Viktor Muschenko © TV

Ukrainischer Generalstabschef Viktor Muschenko: "Wir kämpfen nicht gegen russische Truppen."

Weil zwei sich streiten, sterben Dritte

Christian Müller / 01. Feb 2015 - Wann endlich stoppen sie diesen Krieg, die beiden Männer im geopolitischen Machtkampf? Auch die USA sind mit von der Partie!

«Das Unglück der Erde war bisher, dass zwei den Krieg beschlossen und Millionen ihn ausführten und ausstanden.» Der deutsche Denker Jean Paul schrieb diesen Satz in einem Text «Kriegserklärung gegen den Krieg» im Jahr 1809, also vor etwas mehr als 200 Jahren. Das Traurige daran ist: Der Satz stimmt auch noch heute.

Wenn zwei sich streiten

Der gegenwärtig mächtigste Mann der Welt, Barack Obama, verkündet immer wieder laut, dass die USA die stärkste und alleinige Weltmacht sind und es auch bleiben werden. Den einst stärksten Gegenspieler, damals noch Sowjetunion, heute nur noch Russland, verhöhnt er als «Regionalmacht» (siehe dazu den Bericht im Spiegel vom März 2014: Obama verhöhnt Russland als Regionalmacht). Der Präsident Russlands auf der anderen Seite, Wladimir Putin, immer noch einer der zehn mächtigsten Männer der Welt, ist mit dieser einseitigen Weltordnung nach USA-Vorstellung nicht einverstanden und wehrt sich. Mit ebenso unzimperlichen Methoden.

Wenn zwei sich streiten, lacht der Dritte, besagt ein Sprichwort. In der Geschichte und in der gegenwärtigen Geopolitik ist es allerdings anders – ganz anders: Aus dem Streit machtbesessener Potentaten entstehen Kriege. Und: Jeder Krieg bringt unendliches Leid über die betroffenen Menschen. Gerade jetzt wieder in der Ukraine. Tausende Tote, Zehntausende Verletzte, Verstümmelte. Das tägliche Leben wird zur körperlichen und seelischen Folter, zum nackten Überlebenskampf.

Bilder der Kriegsopfer nur im russischen TV

Dass die grauenvollen Bilder mit toten und verletzten – zivilen! – Menschen in den westlichen Medien praktisch nicht gezeigt werden, hat einen plausiblen Grund. Die Separatisten, die zwei «unabhängige Republiken» ausgerufen haben, kämpfen gegen die anrückenden Soldaten der ukrainischen Armee. Dabei sterben ukrainische Soldaten. Die ukrainische Armee aber versucht, das «verlorene» Territorium zurückzuerobern und beschiesst dabei die Städte und Dörfer der beiden «unabhängigen Republiken». Dabei sind die Opfer zu einem guten Teil Zivilisten. Im russischen Fernsehen kann man deshalb diese grauenvollen Szenen mit blutüberströmten, toten und schwerverletzten Menschen, nicht zuletzt Betagte, Frauen und Kinder, in aller Ausführlichkeit anschauen. Jeden Tag. (Siehe am Schluss des Artikels auch ein Beispiel direkt aus dem Donbass.)

Ein Krieg nur als Auseinandersetzung zwischen Schwarz und Weiss?

Wer sich allerdings in der Schweiz oder in Deutschland und einigen anderen Ländern Europas erlaubt darauf hinzuweisen, dass dieser schreckliche Krieg nicht einfach ein Krieg der («guten», weil europafreundlichen) Ukraine gegen den (bösen, weil russischen) Präsidenten Putin ist, sondern eben auch ein geopolitischer Krieg mit US-Beteiligung, kommt hierzulande schlecht an. Das Schlagwort ist einfach: Antiamerikanismus. So wie jeder, der Israel kritisiert, mit der Keule Antisemitismus zum Schweigen gebracht wird, so wird, wer es wagt, die USA zu kritisieren, mit der Keule Antiamerikanismus zum Schweigen gebracht.

Fakt ist, dass die Nähe zwischen der US-amerikanischen und der ukrainischen Regierung in den westlichen Medien heruntergespielt oder oft ganz ausgeblendet wird. Wo etwa hat man in der Schweiz lesen können, dass die UNO-Generalversammlung am 21. November 2014 eine Resolution gegen die Verherrlichung des Faschismus mit 115 Stimmen gegen 3 Stimmen – bei 55 Enthaltungen – angenommen hat? Und dass die drei Staaten, die Nein stimmten, die USA, Kanada und die Ukraine waren? Ein Zufall?

