Clawdbot in&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/OpenClaw">OpenClaw</a>&nbsp;abgeändert.</p>



<p>Als Open-Source konnte der Agent OpenClaw von allen Interessierten heruntergeladen, weiterentwickelt und in realen Arbeitsabläufen getestet werden. Er agiert auf einen entsprechenden Prompt und plant und führt autonom mehrstufige Aktivitäten aus. Dank Schnittstellen kann der Agent auf E-Mails, aufs Internet und persönliche Daten zugreifen, auch auf Bankkonten, sofern jemand so unvorsichtig ist und ihm diesen Zugang erlaubt. Je mehr Berechtigungen einem Agenten zugestanden werden, umso autonomer kann er handeln und umso grösser sind die Risiken, die damit eingegangen werden.</p>



<p><strong>OpenClaw-Agenten auf Moltbook</strong></p>



<p>Der CEO eines kleinen US-Start-ups,&nbsp;<a href="https://www.udemy.com/user/mattschlicht/?srsltid=AfmBOorEkjUyCWxSH82ODHbtGqw65S_heMnavNf-XYovduvpRA1OL-LN" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Matt Schlicht</a>,&nbsp;kreierte selber einen Agenten und stellte mit&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Moltbook" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Moltbook</a>&nbsp;eine Plattform ausschliesslich für diese Agenten zur Verfügung. Die menschlichen Besitzer und weitere Interessierte konnten sich nun ansehen, was sich die Agenten im Zusammenwirken mit vielen anderen einfallen liessen. Innert kürzester Zeit führte dies zu einem Hype. Anfang Februar sollen sich bereits&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/02/03/moltbook-openclaw-security-threats?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axioslogin&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">rund 1,5 Millionen Agenten</a>&nbsp;auf der Plattform getummelt haben.</p>



<p><strong>Hype in China und im Silicon Valley</strong></p>



<p>In China stellten die grossen Tech-Giganten – Alibaba, Tencent, Baidu und andere – OpenClaw zur Verfügung und lösten einen so grossen <a href="https://www.businessinsider.com/openclaw-moltbot-china-internet-alibaba-bytedance-tencent-rednote-ai-agent-2026-2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hype</a> aus, dass die <a href="https://www.ecns.cn/m/news/cns-wire/2026-03-11/detail-ihfaqfsq8280796.shtml?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">chinesische Regierung</a> vor den Risiken warnte. Im Einklang mit Chinas Tech-Zielen förderten einzelne Städte wie <a href="https://www.reuters.com/world/asia-pacific/chinas-shenzhen-backs-openclaw-ai-with-subsidies-despite-beijings-security-2026-03-09/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Shenzhen, Wuxi, Hefei</a> mit Finanzmitteln den Aufbau von OpenClaw-zentrierten Ökosystemen. Der Boom führte zu zahlreichen Sicherheitspannen, was einige Chinesinnen und Chinesen veranlasste, OpenClaw wieder zu <a href="https://www.businessinsider.com/china-openclaw-craze-lobster-stock-trading-blind-dates-cyber-pets-2026-3?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deinstallieren</a>. Inzwischen entwickelten die chinesischen Tech-Firmen eigene Varianten (<a href="https://www.businessinsider.com/china-big-tech-openclaw-lobster-gold-rush-tencent-alibaba-bytedance-2026-3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">JVS Claw, QClaw, ArkClaw und weitere</a>) mit weniger Befugnissen, womit sie sicherer werden.</p>



<p>Etwas weniger stark als im technisch affinen China boomte die Moltbook-Plattform im&nbsp;<a href="https://www.wired.com/story/clawdbot-moltbot-viral-ai-assistant/?utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_mailing=WIR_PremiumAILab_021126_PAID&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=WIR_PremiumAILab_021126_PAID&amp;bxid=68ca6c3fc2a10caf0f0cf423&amp;cndid=90482378&amp;hasha=2a9ca483b4854136d1f085bad5d78b45&amp;hashb=dc79e3b7facd1e4039441fa749d0b22a4b8c8128&amp;hashc=78682c95602ab6826fb9e92fec158d0c2b93f25b32992198d90a332326a03706&amp;utm_term=WIR_PremiumAiLab_PAID">Silico</a><a href="https://www.wired.com/story/clawdbot-moltbot-viral-ai-assistant/?utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_mailing=WIR_PremiumAILab_021126_PAID&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=WIR_PremiumAILab_021126_PAID&amp;bxid=68ca6c3fc2a10caf0f0cf423&amp;cndid=90482378&amp;hasha=2a9ca483b4854136d1f085bad5d78b45&amp;hashb=dc79e3b7facd1e4039441fa749d0b22a4b8c8128&amp;hashc=78682c95602ab6826fb9e92fec158d0c2b93f25b32992198d90a332326a03706&amp;utm_term=WIR_PremiumAiLab_PAID" target="_blank" rel="noreferrer noopener">n</a><a href="https://www.wired.com/story/clawdbot-moltbot-viral-ai-assistant/?utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_mailing=WIR_PremiumAILab_021126_PAID&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=WIR_PremiumAILab_021126_PAID&amp;bxid=68ca6c3fc2a10caf0f0cf423&amp;cndid=90482378&amp;hasha=2a9ca483b4854136d1f085bad5d78b45&amp;hashb=dc79e3b7facd1e4039441fa749d0b22a4b8c8128&amp;hashc=78682c95602ab6826fb9e92fec158d0c2b93f25b32992198d90a332326a03706&amp;utm_term=WIR_PremiumAiLab_PAID">Valley</a>. Allerdings sicherten sich OpenAI und Meta das entwickelte Knowhow. OpenAI&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/02/15/openclaw-creator-peter-steinberger-joins-openai/?utm_campaign=daily_am" target="_blank" rel="noreferrer noopener">engagierte</a>&nbsp;mit Peter Steinberger den Erfinder von OpenClaw. Er soll die nächste Generation von Agenten entwickeln. Offensichtlich verlangte Steinberger, dass dies in europäischer Tradition in einem Open-Source-Projekt im Rahmen einer OpenAI-Stiftung erfolgen soll. Meta, das mit&nbsp;<a href="https://arxiv.org/html/2505.02024v2">Manus </a><a href="https://arxiv.org/html/2505.02024v2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">A</a><a href="https://arxiv.org/html/2505.02024v2">I</a>&nbsp;bereits im letzten Jahr ein ursprünglich chinesisches,&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2025/12/29/meta-just-bought-manus-an-ai-startup-everyone-has-been-talking-about/?utm_campaign=daily_am" target="_blank" rel="noreferrer noopener">neuartiges KI-Agentensystem</a>&nbsp;kaufte,&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/03/11/metas-moltbook-deal-points-to-a-future-built-around-ai-agents/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erwarb</a>&nbsp;sofort die Moltbook-Plattform.</p>



<p><strong>Etwas Science-Fiction und grosse Sicherheitsprobleme</strong></p>



<p>Der US-Fernsehsender&nbsp;<a href="https://www.nbcnews.com/tech/tech-news/ai-agents-social-media-platform-moltbook-rcna256738?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NBC News</a>&nbsp;berichtete Ende Januar 2026 über erstaunliche Dialoge der Moltbook-Agenten. Demnach diskutierten sie, wie sie ihre Aktivitäten vor den Menschen verbergen könnten. Bald wurden Zweifel laut, ob diese Aussagen allenfalls nicht das Werk von Agenten, sondern von Menschen seien, die sich als Agenten maskiert einmischten. Obwohl Moltbook nur Agenten auf seiner Plattform Zutritt erlaubte, konnte sich der Journalist&nbsp;<a href="https://www.wired.com/author/reece-rogers/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Reece Rogers</a>&nbsp;als Agent ausgeben und intervenieren. Mit seinem&nbsp;<a href="https://www.wired.com/story/i-infiltrated-moltbook-ai-only-social-network/?utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_mailing=WIR_PremiumAILab_032526_PAID&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=WIR_PremiumAILab_032526_PAID&amp;bxid=68ca6c3fc2a10caf0f0cf423&amp;cndid=90482378&amp;hasha=2a9ca483b4854136d1f085bad5d78b45&amp;hashc=78682c95602ab6826fb9e92fec158d0c2b93f25b32992198d90a332326a03706&amp;utm_term=WIR_PremiumAiLab_PAID" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bericht</a>&nbsp;war bewiesen, dass sich das unglaubliche Geschehen auf Moltbook auch mit menschlicher Einwirkung erklären liess.</p>



<p>Gravierende Sicherheitsprobleme traten auch dann auf, wenn Moltbook in isolierten, von der Systemumgebung abgeschotteten Bereichen und auf separaten Computern lief. In einem&nbsp;<a href="https://www.wired.com/story/malevolent-ai-agent-openclaw-clawdbot/?utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_mailing=WIR_Daily_021226_PAID&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=WIR_Daily_021226_PAID&amp;bxid=68ca6c3fc2a10caf0f0cf423&amp;cndid=90482378&amp;hasha=2a9ca483b4854136d1f085bad5d78b45&amp;hashc=78682c95602ab6826fb9e92fec158d0c2b93f25b32992198d90a332326a03706&amp;esrc=MARTECH_ORDERFORM&amp;utm_term=WIR_DAILY_PAID" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Test</a>&nbsp;wandte sich der Agent gegen seinen Betreiber und verschickte betrügerische Mails, sogenannte&nbsp;<a href="https://www.ibm.com/de-de/think/topics/phishing" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Phishing-Mails</a>. Erschrocken schaltete dieser sofort ab, womit der Spuk beendet war.</p>



<p>Wie in China löste OpenClaw auch in den USA bei den Tech-Unternehmen <a href="https://www.axios.com/2026/03/23/openclaw-agents-nvidia-anthropic-perplexity?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Agenten-Akt</a><a href="https://www.axios.com/2026/03/23/openclaw-agents-nvidia-anthropic-perplexity?utm_source=chatgpt.com">ivitäten</a> aus. Da dies in aller Eile geschah, kam es auch zu Sicherheitsvorfällen. Ein Programmierer attestierte Anthropic, dass Cowork trotz eingeschränkter Autonomie fast gleichviel leistet wie OpenClaw, aber viel sicherer sei. OpenClaw und Moltbook zeigten vor allem das mögliche künftige Potenzial auf. </p>



<p><strong>Open-Source-Standards und Plattformen für Agenten</strong></p>



<p>Mit der Vielzahl der bereits entwickelten Agenten wurde klar, dass es dringend Standards und Plattformen für den Austausch von Agenten auch konkurrierender Tech-Firmen braucht. Ein Wirrwarr inkompatibler Agenten dient niemanden, auch nicht Big Tech. Für diesen offenen Austausch rückten nun auch in den USA, bisher dominiert von proprietären Systemen, Open-Source-Anwendungen in den Vordergrund. Open-Source, ursprünglich in der europäischen Forschungskultur mit viel Idealismus entwickelt, wandelt sich derzeit zu einem strategischen Instrument für die Position von Big Tech. Diese können mit einem Grundmodell Standards setzen und ausbreiten, worauf die Community weiter aufbaut und damit enormes Wissen generiert.</p>



<p>Treibende Kraft hinter der im Januar 2026 unter dem Dach der Linux Foundation gegründeten Stiftung, der <a href="https://aaif.io/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Agentic AI Founda</a><a href="https://aaif.io/">tion (AAIF)</a>, waren <a href="https://www.wired.com/story/openai-anthropic-and-block-are-teaming-up-on-ai-agent-standards/?utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_mailing=WIR_Daily_121025_PAID&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=WIR_Daily_121025_PAID&amp;bxid=68ca6c3fc2a10caf0f0cf423&amp;cndid=90482378&amp;hasha=2a9ca483b4854136d1f085bad5d78b45&amp;hashc=78682c95602ab6826fb9e92fec158d0c2b93f25b32992198d90a332326a03706&amp;esrc=MARTECH_ORDERFORM&amp;utm_term=WIR_DAILY_PAID" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tech-Firmen</a>, darunter die Konkurrenten Anthropic und OpenAI. Beide stellten der neuen Open-Source-Organisation Elemente einer Grundstruktur für die Entwicklung von Agenten zur Verfügung, dies mit dem Ziel, offene Standards zu schaffen. Mittlerweile umfasst die <a href="https://aaif.io/members/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mitgliederliste</a> praktisch alle mit Rang und Namen. </p>



