Daniel Trappitsch (r.) übergibt in Bern die Unterschriften gegen das Tierseuchengesetz. © SF

Daniel Trappitsch (r.) übergibt in Bern die Unterschriften gegen das Tierseuchengesetz.

Impfgegner mit Verbindungen zu rechten Patrioten

Jürg Lehmann / 28. Jul 2012 - Über das Tierseuchengesetz muss das Volk abstimmen. Eingereicht hat das Referendum der Verein N.I.E. Wer steckt dahinter?

Präsident des «Netzwerks Impfentscheid N.I.E» ist der Bündner Heilpraktiker Daniel Trappitsch (47). Er betreibt eine Praxis in Buchs (SG) und bietet unter anderem anthroposophische Heilkunde, ganzheitliche Lebens- und Gesundheitsberatung sowie spirituelle Lebensbegleitung an. 2011 kandidierte er auf einer eigenen Liste in Graubünden für den Nationalrat, erreichte aber nur gerade 1525 Stimmen.

Einmalig niedrige Fehlerquote

Trappitsch unterhält verschiedene Webseiten, wo er neben seiner beruflichen Tätigkeit stets die Homepage gegen Impfentscheide verlinkt. Er ist der Motor hinter dem Referendum gegen das Tierseuchengesetz. Am 6. Juli übergab er der Bundeskanzlei Pakete mit 51 216 Unterschriften, 51 110 meldete die Bundeskanzlei am 18. Juli als gültig. Das ist eine einmalig niedrige Fehlerquote und zeigt, wie diszipliniert Trappitsch & Co sammelten. Am 25. November stimmt das Schweizer Volk über das Gesetz ab.

Das revidierte Tierseuchengesetz gibt dem Bund mehr Kompetenzen bei der Prävention und Bekämpfung von Seuchen. Dazu gehört der Betrieb von Impfstoffbanken. Für die Impfgegner steckt dahinter die verkappte Einführung von Zwangsimpfungen. Sie setzen auf natürliche Präventionsmethoden, Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit.

Trappitsch konnte sich beim Beschaffen der Unterschriften auf staatskritische Landwirte und Tierhalter verlassen. So sassen CVP-Nationalrat Jakob Büchler und Impfgegner Josef Zahner aus Kaltbrunn im Referendumskomitee. Zahner ist regional eine bekannte Figur, weil er schon mehrmals die Impfung seiner Tiere gegen die Blauzungenkrankheit verweigerte. Im fünfköpfigen Komitee sass auch der Zürcher Bio-Bauer und grüne Kantonsrat Urs Hans.

Referendumsbastion Ostschweiz

Allein im Kanton St. Gallen sammelten die Impfgegner 14 500 Unterschriften. Trappitsch zählt auch SVP-Nationalräte zu seinen Unterstützern. Auf der Impfentscheid-Homepage nennt er Oskar Freysinger (VS), Yvette Estermann (LU) und Lukas Reimann (SG), aber auch die SP-Frau Edith Graf-Lischer (TG). Die Liste sei nicht vollständig, so Trappitsch, weil andere Politiker Angst hätten, sich offen zu bekennen.

Daniel Trappitsch ist als entschlossener Impfgegner ein Vortragsreisender und auf elektronischen Kanälen unterwegs. Er gibt dabei auch den Medienkritiker. In einem längeren Video-Interview mit WAC Switzerland, wo er sich unter anderem gegen die Schweingrippe-Impfung ausspricht, erklärt er: «Es gibt in der Schweiz keine Zensur, aber sie funktioniert hervorragend.» Die Pharma- und Waffenlobby steuerten die Medien.

Enger Kontakt zu Verein «Bürger für Bürger

Einen engen Kontakt pflegt Trappitsch mit dem Zürcher Rechtsanwalt Markus Erb und dessen rechtslastigem Patriotenverein «Bürger für Bürger». Erb war Initiant der Maulkorbinitiative, die dem Bundesrat verbieten wollte, im Vorfeld von Abstimmungen öffentlich aufzutreten. Volk und Stände lehnten die Initiative am 1. Juni 2008 mit bloss 25 Prozent Ja-Stimmen deutlich ab.

Erb wurden Verbindungen zum umstrittenen und als rechtsaussen eingestuften VPM (Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis) nachgesagt, der sich nach eigenen Angaben im März 2002 auflöste. Gegenüber der NZZ bestritt Erb im Vorfeld der Abstimmung zur Maulkorbinitiative, je Mitglied des VPM gewesen zu sein. Die Frage, ob er den Verein als Anwalt vertreten habe, beantwortete er allerdings nicht.

