Morddrohungen – eine weitere Eskalation?

Christian Müller © aw
Christian Müller / 25. Aug 2014 - Im Zusammenhang mit der Affäre um Badens Stadtammann Geri Müller melden zwei Akteure Morddrohungen. Das ist schlechter Stil.

Am Wochenende vermeldeten verschiedene Medien, die beiden Akteure in der Selfie-Affäre um Geri Müller, Sacha Wigdorovits und Josef Bollag hätten Morddrohungen erhalten. Das ist, mit Verlaub, keine neue Eskalation im Hickhack um den Badener Stadtammann. Es ist im besten Fall das, was man bisher Geri Müller vorgeworfen hat: Er wolle sich vom Täter zum Opfer machen.

Morddrohungen sind, zumindest für Medienangehörige und Geschäftsleute in höheren Positionen, nämlich eine ganz normale Geschichte. Ich kann mich gut und gerne an deren fünf erinnern: Die erste erhielt ich schon Ende der 1970er Jahre, als ich am Silvesterabend einen anonymen Telefonanruf erhielt: «Das neue Jahr wird Ihnen den Tod bringen», sagte die anonyme Stimme. Den Silvesterabend hat’s nicht erheitert, aber geschlafen habe ich trotzdem. Die letzte anonyme Morddrohung erhielt ich im Jahr 2009 schriftlich ab einer Post in Bern, nachdem mein Name in einem Inserat zum Thema Minarett-Initiative erschienen war. Man werde mich umlegen lassen, stand da geschrieben, das sei heute ja nicht mehr teuer. Der Drohende hatte also nicht einmal den Mut, selber vorbeizuschauen. Er wollte nur einen Killer engagieren...

Nur einmal informierte ich tatsächlich die Polizei, oder genauer: Ich fragte sie um ihre Meinung. Der mir Drohende war mir bekannt, seine Ausdrucksweise gewählt: «Sagt Ihnen der Name Tschanun* etwas?» fragte er mich provokativ. Ob ich diese Drohung nach ihrer Erfahrung ernst nehmen soll, fragte ich darauf die Polizei. Sie hätten einen speziell ausgebildeten Psychologen, war die Antwort, der werde mit dem genannten Herrn mal Kontakt aufnehmen – nicht im Sinne einer Gegendrohung, nur im Sinne von Information, dass der Drohende mit so einer Aktion ja auch sein eigenes Leben ruinieren würde. Das soll er sich genau überlegen, bevor er eine Dummheit mache. Das Argument scheint dem mir Drohenden dann auch tatsächlich eingeleuchtet zu haben, wenn er seine Drohung überhaupt je ernst meinte.

Wer eine Morddrohung den Medien weitergibt, kann nur eines im Sinne haben: sich selber als Opfer darzustellen und einen Anderen zu belasten – im konkreten Fall Geri Müller. Das kann PR-mässig zwar funktionieren. Von gutem Stil zeugt es nicht.

---

* Günther Tschanun war Chef der Zürcher Baupolizei und erschoss im Jahr 1986 vier seiner Arbeitskollegen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor war 25 Jahre Journalist und 20 Jahre Verlagsmanager.

Weiterführende Informationen

Zur PR-Arbeit von Sacha Wigdorovits (auf Infosperber)

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

8 Meinungen

Ja, es passt zu den beiden gerissenen Herren, die eine sehr durchsichtige Täter/Opfer-Taktik fahren. Die Herren J. Bollag und S. Wigdorowits sind die Drahtzieher in der Schmierenkampagne gegen den gewählten Stadtamman von Baden Geri Müller. Hier ist der Link zur sorgfältigen Recherche der Sonntagszeitung zu den Lügengebäuden und Machenschaften der beiden Verteidiger der israelischen Kriegs- und Besatzungspolitik http://www.lu-wahlen.ch/uploads/media/tas_20140824_0_0_2.pdf
Guy Bollag, am 25. August 2014 um 14:21 Uhr
Auch wenn es tausendmal von interessierter Seite wiederholt wird: GM ist nicht Hamas-Fan oder dergleichen, sondern eher ein Brückenbauer. Auch wenn das den bedingungslosen VerteidigerInnen der israelischen Besatzungs- und Kriegspolitik nicht passt. Die Schweizerische Aussenpolitik hat ausdrücklich regelmässige Gesprächskontakte (auch) mit der Hamas und begrüsste ausdrücklich die Bildung der Einheitsregierung mit deren Einbezug der Hamas. Ist die offizielle Schweiz deswegen ein «Hamas-Fan"? Das glauben wohl nicht mal Sie, Frau Buholzer.
Guy Bollag, am 25. August 2014 um 18:23 Uhr
Hier ist die EDA-Erklärung als Beleg: http://www.eda.admin.ch/eda/de/home/recent/media/single.html?id=53204
Guy Bollag, am 25. August 2014 um 18:27 Uhr
Ich kann den Link unter dem Artikel und dort insbesondere die Beilage » Sacha Wigdorovits Anweisung zur Meinungsmache pro Israel» nur heiss empfehlen. Er enthält das Libretto zur Wigdorovits - Audiatur - Gerigate - Operette.
Nachdem Thomas Knellwolf dieses Papier gelesen hat, gibt es in Bund/Tagi von heute (25.8.2014) endlich die erste informierte Theaterkritik ausserhalb von Infosperber. Danke Christian Müller (und Arthur Rutishauser und Thomas Knellwolf auch ein bisschen).

