Lehrverbot für nicht-christliche Ethik-LehrerInnen

Kurt Marti © Christian Schnur
Kurt Marti / 28. Nov 2013 - Bischof Norbert Brunner wartet kurz vor seiner Pensionierung mit einer weiteren, haarsträubenden Empfehlung auf.

Laut Lehrplan 21 tritt das konfessionsneutrale Fach «Ethik-Religion-Gemeinschaft» (ERG) an die Stelle des bisherigen konfessionellen Religionsunterrichts. Laut Lehrplan 21 geht es um «überfachliche Kompetenzen sowie Themen wie Menschenrechte, Moral, Toleranz, Merkmale der Weltreligionen, Spielregeln des Zusammenlebens, Umgang mit Konflikten, Themen aus der aktuellen Lebenswelt der Jugendlichen, Partizipation im Klassen- bzw. Schulrat».

Das ist eine Angelegenheit nur für christliche Lehrpersonen, findet Bischof Norbert Brunner von Sitten. Gegenüber der RhoneZeitung (siehe Link unten) erklärte er wortwörtlich: «Es ist unsere Überzeugung, dass in einem Umfeld, das bis zu 90 Prozent christlich ist, eine Lehrperson auch für das Fach ‚Ethik-Religion-Gemeinschaft‘ einer der beiden im Kanton Wallis öffentlich-rechtlich anerkannten Kirchen angehören sollte. Wir haben im gleichen Brief darauf hingewiesen, dass diese Empfehlung für die Schulbehörden nicht bindend ist.»

Damit bestätigte Bischof Brunner einen Brief von Generalvikar Richard Lehner an das Walliser Erziehungsdepartement und die Schuldirektion der OS Brig-Glis (Infosperber berichtete: «Bischof von Sitten schickt Lehrerin in die Wüste»). Darin hatte Lehner erklärt, es sei «unerlässlich, dass Lehrpersonen, welche ERG unterrichten, einer der beiden Kirchen angehören».

Die bischöfliche Forderung käme einem faktischen Lehrverbot für nicht-christliche Ethik-LehrerInnen an Walliser Orientierungsschulen gleich. Zudem hantiert Bischof Brunner mit veralteten Prozentzahlen. Denn laut den neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik hatten die beiden christlichen Konfessionen im Wallis 2010 nur noch einen Anteil von 81,8 Prozent. Tendenz sinkend.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

RhoneZeitung vom 21. November 2013

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Eine Meinung

Leider wird unserem Bischof die Zeit nicht mehr reichen, um noch herauszufinden, was Ethik überhaupt bedeutet. Noch die unzivilisierten Urwaldvölker haben davon mehr, als unser studierter Bischof. Ich wünsche ihm eine schnellst mögliche Pension und hoffe, dass sein Nachfolger weltoffener und weniger verbohrt ist.
Im Wikipedia steht über Deutschland:
Ethikunterricht in Deutschland dient der Vermittlung von Werten bzw. der Diskussion darüber, dem Vermitteln von Wissen über Religionen und Weltanschauungen, sowie der Diskussion über philosophische Fragestellungen. Je nach Bundesland ist Ethikunterricht entweder als Ersatzfach für Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, als Wahlpflichtfach, oder als ordentliches Lehrfach konzipiert. Im Unterschied zum konfessionell gebundenen Religionsunterricht ist der Ethik-Unterricht religiös-weltanschaulich neutral zu halten.
Sollte das nicht auch für uns gelten?
Wäre ich Moslem, würde ich dem Herrn Brunner Rassismus vorwerfen.
Monika Jäger, am 29. November 2013 um 17:00 Uhr

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