© Quelle: Swissgrid/Berechnung: Guggenbühl/Grafik: Südostschweiz

Weniger Subvention bringt mehr Solarstrom

Hanspeter Guggenbühl / 25. Sep 2012 - Es ist nicht Geldmangel, der den Solarstrom bremst. Das Fördermittel namens KEV blockiert viele Anlagen und vergoldet wenige.

Die Nachfrage ist riesengross: Seit Mai 2008 wurden beim Bund 24'000 Photovoltaik-Projekte eingereicht mit dem Begehren, in den Genuss der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) zu kommen. Die ersten hatten Glück: Rund 5'000 dieser Solarkraftwerke erhielten bis heute eine KEV-Zusage. 4'000 davon sind bisher realisiert worden und speisen pro Jahr 89 Millionen Kilowattstunden Solarstrom ins Elektrizitätsnetz ein. Das entspricht einem Anteil von 0,15 Prozent am nationalen Stromverbrauch.

Minderheit kassiert fürstlich subventionierte Rendite

Die begünstigten Solarstrom-Produzenten erhalten während 25 Jahren eine kostendeckende Vergütung. Diese bewegt sich bei den ersten, 2009 in Betrieb gesetzten Anlagen (je nach Typ und Grösse) zwischen 50 und 90 Rappen pro eingespeiste Kilowattstunde (kWh). Mittlerweile hat der Bundesrat die Ansätze – dem Preiszerfall der Solarmodule folgend - zwar deutlich gesenkt.

Trotzdem bleibt die Subvention fürstlich. Sie reicht aus, um das investierte Kapital mit fünf Prozent zu verzinsen, in 25 Jahren zu amortisieren und obendrein sechs Rappen pro kWh für den Unterhalt einzusetzen. Zum Vergleich: Andere sichere Kapitalanlagen wie Sparhefte oder zehnjährige Bundesobligationen erzielen heute eine Rendite von weniger als ein Prozent. Und selbst diejenigen, die für die Finanzierung ihrer Photovoltaik-Anlage eine Hypothek aufnehmen müssen, zahlen dafür nur halb soviel Zins, wie sie als KEV-Vergütung erhalten.

Hohe spezifische Subvention begrenzt Menge

Der Nachteil dieser goldigen Subvention: Das Kontingent an KEV-Geld, das für die Photovoltaik zur Verfügung steht, war schnell ausgeschöpft. 19'000 der 24'000 Photovoltaik-Projekte, die zusammen immerhin 800 Millionen kWh Strom pro Jahr produzieren und damit 1,3 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs decken könnten, sind heute auf der KEV-Warteliste blockiert. Nahe läge darum, die Subvention pro kWh Strom deutlich zu senken, um mit dem vorhandenen Geld mehr Solarstrom fördern zu können. Damit liesse sich die Warteliste abbauen.

Die Solarlobby hingegen will nicht die Rendite senken, sondern die Subvention erhöhen. Mit dem Schlachtruf «Bremse lösen, Deckel weg» forderte die Agentur für erneuerbare Energien, der Bund solle generell mehr Geld für die KEV zur Verfügung stellen. Diese Forderung fand Gehör, nachdem die Landesregierung beschlossen hatte, den Bau von neuen Atomkraftwerken zu verbieten und eine Energiewende einzuleiten. So überwies das Parlament letzten Herbst eine Motion, welche die Regierung auffordert, den KEV-Plafond aufzuheben. Die dazu notwendige Gesetzesänderung kann der Bundesrat in seiner Vorlage zur «Energiestrategie 2050» beantragen, die er in die Vernehmlassung schicken wird. Damit stünde ab 2015 oder 2016 mehr Geld für die Förderung von Strom aus neuer erneuerbarer Energie zur Verfügung.

Phantomprojekte blockieren KEV-Gelder

Die heutige KEV, mit der die Schweiz Strom aus neuer erneuerbarer Energie quersubventioniert, hat bislang zwei Schranken: Begrenzt wird erstens die Abgabe auf konventioneller Elektrizität, deren Ertrag den KEV-Fonds speist, nämlich auf 0,6 Rappen pro kWh bis 2012 und auf 0,9 Rappen ab 2013. Das ergibt einen Gesamtplafond. Dieser wird ergänzt durch «Deckel» für die einzelnen Technologien: Für die Photovoltaik als teuerste Technik standen anfänglich nur fünf Prozent der Gelder aus dem KEV-Topf zur Verfügung; dieser Anteil ist mittlerweile auf 30 Prozent gestiegen.

Diese sektorielle Plafonierung beschloss das Parlament, weil es pro Subventionsfranken möglichst viel Alternativstrom fördern wollte. Darum hat es den Grossteil des KEV-Fonds für die billigeren Wind-, Biomasse- und Wasserkraftwerke reserviert.

Die Folgen dieser Politik zeigt die KEV-Statistik: Viele Wasser- und Windkraft-Projekte erhielten die Zusage für die kostendeckende Vergütung. Darum ist der Gesamtplafond der KEV heute ausgeschöpft. Doch der Grossteil dieser Projekte liess sich bisher nicht realisieren, sei es, weil Investoren fehlen, oder weil die Projekte Gewässer- oder Landschaftsschutz-Gesetze verletzen.

