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		<title>infosperber - Shoutem Feed!</title>
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		<description>Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information SSUI</description>
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					<title>Den Fischen droht der Hühnerstall</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/ernaehrung/den-fischen-droht-der-huehnerstall/</link>
					<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 08:40:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Salmon_aquaculture_Klaksvik-e1780132452124-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Salmon_aquaculture_Klaksvík" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Salmon_aquaculture_Klaksvik-e1780132452124-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Salmon_aquaculture_Klaksvik-e1780132452124-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Salmon_aquaculture_Klaksvik-e1780132452124-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Salmon_aquaculture_Klaksvik-e1780132452124.jpg 1110w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Besonders Lachse erleben das, was die Fleischindustrie seinerzeit mit Geflügel veranstaltet hat.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Ein Masthuhn ist eine Effizienzmaschine. Zusammen mit Tausenden Artgenossen lebt es in grossen Ställen und soll in seinem kurzen Leben nur ein Ziel erreichen: möglichst schnell zunehmen. Dazu hat es etwa einen Monat Zeit. Herz, Kreislauf, Knochen und Gelenke halten das gerade noch aus, Bewegung stört nur. Das Produkt: ein proteinreiches Nahrungsmittel für den globalen Markt.</p>



<p>Während die schlimmsten Auswüchse der Pouletmast inzwischen kritisiert und teilweise eingedämmt werden, drohen Fischen dieselben Missstände. Vor allem Lachse sollen im Industriemassstab gezüchtet werden wie einst Hühner – günstig, schnell und massenhaft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Für das Leben in engen Käfigen sind Lachse nicht geschaffen</h2>



<p>Weltweit werden mittlerweile mehr Zuchtfische gegessen als Fische aus Wildfang. Dabei weiss man längst, was das für die Tiere bedeutet: Lachse sind Raubfische. Sie haben einen grossen Bewegungsbedarf, brauchen Verstecke und stehen teilweise in Konkurrenz zueinander. Für das Leben in engen Käfigen sind sie nicht geschaffen. Jeder vierte Junglachs überlebt die Enge nicht, die meisten Tiere sterben dabei an Krankheiten. Entkommen die Zuchtlachse, bedrohen sie die schwindenden natürlichen Bestände. Und für die Futterrationen der Käfigtiere werden anderswo die Meere leergefischt.</p>



<p>Vor allem die USA planen den Ausbau der Aquakultur im grossen Stil. Die Trump-Regierung hat im April das erste nationale Büro für Fische und Meeresfrüchte (<a href="https://www.usda.gov/about-usda/news/press-releases/2026/04/15/secretary-rollins-announces-creation-usda-office-seafood">Office of Seafood</a>) ins Leben gerufen. Ihr Ziel: die US-amerikanische Aquakultur massiv auszubauen und Regulierungen abzubauen. Bisher werden 80 Prozent der in den USA konsumierten Meeresfrüchte importiert. Das soll sich ändern – nach dem Motto «<a href="https://www.usda.gov/about-usda/news/press-releases/2026/04/15/secretary-rollins-announces-creation-usda-office-seafood">Feed America First</a>». Als Standorte für neue Zuchtanlagen sind die Küstengewässer vor Alaska, Kalifornien und im Golf von Mexiko vorgesehen.</p>



<p>Den Lachsen droht dabei dasselbe wie einst den Hühnern. «Der Supersize-Effekt. Wie beim Hühnerboom in den 1950er-Jahren», sagt Ben Williamson von der Tierschutzorganisation Animal Outlook gegenüber dem <a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/may/14/seafood-company-abuse-claims-fish-farming">«Guardian»</a>. Die Zeitung beschreibt die drohende «Chickenifizierung» der Fischzucht am Beispiel einer Lachsfarm im US-Bundesstaat Maine.</p>



<p>Auslöser ist ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=iftorv8t7yE">Undercover-Video</a>, das eine verdeckt dort arbeitende Aktivistin von Animal Outlook auf einer Fischfarm in Maine gedreht hat. Mitarbeitende schlagen darin Fische mit Metallstangen, treten nach den Tieren und werfen sie herum. In einer Sequenz wird ein lebender Fisch aufgeschnitten. Dazu kommen Berichte über Rattenbefall im Fischfutter und die Tötung von mehreren Zehntausend Fischen, weil zu viele gezüchtet wurden.</p>



<p>Das Video ist bereits die zweite verdeckte Dokumentation der Anlage von Cooke Aquaculture. 2019 zeigte ein ähnliches Video deformierte Lachse, die in Behältern erstickten. «Wir haben [2019] sicher viele Dinge getan, die wir nicht hätten tun sollen», kommentiert ein Mitarbeiter der Fischfarm die Tierquälerei im aktuellen Video.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Trotz Missständen zertifiziert</h2>



<p>Der Lachs aus der Anlage des kanadischen Konzerns ist sogar zertifiziert und wird unter der Marke «True North» verkauft. Die Organisation Best Aquaculture Practices, die das Zertifikat vergibt, hat laut dem «Guardian» eine Untersuchung angekündigt. Der Betreiber äusserte sich nicht zu den Vorwürfen.</p>



<p>Animal Outlook sieht in der Art und Weise, wie die Fische behandelt werden, ein systemisches Problem. Dazu kommen andere, bereits bekannte: Wasserverschmutzung durch Medikamente, Futterreste und Chemikalien; ökologische Schäden; Krankheiten, die von den Zuchtfischen in Netzgehegen auf ihre wilden Artgenossen übergehen können; die genetische Auslöschung wilder Arten durch entkommene Fische; Antibiotikaresistenzen.</p>



<p>Viele Tierwohl-, Umwelt- und Konsumentenorganisationen lehnen die Lachszucht in der derzeitigen Form inzwischen ab. Dabei wurde sie einst als Mittel gegen Überfischung angesehen. In Ländern, die grosse Zuchtanlagen planen, wie <a href="https://taz.de/Regulierung-geplant/!6160138/">Island</a>, wächst der Widerstand.</p>



<p>Zumindest in Sachen Tierleid scheint sich etwas zu tun: Wissenschaft und Rechtsprechung haben in den vergangenen Jahren mehr und mehr anerkannt, dass Fische leidensfähige Tiere sind. Fische ohne Betäubung zu erschlagen oder zum Ersticken abzulegen ist schlicht grausam. Das wird nicht mehr bestritten. Einige Fachleute wie Ben Williamson sind grundsätzlich der Meinung, dass sich Lachse für ein Leben in Gefangenschaft nicht eignen und ihre Zucht deshalb grundsätzlich grausam ist.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konsum/zuchtlachs-heisst-in-schottland-nur-noch-lachs/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zuchtlachs heisst in Schottland nur noch «Lachs»</a> – Infosperber am 9. Juni 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konsum/fischmehl-export-afrikas-fische-und-ein-globales-dilemma/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fischmehl-Export: Afrikas Fische und ein globales Dilemma</a> – Infosperber am 29. Februar 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/dossier/die-pluenderung-der-weltmeere/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Plünderung der Weltmeere</a> – Infosperber am 9. September 2021</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/bb62854fb1d147e191c9f3ad5d12fe44" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Ich starrte an die Wand. Neben mir wurde ein Mann verprügelt»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/ich-starrte-an-die-wand-neben-mir-wurde-ein-mann-verpruegelt/</link>
					<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 08:35:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/one-scaled-e1780060115120-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/one-scaled-e1780060115120-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/one-scaled-e1780060115120-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/one-scaled-e1780060115120-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/one-scaled-e1780060115120-1536x923.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/one-scaled-e1780060115120-2048x1230.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Schläge, Schüsse, Schlafentzug: Eine weitere Schweizerin der Global Sumud Flotilla erhebt Vorwürfe gegen israelische Soldaten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><em>Die Global Sumud Flotilla <em>— über fünfzig Schiffe mit Hilfsgütern für Gaza, gestartet aus der Türkei — </em>wurde am 18. Mai 2026 von israelischen Streitkräften in internationalen Gewässern abgefangen. 428 Zivilisten wurden festgehalten — ohne Zugang zu Anwälten. Infosperber hat das Zeugnis des Waadtländers Nathan Hausheer </em><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/sie-haben-mich-geboxt-getasert-mir-in-den-hals-getreten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><em>dokumentiert</em></a><em>, <em>wie er auf einem israelischen Gefängnisschiff geschlagen und getasert wurde</em>. Hier folgt ein zweites: Sibel, eine weitere Schweizer Teilnehmerin, schildert schwere Misshandlungen durch staatliche Akteure. Das EDA liess die Frage unbeantwortet, ob es eine Untersuchung fordern werde.</em></p>



<p>«Wir wurden extrem grob behandelt. Es war ein Machtspiel. Die Soldaten haben uns hin- und hergeschubst, an die Wand geworfen, den Kopf runtergedrückt, die Arme auf den Rücken gedreht. Auf unserem Segelboot hatten sie sich noch zurückgehalten, dort gab es eine Kamera. Aber als sie uns auf das Militärschiff brachten, hörte das auf. Das ist so ein schwimmendes Gefangenenlager. Rundherum Gitter. Oben, auf dem Deck, ganz viele Soldaten mit Waffen. Sobald wir für Palästina sangen oder Widerstand leisteten – weil wir Toilettenpapier brauchten oder Binden für Frauen – schossen sie von oben auf uns.</p>



<p>Es sind keine normalen Schusswaffen. Sie verschossen eine Art Projektile, die zum Teil tiefe Wunden hinterliessen.</p>



<p>Ich starrte an die Wand. Irgendwo neben mir wurde ein Mann verprügelt. Ich habe ihn nicht gesehen, nur gehört. Er schrie sehr, sehr laut. Es ging über eine Minute lang. Einer der Soldaten rief dabei immer wieder: ‹Do you remember me?› Die anderen auf dem Schiff hörten die Schreie und fingen ebenfalls an zu schreien. Dann fielen nochmal Schüsse.</p>



<p>Bei den Gewalttaten spielte Rassismus eine zentrale Rolle. Muslimische, arabische, dunkelhäutige Menschen wurden zur Zielscheibe. Allen Kopftuchträgerinnen wurde das Kopftuch weggerissen, danach wurden sie verprügelt. Der türkischen Delegation sagten sie: «Wir haben euch schon erwartet.» Dann hagelte es Schläge. Transpersonen wurden isoliert und massiv gemobbt.</p>



<p>Später im Bus war es sehr heiss. Wir bekamen während mehrerer Stunden kein Wasser, wir hatten keinen Zugang zur Toilette. Wir waren alle in Hand- und Fussschellen. Eine Frau war sehr krank und lag vor Schmerzen auf dem Boden. Wir fingen an zu schreien, dass wir einen Arzt brauchen. Über eine halbe Stunde lang. Dann kam der israelische Sicherheitsminister Ben-Gvir in den Bus und machte ein Selfie. Mit uns Gefesselten.</p>



<p>Wir kamen irgendwann im Gefängnis an und wurden einzeln herausgezerrt. Sie zogen uns über den Boden, warfen uns an die Wand. Hunde bellten uns an. Alles war sehr bedrohlich.</p>



<p>Wir hatten Frauen, denen die Handschellen so festgezogen wurden, dass die Blutzirkulation stoppte. Die Hände waren angeschwollen. Wir hatten keine Gefühle mehr in den Fingern. Wir verlangten immer wieder, dass sie die Handschellen lockern. Stattdessen zogen sie sie enger.</p>



<p>Wir wurden die ganze Nacht einzeln aus der Zelle geholt, draussen in Gruppen zusammengeführt, im Gänsemarsch mit gesenkten Köpfen rumgeführt und mussten stundenlang in Stresspositionen warten. Wir waren immer gefesselt, so dass wir uns gegenseitig helfen mussten, auf die Toilette zu gehen. Wer den Kopf hob, bekam einen Schlag. Wir durften das Licht nicht ausmachen. Wir konnten nicht schlafen. Die ganze Nacht bellten Hunde.</p>



<p>Brillenträgerinnen wurden die Brillen weggenommen. Eine Person in unserer Zelle hatte zweimal einen epileptischen Anfall. Wir fingen alle an zu schreien und verlangten einen Arzt und Medikamente. Eine andere Person hatte Diabetes — ihre Medikamente waren ihr weggenommen worden. Sie hat sie nie bekommen. Sie haben Menschen in Lebensgefahr gebracht.</p>



<p>Das Wasser war teilweise bräunlich, teilweise weisslich, je nach Zelle. Nicht trinkbar. Aber wir tranken trotzdem, nur nicht zu viel, weil praktisch unmöglich war, auf die Toilette zu gehen.</p>



<p>Es wurde nie kommuniziert, ob wir deportiert werden oder nicht. Sie wollten uns das Gefühl von Unsicherheit und Angst geben. Dass wir nicht wissen, was mit uns passiert.</p>



<p>In den Zellen sahen wir arabische Schriften an den Wänden. Palästinenser, die geschrieben hatten, wann sie dort waren. Am Boden Blutspuren — weggewischt, aber noch sichtbar, noch bräunlich. Für uns war klar: Wir kommen irgendwann raus. Aber für Palästinenserinnen, die dort sind — auch Kinder, Frauen, die jahrelang bleiben müssen und nicht wissen, wann sie rauskommen — war unser Schrecken nur ein kleines Fenster in ihre Realität.</p>



<p>Wir sind bis zu den Türen des Flugzeugs verprügelt worden. Sie traten uns von hinten. Frauen fielen zu Boden und wurden am Boden weitergetreten. Zwei hatten Nasenbluten.</p>



<p>Von der offiziellen Schweiz haben wir nie etwas gehört.</p>



<p>Ich bin jetzt auf Schmerzmitteln, weil mein Körper wehtut. Ich merke, dass ich sehr müde bin, viel schlafe, erschöpft bin, psychisch und körperlich erschöpft. Ich höre von anderen von der Mission, denen es sehr schlecht geht, die medizinische und psychiatrische Hilfe benötigen.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/sie-haben-mich-geboxt-getasert-mir-in-den-hals-getreten/">«Sie haben mich geboxt, getasert, mir in den Hals getreten»</a> – Infosperber vom 28.&nbsp;Mai 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Sexismus und Gewalt im Krankenhaus</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/sexismus-und-gewalt-im-krankenhaus/</link>
					<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 08:30:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-31-um-15.23.19-e1780234064180-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Sexismus" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-31-um-15.23.19-e1780234064180-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-31-um-15.23.19-e1780234064180-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-31-um-15.23.19-e1780234064180.png 928w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Fünf Medizinstudentinnen beklagten sich über Übergriffe auf dem Deutschen Ärztetag. Ob sich etwas ändern wird?]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«73,5 Prozent der Studentinnen erleben im Praktischen Jahr sexualisierte Gewalt.» Das erklärten fünf Medizinstudentinnen auf dem 130. Deutschen Ärztetag in Hannover. Diese Zahl reiht sich ein in die Ergebnisse vieler Befragungen. Vor vier Jahren gab es eine Untersuchung in den USA von mehr als 22’000 Ärztinnen und Ärzten über ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung. Knapp 3000 gaben an, mindestens einmal in solche Situationen gekommen zu sein. 86 Prozent der Betroffenen waren weiblich. In den USA wurde ein formelles Meldesystem installiert, und jedes Krankenhaus hat dafür inzwischen sein eigenes Berichterstattungssystem.</p>



<p><strong>70 Prozent beklagten sich</strong></p>



<p>In Deutschland hat es ein bisschen gedauert – bis eine ähnliche Befragung von knapp 10’000 Beschäftigten der baden-württembergischen Universitätskliniken in Ulm, Freiburg, Heidelberg und Tübingen im Jahr 2022 ergab, dass über 70 Prozent der Befragten sexuelle Belästigungen von anzüglichen Witzen über sexualisierte Bemerkungen bis hin zu körperlichen Übergriffen bei ihrer Arbeit im Krankenhaus erlebt hatten. «Im Gesundheitssystem sind Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse häufig ausgeprägter als an anderen Arbeitsplätzen. Unter anderem findet sexualisierte Belästigung deswegen hier besonders häufig statt», hiess es. Die vier Universitätskliniken starteten eine Kampagne mit Aktionen gegen sexualisierte Belästigung am Arbeitsplatz und installierten Anlaufstellen und Hilfsangebote.</p>



<p><strong>«Extremes Machtgefälle»</strong></p>



<p>Auch eine Mitgliederbefragung über sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz, welche die Ärztegewerkschaft Marburger Bund Anfang dieses Jahres unter mehr als 9000 angestellten Ärztinnen und Ärzten durchführte, ergab das gleiche Bild – wobei überwiegend Machtmissbrauch durch Vorgesetzte zur Sprache kam. Der Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte erklärte hierzu, dass die vielen Vorfälle «mit dem extremen Machtgefälle und steilen Hierarchien» zu erklären seien.</p>



<p>Es ist seltsam, wie lange es dauerte, bis das Thema der sexuellen Belästigung und Gewalt in der Medizin öffentlichen Raum erhielt. Eine Fuldaer Ärztin forderte im Hessischen Rundfunk Konsequenzen nach Sexismus-Beschwerden auf dem Ärztetag. Auf dem Ärztetag?</p>



<p>Ja, geschehen auf dem Ärztetag 2026 in Hannover! Zum Entsetzen der anwesenden 250 Delegierten der 17 deutschen Ärztekammern traten in der vergangenen Woche fünf Medizinstudentinnen ans Rednerpult und <a href="https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/auf-aerztetag-in-hannover-medizinstudentinnen-wurden-offenbar-sexuell-belaestigt,aerztetag-124.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">berichteten </a>von Einladungen ins Hotelzimmer und von heftigen Berührungen: «Teilweise wurden wir angefasst. Gerade in den Abendveranstaltungen. Da waren Hände an Stellen, wo sie nicht hingehörten.»</p>



<p><strong>«Unangebracht, unangebracht, unangebracht …»</strong></p>



<p>Der Wortlaut ihrer Rede lautete: «Allen fünf weiblichen Mitgliedern unserer Delegation sind in den letzten drei Tagen Übergriffe passiert. (&#8230;) Wir möchten Ihnen davon berichten: Kommentare über unser hübsches Auftreten sind unangebracht. Kommentare über unsere Ausschnitte sind unangebracht. Hände auf Rücken und Gesässen sind unangebracht. Mit unseren männlichen Kollegen über berufspolitische Themen zu sprechen – mit uns weiblichen über Kinderkriegen und Stillen, ist unangebracht. Einladungen auf Hotelzimmer oder privat zu Ihnen nach Hause sind unangebracht. Einladungen, doch mal eben zusammen ‹vor die Tür› zu gehen, sind unangebracht.»</p>



<p><strong>Leere Versprechen</strong></p>



<p>Entsetzen, Betroffenheit, Erschütterung, Sprachlosigkeit – das waren die Reaktionen der Delegierten, die nach den Studentinnen sprachen. Applaus brandete auf – auch von denen, welche die Studentinnen als Täter wiedererkannten. Der der Präsident der Bundesärztekammer gab sich verstört und versprach eine restlose Aufklärung der Vorfälle.</p>



<p>Ich glaube nicht an solche Versprechen. Es wird sich nicht viel ändern, solange Machtgefälle und Abhängigkeiten den medizinischen Arbeitsalltag bestimmen. Wenigstens ist durch die überaus mutige Aktion der Studentinnen aber endlich öffentlich geworden, dass sich in der ärztlichen Profession keineswegs die besseren Menschen versammelt haben. Die durchschnittliche Anzahl der Sexualtäter ist nicht geringer als in der sonstigen Bevölkerung. Es ist also Vorsicht geboten.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Keine. Dieser Kommentar des Arztes und Autors Bernd Hontschik erschien zuerst in der Frankfurter Rundschau.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Der Virenjäger und sein Schmuggelgut</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wissenschaft/der-virenjaeger-und-sein-schmuggelgut/</link>
					<pubDate>Sun, 31 May 2026 07:35:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="168" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-29-um-16.06.32-300x168.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Vincent Munster" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-29-um-16.06.32-300x168.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-29-um-16.06.32-768x429.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-29-um-16.06.32.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein prominenter Virologe soll Krankheitserreger ohne Genehmigung in die USA gebracht haben. Das FBI ermittelt.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Am 25. Januar reiste der Virologe <a href="https://irp.nih.gov/pi/vincent-munster" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vincent Munster</a> per Flugzeug aus der Demokratischen Republik Kongo nach Detroit. Am dortigen Flughafen forderten ihn Beamte auf, das Gepäck zu öffnen. Sie fanden <a href="https://x.com/LauraLoomer/status/2053952754494636483/photo/1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dutzende von Ampullen</a> mit Proben von <a href="https://disinformationchronicle.substack.com/p/exclusive-nih-virologist-vincent" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Patienten</a> – ohne die dafür nötigen Papiere. Das berichtete zunächst ein Whistleblower. Nun ermittle das FBI.</p>



<p>Munster erforscht an seinem Arbeitsort, einem Hochsicherheitslabor im US-Bundesstaat Montana, gefährliche Erreger, darunter Ebola- und Affenpocken-Viren. Auch an <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Vincent_Munster" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Projekten der Forschungsagentur des US-Militärs</a> war er schon beteiligt.</p>



<p>Das Wissenschaftsmagazin «<a href="https://www.science.org/content/article/hunting-ebola-among-bats-congo" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Science</a>» beschrieb 2017, wie der Virusforscher mit seinem Team in der Demokratischen Republik Kongo Fledermäuse einfing, um ihnen Blut und Urin abzunehmen. Immer wieder komme Munster an diesen Ort, immer auf der Suche nach aktiven Ebola-Viren, die er in den Fledermäusen zu finden hoffe. Doch: «Material zu verschicken, welches das Ebola-Virus enthalten könnte, ist ein bürokratischer Albtraum. Es kann Monate dauern, bis die Proben in den USA&nbsp;eintreffen», stand in dem Artikel.</p>



<p>Was die Proben genau enthielten, die Munster nun im Januar 2026 aus der Demokratischen Republik Kongo mitgebracht hat, ist öffentlich nicht bekannt. Mindestens <a href="https://www.srf.ch/play/tv/nano/video/ebola---die-naechste-pandemie?urn=urn:srf:video:98abc51d-bd72-4e40-929b-8f8c93c73c18">seit April</a> zirkuliert dort im östlichen Landesteil das als «Ebola» bezeichnete Bundibugyo-Virus. Munsters Feldstudie zu Ebola wird laut den National Institutes of Health <a href="https://www.google.com/maps/place/N2,+Republic+of+the+Congo/@0.895349,15.567627,8z/data=!4m6!3m5!1s0x109eebc9e0580181:0x660ab27c1d53dc1c!8m2!3d0.8238604!4d15.4755306!16s/g/1tjxzmxw?hl=en&amp;entry=ttu&amp;g_ep=EgoyMDI2MDUyNS4wIKXMDSoASAFQAw==" target="_blank" rel="noreferrer noopener">im westlichen Teil</a> der Republik durchgeführt. </p>



<p><strong>Journalist sah interne E-Mails</strong></p>



<p>Dass Munster am Flughafen Detroit erwischt worden sei, machte der Journalist <a href="https://www.pauldthacker.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Paul Thacker</a> in seinem Blog «<a href="https://disinformationchronicle.substack.com/p/exclusive-nih-virologist-vincent" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Disinformation Chronicle</a>» öffentlich. Er beruft sich auf interne E-Mails im US-Gesundheitsministerium. «Virologen sammeln regelmässig Viren aus weit entfernten Ländern und bringen sie in ihre eigenen Städte, um sie dort zu studieren», schrieb Thacker. Einer dieser Virologen sei Vincent Munster.</p>



<p>Auf Anfrage von Infosperber antwortet Thacker: «Vincent Munster hat gefährliche menschliche Krankheitserreger in die USA geschmuggelt. Und das, obwohl wir eine Covid-Pandemie hatten, die vermutlich durch Virusforschung ausgelöst wurde, und obwohl das Weisse Haus daran arbeitet, gefährliche Gain-of-function-Forschung zu beenden.» Bei der Gain-of-function-Forschung werden Krankheitserreger absichtlich gefährlicher gemacht.</p>



<p>In seinem Blog hatte Thacker aber relativiert: Die Krankheitserreger, darunter das Affenpockenvirus «und potenziell weitere Viren», die Munster mitgebracht habe, «könnten durch die Reagenzien inaktiviert und somit nicht mehr infektiös gewesen sein». Munster habe auf mehrere Anfragen Thackers nicht geantwortet. Das US-Gesundheitsministerium verwies Thacker an das FBI, und dieses habe nicht Stellung nehmen wollen.</p>



<p><strong>&#171;Wird wahrscheinlich ins Gefängnis gehen&#187;</strong></p>



<p>Vincent Munster werde «wahrscheinlich ins Gefängnis gehen», <a href="https://x.com/TimSheehyMT/status/2054889743981097050" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zitierte die glühende Trump-Anhängerin und Influencerin Laura Loomer</a> den US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy. Kennedy habe ihr dies schriftlich mitgeteilt. Loomer hat einen guten Draht zum Weissen Haus.</p>



<p>Sie betont, dass es sich bei Munster um einen Ausländer handelt, und behauptet, der Virenforscher hätte Ebola-Viren im Gepäck gehabt – und dann schiessen Loomers Spekulationen ins Kraut: Habe Munster womöglich einen bioterroristischen Anschlag geplant?</p>



<p>«Wir wissen, dass Vincent Munster Präsident Trump hasst. Versuchte er, während der Regierungszeit von Donald Trump ein weiteres Virus von der Leine zu lassen, um dessen Amtszeit erneut zu ruinieren oder ihn für einen Ebola-Ausbruch verantwortlich zu machen?», spekulierte die Influencerin kürzlich auf <a href="https://x.com/TimSheehyMT/status/2054889743981097050" target="_blank" rel="noreferrer noopener">x.com</a> und spielte damit auf die Corona-Pandemie an.</p>



<p><strong>An umstrittenen Experimenten beteiligt gewesen</strong></p>



<p><a href="https://www.niaid.nih.gov/research/vincent-j-munster-phd" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Munster</a> stammt aus den Niederlanden. 2013 baute er die Abteilung für Virus-Ökologie an den Rocky Mountain Laboratorien in Hamilton auf, die er nun leitet. Die Forschungsstätte wird vom Nationalen Institut für Allergie und Infektionskrankheiten (NIAID) betrieben. Dessen früherer Leiter Anthony Fauci unterstützte die Gain-of-function-Forschung und hielt sie für nützlich.</p>



<p>Sein Metier erlernte Munster unter anderem beim Virologen <a href="https://www.erasmusmc.nl/en/research/researchers/fouchier-ron" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ron Fouchier</a> an der Erasmus-Universität Rotterdam. Fouchier entfachte 2011 einen Sturm, als er im Labor höchst gefährliche H5N1-Grippeviren schuf (<a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/schwerer-vorwurf-christian-drosten-machte-falschaussage/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber</a> berichtete darüber). Die Risiken solcher Gain-of-function-Forschung <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/schwerer-vorwurf-christian-drosten-machte-falschaussage/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">redete er klein</a>. Munster war <a href="https://www.science.org/content/article/hunting-ebola-among-bats-congo" target="_blank" rel="noreferrer noopener">an den umstrittenen H5N1-Experimenten beteiligt</a>.</p>



<p><strong>Zika-Viren geschmuggelt – oder nicht?</strong></p>



<p>Geleitet wird die Abteilung für Virologie an der Erasmus-Universität von <a href="https://www.erasmusmc.nl/en/research/researchers/koopmans-marion#08c334b4-0139-443d-86a8-71bc0d4793b6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Marion Koopmans</a>, die <a href="https://www.erasmusmc.nl/en/research/researchers/koopmans-marion#a79da99b-798f-4d57-8b00-f1cd955f747d" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auch für die WHO</a> arbeitet. Freigeklagte E-Mails zeigten, dass sich Fouchier, Koopmans und Munster mindestens zu Beginn der Corona-Pandemie mit dem mächtigen US-Wissenschaftler und damaligen Präsidentenberater Anthony Fauci austauschten. Fouchier war <a href="https://www.lemonde.fr/en/science/article/2022/12/19/the-e-mails-that-helped-shape-a-major-scientific-paper-on-the-origin-of-sars-cov-2_6008365_10.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">im Hintergrund daran beteiligt</a>, die öffentliche Meinung so zu lenken, dass die Hypothese, Sars-CoV-2 könne aus einem Labor stammen, <a href="https://www.infosperber.ch/wissenschaft/wenn-korrupte-wissenschaft-die-weltpolitik-bestimmt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">vorschnell abgetan wurde</a>. Als Vertreter der Gain-of-function-Forschung hatte er <a href="https://www.lemonde.fr/en/science/article/2022/12/19/the-e-mails-that-helped-shape-a-major-scientific-paper-on-the-origin-of-sars-cov-2_6008365_10.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">kein Interesse daran</a>, dass dieser Forschungszweig in Verruf gerät und womöglich durch Auflagen erschwert oder ganz gekappt wird.&nbsp;</p>



<p>Auch Koopmans wurde schon bezichtigt, illegal Virusmaterial ausser Landes gebracht zu haben. «Marion Koopmans sagte mir auf dem Rücksitz eines Taxis in Genf, dass sie Zika-Viren in einer Ampulle in der Hosentasche aus Brasilien herausgeschmuggelt habe», twitterte der US-Wissenschaftler Edward Hammond 2021. Er setzt sich seit Jahrzehnten <a href="https://www.science.org/doi/10.1126/science.319.5865.886a" target="_blank" rel="noreferrer noopener">für mehr Biosicherheit</a> ein. Koopmans bezeichnete seine Anschuldigungen prompt als «Bullshit».&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="422" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirm­foto-2023-04-03-um-14.01.58-1024x422.png" alt="Tweet Edward Hammond" class="wp-image-703413" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirm­foto-2023-04-03-um-14.01.58-1024x422.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirm­foto-2023-04-03-um-14.01.58-300x124.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirm­foto-2023-04-03-um-14.01.58-768x316.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirm­foto-2023-04-03-um-14.01.58.png 1194w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gegenüber «Infosperber» bestätigte Hammond den Hergang. </figcaption></figure>



<p><strong>&#171;Rücksichtslos und unehrlich&#187;</strong></p>



<p>Auf Nachfrage von Infosperber blieb Hammond jedoch bei seiner Darstellung. Laut dem brasilianischen Gesetz über genetische Ressourcen und Biosicherheit wäre ein solcher Schmuggel verboten gewesen. Was beim Transport erlaubt ist, ist geregelt, nachzulesen beispielsweise auf der Website der <a href="https://www.efbs.admin.ch/index.php?id=462&amp;L=3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eidgenössischen Fachkommission für Biologische Sicherheit</a>, die erst jüngst aktualisiert wurde.&nbsp;</p>



<p>Im Fall des «Ausländers» Vincent Munster, der seit 2009 in den USA forscht, hat sich inzwischen der republikanische <a href="https://www.sheehy.senate.gov/news/press-releases/sheehy-calls-for-hhs-investigation-into-alleged-misconduct-by-rocky-mountain-laboratories/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Senator Tim Sheehy</a> eingeschaltet. Ihm zufolge ist inzwischen bestätigt, dass Munster am Flughafen Detroit vorübergehend festgenommen wurde und dass das FBI ermittelt.&nbsp;</p>



<p>Ist Munster ein Bauernopfer, weil die Trump-Regierung mit den Fauci nahestehenden Gain-of-function-Forschern noch eine Rechnung offen hat – oder hat er die Regeln tatsächlich massiv verletzt? </p>



