Genveränderte Nahrungsmittel machen Bauern von Konzernen abhängig © Awel

Monsanto, Syngenta, Bayer: Der grosse Schwindel

Urs P. Gasche / 16. Nov 2016 - Genverändertes Saatgut: Weder sind die Ernten grösser noch braucht es weniger Pestizide. Das zeigt ein unabhängiger Vergleich.

Medien verbreiten Versprechungen und Behauptungen der internationalen Saatgutkonzerne seit Jahren als Tatsachen: Dank genverändertem Saatgut gebe es grössere Ernten und es brauche weniger Pestizide. Die Menschen in der Dritten Welt könnten nur mit Gentechnik ausreichend ernährt werden. Das zeigen diverse Studien, die von den Saatgutkonzernen finanziert wurden.

Gestritten wird «nur» noch über mögliche langfristige Folgen für die Gesundheit von Tieren und Menschen sowie über die Wahlfreiheit der KonsumentInnen.

Ein Vergleich über dreissig Jahren

Jetzt hat die «New York Times» (NYT) die Erträge der Ernten und den Pestizideinsatz bei genverändertem Mais, Raps und Baumwolle mit dem konventionellen Anbau über dreissig Jahre hinweg aufgrund unabhängiger Daten verglichen. Fazit: «Falsche Hoffnungen» und «nicht realisierte Träume».

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Obwohl die «New York Times» ihren Befund bereits Ende Oktober mit einer Titelstory sowie auf einer ganzen Seite ausführlich veröffentlichte, hat bisher keine einzige Schweizer Zeitung darüber berichtet (Quelle SMD). «Watson» hat gestern online informiert.

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Vergleich Europa mit USA und Kanada

Trotz langjährigem Einsatz von genverändertem Saatgut seien die Ernten pro Hektar in den USA und in Kanada nicht erkennbar stärker gestiegen als in Frankreich oder Deutschland («no discernible advantage in yields»). Gleichzeitig ist der gesamte Pestizidverbrauch in Frankreich seit 1995 stärker zurückgegangen als in den USA, obwohl in den USA Mais, Sojabohnen und Baumwolle seit zwanzig Jahren mit genverändertem Saatgut hergestellt werden.

Zwar wurden in den USA weniger Insektizide und Fungizide gebraucht, dafür aber umso mehr Herbizide.

Davon profitierten vor allem grosse Konzerne, die sowohl das genveränderte Saatgut als auch die Herbizide verkaufen, gegen die das Saatgut immun ist.

In Zahlen: In Frankreich sank der Verbrauch von Insektiziden und Fungiziden pro Hektar in den letzten dreissig Jahren um 65 Prozent. Das ist ein deutlich stärkerer Rückgang als in den USA mit minus von 20 Prozent.

Gleichzeitig ging der Einsatz von Herbiziden in Frankreich um 36 Prozent zurück, während er in den USA um 25 Prozent zunahm.

Als Quellen nutzte die NYT das «United States Geological Survey» sowie UN-Statistiken und unabhängige wissenschaftliche Forschungsresultate.

Monsanto-Kronzeuge distanziert sich

Mit der Auswertung der NYT konfrontiert meinte Robert T. Fraley, technischer Leiter bei Monsanto, die NYT habe Daten willkürlich ausgewählt, so dass die Industrie schlecht dastehe. «Die schlauen Bauern werden sicher kein teures Saatgut kaufen, wenn sie von dessen Nutzen nicht überzeugt wären», erklärte Fraley der NYT. Die Biotechnologie habe die Ernteerträge «mit Sicherheit stark erhöht».

Monsanto und andere Vertreter des genveränderten Saatguts zitieren als Beweis für deutlich höhere Erträge häufig eine Metastudie von Matin Qaim von der Georg-August-Universität Göttingen. Auf Anfrage der NYT meinte Qaim allerdings, das treffe für Indien zu. In Europa aber «würde genverändertes Saatgut zu keinen merklichen Ertragssteigerungen führen».

Der Monsanto-Manager verwies zudem auf höhere Ertragssteigerungen in Nebraska im Vergleich zu Gegenden in Frankreich, während ein Bayer-Vertreter für die gleiche Aussage einen Vergleich des US-Staates Ohio mit Bayern nennt.

