Schweiz Absage an Abzocker - auch im Sport

Niklaus Ramseyer © Ramseyer
Niklaus Ramseyer / 04. Mär 2013 - Über zwei Milliarden Kosten für die Schweiz, mehrere Milliarden Profit fürs Olympische Komitee, Rummel in den Bergen: Die Absage.

Mit 53 Prozent Nein war der Entscheid der Bündner gegen Olympische Winterspiele in Davos und St. Moritz 2022 letztlich überraschend klar. Überraschend vor allem auch angesichts der krass ungleichen Spiesse: Die Promotoren der nur drei Woche dauernden Spiele kämpften für den Anlass mit mehreren Millionen Franken, mit der Unterstützung des mächtigen Zürcher Medienkonzerns Ringier und mit Hilfe des Schweizer Sportministers Bundesrat Ueli Maurer. Die Gegnerschaft im Kanton Graubünden hatte nicht mal 100'000 Franken zur Verfügung.

Absage an die Arroganz der Elite

Doch die viel Schwächeren haben sich durchgesetzt: Das Bündner Volk hat der lokalen und nationalen Elite, die sich mit den Spielen mitunter selber feiern wollte, eine klare Absage erteilt. Diese Elite hatte sich mit beachtlicher Arroganz aufgeführt: Sie hatte der betroffenen Bevölkerung vorgegaukelt, die Winterspiele seien in ihrem Interesse und nütze dem ganzen Kanton nachhaltig.

Sie hatte auf nationaler Ebene auch sofort eine Milliarde aus der Bundeskasse versprochen, und darüber hinaus noch unlimitierte Garantien, um sogenannte «Defizite» der Veranstaltung zu decken. Doch die einfachen Leute in den betroffenen Bergtälern hatten rasch gemerkt, dass sie von den gigantischen Spielen nichts haben würden. Und sehen erst recht nichts: Die Mächtigen und Reichen bleiben bei solchen Anlässen gut abgesichert durch Armee und Polizei immer mehr unter sich. Die Bevölkerung Graubündens wäre mit Olympia 2022 behandelt worden, wie einst die Einheimischen in Afrika, vor deren Hütten die Luxus-Geländewagen des Rennens Paris-Dakar in Staubwolken vorbeibrausen.

Absage an die Sport-Abzocker

Das Nein der Bündner ist eine klare Absage an derlei Arroganz. Aber auch an die Arroganz der Sport-Vermarkter vom Olympischen Komitee in Lausanne. Das IOC einigt sich mit der Führungsschicht der «Austragungsorte» regelmässig auf brutale Knebelverträge, welche den betroffenen Ländern und Städten Kosten in Milliardenhöhe aufbürden, während das Komitee Milliarden abkassiert – steuerfrei und intransparent.

Das Nein der Bündner war darum auch eine klare Absage an die Sport-Abzocker in Lausanne, welche immer höhere Milliardenbeträge von Sponsoren und aus Fernsehrechten in ihre Taschen stecken. Und es war nicht zuletzt auch eine Absage an die für viele undurchsichtige Kumpanei zwischen den Oympia-Promotoren und dem Medienkonzern Ringier, der in seinen Blättern rund um die Olympia-Kandidatur fast nur noch Propaganda betrieb, und kaum mehr seriösen Journalismus.

In den meisten Ländern können sich die Leute gegen derlei Machenschaften nicht wehren. In der direkt-demokratischen Schweiz hingegen schon. Die Bündnerinnen und Bündner haben diese Chance genutzt – und gesagt «ohne uns!» Die ganze Schweiz sollte ihnen dafür dankbar sein.

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Siehe auch «Das Märchen von den olympischen Defiziten» vom 9.2.2013.

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Dieser Beitrag erscheint auch auf tageswoche.ch

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5 Meinungen

Sie bringen es auf den Punkt, Herr Ramseyer!
Wie schön doch, dass sich die Mehrheit der Bündner nicht blenden liess und die Spiele allein mit dem Stimmzettel verhindern konnte.
Leid tun mir die Einwohner von Sochi, die diese Möglichkeit leider nicht hatten.
Andreas Mathys, am 04. März 2013 um 13:09 Uhr
Abzocker machen es wie wie manchmal Terroristen, sie schieben Kinder und Unschuldige vor sich her, dass wenn es sie erwischt, erwischt es auch Unschuldige. Damit argumentieren sie dann hinterher, wie Böse doch alle die Neider sind, und nennen sie Kindermörder, Wirtschaftskiller, u.s.w. eine schlaue, aber niederträchtige und durchschaubare Strategie.
Beatus Gubler, am 04. März 2013 um 14:54 Uhr
Ja das ist wahr Herr Dörig. Doch sollten wir wachsam bleiben. Ich freue mich sehr über das Abstimmungsresultat, und hoffe dass es auch ein Signal zur Umkehr ist im Bewusstsein des Volkes. Doch die Freude des Erfolges sollte unsere Wachsamkeit nicht trüben. Jetzt geht es erst richtig los. Ob die Grosskonzerne überhaupt in der Lage sind zu begreifen, dass Gerechtigkeit, auch im Lohnsegment, eine Basis für Effizienz und eine Quelle für Inspiration, Leistungsfähigkeit und Qualitativ besserer Produkte ist, bezweifle ich noch. Aber wir werden sehen, und ich werde auch weiterhin mit meinen Projekten (www.streetwork.ch) mich mit meinen Mitwirkenden für mehr Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft einsetzen. Mit freundlichen Grüssen Beatus Gubler
Beatus Gubler, am 04. März 2013 um 19:32 Uhr
Sehr erfreulich, dass die Bündner Bevölkerung überlegt und sensibel entschieden hat.
Nun hoffe ich, dass langsam auch in andern Ländern ein Umdenken stattfindet, und der Megakommerz nicht einfach in München oder Oslo stattfindet.
Doch in Diktaturen und Oligarchien hat das betroffene Volk bekanntlich nichts zu sagen, wie in Südafrika, wo die Hütten der Armen für den Olympiade-Gigantismus niedergerissen wurden.
Das IOC muss gezwungen werden, seine Bilanzen offen zu legen. Und kommerzielle Aktivitäten sollen besteuert werden.
Daniel Nägeli, am 05. März 2013 um 10:07 Uhr
Sie merken wahrscheinlich gar nicht, wie beleidigend Ihr Kommentar für die 47 Prozent Ja-Sager ist, Herr Ramseyer. Alles Lügner, Schwindler, Abzocker, tumbe, hinters Licht geführte Eingeborene? Die ach so „einfachen Leute in den betroffenen Bergtälern“ haben übrigens mehrheitlich für die Spiele gestimmt. Aber so genau wollen wir das ja gar nicht wissen, das wäre ja noch schöner.
Georg Fromm, am 05. März 2013 um 14:53 Uhr

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