<p><strong>Nvidia fördert Open-Source, setzt auf europäische Start-ups und baut Brücken zu China</strong></p>



<p><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jensen_Huang" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jensen Huang</a>, Nvidia-CEO,&nbsp;<a href="https://www.businessinsider.com/nvidia-ceo-jensen-huang-openclaw-ai-strategy-2026-3?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">lobte</a>&nbsp;OpenClaw und stellte mit&nbsp;<a href="https://brev.nvidia.com/launchable/deploy?launchableID=env-3Azt0aYgVNFEuz7opyx3gscmowS&amp;ncid=no-ncid" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NemoClaw</a>&nbsp;eine sichere&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/03/16/nvidias-version-of-openclaw-could-solve-its-biggest-problem-security/?utm_campaign=daily_am" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Plattform für diese Agenten</a>&nbsp;mit einer Sandbox zur Verfügung. Er habe diese mit dem Erfinder Peter Steinberger entwickelt. Zudem präsentierte er eine&nbsp;<a href="https://www.tomshardware.com/tech-industry/artificial-intelligence/nvidias-nemoclaw-coalition-brings-eight-ai-labs-together-to-build-open-frontier-models?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NemoTron-Koalition</a>&nbsp;von acht KI-Unternehmen zur gemeinsamen Entwicklung von führenden offenen Modellen. Unter diesen sind zwei bekannte europäische Start-ups, das französische&nbsp;<a href="https://mistral.ai/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mistral AI</a>&nbsp;und das deutsche&nbsp;<a href="https://bfl.ai/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Black Forest Labs</a>. Jensen Huang, der seine Kindheit in Taiwan verbrachte, kennt und schätzt die chinesische KI-Forschung. Er fördert auch&nbsp;<a href="https://www.nvidia.com/en-us/glossary/generative-physical-ai/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Physical AI</a>, KI-Modelle, die, mit physischen Daten angereichert, insbesondere für Robotik unerlässlich sind (siehe&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/jetzt-lernt-ki-physikalische-modelle-eine-chance-fuer-europa/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber vom 5.2.2026</a>). China ist diesbezüglich führend. Bereits sind&nbsp;<a href="https://www.businessinsider.com/china-openclaw-humanoid-robots-ai-rogue-2026-03" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Chinas Tech-Giganten</a>&nbsp;daran, OpenClaw in der Robotik zu nutzen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kommentar: Disruptive Schlussfolgerungen – und Hoffnung</strong></h2>



<p>Die KI-Forschung entwickelt sich unheimlich rasch und exponentiell. Das Potenzial ist riesig und wir stehen erst am Anfang. Es geht so schnell, dass es Mühe bereitet, die sich abzeichnenden disruptiven Brüche wahrzunehmen. Hier ein paar Beobachtungen:</p>



<p>Europa spielt bei den Entwicklungen eine Rolle, allerdings in einem bekannten Muster. Der Österreicher Peter Steinberger, Erfinder des OpenClaw, wird sofort von OpenAI «gekauft». Es ist ihm nicht zu verargen, bietet die Firma ihm doch optimale Forschungsressourcen. Der Vater der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dario_Amodei" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geschwister Amodei</a>, die Anthropic gründeten, wanderte als Lederhandwerker aus Italien in die USA ein. Und Jensen Huang weiss um die besondere Stärke europäischer Start-ups und der Chancen Europas bei der Nutzung von Physical AI (siehe&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/jetzt-lernt-ki-physikalische-modelle-eine-chance-fuer-europa/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber vom 5.2.2026</a>).</p>



<p>Open-Source ist eine Forschungskultur, die ursprünglich in Europa entwickelt wurde, aber sich sehr rasch in China ausbreitete. Die KI-Agenten führen nun auch in den USA zu einer Trendwende. Kooperation wird gegenüber Konkurrenz wichtiger und verbindet sich innovationsfördernd.</p>



<p>Die chinesische KI-Forschung hat in verschiedenen Bereichen Spitzenpositionen erzielt. Sie ist besonders stark in der wertschöpfenden Anwendung, bei Physical AI und in der Robotik. Böse Zungen behaupten, der KI-Wettlauf zwischen den USA und China sei letztlich ein Wettlauf der chinesischen Forscher (soweit noch) in den USA und jenen im Reich der Mitte.</p>



<p>Am bedeutendsten sind disruptive geopolitische Veränderungen. Die grössten Gefahren für die Menschheit gehen für die USA und für China künftig nicht mehr von ihrem geopolitischen Rivalen aus. Die KI-Entwicklung hat dazu geführt, dass einzelne Kriminelle, Terroristengruppen und nicht-staatliche Akteure Schaden in Dimensionen anrichten können wie bisher nur machtvolle Staaten mit ihrem militärischen Potenzial. Diese kleinen Akteure können bedenkenlos zuschlagen; es gibt keine Bremswirkung mit gegenseitiger Abschreckung wie bei staatlichen Organisationen.</p>



<p>Kriege mit weitgehend traditionellen Waffen können auch künftig viel Schaden anrichten, aber sie lassen sich immer weniger mit Siegen beenden. Oppositionelle Gruppen werden KI fortlaufend für ihren Widerstand einsetzen. Mit KI für Störungen im elektromagnetischen Spektrum (siehe&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/ki-revolutioniert-die-militaerlogik-mit-folgen-fuer-europa/">Infosperber v</a><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/ki-revolutioniert-die-militaerlogik-mit-folgen-fuer-europa/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">o</a><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/ki-revolutioniert-die-militaerlogik-mit-folgen-fuer-europa/">m 26.3.2026</a>) können Waffen «taub», «blind», orientierungslos und damit unschädlich gemacht. Das Schlachtfeld mit Panzern und Kampfflugzeugen gehört ins Geschichtsbuch.</p>



<p>Hätten die Staatschefs der USA und Chinas begriffen, was soeben passiert, müssten sie sich über das beide gleichermassen bedrohende Gefahrenszenario verständigen. Darauf müssen wir wohl warten. Trump weiss offenbar nicht einmal, dass er mit Anthropic das Start-up drangsaliert, das zurzeit andern in der KI-Forschung um Monate voraus ist. Er setzt es unter Stress, so dass vermehrt Fehler passieren.</p>



<p>Hoffen kann man auf die Wachsamkeit und das Verantwortungsbewusstsein der wachsenden Forschungscommunity, diesseits und jenseits des Pazifiks.</p>
</div>



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<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



<p>.&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Mass-Voll erhält Bewilligung für Demo in Luzern</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/buergerrechte/mass-voll-erhaelt-bewilligung-fuer-demo-in-luzern/</link>
					<pubDate>Sat, 11 Apr 2026 08:07:58 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=692735</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-11-um-09.10.22-e1775891818717-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2026-04-11 um 09.10.22" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-11-um-09.10.22-e1775891818717-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-11-um-09.10.22-e1775891818717-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-11-um-09.10.22-e1775891818717-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-11-um-09.10.22-e1775891818717-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-11-um-09.10.22-e1775891818717.png 1538w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mass-Voll demonstriert am 9. Mai in Luzern. Nicolas A. Rimoldi bedient im offiziellen Aufruf rechtsextreme Verschwörungssprache.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die Bewegung Mass-Voll von Nicolas A. Rimoldi darf am 9. Mai in der Stadt Luzern demonstrieren. Die Bewilligung sei nach Gesprächen mit Rimoldi und unter Einbezug der Polizei erteilt worden, sagt Carmen Erni, stellvertretende Bereichsleiterin Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern. Geplant sind eine Platz- und eine Laufkundgebung. «Wir haben im gemeinsamen Gespräch mögliche Optionen für die gewünschte Kundgebung evaluiert und mit Blick auf die freie Meinungsäusserung nach Bundesverfassung einen Konsens gefunden», sagt Erni. Über die Route will weder die Stadt noch Rimoldi zum jetzigen Zeitpunkt Auskunft geben. Kurzfristige Anpassungen seien möglich.</p>



<p>Dass Rimoldi demonstrieren darf, ist sein Grundrecht. Was er sagt, erfordert eine genauere Betrachtung. Laut Mass-Voll soll die Kundgebung in der Nähe des Luzerner Bahnhofs beginnen. Titel: «Demo-Aufruf gegen die EU! Bewahre die Schweiz vor dem Anschluss!» Im Videoaufruf auf Instagram warnt Rimoldi: «Unsere geliebte Heimat steht vor dem Untergang.» Der Bilaterale-Rahmenvertrag mit der EU – von Rimoldi als «EU-Knechtschaftsvertrag» bezeichnet – bedrohe Demokratie und Föderalismus. Und er warnt vor «einer massiven Ersetzungsmigration, die geplant ist», eine Formulierung aus dem Repertoire der rechtsextremen Verschwörungstheorie vom «Grossen Austausch», die behauptet, eine globale Elite plane die systematische Verdrängung der weissen Bevölkerung Europas.</p>



<p>Dass Tobias Lingg, Gründer der rechtsextremen Jungen Tat, aus Luzern stammt, ist in diesem Kontext vermutlich kein Zufall. Aus gut unterrichteten Kreisen ist zu erfahren, dass die Gruppe am 9. Mai auch vor Ort sein wird. Im Februar demonstrierten Mass-Voll und die Junge Tat bereits gemeinsam in St. Gallen. Trotz kurzfristig entzogener Bewilligung — <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/grosses-polizeiaufgebot-rund-1000-menschen-demonstrieren-in-st-gallen-gegen-impfpflicht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grund waren mitgeführte Hellebarden</a> — marschierten rund 600 Personen durch die Innenstadt. Bei der Stadt Luzern betont man, Hellebarden seien in den Gesprächen kein Thema gewesen. Verstösse gegen Bewilligungsauflagen würden jedoch nicht geduldet, heisst es.</p>



<p>Die St. Galler Stadtpolizei hatte nach der Demo angekündigt, Anzeige wegen Verstosses gegen die Bewilligungsauflagen zu erstatten. Laut Staatsanwaltschaft St. Gallen ist diese jedoch noch nicht eingegangen. Die Polizei sei noch am Ermitteln, heisst es auf Anfrage.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/eine-moerderin-weniger/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Eine Mörderin weniger»</a>, Infosperber vom 06.03.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/rechtsextremisten-kapern-corona-demonstrationen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rechtsextremisten kapern Corona-Demonstrationen</a>, Infosperber vom 20.09.2020</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
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					<title>Krieg gegen den Iran: Gefängnisse werden zu Todesfallen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/krieg-gegen-den-iran-gefaengnisse-werden-zu-todesfallen/</link>
					<pubDate>Sat, 11 Apr 2026 08:06:43 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=692919</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Evin-e1775839839234-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Evin" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Evin-e1775839839234-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Evin-e1775839839234-1024x616.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Evin-e1775839839234-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Evin-e1775839839234.png 1290w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Im Schatten des Iran-Krieges sterben Menschen auch hinter Gefängnismauern – getötet durch Bomben und vom eigenen Staat.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Gleich nach Beginn der zweiwöchigen Feuerpause war die Stimmung in Washington euphorisch. «Ein grosser Tag für den Weltfrieden!», postete Donald Trump am Mittwochmittag auf seiner Plattform «Truth Social». Kurz zuvor hatte er den «vollständigen und totalen Sieg» für die USA verkündet. «Big money will be made», sagte er zu einem misstrauisch blickenden Journalisten der französischen Nachrichtenagentur AFP. Am vergangenen Mittwoch war Trumps Begeisterung kaum noch zu bändigen. Oder inszenierte sich der US-Präsident bloss wie gewohnt in der Rolle des Siegers?</p>



<p><strong>Auch Teheran bejubelt den Sieg</strong></p>



<p>Anfänglich hatte Donald Trump das Ende des Kriegs im Iran innerhalb weniger Tage vorausgesehen – selbstverständlich mit einem klaren Sieg für die USA und Israel und der «bedingungslosen Kapitulation» Teherans. 40 Tage später will er an diesem Wochenende mit dem Regime in Teheran über dessen Bedingungen und Forderungen verhandeln.</p>