Natürlich nicht. Denn die Vorlage kam von einer Gruppe von Ländern, zu der auch Russland gehörte (neben Brasilien, Indien und etlichen anderen nicht-europäischen Ländern). Alle 28 EU-Staaten und auch die Schweiz enthielten sich der Stimme, weil, wie sie sagten, die Formulierung der Vorlage weniger einseitig gegen den Faschismus und mehr allgemein gegen Rassismus hätte sein sollen. Die Ukraine aber wusste natürlich genau, dass ihr «Widerstandskämpfer» Stepan Bandera, ein richtig übler ukrainischer Nazi-Kollaborateur, seit Maidan-Zeiten wieder öffentlich als Nationalheld gefeiert wird – unter Stillschweigen der Regierung, ja mit teilweiser Unterstützung.

Und was konnte man in der Schweiz darüber lesen, dass die ukrainische Regierung im Dezember 2014 drei Ausländer, die US-amerikanische Investmentbankerin Nadia Jaresko, den litauischen Investmentbanker Aivaras Abromavicius und den Georgier Alexander Kwitaschwili innerhalb von Stunden eingebürgert und gleich zu Ministern befördert hat, Jaresko zur Finanzministerin und Abromavicius zum Wirtschaftsminister? Alle drei haben Ihre Hochschulausbildung im Finanzwesen in den USA absolviert. Jaresko war sogar etliche Jahre Mitarbeiterin des US-Aussenministeriums und von 1992 bis 1995 Leiterin der Wirtschaftsabteilung der US-Botschaft in Kiew.

Ja, man konnte auch in der Schweiz darüber lesen: In der NZZ in der Rubrik «International in Kürze» eine 16 Zeilen lange dpa-Agenturmeldung. Was würde wohl geschrieben, wenn Deutschland seinen Finanzminister Wolfgang Schäuble durch einen am gleichen Tag eingebürgerten US-Amerikaner ersetzen würde? Eine 16-Zeilen-Agenturmeldung?

Jazenjuk ist schon seit 2008 ein bekennender NATO-Befürworter

Dass Arseni Jazenjuk, der ukrainische Regierungschef, selber ein USA- und NATO-Verehrer ist, weiss man immerhin seit dem 18. Januar 2008, als Präsident Viktor Juschtschenko, Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und eben er, Arseni Jazenjuk, damals Parlamentspräsident, im Hinblick auf das NATO Gipfeltreffen in Bukarest dem NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer einen Antrag (!) auf die Einsetzung eines «Membership Action Plan» übergab. Wundert es da, wenn die US-Diplomatin Victoria Nuland eben diesen Arseni Jazenuk als Kronfavoriten der USA in das Amt des Regierungschefs gedrückt hat?

Hat man in den Schweizer Medien etwas darüber lesen können, dass Jazenjuk nun auch die Geschichte des Zweiten Weltkrieges neu zu schreiben versucht? Dass er in einem Interview in der deutschen Tagesschau das Vorrücken der Roten Armee in ihrem Abwehrkampf gegen Hitlers Wehrmacht ab 1942 als «Invasion» der Russen in die Ukraine und nach Deutschland bezeichnete? (In der russischen Sprache brauchte Jazenjuk das Wort «Invasion».)

Hat man vergessen, dass John McCain, der US-Präsidentschaftskandidat der Republikaner im Jahr 2008, am Maidan in Kiew selber auf der Rednerbühne stand?

Hat man vergessen, dass R. Hunter Biden, der Sohn von US-Vizepräsident Joe Biden, in der Chefetage eines amerikanischen Energie-Konzerns sitzt, der in der Ostukraine Fracking betreiben will und dort bereits grosse Ländereien besitzt?

Hat man vergessen, dass sich Joe Biden in einer Rede an der Kennedy School of Government an der Universität Harvard höchstselbst rühmte, dass es die USA waren, die die Europäer zwingen «mussten», Sanktionen gegen Russland zu ergreifen?

Oft ist weniger bemerkenswert, was und wie Schweizer Medien über die Ukraine berichten, als worüber sie nicht berichten. Das jüngste Beispiel: Poroschenko hat in einem Interview mit der NZZ am 20. Januar gesagt, sein Geheimdienst gehe davon aus, dass in der Ostukraine zwischen 8000 bis 9500 russischen Soldaten im Einsatz seien. Nur neun Tage später, am 29. Januar, sagte der ukrainische Generalstabschef Viktor Muschenko vor laufender Kamera: «Wir haben einige Fakten, dass einzelne Soldaten der russischen Streitkräfte und russische Staatsbürger im Bestand der illegalen bewaffneten Formationen an den Kampfhandlungen teilnehmen. Wir führen aber keine Kämpfe mit Einheiten der regulären russischen Armee.» In der Schweiz davon etwas gelesen?