<p>Der Journalist Paul Thacker bleibt dabei: «Vincent Munster hat gefährliche menschliche Krankheitserreger geschmuggelt. Ob diese inaktiviert waren oder nicht, wissen wir nicht.» Wenn er die Dokumente, die er habe einsehen können, veröffentlichen dürfte, hätte er dies getan, teilt Thacker mit. Das Vorgehen Munsters «unterstreicht, dass diese Virologen sich nicht an die Regeln halten. Sie sind der Öffentlichkeit gegenüber viel zu lange rücksichtslos und unehrlich vorgegangen.»&nbsp;</p>



<p>Munster dementiert nicht und schweigt, auch auf Anfrage von Infosperber.</p>



<p><strong>Warum hat Munster keine Erlaubnis eingeholt?</strong></p>



<p>«Ich finde, der Fall sollte zumindest untersucht werden», findet der Virologe und Pflanzengenetiker Jonathan Latham, der die Zunft kritisch beobachtet – und umgekehrt. Er vermutet, dass ein <a href="https://www.independentsciencenews.org/health/did-west-africas-ebola-outbreak-of-2014-have-a-lab-origin/?utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=did-west-africas-ebola-outbreak-of-2014-have-a-lab-origin" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ebola-Ausbruch 2014</a> in Westafrika mit <a href="https://www.independentsciencenews.org/commentaries/in-testimony-robert-garry-researchers-brought-ebola-to-west-africa/?utm_source=rss&amp;utm_medium=rss&amp;utm_campaign=in-testimony-robert-garry-researchers-brought-ebola-to-west-africa" target="_blank" rel="noreferrer noopener">über 11’000 Todesfällen</a> auf schlampiges Arbeiten in einem Labor zurückzuführen war.&nbsp;</p>



<p>Für den Transport von Affenpocken, die als weniger gefährlich eingestuft werden als etwa Ebola oder Bundibugyo, hätte Munster die Genehmigung vermutlich erhalten. Warum, fragt <a href="https://jonathanlatham.net" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Latham</a>, habe Munster diese Erlaubnis nicht eingeholt?</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Geschmuggelte DNA als Damenunterwäsche deklariert</h2>



<p>Nicht alle Wissenschaftler:innen halten sich an die Regeln, wie der Fall einer 33-jährigen Chinesin letztes Jahr zeigte. Die Forscherin an der Universität von Michigan <a href="https://www.justice.gov/usao-edmi/pr/chinese-national-pleads-guilty-and-sentenced-smuggling-dangerous-biological-pathogen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bekannte sich im November 2025 schuldig</a>, einen <a href="https://theconversation.com/what-is-fusarium-graminearum-the-fungus-a-chinese-scientist-pleaded-guilty-to-smuggling-into-the-us-261744" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Getreideschädlingspilz</a> in die USA geschmuggelt zu haben. Der eigentliche Täter war ihr Ex-Freund, der an einer chinesischen Universität am gleichen Schädling forschte und im Labor seiner damaligen Partnerin weiter daran arbeiten wollte. Bei den Ermittlungen kam auch heraus, dass sie schon 2022 Forschungsmaterial illegal in die USA gebracht hatte – in ihrem Schuh.&nbsp;</p>



<p>Allerdings: Der Schädlingspilz, den der Staatsanwalt als «potenzielle Agroterrorismus-Waffe» bezeichnete, ist weltweit verbreitet – seit langem auch in Michigan. Er kann Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Mais und Reis befallen, mit grossen Ernteverlusten. Die Wissenschaftlerin wollte ein Mittel dagegen finden – verbrachte stattdessen aber fünf Monate in US-Haft und wurde dann nach China abgeschoben.</p>



<p>Im allgemeinen Kriegsgetrommel beäugen republikanische Politiker solche Machenschaften einer – von den US-Behörden als <a href="https://www.justice.gov/usao-edmi/pr/chinese-nationals-charged-conspiracy-and-smuggling-dangerous-biological-pathogen-us" target="_blank" rel="noreferrer noopener">loyales Mitglied</a> der chinesischen kommunistischen Partei identifizierten – Wissenschaftlerin besonders argwöhnisch.</p>



<p>Fünf weiteren chinesischen Wissenschaftlern in den USA erging es ähnlich. Auch sie hatten sich etwas zuschulden kommen lassen. Einer liess sich beispielsweise sogenannte Plasmid-DNA von Coli-Bakterien aus China in die USA schicken, die als «Damenunterwäsche» deklariert war.&nbsp;</p>



<p>Das Magazin «<a href="https://www.science.org/content/article/chinese-postdocs-u-s-hit-wave-prosecutions-and-deportations" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Science</a>», offizielles Organ der US-Vereinigung für die Förderung der Wissenschaft (AAAS), taxierte diese Vergehen jedoch nicht als Bedrohung für die USA, sondern als &#171;geringfügige Vergehen&#187;. Die Behörden würden chinesische Wissenschaftler mit Argusaugen beobachteten und übers Ziel hinausschiessen: «Wissenschaftler und andere mit den Fällen vertraute Personen sind sich einig, dass die Regierung die bestehenden Vorschriften zur Kennzeichnung und zum Transport biologischer Materialien durchsetzen muss. Sie fügen jedoch an, dass die gängige Praxis des Austauschs von Proben und Ressourcen mit Kollegen kriminalisiert werde, wenn scheinbar geringfügige Verstösse gegen diese Vorschriften schon als Straftaten betrachtet würden.»</p>



<p>Der Supervisor des Wissenschaftlers, der sich «Damenunterwäsche» hatte schicken lassen, erläuterte das Problem aus seiner Sicht: Auch wenn der Import von Substanzen wie Plasmid-DNA völlig legal sei – sofern das Paket ordnungsgemäss gekennzeichnet ist –, würden die US-Zollbeamten ein solches Paket «wahrscheinlich beschlagnahmen, weil sie biologischem Material aus China […] generell nicht trauen.»</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/ebola-notstand-2026-die-offenen-fragen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ebola-Notstand 2026 – die offenen Fragen</a>, Infosperber vom 22.5.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/bundesrat-koennte-jaehrlich-eine-besondere-gefaehrdung-ausrufen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundesrat könnte jährlich eine «besondere Gefährdung» ausrufen</a>, Infosperber vom 10.12.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wissenschaft/wenn-korrupte-wissenschaft-die-weltpolitik-bestimmt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wenn korrupte Wissenschaft die Weltpolitik bestimmt</a>, Infosperber vom 7.3.2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/weltweit-bekannter-virologe-fordert-forschungsstopp/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltweit bekannter Virologe fordert Forschungsstopp</a>, Infosperber vom 11.4.2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/schwerer-vorwurf-christian-drosten-machte-falschaussage/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schwerer Vorwurf: Christian Drosten machte «Falschaussage»</a>, Infosperber vom 6.12.2022</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/5b5e3cc8ca8d4ac9af91bded95686c1b" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Migration und Zunahme der Bevölkerung: Das sind die Zahlen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/migration-und-zunahme-der-bevoelkerung-das-sind-die-zahlen/</link>
					<pubDate>Sun, 31 May 2026 07:33:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=703423</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Immigration-Emigration-kikkerdirk-e1780067836109-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Immigration Emigration kikkerdirk" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Immigration-Emigration-kikkerdirk-e1780067836109-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Immigration-Emigration-kikkerdirk-e1780067836109-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Immigration-Emigration-kikkerdirk-e1780067836109-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Immigration-Emigration-kikkerdirk-e1780067836109-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Immigration-Emigration-kikkerdirk-e1780067836109.jpg 1667w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Falls die Bevölkerung nicht mehr zunähme, könnten pro Jahr noch 100'000 Ausländer einwandern. Im Jahr 2024 waren es 190’000.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Vor allem wegen der 190&#8217;000 eingewanderten Ausländerinnen und Ausländer nahm die Bevölkerung im Jahr 2024 um 89&#8217;000 Personen zu.&nbsp;Damit die Bevölkerung stabil geblieben wäre, hätten 101&#8217;000 Ausländer einwandern können (190’000 minus 89’000).&nbsp;Netto wären 1000 Ausländer mehr ein- als ausgewandert.</p>



<p>Für die Zahl der ständigen Wohnbevölkerung waren drei Faktoren entscheidend:&nbsp;</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Der mit Abstand wichtigste: Es wanderten fast halb so viele Ausländer aus wie ein.</li>



<li>Es wanderten 7000 mehr Schweizerinnen und Schweizer aus der Schweiz aus, als in die Schweiz einwanderten.</li>



<li>Wegen des Geburtenüberschusses im Inland nahm die Bevölkerung um 6000 Personen zu (plus 15&#8217;000 Ausländer, minus 9000 Schweizer).</li>
</ol>



<p>So kam es 2024 zur folgenden Veränderung der ständigen Wohnbevölkerung:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="807" height="530" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/ART.Grafik-Perpl.XYZ_.png" alt="ART.Grafik Perpl.XYZ" class="wp-image-703499" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/ART.Grafik-Perpl.XYZ_.png 807w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/ART.Grafik-Perpl.XYZ_-300x197.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/ART.Grafik-Perpl.XYZ_-768x504.png 768w" sizes="auto, (max-width: 807px) 100vw, 807px" /></figure>



<p>Die Medien verbreiten über die Bevölkerungsentwicklung unterschiedliche Zahlen. Besonders in einem Abstimmungskampf picken beide Seiten diejenigen Zahlen selektiv heraus, die ihren Absichten dienen.</p>



<p>Die willkürliche Auswahl wird durch die Behörden begünstigt. Denn das Staatssekretariat für Migration (SEM) und das Bundesamt für Statistik (BFS) nutzen für ihre Statistiken unterschiedliche Kriterien. Nicht einmal darüber, was unter der «ständigen Wohnbevölkerung» zu verstehen ist, sind sich die beiden einig. Das SEM zu «Infosperber»: «Die SEM- und BFS-Statistiken zur (ausländischen) Bevölkerung beruhen auf unterschiedlichen Methoden, Definitionen und Datenquellen.»</p>



<p>Infosperber nutzt die Migrations- und Bevölkerungszahlen des unabhängigen Bundesamts für Statistik und analysiert das Jahr 2024, für das definitive Zahlen vorliegen.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="1000" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/ART.ZAHLEN-Perpl.XXXX_.png" alt="ART.ZAHLEN Perpl.XXXX" class="wp-image-703649" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/ART.ZAHLEN-Perpl.XXXX_.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/ART.ZAHLEN-Perpl.XXXX_-225x300.png 225w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></figure>



<p>Selbst bei einer stabil gebliebenen Bevölkerung hätten Ende 2024 16&#8217;000 mehr Ausländerinnen und Ausländer mehr in der Schweiz gewohnt als ein Jahr zuvor: 1000 Eingewanderte (Saldo der tatsächlich Ein- und Ausgewanderten von 90&#8217;000 abzüglich der Bevölkerungszunahme von 89&#8217;000) sowie 15&#8217;000 in der Schweiz geborene Ausländer (Geburtenüberschuss).&nbsp;&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br>Einwanderung von Ausländern je nach Bevölkerungszunahme pro Jahr</h2>



<p>Die Einwanderung von Ausländerinnen und Ausländer bestimmt weitgehend, wie stark die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz jährlich zunimmt. Denn der Geburtenüberschuss von Schweizern und Ausländern insgesamt (Geburten im Vergleich zu den Verstorbenen) beträgt lediglich 6000 und ist leicht abnehmend. Gleichzeitig wanderten 7000 Schweizer mehr aus, als im gleichen Jahr einwanderten.</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td></td><td></td><td></td></tr><tr><td><strong>Zunahme<br>Bevölkerung</strong></td><td><strong>Einwanderung<br>Ausländer</strong></td><td><strong>Auswanderung<br>Ausländer</strong></td></tr><tr><td>89’000<br>(wie 2024)</td><td>190’000</td><td>100’000</td></tr><tr><td>60’000</td><td>160’000</td><td>100’000</td></tr><tr><td>50’000</td><td>150’000</td><td>100’000</td></tr><tr><td>40’000</td><td>140’000</td><td>100’000</td></tr><tr><td>30’000</td><td>130’000</td><td>100’000</td></tr><tr><td></td><td></td><td></td></tr></tbody></table></figure>



<p class="has-small-font-size">Annahmen:&nbsp;<br>1. Die Auswanderung von Ausländern bleibt gleich.<br>2. Der Geburtenüberschuss in der Schweiz bleibt gleich (falls er wie erwartet abnähme, könnten etwas mehr Ausländer einwandern).<br>3. Der Saldo der Ein- und Auswanderung von Schweizern bleibt gleich.</p>



<p class="has-large-font-size"><br><strong>Unter Ausländern mehr Vollzeitbeschäftigte</strong></p>



<p>In der ständigen Wohnbevölkerung ist der Anteil der Beschäftigten unter den Schweizern mit 54 Prozent und den Ausländern mit 56 Prozent vergleichbar.&nbsp;</p>



<p>Allerdings definiert das Bundesamt für Statistik die «Erwerbstätigen» im Alter von 15 bis 64 Jahren eher grosszügig: Zu ihnen zählen alle mit mindestens einer bezahlten Arbeitsstunde pro Woche. Zu den Erwerbstätigen zählt das BFS zudem alle (meist Frauen), die «unentgeltlich im Familienbetrieb mitgearbeitet haben» – also auch alle diejenigen Frauen, denen der Mann keinen Lohn, kein Honorar und keine Sozialleistungen zahlt.</p>



<p>72 Prozent aller erwerbstätigen Ausländer und Ausländerinnen haben im vierten Quartal 2024 Vollzeit gearbeitet (über 90 Prozent-Pensum), während dies bei auf 57 Prozent der Schweizerinnen und Schweizern zutraf. 17 Prozent der erwerbstätigen Schweizer und Schweizerinnen arbeiteten mit einem Pensum von unter 50 Prozent, bei den erwerbstätigen Ausländerinnen und Ausländern nur 10 Prozent.<br> (Quelle:&nbsp;<a href="https://www.bfs.admin.ch/asset/de/je-d-03.02.01.16.03">BFS</a>)</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/1d0cda50c62d41988aba3c0168710fed" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>kontertext: Staub – Lob eines Unscheinbaren (2)</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kontertext-staub-lob-eines-unscheinbaren-2/</link>
					<pubDate>Sun, 31 May 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702495</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="150" height="150" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/02/mm_mg_1793b_sw_web-e1643987299585.jpg"/></p>Körperhaft nah und ätherisch fern, omnipräsent und doch kaum zu fassen, ist Staub ein steter, unheimlicher Begleiter des Lebens.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Erst neulich wieder im Halbdunkel des Zimmers hat er zartlockig aus einer Ecke geschaut wie ein Weggefährte, der plötzlich nicht mehr zu übersehen ist: «Willkommen zurück», schien er zu sagen, «lange nicht gesehen. Unters Bett schaut ja nur, wer Geister fürchtet.»</p>



<p>In allen Lebensaltern ist mir immer wieder aufgefallen, wie er dalag, alterslos, und sich ohne eigenes Zutun mehrte. Schon früh habe ich ihn «Brüderchen Grau» getauft. Wo immer ich ihn entdeckte, war er schon länger da. Das Auge bestimmte den Moment des Erscheinens, wenn auf einmal die Staubblindheit von mir abliess. Das wirkte so, als sähe mich aus dem Grau etwas Ewiges an.</p>



<p>Aber warum ist dieses jähe Hervortreten so unheimlich: Weil er immer vom selben zeugt, Auflösung und Zerfall? Mal für Mal habe ich mir solche Fragen gestellt und versucht, die Nähe des Kosmischen aus seinem Grau zu lesen – doch stets wurde dieser Wunsch übertönt von den Tagesgeschäften.</p>



<p>Ist er so unscheinbar, wie er scheint?</p>



<p>Wer hat schon ein Verhältnis zum Staub. Behaupten wird das von sich mancher, aber ist es nicht mehr ein Drüber-Hinweggehen, ein Bezug des Duldens, der Hygiene und der Ignoranz? Auch ich habe ihn die meiste Zeit aus dem Kreis meiner Aufmerksamkeit verbannt; ich habe eine Nichtbeziehung gepflegt, um den Dringlichkeiten und Zwängen meines Lebens zu folgen.</p>



<p>Wie soll er nun zur Instanz werden, wenn ihm die greifbare Form fehlt? Bald liegt er verstreut auf Oberflächen, bald treibt er als Schwade vorbei, dreht Kringel zwischen Tischbeinen oder dringt in Verschalungen ein, körperhaft nah wie ätherisch fern.</p>



<p>Wenn er also für nichts steht als für sich selbst, wie soll dann meine Rede der Tautologie entgehen: «Staub ist Staub»? Wie will ich da seiner habhaft werden und einen Begriff von ihm bekommen? Schon die Absicht mutet befremdlich an.</p>



<p><strong>Kein Staat zu machen</strong></p>



<p>Besitzverhältnisse tangieren ihn nicht. Wo noch mit dem Geringsten gehandelt wird, Kies, Abfall, Erden, Wasser und wohl bald auch Luft, ist er weder verkäuflich noch zu erwerben. Nur die alten Römer ha­ben eine Ausnahme gemacht: Feinster Staubsand aus Ägypten schuf eine perfekte Unterlage für die Ringer, und er machte ihre geölten Glieder griffig. Da wurde er zur Handelsware und von weit herange­schafft.</p>



<p>Wo aber bleibt heute sein Mehrwert, wo seine Notierung am Markt? Wer auf Lössböden Getreide anbaut, profitiert von ihm, ebenso, wer ihn Flüssigkeiten zusetzt, um Giftstoffe zu binden. Als Pigment ist er Träger von Farbtönen, kostbar mitunter, wie die Kaiserfarbe Purpur zeigt. Wer Beuteltee trinkt, nimmt auf, was Blattstaub ans Wasser ab­gibt. Doch in seiner gängigen Form erscheint er wertlos, gehört er allen und niemandem. Er besiedelt eine diffuse Transitzone zwischen Luftraum und Boden, da kommt und geht er nach Belieben, lässt sich aufwirbeln, sinkt ab und mehrt sich auf Flächen. So denkt niemand ernsthaft daran, die Dividende der Entropie abzuschöpfen, die er ste­tig anfallen lässt, da alle Körper mit der Zeit in immer kleinere, chao­tischer angeordnete Teile zerfallen.</p>



<p>Ja, als Kind bin auch ich ihm begegnet – da war er eines von vielen Rätseln. In der Lichtbahn habe ich den Fusseln beim Schweben zu­geschaut. Unter dem Tisch habe ich nach der Fluse gelangt und ver­sucht, sie um den Finger zu drehen wie nachts das aufgelöste Mut­terhaar. Aber das hat man mir ausgetrieben. Er sei unrein und nur ein Versehen, wo er sichtbar werde – ein Versehen, auf das kein Fin­ger zeigen solle. So wurde mein Nachfragen abgetan.</p>



<p>Mit anderem war mehr Staat zu machen. Brüderchen Grau zählte nicht zu den ungebetenen Gästen, über die länger gesprochen wird, nachdem man sie losgeworden ist: «Aus den Augen, aus dem Sinn.» Also habe auch ich mir angewöhnt, ihn zu übergehen, statt deutend über ihm zu verharren – und muss mich nun fragen: Welches Ver­hältnis hast du zu ihm, vielmehr: Hast du eines?</p>



<p><strong>In der Wiege und über dem Grab</strong></p>



<p>Wenn, dann müsste es eines der Scham sein, gründend auf den Rein­lichkeitsregeln der Kinderjahre. An einigen Stellen wirken sie noch, hinter den Ohren etwa oder auf selten getragenen Schuhen. Da kann sich bis heute eine Staubverlegenheit ergeben, nachdem ich eilig das Haus verlassen habe, um dann – in Gesellschaft – zu bemerken, dass feines Gesprenkel auf dem Leder von meinem Lebenswandel zeugt.</p>



<p>Auf den Staub wartet ja keiner, er kommt von selbst. Die Zeit arbeitet für ihn, nicht für mich. Versäume ich es, ihn zu verscheuchen, wird er durch Anwesenheit von meinem Laisser-faire künden, ohne selber aktiv zu sein. Er trägt ja zu seiner Verbreitung nichts bei, überlässt sich nur den Bewegungen der Luft.</p>



<p>Als Kind hat diese Ungebundenheit mich fasziniert. Bis heute fehlt mir eine Vorstellung von ihm als ganzem. Wo beginnt sein Reich, wo endet es? Endet es überhaupt? Oder fängt es an jeder Stelle neu an?</p>



<p>Immerhin kennt niemand den Ort, wo er fehlt. Er liegt in Wiegen und schwebt über dem Grab, er beschneit den Trauerflor und wirft Anflü­ge von Dunkel auf die weissen Roben der Firmkinder. Selbst in den Reinräumen der Chipfertigung treibt er sich herum – als Haut-Abrieb unter Schutzanzügen. Kein Blick fasst seine verstreute Totalität, kein Radar ortet seine Geschwader. Immer nur Teilmengen zeigt er von sich, doch das grosse Heer seiner Partikel bleibt inkognito.</p>



<p><strong>Scheinbar abwesend</strong></p>



<p>Soll ich mir nun Sisyphos als Partikeljäger denken, mit Schläuchen bewaffnet im Bückling vor Schränken und Kommoden? Als groteske Figur, die das Ungreifbare fassen will, versucht der Sturkopf Woche für Woche, etwas Unsichtbares aus seinen Räumen zu vertreiben. Da­bei verneigt er sich tief vor seinem Gegner – einem Gespenst.</p>



<p>Wer behauptet, mit dem Staub auf Du und Du zu sein, müsste sich weitere Fragen gefallen lassen: Ist es nur, dass du ihn unbemerkt um dich weisst? Wie und woher fühlst du dich mit ihm verbunden, dem scheinbar Abwesenden in deiner aufgeräumten Welt? Unterscheidest du nach Arten?</p>



<p>Ja, das lässt sich machen. In Städten fällt er üppiger an, das Mass ist früher voll, der Anflug auf hellen Flächen dunkler – so sinkt er ins Graubild ein. Auf dem Land, wo er aus Scheunen und Äckern weht, ist er erdbraun mit Einwürfen von Stroh- und Ährengelb. Fast zit­risch mutet seine Farbe an, wenn Nadelbäume ihre Pollensaat ver­schleu­dern. Doch auf seinen weiteren Wanderschaften kommt so lange Russ hinzu, bis doch wieder das alte Taubengrau, die Farbe der Vermischung, sich zeigt.</p>



<p>Auch zwischen den Epochen wechselt er den Teint: Bevor der Mensch das Feuer zähmte, muss er deutlich heller gewesen sein. Neuerdings zeigt er einen markanten Zuwachs an synthetischen Stoffen, die las­sen ihn bunter erscheinen: In seinen Gewöllen steigt der Kunstfaser- und Mikroplastik-Anteil.</p>



<p><strong>Der grosse Adabei</strong></p>



<p>Es gibt also Varietäten und nicht das eine, grosse Staubkontinuum von der Stunde Null bis zum Untergang. Mit diesem Befund hat sich die Expertise des selbsternannten Kenners schon beinahe erschöpft.</p>



<p>Also beginne ich nachzufragen. Wissen vielleicht andere mehr?</p>



<p>Die meisten wundern sich über mein Interesse, googeln oder ziehen Kompendien hervor, bleiben aber einsilbig, was ihre private Kohabi­tation mit diesem geborenen Migranten angeht. Ihr Gedächtnis för­dert zutage, was <em>um</em> den Staub war, <em>wo</em> er sich zeigte und <em>wann</em> – die Umstände, doch nicht ihn selbst, den Adabei.</p>



<p>So steht als erstes Fazit meiner Enquête fest, dass ich ein Laie bin. Möchte Brüderchen Grau vielleicht ein Fremdling bleiben? – Wenn schon, müsste ich mich in der Fachwelt kundig machen. Aber will ich wirklich an jene letzten Dinge rühren, die in seinem Grau schlum­mern sollen, den Schöpfungsmythen zufolge?</p>



<p>Vielleicht tue ich gut daran, nicht den Versteher zu mimen und ihn zu lassen, wo er ist: der grosse Gelassene, unbehelligt in seinem ur­eigenen Reich. Als wollten seine Geheimnisse mehr umkreist als allzu konzise beschrieben sein.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kontertext-staub-kaum-etwas-mehr-als-nichts-1/">kontertext: Staub – kaum etwas, mehr als nichts (1)</a>, Infosperber vom 24. Mai 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur, greift Beiträge aus Medien kritisch auf und pflegt die Kunst des Essays. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Wie Sandabbau die Lebensgrundlagen aller zerstört</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/wie-sandabbau-die-lebensgrundlagen-aller-zerstoert/</link>
					<pubDate>Sat, 30 May 2026 07:33:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="158" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unep_save-Maledives_sand-mining-300x158.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Unep_save Maledives_sand mining" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unep_save-Maledives_sand-mining-300x158.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unep_save-Maledives_sand-mining-1024x539.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unep_save-Maledives_sand-mining-768x404.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unep_save-Maledives_sand-mining-390x205.png 390w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unep_save-Maledives_sand-mining.png 1134w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wenn fehlt, was scheinbar im Überfluss da ist, können die Konsequenzen gravierend sein. Das muss nicht nur Nigeria gerade erfahren.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Wenn Fasasi Adekunle vor Sonnenaufgang seine Netze auswirft, hofft er auf das Beste. Der Fischer aus Epe nahe der nigerianischen Stadt Lagos kennt die Lagune seit über 30 Jahren. Früher sei er am Abend hinausgefahren und am nächsten Vormittag mit vollen Netzen zurückgekehrt, erzählt er. Heute müsse er weiter hinausfahren – und komme oft fast ohne Fang zurück. In der Lagune gebe es kaum noch Fisch.</p>



<p>Auch die Nacht ist nicht mehr still. Noch vor Sonnenaufgang wird sie vom Brummen der Saugbagger dominiert. Sie holen Sand vom Grund der Lagune – eine gefragte Ressource für die Bauwirtschaft in Lagos. Die Metropole mit ihren rund 20 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern wächst rasant. Dafür braucht sie Beton, Strassen, Wohnraum und künstlich aufgeschüttetes Land. Und dafür braucht sie Sand.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zuerst trifft es jene, die am Wasser leben</h2>



<p>Die Folgen spüren zuerst jene, die direkt vom Wasser leben. Durch das Ausbaggern wird das Wasser trübe, Lebewesen, die Licht und sauberes Wasser brauchen, sterben ab. Das Meeresbett verändert sich, Lebensräume verschwinden. An manchen Stellen vor Lagos habe sich der Meeresboden durch Sandabbau bereits um mehrere Meter abgesenkt, berichtete der <a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/apr/08/dredging-is-pushing-lagos-lagoon-towards-ecosystem-collapse-photo-essay" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Guardian»</a>. «Während Lagos immer grösser wird, wird unser Land weggewaschen», sagt Ogbemi Okuki aus Era Town. Eine Fischhändlerin berichtet, ihr Einkommen habe sich in den vergangenen fünf Jahren halbiert, weil die Fischer immer weniger fangen würden. Andere erzählen, ihre Häuser lägen nach jeder Monsunsaison näher am Wasser.</p>



<p>Was sich vor Lagos zeigt, ist Teil eines globalen Problems. Sand und Kies sind laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) die am stärksten genutzten Feststoffe der Welt. Rund 50 Milliarden Tonnen werden jedes Jahr aus Flüssen, von Küsten und vom Meeresboden geholt, nicht immer auf legalem Weg. Der globale Bedarf hat sich zwischen 2000 und 2020 verdreifacht. Treiber sind Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und wirtschaftliche Expansion. Der weltweite Sandmarkt hatte 2024 einen Wert von rund 569 Milliarden Dollar.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ohne Sand wäre die Welt eine andere</h2>



<p>Nichts ist aus dieser Sicht so grundlegend für unsere Zivilisation wie Beton. Drei wichtige Ressourcen finden darin zusammen: Süsswasser, Sand und Zement, dessen Herstellung das Klima stark belastet. Ohne Beton und damit ohne Sand sähe die Welt sicher anders aus.</p>



<p>Sand steckt in Glas, Mikrochips und sogar in Zahnpasta. Dennoch gilt er als billiger Rohstoff. Tatsächlich erfüllt Sand zentrale ökologische Funktionen. Er filtert Wasser, schützt Küsten vor Unwettern und Erosion und verhindert, dass Salzwasser ins Grundwasser eindringt. Viele Fischarten, Schildkröten, Vögel oder Krebse sind auf Sand als Lebensraum angewiesen. Geht Sand verloren, verschwinden nicht nur Strände, sondern ganze Ökosysteme.</p>



<p>Ökologische Schäden zeigen sich oft erst Jahrzehnte und Jahrhunderte später. Flussdeltas sinken ab, Küsten erodieren, Grundwasser versalzt, Fischbestände brechen ein. Ist der Sand einmal weg, kommt er nur sehr langsam zurück – wenn überhaupt. Weltweit werde mehr Sand verbraucht, als sich durch natürliche Erosion neu bilde, resümiert der <a href="https://wedocs.unep.org/items/b037d0d7-b899-4969-9b9a-b5c36dd32abe" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unep-Sand-Report 2026</a>, der weltweit ein besseres Sandmanagement anmahnt.</p>



<p>«Sand wird manchmal als der unbesungene Held der Entwicklung bezeichnet, doch seine entscheidende Rolle für den Erhalt der natürlichen Ökosystemleistungen, auf die wir angewiesen sind, wird noch stärker übersehen», sagt Pascal Peduzzi, Leiter der Unep-Datenbank für globale Ressourceninformationen in Genf, die den Bericht erstellt hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Asien und Afrika leiden unter Sand-Raubbau</h2>



<p>Besonders von den Auswirkungen des Raubbaus betroffen sind Südostasien sowie Teile West- und Nordafrikas. Länder wie die Malediven kämpfen gleich an mehreren Fronten gegen den Verlust ihrer Lebensgrundlage. Das Land liegt nur wenige Meter über dem Meer und ist bereits durch die Klimakrise bedroht. Extremwetter kann drastische Auswirkungen haben. Die Hauptstadt Malé aber wächst ständig, Lagunen werden mit Sand aus anderen Regionen aufgeschüttet. 2019 gingen dadurch rund 200 Hektaren Korallenriffe verloren – mit irreversiblen Schäden für die Meeresökologie.</p>



<p>Auch Indonesien zahlt einen hohen Preis. Das Land ist eine bevorzugte Sandquelle für die Bauwirtschaft im benachbarten Singapur. Nach <a href="https://www.welt.de/vermischtes/article136519785/Wenn-den-Wuestenlaendern-der-Sand-ausgeht.html">mehreren</a> <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/sandabbau-wenn-inseln-und-straende-verschwinden-a-1221226.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Berichten</a> hat Indonesien durch Sandabbau bereits mehr als 20 Inseln verloren. Die Fischbestände gingen drastisch zurück, tausende Fischerfamilien verloren ihre Existenzgrundlage. Von 2003 bis 2023 war der Export von Sand deshalb verboten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Besonders begehrt ist Flusssand</h2>



<p>Wüstensand ist für Beton unbrauchbar, weil die einzelnen Körner zu rund geschliffen sind und sich als Baustoff nicht eignen. Deshalb importieren selbst Wüstenländer grosse Mengen Sand. Besonders begehrt ist Flusssand, weil er weniger Salz enthält als Meeressand.</p>