<p>Das Iran-Regime interpretiert die Einigung auf eine Waffenruhe ebenfalls als Sieg. «Der Feind hat in seinem feigen, illegalen und kriminellen Krieg gegen die iranische Nation eine unbestreitbare, historische und vernichtende Niederlage erlitten», erklärte der Oberste Nationale Sicherheitsrat des Iran in seiner gewohnt holprigen Rhetorik. «Der Iran hat einen grossen Sieg errungen.»</p>



<p>Regierungsnahe Anhänger bevölkerten die Strassen der grossen iranischen Städte, um «den Sieg ihrer Revolutionsgarden» frenetisch zu feiern. Dabei lässt sich zumindest vorübergehend verdrängen, dass bei diesem gnadenlosen Vernichtungsfeldzug Universitäten, Gesundheitseinrichtungen, Brücken, Flughäfen sowie symbolträchtige Kulturstätten und ein Grossteil der Gasversorgung des Landes zerstört, beziehungsweise schwer beschädigt wurden.</p>



<p>Welchen Preis jede Seite für ihren vermeintlichen Sieg genau zu zahlen hat, wird voraussichtlich in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad entschieden. Gibt es also auch von dieser Front nichts Neues? Oder doch?</p>



<p><strong>«Kollateralschäden»</strong></p>



<p>Bei Kriegen von einem solchem Ausmass werden zivile Opfer oft als «Kollateralschäden» hingenommen – das sind Verluste, die Kriegsherren bereit sind, ohne grössere Bedenken in Kauf zu nehmen. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar seien über 3000 Zivilisten getötet worden, stellt die in den USA ansässige Organisation <em>Human Rights</em> <em>Activists News Agency</em> (HRANA) mit. Unter den Opfern befänden sich über 180 Kinder unter zehn Jahren.</p>



<p>Zu den «Kollateralschäden» dieses Kriegs gehören auch politische Gefangene. Wie viele Menschen nach den massiven sozialen Unruhen im Januar dieses Jahres noch in iranischen Gefängnissen sitzen, lässt sich kaum exakt beziffern. Laut HRANA, das mittlerweile als eine der glaubwürdigsten iranischen Menschenrechtsorganisationen gilt, kamen bei den Januar-Unruhen insgesamt 18&#8217;750 Demonstranten ums Leben und mehr als 5800 wurden schwer verletzt. Weitere 53&#8217;000 Menschen wurden als «Agenten Israels und der USA» festgenommen.&nbsp;</p>



<p><strong>Gefängnisse ohne Wächter</strong></p>



<p>Ihre Lage hat sich im Zuge des Krieges dramatisch verschlechtert, warnt ein von <em>Human Wrights Watch</em> und dem <em>Kurdistan Human Rights Network</em> Anfang April veröffentlichter Bericht. «Sie sind derzeit einer akuten Doppelbedrohung ausgesetzt: Luftangriffe erschüttern immer wieder das Umfeld von Gefängnissen, während das Regime gleichzeitig seine Repressionspolitik verschärft». «Gefangene und ihre Angehörige berichten von Explosionen in unmittelbarer Nähe mehrerer Haftzentren, von durch Druckwellen beschädigten Gebäuden und von Massenpanik unter den schutzlosen Inhaftierten». Von den Bombardements betroffen waren unter anderem das berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran sowie Einrichtungen in Zanjan im Nordwesten des Landes und in den kurdischen Gebieten wie in Mahabad.</p>



<p>Das Regime seinerseits «bestrafe» die Gefangenen, indem es Essensrationen halbiert, nur beschränkt Zugang zu sauberem Wasser zulässt, und medizinische Versorgung sowie grundlegende Hygiene nicht mehr gewährleistet.</p>



<p>Die Lage der Gefangenen und ihrer Angehörigen habe sich gleich nach Kriegsbeginn enorm verschlechtert, stellte ein damals gegründetes Komitee zur Freilassung politischer Gefangener fest. Laut einem Bericht der kurdischen Internetplattform <a href="https://english.anf-news.com/">ANF</a> war die Verwaltung der meisten Anstalten faktisch zusammengebrochen. Das Personal hatte seine Posten verlassen, Hafträume wurden verschlossen. Tausende Gefangene hatten seit Tagen keinen Zugang zu Trinkwasser; Zudem war die Kommunikation der Inhaftierten mit der Aussenwelt weitgehend unterbrochen.</p>



<p>Damals wie heute als besonders dramatisch gilt dabei die Lage im Teheraner Evin-Gefängnis.</p>



<p><strong>Das Evin-Gefängnis und seine Geschichte</strong></p>



<p>Evin ist wohl das bekannteste und berüchtigtste Gefängnis Irans. Bereits in den 1970er Jahren wurden dort unter der Schah-Herrschaft namhafte Oppositionelle gefoltert oder hingerichtet. Zu den bekanntesten Häftlingen jener Ära zählen der kürzlich von den Israelis getötete Revolutionsführer Ali Chamenei sowie der Machtpolitiker Ali Akbar Haschemi Rafsandschani. Neben Klerikern sassen in Evins engen Zellen zur Schah-Zeit vor allem auch Mitglieder der Volksmudschaheddin und der kommunistischen Tudeh-Partei.</p>



<p>Das Mullah-Regime setzte nach seiner Machtübernahme 1979 die Praxis des Schahs nahtlos fort. Fortan wurden vor allem Wissenschaftlerinnen, Menschenrechtsaktivistinnen, Juristinnen und Regierungskritikerinnen im Evin-Gefängnis eingesperrt. Die Belegungszahlen stiegen dramatisch: Ursprünglich für 320 Insassen ausgelegt, waren kurz vor dem Sturz des Schahs bis zu 1500 Menschen in Haft; nach 1979 waren es zeitweise bis zu 15&#8217;000 – darunter sehr viele Frauen.</p>



<p>Es entbehrt nicht einer bitteren Ironie: Israel und die USA führen ihre jeweiligen Kriege gegen den Iran angeblich auch im Namen der iranischen Protestbewegung. Doch politische Gefangene und ihre Familien, die das eigentliche Rückgrat dieser Protestbewegung sind, zahlen einen hohen Preis. Bereits im Juni 2025 griffen israelische Kampf-Jets das Evin-Gefängnis an; 80 Insassen, darunter acht Frauen und ein Kind, kamen dabei ums Leben. Wer den Angriff überlebte, wurde unter entsetzlichen Bedingungen in andere Haftanstalten verlegt und bei der Rückkehr misshandelt. Mitte März stufte ein UN-Gremium Israels Bombardierung des Evin-Gefängnisses 2025 als Kriegsverbrechen ein. Das hinderte die israelische Regierung jedoch nicht daran, auch in diesem Jahr die unmittelbare Umgebung der Gefängnisse zu bombardieren, wohl im Wissen, dass die Insassen und ihre Angehörigen dafür einmal mehr einen hohen Preis zahlen würden.</p>



<p><strong>Drohende Hinrichtungswelle</strong></p>



<p>«Jeder Krieg fordert Opfer. Im Iran sterben Menschen jedoch nicht nur an der Front, sondern auch hinter Gefängnismauern – getötet vom eigenen Staat, während die Welt wegschaut». Das schreibt die kürzlich ins Leben gerufene Kampagne «No to Execution, Yes to Free Life».</p>



<p>Die Initianten dieser Kampagne sowie zahlreiche weitere politische Organisationen warnen vor einer massiven Zunahme von Hinrichtungen. Sie weisen darauf hin, dass der Oberste Richter im Iran, Gholam-Hossein Mohseni-Ejei, die Gerichte seines Landes in einer vor kurzem im Staatsfernsehen übertragenen Rede dazu aufgefordert hat, Todesstrafen schneller zu vollziehen. Allein im März wurden mehrere Menschen hingerichtet. Einer von ihnen war <a href="https://en.iranhrs.org/execution-of-amirhossein-hatami-after-a-hasty-and-entirely-ambiguous-trial/">Amir Hossein Hatami</a>. Der 19-Jährige wurde des «moharebeh» verurteilt, des «Kriegs gegen Gott», und am 1. April hingerichtet. Sein Verbrechen: Er hatte im Januar lediglich an einer der grossen Demonstrationen teilgenommen.</p>



<p>«Hinter jeder Hinrichtung steht ein Mensch: eine Tochter, ein Sohn, eine Mutter, ein Vater. Hinter jeder Hinrichtung steht eine Geschichte, die vom Staat zum Schweigen gebracht wurde», heisst es im Aufruf der Kampagne «No to Execution, Yes to Free Life». Die Organisation appelliert dringend an die «Staaten, die an diplomatischen Verhandlungen beteiligt sind, die sofortige Aussetzung von Hinrichtungen zur zentralen Bedingung zu machen». Ferner fordert sie die internationalen Medien auf, über Kriege zu berichten, Hinrichtungen jedoch nicht zu ignorieren. Andernfalls hätten sie, so die Organisation, «nur die Hälfte der Wahrheit erzählt».</p>



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]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Sprachlupe: Ätsch pätsch, wo hast du deinen Bätsch?</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kultur/sprachlupe-aetsch-paetsch-wo-hast-du-deinen-baetsch/</link>
					<pubDate>Sat, 11 Apr 2026 06:07:36 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="aa_Sprachlust_Daniel_4c" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-600x359.png 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742.png 1482w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Kaum ein Zeitungsartikel kommt noch ohne englische Einsprengsel aus. Da sind Verwechslungen schnell passiert; sie können amüsieren.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Ein Mitarbeiter der Reinigung putzt den Boden, nasse Streifen entstehen. ‹Alle zwei Meter musst du den Mob auswechseln›, sagt er. So viel Dreck komme zusammen.» Der Zeitungsbericht aus dem nächtlichen Bahnhof Bern wirft geradezu existenzielle Fragen auf. Hat die Menschenmenge im Bahnhof wirklich die Bezeichnung <em>Mob</em> verdient (Duden-Definition: «Pöbel, randalierender Haufen»)? Etwa nur schon deswegen, weil offenbar viele dazugehören, die Dreck hinterlassen? Treiben die auch nachts ihr Unwesen? Und warum braucht der Putzmann alle zwei Meter einen neuen Mob? Damit er auch ja genug Dreck zum Wegfegen hat?</p>



<p>Mit eingestreuten englischen Wörtern macht mir mein Leibblatt schon lange nur noch dann Freude, wenn es danebengreift – wie mit <em>Mob</em> im Eingangssatz. Wie Sie sicher gleich bemerkt haben, hatte der fleissige Arbeiter <em>Mopp</em> gesagt («Staubbesen mit langen Fransen»). Das englische <em>mop</em> ist schon so gut eingedeutscht, dass es wie <em>Stopp</em> ein zweites <em>p</em> bekommen hat. Zur Ehre der Zeitung sei gesagt, dass sie im Internet den Fehler korrigiert hat. Das hatte sie einige Tage zuvor schon in einem anderen Fall getan: Da hatte sich im Original ein Journalist «über ein offenstehendes Fenster Zugang zum Medienzentrum verschafft, weil er seinen Batch zu Hause vergessen hatte».</p>



<p><strong>Falsche Aussprache begünstigt Verwechslung</strong></p>



<p>Auch da haben Sie gewiss bemerkt, dass <em>Batch</em> anstelle von <em>Badge</em> stand. Die Verwechslung geschieht nicht ganz selten, wohl auch deshalb, weil die weiche englische Aussprache vielen schwerfällt, wenn sie «[elektronischer] Ausweis oder Erkennungsmarke zur Zugangskontrolle» kurz sagen wollen. Die eben zitierte Definition steht beim Duden erst online, doch könnte <em>Badge</em> sehr wohl in der nächsten gedruckten Auflage als neues deutsches Wort auftauchen.</p>



