Die Abhängigkeit von den Atomkraftwerken hat Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg © zvg

Die Abhängigkeit von den Atomkraftwerken hat Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg

Billige Kohle zehrt an der Substanz der Axpo

Hanspeter Guggenbühl / 20. Dez 2015 - Der Stromkonzern Axpo verbucht einen Milliarden-Verlust. Grund: Billige Kohle und hohe Investitionen zehren an der Substanz.

Mit ihrem billigen Kohlestrom sowie den Subventionen für Wind- und Solarstrom habe Deutschland eine «schwarze Energiewende» verursacht. Das sagte der abtretende Verwaltungsrats-Präsident Robert Lombardiniam Freitag an der Bilanz-Medienkonferenz der Axpo. Diese «schwarze» Wende färbte die Zahlen des einst florierenden Stromkonzerns tiefrot: Im Geschäftsjahr 2014/15 (per Ende September) verbuchte die Axpo einen Konzernverlust von 990 Millionen Franken. Im Vorjahr betrug dieser Verlust 730 Millionen (siehe auch Grafik).

Viel Atom, keine Kohle

Lombardini kann gut gegen den billigen Kohlestrom sowie den fehlenden Preis für den Ausstoss des klimawirksamen Gases CO2 wettern. Denn im Unterschied zu den Konkurrenten Alpiq und BKW Energie hat die Axpo nie Geld in Kohlekraftwerke gesteckt.

Von den total 37 Milliarden Kilowattstunden Strom, welche die Axpo im In- und Ausland produziert, entfallen 55 Prozent auf Atom-, 17 Prozent auf Gas- und 24 Prozent auf Wasserkraftwerke. Bei den verbleibenden vier Prozent handelt es sich grösstenteils um im Ausland produzierten und subventionierten Windstrom.

Die Produktionskosten aller Atom- und Gas- sowie vieler Wasserkraftwerke liegen heute über dem – vom billigen Kohlestrom bestimmten – europäischen Marktpreis. So schwanken die Spot- und Terminpreise für Bandstrom gegenwärtig und in absehbarer Zukunft zwischen drei und vier Rappen pro Kilowattstunde (kWh). Darum musste die Axpo allein in den letzten zwei Jahren «Wertberichtigungen» im Umfang von rund drei Milliarden Franken verbuchen; diese führten – nach Abzug von Gewinnen in andern Geschäftsfeldern – zu den erwähnten Konzernverlusten.

Investitionen in den Sand gesetzt

Noch in den letzten Jahren hat die Axpo viel Geld in ihre unrentable Stromproduktion investiert: Rund 700 Millionen steckte der Konzern in den Weiterbetrieb der alten – und zurzeit stillstehenden – Atomkraftwerke Beznau I und II. Auf 2,1 Milliarden Franken summieren sich die Investitionen ins neue Pumpspeicher-Wasserkraftwerk «Linthal 2015», das am Freitag den Probebetrieb startete. Ein wesentlicher Teil der erwähnten «Wertberichtigungen» – sprich: der Abschreibung von in den Sand gesetzten Investitionen – dürfte auf die Atomkraftwerke und «Linthal 2015» entfallen. Wie hoch dieser Anteil tatsächlich ist, will Axpo-Chef Andrew Walo auf Anfrage nicht bekannt geben.

Umstritten ist, ob die AKW Beznau I und II – wenn sie denn wieder in Betrieb gehen – in ihrer verbleibenden Lebenszeit wenigstens einen Teil der Investitionen zurückzahlen können. Axpo-Chef Walo erwartet weiterhin einen positiven Deckungsbeitrag, das heisst, die Deckung der variablen Betriebskosten plus einen Teil der Fixkosten durch den Stromerlös. Eine Studie, die das Beratungsbüro Profuno im Auftrag von Greenpeace erstellte, kommt hingegen zum Schluss, dass die AKW in Beznau bei den heute absehbaren Marktpreisen künftig keine Fixkosten und nur noch einen Teil ihrer variablen Kosten decken können. Daraus schliesst die atomkritische Umweltorganisation: «Ohne transparente Darstellung der Sachlage seitens der Axpo ist angesichts der sicherheitstechnischen und ökonomischen Risiken von einem Weiterbetrieb von Beznau abzusehen.»

»Gutes operatives Ergebnis»

Abgesehen von der unrentablen Produktion erzielte die Axpo ein «gutes operatives Ergebnis», lobte Andrew Walo bei der Präsentation der Jahreszahlen. Klammert man die «Wertberichtigungen» und weitere «Sondereinflüsse» aus, resultierte ein «normalisiertes Betriebsergebnis» von 575 Millionen Franken (Vorjahr: 675 Mio. Fr.). Als rentabel erwiesen sich insbesondere der Handel mit Strom und Gas sowie der Betrieb und das Management von subventionierten Windkraftwerken; beide Sparten hat die Axpo in den letzten Jahren deutlich ausgebaut.

Die produzierte und gehandelte Menge an Strom und Gas stieg gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent auf rund 100 Milliarden kWh. Der finanzielle Umsatz hingegen verminderte sich als Folge des tieferen Strompreis-Niveaus um 13 Prozent auf 5,86 Milliarden Franken. Der freie Cashflow (Cashflow minus Investitionen) sank auf minus 238 Millionen Franken. Die Eigenkapitalquote (Anteil Eigenkapital an der Bilanzsumme von rund 19 Mrd. Fr.) schrumpfte auf 32,1 Prozent. Weil die Axpo – nach Abschluss des Baus von Linthal 2015 – ihre Investitionen in den nächsten Jahren stark reduzieren wird, rechnet die Geschäftsleitung künftig wieder mit einem besseren Betriebsergebnis und einem höheren freien Cashflow.

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Keine

Weiterführende Informationen

Zum Dossier "Die Politik der Stromkonzerne"

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