Die Ausbeutung von schwieriger zugänglichen Rohstoffen wird immer teurer © oekom-Verlag

Medien ignorieren «Der geplünderte Planet»

Urs P. Gasche / 13. Aug 2013 - Das neue Buch sei ein Weckruf, erklärt Ian Johnson vom Club of Rome. Doch nur die «Schaffhauser Nachrichten» haben kurz berichtet.

Das neue Buch «Der geplünderte Planet – Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen» hat der Club of Rome im Juni in Berlin vorgestellt, doch war es dem Fernsehen und den grossen Zeitungen in der Schweiz keine Zeile wert. Das zeigt ein Blick in die Mediendatenbank. Im besten Fall warten diese Medien, bis das Buch im Oktober noch speziell in der Schweiz beworben wird.

Immerhin geht es um die Zukunft unseres Planeten. Unterstützt von einem 15-köpfigen internationalen Expertengremium liefert der italienische Chemiker und Analyst Ugo Bardi eine umfassende Bestandsaufnahme der Rohstoffsituation der Erde. Er zeigt auf, wie wir unseren Alltag, unsere Politik und unsere Art zu wirtschaften ändern müssen, wenn wir unseren Lebensstandard halten wollen.

Ian Johnson, Generalsekretär des Club of Rome, stellte den neuen Bericht vor als einen «Weckruf, der gehört werden muss». Der Norddeutsche Rundfunk meinte: «Dem neusten Club-of-Rome-Bericht fehlt alles Apokalyptische. Er ist eine nüchterne Bestandsaufnahme. Wir sollten es uns nicht leisten, diese zu ignorieren».

Auch modernste Technologien können keine neuen Lagerstätten schaffen

Trotz der Endlichkeit der Ressourcen auf der Erde ist für Autor Ugo Bardi klar, dass die mineralischen Ressourcen nicht so schnell ausgehen werden: «Aber auch wenn wir diese durch den Einsatz immer kostspieligerer und schädlicherer, unkonventioneller Verfahren weiter fördern können, so gelangen wir doch zusehends und unweigerlich an die ökonomischen Fördergrenzen mancher nicht-erneuerbarer Ressourcen.» Moderne Technologie ermöglichten zwar die Förderdauer von Mineralien zu erhöhen, aber sie könnten keine zusätzliche Lagerstätten schaffen.

Diese wirtschaftlichen Grenzen der Ausbeutung würden für eine Reihe Mineralien und Metalle, die für unsere Wirtschaft zentral seien, bereits in den kommenden Jahrzehnten erreicht. Bardi nennt ein extremes Beispiel: «Als der Abbau von Kupfer begann, lag die Durchschnittskonzentration (von Kupfer im abgebauten Gestein) in der Regel bei 15 Prozent. Heute liegt sie zwischen 0,5 und 1 Prozent.» Die weltweite Kupferproduktion könne ihr Maximum bereits 2023 erreichen. Nur in den vier Ländern Chile, Australien, China und Argentinien würden fast 95 Prozent des Kupfers weltweit abgebaut.

Wegwerfgesellschaft aufgeben und Sparsamkeit fördern

Wenn das Ausbeuten von Ressourcen immer teurer und teilweise unbezahlbar werde, könnten wir unseren Wohlstand nur halten, wenn wir diese Ressourcen nicht mehr verschwenden, sondern sparsam einsetzen und recyklen. Das setze einen tiefgreifenden Wandel unserer Gesellschaft voraus: «Durch den sparsamen Umgang mit dem, was übrig geblieben ist und mithilfe erneuerbarer Energien, kann die Zivilisation fortbestehen, sofern wir alle bereit sind, unsere verschwenderischen Gewohnheiten aufzugeben», erklärt der Autor.

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EINIGE WICHTIGE ERKENNTNISSE DES 33. «CLUB OF ROME»-BERICHTS:

  • Die Erschöpfung der wichtigsten Energieträger, nämlich fossile Brennstoffe und Uran, wird bereits jetzt zu einem ernst zu nehmendem Problem. Bald wird das Maximum der konventionellen Ölförderung überschritten sein und das der anderen Öl- und Gaskategorien wird kurz darauf folgen. Die Kohleförderung könnte einige Jahre weiter zunehmen, bedeutet aber eine massive Schädigung der Umwelt. Was Uran betrifft, findet in diesem Jahrzehnt zwangsläufig ein Rückgang in der Förderung prinzipiell aller auf spezifischen Lagerstätten betriebenen Bergwerke statt.
  • Metalle wie Kupfer, Zink, Nickel, Gold, Silber u. a. könnten ihr Fördermaximum in weniger als 20 Jahren erreichen. Einige mineralische Rohstoffe sind aufgrund ihrer industriellen Verwendung besonders kritisch: Es gibt keinen Ersatz für Platinmetalle in Fahrzeugkatalysatoren, Seltene Erden werden für Magnete benötigt und Gallium, Germanium und Indium sind unerlässlich für die Elektroindustrie. Die Vorräte dieser Rohstoffe könnten in naher Zukunft knapp werden.
  • Die moderne Landwirtschaft ist von Phosphor abhängig, da es ein lebenswichtiges Element für das Pflanzenwachstum ist und durch keine anderen Elemente oder Substanzen ersetzt werden kann. Da sich 75 Prozent des bekannten, abbaubaren Phosphatvorkommens in Marokko und der Westsahara befinden, entwickelt sich Nordafrika zunehmend zu einem geopolitischen Brennpunkt. Ein mit dem extensiven Einsatz von Phosphor in der Landwirtschaft verbundenes Problem ist die Erosion fruchtbaren Bodens als eine langfristige Bedrohung für die Landwirtschaft.
  • Australien, Kanada, Kasachstan, Russland, Brasilien und Südafrika gehört der Grossteil der bekannten Uranvorkommen.
  • Chile produziert ungefähr 35 Prozent des weltweiten Kupfers, und China produziert mehr als 30 Prozent des weltweiten Zinks.
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    Zum Dossier «Wir hängen am Tropf von Rohstoffen»

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. «Der geplünderte Planet» ist der 33. «Bericht an den Club of Rome». Das Executive Committee des Club of Rome vergibt diese Auszeichnung, wenn es zu dem Ergebnis kommt, dass eine Publikation einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der «World Problematique» liefert, den vielfach miteinander verwobenen Problemen, mit denen die Menschheit konfrontiert ist. Der erste Bericht an den Club wurde 1972 unter dem Titel «Die Grenzen des Wachstums» veröffentlicht.

Weiterführende Informationen

Bestellen des Buchs «Der geplünderte Planet», oekom-Verlag, 22.95 Euro. Auch als E-Book erhältlich.
Lieferung aus der Schweiz Buch.ch 34.90 CHF

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Eine Meinung

Ohne den ganzen Bericht bereits gelesen zu haben, zeigt sich die Brisanz darin, dass sich wesentliche Rohstoffe in wenigen Ländern befinden, welche nicht unbedingt zur «Ruhezone» dieses Planeten gehören. Damit eröffnet sich eine geopolitisches Spannungsfeld, das sich in den nächsten Jahren noch wesentlich akzentuieren könnte!
Beda Düggelin, am 13. August 2013 um 13:28 Uhr

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