Die NYT ortet ein Rosinenpicken. Die genannten Vergleiche könnten Ertragsvorteile der GMO zeigen, meint die NYT, doch Vergleiche mit andern US-Bundesstaaten sähen anders aus. Aus diesem Grund hat die NYT die gesamten Anbauflächen der USA mit denen ganz Frankreichs und verschiedener Länder Europas verglichen.

Die NYT zitiert auch Jack Heinemann, Professor an der University of Canterbury in Neuseeland, der 2013 aufgrund von UN-Statistiken Trends in den Ernteerträgen verglich und zum Schluss kam, dass Europa «in keiner Weise Nachteile hat, weil es genverändertes Saatgut verbot».

Falsche Versprechen

Als erstes genverändertes Lebensmittel wurde im Jahr 1994 die «Flavr Savr»-Tomate lanciert, für welche die Migros und ihr damaliges Verwaltungsmitglied Marco Solari kräftig die Werbetrommel rührten. Sie verschwand jedoch bald von der Bildfläche. Das gleiche Schicksal erlitt kurz darauf eine ungeziefer-resistente Kartoffel. Doch dann lancierte Monsanto das «Roundup Ready»-Saatgut, das herbizid-resistent war. Ein ebenfalls von Monsanto verkauftes Herbizid vernichtete sämtliches Unkraut, so dass das «Roundup Ready»-Saatgut auf den gespritzten Feldern allein gedeihen konnte. Monsanto garantierte 1995 in einer Werbekampagne, dass das Saatgut «den gesamten Herbizideinsatz verringern kann».

Zu einem andern Schluss kommt heute Joseph Koyach der Ohio State University, der jahrelang Umweltrisiken von Pestiziden erforscht hat: «Der Zweck des unkraut-resistenten Saatguts war es, mehr Herbizide zu verkaufen.»

Erträge von Mais in den USA und in Europa

Die steigenden Mais-Erträge pro Hektar sind seit 1985 in den USA und in Europa gleich stark gestiegen. In Europa sind die Länder Frankreich, Deutschland, Belgien, Luxemburg, die Schweiz, die Niederlande und Österreich berücksichtigt. Hektogramm pro Hektar. Grafik in grösserem Format hier. (Quellen NYT: UN-Food and Agriculture Organization)

Erträge von Zuckerrüben in den USA und in Westeuropa

Die Erträge von Zuckerrüben sind in Westeuropa stärker gestiegen, obwohl in den USA im Jahr 2010 95 Prozent des Saatguts gentechnisch verändert war. Hektogramm pro Hektar. Grafik in grösserer Auflösung hier. (Quellen: NYT: US-Department of Agriculture / UN-Food and Agriculture Organization)

Pestizide in der US-Mais-Produktion

Links Prozent der behandelten Flächen pro Pestizid in den USA. Auf manchen Flächen kommen mehrere Pestizide zum Einsatz. Wahrscheinlich wegen Resistenzen nimmt der Verbrauch von Pestiziden nach 2010 wieder stark zu. Grössere Auflösung dieser Grafik hier. (Quelle NYT: U.S.D.A. National Agricultural Statistics Service)

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DOSSIER: «Genveränderte Nahrungsmittel»

DOSSIER: «Pro und contra Gentechnik»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Original-Recherche in der «New York Times» vom 29.10.2016

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2 Meinungen

danke sehr für diesen artikel.
andreas reusser, am 20. November 2016 um 19:41 Uhr
Ebenfalls danke für den Bericht. Es ist immer öfters so, dass Schweizer Medien
nicht oder teilweise und verdreht über Themen berichten, die Konzernen etc. nicht genehm sind.
Oder man jongkiert mit Werten. Nur ein Beispiel von vielen: Problematik VERSTECKTER
Zucker. WHO empfiehlt 50 Gramm pro Tag und fügt bei, nur 25 wäre besser. Die Schweiz setzt den Wert bei 100 Gramm fest. Big food dankt.
Oder Leserbriefe werden in den meisten Medien zensuriert. Schreib ich in ausländischen Medien, so ist mein Text sofort zu lesen. usw. usw.
Elisabeth Schmidlin, am 22. November 2016 um 11:18 Uhr

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