<p>Länder mit grossen Flusssystemen wie Vietnam, Bangladesch oder Kambodscha verfügen damit zwar über eine wertvolle Ressource, kämpfen als Folge des oft rücksichtslosen oder illegalen Abbaus aber mit Erosion, versalztem Grundwasser und Schäden in der Landwirtschaft. In Indien kontrolliert die sogenannte Sand-Mafia den Markt mit brutalen Methoden.</p>



<p>Lagos mit seinen Sandbaggern vor der Stadt ist eher eine Ausnahme. Die Orte, von denen der Sand stammt, liegen häufig weit entfernt von den Städten, die den Sand verbrauchen. Gebäude wachsen in die Höhe, das ökologische Problem bleibt oft unsichtbar. Sichtbar sind die neue Strasse, das trockengelegte Feuchtgebiet oder die erweiterte Küstenlinie – nicht aber der zerstörte Fluss oder die erodierte Küste anderswo. Folgen habe die ökologische Zerstörung aber für alle. Kurzfristige wirtschaftliche Interessen überwögen langfristige ökologische Folgen, kritisiert Unep.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Jedes Körnchen zählt</h2>



<p>Wie viel verwertbaren Meeres- und Flusssand es überhaupt gibt und welche ökologische Funktion er genau erfüllt, ist dabei weitgehend unbekannt. Vielerorts fehlen selbst grundlegende Daten: Wo wird wie viel Sand abgebaut? Wohin wird er transportiert? Welche Schäden entstehen?</p>



<p>Teilweise ist das nachvollziehbar. Um Sand zu gewinnen, braucht es vielerorts nicht mehr als einen Eimer und eine Schaufel. Allerdings werden fortlaufend Millionen Tonnen Sand aus Flüssen oder vor Küsten abgebaggert, legal wie illegal. An manchen Orten werden über Nacht ganze Strände geklaut.</p>



<p>Die Unep fordert deshalb ein grundlegendes Umdenken. Regierungen müssten Sand als strategische Ressource behandeln – ähnlich wie Wasser oder Energie. Dazu gehörten Umweltverträglichkeitsprüfungen, bevor Sand gewonnen wird, bessere Kontrollen, transparente Daten und der Kampf gegen kriminelle Strukturen. Der Sand, der dort bleibe, wo er ist, sei langfristig oft wertvoller als der, der in Beton verschwinde. Leider sei das häufig wenig sichtbar.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/rohstoffe/indien-die-toedlichen-arme-der-sand-mafia/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Indien: Die tödlichen Arme der Sand-Mafia</a> – Infosperber am 27. Juni 2021</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/luft-klima/zement-die-unbeachtete-klimafalle/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zement, die unbeachtete Klimafalle</a> – Infosperber am 26. Februar 2019</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/56cdc2e55bb64b3786c109eaaabe1b2f" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Noch ein Beweis: Wenn ich nichts tue &#8230; bin ich am besten!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/__trashed-801/</link>
					<pubDate>Sat, 30 May 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-707420983_2531884813950498_1161632237371685041_n-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach 707420983_2531884813950498_1161632237371685041_n" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-707420983_2531884813950498_1161632237371685041_n-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-707420983_2531884813950498_1161632237371685041_n-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-707420983_2531884813950498_1161632237371685041_n-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-707420983_2531884813950498_1161632237371685041_n.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Gaza-Flotille: Das Video von Ben-Gvir hat die Militanten gestärkt.]]></description>
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<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Planet der Seligen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sport/planet-der-seligen/</link>
					<pubDate>Sat, 30 May 2026 07:29:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-ONE-scaled-e1779815982347-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-ONE-scaled-e1779815982347-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-ONE-scaled-e1779815982347-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-ONE-scaled-e1779815982347-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-ONE-scaled-e1779815982347-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-ONE-scaled-e1779815982347-2048x1228.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Nur 48 Stunden nach dem ersehnten Cupsieg drohte der FC St. Gallen im Chaos zu versinken. Hommage an den einzigen Fussballverein.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Der FC St. Gallen ist bekanntlich der einzig relevante Fussballverein auf dem europäischen Festland, und bei diesem einzig relevanten Fussballverein, dem ältesten in Europa, wenn man Brexit-England mal ausblendet, war es lange Jahre einfach beschissen, beschissen, beschissen. Nicht pittoresk-beschissen, nicht romantisch-beschissen in der Art, wie englische Zweitligaclubs manchmal beschissen sind und dafür geliebt werden, nein, sondern existenziell, hoffnungslos, klinisch beschissen. Das damalige Präsidium sprach zwischen 2002 und 2008 mit Blick auf ein neues Stadion von Übergangssaison zu Übergangssaison zu Übergangssaison, als wäre Mittelmässigkeit kein Zustand sondern ein Versprechen, mit dem letzten Spiel im ehrwürdigen Stadion Espenmoos kam der Abstieg, mit dem Abstieg der Stadionkrawall und die Internetfahndung und die Stadionverbote, und dann folgte jenes seltene, kostbare Schweigen, das entsteht, wenn eine Vereinsführung und ihre Fans sich gegenseitig so tief verachten, dass jedes Wort zu kostbar wäre.</p>



<p><strong>Lustig schon, aber</strong>&#8230;</p>



<p>Es gibt Vereine die Titel sammeln wie andere Leute Briefmarken. Der FC St. Gallen ist kein solcher Verein. Gegründet 1879, ältester Fussballclub der Schweiz, zweimal Meister, 1904 und 2000, einmal Cupsieger, 1969, vor mehr als fünfzig Jahren. Seither viermal im Final, viermal verloren. Die Zahlen lügen nicht. Sie erklären auch nicht alles, aber sie erklären einiges.</p>



<p>Wir betranken uns nach Cup-Niederlagen in Küsnacht am Rigi und prügelten uns an einem Montagabend am Bahnhof in Thun oder in Aarau mit irgendwelchen Nazis, weil auf Auswärtsfahrten damals nicht Hunderte mit dabei waren, sondern ein SBB-Wagen voll, man kannte sich, man wusste voneinander, man war zusammen dort und feierte Niederlagen, weil es nichts anderes zu feiern gab. Lustig schon, aber auch wahnsinnig deprimierend.</p>



<p>Der FC St. Gallen stieg auf, führte 2008/09 die Tabelle an, drohte gleichzeitig in den Konkurs zu fallen und tat das alles in einem nagelneuen Stadion, dann verliessen zahlreiche Spieler den Verein, das Stadion war pleite, Stadt und Kanton sagten nein, keine weiteren Gelder, sie liessen Marc Zellweger ziehen, 14 Saisons, über 500 Spiele, Fussballgott, seine Nummer 17 wird nie mehr vergeben, und dann stiegen sie wieder ab.</p>



<p><strong>Ein anständiger Mensch</strong></p>



<p>Ein paar Chaosjahre später kam Matthias Hüppi. Man muss das in seiner ganzen Unwahrscheinlichkeit würdigen, ein damals 59-jähriger SRF-Sportmoderator, 38 Jahre lang das Gesicht des Sportfernsehens und 32 Jahre lang des Sportpanoramas, quasi Nationalsymbol, der Mann der durch Skirennen und Fussballspiele und Tennissensationen moderierte und kommentierte während die halbe Schweiz auf dem Sofa sass und dachte, das ist der Hüppi – dieser Mann entschied nach dem allerletzten Sportpanorama-Abend lieber einen im Fall befindlichen Ostschweizer Fussballclub zu übernehmen als irgendetwas Vernünftiges mit dem Rest seines Lebens anzufangen. Das nennt man Berufung. Oder Wahnsinn. Beim FC St. Gallen ist beides dasselbe, weil dieser Verein so identitätsstiftend ist bis zur Irrationalität, dass nur jemand mit einem Schuss Wahnsinn dort aus Berufung arbeiten kann.</p>



<p>Hüppi ist im Fussball eine Anomalie, ein anständiger Mensch, kein Patron, kein Selfmade-Milliardär mit Geltungsdrang und Steuerwohnsitz in Freienbach, kein windiger Typ, der Fussball kauft wie andere Leute Uhren kaufen um etwas zu besitzen das grösser ist als sie, sondern ein Mensch, der wollte, dass es läuft, und es lief, ohne den einen grossen Geldgeber, der als Gegenleistung Trainer nach Laune entlässt, Transfers diktiert, Freunde im Verwaltungsrat installiert, Stadien nach seinem Geschmack baut und sich feiern lässt als wären Trophäen Inneneinrichtung. </p>



<p>Stattdessen 19&#8217;000 Publikumsaktionäre, regionale Verankerung, quasi soziale Bewegung, 45 Millionen Franken Umsatz, und die ganze Fussballschweiz schaute in den vergangenen Monaten nach St. Gallen und dachte das kann doch nicht wahr sein, wie läuft es denen so gut, Vizemeisterschaft, und dann am letzten Sonntag zum ersten Mal seit 1969 wieder der Schweizer Cup, im Wankdorf, 3:0, trotz einem Goalie der noch vor der Pause Rot sah. Fussball als Märchen. St. Gallen als Hauptstadt der Freude. Kurz war alles gut. Es dauerte 48 Stunden.</p>



<p><strong>«SVP-Putsch»</strong></p>



<p>Noch auf dem Platz, Cupkübel in der Hand, die Stimme fast nicht mehr seine, im Hintergrund Feuerwerk und Zehntausende die singen und die Goalies mitten in den Ultras, sagt Hüppi – ja was sagt er denn da? Hüppi sagt: «Es waren ultraharte Wochen für mich. Ich hatte extrem viele Bälle in der Luft. Beim FC St. Gallen ist nicht immer alles nur Planet der Seligen. Sondern bei uns wirken auch verschiedene Kräfte. Und es ist eine meiner Aufgaben, als Präsident von diesem Club, mit allem, was ich habe, hinzustehen, Kraft zu entwickeln, um Schaden vom Club fernzuhalten. Und es gibt im Moment Tendenzen, die wir in dieser Form nicht akzeptieren werden, und es ist unvorstellbar, dass in der besten Phase der Geschichte dieses Clubs nicht alle geschlossen hinter ihm stehen.»</p>



<p>Was dann herauskam: Ein Teil der Aktionäre teilte den Verwaltungsräten Benedikt Würth und Patrick Gründler Mitte März mit, dass sie nicht mehr erwünscht seien, ohne Gründe, ohne Erklärung, nicht ein Wort, und daraufhin entschieden alle vier Verwaltungsräte gemeinsam, auf dem Höhepunkt des sportlichen und wirtschaftlichen Erfolgs per Ende Juni zurückzutreten, solidarisch, als Block. Würth, Mitte-Ständerat, sagte im Interview mit dem «St.&nbsp;Galler Tagblatt», er wisse bis heute nicht warum, niemand habe es ihnen erklärt, und der Journalist fragte: Sie wissen nicht, was man Ihnen vorwirft? «Nein.» Sie kennen die Pläne des Aktionariats nicht? «Nein.» Sind Sie enttäuscht? «Ja, brutal. Es ist total konsternierend, was jetzt passiert.»</p>



<p>In den Fanforen und in den Kommentarspalten fiel der Begriff «SVP-Putsch», nicht ohne Grund (worauf sich die Kantonalpartei umgehend von solchen Plänen distanzierte und Alt-SP-Ständerat Paul Rechsteiner von einem «Machtrausch» sprach): Als Nachfolger war Stefan Kölliker vorgesehen, ehemaliger SVP-Regierungsrat, dazu Marwin Hitz als Verwaltungsrat, der Thurgauer Torhüter der in St. Gallen gross wurde, und Martina Wüthrich, Juristin aus Weinfelden, tätig in einer Kanzlei, in der mit Jakob Stark ein SVP-Ständerat Konsulent ist und mit Pascal Schmid ein SVP-Nationalrat Partner, und dahinter Roland Gutjahr, Thurgauer Unternehmer, Vater von SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr, was in der Summe, wie die NZZ trocken festhielt, etwas viel SVP ist und etwas viel Thurgau, und was zu der Frage führte, mit wie viel Gespür der Club da gerade umgebaut werden sollte. Würth wurde darauf angesprochen, er sagte im Stadion zähle nur Grünweiss, Politik müsse draussen bleiben. Hüppi bekam von der SVP-Crew ein Verlängerungsangebot, aber liess es unbeantwortet verstreichen. Man hat ihm nicht gekündigt. Man hat einfach alles um ihn herum abgeräumt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="570" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-1024x570.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-702697" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-1024x570.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-300x167.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-768x427.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-1536x855.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-2048x1140.jpg 2048w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-800x445.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Es waren ultraharte Wochen für mich. Beim FC St. Gallen ist nicht immer alles nur Planet der Seligen»: Präsident Matthias Hüppi in der Stunde des grössten Triumphs.</figcaption></figure>



<p><strong>Winter is Coming</strong></p>



<p>Die Fankurve zeigte nach dem Cupfinal ein Banner mit den Vornamen der vier abtretenden Verwaltungsräte und von Hüppi: «Hinter dem Triumph stehen die Richtigen.» Sponsoren drohten mit Abgang, erste Gespräche, erste Signale, und dann meldete sich der St. Galler Regierungsrat, der Kanton, die Regierung, wegen eines Fussballclubs, sie nahmen die Berichte «mit Besorgnis zur Kenntnis», Fans, Sponsoren, Kantonsregierung, alle gegen die Putschisten.</p>



<p>50&#8217;000 Menschen standen nach dem Cupsieg auf dem Marktplatz als die Mannschaft ankam, in einer Stadt mit 85&#8217;000 Einwohnern, Zürich feierte den Meistertitel mit 15&#8217;000, Basel das Double mit 25&#8217;000 und St. Gallen den Cup mit 50&#8217;000, weil der FC St. Gallen natürlich grösser ist als Fussball, er steht für eine mit Komplexen behaftete Region, die sich seit Jahrzehnten abgehängt fühlt und <em>brain drain</em> und was weiss ich alles, und die sich an diesen Verein klammert, ihn umarmt, ihn hegt und pflegt, diesen Leuchtturm, manchmal Stolz der Nation, manchmal Spott der Nation.</p>



<p>Und genau jetzt, genau in dem Moment, wo man wieder Leuchtturm war, sägen sie sich selbst den Ast ab, weil Fussball irrational ist, überall, immer, aber hier ganz besonders, und die SVP-Crew, die jetzt, zu diesem völlig bizarren Zeitpunkt, quasi feindselig den Thron übernehmen wollte, erinnerte an diese Serie, wo die einen immer «Winter is Coming» raunen und alle den eisernen Thron erklimmen wollen, und am Ende haben sich alle gegenseitig niedergemetzelt und sind tot und niemand hat etwas davon.</p>



<p><strong>Die Mitte hat gehalten</strong></p>



<p>Aber die Basis hat gehalten, hat getragen, wie so immer beim FC St. Gallen. Egal, wie viele Übergangssaisons man spielte: Die Leute strömten ins Stadion. Eine Basis, die es umso mehr schätzte, mit Hüppi endlich einen Präsidenten zu haben, der diese Basis wirklich versteht, und genau darüber stolperten nun die Unsympathisanten, Leute, die sich inszenieren wollten auf einem Gerüst, das nicht sie gebaut hatten, und deren Motive bis heute völlig unklar sind und an diese üblichen Luftschlösser erinnern, die man sich im Fussball halt so baut, bevor das Konkursamt oder die Challenge League oder der Staatsanwalt anklopft.</p>



<p>Und dann, am Mittwochmorgen, drei Tage nach dem Cupsieg, der plötzlich fast so weit weg schien wie der letzte Meistertitel, die Pressekonferenz im Kybunpark, Medienchef Remo Blumenthal sagte «so viele Leute waren wohl noch nie da», und dann kam Hüppi, und er bleibt, die Putschisten gehen, Roland Gutjahr und Patrick Thoma treten ihre Aktienpakete ab und Thoma sein erst kürzlich angetretenes Mandat im Verwaltungsrat, Kölliker, der sich im SRF-Interview schon als Präsident inszenierte, ist weg, bevor er angefangen hat, und der Verwaltungsrat bleibt nach Thomas Abgang quasi der Alte: Hüppi, Germann, Gründler, Hammer, Würth, alles wie vorher, als wäre nichts gewesen, ausser dass natürlich alles anders ist, ausser dass die Wunden bleiben, ausser, dass Hüppi selbst sagte «wie gross der Schaden ist, weiss ich nicht», und dann sagte er noch etwas, fast beiläufig, fast leise, über den Moment der alles ins Rollen gebracht und die feindliche Übernahme vereitelt hat: «Was mir rausrutschte nach dem Final, war nicht geplant. So clever bin ich nicht. Mir ist das rausgerutscht.»</p>



<p>57 Jahre auf den Pokal gewartet. 48 Stunden auf das Chaos. FC St. Gallen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>2007 publizierte Daniel Ryser gemeinsam mit Daniel Torgler und Matthias Frei im Appenzeller Verlag «Espenmoos: Fussball und Fankultur».  </em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Das Spiel: Wie lautet das Urteil?</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/das-spiel-wie-lautet-das-urteil/</link>
					<pubDate>Sat, 30 May 2026 07:28:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Ihr seid die Jury" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury.jpg 886w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>In einer neuen Art von Rätselspielen sind wir Teil einer Jury, die ihr Urteil nach Anhörung aller Zeugen fällen muss. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="504" height="504" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png" alt="Patrick Jerg" class="wp-image-637819" style="width:200px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png 504w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-300x300.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px" /><figcaption class="wp-element-caption">Patrick Jerg</figcaption></figure>



<p>Es gibt zahlreiche Varianten von Exit- oder Escapespielen auf dem Markt, bei denen man nach Lösungen aus einer scheinbar ausweglosen Situation sucht. Zuletzt erschienen vermehrt medizinische Rätselfälle, bei denen man anhand von Untersuchungsergebnissen eine Diagnose stellen musste. Nun gibt es eine neue, spannende Rätselreihe, bei der man spielerisch zu einem Urteil kommen muss. Bei &#171;Ihr seid die Jury&#187; nimmt man als Geschworene im Gerichtssaal Platz.</p>



<p>Die Gerichtsverhandlung verläuft zwar nach amerikanischem Muster, doch sie orientiert sich an einem True-Crime-Fall. Sämtliche Informationen, die man während des Spiels erhält, basieren also auf wahren Begebenheiten. Gesteuert wird das Spiel über eine App. Sie bietet sämtliche Aussagen der Verhandlung als Audio-Datei an. Nach den Eröffnungsreden der Richterin, der Staatsanwältin und des Verteidigers geht es direkt zur Sache.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verwirrende Aussagen</h2>



<p>Im Fall &#171;Zwei Gesichter &#8211; ein Schuss&#187; wurde Brian Jones vor einem Tanzclub erschossen. Jeff Walker steht nun vor Gericht, er ist der Hauptverdächtige des Falls. Am ersten Verhandlungstag hören wir uns vier Zeugen an, die ihre Eindrücke und Erlebnisse schildern. Nach den Aussagen folgt jeweils ein Kreuzverhör der Staatsanwaltschaft oder der Verteidigung. Mit verschiedenen Eindrücken ziehen wir uns am Ende des Tages zu einer Beratung zurück. In diesem kooperativen Spiel darf man seine Mutmassungen miteinander teilen. Zudem können alle noch die Karte eines weiteren, fiktiven Geschworenen ziehen und eine unabhängige Meinung nachlesen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="543" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss-2.jpg" alt="Ihr seid die Jury - Zwei Gesichter, ein Schuss 2" class="wp-image-703145" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss-2.jpg 640w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss-2-300x255.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#171;Ihr seid die Jury&#187;</figcaption></figure>



<p>Mit vier weiteren Zeugen starten wir in den zweiten Verhandlungstag. Die neuen Aussagen bestätigen oder entkräften die bisherigen Eindrücke. Wohin geht die Reise? Kommt es zu einem Schuldspruch oder zu einem Freispruch? Auch nach dem zweiten Verhandlungstag gibt es eine Beratungsrunde, um dann gleich den dritten Tag folgen zu lassen. Die letzten Zeugen warten, anschliessend folgen die Schlussplädoyers der einzelnen Parteien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Urteil, bitte!</h2>



<p>In einer letzten Beratungsrunde geht es ums Ganze. Die Geschworenen müssen zu einem Urteil kommen und zwei Schlussfragen des Gerichts mit einer Mehrheit beantworten. Spätestens an dieser Stelle wird allen am Spieltisch klar, in welch schwieriger Situation man sich selber befindet und welche Auswirkungen ein Urteil haben kann. Was gewichtet man mehr? Welche Aussagen sind wahr? Wem kann man trauen? Am Ende fällt die Spielrunde ein Urteil und hört sich das Strafmass an.</p>



<p>Da es sich um einen True-Crime-Fall handelt, erhält man den wahren Ausgang der Geschichte nachgeliefert. Was ist damals wirklich geschehen, und was hat sich danach noch zugetragen? &#171;Ihr seid die Jury&#187; ist ein aussergewöhnliches Spiel, bei dem es nicht darauf ankommt, die richtige Lösung zu finden. Vielmehr diskutiert man über die gehörten Aussagen und fällt am Ende ein Urteil, hinter dem man stehen muss.</p>



<p>____________________</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="452" height="640" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss.jpg" alt="Ihr seid die Jury - Zwei Gesichter, ein Schuss" class="wp-image-703143" style="width:150px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss.jpg 452w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss-212x300.jpg 212w" sizes="auto, (max-width: 452px) 100vw, 452px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#171;Ihr seid die Jury&#187;</figcaption></figure>



<p><strong>Ihr seid die Jury: Zwei Gesichter &#8211; ein Schuss</strong><br><br>Ein Rätselspiel von Jacob Berg<br>Illustrationen: Hanna Wenzel<br><br>Für 2 bis 5 Personen<br>Ab 14 Jahren | 120 Minuten<br>Verlag: Kosmos | ca. 16 Fr. / 14 Euro</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Patrick Jerg betreibt seit 15 Jahren die Webseite </em><a href="http://www.brettspielblog.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">brettspielblog.ch</a><em> und veröffentlicht regelmässig Spielkritiken über Brett- und Kartenspiele.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Grossmächte demonstrieren patriarchale Macht</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/grossmaechte-demonstrieren-patriarchale-macht/</link>
					<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:31:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="182" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-P20260514DT-1737_69b126-300x182.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach P20260514DT-1737_69b126" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-P20260514DT-1737_69b126-300x182.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-P20260514DT-1737_69b126-1024x620.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-P20260514DT-1737_69b126-768x465.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-P20260514DT-1737_69b126.png 1157w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Kürzlich war Donald Trump zu Besuch bei Xi Jinping. Frauen durften bei den Verhandlungen der Grossmächte nicht mitreden.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Das Foto eines ausschliesslich männlich besetzten Gipfeltreffens sorgte in den USA für Unmut. Kritikerinnen sehen darin ein Signal dafür, wer in der Politik der Grossmächte mitreden darf und wer nicht.</p>



<p><strong>«Ende der Leistungsgesellschaft»</strong></p>



<p>Gita Gopinath, Wirtschaftsprofessorin an der Harvard University, schrieb auf X: «Ein Sinnbild für das Ende der Leistungsgesellschaft: Ein Treffen der beiden grössten Volkswirtschaften und keine Frau am Tisch.» In beiden Ländern gebe es hochqualifizierte Frauen, doch sie blieben ausgeschlossen. Entscheidend sei offenbar nicht die Qualifikation, sondern die Beziehungen, sagte Gopinath dem «Guardian»: «Es ist unfassbar, dass es am Ende einen reinen Männertisch gibt, obwohl es weltweit so viele qualifizierte Frauen gibt.»</p>



<p><strong>«Frauenstimmen spielen keine Rolle»</strong></p>



<p>Halima Kazem, Historikerin an der Stanford University, sprach von einem Rückschritt. «Auf den Gipfeltreffen zwischen den USA und China in der Obama-Ära sassen Frauen am Tisch. Heute denkt keine der Grossmächte, dass Frauen zu den Delegationen gehören müssen, die globale Politik verhandeln. Dies ist nicht nur ein amerikanisches Versagen. China und die USA senden damit das Signal, dass Frauenstimmen bei der Gestaltung der Weltordnung keine Rolle spielen.»</p>



<p><strong>Inszenierung männlicher Autorität</strong></p>



<p>Einen Mangel an qualifizierten Frauen gebe es nicht, sagt Kazem. «Es handelt sich um eine bewusste Entscheidung darüber, welche Art von Autorität man inszenieren will: männlich, militarisiert und ausschliessend.» Wenn beide Grossmächte ohne Frauen auftreten, präge das auch die Vorstellung davon, wie «ernsthafte» Diplomatie aussieht – und wer davon ausgeschlossen ist.</p>



<p><strong>Frühere Treffen mit Frauen</strong></p>



<p>Zu den ranghohen Frauen, die unter Präsident Barack Obama an bilateralen Treffen teilnahmen, gehörten Chinas damalige Vizeministerpräsidentin Liu Yandong, US-Sicherheitsberaterin Susan Rice und US-Aussenministerin Hillary Clinton.<br>Am jüngsten Treffen waren in der US-Delegation lediglich auf Seite der Geschäftsleute einige wenige Frauen, darunter Trumps Schwiegertochter Lara Trump, die Citigroup-Chefin Jane Fraser sowie Meta-Präsidentin Dina Powell McCormick.</p>



<p><strong>Friedensverhandlungen ohne Frauen</strong></p>



<p>Auch an <a href="https://frauensicht.ch/politik/erneut-fehlen-frauen-an-friedensverhandlungen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Friedensverhandlungen</a> fehlen Frauen mittlerweile weitgehend. Dabei ist längst wissenschaftlich erwiesen, dass Friedensabkommen länger halten, wenn Frauen an den Verhandlungen teilgenommen haben.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Dieser Artikel ist zuerst auf <a href="https://frauensicht.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">frauensicht.ch</a> erschienen.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Nach Trump: Auch Putin in Peking</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/nach-trump-auch-putin-in-peking/</link>
					<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:29:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-China-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach Pitch China" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-China-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-China-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-China-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-China.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Richtungsweisende Wahlen in Kolumbien und Brasilien</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/richtungsweisende-wahlen-in-kolumbien-und-brasilien/</link>
					<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:28:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="166" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-27-um-08.44.51-300x166.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Cepeda" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-27-um-08.44.51-300x166.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-27-um-08.44.51-768x424.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-27-um-08.44.51-800x445.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-27-um-08.44.51.png 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wählt Kolumbien erneut einen progressiven Staatschef – oder schwenkt das Land nach rechts? Bis zur Stichwahl bleibt es spannend.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<figure class="wp-block-image alignleft size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="256" height="256" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549.png" alt="Romeo Rey" class="wp-image-406159" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549.png 256w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549-150x150.png 150w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549-100x100.png 100w" sizes="auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px" /><figcaption class="wp-element-caption">Romeo Rey, früher Lateinamerika-Korrespondent von «Tages-Anzeiger» und «Frankfurter Rundschau», fasst die jüngste Entwicklung zusammen. </figcaption></figure>



<p>Alle vier Jahre gibt es in den meisten Ländern auf dem Subkontinent Präsidentschaftswahlen. Ausnahmen sind Mexiko, das sein Staatsoberhaupt für sechs Jahre wählt, und Uruguay sowie Bolivien, wo dieses Mandat fünf Jahre umfasst. Meistens finden gleichzeitig auch Erneuerungswahlen zur Sitzverteilung im Parlament statt. Lateinamerika geniesst seit Mitte der 1980er Jahre recht stabile, formal demokratische Verhältnisse, wo das Militär der zivilen Macht untergeordnet ist und zivile Diktaturen seltene Ausnahmen geworden sind.</p>



<p><strong>Kolumbien: Kriminalität und Stimmenkauf</strong></p>



<p>Als nächstes Land wählt <strong>Kolumbien</strong> am 31. Mai ein neues Staatsoberhaupt, nachdem das Volk bereits im März die Kongressmitglieder gewählt hatte. Das Ergebnis ist ein stark fragmentiertes Parlament, wie <a href="https://www.kas.de/de/laenderberichte/detail/-/content/kolumbien-waehlt-fragmentiertes-parlament" target="_blank" rel="noreferrer noopener">eine Analyse</a> im Auftrag der «Konrad Adenauer Stiftung» feststellt. Ob sich diese Zersplitterung zugunsten der konservativen und rechtsliberalen Kräfte auswirken wird, welche die politischen Geschicke in diesem Land seit 200 Jahren lenken, ist zwar eine offene Frage. Aber man kann sich leicht ausmalen, dass diese «Altparteien» alles daran setzen werden, um den Kurs der linksreformistischen Regierung unter dem scheidenden Präsidenten Gustavo Petro auszubremsen.</p>



<p>Wer auch immer die verfassungsmässige Nachfolge Petros antreten wird, muss mit erheblichen Hürden rechnen. Diverse bewaffnete Gruppen und Banden, Überresten und Neugeburten von ehemals marxistischen Guerillaorganisationen, rumoren in manchen Landesteilen. Kolumbien gilt nach wie vor als wichtigster Produzent und Drehscheibe im weltweiten Kokainschmuggel. Die Sicherheitslage ist laut der erwähnten Analyse in vielen Regionen prekär, und Stimmenkauf bei Wahlen ein weit verbreitetes Übel.</p>



<p>Im ersten Wahlgang am 31. Mai tritt der linksgerichtete Menschenrechtsanwalt <a href="https://www.presidenteivancepeda.com/quien-es-ivan" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ivan Cepeda</a> gegen den ultrarechten Anwalt <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abelardo_de_la_Espriella" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abelardo de la Espriella</a> und die mitte-rechts Kandidatin <a href="https://palomapresidente.com.co/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Paloma Valencia</a> an. Falls im ersten Wahldurchgang keiner der Kandidaten über 50 Prozent der Stimmen erhält – wovon auszugehen ist – kommt es am 21. Juni zu einer Stichwahl. Gemäss aktuellen Umfragen ist damit zu rechnen, dass im entscheidenden zweiten Wahlgang Cepeda und de la Espriella gegeneinander antreten werden.</p>



<p><strong>Chile: Dramatische Kehrtwende unter Kast</strong></p>



<p>Mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Antonio_Kast" target="_blank" rel="noreferrer noopener">José Antonio Kast</a> haben die Wählerinnen und Wähler in <strong>Chile </strong>einen Politiker ins höchste Amt der Nation gehievt, an dessen <a href="https://www.infosperber.ch/politik/chile-ein-sympathisant-der-diktatur-ist-neuer-praesident/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ultrarechter Gesinnung kaum Zweifel</a> bestehen. Der deutschstämmige Kast hat am 11. März die Nachfolge des jungen, trotz seiner kommunistischen Ideale gemässigt links agierenden Präsidenten Gabriel Boric angetreten. Die Gegensätze dieses Machtwechsels erscheinen im neutralen Fokus von «<a href="https://www.bbc.com/mundo/articles/cm21pj8n25go" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BBC Mundo</a>» besonders schroff.</p>



<p>Die demokratische Kehrtwende will Kast mit entschlossenem Zugreifen auf das Justizwesen herbeiführen, zeigt eine Analyse in der sozialdemokratischen «<a href="https://nuso.org/articulo/jose-antonio-kast-batalla-cultural-chile/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nueva Sociedad</a>». Als problematisches Erbe seines Vorgängers prangert Kast vermeintliche Missstände im Land an. Dazu zählen für ihn «die extreme Umweltpolitik», ein «ideologisch gefärbter Feminismus» und «zu viel Indigenismus». Die (angeblich) steil zunehmende Kriminalität im Land will er durch eine verschärfte Migrationspolitik bekämpfen: Ausländer ohne gültige Papiere werden en masse in ihre Heimatländer abgeschoben.</p>



