Mit dieser Chipkarte in alle Trams und Busse in ganz Holland © upg
Für Schliessfächer an Bahnhöfen braucht es keine Münzen © upg

Eine Chipkarte für alle Trams und Busse des Landes

Urs P. Gasche / 02. Dez 2012 - Statt nur zu jammern, kann man Ausländern den Besuch in der Schweiz erleichtern: Mit Chip-Tickets und Schliessfächern ohne Münzen.

Wer schon beobachtet hat, wie ausländische Touristen vor einem Billettautomaten von Schweizer Verkehrsbetrieben standen und ein Billett für Tram oder Bus lösen wollten, hat deren schiere Hilflosigkeit erlebt. Selbst Schweizer, die nur selten ein Ticket am Automaten brauchen, haben zuweilen Mühe. Bei der Suche nach dem richtigen Tarif, für eine kurze oder eine längere Strecke oder eine Tageskarte scheitern erst recht diejenigen, die nicht ortskundig sind oder die deutsche Sprache nicht verstehen.

Von Stadt zu Stadt unterschiedliche Automaten

Wer es nach zwei Tagen Aufenthalt in Basel langsam den Durchblick hat, stellt dann in Zürich oder Bern irritiert fest, dass die dortigen Automaten nicht identisch ticken.

Eine Chipkarte fürs ganze Land

Ganz anders in den Niederlanden: Dort können Touristen wie die Holländer am Flughafen oder Bahnhof eine übertragbare Chipkarte kaufen und mit dieser einen Chipkarte sämtliche Trams und Busse des ganzen Landes benutzen. An jeder Tram- oder Bustüre ist ein Lesegerät montiert, das wir Schweizer von den Skilifts kennen. Dieses zeichnet auf der Chipkarte beim Ein- und Aussteigen die Fahrstrecke auf und bucht den entsprechenden Preis ab. Beim Aussteigen kann man auf dem Lesegerät sehen, wie viel Geld die Chipkarte noch geladen hat. Ladegeräte sind bei den Stationen reichlich vorhanden.

Im ganzen Land läuft es gleich ab. Das System hat erst noch den Vorteil, dass die öffentlichen Verkehrsbetriebe die Streckenpreise den Tageszeiten und Wochentagen anpassen können.

Auch das GA kostet je nach gefahrenen Strecken

Einheimische in Holland können eine personalisierte Chipkarte kaufen, die nicht nur in Trams und Bussen gültig ist, sondern ebenfalls in sämtlichen Zügen des Landes. Personalisiert sind diese Generalabonnemente deshalb, weil sie für Jugendliche, Senioren und andere Gruppen unterschiedlich viel kosten. Die Chip-GAs haben für die Inhaberinnen und Inhaber den Vorteil, dass sie keinen fixen Preis haben, sondern ebenfalls die effektiv gefahrenen Strecken die Kosten bestimmen. Ein Vielfahrer zahlt mehr. Dafür lohnt sich ein praktisches Chip-GA, das den Kauf von Einzelbilletten ersetzt, auch für Leute, welche die öffentlichen Verkehrsmittel nur wenig benutzen.

Keine Münzen für Schliessfächer in Flughäfen und Bahnhöfen

Wer nach Ankunft in Holland sein Gepäck in einem Schliessfach versorgen möchte, braucht sich nicht zuerst um Münzen zu kümmern, sondern kann seine Kreditkarte benutzen. Auch dies ein Service, den viele ausländische Gäste in der Schweiz schätzen würden.

Im Gegensatz zu den Niederlanden ist die Schweiz ein klassisches Touristenland. Es läge deshalb an der Schweiz, in Sachen Tourismus-Freundlichkeit in Europa führend zu sein. Falls der Kantönligeist hemmend wirkt, kann der Bund seine vielen Subventionen an die Tourismusbranche an entsprechende Bedingungen knüpfen.

