Bei der Werbung ist Facebook gar nicht so divers, wie es sich sonst gibt. © Daniela Gschweng
Mit wenigen Mausklicks ausgewählt: Bestimmte ethnische Gruppen dürfen die Anzeige nicht sehen. © Pro Publica

Facebook wirbt auch «ethnisch affin»

Red. / 02. Nov 2016 - Facebook erlaubt es, Anzeigen vor ethnischen Gruppen wie Schwarzen oder Asiaten zu verbergen.

«Alles so schön divers hier», freut sich die Facebook-Gemeinde täglich. Seit Juni gibt es sogar farblich diverse Emojis für den Facebook-Messenger. Ganz anders sieht es bei der Werbung aus.

Die Social-Media-Plattform erlaubt es Werbetreibenden, Anzeigen für bestimmte ethnische Gruppen zu verbergen, berichtete die gemeinnützige Investigativplattform «Pro Publica» am 28. Oktober.

«Pro Publica» hat es mit einem Immobilien-Inserat selbst getestet. Sie konnte für die Anzeige die Zielgruppe mit wenigen Mausklicks einschränken und Menschen ausschliessen, die eine «Affinität» zu afrikanischem, lateinamerikanischem oder asiatischem Hintergrund haben.

«Komplett illegale» Praxis

15 Minuten nach der Erstellung hatte Facebook die Anzeige akzeptiert. «Pro Publica» zitiert Rechtsanwalt John Relman, der diese Praxis als «komplett illegal» bezeichnete. Das US-Gesetz verbiete es, Immobilien- oder Stellenanzeigen zu veröffentlichen, die eine Bevorzugung oder Benachteiligung einer gesellschaftlichen Gruppe beinhalten – sei es aufgrund von Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit oder Herkunft.

Mit wenigen Mausklicks ausgewählt: Bestimmte ethnische Gruppen dürfen die Facebook-Anzeige nicht sehen. (Screenshot: Pro Publica)

Facebook verteidigt die Auswahlmöglichkeit damit, dass Werbetreibende damit die Zielgruppen optimieren können. Das sei in der Industrie gang und gäbe. Der Auswahlpunkt «Ethnic Affinity» sei zudem nicht das Gleiche wie «Rasse».

Die «ethnische Affinität» gewinnt Facebook aus den Nutzerdaten, also aus dem, was Nutzer posten und liken. Die Möglichkeit, damit ethnische Gruppen bei der Platzierung von Anzeigen auszuschliessen, steht Werbetreibenden auf Facebook schon seit November 2014 zur Verfügung. Gegen Missbrauch, sagt das Unternehmen, gehe Facebook umgehend vor.

«New York Times» prüft Anzeigen genau

Solche Auswahlmöglichkeiten wie bei Facebook biete beispielsweise die «New York Times» nicht an, berichtet «Pro Publica». Im Gegenteil: Inserierende dürften ihre Angebote auch selber nicht auf eine «ethnische Affinität» begrenzen. Formulierungen wie «nur für Weisse» oder Codeworte wie «beim Country-Club» würden automatisch aussortiert.

Selbst Anzeigenbilder für Immobilien in New York, auf denen zu viele weisse Personen abgebildet sind, würden zurückgewiesen, weil sie die Diversität der Stadt nicht abbilden. Allzu oft komme dies laut «New York Times» indessen nicht vor.

_

Diesen Beitrag hat Daniela Gschweng aufgrund eines Berichts von «Pro Publica» und anderer Quellen erstellt. Grosse Medien in der Schweiz haben bisher nicht darüber berichtet.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«Facebook Lets Advertisers Exclude Users by Race», Pro Publica
«Facebook's 'ethnic affinity' advertising sparks concerns of racial profiling», The Guardian (März 2016)
«Facebook Messenger finally adds diverse emojis!», Techcrunch (Juni 2016)

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Noch keine Meinungen

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung unter Ihrem richtigen Namen zu äussern. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Achtung: Die Länge der Einträge ist beschränkt und wir erlauben nicht, zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander zu platzieren. Unnötig herabsetzende Formulierungen ändern oder löschen wir ohne Korrespondenz.