Kritisch gegenüber Sexualerziehung in Schule

Als Präsident des Vereins «Bürger für Bürger» gibt Markus Erb regelmässig ein Bulletin heraus, in dem auch Daniel Trappitsch publiziert, zum Beispiel in der Ausgabe 9 vom März 2011, wo er sich gegen «eine umfassende Sexualerziehung in der Schule» ausspricht und etwas verschwurbelt schreibt: «Die zentrale Rolle des Elternhauses und der Familie wird durch die Gender-Mainstream-Politik des Bundesrates nicht nur in der(Sexual)erziehung untergraben. Gegen diese Entmündigung wehren wir uns.»

Erbs Verein ist folgerichtig auch vehement gegen den Lehrplan 21 (»Zerstörung des Föderalismus»), der einen gemeinsamen Lehrplan für die Volksschule anstrebt. Zusammen mit Erb trat Daniel Trappitsch am 4. Juli 2009 im Alpenparlament.TV des Berner Unternehmers Martin Frischknecht zum Thema «Abstimmungsbetrug zur RFID-Einführung in Schweizer Pässen?» auf. Die Sendung ist nicht mehr verfügbar.

Einen Auftritt hatte Trappitsch dafür im am 12. März 2012 auf «Schweiz 5», das über Kabel-TV aber auch über Internet empfangen werden kann. Unter anderen gehen hier Mike Shiva und der abgewählte SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer mit dem «Schweizerzeit-Magazin» (monatlich einmal) auf Sendung. Schlüer hatte übrigens für Erbs Initiative in seinem Blatt «Schweizerzeit» gratis Unterschriftenbögen beigelegt.

Verbindung zu christlichen Fundamentalisten

Erbs Verein wiederum spannt seine Fäden bis ins christlich-fundamentalistische Milieu hinein. Er engagierte 2011 die zum Katholizismus konvertierte Gabriele Kuby für eine Vortragstournee in der Schweiz. Kuby verteidigt laut Wikipedia das katholische Lehramt, den Zöllibat und sieht «sexuellen Missbrauch von Kindern nicht als spezifisches Problem der römisch-katholischen Kirche (...) sondern als Problem der Gesellschaft». Sie nimmt die Tugend der Keuschheit gegen eine zügellose Sexualmoral in Schutz.

Der Kampf gegen das Tierseuchengesetz ist für Daniel Trappitsch lediglich die erste Etappe, die zweite ist bereits vorgespurt, wenn das Parlament im Oktober das Epidemiengesetz verabschieden wird. Es will dem Bundesrat die Kompetenz einräumen, in Krisenfällen für bestimmte Personengruppen ein Impfobligatorium zu erlassen. Trappitsch hat mit der Webseite «EPG Referendum» schon die Plattform bereitgestellt, um mit der Sammlung der Unterschriften gegen das Gesetz sofort loslegen zu können.

Kreis zu rechten Patrioten schliesst sich

Schliesslich winkt der Naturheilkundler auch noch mit dem Kampf gegen das Präventionsgesetz, das in Bern noch in Beratung ist. Dieses Referendum will er allerdings nicht mit seinem Verein N.I.E an die Hand nehmen. Er schreibt vielmehr: «Die Unterschriften gegen das Präventionsgesetz werden vermutlich vom Verein Bürger für Bürger gesammelt.» Der Kreis zu Markus Erb schliesst sich damit.

Man sollte Trappitsch und sein feingesponnenes, weitverzweigtes Netzwerk nicht unterschätzen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Daniel Trappitsch äussert sich über die Medien (erste Minute des Videos)

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4 Meinungen

Ich frage mich, was dieser Artikel bewirken soll, ausser dass die Unglaubwürdigkeit der Initianten erhöht werden soll? Wäre es nicht deutlich nützlicher für die Sache, wenn man sich objektiv mit den Gründen für/gegen das Tierseuchengesetz auseinandersetzen würde?

Oder kann die Idee gar nicht überlegenswert sein, nur weil eine Verbindung zu rechten Patrioten hergestellt werden kann? Was mich stark an den Artikel hier über die Staatsvertragsinitiative erinnert: Die Frage, ob es Gründe für die Initiative gibt, stellt sich auf der linken Seite nicht, schliesslich kommt sie von rechts aussen. Und die Frage, ob ein Impfzwang bei Epidemiegefahr wünschenswert ist, stellt sich dann auch nicht erst.

