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					<title>«Sieg Heil» vor dem Richter: Das Ende der Patriotischen Front</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sieg-heil-vor-dem-richter-das-ende-der-patriotischen-front/</link>
					<pubDate>Thu, 08 Oct 2026 18:08:51 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="1. August" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Erster-August-Short-e1791118478158.jpg 1994w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Nach der Gewalt auf den Strassen der Zerfall: Marcel Strebel taumelte von Gericht zu Gericht, bis er 2001 erschossen wurde.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><em>Dies ist der dritte Teil des dritten Kapitels unserer Serie&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/dossier/sommer-sonne-remigration/" target="_blank" rel="noopener">«Sommer, Sonne, Remigration»</a>&nbsp;über die extreme Rechte in der Schweiz und Europa, von den Achtzigerjahren bis heute. Das Kapitel erzählt in drei Teilen Aufstieg und Fall der Patriotischen Front. Einzelne Namen wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert. Fakten und Zitate stützen sich auf die Originalquellen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Justiz und die Polizei sahen weg, die Zuger Bürgerinnen und Bürger aber nicht: In Zug sei die Patriotische Front nach dem Angriff auf die Asylunterkunft Steinhausen erledigt gewesen, schreibt Daniel Brunner, Zuger <a href="https://majawicki.ch/wp-content/uploads/1990/06/1990-05-29-TA-Will-grosse-Ziele-mit-kleinen-Schritten-erreichen.pdf" target="_blank" rel="noopener">Millionenerbe</a> (Landis &amp; Gyr), ehemaliger linker Politiker (Sozialistisch-Grüne Alternative Zug) und Gründer der Dokumentationsstelle <a href="https://www.stiftungdokuzug.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Doku-Zug»</a>, in einer Mail als Reaktion auf die letzte Folge dieses Kapitels (<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/erst-die-jagd-dann-die-buehne/" target="_blank" rel="noopener">Infosperber vom 2.&nbsp;Oktober</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dort beschriebenen «Zuger Schlampereien», der Angriff auf ein Asylzentrum unter den Augen der informierten Polizei, hätten laut Brunner nicht nur zu einer Rekorddebatte im Zuger Kantonsrat geführt, sondern auch dazu, dass die Patriotische Front im Kanton Zug von einem Tag auf den anderen nicht mehr in der Lage gewesen sei, Leute zu mobilisieren. Und das habe mit «zwei entscheidenden Reaktionen» zu tun gehabt, schreibt Brunner, nämlich dass Prominente aus der bürgerlichen Mitte ohne Abgrenzung zur Linken klar Stellung bezogen hätten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daniel Brunner schreibt: «Am 9. November 1989 (fünf Tage nach dem Angriff auf die Asylunterkunft in Steinhausen) gab es eine für Zuger Verhältnisse sehr grosse Kundgebung auf dem Landsgemeindeplatz, mit dem Hauptredner Jakob Suter, ehemaliger christlichsozialer KK- bzw. CVP-Kantonsrat (18 Jahre), CMV-Gewerkschafter, Präsident Betriebskommission Landis &amp; Gyr. Dann zweitens Kantonsrat 30. November: Klare Kante insbesondere von FDP-Kantonsrat Joachim Eder gegen verharmlosende Haltung(en) von Kantonspolizei und anderen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die Patriotische Front nach den ersten Auftritten im Kanton Zug Unterstützung bis weit in die gesellschaftliche Mitte hinein gespürt habe und deshalb immer dreister geworden sei, schreibt Brunner, seien die <a href="https://www.srf.ch/play/tv/drs-aktuell/video/patriotische-front-grosser-rat?urn=urn:srf:video:55997bf2-ede1-4c93-a2d3-3a90330f7970" target="_blank" rel="noopener">politischen Reaktionen</a> auf den Angriff auf die Asylunterkunft «ein eindrückliches Beispiel, was gegen den Aufstieg rechtsextremen Hasses und Gewalt wirkt».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Sehr gute Resultate»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich hatte der damalige FDP-Kantonsrat und spätere Zuger Regierungsrat und Ständerat Joachim Eder schon im Juni 1989, wenige Tage nach der Tamilenjagd der Patriotischen Front in der Zuger Innenstadt, im Kantonsrat hinter die Mobilität der Polizei «ein mittleres bis grosses Fragezeichen» gesetzt. Das «Zuger Tagblatt» druckte seine ganze Rede Anfang Juni ab: «Immerhin fielen bereits einmal Schüsse auf ein Wohnheim für Asylbewerber, und so erstaunt es doch, dass unsere Polizei von den Ereignissen überrascht, ja überrollt werden konnte.» Die Reaktionen auf seinen Vorstoss hätten ihm gezeigt, «dass es wahrscheinlich ebenso viele gibt, die Gewalt gegen Asylbewerber mindestens hinter vorgehaltener Hand sogar applaudieren». Justizdirektor Urs Kohler hielt in der Debatte dagegen, man habe «sehr schnell» reagiert und «sehr gute Resultate erzielt».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Protokoll der Kantonsratssitzung vom 30. November, knapp vier Wochen nach dem Angriff auf das Durchgangsheim Steinhausen, sagte Eder, der 4. November sei «für die Zuger Kantonspolizei kein Glückstag» gewesen. Was sich in Steinhausen abgespielt habe, sei «taktisches Fehlverhalten» und zeuge «von mangelndem Gespür». Der Regierungsrat habe «mit keinem Wort» den Stellenwert dieses «nunmehr dritten Angriffs auf Asylanten in unserem Kanton» angesprochen. Im Bericht finde sich «kein Aufruf zur Solidarität, Menschlichkeit und Toleranz, keinerlei klare Verabscheuung der Vorfälle und keinerlei unmissverständliche Distanzierung». Trotz der «ideellen Verbundenheit gewisser Bevölkerungskreise mit dem rechtsradikalen Gedankengut» tue die Regierung so, «als ob die humane Dimension noch selbstverständlich wäre». Eder sprach von der «stummen Gefolgschaft gegenüber rechtsradikalen Tendenzen» und vom «schleichenden Fremdenhass». Die Sache dürfe nicht «als lästiger und unbequemer Betriebsunfall abgetan werden».</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="956" id="media-license-image-733287" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Todesanzeige-1024x956.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-733287" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Todesanzeige-1024x956.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Todesanzeige-300x280.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Todesanzeige-768x717.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Todesanzeige.jpg 1256w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Todesursache: eine Volksabstimmung. Am 4. Dezember 1988 sagten 67,3 Prozent und sämtliche Kantone Nein zur Initiative «für die Begrenzung der Einwanderung» der Nationalen Aktion. Die Patriotische Front nahm das Resultat auf ihre Weise zur Kenntnis: Um 18 Uhr war die Schweiz für sie bereits beerdigt. Das Volk, auf das sie sich ständig beriefen, hatte gesprochen. Also erklärten sie das Land für tot.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>66 Namen auf einer Liste</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Nachgang zum Angriff auf die Asylunterkunft Steinhausen beschlagnahmte die Zuger Polizei bei Andreas Balsiger, Mitgründer des Schweizer Ku-Klux-Klans, eine Mitgliederliste der Patriotischen Front, 66 Namen, die der Journalist Jürg Frischknecht mit Verweisen auf Kantone, Berufe und Verbindungen zu anderen Organisationen sortierte. Maler, Schreiner, Schlosser, Innendekorateure, Drucker, Gipser, Verkäufer und Metzger aus allen Kantonen der Deutschschweiz, typischerweise männlich, typischerweise Anfang zwanzig, in der Lehre oder ausgebildet in handwerklichen Berufen, das Altersspektrum reichte vom 16-jährigen Alkoholiker bis zum 75-jährigen Rentner, der «aus vaterländischen Gründen» sich der Patriotischen Front angeschlossen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den acht Frauen auf der Liste war die damalige Verantwortliche der Genfer Sektion der Nationalen Aktion, gleichzeitig Kassierin der Nationalen Koordination, jenes losen Zusammenschlusses, den der Lausanner Altfaschist Gaston-Armand Amaudruz 1983 als Dachorganisation aller rassistischen Kräfte innerhalb und ausserhalb der Nationalen Aktion gegründet hatte und in dem Strebel und seine Leute beispielsweise auf die Mitglieder der «Nationalrevolutionären Partei Schweiz» trafen, die dann mit ihm in Zug und in Rotkreuz gemeinsam Tamilen durch die Stadt jagten, jene Leute, die in Winterthur einen linken Journalisten in die Luft jagen wollten. Der sogenannte Landesleiter der neonazistischen Wiking-Jugend Schweiz war ebenfalls Mitglied der Patriotischen Front, sowie ein Bülacher Ingenieur, der wenige Jahre zuvor mit der Gründung einer «Nationalsozialistischen Partei» Schlagzeilen gemacht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Biografien aus den Randzonen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mitglieder laut Verhöramt-Abschrift: Handwerker mit abgebrochenen Lehren, Gelegenheitsarbeiter, Arbeitslose, ein Querschnitt der Peripherie, Biografien aus den Randzonen. Einer von ihnen war ein Mann aus Kriegstetten, der bei seiner Einvernahme zur Tamilenjagd vom 20. Mai 1989 in Zug sagte, er habe damals sehr brutal gegen die Tamilen vorgehen wollen, weil er sie gehasst habe, sie seien ein Feindbild für ihn gewesen, dazu sei der Alkohol gekommen, damals habe er keinen Schwarzen in der Schweiz gewollt, heute wolle er im Prinzip auch keine, man könne diese jedoch nicht «einfach umhauen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein 22-jähriger Rechtsextremer, der wegen derselben Jagd auf Tamilen schliesslich zu zehn Monaten unbedingter Gefängnisstrafe verurteilt wurde, sagte vor Gericht zum Angriff auf die Asylunterkunft: «Am Tag der Demo in Steinhausen hatte ich ziemlich viel getrunken. Ich befand mich unter den Demonstranten und schaute zu, ohne mich an den Aktivitäten zu beteiligen. Allerdings gebe ich zu, dass ich mich im September 1989 wie ein Skinhead kleidete und eine entsprechende Frisur trug. Aber zur Patriotischen Front und zu den Schlägern wollte ich nie gehören.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den beschlagnahmten Dokumenten befand sich aber nicht nur eine Mitgliederliste, sondern auch eine Übersicht über «Kantons-Ortsgruppen Oktober 1989» mit bestehenden Sektionen in Aargau, Zürich, Glarus und Solothurn. Auch wenn in Zug nach den Attacken auf die Asylunterkunft der Stern der Patriotischen Front Ende 1989 verblasste, schätzte der bundesrätliche Extremismusbericht 1992 die Mitglieder der Patriotischen Front Mitte 1990 auf über vierhundert bei mehreren tausend Sympathisanten. Aufstieg und Niedergang: Die Ereignisse überschlugen sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ausgeladen, bedroht, verurteilt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Herbst 1990 wurde bekannt, dass der Regierungsrat des Kantons Schwyz plante, das Hotel Rössli in Seewen in ein kantonales Durchgangsheim für 70 bis 80 Asylbewerber umzufunktionieren, der Einwohnerverein wehrte sich lautstark, die Patriotische Front kündigte an, vor Ort mitmischen zu wollen. Am 8. Januar 1991 schrieb der Einwohnerverein Seewen allerdings einen eingeschriebenen Expressbrief direkt an Marcel Strebel, Patriotische Front, Wyssgerbistrasse 11, 6442 Gersau, unterzeichnet von Präsident Eichenberger und der Vizepräsidentin Seeholzer, in dem man ihn bat, sich rauszuhalten: «Diese klare Abgrenzung ist deshalb nötig, weil Seewen nicht für die gleichen Ziele kämpft wie Ihre Organisation. Wir kämpfen nicht gegen die Fremden in unserem Land und nicht gegen die Asylbewerber, sondern einzig und ausschliesslich für unser Dorf.» Kopie an die Medien. Die «Luzerner Neue Nachrichten» titelten: «Marcel Strebel ausgeladen».</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="736" height="1024" id="media-license-image-733297" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Ausladung-736x1024.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-733297" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Ausladung-736x1024.jpg 736w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Ausladung-216x300.jpg 216w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Ausladung-768x1069.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Ausladung.jpg 1104w" sizes="(max-width: 736px) 100vw, 736px" /><figcaption class="wp-element-caption">Absage per Einschreiben und Express: Seewen wollte kein Durchgangsheim im «Rössli». Strebel wollte man aber noch weniger.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im November 1990 wurde Hanspeter Uster für die Sozialistisch-Grüne Alternative Zug in den Regierungsrat gewählt und übernahm die Justiz- und Polizeidirektion. Nach dem Angriff auf die Asylunterkunft in Steinhausen hatte er das Thema im Kantonsrat aufgegriffen und eine Demonstration gegen Rassismus in Zug mitorganisiert. Nach seiner Wahl ging auf seinem Anrufbeantworter eine schweizerdeutsche Nachricht ein: «Hier spricht die Patriotische Front! Herr Uschter, mer wüssed, dass Sie en schwäre Gägner sind vo üsem Schtaat, vo üsem Volk und vo üsem Land, und mer wärded mitenand no en Chrieg usfächte müesse. Sie wärded vo üs ghöre. Sieg Vaterland, Sieg Heil!»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Dezember 1990 verurteilte das Bezirksgericht Zürich Marcel Strebel wegen Beleidigung jener Frau, die er auf dem Weg zum «Zischtigs-Club» in der Eingangshalle des Schweizer Fernsehens rassistisch beleidigt und angegriffen hatte, zu einem Monat Gefängnis unbedingt. Einen Tag später stand er schon wieder vor Gericht, diesmal in Gersau. Die Verfahren häuften sich: Ermittlungen wegen Hausfriedensbruchs und wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte und wegen falscher Anschuldigung, ein hängiges Strafverfahren in St. Gallen, und ein Arrestbefehl wegen Fluchtgefahr mit einer Forderung über 558&#8217;000 Franken, und eine Schadenersatzklage über 180&#8217;000 Franken, eingereicht von seinem eigenen ehemaligen Rechtsberater, und dazu eine Ehrverletzungsklage gegen den Journalisten Jürg Frischknecht, die er selbst angestrengt, dann zurückgezogen und am Ende auch noch selbst bezahlt hatte, und zwei Jahre später auch noch das Steueramt, weil der Mann mit IV-Rente und offiziell 18&#8217;700 Franken Jahreslohn und keinem Vermögen Geschäftsleuten Darlehen über 300&#8217;000 Franken gegeben hatte, die in keiner Steuererklärung standen. Strebel begrüsste den Gersauer Richter mit den Worten: «Sieg Heil! Heil Hitler!»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="620" id="media-license-image-733293" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-1024x620.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-733293" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-1024x620.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-300x182.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-768x465.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-1536x930.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Drohung-2048x1240.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Sieg Vaterland, Sieg Heil»: Am Tag nach seiner Wahl kündigte die Patriotische Front Hanspeter Uster auf dem Anrufbeantworter einen «Krieg» an, laut «LNN» «in relativ hoher Stimmlage».</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mit durchgeladenen Waffen zur 700-Jahr-Feier</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 1. August 1991, dem 700-Jahr-Jubiläum der Eidgenossenschaft, fing die Kantonspolizei Schwyz bei der Autobahnausfahrt Seewen eine Gruppe von 13 Rechtsextremen ab, Strebel an der Spitze, auf dem Weg nach Brunnen, wo die offiziellen Bundesfeiern stattfanden, wo gegen 500 Polizeibeamte aus den Innerschweizer Kantonen im Einsatz standen, die Antiterroreinheit «Luchs» war für den Personenschutz zuständig, weil Strebel in Flugblättern angekündigt hatte, die Feierlichkeiten stören zu wollen. Die Gruppe hatte die Polizeifrequenzen abgehört, den Funkverkehr gestört, und als die Beamten daraufhin die Fahrzeuge durchsuchten, fanden sie eine durchgeladene halbautomatische HK-94-Maschinenpistole mit zwei vollen Magazinen, eine ebenfalls durchgeladene Pump-Action-Schrotflinte, einen Revolver, zwei Dolche, ein Tränengasspray, verbotene Funkgeräte, einen Scanner zum Abhören des Polizeifunks.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Einvernahme erklärten die Verhafteten: «Wir wollten bloss ein wenig 1. August feiern und mit den Waffen ‹umechlöpfe›.» Der «Blick» titelte: «Plante Fremdenhasser Strebel Attentat auf Jubiläumsfeier?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige Wochen später, im Herbst 1991, kandidierte Strebel im Kanton Schwyz für den Nationalrat, mit der «Partei für die Zukunft». Er erhielt 6,3 Prozent oder 5700 Stimmen. In der Gemeinde Vorderthal erhielt Strebels Partei 21 Prozent. Rechtsextreme Ideen, so der bundesrätliche Extremismusbericht von 1992, hätten damit auch auf dem Wahlzettel Fuss gefasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seinem Wahlerfolg träumte Strebel von Höherem. Er kündigte Kontakte zu den Lega-dei-Ticinesi-Politikern Giuliano Bignasca und Flavio Maspoli an, um eine «Deutschschweizer Lega» zu gründen, aber das Projekt verlief im Sand, wie auch die Pläne, an den Schwyzer Kantonalwahlen 1992 teilzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kam zum internen Streit, die Gründungsmitglieder und ehemaligen Ku-Klux-Klan-Leute Johnny Meier und Andreas Balsiger sassen im Gefängnis, Strebel trieb von Gerichtsverhandlung zu Gerichtsverhandlung, von Kanton zu Kanton. Bevor die Partei begraben wurde, hatte sie noch einen letzten Umzug hinter sich: Leitung und Hauptsitz gingen nach Pfaffhausen, zu einem EDV-Operator, der auf der Mitgliederliste als Sektionsverantwortlicher Zürich eingetragen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Urban Kaufmann, Student der Zeitgeschichte an der Universität Freiburg, erreichte ihn im Januar 1994 kurz am Telefon. Der Mann sagte, man habe heutzutage keine Chance mehr, gegen den linken Filz anzukommen, vor allem nicht in Fernsehen und Presse, allmählich würden «DDR-Verhältnisse» herrschen. Die Patriotische Front sei aufgelöst, sagte er, und damit war das kurze Gespräch zu Ende.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="727" height="1024" id="media-license-image-733295" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis-727x1024.jpeg" alt="Screenshot" class="wp-image-733295" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis-727x1024.jpeg 727w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis-213x300.jpeg 213w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis-768x1082.jpeg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis-1091x1536.jpeg 1091w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Benzinpreis.jpeg 1278w" sizes="auto, (max-width: 727px) 100vw, 727px" /><figcaption class="wp-element-caption">Damit holte Marcel Strebel 5700 Stimmen: Wahlflyer zu den Nationalratswahlen 1991. 25 Rappen mehr pro Liter Benzin, damit 100&#8217;000 Asylsuchende Mercedes fahren können. Im Kanton Schwyz glaubten das 6,3 Prozent, in Vorderthal jeder Fünfte.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der letzte Angriff mit dem Pickel</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder Urban Kaufmann, wieder ein Telefoninterview für seine Seminararbeit, ebenfalls im Januar 1994, diesmal mit Strebel persönlich. Er verdiene seinen Lebensunterhalt «mit ‹betteln›, um wenigstens von Cervelats und Brot leben zu können». Er wolle nichts mehr mit der Patriotischen Front zu tun haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann, im September 1994, eskalierte ein Saufgelage auf dem Parkplatz vor dem Restaurant Fallenbach in Brunnen so weit, dass die Polizei anrückte. Strebel <a href="https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/der-rechtsextremist-marcel-strebel-vor-gericht----?urn=urn:srf:video:2a56618d-e83d-4454-b5a5-cfd57f1c1e90" target="_blank" rel="noopener">griff zum Sturmgewehr</a> und schoss auf die Beamten, diese erwiderten das Feuer, ein Schulterschuss stoppte Strebel, das Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren Zuchthaus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als er die Strafe im Januar 2000 hätte antreten sollen, hatte er das Land verlassen, offensichtlich war er in Spanien untergetaucht, denn dort wurde er in Sevilla verhaftet, als er Autoreifen aufschlitzte. Im April 2000 tauchte er am Zoll in Genf-Perly auf und erklärte den Beamten: «Ich muss ins Gefängnis.» Er sass die Strafe in Lenzburg ab und wurde am 22. Juni 2001 vorzeitig entlassen. Über Radio Central liess er ausrichten: «Ich habe eine Abrechnung vor. Falls sie misslingt, kehre ich halt wieder in die so schöne Strafanstalt Lenzburg zurück.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Strebel war inzwischen 51 Jahre alt und ohne festen Wohnsitz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er fuhr nach Burgdorf im Kanton Bern, ins Industriequartier Buchmatt, zu einem Bekannten, bei dem er für ein paar Tage unterkommen wollte. Es kam zum Streit. Strebel war stark betrunken und griff einen Pickel und ging auf den 30-jährigen Sohn des Bekannten los. Der junge Mann griff zu seinem Sturmgewehr und <a href="https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/marcel-strebel-erschossen?urn=urn:srf:video:7529b0d0-6b89-4341-8d75-bc24c8d76e8c" target="_blank" rel="noopener">erschoss Strebel</a>, alarmierte die Polizei und liess sich widerstandslos festnehmen. Ende Juni 2002 wurde der Mann freigesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;«Wenn jemand mit einem Pickel auf einen zukommt, dann ist das ein deutlicher Fall einer Notwehrsituation», sagte die Richterin. Der Angeschuldigte hätte auch nicht flüchten können. «Der 130 Kilo schwere und 188 Zentimeter grosse Marcel Strebel stand im Türrahmen zum Schlafzimmer und füllte diesen beinahe aus. Der Angeschuldigte hat sich in diesem Fall angemessen gewehrt.»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" id="media-license-image-733327" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-1024x768.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-733327" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-1024x768.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-300x225.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-768x576.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-1536x1153.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Aufmarsch-2048x1537.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Pfeilkreuz, Logo der Patriotischen Front, entlehnt bei den ungarischen Faschisten der 1940er-Jahre. Rechts Marcel Strebel, mit Aktenkoffer, als käme er von der Arbeit. Die Aufnahme zeigt mutmasslich den Aufmarsch der Patriotischen Front vom 12.&nbsp;August 1989 in Luzern.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Grösser als Strebel</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Nationale Front hatte den Namen zuerst getragen, in den Dreissigerjahren, als die faschistische Frontenbewegung in der Schweiz bis zu 9000 Mitglieder zählte, den Führerkult pflegte, offen antisemitisch agierte und Mussolini und Hitler als Vorbilder feierte. Ihre Hochburgen waren Schaffhausen und Zürich. Den Höhepunkt erreichte die Bewegung im «Frontenfrühling» nach Hitlers Machtergreifung 1933. 1935 zog Robert Tobler als einziger Vertreter der Nationalen Front in den Nationalrat ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz hatte diese Geschichte verdrängt, sie passte nicht zum Selbstbild der Neutralität, des Widerstands, des Sonderfalls. Aber die Namen überlebten. Journalisten wie Jürg Frischknecht dokumentierten die Verbindungen der Neonazis zur Nationalen Aktion, jener Partei mit der bürgerlichen Fassade, die seit Ende der Sechzigerjahre im Parlament sass und nach aussen jeden Kontakt zur Szene bestritt. Diese Recherchen und die Umtriebe von Strebel, seinem Umfeld und der Nationalen Koordination führten 1992 zum ersten bundesrätlichen Bericht über Rechtsextremismus und 1995 schliesslich zur ersten wissenschaftlichen Gesamtdarstellung «Rechtsextremismus in der Schweiz. Organisationen und Radikalisierung in den 1980er und 1990er Jahren» von Urs Altermatt und Hanspeter Kriesi. Die Patriotische Front war darin eines von mehreren Kapiteln. Die rechtsextreme Szene war grösser als Strebel, älter als die Patriotische Front, und sie endete auch nicht mit ihr.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Sommer, Sonne, Remigration – die Serie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rechtsextremen der Achtzigerjahre kamen mit Hitlergruss und dem Kofferraum voller Schusswaffen. Sie jagten Menschen, die sie für Fremde hielten, durch die Strassen und beschossen Flüchtlingsunterkünfte. Ihre Nachfolger, die sich heute zur Identitären Bewegung zählen, kommen mit Videos auf X und Telegram, mit Demonstrationen, Kundgebungen und Flashmobs, mit einem klaren politischen Programm und einem Wort, das sie überall wiederholen: Remigration.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Serie erzählt im Wochentakt von der rechtsextremen Szene in der Schweiz und ihren Akteuren, von den Achtzigerjahren bis heute. Sie fragt, was der Österreicher Martin Sellner tatsächlich will und welche Rolle der Winterthurer Manuel Corchia dabei spielt. Um diese Gegenwart zu verstehen, geht die Serie zurück in die Vergangenheit: zu Jürg Frischknecht, dessen Recherchen zum Schweizer Rechtsextremismus bis heute massgebend sind, versammelt in seinem Buch «Schweiz wir kommen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Privatarchiv im Schweizerischen Sozialarchiv liefert den historischen Unterbau für mehrere Kapitel dieser Serie. Das dritte Kapitel handelt von Marcel Strebel und der Patriotischen Front. In drei Teilen zeigt es, wer sich Ende der Achtzigerjahre um Strebel sammelte, was diese Männer wollten, was sie taten, wie Behörden und Medien mit ihnen umgingen und wie die Gruppe schliesslich zerfiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Recherche stützt sich auf Gerichts- und Polizeiakten, Jahresberichte der Bundespolizei, Material des Schweizerischen Sozialarchivs und weiterer Institutionen, auf zeitgenössische rechtsextreme Schriften und Videos, auf Interviews und Telegram-Chats. Einzelne Namen wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><strong>Kapitel 1: Der Winterthurer Anschlag</strong></li><li>Teil 1:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/galt-die-bombe-auch-der-woz/" target="_blank" rel="noopener">«Galt die Bombe auch der WoZ?»</a>, Infosperber vom 21.&nbsp;August 2026</li><li>Teil 2:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-neonazi-der-eigentlich-journalist-war/" target="_blank" rel="noopener">Der Neonazi, der eigentlich Journalist war</a>, Infosperber vom 28.&nbsp;August 2026</li><li>Teil 3:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-denkzettel/" target="_blank" rel="noopener">Der Denkzettel</a>, Infosperber vom 4.&nbsp;September 2026<br></li><li><strong>Kapitel 2: Die neuen Ideologen</strong></li><li>Teil 1:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/remigration-was-martin-sellner-wirklich-will/" target="_blank" rel="noopener">Remigration: Was Martin Sellner wirklich will</a>, Infosperber vom 11. September 2026</li><li>Teil 2:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/aussichten-auf-den-buergerkrieg/" target="_blank" rel="noopener">Aussichten auf den Bürgerkrieg: Renaud Camus und der grosse Austausch</a>, Infosperber vom 18.&nbsp;September 2026<br></li><li><strong>Kapitel 3: Die Patriotische Front</strong></li><li>Teil 1:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-maenner-vom-ku-klux-klan-gruendeten-eine-partei/" target="_blank" rel="noopener">Die Männer vom Ku-Klux-Klan gründeten eine Partei</a>, Infosperber vom 25.&nbsp;September 2026</li><li>Teil 2: <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/erst-die-jagd-dann-die-buehne/" target="_blank" rel="noopener">Erst die Jagd, dann die Bühne</a>, Infosperber vom 2.&nbsp;Oktober 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Paraquat: Über 70 Länder haben es verboten, nun auch die USA?</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/paraquat-ueber-70-laender-haben-es-verboten-nun-auch-die-usa/</link>
					<pubDate>Thu, 08 Oct 2026 07:40:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=733535</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="187" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2020/09/Syngenta_GiftWeb-300x187.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Syngenta_GiftWeb" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2020/09/Syngenta_GiftWeb-300x187.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2020/09/Syngenta_GiftWeb-768x479.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2020/09/Syngenta_GiftWeb-600x374.jpg 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2020/09/Syngenta_GiftWeb.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Syngenta verschwieg der US-Umweltbehörde EPA Studien zu Gesundheitsrisiken des Pestizids. Das zeigen interne Dokumente. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Der Agrarkonzern Syngenta hat der US-Umweltbehörde EPA Daten zu möglichen Gesundheitsschäden seines Herbizids Paraquat vorenthalten. Das geht aus internen Dokumenten hervor, die dem <a href="https://www.thenewlede.org/2026/09/syngentas-secrets-paraquat-pesticide/" target="_blank" rel="noopener">«Guardian»</a> und <a href="https://www.thenewlede.org/2026/09/syngentas-secrets-paraquat-pesticide/" target="_blank" rel="noopener">«The New Lede»</a> vorliegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach US-Recht müssen Hersteller «unzumutbare schädliche Auswirkungen» (unreasonable adverse effects) ihrer Produkte melden, damit die US-Behörden diese prüfen können. Paraquat ist in rund 70 Ländern verboten, zum Teil seit vielen Jahren. Nun erwägen die ersten US-Bundesstaaten ein Verbot.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was die EPA nicht erfuhr</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den nicht gemeldeten Daten gehören</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Analysen dazu, wie schnell Paraquat Kleidung durchdringt,</li>



<li>Analysen dazu, wie schnell der Wirkstoff in die Haut und ins Blut gelangt,</li>



<li>Analysen dazu, wie sich diese Geschwindigkeit ändert, wenn das hochgiftige Pestizid mit Tensiden gemischt wird.</li>