<p><strong>Brasilien: Bolsonaros Sohn tritt gegen «Lula» an</strong></p>



<p>In <strong>Brasilien</strong> fordern Anhänger des früheren Präsidenten Bolsonaro die sofortige Freilassung ihres Idols. Dieser war wegen eines Putschversuchs nach seiner Wahlniederlage 2022 <a href="https://www.infosperber.ch/politik/versuchter-staatsstreich-brasiliens-justiz-setzt-ein-signal/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zu 27 Jahren Haft verurteilt</a> worden. Seit November verbüsst Bolsonaro seine Strafe aus gesundheitlichen Gründen in Hausarrest. Seine Unterstützer verlangen laut Bericht der lokalen Nachrichtenagentur «<a href="https://www.brasildefato.com.br/2026/05/08/bolsonaro-tenta-anular-processo-em-que-foi-condenado-por-tentativa-de-golpe-de-estado/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Brasil de fato</a>» das Urteil des Obersten Gerichts sei zu annullieren und ein neues Verfahren müsse eröffnet werden. Dabei solle nicht nur die Erste Kammer des Gerichtshofes, sondern alle elf Magistraten über diesen gravierenden Fall urteilen. Offenbar rechnen die Anhänger des Putschpräsidenten damit, auf diesem Weg eine knappe Mehrheit der hohen Richter auf ihre Seite ziehen zu können. Unterdessen hat aber das gesamte Oberste Gericht ein Gesetz gestoppt, das die Verkürzung von Bolsonaros Haftstrafe vorsieht, wie das Magazin «<a href="https://www.spiegel.de/ausland/jair-bolsonaro-in-brasilien-oberstes-gericht-stoppt-haftverkuerzung-fuer-bolsonaro-a-994cede0-3810-4a32-b29a-fc08a651a99e">Spiegel</a>» berichtete.</p>



<p>Der 81-jährige amtierende Präsident Inácio Lula da Silva will bei den Wahlen im Oktober 2026 für eine vierte Amtszeit  kandidieren. Verschiedene brasilianische Quellen wie «<a href="https://jornalggn.com.br/eleicoes/2026/lula-lidera-no-1o-turno-mas-disputa-com-flavio-bolsonaro-trava-no-2o/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Journal GGN</a>» prognostizieren, dass sowohl in der ersten Runde als auch bei der Stichwahl enge Duelle ausgetragen werden. Als schärfster Rivale Lulas gilt der älteste Sohn von Ex-Präsident Bolsonaro und derzeitiger Senator für den Bundesstaat Rio de Janeiro. Bis Oktober wird aber mit deutlichen Verschiebungen im Ranking der Kandidaten zu rechnen sein.</p>



<p><strong>Paraguay: Einfluss der USA wächst</strong></p>



<p><strong>Paraguay</strong>, seit 1954 mit einem einzigen kurzen Unterbruch ein treuer Alliierter Washingtons, hat kürzlich einen Vertrag mit den USA unterschrieben und vom konservativ beherrschten lokalen Parlament ebenfalls unterzeichnen lassen. Dieses Dokument soll die Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten hinsichtlich Sicherheit und Verteidigung vertiefen und wichtige Angelegenheiten juristischer Natur präziser regeln. Laut Ausführungen der deutschen Nachrichtenagentur «<a href="https://amerika21.de/analyse/284622/us-militaerpraesenz-paraguay" target="_blank" rel="noreferrer noopener">amerika21</a>» soll es dabei um die Bekämpfung der organisierten Kriminalität, Eindämmung des Drogenhandels und der Migration in der Region, Verstärkung der Grenzen der verbündeten Staaten gegen die wachsende wirtschaftspolitische Präsenz Chinas gehen.</p>



<p>Solche Schritte werden stets im Rahmen des mit «<a href="https://www.zdfheute.de/politik/ausland/shield-of-the-americas-trump-usa-noem-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Shield of the Americas</a>» genannten Plans vollzogen, den Präsident Trump angeordnet hat und der auch Chiles neuen Präsidenten Kast zu interessieren scheint. Ominöse Erinnerungen an die Jahre der Militärdiktaturen in Chile und Paraguay unter Pinochet und Stroessner werden hier wach. Laut «<a href="https://amerika21.de/analyse/284622/us-militaerpraesenz-paraguay" target="_blank" rel="noreferrer noopener">amerika21</a>» warnen politische Kreise vor allem im benachbarten Brasilien, das Abkommen bedeute eine Abtretung richterlicher Befugnisse, da es ausländischen Soldaten Immunität gegenüber dem nationalen Recht gewährt. Ähnliche Abkommen sollen auch mit Ecuador sowie mit Staaten Zentralamerikas und der Karibik vereinbart worden sein.</p>



<p><strong>Bolivien: Arbeiter wehren sich gegen neoliberale Offensive&nbsp;</strong></p>



<p>Bedenklich instabil ist die Lage mittlerweile in <strong>Bolivien</strong>. Die Bemühungen der gegenwärtigen Regierung, mit dem schwierigen Erbe aus der Zeit des «Movimiento al Socialismo» zurecht zu kommen, finden kaum Verständnis in der Bevölkerung. Der ehemals starke Dachverband der Gewerkschaften (Central Obrera Boliviana) hat zu einem unbefristeten Generalstreik aufgerufen, wie die linksgerichtete «<a href="https://www.jungewelt.de/artikel/521933.s%C3%BCdamerika-generalstreik-in-bolivien.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">junge Welt</a>» berichtet. Damit will man Präsident Rodrigo Paz zwingen, die Last der nötigen Sparmassnahmen nicht einseitig der notleidenden Bevölkerung zuzumuten, sondern auch von den Unternehmern und privilegierten Schichten einschneidende Opfer zu verlangen. Sollte dieser heikle Gleichgewichtsakt misslingen, bliebe vermutlich nur eine Politik der (noch) härteren Hand oder aber eine Rückkehr zu revolutionären Umtrieben wie einst in den unruhigen 1980er Jahren – beide Varianten mit völlig ungewissem Ausgang.</p>



<p>In wirtschaftspolitischen Belangen scheinen Lateinamerikas Konservative mehrheitlich zu wissen, was sie wollen: Ihr «Deus ex machina» ist der die Kettensäge schwingende ultra-neoliberale Präsident von <strong>Argentinien</strong>, Javier Milei. Dieselbe Illusion hält auch die schweizerische Wochenzeitung «<a href="https://www.fuw.ch/argentinien-und-usa-javier-milei-sucht-den-schulterschluss-mit-wallstreet-252052976332" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Finanz und Wirtschaft</a>» (Bezahlschranke) am Leben. «In Kürze» werden hier zwar die vermeintlich wichtigsten Fortschritte verzeichnet, doch alsbald auch die verschiedenen «wenn» und «aber» bei genauerem Hinsehen verschämt angedeutet. Zum vorläufigen Schluss der Saga muss das Blatt dann einräumen: «…ob das libertäre Konzept aus schneller Deregulierung, Sparpolitik und dem Anziehen von Auslandinvestitionen aufgeht – und von der Bevölkerung mitgetragen wird – bleibt offen».</p>



<p><strong>Rechtsrutsch befeuert Politik der Ungleichheit</strong></p>



<p>Aus einem ganz anderen Blickwinkel wird der gegenwärtige Rechtsrutsch in <strong>Lateinamerika</strong> bei «<a href="https://amerika21.de/analyse/283993/architekten-der-ungleichheit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">amerika21</a>» eingeordnet. Das statistische Material, das hier ausgebreitet wird, erlaubt Einsichten über die Vergangenheit, Gegenwart und wahrscheinlich auch über die Zukunft des Erdteils. Alte Märchen von <em>Trickle down</em> (dem «automatischen» Herunterrieseln der Gewinne wirtschaftlichen Wachsens durch die soziale Pyramide) und <em>Meritokratie</em> (der «wohlverdienten» Aneignung solcher Gewinne durch privilegierte Teile der Bevölkerung) erweisen sich als bequeme Argumente zur Beruhigung der grossen Masse von Wählerinnen und Wählern, die einfach ihre staatsbürgerliche Pflicht erfüllen sollen, wenn sie dazu eingeladen werden. Messerscharf legt diese Analyse die geheimen Ströme des Reichtums frei. Zu Recht wird der Hebel dort angesetzt, wo seine Wirkung nicht widerlegt werden kann: bei der Steuerpolitik.</p>



<p>Nebenbei erfahren wir aus diesem Hintergrundartikel, welches die wahrhaften Machthaber Lateinamerikas sind und wie erstaunlich schnell sie – auch inmitten schwerster wirtschaftlicher, politischer und sozialer Krisen – zu ihrem unermesslichen Reichtum gekommen sind. Als neuer Krösus des Erdteils erscheint dabei – ein Argentinier.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="602" height="940" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika.png" alt="Cover_Rey_Lateinamerika" class="wp-image-405811" style="aspect-ratio:0.6404302004720902;width:202px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika.png 602w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika-192x300.png 192w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika-600x937.png 600w" sizes="auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px" /><figcaption class="wp-element-caption">Romeo Rey, Die Geschichte Lateinamerikas vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart, 284 Seiten, 3. Auflage, C.H.Beck 2015, CHF 22.30</figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Der Autor war 33 Jahre lang Korrespondent in Südamerika, unter anderem für den «Tages-Anzeiger» und die «Frankfurter Rundschau».</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Freiburger Nachrichten: «Die Weltbevölkerung schrumpft»  </title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/abstimmungen-schweiz/freiburger-nachrichten-die-weltbevoelkerung-schrumpft/</link>
					<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:27:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="163" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Akarmara-300x163.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Akarmara" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Akarmara-300x163.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Akarmara-1024x555.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Akarmara-768x416.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Akarmara.png 1478w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Neben den Pro- und Kontrakomitees zur Nachhaltigkeitsinitiative verbreiten auch angeblich seriöse Medien schamlos Fake News.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Wer mitten im Abstimmungskampf zur 10-Millionen-Schweiz die Schlagzeile liest, dass die Weltbevölkerung schrumpfe, mag denken: Wenn die Bevölkerung aktuell weltweit schon rückläufig ist, weshalb braucht es dann bei uns noch diese Nachhaltigkeitsinitiative, die einem Bevölkerungswachstum einen Riegel schieben will?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="662" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot-1-1024x662.png" alt="Freiburger Nachrichten Screenshot" class="wp-image-702469" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot-1-1024x662.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot-1-300x194.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot-1-768x497.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot-1.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Falscher Titel und irreführende Bildlegenden zum angeblichen Rückgang der Weltbevölkerung.</figcaption></figure>



<p>Wer nach dem Titel den langen Artikel, illustriert mit Bildern von Geisterstädten aus Japan und Georgien, nicht weiterlas, ging Fake News erster Klasse auf den Leim. Denn von Schrumpfung kann keine Rede sein. Letztes Jahr wuchs die Weltbevölkerung um 86 Millionen, das entspricht in etwa der Gesamtbevölkerung der Türkei oder Deutschlands. Dieses Jahr wird sie voraussichtlich um weitere 69 Millionen zulegen, was der Bevölkerung von Frankreich entspricht. Und bis ins Jahr 2071 <a href="https://www.un.org/development/desa/pd/sites/www.un.org.development.desa.pd/files/key_messages_wpp_2024_20240709.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">prognostizieren</a> die Vereinten Nationen eine Zunahme von zwei Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Das wären dann zusätzlich noch etwa sechs Mal die heutige Bevölkerung der USA.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der gleiche Fehler in elf Publikationen</h2>



<p>Und ja: Gemäss denselben UN-Prognosen sollte die Weltbevölkerung dann ab dem Jahr 2085 tatsächlich abnehmen. Mit anderen Worten: Der im Präsens formulierte Titel «Die Weltbevölkerung schrumpft», kommt schlicht und einfach 60 Jahre zu früh und hat in Medien, die stets behaupten, der Leserschaft Fakten statt Fake News zu bieten, nichts verloren. Getäuscht wurde dabei nicht nur die Leserschaft der «Freiburger Nachrichten». Der faktenwidrige Titel wurde flächendeckend über die ganze Deutschschweiz inklusive Liechtenstein in mindestens zehn weiteren Zeitungen mit einer Leserschaft von rund 200‘000 (gemäss Wemf-Zahlen) verbreitet: «Aargauer Zeitung», «Appenzeller Zeitung», «bz Basel», «Grenchner Tagblatt», «Limmattaler Zeitung», «Oltner Tagblatt», «Solothurner Zeitung», «Vaterland» (Liechtenstein), «Zofinger Tagblatt» und «Zuger Zeitung».</p>



<p>Die Verantwortung für diese Fehlinformation trägt nicht der Autor des Artikels, der deutsche Journalist Adrian Lobe, sondern in erster Linie die CH-Media-Redaktion, die diesen Titel in Eigenregie gesetzt hat. Ebenso verantwortlich sind die Chefredaktoren sämtlicher Zeitungen, die ihn ohne mit der Wimper zu zucken übernommen haben. Es fällt einem schwer sich vorzustellen, dass auf diesen elf Redaktionen niemand weiss, dass die Weltbevölkerung aktuell weiterhin wächst und nicht schrumpft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="604" height="434" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Weltbevoelkerung-Projektion-bis-2100.png" alt="Weltbevölkerung Projektion bis 2100" class="wp-image-702429" style="aspect-ratio:1.3916856390645187;width:652px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Weltbevoelkerung-Projektion-bis-2100.png 604w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Weltbevoelkerung-Projektion-bis-2100-300x216.png 300w" sizes="auto, (max-width: 604px) 100vw, 604px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung noch jahrzehntelang wächst.</figcaption></figure>



<p>Der Artikel selbst bietet viel Wissenswertes zur demografischen Entwicklung, fokussiert aber primär auf die sinkenden Geburtenraten in Europa und den Rückgang der Bevölkerung in China. Das weiterhin rasante Wachstum in Afrika, das den realen Rückgang in einzelnen Staaten überkompensiert, wird in einem Nebensatz erwähnt. Und die nicht unwesentliche Information, dass bei uns zwar die Geburtenrate auch sinkt, diese jedoch durch die Nettozuwanderung ebenfalls überkompensiert wird, findet man nirgends.</p>



<p>Lobe warnt vielmehr, viele Länder hätten schon heute ihren Bevölkerungshöchststand erreicht und schreibt «die Folgen des demografischen Wandels sind schon jetzt sichtbar: leerstehende Schulen und Kitas, verwaiste Spielplätze, volle Pflegeheime». Mag sein, aber mit der Schweiz im Jahr 2026 hat das alles nichts zu tun. Vielmehr nähren diese Zeilen den Verdacht, dass die Medien, die den Artikel übernommen haben, ihn zielorientiert für Abstimmungspropaganda eingesetzt haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verlassene Häuser sollen Bevölkerungsschwund zeigen</h2>



<p>Dasselbe gilt für die zwei Fotografien, die den Artikel illustrieren, sowie für die Bildlegenden: Das Aufmacherbild stammt aus Japan und zeigt von Natur überwachsene Häuser, die an Franz Hohlers Erzählung «Die Rückeroberung» erinnern. In der Legende steht, «aufgrund des Bevölkerungsschwunds» gebe es in Japan über neun Millionen leerstehende Häuser. Das ist zumindest irreführend, denn zu diesen neun Millionen gehören gemäss der <a href="https://www.nippon.com/en/japan-data/h01987/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a>, auf welche sich der Autor vermutlich gestützt hat, auch Ferienhäuser, also Zweitwohnsitze und Häuser auf dem Immobilienmarkt. Wirklich verlassene Immobilien, wie die im Bild gezeigten, die weder zur Miete noch zum Verkauf stehen, führt die Studie mit 3,9 Millionen auf, das sind weniger als die Hälfte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="607" height="476" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot2.png" alt="" class="wp-image-703245" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot2.png 607w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot2-300x235.png 300w" sizes="auto, (max-width: 607px) 100vw, 607px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Bergbausiedlung Akarmara in Georgien: Sie wurde verlassen, weil sie im Bürgerkrieg fast vollständig zerstört worden ist.</figcaption></figure>



<p>Das zweite Bild zeigt die ehemalige Bergbausiedlung Akarmara (nicht Akarama, wie in der Bildlegende steht) nahe der georgischen Stadt Tqwartscheli. Verlassen wurde sie nicht aufgrund eines allgemeinen Bevölkerungsrückgangs, sondern weil sie im Bürgerkrieg anfangs der 90er Jahre fast vollständig zerstört worden ist. </p>



<p>Journalistische Medien können im Vorfeld einer Abstimmung auf legitime Weise mit Leitartikeln und Kommentaren  auf die Meinungsbildung von Stimmberechtigten einwirken, das ist ihr gutes Recht. So hat denn auch Marc Lehmann, der Redaktionsleiter der «Freiburger Nachrichten» zwei Tage nach Erscheinen des Artikels seiner Leserschaft mit einem Leitartikel nahegelegt, zur SVP-Initiative ein «Nein» in die Urne zu legen.</p>



<p>Die selbsternannten Qualitätsmedien, die gebetsmühlenartig verkünden, sie würden sich&nbsp;dank faktenbasierter Berichterstattung von Social Media abgrenzen, sollten jedoch nicht einen Artikel eines Journalisten faktenwidrig betiteln und ihn mit unpassenden Bildern und unzutreffenden Bildlegenden emotional aufladen, wie das hier geschehen ist.&nbsp;Das ist eine schlechte Idee in Zeiten, wo es dank dem Bevölkerungswachstum – was der Titel des Artikels auch suggeriert – eigentlich noch genügend gute geben sollte.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Christoph Schütz betreibt ein Atelier für visuelle Kommunikation, hat in Freiburg Medienwissenschaften studiert und publiziert zu urheber- und medienrechtlichen Themen.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Sie haben mich geboxt, getasert, mir in den Hals getreten»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/sie-haben-mich-geboxt-getasert-mir-in-den-hals-getreten/</link>
					<pubDate>Thu, 28 May 2026 07:34:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702735</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-1536x922.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-2048x1229.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein Schweizer beschreibt im Gespräch mit Infosperber, wie er von israelischen Militärs gefoltert wurde. Das EDA weicht aus.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><em>Die Bilder gingen <a href="https://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/ben-gvir-taunts-detained-gaza-flotilla-activists-as-they-kneel-on-floor-hands-tied/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">um die Welt</a>: Dutzende gefesselte Zivilisten, die Hände auf dem Rücken, die Stirn auf dem Boden, während Israels Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir mit einer Fahne über sie hinwegschritt und auf Hebräisch rief: <a href="https://x.com/itamarbengvir/status/2057046925417824697" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Wir sind hier die Herren.»</a> Die Global Sumud Flotilla war am 14. Mai mit über fünfzig Schiffen und 428 Aktivistinnen und Aktivisten aus der Türkei ausgelaufen, um die israelische Seeblockade Gazas zu durchbrechen und den Küstenstreifen mit Hilfsgütern und Lebensmitteln zu versorgen.</em> <em>Laut der Pressemitteilung der Global Sumud Flotilla vom 24. Mai 2026 wurden mindestens 67 der 428 festgehaltenen Personen so schwer verletzt, dass sie in staatlichen Krankenhäusern weiterbehandelt werden mussten; zwölf wurden stationär aufgenommen. Italiens Premierministerin Meloni nannte die Szenen «inakzeptabel». Frankreich, die Niederlande, Australien bestellten israelische Botschafter ein. Das Schweizer Aussendepartement schwieg.</em></p>



<p><em>Nathan Hausheer, 28 Jahre alt, Spengler aus Blonay im Kanton Waadt, war einer der 428 Verschleppten. Er sagt: «In der Zelle zeigte ein Bildschirm rund um die Uhr Leichen palästinensischer Menschen – erschlagene Menschen, erschossene Menschen, verbrannte Menschen.»</em></p>



<p><strong>Nathan Hausheer, wie sind Sie zur Flotilla-Mission gestossen?</strong><br>Die Situation in Gaza ist katastrophal. Und die Schweizer Regierung ist mitschuldig, wie auch die Schweizer Industrie. Sie genehmigen Verkäufe von Militärgütern an Rüstungsunternehmen in Israel. Diese Güter werden eingesetzt, um Kinder, Frauen, Zivilisten zu töten. Wir haben die moralische Pflicht, etwas dagegen zu tun. Die Schweiz versteckt sich hinter einer vorgetäuschten Neutralität, lässt aber weiterhin Militärgüter nach Israel liefern und kauft selbst viel Militärausrüstung. Diese Mitschuld darf nicht weitergehen. Ich habe diese Mission als Möglichkeit gesehen, wenigstens etwas zu tun. Und die palästinensische Sache sichtbarer zu machen.</p>



<p><strong>Können Sie von Ihren Erfahrungen der letzten Tage erzählen? Die Bilder, die um die Welt gingen – Menschen mit gefesselten Händen, die Stirn auf dem Boden, Berichte von Vergewaltigungen und Folter – waren erschreckend.</strong><br>Das Besondere war das Ausmass der Gewalt gegen Menschen, die sich vollständig ergeben hatten. Wir haben an keinem Punkt Widerstand geleistet. Wir haben kapituliert. Und trotzdem haben sie Gewalt angewendet, um uns zu bestrafen und um uns psychologisch zu brechen. Es war nie eine Frage von Gegenwehr. Es war freie, zwecklose Gewalt.</p>



<p><strong>Können Sie die Situation genauer schildern? Sie waren auf einem Boot, und dann kamen die israelischen Soldaten?</strong><br>Wir wussten, dass die Abfangaktion früh am Morgen begonnen hatte, und wir versuchten, uns mit unserem Boot vom Rest der Flottille zu trennen, um so schnell wie möglich voranzukommen. Dann sahen wir am Horizont ein Schnellboot, vollbesetzt mit bewaffneten, vollausgerüsteten Soldaten. Es näherte sich sehr schnell. Sie befahlen uns, die Segel einzuholen und die Richtung zu ändern. Dann enterten sie das Schiff und wiesen uns an, uns im vorderen Teil des Boots hinzuknien. Sie durchsuchten das Boot und uns persönlich, übernahmen die Kontrolle und brachten uns zu einem Gefängnisschiff. Es gab zwei davon, das wussten wir damals noch nicht.</p>



<p>Beim Übergang aufs Gefängnisschiff begann die Gewalt. In dem Moment, als ich an Bord kam, wurde mir der Arm auf den Rücken gedreht, und man zwang mich auf die Knie. Sie zogen uns die Kleider aus. Wir blieben nur in Hose und T-Shirt. Nach einer erneuten Durchsuchung mussten wir uns vor einem Tisch anstellen, wo die Pässe kontrolliert wurden. Danach brachte man uns in die schwarzen Container.</p>



<p><strong>Schwarze Container?</strong><br>Wir standen alle in einer Reihe, wie in einer Warteschlange bei der Passkontrolle. Man prüfte uns, dann wurden wir in die Container geworfen. Wir sahen, wie die Menschen vor uns da reingeworfen wurden, wir hörten die Schreie. Kaum war man drinnen, begannen sie uns zu schlagen. Sie haben mich geboxt, getasert, mir in den Hals getreten.</p>



<p><strong>Können Sie das genauer beschreiben?</strong><br>Sie haben mich dreimal ins Gesicht geboxt. Einmal von hinten gegen den Kopf. Ich ging zu Boden. Dann, als ich am Boden lag, haben sie mich in den Rücken geschlagen. Und dann haben sie mich getasert – dreimal. Ich lag flach auf dem Boden und sie traten mir mit den Stiefeln in den Hals und standen mir aufs Gesicht. Sie stellten mich auf und traten mir in den Genitalbereich. Dann warfen sie mich in ein Gefangenenabteil. Ich kam noch gut weg.</p>



<p><strong>Wie meinen Sie das?</strong><br>Muslimische Frauen waren am schlimmsten dran, sagte man mir später. Wir hatten einen Mann aus Malaysia an Bord. Die haben sie länger festgehalten und härter geschlagen als uns anderen. Das war ein Muster: Menschen aus bestimmten Ländern wurden systematisch härter behandelt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="640" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-1024x640.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-702725" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-1024x640.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-300x188.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-768x480.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-1536x960.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-2048x1280.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Die Hände auf dem Rücken verdreht, den Kopf im Neunzig-Grad-Winkel nach unten gedrückt. <br>Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Zugang zu einem Anwalt.» </figcaption></figure>



<p><strong>Was geschah nach den Schlägen, den Tritten, dem Tasern?</strong><br>Der Schlafentzug begann. Es war nicht genug Platz zum Schlafen. Die Menschen schliefen sitzend, und trotzdem mussten jede Nacht acht bis zehn Personen stehen, um den anderen genug Platz zu lassen. Von oben auf den Containern richteten die Soldaten die ganze Nacht Laser und Lichter auf uns, damit wir nicht schlafen konnten, damit wir uns fürchteten. Auf dem Gefängnisschiff gab es sieben Toiletten, aber nur zwei waren geöffnet. Und selbst dort gab es kein Toilettenpapier. Jedes Mal, wenn wir um etwas zu essen oder zu trinken baten, kamen sie in voller Kampfausrüstung, richteten die Waffen auf uns und warfen Knallgranaten unter unsere Füsse. Manchmal schossen sie ein, zwei Schuss ab aus ihren Gummischrotgewehren, jedes Mal, wenn sie uns ein bisschen Essen oder Wasser brachten.</p>



<p><strong>Was gab es zum Essen?</strong><br>Tiefgefrorenes Brot. Wir mussten warten, bis es auftaute, bevor wir es essen konnten. Ich war im Hungerstreik. Ich habe es nicht gegessen. Und sie liessen uns in der Kälte frieren, mit T-Shirts und dünner Kleidung in der Nacht. Wir baten darum, den Verletzten ein paar wärmere Kleider zu bringen, auf unserem Boot allein hatten mehr als dreissig Menschen Knochenbrüche. Für sie war die Gefahr einer Unterkühlung sehr real. Das hat sie nicht interessiert.</p>



<p><strong>Wie viele Menschen waren dort? Wie viele Soldaten?</strong><br>Als ich eingeliefert wurde, trug ich die Nummer 104. Sie vergaben Nummern an alle. Jedes Mal, wenn ein neues Boot aufgebracht wurde, hörten wir die Schreie der Menschen aus den schwarzen Containern. Am Ende waren es schätzungsweise 250 auf unserem Schiff, ungefähr die Hälfte der Flottille. Die andere Hälfte war auf dem zweiten Gefängnisschiff. Gleichzeitig sah ich etwa dreissig Soldaten, wenn sie herunterkamen — dazu die Wachleute oben auf den Containern. Es gab Personal in Grün, Standardsoldaten, und andere in Grau, die eher wie ein spezialisiertes Haftkorps wirkten.</p>



<p><strong>Und dann kamen Sie in den Hafen. Wo war das?</strong><br>Aschdod. Der Hafen von Aschdod.</p>



<p><em>(Aschdod liegt rund 30 Kilometer südlich von Tel Aviv und etwa 40 Kilometer nördlich von Gaza.)</em></p>



<p><strong>Nach wie vielen Tagen?</strong><br>Nach zwei Tagen.</p>



<p><strong>Wir sahen die Bilder: Kniende Menschen, gefesselte Hände, ein Fahnen schwenkender israelischer Minister.</strong><br>Auf dem Schiff liessen sie uns knien, die Hände mit Kabelbindern gefesselt, dazu lief die israelische Nationalhymne im Dauerbetrieb. Sie filmten und fotografierten uns. Dann brachten sie uns von Bord. Man sieht es in Videos, die sie verbreiteten, wie sie uns an den Armen hochhoben. Wir passierten kleine Zelte, in denen sie uns erneut schlugen, bevor sie uns in einem grossen Zelt wieder auf die Knie zwangen. Dort lief wieder israelische Musik. Ben Gvir war wohl etwas weiter weg, in einem kleineren Zelt, dort entstanden die anderen Fotos und Videos. Man setzte uns eineinhalb Stunden an die pralle Sonne. Die Leute verbrannten förmlich.</p>



<p><strong>Was geschah dann mit Ihnen?</strong><br>Sie führten uns durch das Einreiseverfahren. Von Schalter zu Schalter, die Hände auf dem Rücken verdreht, den Kopf im Neunzig-Grad-Winkel nach unten gedrückt. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Zugang zu einem Anwalt. Sie versuchten mich zu zwingen, Papiere zu unterschreiben. Ich weigerte mich. Daraufhin tauschten sie die Kabelbinder gegen Handschellen aus, die viel zu eng angezogen wurden. Die Abdrücke sehe ich noch jetzt.</p>



<p><strong>Und dann?</strong><br>Eine zweistündige Fahrt im Gefängnisbus ins Gefängnis Ktziot, von Käfig zu Käfig, Zelle zu Zelle. Sie nahmen uns die Kleider ab und gaben uns Gefängnisanzüge. Wieder versuchten sie, uns Papiere zur sofortigen Abschiebung unterschreiben zu lassen, ohne Anwalt. Als wir uns weigerten, brachten sie uns in die Schlaforte. Die Zellen waren grosse Metallkäfige, darin ein Zelt, in dem wir schlafen konnten. An der Wand gegenüber: grosse Bilder vom zerstörten Gaza. In der Zelle zeigte ein Bildschirm rund um die Uhr Leichen palästinensischer Menschen – erschlagene Menschen, erschossene Menschen, verbrannte Menschen.</p>



<p><strong>Diese Videos liefen immer?</strong><br>Ohne Pause, ja.&nbsp; Wir konnten vielleicht zwei Stunden schlafen. Sie gaben uns Essen, Sandwiches. Am nächsten Tag räumten sie die Schlafmatten weg, luden uns wieder in den Gefängnisbus und fuhren uns vier Stunden durch die Wüste bis zum Flughafen. Der erste Bus war jener mit den Frauen. Beim Ausstieg standen Diplomatinnen und Diplomaten fast aller Länder bereit. Die Schweiz fehlte. Die erste Gruppe Frauen, die stehen blieb und auf die anderen wartete, wurde erneut von Soldaten geschlagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="640" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-1024x640.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-702757" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-1024x640.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-300x188.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-768x480.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-1536x960.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-2048x1280.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Wir sind hier die Herren»: Der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir schwenkt die Fahne Israels über den am Boden knienden, mit Kabelbindern gefesselten Aktivisten. </figcaption></figure>



<p><strong>Haben Sie inzwischen etwas vom Aussennministerium gehört?</strong><br>Nichts. Meine Eltern, meine Familie, meine Freunde hatten versucht, sie zu erreichen. Alle erhielten sinngemäss dieselbe Antwort: Es sei meine eigene Angelegenheit, so, als wäre ich in den Ferien verhaftet worden. Aber ich wurde nicht in den Ferien verhaftet. Ich wurde auf einer humanitären Mission mitten im Mittelmeer entführt. Das ist nicht dasselbe. Wir hatten Lebensmittel an Bord, Hilfsgüter.</p>



<p><strong>Wie geht es Ihnen im Moment?</strong><br>Es geht mir gut. Andere Menschen haben viel schlimmere Dinge erlebt. Es gibt Berichte von sexueller Gewalt, es gibt viele gebrochene Rippen. Ich realisiere das alles noch nicht vollständig. Ich habe Familie, Freundinnen, viele Menschen, die mich unterstützen, das hilft. Ich weiss, dass in den nächsten Wochen eine verzögerte Reaktion kommen kann. Aber im Moment geht es mir gut.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Schweizer Aussenministerium antwortet – aber nicht auf die gestellten Fragen</strong></h2>



