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		<title>infosperber - Shoutem Feed!</title>
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					<title>35&#8217;000 Franken pro Artikel: Ringier muss Gewinn herausgeben</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/buergerrechte/35000-franken-pro-artikel-ringier-muss-gewinn-herausgeben/</link>
					<pubDate>Wed, 24 Jun 2026 08:17:37 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/The-Horrro-scaled-e1782287859103-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/The-Horrro-scaled-e1782287859103-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/The-Horrro-scaled-e1782287859103-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/The-Horrro-scaled-e1782287859103-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/The-Horrro-scaled-e1782287859103-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/The-Horrro-scaled-e1782287859103-2048x1229.jpg 2048w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Erschütterung in der Medienbranche: Das Zuger Obergericht bestätigt im Fall von Jolanda Spiess-Hegglin einen Grundsatzentscheid.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>An Heiligabend 2014 druckte der «Blick» auf der Titelseite Gesicht und Name der Grünen Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin ab und fragte, ob sie ein paar Tage zuvor an der Zuger Landammannfeier geschändet worden sei.</p>



<p>Was an jener Feier vom 20. Dezember tatsächlich geschah, ist bis heute juristisch ungeklärt, und es ist für die Öffentlichkeit ohne Belang. Entscheidend ist, was daraus gemacht wurde: Es folgten unzählige «Blick»-Schlagzeilen mit Spiess-Hegglins Namen, am Ende waren es über 150 Beiträge. Viele davon sexistisch, manche sogar frei erfunden. Das Trauma der jungen Frau wurde zum Boulevardspektakel, es wurde zur Lebens- und Leidensgeschichte einer Familie.</p>



<p><strong>Es geht um über 150 Artikel</strong></p>



<p>Heute, am Mittwoch, dem 24.&nbsp;Juni 2026, teilt Jolanda Spiess-Hegglin in einer Medienmitteilung mit, dass das Obergericht des Kantons Zug am 19.&nbsp;Juni 2026 ein Urteil bestätigt habe, das die Medienlandschaft erschüttern wird, vielleicht über die Schweizer Grenzen hinaus: Mediale Persönlichkeitsverletzung lässt sich im digitalen Zeitalter minutiös berechnen.</p>



<p>Es geht dabei nicht um Genugtuung, denn die war längst zugesprochen, die Persönlichkeitsverletzung schon 2020 rechtskräftig festgestellt. Der Ringier-CEO hatte sich entschuldigt. Es geht um das Geld, das mit dem Unrecht verdient wurde. Gewinnherausgabe heisst das Instrument, ein eher verstaubter Paragraph aus dem Obligationenrecht, der besagt: Wer mit der Verletzung fremder Rechte einen Gewinn erzielt, soll diesen Gewinn nicht behalten dürfen. Erstmals hat ein Gericht diesen Grundsatz auf das digitale Geschäft eines Verlags angewendet und ausgerechnet, was ein einzelner Klick wert ist. Für vier Artikel verlangte das Zuger Kantonsgericht 2025 vom «Blick» beziehungsweise von Ringier rund 310&#8217;000 Franken.</p>



<p>Der Verlag selbst hatte, gestützt auf ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer von PwC, den Gewinn dieser vier Artikel auf gerade einmal 5000 Franken beziffert. Das Gericht folgte aber weitgehend der Berechnung von Spiess-Hegglin beziehungsweise von deren Berater, dem Medienunternehmer Hansi Voigt, der den Umsatz aus Abos, Kiosk- und Werbeerlösen auf die vier meistgeklickten Artikel herunterbrach. Das Obergericht hat Methode und Prinzip nun in zweiter Instanz bestätigt, zwei Berechnungswerte nach unten korrigiert und landet im Schnitt bei rund 35&#8217;000 Franken pro Artikel, zuzüglich fünf Prozent Verzugszins seit 2014 beziehungsweise 2015.</p>



<p>Konkret reduziert sich die Summe gegenüber der ersten Instanz von 309&#8217;531 auf 139&#8217;228 Franken. So steht es im <a href="https://drive.google.com/file/d/1IzvdiblbLMI27t116JdoeBsQVmsCPvo2/view" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Urteil</a>, das in der Medienmitteilung verlinkt ist. Den Abschlag bringen zwei nach unten korrigierte Berechnungswerte. Am stärksten wirkt, dass das Gericht die angerechneten Werbeeinblendungen von fünf beziehungsweise sechs auf drei pro Artikel senkte. Massiv bleibt der Betrag dennoch: Er liegt fasst 30 Mal so hoch wie die 5000 Franken, die Ringier dem Gericht als tatsächlichen Gewinn präsentiert hatte.</p>



<p>Vier Artikel waren eingeklagt, über 150 stehen noch aus. Rechnet man das Verfahren hoch, geht es am Ende um Millionen, und um die Frage, ob Ringier nun Gesprächsbereitschaft zeigt oder den Weg ans Bundesgericht wählt.</p>



<p><strong>Wo die Pressefreiheit endet</strong></p>



<p>Ringier bezeichnete den Vorgang von Anfang als <a href="https://medialex.ch/2025/05/08/so-wurde-im-fall-spiess-hegglin-die-gewinnherausgabe-berechnet/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«fatalen Schlag gegen den freien Journalismus»</a>. Der Verlegerverband nannte das erstinstanzliche Urteil «brandgefährlich», auch «Reporter ohne Grenzen» meldete Bedenken an. Das Argument verdient eine Antwort, denn es ist nicht ganz falsch: Wenn jede kritische Recherche mit der Drohung enden kann, dass der damit erzielte Umsatz herausgeben muss, dann könnten kleinere Redaktionen vor heiklen Geschichten zurückschrecken. Pressefreiheit lebt davon, dass Journalisten auch dann publizieren dürfen, wenn es wehtut. Eine Justiz, die Berichterstattung pauschal verteuert, wäre eine fundamentale Gefahr für die Pressefreiheit.</p>



<p>Nur ist das hier nicht der Fall. Im Urteil des Obergerichts vom 19. Juni heisst es, die Gewinnherausgabe setze «eine widerrechtliche Verletzung der Persönlichkeit» voraus – sie knüpft also nicht an unbequeme, sondern an rechtswidrige Berichterstattung an. Und zu den eingeklagten Texten selbst hält das Gericht fest: «Es handelt sich dabei durchwegs um kurze, reisserische Artikel.» </p>



<p>Die Schwelle ist nicht der unbequeme Artikel, sondern der rechtswidrige Artikel. Was das Obergericht bestraft, ist kein Journalismus, der Mächtige kontrolliert, sondern ein Geschäftsmodell, das eine Privatperson zur anklickbaren Ware macht und das Ergebnis hinterher Pressefreiheit nennt. Den Unterschied zwischen diesen beiden Dingen zu verwischen, war jahrelang die bequemste Verteidigung der Branche. Das Urteil zwingt sie nun, ihn ernst zu nehmen.</p>



<p>Vor über zehn Jahren wurde Jolanda Spiess-Hegglin nach einer traumatischen Nacht gegen ihren Willen mit Namen und Bild ausgestellt, ein zweites Trauma, für sie und ihre Familie. Die Kontrolle über ihr Leben wurde ihr entrissen. Jetzt holt sie sich die Kontrolle zurück: Sie publizierte das Urteil an ihrem 20. Hochzeitstag.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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							<item>
					<title>Kachowka-Stausee: Wo Wasser war, ist jetzt ein Wald</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/boden-raum-verkehr/kachowka-stausee-wo-wasser-war-ist-jetzt-ein-wald/</link>
					<pubDate>Wed, 24 Jun 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="169" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/kakhovka-300x169.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="kakhovka" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/kakhovka-300x169.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/kakhovka-1024x576.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/kakhovka-768x432.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/kakhovka.jpg 1280w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Seine Sprengung zerstörte einen ganzen Landstrich. Ein Wiederaufbau des Kachokwa-Staudamms ist aber womöglich nicht sinnvoll. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Drei Jahre nach der Sprengung des Kachowka-Staudamms sind die Folgen für die Umgebung noch immer enorm. Ab dem 6. Juni 2023 entleerte sich einer der grössten Stauseen Europas. 18 Kubikkilometer Wasser suchten sich ihren Weg ins Schwarze Meer. Die Folgen für das russisch besetzte wie auch das ukrainisch kontrollierte Gebiet auf beiden Seiten des Dnjepr waren weitreichend.</p>



<p>Ortschaften und Äcker wurden überflutet, die Trinkwasserversorgung für 1,8 Millionen Menschen fiel aus, das Kraftwerk war zerstört. Aus einem riesigen See von 240 Kilometern Länge und stellenweise mehr als 20 Kilometern Breite wurde in kurzer Zeit eine Mondlandschaft aus Schlick und eintrocknendem Schlamm.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Enorme ökologische Zerstörung</h2>



<p>Die massive Zerstörung der Flora und Fauna wurde als <a href="https://www.bpb.de/themen/europa/ukraine-analysen/nr-288/541011/analyse-oekozid-die-katastrophalen-folgen-der-zerstoerung-des-kachowka-staudamms/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Ökozid»</a> bezeichnet. Verloren gegangen sind potenziell: Lebensraum für mindestens 43 Fischarten, mehrere Zugvogelarten und 38 seltene Lebensraumtypen. Elf Schutzgebiete flussaufwärts sind betroffen, sowie das Schwarze Meer durch Dünger und Pestizide aus dem See und den überfluteten Gebieten.</p>



<p>Wer für die Sprengung verantwortlich ist, bleibt unklar. Die Ukraine und Russland beschuldigen sich gegenseitig. Journalist:innen der <a href="https://www.nytimes.com/interactive/2023/06/16/world/europe/ukraine-kakhovka-dam-collapse.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«New York Times»</a> kamen nach der Auswertung umfangreicher Daten zum Schluss, dass sehr wahrscheinlich Russland die Staumauer gesprengt hat. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aus dem See wurde ein grünes Meer</h2>



<p>Was seither geschah, überraschte alle. Aus einer Mondlandschaft entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit ein lebendiges, vielfältiges Ökosystem. Wer sich dem ehemaligen «Amazonas der Ukraine» nähert, steht heute vor einem grünen Tal. Der Blick öffne sich «auf ein Meer aus sanft wiegenden jungen Weiden und spiegelglatten Lagunen», beschrieb der <a href="https://www.theguardian.com/environment/2025/jul/22/in-a-bombed-out-reservoir-ukraine-huge-forest-grown-a-return-to-life-or-toxic-timebomb" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Guardian»</a> im vergangenen Jahr in einer sehenswerten Fotoreportage.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="692" height="490" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Guardian-Ukraine_Reservoir.png" alt="" class="wp-image-708423" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Guardian-Ukraine_Reservoir.png 692w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Guardian-Ukraine_Reservoir-300x212.png 300w" sizes="(max-width: 692px) 100vw, 692px" /><figcaption class="wp-element-caption">Diese Grafik des «Guardian» verdeutlicht die enorme Grösse des ehemaligen Stausees. Das Gebiet befindet sich direkt an der Frontlinie.</figcaption></figure>



<p>Die Vegetation wachse so dicht, dass man sich durch den begrenzenden Erdwall am ehemaligen Ufer hindurchschneiden müsse, um einen Blick auf das Tal werfen zu können. Weiden und Pappeln wüchsen inzwischen bis zu sieben Meter hoch, berichtete die <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/europa/kachowka-staudamm-114.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Tagesschau»</a> der ARD zum dritten Jahrestag der Sprengung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein lebendiges Biotop</h2>



<p>Reporter:innen des «Guardian» und der <a href="https://www.dw.com/de/ukraine-wie-der-einstige-kachowka-stausee-zum-leben-erwacht/a-72827010" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Deutschen Welle»</a>, die 2025 ebenfalls eine Reportage veröffentlichte, bestaunten die üppige Flora und Fauna. Sie berichten von Rehen und Hirschen, Habichten und Bussarden, Wildschweinen, Reihern, Schwalben und Schlangen. Auch der Stör sei nach langen Jahren in die zahlreichen Bäche zurückgekehrt.</p>



<p>Was in weiten Teilen der neu gewachsenen Landschaft geschehe, könne man nicht sehen, der Zugang sei zu gefährlich, sagt der Ökologe Wadym Nanjuk zur «Deutschen Welle». Entlang des Dnjepr verläuft die Front. Pro Jahr wachse der Wald um etwa einen Meter in die Hohe, längerfristig würden sich wohl auch Wiesen bilden. Das Gebiet könnte zum grössten Auwald in der Steppenzone der Ukraine werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schwermetalle und Radionuklide im Untergrund</h2>



<p>Wie belastet die neue Öko-Oase ist, bleibt unklar. Die schlimmsten ökologischen Folgen seien zwar ausgeblieben, sagt eine ukrainische Arbeitsgruppe, die die Folgen der Sprengung erforscht. Von den vielen Tonnen Schwermetallen in den Stausee-Sedimenten sei nur die oberste Schicht ins Schwarze Meer gespült worden, erklärt die Leiterin Natalija Osadtscha gegenüber der deutschen «Tagesschau». Der zurückgebliebne Rest sei nicht als Staub verweht worden wie befürchtet sondern verkrustete wie ein Wüstenboden.</p>



<p>Im ehemalige Seebett befinden sich weiter Schwermetalle und diverse andere Gifte. Analysen sind derzeit nicht möglich, der Zugang zum grünen Meer ist unter anderem wegen des Krieges gefährlich. Die Bundeszentrale für politische Bildung (<a href="https://www.bpb.de/themen/europa/ukraine-analysen/nr-288/541011/analyse-oekozid-die-katastrophalen-folgen-der-zerstoerung-des-kachowka-staudamms/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BPB</a>) warnte ausserdem vor Radionukliden aus dem Reaktorunglück in Tschernobyl.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wiederaufbau des Damms vorerst unrealistisch</h2>



<p>Ein Wiederaufbau des zerstörten Kachowka-Staudamms ist vorerst unrealistisch. Er würde schätzungsweise rund fünf Jahre in Anspruch nehmen. Genau weiss man es nicht, dafür müsste das in grossen Teilen zerstörte Bauwerk erst genau analysiert werden, was derzeit nicht möglich ist. Allein zwei Jahre würde es dauern, das Staubecken wieder zu füllen. Die Meinungen darüber, ob ein Wiederaufbau überhaupt sinnvoll wäre, gehen weit auseinander. Den riesigen Stausee wieder zu füllen, hiesse das neu entstandene Ökosystem wieder zu zerstören.</p>



<p>Was für einen neuen Damm spricht: Den Menschen in der gesamten Umgebung fehlt wichtige Infrastruktur und teilweise schlicht die Lebensgrundlage. In Regionen wie Krywyj Rih beispielsweise tauge das Leitungswasser nur als Gebrauchswasser, sagt Natalija Osadtscha. Wer dort lebe, müsse Trinkwasser in Flaschen kaufen.</p>



<p>Wegen des Krieges hat das Land rund 20 Prozent seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche verloren – etwa fünf Millionen Hektaren. Allein 1,6 Millionen Hektaren sind nicht zugänglich, weil dort Kämpfe stattfinden. Dazu kommen Landstriche, in denen Lager, Maschinen oder Bewässerungsleitungen zerstört sind. Wie viel Fläche wieder genutzt werden kann, wenn der Krieg endet, ist fraglich.</p>



<p>Minen, Blindgänger oder chemische Verschmutzung verschwänden nicht über Nacht, erklärte der Biologe Oleksij Vasyljuk gegenüber der <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/europa/kachowka-staudamm-114.html">«Taz»</a>. Es könne Jahrzehnte dauern, bis das verminte Gelände geräumt sei. Vasyljuk ist Mitgründer der Ukraine War Environmental Consequences Work Group, welche die Umweltfolgen des Krieges erforscht.</p>



<p>Die Erde in der Südukraine gilt als eine der besten der Welt. Noch vor vier Jahren war die Gegend um den Kachowka-See eine der produktivsten Agrarregionen Europas. Nun sind alle Bewässerungssysteme zerstört und es gibt kein Wasser mehr.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«Entscheidungen unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten»</h2>



<p>Das zerstörte Bewässerungssystem wiederherzustellen, würde viele Äcker der Region wieder nutzbar machen. Vasyljuk ist dennoch dagegen, den Damm wieder aufzubauen. Entscheidungen dazu würden unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen, kritisiert er. Die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Projekt werde voraussichtlich ausgesetzt, das zeichne sich jetzt schon ab.</p>



<p>Bei intensiver Bewässerung würden die Felder der Gegend in 15 bis 20 Jahren völlig versalzen, schätzt der Wissenschaftler. Der Kachowka-Damm sei ein Relikt der Stalin-Zeit zur Bewässerung von Baumwollpflanzen, die in der Ukraine dann doch nicht wachsen wollten. Und die Energie aus dem Staukraftwerk sei grössteneils dafür genutzt worden, Bewässerungspumpen zu betreiben. Alternative Energiequellen sowie wassersparende Saaten und Methoden seien weit sinnvoller, um der Region längerfristig ein Überleben zu sichern.</p>



<p>Der Wasserbedarf könne aus anderen Vorkommen gedeckt werden, sagt auch Osadtscha, etwa aus einem anderen Stausee am Dnjepr. Die Wissenschaftlerin schlägt vor, den Kachowka-Stausee zwar wiederherzustellen aber in kleinerem Umfang.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wasserfachmann warnt vor Verwüstung der Gegend</h2>



<p>Ein weiteres Problem für die Landwirtschaft sind die Altlasten, die sich nicht auf das ehemalige Seebett beschränken. Die Süsswasserökologin Oleksandra Shumilova warnt gegenüber dem «Guardian» vor rund 1,5 Kubikkilometern verschmutzten Sedimenten, die nach der Sprengung in die überfluteten Gebiete gelangt sein könnten. Schwermetalle, die in die Nahrungskette gelangen und dort schwere Folgen haben könnten: Krebs, Fruchtbarkeitsstörungen, Krankheiten von Lunge, Leber und Niere.</p>



<p>Oleh Paschtschenko vom Kachowka-Wasserkraftwerk dagegen ist ein Befürworter des Wiederaufbaus. Ohne den Stausee könne die Region nur schwer überleben, sagt er gegenüber der «Deutschen Welle». «Das Wasser in den Brunnen wird jedes Jahr weniger», beschreibt er und warnt vor der Verwüstung der gesamten Gegend. Wenn die Menschen in die jetzt wenig bevölkerte Gegend zurückkehrten, Landwirtschaft und Industrie wieder voll arbeiteten, werde das Wasser nicht reichen. Wann, ob und unter welchen Voraussetzungen das der Fall sein wird, ist freilich noch unklar.</p>



<p>Ein wichtiges Argument in der Diskussion ist die Kühlung des Kernkraftwerks Saporischja durch aufgestautes Wasser. Ohne den Kachowka-Stausee sei ein sicherer Betrieb des Kernkraftwerks unmöglich, sagt zum Beispiel Bohdan Suchezkyj, Generaldirektor des staatlichen Energieunternehmens Ukrhydroenergo. «Eigentlich ist dieser Stausee dafür überflüssig», sagt dagegen Vasyliuk. Der Dnipro fliesse gerade 100 Meter vom Kraftwerksareal entfernt vorbei.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nationalpark und nationales Symbol</h2>



<p>Dem Ökologen und Agrarhistoriker Petro Wolwatsch schwebt ein Park im ehemaligen Seebett vor. «Ich bin sicher, dieser Nationalpark würde zu den zehn besten Europas zählen», sagt er. Für Vasyliuk wäre das ein kraftvolles Symbol für eine neue Ukraine, die an ihre Zukunft glaubt.</p>



<p>Für Ökologie und Klima wäre es sicher ein Gewinn, «Velykyi Luh» (die Grosse Wiese) so zu lassen, wie sie jetzt ist. So hiess die Gegend, bevor sie 1956 unter dem enormen Stausee verschwand. «Eine uralte, mythische Landschaft, die tief in der ukrainischen Folklore verwurzelt ist», erklärt Valeriy Babko, pensionierter Geschichtslehrer und Kriegsveteran, gegenüber dem «Guardian». Und fügt dem Thema damit noch eine Ebene hinzu.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="960" height="540" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Iryna-Ukhina-DW-72816800_905.jpg" alt="Iryna Ukhina DW 72816800_905" class="wp-image-708425" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Iryna-Ukhina-DW-72816800_905.jpg 960w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Iryna-Ukhina-DW-72816800_905-300x169.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Iryna-Ukhina-DW-72816800_905-768x432.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Ökologe Wadym Manjuk bahnt sich einen Weg durch den Bewuchs. </figcaption></figure>



<p>Ein Aspekt, der für viele von Menschen geschaffenen Naturlandschaften der Welt zutrifft. Wenn es darum geht, einen Vorher-Zustand wieder herzustellen – wie historisch soll er sein? Was würde eine «Grosse Wiese» für die Ukraine bedeuten? Was ein neuer Staudamm? Wirtschaftlich, sozial, ökologisch? «Stellen Sie sich die Kosaken vor, die durch Wälder galoppieren, die so dicht sind, dass die Sonne kaum den Boden erreicht», sagt Babko. Vasyliuk spricht eher von einem ökologischen und wirtschaftlichen Fehler, sollte die Staumauer wieder aufgebaut werden.</p>



<p>«Vor dem Damm gab es in der Dnjepr-Ebene riesige Eichenwälder und Feuchtgebiete. Es gab grosse Fische wie den Stör und eine überwältigende Biodiversiät», beschreibt Eugene Simonov, internationaler Koordinator von Rivers without Boundaries (Flüsse ohne Grenzen). Die Ukraine nehme weniger als sechs Prozent der Fläche Europas ein, besitze aber 35&nbsp;Prozent der europäischen biologischen Artenvielfalt und sei damit das Land mit der grössten Biodiversität in Europa, schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Und wenn der Wald zur Steppe wird?</h2>



<p>Nach dem Krieg wird es ohnehin zuerst um die Finanzierung gehen. Wie es mit der Fläche von der vierfachen Grösse des Bodensees weitergeht, ist derzeit also völlig ungewiss. Ob aus dem zweiten unbeabsichtigten ökologischen Experiment nach Tschernobyl wieder ein Stausee wird, ein Naturpark, ein Zwischending zwischen beidem oder etwas ganz anderes, ist noch nicht entschieden.</p>



<p>Der Ökologe Wadym Manjuk warnt vor zunehmender Trockenheit. Kann der Wald sich nicht halten, könnte eine Steppenlandschaft entstehen. Wie natürlich, historisch, ökologisch oder wirtschaftlich diese wäre, müsste dann neu diskutiert werden.</p>



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					<title>Einladung für Taliban ist ein  «Schlag ins Gesicht der Frauen»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/einladung-fuer-taliban-ist-ein-schlag-ins-gesicht-der-frauen/</link>
					<pubDate>Wed, 24 Jun 2026 07:31:00 +0000</pubDate>

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					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die EU-Kommission verhandelt mit den Taliban über die Abschiebung abgelehnter afghanischer Asylbewerber. Nach Angaben der EU ist dies keine diplomatische Anerkennung des Regimes. </p>



<p><strong>«Falsches Signal angesichts der Menschenrechtskatastrophe»</strong></p>



<p>Fawzia Koofi kritisiert diese Einladung in einem <a href="https://www.theguardian.com/global-development/2026/jun/03/afghan-woman-legal-protection-laws-eu-taliban-europe" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gastbeitrag für den «Guardian»</a> scharf. Die ehemalige Abgeordnete im afghanischen Parlament, die 2020 an den Friedensgesprächen mit den Taliban teilgenommen hatte, ist heute Präsidentin der Exilorganisation «Women&nbsp;for Afghanistan». Die Einladung der EU für die Taliban sei das falsche Signal angesichts der Menschenrechtskatastrophe in Afghanistan, schreibt Koofi. Die Einladung könne die Taliban darin bestärken, Menschenrechte – insbesondere diejenigen von Frauen – weiterhin systematisch zu verletzen. Statt Verantwortliche für die <a href="https://frauensicht.ch/politik/afghanistan-experte-das-ist-gender-apartheid/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geschlechter-Apartheid</a> in Afghanistan einzuladen, müsse die internationale Gemeinschaft sie vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zur Verantwortung ziehen. «Für afghanische Frauen und Mädchen ist dies eine Frage des Überlebens», so Koofi.</p>



<p><strong>«Ein Vogel ist besser geschützt als eine Frau»</strong></p>



<p>Seit der Machtübernahme vor fünf Jahren haben die Taliban zahlreiche Vorschriften erlassen, die Frauen und Mädchen ihrer Freiheitsrechte berauben. So drohen gewalttätigen Ehemännern maximal 15 Tage Haft – sofern die Ehefrau überhaupt Gewalt beweisen kann. Wer hingegen einem Tier Schaden zufügt, muss mit fünf Monaten Gefängnis rechnen. Koofi: «Ein Vogel ist besser geschützt als eine Frau.» Zuletzt erschwerten die Taliban Scheidungen für Frauen weiter. Faktisch hat nur noch der Mann das Recht auf eine Scheidung.</p>



<p><strong>«Kultur der Straflosigkeit»</strong></p>



<p>«Frauen in Afghanistan leiden jeden Tag unter der Apartheid», schreibt Koofi. «Sie werden aus dem öffentlichen Leben verbannt, zum Schweigen gebracht, sind Gefangene im eigenen Land und werden ihrer grundlegenden Menschenrechte beraubt.» Sie kritisiert eine «Kultur der Straflosigkeit» gegenüber den Taliban. Geschlechter-Apartheid müsse man im internationalen Recht als Verbrechen anerkennen, um staatlich organisierte Diskriminierung von Frauen wirksam bekämpfen zu können.</p>



<p><strong>«Wir brauchen keine symbolische Solidarität»</strong></p>



<p>Die Einladung der EU für die Taliban komme für Frauen und Mädchen in Afghanistan einem Verrat gleich. «Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Frauen und Mädchen in Afghanistan, die unter der Diskriminierung durch die Taliban leiden und dagegen kämpfen», so Koofi. Die Botschaft der EU sei verheerend: «Versprechen der internationalen Gemeinschaft an afghanische Frauen können aus politischen Gründen gebrochen werden.» Koofi fordert die EU auf, Geschlechter-Apartheid als Straftatbestand anzuerkennen, um die Straflosigkeit für die Verletzung von Frauenrechten zu beenden. «Wir brauchen keine symbolische Solidarität oder leere Worte, sondern Mut und Engagement von denen, die behaupten, für Gerechtigkeit einzutreten.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Dieser Artikel erschien zuerst auf <a href="https://frauensicht.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">frauensicht.ch</a>.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>kontertext:  Markus Ritters Sommertraum</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/kontertext-markus-ritters-sommertraum/</link>
					<pubDate>Wed, 24 Jun 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_664623134_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L-1536x923.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Im Radio-«Tagesgespräch» freut sich Markus Ritter über «das bisschen Wärme». Ein Mini-Hörstück über einen träumenden Politiker.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Am 19. Juni konfrontiert <a href="https://www.srf.ch/audio/tagesgespraech/denkt-die-landwirtschaft-nur-an-sich-selbst-herr-ritter?id=AUDI20260620_NR_0011">Radio SRF</a> den Präsidenten des Bauernverbands mit der provokanten Frage, ob die Landwirtschaft nur an sich selbst denke. Es geht dabei um das Mercosur-Abkommen, gegen welches sich Ritter erfolgreich gestemmt hat; es wurde im Parlament knapp zurückgewiesen. Diese Debatte kennen wir, sie spielte auch in der «<a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/arena-zu-mercosur-das-ist-erpressung-herr-ritter-nein-das-ist-ausgewogen">Arena»,</a> wo es zu Äusserungen kam, die gut in einen Bauernschwank passen würden. Was aber sagte Ritter am Radio?</p>