<li>Sowie Hinweise auf schwere Risiken für das Gehirn.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Der 3700 Seiten starke Datensatz wurde bei einem Gericht des Bundesstaates Pennsylvania eingereicht, bei dem hunderte Klagen von Parkinsonkranken vehandelt werden. In den USA sind landesweit dazu über 10’000 Klagen offen. 2021 zahlte Syngenta in einem solchen Verfahren bereits wenigstens <a href="https://www.swissinfo.ch/ger/wirtschaft/us-farmer-innen-legen-sich-mit-syngenta-an/47120842" target="_blank" rel="noopener">187 Millionen Dollar</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Recherchepartner hatten bereits <a href="https://www.thenewlede.org/2022/10/secret-paraquat-papers-reveal-corporate-tactics-to-protect-weed-killer-linked-to-parkinsons-disease/" target="_blank" rel="noopener">2022</a> und <a href="https://www.thenewlede.org/2023/06/syngentas-swat-team-internal-files-reveal-secret-strategies-to-influence-science/" target="_blank" rel="noopener">2023</a> interne Dokumente erhalten, die PR-Massnahmen des Unternehmens zugunsten von Paraquat belegen. Die neuen Dokumente zeigen, wie Syngenta mit Bedenken zu Paraquat umging. Sie enthalten zahlreiche Beispiele für Informationen, die nicht bei der EPA ankamen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gefährlicher mit Tensid-Beimischung – Syngenta will davon nichts gewusst haben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders brisant ist die Frage, ob Paraquat in Kombination mit Tensiden gefährlicher wird. Pestizide in Spritzmitteln mit Tensiden zu mischen, ist weit verbreitet, weil sie die Wirksamkeit erhöhen: Tenside senken die Oberflächenspannung einer Flüssigkeit, das Mittel verteilt sich besser, haftet besser an der Pflanze und dringt besser ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Syngenta forschte bis in die Nullerjahre an den Auswirkungen von Tensidmischungen mit Paraquat. Zumindest einen Teil der Erkenntnisse teilte der Konzern der EPA nicht mit, das geht aus eidesstattlichen Erklärungen hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens in den 1970er-Jahren lagen dem Unternehmen laut den Unterlagen Informationen zur Giftigkeit der Mischungen vor. Damals erwog Syngenta sogar, Paraquat mit zugesetzten Tensiden zu verkaufen. «Wegen der höheren Toxizität» sei das wenig ratsam, schrieb ein <a href="https://www.thenewlede.org/wp-content/uploads/2026/09/E52_1975_J-N-Ospenson_X-77-Surfactant_Letters.pdf">Syngenta-Forscher 1975 intern</a>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="885" height="826" id="media-license-image-733567" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nicht-ratsam-Tenside-Paraquat.png" alt="Nicht ratsam Tenside Paraquat" class="wp-image-733567" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nicht-ratsam-Tenside-Paraquat.png 885w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nicht-ratsam-Tenside-Paraquat-300x280.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Nicht-ratsam-Tenside-Paraquat-768x717.png 768w" sizes="auto, (max-width: 885px) 100vw, 885px" /><figcaption class="wp-element-caption">Es sei nicht ratsam, eine Paraquat-Tensid-Mischung auf den Markt zu bringen, schrieb ein Wissenschaftler &#8211; wegen deren höherer Giftigkeit (Hervorhebung durch Infosperber).</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Interne Studien aus dieser Zeit zeigten, dass der Tensidzusatz bei Hunden zu einer höheren Aufnahme von Paraquat über den Darm führte. In den Gerichtsunterlagen bestreitet Syngenta dennoch, dass «Tenside die Absorption von Paraquat erhöhen und damit auch seine Toxizität».</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Gefährdungsanalyse machte Syngenta gleich selbst</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Prozess in Philadelphia erklärte Syngenta zu den vorenthaltenen Daten, keine der Angaben sei «relevant für den US-Markt oder die Aufsicht der EPA». Man habe weder der US-Behörde noch anderen Behörden weltweit absichtlich Informationen vorenthalten und sich gesetzeskonform verhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist bemerkenswert. Syngenta nahm für sich in Anspruch, selbst zu beurteilen, ob seine Daten auf ein Gesundheitsrisiko hindeuten, und reichte sie dann gar nicht erst zur Prüfung ein. Zu seiner Verteidigung verwies das Unternehmen in einem Gerichtsdokument darauf, dass die EPA es «niemals wegen Nichteinhaltung» seiner Offenlegungspflichten bei Paraquat «gerügt oder sanktioniert» habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wendy Wagner, Rechtsprofessorin an der University of Texas, sieht das als Schwäche des US-Systems: Die EPA verlasse sich zu stark darauf, dass Hersteller sicherheitsrelevante Informationen von sich aus liefern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schutzkleidung ohne Schutz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Daten aus den 1980er-Jahren zeigen laut den Recherchepartnern, dass das Paraquat-Produkt Gramoxone sowohl Baumwollkleidung als auch Schutzanzüge aus Tyvek (ein Material aus Polyethylen) quasi sofort durchdringt. Auf der Verpackung von Gramoxone empfiehlt Syngenta als geeignete Schutzmassnahme noch immer «langärmlige Kleidung und lange Hosen». Andere Daten belegen, dass Paraquat in den Urin und ins Blutplasma von Anwenderinnen und Anwendern gelangt. «Das sind schlechte Nachrichten, egal wie man es dreht», schrieb ein Syngenta-Wissenschaftler 2007.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch als eine mexikanische Behörde den Fall eines an Parkinson erkrankten Syngenta-Werksleiters prüfte und einen «umfassenden Zusammenhang» mit Paraquat feststellte, informierte Syngenta die US-Behörde nicht. Dasselbe gilt für interne Studien aus den Nullerjahren: Eine Wissenschaftlerin fand heraus, dass Paraquat bis zu 15 Jahre lang zum Verlust von Gehirnzellen führt. Auch diese Ergebnisse gelangten nicht zur EPA. Ein Konzernsprecher erklärte, Syngenta habe den Aufsichtsbehörden nie wissentlich relevante und erforderliche Informationen vorenthalten. Man nehme die Sicherheit seiner Produkte sehr ernst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Wenn die Pestizidhersteller aus ihren eigenen Studien wissen, dass ihre Pestizide schädlich sind, dies aber weder der Öffentlichkeit noch den Aufsichtsbehörden mitteilen, tragen sie wissentlich dazu bei, dass Menschen erkranken und sterben», sagte die bekannte Epidemiologin und ehemalige EPA-Wissenschaftlerin <a href="https://med.stanford.edu/profiles/tracey-woodruff" target="_blank" rel="noopener">Tracey</a> <a href="https://www.researchgate.net/profile/Tracey-Woodruff" target="_blank" rel="noopener">Woodruff</a> gegenüber den Recherchepartnern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Keine «schriftlichen Diskussionen» und bezahlte «unabhängige» Forschung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In mehreren Ländern ist der Zusammenhang zwischen Pestizidexposition und Parkinson <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/parkinson-durch-pestizide-wird-in-deutschland-berufskrankheit/" target="_blank" rel="noopener">als Berufskrankheit anerkannt</a>. Syngenta warnte laut den Unterlagen nicht nur seine Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen davor, Studien zum Zusammenhang von Parkinson und Paraquat schriftlich zu diskutieren:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="689" height="937" id="media-license-image-733577" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/communication-re-dont-email.png" alt="communication-re-dont-email" class="wp-image-733577" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/communication-re-dont-email.png 689w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/communication-re-dont-email-221x300.png 221w" sizes="auto, (max-width: 689px) 100vw, 689px" /><figcaption class="wp-element-caption">Syngenta bat seine Forschenden darum, Zusammenhänge zwischen Paraquat und Parkinson nicht schriftlich zu diskutieren. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Unternehmen unterstützte auch Forschung, die die Sicherheit von Paraquat belegen sollte. In E-Mails besprachen Syngenta-Angestellte Änderungen an einer Studie, die unter dem Namen eines unabhängigen Wissenschaftlers erscheinen sollte. Die Kommunikation mit ihm solle «im Idealfall mündlich stattfinden», damit «wir nicht den Anschein erwecken, als wollten wir Einfluss nehmen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Autor, Jack Mandel, veröffentlichte nach den Unterlagen mehrere «unabhängige» Studien für Syngenta, die einen Zusammenhang zwischen Parkinson und Paraquat in Abrede stellen. Mindestens eine wurde von der US-Regierung mitfinanziert. Ein leitender Syngenta-Wissenschaftler bestätigte in einer eidesstattlichen Aussage einen Vertrag über 160’000 Dollar mit Mandel für eine Studie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Andere Länder handelten früher</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die US-Behörde EPA verweist auf eine laufende Überprüfung des Pestizids und will keine «spekulativen Aussagen» machen. Andere Länder haben längst unabhängige Studien erstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweden verbot Paraquat bereits 1983 und trug wesentlich dazu bei, dass das Pestizid 2007 in der EU verboten wurde. Selbst China, wo die Eigentümerschaft des Konzerns liegt, liess unabhängig forschen und verbot Paraquat 2017 endgültig. Verboten ist Paraquat auch in der Schweiz (seit 1989), in Grossbritannien (2007 mit der EU), Brasilien (2020), Kanada (2023), Thailand (2019), Vietnam (2017), Malaysia (2017), Südkorea, Taiwan, Kuwait, Syrien und El Salvador. Vor wenigen Tagen kam <a href="https://www.newindianexpress.com/india/2026/Sep/28/india-bans-paraquat-dichloride-one-of-the-worlds-most-toxic-herbicides">Indien</a> hinzu, ein ausgeprägter Agrar- und Flächenstaat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Produziert wurde Paraquat aber weiterhin, etwa in China und Grossbritannien. In rund 100 Ländern wird es noch eingesetzt, darunter Australien, Indonesien, Japan, Mexiko, Neuseeland, in mehreren afrikanischen Ländern und eben in den USA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einige US-Bundesstaaten sind von der Unschädlichkeit des Pestizids aber nicht mehr überzeugt. Im US-Staat <a href="https://www.thenewlede.org/2026/05/vermont-bans-paraquat-linked-to-parkinsons/">Vermont</a> ist Paraquat ab Ende 2026 verboten, in elf weiteren Staaten sind Verbote geplant.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Syngenta kündigte <a href="https://www.syngenta.com/media/syngenta-cease-paraquat-production-uk-2026">Anfang März an</a>, die Produktion von Paraquat im Juni weltweit einzustellen. Andere Hersteller dürfen Paraquat aber weiter verkaufen. Einen Zusammenhang mit Parkinson bestreitet der Konzern weiterhin.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Paraquat</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Paraquat ist eine quartäre Ammoniumverbindung. Das Herbizid bildet in der Pflanze freie Radikale, die die Zellmembran zerstören; die Pflanze vertrocknet innert Stunden. Für Menschen endet eine Vergiftung mit grösseren Mengen Paraquat oft tödlich, ein Gegenmittel gibt es nicht. Deshalb wird Paraquat häufig bei Suizidversuchen geschluckt, ein gewichtiger Grund für Verbote in vielen Ländern. Nicht tödliche Vergiftungen schädigen vor allem Nieren und Lunge.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/7d86e3280d8d4b5eb101e083cd769f73" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Mietrecht: Das Wichtigste bleibt unerwähnt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/mietrecht-das-wichtigste-bleibt-unerwaehnt/</link>
					<pubDate>Thu, 08 Oct 2026 07:37:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=733275</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="176" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2019/12/Mieterkampf-300x176.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Mieterkampf" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2019/12/Mieterkampf-300x176.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2019/12/Mieterkampf-600x352.jpg 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2019/12/Mieterkampf.jpg 680w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mieter fordern eine schärfere Kostenmiete, der Bundesrat setzt auf Ortsüblichkeit. Knackpunkt sind die extrem hohen Bodenpreise.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Noch gilt im Mietrecht das Prinzip der Kostenmiete. Damit soll der Vermieter daran gehindert werden, auf Kosten des Mieters übertriebene Gewinne zu machen. Er soll nur die effektiven Kosten überwälzen. Dazu zählt auch eine Rendite von aktuell 3,75 Prozent auf dem Eigenkapital.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch neben dem Mieter und dem Vermieter gibt es noch den Dritten im Bunde – den Grundeigentümer. Die Profite, die dieser zulasten des Mieters kassieren kann, zeigt dieser Vergleich: In Le Locle kostet eine 100 Quadratmeter grosse Mietwohnung laut <a href="https://realadvisor.ch/de">realadvisor.ch</a> im Schnitt 1450 Franken. Sie beansprucht etwa 120 Quadratmeter Bauland zu durchschnittlich 225 Franken. Verzinst man diese Baulandkosten zu 3 Prozent, ergibt das eine monatliche Abgabe an den Grundbesitzer von rund 70 Franken. Die restlichen 1380 Franken Miete entfallen auf effektive Kosten für Bau, Unterhalt, Verwaltung und Hypozinsen etc.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Kilchberg bei Zürich kostet eine entsprechende 100-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt 4850 Franken. Allerdings kostet dort der Quadratmeter Bauland gut 4000 Franken statt 225 Franken wie in Le Locle. Der Unterschied in der Miete dürfte deshalb weitgehend in den höheren Abgaben für den Bodenbesitzer liegen. Selbst wenn die eigentlichen Kosten in Kilchberg 20 Prozent höher liegen – bei rund 1650 Franken –, streicht der Grundbesitzer monatlich 3200 Franken ein. Diese «Kosten» hat im Sinne des Mietrechts der Mieter zu tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Mieten in Kilchberg sind deshalb so hoch, weil dort das durchschnittliche steuerbare Familieneinkommen mit 15&#8217;000 Franken pro Monat (Zahlen von 2022) rund vier mal höher ist als in Le Locle. Allerdings verdient auch in Kilchberg die Hälfte aller Steuerzahler weniger als 7250 Franken. Davon kann man sich keine Neumiete von 4850 Franken leisten. Da bleibt im Fall einer Kündigung nur noch der Umzug in eine gerade noch erreichbare billigere Gegend, etwa nach Sins AG, wo man mit Glück noch für 2500 Franken unterkommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gentrifizierung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das nennt man Gentrifizierung. Die Reichen – mit ihnen die reich gewordenen Grundeigentümer – ziehen an die guten und steuergünstigen Lagen. Dort treiben sie die Mieten hoch und vertreiben den Mittelstand und die ärmeren Schichten. Mit der Folge, dass die Einkommen noch einseitiger verteilt werden. Im Kanton Zürich etwa verdienen 10 Prozent der Paarhaushalte monatlich 18&#8217;000 Franken oder mehr. In Schwyz sind es 20&#8217;000 Franken und in Zug sind es gar 27&#8217;500 Franken. Und weil die Wohnungen knapp und die Leerstandsquoten tief sind, finden die Investoren fast immer Mieter, die sich eine Wohnung für 5000 Franken oder mehr leisten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zur Mietrechtsdiskussion: Aktuell können <em>bestehende Mieten</em> nur im Ausmass der Teuerung und der Hypozinsen erhöht werden. Bei der <em>Neu-Vermietung</em> von neu gebauten Wohnungen und von solchen, die vor 30 Jahren oder mehr gebaut oder gekauft worden sind, gilt die Kostenmiete auf der Grundlage der aktuellen Bodenpreise. Nur bei Wohnungen, die <em>weniger als 30 Jahre alt sind,</em> gilt die Kostenmiete auf der Grundlage des historischen Kaufpreises. Neumieten müssen zudem «ortsüblich» sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kostenmiete scheitert an Bürokratie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlangt der Vermieter eine Miete, die über der Kostenmiete liegt, kann der Mieter diese vor dem Mietgericht anfechten und eine Ermässigung durchsetzen. Dies ist aber ein aufwändiger Prozess, der nur selten zu einer tieferen Miete führt. Der Mieterverband hat deshalb eine Initiative lanciert, wonach die Einhaltung der Kostenmiete staatlich kontrolliert und durchgesetzt werden soll. Das wäre jedoch mit einigem bürokratischem Aufwand verbunden. Deshalb schlägt nun den Bundesrat – ganz im Sinne des Hauseigentümerverbands – vor, das Prinzip der Kostenmiete gegen das der «Ortsüblichkeit» einzutauschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die konkreten Auswirkungen illustriert dieses Beispiel: Vermieter X hat im Jahr 2000 eine Mietwohnung in Zürich für 500&#8217;000 Franken erworben und seither 50&#8217;000 Franken in Renovationen gesteckt. Macht 550&#8217;000 Franken plus die Teuerung von 15 Prozent, total also rund 630&#8217;000 Franken. Auf dieser Grundlage wird die Kostenmiete berechnet. Bei einem Eigenkapital von 210&#8217;000 Franken läge die erlaubte Miete bei rund 2300 Franken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen haben sich die Immobilienpreise in Zürich in etwa verdreifacht. Eine gleichwertige Wohnung kostet heute somit etwa 1,5 Millionen Franken – und das ist auch die Grundlage für die Kostenmiete. Bei einem unveränderten Eigenkapitalanteil von einem Drittel schlagen allein die zusätzlichen Eigenkapitalkosten mit rund 900 und die Fremdkapitalkosten mit 800 Franken zu Buche. Die übrigen Kosten steigen in etwa um die Teuerung und insgesamt landen wir bei einer Kostenmiete von rund 4500 Franken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Umverteilung nach oben wird beschleunigt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem noch geltenden Recht kann X bei einer Neuvermietung aber nur die – historische – Kostenmiete von besagten 2300 Franken verlangen, sonst kann der Mieter klagen. Setzen sich hingegen der Bundesrat und der Hauseigentümerverband durch, kann X eine «ortsübliche» Miete fordern. Da inzwischen viele Wohnungen neu gebaut oder neu vermietet worden sind, dürfte diese inzwischen nahe bei der Kostenmiete liegen – konkret bei rund 4000 Franken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt würde die Annahme des Gegenvorschlags bewirken, dass sich die Bestandesmieten noch schneller an die Neumieten anpassen. Für 4-Zimmer-Wohnungen in der Stadt Zürich ist das ein Sprung von rund 1600 Franken monatlich oder rund 20&#8217;000 Franken jährlich. Die Umverteilung zugunsten der Grundbesitzer würde noch einmal stark beschleunigt. Allerdings hätte dies auch den Vorteil, dass Vermieter von alten Wohnungen weniger Anreiz hätten, die alten Mieter mit einer Totalsanierung oder einem Neubau rauszuwerfen und durch kaufkräftige neue zu ersetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Elefant im Raum</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schwäche der aktuellen Mietrechtsdiskussion liegt darin, dass sie den Elefanten im Raum – die extrem hohen Bodenpreise – konsequent übersieht. Kein Wunder: Der Hauseigentümerverband schreit schon laut auf, wenn der Staat schon nur ein Vorkaufsrecht einfordert. Das sei ein «massiver <a href="https://www.hev-zh.ch/news/detail/30112025-erfreulicher-abstimmungssonntag-fuer-das-wohneigentum">Eingriff</a> in das Privateigentum». Auch von einer «kalten Enteignung» ist die Rede.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mag sein. Doch faktisch führen die hohen Bodenpreise und Mieten vor allem zu einer Enteignung der eigenen Arbeitskraft. Eine Kostenmiete, die (siehe den Vergleich von Le Locle und Kilchberg) 3200 Franken über den effektiven Kosten liegt, bedeutet, dass der Durchschnittsverdiener gut die Hälfte seiner Zeit für den Bodenbesitzer arbeiten muss. Für immer mehr Bürger bedeuten die hohen Bodenpreise auch, dass sie ihre Gemeinde verlassen müssen. Das bedroht die Grundlagen der Demokratie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Mietrecht wäre eine wichtige Stellschraube für eine bessere Schweiz. Bloss darf man dabei den Elefanten im Raum nicht länger übersehen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>kontertext: Ein Ungeheuer namens Zionismus</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/naher-osten/kontertext-ein-ungeheuer-namens-zionismus/</link>
					<pubDate>Thu, 08 Oct 2026 07:35:29 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="225" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-300x225.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Standing together, Rundbrief vom 27.08.276.hb in Auszügen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-300x225.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-1024x768.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-768x576.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-1536x1152.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Parole «Tod dem Zionismus» ist unbrauchbar. Die Zeit für konkrete Forderungen zugunsten der Palästinenser ist günstig.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Ein Gespenst geht um in vielen Teilen der Welt. Es heisst Zionismus und muss, so verkünden Freunde und Freundinnen der Palästinenser, getötet werden. Nun ist die Vorstellung, man könne ein historisches Phänomen wie den bald 150-jährigen Zionismus «töten», eher bizarr. Aber natürlich meint die Parole irgendwie irgendetwas Gegenwärtiges.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur was genau? Man weiss es nicht. Wer kritisiert, sollte doch, wenn er eine Wirkung erzielen will, möglichst genau und konkret benennen, was er kritisiert. Die israelische Kriegsführung im Gaza, die Diskriminierung von Palästinensern in Israel, der Terror der Siedler in der Westbank – all das und noch viel mehr kann klar erkannt und angeprangert werden. Die Parole «Tod dem Zionismus» aber ist ganz im Gegenteil nur eine Nebelgranate. Was soll denn da «getötet» werden? Der Staat Israel? Oder die zionistisch gesinnten Juden? Oder die Arroganz jüdischer Suprematievorstellungen? Der Rassismus in Israel? Der Landraub in der Westbank? Vieles kann gemeint sein, muss aber nicht. Nebel eben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was ist, was war Zionismus?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Nebel sieht man nicht klar, aber Nebelgebilde regen die Phantasie an, sodass man gerne sieht, was man sehen möchte und eben nicht sieht, was man nicht sehen möchte. Gerne übersehen wird, dass der Zionismus eine sehr vielfältige Befreiungs-Bewegung war. Verbindendes Band dieser Bewegung war anfänglich und für lange Zeit eigentlich nur der Glaube an eine gemeinsame Zukunft des jüdischen Volkes. Praktisch konnte dieser Glaube zur Forderung nach einer Stärkung der jüdischen Kultur in der Diaspora führen. Oder zur Absicht, die religiösen Traditionen wiederzubeleben. Oder zur Forderung einer Umsiedlung, wobei umstritten war, was man anstrebte: eine «Heimstätte», ein Staat oder nur landwirtschaftliche Ansiedelungen? Unklar war auch der Ort allfälliger Ansiedelungen: Palästina, Uganda, Ägypten, irgendwo im Osmanischen Reich ausserhalb Palästinas – für viele Orte gab es Initiativen und praktische Ansätze. Auch politisch waren im Zionismus viele Tendenzen vertreten, von rechts bis links.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hauptleistung des Zionismus in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bestand darin, dass er den osteuropäischen, jüdischen Massen Perspektiven und Hoffnungen gab. Insbesondere in Russland lebten die Juden unter unvorstellbar schlechten Bedingungen. Ihre Lebenserwartung war extrem gering; sie hungerten; sie lebten unter miserablen hygienischen Bedingungen; das zaristische Regime, seine Armee und die Pogrome überzogen sie mit omnipräsenter Gewalt, alltäglicher&nbsp;&nbsp;Diskriminierung und vielfachem Mord. Zionismus war für sie nichts anderes als das, was man später eine nationale Befreiungsbewegung nannte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1948, Staatsgründung – die Ursünde?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gründung des Staates Israel war natürlich in vielerlei Hinsicht die Verwirklichung des zionistischen Glaubens und Strebens. Möglich wurde die Staatsgründung aber erst nach dem Versuch der Nazis, die Juden insgesamt zu vernichten, und aufgrund des schlechten Gewissens in den Staaten des europäischen und amerikanischen Kontinents – weil ihre Länder so gründlich versagt hatten, als es galt, die verfolgten Juden aufzunehmen. Beides, nationale Befreiung aus tiefstem Elend und Prävention gegen den nächsten Versuch der Judenvernichtung, haftet dem Zionismus bis heute an. Zionismus ist mehr und anderes als die heute propagierte Rechtfertigungsideologie für den Krieg gegen die Palästinenser.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" id="media-license-image-732695" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-1024x768.jpg" alt="Standing together, Rundbrief vom 27.08.276.hb in Auszügen" class="wp-image-732695" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-1024x768.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-300x225.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-768x576.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1-1536x1152.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/da177d7f-a6e5-890c-5f6c-a634a665ac18-1.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Solidarity Guards» von «Standig Together» schützen ein palästinensisches Haus vor israelischen Siedlern. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Heute gilt die Gründung des Staates Israel vielerorts als Akt kolonialer Gewalt. Das ist insofern richtig, als eine Macht von aussen in Palästina eingedrungen ist und den Einheimischen das Land weggenommen hat. Das ist die Grundstruktur des Kolonialismus. Aber: Der Kolonisator ist normalerweise ein reicher, gefestigter Nationalstaat, der ein militärisch und ökonomisch unterlegenes Land überwältigt, um es auszubeuten. Das allerdings galt für die Juden anno 1948 sicherlich nicht. Sie hatten weder Macht, noch Geld, noch Land und waren gerade mit knapper Not ihrer totalen Auslöschung entgangen. Sie waren Überlebende, die Schutz benötigten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Politik ist konkret</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Basler Palästinademo vom 29. August, die sich unter die Parole «Death to Zionism» stellte, habe ich nicht eine einzige realistische Forderung wahrgenommen. Die inhaltslose Schein-Radikalität der antizionistischen Forderung scheint die Gewissen so weit zu beruhigen, dass die Mühen des politischen Denkens ausbleiben können. Das heisst, der Solidaritätsbewegung für die Palästinenser in den Rücken fallen. Denn der Moment wäre günstig. Es gibt in Europa wie in USA eine breite Grundstimmung von Mitleid mit den Palästinensern und Abscheu vor vielen Aktionen Israels. Diese Grundbefindlichkeit gilt es zu politisieren und zu modellieren. Was kann die Schweiz tun? Nicht viel, aber doch einiges:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz könnte Palästina anerkennen: Eine bloss symbolische Handlung, gewiss, aber alle palästinensischen Stimmen, die ich vernehme, würden dies als Stärkung betrachten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz könnte erklären, dass sie als Rechtsstaat sich an die Beschlüsse des Internationalen Strafgerichtshofes hält und Herrn Netanjahu verhaften würde, käme er in die Schweiz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz könnte für eine bestimmte Zeit den Waffenhandel mit Israel einstellen: Keine Waffenverkäufe auf direktem oder indirektem Weg an Israel, keine Waffenkäufe von Israel.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz oder Schweizer Unternehmen könnten den Import von israelischen Waren aus den besetzten Gebieten stoppen: Ja, das ist nicht so einfach, der Produktionsort kann verschleiert werden. Auch die Abgrenzung zu palästinensischen Produkten, die wir aus Solidarität kaufen, ist nicht einfach. Trotzdem kann es versucht werden – und man kann ja auch über Produktionsketten recherchieren. Israel ist kein unzugängliches Land.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schweizer, Schweizerinnen und die offizielle Schweiz könnten die israelische Opposition unterstützen. Auf dem grossen&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/?s=Friedenskongress+Jerusalem&amp;search_mode=and" target="_blank" rel="noopener">Friedenskongress in Jerusalem im Jahre 2025</a>&nbsp;gab es genau einen einzigen Gruss eines ausländischen Regierungsmitglieds: von Emmanuel Macron. Ich fragte dort auf Demonstrationen öfter, ob sich die Umstehenden an Interventionen ausländischer Unterstützer bei Kundgebungen erinnern könnten. Die meisten verneinten. Wenige erinnerten sich vage daran, dass vor Jahren mal einer oder eine das Wort ergriffen habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vor allem: Hingehen! Es gibt doch einige Regierungsmitglieder, Parlamentarierinnen, Parteimitglieder, die sagen, ihnen sei das Leid der Palästinenser nicht gleichgültig. Sie sollen hingehen, in die Westbank, zu den Bauern. Es ist zwar schon 50 Jahre her, aber ich erinnere mich gut an die Beiss- und Schlaghemmung der französischen Polizei, wenn in der ersten Reihe der Demonstration, die sie niederknüppeln sollte, ein berühmter Philosoph ging. Schweizer Politiker und Politikerinnen haben ein gewisses Prestige. Selbst wenn sie an einem Checkpoint scheitern – auch das wäre ein Bericht wert.&nbsp;&nbsp;Die israelisch-palästinensische Organisation «<a href="https://www.standing-together.org/en" target="_blank" rel="noopener">Standing Together</a>» organisiert regelmässig und erfolgreich Einsätze von «Solidarity Guards», um Palästinenser vor dem Siedler-Terrorismus zu schützen. Kontakt aufnehmen!&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine.<br><em>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur, greift Beiträge aus Medien kritisch auf und pflegt die Kunst des Essays. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