<p>Infosperber hat dem EDA am Dienstag folgende Fragen gestellt:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Hat das EDA Kenntnis von Übergriffen gegen Schweizer Staatsangehörige, die an der Flotilla teilnahmen?</li>



<li>Hat das EDA versucht herauszufinden, ob es zu solchen Übergriffen gekommen ist? Falls ja: mit welchem Ergebnis?</li>



<li>Ein Schweizer Staatsbürger schildert, wie er an Bord eines israelischen Gefängnisschiffs mehrfach geschlagen, mit einem Taser traktiert sowie auf Nacken und Genitalbereich getreten wurde. Die Schweiz ist Vertragsstaat der UN-Anti-Folter-Konvention. Welche Schritte hat das EDA unternommen oder plant es zu unternehmen?</li>



<li>Beim Empfang der Freigelassenen in Israel und in der Türkei waren Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Länder anwesend. War die Schweiz vertreten? Falls nein: weshalb nicht?</li>
</ol>



<p>Die Antwort von Mediensprecher Pierre-Alain Eltschinger enthält Relevantes und lässt Entscheidendes offen.</p>



<p><strong>Was das EDA sagt:</strong> Die acht Schweizer Teilnehmenden seien «am Nachmittag des 21. Mai auf dem Luftweg von Israel in die Türkei gebracht» worden. Das Generalkonsulat in Istanbul habe «bei Bedarf als Anlaufstelle zur Verfügung» gestanden. Es sei jedoch «keine individuelle Anfrage um konsularische Unterstützung» eingegangen. Das EDA habe den israelischen Botschafter sowie die Schweizer Botschaft in Tel Aviv «wiederholt dazu aufgefordert, die Grundrechte der Teilnehmenden der Flottille zu wahren». Am 21. Mai empfing die Chefin der Abteilung Mittlerer Osten, Monika Schmutz Kirgöz, den israelischen Botschafter und brachte «die inakzeptable Behandlung von Flotilla-Teilnehmenden» zum Ausdruck. Das EDA habe sich zudem am 20. Mai <a href="https://x.com/SwissMFA/status/2057147129236209731" target="_blank" rel="noreferrer noopener">via X</a> zum Verhalten Ben Gvirs geäussert.</p>



<p><strong>Was das EDA nicht beantwortet hat:</strong></p>



<p>Frage 1 — ob das EDA Kenntnis von konkreten Übergriffen gegen Schweizer Staatsangehörige hat: keine Antwort.</p>



<p>Frage 2 — ob das EDA versucht hat herauszufinden, ob es zu Übergriffen kam: keine Antwort.</p>



<p>Frage 3 — was das EDA angesichts der geschilderten Misshandlungen und der UN-Anti-Folter-Konvention konkret unternimmt: keine Antwort. Stattdessen, wörtlich: «Allfällig betroffene Personen der Flotilla müssen ihre Rechte in erster Linie im jeweiligen Land geltend machen, mit Unterstützung ihrer Anwälte und über die dort vorgesehenen Rechtsmittel.»</p>



<p>Es ist ein Satz, der besondere Aufmerksamkeit verdient: Wer in internationalen Gewässern von einem Militär verschleppt, geschlagen und getasert wurde, soll seine Rechte «im jeweiligen Land» — also in Israel — geltend machen. Mit Unterstützung seiner Anwälte. Nathan Hausheer hatte während der gesamten Haft keinen Zugang zu einem Anwalt.</p>



<p>Frage 4 — ob die Schweiz beim Empfang der Freigelassenen vertreten war: keine Antwort.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die AHV sitzt auf einem Rekordvermögen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-ahv-sitzt-auf-einem-rekordvermoegen/</link>
					<pubDate>Thu, 28 May 2026 07:33:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702873</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unbenannt-300x181.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Unbenannt" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unbenannt-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unbenannt-1024x619.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unbenannt-768x464.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unbenannt.png 1189w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Schwarzmaler haben schon wieder unrecht. Der AHV geht es prächtig. Das Vermögen beträgt inzwischen über 60 Milliarden Franken.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Zum letzten Mal schrieb die AHV im Jahr 2022 einen Verlust. Damals – während der Corona-Pandemie – verlor sie auf den Finanzmärkten viel Geld. Doch seither geht es aufwärts:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Ende 2023 wies sie ein Rekordvermögen von 49,9 Milliarden Franken aus.</li>



<li>2024 waren es schon 55,4 Milliarden.</li>



<li>Und Ende letzten Jahres sogar 60,4 Milliarden.</li>
</ul>



<p>Obwohl der Bund dazu eine Medienmitteilung und als Anhang die <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/ahv_stat_2025_d-2.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">AHV-Statistik 2025</a> verschickte, berichteten die Schweizer Medien mit Ausnahme von <a href="https://muula.ch/aktuell/alterswerk-ahv-bunkert-nun-uber-60-milliarden-bsv-vorsorgewerk-erste-saeule-pension-vatikan-compenswiss-zas-aktien-iv-eo-anleihen-schweiz-esg-bundesrat/">muula.ch</a> kaum darüber. Die Tagesschau <a href="https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/ahv-schreibt-rund-4-4-milliarden-franken-gewinn?urn=urn%3Asrf%3Avideo%3A6315b144-7844-42f9-a660-4a26fbce5c3b" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erwähnte</a> zwar das gute Jahresergebnis, wies aber nicht auf die komfortable Vermögenssituation hin. Dabei ist diese mehr als bemerkenswert.</p>



<p><strong>Besser als das optimistische Szenario</strong></p>



<p>Letzten August veröffentlichte die AHV nämlich ihre <a href="https://cms.news.admin.ch/fileservice/sdweb-docs-prod-nsbcch-files/files/2025/08/20/ed5f29fa-500e-4b0e-8c4c-ffc2c04a8926.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Finanzperspektiven</a> mit einem normalen, einem pessimistischen und einem optimistischen Szenario. Gemäss dem pessimistischen und dem normalen Szenario würde die AHV niemals ein Vermögen von 60 Milliarden Franken anhäufen können.</p>



<p>Sogar gemäss dem optimistischen Szenario hätte der Stand von 60,4 Milliarden Franken erst 2028 erreicht werden sollen. Nun war das schon drei Jahre früher der Fall.</p>



<p><strong>Auch im «Rentengeschäft» ein Gewinn</strong></p>



<p>Beruhigend am Ganzen: Das gute Ergebnis basiert nicht nur auf einem positiven Anlage-, sondern auch auf einem positiven Umlageergebnis. Das Umlageergebnis ist der Gewinn oder der Verlust aus dem eigentlichen «Rentengeschäft».</p>



<p>Konkret: Letztes Jahr waren die Einnahmen (Lohnbeiträge, Bundesbeiträge, Mehrwertsteuer) zum sechsten Mal hintereinander höher als die Ausgaben (Renten). Der Gewinn aus dem «Rentengeschäft» betrug 2025 über 1,8 Milliarden Franken.</p>



<p><strong>Nun die 13. Rente</strong></p>



<p>Und was ist mit der 13. AHV-Rente? Das Parlament tut sich nach wie vor schwer, sich auf eine Finanzierung zu einigen. Die Bürgerlichen hintertreiben eine Lösung – wohl um den Druck auf ein höheres Rentenalter hoch zu halten.</p>



<p>Doch auch ohne Zusatzfinanzierung dürfte die Ausschüttung der 13. AHV-Rente vorderhand kein Riesenproblem sein. Immerhin stieg das AHV-Vermögen im letzten Jahr um 5,0 Milliarden Franken, im Vorjahr sogar um 5,5 Milliarden. Die Ausgaben für die 13. Rente werden laut Bund «bloss» 4,2 Milliarden Franken pro Jahr betragen. Es ist also gut möglich, dass die AHV trotz 13. Rente und ohne Zusatzfinanzierung weiterhin Gewinne schreibt.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sozialversicherungen/13-ahv-rente-und-praemien-obergrenze-sind-leicht-zu-finanzieren/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">13. AHV-Rente und Prämien-Obergrenze sind leicht zu finanzieren</a>, Infosperber vom 18. Mai 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/die-geldfluesse-besteuern-statt-die-loehne-auch-fuer-die-ahv/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Geldflüsse besteuern, statt die Löhne – auch für die AHV</a>, Infosperber vom 28. Mai 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/f05e20d02251476fb9b6abdfd05599b5" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Schlechter Chirurg? Schlechtes System!</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/schlechter-chirurg-schlechtes-system/</link>
					<pubDate>Thu, 28 May 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702961</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="144" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-28-um-08.12.48-300x144.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Herzchirurgie USZ" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-28-um-08.12.48-300x144.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-28-um-08.12.48-768x370.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-28-um-08.12.48.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Im Fall des Herzchirurgen Maisano haben Aufsicht und Kontrolle des ganzen Systems versagt. Es braucht eine Ombudsstelle.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><em>Red. – Die «<a href="https://www.menschenmedizin.ch/akademie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Akademie Menschenmedizin</a>» (AMM) ist ein unabhängiger Verein, der sich für ein menschengerechtes, solidarisches und bezahlbares Gesundheitswesen einsetzt. In ihrem jüngsten <a href="https://mailchi.mp/menschenmedizin/wussten-sie-8340703" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> fordert die AMM Konsequenzen aus dem Fall des Zürcher Herzchirurgen Maisano. Infosperber veröffentlicht eine leicht gekürzte Fassung.</em></p>



<p>_____________________</p>



<p>Ein aufstrebender Chirurg wird an eine renommierte Universitätsklinik berufen. Ihm eilt der Ruf eines Innovators und künftigen Stars voraus, der sein Fachgebiet mit spektakulären Entwicklungen revolutionieren könnte. Doch irgendwann fallen Unregelmässigkeiten auf, es kommt zu erhöhten Todesraten beim Einsatz eines von ihm entwickelten Medizinprodukts. Vorwürfe, seine Studienergebnisse seien geschönt bis manipuliert, werden erhoben – und auch begründet. Der Beschuldigte weist alles von sich, Spital und Uni verteidigen ihren Star mit allen Mitteln –&nbsp;nicht er muss gehen, sondern der Whistleblower. Erst als der Druck erdrückend wird, wird eine Untersuchung eingeleitet und die Trennung vollzogen.</p>



<p>Bis auf das Fachgebiet und die Liebesgeschichte mit einer Journalistin könnte die&nbsp;Netflix-Serie «<a href="https://www.netflix.com/ch/title/81607097" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bad Surgeon</a>»&nbsp;nahezu eine Dokumentation des Zürcher Herzchirurgie-Skandals um Francesco Maisano sein. Sogar, dass der Hauptprotagonist Italiener mit Schweizer Bezug ist, passt. Die Serie ist im Übrigen nicht aus der Luft gegriffen. Der Protagonist, Paolo Macchiarini, wurde für die «bahnbrechende» Entwicklung von künstlichen Luftröhren bekannt, gefördert und berufen. Nur: Die eingesetzten Implantate funktionierten nicht und waren für viele Betroffene fatal.</p>



<p>Diese Parallelen deuten den entscheidenden Punkt bereits an: Der&nbsp;<a href="https://www.usz.ch/uk1620/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fall Maisano</a> ist kein isoliertes Phänomen, kein Einzelfall, so haarsträubend er auch ist – er steht für ein strukturelles Versagen. Medizinisch zu demselben Thema laufen aktuell Untersuchungen in Bern, Luzern und St. Gallen. Am Universitätsspital Zürich (USZ) selbst gab es praktisch parallel auch andere Vorwürfe gegen die Direktoren&nbsp;der <a href="https://mailchi.mp/menschenmedizin/wussten-sie-4157685?e=03115062cb" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Klinik für Gynäkologie</a>&nbsp;und&nbsp;der <a href="https://mailchi.mp/528c179ace97/wussten-sie-4212805?e=03115062cb" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Klink für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie</a>, sie hätten das System zu ihrem persönlichen Vorteil missbraucht.</p>



<p>Zuvorderst gelten unsere Gedanken den Betroffenen und ihren Angehörigen. Es ist ihnen zu wünschen, dass ihr Leid im Rahmen der juristischen Aufklärung auch formal anerkannt wird.</p>



<p>Auf analytischer Ebene gilt es dann, über den konkreten Fall hinaus zu denken: Die skandalösen Vorkommnisse um Francesco Maisano zeigen mehrere Missstände exemplarisch auf, die dringend behoben werden müssen.</p>



<p>Was also muss sich ändern&nbsp;an&nbsp;diesem System?<br>Folgende Leitfragen und Gedanken können helfen:</p>



<p><strong>1. Wie und nach welchen Kriterien werden Chef- und Kaderärzt:innen angestellt? Hier braucht es klare Kriterien und Transparenz.</strong><br><br><em>a) Besetzung der Auswahlgremien und Struktur der Auswahlverfahren</em><br><br>Wer selbst schon Teil solcher Wahlkommissionen war, weiss: Formal mögen verschiedene Gruppen einbezogen sein, entscheidend sind aber der oder die Vorsitzende und vielleicht noch ein bis zwei weitere Wortführende, von deren Meinungen der Rest sich häufig leicht überzeugen lässt.<br>Wer bestimmt über die Besetzung der Wahlkommission, insbesondere über den Vorsitz, und nach welchen Kriterien? Wie werden folgende Kriterien für die Wahl eines Kandidat:innen gewichtet: Wissenschaftliche Leistung und Reputation, klinische Erfahrung, Führungsqualität, Soft Skills? Wer nimmt die Bewertung vor? Welche Referenzen werden eingeholt, von wem werden Assessments durchgeführt?<br><br><em>b) An den Universitätsspitälern muss Schluss sein mit der Doppelfunktion in Forschung und Klinik</em><br><br>Dass eine Person in der Lage ist, Forschung, Lehre, Klinik und die Führung eines Departements gleichermassen in höchster Qualität zu gewährleisten, ist sehr unwahrscheinlich angesichts der Bandbreite an geforderten Kompetenzen. Und doch setzt man genau das bisher einfach voraus. Schluss damit: Die fragwürdigen Doppelfunktionen – und Doppelhonorare – durch die Anstellung an Universität und Spital gehören abgeschafft. Ethische, menschliche und soziale Qualitäten müssen bei der Besetzung solcher Spitzenpositionen ein zentrales Kriterium sein – zum Wohle der Mitarbeitenden, der Patient:innen, von Spital und Universität.</p>



<p><strong>2. Schluss mit falschen Anreizen und Interessenkonflikten: Fixlöhne einführen, Nebenverdienste begrenzen.</strong></p>



<p>Finanzielle Anreize dürfen für eine Behandlungsentscheidung keine Rolle spielen. Dass Klinikleiter:innen Medizinprodukte im experimentellen Stadium einsetzen, an denen sie selbst mitverdienen, ist ein No-Go, das Problem geht aber darüber hinaus. Boni und private Zusatzeinnahmen für Kaderärzt:innen <a href="https://mailchi.mp/d770aeba423d/wussten-sie-2638529" target="_blank" rel="noreferrer noopener">gehören abgeschafft</a>. Es braucht nach oben begrenzte <a href="https://us9.campaign-archive.com/?e=&amp;u=eca3e23698a2003e3d24e3f67&amp;id=57c23c255e" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fixlöhne</a>, wie es mehrere Spitäler bereits erfolgreich praktizieren. Heikle monetäre Interessenbindungen und generell ethische Kriterien gehören bereits bei der Entscheidung für oder gegen eine Einstellung in den Fokus. Nebenverdienste gehören in einen Topf, der wieder ins Spital und damit ins öffentliche Gesundheitswesen einfliesst.</p>



<p><strong>3. Verantwortung übernehmen darf keine leere Phrase sein.</strong><br><br>Stossend am Skandal um die Zürcher Herzchirurgie ist auch, wie ein ganzes System dabei versagt hat, dem Klinikleiter Einhalt zu gebieten:</p>



<p>Der&nbsp;damalige CEO Gregor Zünd, selbst ehemaliger Herzchirurg, wird als eine der treibenden Kräfte hinter der Entscheidung zur Berufung Maisanos gesehen. Warum handelte er nicht, als die Vorwürfe sich erhärteten? Warum behauptete er so lange fälschlicherweise, von den problematischen Entwicklungen nichts gewusst zu haben?</p>



<p>Der&nbsp;damalige ärztliche Direktor des USZ, Jürg Hodler, gehört ebenfalls zu den Hauptverantwortlichen. Konsequenzen für ihn aus dem Fall sind keine bekannt. Schwer nachvollziehbar ist, dass Hodler Ende 2025 eigens aus der Pensionierung zurückgeholt wurde, um (wenn auch&nbsp;ad interim) Chef der Rechtsmedizin an der Uni Zürich zu werden. Dass ausgerechnet ein in einen Skandal um (mindestens) 70 vermeidbare Todesfälle Mitverantwortlicher nun für die Untersuchung aussergewöhnlicher Todesfälle zuständig sein soll, ist unfassbar. Wie soll so eine Kultur des Vertrauens entstehen? Und wenn solcherlei selbst unter massiv erhöhter öffentlicher Aufmerksamkeit passiert: Wie sieht es erst aus, wenn niemand hinsieht?</p>



<p>Neben dem USZ wird&nbsp;die Rolle der Universität (UZH)&nbsp;bisher zu wenig beleuchtet. Auch Beatrice Beck-Schimmer, Direktorin universitäre Medizin, und Dekan Frank Rühli tragen grosse Mitverantwortung für die Wahl von Maisano. Sie müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie klinische Fähigkeiten, Soft Skills und Führungskompetenz gegenüber den wissenschaftlichen Angaben Maisanos und dem erhofften Renommee für die UZH zu wenig stark gewichteten.</p>



<p>Weiter bleiben folgende Fragen offen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wer hat von unrechtmässigen Beteiligungen finanziell profitiert? Um welche Summen handelt es sich? Hat beispielsweise die USZ-Foundation Gelder von Firmen bekommen, bei denen Maisano involviert war? Was wurde damit finanziert?</li>



<li>Wer hat indirekt von den Zuständen profitiert und sie durch Wegschauen ermöglicht? War die Ethikkommission über Maisanos Forschungsvorhaben informiert oder wurde sie übergangen? Falls sie involviert war, wie hat sie das Forschungsvorhaben beurteilt und eingestuft?</li>



<li>Wie kam das fragwürdige Gutachten der Kanzlei Walder Wyss zustande, das dem Spital bescheinigte, es seien keine Patient:innen zu Schaden gekommen? Welche Verantwortung übernimmt die Kanzlei für diese folgenschwere Aussage?</li>
</ul>



<p>Auch die&nbsp;Politik&nbsp;hat kein Ruhmesblatt abgegeben und tut sich teilweise bis heute schwer, ihre Verantwortung zu sehen: Der ehemalige Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger war involviert. Seine Nachfolgerin Natalie Rickli <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/usz-skandal-natalie-rickli-zum-maisano-skandal1-189478079410" target="_blank" rel="noreferrer noopener">versucht sich&nbsp;als Aufräumerin darzustellen</a>, der aber die Hände gebunden gewesen seien. Das ist schwer nachvollziehbar, denn in jeder Sitzung des USZ-Spitalrats sitzt eine Vertretung der Gesundheitsdirektion.</p>



<p>Grosse Teile des&nbsp;Zürcher Kantonsrats&nbsp;waren offensichtlich ebenfalls geblendet vom Starkult um Maisano. In der Ratssitzung nach Veröffentlichung des&nbsp;<a href="https://www.usz.ch/app/uploads/2026/05/Bericht_UK16-20.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Untersuchungsberichts vom 29. April</a>&nbsp;war von den Parlamentarier:innen berechtigter Dank an die Investigativjournalisten des &#171;Tages-Anzeigers&#187; zu vernehmen, die massgeblich zur Aufklärung des Falls beigetragen hatten. Das sah 2021 noch ganz anders aus: Damals kam von den Bänken eine regelrechte Medienschelte.</p>



<p>Immerhin: Sechs Jahre nach Francesco Maisanos Entlassung gibt es&nbsp;glaubwürdige Anzeichen für einen Kulturwandel. Wie die USZ-Spitze mit CEO Monika Jänicke und Spitalratspräsident André Zemp den Fall aufgearbeitet und die Ergebnisse kommuniziert hat, verdient Respekt. Die inakzeptablen Vorkommisse und das Leiden der Betroffenen werden anerkannt, auch das Führungsversagen öffentlich benannt. Auch Maisanos Nachfolgern Paul Vogt und Thierry Carrel gebührt ein Teil der Anerkennung für diesen Prozess. Wenn die Zusagen der Spitalleitung zur vollständigen Aufarbeitung des Falls und zu nötigen strukturellen Anpassungen eingelöst werden, bestehen realistische Aussichten auf eine nachhaltige Entwicklung der Spitalkultur weg vom «Haifischbecken» zu einer Institution, in der Forschung und Renommee durch den Kernauftrag eines jeden Spitals begrenzt werden: das Bestmögliche für die Gesundung der Patient:innen zu tun.</p>



<p><strong>4. Es braucht einen neuen und verbindlichen Verhaltenskodex –&nbsp;und eine unabhängige Meldestelle als Frühwarnsystem.</strong><br><br>Was es dafür ganz sicher braucht, ist ein verbindlicher&nbsp;Code of Conduct, wie ihn <a href="https://www.menschenmedizin.ch/manifest/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die AMM fordert</a>. Das Gesundheitswesen gehört uns allen. Niemand darf sich bereichern, das System ausnützen, seine Macht missbrauchen. Dazu gehört auch die Verantwortung der Mitarbeitenden. Mit Hannah Arendt gesprochen: Sie haben kein Recht zu gehorchen, kein Recht zu schweigen, wenn sie Fehlverhalten bemerken. Kulturänderung im Gesundheitswesen geht nur, wenn die, die um Missstände wissen, sie melden.</p>



<p>Es darf aber auch nicht sein, dass Abhängigkeiten und fehlende Meldemöglichkeiten frühzeitige und konsequente Aufklärung verhindern: Der Fall Maisano zeigt überdeutlich, dass es eine unabhängige Stelle braucht, bei der Missbräuche gemeldet werden können – durch Patient:innen, aber auch durch Spitalangestellte oder wer immer konkrete Hinweise auf medizinisches oder strukturelles Fehlverhalten hat.</p>



<p>Eine&nbsp;unabhängige, auf das Gesundheitswesen spezialisierte Ombudsstelle (oder auch: Melde- und Triagestelle, wie sie der Zürcher Kantonsrat gerade debattiert), die Patient:innen und Gesundheitsfachpersonen gleichermassen zur Verfügung steht, ist ein unverzichtbares Element dafür, solche Missbräuche in Zukunft zu verhindern. Die AMM fordert eine solche Stelle schon seit 2020, zum Beispiel auch&nbsp;<a href="https://menschenmedizin.us9.list-manage.com/track/click?u=eca3e23698a2003e3d24e3f67&amp;id=0d59e16e4d&amp;e=1b0be7f6d8" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in diesem Artikel, der vor fast genau sechs Jahren erschienen ist</a>&nbsp;(im PDF auf der zweiten Seite rechts). Es ist dem Kanton Zürich zu wünschen, dass er die Melde- und Triagestelle umsetzt – ausgestattet mit den nötigen Mitteln und Kompetenzen. Dies hätte eine Signal- und Vorbildwirkung für das gesamte Schweizer Gesundheitssystem. Wir fordern, dass die Triagestelle aus einem interprofessionellen Team besteht, mit Vertretungen aus Ärzteschaft, Pflege, Therapien, Psychologie und Management. Es sollen unabhängige Fachpersonen vertreten sein, die sich ausgewiesen haben durch fachlich und ethisch vorbildliches Verhalten sowie für ein Engagement für das Gesundheitswesen als Ganzes.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://insideparadeplatz.ch/2026/05/28/cardioband-skandal-the-inside-job/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Cardioband-Skandal: The Inside Job</a>, Inside Paradeplatz vom 28.5.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/geheimniskraemerei-laesst-patienten-im-ungewissen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geheimniskrämerei lässt Patienten im Ungewissen</a>, Infosperber vom 28.5.2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Schweiz als Magnet der weltweiten Kaufkraft</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-schweiz-als-magnet-der-weltweiten-kaufkraft/</link>
					<pubDate>Thu, 28 May 2026 07:27:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="sf" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf.png 869w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wer mit tiefen Steuern die Reichen ins Land lockt, muss auch Platz für deren «Dienstboten» schaffen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die Ausgangslage ist klar. Wir betreiben eine Wirtschaftspolitik, die unser Land mit tiefen Steuern und guten Rahmenbedingungen zu einem Magnet für die weltweite Kaufkraft machen soll – für gut bezahlte Zuwanderer und reiche Steuerflüchtlinge. Als Folge davon sind zwischen 2014 und 2024 im Schnitt pro Jahr 86&#8217;000 Arbeitskräfte (ohne Asylbewerber) samt ihren Angehörigen zugewandert.</p>



<p>Damit verfolgen nicht nur die bürgerlichen Parteien zwei Zwecke. Erstens den demographischen: Die Zuwanderer sollen die Arbeit machen, die alt gewordene Einheimische nicht mehr machen. So verbessert sich das Verhältnis von Aktiven zu Rentnern. Zweitens sollen reiche und gutverdienende Zuwanderer die Staatskassen füllen und das Bruttoinlandprodukt steigern.</p>



<p>Punkto Staatskasse geht die Rechnung auf. Das gilt nicht nur für Zürich, Zug, Nidwalden, Luzern und andere bekannte Steuerparadiese. Auch das biedere Adliswil ZH, der Wohnort des Autors, profitiert: Die Rechnung 2025 schliesst mit einem nicht budgetierten Überschuss von 8,6 Millionen Franken ab. Der Grund: Die Quellensteuer auf die neu Zugezogenen brachte 8,4 Millionen Franken mehr ein als erwartet und hat die Steuerkraft pro Einwohner um 20 Prozent erhöht.</p>



<p>Auch die demographische Rechnung geht auf – zumindest auf den ersten Blick. Die Zuwanderer arbeiten im Schnitt 1200 Stunden pro Jahr. Die erwachsenen «Urschweizer», worunter viele Rentner und Teilzeitler, bringen es ihrerseits im Schnitt nur auf 950 Stunden pro Jahr. Damit verbessert die Einwanderung das Verhältnis von Aktiven zu Rentnern. Das ist ihr Zweck.</p>



<p><strong>Die Folgen der hohen Kaufkraft</strong></p>



<p>Der Haken dabei: In der Geldwelt der Ökonomen und Wirtschaftspolitiker ist mehr Kaufkraft gleichbedeutend mit einem höheren Bruttoinlandprodukt und höheren Steuereinnahmen. In der realen Welt liegt der Clou der hohen Kaufkraft aber darin, dass Gutverdienende damit viele weniger Kaufkräftige für sich arbeiten lassen können. Ein Reicher kommt nie allein. Er zieht ein paar Bedienstete mit sich und schickt die voran, die sein Quartier bestellen müssen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="869" height="522" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf.png" alt="sf" class="wp-image-699907" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf.png 869w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf-768x461.png 768w" sizes="auto, (max-width: 869px) 100vw, 869px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eher Fluch als Segen: reiche Zuwanderer</figcaption></figure>



<p>Beispiel: Zwei hochqualifizierte Mustereinwanderer mit je 1200 Arbeitsstunden zu 180 Franken können sich für keine 20 Prozent ihres Einkommens von monatlich 36&#8217;000 Franken eine 168 Quadratmeter grosse Wohnung im Zürcher Nobelquartier Fluntern leisten, wie eine Recherche bei homegate.ch zeigt. Die entsprechenden Baukosten liegen bei rund 800&#8217;000 Franken. Angesichts einer durchschnittlichen Stundenproduktivität von 30 Franken im Baugewerbe, entspricht dies einem Arbeitsaufwand von 26&#8217;600 Stunden. Das ist das elffache der Arbeitsleistung der beiden Mieter.</p>



<p><strong>Mehr Schulen, mehr Strassen, mehr Spitäler</strong></p>



<p>Dazu kommen aber weitere Installationskosten. Die Zuwanderer brauchen Arbeitsplätze, Schulen für die Kinder, Spitäler, Strassen et cetera. Zudem beansprucht auch ihr laufender Konsum Arbeitskräfte. In der Schweiz sind diese knapp. Daher kann ein gut bezahlter Einwanderer alles in allem weitere 15 Immigranten und Grenzgänger hinter sich herziehen. Und auch diese brauchen Wohnungen, Arbeitsplätze, Infrastruktur. Mit der Aufenthaltsbewilligung für einen Gutbetuchten schaffen wir im Rahmen der Personenfreizügigkeit die Voraussetzung für viele weitere Zuzüger oder Grenzgänger.</p>



<p>Einverstanden: Die Installationskosten fallen nur einmal an. Die von ihnen ausgelöste Einwanderungswelle verebbt irgendwann. Aber der Prozess läuft auch deshalb aus dem Ruder, weil weitere, schwer kontrollierbare Treibkräfte der Einwanderung am Werk sind: Die Ungleichheit etwa. Wer 200 Franken pro Stunde verdient, kann auch mit dem laufenden Konsum zwei Arbeitskräfte zu 50 Franken für sich arbeiten lassen. Oder die steigenden Mieten, die dafür sorgen, dass Wohnhäuser schon nach wenigen Jahrzehnten von importierten Bauarbeitern abgerissen und neu gebaut werden.</p>



<p><strong>Auch Backstein, Beton und Blech</strong></p>



<p>Doch das reale Einmaleins der Einwanderung rechnet sich nicht nur in Arbeitszeit, sondern auch in Backstein, Beton und Blech. Hohe Zuwanderung verstärkt den Wohnungsbau, führt zu mehr Autos auf unseren Strassen, mehr öffentlichem Verkehr, mehr Kraftwerken, Schulhäusern, Abfall. Angenommen, die Infrastruktur wüchse im Gleichschritt mit der Bevölkerung, dann hiesse das Jahr für Jahr 48&#8217;000 zusätzliche Autos, 48&#8217;000 neue Wohnungen und fast zehn Quadratkilometer mehr Verkehrsfläche.</p>



<p>Die Schweiz als Magnet für die globale Kaufkraft – kann diese Strategie aufgehen? Die Befürworter des Weiter-So behaupten, dass uns das mehr Wachstum beschert habe. Sie zitieren dazu gerne diese <a href="https://www.research-collection.ethz.ch/server/api/core/bitstreams/8a75dffe-df58-432c-8a12-5e8001a85ce6/content" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a> der Konjunkturforschungsstelle der ETH. Doch deren Fazit ist ernüchternd: «Das Freizügigkeitsabkommen erhöhte das Wachstum des realen BIP pro Kopf um 0,13 Prozentpunkte.» Gemessen an dem durch die Einwanderung (der Kaufkräftigen) verursachten Anstieg der Mieten ist das nicht einmal ein Tropfen auf einen heissen Stein.</p>



<p><strong>Die Folgen sind ungewiss</strong></p>



<p>Ernster zu nehmen ist das Argument, dass die Folgen einer anderen, die Einwanderung bremsenden, Politik ungewiss seien – und sogar im Chaos enden könnten. Diese Diskussion muss geführt werden. Doch dazu müsste man das Chaos, das die Zauberlehrlinge der Einwanderung jetzt schon anrichten mit dem möglichen künftigen vergleichen – und zwar nicht nur in Franken und Rappen, sondern auch in Backstein, Beton und Blech.</p>



