Holländische Chipkarte für alle Trams und Busse des Landes © upg

Holländische Chipkarte für alle Trams und Busse des Landes

Leistungen von SBB & Co meilenweit hinter Holland

Urs P. Gasche / 23. Feb 2013 - Mit der neuen Chip-Karte und dem Gratis-WLAN an Bahnhöfen manövrieren sich die SBB noch mehr ins Hintertreffen.

Gleich doppelt gerät der viel gepriesene öffentliche Verkehr in der Schweiz gegenüber Holland massiv in Rücklage.

Erste Rücklage:

Als tollen Service verkündeten die SBB diese Woche, dass man an hundert Bahnhöfen «ab Ende 2015» einen kostenlosen Zugang zum Internet hat. Im Klartext also «ab 2016».

Dafür soll der Zugang zum Internet in den Zügen kostenpflichtig bleiben. Die SBB vergeben damit einen grossen Vorteil gegenüber dem Strassenverkehr: Das kostenfreie bequeme Arbeiten und Surfen während der Fahrt.

Diesen Vorteil lassen sich die niederländischen Staatsbahnen nicht entgehen: Ab 2014 bieten sie in allen Intercity-Zügen den Zugang zum Internet gratis an.

Zweite Rücklage:

«Ab Ende 2014», im Klartext also «ab 2015», führen die öffentlichen Verkehrsbetriebe endlich eine Chipkarte ein. Der Vorteil für die Besitzerinnen und Besitzer eines Halbtags- oder Generalabonnements sind vorerst klein. Ueli Stückelberger, Direktor des Verbands öffentlicher Verkehr VöV stellt für «später» in Aussicht, dass die Karte für möglichst viele Verkehrsbetriebe gültig sein werde und die Angebote sollen «schrittweise» ausgebaut werden.

Überhaupt nicht vorgesehen ist allerdings die Nutzung als E-Ticket, das die Fahrstrecken der Reisenden beim Ein- und Aussteigen registriert. Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr bei den SBB, räumte zwar ein, dass die Technologie bereit wäre, aber Verkehrsministerin Doris Leuthard wolle das E-Ticket im öffentlichen Verkehr erst einführen, wenn ein solches «Mobility Pricing» auch für den Strassenverkehr eingeführt werde. Dies sei «nicht vor 2024» der Fall, erklärte Pilloud, im Klartext wird ein E-Ticket für den öffentlichen Verkehr schubladisiert.

Ganz anders in den Niederlanden: Dort können die Holländer (und auch die Touristen!) an Bahnhöfen oder in Flughäfen eine übertragbare Chipkarte kaufen und mit dieser einzigen Chipkarte sämtliche Trams und Busse des ganzen Landes benutzen. An jeder Tram- oder Bustüre ist ein Lesegerät montiert, das wir Schweizer von den Skilifts kennen. Dieses zeichnet auf der Chipkarte beim Ein- und Aussteigen die Fahrstrecke auf und bucht den entsprechenden Preis ab. Beim Aussteigen kann man auf dem Lesegerät sehen, wie viel Geld die Chipkarte noch geladen hat. Ladegeräte sind bei den Stationen reichlich vorhanden – leider noch nicht mit Kreditkarten zu bedienen.

Im ganzen Land läuft es gleich ab. Das System hat erst noch den Vorteil, dass die öffentlichen Verkehrsbetriebe die Streckenpreise den Tageszeiten und Wochentagen anpassen können (Siehe «Eine Chipkarte für alle Trams und Busse des Landes»)

«GA» auch für Leute, die selten fahren

Einheimische in Holland können eine personalisierte Chipkarte kaufen, die nicht nur in Trams und Bussen gültig ist, sondern ebenfalls in sämtlichen Zügen des Landes. Personalisiert sind diese Generalabonnemente deshalb, weil sie für Jugendliche, Senioren und andere Gruppen unterschiedlich viel kosten. Die Chip-GAs haben für die Inhaberinnen und Inhaber den Vorteil, dass sie keinen fixen Preis haben, sondern ebenfalls die effektiv gefahrenen Strecken die Kosten bestimmen. Ein Vielfahrer zahlt mehr. Dafür lohnt sich ein praktisches Chip-GA, das den Kauf von Einzelbilletten ersetzt, auch für Leute, welche die öffentlichen Verkehrsmittel nur wenig benutzen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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4 Meinungen

Wer kürzlich schon einmal in Holland versuchte, mit dem öV zu reisen, wird die Entscheide des VöV für die Schweiz begrüssen. Verlängerte Aufenthaltszeiten von Trams und Bussen wegen dem check-in-check-out bei jedem Ein-, Um- oder Aussteigen und verärgerte und verunsicherte Kunden, weil der check-out-Vorgang aus irgendeinem Grund fehlgeschlagen und das Billett nicht mehr richtig verwendbar ist, sind die eine Seite. Dass man dann als Ausländer kaum eine Chance hat, das System vernünftig zu nutzen, weil man die Smartcard nur verwenden kann, wenn man immer ein Mindestguthaben drauf geladen hat (das einem bei der Ausreise nicht zurückerstattet wird) ist die andere, mühsame Seite solcher Systeme, die gerade dem Tourismusland Schweiz sehr schlecht anstehen würden. Schliesslich ist die Tarifintegration auf die Karte selbst beschränkt. Selbst beim Umsteigen zwischen zwei Buslinien desselben Unternehmens muss man ein neues Billett lösen. Die Holländer könnten noch viel lernen von uns! Ich kann nur sagen: Zum Glück haben wir nicht das holländische Ticketsystem.
Markus Giger, am 25. Februar 2013 um 08:15 Uhr
@Markus Giger
Die meisten Holländer sind mit den neuen Chip-Karten mehr als zufrieden. Ein neues Billett muss man sowieso nie lösen, weil die Chip-Karte in allen Bussen, Trams und je nach Karte auch in allen Zügen des Landes gültig ist. Touristen sind nicht in jeder Stadt mit einem andern Ticket-System konfrontiert und müssen an keine Schalter oder Automaten mehr gehen. Nur ihre Chip-Karte müssen sie von Zeit zu Zeit wieder aufladen. Beim Aussteigen kann man jeweils ablesen, wie viel Guthaben noch drauf ist. Mit einem Restguthaben vor der Abreise kann man eine Holländerin oder einen Holländer beglücken, der oder dem man die Karte schenkt.
Urs P. Gasche, am 25. Februar 2013 um 11:06 Uhr
Bezüglich W-lan in allen Zügen: Mit dieser Massnahme würde man def. die rund 5-10% elektrosensiblen Personen aus den Zügen vertreiben. Vielleicht würden einzelne Wagen auch schon reichen.
Annetta Steiner, am 25. Februar 2013 um 14:39 Uhr
siehe meinen Kommentar im anderen Holland-Beitrag
Roland Zbinden, am 07. Oktober 2014 um 15:38 Uhr

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