Das alles passt so gar nicht zu einer kritischen Haltung gegenüber der Pharmabranche, welche bestimmt auch in dieser Sache nicht unangebracht wäre.

Auch überraschend das Zitat über die Medien an dieser Stelle. Folglich auch nur eine Aussage, welche, wenn sie von dieser Seite kommt, so nichts Wahres haben kann?

Abgesehen davon ist Büchler nicht in der SVP.
Stefan Bohren, am 28. Juli 2012 um 14:24 Uhr
Stefan Bohren hat recht. Jakob Büchler gehört nicht der SVP an; er sitzt für die CVP im Nationalrat. Ein peinlicher Lapsus. Ich habe meinen Text entsprechend korrigiert.
Jürg Lehmann, am 28. Juli 2012 um 14:45 Uhr
Guten Tag Herr Lehmann

Eben habe ich Ihren Artikel zugespielt bekommen und möchte mich für die recht gute Recherche bedanken. Aber: auch Sie übersehen gewisse Dinge oder recherchieren falsch/ungenügend.

Hier meine Korrekturen und Anregungen:
Kandidiert habe ich 2007 als NR. Kam mit einem Budget von 1600 CHF ins Mittelfeld (Platz 33 von über 60 Kandiaten). Vor diverse Parteisoldaten. Das sind nicht «nur bescheidene» 1500 Stimmen, sondern das waren gute 1500 Stimmen. Und es war eine sehr lehreiche Erfahrung.
Ausserdem sollte man das Profil studieren, welches sich über das Kandiaten Analyserpogramm ergeben hat (weiss die Bezeichnung nicht mehr).

Das TSG Komitee besteht aus Politiker von links bis Mitte, keine rechten. Kontakte bestehen zu NR und SR aus allen Lagern. Denn beim Thema Impfen sind alle Parteien in sich gespalten.

Dass SFDRS links ausgerichtet ist, das weiss man zur Genüge. Dass Schweiz 5 offen für alle Richtungen ist, das ist anscheinend nicht bekannt. Aber man könnte dies ebenfalls recherchieren.

Ob ich mit Kuby in allen Dingen übereinstimme, das wäre eine reine Interpretation. Ich bin seit über 20 Jahren völlig unabhängig irgendwelcher Konfessionen und geniesse diese Freiheit.

Im Verein Bürger für Bürger bin ich gar Vorstandsmitglied. Dr. Erb hat die VPM nur als Anwalt im Mandat vertreten, war nie Mitglied. Wer unvoreingenommen den Verein betrachtet, erkennt, dass hier in erster Linie die freie Demokratie verteidigt wird. Das Herr Lehmann, sollten Sie dem Verein verdanken, denn auch Ihre Freiheit hängt davon ab.


Nun, im grossen Ganzen ist der Artikel gut geschrieben, bis auf die kleinen Fehler.

Es würde uns aber sehr freuen, wenn wir mit Ihnen einen konstruktiven Dialog finden könnten. Dies ist in erster Linie auch die Absicht durch die Referenden. Es geht uns nicht in erster Linie um die reine Verhinderung, sondern um den Austausch und dass wir, aufs Impfen generell bezogen, endlich die nötigen wissenschaftlichen Beweise erhalten, die wir seit Jahren einfordern.

PS: Danke an Herr Bohren und Herr Roggwiler für die Voten.
Daniel Trappitsch, am 29. Juli 2012 um 21:19 Uhr
Dass Mike Shiva auf Schweiz 5 auf Sendung gehen kann, mag das Image dieses Senders etwas beeinträchtigen. Aufmerksame Leute kennen aber auch z.B. das Gefäss «Time to do» auf demselben Sender, da sind Welten dazwischen.
Ich finde diesbezügliche Assoziation Lehmanns unseriös.
"Keine themenbezogenen Interessen (-Bindung) des Autors...» kommt nicht glaubhaft (zu mir) herüber... Wer profitiert von (kollektivistischen) Pharmakampagnen?
Das finde ich hingegen gut recherchiert: «H5N1 antwortet nicht"
www.youtube.com/watch?v=2pS_K-z2rvg
Urs Lachenmeier, am 29. Juli 2012 um 22:18 Uhr

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