Alpiq-Kraftwerk Nant de Drance im Bau. Der zeitgerechte Anschluss ist ungewiss. © alpiq

Alpiq-Kraftwerk Nant de Drance im Bau. Der zeitgerechte Anschluss ist ungewiss.

Kraftwerk ohne Leitung

Hanspeter Guggenbühl / 04. Mrz 2014 - Ab 2018 soll das Walliser Kraftwerk Nant de Drance Elektrizität erzeugen. Doch der nötige Ausbau des Stromnetzes hängt in der Luft.

Der Bau des 1,9 Milliarden Franken teuren Kraftwerks Nant de Drance im Unterwallis schreitet zügig voran. Gestern feierten Bundesrätin Doris Leuthard und die beteiligten Firmen (Alpiq, SBB, FM Wallis sowie die Stadt Basel) den Ausbruch der Maschinenkaverne. Darin werden die Turbinen und Pumpen mit einer Spitzenleistung von 900 Megawatt installiert. Nant de Drance wird damit (nach Linthal 2015) zum zweitstärksten Pumpspeicher-Kraftwerk der Schweiz und – wie Energieministerin Leuthard sagte – zur «Batterie Europas».

Stromnetz als Engpass

Nach neusten Plänen soll Nant de Drance ab 2018 Strom speichern und produzieren. Doch ob der Plan aufgeht, ist ungewiss. Denn der Batterie fehlt bislang das Stromkabel: Die geplante Höchstspannungs-Leitung, die das alpine Kraftwerk an der Grenze zu Frankreich mit der Stromautobahn im Unterwallis verbindet, befindet sich erst in der ersten Stufe des Bewilligungsverfahrens – ein Verfahren, das Jahrzehnte dauern kann, wie Erfahrungen mit andern Projekten zeigen. Trotzdem gibt sich Alpiq-Sprecher Andreas Meier optimistisch: «Wir sind zuversichtlich, dass sich das rechtzeitig realisieren lässt.»

Selbst wenn diese Stichleitung, die auf relativ wenig Opposition stösst, bis 2018 gebaut wird, ist ein reibungsloser Betrieb nicht gewährleistet. Denn auf den Stromstrassen im Wallis – vom Genfersee bis ins Obergoms – herrscht permanente Staugefahr. Schon heute fehlen rund 600 Megawatt Transportkapazität, um allen Strom zu transportieren, den die bestehenden Walliser Kraftwerke bei Vollbetrieb produzieren können. Um zu verhindern, dass das Stromnetz wegen Überlastung zusammen bricht, musste der nationale Netzbetreiber Swissgrid Kraftwerkbetreiber wiederholt verpflichten, ihre Produktion zu drosseln.

Widerstand gegen Ausbau

Der Bau der neuen Kraftwerke Nant de Drance und Veytaux-Hongrin (bei Montreux am Genfersee) vergrössert diese Kapazitätslücke bis 2018 auf rund 2000 Megawatt (zweifache Leistung des AKW Gösgen), rechnet Matthias Schmid, Leiter Netzentwicklung bei Swissgrid. Um einen reibungslosen Betrieb aller bestehenden und geplanten Kraftwerke zwischen Goms und Genfersee gewährleisten zu können, müssten in den nächsten sechs Jahren folgende Transportleitungen neu- oder ausgebaut werden: Die Verbindung von Romanel (bei Lausanne) über Chamosson und Chippis bis nach Ulrichen im Oberwallis sowie die Leitung von Chippis über die Gemmi nach Bickingen im Kanton Bern.

Als grösster Knackpunkt erweist sich die schon vor über zehn Jahren geplante Walliser Leitung von Chamosson über Chippis nach Ulrichen. Lange Bewilligungsverfahren, heftiger Widerstand von Gemeinden und Landschaftsschützern sowie Einsprachen bis ans Bundesgericht haben den Baubeginn bis heute verzögert. Darum ist es fraglich, ob der Transport des Pump- und Spitzenstroms für das Werk Nant de Drance ab 2018 gesichert werden kann.

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Eine Meinung

Glücklich können sich diejenigen Energieunternehmen schätzen, die — auch wegen Widerstand der Bevölkerung (!) — rechtzeitig davon abgehalten wurden, in Pumpspeicherkraftwerke zu investieren, als die Strombranche vor Fukushima noch meinte, neue AKW würden überall aus dem Boden schiessen und Strom aus Sonnenenergie würde ewig marginal bleiben. Zur Ergänzung dieser geplanten AKW waren die Pumpspeicher gedacht gewesen. Mit der Kraft der Sonne hatten die grossen Stromer wahrlich nicht gerechnet.
Unterdessen hat die Branche begriffen, dass nur noch viel (mehr!) fluktuierende ("neue") Erneuerbare Energie die Rentablilität der Pumpspeicher retten kann, zusammen mit einem hohen CO2-Preis in Europa — und natürlich vorausgesetzt, die nötigen Leitungen werden gebaut. Doch was machen die Übeltäter die Brache? Fossilthermische Kraftwerke (im Ausland) bauen, so dass sie sich mit hohen CO2-Preisen selbst bestrafen würden, und: die Förderung der neuen Erneuerbaren verteufeln. Ein Verhalten, das die Rentabilität der Pumpspeicherkraftwerke stärker unterminieren würde, ist kaum denkbar.
Entweder die grossen der Schweizer Strombranche werden lernfähig oder sie werden sich ihren Untergang selbst verdient haben. Jedenfalls, ein «bail-out» oder Sponsoring der fehlbaren fossilen Stromunternehmen Alpiq, Axpo, BKW, Repower, AET, RES (Solothurn), Groupe e, SN Energie, in irgendeiner Form — etwa für die Pumpspeicher — wäre komplett fehl am Platz. Es war falsch gewesen, die Alpiq nicht zu liquidieren.
Peter Vogelsanger, am 04. März 2014 um 14:10 Uhr

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