CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner © cc

CS-Boni: Das Bauchgefühl erhält weitere Nahrung

Lukas Hässig / 14. Feb 2017 - Die Credit Suisse meldet wieder einen Milliardenverlust – fast so hoch wie im Horrorjahr 2015. Doch hohe Boni fliessen weiter.

Red. Diesen Beitrag hat der Autor am 14. Februar auf «Inside Paradeplatz» veröffentlicht.

Die CS blutet aus

CS-CEO Tidjane Thiam spricht heute Dienstag von einer starken Position seiner Bank für die Zukunft. «Wir sind gut aufgestellt», meint Thiam.

Im Hier und Jetzt sieht es weniger günstig aus. Die CS machte wieder einen Riesenverlust. 2,4 Milliarden Minus im 2016, dies nach 2,9 Milliarden rot im 2015. Total macht das 5,3 Milliarden. Die CS, ein horrender Verlustbetrieb.

Doch die Führung stellt sich ein gutes Zeugnis aus. CEO Thiam sieht sich und die CS auf Kurs. Entsprechend fliessen die Boni. Sie bleiben gigantisch hoch für eine Firma, die am Laufband rote Zahlen in Milliardenhöhe produziert.

Milliardenverluste im Geschäft – Milliardenboni für die Spitze

Zahlen für 2016 geschätzt.

Im 2015 betrugen die «erfolgsabhängigen» Entschädigungen 2,9 Milliarden. Auf jeden Franken Verlust gab es einen Franken Bonus für das Management. Im 2016, dem Jahr, über das die CS heute Bericht erstattet, könnte das Verhältnis in etwa gleich bleiben. Der Gesamtbonus dürfte gut 2 Milliarden betragen, die genauen Zahlen folgen im März.

Pro einem Franken Verlust rund einen Franken Bonus

Die Schätzung basiert auf den publizierten Löhnen und Boni. Diese sanken von 11,5 Milliarden im 2015 auf 10,6 Milliarden im zurückliegenden Jahr. Die 900 Millionen Differenz verteilen sich auf eingesparte Löhne durch Entlassungen und Personalabbau – der Bestand sank um 2 Prozent – und auf etwas weniger Boni.

Die CS-Führung zahlt somit immer noch stolze Boni. Im Kader ist es allerdings teils zu Kürzungen um immerhin 20 und 30 Prozent gekommen. Und an der Basis bei den Mitarbeitern ist von Bonus schon lange nicht mehr gross die Rede. Dort gibt es ein paar Krümel.

Der Grossteil des Bonustopfs wird somit weiterhin ganz oben verteilt. Die Konzernleitung unter Tidjane Thiam dürfte sich für das letzte Jahr einen stolzen Anteil zuschanzen. Man hatte es ja auch schwer. «Wir haben zwölf anspruchsvolle und ereignisreiche Monate hinter uns», wird Thiam im heutigen Communiqué zitiert.

Die Schuld an der Krise tragen die anderen: die Vorgänger, die Märkte, die Altlasten. So wird aus einem zweiten Annus horribilis in Serie mit einem erneuten Milliardenverlust ein gutes Jahr für sich selbst.

Walk the Talk, heisst es in der Theorie des Managements. Hier wird das Gegenteil zelebriert. Man vergoldet sich selbst, obwohl die Bank zu einem Unternehmen mit fortdauernden Verlusten wurde. Besonders problematisch ist jener Bereich, den die CS-Spitze unter Thiam in einer tollkühnen Aktion an die Börse bringen will: die CS Schweiz. Unter der Führung von Thomas Gottstein, einem Ex-Investmentbanker, ist die CS Schweiz still und sanft in eine bleierne Krise geraten.

Der Vorsteuergewinn der SUB (Swiss Universal Bank) der CS steigt zwar schön linear an, von 1,5 Milliarden im 2014 auf 1,6 Milliarden im 2015 auf 1,7 Milliarden im 2016. Was so sein muss, ansonsten der Börsengang schon jetzt keine Chance mehr hätte. Doch im Kleingedruckten finden sich Anzeichen für eine veritable Gefahr namens Vertrauensverlust. Die Kunden kehren der Schweizer Credit Suisse den Rücken – in grossen Scharen. Im ganzen letzten Jahr flossen der CS Schweiz, der vermeintlichen Perle des ganzen Finanzkonzerns, sage und schreibe 3,5 Milliarden Franken an Kundenvermögen ab.

Grafik in grösserer Auflösung hier.

Allein in den Monaten von Oktober bis Dezember summierten sich die Abflüsse auf 2,9 Milliarden. Eine dramatische Beschleunigung, die auf ein generelles Misstrauen hindeutet. Respektive auf langjährige Berater, die bei der CS nicht mehr erwünscht sind und nun zur Konkurrenz wechseln. Und weil ihnen die Kunden folgen, verliert die CS Schweiz die Assets.

Die CS spricht von gewollten Abflüssen rund um Steuerthemen. Sie kündigt externen Vermögensverwaltern, was die Assetbasis verringert. Sorgen bereiten müssen der CS Schweiz die Abflüsse bei den reichen Privatkunden. Dort sanken im ganzen letzten Jahr die verwalteten Vermögen um 1,7 Milliarden. Im Jahr zuvor, also 2015, gab es noch Zuflüsse über 3,2 Milliarden.

Im internen Wettstreit mit dem Bereich «Vermögensverwaltung International» unter Shootingstar Iqbal Khan verliert Schweiz-Chef Gottstein an Boden. Khan legte massiv zu, mit über 15 Milliarden Neugeldern. Dadurch ist seine Assetbasis, auf der er Gewinne erzielen kann, auf 323 Milliarden Franken hochgeschnellt.

Dagegen stagnierte Gottsteins Vermögensstock bei gut 240 Milliarden. Kein Wunder, wachsen die Zweifel am angekündigten Börsengang. Wer will die Aktien einer CS Schweiz?

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig betreibt die Webseite «Inside Paradeplatz».

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