<p class="wp-block-paragraph"><em>_____________________<br></em></p>
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					<title>Was Frauen beim «Social Egg Freezing» verschwiegen wird</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/was-frauen-beim-social-egg-freezing-verschwiegen-wird/</link>
					<pubDate>Wed, 07 Oct 2026 07:35:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=728179</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-05-um-17.34.26-300x200.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Ultraschalluntersuchung bei einer Frau" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-05-um-17.34.26-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-05-um-17.34.26-768x511.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-05-um-17.34.26.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das Geschäft mit tiefgefrorenen menschlichen Eizellen ist zum Tummelfeld für Investoren geworden. Auch in der Schweiz.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Vorsorge betreiben. Druck rausnehmen. Die biologische Uhr ausbremsen. Zeit gewinnen, um noch einen passenden Partner für gemeinsame Kinder zu finden. Zuerst die Karriere vorantreiben können. Zwänge abbauen.&nbsp;Sich versichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Gründe nennen Frauen, die sich fürs «Social Egg Freezing» entscheiden. Sie lassen sich – auf eigene Rechnung – Eizellen entnehmen und einfrieren. Das geht ins Geld: 4000 bis 9000 Franken kostet ein sogenannter Hormonzyklus laut <a href="https://www.srf.ch/play/tv/10-vor-10/video/social-egg-freezing-was-das-einfrieren-von-eizellen-bedeutet?urn=urn:srf:video:61a05445-b165-42f3-b21c-bd4f1ea9401f" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Recherchen</a> <a href="https://www.srf.ch/play/tv/rec-/video/qa-zur-reportage-hoffnung-auf-eis---warum-die-gen-y-eizellen-einfrieren-laesst?urn=urn:srf:video:dac4987c-b069-406c-944a-0de8d8cc6a60" target="_blank" rel="noreferrer noopener">von</a> «<a href="https://www.srf.ch/sendungen/dok/social-egg-freezing-es-ist-keine-garantie-fuer-das-spaetere-kinderglueck" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SRF</a>» in der Schweiz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim «Social Egg Freezing» werden Studien zufolge pro Hormonzyklus im Durchschnitt <a href="https://www.mdpi.com/2077-0383/12/10/3542" target="_blank" rel="noopener">rund 20 Eizellen</a> gewonnen, wenn die Frau höchstens 30 Jahre alt ist, aber <a href="http://doi.org/10.1136/bmj-2026-754787" target="_blank" rel="noopener">nur 9</a>, wenn sie 40 Jahre ist. Als ideal gelten – je nach Alter – 10 bis 20 Eizellen. Um genügend Eizellen zu gewinnen, ist daher oft ein zweiter Zyklus nötig oder sogar mehrere. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen jährlich <a href="https://www.srf.ch/wissen/wissens-chats/q-a-social-egg-freezing-lohnt-sich-das-einfrieren-von-eizellen-mit-36-jahren-noch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">400 bis 800 Franken</a> für die Lagerung der Eizellen bei minus 196 Grad Celsius, plus optionale Untersuchungen sowie Folgebehandlungen, wenn sich die Frauen später für eine Schwangerschaft entscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nur eine kleine Minderheit greift auf die tiefgefrorenen Eizellen zurück</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die allermeisten Frauen, die sich fürs &#171;Social Egg Freezing&#187; entscheiden, werfen ihr Geld zum Fenster hinaus. Denn bisher greift nur eine Minderheit auf ihre tiefgefrorenen Eizellen zurück, um schwanger zu werden, zeigen Studien aus den Jahren 1999 bis 2020. Einer Meta-Analyse in «<a href="https://academic.oup.com/humupd/article/30/5/558/7657022" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Human Reproduction Update</a>» zufolge liessen nur etwa elf Prozent der Frauen später eine oder mehrere Eizellen auftauen, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während die allermeisten Frauen also viel Geld für nichts ausgeben und dabei sogar noch ein gesundheitliches Risiko eingehen, gewinnen andere: Beim Tieffrieren von Eizellen «spielen Finanzakteure wie Private-Equity-Gesellschaften eine immer einflussreichere Rolle», schrieb Lucy van de Wiel, Dozentin für globale Gesundheit und Sozialmedizin am King’s College in London, kürzlich im «<a href="https://www.bmj.com/content/394/bmj-2026-100117" target="_blank" rel="noreferrer noopener">British Medical Journal</a>» (BMJ).</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Zürich etwa eröffnete im <a href="https://www.wirtschaftszeit.ch/news/cada-fertility-eroeffnet-modernste-kinderwunschklinik-in-zuerich/" target="_blank" rel="noopener">September 2024</a> die «Cada Kinderwunschklinik» an bester Lage im Seefeld. Dahinter steht das Start-up «Cada Fertility». Investoren dieses Start-ups sind in der Schweizer Gesundheitsszene bereits mehrfach aufgefallen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer nach Alternativen im Ausland sucht, stösst beim Googeln zum Beispiel rasch auf den gesponserten Link zur Clinica Tambre in Alicante und Madrid. Diese 1980 von einem Arzt gegründete Klinik wurde <a href="https://www.clinicatambre.com/de/wer-wir-sind" target="_blank" rel="noreferrer noopener">2017 durch eine Investorengruppe übernommen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit einigen Jahren haben Investoren die Reproduktionsmedizin als lukrativen Markt entdeckt. Sie kaufen entsprechende Zentren auf oder stampfen sie aus dem Boden, pumpen teils <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8892031/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hunderte von Millionen</a> an Geld hinein, trimmen die Zentren auf mehr Rendite und verkaufen sie weiter.&nbsp;Seit 2016 sei stark in &#171;Egg Freezing Businesses&#187; investiert worden, so van de Wiel in «<a href="https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/14636778.2019.1709430" target="_blank" rel="noreferrer noopener">New Genetics and Society</a>». Primär von medizinischen Fachkräften geleitete Kliniken würden nun mehr und mehr von Investoren diktiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für diverse, <a href="https://aihta.at/page/in-vitro-fertilisation-viele-zusatzbehandlungen-ohne-belegten-nutzen/de" target="_blank" rel="noopener">häufig angewandte Zusatzbehandlungen</a> in der Reproduktionsmedizin ist laut einer Meta-Analyse in «<a href="https://www.thelancet.com/journals/lanogw/article/PIIS3050-5038(26)00054-3/fulltext" target="_blank" rel="noopener">The Lancet Obstetrics, Gynaecology &amp; Women&#8217;s Health</a>» nicht erwiesen, dass sie die Chance auf ein Baby erhöhen. Verkauft werden sie trotzdem.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erst in Immobilien investiert, dann ins Eizell-Business</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Van de Wiel nennt das Beispiel &#171;Prelude Fertility&#187;, eine Firma, die 2016 mit 200 Millionen Kapital gegründet wurde und bereits im ersten Jahr zur zweitgrössten Fertilitätsfirma in den USA aufgestiegen sei. &#171;Ihr CEO, Martin Varsavsky, ist ein Serienunternehmer, der auf die Bereiche Immobilien und Cloud-Computing spezialisiert ist. FON – nach eigenen Angaben das weltweit grösste WLAN-Netzwerk mit 21 Millionen Hotspots rund um den Globus – war eines seiner Unternehmen; Prelude Fertility ist sein siebtes und sein erster Vorstoss in den Bereich der Fruchtbarkeitsmedizin.&#187; </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das «Social Egg Freezing», also das Einfrieren der Eizellen aus nicht-medizinischen Gründen, ist für die Investoren besonders attraktiv. Denn verglichen mit der künstlichen Befruchtung ist die potenzielle Kundschaft dort viel grösser – theoretisch könnte jede Frau ab Ende 20 mit späterem Kinderwunsch – und genügend Geld – als Kundin in Frage kommen. In einem «<a href="https://www.srf.ch/wissen/wissens-chats/q-a-social-egg-freezing-lohnt-sich-das-einfrieren-von-eizellen-mit-36-jahren-noch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SRF</a>»-Chat fragte kürzlich schon eine 23-Jährige: «Ab welchem Alter – wenn man seinen Traummann noch nicht gefunden hat – sollte man überlegen, sicherheitshalber etwas in den Tiefkühler zu werfen?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Investoren würden das «Social Egg Freezing» als «margenstarke Wahlleistung» einstufen, so van de Wiel. Der Bereich wachse rasch, auch dank späterer Familienplanung, wachsendem Interesse der LGBTQ+-Gruppe und der Bereitschaft, viel Geld für diese «Vorsorge» auszugeben. Zudem seien langfristige Einnahmequellen durch Lagerungsgebühren und Folgebehandlungen gesichert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Viermal verkauft worden</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was das in der Praxis bedeutet, beschrieb <a href="https://de.dexeus.com/uber-uns/unsere-zentren/medizinisches-team/andreas-abraham-zadeh" target="_blank" rel="noopener">Andreas Abraham Zadeh</a>, Reproduktionsmediziner und ehemaliger Direktor der Eugin Clinic in Barcelona, letztes Jahr in der Fachzeitschrift «<a href="https://link.springer.com/article/10.1186/s12958-025-01446-4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Reproductive Biology and Endocrinology</a>» vor allem mit Blick auf die künstliche Befruchtung. Zadeh hat aus erster Hand vier Eigentümerwechsel miterlebt. Die 1998 gegründete und damals ärztlich geführte Eugin Clinic sei 2010 von einer Private-Equity-Firma gekauft worden. 2015 übernahm sie eine in den Vereinten Arabischen Emiraten domizilierte Firma. 2021 ging sie an die deutsche Fresenius Helios, die sie nach nur zwei Jahren an den nächsten Investor weiterverkaufte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit jedem Eigentümerwechsel sei die Anzahl der in der Klinik durchgeführten Hormonzyklen gestiegen – nicht aber die Erfolgsrate bei den Schwangerschaften, gibt Zadeh zu bedenken. Er erwähnt den finanziellen Druck, der die ärztliche Unabhängigkeit untergrabe. Das Gewinnstreben werde den Interessen der Patientinnen übergeordnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ärzte geraten in Interessenkonflikte</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem Gewinn zuliebe würden auch Untersuchungen oder Behandlungen beworben, deren Nutzen medizinisch nicht bewiesen sei und die «medizinisch oft obsolet» sind, so Zadeh. Dies geschehe vor allem auf Druck der Investoren, welche die Frauen «um jeden Preis» an die Klinik binden wollten, notfalls auch, indem ihnen zum Beispiel mehr Hormonzyklen als nötig aufgeschwatzt würden. Die Frauen würden nicht transparent informiert, warnte Zadeh. Aber auch von Seiten der Frauen komme Druck, wenn diese Tests oder Behandlungen verlangen würden, von denen sie irgendwo gelesen oder gehört haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Beispiel ist das Bestimmen des sogenannten Anti-Müller-Hormons im Blut, um die Fruchtbarkeit vorauszusagen. Dieser Test erlaube dazu jedoch keine sichere Prognose, warnte das «<a href="https://www.bmj.com/content/394/bmj-2026-754787" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BMJ</a>» kürzlich. Auch zwei Ärztinnen der Cada Kinderwunschklinik in Zürich wiesen jüngst in der «<a href="https://www.saez.ch/de/artikel/article-82862/">Schweizerischen Ärztezeitung</a>» auf die «begrenzte Aussagekraft des AMH-Werts» hin. Trotzdem legt die <a href="https://cada.com/de-ch/fruchtbarkeitsanalyse/frau/" target="_blank" rel="noopener">Cada-Website</a> schon seit Oktober 2023 interessierten Frauen die Bestimmung des AMH-Werts (Anti-Müller-Hormon) nahe: «Der AMH-Wert ist ein wichtiger Marker der weiblichen Fruchtbarkeit», heisst es dort.&nbsp;Dass er «<a href="https://cada.com/de/blog/amh-wert-fruchtbarkeit/#fazit-amh-wert-nur-ein-teil-des-gesamtbildes" target="_blank" rel="noopener">nur ein Teil des Gesamtbildes</a>» ist, erfahren Interessierte erst, nachdem sie sich bis ans Ende durchgeklickt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Die Patientinnen treffen Entscheidungen häufig unter emotionaler Belastung, Zeitdruck und ohne vollen Zugang zu unabhängiger, evidenzbasierter Beratung», stellte Zadeh fest. «Wenn zudem Erfolgsraten, Preise und Behandlungsrisiken aggressiv beworben werden, verschwimmen die Grenzen zwischen einer informierten Entscheidung und strategischer Überzeugungsarbeit.»&nbsp;Das aggressive Marketing einzelner Anbieter setzt zudem die Konkurrenz unter Druck, nachzuziehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In nur sechs Jahren solle sich der globale Reproduktionsmarkt schätzungsweise mehr als verdoppeln, von 30 Milliarden Dollar im Jahr 2021 auf <a href="https://link.springer.com/article/10.1186/s12958-025-01446-4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">73 Milliarden</a> 2027. «Im Jahr 2022 erreichten die Private-Equity-Investitionen im Bereich der Fertilitätsmedizin mit 41 Übernahmen im Wert von 8,4 Milliarden Dollar einen Höchststand – darunter die bislang grösste Übernahme der Branche […] für über drei Milliarden Dollar.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Apple, Facebook und das Militär als Vorreiter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich diente das &#171;Egg freezing&#187; als Option für Frauen, die aufgrund einer Erkrankung oder Behandlung, etwa wegen Krebs, unfruchtbar wurden. 2012 ging es in einer Folge der US-Reality-Serie &#171;Keeping up With the Kardashians&#187; um das &#171;Social Egg Freezing&#187; des Medienstars Kim Kardashian. Dies <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2014-04-17/new-egg-freezing-technology-eases-womens-career-family-angst" target="_blank" rel="noreferrer noopener">kurbelte die Nachfrage an</a>. Im Jahr 2014 kündigten Facebook und Apple an, ihren Mitarbeiterinnen <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8892031/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">20’000 Dollar</a> ans «Egg Freezing» zu bezahlen – auch um sie zu halten und weitere talentierte Frauen anzuziehen. Der Entscheid befeuerte die Medienberichterstattung über das «Social Egg Freezing» weiter. Die Medien hätten den Nutzen betont, die mit dem «Egg Freezing» verbundenen Risiken hingegen ignoriert oder heruntergespielt, stellten die Autoren eines Artikels im «<a href="https://www.cmaj.ca/content/cmaj/187/9/666.full.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Canadian Medical Association Journal</a>» 2015 fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen haben viele weitere Firmen wie etwa Netflix, Yahoo, Linkedin, JP Morgan, Microsoft, Uber und Google nachgezogen. Laut einem <a href="https://blog.ifebp.org/organizations-adding-more-fertility-and-adoption-support/" target="_blank" rel="noopener">Bericht</a> beteiligten sich 2024 in den USA bereits 16 Prozent der Firmen an den Kosten für das &#171;Social Egg Freezing&#187; ihrer Mitarbeiterinnen. In der Schweiz bietet laut «<a href="https://www.srf.ch/sendungen/dok/social-egg-freezing-es-ist-keine-garantie-fuer-das-spaetere-kinderglueck" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SRF</a>» beispielsweise die Pharmafirma Merck seit zwei Jahren einen «Fertility Benefit», rund 60 Mitarbeiterinnen hätten das Angebot bisher genutzt. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Militär fördert das &#171;Social Egg Freezing&#187;. 2016 initiierte das Pentagon ein fünfjähriges <a href="https://www.nytimes.com/2016/02/04/us/politics/pentagon-to-offer-plan-to-store-eggs-and-sperm-to-retain-young-troops.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pilotprogramm</a>: Soldatinnen und Soldaten konnten vor ihrem Einsatz Ei- oder Samenzellen einfrieren lassen. Im August 2026 teilte das Pentagon nun mit, es bezahle <a href="https://thehill.com/policy/healthcare/6030762-military-eggs-sperm-freezing-reimbursement-program/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">jährlich bis zu 10’000 Dollar</a> ans «Egg Freezing» und 500 Dollar für «Sperm Freezing», bevor Mitarbeitende für gefährliche Einsätze abkommandiert werden oder wenn sie ihren Partner oder ihre Partnerin mindestens 180 Tage nicht treffen können.&nbsp;Das Angebot soll ihnen, falls sie im Krieg verletzt werden, Hoffnung geben, später noch leibliche Kinder zu bekommen. Ausserdem sollen Frauen in den 20ern und 30ern so <a href="https://www.jstor.org/stable/44648551" target="_blank" rel="noreferrer noopener">im Dienst gehalten</a> werden und ihre Karriere vorantreiben können.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Risiken werden in den Medien kaum behandelt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während beim natürlichen Zyklus typischerweise nur ein oder zwei Eizellen reifen, sind es laut einem Artikel im «<a href="https://www.jstor.org/stable/44648551" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ABA Journal of Labor &amp; Employment Law</a>» beim künstlich gepushten Hormonzyklus bis zu 45. Damit steige das Risiko, dass sich der Eierstock verdrehe – ein Notfall, der dazu führen kann, dass der Eierstock <a href="https://www.msdmanuals.com/de/heim/gesundheitsprobleme-von-frauen/verschiedenartige-gynäkologische-abnormitäten/ovarialtorsion#Diagnose_v811990_de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">nicht mehr durchblutet wird und abstirbt</a>. Eine andere Komplikation der Hormonbehandlung ist die Überstimulation. Bei circa fünf von 100 Hormonzyklen komme es dazu, informierte das «<a href="https://www.bmj.com/content/394/bmj-2026-754787" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BMJ</a>». Dabei handle es sich um eine ernsthafte Erkrankung mit Kopfschmerzen, Übelkeit und weiteren Symptomen, selten komme es sogar zur lebensgefährlichen Embolie.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um sachlich zu informieren, hat das «<a href="https://www.bmj.com/content/394/bmj-2026-754787" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BMJ</a>» im Juli die wichtigsten Informationen zum «Social Egg Freezing» für Hausärzte zusammengestellt. Die zwei wichtigsten Faktoren, ob eine Frau mit Hilfe des «social egg freezings» ein Baby bekomme, seien das Alter, in dem sie sich die Eizellen entnehmen lasse, und die Anzahl der gewonnenen Eizellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der entscheidende Faktor</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Geburt hat eine Frau circa eine Million unreife Eizellen. Mit 37 Jahren sind davon noch rund <a href="https://www.mdpi.com/2077-0383/12/10/3542" target="_blank" rel="noopener">25&#8217;000</a> vorhanden und im Alter von 51 Jahren nur noch etwa 1000. Zudem häufen sich bei den Eizellen im Lauf der Jahre Chromosomenschäden, was zu einem <a href="https://www.nek-cne.admin.ch/inhalte/Themen/Stellungnahmen/NEK_Kurzstellungnahme_DE_SocialFreezing_A4.pdf" target="_blank" rel="noopener">höheren Risiko für Fehlgeburten</a> führt. Die <a href="https://www.sggg.ch/fileadmin/user_upload/Dokumente/3_Fachinformationen/1_Expertenbriefe/DE/59_Fertilitaetserhaltung_bei_Frauen_und_Maennern_im_postpubertaeren_Alter_Aktualitaet_bestaetigt_November_2025.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe</a> rät Frauen über 40 Jahren &#171;aufgrund schlechter Ergebnisse&#187; nicht mehr zu einer Fertilitätserhaltung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von zehn tiefgefrorenen Eizellen überleben im Mittel acht die Prozedur. Für eine Lebendgeburt sind durchschnittlich <a href="https://www.jstor.org/stable/44648551" target="_blank" rel="noreferrer noopener">acht</a> <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2014-04-17/new-egg-freezing-technology-eases-womens-career-family-angst" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bis 12 Eizellen</a> nötig. Wie stark das Alter bei der Entnahme der Eizellen das Ergebnis beeinflusst, zeigt eine Schätzung, die das «<a href="https://www.bmj.com/content/394/bmj-2026-754787" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BMJ</a>» veröffentlichte:</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="644" id="media-license-image-728275" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-17-um-17.19.22.png" alt="Grafik Mason-Apps" class="wp-image-728275" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-17-um-17.19.22.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-17-um-17.19.22-300x242.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-17-um-17.19.22-768x618.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Lesebeispiel: Frauen, die im Alter von 39 Jahren (hellgrüne Linie) etwa 10 Eizellen einfrieren lassen (waagrechte Skala), haben später damit eine 50-prozentige Chance auf ein Baby (linke Skala). Zum Vergleich: Bei Eizellspenderinnen (dunkelblaue Linie) beträgt diese Wahrscheinlichkeit bei gleicher Anzahl Eizellen rund 90 Prozent. </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Frauen überschätzen die Erfolgsquote</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Frauen sind laut einer 2017 publizierten <a href="https://www.nek-cne.admin.ch/inhalte/Themen/Stellungnahmen/NEK_Kurzstellungnahme_DE_SocialFreezing_A4.pdf" target="_blank" rel="noopener">Stellungnahme</a> der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin bei der Eizell-Entnahme bereits über 35 Jahre alt. «Damit sind Quantität und Qualität der Eizellen eingeschränkt», so die Ethikkommission. Zudem steigt das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft. Das Alter, ab dem die Fruchtbarkeit von Frauen &#171;dramatisch sinkt&#187;, werde «gerade von gut ausgebildeten» Frauen überschätzt, ebenso die Erfolgsquoten der Reproduktionsmedizin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denjenigen, die mit «Social Egg Freezing» Geld machen wollen, kann das eigentlich nur recht sein. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><br></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="388" id="media-license-image-732637" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-02-um-13.01.30.png" alt="Kryokonservierung Eizellen oder Ovarialgewebe Schweiz 2019-2024" class="wp-image-732637" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-02-um-13.01.30.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-02-um-13.01.30-300x146.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-02-um-13.01.30-768x372.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Anzahl der Frauen in der Schweiz, von denen Eizellen oder Eierstockgewebe vorsorglich konserviert wurden: Im Jahr 2022 liessen 1903 Frauen Eizellen aus nicht-medizinischen Gründen tieffrieren (3), 2024 waren es schon 3337 (1: Eizellen aus medizi­nischen Gründen, 2: Ovarial­gewebe aus medizini­schen Gründen, hellblau: Ovarial­gewebe aus anderen Gründen).</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">_____________________ </p>



<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>➞ Lesen Sie demnächst mehr zu den Investoren in der Schweizer Gesundheitsszene</strong></p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/frau-mann/der-blinde-fleck-eizelle-und-wer-davon-profitiert/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der blinde Fleck Eizelle — und wer davon profitiert</a>, Infosperber vom 30. Juli 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/grosskonzerne-kaufen-immer-mehr-aerzte/" target="_blank" rel="noopener">Grosskonzerne kaufen immer mehr Arztpraxen</a>, Infosperber vom 3.11.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/gebaermutter-transplantation-300000-dollar-fuer-ein-baby/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gebärmutter-Transplantation: 300’000 Dollar für ein Baby</a>, Infosperber vom 14. Januar 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/das-pflegeheim-als-profitmaschine/" target="_blank" rel="noopener">Das Pflegeheim als Profitmaschine</a>, Infosperber vom 21.8.2023</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/f38abb6e8dbf47dfb3ebeab284fed61e" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Wahlen in Brasilien</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-wahlen-in-brasilien/</link>
					<pubDate>Wed, 07 Oct 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach 1JMda33Q44t9ihU96VhD9d" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d-1024x616.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d-1536x924.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-1JMda33Q44t9ihU96VhD9d.png 2045w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Bolsonaros Sohn liegt vor Lula.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Zwei Kriege und El Niño: Millionen Menschen von Hunger bedroht</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/zwei-kriege-und-el-nino-millionen-menschen-von-hunger-bedroht/</link>
					<pubDate>Wed, 07 Oct 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=731309</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hunger-Afghanistan-e1790609568592-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Hunger Afghanistan" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hunger-Afghanistan-e1790609568592-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hunger-Afghanistan-e1790609568592-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hunger-Afghanistan-e1790609568592.png 1000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Blockierte Handelsrouten im Nahen Osten und im Schwarzen Meer stürzen Länder des globalen Südens noch mehr ins Elend.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><br>Die fortdauernde Aggression der USA gegen Iran, der Ukrainekrieg sowie die daraus resultierenden Handelsausfälle treiben den Globalen Süden immer stärker in eine Nahrungsmittelkrise. Bereits im März 2026 hatte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen <a href="https://www.wfp.org/news/wfp-projects-food-insecurity-could-reach-record-levels-result-middle-east-escalation" target="_blank" rel="noopener">(WFP) gewarnt</a>, allein der Irankrieg könne rund 45 Millionen Menschen weltweit in eine Hungersnot stürzen – zusätzlich zu den bereits hungernden 318 Millionen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sperrung der Strasse von Hormuz wirkt sich gravierend auf die Rohöl- und Treibstoffpreise aus. Das verteuert auch Dünge- und Lebensmittel. Ein ähnliches Szenario wiederholt sich gerade im Schwarzen Meer – nur geht es dort um Getreide. Seit Russland und die Ukraine verstärkt Hafenanlagen, Terminals, Silos und Schiffe angreifen, wird ukrainisches und russisches Getreide kaum noch über das Schwarze Meer exportiert. Beide Länder hätten zuletzt ein Viertel des globalen Getreideexports gestellt, berichtet die US-Wirtschaftsnachrichtenagentur <a href="https://orf.at/stories/3442799/" target="_blank" rel="noopener">Bloomberg</a>. Die Abnehmerländer im Globalen Süden seien nun von dramatischem Mangel bedroht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von Brennstoffen abhängig</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Versorgungskrise ist grösstenteils auf die Abhängigkeit der globalen Lebensmittelherstellung von der fossilen Brennstoffindustrie zurückzuführen. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fand weltweit ein Wandel statt: Anstelle von organischen Düngemitteln wie Mist und Kompost wurden zunehmend auf fossilen Brennstoffen basierende Düngemittel wie Ammoniak und Schwefel eingesetzt, um die Bodennährstoffe zu erhalten und die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute stammen rund 30 Prozent des weltweit genutzten Ammoniaks aus den Erdöl- und Erdgasregionen des Mittleren Ostens; Saudi-Arabien ist sogar der zweitgrösste Ammoniakexporteur weltweit. Ebenso wird etwa die Hälfte des weltweit auf dem Seeweg transportierten Schwefels, der die Grundlage für Phosphatdünger bildet, durch die Strasse von Hormuz befördert. Dies gilt auch für rund 18 Prozent des Monoammoniumphosphats (MAP) und des Diammoniumphosphats (DAP) – zwei weiterer wichtiger Düngemittel, die zur Versorgung von Nutzpflanzen mit Phosphor eingesetzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daten der Weltbank zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Kraftstoffpreise und dem Anstieg der Düngemittel- und der Lebensmittelpreise. Bereits im März dieses Jahres stieg der Weltbank-Energiepreisindex um 41 Prozent, angeführt von einem Anstieg des Rohölpreises um 45,8 Prozent. Im selben Monat nahmen die Düngemittelpreise um 26,2 Prozent zu; auch die Lebensmittelpreise, auf die die Düngemittelpreise gewöhnlich erst mit Verzögerung durchschlagen, erhöhten sich bereits um 2,7 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zerstörte Chancen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormuz ist weiterhin <a href="https://www.aljazeera.com/news/2026/9/3/how-much-oil-is-going-through-hormuz-how-data-doesnt-match-us-claims" target="_blank" rel="noopener">stark eingeschränkt</a>. Aktuell droht zudem eine partielle Sperrung der <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/blockierte-seewege-100.html" target="_blank" rel="noopener">Meerenge Bab al Mandab</a>, die bei Djibouti aus dem Roten Meer in den Indischen Ozean führt und punktuell als Ersatzroute für Exporte vor allem aus Saudi-Arabien genutzt werden kann. Chancen, die Blockade der Strasse von Hormuz zu beenden und damit die Versorgung der Welt nicht nur mit Kraftstoffen, sondern auch mit Düngemitteln wieder sicherzustellen, wurden von den Vereinigten Staaten mutwillig zunichte gemacht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Chancen boten der Waffenstillstand vom 7. April, der mit dem Beginn von Verhandlungen über einen <a href="https://www.globaltimes.cn/page/202604/1358418.shtml" target="_blank" rel="noopener">10-Punkte-Plan</a> zur Beendigung des Krieges einherging, und eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) vom 17. Juni, die den Waffenstillstand um 60 Tage verlängerte und die Bestimmungen des 10-Punkte-Plans weiter konkretisierte. Der 10-Punkte-Plan sah zunächst vor allem ein Ende der Kampfhandlungen der USA und Israels an allen Fronten sowie die Anerkennung der iranischen Kontrolle über die Strasse von Hormuz vor. Das MoU schrieb in nun 14 Punkten unter anderem eine Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Häfen und Schiffe und im Gegenzug die Öffnung der Strasse von Hormuz für alle anderen Schiffe durch Iran fest. Tatsächlich begann der Schiffsverkehr sich wieder zu erholen, bis die Vereinigten Staaten am 6. Juli die Kampfhandlungen erneut starteten, woraufhin Iran am 18. Juli <a href="https://www.middleeasteye.net/news/iran-declares-islamabad-agreement-suspended-blames-us-violations" target="_blank" rel="noopener">ankündigte</a>, nun eben auch seinerseits seine Verpflichtungen aus dem MoU nicht mehr zu erfüllen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die USA setzen die Blockade der iranischen Schifffahrt bis heute fort; Iran setzt sich mit der Blockade der Strasse von Hormuz für andere Schiffe zur Wehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ungleicher Handel</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kriegsbedingte Sperrung der Strasse von Hormuz wirkt sich auch deshalb so fatal auf die Nahrungsmittelversorgung im Globalen Süden aus, weil das globale Handelssystem Milliarden Menschen weltweit anfällig für kurzfristige Störungen und Schwankungen in der internationalen Nahrungsmittelversorgungskette gemacht hat. Darauf wies schon vor Jahren <a href="https://peoplesdemocracy.in/2022/0612_pd/causes-global-food-crisis-and-lessons-learn" target="_blank" rel="noopener">Vikas Rawal</a>, Professor an der renommierten Jawaharlal-Nehru-Universität in New Delhi, hin. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Rawal zufolge hat die jahrzehntelange Globalisierung dazu geführt, dass «der Globale Süden zu einer Quelle für Nahrungsmittelrohstoffe geworden ist, die in den Industrieländern nicht produziert werden können». Andererseits sind die Länder des Globalen Südens bei Grundnahrungsmitteln von der Landwirtschaft in den Industrieländern des Nordens abhängig geworden. In Indien beispielsweise, schreibt Rawal, haben die Landwirte aufgrund von Handelsliberalisierung und mangelnder staatlicher Unterstützung auf Kulturen umgestellt, die auf den internationalen Märkten höhere Preise erzielen, anstatt Pflanzen anzubauen, die die Ernährungssicherheit im eigenen Land gewährleisten. Dies hat beispielsweise dazu geführt, dass zwischen 2017 und 2019 68 Prozent des in Indien verbrauchten Speiseöls und 17 Prozent der Hülsenfrüchte importiert werden mussten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gilt auch für Düngemittel: So wurden im Jahr 2020 30 Prozent des indischen Bedarfs an Harnstoff (Düngemittel auf Ammoniakbasis) und 60 Prozent des Bedarfs an Diammoniumphosphat durch Importe gedeckt. Zugleich lebten im Jahr 2020 62 Millionen Menschen allein in Indien in schwerer Ernährungsunsicherheit – die höchste Zahl in einem einzelnen Land.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Super-El-Niño: Es drohen Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zusätzlich zu den kriegsbedingten Handelsblockaden droht El Niño weitere <a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/aug/05/el-nino-could-push-50m-people-acute-hunger-next-year" target="_blank" rel="noopener">50 Millionen Menschen</a> weltweit in akute Hungersnot zu stürzen. El Niño ist ein Wettersystem, das alle paar Jahre im Pazifik auftritt und weltweit zu Veränderungen der Niederschlagsmuster führt. Der aktuell bevorstehende El Niño entwickelt sich zum stärksten seit mindestens 70 Jahren; manche bezeichnen ihn bereits als Super-El-Niño. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Angaben des WFP dürften selbst dann, wenn der El-Niño-Verlauf weniger stark ausfällt, als von Wissenschaftlern vorhergesagt, immer noch rund 45 Millionen Menschen in Ernährungsunsicherheit geraten. Zu den am stärksten betroffenen Regionen zählen Mittel- und Südamerika, die Karibik sowie das südliche Afrika. Darüber hinaus werden Süd- und Südostasien wahrscheinlich weniger Niederschläge als üblich verzeichnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die schlimmsten Auswirkungen werden voraussichtlich Ende 2027 zu spüren sein; bis dahin sind die aktuell bereits vorhandenen Nahrungsmittelvorräte aufgebraucht, aber noch nicht ausreichend durch neue ersetzt, da El Niño die diesjährige Ernte schwer schädigen wird. «Die grössten Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit» etwa «im südlichen Afrika werden während der Hungerperiode 2027 bis 2028 zu spüren sein», prognostiziert Richard Choularton, Leiter des Dienstes für Klima und Resilienz beim WFP.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Online-Plattform «<a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10550" target="_blank" rel="noopener">german-foreign-policy.com</a>». Diese «Informationen zur Deutschen Aussenpolitik» werden von einer Gruppe unabhängiger Publizisten und Wissenschaftler zusammengestellt, die das Wiedererstarken deutscher Grossmachtbestrebungen auf wirtschaftlichem, politischem und militärischem Gebiet kontinuierlich beobachten. <br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