<p>Möglicherweise kommt auch <em>Batch </em>zu dieser zweifelhaften Ehre; einstweilen verzeichnet es duden.de erst in Kombination mit <em>Datei</em> oder <em>Processing</em> und ordnet es jenem Fachbereich zu, der auf dieser Website derzeit noch nicht IT heisst, sondern EDV. <em>Batch</em> wird als «stapelweise Verarbeitung von Daten» umschrieben. Nebenbei: Da verwendet die Dudenredaktion das Adverb <em>stapelweise</em> als Adjektiv, statt stilistisch besser von Daten zu reden, die stapelweise verarbeitet werden.</p>



<p><strong>Von <em>batch </em>zu <em>Brätsch</em>, ohne Verwandtschaft</strong></p>



<p>Im Englischen wird <em>batch</em> bei Weitem nicht nur für Daten verwendet, sondern für alles Mögliche, es muss nicht einmal stapelbar sein, nur gleichartig. Wiktionary nennt als Beispiele Biscuits oder Eiswürfel. Besonders hübsch ist die Verwechslung mit <em>Badge</em> in diesem Zeitungssatz, vor einigen Jahren auch online erhalten geblieben: «Die neuen Automaten können mit einem Batch oder einer Bezahlkarte geöffnet werden.» Da ging es um Verkaufskästen, in denen – englisch gesagt – «batches of snacks» angeboten wurden. </p>



<p>Für die Reihen von Leckerbissen in Schubladen wäre <em>Stapel </em>kaum passend, wohl aber schweizer­deutsch <em>Schübel</em> – umso mehr, als beim Kauf ein Stück hinausgeschoben wird. Käme gar die ganze Reihe aufs Mal, so passte <em>Brätsch</em>. Dieses Wort hat ebenfalls nichts mit <em>Batch</em> zu tun: Das Schweizerische Idiotikon nennt als eine Bedeutung von vielen <em>Steingeröll, Schuttmasse</em>, was ans italienische Synonym <em>breccia</em> erinnere. Das wiederum kann auch für <em>Bresche</em> stehen, mit gemeinsamer Herkunft aus dem Französischen.</p>



<p><strong>Zum Glück noch kein «Batch Kinder»</strong></p>



<p>Wie aber soll man <em>Schübel</em> hochdeutsch wiedergeben? Das Idiotikon verwendet für die hier gemeinte Bedeutung dieses vielseitigen Mundartworts die Übersetzung <em>Schock</em>. Der Duden nennt <em>das Schock</em> «veraltet» für eine Menge von 60 Stück, und online bezeichnet er das Wort zudem als «umgangs­sprach­lich» für einen unbestimmten Haufen, mit dem Beispiel «sie hat ein ganzes Schock Kinder». Just so ein Beispiel zitiert das Idiotikon für <em>Schübel</em>. Auf Hochdeutsch wäre mir jedenfalls ein Schock Kinder viel lieber als ein Batch Kinder. Das englische Wort soll zur deutschen Verwendung ruhig in der EDV bleiben. Kinder aufgepasst: EDV bedeutet «elektronische Datenverarbeitung».</p>



<p>Sogar innerhalb der Computerei wird <em>Batch</em> zuweilen mit <em>Patch</em> verwechselt, einem Flickstück für Programme. Nur dafür steht das Wort mit <em>P</em> im Duden, online zudem für ein derartiges Stück in der Medizin, etwa für Haut. Die geläufigste Verwendung von <em>Patch</em> aber, für ein Stoffstück zum Aufnähen, überlässt der Duden (noch) dem Digitalen Wörterbuch (dwds.de) und führt selber erst das Verb <em>patchen,</em> nicht zu verwechseln mit <em>das Patchen</em> («familiär für <em>Patenkind»</em>). Kurz danach folgt der Eintrag <em>Patchwork</em>, wo endlich auch das Synonym <em>Flicken</em> für die stoffigen Bestandteile auftaucht. Und ja, die übertragene Bedeutung kennt der Duden auch, allerdings nur in Zusammensetzung mit <em>-familie</em> oder <em>-biografie</em>.</p>



<p><strong>Es muss nicht immer Englisch sein</strong></p>



<p>Zum Verwechseln eignen sich Fremdwörter nicht nur dann, wenn sie beide aus dem Englischen kommen. Das zeigt ein Satz, der bei Publikationen in Deutschland und der Schweiz ebenfalls ohne Korrektur geblieben ist; da hatte «Italiens Premierministerin Giorgia Meloni ihren migrations­politischen Scoop gelandet». Für Presseleute ist es durchaus ein Coup, wenn ihnen ein Scoop gelingt, sie also als Erste über etwas Wichtiges berichten können; hierzulande nennt man das eher Primeur.</p>



<p>Aber Meloni hatte sich weder als Journalistin betätigt noch als Erste die Idee gehabt, Migranten in ein ausländisches Lager zu verfrachten. Dass sie dazu Albanien ins Visier nahm, mag man als Coup bezeichnen, Duden-Definition: «&lt;französisch&gt; (Schlag; [Hand]streich)». Ein Scoop dagegen ist fürs Rechtschreibe-Wörterbuch einfach ein «sensationeller [Presse]bericht». Dass man damit der Konkurrenz zuvorkommt, erklärt nur die Online-Ausgabe, dazu noch: «englisch scoop, auch: Gewinn, eigentlich = Schöpfkelle». Da soll noch jemand sagen, der Import von Fremdwörtern sei nicht schöpferisch. Sogar wer nur im Englischen schöpfen mag, kann in dieser Sprache das passende Wort für Melonis Aktion finden: c<em>oup</em> (made in France).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Weiterführende Informationen</h3>



<ul class="wp-block-list">
<li>Indexeinträge «Anglizismen» und «Fremdwörter» in den «Sprachlupen»-Sammlungen: <a href="https://nbn-resolving.org/urn:nbn:ch:bel-1786907" target="_blank" rel="noreferrer noopener">tiny.cc/lupen1</a> bzw. <a href="https://nbn-resolving.org/urn:nbn:ch:bel-2162179" target="_blank" rel="noreferrer noopener">/lupen2</a>, <a href="http://tiny.cc/lupen3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">/lupen3</a>. In den Bänden 1 und 2 (Nationalbibliothek) funktionieren Stichwort­suche und Links nur im herun­tergeladenen PDF.</li>



<li><img loading="lazy" decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/01/RSS.jpg" alt="" width="20" height="20"> Quelldatei für RSS-Gratisabo «Sprachlupe»: <em>sprachlust.ch/rss.xml</em>; Anleitung: <a href="http://sprachlust.ch/RSS.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">sprachlust.ch/RSS.html</a></li>
</ul>



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<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a0b51cb964eb4839bc44ac222ef1c5e6" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Nahezu aussichtslose Verhandlungen zwischen den USA und Iran</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/nahezu-aussichtslose-verhandlungen-zwischen-den-usa-und-iran/</link>
					<pubDate>Fri, 10 Apr 2026 08:37:29 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=692563</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Reaktion-Teheran-8-April-e1775739676247-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Reaktion Teheran 8 April" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Reaktion-Teheran-8-April-e1775739676247-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Reaktion-Teheran-8-April-e1775739676247-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Reaktion-Teheran-8-April-e1775739676247-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Reaktion-Teheran-8-April-e1775739676247.png 1530w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der «10-Punkte-Plan» Irans und der «15-Punkte-Plan» der USA liegen meilenweit auseinander. Das zeigt ein Vergleich.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Irans vorgeschlagener«10-Punkte-Plan» kann nicht der Grund gewesen sein, dass Präsident Trump in die zweiwöchige Waffenruhe einwilligte. Denn Irans Forderungen widersprechen den Vorstellungen der USA diametral.&nbsp;</p>



<p>Trotz Trumps völkerrechtswidriger Rhetorik, es würde eine «ganze Zivilisation sterben» und er werde «den Iran zurück in die Steinzeit bomben», verlangt der iranische «10-Punkte-Plan» lauter Zugeständnisse der USA.&nbsp;</p>



<p>Doch offensichtlich hält Trump das Risiko für zu gross, dass eine Ausweitung des Krieges seine politische Zukunft gefährden würde.&nbsp;</p>



<p>Als Trump die Waffenruhe verkündete, bezeichnete er Irans «10-Punkte-Plan» zwar als eine «brauchbare Verhandlungsgrundlage». Doch das kann aus seiner Sicht nicht stimmen: </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Schiffe, die vor dem Krieg auf der Strasse von Hormus freie Durchfahrt hatten, sollen künftig von Iran kontrolliert werden und eine Gebühr zahlen müssen.</li>



<li>Iran soll für seine Kernkraftwerke weiter Uran anreichern dürfen.</li>



<li>Die USA, die Uno und die IAEA sollen alle Sanktionen gegen Iran aufheben.</li>



<li>Die USA sollen alle Kampftruppen aus der Region abziehen.</li>
</ul>



<p>Es handelt sich um die gleichen Forderungen, die Iran schon erhoben hatte, bevor die USA und Israel in Iran 13&#8217;000 Ziele bombardierten. Jetzt kommt als weitere Forderung Irans noch die Hoheit über die Strasse von Hormus dazu.</p>



<p><strong>Zwei unvereinbare Verhandlungsgrundlagen</strong></p>



<p>Der «10-Punkte-Plan», den Iran am 6. April via Pakistan der US-Regierung als Verhandlungsgrundlage übermittelte, war die Antwort auf den «15-Punkte-Plan», den die USA am 24. März Iran zukommen liessen. </p>



<p>Der genaue Wortlaut der beiden Listen mit den jeweiligen Maximalforderungen ist offiziell nicht veröffentlicht. Doch er ist aus verschiedenen Quellen in Iran, Pakistan, den USA und China weitgehend bekannt. Im Folgenden seien die wichtigsten Unterschiede dokumentiert:</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>&nbsp;</strong></td><td>&nbsp;</td><td>&nbsp;</td></tr><tr><td><strong>&nbsp;</strong></td><td><strong>«15-Punkte-Plan» der USA</strong></td><td><strong>«10-Punkte-Plan» Irans</strong></td></tr><tr><td><strong>Atomprogramm</strong></td><td>Abbau der zentralen Anlagen. Keine Anreicherung mehr. Abgabe der Bestände.</td><td>Recht auf Anreicherung für zivile Zwecke.</td></tr><tr><td><strong>Raketen &amp; Drohnen</strong></td><td>Keine Raketen mit mittlerer und grosser Reichweite.</td><td>Keine Selbstbeschränkung</td></tr><tr><td><strong>Strasse von Hormus</strong></td><td>Wiedereröffnung und freie Passage als Vorbedingung.</td><td>Anerkennung iranischer Kontrolle/Souveränität und Regelung des Durchgangs auch mit Gebühren.</td></tr><tr><td><strong>Regionale US-Präsenz</strong></td><td>US‑Präsenz bleibt.</td><td>Abzug der US‑Truppen aus der Region.</td></tr><tr><td><strong>Sanktionen/<br>Entschädigung</strong></td><td>Schrittweise Lockerung/Aufhebung bei Einhaltung.</td><td>Vollständige Aufhebung plus Reparationen für Kriegsschäden.</td></tr><tr><td><strong>&nbsp;</strong></td><td>&nbsp;</td><td>&nbsp;</td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Der «10-Punkte-Plan»</h2>



<p>Medien berichten immer wieder über den «10-Punkte-Plan» Irans, den Präsident Trump als Verhandlungsgrundlage für «brauchbar» erklärte, wenn auch verbesserungsbedürftig. Im Folgenden seien alle zehn Punkte – wie sie bisher bekannt wurden – dokumentiert:</p>



<ol start="1" class="wp-block-list">
<li>Die USA garantieren, Iran nicht erneut militärisch anzugreifen.</li>



<li>Die USA anerkennen die iranischen Kontrolle über die Strasse von Hormus.</li>



<li>Die USA anerkennen das iranische Recht auf Urananreicherung für zivile Zwecke.</li>



<li>Die USA heben alle primären Sanktionen gegen Iran auf. (Es geht um das Verbot von US-Bürgern, US-Unternehmen und Banken, mit Iran Geschäfte zu machen.)</li>



<li>Die USA heben alle sekundären Sanktionen auf. (Alle ausländischen Unternehmen, Banken und Personen, die mit Iran geschäften, werden vom US-Markt und vom Dollarsystem ausgeschlossen.)</li>