<p><strong>«Endlich Sommer!»</strong></p>



<p>Am Ende des Gesprächs konfrontiert Moderator Philipp Burkhardt den höchsten Landwirtschaftsvertreter mit aktuellen Schlagzeilen. Die erste lautet: «Die Hitzewelle fordert die Schweizer Landwirte.» Markus Ritter wird aufgefordert, dazu Stellung zu beziehen, und ich horche auf, denn er sagt wörtlich: «Endlich Sommer! Also wir haben Freude, wenn es einmal auch ein wenig wärmer wird im Sommer. Es regnet ‹zwüschedine› – bisher hatten wir ein sehr gutes Jahr und wir freuen uns auch, wenn der Sommer kommt!»</p>



<p>Der Moderator fragt nach: «Aber die Trockenheit könnte doch bald ein Problem werden, oder?» Ritter: «Ja klar, wenn es längere Zeit nicht regnet, dann nehmen die Kulturen Schaden, das ist uns bewusst. Aber jetzt freuen wir uns am Sommer!»</p>



<p>Man geht weiter zu den nächsten Schlagzeilen – zur Finanzierung der 13. AHV-Rente, den drastischen Verlusten der Mitte-Partei in den letzten kantonalen Wahlen sowie zu den Abweichlern der Mitte in den parlamentarischen Beschlussfassungen bezüglich Kündigung des Atomausstiegs. Markus Ritter sieht kein Problem. Nirgends: Dass «man» sich punkto Atomstrom von «der ökologischen Schiene» in der Partei abgrenze, gehöre zur Meinungstoleranz innerhalb der Mitte.</p>



<p><strong>Schwafeln und träumen</strong></p>



<p>Ritter schwafelt weiter: Dass die Dekarbonisierung, die ja bestimmte Abkommen verlangen, nicht mit erneuerbaren Energien geschehen könne, sondern nur mit Atomstrom. Die Speicherfähigkeit von Sommerstrom aus den Photovoltaik-Anlagen sei technisch noch nicht entwickelt. Mir pfeift das alles zusammen in den Ohren. Ich stelle mir vor, was ein Bauernpräsident, der in der Realität lebt, wirklich sagen müsste, statt Bubenträume aufzutischen.</p>



<p>Da er sich ja «bewusst» ist, dass «die Kulturen Schaden nehmen» können, müsste er auf die erste Frage nach den Hitzerekorden sagen: «Ja, wir erleben heuer eine sehr frühe Trockenheit. Sie bereitet den Gemüsebauern grösste Sorgen. Gewisse Gemüsesorten können kaum mehr richtig wachsen. Wir werden also vermehrt auf Importe angewiesen sein und die Konsument:innen müssen sich auf höhere Preise gefasst machen – für Kartoffeln, Bohnen, Tomaten.»</p>



<p>Der Moderator würde ihn fragen, wie er denn die Situation längerfristig sehe, was das Austrocknen von Boden, Seen und Flüssen angehe – und wie die Landwirtschaft reagieren könnte? Im Sensebezirk sei ja jetzt schon Mitte Juni Wassernotstand, und die <a href="https://www.trockenheit.admin.ch/de">nationale Trockenheitsplattform</a> verzeichne eine fast totale Trockenheit im Land – ohne Aussicht auf Änderung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="615" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L-1024x615.png" alt="Depositphotos_664623134_L" class="wp-image-708523" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L-1536x923.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_664623134_L.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Endlich Sommer!», findet Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes.</figcaption></figure>



<p>Herr Ritter müsste dann sagen: «Ich weiss es auch nicht, niemand kann zaubern. Aber wir brauchen bald ein anderes Wassermanagement. Wir werden private Swimmingpools verbieten, wir werden mehr Abwasserleitungen brauchen, damit wir die privaten Gärten nicht mit Trinkwasser giessen müssen. Wir werden wohl überall im Land auf Pflanzen umstellen müssen, die hitzeresistent sind, und aufwendige Blumenzuchten mit Rosen und Hortensien einschränken. Ja, wir müssen uns bewusst sein, dass wir im Klimawandel angekommen sind – und dass das Ende noch lange nicht erreicht ist.»</p>



<p><strong>Einstehen für Wahrheit</strong></p>



<p>Der Moderator würde dann noch auf die Frage nach dem Atomstrom kommen und der Landwirtschaftsboss, der ein anderer Ritter wäre, würde zuversichtlich sagen: «Der Strombedarf ist steigend, solange wir auf den digitalen Wandel und den Ausbau von E-Mobilität setzen, auch in der Landwirtschaft. Deshalb ist das zentral, was viele Landwirte schon machen: nämlich die Produktion von Wind- und Sonnenenergie für den Eigenbedarf und zur Speicherung weiter vorantreiben. Gerade Windenergie kann auch im Winter viel Strom zur Überbrückung des kurzfristigen Winter-Strommangels liefern. Und die Forschung macht grosse Fortschritte bei den Speichermöglichkeiten für Sonnenstrom. Deshalb ist die ‹Mitte› eine Partei, die für dringende Investitionen in diesem Bereich eintritt. Und nicht für neue Atomkraftprojekte, für die jeder Rappen hinausgeschmissenes Geld ist.»</p>



<p>So könnte das Gespräch einmal enden. Es wäre noch keine grossartige Vision von anderem Leben, Hitzeschutz in der Arbeit und anderer Landwirtschaft. Es wäre einfach ein Gespräch auf Augenhöhe mit den «Bürgern», den Landwirten und der Wahrheit.</p>



<p>Aber so wie das «Tagesgespräch» wirklich ablief, ist es ein Beispiel für das öffentliche politische Verbiegen, Verwedeln und Ablenken. Vielleicht glaubt Ritter ja sein Sommermärchen selber, aber das macht noch keine Wahrheit. Es ist Propaganda aus Angst vor der Wahrheit, und wir kennen dieses System genau, seit Amerika einen Präsidenten hat, für den das Ausrufezeichen das einzige Stilmittel ist.</p>



<p>Es lässt sich übertragen auf viele andere Bereiche: Das nächste grosse Krisengebiet wird in der Schweiz wohl die IV sein, der die Mittel bald ausgehen werden, weil die Zahl der Neueintritte vor allem bei jungen Menschen steigt. Als <a href="https://www.bluewin.ch/de/news/schweiz/ahv-iv-statistik-2025-psychische-erkrankungen-li.3249517">«alarmierend»</a> wird dort bereits wahrgenommen, dass psychische Erkrankungen mit 53 Prozent aller IV-Renten der mit Abstand häufigste Grund sind. Nimmt man nur die krankheitsbedingten IV-Renten, dann liegt der Anteil psychischer Erkrankungen gemäss den Daten des <a href="https://www.bsv.admin.ch/de/statistik-iv">Bundesamts für Sozialversicherungen</a> sogar bei 64 Prozent. Was sich darin für eine Wahrheit verbirgt über den Zustand unserer Wohlstandsgesellschaft, wird bald einmal aufs politische Parkett kommen müssen. Gott sei Dank nicht auf jenes von Herrn Ritter.</p>



<p>Denn dort heisst es weiterhin: «Endlich Sommer!»</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Silvia Henke ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und Publizistin. Sie unterrichtet an der Hochschule Luzern Design &amp; Kunst, unter anderem und Politik und visuelle Kultur. Forschungsschwerpunkte sind Kunst und Religion, künstlerisches Denken, transkulturelle Kunstpädagogik. Sie interessiert sich grundsätzlich für die Widersprüche der Gegenwart, wie sie auch in der Medienlandschaft auftauchen, und veröffentlicht regelmässig Texte und Kolumnen in Magazinen und Anthologien.</em><br><br><em>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie greift Beiträge aus Medien auf, widerspricht aus journalistischen oder sprachlichen Gründen und reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Examen: «Kann man glücklich sein, wenn andere es nicht sind?»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/bildung/examen-kann-man-gluecklich-sein-wenn-andere-es-nicht-sind/</link>
					<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=708265</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Studentin-DmitryPoch-e1782130873480-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Studentin DmitryPoch" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Studentin-DmitryPoch-e1782130873480-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Studentin-DmitryPoch-e1782130873480-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Studentin-DmitryPoch-e1782130873480-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Studentin-DmitryPoch-e1782130873480.jpg 1500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Über eine halbe Million französische Maturanden hatten vier Stunden Zeit, um diese Frage schriftlich zu beantworten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>An der diesjährigen Philosophieprüfung am 15. Juni in Frankreich hatten die 528&#8217;135 Maturanden im ganzen Land folgende drei gleichen Fragen zur Auswahl:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Antwort auf die Frage: «Kann man glücklich sein, wenn andere es nicht sind?»</li>



<li>Antwort auf die Frage: «Können wir kontrollieren, was wir sagen?»</li>



<li>Einen Textauszug aus dem Buch «Menschliches, Allzumenschliches» von Friedrich Nietzsche interpretieren.</li>
</ol>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="321" height="367" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-Pruefungsfragen-Cover.png" alt="F Prüfungsfragen Cover" class="wp-image-708257" style="width:250px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-Pruefungsfragen-Cover.png 321w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-Pruefungsfragen-Cover-262x300.png 262w" sizes="auto, (max-width: 321px) 100vw, 321px" /></figure>



<p>Philosophie ist für das französische<strong>&nbsp;</strong>Baccalauréat (Abitur, Matur) ein Pflichtfach. Fragen vergangener Jahre lauteten:</p>



<p>«Hängt unsere Zukunft von der Technik ab?»</p>



<p>«Kann die Wissenschaft unsere Suche nach Wahrheit befriedigen?»</p>



<p>«Schuldet uns er Staat etwas?»</p>



<p>«Muss, wer Frieden will, Gerechtigkeit anstreben?»</p>



<p>«Ist es Aufgabe des Staates zu entscheiden, was gerecht ist?»</p>



<p>«Entzieht sich das Unbewusste jeglicher Form der Erkenntnis?»</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="830" height="557" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-Pruefungsfragen.png" alt="F Prüfungsfragen" class="wp-image-708255" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-Pruefungsfragen.png 830w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-Pruefungsfragen-300x201.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-Pruefungsfragen-768x515.png 768w" sizes="auto, (max-width: 830px) 100vw, 830px" /></figure>



<p>«Das Philosophie-Examen ist der Beweis dafür, dass gegensätzliche Ansichten und Debatten Kern der Erziehung in unserem Land sind», erklärte Frankreichs Erziehungsminister Édouard Geffray.</p>



<p>Den Stellenwert philosophischer Fragen in Frankreich zeigen auch zahlreiche Radiosendungen, in denen Philosophen wie <a href="https://www.ens.psl.eu/search/content_?keys=worms&amp;advanced-form=1&amp;f%5B0%5D=language%3Afr">Frédéric Worms</a> von der École normale supérieure regelmässig zu Gast sind. Anne-Sophie Moreau, Herausgeberin des Berliner <a href="https://www.philomag.de/">«Philosophie-Magazins»</a>, sagte: «Es geht um das kollektive Erörtern von Werten wie Gerechtigkeit, Freiheit, Staat und Demokratie. So werden die Studierenden gute Bürgerinnen und gute Bürger.»  </p>



<p>Es gehe nicht um das Vermitteln der Geschichte philosophischer Theorien, sondern um&nbsp;«die Fähigkeit eines Menschen, Ideen zu verstehen und zu begreifen», erklärte der frühere Präsident der Gewerkschaft der französischen Philosophielehrer,&nbsp;<a href="https://www.linkedin.com/in/nicolas-franck/">Nicolas Franck</a>. Er lehrte 35 Jahre lang an Gymnasien.&nbsp;</p>



<p><strong>Oberste Geheimhaltungsstufe</strong></p>



<p>Von Paris aus verteilten unauffällige Umzugswagen des Bildungsministeriums, flankiert von zwei Begleitfahrzeugen, die versiegelten Umschläge mit den Prüfungsfragen an alle Gymnasien des Landes. Dort verwahrten die Schulleitungen die Umschläge doppelt versiegelt in einem Tresor und öffneten sie erst am Morgen des Prüfungstags, als alle Maturanden an ihren Pulten sassen. </p>



<p>Wer Prüfungsfragen vorzeitig weitergibt, riskiert bis zu drei Jahren Gefängnis. In den letzten fünfzehn Jahren kam es etwa <a href="https://etudiant.lefigaro.fr/article/bac-2017-l-incroyable-histoire-de-la-fuite-des-sujets-de-philosophie_d5be4312-5262-11e7-92a8-9c5efd70ddb0/">dreimal zu einem Leck</a>. 2014 hatte eine Gymnasiastin Themenausschnitte wenige Minuten nach Prüfungsbeginn getwittert. Das Ministerium und die Gendarmerie reagierten jeweils schnell.Es mussten aber einzelne Prüfungen wiederholt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Philosophie an Schweizer und deutschen Gymnasien</h2>



<p>Laut eidgenössischem Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) ist Philosophie schweizweit kein obligatorisches Fach. Es steht den Kantonen frei, Philosophie zusätzlich als obligatorisches Fach zu führen. Obligatorisches Schulfach für alle ist Philosophie jedoch nur im Kanton Luzern. Doch für die Maturaprüfung ist es auch dort nur ein Wahlfach.<br>Laut Wikipedia ist Philosophie auch in den Kantonen Genf, Jura, Neuenburg, Nidwalden und Obwalden ein kantonales Grundlagenfach, das jedoch bei der Maturaprüfung höchstens ein Wahlfach bleibt.</p>



<p>In Deutschland kann&nbsp;Philosophie zwar in vielen Bundesländern als Abiturfach gewählt werden, ist aber nirgends für alle verbindlich prüfungsrelevant.</p>



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<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/5500498745bd46e7b7a6c322e14a6b9a" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Ich habe gewonnen!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/ich-habe-gewonnen/</link>
					<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=708283</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/heidi024-2iranUsa-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="heidi024-2iranUsa" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/heidi024-2iranUsa-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/heidi024-2iranUsa-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/heidi024-2iranUsa-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/heidi024-2iranUsa.png 1350w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die USA und der Iran verhandeln über ein Friedensabkommen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>China verlegt Rechenzentren unter Wasser</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/china-verlegt-rechenzentren-unter-wasser/</link>
					<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 07:28:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707015</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="169" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/offshore-wind-powered-UDC-in-Shanghai_-photo-Lin-gang-Special-Area-Wenhui-Daily-768x432-1-300x169.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="offshore-wind-powered-UDC-in-Shanghai_-photo-Lin-gang-Special-Area-Wenhui-Daily-768x432" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/offshore-wind-powered-UDC-in-Shanghai_-photo-Lin-gang-Special-Area-Wenhui-Daily-768x432-1-300x169.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/offshore-wind-powered-UDC-in-Shanghai_-photo-Lin-gang-Special-Area-Wenhui-Daily-768x432-1.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mit dem ersten windbetriebenen Unterwasser-Rechenzentrum will China die Ressourcenprobleme lösen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Zehn Kilometer vor der Küste Shanghais und in zehn Metern Tiefe werden in China zukünftig Daten verarbeitet. Das Shanghai Lingang Unterwasser-Rechenzentrum ist das erste, das mit Strom aus einer nahen Offshore-Wind-Anlage betrieben wird und laut den Entwicklern zu 95 Prozent mit erneuerbarer Energie arbeitet.</p>



<p>Offizieller Projektstart war bereits <a href="https://www.offshorewind.biz/2026/05/18/china-puts-worlds-first-offshore-wind-powered-underwater-data-centre-into-operation/">im Juni 2025</a>. In einer ersten Phase bauten die Projektpartner Hi-Cloud Technology und das staatliche Unternehmen China Communications Construction ein Demo-Rechenzentrum mit einer Kapazität von 2,3 Megawatt auf. Auf Bildern sieht man eine gelbe Konstruktion mit vier Stützen. Die Server befinden sich <a href="https://w.media/beneath-the-waves-chinas-bold-bet-on-underwater-data-centers/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">nach bebilderten</a> <a href="https://www.chinadailyhk.com/hk/article/323369" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Berichten</a> in versiegelten Kapseln unter Wasser.</p>



<p>Im Februar wurde die zweite Projektphase angekündigt, in der die Demo-Anlage für 226 Millionen US-Dollar auf 24 Megawatt erweitert wurde. Im Mai wurde Phase 2 abgeschlossen und das neuartige Rechenzentrum für den kommerziellen Betrieb geöffnet. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Unterwasserbetrieb soll das Kühlproblem angehen</h2>



<p>Damit haben die Projektpartner nicht nur recht günstig gearbeitet. Nach Angabe <a href="https://english.www.gov.cn/news/202510/21/content_WS68f72c76c6d00ca5f9a06f20.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der chinesischen Regierung</a> braucht das Rechenzentrum in der Freihandelszone Lingang ein Fünftel (22,8 Prozent) weniger Energie als eine vergleichbare Einrichtung an Land. Das ist nachvollziehbar – zwischen 25 und 40 Prozent seiner Energie benötigt ein Rechenzentrum laut dem <a href="https://www.theguardian.com/world/2026/jun/09/worlds-first-wind-powered-underwater-datacentre-starts-operating-in-china">«G</a><a href="https://www.theguardian.com/world/2026/jun/09/worlds-first-wind-powered-underwater-datacentre-starts-operating-in-china" target="_blank" rel="noreferrer noopener">u</a><a href="https://www.theguardian.com/world/2026/jun/09/worlds-first-wind-powered-underwater-datacentre-starts-operating-in-china">ardian»</a> für die Wasserkühlung. Eine Unterwasseranlage benötigt dazu kein Süsswasser und belegt fast keinen Boden.</p>



<p>Die Energieeffizienz (Power Usage Effectiveness, PUE) der Anlage liegt nach Angaben der Entwickler bei einem Wert von etwa 1,15, was zu den Spitzenwerten zählt. Der Durchschnitt für Rechenzentren an Land <a href="https://deutsche-rz.com/wissenslexikon/pue-wert" target="_blank" rel="noreferrer noopener">liegt bei etwa 2,0</a>. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Süsswasserbedarf: Null</h2>



<p>Auch in anderen Teilen der Welt schiessen neue Rechenzentren in Folge des KI-Booms wie Pilze aus dem Boden. Wegen ihres grossen Energie-, Land- und Wasserbedarfs gibt es umfangreiche Kritik und häufig Proteste. Das Institut für Wasser, Umwelt und Gesundheit der Universität der Vereinten Nationen warnte, dass der Wasserbedarf von Rechenzentren bis 2030 auf 9,3 Billionen Liter ansteigen könnte. Genug, um den Wasserbedarf aller 1,3 Milliarden Einwohner Subsahara-Afrikas für ein Jahr zu decken, vergleicht der «Guardian».</p>



<p>Wie die Einwohnerinnen und Einwohner Chinas dazu stehen, ist schwer zu sagen. Für Chinas Regierung jedenfalls hat der Bau neuer Rechenzentren nationale Priorität. Im Shanghai Lingang UDC werden Computer mehrerer Unternehmen betrieben. Das grösste ist China Telecom, dazu kommen Serviceprovider wie <a href="https://www.offshorewind.biz/2026/05/18/china-puts-worlds-first-offshore-wind-powered-underwater-data-centre-into-operation/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Link-Wise</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nicht das erste Unterwasser-Rechenzentrum</h2>



<p>Wegen der Ressourcenersparnis werden Pilotprojekte mit Unterwasser-Rechenzentren in der Branche mit grossem Interesse beobachtet. Eine Abkürzung dafür gibt es auch schon: UDC steht kurz für «Underwater Data Center». Hi-Cloud betreibt bereits seit 2023 ein Rechenzentrum bei einer Insel im südlichen China, allerdings nicht mit Offshore-Wind als Energiequelle.</p>



<p>Schon 2018 führte <a href="https://news.microsoft.com/source/features/sustainability/project-natick-underwater-datacenter/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Microsoft</a> vor der schottischen Küste einen Versuch mit einer Unterwasser-Anlage durch, die nach zwei Jahren wieder an die Oberfläche geholt wurde. Ein sehr sinnvolles Unterfangen, argumentierte das Tech-Unternehmen. Die Hälfte der Weltbevölkerung lebe weniger als 193 Kilometer (120 Meilen) von einer Küste entfernt.</p>



<p>Das Minirechenzentrum bei Orkney bestand aus einer Kapsel, die 36 Meter (117 Fuss) tief versenkt wurde. Um die Korrosion zu minimieren, wurde sie mit trockenem Stickstoff gefüllt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1017" height="573" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Microsoft-DC-Schottland.png" alt="Microsoft DC Schottland" class="wp-image-707029" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Microsoft-DC-Schottland.png 1017w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Microsoft-DC-Schottland-300x169.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Microsoft-DC-Schottland-768x433.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1017px) 100vw, 1017px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das von Microsoft 2018 versenkte Rechenzentrum in einer mit Stickstoff gefüllten Kapsel, die nach zwei Jahren wieder an die Oberfläche geholt wurde. </figcaption></figure>



<p>Nach Angaben von Microsoft lief die Unterwasseranlage stabiler als Rechenzentren an Land. Während des Betriebs seien auch nur ein Achtel der Hardware-Bestandteile, die normalerweise ausfallen, kaputtgegangen. Ein Effekt, der mindestens teilweise dadurch zustande gekommen sei, dass es an äusseren Einflüssen fehlte. Mit anderen Worten: In einer stickstoffgefüllten Unterwasserkapsel laufen keine Menschen herum, die Dinge kaputtmachen könnten. Korrosion findet mangels Sauerstoff und Feuchtigkeit auch nicht statt.</p>



<p>Und wie sieht es mit den Dingen aus, die Menschen ausserhalb der versenkten Rechenzentren kaputtmachen können? Eine Unterwasseranlage ist eine Baustelle wie andere auch, nur eben nicht an Land. Und wo etwas gekühlt wird, erwärmt sich etwas anderes – in diesem Fall das Meerwasser.</p>



<p>Ökologische Risiken im Meer, zum Beispiel weil Sedimente aufgewirbelt würden oder weil das Wasser sich erwärmen könnte, seien höchstwahrscheinlich beherrschbar, müssten jedoch weiter beobachtet werden, führt der «Guardian» an. Rick Stafford, Meeresbiologe an der Bournemouth University, den die Zeitung befragte, hält Unterwasser-Rechenzentren für «eine wahrscheinlich gute Idee». Die Kühlung könne zwar zu lokal höheren Wassertemperaturen führen, deren Auswirkungen seien aber nicht weitreichend.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/das-rechenzentrum-ist-der-fabrikschlot-der-zukunft/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Rechenzentrum ist der Fabrikschlot der Zukunft</a> – Infosperber am 8. Juni 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/809c3cf17c3d469d91ed63370b92f733" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Hitze: Vorsicht bei Einnahme von Blutdrucksenkern</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/hitze-vorsicht-bei-einnahme-von-blutdrucksenkern/</link>
					<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 08:00:26 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707981</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="198" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-20-um-16.33.22-300x198.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Fieberthermometer Medikamente" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-20-um-16.33.22-300x198.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-20-um-16.33.22-768x507.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-20-um-16.33.22.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Eine ganze Reihe von Medikamenten kann bei Hitze Probleme verursachen. Manchmal ist eine vorübergehende Dosisreduktion sinnvoll.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Triple whammy», dreifacher Hammer, wird die Kombination aus drei sehr häufig verordneten Medikamenten genannt. Denn dieses Trio kann das Risiko für schwere Nebenwirkungen erhöhen – besonders bei Hitze. </p>



<p>Zum «dreifachen Hammer» gehören: ein Blutdrucksenker vom Typ ACE-Hemmer oder Sartan (solche Wirkstoffe enden auf -pril oder -sartan), dazu ein entwässernd wirkendes Medikament (oft umgangssprachlich «Wassertablette» genannt) plus ein sogenanntes NSAR-Schmerzmittel wie zum Beispiel Ibuprofen.</p>



<p>Der ACE-Blutdrucksenker kann das Durstgefühl vermindern, die Wassertablette bewirkt, dass der Körper mehr Wasser ausscheidet und das Schmerzmittel reduziert die Nierendurchblutung. Alles zusammen führt im dümmsten Fall zu einem schweren Nierenschaden. Hitzebedingter Flüssigkeitsmangel erhöht dieses Risiko. Das ist der &#171;vierte Hammer&#187;. Ältere Menschen verspüren oft (zu) wenig Durst.</p>



<p><strong>Blutdrucksenker eventuell pausieren</strong></p>



<p>Hitze bewirkt, dass sich die Adern weiten. Dadurch kann der Körper mehr Wärme abgeben und das schützt vor Überhitzung. Aufgrund der weiter gestellten Adern sinkt jedoch der Blutdruck – was die Wirkung aller Blutdrucksenker verstärkt.</p>



<p>Wer einen Blutdrucksenker einnimmt, sollte deshalb während Hitzeperioden den Blutdruck messen. Liegt der obere Wert mehrfach höchstens bei 110, ist – in Absprache mit der Hausärztin – eine Dosisreduktion oder ein Pausieren des Medikaments sinnvoll, bis die Hitzeperiode vorüber ist. Schwindel, Benommenheit oder ein Sturz können Anzeichen eines zu tiefen Blutdrucks sein. Der untere Blutdruckwert sollte nicht tiefer sein als 70. </p>



<p>Bei der Einnahme von Betablockern können sich die Arterien nicht so weiten wie sonst. Das bremst die Wärmeabgabe.&nbsp;</p>



<p>Hitze plus stärkere Hautdurchblutung führen bei starken Schmerzmittelpflastern dazu, dass der Körper den Wirkstoff besser aufnimmt. Im Extremfall kann das zur Vergiftung führen.</p>



<p><strong>Mittel für die Harnblase oder Betablocker können Überhitzung begünstigen</strong></p>



<p>Schwitzen ist für den Körper eine weitere Möglichkeit, um sich abzukühlen. Bestimmte Wirkstoffe bremsen aber die Schweissproduktion und begünstigen deshalb eine Überwärmung. Dazu zählen sogenannte «anticholinerg» wirkende Substanzen, die beispielsweise gegen Urininkontinenz oder gegen starke Schmerzen eingesetzt werden. Auch einige Arzneimittel gegen Parkinson, Depression, psychische Erkrankungen oder Epilepsie wirken anticholinerg und führen deshalb eher zur Überhitzung. &nbsp;</p>