Das alles hindert den NZZ-Auslandredaktor Cyril Stieger nicht, in einem Leitartikel vom Freitag, 30. Januar 2015, die Lösung des Konflikts in der Ukraine ausschliesslich bei Putin zu lokalisieren. Die Ukraine kann dazu nichts beitragen. Die USA kommen in dem Kommentar schon gar nicht vor.

(Immerhin, die NZZ hat vermeldet, dass das für Freitag geplante Treffen in Minsk nicht stattfinden konnte, weil Kiew seine Beteiligung absagte.)

«Das Unglück der Erde ist, dass zwei einen Krieg beschliessen und Millionen ihn ausstehen müssen», ist man leicht modifiziert mit Jean Paul zu sagen geneigt. Mit Tausenden von zivilen Opfern: Toten, Verstümmelten, Verletzten; Betagten, Frauen, Kinder.

Auch am heutigen Sonntag wieder.

* * * * * * *

Für Leute, die Bilder von Kriegstoten nicht fürchten, siehe das folgende Beispiel.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Hintergrund-Gespräch mit Michael Lüders im Deutschen fernsehen
Zum Thema Antiamerikanismus (aus DIE GAZETTE Nr.44)
«Die wahren US-Interessen in der Ukraine» ARD-Monitor vom 20.3.2014
Zum Obama-Interview auf CNN vom 1.2.2015 zur Ukraine
... und wie das die andere Seite freut (auf RT)

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16 Meinungen

Der im Text zitierte Jean Paul Friedrich Richter schrieb schon mit 19 Jahren eine meisterhafte Antikriegs-Satire ¨"Uber die Wiederverwendung der menschlichen Haut», zur Herstellung von Kampfanzügen, in seinen satirischen «Grönländischen Prozessen», dies notabene schon vor der Französischen Revolution. Dass Feindquellen, in diesem Fall russische, nicht ernst genommen werden, erinnert an die deutsche Dokumentation des Massakers von Katyn, der Vernichtung der polnischen Elite durch Stalin, welche erst in den letzten 25 Jahren fair zur Kenntnis genommen wurde jenseits blosser Propagandistik mit Toten incl. Horror-Bildern von schrecklichen Leichen, wie es immer schon Propaganda war, zum Beispiel bei der Entkolonisierung mit dem Film «Africa addio» vor mehr als 40 Jahren. Christian Müller scheint sich an das Prinzip der Aequidistanz zu Amerikanern und Russen zu halten, was zwar nicht mit der schweizerischen Neutralität zu verwechseln ist, geht jedoch als journalistisches Prinzip mit guten Gründen durch.
Pirmin Meier, am 01. Februar 2015 um 11:41 Uhr
@ Christian Müller

Ich bewundere Ihre Geduld, die wahren Verhältnisse detailliert hier darzulegen.
Danke!
Einzig Eines möchte ich korrigieren. Herr Obama ist null mächtig. Er führt aus, was ihm die, welche wirklich mächtig sind, befehlen.

Dabei war mein Eindruck beim Wahlkampf ein anderer. Ich hielt Obama für wirklich rechtschaffen. Wenige Wochen nach dem Wahlsieg hörte/sah ich eine Rede und war irritiert. Er sprach mit Mimik des Herrn Bush jun. .
Wer Augen und Intuition hat, möge sie benutzen.
Thomas Ramdas Voegeli, am 01. Februar 2015 um 12:00 Uhr
@Bregy. Sie sollten anerkennen, dass Ruedi Lais, übrigens ein Mann mit politischer Erfahrung, hier rational argumentiert. Selber hielt ich als Tolstoileser einerseits und Verächter Chruschtschews andererseits nie viel von einer rein legalistischen Betrachtung der Krimfrage. Von dieser allein aber ist das Ukraineproblem nicht objektiv zu beurteilen.
Pirmin Meier, am 01. Februar 2015 um 14:51 Uhr
An Herrn Ruedi Lais.

So Sie sich über die Loslösung der Krim von der Ukraine sich wirklich kundig machen, werden Sie auf die Tatsache stossen:

Etwa 90% der Stimmberechtigten sind zur Urne gegangen.
Ueber 90 % von ihnen haben ein Ja eingelegt zu der Vorlage, einen eigenen Staat zu gründen und der russ. Föderation sich anzugliedern.

Es gab keinen Zwang in dieser Abstimmung. Die Menschen auf der Krim wollten die Selbständigkeit und den Anschluss an Russland.