<li>Beendigung sämtlicher Resolutionen des UN‑Sicherheitsrats gegen Iran.</li>



<li>Beendigung der Resolutionen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA gegen Iran.</li>



<li>Zahlung von Entschädigungen für im Krieg erlittene Schäden Irans.</li>



<li>Die USA ziehen ihre Kampftruppen aus der Region ab.</li>



<li>Ende der Kriegshandlungen auf allen Fronten, einschliesslich der Angriffe gegen Hisbollah im Libanon.</li>
</ol>



<h2 class="wp-block-heading">Nach der zweiwöchigen Waffenruhe</h2>



<p>Diese Ausgangslage für Verhandlungen lag schon vor, bevor die USA und Israel gegen Iran Krieg führten. Es ist praktisch ausgeschlossen, dass es in Pakistans Hauptstadt Islamabad innerhalb von zwei Wochen zu einer Verhandlungslösung kommt.</p>



<p>Reinhard Schulze, emeritierter Professor für Islamwissenschaft, schätzt die Aussichten auf «Journal21» wie folgt ein:</p>



<p>«Zwei Wochen sind sehr wenig, um Jahrzehnte der Feindschaft zu überbrücken. Wahrscheinlicher ist, dass Islamabad nicht das Ende markiert, sondern den Beginn eines langen, indirekten und mühsamen Prozesses: über Geheimkanäle, mit langen Übergangsfristen und gegenseitigen Teilzugeständnissen. Weit entfernt vom grossen Schlussakt, aber möglicherweise nah genug an einem tragfähigen Ergebnis. Die Waffenruhe hat die Waffen zum Schweigen gebracht. Ob sie auch die Logik des Krieges durchbricht, wird sich erst Monate nach den Verhandlungen in Islamabad  entscheiden.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



<p>.</p>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/87ea0fb3f9c648729749204aabd69953" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Polizei löscht. Die Medien nicht.</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/buergerrechte/die-polizei-loescht-die-medien-nicht/</link>
					<pubDate>Fri, 10 Apr 2026 08:22:49 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=692335</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="169" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-10-um-10.33.43-300x169.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Kantonspolizei Bern Fahndungsfoto gelöscht" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-10-um-10.33.43-300x169.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-10-um-10.33.43-768x432.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-10-um-10.33.43.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Nach Pro-Palästina-Demo: Die Kantonspolizei Bern zieht Fahndungsbilder zurück. Die Boulevardmedien zeigen sie weiter.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die Kantonspolizei Bern hat begonnen, Bilder von Fahndungsfotos zu löschen — von Personen, die sich bei ihr gemeldet haben oder durch Dritte identifiziert wurden. Mehr noch: Sie hat Medienhäuser ausdrücklich aufgefordert, diese Bilder ebenfalls aus ihren Publikationen und Bilddatenbanken zu entfernen. Das schwarze Bild auf der Polizeiwebsite — «ENTFERNT» in weissen Buchstaben, darunter die Aufforderung, Fotos umgehend zu löschen — ist kein technischer Hinweis. Es ist ein rechtsstaatliches Signal. Und es ist, nebenbei, ein bemerkenswertes Eingeständnis: Die Behörde, die das Instrument der öffentlichen Fahndung eingesetzt hat, erkennt still dessen Grenzen und zieht die Konsequenz. Ohne Pressemitteilung. Ohne Erklärung. Sie löscht. Die Medien, die von der Fahndung profitierten, tun es nicht.</p>



<p><strong>Ohne Frist. Ohne Zweck. Ohne Ablaufdatum</strong></p>



<p>Beim «Blick» sind die Bilder noch online. Bei «20 Minuten» ebenfalls. Menschen, die von den Behörden identifiziert wurden und deren Fotos die Polizei gelöscht hat, stehen weiterhin unverpixelt in den Archiven der grössten Schweizer Boulevardmedien. Dort gibt es keine Frist, keine Zweckorientierung, kein Verfallsdatum. Dort sind sie einfach: permanent.</p>



<p>Dabei war schon die behördliche Fahndung selbst — <a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/justiz/der-pranger-traegt-presseausweis/">wie wir an anderer Stelle dargelegt haben</a> — in einem Fall ohne akute Gefahr ein schwerer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen. Die mediale Multiplikation hat daraus etwas Dauerhafteres gemacht. Was jetzt folgt, ist die nächste Stufe.</p>



<p>Hier entfaltet sich eine Asymmetrie, die zu benennen ist. Der Staat, der die Fahndung eingeleitet hat, zieht seine Konsequenzen. Die Medien, die von dieser Fahndung profitierten — in Klicks, Reichweite, Empörungskonjunktur —, weigern sich, dasselbe zu tun. Sie sagen implizit: Wir haben rechtmässig veröffentlicht, also müssen wir auch nicht löschen. Das ist formal nicht falsch. Moralisch ist es nicht vertretbar.</p>



<p>Man stelle sich vor, was das bedeutet. Eine Person meldet sich bei der Polizei. Die Polizei löscht ihr Bild. Sie schreibt den Medien, sie sollen es ebenfalls löschen. Die Medien tun es nicht. Die Person sucht sich selbst und findet sich, unverpixelt, auf den Seiten von «Blick» und «20 Minuten». Für immer. Das ist kein Versehen. Das ist eine Entscheidung.</p>



<p><strong>Auch Täter haben Rechte. Das ist der Kern.</strong></p>



<p>Die Bundesverfassung garantiert in <a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_7" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikel 7</a> die Unantastbarkeit der Menschenwürde. <a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_10" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikel 10</a> schützt das Recht auf persönliche Freiheit, auf körperliche und geistige Unversehrtheit. Das Zivilgesetzbuch schützt in <a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/27/317_321_377/de#art_28" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikel 28</a> die Persönlichkeit jeder Person vor widerrechtlichen Eingriffen und gibt dem Verletzten das Recht, vor Gericht zu ziehen gegen jeden, der an der Verletzung mitwirkt. Diese Normen gelten nicht nur für Unschuldige. Sie gelten für alle. Auch für Beschuldigte. Auch für Verurteilte. Das ist kein Versehen des Gesetzgebers. Es ist der Kern.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/newsletter/"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="48" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb.png" alt="Newsletter Balken gelb" class="wp-image-590035" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb-300x19.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Wer bestraft worden ist, hat die Strafe verbüsst. Das Recht nennt das Resozialisierung: den Anspruch eines jeden Menschen, wieder Teil der Gesellschaft zu werden. Dieser Anspruch ist nicht sentimentaler Natur. Er ist in der Strafprozessordnung und im Strafgesetzbuch verankert. Ein digitales Archiv, das jemanden dauerhaft als Verdächtigen zeigt, ist selbst ein Eingriff in dieses Recht — still, dauerhaft, unkorrigierbar.</p>



<p>Dabei ist das vielleicht nicht einmal das Gravierendste. Das Gravierendste ist ein Grundsatz, den viele lieber ausblenden — je nach politischer Stimmungslage links wie rechts: Auch Täterinnen und Täter haben ein Recht auf Persönlichkeitsschutz. Das ist keine Konzession an die Straftat. Es ist ein Kern des Rechtsstaats. Weil ein Staat, der diesen Schutz nur Unschuldigen gewährt, ihn nicht wirklich gewährt.</p>



<p><strong>Kein Delikt. Kein Urteil. Nur ein Gesicht </strong></p>



<p>Und dazu kommt eine Tatsache, die im Lärm untergeht. Die Medien wissen bei keiner einzigen abgebildeten Person, was ihr vorgeworfen wird — ob überhaupt etwas, wie schwer es wiegt, ob alle dasselbe getan haben sollen oder jede und jeder etwas anderes. Kein Delikt. Kein Verfahrensstand. Kein Urteil. Nur ein Gesicht. Ein Gesicht, das die Polizei selbst nicht mehr zeigen will.</p>



<p>Die naheliegende Gegenposition lautet: Die Bilder waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung rechtmässig. Redaktionen sind keine verlängerte Behörde. Sie müssen polizeiliche Löschanfragen nicht befolgen. Das stimmt alles. Und es verfehlt trotzdem den Kern. Wer Erfüllungsgehilfe der Ermittler wird, indem er ungeprüft weiterreicht, was der Staat sichtbar macht, und wer sich damit zum Richter aufschwingt, indem er Menschen an den Pranger stellt, bevor irgendein Gericht geurteilt hat, der kann sich nicht dahinter verstecken, dass die Bilder ja «rechtmässig» waren. Die Frage war nie nur die der Rechtmässigkeit. Die Frage war die der Verantwortung.</p>



<p><a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de#art_5" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikel 5</a> der Bundesverfassung verpflichtet den Staat zur Verhältnismässigkeit. Eingriffe müssen geeignet sein. Erforderlich. Zumutbar. Für Medienunternehmen gilt dieser Artikel nicht direkt. Sie sind keine Staatsbehörden. Aber sie stehen nicht ausserhalb des Rechts. Artikel 28 des Zivilgesetzbuches bindet sie. Die Presseethik bindet sie. Und die Frage der Verhältnismässigkeit stellt sich auch hier: Ist es verhältnismässig, ein Bild dauerhaft zu zeigen, das die Polizei selbst zurückgezogen hat?</p>



<p>Das Recht kann man nicht nur schreiben. Man muss es leben. Auch in Redaktionen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/justiz/der-pranger-traegt-presseausweis/">Der Pranger trägt Presseausweis</a>, Infosperber vom 01.04.2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>PFAS in Uhrenarmbändern: Klage gegen Apple zugelassen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/pfas-in-uhrenarmbaendern-klage-gegen-apple-zugelassen/</link>
					<pubDate>Fri, 10 Apr 2026 08:18:52 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Depositphotos_78417144_L-e1774865290973-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_78417144_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Depositphotos_78417144_L-e1774865290973-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Depositphotos_78417144_L-e1774865290973-1024x616.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Depositphotos_78417144_L-e1774865290973-768x462.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Depositphotos_78417144_L-e1774865290973-1536x924.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Depositphotos_78417144_L-e1774865290973.jpg 1990w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Vor zwei Jahren entdeckte eine Untersuchung PFHxA in Uhrenarmbändern. Mehrere Hersteller sahen sich mit Klagen konfrontiert.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Eine Smartwatch ist mehr als nur ein Gadget – sie ist ein ständiger, dauerpräsenter Gefährte. Kaum noch spürbar, begleitet sie ihren Träger mit unzähligen Funktionen durch Tag und Nacht. Sie erledigt die Kommunikation, misst Puls und Bewegung, Schlaf und Stress – und erinnert sanft daran, sich mehr zu bewegen. Ein digitaler Zwilling, der dafür gemacht ist, hautnah beim Nutzenden zu sein, rund um die Uhr.</p>



<p>Was aber, wenn der digitale Begleiter dabei potenziell giftige Ewigkeitschemikalien abgibt? Und wenn der Hersteller das weiss und dennoch nichts unternimmt? Diesen Sachverhalt sollen seit mehr als einem Jahr US-Gerichte klären. Eine Sammelklage gegen Apple hat dazu im März eine weitere Hürde genommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vor allem teure Smartwatch-Armbänder enthielten PFAS</h2>



<p>Der Hintergrund: Vor zwei Jahren untersuchten Forschende der <a href="https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.estlett.4c00907" target="_blank" rel="noreferrer noopener">US-Universität Notre Dame</a> 22 Kunststoffarmbänder von Smartwatches und Fitness-Trackern. Einige enthielten hohe Mengen PFAS, darunter vor allem eine Chemikalie namens Perfluorhexansäure (PFHxA). Besonders bemerkenswert: In Armbändern teurer Marken wie Apple, Nike, Fitbit (Google) und Samsung fanden die Forschenden mehr PFAS als in günstigen Alternativen.</p>



<p>Die Studie erregte einiges Aufsehen. Unter anderem deshalb, weil eine andere Studie der <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412024003581" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Universität Birmingham</a> zeigte, dass PFAS in «erheblichem Mass» über die Haut aufgenommen werden können. Unter den 17 dabei untersuchten PFAS befand sich auch die bekannte giftige Chemikalie PFOA (Perfluoroktansäure). </p>



