NZZ-Verrirrung über «verzerrten Wettbewerb»

Urs P. Gasche © upg
Urs P. Gasche / 08. Feb 2012 - Der Flugverkehr ist hoch subventioniert und führt zu unsinnigen Produktionsstandorten und Transporten. Doch es stört die NZZ nicht.

Stattdessen wettert NZZ-Verkehrsexperte und Wirtschaftsredaktor Werner Enz dagegen, dass die EU für Flüge seit diesem Jahr eine Emissionsabgabe verlangt. Mit diesem «Schnellschuss» treffe die EU «das eigene Bein».

Von Schnellschuss kann keine Rede sein, musste doch die EU die Abgabe gegen eine starke Lobby bis zum EU-Gerichtshof verteidigen.

Besonders scharf kritisiert Enz, dass die Höhe der Abgabe von der Länge der Flugstrecke abhängt: «Dieser Konstruktionsfehler sticht ins Auge.» Denn, so der NZZ-Wirtschaftsredaktor, «wer das Pech hat, weit entfernt vom 'Zentrum der Welt' zu leben, zahlt eine höhere Steuer».

Da drängt sich die Frage auf, ob dieser Mann noch nie etwas vom Verursacherprinzip gehört hat. Man stelle sich vor, die EU würde für Kurzstrecken die gleich hohe Gebühr verlangen wie für Langstrecken, die bedeutend mehr CO2-Emissionen verursachen.

Doch selbst ohne diesen angeblichen «Konstruktionsfehler» wäre die CO2-Abgabe dem NZZ-Verkehrsexperten nicht genehm, denn sie «belastet Fluggesellschaften und ihre Kunden auf dem alten Kontinent über Gebühr», so dass ein «verzerrter Wettbewerb zulasten der europäischen Luftfahrt» entstehe.

Diesen Satz muss man sich dreimal im Mund zergehen lassen. Denn kein Transportmittel ist dermassen hoch subventioniert wie der Flugverkehr: Kein Rappen Steuern auf dem Flugbenzin, keine Mehrwertsteuer auf den Flugtickets, Milliardensubventionen für den Bau von Airbus- oder Boeing-Flugzeugen, zinsgünstige oder zinslose Darlehen an Flughäfen usw. usw.

«Über Gebühr» werden nur die Steuerzahler und Lärmopfer belastet.

Müsste der Flugverkehr für alle Kosten selber aufkommen, würden Produktionsstandorte nicht mehr im gleichen Ausmass in alle Welt verlagert und die regionale Produktion würde nicht mehr unter diesem tatsächlich verzerrten Wettbewerb leiden.

Kommt dazu, dass Transporte und Reisen in der Luft – pro Passagier- und Frachtkilometer – noch stärker zum Klimawandel beitragen als der Strassenverkehr.

Wer im Namen eines Wettbewerbs mit gleichen Spiessen nach «weniger Staat» ruft wie häufig die NZZ, muss sich konsequenterweise für das Herunterfahren der Subventionen an die Wirtschaft einsetzen und sozialisierte Kosten wie CO2-Emissionen mit Abgaben in die Preise integrieren.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Eine Meinung

Tja, Herr Bischof, den Sonntagsbrunch in Paris sollte man sich sowieso besser ganz abspecken. Egal mit welcher Transportbüchse auch immer. Das ist so etwa ähnlich schräg wie das Weihnachtsshopping in New York.

Tatsache ist, dass wir mit unseren fliegenden und fahrenden Kisten in immer grössere energetische Engpässe geraten werden. Da sind die bizzeli «Wettbewerbsverzerrung» (ja hoffentlich!) erst der Anfang.
Reto Diener, am 19. Februar 2012 um 22:10 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.