But it ain't over till the fat lady sings......

Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 25. August 2014 um 20:05 Uhr
Auch wenn Geri Müller etwas getan hat, das man als blauäugig, unvorsichtig und ohne Frage als selbst-schädigend bezeichnen darf, ist es doch eine private Angelegenheit, die niemals diese Medienaufmerksamkeit verdient. Eine Kommentatorin hat Geri Müller verunglimpft, auf eine Art, zu der sich nur Menschen hingeben, die im Dreck, den andere abgesondert haben, mit Hingabe wühlen. Mit den anderen meine ich S. W. und J. B. Sie sind Propagandisten eines Regimes, das die Menschenrechte mit Füssen tritt.
Klar doch, der Mossad ist hinter Geri Müller her. Geri Müller ist ein national bekannter Politiker, der die Kriegsverbrechen des besagten Regimes kritisiert. Und er tut das meiner Ansicht nach völlig zu recht. Auf alle bedeutenden Persönlichkeiten, die das besagte Regime beanstanden, richtet der Mossad ein Auge. Mit dem Ziel, sie irgendwie aus dem Verkehr zu ziehen. Dabei stützt er sich auf Lakaien. Das Positive an der ganzen Sache ist, dass sie in diesem Fall blossgestellt werden, dass viele, die Geri Müller Sexeskapaden sauer aufstossen, genau begriffen haben, um was es hier geht: Um einen Kritiker der Machenschaften des besagten Regimes fertig zu machen. Das dürfen wir nicht zulassen. Auch wenn dieser Kritiker einen dummen Fehler begangen hat. Nachvollziehbar, dass sich S. W. und J. B. als Opfer beklagen. Allerdings stellen sie sich dabei ziemlich bescheuert an.
Peter Beutler, am 25. August 2014 um 22:42 Uhr
Liebe Frau Buholzer, bis anhin schätzte ich ihr unabhängiges Denken. Ohne jeglichen Bezug sprechen sie hier jedoch von «Drohsprüchen... auch an diesem Ort". Ohne Belege verunglimpfen Sie das Mitglied der Aussenpolitischen Kommission, Geri Müller. Es ist äusserst bedauerlich mit anzusehen, dass Sie sich als Gehilfin willfährig für die deklarierten Ziele von S. Wigdorovits und seines Sekundanten oder Chefs Josef Bollag, nämlich das Delegitimeren und Erwirken der Absetzung von Geri Müller unter Einsatz aller diesen Herren nur möglichen Mittel einspannen lassen.
Guy Bollag, am 26. August 2014 um 08:29 Uhr
Yesterday's papers.

Immer noch Schadenfreude über das unglückliche Casting von Geri Müller? Vorsicht, Sacha Wigdorovits traut sich auch an andere heran. Zum Beispiel «Feiglinge» wie den Bundesrat oder das Parlament:

Hier Links zu seiner eigenen Site und zu einer Zeitung, die auch schon im unrühmlichen Getratsch war:

http://www.audiatur-online.ch/2014/07/28/das-schweigen-der-feigen-ein-offener-brief-an-bundesrat-und-parlament/

http://m.schweizamsonntag.ch/ipad/articleView.htm?article=bGluZTJfT1pHX2xpbmUyLTI3XzA3XzIwMTRfU29ubnRhZ19SZWRha3Rpb25fdjFfMTY1MDAwOA%3D%3D

Preisfrage an fixe politische Analysten: warum beschimpft der mutige Sacha Wigdorovits hier nur die Exekutive und Judikative aber nicht die Richterschaft?

Dankbarkeit?

Dem / der ersten winkt als Preis eine Verzeigung wegen Antisemtismus. Wie immer richtet Sacha W. .

Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 26. August 2014 um 10:17 Uhr
Yesterday's papers 2 (diesmal wirklich nur von gestern, jedenfallls die Übersetzung)

Auf Sacha Wigdorovits seiner Website ist heute das Leitartikel:

http://www.audiatur-online.ch/2014/08/25/hamas-cheerleader-das-professionelle-scheitern-der-westlichen-medien-in-gaza/

Letzte Sätze:
"
Die verzerrte und irreführende Berichterstattung über den Gazakonflikt trug zu hastigen Rufen nach einer Untersuchung israelischer Kriegsverbrechen bei. Und hatte zugleich Anteil an den Hassdemonstrationen in Europa und einem starken Anstieg an antisemitischen Zwischenfällen.

Westliche Medien sollten für ihre verzerrte Berichterstattung zur Verantwortung gezogen werden. Es ist allerdings zweifelhaft, ob sie den Mut haben, die eigenen Ratschläge annehmen, die sie so oft Regierungen unterbreiten: Untersucht eure professionelles und ethisches Versagen und kehrt vor euer eigenen Haustür.
"
"Originalversion: Hamas Cheerleaders: Professional Failures of the Western Media in Gaza by Prof. Eytan Gilboa © Begin-Sadat Center for Strategic Studies, August 13, 2014."

Werner T. Meyer
PS: Ich bitte, DAS nicht auf den Text in Anführungszeichen anzuwenden. DANKE:
Die Redaktion behält sich vor, beleidigende, rassistische oder nicht sachbezogene Beiträge zu entfernen.
Werner Meyer, am 26. August 2014 um 12:40 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.