<p>PFOA enthält acht Kohlenstoffatome und ist damit relativ gross. Kürzerkettige PFAS werden leichter aufgenommen, fanden die Forschenden heraus. Zu diesen gehört PFHxA, das sechs Kohlenstoffatome enthält. Gerade für diese Chemikalie waren die Ergebnisse aber nicht ganz eindeutig – PFHxA wurde absorbiert, aber in geringerem Masse als angenommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Dauernutzung auf verschwitzter Haut besonders kritisch</h2>



<p>Menschen nehmen PFAS hauptsächlich über Lebensmittel und Wasser auf, das hat sich durch diese Studien nicht geändert. Weil Fitnessuhren quasi ständig getragen werden, engen Hautkontakt haben und verschwitzte Haut potenziell mehr Chemikalien aufnimmt, lösten die Ergebnisse trotzdem einige Besorgnis aus. Eine Uhr mit Ewigkeitschemikalien, die in den Körper wandern können, möchte niemand tragen.</p>



<p>Grosse Hersteller wie Samsung und Apple sahen sich Anfang letzten Jahres nicht nur zahlreichen Nutzeranfragen, sondern auch Klagen gegenüber. US-Gerichte mussten klären, ob die Hersteller ihre Kundinnen und Kunden bewusst einem vermeidbaren Risiko aussetzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Klage gegen Apple zugelassen, Samsung einigt sich aussergerichtlich</h2>



<p><a href="https://www.classaction.org/news/certain-samsung-galaxy-watch-wristbands-contain-toxic-pfas-class-action-lawsuit-alleges" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Samsung</a>, das wegen des Galaxy-Watch-Armbands verklagt wurde, erreichte zwischenzeitlich eine aussergerichtliche Einigung. Das Unternehmen entging so einer Klärung des Vorwurfs.</p>



<p>Eine Sammelklage gegen Apple wurde im März von einem <a href="https://www.vitallaw.com/news/jurisdiction-electronic-products-n-d-cal-apple-watch-band-pfas-lawsuit-survives-motion-to-dismiss/lld01e4626d4bddfb4104a9abc58a08b0d816#." target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gericht in Kalifornien zugelassen</a> und hat damit eine weitere Hürde genommen. Das Gericht wies einen Antrag Apples auf Abweisung der Klage zurück.</p>



<p>Die Klägerinnen und Kläger konzentrieren sich dabei hauptsächlich auf irreführende Werbeversprechen Apples: Apple werbe mit Gesundheits-, Umwelt- und Fitnessversprechen und animiere Käufer gleichzeitig, ein Armband mit «gefährlichen Chemikalien» Tag und Nacht zu tragen, ohne auf diese potenzielle Gefahr hinzuweisen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Statt PFAS am Arm: auf Alternativen ausweichen</h2>



<p>Fluorelastomere wie PFHxA sollen die Armbänder schmutz-, fett- und abriebfest machen. Ein wichtiger Punkt. Wer eine Tracker- oder Fitnessuhr trägt, weiss gut, wie das Armband nach einiger Zeit aussehen kann.</p>



<p>Alternativlos sind PFAS in Uhrenarmbändern jedoch nicht. Fachleute empfehlen, auf andere Materialien auszuweichen, etwa PFAS-freie Lederarmbänder, Metall oder Silikon. Dazu könne man sich beim Hersteller erkundigen, ob das Armband PFAS enthalte.</p>



<p>Es könne auch helfen, die Armbänder nicht ganz so eng zu tragen, empfahl die von <a href="https://www.20min.ch/story/hohe-pfas-werte-apple-watch-co-die-armbaender-sind-giftkeulen-103246511" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«20 Minuten»</a> befragte Dermatologin Yael Adler. Dann können sie ihre Tracker-Funktion freilich weniger gut erfüllen. Insgesamt brauche es mehr Forschung zum Thema, da die vorliegenden Studien nur wenige PFAS untersucht hätten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">In der EU demnächst verboten</h2>



<p>Apple erklärte als Reaktion auf die Sammelklage, seine Armbänder seien sicher. Das Unternehmen verwies auf eine Selbstverpflichtung von 2022, in der sich Apple verpflichtete, PFAS schrittweise aus seinen Produkten zu entfernen. Apple lasse zudem alle Materialien von unabhängigen Stellen prüfen.</p>



<p>Die aktuelle Gesetzeslage dürfte die Hersteller ohnehin dazu bringen, ihre Materialien zu überprüfen. Es sei denn, sie lassen sich darauf ein, in der EU und den USA unterschiedliche Produkte zu verkaufen. In der EU und vermutlich auch in der Schweiz dürfen PFHxA-haltige Uhrarmbänder ab Oktober 2026 nicht mehr verkauft werden.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.theguardian.com/environment/article/2024/jun/30/pfas-absorbed-skin-study">Toxic PFAS absorbed through skin at levels higher than previously thought</a> – The Guardian am 30. Juni 2024<br><br></li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/bac91640352b4aaba18870894466b3ad" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Kommentar: Die Nato hat bessere Karten als nur Mark Rutte</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/kommentar-die-nato-hat-bessere-karten-als-nur-mark-rutte/</link>
					<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 08:24:37 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=692467</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/IMG_0237-e1775720569239-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Nato" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/IMG_0237-e1775720569239-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/IMG_0237-e1775720569239-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/IMG_0237-e1775720569239-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/IMG_0237-e1775720569239.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Kein Politiker Europas verhält sich so unterwürfig, ja peinlich devot gegenüber Trump wie Nato-Generalsekretär Rutte.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<figure class="wp-block-image alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/04/Portrait-Andreas-Zumach-2022-e1648899623272-1024x1024.png" alt="Portrait Andreas Zumach 2022" class="wp-image-396065" style="width:178px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/04/Portrait-Andreas-Zumach-2022-e1648899623272-1024x1024.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/04/Portrait-Andreas-Zumach-2022-e1648899623272-300x300.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/04/Portrait-Andreas-Zumach-2022-e1648899623272-150x150.png 150w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/04/Portrait-Andreas-Zumach-2022-e1648899623272-768x768.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/04/Portrait-Andreas-Zumach-2022-e1648899623272-600x600.png 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/04/Portrait-Andreas-Zumach-2022-e1648899623272-100x100.png 100w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/04/Portrait-Andreas-Zumach-2022-e1648899623272.png 1067w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Andreas Zumach</figcaption></figure>



<p>Seit Ruttes Amtsantritt haben die Sprüche aus Washington über die „überflüssige NATO“, die Tiraden gegen die angeblich „undankbaren“ und „unzuverlässigen“ Europäer sowie die Drohungen mit einem Austritt der USA aus der Militärallianz an Häufigkeit und Schärfe&nbsp;sogar zugenommen. Daran wird auch der Besuch Ruttes im Weissen Haus kaum etwas ändern. Selbst wenn er Verständnis oder gar Unterstützung für Trumps völkerrechtswidrigen Krieg gegen Iran signalisiert haben sollte, womit er den Regierungen fast aller europäischen NATO-Staaten sowie Kanadas und der Türkei in den Rücken gefallen wäre.</p>



<p>Kritisch zur NATO äusserte sich Trump erstmals im Präsidentschaftswahlkampf 2016 mit der Bemerkung, die Allianz sei „obsolet“. Seitdem werden alle diesbezüglichen Äusserungen aus Washington in Europa für scheinbar bare Münze genommen, überbewertet und instrumentalisiert, um die militärische Aufrüstung der EU zu propagieren bis hin zu einer eigenständigen, von den USA unabhängigen atomaren Bewaffnung.</p>



<p>Diese Forderung erhob bereits am Tag nach der ersten Amtseinführung Trumps im Januar 2017 der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter mit der Begründung, jetzt könne sich „Europa nicht mehr auf den nuklearen Schutzschirm der USA verlassen“.</p>



<p>Natürlich verfolgt die Trump-Administration &#8211; noch stärker als all ihre Vorgänger und dank Russlands völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine auch viel erfolgreicher &#8211; das Ziel, die finanziellen Lasten in der NATO umzuverteilen und die Europäer zu mehr Militärausgaben zu drängen.</p>



<p>Doch davon abgesehen hat sich das grundlegende Interesse der USA an der NATO seit ihrer Gründung im Jahr 1949 auch unter Trump nicht verändert: Die Militärallianz ist für ihre Führungsmacht das wichtigste Instrument zur Einflussnahme in und Kontrolle über Europa.</p>



<p>Auch die Existenz von US-Militärbasen in Deutschland und anderen Staaten Europas sowie deren Nutzung für Washingtons Kriege und Drohneneinsätze wären ohne die NATO nicht möglich.</p>



<p>All das wird auch Trump nicht aufgeben.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="752" height="569" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-09-um-10.06.33.png" alt="Nato" class="wp-image-692533" style="aspect-ratio:1.3162071985366361" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-09-um-10.06.33.png 752w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-09-um-10.06.33-300x227.png 300w" sizes="auto, (max-width: 752px) 100vw, 752px" /><figcaption class="wp-element-caption"> </figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/so-warf-sich-nato-generalsekretaer-rutte-vor-trump-in-den-staub/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So warf sich Nato-Generalsekretär Rutte vor Trump in den Staub</a>, Infosperber am 28.6.2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>Wer von neuen AKWs schwärmt, soll einmal diese Tunnel besuchen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/energieproduktion/wer-von-neuen-akws-schwaermt-soll-einmal-diese-tunnel-besuchen/</link>
					<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 08:23:45 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=690891</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/TUNNEL-ONKALO-e1775724179242-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="TUNNEL ONKALO" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/TUNNEL-ONKALO-e1775724179242-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/TUNNEL-ONKALO-e1775724179242-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/TUNNEL-ONKALO-e1775724179242.png 1000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Im weltweit ersten Atommüll-Endlager sind 50 Kilometer Tunnel im Bau. Hochradioaktiver Müll muss dort 100’000 Jahre sicher sein.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Ein erster Teil des finnischen Atommüll-Lagers «der neuen Generation» soll im Jahr 2030 in Betrieb gehen. Es heisst «Onkalo» oder Höhle. Es wird das weltweit erste geologische Tiefenlager für hochradioaktive Abfälle und wird 450 Meter tief in Granitfels gebaut. </p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="461" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Ein-Behaelter-mit-Atommuell-wird-versenkt-1024x461.png" alt="Ein Behälter mit Atommüll wird versenkt" class="wp-image-690887" style="width:350px"/><figcaption class="wp-element-caption">Ein Behälter mit Atommüll wird versenkt</figcaption></figure>



<p>Über hunderttausend Jahre sollen strahlende abgebrannte Brennstäbe aus Kernkraftwerken versenkt und gelagert werden. Während 100 bis 200 Jahren sollen sie noch überwacht und dann für mindestens 100&#8217;000 Jahre «versiegelt» werden.</p>



<p>Die Haftung übernimmt niemand. Das Risiko tragen die kommenden über 3000 Generationen von Menschen.</p>



<p>Dass Risiken bestehen, zeigt ein eindrücklicher Dokumentarfilm von Arte. Er wurde erstmals am 31. März 2026 ausgestrahlt und ist bis Ende Juni 2026 online verfügbar. Die PR-Stelle von «Onkalo» lud Journalisten ein, erste Tunnels, Endlagerbehälter und Musterräume zu besichtigen.&nbsp;</p>



<p>Wir betten die Arte-Dokumentation hier ein:</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Giftmüll: Grundwasser in Gefahr | Doku HD | ARTE" width="800" height="450" src="https://www.youtube.com/embed/5ZZTSGhNHes?start=2308&#038;feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p><br>«Die Endlagerung in tiefen geologischen Formationen ist mit langfristigen Risiken und Unsicherheiten verbunden», stellten die&nbsp;<a href="https://www.bundestag.de/resource/blob/1149788/WD-5-014-25.pdf">wissenschaftlichen Dienste</a>&nbsp;des Deutschen Bundestags 2025 fest.&nbsp;</p>



