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VW-Werk in China

Abgas-Skandal könnte VW in China ausbremsen

Peter G. Achten / 11. Okt 2015 - China ist der grösste Absatzmarkt von VW. Doch der Abgas-Betrug hat den guten Ruf der Marke stark beschädigt.

Der in Amerika losgetretene Abgas-Skandal von VW hat für kurze Zeit auch in China für Schlagzeilen gesorgt. Kein Wunder, denn VW ist in der chinesischen Autoindustrie die Nummer 1 mit einem Marktanteil von 18,1 Prozent. Doch private dieselbetriebene Personenwagen verkehren auf den Strassen praktisch keine. Von den 154 Millionen Autos werden gerade einmal 15 Prozent mit Diesel betrieben. Und das sind nach Angaben der Umweltschutz-Behörde Lastwagen und Busse. Mit andern Worten: 99 Prozent aller verkauften Personenwagen im Reich der Mitte sind Benziner.

China setzt auf Elektro-Autos

Allerdings haben sich Chinas Regierung und die nationale Umweltbehörde vor noch nicht allzu langer Zeit die Frage gestellt, ob das Umrüsten der chinesischen Autoindustrie auf Diesel-Motoren eventuell dem Umweltschutz zuträglich sein könnte. Denn Diesel-Fahrzeuge gelten – oder galten? – als umweltfreundlich und sparsam. Das Vorhaben scheiterte aber an der Knappheit und schlechten Qualität des Diesel-Treibstoffs an chinesischen Zapfsäulen. Autoindustrie-Insider raunen indes hinter vorgehaltener Hand, die amerikanische Auto-Lobby habe Druck gemacht auf die Regierung in Peking, unter anderem mit der Behauptung, Diesel sei gar nicht so umweltfreundlich und energiesparend wie die Werbung verkünde. Chinas Umweltbehörde hat allerdings bereits vor Jahren jenseits von Benzin und Diesel klar festgehalten, dass die Zukunft dem elektrisch betriebenen Automobil gehöre. Denn oftmals sind – wie jetzt Untersuchungen zeigen – auch Benziner nur im Labortest sparsam und mithin umweltverträglich.

Diesel für Landwirtschaft und Industrie

Trotz allem ist China Weltspitze im Dieselverbrauch. Im letzten Jahr wurden in China fast 200 Millionen Tonnen Dieselöl verbraucht und die Abgase in die Luft geblasen. Vornehmlich in der Landwirtschaft, aber auch bei der Eisenbahn oder der Stromversorgung werden Diesel-Aggregate eingesetzt. Kleine Diesel-Traktoren sind überall in China ein gewohntes Bild, ebenso Diesel-Mini-Pflüger, Diesel-Wasserpumpen, Diesel-Stromgeneratoren, Diesel-Loks. Deutsche Firmen wie der Motorenhersteller Deutz AG haben deshalb im Dieselmotoren-Bereich rechtzeitig investiert und Gemeinschaftsunternehmen mit potenten chinesischen Partnern gegründet.

Image-Schaden für VW

Nach Bekanntwerden des Abgas-Betrugs in Amerika hat VW China umgehend mitgeteilt, dass in den chinesisch-VW- Gemeinschaftsunternehmen FAW und SAIC keines der in den Skandal verwickelten Modelle produziert werde. Die Abgas-Trickserei von VW wirft deshalb vor allem ein schlechtes Licht auf die deutsche Ingenieurskunst und die in China sprichwörtliche deutsche Qualität. «Ich habe geglaubt», schreibt ein Blogger auf dem chinesischen Twitter-Pendant Sina Weibo, «dass ‹Made in Germany› das absolute Qualitäts-Siegel weltweit sei.» Zynisch-böse fügte ein anderer Blogger hinzu: «Vielleicht lernten die Deutschen zu betrügen, weil einige VW-Manager schon zu lange in China leben und arbeiten.» Das englischsprachige Regierungsorgan «China Daily» kommentiert: «Die Reputation von VW wird leiden, und das wird zu weniger Verkäufen führen.»

Automarkt in der Krise

Der Abgas-Skandal trifft VW in einem Moment, wo der Absatz in Chinas Automarkt schwächelt. So verkaufte VW im ersten Halbjahr 2015 in China 1,74 Millionen Personenwagen – das sind 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Trotzdem konnte sich VW im Vergleich zur chinesischen, amerikanischen, japanischen und europäischen Konkurrenz auf dem chinesischen Markt noch einigermassen halten. Dank den Verkäufen im Reich der Mitte hat VW im ersten Halbjahr 2015 sogar den japanischen Konkurrenten Toyota als Nummer 1 der Welt abgelöst. Weil der chinesische Markt so wichtig ist, sind bis 2019 Investitionen von 25 Milliarden Dollar geplant. Wer weiss, vielleicht wird so der chinesische Automarkt zum VW-Retter?

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Peter Achten arbeitet seit Jahrzehnten als Journalist in China.

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2 Meinungen

Solche Umwelt-Sorgen wie den VW-Skandal sollte man in China haben.
Pirmin Meier, am 15. Oktober 2015 um 15:26 Uhr
Solche Umwelt-Sorgen wie den VW-Skandal sollte man in China haben.
Pirmin Meier, am 15. Oktober 2015 um 15:26 Uhr

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