<p>Doch diese Diskussion wird nicht geführt. So argumentiert etwa die «NZZ am Sonntag»: Entscheidend für das Zusammenleben in einem Staat sei allein «die Frage, ob die Infrastruktur mit dem Bevölkerungswachstum mithält» und «ob wir ja sagen, zu mehr Wohnungen, mehr Energieanlagen und zum Ausbau der Infrastruktur.» Kein Wort davon, dass dieser Ausbau noch mehr Bevölkerungswachstum und noch mehr Dichtestress auslöst. Dass er noch reichere Bodenbesitzer und noch mehr vertriebene Mieter hinterlässt. All das übersieht man leicht, wenn man sich die Welt in Geld malt.</p>



<p>Kommen wir noch zu einem der wichtigsten Argumente der Gegner der «Chaosinitiative» – zum hohen Bedarf an Pflegepersonal. Bundesrat Beat Jans von der SP brachte es im <a href="https://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/bundesrat-beat-jans-warnt-svp-initiative-kann-ihre-gesundheit-gefaehrden-ld.4154312" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Interview</a> mit der «BZ Basel» so auf den Punkt: «Das Unispital müsste man von heute auf morgen schliessen.» In der Tat fällt die Einwanderung in dieser Branche mit jährlich gut 7000 Personen relativ hoch aus. Der Bedarf ist offensichtlich vorhanden.</p>



<p><strong>Pflegepersonal fehlt anderswo</strong></p>



<p>Das Problem dabei ist allerdings, dass dieses Pflegepersonal durchwegs aus Ländern stammt, in denen der Bedarf noch viel grösser ist. Laut OECD kommen in der Schweiz auf 1000 Einwohner 18,4 Pflegefachkräfte. In Deutschland und Frankreich sind es nur rund 12 und in Italien gar nur etwa 6 – also nur ein Drittel. Wo bleibt da die internationale Solidarität?</p>



<p>Diese Frage müssten sich alle Sozialdemokraten in der Schweiz und in der EU stellen. Personenfreizügigkeit heisst im Endeffekt, dass viele europäische Regierungen es unterlassen, die regionale und die nationale Nachfrage zu fördern und Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. Mit der Folge, dass fast alle Randgebiete der EU veröden, dass rumänische Krankenpflegerinnen ihre Familien und Grosseltern im Stich lassen und eine weite Reise auf sich nehmen, um in Zürich oder München <em>einen</em> Oldie zu pflegen und mehr zu verdienen.</p>



<p>Was ist die Alternative? Wie können wir unsere Alterslast im Rahmen halten, ohne anderen – ärmeren – Ländern die Aktiven und die guten Steuerzahler abspenstig zu machen? Kurzfristig geht das, indem wir die Produktivität weiter steigern und das Rentenalter um einige Jahre erhöhen. Mittelfristig müssten wir aber auch über eine Erhöhung der Geburtenrate nachdenken. Tragbare Mieten dank weniger Einwanderung könnten dazu einen wichtigen Beitrag leisten.</p>



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														</item>
							<item>
					<title>Für ADHS, Depression, Autismus gibt es keine klaren Diagnosen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/fuer-adhs-depression-autismus-gibt-es-keine-klaren-diagnosen/</link>
					<pubDate>Wed, 27 May 2026 08:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=700967</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bepolare-Stoerung-142937881.x-e1779036229240-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Man suffering emotional pain" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bepolare-Stoerung-142937881.x-e1779036229240-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bepolare-Stoerung-142937881.x-e1779036229240-1024x613.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bepolare-Stoerung-142937881.x-e1779036229240-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bepolare-Stoerung-142937881.x-e1779036229240.jpg 1495w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Selbst bipolare Störungen kann weder ein Gen- noch ein Bluttest feststellen, warnt ein auf Diagnosen spezialisierter Psychiater.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Alle diese Diagnosen beruhen auf Gesprächen, Beobachtungen und Einschätzungen darüber, ob Verhalten und Erleben einer Person zu einem bekannten Muster passen. Patientinnen und Patienten dürfen nicht davon ausgehen, dass ein Psychiater– ähnlich wie bei einer Infektion oder genetischen Krankheit – eine klar identifizierbare Störung im Gehirn «finden» kann. Für psychische Erkrankungen gibt es weder einen Gen- noch einen Bluttest. Das sagt Psychiater Awais Aftab, der sich auf psychiatrische Diagnosen spezialisiert hat.</p>



<p>Die Diagnosen, die im amerikanischen Handbuch DSM und der europäischen <a href="https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/_node.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ICD-11</a> von der WHO definiert sind, dienen hauptsächlich dazu, dass Krankenkassen die Behandlungen zahlen müssen. «Die Diagnose-Definitionen in diesen Handbüchern sind unwissenschaftlich und willkürlich», schrieb Peter C. Gøtzsche in seinem 2016 erschienenen Buch <a href="https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1038443760?ProvID=10917735&amp;gclsrc=aw.ds&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=15425760223&amp;gbraid=0AAAAADpVXc5GXXKjIRcwVyWBJSFe3joMc&amp;gclid=EAIaIQobChMI98uOnszClAMVi6KDBx0FQzkCEAAYASAAEgIYOvD_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Tödliche Psychopharmaka»</a>.</p>



<p>In der «New York Times» zählte Aftab auf, was Patientinnen und Patienten wissen sollten:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Grauzonen und Schwellenwerte<br></strong>Psychische Symptome sind unter der Bevölkerung ähnlich verteilt wie etwa Intelligenz oder Körpergrosse. Diagnosen sind Schwellenwerte in einem fliessenden Spektrum.</li>



<li><strong>Symptome verstärken sich gegenseitig</strong><br>Es sind selbst verstärkende Wechselwirkungen zwischen Symptomen, die&nbsp;psychische Störungen entstehen lassen. Beispiel: Schlaflosigkeit&nbsp;→&nbsp;Nervosität&nbsp;→&nbsp;Erschöpfung&nbsp;→&nbsp;sozialer Rückzug&nbsp;→Grübeln&nbsp;→&nbsp;weitere Schlafprobleme.</li>



<li><strong>Offene Entwicklung und Stadien</strong><br>Frühe Symptome sind unspezifisch und können sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Ein ängstlicher Jugendlicher kann später Depression, eine Angststörung, Sucht, Psychose oder gar keine Störung entwickeln. Frühe Diagnosen sind daher häufig unsicher.</li>



<li><strong>Kontext und Lebensanforderungen zählen</strong><br>Viele Probleme entstehen nicht aus einer «inneren Störung», sondern aus einem Missverhältnis zwischen individuellen Eigenschaften und äusseren Anforderungen. Beispiel: ADHS-Symptome werden erst unter hoher Belastung klinisch relevant.</li>



<li><strong>Symptome haben eine Bedeutung und Funktion</strong><br>Emotionen wie Angst oder Traurigkeit sind evolutionsbiologisch sinnvolle Signale, warnen beispielsweise vor Gefahren oder signalisieren notwendige Veränderungen. Sie können jedoch «fehlzünden» oder sich verselbstständigen.</li>



<li><strong>Die Persönlichkeit prägt Ausprägung und Therapie</strong><br>Hinter ähnlichen Symptomen können sehr unterschiedliche psychologische Dynamiken stehen, beispielsweise Verlustangst contra Selbstkritik. Deshalb benötigen Patientinnen und Patienten mit gleicher Diagnose oft unterschiedliche Behandlungsansätze.</li>
</ol>



<p>Aftab warnt vor dem Zuweisen von Etiketten. In der Praxis würden Patientinnen und Patienten im Lauf ihres Lebens unterschiedliche Diagnosen erhalten – auch je nach Perspektive des Psychiaters oder der Psychologin.</p>



<p>Deshalb laute die ehrliche Antwort auf die Frage «Welche Störung habe ich wirklich?» oft: «Keine eindeutige – gleichzeitig mehrere, die teilweise zutreffen.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Psychische Störungen sind häufig keine Krankheit</h2>



<p>Es gibt kein definiertes psychisches Krankheitsbild, sondern nur Symptome, die das Leben eines Menschen beeinträchtigen, schrieb Peter C. Gøtzsche in seinem Buch <a href="https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1038443760?ProvID=10917735&amp;gclsrc=aw.ds&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=15425760223&amp;gbraid=0AAAAADpVXc5GXXKjIRcwVyWBJSFe3joMc&amp;gclid=EAIaIQobChMI98uOnszClAMVi6KDBx0FQzkCEAAYASAAEgIYOvD_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Tödliche Psychopharmaka»</a>. Diese Symptome seien ständig weiter gefasst worden, so dass man mehr Menschen auf Kosten der Krankenkassen Psychopharmaka verkaufen könne: «Stimmungsschwankungen kommen bei normalen Menschen oft vor. Die Pharmaindustrie nutzt diese Tatsache geschickt, um Ärzten einzureden, viele depressive Menschen hätten eine bipolare Störung.» </p>



<p>Die US-Behörde&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Centers_for_Disease_Control_and_Prevention" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Centers for Disease Control and Prevention</a>, die für die öffentliche Gesundheit zuständig ist, stellte im Jahr 2010 fest, dass neun Prozent der befragten Erwachsenen die Kriterien für Depression erfüllen würden. Für die Definition einer Depression genügte es, wenn man in den vergangenen zwei Wochen acht Tage lang wenig Interesse oder Spass daran hatte, etwas zu tun. Dazu musste eines der folgenden Symptome kommen: Schlafstörung, Nervosität, Unruhe, Appetitlosigkeit oder – im Gegenteil – zu üppiges Essen.&nbsp;Gøtzsche hält dies für unvernünftig: «Wenn die Freundin mit ihm Schluss macht, fühlt sich ein Jugendlicher während der gesamten zwei Wochen mies, schläft schlecht und isst wenig oder zu viel.»</p>



<p>Angst wiederum sei in der Regel ein psychisches Problem. Eltern wüssten gut, wie man mit Angst von Kindern umgehe.</p>



<p>Den heute massiven Einsatz von Psychopharmaka nennt der Wissenschaftler «die schlimmste Arzneimittelepidemie aller Zeiten». Nicht nur das Einnehmen sei gefährlich, sondern auch das unsorgfältige und rasche Absetzen. Statt dass die Kassen so viele Psychopharmaka bezahlen, sollten sie mehr für Psychotherapien beitragen, forderte Gøtzsche.</p>
</div>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png" alt="Spendenbalken blau" class="wp-image-699999" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/pharmafirmen-luegen-und-sind-kriminell/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Peter C. Gøtzsche: «Pharmafirmen lügen und sind kriminell.»</a> Infosperber vom 15. November 2014</li><li><a href="https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1055533124?ProvID=10917735&amp;gclsrc=aw.ds&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=14759909006&amp;gbraid=0AAAAADpVXc6f3k8mkP8URc7VTAwWYF4iM&amp;gclid=EAIaIQobChMI3uKn6tbClAMV8IuDBx258ymjEAAYASAAEgIo4PD_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Amrei Wittwer: «Warum ADHS keine Krankheit ist»</a>, Hirzel-Verlag 2019</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/die-autismus-epidemie-ist-eine-schimaere/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Autismus-Epidemie ist eine Schimäre</a>, Infosperber vom 5.4.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/jedem-seine-diagnose-ein-irrweg-der-medizin/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jedem seine Diagnose – ein Irrweg der Medizin</a>, Infosperber vom 17.8.2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/3cda9ce0bcad4b0cbaff92a594d94a5c" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Angriffe aufs Arbeitsrecht: mehr arbeiten, weniger Lohn</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/angriffe-aufs-arbeitsrecht-mehr-arbeiten-weniger-lohn/</link>
					<pubDate>Wed, 27 May 2026 08:25:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=701843</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="199" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-21-um-16.37.21-300x199.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Putzen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-21-um-16.37.21-300x199.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-21-um-16.37.21-768x509.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-21-um-16.37.21.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mindestlöhne unterbieten, flexible Arbeitszeiten reduzieren, mehr Sonntagsarbeit – die Lobbyisten geben Gas.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><em>Red. –&nbsp;Dies ist ein Gastbeitrag von&nbsp;<a href="https://www.rudolfstrahm.ch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rudolf Strahm</a>,&nbsp;ehemaliger Preisüberwacher und alt SP-Nationalrat.&nbsp;Sein Artikel erschien zuerst in der «<a href="https://www.handelszeitung.ch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Handelszeitung</a>». Infosperber veröffentlicht hier eine erweiterte Fassung.</em></p>



<p>_____________________</p>



<p>Derzeit steht im Bundesparlament eine ganze Kaskade von arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen unter Abbau- oder Verschlechterungsdruck. Die Arbeitsverhältnisse stehen in direkter Wechselwirkung mit der kostspieligen Personalfluktuation und dem Fachkräftemangel.</p>



<p><strong>Keine Hilfe für das Pflegepersonal</strong></p>



<p>Wir haben einen manifesten Personalnotstand in der Pflege. Das Personal leidet unter der Unterbesetzung von Fachkräften aller Stufen. Mit der ständigen Folge von unerwünschter Überzeit, Überforderung, Übermüdung, Stress und dem Gefühl des Ungenügens. Jährlich verlassen tausende ausgebildeter Pflegefachfrauen den Pflegeberuf. Nahezu 60 Prozent der Pflegefachkräfte arbeiten Teilzeit, nach eigener Begründung, damit sie den Berufsanforderungen genügen können.</p>



<p>Dieser Mangel an ausgebildeten Fachangestellten Gesundheit und Betreuung (FaGe und FaBe) ist auch hausgemacht. Denn nach Ausweitung der Personenfreizügigkeit 2007 haben die Spitaldirektoren zunehmend ausgebildete Fachkräfte im Ausland rekrutiert, ohne Bewilligung und kostenfrei, statt eigene Fachkräfte im Land auszubilden. Spitaldirektoren erzählten stolz, sie hätten in Brandenburg und Ostdeutschland Inserate platziert, seien dann für eine Woche in ein Hotel nach Berlin gereist und mit einem Dutzend Zusagen gut ausgebildeter Pflegefachkräfte zurückgekehrt. Nach dem Lehrstellenbarometer des SBFI sind nach 2010 aber Jahr für Jahr in der Schweiz mehrere tausend ausbildungswillige junge Schulabgängerinnen als Pflegefach-Lernende abgewiesen worden.</p>



<p>Nicht zuletzt wegen des Pflegenotstands ist im November 2021 die eidgenössische Pflegeinitiative angenommen worden. Die Stimmbürger hatten wohl eine Pflegeverbesserung in Spitälern und Heimen erwartet. In einer ersten Vollzugsetappe wurden Mitte 2024 zusätzliche Ausbildungsbeiträge beschlossen. Doch die zweite, grössere Etappe mit dem Ziel, die Arbeitsverhältnisse zu verbessern und attraktiver zu machen, um das Personal im Pflegeberuf zu halten, ist nach fünf Jahren noch nicht umgesetzt.</p>



<p><strong>Verbesserung der Arbeitsverhältnisse: fast null</strong></p>



<p>Zwei Runde Tische zur Arbeitsverbesserung im Pflegebereich ergaben wenig Ergebnisse. Darauf präsentierte der Bundesrat im Februar dieses Jahres eigene Anträge ans Parlament. Sie wurden in der Mai-Session im Nationalrat behandelt. Doch das Parlament handelte nicht klug: Die Bundesratsanträge wurden nach dem Lobbying des Spitalverbands H+ und einiger Krankenversicherer fast durchs Band abgeschmettert. An Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse in den Spitälern und Heimen resultierte fast nichts:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Keine Reduktion der wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 50 auf 45 Stunden – während im Büro und in der Industrie 45 Wochenstunden gelten.</li>



<li>Keine Erhöhung der Überstunden-Abgeltung.</li>



<li>Ablehnung der Bundesratskompetenz, die Normalarbeitszeit auf 40 bis 42 Wochenstunden flexibel festzulegen. Der Nationalrat entschied fix 42 Stunden.</li>



<li>Ablehnung einer Bundesratskompetenz, die Obergrenze für die Zahl der Überstunden zu senken und der Möglichkeit, diese flexibel mittels Freizeit auszugleichen.</li>



<li>Limitierung des Sonntagsarbeits-Lohnzuschlags auf 25 Prozent, statt flexibel bis 50 Prozent.</li>



<li>Keine längeren personalfreundlichen Ankündigungsfristen von Dienstplänen, damit das Personal seine Ferien und Absenzen besser planen kann. Wenn die Ankündigung kürzer als zwei Wochen erfolgt, beträgt der Ausgleich 25 Prozent.</li>



<li>Überwälzen der Mehrkosten der Arbeitsverbesserungen später auf die Tarife der Krankenkassen, also die Prämienzahler und Kantone. In der Übergangszeit beteiligen sich Bund und Kantone an den Mehrkosten.</li>



<li>Kein Klagerecht von Arbeitnehmerverbänden auf Feststellung von Gesetzesabweichungen.</li>



<li>Keine Pflicht zur Aufstellung von Überwachungskommissionen in jedem Kanton, analog zu den tripartiten Kommissionen bei den flankierenden Lohnschutzmassnahmen.</li>
</ul>



<p>In den Vorberatungen orchestrierte die FDP-Nationalrätin Regine Sauter, ihres Zeichens Präsidentin des Spitalverbands H+, die Gesetzesbehandlung im Hintergrund, ohne nach aussen aufzutreten. Sie ist seit Anfang 2026 gleichzeitig Präsidentin der vorberatenden Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit. Im Parlament sind die Krankenversicherungsgesellschaften gemäss Lobbywatch mit insgesamt 29 Parlamentsmitgliedern vertreten.</p>



<p><strong>GAV-Tiefstlöhne sollen gesetzliche Mindestlöhne unterbieten</strong></p>



<p>Ein weiterer Angriff auf das Arbeitsrecht wurde mit einer Motion des Obwaldner Mitte-Ständerats Erich Ettlin ausgelöst. Er hat auch Einsitz in der schweizerischen Gewerbekammer. Das Gesetz über die Gesamtarbeitsverträge (GAV) soll aufgrund der Motion Ettlin so abgeändert werden, dass die in den GAV vereinbarten Tiefstlöhne Vorrang erhalten vor den gesetzlichen Mindestlöhnen in den Kantonen und Städten. Letztere sind meist durch Volksentscheide beschlossen worden. Diese liegen meist auf dem Niveau von 20 bis 23 Franken pro Stunde. GAV-Tieflöhne sind in einigen Branchen tiefer. Die Motion Ettlin trifft etwa zu zwei Dritteln die Arbeitnehmer in den beiden Tieflohnbranchen Gastroszene und Reinigungsfirmen, die mehrheitlich weibliche Migrationspersonen beschäftigen. Diese Verbände wollen dem Trend entgegenwirken, dass immer mehr Städte und Kantone gesetzliche Mindestlöhne einführen, um in ihrer Region dem Lohnprekariat entgegenzuwirken. </p>



<p>Die Gewerkschaften bekämpfen diese gesetzliche Lohnunterbietung vehement. Aber sie geraten dabei in ein Dilemma. Denn die Gesamtarbeitsverträge galten bisher als Leuchttürme der Sozialpartnerschaft. Die GAV regeln nicht nur die Löhne in der Branche, sondern auch Sozialleistungen, Ferien und Freizeit, Arbeitszeiten sowie Abwesenheits- und Krankheitsentschädigungen. In der Auseinandersetzung «GAV-Lohn gegen gesetzlichen Mindestlohn» müssen die Gewerkschaften die Unterbietung mit GAV-Löhnen zwar ablehnen, dürfen aber die GAV konzeptionell nicht schlechtreden.</p>



<p><strong>Noch mehr Sonntags-Kommerz</strong></p>



<p>Ein weiterer Angriff auf die Arbeitswelt betrifft die Sonntagsarbeit. Der Bundesrat hat vor zwei Wochen entschieden, die Standesinitiative des Kantons Zürich zu unterstützen und schweizweit die zulässigen Sonntagsverkäufe von 4 auf 12 Sonntage pro Jahr auszudehnen. Dies zusätzlich zu den bereits regulären Sonntagsverkäufen in Bahnhöfen, Tankstellen und Sondergenehmigungen. Der Kampf um ständige Ausweitung der Ladenöffnungszeiten geht weiter.</p>



<p><strong>Tiefflug des Arbeitgeberverbands</strong></p>



<p>Dem Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) ist die Flexibilisierung der Arbeitszeiten ein Dorn im Auge. Der seit 2023 amtierende SAV-Präsident Severin Moser löste eine Kampagne aus gegen die sogenannten «Lifestyle-Teilzeitarbeitenden». Umgerechnet 86’000 Vollzeitstellen würden durch die Teilzeit-Modelle der über 50-Jährigen verloren gehen. Mit der selbst erfundenen Killerphrase von «Lifestyle-Teilzeit» sollten die Arbeitsflexibilisierung durch Teilpensionierungsmodelle der Älteren und die familiären Bedürfnisse der jüngeren Frauen madig gemacht und mit dem Etikett von Lifestyle-Faulheit und Verantwortungslosigkeit diskreditiert werden.&nbsp;</p>



<p>Dabei war die Teilzeitarbeit der wichtigste Faktor, dass die Erwerbsbeteiligung der Frauen und Älteren gesteigert werden konnte. 43 Prozent der Beschäftigten zwischen 25 und 39 Jahren (wovon zwei Drittel Frauen) begründen ihre Teilzeitbedürfnisse mit der Kinderbetreuung.&nbsp;</p>



<p>Die Arbeitsverhältnisse und Bedürfnisse wandeln sich rasch. Es braucht mehr Klugheit in der Arbeitsgestaltung mit mehr Sensibilität für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Arbeitnehmenden. Aber die Funktionäre und Lobbyisten des Arbeitgeberverbands halte man besser fern von der Problemlösung!</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/pflegende-und-aerzte-aus-dem-ausland-nur-auf-kosten-der-armen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pflegende und Ärzte aus dem Ausland: Nur auf Kosten der Armen</a>, Infosperber vom 16.5.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/der-markt-wirds-schon-richten-nur-bitte-nicht-bei-den-loehnen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Markt wird’s schon richten – nur bitte nicht bei den Löhnen</a>, Infosperber vom 3.5.2026</li><li>Weitere Artikel von Rudolf Strahm:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/author/rudolf-strahmbluewin-ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bitte hier klicken</a>.</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Rudolf Strahm ist ehemaliger SP-Nationalrat und eidgenössischer Preisüberwacher. Er wirkte von 1991 bis 2004 als Präsident des Deutschschweizer Mieterverbandes sowie sieben Jahre als SP-Zentralsekretär.<em><em> Er präsidierte&nbsp;von 1991 bis 2004 Präsident den Deutschschweizer Mieterverband und war sieben Jahre als SP-Zentralsekretär.</em></em>&nbsp;<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Und wem sagt man danke?»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/und-wem-sagt-man-danke/</link>
					<pubDate>Wed, 27 May 2026 08:15:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-Infantino-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach Pitch Infantino" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-Infantino-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-Infantino-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-Infantino-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-Infantino.png 1210w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Gianni Infantino und Ignazio Cassis wollen im Gaza-Streifen Mini-Fussballplätze bauen lassen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Zunahme der Bevölkerung bremsen – ganz ohne SVP-Initiative</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/die-zunahme-der-bevoelkerung-bremsen-ganz-ohne-svp-initiative/</link>
					<pubDate>Tue, 26 May 2026 08:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702107</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Franken LeleMezzadri" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939.png 1990w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Am einfachsten wäre eine Aufwertung des Schweizer Frankens. Sie würde erst noch alles aus dem Ausland günstiger machen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Falls der Bund sicherstellen müsste, dass höchstens 10 Millionen Menschen in der Schweiz leben, wie soll das gehen?», fragte Bundesrat Beat Jans am 21. Mai in einem Interview der Tamedia-Zeitungen.&nbsp;</p>



<p>Infosperber gibt mögliche Antworten. Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz soll weniger stark zunehmen als in den letzten Jahren. Doch die Schweiz soll deshalb weder das Schengen-Abkommen noch die bestehenden EU-Verträge kündigen müssen.</p>



<p><br><strong>Die starke Zunahme bremsen</strong></p>



<p>Viele teilen die Meinung von «Sonntagszeitung»-Chefredaktor Arthur Rutishauser:&nbsp;«In Bern müsste man sich darauf konzentrieren, was getan werden könnte, um die Zuwanderung auszubremsen, und zwar so, dass es die bestehenden und auch künftige Verträge mit der EU nicht verletzt. So unmöglich, wie das die meisten behaupten, ist das nicht.»</p>



<p>In eine ähnliche Richtung argumentiert Mitte-Nationalrätin und Fraktionschefin Yvonne Bürgin: «Wir wollen bereits jetzt handeln, nicht erst wenn die Schweiz 9,5 Millionen Einwohner erreicht – unabhängig davon, ob die Initiative angenommen wird oder nicht. Wir brauchen sowieso Antworten, wie wir das Bevölkerungswachstum massvoll steuern können.»&nbsp;</p>



<p>Der Naturschutzverband «Pro Natura» wiederum engagiert sich für einen «Paradigmawechsel weg vom Wachstumszwang», um damit die «Attraktivität der Schweiz als Einwanderungsland zu senken».</p>



<p><br><strong>Die Standort- und Steuerpolitik ändern</strong></p>



<p>«Es gäbe klügere Ideen» (als die SVP-Initiative), um das Wachstum einzudämmen, meinte NZZ-Redaktor Fabian Schäfer. Die Schweiz solle «die künstliche Befeuerung der Zuwanderung» unterlassen, indem sie auf Standortförderung oder Steuervergünstigungen verzichte. Das habe der Wirtschafts-Think-Tank Avenir Suisse vorgeschlagen.</p>



<p>Es seien «die SVP und die Rechten, die mit immer noch niedrigeren Steuern Firmen anlocken», kritisierte Gewerkschaftspräsident Pierre-Yves Maillard: «Die SVP will die Einwanderung nicht wirklich einschränken, weil sie diese braucht: Ständerätin Esther Friedli für ihr Restaurant, Frau Martullo Blocher für ihre Industrieunternehmen, Herr Matter für seine Bank, die Bauern in der SVP für ihre Betriebe.»</p>



<p>«NZZ»-Redaktor Benedict Neff pflichtete Maillard bei. Die SVP sei in Wahrheit eine «Treiberin der Migration»: «Ihre Steuerpolitik befördert den Zuzug internationaler Unternehmen und Fachkräfte.» Das Bekämpfen des Bevölkerungswachstums sei für die SVP «nur ein Vehikel, um die Asylpolitik zu problematisieren».</p>



<p>Fest steht, dass sich dank Standortförderung im Jahr 2025 allein im Grossraum Zürich rund hundert Hightech-Unternehmen angesiedelt haben. Und Pharmafirmen benötigten in den letzten 25 Jahren in der Schweiz fast 25&#8217;000 zusätzliche Arbeitskräfte, die wiederum andere Arbeitskräfte nötig machen.</p>



<p>«Man könnte die Einwanderung relativ einfach drosseln», meinte auch SP-Nationalrat Jon Pult. «Die Schweiz müsste eine weniger aggressive Standort- und Steuerpolitik verfolgen. Wenn wir für das Kapital etwas weniger attraktiv wären, würden automatisch weniger Menschen zuwandern.»</p>



<p>Falls die Schweiz beispielsweise an der OECD-Mindeststeuer festhalte, sei «die Gefahr real, dass amerikanische Konzerne Aktivitäten aus der Schweiz zurück in die USA verschieben», warnte «NZZ»-Redaktor Matthias Benz. Die Schweiz verlöre Abeitsplätze und Steuereinnahmen. Allerdings braucht eine Schweiz mit 9 Millionen Einwohnern auch weniger Steuereinnahmen als eine Schweiz mit 10 oder mehr Einwohnern.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fragwürdige Abgaben oder Eintrittspreise</strong></h2>



<p>Der freisinnige FDP-Ständerat Andrea Caroni brachte eine andere Idee zur Diskussion: Wer in der Schweiz arbeiten will, soll als Lenkungsabgabe eine Art Eintrittspreis bezahlen. Der Preis soll so hoch sein, dass viele potenzielle Einwanderer abgeschreckt werden. Singapur macht es vor: Einwanderer müssen als Eintrittsgebühr monatlich 400 Franken zahlen.&nbsp;</p>



<p>Professor Reiner Eichenberger schlug in vielen Medien Ähnliches vor: Erwachsene Neuzuwanderer sollten in den ersten drei bis fünf Jahren zusätzlich zu den normalen Steuern eine Abgabe von 10 bis 25 Franken pro Tag entrichten, ähnlich wie eine Kurtaxe: «Neuzuwanderer profitieren von gewaltigen Investitionen und Vorleistungen der Inländer.» Wenn die Zuwanderung trotzdem weiter steigen würde, könne man einfach die Abgabe erhöhen.</p>



<p>Allerdings betrachten Eichenberger und Caroni nur die eine Seite der Buchhaltung. Sie übersehen, dass die Schweiz mit den Netto-Zuwanderern viel Geld spart, weil sie die Kosten für deren Erziehung, Unterhalt, Schulung und Ausbildung nicht zahlen muss.</p>
</div>



<h2 class="wp-block-heading"><br><strong>Eine Aufwertung des Frankens</strong></h2>



<p>Es gibt zahlreiche Massnahmen, um bestehende Standortvorteile und -anreize für ausländische Unternehmen zu reduzieren. Beispielsweise kann man Steuervergünstigungen und Subventionen zum Anlocken ausländischer Firmen aufheben. Sie verfälschen eh den Wettbewerb.</p>



<p>Den einfachsten und unbürokratischsten Hebel hat die Nationalbank in der Hand. Statt den Frankenkurs künstlich tief zu halten, indem sie mit Milliardenkäufen ausländische Währungen kauft, könnte sie den Wert des Schweizer Frankens langsam, aber sicher steigen lassen. Doch die Nationalbank hortet Abermilliarden an Dollar und Euro, die sie kaufte, damit sich der Franken nicht aufwertet. Von diesen Abermilliarden profitiert die Schweizer Volkswirtschaft wenig.</p>



<p>Im Gegenteil: Ein stärkerer Franken bringt der gesamten Volkswirtschaft und den Konsumentinnen und Konsumenten grosse Vorteile. Alles aus dem Ausland wird günstiger.</p>



<p>Einzig die in der Schweiz wichtige Exportindustrie wäre einem härteren Wettbewerb ausgesetzt, weil ihre Waren und Dienstleistungen im Ausland teurer würden. Doch so lange die Schweiz viel mehr Güter und Dienstleistungen ins Ausland exportiert, als sie von dort importiert, ist dies zumutbar. </p>



<p>Die Exportindustrie könnte nicht mehr gleich viel exportieren, braucht entsprechend weniger Arbeitsplätze und kann weniger hohe Gewinne machen. Allerdings bestehen Schweizer Exportprodukte wertmässig zur Hälfte aus importierten Rohstoffen und Halbfabrikaten. Diese kann die Exportindustrie dank eines stärkeren Frankens aus dem Ausland günstiger beziehen.</p>



<p>Für «Sonntagszeitung»-Chefredaktor Arthur Rutishauser ist klar:&nbsp;«Wenn man will, kann man die Zuwanderung auch damit begrenzen, dass die Nationalbank aufhört, den Franken künstlich tief zu halten. Dafür hat sie in den letzten zehn Jahren fast 1000 Milliarden investiert. Sie hat damit die Zuwanderung angeheizt, denn in der Exportindustrie und im Tourismus wurden viele Arbeitsplätze geschaffen, die von ausländischen Fachkräften besetzt werden.» Hätte die Nationalbank den Wert des Frankens steigen lassen, «hätte die Industrie ihre Produktionsstätten in die Länder, wo die Immigranten herkommen, also nach Südeuropa und in die Dritte Welt, verlegen müssen. In den Bergen hätten wir weniger Touristen und damit auch weniger Mangel an Mitarbeiterinnen in den Gaststätten.»</p>