<p>Problematisch können laut der <a href="https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Katastrophenschutz/Hitze/relevante_Arzneimittel_Hitze.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände</a> (Abda) auch Antidepressiva vom Typ SSRI sowie Arzneimittel mit dem Wirkstoff Methylphenidat sein (bekannt zum Beispiel unter dem Markennamen Ritalin), weil sie die natürliche Temperaturregulation des Körpers verändern.</p>



<p>Bei einer Überhitzung wird die Haut heiss und trocken, der Puls schlägt schnell und es kann zu Muskelkrämpfen oder Verwirrtheit kommen. Vorbeugend rät die Abda zu kühlenden Umschlägen, Fussbädern oder die Unterarme mit Wasser zu kühlen.</p>



<p>Das «<a href="https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Journal-of-Health-Monitoring/GBEDownloadsJ/Focus/JHealthMonit_2023_S4_Hitze_Sachstandsbericht_Klimawandel_Gesundheit.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Journal of Health Monitoring</a>» hat eine Tabelle für Fachpersonen mit den wichtigsten unerwünschten Wirkungen von Medikamenten bei Hitze veröffentlicht. Weitere Tabellen <a href="https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Katastrophenschutz/Hitze/UEbersicht_hitzekritischer_Arzneimittel_Tabelle.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">finden sich hier</a> und <a href="https://dosing.de/Hitze/Medikamentenmanagement_bei_Hitzewellen.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="432" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-20-um-14.11.14.png" alt="Tabelle Medikamente und Hitze" class="wp-image-708011" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-20-um-14.11.14.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-20-um-14.11.14-300x162.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-20-um-14.11.14-768x415.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fachtabelle Medikamente und Hitze. Für eine grössere Auflösung bitte hier klicken (S. 15).</figcaption></figure>



<p><strong>Ausscheidung von Medikamenten beeinträchtigt</strong></p>



<p>Entwässernd wirkende Blutdrucksenker sowie Abführmittel verstärken den mit dem Schwitzen einhergehenden Flüssigkeitsverlust. Die «Wassertabletten» können überdies zum Absinken des Natriumspiegels im Blut führen. Das gilt auch für manche Medikamente gegen Diabetes (die entsprechenden Wirkstoffe enden auf &#8211;<a href="https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=SGLT2-Hemmer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">gliflozin</a>).&nbsp;</p>



<p>Pro Kilo Körpergewicht benötigt ein Mensch täglich etwa 30 Milliliter Wasser (Wasser in Nahrungsmitteln zählt mit). Zusätzlich muss die Menge an Flüssigkeit ersetzt werden, die man durch die Hitze, beim Sport, bei körperlich anstrengender Tätigkeit oder bei Fieber verliert. Eine zu geringe Trinkmenge kann die Ausscheidung vieler Arzneimittel beeinträchtigen. Dann wirken sie unter Umständen stärker. </p>



<p>Eine Dehydrierung zeigt sich daran, dass der Körper nur noch wenig Urin produziert und der Urin konzentrierter, dunkler wird. Haut und Zunge werden trocken. Kneift man die Haut auf dem Handrücken als Falte zusammen, bleibt diese Falte länger ‹stehen› als sonst.</p>



<p>Zu den Personengruppen, die auf Hitze sensibler reagieren, gehören Menschen mit Herzkrankheiten, Demenz, Nierenschwäche oder mit Diabetes. Beim Diabetes funktioniert die Hitzeanpassung nicht immer einwandfrei. Auch bei der Lungenkrankheit COPD ist Vorsicht angebracht, einerseits wegen der erhöhten Feinstaub- und Ozonbelastung während Hitzeperioden, andererseits weil schnelleres Atmen eine Verschlimmerung begünstigen kann. Die erhöhte Atemfrequenz dient dem Körper ebenfalls zur Wärmeabgabe als Schutz gegen Überhitzung.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="700" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Buch-Cover-Pillen-x-700x1024.png" alt="Buch Cover Pillen x" class="wp-image-651061" style="aspect-ratio:0.6835975228680189;width:152px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Buch-Cover-Pillen-x-700x1024.png 700w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Buch-Cover-Pillen-x-205x300.png 205w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Buch-Cover-Pillen-x-768x1124.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Buch-Cover-Pillen-x-1050x1536.png 1050w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Buch-Cover-Pillen-x.png 1170w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></figure>



<p>Dr. med. Martina Frei<br>«<a href="https://www.gesundheitstipp.ch/shop/buchdetail/buchdetail/gute-pillen-schlechte-pillen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gute Pillen – schlechte Pillen</a>», Konsumenteninfo AG Zürich, 2025, 260 Seiten.&nbsp;<br>Ganzes Buch&nbsp;<a href="https://www.ktipp.ch/shop/buchdetail/buchdetail/gute-pillen-schlechte-pillen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">34 Franken</a>.<br>Nur einzelne Artikel separat als PDF je&nbsp;<a href="https://www.ktipp.ch/shop/buchdetail/buchdetail/gute-pillen-schlechte-pillen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">7 Franken</a>&nbsp;(nach unten scrollen).</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/alles-was-sie-ueber-ihre-medikamente-wissen-sollten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Alles, was Sie über Ihre Medikamente wissen sollten</a>, Infosperber vom 9.9.2025</li><li>Merkblatt des Gesundheitstipp «Hitze und Medikamente» (Bezahlschranke): <a href="https://www.gesundheitstipp.ch/service/merkblaetter/detail/merkblaetterdetail/hitze-und-medikamente" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bitte hier klicken</a>.</li><li>Informationen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zum Thema Hitze: <a href="https://www.abda.de/fuer-apotheker/faqs-und-checklisten/hitzeschutztipps-aus-der-apotheke/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bitte hier klicken</a>.</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/panikmeldung-zum-hitzestress-und-kein-medium-verbessert-sich/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Panikmeldung zum Hitzestress – und kein Medium verbessert sich</a>, Infosperber vom 24.11.2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/welche-medikamente-fuer-aeltere-menschen-ungeeignet-sind/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Welche Medikamente für ältere Menschen ungeeignet sind</a>, Infosperber vom 6.4.2023</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/bd160bc11b74471ab16ae00744df4406" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>UBS-Angestellte: So stolz auf den KI-Kurs!!!</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/ubs-angestellte-so-stolz-auf-den-ki-kurs/</link>
					<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 07:59:50 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=706441</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="183" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/UBS-Hauptsitz-an-der-Bahnhofstrasse-in-Zuerich-300x183.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="UBS Hauptsitz an der Bahnhofstrasse in Zürich" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/UBS-Hauptsitz-an-der-Bahnhofstrasse-in-Zuerich-300x183.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/UBS-Hauptsitz-an-der-Bahnhofstrasse-in-Zuerich-1024x624.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/UBS-Hauptsitz-an-der-Bahnhofstrasse-in-Zuerich-768x468.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/UBS-Hauptsitz-an-der-Bahnhofstrasse-in-Zuerich.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein Abzeichen für eine kurze KI-Schulung macht die Runde auf Linkedin. Die Angestellten buhlen wohl um die Gunst der UBS.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Proud to have earned my UBS AI Citizen badge!» – «Stolz darauf, mir meinen UBS-AI-Citizen-Badge verdient zu haben»: Mit diesen Worten haben in den letzten Wochen viele UBS-Angestellte ihr Konto auf der Social-Media-Plattform Linkedin ergänzt.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="672" height="352" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/UBS-AI-Citizen-Badge.png" alt="UBS AI Citizen Badge" class="wp-image-706447" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/UBS-AI-Citizen-Badge.png 672w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/UBS-AI-Citizen-Badge-300x157.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/UBS-AI-Citizen-Badge-390x205.png 390w" sizes="auto, (max-width: 672px) 100vw, 672px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das digitale Abzeichen, das die UBS-Angestellten erhalten, wenn sie den digitalen KI-Grundkurs der Bank absolviert haben</figcaption></figure>



<p>Den Badge, auf den alle so stolz sind, erhalten sie für einen digitalen Selbstlernkurs, der Basiskenntnisse in Künstlicher Intelligenz (KI) vermittelt.</p>



<p>Absolviert haben ihn UBS-Angestellte aller Hierarchiestufen – auch die obersten Chefs, wie etwa Andy Kollegger, der seit 33 Jahren bei der UBS ist und zur Geschäftsleitung gehört.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«Andy, wie bekomme ich so einen?!»</h2>



<p>Er schreibt: «Sehen Sie sich meine verifizierte Leistung von UBS an.» Und erhält den Kommentar: «Andy, wie bekomme ich so einen?! Herzlichen Glückwunsch!!»</p>



<p>Ist es ironisch gemeint? Jedenfalls wundert sich unter anderem die Online-Plattform <a href="https://insideparadeplatz.ch/2026/06/11/ubs-directors-linkedin-eigenlob-mit-ki-bullshit/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Inside Paradeplatz»</a> darüber, dass «Dutzende ihr internes Kürsli als Mega-Leistungsausweis hypen».</p>



<p>Manche ergänzen ihre Selbstwürdigung auch noch mit überschwänglichem Lob für die UBS. So schreibt eine Kundenberaterin: «Great to see how UBS is investing in AI and to be part of this journey!» – «Grossartig, wie die UBS in KI investiert und dass ich Teil dieser Entwicklung bin!»</p>



<p>Infosperber wollte von der UBS unter anderem wissen, warum plötzlich so viele Angestellte ausgerechnet mit diesem Kurs ihren beruflichen Werdegang aufmöbeln. Die UBS wollte aber keine Fragen beantworten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">UBS hat eigene KI-Hilfe</h2>



<p>Den E-Learning-Kurs zur KI sollen möglichst alle Angestellten absolvieren. Er sei «mehr als nur ein Trainingsprogramm». Er sei «eine grossartige Gelegenheit, KI-Fähigkeiten zu entwickeln» – so macht die <a href="https://www.linkedin.com/search/results/all/?keywords=ubs%20Our%20AI%20Learning%20Journey%20is%20more%20than%20just%20a%20training%20program&amp;origin=GLOBAL_SEARCH_HEADER&amp;sid=SWu" target="_blank" rel="noreferrer noopener">UBS auf Linkedin</a> ihren Angestellten das Schulungsprogramm schmackhaft.</p>



<p>Diese müssen lernen, mit dem firmeneigenen KI-Assistenzsystem Red zu arbeiten. Red ist eine Art Chat-GPT, das den Angestellten helfen soll, schneller zu ihren Informationen zu kommen, etwa bei der Beratung von Kunden zu Geldanlagen.</p>



<p>Vor ein paar Monaten hat die UBS die neue Stelle eines Chief Artificial Intelligence Officer (CAIO) geschaffen. Dieser KI-Chef, Daniele Magazzeni, soll die KI-Strategie der Grossbank vorantreiben.</p>



<p>Das ist aber kaum die einzige Erklärung dafür, dass plötzlich ein E-Learning-Kurs zu KI dermassen auf Linkedin hochgespielt wird. «Inside Paradeplatz» vermutet, dass derzeit viele UBS-Angestellte versuchen, «die nächste Entlassungswelle zu überleben», und hoffen, mit den «Linkedin-Beweihräucherungen über die Runden zu kommen».</p>



<h2 class="wp-block-heading">Jeder Elfte wird überflüssig</h2>



<p>Seit der Übernahme der Credit Suisse hat die UBS immer wieder Stellen gestrichen. Die nächste Entlassungswelle kommt im zweiten Halbjahr 2026, also schon sehr bald. In der Schweiz rechnet die Bank mit rund 3000 Stellen, die verschwinden müssen. Das sind fast neun Prozent der hiesigen Belegschaft. Anfang 2025 hatte die UBS noch gut 34&#8217;000 Vollzeitstellen in der Schweiz.</p>



<p>Ein Stellenwechsel wird fürs Bankpersonal zunehmend schwierig. Gemäss dem <a href="https://www.arbeitgeber-banken.ch/dienstleistungen/arbeitsmarktindex-fur-die-bankbranche" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Arbeitsmarktindex der Bankbranche</a> erhöhte sich die Arbeitslosenquote seit Anfang Jahr von 3,3 Prozent auf 3,5 Prozent. In der Gesamtwirtschaft liegt sie bei 3,0 Prozent.</p>



<p>Stellt sich noch die Frage, ob die UBS-Angestellten nicht Besseres zu tun hätten, als ihr Linkedin-Profil zu bearbeiten. Die Antwort lautet: Nein. Sie sollen sogar ihr Profil bearbeiten und dürfen das während der Arbeitszeit tun, wenn es um berufliche Erfolge geht. Die Bank verspricht sich davon Werbung für die UBS als Arbeitgeberin und fördert deshalb die Präsenz ihrer Angestellten auf Linkedin – und sei es nur mit einem Eintrag, dass man so stolz sei, einen UBS-AI-Citizen-Badge verdient zu haben.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/2d5da45465eb4991864c5eba3920eb9a" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Kennedy: Ebenso unberechenbar wie Trump</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/kennedy-ebenso-unberechenbar-wie-trump/</link>
					<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 07:59:03 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/p20250213jb-0468_54326381937_o-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="p20250213jb-0468_54326381937_o" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/p20250213jb-0468_54326381937_o-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/p20250213jb-0468_54326381937_o-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/p20250213jb-0468_54326381937_o-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/p20250213jb-0468_54326381937_o.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Marty Makary und Vinay Prasad an der Spitze der Food and Drug Administration – das konnte nicht gut gehen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Einen Kennedy hat Trump wohl sehr gerne in seinem Kabinett. Der hatte ursprünglich gegen ihn kandidiert. Und indem Trump ihm das Gesundheitsministerium angeboten hat, hat der Präsident gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Ein Konkurrent weniger und einen berühmten Namen als Minister.</p>



<p><strong>Viele warnten vor Kennedy</strong></p>



<p>Als Kennedys Berufung bekannt wurde, warnten 77 Nobelpreisträger und mehr als 15‘000 Ärztinnen und Ärzte vor ihm als Gesundheitsminister. Robert F. Kennedy jr. brachte in den letzten Jahren einige Metamorphosen hinter sich. Er war mal Demokrat, war mal ein angesehener Aktivist und unerschrockener Anwalt für Umweltrechte.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="614" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/p20250213jb-0468_54326381937_o-1024x614.png" alt="p20250213jb-0468_54326381937_o" class="wp-image-706741" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/p20250213jb-0468_54326381937_o-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/p20250213jb-0468_54326381937_o-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/p20250213jb-0468_54326381937_o-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/p20250213jb-0468_54326381937_o.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Präsident und sein Gesundheitsminister: Donald Trump und Robert F. Kennedy jr.</figcaption></figure>



<p>Davon ist aber längst nichts mehr übrig. Immer wieder hatte er als sogenannter Impfskeptiker – besser gesagt als Impfgegner – für Schlagzeilen gesorgt, und immer wieder war er mit skurrilen Verschwörungstheorien aufgetreten. So machte er die Masernimpfung für Autismus verantwortlich. Dann propagierte er auch noch den Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation, was seinem Herrn und Meister besonders gut gefiel.</p>



<p><strong>Unerwartete Entscheide</strong></p>



<p>Seine Tiraden gegen das Impfen hielt Kennedy zwar weiterhin aufrecht, aber mit unerwarteten Entscheiden erregte er Aufsehen. Er berief Marty Makary an die Spitze der Food and Drug Administration (FDA) und Vinay Prasad zum Leiter der Impfstoffabteilung der FDA.</p>



<p>Makary ist ein Gastroenterologe und weithin bekannter onkologischer Chirurg. Prasad ist Hämatoonkologe und Internist. Makary, Prasad und mit ihnen viele andere Kritiker beschuldigten die FDA seit langem, dass sie unter dem unzulässigen Einfluss von Pharmaunternehmen die übermässige Verschreibung von Medikamenten zu verantworten hat.</p>



<p><strong>Kritik an der FDA</strong></p>



<p>Sie prangerten die in den 1990er-Jahren erleichterte Verschreibung von Oxycontin an und kritisierten die FDA für die Zulassung von überteuerten Medikamenten gegen Alzheimer und ALS trotz unvollständiger Datenlage und ohne Vorteile für die Erkrankten. Makary und Prasad wollten in Zukunft alle Lobbyarbeit, insbesondere die Zahlungen von Pharmafirmen an die FDA unterbinden.</p>



<p>Sie wollten Arzneimittelherstellern Werbung im Fernsehen verbieten – ein milliardenschwerer Markt. Schmerzmittel, Schlafmittel und Nahrungsergänzungsmittel sind eine riesige Einnahmequelle für Fernsehsender, in jüngster Zeit getoppt durch die Abnehmspritzen («Oh-Oh-Oh-Ozempic»).</p>



<p><strong>Nervosität bei der Pharma</strong></p>



<p>Wenn es Makary und Prasad gelänge, ihre kritischen Positionen in der FDA durchzusetzen, dürfte in den Vorstandsetagen vieler Pharmafirmen die Alarmstufe Rot geherrscht haben. Es gab noch eine Reihe weiterer Vorhaben, welche die saturierten Gewinnler im US-amerikanischen Gesundheitswesen in Aufruhr versetzten.</p>



<p>Erstmalig in der Geschichte der FDA kam ein Gremium im November 2023 zum Schluss, dass ein unbefristet zugelassenes Medikament (Phenylnephrin) wegen völliger Wirkungslosigkeit verboten werden soll. Es ist in etwa 70 Erkältungsmedikamenten in den USA enthalten – ein Milliarden-Dollar-Geschäft.</p>



<p>Wirkungslose Medikamente gibt es in grosser Zahl, von «sanften» Erkältungsmitteln bis zu extrem teuren Krebsmedikamenten. Diese Medikamente vom Markt zu nehmen würde das Geschäftsmodell sehr vieler Pharmafirmen ins Wanken bringen.</p>



<p><strong>Zweistellige Kursverluste</strong></p>



<p>Die Ernennung von Vinay Prasad zum Impfstoffchef der FDA führte sofort zu zweistelligen Kursverlusten von Moderna, Pfizer und Sarepta an der Börse. Prasad kritisierte seit langem schon die engen Verbindungen der FDA zur Industrie. Er gilt als unabhängig und streitlustig.</p>



<p>Vor grossen und mächtigen Pharmafirmen fürchte er sich nicht. Marty Makary lobte Prasads wissenschaftliche Strenge. Makary weigert sich, die Verschreibung des Abtreibungsmedikaments Mifepriston zu erschweren. Fruchtigen Aromen bei E-Zigaretten schob er einen Riegel vor.</p>



<p><strong>Schon bald entlassen</strong></p>



<p>Es kam deshalb, wie es kommen musste. Die aufrührerischen Positionen passten so gar nicht ins Weltbild von Trump und Kennedy. Es funktionierte also nicht allzu lange. Und nachdem Makary und Prasad sich in kurzer Zeit mit allen und jedem angelegt hatten, wurden beide fast gleichzeitig im März und Mai 2026 entlassen.</p>



<p>Nachträglich muss man sich fragen, wie es überhaupt zur Berufung der beiden Mediziner kommen konnte, wo die beiden doch so gar nicht zu Trump und Kennedy passten. Und schon gar nicht zu einem Gesundheitswesen, das das teuerste, ineffektivste und unsozialste der Welt ist.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/trump-schasst-seinen-obersten-arzneiaufseher/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trump schasst seinen obersten Arzneiaufseher</a>, Infosperber vom 15.5.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/lobhudelei-fuer-eine-unbewiesene-gentherapie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lobhudelei für eine unbewiesene Gentherapie</a>, Infosperber vom 21.4.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/kritischer-wissenschaftler-bei-der-fda-gefeuert/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kritischer Wissenschaftler bei der FDA gefeuert</a>, Infosperber vom 6.8.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/us-behoerde-will-unwirksame-mittel-streichen-eine-premiere/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">US-Behörde will unwirksame Mittel streichen: Eine Première!</a>, Infosperber vom 27.4.2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Keine. Dieser Kommentar des Arztes und Autors Bernd Hontschik erschien zuerst in der Frankfurter Rundschau.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
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					<title>«Pro Natura»: Jährlich 80&#8217;000 Menschen mehr seien kein Problem</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/uebriges-umwelt/pro-natura-jaehrlich-80000-menschen-mehr-seien-kein-problem/</link>
					<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 07:13:54 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Verbaute-Landschaft.MarioKrpan-e1781537007749-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Verbaute Landschaft.MarioKrpan" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Verbaute-Landschaft.MarioKrpan-e1781537007749-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Verbaute-Landschaft.MarioKrpan-e1781537007749-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Verbaute-Landschaft.MarioKrpan-e1781537007749-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Verbaute-Landschaft.MarioKrpan-e1781537007749-1536x922.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Verbaute-Landschaft.MarioKrpan-e1781537007749.jpg 1600w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ausgerechnet die Umweltorganisation «Pro Natura» sagt, unsere Umweltprobleme hätten mit dem Bevölkerungswachstum nur wenig zu tun.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>In den letzten fünf Jahren nahm die Bevölkerung der Schweiz jedes Jahr um fast 80&#8217;000 Menschen zu. «Pro Natura bestreitet nicht, dass das Bevölkerungswachstum die Herausforderungen mit der Natur verschärft», erklärte zwar Stefan Kunz, Leiter Politik und Internationales auf eine Anfrage von Infosperber. </p>



<p>Doch im neusten Magazin von «Pro Natura» hatte er noch Aussagen von Bundesrat Beat Jans zugestimmt: «Unsere Umweltprobleme haben nichts mit der Zuwanderung zu tun.»</p>



<p>Infosperber fragte nach: «Ist Pro Natura der Ansicht, dass die Zunahme der Bevölkerung um fast zwei Millionen in gut zwanzig Jahren keinen negativen Einfluss auf die Umwelt und die Natur hatte?» Antwort des «Pro Natura»-Geschäftsleiters Kunz: «Der Pro-Kopf-Konsum ist in den letzten zwanzig Jahren viel stärker gewachsen als die Anzahl Menschen. Entsprechend ist dieser Pro-Kopf-Konsum der viel grössere Hebel als die Anzahl Menschen.» Deshalb setze sich seine Organisation «im Rahmen von Raumplanungs-, Biodiversitäts- und Landwirtschaftspolitik» für eine suffiziente Gesellschaft ein.</p>



<p>Allerdings trifft die Behauptung von «Pro Natura» nicht zu: Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz hat seit 2000 um mehr als 25 Prozent oder um 1,9 Millionen Menschen zugenommen. Dagegen haben die realen Konsumausgaben pro Kopf um höchstens 20 Prozent zugenommen. Das lässt sich aus Daten des Bundesamts für Statistik ableiten. Der Pro-Kopf-Konsum hat also weniger stark als die Bevölkerung zugenommen und keinesfalls «viel stärker», wie von «Pro Natura» behauptet. </p>



<p><strong>«Wohnort spielt keine Rolle»</strong></p>



<p>«Pro Natura» verbreitete zudem Bundesrat Jans’ Aussage: «Für die globale Umweltbelastung spielt es keine Rolle, auf welcher Seite der Grenze ein Mensch lebt.»</p>



<p>Infosperber wollte von «Pro Natura» wissen, ob «ein Einwohner der Balkanstaaten die globale Umwelt in gleichem Mass belastet wie ein Einwohner der Schweiz?» Eine konkrete Antwort blieb aus. Generell meinte «Pro Natura», in Ländern der EU oder der Efta würden Menschen «ähnlich viele Ressourcen» verbrauchen wie Einwohner in der Schweiz. «Entscheidend ist, wie wir konsumieren, produzieren, bauen und schützen. ‹Pro Natura› setzt sich für eine suffiziente Gesellschaft ein, die mit weniger Ressourcen auskommt und Natur und Landschaft sorgfältig behandelt.»</p>



<p><strong>Nur halb gerechneter Ressourcenverbrauch&nbsp;</strong></p>



<p>«Pro Natura» verbreitete auch die Behauptung, dass der «Materialverbrauch und die Treibhausemissionen in der Schweiz trotz Bevölkerungswachstums gesunken» seien. Auch dies ist eine irreführende Aussage. Denn sie trifft nur zu, wenn die Ressourcen und der CO2-Ausstoss der Produkte vergessen werden, welche die Schweiz importiert. Das Bafu, das BFS und auch Greenpeace erklären übereinstimmend, dass etwa zwei Drittel des Fussabrucks der Schweiz auf importierte Güter und Vorleistungen fallen. Dieser Anteil ist seit Einführung der Personenfreizügigkeit gestiegen. </p>



<p>«Pro Natura» meint dazu, es sei «nicht darum gegangen, […] wie die Umweltbelastung in der Schweiz zustande kommt».</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/55ab4ac27e1f4cc1935a49ff26679aea" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Blaualgen»-Alarm: Das warme Wasser ist nicht allein schuld</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/blaualgen-alarm-das-warme-wasser-ist-nicht-allein-schuld/</link>
					<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 07:10:55 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707983</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/2021-am-oberen-Zuerichsee-e1781963141138-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="2021 am oberen Zürichsee" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/2021-am-oberen-Zuerichsee-e1781963141138-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/2021-am-oberen-Zuerichsee-e1781963141138-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/2021-am-oberen-Zuerichsee-e1781963141138-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/2021-am-oberen-Zuerichsee-e1781963141138.png 1516w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Behörden und Medien begründen das Verbreiten der Bakterien mit dem zu warmen Wasser. Sie verschweigen die Mitverantwortlichen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die Tessiner Behörden riefen die Bevölkerung am Freitag auf, im Lago Maggiore nur in klarem Wasser zu schwimmen und den Kontakt mit sichtbaren «Blaualgen»-Ansammlungen zu meiden. Kleinkindern und Menschen mit empfindlicher Haut raten sie vom Baden ab. Auch Hunde und andere Haustiere sollen dem verseuchten Wasser fernbleiben.&nbsp;</p>



<p>«Blaualgen» sind keine Algen, sondern Ansammlungen von Bakterien. Gegenwärtig haben sie sich bei Muralto verbreitet. Als Grund dafür zitiert das <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/vorsicht-beim-baden-tessiner-behoerden-warnen-vor-blaualgen-im-lago-maggiore" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fernsehen SRF</a> lediglich die Eawag, wonach diese Cyanobakterien «von länger anhaltenden sommerlichen Bedingungen profitieren, die ihr Wachstum begünstigen». Zudem verhindere der ruhige Stand des Wassers, dass die Bakterien absinken. </p>



<p>Im Sommer 2021 hatte es auch am Zürichsee und am Bodensee Warnungen wegen «Blaualgen» gegeben. Auch damals machte <a href="https://www.infosperber.ch/wp-admin/upload.php?item=707979" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Schweiz aktuell»</a> – wie andere Medien – für die Verbreitung der giftigen Bakterien ebenfalls nur das besonders warme Wasser verantwortlich.</p>



<p>Doch warmes Wasser allein genügt nicht, damit sich diese Bakterienteppiche verbreiten können. Denn diese brauchen zum Wachsen auch Phosphor und Stickstoffe wie Nitrat, die in Schweizer Seen natürlicherweise nicht in genügenden Mengen vorkommen. Vielmehr stammen diese Nährstoffe aus überdüngten Böden der Landwirtschaft (Gülle und Mist), aus Abwässern und aus Abschwemmungen durch Regen und Schneeschmelze aus dem Einzugsgebiet.</p>