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]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Nach Prämienschock: SP bereitet neue Gesundheitsinitiative vor</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/nach-praemienschock-sp-bereitet-neue-gesundheitsinitiative-vor/</link>
					<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 07:45:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=732589</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Baume-Schneider-scaled-e1791207518462-2048x1229.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>SP-Vizepräsident Baptiste Hurni über Lohndeckel, zu viele Spitäler und warum er das Gesundheitswesen neu organisieren will.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><strong>Herr Hurni, der Nationalrat hat vergangenen Dienstag Ihre parlamentarische Initiative angenommen: Die Löhne von Krankenkassen-Kadern sollen maximal so hoch sein wie die höchste Lohnklasse der Bundesverwaltung. Wie viel bringt ein Lohndeckel den Prämienzahlenden tatsächlich?</strong><br>Es geht darum, ein Signal zu senden. Für die Prämienzahler macht es tatsächlich keinen grossen Unterschied, das sind einige Rappen pro Monat. Eine sehr grosse Mehrheit des Nationalrats hat nun aber gesagt: Zu viel ist zu viel. Wir beginnen jetzt, die Akteure zu regulieren, die mit der obligatorischen Grundversicherung zu viel Geld machen. Wir beginnen mit den CEOs der Krankenkassen. Natürlich müssen wir auch über die Löhne der Spezialärzte sprechen, über die Pharmaindustrie, über die Labors. Es gibt viele Akteure, die viel zu viel Geld machen. Ich habe nichts gegen Leute, die Geld verdienen. Das Problem ist: Das hier ist ein Sozialsystem, und die Leute können die Prämien nicht mehr bezahlen. Es ist das erste Mal, seit ich im Parlament bin, dass das Parlament so klar zeigt: Genug ist genug, wir wollen etwas tun. Das Signal ist sehr wichtig, auch wenn die finanziellen Folgen gering sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Vorwurf, der in Reformdebatten immer wieder fällt: Die Schweiz leistet sich zu viele Spitäler. Wie stehen Sie dazu?</strong><br>Es gibt wahrscheinlich zu viele Spitäler in der Schweiz. Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, wie viele Spitäler wir haben, sondern was diese Spitäler machen. Für die Bevölkerung ist wichtig, dass es in der Nähe ein Spital als erste Anlaufstelle gibt. Bei der spezialisierten Medizin habe ich kein Problem mit Zentralisierung. Teuer wird es, wenn ein Spital eine bestimmte Leistung für nur 100 oder 150 Patienten pro Jahr anbietet. Das sind zu wenige Eingriffe, als dass ein Spital dabei effizient arbeiten könnte. Bei der hochspezialisierten Medizin haben wir ein gutes System: Die Kantone, auch jene mit Universitätsspitälern, haben sich auf einen Kompromiss geeinigt, und das funktioniert <em>(Gemeint ist die interkantonale Vereinbarung über die hochspezialisierte Medizin von 2008: Die Kantone legen gemeinsam fest, welche Spitäler bestimmte hochspezialisierte Eingriffe durchführen dürfen. Red.)</em>. Was wir brauchen, ist mehr Koordination zwischen den Spitälern, und zwar auch über Kantonsgrenzen hinweg. Im Kanton Neuenburg haben wir ein Spital in Neuenburg und eines in La Chaux-de-Fonds, dazu gibt es ein Spital in Sainte-Croix im Kanton Waadt. In meiner Region, dem Val-de-Travers, liegen viele Dörfer näher bei Sainte-Croix als bei Neuenburg. Doch zwischen den Neuenburger und den Waadtländer Spitälern gibt es fast keine Koordination. Koordination ist das Schlüsselwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Können Sie das ausführen?</strong><br>Man könnte zum Beispiel festlegen, dass eine Region vom Spital eines anderen Kantons versorgt wird. Dann kann man das eigene Kantonsspital schlanker organisieren und hat dadurch weniger Kosten. Wir müssten beginnen, Spitäler regional zu denken und nicht nur kantonal.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum ist das so unfassbar schwierig? Gehen wir finanziell am Kantönligeist zu Grunde?</strong><br>Nein, so würde ich das nicht sagen. Wenn man die Kostendynamik Jahr für Jahr anschaut, sind die Spitäler nicht der wichtigste Treiber. Beunruhigender finde ich die Kostendynamik bei den Medikamenten und bei den Spezialärzten. Die Spitäler sind ein Teil der Lösung. Es gab einen Vorstoss aus Basel, der eine Bundesspitalliste forderte. Das finde ich persönlich zu extrem. Aber die Spitäler, die Kantone, die Konferenz der Gesundheitsdirektoren haben bereits einen Plan für eine bessere Koordination vorgelegt. Es ist also nicht so, dass in dem Bereich nichts passiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein St.&nbsp;Galler Regierungsrat sagte mir vor ein paar Jahren: Wer nicht wiedergewählt werden will, muss die Spitalpolitik angehen.</strong><br>Ja, das ist richtig. Das Problem ist: Wenn es in diesem Land eine vom Bund diktierte Spitalliste geben würde, würde vieles in Zürich, Basel, Bern oder Lausanne landen, und für die anderen Regionen bleibt gar nichts. Es geht um ein Gleichgewicht. Ich sage nicht, die Kantone machen alles gut, denn so einfach ist es nicht. Die Lösung darf nicht sein, alles dem Bund zu übertragen. Die Verfassung ist da auch klar: Die Organisation des Gesundheitswesens ist Sache der Kantone.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2023 haben Sie am Parteitag der Sozialdemokraten in Biel den neuen Anlauf für eine Einheitskasse angestossen.</strong> <strong>Jetzt hat die SP die Einheitskasse aus ihrer Prämien-Initiative ausgeklammert, die die Krankenkassenprämien ans Einkommen koppeln will. Ist die Idee begraben oder nur vertagt?</strong><br>Vertagt, nicht begraben. Das Gesundheitssystem hat für uns zwei grosse Säulen. Die erste ist die soziale Frage: Die 97 Milliarden Gesundheitskosten, wer zahlt was? Ist es richtig, dass Sie als Journalist gleich viel bezahlen wie Frau Martullo-Blocher? Darauf antwortet unsere Initiative. Die zweite Säule ist die Organisation: die Preise, die Qualität, die Verantwortung. Da warten wir nicht. Ich und andere arbeiten seit zweieinhalb Jahren an einer neuen Initiative. Ich bin zuversichtlich, dass wir in frühestens einigen Monaten, vielleicht aber auch erst viel später, eine zweite Initiative lancieren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Für eine Einheitskasse?</strong><br>Die Einheitskasse kann Teil einer weiteren Initiative sein. Die Einheitskasse selbst ist aber nicht die Lösung, sie ist ein Mittel, kein Ziel. Die nächste Initiative, falls es eine gibt, und das entscheide ich nicht allein, wird die Organisation des Gesundheitswesens betreffen: Grundversorgung, Tarife und die Organisation des Systems, also die Einheitskasse und anderes. Für mich macht es keinen Sinn, 34 Kassen* zu haben, die per Gesetz genau dasselbe anbieten müssen. Das sind 34 Organisationen mit 34 Mal Kosten. Mit so vielen Kassen haben wir nie konsolidierte Zahlen. Das macht eine echte Gesundheitspolitik schwieriger, zum Beispiel gegenüber Ärzten, die zu viel verrechnen. Mit einer Einheitskasse gibt es konsolidierte Zahlen, und die Kasse kann sagen: Hier ist es nicht möglich, 26 Stunden an einem Tag zu verrechnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das ist Zukunftsmusik. Was sagen Sie denn den Leuten auf der Strasse, die frustriert sind über die jährlichen Prämienexplosionen, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen?</strong><br>Wir haben unsere Prämien-Initiative, aber wir können nicht alles allein machen. Wir haben Reformen beschlossen, die jetzt in Kraft treten, das zweite Kostendämpfungspaket zum Beispiel. Mir geht es nicht weit genug, das habe ich im Ständerat gesagt, aber es enthält gute Massnahmen. Und wir müssen sehen, wie viel EFAS spart, die einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen. Für die Deutschschweiz wird es wahrscheinlich sehr schwierig, dort werden die Prämien weiter steigen. Die Westschweiz trifft es viel weniger. Wir haben dort früher damit begonnen, Behandlungen vom Spital in den ambulanten Bereich zu verlagern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das klingt für die Menschen in der Deutschschweiz nicht grad berauschend.</strong><br>Ich sage den Leuten: Wir arbeiten in Bern nicht schnell genug und nicht stark genug. Deshalb brauchen wir Volksinitiativen. Das haben wir als SP noch einmal gemacht. Keine andere Partei hat etwas gemacht, vielleicht die Mitte mit ihrer Kostenbremse-Initiative. Aber diese Initiative war inhaltsleer. Da stand nur: Wenn es zu teuer wird, muss man Massnahmen ergreifen. Okay, super. Wir haben Ziele, die wir mit einer Initiative erreichen können. Und ich sage auch: Wenn die Bevölkerung nächstes Jahr ein bisschen mehr Stimmen an Nationalräte und Ständeräte von Grünen, SP oder anderen gibt, die etwas machen wollen, wird es einfacher. Es ist sehr, sehr schwierig, hier Mehrheiten zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Warum ist das so schwierig?</strong><br>Die Gesundheitslobbys sind in Bern extrem stark: Pharma, Ärzte, Kassen. Die anderen Lobbys, etwa jene der Patienten, sind schwächer. Ich bin Vizepräsident der Patientenorganisation SPO, aber wir haben kein Geld und nicht viele Leute. Das ist letztlich auch der Grund, warum Mehrheiten so schwierig sind.<br><br><em>* SP-Vizepräsident Hurni sprach im Interview fälschlicherweise von 44 Krankenkassen. In Wirklichkeit <a href="https://www.priminfo.admin.ch/de/zahlen-und-fakten/kennzahlen" target="_blank" rel="noopener">sind es 34</a>. Wir haben den Fehler korrigiert.</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/wir-sind-unterwegs-ohne-pilot-und-flugsicherung/" target="_blank" rel="noopener">«Wir sind unterwegs ohne Pilot und Flugsicherung»</a>, Infosperber vom 29.&nbsp;September 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/krankenkassenpraemien-wieder-die-gleichen-faulen-ausreden/" target="_blank" rel="noopener">Krankenkassenprämien: Wieder die gleichen faulen Ausreden</a>, Infosperber vom 24.&nbsp;September 2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Daniel Ryser war zwei Jahre lang stellvertretender Chefredaktor des «Sanitas Health Forecast», eine jährliche Publikation, die mit einer schweizweiten Studie, einem Buch, einem Magazin und einem Podcast untersucht, wie sich Gesundheit und Gesundheitswesen in Zukunft entwickeln.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Schon wieder er!» «Wie jedes Jahr!!!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/schon-wieder-er-wie-jedes-jahr/</link>
					<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 07:43:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-833978106_1674352894342252_341927024824495728_n-300x181.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach 833978106_1674352894342252_341927024824495728_n" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-833978106_1674352894342252_341927024824495728_n-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-833978106_1674352894342252_341927024824495728_n-1024x616.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-833978106_1674352894342252_341927024824495728_n-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-833978106_1674352894342252_341927024824495728_n.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Krankenkassenprämien steigen erneut. Wer ist schuld?]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Pflücker speist man mit 2 Rappen pro Kilo ab. Migros schweigt.</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konsum/pfluecker-speist-man-mit-2-rappen-pro-kilo-ab-migros-schweigt/</link>
					<pubDate>Tue, 06 Oct 2026 07:40:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=732197</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621-300x180.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="M Grapefruit 2000" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621-300x180.jpeg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621-1024x616.jpeg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621-768x462.jpeg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621-1536x924.jpeg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/M-Grapefruit-2000-e1790781293621.jpeg 1796w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Pro Kilo nur fünf Rappen mehr zahlen, damit Pflücker den 2,5-fachen Lohn erhalten! Die Margen der anderen müssten gleich bleiben.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Ein Kilo Grapefruits aus Südafrika kosteten im September 3.95 Franken. Davon erhält der Grapefruit-Pflücker in Südafrika zwei Rappen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Grapefruits ist es gleich wie bei den T-Shirts oder anderen Textilien aus Asien: Ein Aufpreis von wenigen Rappen oder von zwei, drei Franken könnte die Löhne der Niedrigstverdienenden schlankweg verdoppeln. Nur müssten die Margen der Händler und Zwischenhändler nicht in Prozenten, sondern in absoluten Beträgen festgelegt werden und unverändert bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch, so wie es heute ist, würde ein kleiner Aufpreis für die Konsumentinnen und Konsumenten nicht an die Ärmsten der Produktionskette weitergegeben. Die Grosseinkäufer begnügen sich damit, von ihren Lieferanten ein schriftliches Versprechen zu erhalten, dass die in Südafrika, Indien oder Bangladesch geltenden Mindestlöhne eingehalten werden. Diese Mindestlöhne sind ohnehin schon Armutslöhne. Und häufig werden von diesen Mindestlöhnen noch Wegkosten, Verpflegung oder Unterkunftskosten abgezogen. Auch unbezahlte Überstunden sind nicht selten. Die meist schlecht organisierten Arbeiterinnen und Arbeiter können sich kaum wehren, weil sie zum Überleben auf die Arbeit angewiesen sind.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Die Grapefruits der Migros als Beispiel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im September verkaufte die Migros schweizweit Grapefruits aus Südafrika für 3.95 Franken das Kilo. In Aktion gab es das Stück für 60 Rappen. Infosperber stellte der Migros folgende Fragen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie setzt sich der Preis für ein Kilo dieser Grapefruits ungefähr zusammen – vom Pflücker bis ins Gestell der Migros?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antwort der Migros-Medienstelle: <br><em>«Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine detaillierte Kostenaufteilung auf Stufe einzelner Produkte, Lieferanten und Beschaffungsketten offenlegen.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von welchen Farmen beziehungsweise Produzentengruppen stammen diese Grapefruits? Welche unabhängigen Kontrollen führt die Migros bei diesen Lieferanten zu Mindestlöhnen, Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Arbeitszeit durch?&nbsp;Welche Prüfstelle hat in welchem Zeitraum das letzte Mal die Arbeitsbedingungen der Pflücker dieser Grapefruits beurteilt? Welche Massnahmen hat die Prüfstelle empfohlen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Antwort der Migros-Medienstelle: <br><em>«Wir können aus Gründen des Lieferantenschutzes und der Vertraulichkeit keine Angaben zu einzelnen Exporteuren, Packhäusern, Farmen oder Produzentengruppen sowie keine lieferantenspezifischen Auditberichte, Prüfergebnisse oder Empfehlungen veröffentlichen. Im Bereich Früchte und Gemüse verlangt die Migros eine Zertifizierung nach GLOBALG.A.P. und eine Zertifizierung nach einem anerkannten Sozialaudit-System.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach unseren Informationen verdient ein Pflücker rund 2 Rappen pro Kilo. Ist dies plausibel?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Keine Antwort der Migros-Medienstelle.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Zwei Rappen pro Kilo für die Pflücker</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Arbeiter oder eine Arbeiterin pflückt mindestens 560 Kilo pro Tag oder 70 Kilo pro Stunde (einschliesslich Einteilen, Befüllen, Leeren, Pausen). Der Mindeststundenlohn beträgt rund 1.50 Franken pro Stunde. Der Pflücker verdient also an einem Kilo Grapefruits rund zwei Rappen (150/560). Pro Tag kommt er auf einen Lohn von etwa 12 Franken – für das Pflücken von über 560 Kilo Grapefruits..</p>



<div class="wp-block-infosperber-box is-style-yellow">
<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br>Unseren eigenen Bauern würden wir dies nie zumuten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was die reichen Länder ihren eigenen Bauern niemals zumuten würden, verlangen sie bedenkenlos von Kaffee- und <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/weihnachtsmaenner-aus-schokolade-kaum-einer-ist-fair-gehandelt-a-936430.html" target="_blank" rel="noopener">Kakaobauern</a>: Deren Einkommen hängen von den spekulativen Ausschlägen an den Rohstoffbörsen ab. Ethiker äussern Bedenken, dass die reichen Industriestaaten ihren eigenen Bauern Einkommen und Preise garantieren, jedoch Bauern in armen Ländern der Willkür von spekulativen, stark schwankenden Weltmarktpreisen von Mais, Getreide, Reis, Palmöl, Soja, Kaffee, Kakao, südländischen Früchten oder Baumwolle ausliefern. Einige halten diese unterschiedliche Behandlung sogar für rassistisch.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/migration/realitaetsverweigerung-warum-viele-menschen-illegal-einwandern/" target="_blank" rel="noopener">Warum viele Menschen in reiche Länder auswandern,</a> Infosperber 7.5.2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/8fbfa154afd5426bbc66b002d292343b" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
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					<title>«Verschont uns mit der moralischen Aufarbeitung der Coronazeit»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/verschont-uns-mit-der-moralischen-aufarbeitung-der-coronazeit/</link>
					<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 08:24:15 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=732963</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="162" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/05/Impfung-Kinder-ClevelandClinic-300x162.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Impfung Kinder ClevelandClinic" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/05/Impfung-Kinder-ClevelandClinic-300x162.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/05/Impfung-Kinder-ClevelandClinic-600x324.png 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2021/05/Impfung-Kinder-ClevelandClinic.png 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Tamedia-Zeitungen wollen Corona nicht aufarbeiten. Dabei hatten sie die Öffentlichkeit jahrelang – wie der «Blick» – irregeführt.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Ringiers «Blick» war voll auf Regierungskurs. Ringier-CEO Marc Walder hatte dem «Blick» den Tarif durchgegeben:&nbsp;«Mit unserer medialen Berichterstattung wollen wir die Regierung unterstützen, damit wir alle gut durch die Krise kommen.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bekannt ist, dass die Bundesbehörden Verleger aufforderten, die Öffentlichkeit für die Massnahmen zu gewinnen. Ihre Rolle als Vierte Gewalt im Staat sollten sie bitte vergessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den grossen Medien war die «NZZ» die einzige Zeitung, welche selten genug auch kritische Stimmen berücksichtigte. Am 24. September 2026 bilanzierte Bundeshaus-Korrespondentin Katharina Fontana: «Die Corona-Zeit ist auch eine Mediengeschichte, und zwar eine mit düsteren Kapiteln. Mehrere Medien taten das ihre, um mit Worst-Case-Szenarien die Bevölkerung zu verschrecken. […] Wegen des Corona-Regimes wurden Familien entzweit, gingen Freundschaften kaputt, endeten Karrieren.» Es sei deshalb ein Fehler, die Corona-Politik nicht aufzuarbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz anders Tamedia-Bundeshausredaktor Markus Brotschi. Zu Xhakas Zertifikatsbetrug schrieb er am 23. September 2026: «Es reicht! Wir haben genug von diesem Corona-Nachspiel. […] Darum das Plädoyer: Verschont das Land mit dieser moralischen Aufarbeitung der Corona-Zeit.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hätten es «Tages-Anzeiger» &amp; Co. bitter nötig, ihre Rolle während der Corona-Zeit gegenüber ihrer Leserschaft kritisch aufzuarbeiten. Die vielen Tamedia-Zeitungen gaben sich nicht einmal damit zufrieden, die behördlichen Massnahmen und Informationen kritiklos zu verbreiten, sondern forderten wiederholt noch viel strengere Massnahmen, als der Bundesrat sie beschloss.&nbsp;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="804" height="455" id="media-license-image-733243" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Peter-Morf-Ex-Bundeshausjournalist.png" alt="Peter Morf Ex Bundeshausjournalist" class="wp-image-733243" style="width:350px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Peter-Morf-Ex-Bundeshausjournalist.png 804w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Peter-Morf-Ex-Bundeshausjournalist-300x170.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Peter-Morf-Ex-Bundeshausjournalist-768x435.png 768w" sizes="auto, (max-width: 804px) 100vw, 804px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Der einzige Tamedia-Journalist, der an den Medienkonferenzen in Bern zu den Massnahmen kritische Fragen stellte, war Peter Morf, langjähriger Bundeshausredaktor der «Finanz und Wirtschaft». Als der Bundesrat am 1. Juli 2020 an einer Medienkonferenz die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln bekannt gab, stellte Morf die naheliegende Frage, ob es denn eine Evidenz dafür gebe, zu wie vielen Ansteckungen es im öffentlichen Verkehr komme. Es antwortete nicht die anwesende Bundesrätin, sondern der Bundeshaussprecher: «Diese Evidenz gibt es nicht.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach weiteren kritischen Fragen des Bundeshauskorrespondenten verboten ihm seine Tamedia-Vorgesetzten Anfang 2021, weiter über die Pandemie und die Massnahmen zu schreiben. Er schreibe «nicht faktengerecht», unterschob ihm die Chefredaktion, ohne dies je mit einem einzigen Bespiel zu belegen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der unterdessen pensionierte Peter Morf erklärte Ende Juli 2026 rückblickend gegenüber <a href="https://www.kleinreport.ch/news/peter-morf-tat-und-wahrheit-ging-es-darum-dass-ich-mir-kritische-fragen-erlaubt-habe-108324/" target="_blank" rel="noopener">«Klein-Report»</a>: «Ich gehe davon aus, dass das Schreibverbot auf eine Intervention der Tamedia-Verlagsleitung zurückging. Diese dürfte eine Folge des Aufrufs des Ringier-Konzerns an alle grossen Schweizer Verlagshäuser gewesen sein, in Sachen Corona die Position des Bundesrates zu stützen. Nach meinem Schreibverbot berichtete die ‹Finanz und Wirtschaft› nur noch unkritisch und staatstreu über Corona.» Auch in der Redaktion des «Tages-Anzeigers» verschwanden kritische Artikel in der Schublade oder Journalisten wurden angewiesen, unliebsame Aussagen in einem Artikel zu streichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Genügend Stoff</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tamedia-Zeitungen waren nicht nur unkritisch und staatstreu, sondern verbreiteten auch eine Fülle von einseitig alarmierenden und krass irreführenden Informationen. Einige Beispiele:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tamedia-Zeitungen wählten überwiegend Experten und Exponenten aus, welche zur Dramatisierung neigten. Zu Beginn der Pandemie zitierten sie beispielsweise am 8. April 2020 Marcel Salathé, Epidemiologie-Professor an der ETH Lausanne. Beim schlimmsten Szenario sei in der Schweiz ohne Massnahmen mit 20’000 bis 35’000 Toten zu rechnen. <br>Im gleichen Zug zitierten die Zeitungen <a href="https://www.nzz.ch/schweiz/experte-zum-corona-ausbruch-man-muss-jetzt-nicht-die-halbe-schweiz-unter-quarantaene-stellen-ld.1542713?reduced=true" target="_blank" rel="noopener">Christian Althaus</a> von der Universität Bern. Ein «Worst-Case-Szenario» mit 30’000 Toten sei «nicht ausgeschlossen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">«20 Minuten» ängstigte Anfang Dezember 2021 mit der Schlagzeile: «Wir steuern immer mehr auf eine Katastrophe zu.» Die Zeitung berief sich auf den Infektiologen Andreas Widmer, der die Covid-Massnahmen des Bundesrats für zu schwach hielt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Experten, welche die Auswirkungen und die Übertragungsart des Sars-Cov2-Virus eher mit der besonders schweren Grippewelle 2017/18 verglichen, kamen in Tamedia-Zeitungen kaum zu Wort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der einseitigen Auswahl von Alarmisten informierten Tamedia-Zeitungen auch krass irreführend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So titelte der «Tages-Anzeiger» am 14. März 2021:&nbsp;«Erneut steigende Fallzahlen schränken den Spielraum des Bundesrats ein.» Die Zeitung verschwieg, dass die Zahl der Intensivbehandelten und der Todesfälle am Sinken war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Regelmässig verbreiteten die Tamedia-Zeitungen – oft mit Grafiken illustriert – steigende «Fallzahlen» und erweckten den Eindruck, es handle sich dabei alles um Erkrankte oder sogar Ansteckende. In Wahrheit handelte es sich lediglich um positiv Getestete. Viele dieser «Fälle» hatten&nbsp;vom Virus nie etwas bemerkt oder waren nur&nbsp;vorher einmal leicht erkältet. Auf jeden Fall waren die meisten zum Zeitpunkt des positiven Tests nicht mehr ansteckend. Trotzdem störten sich Tamedia-Zeitungen nicht daran, dass alle positiv Getesteten in Quarantäne gesetzt wurden oder Zugangsverbote erhielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 2023 verbreiteten Tamedia-Zeitungen einen Artikel der «Süddeutschen Zeitung» in der halben Deutschschweiz. Es ging um den angeblich ausserordentlich grossen Nutzen der Covid-Impfung. Zwei Impfdosen würden das Risiko von Langzeitfolgen einer Corona-Infektion «um etwa 40 Prozent reduzieren». Diese Information war krass&nbsp;irreführend, weil praktisch alle Leserinnen und Leser die Schlagzeile so verstanden, dass sie ihr&nbsp;persönliches Risiko, an Long-Covid zu erkranken, mit zwei Impfdosen um 40 Prozent verringern können. Falls dies zuträfe, wäre die Impfung ausserordentlich wirksam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch mit den «40 Prozent» war etwas ganz anderes gemeint, nämlich nur der «relative» Nutzen von zwei Impfdosen. Diese relativen 40 Prozent können zwar einen grossen Nutzen bedeuten, aber auch nur einen vernachlässigbar kleinen.*</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es weiss und wusste die Wissenschaftsredaktion des «Tages-Anzeigers», dass die alleinige Angabe der relativen Risikoreduktion («reduziert das Risiko um 40 Prozent») irreführend und wertlos ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. Dezember 2021 durften Prominente im «Tages-Anzeiger» unwidersprochen verbreiten, diejenigen, die sich nicht impfen lassen, seien «Arschlöcher». Auch die Redaktionen von Tamedia stellten Ungeimpfte als unsozial, wenn nicht gemeingefährlich dar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das unsinnige Impfen von gesunden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben die Tamedia-Zeitungen mehrfach verteidigt. Einmal kam ein kritischer Experte zu Wort. Doch Kritiker stellten sie auch in die Ecke von Schwurblern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über alle diese Probleme hatte Infosperber in den Coronajahren <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/so-hat-infosperber-seit-anfang-der-corona-pandemie-informiert/" target="_blank" rel="noopener">regelmässig informiert.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>«Verschont das Land» – oder genauer: Verschont die Tamedia-Zeitungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">An ihre&nbsp;Fehlleistungen wollen die Tamedia-Zeitungen nicht erinnert werden. Nochmals Bundeshaus-Redaktor Markus Brotschi am 23. September 2026:&nbsp;<br>«Als jemand, der sich mit Überzeugung mehrfach impfen liess, sage ich: Viele haben genug von diesem Nachspiel. Auch wer die Corona-Regeln und die Impfung befolgte, hat nicht zwingend ein Interesse an dieser Art der Vergangenheitsbewältigung. […] Verschont das Land mit dieser moralischen Aufarbeitung der Corona-Zeit.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenigstens Fabian Renz, bei Tamedia damals verantwortlich für Meinungen und Analysen, erinnerte am 17. Januar 2023 in einem Leitartikel an die Rolle der Medien:</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Gerade eine Extremsituation, in der die Freiheit des Einzelnen massiv beschnitten wird, verlangt nach ‹lästigen› Medien: Es kann nicht ihre Aufgabe sein, die Regierenden möglichst ungestört schalten, walten und nach eigenem Gutdünken kommunizieren zu lassen.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Fall von Corona haben die Tamedia-Zeitungen bei dieser Aufgabe versagt. Es überrascht deshalb wenig, dass sie eine Aufarbeitung der Corona-Zeit ablehnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________<br>* Das zeigt ein Beispiel mit folgenden konkreten Zahlen:&nbsp;<br>Erkranken von 10’000 Personen dank der doppelten Impfdosis nur 6 anstatt ohne Impfung 10, dann sind dies zwar 40 Prozent weniger. Doch der Nutzen der Impfungen wäre vernachlässigbar.<br>Erkranken jedoch von 10’000 Personen dank der doppelten Impfdosis 600 anstatt ohne Impfung 1000, dann sind dies ebenfalls 40 Prozent weniger. Doch der Nutzen der Impfungen wäre enorm gross.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Professor John Ioannidis: <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/corona-serioese-wissenschaftler-waren-voellig-unterlegen/" target="_blank" rel="noopener">«Seriöse Wissenschaftler waren völlig unterlegen»,</a> Infosperber 7.7.2026.</li><li>Dokumentarfilm von Mike Wyniger: «Der Hype – 2020 revisited»:</li></ul></div>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="DER HYPE - 2020 REVISITED" width="800" height="450" src="https://www.youtube.com/embed/7MVga4H7yK0?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a0066cd151104c3f951da8d77098cce0" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Italienische Strandkonzessionen waren einst Invaliden-Renten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sozialversicherungen/italienische-strandkonzessionen-waren-einst-invaliden-renten/</link>
					<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 08:23:34 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="169" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand-300x169.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Sonnenschirme an italienischem Strand" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand-300x169.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand-1024x576.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand-768x432.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand-1536x864.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Sonnenschirme-an-italienischem-Strand.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Italien wollte Kriegsversehrten eine Existenz bieten – und schenkte ihnen Lizenzen zum Geldverdienen. Mit Sonnenschirmen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Italien ist in Europa das Land mit der höchsten Dichte an bewirtschafteten Stränden. Belegt sind sie traditionsgemäss mit ordentlich ausgerichteten Reihen von Liegestühlen und Sonnenschirmen dazwischen. Die Preise für einen Platz an einem begehrten Strand sind hoch. Mitunter ist sogar von der «Sonnenschirm-Mafia» die Rede. Diesen Sommer zahlte man an der ligurischen Küste für das Liegestuhl-Paar mit Schirm im Durchschnitt weit über 300 Euro pro Woche (siehe Kasten unten).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das verwundert vor allem deshalb, weil die italienische Küste dem Staat gehört und das Ufer laut Gesetz für alle zugänglich bleiben müsste. Trotzdem sind gut die Hälfte der Sandstrände an private Betreiber verpachtet. Diese zahlen geringe Konzessionsgebühren von durchschnittlich etwa 8000 Euro pro Jahr, nehmen damit aber ein Vielfaches davon ein. Es gibt Schätzungen, wonach pro erteilte Konzession ein durchschnittlicher Jahresumsatz von 250&#8217;000 Euro erzielt wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine frühe Sozialversicherung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Italien nimmt mit den Strandkonzessionen nur etwa 100 Millionen Franken pro Jahr ein. Dieser heute seltsam anmutende Umstand hatte einst einen guten Zweck: Der Staat vergab die Strandparzellen gleichsam einer Invalidenrente an Kriegsversehrte. Sie sollten diesen und ihren Familien eine neue Existenzgrundlage verschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Ersten und noch mehr nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten viele schwer verwundete Soldaten nach Hause zurück und konnten nicht mehr in ihren angestammten Berufen arbeiten. Später kamen auch Flüchtlinge aus den ehemaligen Kolonien oder aus verlorenen Gebieten – etwa aus Istrien – dazu. Die Vergabe einer Konzession für einen Küstenabschnitt kostete den Staat nichts, diente den Pächtern aber als soziale Absicherung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals konnte sich nur eine kleine Schicht von Reichen ein Strandleben leisten. Die Einnahmen der kleinen Familienbetriebe hielten sich deshalb lange in Grenzen. Doch dann wurden Strandferien in Italien zum Massenvergnügen grosser Bevölkerungsschichten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Plötzlich wurden die Strandbäder zu Goldgruben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der kleinen staatlichen Wohlfahrtsmassnahme wurde eine Geldquelle, welche die Pächterfamilien immer üppiger zum Sprudeln brachten, indem sie Duschen, Umkleidekabinen, Bars, Restaurants oder sogar Pools hinzubauten – viele im Glauben, dass sie bis in alle Ewigkeit von der einstigen Invaliden-Rente ihrer Vorfahren profitieren würden. Die Konzessionen wurden innerhalb der Familien wie Privateigentum vererbt. Deshalb sind fast alle Strandbäder noch heute Familienunternehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Staat verlängerte die Konzessionen über Jahrzehnte hinweg automatisch und zu niedrigen Preisen. Aber nun drohen die vererbten Exklusivrechte endgültig zu verfallen. Die EU zwingt Italien, bis nächsten Sommer alle Strandkonzessionen öffentlich und europaweit neu auszuschreiben. Eine EU-Richtlinie schreibt vor, dass die EU-Staaten den anderen einen freien Zugang zum nationalen Dienstleistungsmarkt gewähren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Nächstes Jahr neue Pächter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens bis Juni 2027 müssen alle rund 30&#8217;000 Strandkonzessionen in Italien in der EU ausgeschrieben werden. Dies zum Leidwesen der bisherigen Betreiber, die sich als rechtmässige Eigentümer des Geschäfts sehen, das ihre Vorfahren aufgebaut haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie fürchten – wohl zu Recht –, dass künftig international tätige Unternehmen die lukrativen Strandbetriebe übernehmen. Die neuen Pächter werden Italien aber auch zu viel höheren Einnahmen verhelfen, weil der Wettbewerb dazu führen wird, dass sie höhere Gebühren als bisher zahlen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was nicht ganz falsch ist. Denn die Einnahmen der Strandbadbetreiber dienen ja auch schon lange nicht mehr als Rente für Kriegsversehrte und Geflüchtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch viele italienische Gemeinden wollen gar nicht mehr Geld verdienen mit den neu ausgeschriebenen Konzessionen. Sie möchten stattdessen mehr frei zugängliche Strandabschnitte schaffen. Die Behörden wollen bis zur nächsten Strandsaison vermehrt auch illegale Bauten, Zäune und Mauern abreissen lassen, die bisher den freien Zugang zum Meer erschwerten.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Bis zu 1500 Euro für einen Strandtag</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Luxus-Strandbad Twiga Beach Club in Marina di Pietrasanta bietet die wohl teuersten Liegebetten von ganz Italien an. Die Umwelt- und Konsumenten-Organisation <a href="https://codacons.it/spiagge-codacons-su-lidi-vuoti-lacrime-di-coccodrillo-degli-operatori-dal-2019-tariffe-rincarate-del-33/" target="_blank" rel="noopener">Codacons</a> hat letztes Jahr ermittelt, dass in diesem Luxus-Strandbad in der Toskana ein Platz bis zu 1500 Euro pro Tag kostet. Dafür erhält man ein «Kaiser-Zelt» mit ausserordentlicher Ausstattung. Aber auch ein normaler Platz mit zwei Betten und einem Sonnenschirm kostet 600 Euro.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="745" height="664" id="media-license-image-733135" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Twiga-versilia.png" alt="Twiga versilia" class="wp-image-733135" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Twiga-versilia.png 745w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Twiga-versilia-300x267.png 300w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der teuerste Strand Italiens: der Twiga Beach Club in der Toskana.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Jahr hat die italienische Konsumentenorganisation <a href="https://www.altroconsumo.it/auto-e-moto/automobili/news/spiagge-prezzi-stabilimenti">Altroconsumo</a> die Durchschnitts-Preise von zehn Ferienorten im August erhoben. Dabei zeigten sich erhebliche regionale Unterschiede: Im ligurischen Küstenort kostete es im Schnitt 368 Euro pro Woche, einen Sonnenschirm und zwei Liegestühle in der ersten Reihe zu mieten. Etwas günstiger war es, wenn man mit der zweiten bis vierten Reihe vorliebnahm. Aber auch dann kostete es im Schnitt noch 340 Euro. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die billigsten Liegestühle gibt es an den grossen flachen Adria-Sandstränden: Lignano, Rimini und Senigallia. Dort kostete die Wochenmiete im August im Schnitt unter 160 Euro.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="595" height="591" id="media-license-image-733053" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Durchschnittliche-Kosten-fuer-einen-Sonnenschirm-und-zwei-Liegestuehle-in-der-ersten-Augustwoche-2026.png" alt="" class="wp-image-733053" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Durchschnittliche-Kosten-fuer-einen-Sonnenschirm-und-zwei-Liegestuehle-in-der-ersten-Augustwoche-2026.png 595w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Durchschnittliche-Kosten-fuer-einen-Sonnenschirm-und-zwei-Liegestuehle-in-der-ersten-Augustwoche-2026-300x298.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Durchschnittliche-Kosten-fuer-einen-Sonnenschirm-und-zwei-Liegestuehle-in-der-ersten-Augustwoche-2026-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 595px) 100vw, 595px" /><figcaption class="wp-element-caption">Durchschnittliche Kosten für einen Sonnenschirm und zwei Liegestühle in der ersten Augustwoche 2026.</figcaption></figure>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/4f9a0f03106a43e3a8d16f63cc2bbedb" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Blinder Fleck im Kunsthaus Zürich</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kultur/blinder-fleck-im-kunsthaus-zuerich/</link>
					<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 08:23:10 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=733193</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="215" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Munch-300x215.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Munch" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Munch-300x215.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Munch-768x551.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/Munch.png 823w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das Kunsthaus Zürich zeigt Werke von Maria Lassnig und Edvard Munch. Problematische Bezüge zur Nazi-Zeit werden verschwiegen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Das Kunsthaus Zürich hat vom Stimmvolk soeben eine jährliche Beitragserhöhung erhalten. Die Mehrheit mit etwas über 50 Prozent hätte überzeugender sein können. Im Neinlager fanden sich nicht wenige Stimmen, die unzufrieden waren mit der Aufarbeitung des verfolgungsbedingten Fluchtguts in der Sammlung des Kunsthauses Zürich und insbesondere in der Bührle-Sammlung, die nur durch massiven Druck von aussen zustande gekommen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser ins Gewicht fallenden Minderheit wird das Kunsthaus Zürich nicht gerecht. Wenn die Ausstellungskuratorin Sandra Gianfreda «<a href="https://www.kunsthaus.ch/besuch-planen/ausstellungen/maria-lassnig-und-edvard-munch/" target="_blank" rel="noopener">Maria Lassnig und Edvard Munch erstmals im Dialog</a>» präsentiert, dann heisst «erstmals», dass es sich um eine Neuigkeit handelt, und da könnte man erwarten, dass das Kunsthaus, das sich damit brüstet, die «grösste Munch-Sammlung ausserhalb Norwegens» zu besitzen, etwas Neues dazu mitteilt, wie es beispielsweise zum Werk «Musik auf der Karl Johan Strasse» von Edvard Munch gekommen ist und auf welchem Stand sich die Verhandlungen mit den Erben befindet, die dieses verfolgungsbedingte Fluchtgut zurück oder entschädigt haben wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ausführlichen Einladung und den Erläuterungen zur Ausstellung «Maria Lassnig und Edvard Munch erstmals im Dialog» vom 2. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027 steht davon kein Wort.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Fall Curt Glaser</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Werk von Munch gehörte dem jüdischen Direktor der Staatlichen Berliner Kunstbibliothek, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Curt_Glaser" target="_blank" rel="noopener">Curt Glaser</a>, den die Nationalsozialisten 1933 entlassen haben. Er finanzierte seine Flucht unter anderem mit dem Verkauf mehrerer Gemälde, die er von seinem norwegischen Freund Edvard Munch besass. Glaser, der nicht nur Kunsthistoriker, sondern auch Arzt war, kam in die Schweiz und bot das Werk <em>«</em>Musik auf der Karl Johan Strasse» im Jahr 1941, kurz vor seiner Abreise in die USA, «dem Kunsthaus Zürich für 15&#8217;000 Franken an – weit unter dem Marktwert. Er erhielt 12&#8217;000 Franken», wie es in einem Bericht des Historikers Thomas Buomberger im «Beobachter» vom 21. November 2016 heisst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kunsthaus Zürich, konfrontiert mit Ansprüchen der Glaser-Erben, stellte sich auf den Standpunkt, dass es das Werk zum realen Wert erworben habe; die Bedingungen auf dem Kunstmarkt hätten sich damals verschlechtert. Es liess die Erben ins Leere laufen, und dasselbe geschah auch in Basel – vorerst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einem Bericht mit dem Titel «Der Fall Curt Glaser – Aufarbeitung und Einigung» des Basler Kunstmuseums hatten die Glaser-Erben im Jahr 2007 eine Entschädigung für alle an der Auktion ersteigerten 200 Zeichnungen und Druckgrafiken oder die Rückgabe der Werke gefordert. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt lehnte dies ab. Knapp zehn Jahre später beriefen sich die US-Anwälte der Glaser-Erben auf das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Washingtoner_Erkl%C3%A4rung" target="_blank" rel="noopener">Washingtoner Raubkunst-Abkommen</a> (Washington Conference Principles on Nazi-Confiscated Art), das die Schweiz mitgeschrieben und unterzeichnet hatte, und verlangten im Jahr 2017, wie in derartigen Fällen empfohlen, eine «faire und gerechte Lösung». Danach waren das Kunstmuseum, die Kunstkommission und der Regierungsrat Basel-Stadt bereit, den Fall Glaser historisch und rechtlich aufzuarbeiten. Laut einer Medienmitteilung wurde anfangs 2020 eine einvernehmliche Lösung gefunden. Über die Höhe der finanziellen Entschädigung haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Werk <em>«</em>Musik auf der Karl Johan Strasse» im Kunsthaus Zürich ist nach wie vor auf der Liste der rund 200 kritischen Werke, deren Herkunfts- und Verkaufskontext neu überprüft wird. Wie weit man im zürcherischen Fall Glaser zu einem Ergebnis gekommen ist, bleibt unklar. Wäre er abgeschlossen, hätte dies die Kommunikation des Kunsthauses mitgeteilt. Die Museen anderer Länder haben die Werke aus der Sammlung Glaser an die Erben zurückgegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dialog mit einer Parvenue des Nationalsozialismus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die österreichische Künstlerin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Lassnig" target="_blank" rel="noopener">Maria Lassnig</a> hat sich mit dem Nationalsozialismus arrangiert. Zu ihren Lebzeiten war im Narrativ der Biografie zwar von einer angeblichen Verfolgung durch die Nazis die Rede. Dies wurde nach ihrem Tod wissenschaftlich widerlegt. Es trifft nicht zu, dass sie ihr Studium wegen «entarteter» Kunst hätte abbrechen müssen. Im Gegenteil, zwischen 1943 und 1944 erhielt sie dreimal das «Gaustipendium» von Kärnten und im Februar 1945 ein Staatsreisestipendium.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Wort davon in den ausführlichen Unterlagen zur Ankündigung der Ausstellung <em>«</em>Maria Lassnig und Edvard Munch erstmals im Dialog». Gerne hätten man mehr zu den biografischen Angaben der Mitläuferin Lassnig und dem depressiven Munch erfahren, der sich zur Zeit der nazideutschen Besatzung und der mit ihr kollaborierenden norwegischen Quisling-Regierung komplett zurückgezogen hatte.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Schweiz sagt «Nein zum Vegan-Diktat»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-schweiz-sagt-nein-zum-vegan-diktat/</link>
					<pubDate>Mon, 05 Oct 2026 07:19:58 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=732829</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/n831534499_1771030230609043_4414101719212040870_n-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="n831534499_1771030230609043_4414101719212040870_n" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/n831534499_1771030230609043_4414101719212040870_n-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/n831534499_1771030230609043_4414101719212040870_n-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/n831534499_1771030230609043_4414101719212040870_n-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/n831534499_1771030230609043_4414101719212040870_n.png 1201w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Die Leute sollen essen dürfen, was sie wollen!» «Und machen dürfen, was sie wollen!» «...» «Ausser natürlich den Schleier tragen!»]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Krypto-Milliardäre kaufen in den USA und Grossbritannien Wahlen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/krypto-milliardaere-kaufen-in-den-usa-und-grossbritannien-wahlen/</link>
					<pubDate>Sun, 04 Oct 2026 08:11:45 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=731319</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Sherrod-Brown-Jim-Lo-ScalzoEPA-e1790526275779-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Lawmakers address Norfolk Southern train derailment in Ohio" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Sherrod-Brown-Jim-Lo-ScalzoEPA-e1790526275779-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Sherrod-Brown-Jim-Lo-ScalzoEPA-e1790526275779-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Sherrod-Brown-Jim-Lo-ScalzoEPA-e1790526275779.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Nigel Farage erhält 72 Millionen Pfund. In Ohio bekämpft die Krypto-Branche einen Demokraten mit 30 Millionen Dollar.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Milliardäre können die Demokratie pervertieren. Ein Beispiel aus den USA und eines aus Grossbritannien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine von der Kryptoindustrie finanzierte&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Super_PAC" target="_blank" rel="noopener">Super-PAC</a>&nbsp;will mindestens&nbsp;<a href="https://www.politico.com/live-updates/2026/09/21/congress/crypto-super-pac-spend-sherrod-brown-01086078" target="_blank" rel="noopener">30 Millionen Dollar</a>&nbsp;ausgeben, um bei den Zwischenwahlen vom 3. November die Rückkehr des Demokraten Sherrod Brown in den US-Senat zu verhindern. Sie zahlt 30 Millionen Dollar für den republikanischen Gegenkandidaten!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brown war bis 2025 Vorsitzender des Bankenausschusses im US-Senat und dort einer der schärfsten Verfechter einer Regulierung der Krypto-Branche. Das hat ihn den Senatssitz gekostet. Denn die Krypto-Lobby hatte bereits 2024 rund 40 Millionen Dollar in seine Abwahl als Senator investiert – erfolgreich. Es gewann ein von Präsident Trump unterstützter Republikaner.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>72 Millionen Pfund für Nigel Farage</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt zu Grossbritannien. Dort kündigte Krypto-Milliardär Ben Delo am 11. September 2026 als Erster an, der Partei Reform UK von Nigel Farage insgesamt 36 Millionen Pfund zu geben. Sein Plan lautete zunächst 1 Million Pfund pro Monat bis zum spätestmöglichen Termin der nächsten Unterhauswahl 2029. Doch dann sprach er die Spende als Einmalbetrag zu, wie&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/world/uk/crypto-entrepreneur-pardoned-by-trump-donates-36-million-farages-reform-uk-2026-09-11/" target="_blank" rel="noopener">Reuters</a>&nbsp;berichtete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ben Delo war mit der 2014 gegründeten Handelsplattform <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bitmex" target="_blank" rel="noopener">Bitmex</a> reich geworden. Auf dieser können Kunden mit Bitcoins und deren Derivaten handeln beziehungsweise Wetten abschliessen. Die Plattform gehört mit einem durchschnittlichen 24-Stunden-Volumen von drei Milliarden Euro zu den grössten Börsen des Bitcoin-<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Future" target="_blank" rel="noopener">Future-Markts</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2022 wurde Delo in den USA verurteilt, weil er zu wenig gegen die Geldwäscherei tat. Wegen Verstosses gegen das US-Bankgeheimnisgesetz wurde er zu 30 Monaten bedingter Haft und einer Busse von 10 Millionen Dollar verknurrt, jedoch anschliessend von Präsident Donald Trump begnadigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Tag nach Delos Spendenankündigung für Nigel Farage erklärte Crypto-Milliardär&nbsp;Christopher Harborne, er werde Delos Rekordspende von 36 Millionen Pfund verdoppeln. Harborne schrieb, sein «competitive spirit» habe ihn dazu motiviert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allein von Krypto-Milliardären erhielt Farage so 72 Millionen Pfund (79 Millionen Franken). Er macht sich damit von der Krypto-Lobby abhängig.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br><strong>Präsident Donald Trump ist Teil der Kryptoindustrie</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Trump hat während seiner Zeit im Weissen Haus, als er ein öffentliches Amt bekleidete, mit Krypto-«Währungen» je nach Quelle allein im Jahr 2025 zwischen&nbsp;<a href="https://apnews.com/article/trump-financial-disclosure-crypto-060c15062b8fedc6104159ea13775463" target="_blank" rel="noopener">1,2 und 1,4 Milliarden Dollar</a>&nbsp;verdient.&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/world/us/trump-reports-over-14-billion-income-crypto-ventures-2026-06-30/" target="_blank" rel="noopener">Reuters</a>&nbsp;beziffert die Einnahmen der Trump-Familie aus Kryptoprojekten seit Beginn der zweiten Amtszeit auf mindestens 2,3 Milliarden Dollar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der britische Journalist Nick Cohen kommentierte: «Es ist ein Armutszeugnis für die amerikanische Demokratie, dass ein US-Präsident, der eigentlich dem Gemeinwohl dienen sollte, sein Amt nutzen kann, um im Kryptobereich zum Milliardär zu werden.»</p>