Das Einzige, was Russland während der Abstimmung machte: Das russische Militär hinderte ukrainisches Militär daran, auszurücken - so mein Wissensstand.

Der Lebensstandart auf der Krim ist seit der Loslösung von der Ukraine gestiegen. Dies nebenbei.

Tut mir leid, lieber Herr, aber diese Informationen stehen in den qualitätsfreien NZZ TA SD FAZ Spiegel Focus Bild Blick, Gott sei es geklaget, nicht.

Doch gibt es Augenzeugen. Ewald Stadler zum Beispiel war bei den Wahlen auf der Krim vor Ort.
Thomas Ramdas Voegeli, am 01. Februar 2015 um 15:40 Uhr
@Christian Müller: Sackstark Ihr Artikel, herzliche Gratulation! Sie sehen, wir sind zwar nicht immer gleicher Meinung, aber diesmal kann ich Ihnen nur zustimmen. Danke!
Und Ihr Artikel hat gar nichts mit Antiamerikanismus zu tun sondern nur mit wachem Sachverstand.
Beda Düggelin, am 01. Februar 2015 um 15:59 Uhr
@ Olivier Bregy
Ich habe eine persönliche Frage und bitte um Kontakt:
kristall@gmx.ch
Thomas Ramdas Voegeli, am 01. Februar 2015 um 16:01 Uhr
@Voegeli. Eine Volksabstimmung ohne verfassungsmässige Grundlage ist vielleicht ein revolutionärer Akt, in diesem Fall eine russische Manipulation, aber sicher kein Rechtsakt. Es war eine «Tat» Putins im raffiniert gewählten richtigen Augenblick, worauf er noch, wie Herr Lais betont, unterdessen stolz ist. Ohne einen nur zum kleinen Teil passenden Vergleich zu machen: Es ist nie durch ein Gericht abgeklärt worden, ob die Oeffnung der Berliner Mauer durch die Erklärung von Herrn Grabowski oder wie er hiess, legal war. Die gesetzte Tatsache liess sich nicht mehr rückgängig machen. Gilt wohl, unter anderen Bedingungen, auch für die Krim. Alle anderen Probleme, die Ukraine betreffend, sollten wenn möglich unter die Kontrolle des Rechts gebracht werden.
Pirmin Meier, am 01. Februar 2015 um 16:12 Uhr
@ Pirmin Meier

Wie drücke ich mich aus, dass ich nicht durch die Zensur falle.
Ich mach's mal archaisch.

Die Helden vom Rütli haben vermutlich auch nicht das gehabt, was Sie als Rechtsgrundlage zu bezeichnen belieben?

Ich frage Sie, Herr Meier (uff, diese Siezerei hier ist sowas von oberkandidelsteril):
Was ist denn Recht?

Ist Recht nicht jedem Menschen innewohnend?
Wohnt nicht jedem Menschen das Recht zu Selbstbestimmung inne?
Muss denn, damit ein Mensch etwas entscheidet und ausführt, irgend in einer Gruft ein Schriftstück liegen, welche ihm eben das erlaubt???

Herr Meier!
Wenn es mir in meinem Land nicht gefällt und wenn das geltende «Recht», also der Buchstabe in Bern oder wo auch immer mir nicht erlaubt, etwas zu ändern - dann lasse ich dieses «Recht» links liegen und tue, was mein Gewissen mir zu tun gebietet.

Meiner Erachtens haben die Menschen auf der Krim das gemacht.
Wer zum Teufel denn soll darüber bestimmen, wie die Leute auf der Krim leben wollen, wenn nicht genau und eben diese Leute selber???

Was ist das für eine Buchstabenglaube, den ich da zu vernehmen meine?
Was der Mensch als gut und richtig erkennt, das tue er.

Wenn morgen die Romands beschliessen, sich Frankreich anhängen zu wollen - ich bin einverstanden. Es ist ihr Recht.

Wenn morgen Sardinien wirklich zur Schweiz will - ich bin einverstanden. Es ist ihr Recht.