<p>Die Fachzeitschrift «Oekotest» stellt denn auch fest: «Entscheidend sind vor allem die Nährstoffbelastung, die Wassertemperatur und die Tiefe des Gewässers.» Bei Temperaturen ab<strong> 20 Grad</strong> beginnen «Blaualgen», sich deutlich zu vermehren. Besonders stark wachsen sie bei 25 bis 30 Grad, also genau dann, wenn Sommerhitze und Windstille zusammentreffen.</p>



<p>Die Temperaturen gibt die Natur vor. Doch für die Nährstoffe sind die Menschen verantwortlich. Bereits seit vielen Jahren kennt die Nährstoffbilanz der Schweizer Landwirtschaft einen fast konstanten <a href="https://themes.agripedia.ch/teilflaechenspezifische-duengung-gewaesserschutz-und-umwelt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Überschuss an Stickstoff und Phosphor</a>. Für das Jahr 2020 wurden die gesamten Stickstoff-Einträge in Schweizer Gewässer auf rund 70’000 Tonnen geschätzt. Davon entfielen etwa 32’500 Tonnen oder fast die Hälfte direkt <a href="https://www.agrarforschungschweiz.ch/2023/06/stickstoff-und-phosphoreintraege-in-gewaesser-neue-schaetzungen-fuer-die-landwirtschaft/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auf landwirtschaftliche Bewirtschaftung</a>. </p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="536" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Blaualgen-Eawag.png" alt="Blaualgen Eawag" class="wp-image-707977" style="width:600px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Blaualgen-Eawag.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Blaualgen-Eawag-300x214.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bildung von Cyanobakterienblüten und Risiken für Kontakt mit Menschen und Tieren an der Wasseroberfläche.<br>Von links nach rechts: Ein grosser Teil der vorherigen Population bleibt bestehen. Unter günstigen Bedingungen kann sich eine neue Population aufbauen und wachsen. Einige Cyanobakterien besitzen Gasbläschen (weisse Kreise im Innern des Cyanobakteriums), womit sie ihre vertikale Bewegung in der Wassersäule steuern. Aufgrund des Wassertemperaturprofils, der Strömungen und der Windverhältnisse kann die Blüte die Oberfläche und sogar das Ufer erreichen. Einige dieser Blüten können Giftstoffe freisetzen und zu erhöhten Risiken für Schwimmer, kleine Kinder und Hunde führen.</figcaption></figure>



<p>«Blaualgen» können&nbsp;Haut und Schleimhäute reizen&nbsp;und beim Verschlucken zu&nbsp;akuten Magen-Darm-Beschwerden&nbsp;führen. Die Bakterien können&nbsp;auch&nbsp;Bindehautentzündungen&nbsp;auslösen und die Leber schädigen.&nbsp;Deshalb sollte man Seewasser mit den Bakterien möglichst nicht schlucken.</p>



<p>Eine Gefahr besteht insbesondere für Kleinkinder und Hunde, wenn sie verseuchtes Wasser schlucken oder sich länger in solchem Wasser aufhalten, das hohe Konzentrationen an Cyanobakterien enthält.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/872aee9d869143cfab4658ed826dba94" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>Die andere Sicht auf den G7-Gipfel von Präsident Lula</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-andere-sicht-auf-den-g7-gipfel-von-praesident-lula/</link>
					<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 07:07:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707651</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="212" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/brasile-presidente-300x212.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/brasile-presidente-300x212.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/brasile-presidente-1024x724.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/brasile-presidente-768x543.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/brasile-presidente-1536x1085.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/brasile-presidente-2048x1447.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das System, das Reichtum in Hülle und Fülle erzeugt, aber Chancen ungleich verteilt, ist das Problem.  ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><em> Red. Der Autor dieses Gastbeitrags</em> <em>ist Geschäftsleiter von&nbsp;</em><a href="https://www.alliancesud.ch/de">Alliance Sud</a><em>, dem Schweizer Kompetenzzentrum für internationale Zusammenarbeit und Entwicklungspolitik.</em></p>



<p>In der Berichterstattung über die Bücklinge vor König Donald dem Ersten am G7-Gipfel in Evian ging meistens unter, dass auch die Präsidenten Ägyptens, Brasiliens und Kenyas, sowie der Premierminister Indiens anwesend waren. Dabei machte Lula vor, dass es auch ohne eine lange Schleimspur geht. Deshalb hier einige Passagen seiner <a href="https://www.gov.br/planalto/pt-br/acompanhe-o-planalto/discursos-e-pronunciamentos/2026/06/discurso-do-presidente-lula-na-reuniao-ampliada-do-g7-sobre-o-tema-201cfirmar-novas-parcerias-e-reconstruir-a-solidariedade-internacional201d">Rede .</a></p>



<p><strong>«In Dogmen gefangen»</strong></p>



<p>Lula bilanzierte die anderen neun G7-Treffen, an denen er schon teilgenommen hatte «An allen sahen wir uns mit Krisen und Herausforderungen konfrontiert, die Millionen von Menschen weltweit betreffen. Doch an keinem ist es uns gelungen, gemeinsame und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Wir blieben in Dogmen gefangen, die die Deregulierung der Märkte, einen schlanken Staat und Sparpolitik als Selbstzweck verteidigen. Der Neoliberalismus hat die wirtschaftliche Ungleichheit und die politische Krise verschärft, die heute die Demokratien heimsuchen.»</p>



<p>Lula sprach nicht nur von den falschen Antworten «Protektionismus und Unilateralismus», sondern davon, was in Evian sonst totgeschwiegen wurde: «Der erste Billionär der Welt ist reicher als die ärmsten 46 Prozent der Weltbevölkerung. Die extreme Konzentration des Reichtums ist das Ergebnis jahrzehntelanger Politik zugunsten der Milliardäre. Wir bewegen uns in die entgegengesetzte Richtung der Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung. Es fehlen jährlich vier Billionen Dollar, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. (…) Um die Umsetzung des Pariser Abkommens zu beschleunigen, muss die Klimafinanzierung auf mindestens 1,3 Milliarden Dollar aufgestockt werden. Die Herausforderungen nehmen zu, doch die internationale Solidarität schwindet.» Der Rückgang der internationalen Zusammenarbeit und die dramatischen Kürzungen bei UNO-Organisationen «wirken sich direkt auf den Alltag der Menschen in Entwicklungsländern aus. Es sind Millionen von Menschen ohne Zugang zu ausreichender Nahrung; Kinder, die keine Schule besuchen; Frauen, denen Schutz vorenthalten wird; und Gemeinschaften, die gegenüber vermeidbaren Krankheiten schutzlos sind.»</p>



<p><strong>Ungleichheiten beseitigen</strong></p>



<p>Lula sprach den anderen Staats- und Regierungschefs ins Gewissen, was sie tatsächlich zu tun hätten: «Unsere Aufgabe ist es, die Ungleichheiten eines Systems zu beseitigen, das zwar Reichtum in Hülle und Fülle erzeugt, die Chancen jedoch äusserst ungleich verteilt. Die Entwicklungsländer zahlen jährlich 1,4 Billionen Dollar für den Schuldendienst – ein Betrag, der siebenmal so hoch ist wie die Hilfe, die sie von den reichen Ländern erhalten. (…) Auch wenn der Beitrag des Privatsektors zu begrüssen ist, bleibt die öffentliche Entwicklungshilfe weiterhin in erster Linie Aufgabe der Staaten. Wir brauchen ein Finanzsystem, in dem Länder nicht gezwungen sind, sich zwischen der Rückzahlung ihrer Gläubiger und der Ernährung ihrer Kinder zu entscheiden.»</p>



<p>Und Lula sagte etwas, das auch zur Situation in der Schweiz passt: «Es ist klar, dass die Herausforderung nicht darin besteht, mit Knappheit umzugehen. Das Defizit, mit dem wir konfrontiert sind, ist ein Defizit an Umsetzung und politischem Willen. An guten Ideen mangelt es nicht.»</p>



<p>Konsequenterweise unterstützte Brasilien die G7-Erklärung zur internationalen Zusammenarbeit nicht. Das Dokument ist eine deutliche Abkehr vom historischen Konsens über die Verantwortung der reichen Nationen gegenüber ihren ärmeren Partnern bei der Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung. Es schlägt stattdessen vor, die Fähigkeiten der Länder zur «Selbstfinanzierung» ihrer Entwicklung zu stärken. Griffige Massnahmen gegen Steuerflucht im Rahmen der UNO würden den Entwicklungsländern mehr Mittel geben, ihre Entwicklung selber zu finanzieren. Aber diese Idee ist den G7-Ländern natürlich nicht eingefallen. &nbsp;&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Andreas Missbach ist Geschäftsleiter von <a href="https://www.alliancesud.ch/de">Alliance Sud</a>, dem Schweizer Kompetenzzentrum für internationale Zusammenarbeit und Entwicklungspolitik.  <br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Das Parlament will die AHV ausbluten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/das-parlament-will-die-ahv-ausbluten/</link>
					<pubDate>Sat, 20 Jun 2026 06:21:12 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_454661418_XL-scaled-e1663774008593-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="AHV AVS AI IV Swiss pension and invalidity sign" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_454661418_XL-scaled-e1663774008593-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_454661418_XL-scaled-e1663774008593-1024x616.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_454661418_XL-scaled-e1663774008593-768x462.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_454661418_XL-scaled-e1663774008593-1536x924.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Depositphotos_454661418_XL-scaled-e1663774008593-2048x1232.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Keine vernünftige Finanzierung der 13. AHV-Rente: Denn das Parlament will ein höheres Rentenalter. Es missachtet den Volkswillen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Das Resultat vom 3. März 2024 ist klar: Das Volk sagte</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>mit 58 Prozent der Stimmen ja zur 13. AHV-Rente</li>



<li>und mit 75 Prozent der Stimmen nein zur Erhöhung des Rentenalters.</li>
</ul>



<p>Wie die 13. AHV-Rente finanziert werden soll, stand nicht im Initiativtext. Dass sie finanziert werden soll, stand aber im Abstimmungsbüchlein des Bundesrats: entweder über Lohnbeiträge, die Mehrwertsteuer oder eine Kombination von beidem.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="370" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-19-at-14-29-06-Volksabstimmung-vom-3.-Maerz-2024-Erlaeuterungen-des-Bundesrates-marzo_DE-2.pdf-1024x370.png" alt="Screenshot 2026-06-19 at 14-29-06 Volksabstimmung vom 3. März 2024 - Erläuterungen des Bundesrates - marzo_DE-2.pdf" class="wp-image-707777" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-19-at-14-29-06-Volksabstimmung-vom-3.-Maerz-2024-Erlaeuterungen-des-Bundesrates-marzo_DE-2.pdf-1024x370.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-19-at-14-29-06-Volksabstimmung-vom-3.-Maerz-2024-Erlaeuterungen-des-Bundesrates-marzo_DE-2.pdf-300x109.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-19-at-14-29-06-Volksabstimmung-vom-3.-Maerz-2024-Erlaeuterungen-des-Bundesrates-marzo_DE-2.pdf-768x278.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-19-at-14-29-06-Volksabstimmung-vom-3.-Maerz-2024-Erlaeuterungen-des-Bundesrates-marzo_DE-2.pdf-1536x556.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-19-at-14-29-06-Volksabstimmung-vom-3.-Maerz-2024-Erlaeuterungen-des-Bundesrates-marzo_DE-2.pdf.png 1722w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">So stellte sich der Bundesrat die Finanzierung der 13. Rente vor.</figcaption></figure>



<p>Doch unserem Parlament ist das egal. Zwei Jahre lang stritten National- und Ständerat über eine Finanzierung. Beide Kammern wählten unterschiedliche Methoden. Aber sie hatten ein gemeinsames Ziel: die AHV möglichst kurzhalten.</p>



<p>Das ist ihnen gestern gelungen. Sie haben beschlossen, bei der Mehrwertsteuer den Normalsatz nur um 0,4 Prozent zu erhöhen und den Sondersatz für die Hotellerie um 0,2 Prozent. Damit kommen ab 2028 jährlich bloss zusätzliche 1,4 Milliarden Franken herein.</p>



<p>Aber ausbezahlt wird die 13. Rente schon heuer. Das heisst: Für die 8 bis 9 Milliarden Franken, welche die 13. Rente in den ersten beiden Jahren kosten wird, existiert keine Zusatzfinanzierung. Und ab 2029 sind die Zusatzkosten nur zu einem Drittel gedeckt.</p>



<p>Der AHV geht es im Moment zwar noch prächtig. 60 Milliarden Franken beträgt ihr Vermögen. Doch National- und Ständerat sind gerade dabei, sie auszubluten.</p>



<p>Seit langem wächst und wächst das Vermögen der AHV. Noch nie lag es in der 80-jährigen Geschichte so hoch wie heute. Trotz all der Prognostiker, die schon seit Jahrzehnten das baldige Ende der AHV voraussagen. Doch mit der Weigerung, die 13. Rente vernünftig zu finanzieren, arbeitet das Parlament ganz offensichtlich daran, die düsteren Prognosen eines Tages doch noch wahr werden zu lassen.</p>



<p>Und damit bereiten National- und Ständerat einem höheren Rentenalter den Boden. Wenn nämlich die AHV unterfinanziert ist, dann wächst der Druck auf ein höheres Rentenalter. Mit dieser Politik missachten die Räte den Volkswillen.</p>



<p>Wie war das schon wieder am 3. März 2024?</p>



<p>75 Prozent der Stimmen gegen ein höheres Rentenalter!</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sozialversicherungen/13-rente-alternativen-zu-lohnprozenten-und-mehrwertsteuer/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">13. Rente: Alternativen zu Lohnprozenten und Mehrwertsteuer</a>, Infosperber vom 11. Juni 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-ahv-sitzt-auf-einem-rekordvermoegen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die AHV sitzt auf einem Rekordvermögen</a>, Infosperber vom 28. Mai 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/jetzt-ploetzlich-der-ahv-geht-es-bestens/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jetzt plötzlich: Der AHV geht es bestens</a>, Infosperber vom 21. August 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/ahv-ausgaben-nicht-4-milliarden-daneben-sondern-14-milliarden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">AHV-Ausgaben: Nicht 4 Milliarden daneben, sondern 14 Milliarden</a>, Infosperber vom 7. August 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/b41063f2c9664a09812d7a9fa48fedc3" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die 14-Punkte-Vereinbarung zwischen USA und Iran im Wortlaut</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-14-punkte-vereinbarung-zwischen-usa-und-iran-im-wortlaut/</link>
					<pubDate>Sat, 20 Jun 2026 06:20:37 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707859</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Trump-Memorandum-e1781896888850-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Trump Memorandum" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Trump-Memorandum-e1781896888850-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Trump-Memorandum-e1781896888850-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Trump-Memorandum-e1781896888850-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Trump-Memorandum-e1781896888850.png 1514w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Absichtserklärung der Präsidenten Donald Trump und Massud Peseschkian markiert den Anfang äusserst zäher Verhandlungen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><em>upg</em>. Die Vereinbarung zwischen den USA und Iran wird viel erörtert und interpretiert. Infosperber dokumentiert sie deshalb im Wortlaut. Die «New York Times» hat den Text von einem hochrangigen US-Regierungsbeamten erhalten.<br>Übersetzung und kursive Auszeichnungen von der Redaktion.<br>Massgebend ist der unten angehängte englische Originaltext.<br></p>



<p class="has-large-font-size"><br><strong>Vereinbarung zwischen Washington und Teheran</strong></p>



<p>Islamabad. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran haben sich am 17. Juni 2026 in gutem Glauben auf Folgendes geeinigt.</p>



<p>PARAGRAPH 1</p>



<p>Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran sowie ihre Verbündeten im aktuellen Krieg erklären durch die Unterzeichnung dieser Absichtserklärung die sofortige und dauerhafte Beendigung der militärischen Operationen an allen Fronten, <em>einschliesslich im Libanon</em>. <br>Sie verpflichten sich, von nun an keinen Krieg und keine militärischen Operationen gegeneinander zu beginnen sowie von der Androhung oder Anwendung von Gewalt gegeneinander abzusehen sowie die territoriale Integrität und Souveränität des Libanon zu gewährleisten. <br>Das endgültige Abkommen soll das endgültige Ende des Krieges an allen Fronten bestätigen, einschliesslich im Libanon, und ebenso die weiteren Bestimmungen dieses Absatzes.</p>



<p>PARAGRAPH 2</p>



<p>Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran verpflichten sich, die Souveränität und territoriale Integrität des jeweils anderen zu achten und sich jeglicher Einmischung in die inneren Angelegenheiten des jeweils anderen zu enthalten.</p>



<p>PARAGRAPH 3</p>



<p>Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran verpflichten sich, das endgültige Abkommen innerhalb von maximal 60 Tagen auszuhandeln und abzuschliessen. Diese Frist kann im gegenseitigen Einvernehmen verlängert werden.</p>



<p>PARAGRAPH 4</p>



<p><em>Unmittelbar nach der Unterzeichnung dieser Absichtserklärung</em> werden die Vereinigten Staaten von Amerika mit der Aufhebung ihrer Seeblockade sowie aller Störungen oder Behinderungen gegenüber der Islamischen Republik Iran beginnen und die Seeblockade innerhalb von 30 Tagen vollständig beenden. <br>Während dieses Zeitraums wird die islamischen Republik Iran den Schiffsverkehr in dem Umfang wiederherstellen, der dem Schiffsverkehr vor dem Krieg entspricht. <br>Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich ferner, ihre Streitkräfte innerhalb von 30 Tagen <em>nach Abschluss des endgültigen Abkommens</em> aus der Nähe der Islamischen Republik Iran abzuziehen.</p>



<p>PARAGRAPH 5</p>



<p><em>Nach Unterzeichnung dieser Absichtserklärung</em> wird die Islamische Republik Iran alles unternehmen, um Handelsschiffen für einen Zeitraum von 60 Tagen die sichere Durchfahrt vom Persischen Golf zum Omanischen Meer und umgekehrt gebührenfrei zu ermöglichen. <br>Der Schiffsverkehr von Handelsschiffen soll unverzüglich starten. Angesichts der Notwendigkeit, die technischen und militärischen Hindernisse sowie die Minen durch die Islamische Republik Iran zu beseitigen, wird dies innerhalb von 30 Tagen erfolgen.<br>Die Islamische Republik Iran wird mit dem Sultanat Oman einen Dialog führen, um die künftige Verwaltung und die maritimen Dienste in der Strasse von Hormus festzulegen, dies in Absprache mit anderen Anrainerstaaten des Persischen Golfs und im Einklang mit dem geltenden Völkerrecht und den Hoheitsrechten der Anrainerstaaten der Strasse von Hormus.</p>



<p>PARAGRAPH 6</p>



<p>Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich gemeinsam mit regionalen Partnern, einen endgültigen Plan in Höhe von mindestens 300 Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung der Islamischen Republik Iran einvernehmlich zu vereinbaren.<br>Der Mechanismus, um diesen Plan umzusetzen, wird&nbsp;<em>im Rahmen eines endgültigen Abkommens</em>&nbsp;innerhalb von 60 Tagen festgelegt. Die Vereinigten Staaten von Amerika erteilen alle für die entsprechenden Finanztransaktionen erforderlichen Lizenzen, Ausnahmegenehmigungen und Erlaubnisse.&nbsp;</p>



<p>PARAGRAPH 7</p>



<p>Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich, alle Arten von Sanktionen gegen die Islamische Republik Iran, einschliesslich der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, der Resolutionen des Gouverneursrats der IAEO [Internationale Atomenergiebehörde] sowie aller einseitigen, primären und sekundären US-Sanktionen aufzuheben – und zwar nach einem Zeitplan, der <em>im endgültigen Abkommen</em>vereinbart wird.<br>Die Islamische Republik Iran und die Vereinigten Staaten von Amerika erkennen die entscheidende Bedeutung der Aufhebung der Sanktionen an und bekunden ihre Absicht, diese Fragen unverzüglich in den Verhandlungen anzugehen, um eine gegenseitige Einigung darüber zu erzielen.</p>



<p>PARAGRAPH 8</p>



<p>Die Islamische Republik Iran bekräftigt, dass sie keine Atomwaffen beschaffen oder entwickeln wird. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran haben vereinbart, die Entsorgung der gelagerten, angereicherten Materialien gemäss einem Mechanismus zu regeln, der im Einklang mit dem in Absatz 7 genannten Zeitplan einvernehmlich festgelegt wird. Die IAEO soll die Senkung des Anreicherungsgrads vor Ort beaufsichtigen. <br>Die beiden Parteien kamen ferner überein, die Frage der Anreicherung sowie andere einvernehmlich vereinbarte Angelegenheiten im Zusammenhang mit den nuklearen Bedürfnissen der Islamischen Republik Iran zu erörtern – auf der Grundlage des <em>im endgültigen Abkommen</em> zu vereinbarenden Rahmens. Das endgültige Abkommen soll die Bestimmungen dieses Absatzes bestätigen. <br>Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran anerkennen die entscheidende Bedeutung der oben erwähnten nuklearen Fragen und bekunden ihre Absicht, über diese Fragen unverzüglich zu verhandeln, um eine Einigung darüber zu erzielen.</p>



<p>PARAGRAPH 9</p>



<p><em>Bis zum Abschluss</em>&nbsp;des endgültigen Abkommens vereinbaren die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran, den Status quo aufrechtzuerhalten. Die Islamische Republik Iran wird den derzeitigen Status quo ihres Nuklearprogramms beibehalten, und die Vereinigten Staaten von Amerika werden keine neuen Sanktionen verhängen und keine zusätzlichen Streitkräfte in der Region stationieren.</p>



<p>PARAGRAPH 10</p>



<p>Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich, dass das US-Finanzministerium&nbsp;<em>unmittelbar nach Unterzeichnung dieser Absichtserklärung</em>&nbsp;und bis zur Aufhebung der Sanktionen Ausnahmegenehmigungen erteilt für den Export von iranischem Rohöl, Erdölprodukten und Derivaten sowie für alle damit verbundenen Dienstleistungen, einschliesslich Bankgeschäften, Versicherungen, Transport usw.</p>



<p>PARAGRAPH 11</p>



<p>Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich, die ganz oder teilweise eingefrorenen Gelder und Vermögenswerte der Islamischen Republik Iran ganz freizugeben, sobald diese Absichtserklärung umgesetzt ist. <br>Während der Verhandlungen sollen sich die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran auf die Verfahren zur Freigabe dieser Vermögenswerte einigen. <br>Diese Gelder, unabhängig davon, ob sie auf dem ursprünglichen Konto verbleiben oder übertragen werden, sind in vollem Umfang für Zahlungen an alle Endbegünstige nutzbar zu machen, welche die Zentralbank der Islamischen Republik Iran bestimmt. Die Vereinigten Staaten von Amerika verpflichten sich, alle erforderlichen Lizenzen und Genehmigungen entsprechend zu erteilen.</p>



<p>PARAGRAPH 12</p>



<p>Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran richten einen Vollzugsmechanismus ein, um die erfolgreiche Umsetzung dieser Absichtserklärung und die künftige Einhaltung des endgültigen Abkommens zu überwachen.</p>



<p>PARAGRAPH 13</p>



<p>Nach der Unterzeichnung dieser Absichtserklärung und vorbehaltlich der begonnenen und fortgesetzten Umsetzung der Absätze 1, 4, 5, 10 und 11 werden die Vereinigten Staaten von Amerika und die Islamische Republik Iran Verhandlungen über das endgültige Abkommen aufnehmen, die sich ausschliesslich auf die übrigen Absätze beziehen.</p>



<p>PARAGRAPH 14</p>



<p>Das endgültige Abkommen wird durch eine verbindliche Resolution des UN-Sicherheitsrats bestätigt.</p>



<p>______________________________________________</p>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size">Englische Originalfassung</h2>



<p><strong>Islamabad Memorandum of Understanding between the United States of America and the Islamic Republic of Iran.</strong><strong></strong></p>



<p>The United States of America and the Islamic Republic of Iran have jointly agreed in good faith on such-and-such a date on the following.</p>



<p>PARAGRAPH 1</p>



<p>The United States of America and the Islamic Republic of Iran and their allies in the current war by signing this M.O.U. declare the immediate and permanent termination of military operations on all fronts, including in Lebanon, and undertake from now on not to initiate any war or any military operation against each other, and to refrain [from] the threat or use of force against each other and ensuring the territorial integrity and sovereignty of Lebanon. The final deal will confirm the permanent termination of the war on all fronts, including in Lebanon, and other provisions of this paragraph.</p>



<p>PARAGRAPH 2</p>



<p>The United States of America and the Islamic Republic of Iran undertake to respect each other’s sovereignty and territorial integrity, and to refrain from interfering in each other’s internal affairs.</p>



<p>PARAGRAPH 3</p>



<p>The United States of America and the Islamic Republic of Iran commit to negotiating and achieving the final deal in maximum 60 days extendable with mutual consent.</p>



<p>PARAGRAPH 4</p>



<p>Immediately upon the signing of this M.O.U., the United States of America will begin the removal of its naval blockade and any disturbances or impediments against the Islamic Republic of Iran, and will fully end the naval blockade within 30 days. During this period, the traffic of vessels will be in proportion to the numbers of prewar traffic being restored by the Islamic Republic of Iran. The United States of America further undertakes to remove its forces from the proximity of the Islamic Republic of Iran within 30 days after the final deal.</p>



<p>PARAGRAPH 5</p>



<p>Upon the signing of this M.O.U., the Islamic Republic of Iran will make arrangements using its best efforts for the safe passage of commercial vessels with no charge for 60 days only from the Persian Gulf to the Sea of Oman, and vice versa. The traffic of commercial vessels will immediately start, and considering the need for removing the technical and military obstacles and demining by the Islamic Republic of Iran, will be instated within 30 days. The Islamic Republic of Iran will conduct dialogue with the Sultanate of Oman to define the future administration and maritime services in the Strait of Hormuz, in discussion with other Persian Gulf littoral states in line with the applicable international law and the sovereign rights of coastal states of the Strait of Hormuz.</p>



<p>PARAGRAPH 6</p>



<p>The United States of America undertakes with regional partners to develop a definitive, mutually agreed plan with at least U.S.D. 300 billion for the reconstruction and economic development of the Islamic Republic of Iran. The mechanism for the implementation of this plan will be finalized as part of a final deal within 60 days. All required licenses, waivers and permissions needed for the relevant financial transactions will be granted by the United States of America.</p>



<p>PARAGRAPH 7</p>



<p>The United States of America undertakes to terminate all types of sanctions against the Islamic Republic of Iran, including the United Nations Security Council resolutions, I.A.E.A. Board of Governors resolutions, and all unilateral U.S. sanctions, primary and secondary, in an agreed-upon schedule as part of the final deal. The Islamic Republic of Iran and the United States of America acknowledge the critical importance of the sanctions termination issue above mentioned, and express their intentions to immediately address these issues in the negotiations in order to achieve mutual agreement on them.</p>