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<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9f13e6c3dc6b4e2c8ee53a13dd83d9bd" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Hinterwäldler in den Redaktionen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-hinterwaeldler-in-den-redaktionen/</link>
					<pubDate>Sun, 04 Oct 2026 08:09:46 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=732915</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/snapshot-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="snapshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/snapshot-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/snapshot-1024x616.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/snapshot-768x462.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/snapshot-1536x924.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/snapshot.jpg 1739w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Journalisten machen sich Sorgen um das Familienleben von Céline Amaudruz. Sie sehen sie nicht als Bundesrätin – wegen ihrer Kinder.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Kaum hat Guy Parmelin (SVP) seinen Rücktritt auf Ende Jahr bekannt gegeben, machen sich Journalisten schon Sorgen um die Familien allfälliger Nachfolgerinnen. In den <a href="https://www.srf.ch/audio/nachrichten/nachrichten?id=AUDI20261003_RS_0014" target="_blank" rel="noopener">Nachrichten </a>von Radio SRF 1 wusste Bundeshausredaktor Philipp Burkhardt zu berichten: «Es gibt in der SVP kaum valable Kandidatinnen und Kandidaten aus der Romandie.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anschliessend unterstrich er diese Feststellung mit dem Satz: «Die öfters genannte 47-jährige Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz ist Mutter von zwei Töchtern im Alter von einem und drei Jahren, womit sehr fraglich ist, ob sie sich für eine Kandidatur zur Verfügung stellen will.» Offen blieb, was die Töchter damit zu tun haben, dass Amaudruz keine valable Kandidatin sein soll. Aber die unterschwellige Botschaft war klar: Eine Frau mit kleinen Kindern wird nicht Bundesrätin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei kleine Hinweise an Philipp Burkhardt: 1. Wir schreiben das Jahr 2026. 2. Die Kinder haben auch einen Vater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnlich tönte es in den Tamedia-Zeitungen: «Kandidiert Amaudruz, dürfte in Bern einmal mehr die Diskussion über die Vereinbarkeit einer Familie mit jungen Kindern mit dem Bundesratsamt losgehen.» Westschweiz-Korrespondent Benno Tuchschmid sagte es nicht selber. Vielmehr unterstellte er den Mitgliedern des Bundesparlaments, sie würden dann diese Diskussion führen. Aber die unterschwellige Botschaft war auch da klar: Eine Frau mit kleinen Kindern wird nicht Bundesrätin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei kleine Hinweise an Benno Tuchschmid: 1. Wir schreiben das Jahr 2026. 2. Die Kinder haben auch einen Vater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war da noch Markus Somm, Verleger und Chefredaktor des «Nebelspalters». In einen Video auf <a href="https://www.facebook.com/watch/?v=1833906984423046" target="_blank" rel="noopener">Facebook </a>grübelt er: «Also, man muss schon sagen: Wenn Céline Amaudruz nein sagt – und das Kind – ich meine, das ist schon noch verrückt – ich meine, das ist wahnsinnig, ein kleines Kind. Also, da glaube ich jetzt, eine Frau, eine Mutter, nimmt das Amt nicht an unter diesen Bedingungen.» Die Botschaft war auch hier klar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei kleine Hinweise an Markus Somm: 1. Wir schreiben das Jahr 2026. 2. Die Kinder haben auch einen Vater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und allen dreien sei gesagt: Céline Amaudruz kann ganz gut selber entscheiden, ob sie für die Nachfolge von Guy Parmelin kandidieren soll. Sie weiss am besten, was für ihre Familie gut ist.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/fcec472d342a4928a948ef793b599f5e" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Traditionskäserei kühlt mit frisch gemolkener Milch</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/traditionskaeserei-kuehlt-mit-frisch-gemolkener-milch/</link>
					<pubDate>Sun, 04 Oct 2026 08:09:14 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=729411</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="169" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Chris-Barber-c-Barbers-1024x577-1-300x169.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Chris-Barber-c-Barbers-1024x577" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Chris-Barber-c-Barbers-1024x577-1-300x169.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Chris-Barber-c-Barbers-1024x577-1-1024x577.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Chris-Barber-c-Barbers-1024x577-1-768x433.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Chris-Barber-c-Barbers-1024x577-1.jpg 1249w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Möglich macht es eine Wärmepumpe, die der Cheddar-Käserei Geld spart und die Umwelt mit weniger CO2 belastet.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Seit 1833 macht die Barber-Familie im Südwesten Englands Cheddar-Käse. <a href="https://www.barbers.co.uk/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Barber’s Farmhouse Cheesemakers</a> ist laut seiner Website die älteste Cheddar-Käserei der Welt. Die Barbers besitzen die «letzten noch verbliebenen traditionellen Käsekulturen des Landes». Das ist wichtig in der Käserei, sonst schmeckt der Käse nicht, wie er soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Geschmack beitragen dürfte auch die Haltung der 2500 Kühe, die auf rund 1200 Hektaren grünen Wiesen im Südwesten Englands grasen. Alles sehr traditionell also. Das hindert die Familie nicht daran, Neues auszuprobieren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die frische Milch kühlt sich quasi selbst</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngste Innovation im Betrieb ist eine Wärmepupme. Oder besser gesagt: Mehrere Wärmepumpen, die sich die sehr unterschiedlichen Temperaturbedürfnisse der Käserei zu Nutze machen: Wer Milchvieh hat, benötigt viel heisses Wasser. Zum Säubern der Gerätschaften, Waschen der Euter, Reinigen der Milchbehälter. Gleichzeitig muss die frische Milch gekühlt werden. Ein Gegensatz, den man nutzen kann – mit einer Wärmepumpe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Prinzip ist einfach: Frisch gemolkene Milch hat etwa die Körpertemperatur der Kuh. Die Wärmepumpe entzieht ihr so viel Energie, dass man damit Wasser auf 92 Grad erhitzen kann. Die frisch gemolkene Milch kühlt sich dabei auf weniger als 2 Grad ab. Die Milch kühlt sich mit ihrer Wärme also fast von selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist weniger exotisch, als es klingt. Wärmepumpen lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: Luft-Wasser-, Erdwärme- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen. Alle drei Typen machen sich einen Temperaturunterschied zu Nutze, um Energie zu erzeugen. Warum also nicht die Wärme von frischer Milch nutzen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine gute Idee clever genutzt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Warme Milch sei «eine verlässliche Energiequelle. Immer, wenn gemolken wird», sagt Kumo Sharma, der Gründer des Start-Ups Arkaya, das die <a href="https://dairy-tech.uk/whats-on/arkaya-energy-wins-royal-dairy-innovation-award-at-dairy-tech/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">preisgekrönte</a> Milch-Wärmepumpe vertreibt. 27 der Heiz-Kühl-Anlagen hat Arkaya seit 2024 in Grossbritannien verkauft, bis Ende des Jahres sollen laut dem <a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/17/milk-source-heat-pump-barbers-cheesemakers" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Guardian»</a> 34 weitere hinzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Anlage kostet ab <a href="https://www.fwi.co.uk/livestock/dairy/how-milk-source-heat-pumps-have-slashed-dairys-energy-bills?fw_source=home_latestnews" target="_blank" rel="noreferrer noopener">25’000 Pfund</a> (27’500 Franken). Derzeit arbeitet das Start-Up daran, noch mehr Milchbauern in Grossbritannien zu überzeugen. Mittelfristig will man nach Irland und in die EU expandieren. Und vielleicht irgendwann in die umfangreiche Milchindustrie der USA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wärme aus dem Kuhstall nutzbar zu machen, ist dabei <a href="https://www.agrarheute.com/tier/rind/tipp-milch-heizen-gleichzeitig-strom-sparen-556133" target="_blank" rel="noreferrer noopener">keine neue Idee</a>. Aber ein sehr cleverer Einfall für eine Käserei, weil die verschiedenen Bedürfnisse so nahe beieinander liegen. Barber’s nutzte schon vor dem Austausch eine moderne Wärmerückgewinnungsanlage, die Wasser mit der Abwärme der Milch vorwärmte und die Milch kühlte. Die Anlage benötigte aber einen zusätzlichen Heizkessel. 2024 installierte Barber’s die erste Wärmepumpe. Drei der sieben Melkstände des Barber-Betriebs sind derzeit damit ausgestattet.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Grüner Cheddar-Cheese und niedrige Energiekosten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Damit spare die Barber-Familie rund 70’000 Pfund (77’000 Franken) im Jahr, sagt Alfie Barber, der in siebter Generation in der Käserei arbeitet. Dieses Jahr könnten es wegen der hohen Energiepreise sogar mehr sein, erklärt er gegenüber <a href="https://www.canarymedia.com/articles/heat-pumps/worlds-oldest-cheddar-maker-heat-pumps" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Canary Media»</a>. Bereits nach zwei Jahren habe sich eine Anlage amortisiert – das sei sehr rasch. Der Traditions-Cheddar aus Südwest-England wird damit sogar grüner: Der Betrieb spare 66 Tonnen CO<sub>2 </sub>pro Jahr ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Es funktioniert, verdammt!», sagt Alfies Vater und Betriebsleiter Chris Barber. «Ein wunderbares Gefühl … wenn wir Energie sparen, Kosten senken und unseren CO₂-Fußabdruck verringern können.» Man sei auf eine Zukunftstechnologie gestossen. Bis 2028 will der Betrieb alle Melkstände mit Wärmepumpen ausrüsten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Arkaya-Anlage genau arbeitet, bleibt ein Geheimnis. Details will Sharma gegenüber dem «Guardian» nicht nennen. Welches Kühlmittel die innovative Wärmepumpe verwendet, möchte er ebenfalls nicht preisgeben. Bilder auf der Website von Barber’s zeigen eine Ansammlung von Boilern und Leitungen, die jeder kennt, der eine Wärmepumpe zu Hause hat. <br><a href="https://www.fwi.co.uk/livestock/dairy/how-milk-source-heat-pumps-have-slashed-dairys-energy-bills?fw_source=home_latestnews">«Farmer’s Weekly»</a> hat mehr Zahlen zur Wirtschaftlichkeit. Auf der Website von Arkaya gibt es Diagramme über Barber’s Energiekosten-Ersparnis und ein kurzes Video mit einem <a href="https://www.arkaya.co.uk/barbers-cheese-case-study" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rundum-Blick über den Betriebsraum</a>.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/37c45ee82c7c4e1abe9d0ffbd62112b1" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>Israel mordet und mordet. Die Welt weiss es und schaut zu</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/israel-mordet-und-mordet-die-welt-weiss-es-und-schaut-zu/</link>
					<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 08:17:49 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=730749</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Zerstoerung-im-jaball-Lager-23.-Januar-2025-thenews2-e1790247345519-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Zerstörung im jaball-Lager 23. Januar 2025 thenews2" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Zerstoerung-im-jaball-Lager-23.-Januar-2025-thenews2-e1790247345519-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Zerstoerung-im-jaball-Lager-23.-Januar-2025-thenews2-e1790247345519-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Zerstoerung-im-jaball-Lager-23.-Januar-2025-thenews2-e1790247345519-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Zerstoerung-im-jaball-Lager-23.-Januar-2025-thenews2-e1790247345519.jpg 1500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Journalist und Nahostkenner Chris Hedges beschreibt Freunde und Feinde von Palästina schonungslos, scharfsinnig und mit Vehemenz. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die Botschaft, die der Völkermord in Gaza an den Rest der Welt sende, sei «unmissverständlich», erklärt Chris Hedges. Es sei <a href="https://www.buchhaus.ch/de/buecher/fachbuecher/geschichte/politik/detail/ISBN-9783853715581/Hedges-Chris/Eine-angek%C3%BCndigte-Katastrophe?CSPCHD=005000000000695rAqqfOqjz7Wn3h80KXHLzOUWPiy4Na7xI7i" target="_blank" rel="noopener">«eine angekündigte Katastrophe»</a> – so der Titel seines neuen Buches.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Reportagen sind im Rahmen einer «<a href="https://globalbridge.ch/die-gewaltsame-neuordnung-des-vorderen-orients/" target="_blank" rel="noopener">gewaltsamen Neuordnung</a>» im Nahen und Mittleren Osten zu verstehen. Die Toten, die Verwüstung, das Unrecht, das den Palästinensern angetan wird, sind im Libanon, Syrien, Jemen, Iran bereits Realität. Diese Entwicklung <a href="https://globalbridge.ch/a-moon-will-rise-from-the-darkness-ein-mond-wird-aus-meiner-dunkelheit-aufsteigen/" target="_blank" rel="noopener">verantworten</a> Israel und seine von den USA geführten Partner. </p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Chris Hedges: Eine angekündigte Katastrophe</h2>


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<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="567" height="802" id="media-license-image-730309" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Buchcover-Hedges.png" alt="Buchcover Hedges" class="wp-image-730309" style="width:120px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Buchcover-Hedges.png 567w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Buchcover-Hedges-212x300.png 212w" sizes="auto, (max-width: 567px) 100vw, 567px" /></figure>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Reportagen aus der Zeit zwischen 1980 und 2000 sowie aktuelle Berichte aus dem Westjordanland und über Palästinenser, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, hat «Seven Stories Press», New York, im Februar 2026 unter dem Titel «Genocide Foretold» veröffentlicht («Der angekündigte Völkermord»). Der Wiener Promedia Verlag hat das Buch unter dem Titel «Eine angekündigte Katastrophe» veröffentlicht. Die meisten der zitierten Zeitzeugen aus Palästina sind unterdessen bei israelischen Angriffen getötet worden.<br>Chris Hedges, Promedia Verlag Wien, 2026, 200 Seiten, <a href="https://mediashop.at/buecher/eine-angekuendigte-katastrophe/" target="_blank" rel="noopener">23.00 Euro</a> oder <a href="https://www.buchhaus.ch/de/buecher/fachbuecher/geschichte/politik/detail/ISBN-9783853715581/Hedges-Chris/Eine-angek%C3%BCndigte-Katastrophe?CSPCHD=000000000000695rAqqfOqYXL0OfGvxI0CzJpDQsWaldWxq7pU" target="_blank" rel="noopener">31.90 CHF</a>. Überleben und Widerstand, Reportagen aus dem besetzten Palästina. In seinem Buch gibt er zahlreichen dieser Zeugen eine Stimme.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Israels Einreiseverbot</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">«Liebes Kind, es ist nach Mitternacht. Ich fliege mit einer Geschwindigkeit von Hunderten Meilen pro Stunde durch die Nacht. Tausende Meter über dem Atlantischen Ozean. Ich reise nach Ägypten. Ich will dort zur Grenze nach Gaza, bei Rafah. Wegen Dir.»Diesen «<a href="https://globalbridge.ch/brief-an-die-kinder-in-gaza/" target="_blank" rel="noopener">Brief an die Kinder in Gaza</a>» hatte Christ Hedges am 9. November 2023 geschrieben. Doch wie alle ausländischen Journalisten erhielt er von den israelischen Behörden seit dem 7. Oktober 2023 keine Erlaubnis mehr, in den Gaza-Streifen einzureisen. Der Gaza-Streifen war komplett abgeriegelt und wurde 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche bombardiert. Journalisten waren aus vielen Teilen der Welt gekommen, um an dem Grenzübergang Rafah gegen ihre Aussperrung zu protestieren. Vergeblich, bis heute dürfen ausländische Journalisten nur «eingebettet mit der Israelischen Armee» dorthin fahren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Chris Hedges kennt den Gaza-Streifen vermutlich besser als jeder israelische Soldat, der dorthin geht, um zu töten. Sieben Jahre lebte er in dem Küstenstreifen und im Westjordanland in den 1990iger-Jahren. Er berichtete über die erste Intifada (1987 – 1993).&nbsp;&nbsp;2000 kehrte Hedges in den Gaza-Streifen zurück und berichtete aus dem Flüchtlingslager Khan Younis und dem angrenzenden Lager Mawasi über die Zweite Intifada (2000-2005).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chris Hedges ist ein grossartiger Reporter. Er ist vor Ort, er spricht die Sprache der Menschen, denen er begegnet. Er begleitet sie, er lebt in ihrer Nachbarschaft, er lässt sie in seinen Reportagen zu Wort kommen. Hedges hat Prinzipien, die ihm im Laufe seiner Arbeit immer wieder Probleme bereiteten und von denen er nie abliess. Er ordnet sich nicht der Militärzensur unter, er lehnt «embedded journalism» ab, den in eine Armee «eingebetteten» oder «integrierten» Journalisten-Pool. Dieses Instrument hatte die US-Armee im Irak 1991 eingeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinem Vorwort fasst Hedges das Geschehen nach dem 7. Oktober 2023 in knappen Worten zusammen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Zunächst ging es um Israels Recht, sich zu verteidigen. Dann folgte ein Krieg, in dem laut Israels eigener militärischer Geheimdienstdatenbank 83 Prozent der Opfer Zivilisten waren. Die 2,3 Millionen Palästinenser im Gaza-Streifen, die unter einer israelischen Luft-, Land- und Seeblockade leben, besitzen keine Armee, keine Luftwaffe, keine motorisierten Truppenverbände, keine Panzer, keine Marine, keine Raketen, keine schwere Artillerie, keine Flotten tödlicher Drohnen, keine hoch entwickelten Ortungs- und Überwachungssysteme, die sämtliche Bewegungen erfassen, und keinen Verbündeten wie die Vereinigten Staaten, die Israel seit dem 7. Oktober 2023 mindestens 21,7 Milliarden Dollar an Militärhilfe gewährt haben.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Million Menschen soll arm bleiben</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hedges verweist auf das Kräfteverhältnis, mit dem Israel, die USA und deren Bündnispartner vor den Augen der Welt neue Massstäbe gesetzt haben. Die Welt soll sich an diese gewöhnen. Die Botschaft an den Rest der Welt, in der «mehr als eine Milliarde Menschen von weniger als einem US-Dollar leben – der international markierten Armutsgrenze –, ist unmissverständlich», schreibt Chris Hedges: «Wir besitzen alles, und wenn ihr versucht, es uns wegzunehmen, werden wir euch töten.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die neue Weltordnung werde «aussehen wie Gaza», schreibt der Autor. «Riesige Lager, Hunger, Zerstörung der Infrastruktur und der Zivilgesellschaft. Massenmord, umfassende Überwachung, Hinrichtungen, Folter einschliesslich Schläge, Elektroschocks, <a href="https://www.amnesty.de/journal/2015/april/foltern-dienstanweisung" target="_blank" rel="noopener">Waterboarding</a>, Vergewaltigung, öffentliche Demütigung [&#8230;]». </p>



<p class="wp-block-paragraph">Imperien würden immer dann zum Instrument des Völkermordes greifen, wenn sie sich bedroht fühlten. Hedges erinnert an einige der Massaker, die europäische Kolonialmächte weltweit verübten, um ihre Herrschaft und ihren Reichtum zu wahren. «Fragen Sie die amerikanischen Ureinwohner, fragen Sie die Herero und Nama, fragen Sie die Armenier, fragen Sie die Überlebenden von Hiroshima oder Nagasaki. Fragen Sie die Inder, die die Hungersnot in (British-Indisch) Bengalen überlebt haben, oder die Kikuyu, die sich in Kenia gegen ihre britischen Kolonialherren auflehnten.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit mehr als hundert Jahren gönnen die ehemaligen imperialen Kolonialmächte aus Europa, das 1948 gegründete Israel sowie seine Partnerländer den Palästinensern nichts. Nicht ihr Land, nicht ihre Geschichte, nicht ihr Meer, nicht den Himmel, der sich vom östlichen Mittelmeer weit über das Land Palästina erstreckt. Sie gönnen den Palästinensern nicht ihren Staat, nicht einmal Flüchtlingslager, in die sie vertrieben wurden. Sie gönnen ihnen nicht ihre Familien, nicht ihre Kinder, nicht ihre Erinnerung, nicht ihr Leben und nicht einmal ihre Friedhöfe sollen Bestand haben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine angekündigte Katastrophe</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">2024 konnte Hedges über Jordanien nach Ramallah in das Westjordanland reisen. In der Reportage «Das alte Übel» (Kapitel 1) beschreibt er die Machtverhältnisse in einem Land, das militärisch kontrolliert, von Siedlerbanden verdrängt und von einer hohen Mauer durchtrennt wird. Ein junger Mann fährt ihn mit seinem alten Mercedes durch dieses Land. Der Mann hat seine Arbeit nach dem 7. Oktober 2023 verloren. Er weiss nicht, wie er Frau und die vier Kinder, geschweige denn weitere Angehörige versorgen soll. Hedges notiert in knappen Sätzen, was dieser Mann zu sagen hat: «Die Menschen sind verzweifelt. Immer mehr hungern.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hedges besucht in Ramallah den Schriftsteller Atef Abu Saif, einen alten Freund. Der sass mit seinem Sohn nach dem 7. Oktober 2023 im Gaza-Streifen fest, wo sie Angehörige besucht hatten. Es dauerte Monate, bis Abu Saif über Ägypten nach Jordanien und von dort zurück nach Ramallah reisen konnte. Über diese Zeit schrieb er das Buch «<a href="https://edition8.ch/buch/schau-nicht-nach-links" target="_blank" rel="noopener">Schau nicht nach links: Tagebuch eines Völkermords</a>».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Auszüge aus dem Buch in renommierten US-Zeitungen wie der&nbsp;«New York Times»&nbsp;und&nbsp;«Washington Post»&nbsp;erschienen, könnte darauf zurückzuführen sein, dass Abu Saif einmal Kulturminister in der palästinensischen Autonomiebehörde war. Doch die Welt schaute weg. Der Schriftsteller sagte zu Chris Hedges: «Ich lebe immer noch in Gaza». Sein Sohn sehe immer noch Leichen, sagte er. Er selber schlafe auf einer Matratze auf dem Boden, wie in dem Zelt in Gaza, wo er und sein Sohn lebten. Nachts liege er wach und denke «an diejenigen, die wir zurückgelassen haben und die auf den plötzlichen Tod warten».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schreiben und Fotografieren in Kriegszeiten seien «Akte des Widerstandes», so Hedges über seinen Freund Abu Saif. Sie dokumentierten nicht nur Fakten, sondern auch «die Struktur und Heiligkeit der verlorenen Leben und Gemeinschaften, und die Trauer um sie». Sie zeigen der Welt, «wie sich Krieg anfühlt». Deshalb würden Schriftsteller, Fotografen und Journalisten von den Aggressoren im Krieg – auch von den Israelis – gezielt ausgelöscht. «Sie sind Zeugen des Bösen», so Hedges.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Wenn ich sterben muss»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Dichter <a href="https://wearenotnumbers.org/if-i-must-die-by-refaat-alareer/" target="_blank" rel="noopener">Rifaat Alareer</a>, Professor an der Islamischen Universität Gaza, hatte einen Monat vor seinem gewaltsamen Tod ein Gedicht für seinen Sohn geschrieben hatte. Unter dem Titel «If I must die» («Wenn ich sterben muss») wurde das Gedicht weltweit bekannt und sozusagen zu seinem Vermächtnis. Alareer wurde am 8. Dezember 2023 bei einem israelischen Luftangriff getötet. Das Gedicht wurde in 80 Sprachen übersetzt – und doch scheint es niemand in Israel oder in den Regierungsgebäuden derjenigen, die Israel weiter bewaffnen, gelesen oder gar verstanden zu haben. Auch nicht in Deutschland, einst «Land der Denker und Dichter». </p>