<p>Der Franken ist schon lange nicht mehr so stark wie er sein könnte. Der Franken habe sich real, also unter Berücksichtigung der Teuerung, seit den Neunzigerjahren tatsächlich kaum mehr aufgewertet, stellte «NZZ»-Wirtschaftsredaktor Albert Steck fest. Siehe auch Infosperber vom 14.4.2026:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/uebriges-wirtschaft/die-maer-vom-starken-franken-viele-fallen-darauf-herein/">«Die Mär vom starken Franken – Viele fallen darauf herein.»</a></p>



<p>«NZZ»-Redaktor Hansueli Schöchli erinnerte unter dem Titel «Franken-Schock bremst Zuwanderung» an das Jahr 2015: «Der Schock hat die Wirtschaftsentwicklung gehemmt, die Arbeitslosigkeit erhöht und als Folge davon auch die Einwanderung deutlich gebremst. 2016 lag die Nettoeinwanderung so tief wie nie mehr seit zehn Jahren.»&nbsp;</p>



<p><br><strong>Die Kaufkraft von Vermögen und Einkommen steigt</strong></p>



<p>Und unter dem Titel «Wie die Schweizer Nationalbank die Zuwanderung bremsen könnte» gab Adriel Jost, Ökonom am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik an der Universität Luzern, die Antwort: «Mit einer Aufwertung.» Die Wirtschaft brauche «keine künstliche Unterstützung durch die Geldpolitik». Denn: «Lässt die Nationalbank den Franken stärker aufwerten, wächst die Wirtschaft zwar langsamer. Für den Einzelnen hat dies aber weniger Nachteile. Im Gegenteil: Die Kaufkraft von Vermögen und Einkommen steigt.»&nbsp;</p>



<p>Solange Vollbeschäftigung herrsche, «darf die Nationalbank den Fuss vom Gaspedal nehmen und damit die Zuwanderung dämpfen. Genauso wie sie heute unbeabsichtigt die Zuwanderung begünstigt, könnte sie mit dieser Massnahme künftig zur Entspannung der Zuwanderungsdiskussion beitragen.»</p>



<p>Auch der frühere Arbeitsmarktchef des Bundes, Boris Zürcher, spricht sich für einen stärkeren Franken aus: «Der relativ schwache Franken ist zumindest Teil des Problems. […] Das Beschäftigungswachstum steuert man letztlich makroökonomisch über die Geld-, Währungs- und Fiskalpolitik. Es wäre erfolgsversprechender, wenn die Nationalbank einen teureren Franken zulässt.» Allerdings würde man jenen Unternehmen das Leben erschweren, die heute mit ihrer Wertschöpfung einen grossen Teil unseres Wohlstands beitragen». Doch eine gewisse reale Aufwertung des Frankens könne «zum Thema werden». Die Schweiz leide an keinem Zuwanderungsdruck, sondern an einem Zuwanderungssog: «Die Schweiz saugt ausländische Arbeitskräfte auf.»</p>



<p>Ein stärkerer Franken verbessert – ökonomisch ausgedrückt – das Austauschverhältnis zwischen schweizerischen und ausländischen Produkten. Für die gleiche Menge Waren, die wir ins Ausland verkaufen, erhalten wir dank eines stärkeren Frankens eine grössere Menge Waren aus dem Ausland.</p>



<p>Für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten werden alle importierten Produkte, auch Benzin und Heizöl, sowie Dienstleistungen billiger. Deshalb können uns Länder wie Griechenland, Portugal oder die Ukraine mehr verkaufen. Dagegen werden Exporte aus der Schweiz für ausländische Konsumentinnen und Konsumenten teurer.&nbsp;</p>



<p>Zur Exportindustrie gehört auch der Tourismus in der Schweiz: Ein stärkerer Franken macht die Schweiz für Ausländer teurer, was Übertourismus verhindert. Andererseits können Schweizer günstiger ins Ausland reisen.</p>



<p>Als Fazit stellte «NZZ»-Wirtschaftsredaktor Abert Steck fest, die positive Wirkung einer harten Währung auf die Kaufkraft der Konsumenten sei «nicht zu unterschätzen».&nbsp;&nbsp;</p>



<p><br><strong>Gegensätzliche Einschätzungen</strong></p>



<p>Laut Wirtschaftshistoriker Professor Tobias Straumann ist die hohe Einwanderungsrate der Schweiz «nicht alternativlos»: Nehmen wir das Beispiel Dänemark: «Dort ist die Einwanderungsrate wegen der Sprachbarriere deutlich geringer als in der Schweiz. Trotzdem floriert das Land.»</p>



<p>Anderer Meinung ist der frühere Mitte-Präsident Gerhard Pfister: «Die Zuwanderung wird erst dann abnehmen, wenn die Schweiz wirtschaftlich nicht mehr attraktiv ist. Dann würden aber auch Unternehmen abwandern. Wollen wir das wirklich? Oder wollen wir weiterhin den wirtschaftlichen Erfolg und nehmen dafür auch ein Bevölkerungswachstum in Kauf?»</p>



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														</item>
							<item>
					<title>Pestizide zerstören die Zeugungskraft der Männer</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/pestizide-zerstoeren-die-zeugungskraft-der-maenner/</link>
					<pubDate>Tue, 26 May 2026 08:29:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bauer-versprueht-Pestizide.justinb-e1779360560313-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bauer versprüht Pestizide.justinb" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bauer-versprueht-Pestizide.justinb-e1779360560313-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bauer-versprueht-Pestizide.justinb-e1779360560313-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bauer-versprueht-Pestizide.justinb-e1779360560313-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bauer-versprueht-Pestizide.justinb-e1779360560313.jpg 1500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Neue schweizweite Studie bestätigt: In landwirtschaftlichen Gegenden wird die Quantität und Qualität der Spermien immer schlechter.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><a href="https://www.infosperber.ch/public/svp-und-bauernverband-kastrieren-ihre-eigenen-soehne/">«SVP und Bauernverband kastrieren ihre eigenen Söhne»</a>, war die provozierende Aussage des Arztes und Neurologen Lukas Fierz anfangs Oktober 2025. Tatsächlich ist die Zahl der Spermien bei jungen Männern vor allem in Industriestaaten in den letzten fünfzig Jahren auf&nbsp;<a href="https://www.zeit.de/wissen/2022-11/spermien-maenner-fruchtbarkeit-studie-israel">etwa die Hälfte zurückgegangen</a>&nbsp;– auch&nbsp;<a href="https://www.swissinfo.ch/ger/schlechte-spermienqualitaet-in-der-schweiz-beunruhigt-forschende/44980300?nab=1">in der Schweiz</a>.&nbsp;</p>



<p>Die Auswirkungen seien&nbsp;funktionell mit dem Entfernen eines Hodens vergleichbar, schrieb Lukas Fierz in seinem Buch&nbsp;<a href="https://www.exlibris.ch/de/suche/?q=Testosteronkollaps+%E2%80%93+Ursachen%2C+Folgen%2C+Schutz%C2%BB.&amp;searchType=q404">«Testosteronkollaps – Ursachen, Folgen, Schutz»</a>. Gleichzeitig schwinde auch der Testosteronspiegel&nbsp;<a href="https://www.welt.de/gesundheit/article2950001/Hormone-Auch-jungen-Maennern-mangelt-s-an-Testosteron.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">junger Männer</a>&nbsp;und noch mehr der&nbsp;<a href="https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici-dossier/2012/03/Ueberlegungen_zum_Testosteronmangel_bei_aelteren_Maennern.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">älteren</a>&nbsp;– mit erheblichen Folgen.&nbsp;</p>



<p>Eine&nbsp;<a href="https://academic.oup.com/humrep/article/36/7/1948/6174711" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a>&nbsp;an Schweizer Rekruten, welche die Fachzeitschrift «Human Reproduction» bereits im Jahr 2021 veröffentlichte – kurz vor der Abstimmung über die Pestizid- und Trinkwasserinitiativen –, fand den deutlichsten Zusammenhang mit schlechter Spermienqualität bei Bauernsöhnen, deren Mütter während der Schwangerschaft Pestiziden ausgesetzt waren. Ebenfalls besonders betroffen waren Söhne von Kosmetikerinnen und Coiffeusen, die beruflich ebenfalls hormonaktiven Schadstoffen ausgesetzt sind.&nbsp;</p>



<p>Unterdessen hat eine&nbsp;<a href="https://academic.oup.com/humrep/article/40/12/2409/8266739?login=false">neue Studie</a>&nbsp;in der Fachzeitschrift «Human reproduction» bestätigt, dass Pestizide, insbesondere Insektizide, den Spermien schaden: «In dieser landesweiten Studie an jungen Männern in der Schweiz identifizierten wir eine signifikante räumliche Abhängigkeit für alle untersuchten Spermienqualitätsparameter.» Vergleichsweise niedrige Samenwerte habe die Studie «in einem überwiegenden ländlichen und landwirtschaftlichen Gebiet» gefunden.</p>



<p>Eine frühere, in der Fachzeitschrift Jama&nbsp;<a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35175344/">publizierte Studie</a>&nbsp;hätte gezeigt, dass in China «insbesondere Insektizide», aber auch andere Pestizide die Spermienqualität beeinträchtigen.&nbsp;</p>



<p>Fazit der Autoren der neusten Studie: «Weitere Studien sowie unsere Ergebnisse stützen den potenziellen Umwelteinfluss landwirtschaftlicher Flächen auf die Spermienqualität.» Insektizide, die häufig im Feldanbau eingesetzt werden, insbesondere Organophosphate, würden mit einer geringeren Spermienzahl, Mobilität und Morphologie und insbesondere mit einer verringerten Spermienkonzentration in Verbindung gebracht. </p>



<p>Einige Pestizide&nbsp;<a href="https://umweltinstitut.org/landwirtschaft/meldungen/pfas-pestizide-lebensmittel/">enthalten PFAS</a> und setzen diese in Äcker und Umwelt frei.</p>



<p><br><strong>Auch hormonaktive Weichmacher</strong></p>



<p>Neben den hormonaktiven Pestiziden sind die anderen Hauptübeltäter die hormonaktiven Weichmacher (Phthalate), die aus Plastikverpackungen sowie Plastikfolien, in denen Käse, Fleisch, Milch oder Rahm länger verpackt sind, in Lebensmittel und Getränke gelangen.&nbsp;</p>



<p>Fierz spricht von einer «unfreiwilligen Kastration», was «eine schwere Körperverletzung» darstelle – auch wenn sie unvollständig, chemisch oder fahrlässig geschehe. Schwere Körperverletzung sei ein Offizialdelikt, weshalb die Justiz sogar von Amtes wegen (ohne eine Anzeige) einschreiten müsste.</p>



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														</item>
							<item>
					<title>Das grosse Geschäft mit nicht eingelösten Geschenkgutscheinen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konsum/das-grosse-geschaeft-mit-nicht-eingeloesten-geschenkgutscheinen/</link>
					<pubDate>Tue, 26 May 2026 08:28:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Geschenkkarte" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-2048x1229.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mit Gutscheinen macht man den Beschenkten nicht unbedingt einen Gefallen. Sie enden häufig als Geschenk für die Verkäufer.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Gutscheine sind beliebte Geschenke. Aber nicht selten profitieren gar nicht die Beschenkten davon. Viele Unternehmen, welche Geschenkgutscheine verkaufen, machen Gewinn damit, dass Kunden die Bons vergessen oder verlieren.</p>



<p>Unschön ist, dass viele Herausgeber ihren Gewinn noch zusätzlich erhöhen, indem sie kurze Gültigkeitsdauern vortäuschen. Auf vielen Gutscheinen ist aufgedruckt, dass sie nur ein oder zwei Jahre gültig seien. Beschenkte, die einen alten Gutschein finden, betrachten ihn dann als wertlos, verzichten aufs Einlösen – und schenken den Betrag somit dem Unternehmen.</p>



<p>Ein Infosperber-Leser, bei dem ein Gutschein von Otto’s in Vergessenheit geraten war, wollte nicht verzichten. Er schrieb dem Unternehmen: «Ich habe einen 50-Franken-Gutschein gefunden, ausgestellt 2020. Da steht, dass dieser verfalle, wenn er nicht innert zwei Jahren eingelöst werde.» Er erklärte Otto’s dann, dass solche Gutscheine laut Gesetz bis zu zehn Jahren gültig seien und fragte: «Was muss ich tun, um beim Einlösen ein ‹Gschtürm› in einer Filiale zu vermeiden?»</p>



<p>Otto&#8217;s behauptete gegenüber dem Leser, dass er wohl eine alte Karte habe. Denn seit vier Jahren stehe nichts mehr von den 24 Monaten auf den Geschenkkarten. Das erstaunte den Leser. Denn er hatte auch noch weitere Gutscheine, der jüngste datiert vom Dezember 2025 – und auch dort steht, dass dieser nur 24 Monate gültig sei. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="648" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-Ottos-24-Monate-1024x648.jpg" alt="" class="wp-image-700599" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-Ottos-24-Monate-1024x648.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-Ottos-24-Monate-300x190.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-Ottos-24-Monate-768x486.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-Ottos-24-Monate.jpg 1049w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Diese Geschenkkarte ist einiges länger gültig als aufgedruckt; nämlich bis 2030 und nicht nur bis 2027. </figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Fünf bis zehn Jahre sind vorgeschrieben</h2>



<p>Eine so kurze Gültigkeitsdauer ist gesetzeswidrig. In der Schweiz sind Gutscheine für kleinere Waren wie Spielsachen, Kleider, Bücher, Lebensmittel oder Restaurantbesuche mindestens fünf Jahre gültig. Bei Gutscheinen für Reisen, Hotelübernachtungen oder Musicalbesuche beträgt die Verjährungsfrist sogar zehn Jahre. In Deutschland ist das Gesetz weniger grosszügig. Dort bleiben Gutscheine nur <a href="https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/vertraege-reklamation/kundenrechte/gutscheine-als-geschenk-so-lange-sind-sie-gueltig-13861">drei Jahre gültig</a>.</p>



<p>Doch zurück zum Kunden, der sich von der falschen Gültigkeitsdauer nicht beeindrucken liess und reklamierte. Erst als der Kunde Beweisbilder einreichte, gab Otto&#8217;s klein bei. Roger Bisang, Werbeleiter bei Otto’s, musste einräumen, dass offenbar seit Jahren niemand mehr den Aufdruck gelesen hat. Er versicherte dem Kunden aber: «Unsere Gutscheine sind länger gültig als die 24 Monate, welche auf der Hinterseite vermerkt sind.» Der Aufdruck auf der Geschenkkarte sei nun geändert. Wichtig war Bisang vor allem noch folgender Hinweis: Ihm falle auf, dass viele Restaurants immer noch Gutscheine verkaufen würden, auf denen stehe, dass sie zwölf Monate gültig seien.</p>



<p>Das ist tatsächlich immer noch gängige Praxis – nicht nur bei Restaurants. So verkauft etwa der Zoo Zürich Geschenkkarten mit dem Hinweis, dass diese innerhalb von zwei Jahren ab Kaufdatum eingelöst werden müssten. Problematisch sind auch die Erlebnisgutscheine des Online-Händlers geschenkparadies.ch: Sie sind angeblich ein Jahr gültig. Nur wer sich genauer informiert, erfährt, dass sich die Gutscheine auch noch länger einlösen oder in andere Gutscheine umwandeln lassen. Diese sind dann wiederum drei Jahre gültig und «kostenlos verlängerbar».</p>



<p>Wer einen Geschenkgutschein besitzt, ist also gut beraten, nicht zu kapitulieren, wenn ein Gutschein angeblich abgelaufen ist oder ein Gutschein an der Kasse nicht mehr akzeptiert wird. Viele Unternehmen kennen die Gesetzeslage und zeigen sich umgehend «kulant». Manchmal braucht es aber auch einen Hinweis auf die gesetzlichen Vorschriften.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png" alt="Spendenbalken blau" class="wp-image-699999" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ist vielen schon passiert: Gutschein vergessen</h2>



<p>Geschenkgutscheine sind in jedem Fall ein gutes Geschäft für die Verkäufer. Eine <a href="https://de.statista.com/infografik/33609/umfrage-zum-verfallen-lassen-von-gutscheinen/">Umfrage</a> vor anderthalb Jahren bei gut 2000 Erwachsenen in Deutschland ergab: Bei 40 Prozent der Befragten waren schon einmal oder mehrmals Gutscheine verfallen. Bei den Jungen zwischen 18 und 24 Jahren war das sogar mehr als der Hälfte schon passiert.</p>



<p>Wie lukrativ Geschenkgutscheine für die Herausgeber sind, zeigt das Beispiel von Bern-City, einer Organisation, die sich für die Interessen der Läden in Berns Innenstadt einsetzt. Bern-City verkauft unter anderem Geschenkkarten, die in 240 Geschäften in der Stadt Bern eingelöst werden können.</p>



<p>Pro Jahr werden Geschenkkarten im Wert von rund drei Millionen Franken verkauft. Davon verfallen jedes Jahr etwa zehn Prozent, sagte die Bern-City-Präsidentin Milena Daphinoff gegenüber der «Berner Zeitung». Das ergibt einen Gewinn von 300’000 Franken aus verfallenen Guthaben, den die Organisation einheimst.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das «Schlummergeld-Potenzial»</h2>



<p>Das ist kein Einzelfall. Unverhohlen preist das Schweizer Treuhandunternehmen Nexova seinen Geschäftskunden die Vorteile des Gutscheinverkaufs an: «Verkaufte Gutscheine bringen sofort Einnahmen, ohne dass zu diesem Zeitpunkt eine Gegenleistung erbracht werden muss», schreibt das Unternehmen. Ausserdem wird das «Schlummergeld-Potenzial» von Gutscheinen gelobt. «Laut US-Branchendaten bleiben zwischen 10 und 19 Prozent der Gutscheinguthaben uneingelöst.» Was für den Aussteller reinen Gewinn bedeute.</p>



<p>Und dann gebe es auch einen psychologischen Effekt: «Da der Beschenkte dafür nicht selbst aufkommen muss, wächst seine Bereitschaft, mehr auszugeben, als er es sonst tun würde.»</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Gutschein-Tipps:</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Auch wenn Gutscheine auf den ersten Blick persönlicher wirken als Geld, sind sie es nicht. Am besten verzichtet man darauf, Gutscheine zu verschenken. Eine Alternative sind selbst gestaltete Gutscheine, denen man Bargeld beilegt.</li>



<li>Schenkt man trotzdem Gutscheine, sollte man den Beschenkten immer mal wieder höflich daran erinnern, den Gutschein auch einzulösen – oder man begleitet den Beschenkten beim Einlösen.</li>



<li>Wenn ein Gutschein tatsächlich schon abgelaufen ist, lohnt es sich trotzdem, beim Händler nachzufragen. Manche sind kulant und nehmen ihn trotzdem noch an Zahlung.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn der Laden nicht mehr existiert</h2>



<p>Ein weiteres Risiko bei Gutscheinen ist, dass der Anbieter aufhört oder Konkurs geht. Dann werden auch eigentlich noch gültige Gutscheine wertlos. Glück hat man, wenn ein Geschäft von einem neuen Betreiber übernommen wird. Im Normalfall muss er für die ausstehenden Gutscheine geradestehen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/ac3b258775734721a318c65d84797287" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Verzicht auf Kosmetika: Schnell weniger Schadstoffe im Körper</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/verzicht-auf-kosmetika-schnell-weniger-schadstoffe-im-koerper/</link>
					<pubDate>Mon, 25 May 2026 08:33:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=699867</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="199" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L-300x199.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_5143248_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L-300x199.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L-1024x680.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L-768x510.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L-1536x1020.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Studentinnen hatten schon nach fünf Tagen ohne ihre gewohnten Pflegeprodukte weniger problematische Chemikalien im Urin.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Frauen sind mit Umweltchemikalien meist höher belastet – das fällt bei Tests immer wieder auf. Weil sie häufiger mit Reinigungsmitteln hantieren und mehr Kosmetika verwenden oder beruflich damit zu tun haben, vermuteten Forschende bisher.</p>



<p>Ein internationales Forschendenteam hat das an rund 100 Studentinnen aus Grenoble genauer untersucht. Die Frauen verzichteten für fünf Tage auf ihre gewohnten Pflegeprodukte und verwendeten nur solche, die frei von bestimmten Chemikalien waren. Schon nach diesem kurzen Zeitraum hatten sie deutlich weniger potenziell schädliche Stoffe im Urin.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ohne Kosmetika weniger Schadstoffe</h2>



<p>Das internationale Forschendenteam suchte für das staatliche französische Gesundheitsinstitut (Inserm) nach einer Reihe potenziell bedenklicher Chemikalien, die sich üblicherweise in Kosmetika finden. Darunter</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>elf Phenole,</li>



<li>sechzehn Phthalate,</li>



<li>und zwei Glykolether.</li>
</ul>



<p>Stoffe, die in Kosmetika zum Beispiel als Emulgatoren, Konservierungsmittel oder Trägersubstanzen dienen.</p>



<p>Nach dem Versuch hatten die Frauen zwischen 18 und 30 Jahren deutlich weniger Methyl- und Propylparabene und weniger Stoffwechselprodukte von Phthalaten im Urin. Am meisten ging mit minus 64 Prozent die Konzentration von Phenoxyessigsäure im Urin zurück. Diese stammte wahrscheinlich aus Phenoxyethanol, einem Konservierungsmittel. Das norwegische Labor, das die Proben untersuchte, fand ausserdem 30 Prozent weniger Methylparaben. Die Menge an hormonstörendem Bisphenol A nahm um 39 Prozent ab.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Kleines Umweltchemielexikon: Parabene</h2>



<p>Parabene haben antimikrobielle Wirkung und werden in Lebensmitteln, Kosmetika und Reinigungsmitteln sowie Medikamenten als Konservierungsmittel und UV-Filter eingesetzt. Sie kommen in kleinen Mengen auch natürlich in Obst und Gemüse vor. Die hormonelle Wirksamkeit von Parabenen wurde in Tierversuchen bestätigt, es gibt aber auch Studien, die sie bezweifeln. Eine <a href="https://analyticalsciencejournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jat.958" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a> brachte Parabene 2004 in Verbindung mit Brustkrebs. Viele Untersuchungen zu Parabenen im Körper stammen aus den USA, wo Zusatzstoffe in Kosmetika nur wenig reguliert sind.</p>



<p>In der EU und der Schweiz ist der Einsatz von Parabenen reguliert. Es gibt <a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:02009R1223-20140401" target="_blank" rel="noreferrer noopener">unterschiedliche Grenzwerte</a> für verschiedene Parabene in Kosmetika. Die lockersten gelten dabei für die «kleinen» Parabene Methyl- und Ethylparaben, die in Kosmetika häufiger vorkommen. Strengere für Propyl- und Butylparabene, die für Babys nicht zugelassen sind. Einige weitere sind in Kosmetika verboten.</p>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Das Dilemma mit den Parabenen</h2>



<p>Ob die Paraben-Grenzwerte sicher sind, ist umstritten. «Parabene können auf Dauer die Spermienproduktion stören, zu Unfruchtbarkeit führen, zu einem verfrühten Einsetzen der Pubertät führen und das Brustkrebsrisiko erhöhen», erklärte beispielsweise Luise Körner vom Bund für Umwelt und Natur (BUND) dem <a href="https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/parabene-kosmetik-konservierungsstoffe-umweltkommissar-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bayerischen Rundfunk</a> zum Thema.</p>



<p>Parabene zu ersetzen, ist möglich. Einige Kosmetikhersteller werben sogar mit parabenfreien Produkten. Wissenschaftler:innen warnen indes vor den Risiken von Ersatzstoffen, bevor diese nicht eingehend geprüft sind, beispielsweise auf ihre allergene Wirkung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erstautor: «Ermutigende Geschwindigkeit»</h2>



<p>Die Geschwindigkeit, mit der der Körper Hilfs- und Zusatzstoffe aus Kosmetika wieder loswerden kann, empfanden die Forschenden in Grenoble als ermutigend. «Besonders, da diese Stoffe mindestens im Verdacht stehen, das Hormonsystem, die körperliche Entwicklung und die Gesundheit zu beeinflussen», so Erstautor Nicolas Jovanovic in einer <a href="https://presse.inserm.fr/en/reduire-son-usage-des-cosmetiques-permet-de-reduire-rapidement-lexposition-a-certains-polluants-chimiques-et-perturbateurs-endocriniens-comme-le-bisphenol-a/72722/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pressemitteilung</a>.</p>



<p>Ihren Versuch hatten die Wissenschaftler:innen bewusst mit jüngeren Frauen durchgeführt. Einmal, weil diese Altersgruppe häufig viele Kosmetika verwendet. Für Frauen im gebärfähigen Alter und ihren Nachwuchs sind hormonähnliche Substanzen zudem besonders gefährlich. Die Chemikalienmengen, die vor dem Versuch im Urin der Probandinnen gefunden wurden, seien für die Altersgruppe eher niedrig gewesen, schreiben sie in ihrer am 7. April in <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412026002011?via%3Dihub" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Environment International»</a> veröffentlichten Arbeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verzicht auf Bisphenole würde Kinder gesünder machen</h2>



<p>Die Wissenschaftler:innen haben dazu eine Gesundheitsfolgenabschätzung durchgeführt. Schwangere, welche die getesteten Wirkstoffe vermeiden, würden demnach gesündere Kinder zur Welt bringen. Es liessen sich «4 Prozent der Asthmaanfälle, 4,4 Prozent aller Fälle von Atemnot und der Verlust von 4,4 IQ-Punkten» verhindern. Diese Einschätzung stützt sich im Wesentlichen auf die Wirkung von Bisphenol A, das in Frankreich in Kosmetika schon seit 20 Jahren verboten ist. Die im Versuch nachgewiesene Chemikalie stammte wahrscheinlich aus Verpackungen, in denen Bisphenol A und Bisphenol S vorkommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Naturkosmetik? Nur noch Seife? Oder gar keine Kosmetika mehr?</strong></h2>



<p>Es gibt also einige Gründe, auf gängige Kosmetika zu verzichten oder wenigstens auf solche, die bedenkliche Stoffe enthalten. Andererseits gibt es hygienische Anforderungen. Kosmetika müssen für einen gewissen Zeitraum keimfrei bleiben. Vor allem dann, wenn sie in sensiblen Bereichen wie um die Augen, nach der Rasur oder bei Babys verwendet werden.</p>



<p>Eine mögliche Lösung: Naturkosmetika, die wenigstens weniger synthetische Konservierungsstoffe enthalten. Einige Fachleute raten davon ab. Wer Naturkosmetika kauft, muss sie in einem kurzen Zeitraum aufbrauchen, weil sie danach nicht mehr sicher keimfrei sind.</p>



<p>Oder überhaupt weniger Kosmetika. Nach einer Untersuchung der europäischen Kosmetikindustrie nutzt die durchschnittliche europäische Konsumentin jeden Tag etwa neun verschiedene Kosmetikprodukte. Eine von der <a href="https://www.apotheken-umschau.de/mein-koerper/haut-und-haare/inhaltsstoffe-das-sind-die-haeufigsten-in-hautpflege-und-kosmetik-1427003.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Apotheken-Umschau»</a> befragte Dermatologin hält das für eine noch niedrige Schätzung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was auf jeden Fall geht: Sich seine Pflegeprodukte sorgfältiger aussuchen.</h2>



<p>Vorrang haben sollten Pflegeprodukte, die von Natur aus wenig Zusatzstoffe benötigen, zum Beispiel Öle ohne Konservierungsstoffe, «Sensitiv»-Produkte ohne potenziell allergieauslösende Duftstoffe oder Sonnenschutzmittel ohne chemische UV-Filter sowie Glasverpackungen, die sicher keine Bisphenole abgeben können. Wer <a href="https://play.google.com/store/apps/details?id=de.bund.toxfox&amp;hl=de">Apps</a> <a href="https://apps.apple.com/ch/app/toxfox-der-produktcheck/id665200272">wie</a> <a href="https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/apps-und-software/apptest-toxfox-der-produktcheck-schlaufuchs-gegen-schadstoffe-92460">Tox-Fox</a> verwendet, kann beim Einkaufen per Handy-Scan nachsehen, ob ein Produkt potenziell besorgniserregende Zutaten enthält.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.oekotest.de/kosmetik-wellness/Konservierungsmittel-in-Kosmetik-Welche-Stoffe-bedenklich-sind_11406_1.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Konservierungsstoffe in Kosmetik: Welche Stoffe bedenklich sind</a> &#8211; Öko-Test am 29. Mai 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/umweltchemikalien-100000-tote-im-jahr-durch-phthalate/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Umweltchemikalien: 100&#8217;000 Tote im Jahr durch Phthalate</a> – Infosperber am 4. November 2021</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/oeko-test-nach-dosentomaten-nun-hohe-bisphenol-werte-in-pizza/">«Öko-Test»: Nach Dosentomaten nun hohe Bisphenol-Werte in Pizza</a> – Infosperber am 11. Februar 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konsum/oeko-test-findet-hormongift-bpa-in-tomatenkonserven/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Öko-Test» findet Hormongift BPA in Tomatenkonserven</a> &#8211; Infosperber am 22. Juli 2023</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/3f71e46e8d3f49198cba6645dce969be" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Presserat: Ein Hund, der auf einem Ohr hört, ist taub</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/presserat-ein-hund-der-auf-einem-ohr-hoert-ist-taub/</link>
					<pubDate>Mon, 25 May 2026 08:31:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702367</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="225" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Dalmatiner-300x225.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Dalmatiner" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Dalmatiner-300x225.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Dalmatiner.jpg 642w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Presserat schützt Medienunternehmen mit seltsamen Begründungen vor Rügen. Das weckt wenig Vertrauen in die Selbstregulierung.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Kürzlich hat der der Presserat wieder einmal zwei Beschwerden mittels nicht nachvollziehbarer Begründungen abgeschmettert und damit fehlbare JournalistInnen und Medienunternehmen vor Rügen bewahrt. Dadurch wird weder die Qualität des Journalismus noch das Vertrauen in den Presserat gestärkt – dieser sollte das Korsett der Selbstregulierung endlich abwerfen.</p>



<p>Im Verfahren <a href="https://presserat.ch/complaints/11_2026/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">11/2026</a> kritisierte ein Beschwerdeführer unter anderem die Behauptung einer Journalistin, wonach «rund 10 Prozent aller Dalmatiner taub geboren» würden. Diese Rate liege nur bei etwa 2 Prozent monierte der Beschwerdeführer gestützt auf Daten, die ihm vorliegen. Der Rechtsdienst der Redaktion entgegnete, die Rate von 2 Prozent sei irreführend, da sie sich ausschliesslich auf Fälle beidseitiger Taubheit beziehe.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«Einseitige und beidseitige Taubheit»</h2>



<p>Unter Taubheit versteht man jedoch das vollkommene Fehlen des Hörempfindens. Eine Redaktion, die insinuiert, taub sei auch, wer auf einem Ohr hört und auf dem anderen nicht, begeht ihrerseits eine Irreführung. Der Presserat schreibt zu diesen unterschiedlichen Definitionen von Taubheit: «Da es im vorliegenden Artikel um durch Zucht verursachte körperliche Leiden geht, ist es legitim, einseitige und beidseitige Taubheitsrate zusammenzufassen.» Der Presserat winkt damit eine unzutreffende Definition von Taubheit durch und erachtet eine solche als zulässig, weil es im Artikel ja genau um dieses Thema gegangen sei. Mit dieser sinnentleerten Begründung hat der Presserat die Beschwerde gänzlich abgeschmettert, anstatt sie wenigstens in einem Punkt gutzuheissen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Mal ist nicht zwei Mal</h2>