<p>PARAGRAPH 8</p>



<p>The Islamic Republic of Iran reaffirms that it shall not procure or develop nuclear weapons. The United States of America and the Islamic Republic of Iran have agreed to resolve the disposition of stockpiled, enriched material pursuant to a mechanism that will be mutually agreed upon in accordance with the schedule mentioned in Paragraph 7, with the minimum methodology to be down-blending on site under the supervision of the I.A.E.A. The two parties also agreed to discuss the issue of enrichment and other mutually agreed matters related to the Islamic Republic of Iran’s nuclear needs, based on the statutory framework being agreed upon in the final deal. The final deal will confirm the provisions of this paragraph. The United States of America and the Islamic Republic of Iran acknowledge the critical importance of the nuclear issues above mentioned, and express their intention to immediately address these issues in the negotiation in order to achieve mutual agreement on them.</p>



<p>PARAGRAPH 9</p>



<p>Pending the final deal, the United States of America and the Islamic Republic of Iran agree to maintain the status quo. The Islamic Republic of Iran will maintain the current status quo of its nuclear program, and the United States of America will not impose any new sanctions, and will not deploy additional forces in the region.</p>



<p>PARAGRAPH 10</p>



<p>The United States of America undertakes that immediately upon the signing of this M.O.U., and until the termination of sanctions, U.S. Department of Treasury will issue waivers for the export of Iranian crude oil, petroleum products and derivatives, and all associated services, including banking transactions, insurances, transportation, etc.</p>



<p>PARAGRAPH 11</p>



<p>The United States of America undertakes to make fully available for use the frozen or restricted funds and assets of the Islamic Republic of Iran upon the implementation of this M.O.U. The United States of America and the Islamic Republic of Iran will mutually agree on the procedures related to the release of these funds during the negotiations. Such funds, whether retained in the original account or transferred, shall be made fully usable for payment to any ultimate beneficiary designated by the Central Bank of the Islamic Republic of Iran. The United States of America undertakes to issue all necessary licenses and authorizations accordingly.</p>



<p>PARAGRAPH 12</p>



<p>The United States of America and Islamic Republic of Iran agree that an executive mechanism will be established to monitor the successful implementation of this M.O.U. and the future compliance of the final deal.</p>



<p>PARAGRAPH 13</p>



<p>After signing this M.O.U. and subject to the beginning of the implementation of Paragraphs 1, 4, 5, 10 and 11 of this M.O.U., and the continuing implementation of these measures, the United States of America and the Islamic Republic of Iran will start negotiations regarding the final deal exclusively on the other paragraphs.</p>



<p>PARAGRAPH 14</p>



<p>The final deal will be endorsed by a binding U.N.S.C. resolution.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Sprachlupe: Wer surft, kann Perlen finden, ohne zu tauchen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kultur/sprachlupe-wer-surft-kann-perlen-finden-ohne-zu-tauchen/</link>
					<pubDate>Sat, 20 Jun 2026 06:19:42 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=706949</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="aa_Sprachlust_Daniel_4c" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-600x359.png 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742.png 1482w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Jahresend-Kehraus erfasst jeweils Blüten von draussen, aber die Extraausgabe zur Jahresmitte stammt aus Jahren am Bildschirm.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Bitte blättern Sie im Fenster weiter. Dort lässt sich mit dem Symbol oben links eine Seitenleiste ein- und ausblenden. <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Sprachlupe-20.-6.-2026.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a> können Sie das PDF dieser Sprachlupe herunterladen.</p>



<div data-wp-interactive="core/file" class="wp-block-file"><object data-wp-bind--hidden="!state.hasPdfPreview" hidden class="wp-block-file__embed" data="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Sprachlupe-20.-6.-2026.pdf" type="application/pdf" style="width:100%;height:780px" aria-label="Einbettung von Sprachlupe 20. 6. 2026."></object><a id="wp-block-file--media-92b094c1-793c-4887-aecc-4adeee83552b" href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Sprachlupe-20.-6.-2026.pdf">Sprachlupe 20. 6. 2026</a><a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Sprachlupe-20.-6.-2026.pdf" class="wp-block-file__button wp-element-button" download aria-describedby="wp-block-file--media-92b094c1-793c-4887-aecc-4adeee83552b">Herunterladen</a></div>



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<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>




<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/7c5c6d33f97d48509962e3959febab0f" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Flotilla-Folter durch Israel: Italien und Frankreich ermitteln</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/flotilla-folter-durch-israel-italien-und-frankreich-ermitteln/</link>
					<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 08:20:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=706987</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Entfuehrung-auf-hoher-See-scaled-e1781591647546-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Entfuehrung-auf-hoher-See-scaled-e1781591647546-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Entfuehrung-auf-hoher-See-scaled-e1781591647546-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Entfuehrung-auf-hoher-See-scaled-e1781591647546-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Entfuehrung-auf-hoher-See-scaled-e1781591647546-1536x923.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Entfuehrung-auf-hoher-See-scaled-e1781591647546-2048x1230.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Zwei Länder haben Strafverfahren wegen Flotilla-Folter eingeleitet. Die Bundesanwaltschaft in Bern sieht keinen Handlungsbedarf.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>In den vergangenen Wochen hat Infosperber die Zeugnisse zweier Schweizer Staatsangehöriger dokumentiert. Sie waren am 19. Mai 2026 festgehalten worden, in internationalen Gewässern, vor Zypern, von israelischen Streitkräften. Es sind zwei Personen unter vielen (hier der brasilianische Aktivist Thiago Ávila in einem soeben publizierten <a href="https://www.youtube.com/watch?v=x4eEKpM45Js" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Interview</a> mit dem Journalisten Chris Hedges).</p>



<p>Nathan Hausheer ist 28, Spengler, aus dem Kanton Waadt. An Bord eines israelischen Militärschiffs, <a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/sie-haben-mich-geboxt-getasert-mir-in-den-hals-getreten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">sagt er</a>, wurde er ins Gesicht geschlagen, mit einem Taser traktiert, in den Hals getreten. </p>



<p>Eine Schweizerin namens Sibel <a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/ich-starrte-an-die-wand-neben-mir-wurde-ein-mann-verpruegelt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">berichtet</a> von Schlafentzug. Von Handschellen, die ihr die Finger abschnürten, bis der Kreislauf zusammenbrach. Von Schüssen auf Mitgefangene, die nach Toilettenpapier verlangt hatten. Von Tritten, beim Abflug, bis zur Flugzeugtür. </p>



<p>Amnesty International nannte die Berichte <a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/amnesty-nennt-berichte-erschuetternd-und-fordert-ermittlungen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«erschütternd»</a> und forderte Ermittlungen. Zwei europäische Länder haben inzwischen gehandelt.</p>



<p><strong>Italien und Frankreich ermitteln</strong></p>



<p>Am 5. Juni <a href="https://www.aljazeera.com/news/2026/6/5/france-opens-war-crimes-probe-into-israels-treatment-of-gaza-activists" target="_blank" rel="noreferrer noopener">eröffnete</a> die französische Anti-Terrorismus-Staatsanwaltschaft, die PNAT, eine Voruntersuchung  wegen des Verdachts auf Folter, wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen. Es ist eine Behörde, die für die ernstesten Fälle gebaut wurde, und sie stützt sich auf die Aussagen von 37 französischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern, die an Bord der Flotilla gewesen waren.</p>



<p>Was diese 37 beschrieben, gegenüber französischen Medien, hatte offenbar eine Methode. Man führte sie einzeln durch einen abgedunkelten Schiffscontainer. Im Container warteten Gruppen von Soldaten. Das war kein Übergriff im Affekt, sondern eine Einrichtung, ein Ort, der zu diesem Zweck hergerichtet worden war. Eine französische Ärztin sagte, sie sei dort gefoltert und sexuell misshandelt worden.</p>



<p>Wenig später eröffnete die Staatsanwaltschaft in Rom ein Verfahren gegen Itamar Ben Gvir, Israels Nationalen Sicherheitsminister. Die Vorwürfe lesen sich wie ein Register aus dem Strafgesetzbuch: Entführung, Folter, Verletzung des Seerechts, versuchter Mord. So berichtete es die <a href="https://www.jpost.com/israel-news/article-898777" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Jerusalem Post»</a>. Es ist eine bemerkenswerte Liste für einen amtierenden Minister, geführt von einer ausländischen Staatsanwaltschaft.</p>



<p>Auslöser waren unter anderem Videos. Auf ihnen posiert Ben Gvir vor Gefangenen, die knien, die gefesselt sind, und streckt ihnen die Zunge heraus. Man muss sich das Verhältnis vor Augen halten: ein Sicherheitsminister, der sich filmen lässt, gefesselte Menschen am Boden, eine herausgestreckte Zunge.</p>



<p>Verfahren laufen <a href="https://www.nbcnews.com/world/israel/israel-faces-growing-pressure-alleged-abuse-gaza-flotilla-members-rcna347816" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auch</a> in der Türkei, in Spanien. Festgehalten wurden insgesamt 428 Personen, aus rund vierzig Ländern. Die Flotilla dokumentierte mindestens 15 Fälle sexueller Gewalt.</p>



<p>Was tut die Schweiz?</p>



<p><strong>Nicht zuständig</strong></p>



<p>Infosperber hat diese Woche beide gefragt, das EDA und die Bundesanwaltschaft: Wird, angesichts der laufenden Ermittlungen in Frankreich und Italien, angesichts der hier dokumentierten Zeugnisse zweier Schweizer Staatsbürger, eine Untersuchung geprüft?</p>



<p>Die Bundesanwaltschaft antwortete durch ihre Mediensprecherin Claudia Balzli. Die Schweiz könne «nur aktiv werden, wenn sich die mutmassliche Täterschaft auf Schweizer Boden befindet». Hinweise darauf lägen nicht vor. Und: «Die Zuständigkeitsregeln sind länderspezifisch und lassen sich nur schwer vergleichen.» </p>



<p>Das EDA antwortete durch Pierre-Alain Eltschinger. Man stehe in «regelmässigem Kontakt» mit dem israelischen Botschafter, habe «Besorgnis» geäussert, habe die «Erwartungen der Schweiz hinsichtlich der Einhaltung des Völkerrechts bekräftigt». Für strafrechtliche Fragen verwies das EDA auf die Bundesanwaltschaft. Die hatte soeben erklärt, sie sei nicht zuständig.</p>



<p>Das Prinzip der universellen Gerichtsbarkeit, auf das sich Frankreich und Italien stützen, ist auch im Schweizer Recht verankert. Es erlaubt die Verfolgung schwerer Menschenrechtsverletzungen, unabhängig davon, wo die Tat begangen wurde. Die Bundesanwaltschaft erwähnt es in ihrer Antwort mit keinem Wort.</p>



<p>Amnesty International Schweiz forderte im <a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/amnesty-nennt-berichte-erschuetternd-und-fordert-ermittlungen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Infosperber»</a>, die zuständigen Behörden sollten «unverzüglich prüfen», ob Ermittlungen auf diesem Weg möglich seien. Die Antwort steht schon. Sie sind es nicht, sagt die Bundesanwaltschaft, weil die mutmasslichen Täter nicht in Bern wohnen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/amnesty-nennt-berichte-erschuetternd-und-fordert-ermittlungen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Amnesty nennt Berichte «erschütternd» und fordert Ermittlungen</a>, Infosperber vom 3.&nbsp;Juni 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/ich-starrte-an-die-wand-neben-mir-wurde-ein-mann-verpruegelt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Ich starrte an die Wand. Neben mir wurde ein Mann verprügelt»</a>, Infosperber vom 1.&nbsp;Juni 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/sie-haben-mich-geboxt-getasert-mir-in-den-hals-getreten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Sie haben mich geboxt, getasert, mir in den Hals getreten»</a>, Infosperber vom 28.&nbsp;Mai 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Schweiz ist noch nicht Weltmeister – im Fall!</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/die-schweiz-ist-noch-nicht-weltmeister-im-fall/</link>
					<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 08:14:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707497</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach Screenshot 2026-06-19 at 07-58-17 schweiz bosnien herzegowina srf - Google Suche" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche.png 1801w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Grenzenloser Jubel nach dem 4:1-Sieg der Schweiz über Bosnien. Mitten in der Nacht sind Autofahrer hupend unterwegs. Warum bloss?]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Jaaa! Toooor für die Schweiz! Johan Manzambi!» 13 Sekunden lang schrie Sascha Ruefer gestern Abend ins SRF-Mikrofon. Dann musste er Luft holen.</p>



<p>Man hätte meinen können, die Schweiz sei im Final der Fussball-Weltmeisterschaft gerade in Führung gegangen. Dabei war es erst das zweite Gruppenspiel. Und der Gegner hiess nicht etwa Frankreich, Spanien oder Argentinien, sondern Bosnien-Herzegowina. Die Mannschaft steht auf Platz 64 der Fussball-Weltrangliste – fast 50 Ränge hinter der Schweiz.</p>



<p>Anschliessend war der Teufel los. Zum Beispiel in Bern. Da fuhren Leute mit ihren Autos hupend durch die Strassen und die Gassen der Stadt und liessen dabei die Motoren aufheulen. Sie schrien ihr Glück in die Nacht. Und Nacht war es, denn das Spiel hatte erst gegen 23 Uhr geendet.</p>



<p><strong>Nach 44 Jahren</strong></p>



<p>Erlebt habe ich einen solchen Autokorso in Bern zum ersten Mal am 11. Juli 1982. Und zwar um 21.45 Uhr. Aber damals war Italien immerhin Weltmeister geworden. Zum ersten Mal nach 44 Jahren. Da gab es ja wirklich etwas zu feiern.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="614" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche-1024x614.png" alt="flach Screenshot 2026-06-19 at 07-58-17 schweiz bosnien herzegowina srf - Google Suche" class="wp-image-707507" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-19-at-07-58-17-schweiz-bosnien-herzegowina-srf-Google-Suche.png 1801w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Manzambi (Bildmitte) erzielt das 1:0 für die Schweiz. Sascha Ruefer gerät in Extase.</figcaption></figure>



<p>Aber gestern? Die Schweizer haben nach einem pitoyablen Spiel gegen Katar auch gegen Bosnien-Herzegowina schlecht gespielt, bis sie in den letzten 20 Minuten plötzlich aufdrehten. Der Sieg war ein Muss, wenn die Schweizer nicht riskieren wollen, bereits in den Gruppenspielen auszuscheiden.</p>



<p><strong>Warum braucht es ein Auto?</strong></p>



<p>Aber eigentlich fragte ich mich schon 1982, als die Italiener Weltmeister geworden waren: Warum braucht es zum Feiern ein Auto? Warum muss man hupen? Und auch heute frage ich mich: Warum muss man Leute, die anderntags früh aus den Federn müssen, gegen Mitternacht noch aufwecken? Luftreinhaltung ist ein Fremdwort. Lärmschutz auch. Und das Gesetz ein Buch mit sieben Siegeln.</p>



<p>Es lohnt sich trotzdem, es zu öffnen.  In der <a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1962/1364_1409_1420/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verkehrsregelnverordnung </a>steht unter anderem: Autofahrer dürften «keinen vermeidbaren Lärm erzeugen». Untersagt sind «hohe Drehzahlen beim Fahren in niedrigen Gängen», «zu schnelles Beschleunigen», «fortgesetztes unnötiges Herumfahren in Ortschaften». Die Verordnung ist formuliert, als hätte der Gesetzgeber die Autokorsos vor Augen gehabt.</p>



<p><strong>In der Zwickmühle</strong></p>



<p>Die Polizei ist in der Zwickmühle. Vor vier Jahren erinnerte die Kantonspolizei Bern in ihrem <a href="https://www.blog.police.be.ch/2022/11/17/fahnen-und-autocorso-an-der-fussball-wm-2018-worauf-sie-achten-sollten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Blog</a> klipp und klar an die Gesetzeslage: «Die Fahrzeuglenkerin oder der Fahrzeuglenker muss jede vermeidbare Belästigung von Strassenbenutzern und Anwohnern unterlassen.» Und handkehrum forderte die Polizei schon fast zum Gesetzesbruch auf: «Wo es möglich ist, lassen wir bei spontanen Autokorsos während der diesjährigen Herren-Fussball-WM Augenmass walten.»</p>



<p>Die Berner Tageszeitung «Bund» kritisierte die Polizei und schrieb von der «Bünzli-Schweiz». Oder anders gesagt: Wer etwas gegen Lärm und Gestank hat, ist ein Bünzli. </p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Der Autor war Sportredaktor. Er ist auch heute noch fussballinteressiert. Er besitzt auch ein Auto. Aber an einem Autokorso hat er noch nie mitgemacht. Er freut sich im Stillen – wenn die Schweizer Mannschaft gut spielt.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/82c92651956b40d98bc97d1d33212552" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>kontertext: Staub – Umkreisung eines Unfassbaren (3)</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kontertext-staub-umkreisung-eines-unfassbaren-3/</link>
					<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 08:12:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=706287</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="150" height="150" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/02/mm_mg_1793b_sw_web-e1643987299585.jpg"/></p>Wie die Sprache diesen rastlosen Weltenwanderer behandelt, sagt wohl mehr über die Sichtweise der Menschen als über ihn selbst.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Mit dem Staub verbinden sich archaische Assoziationen. Er begleitet Nomadenvölker durch die weiten Ebenen, ist Wüstenwanderer und Wiesengeist und er erscheint an Ausgrabungsstätten als Fallout der Zeit. Nach dem Wunsch der «Zivilisierten» soll er in der Wildnis be­heimatet sein. So weht er im Western aus Pferdemähnen und mar­kiert den Weg der Postkutsche durch die Prärie. Doch heutige Wohn­stätten soll er auf seinen Reisen meiden. Er soll vor verschlossener Tür antichambrieren, sich in Filtern sammeln oder im Beutel eines Saugers auf seine Entsorgung warten.</p>



<p>Man könnte sagen, die Moderne verfolge eine reine Abwehrstrategie. Ob Kriminalistik, Medizin, Botanik oder Umweltwissenschaften, kein Fach kümmert sich ausschliesslich um ihn. In Physik, Materialkunde und Kosmologie besetzt er Nebenrollen. Die Immunologie analysiert mehr die Reaktionen des Körpers als wirklich ihn selbst. In der Theo­logie bleibt er als mythische Grösse auf Distanz. Manche Domäne hat ihren je eigenen Staubbegriff, doch eine Staubwissenschaft sui gene­ris gibt es nicht.</p>



<p><strong>Redensarten</strong></p>



<p>Wenn dem fachlichen Blick die Geschlossenheit fehlt, können viel­leicht Sprachbilder von seiner landläufigen Wahrnehmung zeugen. Er wimmelt ja durch vielerlei Redensarten, und auch in den Heiligen Schriften erscheint er prominent. Wer vor anderen <em>im Staub kriecht</em>, hat sich unterworfen. Wer erklärt, er habe jahrelang <em>Staub gefressen</em>, sieht die Demütigung als Lebensschule. Im Englischen dient er als Memento mori, wenn Sterbende in den Staub beissen statt ins Gras: <em>to bite the dust</em>. Wer den leisen Abgang wünscht, macht sich <em>aus dem Staub</em> (Deserteure nutzten einst die Schwade, um sich unbemerkt von der Truppe abzusetzen). Auch die Sioux haben diese Taktik benutzt: Um sich Deckung zu verschaffen, spannten sie ihre Pferde vor grosse Reisigballen, trieben sie um das Fort und griffen im Schutz der Auf­wirbelung an.</p>



<p>Diplomatinnen und Diplomaten werden gerne aktiv, wenn <em>der Staub sich gelegt hat</em>. Umgekehrt wägen sie sorgsam ab, ob er Lappalien wegen aufgewirbelt werden soll. Auch diese Redensart hat ihren Ur­sprung im Krieg: Zuviel Bewegung im offenen Feld macht die Truppe aus der Ferne sichtbar, bei Trockenheit zumal.</p>



<p>Bei allem Reichtum dieser Wendungen tun die Verweser der Sprache sich schwer, ihn korrekt zu definieren, wenn in Lexika von «pulver­förmigem Schmutz» die Rede ist. Pulver ist er so wenig wie Mehl oder Schmutz. Er mag zu Schmutz werden, doch nur, wenn Feuchtigkeit ihn bindet. Mehl ist ein konfektioniertes Produkt, wogegen der Staub als Endprodukt der Entropie (fast) regel- und gestaltlos heraustreibt aus der unablässig sich drehenden Mühle der Zeit.</p>



<p><strong>Von Jurten, Hunden und Spatzen</strong></p>



<p>Und wie halte ich’s mit ihm? In Mauern grossgezogen, ist mir der Sinn für seine reinigende Kraft abhandengekommen. Dass man mit ihm auch die Fracht des Lebens aus Überkleidern und Teppichen klopft, ist eine Erinnerung an jene Zeit, als hinter manchem Haus noch eine «Teppichstange» den Garten zierte – und der zugehörige Klopfer nicht nur als Haushaltgerät diente, sondern auch als Züchti­gungsinstrument.</p>



<p>Matthäus wiederum bezeichnet einen Akt von sozialer Hygiene, wenn es heisst: «Und wo euch jemand nicht annehmen wird noch eure Rede hören, so geht heraus von demselben Haus und schüttelt den Staub von euren Füssen.» Wer zu jener Zeit aus «unreinen» Gebieten ins Heilige Land kam, wusch ihn feierlich ab, ehe er die geweihte Erde betrat.</p>



<p>Bei aller Fremdheit dieser Rituale sehe ich bis heute mit Ergötzen zu, wenn Hunde sich auf Erdstücken wälzen, um später alles auszubeu­teln, was an Altlast ihr Fell bewohnt. Auch das Staubbad der Spatzen hat’s mir angetan, und dass die Nomadenvölker im mongolischen Hochland <em>mit</em> dem Gras- und Steinstaub leben und nicht <em>gegen ihn</em> – dass er mit ihnen übers Land zieht, wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Galsan_Tschinag">Galsan Tschinag</a> erzählt – be­rührt mich an empfindlicher Stelle.</p>



<p>Heute sind von solchem Tun und seinen Intuitionen nur noch Reste übrig: Weil die Nase nicht auf ihn geeicht ist, entdeckt das Auge ihn zuerst, oder die Fingerbeere, wenn er körniger ist und vermengt mit Sand. Dann macht er sich in einer durchwühlten Manteltasche be­merkbar – ich kehre das Futter nach aussen und wedle ihn von mir weg.</p>



<p>Jahrzehntelang habe ich sitzende Lebensweisen gepflegt und in Mau­ern verfolgt, wie er sich sammelt – das Wissen, dass er auf dem Luft­weg Unliebsames mit sich nimmt, man auch über ihn hinwegziehen und ihn lassen kann, wo er ist, oder verfolgen, wie er einen umweht, dieses Jurtenwissen blieb Wind, in den es gesprochen war.</p>



<p>So fehlt mir die Deutungskunst für ihn, auch wenn es in all meinen Wohn­stätten Orte gibt, wo er Bleiberecht geniesst: Räume zwischen Fens­ter und Vorfenster; das Entree, wo die Einträge des Windes sichtbar werden; Simse und Schrankoberseiten, die ihm vorbehalten sind, weil sie über der Wasserlinie des Blicks verlaufen – Refugien für sein ge­heimes Treiben.</p>



<p><strong>Das Gesetz der Wiederholung</strong></p>



<p>Einverleiben, Ausbrüten, Ausscheiden, Ausspeien: Was der Säuger­stoffwechsel mit Nahrung tut, tut das All mit Staub. Materie verdich­tet sich, Materie explodiert und zerstreut sich im Raum. Die Wander­schaft kommt an ein Ende, die Wanderschaft beginnt von vorn. So statuiert sich das Gesetz der Wiederholung, im Spiralnebel wie im Schneckenhaus, in den kleinen und grossen Wäschetrommeln des Seins.</p>



<p>Was aber, wenn ich den Staub, dessen Schweigen so unergründlich scheint, zum Reden brächte auf seiner never ending tour? Wenn ich mit ihm auf Schwebereise ginge durch die Zeit, von den Welfen zur Ming-Dynastie, an den Djebel Irhoud, wo Felsnischen ihn über Jahr­tausende gehütet haben, und nach Pompeji, wo er von der Erde aus­gehustet wurde, um schliesslich die Havarie mit Asche zu bestreuen?</p>



<p>Auch dann wäre er nur Akteur im Drama des Betrachters, Vehikel für eine Inszenierung von Historie, und seine ureigene Geschichte bliebe ungeschrieben.</p>



<p><strong>Sprachfiguren</strong></p>



<p>Klopfe ich noch einmal die Sprache ab, kehrt sie neue Dementi hervor: Keiner wirft die Flinte in den Staub; empfindsame Seelen hören nicht ihn wachsen, sondern das Gras. Er rieselt durch kein Stundenglas. Vorhaben <em>verlaufen im Sand</em> und an seiner Stelle wird Erde auf Särge geworfen. Gegner zieht man nicht durch den Staub, sondern <em>durch den Dreck</em>. Nicht er, sondern <em>Schnee von gestern</em> steht für die verlo­renen Grazien des Augenblicks. Nur in den letzten Kasualien einer Biografie tritt er auf den Plan, um Anfang und Ende alles Dinglichen zu verkörpern. Im Alltag aber bleibt er keinem Element lange treu. Scheint die Luft ihn zu tragen, sinkt er zu Boden; will Lehm ihn bin­den, setzt Trockenheit ihn wieder frei. Dann kommt der Wind und wirbelt ihn auf; mit Flächenbränden zieht er übers Land; Russ ver­mischt sich mit Pollen; von Feuchtigkeit fixiert, geht er wieder in die Erde ein, bildet Krusten an Dachkanten und belagert die Spaltmasse der Karosserien. Wenn er von etwas zeugt, dann von Wanderschaft, Wandel und Ungebundenheit.</p>



<p>«Ja, ich komme von weither», könnte er sagen. «Kein Wort ist gross genug, um meine Wege zu beschreiben. Im Inneren des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Murchison_(Meteorit)">Murchison-Kometen</a> habe ich den Eintritt in die Atmosphäre überstanden. Später hat eine Professorin in Stanford an mir die Geschichte des Univer­sums abgehandelt und von der «Wanderschaft der Materie durch den Raum» gesprochen. Erst da ist breiter bekannt geworden, dass die sterbenden Sterne ferner Sonnensysteme mich ausgespuckt haben, Jahrmillionen vor der menschlichen Zeitrechnung.»</p>



<p><strong>Immergrau</strong></p>



<p>Nein, von all dem lässt der zähe Schweiger nichts verlauten. Man muss es ihm mühsam entlocken. Lieber kehrt er weiter sein Grau her­vor, die immergleiche Antwort auf alle handelsüblichen Fragen. Gibt es deshalb keine Sittengeschichte des Staubs, keine Oper, die sein Wabern feiert, kein Staubsonett, dessen Strophen sich flusenhaft hin­aus ins Unbeschriebene drehen? Fristet er deshalb selbst bei <a href="https://projekt-gutenberg.org/authors/iwan-gontscharow/books/oblomow/">Oblo­mow</a>, wo er immer wieder die Lethargie und Nachlässigkeit des Helden symbolisiert, ein Schattendasein zwischen Stuhlbeinen und Sockel­leisten?</p>