<p class="wp-block-paragraph">Hedges nimmt seine Leser mit bei seiner Fahrt und seinen Beobachtungen durch das besetzte, von Armee und Siedlern drangsalierte Westjordanland. Und vielleicht verwundert, wie auch der Autor, mag der Leser schliesslich feststellen, dass die Palästinenser trotz allem Rassismus, aller Zerstörungswut, aller Gewalt, die ihnen täglich entgegenschlägt, standhalten: «Sie weigern sich, sich zu unterwerfen», schreibt Hedges. «Sie leisten Widerstand trotz der Übermacht und schöpfen aus einem bodenlosen Brunnen der Verzweiflung noch die kleinsten Funken Hoffnung. Es gibt ein Wort dafür: heldenhaft.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Text über den «angekündigten Völkermord» geht Hedges weit in die Geschichte zurück. Er erklärt, was Israel in Gaza angetan habe, sei angekündigt worden: die Enteignung des palästinensischen Landes oder die ethnische Säuberung, die sich zwischen 1948 und 1967 vollzog. Er schreibt über Dr. Abdel Aziz Al-Rantisi und Scheich Ahmed Ismail Hassan Yassin, die die Hamas gründeten. Al-Rantisi war ein angesehener, in Alexandria ausgebildeter Kinderarzt, Hedges kannte die Familie. Und so beschreibt er dessen Werdegang, der wenig mit dem «dämonisierten Bild der Hamas» zu tun hat, das in den Medien heute verbreitet wird.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Autonomiebehörde auf der Seite Israels</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hedges beschreibt&nbsp;die politischen Versuche der Palästinenser, sich zu einen und zu stärken und wie diese Mühen immer wieder von Angriffen der Israelis, Festnahmen, Verwüstungen zerstört werden. Die Hamas habe – anders als meist dargestellt – die Unterstützung einer Mehrheit der Palästinenser, nicht nur im Gaza-Streifen. Die Palästinensische Autonomiebehörde gelte nicht nur im Gaza-Streifen als Kollaborateur mit der israelischen Besatzungsmacht. Denn sie habe es nicht geschafft, die Menschen vor Verhaftungen, der Zerstörung ihrer Häuser, dem Tod ihrer Angehörigen gegen Israel zu schützen. Dafür wird sie von der EU und anderen bezahlt, die die Autonomiebehörde so zu «Reformen» drängt. Was so viel heisst: Kooperation mit Israel gegen die Hamas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So werden viele zornige junge Palästinenser herangezogen, die von Israel nichts als Gewalt, Gefangennahme, Tod und Zerstörung kennengelernt haben. Die Jugendlichen würden Israel hassen, weil Israel sie hasse, so Hedges. «Jedes Schulkind, dem Böses angetan wird, tut wieder Böses.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Niemand ist gegen den Durst der Rache immun»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum besseren Verstehen erinnert Hedges an <a href="https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/oral-history/chaim-engel-describes-his-role-in-the-sobibor-uprising" target="_blank" rel="noopener">Chaim Engel,</a> der am Aufstand im Nazi-Vernichtungslager Sobibor in Polen teilnahm. Er beschrieb, wie er im Lager einen deutschen Wachmann mit einem Messer angriff und tötete. Bei jedem Stich sagte er: «Das ist für meinen Vater, das ist für meine Mutter, das ist für alle diese Menschen, diese Juden, die Ihr getötet habt.» Was Engel dem Wachmann angetan habe, sei nicht weniger grausam gewesen als das, was die Hamas und andere Widerstandskämpfer im Oktober 2023 den Israelis antaten», so Hedges, «nachdem sie aus ihrem eigenen Gefängnis geflohen waren». </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne einen Zusammenhang herzustellen, ohne den Kontext zu kennen oder zu nennen, sei so ein Vorgehen «nicht zu verstehen». Man müsse den Hintergrund von 17 Jahren Gefängnis in Betracht ziehen. Man müsse den Kontext verstehen, um den Kreislauf von Gewalt zu durchbrechen, so Hedges. Niemand sei «gegen den Durst nach Rache immun».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem 7. Oktober 2023 reagierte Israel mit Rache. Die Tausenden von Toten auf palästinensischer Seite, darunter mindestens 20’000 Kinder, die massive Zerstörung wird bei der nächsten palästinensischen Generation wiederum Rache hervorbringen. Dieses Mal allerdings betrifft der Krieg nicht nur Palästina, sondern Libanon, Syrien, Iran, Jemen – eine ganze Region wird sich eines Tages gegen Israel und seine Partner wenden. Schon heute wird Israel von den arabischen Staaten als das Land beschrieben, das die gesamte Region destabilisiere.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Lobby</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hedges beschreibt detailreich, wie die israelische Regierung über das Ministerium für strategische Angelegenheiten die Öffentlichkeit in den USA beeinflusst. Er berichtet über eine verdeckte Recherche des katarischen Nachrichtensenders Al Jazeera mit dem Titel «Die Lobby – USA»: Ein Student, der sich als pro-israelisch ausgibt, dokumentiert mit versteckter Kamera, wie die israelische Regierung und der Geheimdienst Organisationen der Israel-Lobby in den USA benutzen, um Akademiker, Studierende, Journalisten oder Abgeordnete auszuspähen, welche beispielsweise Boykott, Desinvestition, Sanktionen oder die BDS–Kampagne unterstützen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders aktive Organisationen in den USA sind demnach&nbsp;AIPAC,&nbsp;StandWithUs&nbsp;und&nbsp;The Israel Project. Sie versuchen ausgespähte Personen öffentlich zu diffamieren, ihre Ehen, Beziehungen oder auch berufliche Karrieren zu zerstören. Abgeordnete im Kongress erhalten Einladungen in israelische Badeorte und Geldgeschenke, um pro-israelische Anträge im Kongress – beispielsweise für neue Waffenlieferungen – zu befördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Druck Israels wurde damals die Ausstrahlung der vierteiligen Serie von Al Jazeera gestoppt. Allerdings wurden vorab erhaltene Kopien von Electronic Intifada, Orient XX1 (Frankreich) und von der libanesischen Zeitung Al Akhbar im Internet <a href="https://youtu.be/3lSjXhMUVKE" target="_blank" rel="noopener">veröffentlicht</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es folgte eine ähnliche Al Jazeera-Recherche über die&nbsp;<a href="https://www.ajiunit.com/investigation/the-lobby/">Lobby in Grossbritannien</a>. Ziel war auch hier, die BDS-Kampagne zu diffamieren und den Labour-Politiker Jeremy Corbyn zu stürzen. Die einzelnen Episoden und Serien können über die angegebenen Links angesehen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Auslandspionage, die Einflussnahme auf Medien und Politik und Cyber-Aktivitäten zugunsten Israels ist das israelische Ministerium für strategische Angelegenheiten zuständig. Es kooperiert mit israelischen Geheimdiensten und israelischen Botschaften in den betroffenen Ländern.&nbsp;Aktivisten, die in diesem Sinne tätig werden, werden meist auch finanziert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Engagement lief nach dem 7. Oktober 2023 zur Höchstform auf, israelische Fahnen wurden selbst auf den Marktplätzen und vor Rathäusern deutscher Städte gehisst. Die israelische Armee vernichtete derweil die Menschen in Gaza und ihre Lebensgrundlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Buch von Chris Hedges bezieht sich in vielem auch auf die Ereignisse in den USA: die Verfolgung von Studierenden und Lehrpersonal, die Kriminalisierung der Solidaritätsbewegung, die Verbote von Protestcamps auf dem Campus der Columbia Universität New York, wo Hedges sich mit Aktivisten traf und immer wieder mit ihnen sprach. Er durchleuchtet die Vorgänge im Kongress, in Medien, die sich mehrheitlich dem Druck aus Israel beugten. Die USA sind der grösste Waffenlieferant an Israel, Protest und Widerstand gegen die Unterstützung des Völkermordes in Gaza waren dort besonders stark.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Deutschland liefert Waffen und Aufklärung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Deutschland allerdings steht nicht weit hinter den USA zurück und reagiert – wie die USA – mit massiver Kriminalisierung. Die Bundesregierung rückt immer enger an Israel und auch an die rechte Netanyahu-Regierung heran und hat während des Völkermordes in Gaza – bis auf eine kurze Frist – weiter Waffen und Aufklärung geliefert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deutsche Minister reisen häufig nach Israel und vereinbaren kulturelle und bildungspolitische Zusammenarbeit. Sie kaufen israelische «Verteidigungstechnologie», die in Gaza und im Westjordanland getestet und offenbar für gut befunden wurde. Sie vereinbaren gemeinsame Trainingsprogramme im militärischen und polizeilichen Bereich, israelische Drohnen-, Rüstungs- und Überwachungstechnologie bekommt ein festes Zuhause in Deutschland und soll in ausgemusterten Werken der deutschen Automobilindustrie (VW) angesiedelt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese, die von Hedges auch jenseits seines Buches zitiert und interviewt wird, hat aufgrund ihrer Recherchen wiederholt auf die Verantwortung der Bundesregierung, von Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstitutionen hingewiesen, die eng mit der israelischen Armee <a href="https://www.academicsforjustice.com/report/aug_02_2026" target="_blank" rel="noopener">kooperieren.</a> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Hedges den «Brief an die Kinder in Gaza» verfasste, stand der Gaza-Streifen in Flammen. Ganze Familien wurden ausgelöscht, ihre Familienhäuser wurden über den Köpfen der Menschen zerbombt. Die israelische Armee verteidigte sich nicht, sie nahm Rache. «Wir haben Euch im Stich gelassen», heisst es am Ende des <a href="https://globalbridge.ch/brief-an-die-kinder-in-gaza/" target="_blank" rel="noopener">Briefes</a> an die Kinder in Gaza, den Chris Hedges am 9. November 2023 geschrieben hatte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Brief ist der abschliessende Text im Buch.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">_________________<br><em>Dies ist eine leicht gekürzte Buchbesprechung, die Karin Leukefeld zuerst bei <a href="https://globalbridge.ch/israel-mordet-und-mordet-und-mordet-die-welt-weiss-es/" target="_blank" rel="noopener">Globalbridge</a> veröffentlichte. Zwischentitel von der Redaktion.</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Karin Leukefeld ist freie Journalistin und Buchautorin. Sie berichtet aus Ländern des Mittleren Ostens. Ihre Reportagen für verschiedene Medien sind auch auf ihrer <a href="https://leukefeld.net/?page_id=11" target="_blank" rel="noopener">Webseite</a> zu finden.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Tiktok statt Volkspartei</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/tiktok-statt-volkspartei/</link>
					<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 08:12:37 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/14267236-scaled-e1790878753885-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="State election in Saxony-Anhalt" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/14267236-scaled-e1790878753885-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/14267236-scaled-e1790878753885-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/14267236-scaled-e1790878753885-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/14267236-scaled-e1790878753885-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/14267236-scaled-e1790878753885-2048x1228.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Was Linke und AfD in Deutschland verbindet: junge Wähler, Zukunftsängste und eine starke Präsenz in den Social Media.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Während CDU/CSU und SPD die deutsche Politik über Jahrzehnte dominierten, gewinnen mit der rechtsgerichteten AfD und der Linkspartei zwei Kräfte an den politischen Polen an Gewicht<strong>.</strong> Das illustriert, dass die am weitesten rechts Stehende der deutschen Parteien bei den Landtagswahlen in den ostdeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin zwischen 30 und 40 Prozent der Wählerinnen und Wähler gewonnen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Wahlkampf mag reaktionäre Werte in den Vordergrund stellen, bei der Mobilisierung von Wählerinnen und Wählern setzt sie jedoch auf modernste digitale Technik. «Gut gemacht!», kommentierte Tech-Mogul Elon Musk auf seiner Onlineplattform den Wahlsieg der AfD.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rechte Parteien profitieren von den digitalen Medien</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Potsdamer Social Monitor der Universität Potsdam hat vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt öffentliche Daten von politischen Tiktok-Profilen ausgewertet. <a href="https://www.uni-potsdam.de/de/nachrichten/detail/2026-09-01-wer-im-wahlkampf-auf-social-media-gesehen-wird-potsdam-social-media-monitor-wertet-oeffentliche-daten-politischer-tiktok-profile-aus" target="_blank" rel="noopener">Knapp 65 Prozent</a> aller Aufrufe im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt entfielen auf ein einziges Konto: das von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Die Landtagswahlen vom September 2026 bestätigen den Trend, den der Potsdamer Social Monitor festhält: Wer jung ist, nutzt überproportional häufig Social Media – 74 Prozent der 16- bis 27-Jährigen nehmen politische Informationen über Social Media auf. Und da ist die AfD ganz vorne dabei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schlagermusik im Dienst der AfD</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Recherchen von <a href="https://netzpolitik.org/2025/studien-zu-algorithmen-tiktok-und-x-pushen-rechte-parteien/" target="_blank" rel="noopener">netzpolitik.org</a> zeigen, dass die rechtsradikale AfD von den Algorithmen bei Tiktok und X überproportional profitiert. Elon Musk selbst hat X benutzt, um die AfD in Deutschland hochzujubeln. Und Youtube wird von propagandistischen Songs geflutet, die im Stil von deutschen Schlagern gestrickt sind. «Schlagerkeller» etwa versieht Bundeskanzler Merz gerne mit Pinocchio-Nase und stellt Parteiführerin Alice Weidel als Lichtgestalt daneben. Mit KI-Programmen wie Suno lassen sich zu allen täglichen politischen Ereignissen in Sekundenschnelle solche propagandistischen Stücke kreieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Parteien an den Rändern legen zu</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die rechtspopulistische AfD sich bei den digitalen Medien profiliert, ist kein Widerspruch. Für den Umgang mit Social Media braucht es keine tiefgründigen Kenntnisse im Umgang mit digitalen Medien. Mit wenigen Klicks auf dem Netz ist man dabei. Auch sind die Diskurse auf Social Media nicht intellektuell geprägt. Es geht eher um emotionale Stimmungen, die über Bild und Text vermittelt werden. Kritik gegen die Regierung und die herrschenden Eliten ist hier meist der Tenor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Landtagswahlen in diesem Herbst haben statistisch belegt, dass die alten Volksparteien SPD und CDU/CSU bei den Jungen von neuen Bewerbern wie der AfD (in Berlin gar von der Linken) abgelöst werden. Die Angst vor einer Deindustrialisierung Deutschlands mit Krisen wie in der Autoindustrie wird im Netz plastisch vor Augen gestellt. So wählten in Sachsen-Anhalt 41 Prozent der 18- bis 24-Jährigen AfD (gemäss einer <a href="https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/wahlverhalten-landtagswahl-sachsen-anhalt-2026-102.html" target="_blank" rel="noopener">Wahltagsbefragung</a> von Infratest dimap). Umgekehrt dagegen in Berlin, wo die AfD bei den 16- bis 24-Jährigen nach Forschungsgruppe Wahlen <a href="https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/wahl-berlin-2026-alle-ergebnisse-grafiken-102.html" target="_blank" rel="noopener">nur 12 Prozent holte</a>, während die Linke 46 Prozent erreichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es muss also nicht zwingend die Rechte sein, welche von den Jungen profitiert. Generell sind es die Parteien an den Rändern, die bei den jungen Wählern vorne liegen – weil sie im Netz am präsentesten sind. Während in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern die AfD von Abstiegsängsten und Deindustrialisierung profitiert, zieht in Berlin die Linke mit Themen wie Wohnungsnot und Mieterschutz die Studierenden an. Ob links oder rechts: Die Botschaft der Jugend ist dieselbe – so wie bisher kann es nicht weitergehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der gesellschaftliche Wandel als Folge der Digitalisierung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Für jüngere Menschen sind die Kontakte auf Social Media für ihr politisches Verhalten zentral geworden. Dort lernt man Leute kennen und holt sich Informationen. So ist das Netz zu einem meinungsbildenden Medium geworden. Parteien wie die AfD, die meinungsstark in den Social Media sind, ersetzen immer häufiger die alten gesellschaftlichen Netze und finden die Wählerinnen und Wähler direkt auf den digitalen Netzwerken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies zeigt aber auch, wie die alten Volksparteien ihre traditionellen Bindungen verlieren. Sie waren bis zum Beginn dieses Jahrhunderts eng mit ihren gesellschaftlichen Milieus verflochten. So konnte sich die Sozialdemokratie auf Gewerkschaften, Arbeitervereine und lokale Organisationen zur Rekrutierung von Mitgliedern verlassen. Ähnlich waren CDU/CSU mit Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und religiös motivierten Vereinen verbunden. Diese langfristig angelegten Beziehungen haben sich in den letzten Jahren verbraucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die traditionellen Parteien im Panikmodus</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Panik, welche die bisher tragenden Parteien der Mitte erfasst hat, ist aus diesen Gründen verständlich. Es wird nicht ausreichen, mit den alten Mitteln der Politik weiterzukutschieren. Die Präsenz der AfD und der Linken im Netz und die Wahlerfolge dieser Parteien müssen als Alarmglocke gesehen werden. Es wird nicht genügen, an den versprochenen Reformen im Wesentlichen festzuhalten, hier und da nachzubessern und dann fortzufahren wie bisher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Wahlen in den grossen Bundesländern und die Wahl von 2029 in den Bundestag stehen bald vor der Tür. Die bisherigen Mehrheitsparteien müssen jetzt rasch Wege finden, um sich zu konsolidieren und neue Wähler zu mobilisieren bzw. alte zurückzuholen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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							<item>
					<title>Dolly Parton war kinderfrei glücklich</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/dolly-parton-war-kinderfrei-gluecklich/</link>
					<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 08:11:59 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Dolly-Parton-e1790413379359-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Dolly Parton" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Dolly-Parton-e1790413379359-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Dolly-Parton-e1790413379359-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Dolly-Parton-e1790413379359-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Dolly-Parton-e1790413379359.png 1077w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die verstorbene US-Sängerin Dolly Parton wollte keine Kinder. Dieser Entscheid habe ihr eine erfolgreiche Karriere erlaubt.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Dolly Parton war 59 Jahre lang mit Carl Dean verheiratet. «Als junges Paar denkt man natürlich, man wird Kinder haben, aber für mich war das einfach keine dringende Angelegenheit. Ich hatte meine Karriere, meine Musik und war auf Reisen», sagte die damals 77-Jährige Anfang 2024 dem Magazin <a href="https://www.saga.co.uk/magazine/entertainment/dolly-parton-if-something-is-bagging-or-sagging-or-dragging-ill-tuck-it-suck-it-or-pluck-it" target="_blank" rel="noopener">«Saga»</a>. Sie habe festgestellt, dass sie Kinder nicht vermisse. Hinzu kam eine Endometriose, die es dem Paar zusätzlich erschwert hätte, Kinder zu zeugen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Ich konnte frei arbeiten»<br></strong>Die beiden beschlossen, auf Kinder zu verzichten. Das war für ihre Generation aussergewöhnlich und sorgt bis heute bei Frauen ohne Kinder für Nachfragen, wie die US-Erfolgsautorin Rebecca Solnit in ihrem Essay «Die Mutter aller Fragen» beschrieb. Auch Dolly Parton wurde oft auf ihre Kinderfreiheit angesprochen. In einem Interview mit der US-Talkmasterin Oprah Winfrey&nbsp;erklärte der Country-Star im Jahr 2020, dass die kinderfreie Ehe es ihr ermöglicht habe, eine erfolgreiche Karriere zu machen. «Da ich keine Kinder hatte und mein Mann ziemlich unabhängig war, hatte ich Freiheit. Ein Grund für einen grossen Teil meines Erfolgs ist also, dass ich frei arbeiten konnte.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Entscheidung nie bereut</strong><br>Den Entschluss, keine eigenen Kinder zu bekommen, hat die Musikerin nie bereut. Ihre Patentocher, die Sängerin Miley Cyrus, sei so etwas wie eine eigene Tochter geworden, sagte sie. Und sie engagierte sich ihr ganzes Leben lang auf andere Weise für Kinder. 1988 gründete Dolly Parton die «Dollywood Foundation», um Kinder schulisch zu fördern. Und seit 1995 schickt ihre Stiftung «The Imagination Library» auf Anfrage Kleinkindern monatlich kostenlos ein Buch, um die Lesekompetenz zu fördern. Mittlerweile ist die Stiftung weltweit im englischsprachigen Raum tätig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Freiwillige Kinderfreiheit normalisiert<br></strong>Mit ihrem klaren Bekenntnis gegen eigene Kinder hat Weltstar Dolly Parton eine Lanze für alle Frauen gebrochen, die kinderfrei bleiben wollen. Parton habe gezeigt, dass biologische Elternschaft nicht der einzige Weg sei, um in Kinder zu investieren, schrieb Reporterin Ashley Fetters Maloy in der <a href="https://www.washingtonpost.com/style/2026/08/26/why-it-matters-that-dolly-parton-wasnt-mother/" target="_blank" rel="noopener">«Washington Post»</a> (Bezahlschranke). «Aber was noch wichtiger ist, sie war der Beweis dafür, dass eine Person sich für Kinder engagieren kann, während sie sich persönlich gegen Elternschaft entscheidet. Dolly Parton hat gezeigt, dass freiwillige Kinderlosigkeit nicht per se egoistisch ist und dass Elternschaft bei weitem nicht die einzige Möglichkeit ist, in Kinder zu investieren.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Patriarchale Spaltung der Frauen überwunden<br></strong>Mit ihrer Offenheit hat Parton die patriarchale Spaltung zwischen Frauen mit und Frauen ohne Kinder überwunden. Dank ihrer Kinderfreiheit hatte sie Zeit, Energie und finanzielle Ressourcen. Sie spendete Millionen für Kinder und motivierte andere Menschen, ebenfalls ihre Geldbeutel zugunsten von Kindern zu öffnen. «Wenn ich nicht die Freiheit gehabt hätte zu arbeiten, hätte ich all diese Dinge nicht getan, die ich getan habe», sagte Parton zu Oprah Winfrey.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Die Autorin ist Redaktorin und Herausgeberin des Online-Magazins <a href="https://www.frauensicht.ch" target="_blank" rel="noopener">«FrauenSicht»</a>.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>«Daf war wohl ein biffchen fu fiel!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/daf-war-wohl-ein-biffchen-fu-fiel/</link>
					<pubDate>Sat, 03 Oct 2026 08:10:26 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-image0-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach image0" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-image0-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-image0-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-image0-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-image0-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/10/flach-image0.png 1685w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Abstimmung über die Neutralität war vielleicht Christoph Blochers letzter Kampf.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Erst die Jagd, dann die Bühne</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/erst-die-jagd-dann-die-buehne/</link>
					<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 07:15:22 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Blick-e1790802183841-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Blick-e1790802183841-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Blick-e1790802183841.jpg 760w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>1989 jagten Rechtsextreme in Zug Tamilen und überfielen eine Asylunterkunft. Ihr Anführer kam ins Fernsehen, die Justiz sah weg.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><em>Dies ist der zweite Teil des dritten Kapitels unserer Serie <a href="https://www.infosperber.ch/dossier/sommer-sonne-remigration/" target="_blank" rel="noopener">«Sommer, Sonne, Remigration»</a> über die extreme Rechte in der Schweiz und Europa, von den Achtzigerjahren bis heute. Das Kapitel erzählt in drei Teilen Aufstieg und Fall der Patriotischen Front. Einzelne Namen wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert. Fakten und Zitate stützen sich auf die Originalquellen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwyz, April 1989: Die Patriotische Front lud per Rundschreiben zum «Frühlingsfest» unter dem Motto «Politik als Volksfest», einem «Kameradschaftstreffen aller nationalistisch gesinnten Kräfte der Eidgenossenschaft». Datum für das Treffen war der 20. Mai 1989, das Verschiebedatum der 27. Mai, Auskunft gab ab es ab 7 Uhr morgens unter der Telefonnummer 041/841983. Treffpunkt, so das Schreiben, war der Bahnhof Rotkreuz. Transportmöglichkeiten zum Festplatz seien vorhanden. «Wir hoffen auf zahlreiches Erscheinen sämtlicher Kameraden!»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus den Akten des Verhöramts Zug lässt sich Folgendes rekonstruieren: Auf dem Festplatz an der Reuss in Rotkreuz standen Tische und Bänke und ein Grill. Gekommen waren rund sechzig Rechtsextreme aus Solothurn, Zürich, dem Raum Kloten/Bülach, aus Bern und dem Aargau. Unter den Teilnehmern war auch eine Gruppe aus Schaffhausen: die Nationalrevolutionäre Partei Schweiz mit dem Judomeister Erich Winkler, der beim <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/galt-die-bombe-auch-der-woz/" target="_blank" rel="noopener">Handgranatenanschlag</a> auf einen linken Winterthurer Journalisten Schmiere gestanden hatte und dafür später zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Marcel Strebel, Mitgründer und Anführer der Patriotischen Front, hielt eine Rede. Würde er in der Schweiz die Macht übernehmen, so ist es festgehalten in den Akten, «würde er alle Ausländer innert 24 Stunden des Landes verweisen», und dem holländischen Neonazi Paul Brocke gefiel das alles gar nicht, wie er später beim Verhör sagte, denn von dieser Massnahme wäre er selbst ja auch betroffen gewesen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="615" id="media-license-image-732271" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Flyer-e1790796702450-1024x615.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-732271" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Flyer-e1790796702450-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Flyer-e1790796702450-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Flyer-e1790796702450-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Flyer-e1790796702450-1536x922.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Flyer-e1790796702450.jpg 1726w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Man kam auf Einladung und ging auf eigene Rechnung: Hinweis der Patriotischen Front an die Festgäste.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jagd am Kolinplatz</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Fest war früh fertig. Jetzt folgten den Worten die Taten. Strebel rief dazu auf, noch nach Zug zu gehen, da dort etwas los sei, ein Teil der Männer folgte ihm, unterwegs griff sich Daniel Brändli, Mitglied der Patriotischen Front, in einem Garten einen Pflock, mit dem Bäume gestützt worden waren, und am Landsgemeindeplatz, dann am Chilbiplatz am See, dann am Kolinplatz jagten die neuen Fröntler Tamilen. B. G. und T. A., zwei Männer, die an diesem Samstagnachmittag in Zug unterwegs gewesen waren, wurden mit Fäusten, Fusstritten und dem Holzpflock so schwer verletzt, dass sie ins Kantonsspital eingeliefert werden mussten, ein dritter Tamile floh ins Hotel Ochsen, wurde dort von den Rechtsextremen eingeholt und zusammengeschlagen, drei weitere konnten fliehen, aber die Polizei verhaftete keinen Einzigen der Schläger und begründete das mit der «grossen Mobilität der Rechtsradikalen», aber die Gruppe, die war gar nicht so wahnsinnig mobil, wie die Polizei das darstellte, denn sie machte sich nach den Angriffen gar nicht aus dem Staub, sondern zog einfach weiter nach Cham ins Restaurant Raben, und dort haben die Männer (und eine Frau) gesoffen und die Zeche geprellt und Gläser und Flaschen geklaut und die Wirtin bedroht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neun Tage nach dem Angriff schickte die Patriotische Front, Postfach 511, 6430 Schwyz, einen vorverfassten Brief an Daniel Brändli, dessen Nachname geändert ist. Der Brief enthielt eine «Bestätigung» zur Unterschrift, darin stand, Brändli, der mit seinem Pflock an vorderster Front zugeschlagen und Menschen verletzt hatte, habe die Straftaten in Zug «aus eigener Initiative» begangen. Er sei von Exekutivratsmitgliedern «des Öfteren» aufgefordert worden, sich gesetzeskonform zu verhalten, und er gebe an, «sich nicht mehr an die Vorkommnisse erinnern» zu können, sondern «scheine in einem Alkoholtrauma gehandelt zu haben», auch bestätige er, «nie dem Exekutivrat der PF angehört zu haben», und diesen Brief, den unterschrieb der Brändli dann.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="832" height="1024" id="media-license-image-732273" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Letter-to-the-firm-832x1024.jpeg" alt="Screenshot" class="wp-image-732273" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Letter-to-the-firm-832x1024.jpeg 832w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Letter-to-the-firm-244x300.jpeg 244w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Letter-to-the-firm-768x945.jpeg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Letter-to-the-firm-1248x1536.jpeg 1248w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Letter-to-the-firm.jpeg 1266w" sizes="auto, (max-width: 832px) 100vw, 832px" /><figcaption class="wp-element-caption">Filmriss mit Briefkopf: Neun Tage nach der Jagd auf Menschen liess die Patriotische Front ihren Schläger bestätigen, er habe aus eigener Initiative gehandelt, erinnere sich an nichts und habe nie zur Führung gehört. Er unterschrieb.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erst spucken, dann diskutieren</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein paar Wochen später, am 22. August 1989, kurz vor elf Uhr abends, begrüsste «Zischtigs-Club»-Moderator Hans Räz sein Studioauditorium und kündigte das Thema an: «Raus mit den Ausländern, die Schweiz den Schweizern: Fremdenhasser machen mobil.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz vorher noch auf Menschenjagd, jetzt im Fernsehstudio: In der Eingangshalle des Schweizer Fernsehens an der Fernsehstrasse in Zürich probte an jenem Tag ein schwarzes Mannequin für eine Modeshow. Marcel Strebel, auf dem Weg zur «Club»-Aufzeichnung, trat auf die Frau zu, beschimpfte sie rassistisch, schubste sie herum und spuckte ihr ins Gesicht. Dann wurde er von SRF-Mitarbeitern ins Studio geführt und diskutierte mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;«Zuerst war er Biedermann, dann Wolf im Schafspelz», schrieb der «Tages-Anzeiger» am nächsten Morgen, weil Strebel offenbar nach seinem Angriff auf die schwarze Frau einen Moment gebraucht hatte, um wieder auf Touren zu kommen. Dann aber kam er auf Touren: Das Fernsehen, das ihn eingeladen hatte, sei kommunistisch verseucht, Fremde kämen nie als Freunde, das Schweizervolk sei wie «Kartoffeln», es öffne die Augen erst, wenn es im Dreck sitze, «Neger gehören nach Afrika und nicht nach Europa». Der Arzt und Psychoanalytiker Daniel Strassberg, ein Teilnehmer der Runde, erzählte von psychologischen Ursachen für Strebels Verhalten, aber das interessierte den nicht, die Ethnologin Andrea Knecht verstummte und Geschichtsprofessor Hans-Ulrich Jost versuchte zu argumentieren und scheiterte ebenso.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zweithöchste Quote des Jahres</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vier Tage nach der Sendung konnte Programmdirektor Peter Schellenberg in der «Samstags-Rundschau» die Frage nicht beantworten, ob Räz und die Redaktion vom Spuckvorfall in der Eingangshalle gewusst hatten, und Räz selbst hielt fest, das «Schweizer Fernsehen» habe zeigen wollen, wie Strebel funktioniere. «Strebel müsste man fast nach jedem Satz widersprechen, was ein Gespräch unmöglich macht», sagte er im «Tages-Anzeiger», was Räz aber eigentlich egal sein konnte, denn die Sendung hatte die zweithöchste Einschaltquote des Clubs in jenem Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Strebel und die Schlagzeilen: «Marcel Strebel, Gersau: Das ist der Mann, der alle Ausländer hasst», titelte der «Blick» am 25.&nbsp;August 1989. «In seiner Freizeit spürt der dickste Rassist der Schweiz Tamilen auf. Privat kassiert der herzkranke Ex-Schwinger IV-Rente. Doch seine wahre Berufung sieht der 127 Kilo schwere Marcel Strebel (40) in hemmungslosem Fremdenhass. Wer ist der aufgedunsene Vollbartträger aus Gersau SZ und Führer der ‹Patriotischen Front›, der im ‹Zischtigs-Club› die TV-Zuschauer schockte?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daneben, in einem Kasten, listete der «Blick»&nbsp;Strebels Forderungen auf: &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Alle Fremden müssen das Land verlassen. Innert 24 Stunden.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Alle Menschen, die einen fremdrassigen Partner geheiratet haben, müssen raus.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Alles fremde Eigentum wird beschlagnahmt.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Leider war Adolf Hitler ein Diktator. Aber seine Rassenideen waren richtig.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Mein Ziel ist eine schlagfertige Truppe von 100 bis 200 Mann. Damit kann man ganze Städte durchkämmen oder mal vor einem Asylantenheim auffahren.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Unterlagen von Jürg Frischknecht ist auch Post dokumentiert, die Strebel nach dem Auftritt erhalten hatte: «Jetzt zünden wir die Häuser dieser afrikanischen und asiatischen Brut an, die in unsere Heimat eingedrungen ist.» Ein Zürcher Millionär überwies Strebel zudem 20&nbsp;000 Franken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem «Zischtis-Club» wiederum hatte Strebel selbst Post geschickt, und zwar schon ein paar Tage vor der Sendung: Werbeartikel der Patriotischen Front, die er in Rechnung stellte: «Gesamttotal Fr. 87.-»&nbsp;für ein T-Shirt, ein Stoffabzeichen, Aufkleber, ein Metallabzeichen, Porto und Verpackung. Auf den Rechnungszettel schrieb er: «WER UNS ZERSTÖREN WILL, DEN ZERSTÖREN WIR.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Moderator Hans Räz schickte die Werbeartikel ein paar Wochen später zurück, die Rechnung sei somit «gegenstandslos». Strebel antwortete: «Brauchen Sie Hr. Rätz und Ihre Kommunistischen Mitverbrecher die Fahne mit Hammer u. Sichel! In der DDR gibt es noch viel zu tun für Sie! Jetzt haben sie dort Platz! Ein nationaler Kommunist Sieg Heil.»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="724" height="1024" id="media-license-image-732275" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung01-724x1024.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-732275" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung01-724x1024.jpg 724w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung01-212x300.jpg 212w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung01-768x1086.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung01-1087x1536.jpg 1087w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung01.jpg 1112w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /><figcaption class="wp-element-caption">Fr. 87.–, zahlbar innert zehn Tagen, Drohung inbegriffen: Strebels Rechnung an den «Zischtigs-Club».</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="719" height="1024" id="media-license-image-732277" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung02-719x1024.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-732277" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung02-719x1024.jpg 719w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung02-211x300.jpg 211w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung02-768x1094.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung02-1079x1536.jpg 1079w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Rechnung02.jpg 1104w" sizes="auto, (max-width: 719px) 100vw, 719px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kein Verwendungszweck: Hans Räz retournierte die Ware, Strebel den Brief, versehen mit «Sieg Heil».</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Unter den Augen der Polizei</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 4. November 1989, nach Menschenjagd und Fernsehauftritt, organisierte die Patriotische Front eine Mitgliederversammlung in Rotkreuz. Anlass war der Geburtstag eines Mitglieds, aber bald zog man mit dreissig Leuten zum Durchgangsheim für Asylbewerber im Hinterberg in Steinhausen. Marcel Strebel hatte die Kantonspolizei am 30. Oktober und am 2.&nbsp;November telefonisch informiert gehabt, man plane, eine Kundgebung abzuhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Unter den Augen der informierten Polizei», schreibt Jürg Frischknecht in seinem Buch «Schweiz wir kommen», überfielen rund dreissig Anhänger der Patriotischen Front die Asylunterkunft. «Wir haben erkennen müssen, dass die Fröntler, nicht wie wir angenommen hatten, friedlich demonstrieren», sagte der Chef der Zuger Kriminalpolizei Roberto Zalunardo zwei Wochen später dem «Tages-Anzeiger». Der Asylkoordinator wurde bedroht und tätlich angegriffen, der Heimleiter niedergeschlagen, die Fenster zertrümmert, und fünf der Täter noch in der Nacht verhaftet, darunter die beiden Mitgründer der Patriotischen Front Johnny Meier und Andreas Balsiger, die Männer vom <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-maenner-vom-ku-klux-klan-gruendeten-eine-partei/" target="_blank" rel="noopener">Innerschweizer Ku-Klux-Klan</a>, dieselben Männer also, die bereits 1987 mit Schrotflinten auf Asylunterkünfte geschossen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 7. November 1989 erklärte FDP-Regierungsrat Urs Kohler vor der Presse, man werde alles tun, «um das Ermittlungsverfahren zu forcieren, und beim Verhöramt, der Staatsanwaltschaft und den Gerichten darauf hinwirken, dass diese Delikte mit erhöhter Priorität behandelt werden».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Medien berichteten, der Justizdirektor versprach rasche Aufarbeitung, aber dann passierte jahrelang einfach gar nichts.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="722" height="1024" id="media-license-image-732269" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mercedes-1-722x1024.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-732269" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mercedes-1-722x1024.jpg 722w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mercedes-1-212x300.jpg 212w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mercedes-1-768x1089.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mercedes-1-1084x1536.jpg 1084w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mercedes-1.jpg 1270w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Schweiz, wie die Patriotische Front sie sah: «Jedem Schweizer seine Gefängniszelle, jedem Asylanten seinen Mercedes». Die Lösung: Postfach, 6430 Schwyz.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Stacheldraht statt Strafverfolgung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Angriff zogen die Zuger Behörden Stacheldrahtrollen um die Asylunterkunft. Eingezäunt wurden die Opfer. Hanne Schnyder, Leiterin des überfallenen Durchgangsheims, sagte dem «Tages-Anzeiger»: «Wir fühlen uns absolut nicht sicherer als ohne Draht. Im Gegenteil. Wenn eine Brandbombe auf die Baracke geworfen würde, wären wir verloren. Gefangen in unserem eigenen sogenannten Schutzraum. Unseren Gegnern an einem Haufen schön präsentiert.» Die Polizei erklärte: «Es blieb uns gegen die regelmässigen Bombendrohungen der Rassisten gar nichts anderes übrig, als die Unterkünfte zu sichern.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als am 28. Januar 1993 der Schaffhauser Judomeister Erich Winkler schliesslich für seine Teilnahme an den Gewalttaten von Zug und Steinhausen verurteilte wurde, kritisierte das Gericht im Urteil, dass vom damals zuständigen Untersuchungsrichter «knapp zwei Jahre keine einzige Untersuchungshandlung vorgenommen» worden war. Die rechtsextremen Gewalttaten wurden in Zug trotz nationalen Schlagzeilen erst verfolgt, als das Aktenmaterial im Mai 1992 – zweieinhalb Jahre nach den Angriffen – einem neuen Verhörrichter zugeteilt wurde, der schliesslich im Juli und August 1992 die Opfer einvernahm und ab September die Angeschuldigten aus dem Kanton Zug befragte und für die Auswärtigen 30 Rechtshilfeersuchen in die betreffenden Kantone verschickte (auch wenn zahlreiche Übertretungen inzwischen verjährt waren).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Polizeiwachtmeister hatte im April 1990 über Daniel Brändli, den Haupttäter der «Tamilenjagd», geschrieben, er würde ihn «grundsätzlich als anständigen und ruhigen Burschen einstufen (auffallend saubere Zimmerordnung festgestellt)».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Journalist Hans Stutz schrieb im Dezember 1993 in der «Zuger Zeitung», als die meisten Urteile schliesslich ergingen, von «Zuger Schlampereien». Der damalige Zuger Polizeidirektor Hanspeter Uster warnte, so lange Verfahren dienten den Tätern «als Bestätigung, dass der Staat es mit ihrer Verfolgung ja gar nicht so ernst meint und nimmt».</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Sommer, Sonne, Remigration – die Serie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rechtsextremen der Achtzigerjahre kamen mit Hitlergruss und dem Kofferraum voller Schusswaffen. Sie jagten Menschen, die sie für Fremde hielten, durch die Strassen und beschossen Flüchtlingsunterkünfte. Ihre Nachfolger, die sich heute zur Identitären Bewegung zählen, kommen mit Videos auf X und Telegram, mit Demonstrationen, Kundgebungen und Flashmobs, mit einem klaren politischen Programm und einem Wort, das sie überall wiederholen: Remigration.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Serie erzählt im Wochentakt von der rechtsextremen Szene in der Schweiz und ihren Akteuren, von den Achtzigerjahren bis heute. Sie fragt, was der Österreicher Martin Sellner tatsächlich will und welche Rolle der Winterthurer Manuel Corchia dabei spielt. Um diese Gegenwart zu verstehen, geht die Serie zurück in die Vergangenheit: zu Jürg Frischknecht, dessen Recherchen zum Schweizer Rechtsextremismus bis heute massgebend sind, versammelt in seinem Buch «Schweiz wir kommen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Privatarchiv im Schweizerischen Sozialarchiv liefert den historischen Unterbau für mehrere Kapitel dieser Serie. Das dritte Kapitel handelt von Marcel Strebel und der Patriotischen Front. In drei Teilen zeigt es, wer sich Ende der Achtzigerjahre um Strebel sammelte, was diese Männer wollten, was sie taten – und wie Behörden und Medien mit ihnen umgingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Recherche stützt sich auf Gerichts- und Polizeiakten, Jahresberichte der Bundespolizei, Material des Schweizerischen Sozialarchivs und weiterer Institutionen, auf zeitgenössische rechtsextreme Schriften und Videos, auf Interviews und Telegram-Chats. Einzelne Namen wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert. </p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><strong>Kapitel 1: Der Winterthurer Anschlag</strong></li><li>Teil 1:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/galt-die-bombe-auch-der-woz/" target="_blank" rel="noopener">«Galt die Bombe auch der WoZ?»</a>, Infosperber vom 21.&nbsp;August 2026</li><li>Teil 2:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-neonazi-der-eigentlich-journalist-war/" target="_blank" rel="noopener">Der Neonazi, der eigentlich Journalist war</a>, Infosperber vom 28.&nbsp;August 2026</li><li>Teil 3:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-denkzettel/" target="_blank" rel="noopener">Der Denkzettel</a>, Infosperber vom 4.&nbsp;September 2026<br></li><li><strong>Kapitel 2: Die neuen Ideologen</strong></li><li>Teil 1:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/remigration-was-martin-sellner-wirklich-will/" target="_blank" rel="noopener">Remigration: Was Martin Sellner wirklich will</a>, Infosperber vom 11. September 2026</li><li>Teil 2: <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/aussichten-auf-den-buergerkrieg/" target="_blank" rel="noopener">Aussichten auf den Bürgerkrieg: Renaud Camus und der grosse Austausch</a>, Infosperber vom 18. September 2026<br></li><li><strong>Kapitel 3: Die Patriotische Front</strong></li><li>Teil 1: <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-maenner-vom-ku-klux-klan-gruendeten-eine-partei/" target="_blank" rel="noopener">Die Männer vom Ku-Klux-Klan gründeten eine Partei</a>, Infosperber vom 25.&nbsp;September 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>Kroatien: Müllskandal treibt Zehntausende auf die Strasse</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/europa/kroatien-muellskandal-treibt-zehntausende-auf-die-strasse/</link>
					<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 07:14:22 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/croatia-waste-protest-zagreb-e1790664024238-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="croatia-waste-protest-zagreb" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/croatia-waste-protest-zagreb-e1790664024238-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/croatia-waste-protest-zagreb-e1790664024238-1024x613.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/croatia-waste-protest-zagreb-e1790664024238-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/croatia-waste-protest-zagreb-e1790664024238.jpg 1030w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Bewegung begann wegen einer illegalen Müllkippe im Ort Gospić. Der Ärger der Demonstrierenden geht aber längst darüber hinaus.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die Lastwagen kamen nachts. Auf einem aufgegebenen Industriegelände hätten sie ihre Fracht abgeladen, berichtet Željka Šikić, die gegenüber wohnt. Jahrelang brachten sie Abfälle in die kleine kroatische Stadt Gospić. Die Anwohnerinnen und Anwohner wechselten sich ab und fotografierten die Fahrzeuge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Das sollte nicht mein Job sein», sagt Šikić gegenüber dem <a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/25/toxic-waste-dumped-croatian-town-gospic‘" data-type="link" data-id="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/25/toxic-waste-dumped-croatian-town-gospic‘" target="_blank" rel="noopener">«Guardian»</a>. Behörden und Polizei reagierten lange nicht, dann nahmen sie mehrere Personen fest. Der giftige Müll aber ist immer noch da. Die Menschen in Gospić wollen das nicht hinnehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Šikić würde gerne wegziehen, doch: «Wer kauft schon ein Haus neben einer illegalen Mülldeponie?» Stattdessen entschloss sie sich, gegen die illegalen Müllberge vorzugehen. Am Ende standen Zehntausende in der Hauptstadt Zagreb und forderten die Regierung auf, zu handeln.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schmutziges Geschäft mit illegalem Abfall</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Gospić hat rund 11’000 Einwohnerinnen und Einwohner und liegt etwa 25 Kilometer landeinwärts an der kroatischen Adriaküste in der Lika. So heisst die strukturschwache, dünn besiedelte Gegend zwischen zwei Gebirgszügen und der kroatischen Küste. Zwischen 2022 und 2024 wurden hier an mehreren Stellen insgesamt zehntausende Tonnen illegaler Abfall abgeladen. Kriminelle Organisationen hatten ihn aus Italien, Slowenien und Deutschland herangeschafft, stellte Europol später fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ermittler beschreiben eine eingespielte Organisation. Das Syndikat importierte zerkleinerten Kunststoff und gemischte Industrieabfälle aus Slowenien, Italien und Deutschland. Es vermischte sie mit medizinischen Abfällen und Elektroschrott aus Kroatien. Auf dem früheren Industriegelände wurde das Material vergraben oder ungeschützt abgestellt. Am 13. Februar 2025 nahmen die Behörden mit Unterstützung von Europol 13 Personen fest. Hauptverdächtig sind ein <a href="https://glashrvatske.hrt.hr/en/domestic/expert-report-finds-so-called-forever-chemicals-in-an-illegal-landfill-in-gospic-12848893" data-type="link" data-id="https://glashrvatske.hrt.hr/en/domestic/expert-report-finds-so-called-forever-chemicals-in-an-illegal-landfill-in-gospic-12848893" target="_blank" rel="noopener">kroatischer Geschäftsmann und seine Frau</a>. Die Ermittlungen dauern an. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Um nicht bei einer Kontrolle aufzufliegen, sollen die Verdächtigen ranghohe Beamte mit einer halben Million Euro bestochen haben. Ein lokaler Beamter stellte für das verlassene Gelände falsche Genehmigungen aus. Auch Dokumente wurden mutmasslich gefälscht: Sie deklarierten Plastikabfall als recyclingfähig. Der Gewinn der beiden Hauptverdächtigen liegt laut Europol bei rund vier Millionen Euro.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schwermetalle im Boden, PFAS im Grundwasser</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie viel Müll in Gospić liegt, ist umstritten. Europol spricht von mindestens 35’000 Tonnen gefährlichem Abfall auf mindestens drei Deponien in Kroatien. Örtliche Umweltschützer sagen, allein in Gospić seien 37’000 Tonnen <a href="https://www.dw.com/en/croatia-toxic-waste-protest-draws-tens-of-thousands/a-79049228" target="_blank" rel="noopener">abgeladen worden</a>. Der Abfall bestand laut Europol vor allem aus Plastik und giftigem Spitalmüll, der Grossteil stammte aus Italien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Boden der Umgebung fanden sich Antimon, Kupfer und Blei in Konzentrationen <a href="https://glashrvatske.hrt.hr/en/domestic/expert-report-finds-so-called-forever-chemicals-in-an-illegal-landfill-in-gospic-12848893" target="_blank" rel="noopener">weit oberhalb</a> der gesetzlichen Grenzwerte. Untersuchungen ergaben, dass das Grundwasser in der Nähe über die EU-Grenzwerte hinaus mit PFAS verschmutzt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Ort änderte sich nach den Festnahmen wenig. Neuer Müll kam nicht mehr, beobachteten die Anwohnenden. Der alte blieb liegen. Die Behörden versicherten, das Trinkwasser in Gospić sei nicht beeinträchtigt. Viele glauben ihnen nicht und kaufen Wasser in Flaschen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«Gospić ist unser Zuhause»</h2>