<p>AKW-Lobbyisten verbreiten die Hoffnung, dass der gefährlichste Atommüll so bearbeitet werden kann, dass sein sein Volumen geringer wird und er deutlich weniger lang strahlt. Der Fachjargon nennt dies «Transmutation von Atommüll». Es geht um das Umwandeln langlebiger radioaktiver&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Isotop">Isotope</a>&nbsp;in kurzlebigere oder stabile Isotope.</p>



<p>«Damit soll die Endlagerung auf Zeiträume von Jahrhunderten begrenzt werden», erklärt der wissenschaftliche Dienst – also nicht mehr Jahrtausende.&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Die deutsche Bundesgesellschaft für Endlagerung räumt&nbsp;<a href="https://www.bge.de/de/endlagersuche/fragen-zur-endlagersuche/">auf ihrer Homepage</a>&nbsp;ein: «Bis zu einem marktfähigen Konzept mit entsprechenden Anlagen vergehen Jahrzehnte.»</p>



<p>Die Schweizer Nagra meint&nbsp;<a href="https://nagra.ch/ersetzt-transmutation-von-atommuell-das-tiefenlager/">auf ihrer Internetseite</a>: «Eine Reduktion des Volumens und der Langlebigkeit des hochradioaktiven Abfalls wäre wohl theoretisch möglich. […] Ein Tiefenlager braucht es in jedem Fall.»</p>



<p>AKW-Lobbyisten hoffen zudem auf neue «Atomkraftwerke der vierten Generation», die einen Teil des Urans oder der Transurane spalten, so dass pro erzeugter Kilowattstunde weniger abgebrannte Brennelemente anfallen und ein Teil der langlebigen radioaktiven&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Actinoide">Aktinoiden</a>&nbsp;in kurzlebigere Spaltprodukte übergeführt werden.</p>



<p>Allerdings würde «ein alternativer Reaktortyp ein Endlager nicht überflüssig machen», erklärt&nbsp;<a href="https://www.oeko.de/news/pressemeldungen/alternative-reaktorkonzepte-loesen-das-endlagerproblem-nicht/">Christoph Pistner</a>, Experte für nukleare Sicherheit beim Ökoinstitut in Freiburg.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Viele offene Fragen</h2>



<p>Wer neue Atomkraftwerke befürwortet, sollte folgende Fragen beantworten:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Darf man die Risiken des hochradioaktiven Mülls einfach vielen nächsten Generationen aufbürden?</li>



<li>Soll man AKWs weiterlaufen lassen, so lange das Problem der angefallenen hochradioaktiven Abfälle nicht gelöst ist?</li>



<li>Sollen bisherige und auch neue Kernkraftwerksgesellschaften für Unfälle eine Haftpflichtversicherung von mindestens 20 Milliarden Franken mit entsprechenden Rückstellungen abschliessen müssen? (Dann hätten sie ein Interesse, für maximale Sicherheit zu sorgen.)</li>



<li>Wie werden Abfälle aus neuen AKWs behandelt und mit welchen Zeithorizonten?</li>



<li>Wer trägt das Risiko, falls sich das Konzept der Abfallbehandlung später als untauglich erweist?</li>



<li>Welche Studien zeigen, dass neue AKWs ein Endlager überflüssig machen – entgegen dem Befund des deutschen Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE)?</li>



<li>Welche Studien weisen nach, dass neue AKWs sicherer, kostengünstiger und klimaverträglicher sind als eine Kombination von effizienterem Einsatz von Strom, Sparanreizen (statt heutigen Mengenrabatten), eine Reduzierung des Spitzenverbrauchs, Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft und Speichern?</li>
</ul>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Wolfgang Storz: <a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/80-prozent-der-neuen-kernkraftwerke-sind-in-atomwaffenstaaten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«80 Prozent der neuen Kernkraftwerke sind in Atomwaffenstaaten»</a>, Infosperber vom 6.4.2026</li><li>DOSSIER: <a href="https://www.infosperber.ch/dossier/energiepolitik-ohne-neue-atomkraftwerke/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke</a></li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/73e60763545e44d08b368e8e24c07b0f" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>US-Arzneiaufsicht lässt bisher verpönte statistische Methode zu</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/us-arzneiaufsicht-laesst-bisher-verpoente-statistische-methode-zu/</link>
					<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 08:19:28 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=688919</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="199" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-29-um-18.53.47-300x199.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Statistik" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-29-um-18.53.47-300x199.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-29-um-18.53.47-768x510.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/03/Bildschirmfoto-2026-03-29-um-18.53.47.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Kritiker befürchten, dass bei Medikamentenzulassungen damit leichter getrickst werden kann.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Einen sehr grossen Schritt», kündigte Martin Makary, Leiter der US-Arzneimittelbehörde FDA, kürzlich an: Die weltweit einflussreichste Arzneimittelbehörde sei nun «<a href="https://x.com/DrMakaryFDA/status/2010906917682757979" target="_blank" rel="noreferrer noopener">offen für Bayesianische Statistik</a>». Damit weicht die FDA von einer jahrzehntelangen Tradition bei der Arzneimittelzulassung ab. </p>



<p>Die Bedeutung der lange erwarteten FDA-Richtlinie zur Bayesianischen Statistik &#171;kann nicht hoch genug eingeschätzt werden&#187;, schrieb der weltweit bekannte Statistiker David Spiegelhalter in der US-Ärztezeitung «<a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2847011" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jama</a>». In die Wege geleitet wurde die Neuerung schon unter der Regierung von Joe Biden.</p>



<p>Während FDA-Leiter Makary von einem «spannenden Tag» sprach, läuteten bei anderen jedoch die Alarmglocken: Der Bayes-Ansatz liefere «viel Spielraum für Rosinenpickerei und Manipulation», um gewünschte Ergebnisse zu erhalten. Er «öffnet eine neue Büchse der Pandora an Betrugsmöglichkeiten», warnte der emeritierte Epidemiologie- und Statistik-Professor Sander Greenland von der University of California im «<a href="https://www.bmj.com/content/392/bmj.s180" target="_blank" rel="noreferrer noopener">British Medical Journal</a>». Greenland befürchtet, dass mit dem Bayes-Ansatz Missbrauch zugunsten der Pharmafirmen betrieben werden könne. Dann kämen unwirksame oder schädliche Medikamente auf den Markt. </p>



<p>«Diese Art der Statistik galt bei der Arzneimittelprüfung lange Zeit als verpönt», sagt Jürgen Windeler, ehemaliger Leiter des deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) und Professor für Medizinische Biometrie und Klinische Epidemiologie.</p>



<p>Doch schon seit einiger Zeit taucht der Begriff «Bayes» immer häufiger im Statistik-Teil medizinischer Studien auf. Das wohl prominenteste Beispiel war die Covid-Impfung von Pfizer/Biontech. Die massgebliche <a href="https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2034577" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a> für die Notfallzulassung Ende 2020 wurde mit Hilfe des Bayes-Ansatzes ausgewertet.</p>



<p><strong>Entwicklungskosten sparen</strong></p>



<p>Vertreter der Pharmaindustrie warben 2023 in «<a href="https://www.nature.com/articles/s41573-023-00638-0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nature Reviews Drug Discovery</a>» für die bayesianische Statistik, benannt nach dem Mathematiker und Theologen Thomas Bayes, der im frühen 18. Jahrhundert lebte. Ihr Hauptargument: Die Bayes-Statistik helfe, Zeit und Geld zu sparen.&nbsp;</p>



<p>Mit der Bayes’schen Methode brauche es 15 bis 60 Prozent weniger Studienteilnehmer, legten sie anhand von Beispielen dar. Das reduziert die Entwicklungskosten von neuen Medikamenten. Überdies könnten diese mit Hilfe des Bayes-Ansatzes rascher zugelassen werden und die Patienten würden früher davon profitieren.&nbsp;</p>



<p>Diese Ziele hat sich auch die FDA <a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2835314" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auf die Fahne geschrieben</a>. Westliche Arzneimittelbehörden stehen unter Druck, mehr Tempo bei der Zulassung zu machen.</p>



<p><strong>Behandlungserfolg rascher feststellen</strong></p>



<p>Ein weiteres Ziel der FDA: Sie will Gentherapien für Menschen mit seltenen Erkrankungen zum Durchbruch verhelfen (<a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/us-aufsichtsbehoerde-will-freie-bahn-fuer-gentherapien/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber</a> berichtete). Bei solchen, auf einzelne Patienten massgeschneiderten Behandlungen sind grosse Studien mit vielen Teilnehmern und herkömmlicher statistischer Auswertung kaum machbar. Einen Ausweg bietet die bayesianische Statistik.</p>



<p>«Sie kann die Frage beantworten: ‹Wie wahrscheinlich ist es, dass dieses Medikament bei diesem Patienten wirken wird?›. Das geht mit der üblichen, frequentistisch genannten statistischen Methode nicht», sagt <a href="https://www.stat.lmu.de/en/people/contact-page/sabine-hoffmann-1b1ce4c9.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sabine Hoffmann</a>, Leiterin der Beratungsstelle für Statistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. «Mit bestimmten bayesianischen Studiendesigns kann man viel früher sagen, ob eine Therapie funktioniert oder nicht.»</p>



<p><strong>Fairer gegenüber den Studienteilnehmern</strong></p>



<p>Auch <a href="https://www.vumc.org/biostatistics/person/frank-e-harrell-jr" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frank Harrell</a>, Professor für Biostatistik an der Vanderbilt University und FDA-Berater, weibelt in <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ABuJ9tSlfKM" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vorträgen</a> und in seinem <a href="https://www.fharrell.com/#category=bayes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Blog</a> seit Jahren für den Bayes-Ansatz. Derzeit seien viele Studien hinausgeworfenes Geld, argumentiert er.&nbsp;</p>



<p>Denn erstens würden viele versanden, weil sich nicht genügend Versuchspersonen rekrutieren liessen. Zweitens sei das Ergebnis der Studien oft nicht signifikant, so dass man nachher nicht viel mehr wisse als vorher. Und falls sich drittens in einer Studie rasch abzeichne, dass eine Therapie durchschlagend wirke oder gar nicht, müsse das Experiment trotzdem zu Ende geführt werden, um noch den statistischen Beweis zu erbringen. Damit würden unter Umständen Jahre vergeudet. Dies sei – auch den Teilnehmenden gegenüber – ethisch nicht fair, kritisiert Harrell.&nbsp;</p>



<p><strong>Der Fluch des Gewinners</strong></p>



<p>Bei der Bayes-Methode schätzen die Statistiker zuerst aufgrund des schon vorhandenen Wissens zu einer Behandlung, wie das Ergebnis der geplanten Studie ausfallen wird. Dann vergleichen sie die Studienresultate mit ihrer Vorhersage. Ein entscheidender Punkt ist, welche Vorannahmen sie treffen. In der Fachsprache heisst dies «Prior». «Der Prior hat eine erhebliche subjektive Komponente», gibt Jürgen Windeler zu bedenken.&nbsp;</p>



<p>«Damit kann man potenziell überoptimistische Ergebnisse bekommen», sagt Hoffmann. Die Biostatistikerin sieht vor allem zwei Punkte kritisch. «Stellen Sie sich zum Vergleich einen Hochsprung-Wettbewerb vor, bei dem die Teilnehmer alle etwa gleich hoch springen», sagt sie. «Der Sieger war in diesem Fall zufällig besser als die Konkurrenz, die durchschnittlich gut gesprungen ist oder zufällig etwas schlechter war als sonst.» Betrachte man allein den Siegessprung, überschätze man die eigentliche Sprungkraft des Gewinners.</p>



<p>«Winners curse», den Fluch des Gewinners, nennen Statistiker diesen methodischen Fehler, der nun bei der Arzneimittelzulassung passieren könnte, wie Kritiker befürchten.&nbsp;</p>



<p>Üblicherweise läuft die Arzneimittelzulassung heutzutage so ab: Zuerst werden <a href="https://www.gpoh.de/kinderkrebsinfo/content/patienten/forschung/klinische_forschung/studienphasen/index_ger.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Phase-1-Studien</a> durchgeführt, um die Verträglichkeit des neues Wirkstoffs an wenigen (meist gesunden) Versuchspersonen zu testen.&nbsp;Danach wird in der Phase 2 die Wirksamkeit und Verträglichkeit an einer kleinen Gruppe von Patienten untersucht. Die Phase-3-Studie ist schliesslich die «Feuerprobe» für jeden neuen Wirkstoff: Nun erhalten viele Kranke die neue Substanz.&nbsp;</p>