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Keine

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5 Meinungen

Geniale Idee! das wünschte ich mir nicht nur für unsere ausländischen Gäste, sondern auch für mich, wenn ich mit dem öV unterwegs bin.
Regula Stern, am 03. Dezember 2012 um 16:36 Uhr
Eine schöne Darstellung der Vorteile der OV-Chipkaart, wie sie hier in Holland heisst. Ich wohne seit einigen Jahren hier und möchte jedoch betonen, dass diese (kurzen) Ausführungen von Urs P. Gasche doch einige Lücken aufweisen.
Die OV-Chipkaart wird dargestellt als Segen für Touristen. Diese Karte kostet jedoch (einmalig) 7.50 Euro; eine Investition die sich für die meisten Touristen kaum lohnt. Sie lösen besser weiterhin ein (teureres) Ticket im Fahrzeug, denn Automaten gibt es ohnehin an den meisten Orten kaum mehr. Für mich ist diese Karte daher keine Touristen-freundliche Lösung, im Gegenteil.
Weiter gibt es grosse Probleme, da der Fahrpreis nicht etwa zu Beginn der Fahrt abgebucht wird wie im Artikel geschrieben. Vielmehr wird beim Einsteigen ein fixer Betrag (im Nahverkehr meist 3-4 Euro, bei der Bahn 10 Euro) abgebucht; der Automat weiss ja nicht, wo man wieder aussteigen wird. Erst beim Aussteigen dann wird ein Teil wieder auf die Karte gebucht, wodurch letztendlich nur der effektive Fahrpreis der gefahrenen Strecke abgezogen wurde. Wer jedoch vergisst, beim Aussteigen die Karte wieder an den Leser zu halten, bezahlt meist ein Vielfaches des Preises. Zwar bieten die meisten Betriebe eine Rückerstattung an, doch dazu muss umständlich ein Papierformular ausgefüllt werden - etwas verwunderlich bei diesem digitalen System, bei dem ich meine Fahrten online einsehen kann. Schätzungen sind mir nicht bekannt, doch ich denke dass die Verkehrsbetriebe auf diese Weise grosse Summen einnehmen, da die meisten diesen Aufwand scheuen.
Und zu guter Letzt: Auch in der Schweiz wird seit einigen Jahren an einem ähnlichen System gearbeitet, verschiedene Medien haben Mitte dieses Jahres darüber berichtet. Doch das Ziel, keine Tickets mehr zu drucken, scheint auch in Holland bisher verfehlt worden zu sein. Momentan führt die holländische Bahn gerade eine grosse Kampagne damit mehr Menschen auch auf den Zügen mit der Chipkarte reisen... Und hier haben sie wohl nicht die Touristen im Visier.
Luzia Helfer, am 04. Dezember 2012 um 12:40 Uhr
@Regula Stern
Man hat sich schnell daran gewöhnt, dass man auch beim Aussteigen die Chipkarte vor das Lesegerät hält, das neben jedem Ausgang montiert ist. Der grosse Vorteil in Holland: Ein «GA», mit dem man alle öffentliche Verkehrsmittel ohne Lösen eines Billetts benutzen kann, lohnt sich nicht nur für Vielfahrer, sondern auch für alle, die nur ab und zu öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Denn man zahlt nur die effektiv gefahrenen Strecken.
Ein Manko besteht noch darin, dass Touristen die Chipkarte (meistens?) nicht mit einer Kreditkarte aufladen können.
Urs P. Gasche, am 04. Dezember 2012 um 18:02 Uhr
Nein zu einem Swiss-Pass und nein zu Tageszeit- und streckenabhängigen Preisen !!!!!!
Das haben wir ja schon jetzt und ist völlig unberechtigt, gegenüber früher, wo ein Zuschlag nur auf Gebirgsstrecken berechnet wurde.

Diese Lösung gibt es übrigens auch in Singapore und Hongkong, dort aber nur für Metro und Tram ausserhalb des Satdtzentrums. aber da kostet der Trip mit der Tramway auch nur 1 HK $; und die Ferry einen Bruchteil davon.

Und nein auch zu weiteren Zahlungen von Klein- und Kleinstbeträgen via CC, nebst dem Umstand, das längst nicht jeder eine solche hat oder haben will :
Roland Zbinden, am 07. Oktober 2014 um 15:35 Uhr
@Zbinden. Nur nicht so apodiktisch. Im Verkehr sollte endlich mehr Kostenwahrheit herrschen. Das führt zu weniger Zersiedelung und zu kürzeren Arbeitswegen und die Infrastrukur muss viel weniger rasch ausgebaut werden – wiederum subventioniert auf Kosten aller. Und warum sollen andere Bahnfahrer die Pendler subventionieren?
Urs P. Gasche, am 07. Oktober 2014 um 15:49 Uhr

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