<p class="wp-block-paragraph">16 Personen aus der Stadt gründeten schliesslich die Bürgerinitiative «Gospić je naš dom» («Gospić ist unser Zuhause»). Sie wurden auf Social Media aktiv und wandten sich an die Medien. Die Öffentlichkeit reagierte, als ob sie nur darauf gewartet hätte. Fast täglich hätten sich Menschen aus anderen kroatischen Orten mit dem gleichen Problem gemeldet, berichteten die Aktivisten dem «Guardian». </p>



<p class="wp-block-paragraph">«Es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte», sagt Ivana Rukavina Sarić, ebenfalls Mitglied der Gruppe. «Es geht um ein nationales, wenn nicht globales Problem.» Ein kleiner Ort hatte eine Lawine ausgelöst. Oder besser: einen nationalen Unmut sichtbar gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August bestätigte die Staatsanwaltschaft in einem Bericht die Verunreinigung des Bodens in Gospić. Sie habe sich über das Gelände hinaus ausgebreitet und stelle ein «erhebliches Risiko für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen» dar. Die Antikorruptionsbehörde USKOK hält fest: Ohne Sanierung bleibe das Gelände eine anhaltende Verschmutzungsquelle, deren Auswirkungen sich verstärken könnten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Grösste Demonstration seit Jahrzehnten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ob es die PFAS-Analyse war oder der sich steigernde Unmut: Am 5. September strömten rund 40’000 Personen aus allen Landesteilen in die 200 Kilometer entfernte Hauptstadt Zagreb. Sie forderten die Regierung auf, gegen illegale Müllentsorgung vorzugehen. Die <a href="https://taz.de/Wasserskandal-in-Kroatien/!6206557/" target="_blank" rel="noopener">«Taz»</a> schrieb von der «wahrscheinlich grössten regierungskritischen Demonstration seit 1991».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Demonstrierenden verlangten neben der Räumung des Mülls in Gospić und aller anderen illegalen Deponien, eine nationale Abfallstrategie für alle bekannten Hotspots und einen vorübergehenden Einfuhrstopp für Abfälle. Für die Ausarbeitung der Strategie und die Räumung setzten sie der Regierung eine Frist von 20 Tagen. Zahlreiche Prominente unterstützen die Forderungen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aktivisten wollen nach Brüssel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ministerpräsident Andrej Plenković versprach, die Säcke mit giftigem Müll in Gospić bis Mitte Oktober wenigstens abzudecken. Die Regierung hat zudem zwei öffentliche Ausschreibungen für die Entfernung des Abfalls eröffnet. Die Räumung in Gospić kostet laut «Voice of Croatia» schätzungsweise 50 Millionen Euro. Passiert ist bisher weiter nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aktivistinnen und Aktivisten wollen ihr Anliegen nun nach Brüssel tragen und vor dem EU-Parlament demonstrieren. Denn ein Teil des Giftmülls in Gospić stammt aus EU-Ländern. Wer ihn verursacht hat und wer ihn verschiebt, ist damit auch eine europäische, wenn nicht globale, Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vereinten Nationen schätzen, dass 15 bis 30 Prozent der Abfälle in der EU illegal transportiert werden. Müllschmuggel ist mittlerweile ein Big Business in den Händen der organisierten Kriminalität, <br><a href="https://www.infosperber.ch/" target="_blank" rel="noopener">«Infosperber»</a> berichtete darüber.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9161cf157a534f8ba38146b8c9a3c4d3" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
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					<title>Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/das-recht-auf-kriegsdienstverweigerung/</link>
					<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 07:12:41 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_708789542_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Niemand darf in Deutschland zum Kriegsdienst gezwungen werden. Etwas, das leicht in Vergessenheit gerät, in diesen Zeiten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Neulich, beim Zeitunglesen im Konditoreicafé an einer Ecke in München-Schwabing, hat mich mein Nachbar angesprochen. Er meinte, es sei doch ungut für Europa, wenn alle politischen Weichen nur noch auf militärisches Handeln gestellt würden. Es sei ungut, wenn nur noch vom Krieg, von der militärischen Unterstützung der Ukraine und von der Aufrüstung der Bundeswehr die Rede sei, während die Frage, wann und wie ein diplomatischer Ausweg aus dem Kriegsgeschehen gefunden werden könne, als mangelnde Solidarität mit dem angegriffenen Land kritisiert werde. Es sei fatal, wenn Wörter wie «Kompromiss», «Waffenstillstand» und «Friedensverhandlungen» als Sympathiekundgebungen für Putin bewertet und so ausgesprochen würden, als wären sie vergiftet. Der Dichter Matthias Claudius habe doch, meinte der Nachbar, schon vor 250 Jahren alles Wichtige und Richtige dazu gesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Abend fand ich dann die Kopie des berühmten Anti-Kriegs-Gedichts von Claudius in meinem Briefkasten. Es heisst:</p>



<p class="wp-block-paragraph">«&#8217;s ist Krieg! &#8217;s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,<br>Und rede Du darein!<br>&nbsp;&#8217;s ist leider Krieg – und ich begehre,<br>Nicht schuld daran zu sein!»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="614" id="media-license-image-731177" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L-1024x614.png" alt="Depositphotos_708789542_L" class="wp-image-731177" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_708789542_L.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Schlacht von Plassey während des Siebenjährigen Kriegs.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Dichter hat es geschrieben unter dem Eindruck der Verheerungen des Siebenjährigen Krieges und des ausbrechenden Bayerischen Erbfolgekrieges zwischen Preussen und Österreich. Es ist ein Aufruf, das eigene Gewissen über die staatliche Befehlsgewalt zu stellen. Das Gedicht legt einen geistigen Grundstein für die Idee der Kriegsdienstverweigerung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.» So steht es heute in Artikel 4 Absatz 3 des deutschen Grundgesetzes. Es ist dies ein Grundrecht, es ist ein Menschenrecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mich mit der Geschichte und der aktuellen Bedeutung dieses Grundrechts beschäftigt, weil ich soeben, bei der Verleihung des Alternativen Westfälischen Friedenspreises in Münster, eine kleine Rede dazu halten durfte. Der zum ersten Mal vergebene Preis ging an den Offenburger Verein Connection, der sich weltweit für ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung einsetzt und verfolgte Deserteure unterstützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur das Gedicht von Matthias Claudius hat mich bei der Vorbereitung dieser Rede begleitet, sondern auch die E-Mail einer alten Freundin. Sie besucht gerade die Kasematten von Verdun, also die Festungsgewölbe, die im Krieg Schutz vor Artilleriebeschuss bieten sollten. Dort hängen an der Wand die Kopien der handgeschriebenen Briefe von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg; «Meine liebe Marie, wenn Dich dieser Brief erreicht, lebe ich vielleicht nicht mehr. Kümmere Dich um die Kleinen. Sag ihnen, dass ihr Vater sie bis zum letzten Atemzug geliebt hat.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich habe mich gefragt, wie viele solcher Briefe in wie vielen Kriegen seitdem geschrieben worden sind – und wie oft anfängliche Pflichterfüllung der Verzweiflung und Erkenntnis gewichen ist, dass auf der anderen Seite der Schützengräben das gleiche Leid herrscht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">300’000 Soldaten wurden in Verdun getötet. Ich bin überzeugt, dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung gepflegt werden muss – und dass die Beteiligung am Kriegsdienst meines Erachtens ebenso wie die Kriegsdienstverweigerung eine ernsthafte und ureigene Gewissensprüfung verlangt: Eine Demokratie kann sich keine gewissenlosen Soldaten leisten.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Keine. Dieser Kommentar des Kolumnisten und Autors Heribert Prantl erschien zuerst als «Prantls Blick» in der Süddeutschen Zeitung.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Riskante Wette der Pensionskassen auf Künstliche Intelligenz</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/riskante-wette-der-pensionskassen-auf-kuenstliche-intelligenz/</link>
					<pubDate>Thu, 01 Oct 2026 07:35:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=732169</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Risiko-KI-837653538-e1790776164672-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="AI Detects Market Crisis with Real-Time Economic Analytics Spline" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Risiko-KI-837653538-e1790776164672-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Risiko-KI-837653538-e1790776164672-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Risiko-KI-837653538-e1790776164672-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Risiko-KI-837653538-e1790776164672.jpg 1370w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Sollte in Kalifornien die KI-Blase platzen, verlieren auch Menschen in Willisau oder Münsingen Geld – bei den Pensionskassen.  ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die Pensionskassen finanzieren den Boom im Silicon Valley mit. Erste Pensionskassen ziehen Konsequenzen.&nbsp;Denn bis jetzt sind die Bewertungen der KI-Unternehmen vor allem eine Wette auf die Zukunft. Und diese könnte verloren gehen – womit auch Menschen in Willisau, Delémont oder Münsingen Geld verlieren würden. Geld, von dem sie vielleicht nicht einmal wussten, dass es in US-Tech-Titel investiert ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht um ihre Rente, die sie bei einer der insgesamt 1300 Schweizer Pensionskassen angespart haben. Über 1200 Milliarden Franken sind so zusammengekommen.<a href="applewebdata://BA0A9D5F-B600-4109-A490-5C2C348BBCBC#_ftn1"><sup>[1]</sup></a>&nbsp;Von diesen Vermögen wurde in den vergangenen Monaten immer mehr in Unternehmen wie Nvidia, Microsoft oder Amazon investiert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie würde sich ein Crash auf die Schweizer Altersvorsorge auswirken?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt ist fast ein Drittel des PK-Vermögens in Aktien angelegt, zwei Drittel davon im Ausland, wobei Titel aus den USA den grössten Teil ausmachen. Das Beratungsunternehmen PPCMetrics schätzt, dass allein Nvidia mit rund 2,7 Prozent im durchschnittlichen Aktienportfolio der Pensionskassen gewichtet ist. Es folgen Microsoft mit 2,5, Apple mit 2,2, Amazon mit 1,5 und Meta mit 1,1 Prozent. Alle diese Unternehmen setzen massiv auf KI.<a href="applewebdata://17DB6D01-F977-4B09-A0E8-B0E117E0647C#_ftn1"><sup>[2]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die fünf grössten US-Tech-Titel machen elf Prozent des Aktienportfolios und über drei Prozent des gesamten Vorsorgevermögens aus. Sollte sich das Ganze als Blase erweisen und sollten diese Werte um angenommene 30 Prozent an Wert verlieren, gehen den Schweizer Sparerinnen und Sparern fast 12 Milliarden Franken verloren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit nicht genug. So wie die Tech-Papiere die Börsen weltweit in die Höhe getrieben haben, würden sie diese bei einem Absturz mitreissen. Es droht ein Crash wie 1929, 2001 oder 2008. Womit weitere Milliarden aus der zweiten Säule der Schweizer Altersvorsorge wegbrechen würden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu diesem enormen Risiko, das die Tech-Titel mitsichbringen, haben die PK-Versicherten nie Ja gesagt. Auch die Stiftungsräte der Pensionskassen mussten meist nicht aktiv zustimmen. Gewöhnlich wird der Entscheid über die Geldanlagen einem Automatismus überlassen: der sogenannten passiven, marktkapitalisierungsgewichteten Indexanlage. Das bedeutet, dass das Geld automatisch so angelegt wird, wie es gemäss dem ausgewählten Index für einen bestimmten Markt, ein Land oder eine Branche sinnvoll scheint.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausschlaggebend ist der Börsenwert der Aktien: Das Geld fliesst mechanisch zu den grössten und scheinbar zukunftsträchtigsten Unternehmen. 2026 sind das die US-Tech- und KI-Firmen. Grösse zieht Kapital an, Kapital erzeugt Grösse, der Boom verstärkt sich selbst.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus früheren Erfahrungen weiss man: So entstehen Blasen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Stiftung Ethos, die Pensionskassen in Fragen des nachhaltigen und verantwortungsvollen Investierens berät, fordert ein Umdenken. «Das rein passive Investieren bringt echte Risiken mit sich, weil das Kapital möglicherweise in Unternehmen mit stark überbewerteten Kursen fliesst – einfach nur, weil diese gross genug sind, um in einen Referenzindex aufgenommen zu werden», sagt Vincent Kaufmann, CEO von Ethos. Als Beispiel nennt er SpaceX, das «so ziemlich alle schlechten Praktiken in Bezug auf Corporate Governance» vereine. Trotzdem «halten die meisten Pensionsfonds Anteile daran, einfach weil sie die Indizes nachbilden». Eine mögliche KI-Blase gefährde die Pensionskassenvermögen: «Ein wachsender Anteil des Altersvorsorgekapitals hängt vom Schicksal nur weniger Aktien ab.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Personalvorsorgekasse der Stadt Bern reduziert Aktienquote&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Überlegungen stellt man auch bei den Pensionskassen an, wie das Beispiel Bern zeigt.&nbsp;&nbsp;Ein mögliches Platzen der KI-Blase spiele in der Anlagestrategie durchaus eine Rolle, erklärt die Berner Pensionskasse. Seit Mai laufe ein mehrstufiges Verfahren, in dem der Anteil Aktien insgesamt etwas reduziert werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Pensionskassen setzen dagegen weiter auf den Boom am Aktienmarkt. Jene der Stadt Zürich zum Beispiel, die sogar fast 20 Prozent des Vermögens in US-Aktien investiert hat. Man habe sich bewusst dagegen entschieden, systematisch vom System der Marktkapitalisierungsgewichtung abzuweichen, schreibt die Kasse. Ihr Argument: Trends könnten lange anhalten, und wer zu früh aussteige, riskiere, bis zur Trendwende weitere Kursgewinne zu verpassen. Das Risiko werde aufgefangen, indem «das Portfolio breit über verschiedene Anlagekategorien und Regionen diversifiziert» sei.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist das Prinzip Hoffnung. Die Hoffnung, dass heute alles besser, grösser und sicherer sei als 1929, 2001 oder 2008.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">_____________<br>FUSSOTEN<br><sup><a href="applewebdata://17DB6D01-F977-4B09-A0E8-B0E117E0647C#_ftnref1">[1]</a></sup>&nbsp;Vgl.&nbsp;https://ppcmetrics.ch/wp-content/uploads/2025/09/2025-09-03-Pensionskassen-Jahrbuch-2025.pdf, Tabellen 5&amp;6 auf S. 27.<br><a href="applewebdata://BA0A9D5F-B600-4109-A490-5C2C348BBCBC#_ftnref1"><sup>[2]</sup></a>&nbsp;BFS-Pensionskassenstatistik 2024: https://www.bfs.admin.ch/news/de/2025-0063</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Lokale Solarstrom-Gemeinschaften: Viel Aufwand für wenig Ertrag</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/energieproduktion/lokale-solarstrom-gemeinschaften-viel-aufwand-fuer-wenig-ertrag/</link>
					<pubDate>Thu, 01 Oct 2026 07:33:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=729775</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="225" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Solarstrom-Anlage-auf-der-Zuercher-Genossenschaftssiedlung-Entlisberg-300x225.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="PV-Anlage Entlisberg Zürich" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Solarstrom-Anlage-auf-der-Zuercher-Genossenschaftssiedlung-Entlisberg-300x225.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Solarstrom-Anlage-auf-der-Zuercher-Genossenschaftssiedlung-Entlisberg-1024x767.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Solarstrom-Anlage-auf-der-Zuercher-Genossenschaftssiedlung-Entlisberg-768x575.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Solarstrom-Anlage-auf-der-Zuercher-Genossenschaftssiedlung-Entlisberg.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Bern ködert Solar-Kunden mit Mini-Rabatten. Zürich wirbt für Quartierstrom. Doch das Verteilmodell ist vor allem eines: aufwendig.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die Elektrizitätswerke der Städte Bern und Zürich bieten ihren Strombezügern seit kurzem den Beitritt zu einer lokalen Elektrizitätsgemeinschaft – kurz LEG – an. Solche Strombezug-Konstrukte sind seit Anfang Jahr in der Schweiz erlaubt. Sie sollen dafür sorgen, dass Solarstromproduzenten ihren überschüssigen Strom den Bezügern im gleichen Quartier verkaufen können. Damit soll der Ausbau der Solarenergie und die lokale Stromproduktion gefördert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Beitritt zu einer LEG ist einfach, denn es braucht keine neuen Leitungen. Die Gemeinschaft funktioniert vielmehr durch eine komplizierte Verrechnung von Solar- und anderem Strom: Im 15-Minuten-Takt wird gemessen, wie viel Solarstrom in der Gemeinschaft produziert und wie viel gleichzeitig verbraucht wurde. Wenn die Sonne scheint, wird der überschüssige Solarstrom der einen Mitglieder mit dem gleichzeitigen Verbrauch der anderen Mitglieder verrechnet. Wenn nicht genug Solarstrom produziert wird, berechnet das Elektrizitätswerk den Preis für normalen Strom. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Beispiel des Elektrizitätswerks Bern (EWB) zeigt sich: Das neue LEG-Modell verursacht viel administrativen Aufwand. Und der Anreiz für die Strombezüger, in eine LEG zu wechseln, ist gering.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Werbung für ihre neue LEG lockte das Energieunternehmen neue Kunden zwar mit hohen Rabattzahlen: Von 20 Prozent Nachlass ist die Rede. Doch beim genaueren Rechnen schmilzt dieser Sonnen-Rabatt in sich zusammen. Letztlich profitieren Bezüger nächstes Jahr von 0,25 Rappen Rabatt pro Kilowattstunde Strom.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Erstens gilt der Rabatt von 20 Prozent nur auf die Netznutzung. Und diese macht weniger als einen Drittel des Strompreises aus.</li>