<p>Zugegeben, unter dem Tisch will auch ich ihn weghaben – daran än­dert meine Faszination für ihn nichts. Freitag für Freitag bringe ich ihn aus dem Haus; auf der Schwelle erwartet er mich wieder. Will ich ihm zu Leibe rücken, wirble ich ihn auf. Verfolge ich ihn, weht er mir hinterher. Das ist so vertrackt wie Kafkas Parabeln. Deshalb werde ich den Eindruck nicht los, er spiele mit mir, nicht ich mit ihm.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur, greift Beiträge aus Medien kritisch auf und pflegt die Kunst des Essays. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Wir haben einen Platz für Sie &#8230;» «&#8230; in Ruanda!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/wir-haben-einen-platz-fuer-sie-in-ruanda/</link>
					<pubDate>Fri, 19 Jun 2026 08:10:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-54ZU8-rKqklBIVmV6Lxf52-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach 54ZU8-rKqklBIVmV6Lxf52" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-54ZU8-rKqklBIVmV6Lxf52-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-54ZU8-rKqklBIVmV6Lxf52-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-54ZU8-rKqklBIVmV6Lxf52-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-54ZU8-rKqklBIVmV6Lxf52-1536x922.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-54ZU8-rKqklBIVmV6Lxf52.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Europa verschärft seine Ausschaffungspolitik.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Verbotene Pestizide im Lebensmittelregal</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/ernaehrung/verbotene-pestizide-im-lebensmittelregal/</link>
					<pubDate>Thu, 18 Jun 2026 08:16:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=706763</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/1-e1781511551554-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Foodwatch LM Test Pestizde 2026" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/1-e1781511551554-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/1-e1781511551554-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/1-e1781511551554-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/1-e1781511551554.jpg 1458w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Nicht zugelassene Pestizide kommen per Import zurück in den Handel. Foodwatch fand sie in Reis, Tee und vor allem in Gewürzen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Auf dem Acker sind sie verboten, im Regal weiter erlaubt: Pestizide, die in der EU nicht zugelassen sind, gelangen über Importe wieder zurück in die Supermärkte. Die Konsumentenorganisation <a href="https://www.foodwatch.org/de/foodwatch-labortest-verbotene-pestizide-in-reis-gewuerzen-und-tee" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Foodwatch </a>hat untersucht, wie häufig sie sich in den Regalen finden. Dazu untersuchte sie Gewürze, Tee und Reis aus mehreren EU-Ländern auf Pestizidrückstände.</p>



<p>Das Labor fand in insgesamt 64 Produkten 53 verschiedene Pestizide, darunter 27, die in der Europäischen Union nicht zugelassen sind. Viele der Produkte aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Österreich enthielten mehr als einen verbotenen Wirkstoff.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zwei Drittel der Produkte enthielten nicht zugelassene Pestizide</h2>



<p>Insgesamt 45 Proben und damit zwei Drittel der untersuchten Lebensmittel enthielten Rückstände von in Europa verbotenen Pestiziden. Darunter sowohl Markenware von Teekanne, Messmer und Ostmann/Fuchs als auch Eigenmarken von Aldi/Hofer, Lidl, der Jumbo-Supermarktkette aus den Niederlanden, Carrefour, Spar/Billa, Albert Heijn oder Rewe.</p>



<p>Besonders belastet waren die getesteten Gewürze. Die beiden Spitzenreiter, Rewe Chili Mix und S-Budget Paprika Edelsüss von Spar Österreich, enthielten jeweils 22 Pestizide, davon sieben und sechs nicht zugelassene Substanzen. Im Rewe-Chili fand sich zudem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Chlorfenapyr">Chlorfenapyr</a> in einer Konzentration, die 61-fach über dem Grenzwert von 0,1 Milligramm pro Kilogramm lag, der für die meisten nicht zugelassenen Wirkstoffe gilt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vorsicht bei Paprika, Chili und Kreuzkümmel</h2>



<p>Alle von Foodwatch analysierten Proben von Paprika, Chili und Kreuzkümmel (Cumin) enthielten wenigstens ein nicht zugelassenes Pestizid. In mehreren Proben wurden Grenzwerte überschritten, beispielsweise bei:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>dem Cumin-Gewürz <a href="https://www.ah.nl/producten/9566/komijnzaad" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Komijnzaad</strong></a> (Albert Heijn, Niederlande), in dem das Herbizid Flamprop den Grenzwert von 0,1 Milligramm pro Kilogramm um das 387-Fache überschritt.</li>



<li><strong>Kania Kreuzkümmel</strong> (Lidl, Deutschland), das zwei in der EU verbotene Pflanzenschutzmittel enthielt, darunter wiederum Flamprop in Mengen, die 217-mal höher waren als der Grenzwert erlaubt.</li>



<li><strong>Fuchs Kreuzkümmel</strong> (gekauft bei Edeka Deutschland), in dem sich sechs Pestizide fanden, davon vier in der EU verbotene. Der Gehalt an Flamprop lag bei 1,65 Milligramm pro Kilogramm, also 165-fach über dem Grenzwert.</li>



<li><strong>Piment fumé La Chinata</strong> (Niederlande, Albert Heijn). Das geräucherte Paprikapulver enthielt das Pflanzenschutzmittel <a href="https://www.ua-bw.de/pubmobil/beitrag.asp?Thema_ID=3&amp;ID=2192&amp;subid=1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Anthrachinon</a> in Mengen, die dem 159-Fachen des Grenzwerts entsprachen.</li>
</ul>



<p>Laut dem <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/lebensmittel-foodwatch-findet-zu-hohe-mengen-an-pestiziden-in-kreuzkuemmel-von-lidl-und-fuchs-a-0b469037-d89c-4874-afe0-441e8ac94894" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Spiegel»</a>, der beim deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung nachgefragt hat, sind beide Kreuzkümmel-Produkte in Deutschland «nicht verkehrsfähig». Eine akute Gesundheitsgefahr bestehe jedoch nicht, da Gewürze üblicherweise nur in geringen Mengen gegessen würden.</p>



<p>Der Hersteller Fuchs bezeichnete die in seinem Kreuzkümmel gemessenen Werte laut «Spiegel» als «untypisch» und «nicht plausibel». Lidl gab an, dass Flamprop «in keinem der uns vorliegenden Prüfberichte nachgewiesen» worden sei. Man werde den Sachverhalt prüfen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Grüner Tee fast durchgehend mit verbotenen Pestiziden belastet</h2>



<p>Auch bei Tee fanden die Labore zahlreiche Rückstände. Von 14 untersuchten Grün- und Weisstees enthielten 13 mindestens ein in der EU verbotenes Pestizid. Deutlich besser schnitten Schwarztees ab. Mehrere Tees waren vollständig frei von nachweisbaren Pestizidrückständen.</p>



<p>Sehr unterschiedlich fielen die Ergebnisse beim Reis aus. Von 19 getesteten Reisprodukten waren zehn rückstandsfrei. In den übrigen neun fanden die Labore mindestens ein verbotenes Pestizid.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="888" height="514" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Foodwatch-Pestizide.png" alt="Foodwatch Pestizide" class="wp-image-706771" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Foodwatch-Pestizide.png 888w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Foodwatch-Pestizide-300x174.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Foodwatch-Pestizide-768x445.png 768w" sizes="auto, (max-width: 888px) 100vw, 888px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wie häufig ein Produkt verbotene Pflanzenschutzmittel oder überhaupt Pestizide enthielt, zeigte sich im Foodwatch-Test sehr unterschiedlich. </figcaption></figure>



<p>Am häufigsten nachgewiesen wurden die Wirkstoffe Chlorfenapyr, Bifenthrin und Spirotetramat (das in der Schweiz zugelassen ist). Ebenfalls häufig vertreten waren die drei Neonicotinoide Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid. Diese Insektizide stehen im Verdacht, Bestäuber wie Bienen zu schädigen, und sind deshalb in der EU weitgehend verboten. Mehrfach fanden die Labore zudem Rückstände des Reisfungizids Isoprothiolan.</p>



<p>Die geprüften Produktgruppen sind nicht ganz zufällig ausgewählt. Foodwatch hat sich für seinen Test gezielt Lebensmittelgruppen ausgesucht, die als potenziell höher belastet gelten. Ausser Tee, Gewürzen und Reis zählen dazu auch exotische Früchte sowie bestimmte Obst- und Gemüsesorten aus konventionellem Anbau wie Weintrauben, Erdbeeren, Himbeeren, Tomaten oder Paprika.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verbraucherzentralen: Nach dem Schälen Hände waschen</h2>



<p>Eher belastet seien auch Kräuter aus Übersee, schreibt die <a href="https://www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/welche-lebensmittel-sind-mit-pestiziden-belastet-119958" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verbraucherzentrale Niedersachsen</a>. Wurzelgemüse wie Karotten, Kartoffeln und Kohl sowie weniger leicht verderbliches Obst und Gemüse seien dagegen in der Regel rückstandsärmer, genauso wie regionale und saisonale Produkte aus der EU.</p>



<p>Bei Obst, das geschält werden könne, etwa Bananen, Zitrusfrüchte oder Mangos, reduziere sich der Pestizidgehalt dadurch deutlich. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, sich nach dem Schälen die Hände zu waschen, damit keine Rückstände auf andere Lebensmittel übergehen. «Unbehandelt» bei konventionell angebauten Zitrusfrüchten heisse übrigens nur, dass kein Schalenbehandlungsmittel eingesetzt worden sei. Wer beispielsweise Zitronenschalen in der Küche verwenden wolle, soll zu Bio-Ware greifen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Positivliste: Tee und Reis ohne Pestizide</h2>



<p>Trotz aller unangenehmen Botschaften hat die Untersuchung von Foodwatch auch einige Positivbeispiele zutage gefördert: Reis aus konventionellem Anbau, in dem dennoch keine Pestizide nachweisbar waren, weder zugelassene noch verbotene. Sowie Tee vom Discounter, der ebenfalls ohne nachweisbare Rückstände auskam, darunter auch ein Kindertee.</p>



<p><strong>Reis ganz ohne Pestizide: </strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Ben’s Original Reis (Penny Deutschland und Jumbo Niederlande)</li>



<li>Bon-Ri Basmati Reis (Hofer, Österreich)</li>



<li>Clever Langkornreis (Billa/Billa Plus, Österreich)</li>



<li>Dr. Oetker Milchreis klassische Art (Lidl, Deutschland)</li>



<li>Lassie heerlijk geurende rijst basmati (Dirk, Niederlande)</li>



<li>Lassie basmati rijst (Albert Heijn, Niederlande)</li>



<li>Spar Basmati Langkorn-Reis (Spar, Österreich)</li>



<li>Oryza Ideal Reis (Edeka, Deutschland)</li>



<li>Riz long grain (Monoprix, Frankreich)</li>



<li>Vermicelles de riz Suzi Wan (Monoprix, Frankreich)</li>
</ul>



<p><strong>Tee ohne Pflanzenschutzmittel: </strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Lord Nelson Schwarzer Earl Grey (Lidl, Deutschland)</li>



<li>Mivolis Magen-Darm-Kindertee (Drogeriekette DM, Deutschland)</li>



<li>Westminster Schwarztee (Aldi, Deutschland)</li>



<li>Yogi Tea Biologisch Green Energy (Jumbo, Niederlande)</li>
</ul>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.foodwatch.org/fileadmin/-INT/pesticides/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Banned Pesticides on the Menu &#8211; Detaillierte Testergebnisse</a> – Foodwatch, Mai 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konsum/wie-pestizid-exporte-den-weg-zurueck-in-die-regale-finden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie Pestizid-Exporte den Weg zurück in die Regale finden</a> – Infosperber am 8. Mai 2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/pfas-wissenschaftler-kritsieren-untaetigkeit-bei-pestiziden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">PFAS: Wissenschaftler kritisieren Untätigkeit bei Pestiziden</a> – Infosperber am 6. November 2025<br><br></li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/dfef04bba1cc4472b0f22d78b257fbdd" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Mehr arbeiten? Falsches Thema!</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/mehr-arbeiten-falsches-thema/</link>
					<pubDate>Thu, 18 Jun 2026 08:12:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=706673</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="179" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-15-um-00.30.06-300x179.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Time Management" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-15-um-00.30.06-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-15-um-00.30.06-768x457.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-15-um-00.30.06.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Jahrzehntelang ging es nur in eine Richtung: Kürzere Arbeitszeit, mehr Wohlstand. Jetzt gilt das plötzlich nicht mehr. Warum?]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Im Jahr 1960 war es üblich, mit einem 44-Stunden-Pensum zwei bis drei Kinder grosszuziehen. Damals waren regelmässige Reallohnerhöhungen und sinkende Arbeitszeiten an der Tagesordnung. Inzwischen ist die Arbeitsproduktivität um das 2,6-fache gestiegen. Trotzdem haben heute viele Paare selbst mit zusammen 70 Wochenstunden Mühe wenigstens ein Kind über die Runden zu bringen. Wie kommt das? Müssen wir noch mehr arbeiten, um den Wohlstand zu sichern?</p>



<p>Das scheint das weit herum anerkannte Narrativ zu sein. Deshalb geht jetzt eine Welle der Solidarität durch die Schweiz. Einst haben wir auf eigene Rechnung gearbeitet, für das eigene Portemonnaie, für den eigenen Konsum. Jetzt tragen wir mit unserer Arbeit etwas zum gemeinsamen Gut bei. Oder auch nicht, wie die Generation Z mit ihrer Vorliebe für die Work-Life-Balance. Oder wie die jungen Ärzte, die nach dem teuren Studium nur Teilzeit arbeiten wollen. Auf der schwarzen Liste der &#171;Drückeberger&#187; stehen auch die Senioren, die sich (vorzeitig) pensionieren lassen und die Mütter, die lieber Hausfrauen bleiben wollen.</p>



<p><strong>Die Studie des Arbeitgeberverbands </strong></p>



<p>Dass wir alle mehr arbeiten müssen, wird vor allem damit begründet, dass – wegen der tiefen Geburtenrate – immer weniger Aktive für immer mehr Rentner sorgen müssen. Und deswegen mehr arbeiten sollten. Wie viel mehr? Die Economiesuisse und der Arbeitgeberverband haben es in einer Studie ausgerechnet: Wenn wir unseren am Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf gemessenen Wohlstand weiterhin wie gewohnt steigern wollen, brauchen wir dazu in den nächsten 20 Jahren 460&#8217;000 zusätzliche Vollzeit-Beschäftigte.</p>



<p>Woher sollen die kommen? Aus dem Ausland? 460&#8217;000 Vollzeitstellen entsprechen samt Angehörigen rund einer Million Einwanderer. Das will niemand. Deshalb stellt sich die Studie auch die Frage, wie viele Stellen wir aus eigener Kraft besetzen könnten – durch mehr Kitas, weniger Teilzeit und weniger Frühpensionierung etc. Die Antwort: 146&#8217;000.&nbsp;</p>



<p>Schlussfolgerung, ganz im Sinne der Auftraggeber: Ohne noch mehr Einwanderung, und mehr Arbeit, ist unser Wohlstand in Gefahr. Denn andernfalls müssten die Aktiven einen immer grösseren Teil ihres Einkommens an die Rentner abtreten.</p>



<p><strong>Produktivität stieg um 160 Prozent</strong></p>



<p>Doch spannen wir den Bogen noch einmal zurück ins Jahr 1960. Seither sind zwar die Arbeitszeiten kürzer und die Ferien länger geworden und wir sind fünf Jahre länger pensioniert. Auf der anderen Seite hat aber die Erwerbsbeteiligung der Frauen stark zugenommen. Unter dem Strich sind die Arbeitsstunden pro Kopf nur um rund 15 Prozent von 1015 auf 882 Stunden gesunken. Die Produktivität ist aber um rund 160 Prozent gestiegen. Das heisst: Trotz der Überalterung und der verlängerten Rente müsste es uns immer noch mehr als doppelt so gut gehen wie vor 66 Jahren. Tut es aber offensichtlich nicht. Warum?</p>



<p>Generell gesprochen liegt der Grund darin, dass uns der Zusammenhang zwischen Wohlstand und BIP abhanden gekommen ist. Der «geniessbare» Teil des BIP ist geschrumpft. Um das verständlich zu machen, müssen wir kurz ausholen: Wir haben Bedürfnisse – Nahrung, Wohnung, Kleidung, Pflege, Bildung und Unterhaltung. Dafür müssen wir arbeiten und wir müssen die Arbeit koordinieren. Entweder ohne Geld im Rahmen der Bedarfswirtschaft in Familie und Nachbarschaft, oder wir arbeiten gegen Geld für Fremde. Das hat den Vorteil, dass wir uns spezialisieren und Kapital einsetzen können. Die Marktwirtschaft hat aber auch drei Nachteile: Sie verursacht hohe Koordinationskosten, sie verteilt die «Beute» sehr einseitig und sie behindert die Bedarfswirtschaft.&nbsp;</p>



<p><strong>Die drei Nachteile der Marktwirtschaft</strong></p>



<p>Zunächst zu den Koordinationskosten. Dazu zählen etwa die Werbung, das Marketing, das Personalwesen, die Administration und der Transport. Sie sind oft fast so hoch wie die eigentlichen Produktionskosten. Auf der Ebene der Haushalte fallen die zunehmend langen Arbeits- und Einkaufswege ins Gewicht. Früher waren die Distanzen kurz. Heute können viele nicht auf ein eigenes Auto samt Garage verzichten, was locker zehn Prozent des Einkommens verschlingt.</p>



<p>Zu den Koordinationskosten, die das BIP ohne unmittelbaren Nutzen aufblähen, zählen auch die Kosten, die dadurch anfallen, dass jährlich rund 180&#8217;000 Menschen ein- und 80&#8217;000 auswandern. Für die bleibenden 100&#8217;000 müssen jährlich 40&#8217;000 Wohnungen, plus Infrastruktur neu gebaut werden. All das dürfte gut fünf BIP-Prozent-Punkte beanspruchen. </p>



<p>Und dann sind da noch die aktuell über 6000 Milliarden Franken Finanzvermögen der Privathaushalte, die ein ganzes Heer von Bankangestellten, Tradern und Finfluencer beschäftigen, ohne dass damit ein einziges Grundbedürfnis befriedigt wird.&nbsp;</p>



<p>Ins Kapitel Behinderung der Bedarfswirtschaft gehört der Umstand, dass Kleinkinder heute in Kitas statt wie einst zuhause betreut werden, was wegen den langen Wegen, wegen der Bürokratie und wegen den zusätzlichen Raumkosten zu erheblichen Mehraufwendungen führt.</p>



<p><strong>Oberste fünf Prozent vereinen ein Viertel der Einkommen auf sich</strong></p>



<p>Noch viel mehr ins Gewicht fällt die zunehmend ungleiche Einkommensverteilung, wegen der für den Normalbürger ein immer kleinerer Teil des BIP anfällt. Schweizweit kassiert die ärmere Hälfte der Steuerzahlenden nicht einmal ganz 20 Prozent aller Reineinkommen, während rund ein Viertel der Einkommen auf die obersten 5 Prozent entfällt. Dazu kommt nun aber noch die Umverteilung über die Mieten, bzw. über die steigenden Bodenpreise. Früher kostete das Bauland 10 bis 50 Franken pro Quadratmeter (entsprechend etwa 120 heutigen Franken) inzwischen sind es oft 5000 Franken oder mehr. Allein das verteuert die Monatsmiete schnell einmal um 1000 Franken.</p>



<p>Genau beziffern lassen sich diese Effekte nicht, aber sie machen verständlich, warum auch ein stark steigendes Bruttosozialprodukt nicht verhindern kann, dass sich Durchschnittsverdiener kaum noch Kinder leisten können. Und vor allem führen sie den Gedanken ad absurdum, dass wir dieses Problem dadurch lösen können, dass wir noch mehr bezahlte Arbeit leisten – geschweige denn, noch mehr Arbeitskräfte importieren.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Eine westdeutsche Lebenslüge</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/eine-westdeutsche-lebensluege/</link>
					<pubDate>Thu, 18 Jun 2026 08:11:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="223" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-11-um-09.45.34-300x223.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Reichswehrminister Blomberg" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-11-um-09.45.34-300x223.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-11-um-09.45.34-768x570.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-11-um-09.45.34.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wie aus dem SS-Hauptsturmführer Hans Ernst Schneider der Universitätsdirektor und Vorzeige-Demokrat Hans Schwerte wurde.]]></description>
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<p><em>Red. – Der Autor dieses Artikels ist Beiratsmitglied der&nbsp;<a href="https://www.giordano-bruno-stiftung.de/leitbild" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Giordano-Bruno-Stiftung</a>, Journalist und Autor zahlreicher Bücher. Sein Beitrag erschien zuerst bei «<a href="https://www.pressenza.com/de/2026/06/eine-westdeutsche-lebensluege/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">pressenza.com</a>». </em></p>



<p>_____________________</p>



<p>Spätestens Mitte 1945 beginnen die Funktions-Eliten des Naziregimes, ihre Fühler auszustrecken. Niemand will mehr Täter sein. Ein Volk müht sich, das zu vergessen, was es verschweigt: seine Bereitschaft zur Teilnahme an einem System der Barbarei.&nbsp;Geschichts-Verleugnung und Geschichts-Umdeutung haben Hochkonjunktur. Hitler allein soll es gewesen sein, verantwortlich für das Verderben der Deutschen und ihre Verbrechen. Wenn nicht allein, dann allenfalls eine kleine verbrecherische Nazi-Elite und ihre fanatischen Getreuen. Zur Bereinigung des kollektiven Scham- und Schuldenkontos, dient ein Bild: »der Führer« in der Rolle als solitärer Verführer, Verursacher und Verbrecher. Ein Volk auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit – unter der Sündenbock-Schirmherrschaft Hitlers.</p>



<p>Und so gelingt in Westdeutschland einer grossen Zahl der früheren NS-Eliten der erfolgreiche Übergang in das neue System. Justiz, Polizei, Geheimdienst, Armee, Ministerien, Schule, Universität, Kultur und Medien sind in der Bundesrepublik von alten Nazis durchsetzt. Sie kehren auf ihre alten Plätze zurück, setzen ihre Karrieren fort, gliedern sich nahtlos in die deutsche Nachkriegs-Welt ein. Bundeskanzler Adenauer ermöglicht nach einigen Jahren der Strafverfolgung und Entnazifizierung durch die Alliierten erste Amnestien: Gefälschte Identitäten können unter Zusicherung von Straffreiheit abgelegt werden. Bis zum ersten Stichtag im Frühling 1950 wollen nur 241 Personen reinen Tisch machen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Verschwinden der Vergangenheit</strong></h2>



<p>Der ehemalige SS-Hauptsturmführer Hans Ernst Schneider gehört nicht dazu. Er nennt sich jetzt Hans Schwerte. Der Namenswechsel ist seine Überlebensstrategie. Falsche Papiere als Gefreiter der Wehrmacht samt einer Bescheinigung über eine angebliche britische Kriegsgefangenschaft helfen dabei. Eine unter seinem Oberarm tätowierte SS-Nummer diagnostiziert ein nationalgesinnter Arzt als «Schusswunde». Seine Frau hilft ihm bei seinem eigenen Verschwinden und lässt ihn von einem Notar für tot erklären, um ihn später – jetzt als eine verwitwete Frau – ein zweites Mal zu heiraten. In einer Zeit, in der viele amtliche Dokumente »durch Kriegswirren« verlorengegangen sind, beschafft er sich notwendige Ersatzbescheinigungen,&nbsp;beginnt bald ein Germanistikstudium, wird danach Assistent an der Universität Erlangen, erlangt seinen Doktortitel – und macht eine akademische Karriere. Der Mann, der jetzt Hans Schwerte heisst, tilgt seine Vergangenheit. Eine Nazi-Biografie endet.</p>



<p>In Königsberg wird er 1909 in eine bürgerliche Familie hineingeboren. Er ist ein junger hochgewachsener, blonder Mann und träumt davon, Schriftsteller zu werden, Die Weimarer Republik lehnt er ab. Er sehnt sich nach Aufbruch. Während des Studiums der Germanistik lernt er die völkische Ideologie kennen, die als modern gilt – und ist begeistert. 1933 tritt er in die SA ein, 1937 in die SS, zu deren elitärem Arier-Orden sein Aussehen passt. Wenig später ist er auch Mitglied in der NSDAP, Parteiausweis Nummer 4923959. Nach seiner Promotion findet er eine Anstellung im Rasse- und Siedlungshauptamt in Berlin, bereits 1940 arbeitet er im Persönlichen Stab des Reichsführers-SS, Heinrich Himmler. Zielstrebig macht Schneider als Volks- und Ahnenforscher Karriere, wird SS-Hauptsturmführer. Er entgeht dem Fronteinsatz, verrichtet seine Forschungsarbeit daheim im Reich. Schneider ist ein Schreibtischtäter – tadellos bis zuletzt.</p>



<p>Als der Krieg fast vorbei ist, zieht er nicht nur seine Uniform aus. Er zieht auch einen Schlussstrich unter seine bisherige Biografie. Hans Schwerte, wie er sich nun nennt, widmet sich seiner zweiten Karriere. Aus dem Germanen-Forscher des «Dritten Reichs» wird 1965 ein Germanistik-Professor an der Technischen Hochschule in Aachen, später deren geschätzter Rektor, der mit Ehrungen wie dem Bundesverdienstkreuz bedacht wird. Wie raffiniert seine Tarnung ist, zeigt sich schon während der Berufung.&nbsp;„Seine lautere Persönlichkeit, die sich besonders in seinem Verhalten während der Jahre 1933–1945 äusserte, gibt Gewähr, dass er eine erfreuliche Bereicherung der Fakultät bilden würde” steht im Gutachten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Kein richtiges Leben im Falschen</strong></h2>



<p>Er ist ein kluger Täuscher, ein umtriebiger akademischer Netzwerker. Das geht gut – bis 1993. Da erhält der längst emeritierte Schneider/Schwerte einen anonymen Brief, dem ein Foto seines alten Lebens in SS-Uniform beiliegt. Nicht nur Frau und Kinder, auch die Weggefährten wussten von dem doppelten Spiel. Schon seit den 1970ern ging das Gerücht, dass der Rektor ein alter Nazi ist. Einige Professorenkollegen der Universität – der Kanzler, der stellvertretende Kanzler, andere mehr – wussten Bescheid, aber niemand wagte sich ins Offene – weil unklar war, wer auf wessen Seite steht – und ob eine Anzeige nicht auch persönliche Karriere-Nachteile mit sich brächte. Geübter, gängiger Opportunismus. Es muss ja irgendwie weitergehen ….</p>