Diese Phantomprojekte blockieren nun die Ausschüttung der zugesagten KEV-Gelder. Darum kann der Bund die maximal mögliche Strom-Abgabe von heute 0,6 Rappen/kWh Strom, die den KEV-Fonds speist, gar nicht voll nutzen; deshalb wurde sie in der Praxis auf derzeit 0,45 Rappen/kWh gesenkt.

Fazit: Die lange Warteliste, die vor allem die Realisierung von Photovoltaik-Anlagen hemmt, ist nicht auf den Mangel an Geld zurück zu führen. Sondern auf die hohen spezifischen KEV-Ansätze, die wenige Produzenten fürstlich belohnen, sowie auf die Vielzahl an nicht realisierbaren Wind- und Wasserkraftwerken, welche die KEV verstopfen.

Kalkulation der KEV für Photovoltaik-Anlagen

Ein Kalkulations-Beispiel: Wer heute eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 10 Kilowatt (KW) auf sein Hausdach montieren lässt, zahlt dafür einen Preis von durchschnittlich 40'000 Franken (oder 4'000 Franken pro KW). Damit produziert er jährlich 9'500 Kilowattstunden (kWh) Solarstrom. Auf diesen neuen «Referenz»-Daten» basiert die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV), die der Bund für den Solarstrom aus «angebauten» Kleinanlagen bis 10 Kilowatt Leistung vergütet.

Bei diesen (am meisten verbreiteten) «angebauten» Kleinanlagen beträgt die Vergütung ab 1. Oktober 2012 noch 36,1 Rappen pro kWh Solarstrom. Davon entfallen sechs Rappen auf den Unterhalt der Anlage. Mit den übrigen 30,1 Rappen/kWh (oder 2860 Franken Ertrag pro Jahr) lässt sich das investierte Kapital der rund 40 000 Franken teuren «Referenzanlage» in 25 Jahren amortisieren und mit fünf Prozent verzinsen (das entspricht einer Annuität von 7,1 %). Die Rechnung: 2'860 Franken Jahresertrag dividiert durch die Annuität von 7,1 % mal 100 % ergibt 40'280 Franken.

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3 Meinungen

Wir sind auch in der Warteschlange, haben aber im Juli 2011 schon 6,9 KWp gebaut. Rii-Seez Power kauft uns den Solarstrom als Übergangslösung zu 45 Rp/kWh ab, was sehr lobenswert ist!
Aber.... die EW vergolden diesen Solarstrom, möchten ihn an Gutmenschen zu einem völlig übersetzten Preis verkaufen. 40 Rp/kWh schlagen sie drauf!!!! und verdienen damit unendlich viel mehr als am selbst generierten Wasserstrom, oder auch am gehandelten Atomstrom! Oder eher, sie würden viel mehr verdienen, denn zu solchen Apotherkerpreisen kaufen nur ganz wenige ganz liebe Gutmenschen Solarstrom. Auch das ist den EW recht, so können sie behaupten, es wolle niemand Solarstrom.
Und wer möchte denn Atomstrom, wenn dieser nicht künstlich verbilligt würde, ganz zu schweigen von einer Provision von 40 Rp/kWh???
Urs Lachenmeier, am 26. September 2012 um 10:34 Uhr
Ich bin Auslandschweizer. Wenn ich diese Berichte lese, regt sich Verzweiflung und Wut in mir. So geht die Politik mit unserer Schweiz und unserer Zukunft um ? Hat es denn niemand, der diese üblen Machenschaften beseitigt ? Weder ein «richtiger Mann» noch eine gute Frau ?
Seit Ihr denn alle korrupt ? Wir müssen doch jetzt endlich vorwärts machen mit der erneuerbaren Energie. Und den Atom-Befürwortern zeigen : Yes we can !
Ulrich Näf, am 28. September 2012 um 04:06 Uhr
Die These, wonach die privilegierten PV-Anlagenbauer Schuld sind, dass nicht mehr Solarstrom erzeugt wird, fällt mehrfach wie ein Kartenhaus in sich zusammen:

- Erstens schreibt der Autor selbst von Phantomprojekten, die die Hauptverantwortung für die KEV-Blockade tragen - das sind aber in den wenigsten Fällen Solarprojekte

- Zweitens ist die Verzinsung keineswegs fürstlich, darf doch nicht angenommen werden, dass über 25 Jahre das heutige einmalig tiefe Zinsniveau bestehen bleibt.

- Schliesslich bleibt HPG eine Berechnung schuldig, um wie viel mehr Sonnenenergie denn mit billigerer KEV erzeugt würde - es kann nur wenig sein. Fazit: Die Mittel für die PV-Förderung sind mit wenigen Millionen weiterhin viel zu niedrig, der Förder-Deckel muss zwingend weg, um die Ziele der neuen Energiepolitik zu erreichen und Solarstrom zur zweiten wichtigen Quelle erneuerbarer Energie neben dem Wasser zu machen.

Es ist ärgerlich, wenn sich einer gegen mehr Mittel wendet, der ...
Guntram Rehsche, am 28. September 2012 um 17:59 Uhr

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