<li>Zweitens senkt das EWB im Januar 2027 den normalen Stromtarif, nicht aber den LEG-Tarif. Deshalb wird der LEG-Strom ab Anfang Jahr nicht mehr 2,5 Rappen billiger sein als der normale, sondern nur noch 0,25 Rappen.</li>



<li>Drittens gibt es den läppischen Rabatt nur für jenen Anteil des Stroms, der tatsächlich aus der Solar-Gemeinschaft bezogen wird. Da Solarstrom aber nur tagsüber produziert wird, kann ein normaler Haushalt ohne Batterie in der Regel nur rund einen Drittel seines Strombedarfs direkt mit dem lokalen Solarstrom decken.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Das heisst: Ein Haushalt, der 3000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, kann etwa 1000 davon mit dem lokalen Solarstrom decken – und erhält dafür ganze 2.50 Franken Rabatt pro Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Etwas profitabler ist die LEG des EWB für die Produzenten von Solarstrom: Diese erhalten immerhin 1,1 Rappen mehr, als wenn sie ihren Solarstrom wie bisher ins Netz des EWB einspeisen würden. Allerdings müssen sie ihre Anlage für 50 Franken registrieren lassen. Der Wechsel zur LEG ist für sie also bis zur Lieferung 4500 Kilowattstunden ein Verlustgeschäft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Verlustgeschäft ist die LEG auch für das EWB. Es hat viel administrativen Aufwand. Doch der Strom fliesst physikalisch genau gleich und nicht etwa billiger oder rationeller. Wozu also die LEG? «Zur Förderung des Ausbaus der Solarenergie», schreibt das EWB auf eine Anfrage von Infosperber. Allerdings ist fraglich, ob mit so mageren Rabatt-Anreizen für die Bezüger und die Produzenten tatsächlich etwas gefördert wird. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) hat ein LEG-Modell. Für Strombezüger, die bei <a href="https://www.ewz.ch/de/private/strom/produkte/ewz-solarquartier.html">ewz.solarquartier</a> einsteigen, ist es noch unattraktiver als in Bern. Sie bezahlen für den Quartier-Solarstrom den gleichen Preis wie für den Standard-Netzstrom. Die Produzenten erhalten wie in Bern etwa einen Rappen mehr pro Kilowattstunde, als wenn sie ihren Solarstrom ohne LEG einspeisen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">ZEV sind rentabler </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine günstigere Alternative zur LEG sind Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch, so genannte ZEV. Bei diesem Modell nutzen mehrere Parteien – zum Beispiel in einem Mehrfamilienhaus oder in einer Siedlung – gemeinsam den lokal erzeugten Solarstrom. Der Solarstrom wird über hauseigene, private Leitungen an die einzelnen Wohnungen verteilt. Für diesen internen Stromtransport wird das öffentliche Netz nicht beansprucht .Deshalb müssen bei diesem Solarstrom auch keine Netznutzungsgebühren und Abgaben bezahlt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blockstrom ist eine der Firmen, die sich auf die automatisierte Abrechnung von solchen Zusammenschlüssen spezialisiert hat. Urs Springer, einer der Mitgründer von Blockstrom, sieht bei den losen und unverbindlichen LEG keinen Vorteil für die Kunden. Bei ZEV hingegen könnten die Mitglieder mit dem Eigenverbrauch ihres Solarstroms 10 bis 20 Prozent sparen gegenüber dem herkömmlichen Verbrauch.. </p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Solarproduzenten: Neuer BKW-Sonnenschein-Tarif ist «Mogelpackung»</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bernischen Kraftwerke (BKW) bieten ab Januar 2027 einen flexiblen Netznutzungstarif namens <a href="https://www.bkw.ch/de/strom-in-der-grundversorgung/strom-beziehen/stromkosten-rechnung/sonne-scheint">«Sonne scheint»</a> an. Der neue Tarif erntet Kritik vom Verband unabhängiger Energieerzeuger (VESE): «Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich der angebliche ‹Rabatt› als erlösneutrale Tarifumschichtung», schreibt der Verband.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Rabattfenster – von April bis September jeweils von 13 bis 17 Uhr – werde durch höhere Tarife ausserhalb dieser Zeiten finanziert. Wer im Rabattfenster wenig Strom verbraucht, zahle am Jahresende unter dem Strich mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Fazit des VESE: «Es handelt sich somit nicht um einen Rabatt, sondern um eine interne Umverteilung mit versteckter Tariferhöhung für unflexible Haushalte.»</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/energieproduktion/bundesrat-roesti-diskriminiert-solarbetreiber-und-stromsparer/">Bundesrat Rösti diskriminiert Solarbetreiber und Stromsparer</a> &#8211; Infosperber vom 23. Februar 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/energieproduktion/fuer-solarstrom-von-dach-erhalten-die-einen-dreimal-mehr/">Für Solarstrom vom Dach erhalten die einen dreimal mehr</a> &#8211; Infosperber vom 16. Januar 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/bf30b2ab2a314d8ab4389b5000704e7f" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Über zivile Opfer informiert «SRF» äusserst unterschiedlich</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/ueber-zivile-opfer-informiert-srf-aeusserst-unterschiedlich/</link>
					<pubDate>Thu, 01 Oct 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=731463</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mutter-von-Spittelrn-getroffen-e1790602972168-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Mutter von Spittelrn getroffen," style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mutter-von-Spittelrn-getroffen-e1790602972168-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mutter-von-Spittelrn-getroffen-e1790602972168-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mutter-von-Spittelrn-getroffen-e1790602972168-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Mutter-von-Spittelrn-getroffen-e1790602972168.png 1074w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Medien sollen nicht nur fliegende Raketen und Drohnen zeigen, sondern auch informieren, was sie bei vielen Unschuldigen anrichten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Es ist das Schlimmste, was Zivilbevölkerungen passieren kann: Opfer von Kriegen zu werden – egal auf welcher Kriegsseite.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Militärische Angriffe auf die Zivilbevölkerung und auf Einrichtungen, die wesentlich der Zivilbevölkerung dienen, verstossen gegen das humanitäre Völkerrecht. Zu den vielen unschuldigen Opfern zählen insbesondere Frauen, Kinder und Alte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist Aufgabe der Medien, diese Kriegsverbrechen öffentlich zu machen und anzuprangern – überall.&nbsp;Die Medien sollten versuchen, über das menschliche Leid und die Gräuel zu informieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Fall der Opfer in der Ukraine macht dies «SRF» vorbildlich: Regelmässig berichten Korrespondenten vor Ort und lassen Opfer auch direkt zu Wort kommen. Zuletzt am 27. September:</p>



<iframe loading="lazy" width="750" height="422" src="https://www.srf.ch/play/embed?urn=urn:srf:video:a0d50301-79c5-43a4-bf05-a2b5a9beedc3&#038;subdivisions=false" allowfullscreen allow="geolocation *; autoplay; encrypted-media"></iframe>



<p class="wp-block-paragraph"><br>«SRF»-Korrespondent David Nauer berichtete aus Kiew: «Eine russische Rakete ist zwischen einem Wohnhaus und einem Kindergarten niedergegangen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt und weit über hundert Wohnungen beschädigt.» Eine Betroffene klagt: «Meine Mutter wurde von Splittern getroffen. Sie musste an den Händen und Beinen operiert werden.» Eine andere Frau habe ein Haus ausserhalb der Hauptstadt mieten müssen: «Dort gibt es Dieselmotoren, eine Gasheizung und einen Holzofen.» Und eine Vertreterin der Stadtverwaltung kam zu Wort: «Viele brauchen Hilfe von Psychologen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuschauerinnen und Zuschauer konnten erahnen, welche Leiden und Zerstörungen der russische Krieg in der Ukraine anrichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was für die Ukraine gilt, muss auch für andere Kriegsorte gelten, wo die Zivilbevölkerung noch viel mehr leidet.&nbsp;Doch über das Schicksal der Zivilbevölkerungen&nbsp;in Gaza, im Westjordanland, in Libanon, Iran, Sudan oder der Republik Kongo berichtet die Tagesschau auffällig selten. Opfer kommen in diesen Ländern praktisch nie zu Wort.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von ärztlicher Versorgung, vom Mieten eines Hauses mit Dieselmotoren oder Gasheizung und von helfenden Psychologen können die meisten Opfer in diesen Ländern nur träumen. Dort sterben Hunderttausende Verletzte, weil eine Versorgung fehlt. Unzählige sind unterernährt oder verhungern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anders als in der Ukraine hat «SRF» in den anderen Ländern keine ständigen Korrespondenten. Trotzdem übernimmt «SRF» solche Berichte kaum je von anderen Stationen, beispielsweise vom katarischen Sender «Al Jazeera» aus Gaza, Westjordanland, Iran, Sudan oder der Republik Kongo. Auch «CNN« und «BBC» berichten aus diesen Ländern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai nahm die «SRF»Tagesschau wie folgt Stellung:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«SRF weist den Vorwurf zurück, dass wir über die Angriffe auf die Zivilbevölkerung in Gaza oder Libanon weniger berichten als in der Ukraine.&nbsp;Auf den Sudan und die Republik Kongo trifft dies hingegen zu.&nbsp;Dies hängt damit zusammen, dass wir aus diesen Ländern deutlich weniger Informationen und Videomaterial erhalten und wir in dieser Region auch weniger eigene Quellen oder Korrespondentinnen und Korrespondenten haben als in der Ukraine oder im Nahen Osten.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage blieb unbeantwortet, weshalb sich «SRF» keine Informationen beschafft&nbsp;bei «Al Jazeera», «CNN», «BBC», «ARD», «ZDF», «Sky News» (London) und «Sky News Arabia» (Abu Dhabi), «Al-Hadath» (Saudi-Arabien) oder auch von «Arte».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es entsteht der Eindruck, dass «SRF» (und die privaten Schweizer Sender) unter Kriegsopfern zwei Klassen unterscheidet und ethnisch diskriminiert: Das Schicksal von Palästinensern, Muslimen und Schwarzen zählt weniger.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/0597409bac884ce88a107e81f5aed17d" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die «NZZ» bagatellisiert die gestiegenen Prämien</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/die-nzz-bagatellisiert-die-gestiegenen-praemien/</link>
					<pubDate>Wed, 30 Sep 2026 08:26:10 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=731803</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Arme-Familie-10853301_L-e1790686067287-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Arme Familie 10853301_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Arme-Familie-10853301_L-e1790686067287-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Arme-Familie-10853301_L-e1790686067287-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Arme-Familie-10853301_L-e1790686067287-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Arme-Familie-10853301_L-e1790686067287-1536x922.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Arme-Familie-10853301_L-e1790686067287.jpg 1700w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das Klagen sei «übertrieben». Die Prämienlast sei seit 2016 sogar gleich geblieben. Doch die «NZZ» ist auf einem Auge blind.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die «NZZ» verkündete, die Krankenkassenprämien seien für sämtliche Einkommensschichten tragbar. Haushalte der Mittelschicht hätten im Jahr 2023 sogar einen kleineren Anteil ihrer Bruttoeinkommen für die Prämien ausgeben müssen als sieben Jahre zuvor. 2016 seien es 6,5 Prozent gewesen und 2023 noch 6,4 Prozent.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="190" id="media-license-image-731785" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/NZZ-26.9.2026-Praemienlast-1024x190.png" alt="NZZ 26.9.2026 Prämienlast" class="wp-image-731785" style="width:650px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/NZZ-26.9.2026-Praemienlast-1024x190.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/NZZ-26.9.2026-Praemienlast-300x56.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/NZZ-26.9.2026-Praemienlast-768x143.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/NZZ-26.9.2026-Praemienlast.png 1500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Schlagzeile in der «NZZ» vom 26. September 2026</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das hätten Ökonomen der Universität Basel unter Leitung von Professor Stefan Felder in einer «Sonderauswertung» für die «NZZ» herausgefunden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="216" height="216" id="media-license-image-731791" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Stefan-Felder-Professor-Uni-Basel-x-e1790685720741.png" alt="Stefan Felder Professor Uni Basel x" class="wp-image-731791" style="width:170px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Stefan-Felder-Professor-Uni-Basel-x-e1790685720741.png 216w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Stefan-Felder-Professor-Uni-Basel-x-e1790685720741-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 216px) 100vw, 216px" /><figcaption class="wp-element-caption">Professor Stefan Felder</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die «NZZ» machte schon mal nicht transparent, dass der Pharmaverband Interpharma die Professur von Stefan Felder und seine «Forschungsgruppe Health Economics» finanziert. Im Vertrag mit der Universität Basel steht: «Interpharma erklärt sich bereit, die Professur Health Economics für die ganze Laufzeit der Anstellung von Prof. Dr. Stefan Felder, längstens bis zu seinem Austritt respektive seiner Emeritierung mit 450’000 Franken jährlich zu unterstützen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Viertel aller Prämien fliesst in Medikamente – Spitalmedikamente eingeschlossen. Es überrascht deshalb nicht, dass die Pharmakonzerne auch in ihren eigenen Publikationen behaupten, die Gesundheitskosten in der Schweiz seien angesichts des Angebots nicht zu hoch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umso kritischer muss man die «exklusiven Daten» der Basler Forscher prüfen, welche die «NZZ» am 26. September in einer Grafik unter dem Titel «Die Belastung der Haushalte ist nicht gestiegen» veröffentlichte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die «NZZ» tat dies nicht. Sie kommt vielmehr zum Schluss: «Obwohl sehr viel geklagt wird, ist die Prämienlast für die Bevölkerung durchaus tragbar geblieben.» </p>



<p class="wp-block-paragraph">Felder und die «NZZ» vergleichen die effektiv bezahlten Prämien der Grundversicherung – unabhängig vom gewählten Modell und nach Abzug der Prämienverbilligung – mit dem Bruttoeinkommen der verschiedenen Einkommensschichten. Personen im Rentenalter sind nicht berücksichtigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie kann das sein?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon Folgendes hätte misstrauisch machen müssen: Professor Felder vergleicht die Prämienlast der Haushalte mit deren&nbsp;<em>Brutto</em>einkommen. Für die Haushalte entscheidend ist jedoch ihr&nbsp;<em>Netto</em>einkommen. Nur darüber verfügen sie tatsächlich für Miete, Verpflegung, Prämien und alles andere.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei näherem Hinsehen kommt noch Gravierenderes zutage. Die «NZZ» schreibt, während der sieben Jahre von 2016 bis 2023 sei die «Netto-Prämienlast über die gesamte Bevölkerung hinweg stabil geblieben», und fragt: «Wie kann das sein?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur die Prämien hätten zugenommen, sondern auch die «Bruttoeinkommen». Mit dem Einkommenszuwachs «konnten die Medianhaushalte die Prämiensteigerung gut bezahlen – und hatten noch Geld für anderes übrig», so die «NZZ». Redaktor Mathias Benz kritisiert, Politik und die Öffentlichkeit würden die Zuwächse der Einkommen «kaum beachten».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen «ersten Faktor» für die angeblich stabile Prämienlast sieht die «NZZ» allerdings darin, dass «viele Personen auf ein Modell mit eingeschränkter Arztwahl und höherer Franchise gewechselt» hätten. «Sie übernahmen so mehr Eigenverantwortung und konnten Prämienzahlungen reduzieren.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Mehr Eigenverantwortung» bedeutet hier unter anderem, mehr aus der eigenen Tasche bezahlen. Spätestens da hätten die Alarmglocken läuten müssen. Blieb der Anteil der Prämien am Haushaltsbudget nur deshalb gleich hoch, weil Haushalte für Leistungen der Grundversicherung einfach mehr selbst bezahlen müssen?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Schweiz zahlen die Einwohnerinnen und Einwohner für die medizinische Grundversorgung schon lange deutlich mehr selbst als in den meisten anderen Ländern Europas. Nimmt man die nicht versicherten Zahnarztkosten hinzu, gilt dies erst recht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es geht darum, wie viel die Haushalte für ihre medizinische Grundversorgung zahlen müssen. Dabei zählen nicht nur die Prämien, sondern auch die Selbstzahlungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob Haushalte heute einfach mehr aus der eigenen Tasche zahlen müssen, kann man genau beantworten. Denn das Bundesamt für Gesundheit (BAG) unterscheidet in der Grundversicherung (OKP) zwischen Brutto- und Nettoleistungen. Der Unterschied liegt in den «Selbstbeteiligungen» – also dem Kostenanteil, den Versicherte aufgrund der Franchisen, Selbstbehalte und Spitalbeiträge selber tragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Milliarde Franken mehr aus der eigenen Tasche</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vergleich zwischen 2016 und 2023, auf den sich die «NZZ» stützt, sieht wie folgt aus:</p>



<figure class="wp-block-table has-small-font-size"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>In Milliarden&nbsp;<br>Franken</td><td>Bruttoleistungen</td><td>Nettoleistungen</td><td>Aus der eigenen Tasche</td></tr><tr><td>2016</td><td>32,2</td><td>27,9</td><td>4,3</td></tr><tr><td>2023</td><td>39,93</td><td>34,6</td><td>5,33</td></tr><tr><td>Quelle: BAG&nbsp;</td><td>&nbsp;</td><td>&nbsp;</td><td>&nbsp;</td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grundversicherten zahlten also im Jahr 2023 insgesamt 1,03 Milliarden Franken mehr aus der eigenen Tasche als 2016. Das entspricht 257 CHF pro Haushalt. Damit trugen die Haushalte 2023 ein Drittel mehr für die Leistungen der Grundversicherung bei, als die «NZZ» suggerierte: statt 750 Franken mehr  (nur Prämien) waren es 1007 Franken mehr (einschliesslich Selbstzahlungen).</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" id="media-license-image-699993" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold.png" alt="Spendenbalken gold" class="wp-image-699993" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Auf diese Zahlen angesprochen, erklärte Professor Stefan Felder: «Ihre Rechnung lässt sich nachvollziehen.» Dennoch halte er es nicht für zielführend, die stark gestiegenen Selbstzahlungen einzubeziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Argument: «Wenn die Leute immer häufiger zu den Ärzten laufen und die allerneusten medizinischen Techniken nachfragen, muss jemand die Rechnung zahlen.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Infosperber entgegnet: Erstens sind sich die meisten unabhängigen Gesundheitsökonomen einig, dass Ärzte und Spitäler den Umfang der Leistungen weitgehend selbst bestimmen. Zweitens taugt die Schuldzuweisung an die «Leute» nicht als Begründung, um die stark gestiegenen Selbstbeteiligungen aus der Belastung der Haushalte hinauszurechnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter sagte Felder: «Das Konterfaktische ist nicht bekannt: Wie hätten sich die Prämien entwickelt, falls die Versicherten nicht häufiger höhere Franchisen gewählt hätten? Klar ist, dass der Prämienanstieg höher gewesen wäre, unklar um wieviel höher.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu Infosperber: Felder räumt ein, dass die häufigere Wahl höherer Franchisen den Prämienanstieg gebremst hat. Er sagt jedoch nicht, wie viel mehr die Versicherten dadurch aus der eigenen Tasche zahlen mussten. Diese Zahlen lassen sich jedoch aus den Daten der Krankenkassen und des BAG entnehmen. Jede Arzt- und Kassenrechnung weist aus, welcher Anteil zu Lasten der Franchisen und des Selbstbehalts belastet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um zu prüfen, ob Haushalte&nbsp;<em>für die Grundversicherung</em>&nbsp;heute mehr Geld von ihren Netto-Einnahmen ausgeben als früher, muss man zu den bezahlten Prämien die Selbstzahlungen hinzurechnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Will man hingegen zeigen, dass die&nbsp;<em>Prämienlast</em>&nbsp;der Haushalte trotz stark gestiegener Gesundheitskosten moderat geblieben ist und «Klagen über die Prämienlast übertrieben» seien, lässt man die gestiegenen Selbstzahlungen beiseite. Genau so verfährt der von der Pharmaindustrie gesponserte Professor Stefan Felder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er verteidigt dies gegenüber Infosperber erneut mit dem Argument: «Steuern muss man auch aus der eigenen Tasche zahlen.» Dass die Selbstzahlungen in der Schweiz eh schon deutlich höher sind als in anderen europäischen Ländern, ist für Felder kein Thema. Stattdessen fragt er: «Muss uns die Finanzierung der Gesundheitsversorgung in anderen Ländern kümmern?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Basler Gesundheitsökonom kümmert sich offensichtlich nicht darum.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Auch die alleinige Prämienlast ist gestiegen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die «NZZ» fragte immerhin vorsichtig: «Ist seit 2024 alles anders?» Sie weist darauf hin, dass die Prämien der Grundversicherung von 2024 bis 2026 ungefähr so stark gestiegen seien wie in den sieben Jahren von 2016 bis 2023, welche die Basler Ökonomen verglichen haben. Gleichzeitig hätten die Einkommen der Haushalte in den letzten Jahren nur durchschnittlich zugenommen: «Das legt die Vermutung nahe, dass die Prämienlast grösser geworden ist.»</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Die Leistungen der obligatorischen Grundversicherung kosteten im Jahr 2023 rund 50 Milliarden Franken. Davon zahlten die Versicherten rund 6 Milliarden aus eigener Tasche. 35 Milliarden trugen die Prämien bei (davon zahlten Bund und Kanton 6 Milliarden als Hilfe für Wenigverdienende). Rund 9 Milliarden zahlten Kantone mit Steuergeldern an die Spitäler. Siehe: <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sozialversicherungen/bei-praemien-herrscht-ein-aehnlicher-zahlensalat-wie-bei-der-ahv/" target="_blank" rel="noopener">«Niemand weiss, wie viel die Leistungen der obligatorischen Grundversicherung genau kosten.»</a></li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/2a42b37a1220488c8c06b007a901d0ed" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Für «Berner Zeitung» und «Bund» gibt es keine Prämienerhöhung</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/medienkritik/fuer-berner-zeitung-und-bund-gibt-es-keine-praemienerhoehung/</link>
					<pubDate>Wed, 30 Sep 2026 08:25:31 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/9-f-y4zqqn9AlesngFeLEv-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="9-f-y4zqqn9AlesngFeLEv" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/9-f-y4zqqn9AlesngFeLEv-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/9-f-y4zqqn9AlesngFeLEv-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/9-f-y4zqqn9AlesngFeLEv-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/9-f-y4zqqn9AlesngFeLEv-1536x920.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/9-f-y4zqqn9AlesngFeLEv.png 2016w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Bei den Berner Tamedia-Blättern kontrolliert offenbar niemand, was gedruckt wird. Eine Tabelle zeigt für 2027 unveränderte Prämien.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Wer den «Bund» oder die «Berner Zeitung» liest, muss sich – vermeintlich – keine Sorgen um höhere Krankenkassenprämien machen. Die Tabelle, welche die beiden Tamedia-Zeitungen abgedruckt haben, zeigen bei allen zehn genannten Versicherungen: Sie verlangen 2027 die gleich hohen Prämien wie dieses Jahr.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="796" height="792" id="media-license-image-732015" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-30-at-09-05-14-Seiten_2_3_Stadt__Region_Bern_2026-09-30-1.pdf.png" alt="Screenshot 2026-09-30 at 09-05-14 Seiten_2_3_Stadt__Region_Bern_2026-09-30-1.pdf" class="wp-image-732015" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-30-at-09-05-14-Seiten_2_3_Stadt__Region_Bern_2026-09-30-1.pdf.png 796w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-30-at-09-05-14-Seiten_2_3_Stadt__Region_Bern_2026-09-30-1.pdf-300x298.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-30-at-09-05-14-Seiten_2_3_Stadt__Region_Bern_2026-09-30-1.pdf-150x150.png 150w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-30-at-09-05-14-Seiten_2_3_Stadt__Region_Bern_2026-09-30-1.pdf-768x764.png 768w" sizes="auto, (max-width: 796px) 100vw, 796px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Prämien steigen ja gar nicht! – könnte man als Leser von «Bund» und «Berner Zeitung» meinen.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Jede Leserin, jeder Leser, kommt bereits bei der ersten Zeile darauf: Das kann nicht stimmen. Denn die neuen fettgedruckten Prämien sind gleich wie die diesjährigen Prämien in Klammern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch in den Berner Tamedia-Redaktionen gibt es offenbar niemanden mehr, der die Seiten anschaut, bevor die Zeitung gedruckt wird. Sonst wäre die Tabelle nie so in Druck gegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegenüber Infosperber hat sich der Tamedia-Verlag schon verschiedentlich seiner Qualitäten gerühmt. Einmal teilte er mit: «Tamedia steht für hochwertigen Journalismus.» Ein andermal teilte er mit: Die Artikel würden «immer sorgfältig und journalistisch-fundiert recherchiert und verfasst».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das dürften die Leser und Leserinnen eigentlich von einer Zeitung erwarten, die im Printabo gegen 600 Franken pro Jahr kostet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber – so, wie es aussieht – interessieren sich die Tamedia-Journalisten nicht einmal mehr für das, was in ihrer eigenen Zeitung steht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immerhin: In der Online-Ausgabe haben die Tamedia-Zeitungen die Tabelle nachträglich korrigiert. Sie zeigt, dass die Prämien im Kanton Bern stark steigen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="918" height="598" id="media-license-image-732083" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-30-at-10-01-05-Krankenkassenpraemien-Bern-5-4-Prozent-mehr-ab-2027.png" alt="Screenshot 2026-09-30 at 10-01-05 Krankenkassenprämien Bern 5 4 Prozent mehr ab 2027" class="wp-image-732083" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-30-at-10-01-05-Krankenkassenpraemien-Bern-5-4-Prozent-mehr-ab-2027.png 918w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-30-at-10-01-05-Krankenkassenpraemien-Bern-5-4-Prozent-mehr-ab-2027-300x195.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Screenshot-2026-09-30-at-10-01-05-Krankenkassenpraemien-Bern-5-4-Prozent-mehr-ab-2027-768x500.png 768w" sizes="auto, (max-width: 918px) 100vw, 918px" /><figcaption class="wp-element-caption"> </figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/bf50147cddec4026b432533d1016b583" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Plötzlich entdeckt die FDP die kleinen Leute</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/ploetzlich-entdeckt-die-fdp-die-kleinen-leute/</link>
					<pubDate>Wed, 30 Sep 2026 08:25:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=731847</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Vinzenc-Stauffacher-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Vinzenc-Stauffacher" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Vinzenc-Stauffacher-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Vinzenc-Stauffacher-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Vinzenc-Stauffacher-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Vinzenc-Stauffacher.png 1201w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Nein zum MwSt.-Schwindel», sagt die FDP im Hinblick auf die Abstimmung vom November. Doch wer sind hier eigentlich die Schwindler?]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Am 29. November stimmen wir über die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte ab. Damit soll die 13. AHV-Rente teilweise finanziert werden. Die FDP ist dagegen. Das machte sie Anfang Woche an einer Medienkonferenz nochmals klar. Dass die Freisinnigen die Mehrwertsteuer-Erhöhung ablehnen, ist nicht erstaunlich. Sie lehnen jede Steuer-Erhöhung ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Das Leben wird immer teurer»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstaunlich ist die Argumentation. FDP-Ko-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher tönte an der <a href="https://www.youtube.com/live/nFeTYggKgqg" target="_blank" rel="noopener">Medienkonferenz</a> schon fast wie eine Gewerkschafterin. Sie begann mit den Worten: «Das Leben in der Schweiz ist teuer. Und es wird immer teurer.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie fuhr fort: «Die Krankenkassenprämien steigen. Die Mieten sind hoch. Familien zahlen für die Betreuung, die Mobilität und den täglichen Bedarf immer mehr. Bei vielen Menschen bleibt am Ende des Monats immer weniger übrig.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das klang dann wie das Lamento einer Konsumentenschützerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und als Zuhörer fragte man sich: Was hat die FDP in der Vergangenheit eigentlich gegen steigende Mieten getan? Oder gegen steigende Krankenkassenprämien?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Jeden Franken zwei Mal umdrehen»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch hören wir Susanne Vincenz-Stauffacher weiter zu. Es lohnt sich. «Für Haushalte, die jetzt schon jeden Franken zwei Mal umdrehen müssen, wiegt diese Belastung schwer», sagte sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und: «Ein höherer Mehrwertsteuersatz belastet sehr direkt das Portemonnaie jedes Einzelnen von uns – und zwar jeden Tag. Sei es, dass Sie beim Coiffeur die Rechnung bezahlen, in ein Restaurant gehen, Kleider kaufen, sich neue Möbel anschaffen oder auch ein elektronisches Gerät.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast schien es, als hätte die FDP die kleinen Leute entdeckt. Und deren Sorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber so ist es natürlich nicht. Es kommt nämlich nicht darauf an, ob eine Ausgabe täglich anfällt, monatlich oder jährlich. Es kommt darauf an, wie hoch diese Ausgabe ist. Und wie stark sie steigt. Davon können Mieter und Mieterinnen, Prämienzahler und Prämienzahlerinnen ein Lied singen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das kümmert die FDP und ihre Ko-Präsidentin nicht gross. Siehe oben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Vermurkste Vorlage»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel lieber schiesst Vincenz-Stauffacher gegen die Vorlage zur Finanzierung der 13. AHV-Rente: «Das Schlimmste ist: Diese Vorlage löst ja das Kernproblem gar nicht. Diese Vorlage finanziert die 13. AVH-Rente nicht vollumfänglich. Weniger als die Hälfte wird damit finanziert. Vor diesem Hintergrund muss man von einer vermurksten Vorlage sprechen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und erstmals dachte man als aufmerksamer Zuhörer. Wie recht sie doch hat, die gute Frau Vincenz-Stauffacher!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Jahre lang stritten National- und Ständerat über die Finanzierung der 13. AHV-Rente. Schliesslich kamen sie auf die «Lösung» mit der Mehrwertsteuer: Der Normalsatz soll um 0,4 Prozentpunkte erhöht werden, der Sondersatz für die Hotellerie um 0,2 Prozent. So kommen – sofern das Volk im November zustimmt – ab 2028 jährlich 1,4 Milliarden Franken herein. Das deckt etwa einen Drittel der Kosten für die 13. Rente.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/" target="_blank" rel=" noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" id="media-license-image-699999" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png" alt="Spendenbalken blau" class="wp-image-699999" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei wäre es ganz einfach gewesen. Das Parlament hätte die 13. Rente über höhere AHV-Beiträge finanzieren können, über <a href="https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/die-schweiz-widerspricht-dem-nationalrat-bei-der-ahv/" target="_blank" rel="noopener">eine höhere Bundessteuer</a> oder über <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sozialversicherungen/13-rente-alternativen-zu-lohnprozenten-und-mehrwertsteuer/" target="_blank" rel="noopener">eine Kapitalsteuer</a>. Das wäre sozial gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die FDP will nicht sozial sein. Sie tut nur so.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Wir setzen auf strukturelle Massnahmen»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Ziel der FDP&nbsp;war immer klar: die AHV möglichst kurzhalten. Dieses Ziel wird sie erreichen. Ganz egal, ob das Volk der Mehrwertsteuer-Erhöhung zustimmt oder nicht. Die AHV wird nicht so viel Geld erhalten, wie sie für die Finanzierung der 13. Rente bräuchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Susanne Vincenz-Stauffacher sagte denn auch: «Wir setzen auf strukturelle Massnahmen.» Was sie damit meint, sagte sie nicht. Aber es ist sowieso klar: ein höheres Rentenalter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Haltung ist allerdings zutiefst undemokratisch. Denn im März 2024 sagte das Volk nein zu einem höheren Rentenalter. Erstens ist das nicht lange her, und zweitens war das Nein mit 75 Prozent überdeutlich.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/das-parlament-will-die-ahv-ausbluten/" target="_blank" rel="noopener">Das Parlament will die AHV ausbluten</a>, Infosperber vom 20. Juni 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/unsere-parlamentarier-sind-schlechte-verlierer/" target="_blank" rel="noopener">Unsere Parlamentarier sind schlechte Verlierer</a>, Infosperber vom 10. Juni 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/13-ahv-rente-die-heuchlerische-sorge-um-mittelstand-und-kmu/" target="_blank" rel="noopener">13. AHV-Rente: Die heuchlerische Sorge um Mittelstand und KMU</a>, Infosperber vom 28. März 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/2304439d1b1945dca8d90959b8138289" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
			
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