<p>Erst als zwei Jahre später niederländische Journalisten enthüllen, was an der Technischen Hochschule Aachen mindestens ein Jahrzehnt mühsam unter Verschluss gehalten und nur zaghaft verfolgt&nbsp;wurde, wagt Schwerte den Schritt nach vorne und gesteht öffentlich seine Lebenslüge, bevor das niederländische Fernsehmagazin&nbsp;<em>»Brandpunt«</em>&nbsp;das tut. Danach bricht ein monströser Skandal über ihn herein.&nbsp; Er verliert Rang, Ehre und seinen Beamtenstatus samt Pension. Der Enttarnte gibt nur zu, was sich nicht mehr abstreiten lässt. In sein Tagebuch notiert er: „48 Jahre der Versuch, jene 8–9 Jahre wieder gut zu machen. (. . .) Aber Hochstapelei nirgends. Promotion, Habilitation, Berufung, Wahlen usw. ganz regelhaft. Nur die ersten Angaben, ab Mai 1945, waren falsch.” Trotz Scham und Schande sucht er nach Rechtfertigungen und Erklärungen für sein Doppelleben. Doch gibt es ein richtiges Leben im falschen? Lassen sich „die Irrtümer von 1937–1945 abarbeiten”, wie er glaubt?</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Akademischer Korpsgeist und diskrete Schweigsamkeit</strong></h2>



<p>Achtzig Jahre nach Schneiders Verwandlung in Schwerte und dreissig Jahre nach seinem Auffliegen, hat die Historikerin Angelina Pils jetzt im Göttinger Wallstein Verlag ein umfangreiches – im besten Sinne aufklärendes – Buch über ein »westdeutsches Doppelleben« vorgelegt. Sie hat erstmals die Tagebücher ausgewertet, die Schneider/Schwerte während 57 Jahren schrieb, auch die Akten der Technischen Hochschule in Aachen, an welcher der ehemalige SS-Mann so lange unerkannt und unbehelligt lehrte, sie als Rektor leitete. Pils beschreibt, wie solche Identitätswechsel und Karrieren möglich waren. Und sie zeigt, wie widersprüchlich der Weg von der Diktatur in die Demokratie war, wie aus einem eilfertigen NS-Wissenschaftsorganisator eine geschätzte Identifikationsfigur der demokratischen Nachkriegs-Germanistik werden konnte.</p>



<p>Bereits 1998 waren zwei Autoren dieser Frage nachgegangen:&nbsp; der Essener Sprachwissenschaftler&nbsp;Ludwig Jäger („Seitenwechsel – Der Fall Schneider/Schwerte und die Diskretion der Germanistik“, Wilhelm Fink Verlag) sowie der Politikwissenschaftler&nbsp;Claus Leggewie, der in Gießen lehrte<em>&nbsp;</em>(„Von Schneider zu Schwerte – Das ungewöhnliche Leben eines Mannes, der aus der Geschichte lernen wollte“, Hanser Verlag).&nbsp;</p>



<p>Sie zeichnen ein gegensätzliches Bild des ehemaligen SS- Hauptsturmführers: den Nazi- Ideologen, der wusste, was er tat (Jäger) und der bereits 1942 als Leiter des „Germanischen Wissenschaftseinsatzes“ zu einer treibenden Kraft in Himmlers „Ahnenerbe“-Projekt wurde und den „durchschnittlichen SS-Intellektuellen“, der „zufällig“ in diese Kreise geraten war, „eine Verkettung von Neigung und Zufall, Ehrgeiz und Laxheit“. wie Leggewie konstatiert. Jäger, unversöhnlicher als Leggewie, verweist schon damals auf Material, das all die „diskreten“ Mitwisser entlarvt, die nach 1945 Schneider/Schwerte wiedererkannt haben müssen. Das »Nicht-Erinnern-Wollen«, die zaghaften Ermittlungen, das grosszügige Verständnis – das alles war charakteristisch für die Nachkriegsgesellschaft vor allem dann, wenn es sich um die NS-Tätigkeit von Kollegen handelte. Auf die heimliche Solidarität seiner Kollegen konnte Schneider /Schwerte also zählen: ein ausgeprägter akademischer Korpsgeist garantierte dafür. Die eingeübte Schweigsamkeit fand durchaus die Zustimmung der meisten Deutschen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Erhellendes Psychogramm und Soziogramm&nbsp;</strong></h2>



<p>Angelina Pils analysiert und beschreibt in ihrer Studie die personellen Kontinuitäten, die strukturellen Bedingungen und die mentalen Anpassungsprozesse, die Karrieren wie die von Schneider/Schwerte ermöglichten. Auf der Basis von dessen langjährigen Tagebuchaufzeichnungen zeichnet sie akribisch nach, wie der Identitätswechsel gelang und warum die Enttarnung erst so spät erfolgte. Ihr Buch lässt sich als aufschlussreiches Psychogramm eines »gespaltenen« Intellektuellen lesen, seinem Versuch, sich mit einem gelebten Doppelleben zu versöhnen – ebenso als erhellendes Soziogramm einer kollektiven Selbstverleugnung und Selbstentlastung.</p>



<p>Das Buch passt in unsere Zeit. Derzeit wird aufgeregt – freilich um Jahrzehnte verspätet – in Deutschland über Nazi-Verstrickungen in der eigenen Familie debattiert.&nbsp; Seit die National Archives in den USA im März die Mitgliederkartei von Hitlers NSDAP ins Netz gestellt haben (und die&nbsp;«ZEIT»&nbsp;und der&nbsp;«Spiegel»&nbsp;die Datenbank benutzerfreundlich aufbereiteten), sind Millionen von Karteikarten&nbsp;ehemaliger NSDAP-Mitglieder nun online auffindbar. Insgesamt traten zwischen 1925 und 1945 rund 10,2 Millionen Menschen in die NSDAP ein, etwa 90 Prozent davon lassen sich in den erhaltenen Mitgliedskarteibeständen wiederfinden. Doch was sagt uns das über&nbsp;<a href="https://www.zeit.de/wissen/2026-04/ns-vergangenheit-mitgliederkartei-nsdap-familie-erinnerungskultur" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ihre Rolle im Nationalsozialismus</a>, wenn eigene Vorfahren in diesen Listen auftauchen?</p>



<p>Vor mehr als zwanzig Jahren belegte eine Studie des Sozialpsychologen Harald Welzer, dass nur 6 Prozent der Deutschen meinen, ihre Eltern oder Grosseltern hätten ein positives Verhältnis zum Nationalsozialismus gehabt. Besonders die jüngeren Deutschen fühlten sich zwar durch Schule und Medien über die NS-Zeit gut informiert, häufig sogar übersättigt. Gleichzeitig aber waren sie davon überzeugt: „Opa war kein Nazi!“&nbsp; Heute sind Opa und Oma mit wenigen Klicks entlarvt.</p>



<p>Auch eine Kartei auf den Namen Hans Ernst Schneider ist archiviert, der Mann, der zuerst überzeugter Nazi war und dann als Hans Schwerte zum Vorzeige-Demokraten mutierte. Er stirbt wenige Tage nach seinem 90. Geburtstag im Dezember 1999 in einem westdeutschen Seniorenheim – unter jenem Namen, den er der Öffentlichkeit ein halbes Jahrhundert lang&nbsp;vorenthalten hatte. Zuletzt notiert er in sein Tagebuch: „Von mir kommt nichts mehr, wartet nicht. Zwei Leben/zwei Mal gelebt, ein drittes nicht mehr.”</p>



<p>_____________________</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="504" height="800" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-09-um-15.19.07.png" alt="Buchcover Schneider/Schwerte" class="wp-image-705771" style="aspect-ratio:0.630009319664492;width:152px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-09-um-15.19.07.png 504w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-09-um-15.19.07-189x300.png 189w" sizes="auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px" /></figure>



<p>Angelina Pils: Schneider/Schwerte. <a href="https://www.wallstein-verlag.de/9783835360341-schneider-schwerte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wallstein Verlag</a> 2026, 32 €/ca. 49 CHF</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Dieser Artikel erschien bei «</em><a href="https://www.pressenza.com/de/2026/06/eine-westdeutsche-lebensluege/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">pressenza.com</a><em>», einer Nachrichtenagentur von ehrenamtlich tätigen Freiwilligen, die sich den Themen Humanismus, Gewaltfreiheit, Menschenrechte, Abrüstung und Nicht-Diskriminierung widmet.Helmut Ortner ist Beiratsmitglied der&nbsp;<a href="https://www.giordano-bruno-stiftung.de/leitbild" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Giordano-Bruno-Stiftung</a>, Journalist und Buchautor. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt&nbsp;«<a href="https://www.exlibris.ch/de/buecher-buch/deutschsprachige-buecher/helmut-ortner/gnadenlos-deutsch/id/9783865694508/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gnadenlos Deutsch – Täter, Helfer, Zuschauer – und die Entsorgung der NS-Zeit</a>».</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>63 Prozent der Studenten an der Uni Genf sind Frauen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/bildung/63-prozent-der-studenten-an-der-uni-genf-sind-frauen/</link>
					<pubDate>Thu, 18 Jun 2026 08:10:00 +0000</pubDate>

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					<title>Die falschen Zuwanderer aus Amerika</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-falschen-zuwanderer-aus-amerika/</link>
					<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 08:14:00 +0000</pubDate>

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					<content:encoded><![CDATA[




<p>Noch vor 20 Jahren war es doch so: Wenn ein Wirt seinen Fernseher in den Garten stellte, damit wir ein Fussballspiel schauen konnten, dann war das ein Fernseher im Garten. Punkt. Heute ist es ein «Public viewing». Sogar der Duden hat das «Public viewing» 2009 in seinen Wortschatz aufgenommen. Dumm nur, dass «Public viewing» im Englischen etwas anderes heisst. Unter anderem «öffentliche Aufbahrung».</p>



<p><strong>Ein Trauerspiel</strong></p>



<p>Doch vielleicht passt «Public viewing» ganz gut in diesen Tagen, in denen in den USA, in Mexiko und Kanada die Fussball-Weltmeisterschaft stattfindet. Denn der Anlass ist ein einziges Trauerspiel.</p>



<p>Die nächste Weltmeisterschaft findet übrigens «in 2030» in Marokko, Portugal und Spanien statt. Neuerdings sagt man «in 2030», so wie es die Englischsprachigen tun. Auf Deutsch hiesse es aber eigentlich «im Jahr 2030» oder schlicht «2030».</p>



<p>Wenn wir über den amerikanischen Präsidenten sprechen, äussern wir uns zumeist verächtlich. Auch von seinen Wählern halten wir nicht viel. Und ebenso kritisch sind wir gegenüber amerikanischen Firmen wie Palantir, Meta, Tesla, Coca-Cola oder McDonald&#8217;s. Erstaunlich deshalb: Was an englischen Ausdrücken aus Amerika herüberschwappt, integrieren wir sogleich ins Deutsche. Was ich da schreibe, ist kein Narrativ, es ist tatsächlich so.</p>



<p><strong>«Gerücht», «Behauptung» oder «Lüge»?</strong></p>



<p>Wobei wir schon beim nächsten Ausdruck wären: beim «Narrativ». Es kommt an sich vom lateinischen Verb «narrare», also «erzählen». Das Substantiv haben wir um 1995 vom englischen «Narrative» übernommen und daraus das deutsche «Narrativ» gemacht.</p>



<p>Einen ersten Schub erlebte das «Narrativ» mit der Corona-Pandemie 2020. Richtig Karriere machte es zwei Jahre später mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Damit drücken wir aus, dass jemand etwas erzählt, was nicht stimmt. Aber warum sagen wir das nicht mit Wörtern, die uns schon lange zur Verfügung stehen und genauer sind? «Gerücht», «Behauptung» oder gar «Lüge». Vielleicht auch «Märchen».</p>



<p><strong>Eine Adresse auf dem Umschlag?</strong></p>



<p>Manche Leute haben inzwischen Hemmungen, solche Vorwürfe – «Gerücht», «Behauptung» oder «Lüge» – zu «adressieren». «Adressieren»? «Adressieren» bedeutete einst: eine Adresse auf einen Umschlag schreiben. Heute bedeutet es: etwas «ansprechen», «aussprechen», «thematisieren», «angehen», «behandeln» oder «in Angriff nehmen».</p>



<p>Wenn Englischsprachige etwas als unglaubwürdig darstellen wollen, dann sprechen sie nicht nur von einem «Narrative», sondern auch vom «Framing». Das Wort schickt sich gerade an, auch unsere Sprache zu erobern. So las ich kürzlich in einem Artikel, Deutschland habe die Gewalt der Siedler im Westjordanland als Problem von Einzelnen «gerahmt».</p>



<p>Ich musste zwei Mal lesen, bis ich verstand. Dabei haben wir – statt «gerahmt» – doch eine schöne Auswahl passender deutscher Wörter zur Verfügung: «dargestellt», «gedeutet», «bezeichnet».</p>



<p>Der deutsche Wortschatz böte uns also alles, was wir brauchen, um uns einfach, genau und verständlich auszudrücken. Aber lieber bedienen wir uns des Englischen oder des Pseudo-Englischen. Wie man es auf die Spitze treiben kann, zeigt dieses Video.</p>



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<p>Der Text enthält 488 Wörter, 182 sind Anglizismen. Das ist mehr als ein Drittel. Die Anglizismen prägen aber nicht nur – wie im Video – unseren Alltag, sondern auch unsere Arbeit. In der «Company» ist die neue «Task» für manche eine «Challenge» oder sogar ein «Struggle», für andere ein «Nobrainer». Sie «delivern» «on point». Deshalb beklagen sie sich auch nie über den «Workload». Vor dem nächsten «Brainstorming» gibt’s noch ein kurzes «Briefing». Das Problem: Der «CEO» ist noch in einem «Call». Immerhin ist der «Consultant» schon da und der «Facility Manager» hat den «Flipchart» aufgestellt. Auch die «Handouts» liegen schon auf. – Ja, so geht das heutzutage.</p>



<p><strong>Ein polnischer Erntehelfer?</strong></p>



<p>Übrigens auch in der Politik. Im Vorfeld zur Abstimmung über die SVP-Initiative gegen die «10-Millionen-Schweiz» sprachen wir ständig über die «Expats». Der Ausdruck ist eine Abkürzung des englischen «Expatriate». Der Ursprung liegt im Lateinischen: «ex» für «aus» und «patria» für «Vaterland». Ein «Expat» ist also ein «Auswanderer» oder ein «Ausländer».</p>



<p>Aber so meinen wir es nicht, wenn wir von «Expats» sprechen. Wir meinen nicht Studenten, nicht Flüchtlinge, nicht Asylbewerber. Wir meinen auch nicht den portugiesischen Sanitärinstallateur, den rumänischen Abwart oder den polnischen Erntehelfer. Wir meinen stets reiche oder gutverdienende Ausländer. Und so sollten wir es auch sagen, wenn wir es so meinen.</p>



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<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/020bdcb2c3b049db960bfef2addbcbb9" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
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							<item>
					<title>Warum wir manche Kommentare zu Israel nicht publizieren</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/warum-wir-manche-kommentare-zu-israel-nicht-publizieren/</link>
					<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 08:12:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=706533</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/This-Picture-scaled-e1781545640147-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/This-Picture-scaled-e1781545640147-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/This-Picture-scaled-e1781545640147-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/This-Picture-scaled-e1781545640147-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/This-Picture-scaled-e1781545640147-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/This-Picture-scaled-e1781545640147-2048x1228.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wer Israelkritik übt, ist kein Antisemit. Wer aber Juden weltweit für Israel in Haftung nimmt, betreibt Abstammungshaftung.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Zum Thema Israel und Palästina erhält die Infosperber-Redaktion immer wieder Kommentare, die wir löschen. Und dann kann es passieren, dass uns die Verfassenden vorwerfen, wir würden Zensur ausüben. Hier erklären wir, warum wir gewisse Kommentare nicht publizieren.</p>



<p>Wir kritisieren die israelische Regierung. Das tun wir, das werden wir tun, und es kommt vor, dass man dann mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert ist, ein Vorwurf, der so falsch ist wie er billig ist. Denn eine Regierung oder einen Staat zu kritisieren ist keine Feindschaft gegen ein Volk.</p>



<p>Aber dann erreichen uns immer wieder Kommentare, in denen es heisst: ausgerechnet die Juden, die den Holocaust erlebt haben, machen nun dasselbe. Oder: Warum beklagen sich Jüdinnen und Juden über Antisemitismus, wenn sie tolerieren, was Israel tut? Das klingt nach Israelkritik, ist es aber nicht, denn die Frage unterstellt, dass alle Jüdinnen und Juden für Israel oder für die Politik der israelischen Regierung sprechen, schweigen oder haften.</p>



<p><strong>Jude sein verpflichtet?</strong></p>



<p>Es wird eine Abstammungshaftung konstruiert, mit folgender Logik: Jude zu sein verpflichte. Zu Israel. Immer. Überall. Der Jude in Zürich, die Jüdin in New York, in Buenos Aires – sie alle trügen Verantwortung für den Staat und dessen Regierung. Und weil ihnen, ihrer Familie, ihren Vorfahren Schreckliches widerfahren sei, würden sie eine historische Bringschuld tragen, daher müssten sie laut sein. Sie müssten sich verhalten, müssten eine Meinung haben, sonst verwirkten sie das Recht, Antisemitismus zu benennen.</p>



<p>Ferdinand von Schirach, dessen Grossvater der Nazi Baldur von Schirach war – Gauleiter von Wien, in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilt –, hat geschrieben: «Die Schuld meines Grossvaters ist die Schuld meines Grossvaters. Der Bundesgerichtshof sagt, Schuld sei das, was einem Menschen persönlich vorgeworfen könne. Es gibt keine Sippenhaft, keine Erbschuld, und jeder Mensch hat das Recht auf eine eigene Biografie.» Das bedeutet: Niemand erbt die Schuld seiner Vorfahren. Aber es bedeutet auch etwas anderes: Niemand erbt das Leid seiner Vorfahren als Verpflichtung. Die Enkelin einer Auschwitz-Überlebenden in Montreal schuldet der Welt keine Stellungnahme zu Benjamin Netanyahu. Ihre Biografie gehört allein ihr. Nicht der Geschichte. Nicht dem Kollektiv. Nicht der Infosperber-Leserschaft. Sondern ihr.</p>



<p>Wer das anders sieht, wer Jüdinnen und Juden überall auf der Welt in Haftung nimmt für einen Staat, weil sie Jüdinnen und Juden sind, der betreibt keine Israelkritik. Der betreibt Abstammungshaftung. Und die publizieren wir nicht.</p>



<p><strong>Diskriminierung in Meinungsform</strong></p>



<p>Die <a href="https://www.jerusalemdeclaration.org/wp-content/uploads/JDA-German.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus</a>, die 2021 von über 370 Holocaustforschern, Judaisten und Nahostexperten unterzeichnet wurde – als bewusstes Korrektiv zur politisch oft missbrauchten IHRA-Definition, die unter anderem der Deutsche Bundestag verwendet und die Israelkritik in die Nähe von Antisemitismus rückt – hält in ihren Richtlinien zu Israel und Palästina fest, es sei antisemitisch, «Jüd:innen kollektiv für das Verhalten Israels verantwortlich zu machen oder sie, bloss weil sie jüdisch sind, als Agent:innen Israels zu behandeln.» Und es sei antisemitisch, «Menschen, weil sie jüdisch sind, aufzufordern, Israel oder den Zionismus öffentlich zu verurteilen.»</p>



<p>Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Unsere Gesellschaft lebt davon, dass gestritten wird, laut und kontrovers und unbequem. Aber Abstammungshaftung ist keine politische Position, sondern Diskriminierung in Meinungsform und hat mit dem eigentlichen Thema, Kritik an Israel, nichts zu tun.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Geteiltes Wohnen: Die britische Kommunalka</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/geteiltes-wohnen-die-britische-kommunalka/</link>
					<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 08:10:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=706241</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="196" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-11-um-10.24.29-300x196.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Hochhäuser in Berlin" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-11-um-10.24.29-300x196.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-11-um-10.24.29-768x502.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-11-um-10.24.29.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>In Städten wie London sehen sich immer mehr Menschen zum «shared living» gezwungen. Für die Wohnungskrise ist das keine Lösung.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><em>Red. – Piotr Biegasiewicz ist Essayist, Lyriker und Übersetzer. Er studierte Philosophie sowie Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Sein Artikel erschien am 24. Mai 2026 in der «<a href="https://www.berliner-zeitung.de/article/geteiltes-wohnen-die-britische-kommunalka-und-was-berlin-daraus-lernen-kann-10037845" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Berliner Zeitung</a>».</em> </p>



<p>_____________________</p>



<p>Am Morgen zischt der Wasserkocher in einer Küche, die allen gehört und niemandem. Eine Etage, fünf Zimmer, sechs Paar Schuhe im Flur. Hinter jeder Tür beginnt ein anderes Leben. Aber kein Zuhause. Wer hier wohnt, besitzt kein Haus. Er besitzt einen Schlüssel.</p>



<p>Das ist&nbsp;<a href="https://archive.is/o/id3fx/https://www.berliner-zeitung.de/category/grossbritannien" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grossbritannien</a>.&nbsp;Aber Berlin sollte genau hinschauen. Denn die Wohnungsfrage beginnt früher als die Obdachlosigkeit. Sie beginnt, wenn aus der Wohnung ein Zimmer wird, aus dem Zuhause eine bezahlbare Zwischenlösung.</p>



<p>In Berlin beginnt diese Zukunft leise. Mit einem möblierten Zimmer in Neukölln. Mit einem befristeten Vertrag in&nbsp;<a href="https://archive.is/o/id3fx/https://www.berliner-zeitung.de/category/wedding" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wedding</a>. Mit einer Anzeige, in der zwölf Quadratmeter als gemütlich beschrieben werden. Mit dreissig Menschen im Treppenhaus.</p>



<p>Grossbritannien zeigt, wohin eine Gesellschaft gerät, wenn Eigentum zur Religion und Miete zur Disziplin wird. Wenn das Zuhause schrumpft, bis nur noch ein abschliessbares Zimmer übrig bleibt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Margaret Thatchers Versprechen</h2>



<p>In Grossbritannien heisst diese Wohnform HMO, House in Multiple Occupation: ein Haus, in dem mehrere Menschen aus mehr als einem Haushalt leben und Küche, Bad oder Toilette teilen. Praktisch ist es oft eine Ansammlung vermietbarer Zimmer.</p>



<p>Für deutsche Ohren klingt geteiltes Wohnen zunächst harmlos. WG, Studium, Küchentisch, billiger Wein. Aber das britische HMO hat mit dieser Erinnerung oft wenig zu tun. Eine WG kann der Versuch sein, anders zu leben. Im HMO geht es darum, überhaupt noch irgendwo zu leben.</p>



<p>Es gibt ein Bett. Einen Schrank. Eine Heizung, die nicht immer warm wird. Einen Schreibtisch, wenn Platz bleibt. Die Küche ist gemeinsam, aber nicht gemeinschaftlich. Das Bad ist geteilt, aber nicht solidarisch. Die Haustür öffnet nicht in ein Zuhause, sondern in einen Markt.</p>



<p>Nach dem <a href="https://archive.is/o/id3fx/https://www.berliner-zeitung.de/category/zweiter-weltkrieg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zweiten Weltkrieg</a> war das «council house» ein Stück sozialer Staatsbürgerschaft. Dann kam «Right to Buy». Margaret Thatcher versprach dem Mieter das Eigentum und der Arbeiterklasse die Aufnahme in die Religion des Privateigentums. Seit 1980 wurden in England mehr als zwei Millionen Sozialwohnungen verkauft. Der öffentliche Bestand schrumpfte, der private Markt wuchs. Thatcher versprach dem Arbeiter das eigene Haus. Der Markt gibt seinem Enkel ein Zimmer mit Schloss.</p>



<p>Das HMO ist kein Betriebsunfall. Es ist eine rationale Form des britischen Mietkapitalismus. Ein Reihenhaus, in dem früher eine Familie lebte, kann in fünf oder sechs Mietverträge zerlegt werden. Wohnzimmer, Esszimmer, Dachraum, alles kann Schlafzimmer werden.</p>



<p>Wo früher eine Familie wohnte, wohnen heute fünf Verträge. Das Haus hört auf, ein Ort des Lebens zu sein. Es wird zu einer Tabelle. Zimmer eins. Zimmer zwei. Zimmer drei. Kaution. Miete. Rendite.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer zu wenig verdient, wird aussortiert</h2>



<p>Die Sprache dieses Marktes ist weich. Aus Wohnungsnot wird «<em>shared living</em>». Aus Enge wird <em>flexibility</em>. Aus der Tatsache, dass ein arbeitender Mensch sich keine eigene Wohnung leisten kann, wird «<em>affordable accommodation</em>». «<em>Shared living</em>» klingt nach Freiheit. In Wahrheit ist es oft nur Armut mit W-Lan.</p>



<p>Auch Berlin kennt diese Sprache. Möbliertes Zimmer.&nbsp;<em>Serviced Apartment</em>. Flexible Wohnlösung. Kleine Fläche, hoher Preis, kurzer Vertrag. Wörter, die nach Zukunft klingen und oft nur bedeuten, dass Wohnen zur Übergangslösung wird.</p>



<p>Wer heute in Berlin eine Wohnung sucht, lernt die Demut des Formulars. Schufa, Gehaltsnachweise, Selbstauskunft, Bewerbungsmappe, Warteschlange im Treppenhaus. Wer zu wenig verdient, wird aussortiert. Wer neu in der Stadt ist, nimmt, was bleibt.</p>



<p>Und was bleibt, ist immer öfter nicht Wohnung, sondern Zimmer, Übergang, Kompromiss. Berlin ist nicht London. Aber die Richtung ist erkennbar: möbliert statt dauerhaft, Zimmer statt Wohnung, Bewerbungsmappe statt Ankommen in der Stadt. Die britische Kommunalka ist keine exotische Abweichung. Sie ist eine Warnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Leben hinter nummerierten Türen</h2>



<p>Wer im HMO wohnt, ist nicht nur Student. Diese Vorstellung ist bequem, aber falsch. Die britische Kommunalka ist längst auch Wohnform für Menschen, die arbeiten: Lagerarbeiter, Pflegerinnen, junge Angestellte mit Abschluss, Frauen nach einer Scheidung, Menschen mit Verträgen und Lebensläufen.</p>



<p>Das HMO ist die Wohnform jener, die arbeiten, aber aus dem Wohnen herausgepreist wurden. Diese neue britische Arbeiterklasse lebt hinter nummerierten Türen. Sie sieht nicht immer so aus, wie man sich Arbeiter früher vorgestellt hat. Manchmal trägt sie Kopfhörer, Ausweis und Müdigkeit. Sie hat Jobs, Schichten, Bankkarten, Smartphones, manchmal Abschlüsse. Aber sie hat kein Zuhause, das diesen Namen verdient.</p>



<p>Auch darin liegt eine Lektion für Berlin. Die Wohnungsfrage trifft nicht mehr nur die Armen im alten Sinn. Sie trifft jene, die morgens die Stadt öffnen: Pakete tragen, Kinder betreuen, Kranke pflegen, Büros reinigen, Cafés am Leben halten, Daten sortieren. Sie sind nicht ausserhalb der Stadt. Sie sind ihre Infrastruktur. Aber die Stadt behandelt sie zunehmend wie Gäste auf Widerruf.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Markt, der die Krise organisiert</h2>