<p>Auch in der Stellungnahme <a href="https://presserat.ch/it/complaints/09_2026/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">9/2026</a>, welche die Beschwerde im Hauptpunkt zu Recht ablehnte, verstieg sich der Presserat in Widersprüchlichkeiten und bewahrte das betroffene Medienunternehmen so vor einer Rüge. Er billigte eine inhaltliche und vom Leserbriefschreiber nicht autorisierte Abänderung seines Texts. Der Leser wollte darauf aufmerksam machen, dass ein Gross- respektive Staatsrat aus der Romandie während seiner Amtszeit schon mindestens drei Mal mit zu viel Alkohol am Steuer erwischt worden war und umschrieb dies mit dem Begriff «multi-récidive», was auf Deutsch «mehrfach rückfällig geworden» bedeutet.</p>



<p>Der verantwortliche Redaktor – übrigens selber Mitglied des Presserats aber für dieses Verfahren im Ausstand – änderte diesen Begriff zu «récidive» ab. Dadurch schwächte er das dreifache Fehlverhalten des Politikers faktenwidrig ab, da es nun als zweifaches Fehlverhalten verstanden wird. Damit verletzte er Ziffer 3 der «Erklärung». Ziffer 3 untersagt das Unterschlagen von Informationen ebenso wie das Entstellen von Tatsachen und Meinungen.&nbsp;Um diese potenzielle Verletzung von Ziffer 3 nicht thematisieren zu müssen, behauptete der Presserat kurzerhand, diese Ziffer käme bei Leserbriefen nicht zur Anwendung. Richtlinie 5.2 des Presserates stipuliert jedoch unzweideutig: «Die berufsethischen Normen gelten auch für die Veröffentlichung von Leserbriefen und Online-Kommentaren.»</p>



<h2 class="wp-block-heading">19 sind nicht Dutzende</h2>



<p>Dass der Presserat gelegentlich kreative Begründungen aus dem Hut zaubert, um schwarze Schafe in ein weisses Gewand zu kleiden, ist leider nicht neu: Als zwei Journalistinnen in einem Lead schrieben «Dutzende Frauen» würden jährlich von ihren Männern getötet, obwohl es im Zehnjahresverlauf durchschnittlich knapp 19 waren, wollte der Presserat darin keinen Verstoss gegen die Wahrheitspflicht erkennen. Er desavouierte den Beschwerdeführer mit der Begründung, die Differenz zwischen 19 und 24 sei letztlich gering, das könne man als «handwerklichen Fehler» durchgehen lassen (<a href="https://presserat.ch/complaints/21_2022/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">21/2022</a>).</p>



<p>Und als eine Journalistin einen ehemaligen Nationalrat explizit als «Wiederholungssexualstraftäter» bezeichnete, obwohl es nur eine Verurteilung wegen eines einzigen Sexualdelikts gab, sah der Presserat die Wahrheitspflicht ebenso wenig verletzt. Die Journalistin habe lediglich die «Grenze zur Falschdarstellung ausgereizt», das Publikum habe den Begriff polemisch verstanden (<a href="https://presserat.ch/complaints/20_2025/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">20/2025</a>).</p>



<p>Dass der Presserat zudem eine Beschwerde nur teilweise statt ganz gutgeheissen hat, obwohl er alle vom Beschwerdeführer erwähnten Ziffern als verletzt beurteilt hat, kann man in der Stellungnahme <a href="https://presserat.ch/complaints/48_2022/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">48/2022</a> nachlesen.</p>



<p>Die erwähnten Stellungnahmen reihen sich ein in viele weitere (4/2026, 23/2025, 12/2025, 54/2024, 42/2024, 41/2023, 73/2020), bei deren genauer Lektüre sich der Verdacht erhärtet, dass dieses Selbstregulierungsorgan sich zwar Regulierung und Unabhängigkeit auf die Fahne schreibt, sich jedoch allzu oft in Selbstverteidigung übt, indem Fehlleistungen von Akteuren der ihn finanzierenden Organisationen unter den Tisch geschrieben werden. Ein solcher Schutzreflex ist menschlich und deshalb nachvollziehbar, förderlich für die Qualität des Journalismus ist er nicht.</p>



<p>Wenn die Aufgabe der Medien zugunsten einer demokratischen Öffentlichkeit darin besteht, die Mächtigen zu kontrollieren, wer soll denn im Gegenzug diese Macht und das Verhalten von Medienschaffenden begutachten, wenn nicht Vertreter jener Öffentlichkeit, die diese Medien konsumieren und mitfinanzieren?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Immer mehr von der Öffentlichkeit finanziert</h2>



<p>Der Presserat selber wird je länger desto weniger von jenen Branchenorganisationen alimentiert, die darin vertreten sind: Bereits heute wird ein wesentlicher Teil des Budgets über mehrere Stiftungen, Beiträge des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) sowie über die Gebühren, die Beschwerdeführende zahlen müssen, finanziert. Und ab nächstem Jahr kann dank der 2025 erfolgten Revision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) der Presserat seine Arbeit&nbsp; möglicherweise zu 50 Prozent mit Steuergeldern finanzieren lassen.</p>



<p>Diese massgebliche Verschiebung der Finanzierung des Presserates von den Branchenorganisationen hin zu einer öffentlichen, sollte nun auch in einer personellen Umstrukturierung dieses Gremiums abgebildet werden. Selbstverständlich sollen Medienvertreter im Presserat als Sachverständige mitwirken. Dass sie aber dank ihrer erdrückenden Mehrheit und mit abwegigen Begründungen – wie oben aufgezeigt – &nbsp;die Stellungnahmen zugunsten der Medien beeinflussen können, wird aber hoffentlich schon bald der Vergangenheit angehören.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Durchschnittlich 542 Tage bis zur Stellungnahme</h2>



<p>Neben einer besseren Vertretung der Zivilgesellschaft im Presserat besteht auch bezüglich Effizienz seit langem dringender Reformbedarf: Als Ende 2014 noch 47 Verfahren hängig waren, mahnte der Presserat in seinem <a href="https://presserat.ch/wp-content/uploads/2017/03/Jahrheft_2015_deutsch.pdf">Jahrheft</a>, diese Zahl müsse bis Ende Jahr «auf ein annehmbareres Niveau» zurückgeführt werden. Doch zum Jahresende war die Zahl der hängigen Verfahren auf 60 angestiegen, und Ende 2025 waren bereits 162 Beschwerden unerledigt. Der Presserat schiebt einen immer grösser werdenden Pendenzenberg vor sich her. Letztes Jahr gingen 178 Beschwerden ein, der Presserat schaffte in zwölf Monaten lediglich 48 Stellungnahmen, das absolute Rekordtief der letzten zehn Jahre. Im laufenden Jahr wurden bis dato gerade einmal 11 Stellungnahmen publiziert. </p>



<p>Die Wartefrist zwischen Eingabe einer Beschwerde und einer Stellungnahme beträgt derzeit durchschnittlich 542 Tage. Dass Stellungnahmen zu Medienbeiträgen, die vor anderthalb Jahren aktuell waren, heute kaum noch interessieren und entsprechend auch redaktionsintern kaum Wirkung zu entfalten vermögen, die Arbeit des Presserates also mehrheitlich in der Bedeutungslosigkeit verpufft, versteht sich von selbst und ist dem Presserat sehr wohl bewusst.</p>



<p>Der vor 49 Jahren eingesetzte Presserat sollte für sein 50-jähriges Bestehen im 2027 einen Neustart wagen: Primär öffentlich finanziert, personell breiter abgestützt und die Abläufe auf eine Effizienz getrimmt, die Stellungnahmen nicht zur Farce verkommen lassen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/medien/der-presserat-widerspricht-seinen-eigenen-richtlinien/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Presserat widerspricht seinen eigenen Richtlinien</a> – Infosperber am 5. März 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Christoph Schütz betreibt ein Atelier für visuelle Kommunikation, hat in Freiburg Medienwissenschaften studiert und publiziert zu urheber- und medienrechtlichen Themen.</em> Der Autor hat selber schon mehrfach Beschwerde beim Presserat geführt, mit unterschiedlichem Erfolg. Der Artikel erschien in einer gekürzten Form zuerst auf persoenlich.com.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Unüberhörbar: die Veloklingel, die sich nicht «canceln» lässt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/boden-raum-verkehr/unueberhoerbar-die-veloklingel-die-sich-nicht-canceln-laesst/</link>
					<pubDate>Mon, 25 May 2026 08:29:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=696899</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Skoda-Duo-Bell-Veloklingel-e1777228525251-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Skoda Duo Bell Veloklingel" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Skoda-Duo-Bell-Veloklingel-e1777228525251-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Skoda-Duo-Bell-Veloklingel-e1777228525251-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Skoda-Duo-Bell-Veloklingel-e1777228525251-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Skoda-Duo-Bell-Veloklingel-e1777228525251.jpg 1390w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Eine neue Veloklingel durchdringt angeblich die Lärmmauer, die moderne Kopfhörer aufbauen. Es gibt aber erst einen Prototyp davon.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Sie sind ein zunehmendes Problem: Verkehrsteilnehmer, die Kopfhörer mit «Active Noise Cancelling» (ANC) – also aktiver Geräuschunterdrückung – nutzen. Die Kopfhörer filtern auch wichtigen Lärm heraus, etwa den Ton einer Veloklingel.</p>



<p>Der tschechische Autohersteller Škoda hat gemeinsam mit der britischen Universität von Salford das Problem untersucht und schlägt eine spezielle Veloklingel vor, wie das <a href="https://www.velojournal.ch/aktuell/detail/duobell-skodas-veloglocke-gegen-anc-kopfhoerer/?utm_source=newsletter-mailerlite&amp;utm_medium=email%20Mailerlite&amp;utm_campaign=airbag_tricot_radsport_ikonen&amp;utm_term=2026-04-21">Velojournal</a> berichtete. Die Akustiker analysierten etliche gängige Kopfhörer mit ANC von Apple, Bose, Sony, JBL und Samsung.</p>



<p>Dabei entdeckten sie eine entscheidende Schwachstelle in der Geräuschunterdrückung: Bei 750 bis 780 Hertz haben die digitalen Signalprozessoren eine Lücke. Škoda konstruierte deshalb den Prototypen einer Veloklingel, die Töne in genau dieser Frequenz aussendet. Ausserdem hat die Klingel – Škoda nennt sie «Duobell» – eine zweite, höhere Frequenz, die beim Betätigen der Klingel schnell und unregelmässig erklingt. Dadurch entstehen Schallwellen, so die Akustik-Experten, die ANC-Algorithmen nicht schnell genug verarbeiten und unterdrücken können. Das Problem ist, dass 750 Hertz ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=wViygUweDS4" data-type="link" data-id="https://www.youtube.com/watch?v=wViygUweDS4">ziemlich tiefer Ton</a> ist, der einen grossen Resonanzkörper braucht.</p>



<p>Das Resultat ist deshalb eine relativ grosse Veloklingel, die ohne Elektronik auskommt, aber einer Bürostuhlrolle gleicht. Ihre Wirkung ist erstaunlich. Laut den Virtual-Reality-Tests der Universität von Salford wirkt die Klingel wie folgt: Personen mit ANC-Kopfhörern hören sie im Durchschnitt 22 Meter früher und 5 Sekunden schneller als andere Klingeln. Auch die Velokuriere eines Londoner Lieferdienstes testeten die Klingel und waren zufrieden. «Es gab mir eine Stimme auf der Strasse», gab eine Kurierin zu Protokoll.</p>



<p>Škoda will die Veloklingel nicht selber herstellen und verkaufen. Dass der Autohersteller so viel Her(t)z für Velofahrerinnen und Velofahrer hat, ist nicht ganz überraschend. Die Automobilmarke Škoda ist eine der ältesten der Welt. Das Unternehmen begann 1895 mit der Herstellung von Velos und produzierte ab 1905 Automobile. Heute sponsert Škoda die Tour de France und andere Radsportveranstaltungen.</p>



<p>Die Frage ist, ob Škoda das Kopfhörer-Problem von der richtigen Seite angeht. Im dichten Strassenverkehr mit Kopfhörern herumzulaufen, die alle Umgebungsgeräusche unterdrücken, ist generell riskant.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/11f41405f1bb4f28b20cfeb63f23959f" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die KI-Giganten versprechen Wohlstand ohne Arbeit</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-ki-giganten-versprechen-wohlstand-ohne-arbeit/</link>
					<pubDate>Mon, 25 May 2026 08:27:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702253</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach Bénédicte Robin Hood" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-1536x923.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-2048x1231.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p> «Ich werde mich bestehlen ...» «... um an Arbeitslose zu spenden.»]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Spekulation stürzt Entwicklungsländer in tiefe Krisen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/spekulation-stuerzt-entwicklungslaender-in-tiefe-krisen/</link>
					<pubDate>Sun, 24 May 2026 08:00:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=701713</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_11654604_XL Kinder Uganda" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-300x200.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-1024x683.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-768x512.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-1536x1024.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-2048x1365.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Abfluss von Geldern aus armen Ländern übertrifft die Entwicklungshilfe um mehr als das Doppelte.  ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Spekulative Kapitalströme, die ungebremst um den Globus jagten, haben in den vergangenen Jahrzehnten ganze Kontinente in tiefe Krisen gestürzt.» «Die entfesselten Finanzmärkte haben mehr Verwüstung als Fortschritt verursacht». &nbsp;Unerbittlich urteilt Patrick Kaczmarczyk in seinem Buch <a href="https://westendverlag.de/Zerfall-der-Weltordnung/2373" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Zerfall der Weltordnung»</a> über das Wirken der globalen Finanzmärkte. Doch der Verdacht, dass der Ökonom eine ideologisch radikale Streitschrift vorlegt, trifft nicht zu. Seine Kritik gründet auf faktenfundierter Analyse.</p>



<p>Der Autor legt offen, wie die Finanzmärkte agieren und reagieren, wie sich die Devisenmärkte seit der globalen Liberalisierung nach Ende des Bretton Woods-Systems der Nachkriegszeit von der Realwirtschaft entkoppelt haben und schon nach drei Tagen die Summe des weltweiten Handelsvolumens übersteigen, wie wirtschaftliche Entwicklungen und Verwerfungen im globalen Norden die Länder im globalen Süden beschädigen. &nbsp;</p>



<p><strong>Von Zinsendifferenzen und Spekulation</strong></p>



<p>Scheinbar unspektakulär geschieht es. Es geht um Zinsdifferenzen und Währungshierarchien zwischen den Ländern. Wie die Akteure auf den Finanzmärkten damit umgehen. Das mag nach selbstverständlicher makroökonomischer Mechanik aussehen. Doch die Lektüre des Buches macht klar. Es geht um Riesengewinne und Riesenverluste.&nbsp;</p>



<p>Konkret: In den Ländern des Globalen Südens liegt das Zinsniveau meist höher als im reichen Norden. Nicht überraschend geschieht, was die Lehrbuch-Ökonomie verheisst: In den reichen Ländern günstig mobilisierendes Kapital wandert in die armen Länder, wo Kapital knapp und folglich teuer ist. Das bietet attraktive Anlagechancen. Die Spekulanten lassen sich nicht lange bitten, stellt Kaczmarczyk fest. </p>



<p>Je grösser die Zins- und folglich die Gewinndifferenzen zwischen den Ländern sind, umso mehr ziehen sie die Spekulation an. Hohe Erträge locken. Noch mehr liegt drin, wenn der Kapitalstrom stark anschwillt und so die Währung im Zielland aufwertet. Zum Zinsgewinn gesellt sich ein Kursgewinn. Die Aufwertung schwächt dann zwar die dortige Realwirtschaft, doch das kümmert den ausländischen Anleger zumindest kurzfristig nicht. Er muss nur schnell zum Rückzug bereit sein, um schnellen Gewinn zu realisieren. Darin ist sich die Spekulation geübt. &nbsp;</p>



<p>Umso grösser ist der Schaden, den ausländische Anleger in Ländern des globalen Südens oft anrichten. Unter der Aufwertung der Währung leidet ihre Wettbewerbsfähigkeit. Exporte verteuern sich, Importe werden günstiger. Es kriselt, Kapitalabflüsse beschleunigen sich. Auf die Aufwertung der Währung folgt ein Absturz. Auslandsschulden zu bedienen wird schwierig. Überschuldung ist die Folge und nicht selten Zahlungsunfähigkeit.</p>



<p><strong>Gefangen in einem Teufelskreis</strong></p>



<p>«Dysfunktionale Strukturen» nennt es Kaczmarczyk. Währungshierarchien verfestigen die Ungleichheit zwischen Nord und Süd. An der Spitze der Pyramide steht der US-Dollar. Abgeschlagen zu unterst befinden sich die Währungen der Entwicklungs- und Schwellenländer. Sie sind unsicher, volatil und wenig liquide. Sie werden kaum als Zahlungsmittel akzeptiert und schon gar nicht als Wertaufbewahrungsmittel, was zu hohen Risikoprämien führt.</p>



<p>Kaczmarczyk sieht die Länder des globalen Südens in einem Teufelskreis gefangen: Sie «stehen permanent unter Druck, die heimische Währung über hohe Zinsen zu stabilisieren. Gleichzeitig macht die Abhängigkeit von kurzfristigem spekulativem Kapital die Volkswirtschaften anfällig für externe Schocks». Ein plötzlicher Stimmungsumschwung auf den internationalen Finanzmärkten reicht aus, eine Finanz- und Währungskrise auszulösen. Es bedeutet – so Kaczmarczyk – dass die wirtschaftliche Steuerung «de facto von den Zentralbanken im Norden – allen voran von der US-Notenbank – bestimmt wird.</p>



<p><strong>Finanzfluss von Süd nach Nord</strong></p>



<p>Was nach trockener Lektion in Makroökonomie tönen mag, erweist sich als Schuldendrama: «Netto zahlten die Entwicklungsländer im Jahr 2023 insgesamt 847 Milliarden US-Dollar an Zinsen. Die Zinssätze auf den internationalen Finanzmärkten waren für sie doppelt bis vierfach so hoch wie in den USA und sechs- bis zwölfmal so hoch wie für Deutschland.»</p>



<p>Die Folgen sind dramatisch. Zuerst für die staatlichen Haushalte: «54 Länder, von denen nahezu die Hälfte aus Afrika kommt, mussten über 10 Prozent ihrer Budgets für Zinszahlungen aufwenden. Noch gravierender trifft es die Menschen in den stark verschuldeten Ländern: «Ungefähr 3,3 Milliarden Menschen – und damit mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung – leben in Ländern, in denen der Staat mehr Geld für Zinsen als für Bildung und Gesundheit ausgibt.» &nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p><strong>«Die Entwicklungshilfe ist weder Problem noch die Lösung»</strong></p>



<p>Was vermögen da die Gelder der Entwicklungshilfe? Der Autor sieht sie in mancher Hinsicht kritisch, bezeichnet sie aber als zweifellos besser als die teuren Alternativen auf dem Kapitalmarkt. Doch sie seien «kein geeigneter Hebel, um die enormen Kosten auszugleichen, die sich für die Entwicklungsländer durch die Dysfunktionalität der Kapitalmärkte ergeben.» Die Bilanz fällt tiefrot aus: «Für 2022 standen den 211 Milliarden US-Dollar, die die reichen Staaten als Entwicklungshilfe leisteten, insgesamt 443,5 Milliarden US-Dollar an Schuldendienstzahlungen gegenüber, die die Entwicklungsländer an die ausländischen Kreditgeber für die Bedienung ihrer öffentlichen Schulden aufbringen mussten.» Die Abflüsse übertreffen die Zuflüsse um mehr als das Doppelte.</p>



<p>Um den globalen Süden aus dem Teufelskreis herauszuführen fordert Kaczmarczyk eine neue Weltordnung. Die Länder des Globalen Südens bräuchten mehr finanzpolitischen Spielraum; nötig seien Eingriffe in die internationalen Kapitalmärkte wie einst im Bretton-Woods-System nach dem zweiten Weltkrieg, Massnahmen gegen spekulative Kapitalflüsse, gegen Steuervermeidungspraktiken und vieles mehr. Doch wie stehen die Chancen zur Umsetzung? Der Autor gibt sich keinen Illusionen hin, warnt aber zugleich: Auf den eigenen Vorteilen beharren und sich Reformen zu verweigern, könne sich als kurzsichtig erweisen. «Die Ordnung der Nachkriegszeit droht uns vollends um die Ohren zu fliegen». &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>«Zerfall der Weltordnung»</strong></h2>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="504" height="800" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-24-um-10.40.13.png" alt="Buchcover Zerfall der Weltordnung" class="wp-image-702327" style="aspect-ratio:0.6300035156446185;object-fit:cover;width:300px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-24-um-10.40.13.png 504w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-24-um-10.40.13-189x300.png 189w" sizes="auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px" /><figcaption class="wp-element-caption">    </figcaption></figure>



<p>«Warum gelingt es den Entwicklungsländern bis heute nicht, sich wirtschaftspolitisch zu emanzipieren, sich wenigstens teilweise abzukoppeln oder gar voll und ganz eigene Wege zu gehen?» So umschreibt Heiner Flassbeck, ehemaliger Chefökonom der Uno Organisation für Handel und Entwicklung Unctad,  im Vorwort die Leitfrage des Buches <a href="https://westendverlag.de/Zerfall-der-Weltordnung/2373" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Zerfall der Weltordnung, Die Ignoranz des Westens und der Aufstand des Globalen Südens» </a>von Patrick Kaczmarczyk. Der Autor analysiert auf 223 Seiten die globale Armut, fragt, «sind wir die Samariter der Welt?», kritisiert den «Dienst am Mammon», beschreibt die «Krise als Normalzustand» und schlägt «Grundzüge einer neuen Weltordnung» vor. Im Kapitel «Krise als Normalzustand» beschreibt er anhand der Länder Argentinien, Haiti, Kenia, Pakistan und Simbabwe exemplarisch, wie sich über lange Zeiträume Abhängigkeiten verfestigten statt reduzierten.</p>



<p>_____________________</p>



<p><em>Heiner Flassbeck, Patrick Kaczmarczyk: Zerfall der Weltordnung. Westend Verlag 2026, ca. <a href="https://www.galaxus.ch/de/s18/product/kaczmarczykzerfall-der-weltordnung-deutsch-patrick-kaczmarczyk-2026-sachbuecher-65430723?offertype=retail&amp;offerid=406802&amp;utm_source=google&amp;utm_medium=cpc&amp;utm_campaign=PMax%3A+PROD_CH_SSC_Cluster_9%28C%29&amp;campaignid=20488725263&amp;adtype=pla&amp;adgroupid=&amp;adid=&amp;dgCidg=Cj0KCQjww8rQBhDjARIsAE43KPNFXLRq8D27QtU_8Af9IjAw1nK8OQPdJ6h4rB4zg1KAS2qDci31SI8aAhqrEALw_wcB&amp;dgCidg=Cj0KCQjww8rQBhDjARIsAE43KPNFXLRq8D27QtU_8Af9IjAw1nK8OQPdJ6h4rB4zg1KAS2qDci31SI8aAhqrEALw_wcB&amp;gclsrc=aw.ds&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=19965632112&amp;gbraid=0AAAAADmCc4Nf4pZCX83N3pQ9PoEBPm8Zz&amp;gclid=Cj0KCQjww8rQBhDjARIsAE43KPNFXLRq8D27QtU_8Af9IjAw1nK8OQPdJ6h4rB4zg1KAS2qDci31SI8aAhqrEALw_wcB" target="_blank" rel="noreferrer noopener">23 Franken</a> (als Taschenbuch)</em></p>
</div>



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														</item>
							<item>
					<title>USA: Schutz von Zivilisten spielt keine Rolle mehr</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/usa-schutz-von-zivilisten-spielt-keine-rolle-mehr/</link>
					<pubDate>Sun, 24 May 2026 07:03:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner-300x200.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner-1024x683.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner-768x512.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner-1536x1024.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner.jpg 1792w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das Pentagon kürzt still und leise das Programm zum Schutz ziviler Kriegsopfer. ]]></description>
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<p>Die USA haben ihr Programm zum Schutz von Zivilpersonen im Krieg still und leise abgeschafft. So gut wie, zumindest. Was 2022 unter Präsident Joe Biden nach den verheerenden Erfahrungen in Afghanistan, Syrien und im Irak als Reformprojekt begann, existiert heute nur noch dem Namen nach.</p>



<p>Das Programm «Civilian Harm Mitigation and Response» (CHMR) sollte zivile Opfer bei US-Militäreinsätzen vermeiden, problematische Angriffe überprüfen und aus Fehlern lernen. Es war eine direkte Reaktion auf zahlreiche Fälle, in denen US-Streitkräfte in Syrien, Afghanistan oder Somalia Krankenhäuser, Moscheen, Schulen oder andere Schutzräume bombardiert hatten. Menschenrechtsorganisationen und Teile des Militärs hatten jahrelang Reformen gefordert.</p>



<p>Heute existiert CHMR offenbar nur noch auf dem Papier. Wie der <a href="https://www.theguardian.com/us-news/2026/may/15/pentagon-civilian-death-program" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Guardian»</a> und <a href="https://www.propublica.org/article/trump-defense-department-iran-hegseth-civilian-casualties" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«ProPublica»</a> berichten, verfügt die Stelle inzwischen kaum noch über <a href="https://media.defense.gov/2026/May/14/2003930527/-1/-1/1/DOWIG-2026-084_REDACTED%20SECURE.PDF">Budget, hat kein nennenswertes Personal mehr und kaum noch funktionierende Infrastruktur</a>. Regelmässige Treffen finden nicht mehr statt, Datensysteme wurden weitgehend eingestellt. Was als Programm mit einem Budget von sieben Millionen Dollar und erfahrenem Personal begann, ist damit faktisch eingestellt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Juristen als «Hindernisse»</h2>



<p>Nur einen Monat nach seinem Amtsantritt ging Pete Hegseth ans Werk und entliess die obersten Militärjuristen der US-Streitkräfte, die sogenannten Judge Advocate Generals (JAGs). Diese überwachen normalerweise, ob Militäroperationen mit amerikanischem und internationalem Recht vereinbar sind. Hegseth bezeichnete sie öffentlich als «Hindernisse» (Roadblocks). Er strich Budgets zusammen und entliess Mitarbeiter. Ende Februar 2025 war die Abteilung für zivile Schadensbegrenzung laut ehemaligen Mitarbeitern so gut wie aufgelöst.</p>



<p>«Meiner Einschätzung nach haben sie nur den Anschein einer Behörde aufrechterhalten, weil Hegseth wegen illegaler Machenschaften unter Beschuss stand», sagt der ehemalige Air-Force-Offizier Wes J. Bryant, der das Programm zur Bewertung ziviler Schäden mit aufgebaut hatte, gegenüber dem «Guardian».</p>



<p>Bryant war im März 2025 beurlaubt worden, nachdem er öffentlich Kritik an den Kürzungen geäussert hatte. Im September trat er endgültig zurück. Seither warnt der Veteran offen vor einer Erosion militärischer Professionalität und rechtsstaatlicher Standards unter «Kriegsminister» Pete Hegseth.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Abschreckung durch maximale Härte statt internationales Recht</h2>



<p>Statt internationaler Rechtsordnung scheint Hegseth, der das Verteidigungsministerium in «Kriegsministerium» umbenannte, eher auf «Viel Feind, viel Ehr» zu setzen. Das US-Militär soll Angst und Schrecken verbreiten. Niemand soll sich sicher fühlen, nirgendwo.</p>



<p>Eine kurzsichtige und dumme Einstellung, sagen Fachleute, auch solche aus dem US-Militär. Jeder unschuldige Tote produziere zehn neue Feinde &#8211; so formuliert es der pensionierte General Stanley McChrystal, ehemaliger Kommandeur der US- und Nato-Truppen in Afghanistan, gegenüber «ProPublica».</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold.png" alt="Spendenbalken gold" class="wp-image-699993" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Andererseits: Es halten sich ja auch andere längst nicht mehr daran. Russland in der Ukraine nicht, Israel in Gaza nicht, die Konfliktparteien im Kongo nicht. Die USA waren nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich daran beteiligt, internationale Regeln zum Schutz von Zivilisten aufzustellen. Die Vorstellung, dass Zivilpersonen im Krieg besonders geschützt werden müssten, gerät ausgerechnet dort in Vergessenheit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Tote in Minab hätten verhindert werden können</h2>



<p>Wie gravierend die Folgen sein können, zeigt die Bombardierung einer Schule im Iran. Am ersten Tag des US-Angriffs auf Iran bombardierten die USA eine Schule in <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/2026_Minab_school_attack">Minab</a>, 156 Menschen starben, der Grossteil davon Kinder. Dass es sich um Bomben der USA handelte, gilt als sehr wahrscheinlich, auch wenn US-Präsident Donald Trump den Angriff dem Gegner zuschrieb.</p>



<p>In einem funktionierenden Schutzprogramm wären bereits Monate zuvor Vorbereitungen für einen möglichen Angriff auf Iran getroffen worden, skizziert «ProPublica» unter Bezug auf Fachleute. Die getroffene Schule liegt nahe an einem Marinestützpunkt, zu dem das Gebäude einst gehörte. Seit 2013 sei es als Schule markiert und hätte in einem Schutzprogramm frühzeitig auf eine sogenannte «No-Strike-Liste» gesetzt werden müssen.</p>



<p>Ob die Schule auf einer solchen Liste stand, ist eine noch offene Frage. UN-Menschenrechtsexperten <a href="https://www.ohchr.org/en/press-releases/2026/03/un-experts-strongly-condemn-deadly-missile-strike-girls-school-iran-call">forderten inzwischen Untersuchungen</a> wegen möglicher Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr als politische Symbolik</h2>



<p>Programme wie CHMR müssten Teil einer fortlaufenden Anstrengung sein, sagt Byrant. Die spontane Reaktion aller Kommandostellen auf Kritik laute immer: «Nein, wir haben keine Zivilisten getötet.» Alles andere gerate ins Wanken, wenn man diese Kultur einer höheren Toleranz gegenüber zivilen Opfern habe, warnt er.</p>



<p>Es sei schwer mitanzusehen, wie ein Kommandeur der Spezialeinheiten und Befürworter von CHMR einen umstrittenen «Double-Tap»-Angriff auf ein mutmassliches Drogenboot vor Venezuela verteidige, beschreibt er. Überlebende eines ersten Angriffs wurden bei einem Folgeangriff getötet. Solche Doppelangriffe verstossen gegen das Kriegsrecht.</p>



<p>Der «Guardian» weist darauf hin, dass die USA rechtlich verpflichtet sind, Anstrengungen zur Vermeidung ziviler Opfer zu unternehmen. Programme wie CHMR seien deshalb nicht bloss politische Symbolik, sondern Teil internationaler Verpflichtungen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/ein-weiterer-sargnagel-fuer-das-voelkerrecht/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ein weiterer Sargnagel für das Völkerrecht</a> – Infosperber am 3. Dezember 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/die-usa-tun-sich-schwer-mit-der-kriegsopferentschaedigung/">Die USA tun sich schwer mit der Kriegsopferentschädigung</a> – Infosperber am 2. September 2020</li></ul></div>



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