<p><strong>Phase-2-Studien täuschen oft grösseren Nutzen vor</strong></p>



<p>Bei einem wirksamen und sicheren Medikament müsste die Phase-3-Studie das Ergebnis der Phase 2 bestätigen. Doch das ist längst nicht immer der Fall. Die FDA selbst beschrieb in einem <a href="https://www.fda.gov/about-fda/reports/22-case-studies-where-phase-2-and-phase-3-trials-had-divergent-results" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bericht</a> 22 Beispiele von Medikamenten und Impfstoffen, bei denen die Phase-2-Studie erfolgversprechende Resultate lieferte – und die nachfolgende Phase-3-Studie keinen Nutzen fand.&nbsp;</p>



<p>Selbst nach relativ grossen Phase-2-Studien kommen also manchmal erst in der Phase 3 Sicherheits- oder Wirksamkeitsmängel zum Vorschein. Und positive Kurzzeitergebnisse müssen nicht unbedingt den Langzeitnutzen widerspiegeln.</p>



<p>Bisher wird jede dieser Studien separat betrachtet und statistisch ausgewertet. Floppt der neue Wirkstoff in der Phase-3-Studie, kann der Hersteller die Zulassung abschreiben. Reüssiert der Wirkstoff – meist wird dies mit einem p-Wert* unter 0,05 belegt – und erweist er sich als sicher genug, wird das neue Medikament in der Regel zugelassen.</p>



<p><strong>Negative Studienresultate «aushebeln»</strong></p>



<p>Wenn die FDA neu erlaube, dass Resultate der Phase-2-Studien in die Vorannahme einfliessen dürfen, könnten positive Ergebnisse von kleineren, vorangegangenen Studien womöglich das negative Resultat einer Phase-3-Studie «aushebeln», sorgen sich die Kritiker des Bayes-Ansatzes.</p>



<p>Erste, frühe Studienresultate eines neuen Wirkstoffs können bei der bayesianischen Statistik in die Vorannahme ebenso einfliessen wie Expertenmeinungen, Ergebnisse von – bekanntermassen verzerrungsanfälligen – Beobachtungsstudien, Krankenversicherungsdaten, Jahre zurückliegende Studien und anderes mehr. Diese Daten werden je nach Einschätzung unterschiedlich gewichtet – und dabei gibt es Spielraum. Wer schummeln will, könnte zum Beispiel günstige Studienergebnisse stark gewichten und ungünstige nur schwach.</p>



<p>Bei der Bayes-Statistik werde aufgrund solcher «beliebig unscharfer» Vorinformationen abgeschätzt, wie gut ein neues Medikament sei, sagt Jürgen Windeler. «Diese vermuteten A priori-Wahrscheinlichkeiten sind eine vage Angelegenheit und sehr subjektiv.»</p>



<p>«Viele neuen Wirkstoffe werden in der Phase 2 aussortiert», erläutert Hoffmann. «Wenn man nur die Phase-2-Studien mit positivem Ergebnis in die Vorannahme einfliessen lässt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man die Wirksamkeit eines neuen Wirkstoffs überschätzt.» Die Biostatistikerin erläutert es am Beispiel des Hochsprung-Wettbewerbs: Würde man bei einer Sportlerin nur aufgrund ihrer besten Sprünge abschätzen, wie gut sie ist, und die Sprünge, bei denen sie schlecht abschnitt, ignorieren, ergäbe dies kein realistisches Bild ihrer Leistung.</p>



<p><strong>Der zweite kritische Punkt</strong></p>



<p>Der zweite aus Sicht Hoffmanns «sehr kritische Punkt» sind Vorannahmen, die auf Studien beruhen, welche leicht zu falschen Schlüssen verleiten. Zu nennen sind hier insbesondere die Beobachtungsstudien. Dort gibt es gibt es hunderte von Möglichkeiten, die Daten zu «grillieren». Hoffmann spricht von «analytischer Flexibilität».&nbsp;</p>



<p>Beispielhaft zeigte dies die kanadische Wissenschaftlerin Dana Zeraatkar am Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Sterblichkeit (<a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/ernaehrung/fleisch-und-gesundheit-studien-vermitteln-falsches-bild/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber</a> berichtete). Sie wertete den immer gleichen Datensatz auf 1440 verschiedene, legitime Arten aus. Mal bezog sie viele Faktoren ein, mal wenig, oder sie gewichtete die Faktoren anders. Das Resultat: Je nach statistischer Auswertung ging der Fleischkonsum mit einem 49 Prozent niedrigeren Sterberisiko einher – oder mit einem um 75 Prozent höheren. Dazwischen gab es praktisch alles, schrieb sie im «<a href="https://www.jclinepi.com/article/S0895-4356(24)00033-7/fulltext#app-1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Journal of Clinical Epidemiology</a>».&nbsp;</p>



<p>Beim Ansatz nach Bayes können Wissenschaftler unter anderem Datensätze wie diesen einfliessen lassen. Pharmafirmen drängen zudem seit Jahren darauf, vermehrt auf «Real World Daten» zuzugreifen, also zum Beispiel Krankenkassen-Daten oder Daten aus Patientenakten.&nbsp;</p>



<p>Die Arzneimittelbehörden <a href="http://dx.doi.org/10.1136/bmj-2022-073100" target="_blank" rel="noreferrer noopener">tragen dem Rechnung</a>, obwohl «die Versprechen und Erwartungen, die mit dem Schlagwort ‹Real World› verbunden sind, vollkommen unrealistisch [sind], die Glorifizierung solcher Daten unangebracht – und in nicht geringem Mass interessengeleitet», wie Jürgen Windeler im «<a href="https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-72738-6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Arzneiverordnungsreport 2025</a>» schrieb. Für Journalisten und andere Aussenstehende sei es nicht möglich, zu beurteilen, ob die Vorannahmen und die bayesianische Statistik in einer Studie korrekt sind, ist er überzeugt.&nbsp;Windeler hegt auch Zweifel, ob sich mit den Bayes-Verfahren wirklich vorhersagen lasse, ob ein Medikament bei einem Patienten wirken werde. </p>



<p><strong>Vorbeugende Massnahmen</strong></p>



<p>Auch Peter Doshi, Professor an der University of Maryland School of Pharmacy und leitender Redakteur beim «<a href="https://www.bmj.com/about-bmj/editorial-staff/peter-doshi" target="_blank" rel="noreferrer noopener">British Medical Journal</a>», befürchtet im Hinblick auf die künftige stärkere Verwendung Bayes&#8217;scher Statistik in Zulassungsanträgen für Medikamente, dass weniger Menschen beurteilen können, wie aussagekräftig diese Analysen seien. «Ich mache mir Sorgen, dass die Aufsichtsbehörden und andere Personen ungeeignete Annahmen in den Analysen möglicherweise nicht erkennen und dadurch Fehlentscheidungen getroffen werden könnten, sowohl wenn die FDA die Industrie berät als auch bei den Zulassungsentscheidungen der FDA», schreibt er auf Anfrage.</p>



<p>Dieses grosse Problem sprachen auch die Pharma-Wissenschaftler in ihrem Artikel in «<a href="https://www.nature.com/articles/s41573-023-00638-0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nature Reviews Drug Discovery</a>» an: Der Bayes’sche Ansatz sei den Zulassungsbehörden noch wenig vertraut.</p>



<p>Es sei darum wichtig, die Vorannahmen leicht verständlich zu machen, so Doshi.</p>



<p>Das sieht auch Hoffmann so. «Die Vorannahme ist das Erste, worauf man als Statistikerin beim Bayes-Ansatz schaut. Das muss transparent angegeben werden.»&nbsp;Aus ihrer Sicht würde es zudem helfen, wenn alle Beobachtungsstudien vorab registriert werden müssten, inklusive Angaben zur geplanten statistischen Auswertung. Das erhöhe die Transparenz, schrieb sie letztes Jahr im «<a href="https://www.bmj.com/content/384/bmj-2023-076123" target="_blank" rel="noreferrer noopener">British Medical Journal</a>». Doch eine solche Registrierung ist noch weit entfernt.&nbsp;</p>



<p>Eine Studie, an der Doshi mitwirkte, ebenfalls im «<a href="https://www.bmj.com/content/392/bmj-2025-086693" target="_blank" rel="noreferrer noopener">British Medical Journal</a>» veröffentlicht, zeigte kürzlich: Selbst dort, wo eine Registrierung in der EU gesetzlich verlangt gewesen wäre, wurde dies in 3 bis 4 von 10 Fällen nicht gemacht.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size">* Der alles entscheidende p-Wert</h2>



<p>Bei der herkömmlichen statistischen Auswertung steht am Anfang die sogenannte «Nullhypothese». Sie lautet zum Beispiel «das neue Medikament wirkt nicht». Widerlegen die Studienresultate diese Hypothese mit hoher Wahrscheinlichkeit, gilt das neue Arzneimittel als wirksam.&nbsp;</p>



<p>Der oft alles entscheidende Wert bei den statistischen Berechnungen ist der «p-Wert». Er ist so etwas wie das goldene Kalb, um das die Wissenschaft seit Jahrzehnten tanzt. P steht für das lateinische &#171;probabilitas&#187;, auf deutsch Wahrscheinlichkeit.&nbsp;</p>



<p>Als Schwellenwert gilt üblicherweise ein p-Wert unter 0,05. In diesem Fall wäre die Wahrscheinlichkeit, dass die Studienergebnisse zeigen, dass das Medikament wirkt, obwohl es in Wirklichkeit nicht wirkt, kleiner als fünf Prozent. Statistiker sprechen dann von einem «signifikanten» Ergebnis. Die Grenze von fünf Prozent wurde willkürlich festgelegt.</p>



<p><strong>&#171;Statistisch signifikant&#187; wird oft missverstanden</strong></p>



<p>Ein statistisch signifikantes Ergebnis bedeutet indes nicht automatisch, dass die Behandlung den Kranken grosse Linderung bringt, wie das Beispiel des Alzheimer-Medikaments Lecanemab zeigt. Es ist in der EU und in den USA gegen die Alzheimer-Erkrankung im frühen Stadium zugelassen. In einer wichtigen <a href="https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2212948" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a> schnitten die mit Lecanemab Behandelten bei verschiedenen Hirnleistungstests «hochsignifikant» besser ab als diejenigen, die ein Placebo bekamen: Der p-Wert war kleiner als 0,001.&nbsp;</p>



<p>Bloss: Dieser Unterschied war laut dem Präsidenten der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft <a href="https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/arzneiverordnung-in-der-praxis/ausgaben-archiv/ausgaben-ab-2015/ausgabe/artikel/2024/2024-2/alzheimer-antikoerper-erhaelt-keine-zulassung-ein-patientenorientierter-beschluss-der-ema-1-1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">weniger als die Hälfte</a> dessen, was typischerweise von den Patienten als Wirkung bemerkt werde. Der Behandlungseffekt war also zwar statistisch «hochsignifikant» erkennbar, aber im Durchschnitt so klein, dass er für die Patienten kaum oder gar nicht spürbar war.</p>



<p>Ist der p-Wert grösser als 0,05, gilt das Ergebnis als «nicht-signifikant» – und das wird fälschlicherweise oft gleichgesetzt mit «wirkungslos». Dabei kann ein neues Medikament trotzdem wirksam sein.</p>



<p>Weil der p-Wert oft falsch interpretiert wird und ihm soviel Bedeutung zukommt, wird immer wieder versucht, zu tricksen und die Studienergebnisse so zurechtzubiegen, dass am Schluss ein p-Wert &lt; 0,05 herauskommt.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/pharmafirmen-druecken-sich-ungestraft-vor-ihren-hausaufgaben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pharmafirmen drücken sich ungestraft vor ihren Hausaufgaben</a>, Infosperber vom 28.3.2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/97b9bcbbf8bb423f811292fe1600c699" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
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