<p>Der britische Mietmarkt hat eine eigene Pädagogik. Er bringt Menschen bei, kleiner zu denken. Der Wohnort wird nicht nach Nähe, Bindung oder Zukunft gewählt, sondern nach dem Restbetrag auf dem Konto. Ein Kind, ein Tisch, Besuch, Krankheit, Ruhe, all das gehört zu einem Leben, das Wohnraum braucht. Der Mietmarkt übersetzt es in Kosten.</p>



<p>Im März 2026 lag die durchschnittliche private Monatsmiete im Vereinigten Königreich bei 1377 Pfund. In&nbsp;<a href="https://archive.is/o/id3fx/https://www.berliner-zeitung.de/category/london" target="_blank" rel="noreferrer noopener">London</a>&nbsp;waren es 2280 Pfund. In England wurden für 2023/24 fast eine halbe Million Immobilien dieser Art geschätzt. Das sind Wohnformen eines Marktes, der die Krise nicht löst. Er organisiert sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine besonders scharfe Ironie</h2>



<p>Hier liegt die historische Ironie. Grossbritannien, das Mutterland des privaten Hauseigentums, produziert eine Wohnform, die an die alte Kommunalka erinnert, also an eine in&nbsp;<a href="https://archive.is/o/id3fx/https://www.berliner-zeitung.de/category/russland" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Russland</a>&nbsp;seit Mitte des 19. Jahrhunderts bestehende Wohnform: gemeinsame Küche, gemeinsames Bad, enge Flure, minimale Privatheit. Doch die Ursache ist eine andere.</p>



<p>Die britische Kommunalka ist keine Rückkehr des Sozialismus. Sie ist eine bittere Pointe des Marktes. In der alten Kommunalka teilte man die Küche, weil der Staat Privatheit nicht garantieren konnte. Im heutigen HMO teilt man die Küche, weil der Markt sie unbezahlbar gemacht hat. Damals stand am Anfang Mangelverwaltung. Heute steht am Anfang Rendite. Nur der Name ändert sich. Der heutige Markt nennt das nicht Mangel. Er nennt es Angebot.</p>



<p>Für Berlin ist diese Ironie besonders scharf. Kaum eine Stadt kennt gemeinschaftliche Enge, staatliche Wohnungsversprechen und private Spekulation so gut. Kaum eine Stadt weiss besser, dass Wohnen nie nur Architektur ist. Es ist Ordnung des Alltags. Es ist Macht über Zeit, Nähe, Körper, Schlaf, Zukunft.</p>



<p>Wenn der Wohnungsmarkt versagt, merkt man das nicht zuerst in Diagrammen. Man merkt es morgens in der Küche. Daran, dass niemand mehr richtig zu Hause ist.</p>



<p>Deutschland sollte sich nicht zu sicher fühlen. Auch hier wird Wohnraum zur Anlageklasse. Auch hier wird Wohnen befristet, möbliert, flexibilisiert, verteuert. Auch hier bedeutet ein Arbeitsvertrag noch lange keine Wohnung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hinter der Tür beginnt eine andere Müdigkeit</h2>



<p>Am Abend geht das Licht in der Küche wieder aus. Die Teller stehen im Abtropfgestell. Im Flur knarren die Dielen. Hinter jeder Tür beginnt eine andere Müdigkeit. Niemand hat hier den Sozialismus gebaut. Niemand hat die Gemeinschaft gewählt. Niemand nennt es Niederlage. Und doch liegt sie in der Luft.</p>



<p>Grossbritannien hat jahrzehntelang vom eigenen Haus geträumt. Vom Garten. Von der Haustür. Vom kleinen Reich der privaten Sicherheit. Nun lernt ein Teil der arbeitenden Bevölkerung, diesen Traum auf zwölf Quadratmeter zu verkleinern.</p>



<p>Berlin sollte das nicht als britische Kuriosität verstehen. Sondern als Warnung. Denn die Zukunft der Wohnungsfrage beginnt nicht erst, wenn Menschen auf der Strasse schlafen. Sie beginnt früher. Wenn eine Stadt ihren Bewohnern nur noch Zimmer anbietet.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Piotr Biegasiewicz ist Essayist, Lyriker und Übersetzer. Er studierte Philosophie sowie Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Uniwersytet Adama Mickiewicza w Poznań und an der The Open University im Vereinigten Königreich.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>US-Konzerne verschieben Milliarden-Gewinne in Steuerparadiese</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/us-konzerne-verschieben-milliarden-gewinne-in-steuerparadiese/</link>
					<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 07:50:40 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=705975</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Steuerparadiese.tupungato-e1781102632749-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Steuerparadiese.tupungato" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Steuerparadiese.tupungato-e1781102632749-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Steuerparadiese.tupungato-e1781102632749-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Steuerparadiese.tupungato-e1781102632749-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Steuerparadiese.tupungato-e1781102632749.jpg 1408w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>2025 sparten sie über 40 Milliarden Dollar an Steuern. Die Schweiz half dabei. Was Konzerne dürfen, ist Lohnbezügern verboten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Eigentlich wollte die OECD nach langen Verhandlungen verhindern, dass Konzerne ihre Gewinne in Steueroasen platzieren können. Sie haben dort oft weder Produktionsstätten noch Angestellte.</p>



<p>Anfang 2024 hatten die meisten Länder die OECD-<a href="https://www.swissbanking.ch/de/themen/steuern/oecd-mindeststeuer">Konzernmindeststeuer</a> von 15 Prozent auf den Gewinnen eingeführt. Die Konzerne sollten gezwungen werden, ihre Gewinne in den Ländern zu versteuern, in denen sie erwirtschaftet worden waren.</p>



<p>Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.</p>



<p>Doch gleich am Anfang seiner zweiten Amtszeit hat Präsident Donald Trump die Mindeststeuer abgelehnt und zusätzlich US-Unternehmen, von denen ihn viele im Wahlkampf unterstützt hatten,&nbsp;<a href="https://home.treasury.gov/news/press-releases/sb0350">massive Steuerermässigungen</a>&nbsp;gewährt.</p>



<p>Doch diese waren grossen Konzernen offensichtlich nicht grosszügig genug. Jedenfalls verschoben sie weiter Milliardengewinne in Steueroasen. Eine Analyse der «New York Times» zeigt, dass US-Konzerne im Jahr 2025 so mindestens 40 Milliarden Steuern vermieden haben.&nbsp;</p>



<p>Die bevorzugten Niedrigsteuerländer sind&nbsp;<a href="https://www.ey.com/en_gl/technical/tax-alerts/malta-transposes-eu-s-global-minimum-tax-directive-reflecting-no">Malta</a>, Bermuda, Singapur oder die Cayman-Inseln – oft existieren dort lediglich Briefkastenfirmen ohne Personal, Büros oder operative Tätigkeit. Auch zu Schweizer Tochtergesellschaften haben US-Konzerne Gewinne verschoben, die sie in den USA oder anderen Ländern erwirtschaftet hatten.</p>



<p>Ein lokales Beispiel ist die Fluggesellschaft Lufthansa, welche Gewinne mittels interner verzerrter&nbsp;Verrechnungspreise zur Schweizer Tochter Swiss verschiebt. Deren Gewinne seien «erfreulich» und «eindrücklich», hatte die&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/tagesschau-uebernimmt-blindlings-die-swiss-zahlen/">SRF-Tagesschau kommentiert</a>, ohne die ausgewiesenen Gewinne zu hinterfragen.</p>



<p>Die markantesten Beispiele einiger US-Konzerne:</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td></td><td></td><td></td></tr><tr><td><strong>Konzern</strong></td><td><strong>Gewinne&nbsp;2025<br>verschoben nach</strong></td><td><strong>Vermiedene Steuern<br>in Millionen Dollar&nbsp;</strong></td></tr><tr><td>American Express</td><td>Insel Jersey</td><td>423</td></tr><tr><td>PayPal</td><td>Singapur</td><td>50% der Steuern*</td></tr><tr><td>Abbott Laboratories</td><td>Malta</td><td>336 </td></tr><tr><td>Pepsi</td><td>Bermuda</td><td>691</td></tr><tr><td>Honeywell</td><td>Schweiz</td><td>25% der Steuern*</td></tr><tr><td> <em>Quelle: NYT</em></td><td></td><td>* <em>keine genaueren Angaben</em></td></tr></tbody></table></figure>



<p>Besonders auffällig ist Malta. Die Mittelmeerinsel hat sich laut «New York Times» zu einem der beliebtesten Ziele für Gewinnverlagerungen entwickelt. Der Pharmakonzern Abbott Laboratories deklarierte dort beispielsweise seine gesamten globalen Gewinne über eine Tochtergesellschaft – obwohl diese keine Angestellten beschäftigt. Der steuerliche Effekt: Einsparungen von rund 336 Millionen Dollar in einem Jahr.</p>



<p>Auch die europäischen Regierungen haben dabei geholfen: Die EU erlaubte Malta, die globale Mindeststeuer erst Anfang 2030 einzuführen – ein zusätzlicher Anreiz für Konzerne.</p>



<p>Fazit der «New York Times»: «Für Staaten bedeutet dies erhebliche&nbsp;Einnahmenverluste. Für die internationale Steuerpolitik stellt sich die Frage, ob globale Mindeststandards ohne die Beteiligung der USA überhaupt durchsetzbar sind.»</p>



<p>Was Konzernen erlaubt ist, ist normalen Beschäftigten verboten. Sie dürfen ihre Lohnausweise nicht bei einer Briefkastenfirma in Malta oder Jersey abgeben, um ihre Steuerlast zu optimieren.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/steuern-abgaben/us-plutokrat-macht-vor-wie-man-acht-milliarden-steuern-spart/">US-Plutokrat macht vor, wie man acht Milliarden Steuern spart</a>, Infosperber vom 18.12.2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/steuern-abgaben/freibrief-fuer-steueroasen-mitten-in-europa/">Die EU prangert den Steuersumpf in der Karibik an, toleriert aber seit Jahrzehnten Steuerdumping auf Madeira und Malta</a>, Infosperber vom 16.2.2017</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/928588f605ba4fe99371bf9fb86d5204" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Ich wünsche ihm den sofortigen Ruhestand</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/ich-wuensche-ihm-den-sofortigen-ruhestand/</link>
					<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 07:41:43 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=706867</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="170" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-16-um-10.22.11-300x170.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Donald Trump Geburtstag Käfigkampf" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-16-um-10.22.11-300x170.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-16-um-10.22.11-768x436.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-16-um-10.22.11.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Harriet Beecher Stowe und Donald Trump haben das gleiche Geburtsdatum. Doch das wär’s schon mit den Gemeinsamkeiten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Eine strapazierfähige Buchschutzfolie hiess in meiner Kindheit «Bärenhaut». Mit so einer Bärenhaut überzogen wir als Kinder die Bücher, die uns besonders wichtig waren. Zu den wichtigsten gehörte für mich ein Buch, das mir der Onkel Mich, mein Taufpate und Lieblingsonkel, zu Weihnachten geschenkt hatte; da war ich elf Jahre alt.</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="644" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/9783423140607xxl-644x1024.png" alt="9783423140607xxl" class="wp-image-706871" style="aspect-ratio:0.6289027825090007;width:322px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/9783423140607xxl-644x1024.png 644w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/9783423140607xxl-189x300.png 189w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/9783423140607xxl-768x1222.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/9783423140607xxl.png 800w" sizes="auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Onkel Toms Hütte»: Die Autorin Harriet Beecher Stowe kämpfte für Gerechtigkeit, Donald Trump für Deals.</figcaption></figure>



<p>Erst habe ich meinen Namen vorne mit krakeliger Schrift hineingeschrieben, und dann habe ich es nach dem ersten Lesen eingebunden: Die Bärenhaut war da sowohl ein Schutz für das Buch als auch eine Respektbezeugung für dessen Inhalt, der mich unglaublich beeindruckt hat – so sehr, dass ich es damals so oft gelesen habe, wie sonst nur noch die Bände von Karl May und Prinz Eisenherz.</p>



<p>Das Buch, von dem ich schreibe, heisst «Onkel Toms Hütte». Es ist ein literarisches Plädoyer gegen die Sklaverei; Autorin ist Harriet Beecher Stowe. Der Roman wurde erstmals 1852 publiziert und gilt als eines der einflussreichsten Werke der Weltliteratur.</p>



<p><strong>Einzige Gemeinsamkeit – das Geburtsdatum</strong></p>



<p>Das Buch spielt in den US-Südstaaten vor dem amerikanischen Bürgerkrieg. Es ist eine schonungslose und tränenreiche Brandrede und hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde. Die Autorin ist also eine Schriftstellerin, die die Welt besser gemacht hat. Mit dem heutigen US-Präsidenten Donald Trump teilt sie daher nichts – nur das Geburtsdatum.</p>



<p>Beide sind an einem 14. Juni geboren – Harriet Beecher Stowe im Jahr 1811, Donald Trump im Jahr 1946. Obwohl mehr als ein Jahrhundert und obwohl völlig verschiedene Lebensrealitäten zwischen ihnen liegen, eignen sich diese beiden Amerikaner perfekt, um die verschiedenen Seiten Amerikas zu beschreiben und die konträren Visionen für die Vereinigten Staaten darzustellen.</p>



<p><strong>Zwei Amerikas</strong></p>



<p>Zwei Geburten, zwei Amerikas: Das Amerika der Harriet Beecher Stowe ist eine moralische Republik, das Trump-Amerika eine nationalistische Festung. Am 14. Juni sind also zwei Nationen geboren worden: Am 14. Juni 1811 die Nation einer reformerischen Ethikerin, die für Gerechtigkeit kämpft; am 14. Juni 1946 die Nation eines Immobilienmagnaten, der Politik als Deal und Show betreibt. Und beide Amerikas argumentieren christlich oder nutzen evangelikale Argumente.</p>



<p>Der britische Premierminister Lord Palmerston sah in «Uncle Tom’s Cabin» ein Werk von erheblicher Staatskunst, das die moralische Position der Nordstaaten in der internationalen Öffentlichkeit stärkte und es Grossbritannien erschwerte, offen auf Seiten der Südstaaten zu intervenieren.</p>



<p><strong>Befreiende Kraft</strong></p>



<p>Heute gilt «Onkel Toms Hütte» freilich auch als Text, der negative Stereotype über Schwarze verbreitete; er sei zwar der bis dahin gängigen Darstellung Schwarzer als fauler und triebgesteuerter Menschen entgegengetreten, habe dieses Bild aber durch das vom unterwürfig-duldsamen Schwarzen ersetzt. Darauf stützten sich Petitionen, die die Umbenennung von Ortsbezeichnungen verlangten, die auf «Onkel Toms Hütte» lauten. Damals, im 19. Jahrhundert, hatte das Buch aber erst einmal ungeheure, sklavenbefreiende Kraft.</p>



<p>Harriet Beecher Stowes Amerika ist ein Amerika des moralischen Idealismus und des puritanisch-christlichen Gewissens, das sich für die Rechte der Schwachen und Schwächsten einsetzt. Trumps Amerika dagegen steht für eine Gesellschaft und für eine Politik, in der das Recht des Stärkeren gilt. Symbol für dieses Trump-Amerika sind die Käfig-Kämpfe, die Trump zu seinem achtzigsten Geburtstag als Grossevent auf dem Südrasen des Weissen Hauses aufführen liess. Es handelte sich um die Präsentation von zivilisatorischem Rückschritt.</p>



<p>Als ich mir überlegt habe, was ich Trump zum Geburtstag wünsche, ist mir nur der sofortige Ruhestand eingefallen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Keine. Dieser Kommentar des Kolumnisten und Autors Heribert Prantl erschien zuerst als «Prantls Blick» in der Süddeutschen Zeitung.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Minze richtig trocknen: So bleiben Aroma und Farbe erhalten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/ernaehrung/minze-richtig-trocknen-so-bleiben-aroma-und-farbe-erhalten/</link>
					<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 07:40:40 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=706491</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-1-e1781348021990-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Minze 1" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-1-e1781348021990-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-1-e1781348021990.png 760w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wer Minze falsch trocknet, produziert Heu, das an Zahnpasta erinnert. Für den Tee im Winter braucht es Schatten, Luft und Geduld.]]></description>
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<p><em>Red</em>.&nbsp;<em>Dieser Beitrag erschien im Newsletter&nbsp;<a href="https://www.food-revolution.info/p/sauerteigbrot-zehn-gruende" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Food Revolution»</a>&nbsp;des Agrarjournalisten Jürg Vollmer. Übernahme mit freundlicher Genehmigung.</em></p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="360" height="360" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Juerg-Vollmer-Portrait-e1780649450412.png" alt="Jürg Vollmer Portrait" class="wp-image-705019" style="width:160px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Juerg-Vollmer-Portrait-e1780649450412.png 360w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Juerg-Vollmer-Portrait-e1780649450412-300x300.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Juerg-Vollmer-Portrait-e1780649450412-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jürg Vollmer</figcaption></figure>



<p>Die&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Minzen">Minze</a>&nbsp;wächst an lichten Waldrändern, auf feuchten Waldlichtungen und Bergwiesen oder entlang von Wasserläufen und Gräben. Und in meinem Garten.</p>



<p>Die Garten-Vorbesitzer haben vor Jahren ein paar grüne Stängel angepflanzt, weil sie so frisch duften. Seither hat die Minze den Garten übernommen. Damit ich überhaupt ein Gemüsebeet anlegen kann, muss die Minze weg.</p>



<p>Bevor ich zum Spaten greife, ernte ich mit einer scharfen Schere ein grosses Büschel Minze zum Trocknen.</p>



<p>An einem trockenen, warmen Tag Anfang Juni ernte ich die Minze in meinem Garten gleich büschelweise. Kranke, gelbe, angefressene oder verschmutzte Blätter sortiere ich aus. Die übrig gebliebenen Pflanzen grabe ich aus und entferne auch das kleinste Würzelchen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">In Kürze</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Minze richtig trocknen: Der beste Zeitpunkt liegt kurz vor der Blüte im Juni bis Juli, wenn die Blätter besonders aromatisch sind.</li>



<li>Minze sollte trocken, sauber und in kleinen Büscheln an einem luftigen, schattigen Ort trocknen.</li>



<li>Getrocknete Minze richtig lagern: ganze Blätter, im Idealfall dunkles Glas, luftdicht verschlossen und vor Licht geschützt.</li>



<li>Getrocknete Minze verwenden: als Tee, in Joghurt-Saucen, zu Linsen, Bohnen, Erbsen, Couscous, Lamm oder vorsichtig in Desserts.</li>
</ul>
</div>



<p>Der Zeitpunkt für die Ernte passt: Minze schmeckt besonders aromatisch, wenn sie Knospen bildet, aber noch nicht blüht. Je nach Sorte liegt dieser Moment zwischen Juni und Juli.</p>



<p>Dann enthalten die Blätter viele ätherische Öle, und der frische Geschmack bleibt nach dem Trocknen besser erhalten.</p>



<p>Die Minze könnte ich im&nbsp;<a href="https://www.faz.net/kaufkompass/test/der-beste-doerrautomat/">Hightech-Dörrgerät</a>&nbsp;trocknen, im Backofen, rein theoretisch auch in der Mikrowelle und an der Sonne. Das Dörrgerät spare ich mir im doppelten Sinne des Wortes. Ebenso die Mikrowelle. Sie erhitzt zu aggressiv für das, was ich erhalten will: Duft, Farbe und Aroma.</p>



<p>Die Minze «ganz natürlich» in der Sonne zu trocknen, liegt nahe, ist aber eine schlechte Idee. Sonne trocknet nicht nur, sie bleicht und treibt mit ihrer Hitze flüchtige Aromastoffe aus. Was übrig bleibt, erinnert an das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Herbarium">Herbarium</a> meines Bio-Lehrers.</p>



<p>Die Minze-Blätter bestehen zu einem grossen Teil aus Wasser. Dieses Wasser muss weg – aber so schonend, dass Frische, ätherische Öle und der kühle, fast pfeffrige Geschmack bleiben.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="726" height="420" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-3.png" alt="Minze 3" class="wp-image-706485" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-3.png 726w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-3-300x174.png 300w" sizes="auto, (max-width: 726px) 100vw, 726px" /><figcaption class="wp-element-caption">Minze schmeckt besonders aromatisch, wenn sie Knospen bildet, aber noch nicht blüht. Dann enthalten die Blätter viele ätherische Öle, und der frische Geschmack bleibt nach dem Trocknen besser erhalten.</figcaption></figure>



<p>Wer Minze falsch trocknet, konserviert nicht den Sommer. Er produziert Heu mit Erinnerung an Zahnpasta. Wer sie richtig trocknet, macht aus einem empfindlichen Frischprodukt einen Vorrat für sechs bis zwölf Monate.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="728" height="485" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-4.png" alt="Minze 4" class="wp-image-706487" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-4.png 728w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-4-300x200.png 300w" sizes="auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zum Trocknen der Minze braucht es kein Hightech-Dörrgerät und keinen Backofen. Ich binde jeweils fünf Minze-Stängel zu kleinen Büscheln zusammen und hänge sie im gut gelüfteten und verdunkelten Schlafzimmer an eine Schnur.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Trockenprobe: Die Minze muss rascheln und brechen, nicht biegsam sein</h2>



<p>Ich binde jeweils fünf Minze-Stängel zu kleinen Büscheln zusammen und hänge sie im gut gelüfteten und verdunkelten Schlafzimmer an eine Schnur.</p>



<p>Wer riesige Minze-Sträusse bindet, bekommt aussen trockene Blätter und innen feuchte Stängel. Das ist konservierungstechnisch verkehrt.</p>



<p>Die Minze muss trocknen und atmen, bevor ich ihr in einem hermetisch verschlossenen Glas die Luft nehme. Im schlimmsten Fall entsteht Kondenswasser. Dann riecht es nicht mehr nach Minze, sondern nach Keller. Und Keller ist im Kräuterglas kein Qualitätsmerkmal.</p>



<p>Am Anfang verströmen die Büschel im Schlafzimmer einen kräftigen, frischen Duft, der in heissen Sommernächten sehr angenehm ist. Nach ein paar Tagen wird der Geruch leiser, aber konzentrierter. Aus Gartenaroma wird Kräuterduft.</p>



<p>Nach zwei bis drei Wochen sind die Bündel trocken. Nicht irgendwie trocken, sondern richtig trocken: Die Blätter rascheln, lassen sich leicht von den Stängeln streifen, und die dünnen Stiele brechen, statt sich gummiartig zu biegen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="727" height="479" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-2.png" alt="Minze 2" class="wp-image-706489" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-2.png 727w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Minze-2-300x198.png 300w" sizes="auto, (max-width: 727px) 100vw, 727px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nach zwei bis drei Wochen sind die Minze-Bündel trocken und die Blätter lassen sich leicht von den Stängeln streifen.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>In ein Glas und an einen dunklen Ort</strong></h2>



<p>Die Blätter zerreibe ich nicht. Sonst könnte ich gleich Pfefferminz-Teebeutel aus dem Supermarkt kaufen.</p>



<p>Jedes Zerbrechen vergrössert die Oberfläche. Mehr Oberfläche bringt mehr Sauerstoffkontakt. Mehr Sauerstoff beschleunigt den Aromaverlust.</p>



<p>Darum streife ich die Blätter vorsichtig von den Stängeln und lasse sie möglichst ganz. Zerreiben kann ich sie später, kurz vor Gebrauch.</p>



<p>Ich fülle die ganzen Minzeblätter in dunkelgrüne <a href="https://artifiche.com/marke/buelach-heute-now-vetropack-ch/">Bülach-Gläser</a> oder in transparente <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Einmachglas">Weck- oder Rex-Gläser</a>. Diese Gläser sind geruchsneutral und dicht. Sie nehmen kein Aroma auf und geben keines ab. Ausserdem zeigen sie mir, was passiert. Bildet sich innen Kondenswasser, ist klar: Minze raus, nachtrocknen, trockenes Glas, neu abfüllen. </p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Getrocknete Minze kickt weniger als frische Minze, hat aber mehr Tiefe</h2>



<p>Ein Etikett mit Erntedatum klingt spiessig, ist aber nützlich. Nach sechs bis zwölf Monaten lässt das Aroma nach. Die Minze wird nicht automatisch schlecht, aber langweiliger. Und langweilige Minze ist wie ein Supermarkt-Teebeutel mit schlechtem Lebenslauf.</p>



<p>Ein Glas steht bei mir zum aktuellen Verbrauch im geschlossenen Küchenschrank, die anderen Gläser im dunklen Keller. Vorräte sind keine Dekoration. Sie sind Lebensmittel in Wartestellung.</p>



<p>Frische Minze ist hell, kühl, grün, fast frech. Getrocknete Minze ist nicht einfach frische Minze in knusprig. Sie ist ein anderes Produkt: leiser, kräuteriger, wärmer. Weniger Frische-Kick, mehr Tiefe.</p>



<p>Der Klassiker ist Tee. Dafür zerreibe ich ein paar Blätter aus dem Glas und gebe sie in einem Edelstahlfilter in die Teekanne oder Teetasse. Dort haben sie genug Platz, um den Geschmack zu entfalten, und das feine Gewebe trennt sauber Blätter und Aufguss.</p>



<p>Minzeblätter, heisses Wasser, ein paar Minuten Geduld. Im nebligen Herbst oder kalten Winter tut das der Seele gut.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Minze nicht nur für Tee!</h2>



<p>In der Küche passt getrocknete Minze besonders gut zu Joghurt. Mit Gurke, Knoblauch, Zitrone, Salz und Olivenöl wird daraus eine Sauce für Kartoffeln, Fladenbrot, Gemüse oder Fleisch.</p>



<p>In Linsen und Bohnen setzt getrocknete Minze eine kühle Gegenstimme zur erdigen Schwere. Zu Erbsen ist sie fast klassisch. Zu Couscous, Bulgur und Reis passt sie ebenfalls.</p>



<p>Auch in Hackfleischgerichten, Köfte, Lamm oder gefülltem Gemüse funktioniert getrocknete Minze. Sie zeigt dort, warum die mediterrane und nahöstliche Küche Kräuter so ernst nimmt.</p>



<p>Bei Süssem bin ich vorsichtig. Schokolade und Minze sind ein altes Paar. Bei Beeren, Aprikosen und Pfirsichen kann getrocknete Minze schnell nach Kräutertee im Dessert schmecken.</p>



<p>Als Faustregel gilt: Getrocknete Minze schmeckt konzentrierter als frische. Ich nehme deshalb höchstens ein Drittel der Menge. Nachlegen kann ich immer noch. Herausnehmen wird schwierig.</p>



<p>Minze trocknen ist für jeden machbar und kostet nichts. Ich brauche keine Spezialausrüstung, nur Schere und Schnur, einen trockenen Raum, ein Glas und etwas Geduld.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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