Wenn morgen der Aargau (hahaha, der sicher nicht) sich Deutschland anhängen will - wer wollte es den Aargauern verwehren?
Thomas Ramdas Voegeli, am 01. Februar 2015 um 16:58 Uhr
@Roelli. Machen Sie eigentlich unfreiwillig Werbung für das Marignano-Jubiläum, welches einseitig von der Rechten beansprucht wird und von der Linken eher ungeschickt kritisiert wird? Es lohnt sich auf jeden Fall, Grossmannssucht zu kritisieren.
Pirmin Meier, am 01. Februar 2015 um 18:53 Uhr
@Voegeli. Sie unterschätzten, wie wichtig, gerade bei den Bundesbriefen und Landsgemeinden, die Rechtsgrundlage und das Recht war, wirklich. Das war keine Anachie. Fast alle Dokumente der alten Eidgenossen, das ist natürlich etwas einseitig, sind Rechtsdokumente. Und es ist eben nicht so, dass man «Bock» hätte, einfach aus der Schweiz auszutreten, eher schon, sich ihr anzuschliessen, aber «wir» haben weder Konstanz noch im 20. Jahrhundert Vorarlberg genommen und das hatte gute Gründe. Nehmen Sie Detailkritiken nicht zu übel, das ist normal, sind eigentlich die ganz normalen im Einzelfall notwendigen Kritiken. Ihre Meinung wird geachtet.
Pirmin Meier, am 01. Februar 2015 um 20:21 Uhr
@die Eidgenossen von einst sagten fast nie Milano, sondern Mailand, auch Luggarus für Locarno und Bellenz für Bellinzona, Lauis für Lugano. Für Luzern war Mailand was Paris für Solothurn und Bern. Renward Cysat erzählt von Bilokationen von Luzernern nach Mailand, also Entrückungen. Vielleicht nehme ich nur bilokativ an den Gedenkfeiern teil. Selber sprach ich in Rickenbach vor 200 Hörerinnen und Hörern von einem Habermacher, von hier, in Marignano gefallen, auch ein direkter Vorfahre des derzeitigen LU SVP-Präsidenten aus Ruswil war Schlachtteilnehmer von Marignano. Noch bedeutend bei den Mailänder Feldzügen der Anteil der Walliser, was auf Kardinal Schiner zurückzuführen ist. Das hat nicht allzu viel mit eidgenössischem Geist zu tun, am ehesten schon mit Kampfgeist.
Pirmin Meier, am 01. Februar 2015 um 20:48 Uhr
@ Pirmin Meier
Danke für die Aufmunterung!
Ich habe Beispiele mit der Schweiz aufgeführt um darzutun, dass ich nicht einerseits von Eigenverantwortlichkeit einer Bevölkerung schwafle, wenn es um die ferne Krim geht, und dann anderseits anders reden würde, wenn es auch um eine mir nahe Wurst, also um die nächste Umgebung meiner angestammten Heimat ginge.
Beispiel Kanton Jura.
Ich erinnere: Die dortige Bevölkerung hat in freier Abstimmung einen eigenen Kanton gründen wollen.
Ich habe vergessen: Musste der Rest der Schweiz zustimmen? - schaue nach - und bin enttäuscht. Ja, es gab dann die Volksabstimmung, sinngemäss: «Darf sich ein neuer Kanton, der Kanton Jura, bilden?"
Gott sei Dank waren die Schweizer so klug, mehrheitlich zuzustimmen.
Ich halte es aber für komplett unzulässig, dass es einer Region verwehrt werden kann, über ihre Art des Zusammenlebens selber zu bestimmen.
Es gibt höhere Rechte als die Buchstaben auf Papier.
Ich möchte richtig verstanden werden:
Ich halte es für vorbildlich, wenn Differenzen zum Beispiel zwischen DE-Schweizern und Romands zäh, aber offen und ehrlich besprochen und Lösungen ausgehandelt werden!
UND ich halte es für selbstverständlich, dass sich zum Beispiel ein Staat Venedig eigenständig machen darf. Wer auf dieser lieben Welt dürfte das der venezianischen Menschen verwehren?
Und so beisse ich mich in den Ellbogen, wenn jemand die Menschen der Krim für ihre Entscheidung kritisiert oder gar - KOMPLETT verlogen - von Annexion spricht.
Thomas Ramdas Voegeli, am 02. Februar 2015 um 01:43 Uhr
@Voegeli. Leider war auch die «Heimholung» Oesterreichs 1938, entgegen etwa den Memoiren des Theologen Paul M. Zulehner, keine Annexion, eine völlig mehrheitsfähige Angelegenheit, zumal hier ein Oesterrreicher die Hauptrolle spielte. «Grossdeutschland» war ein politischer Irrtum, um nicht zu sagen eine Verführung des deutschösterreischischen Volkes. Wäre Vorarlberg zur Schweiz gekommen, hätten wir uns allenfalls in dieser Sache Probleme eingeheimst, so wie die Freigrafschaft Burgund, von der Schweiz behalten, wohl früher oder später von Frankreich «geschnappt» worden wäre, wahrscheinlich schon von Ludwig XIV. Es gab Gründe, die Schweiz nicht zu stark auszudehnen. In Sachen Jura ist die Stadt Moutier noch ein Faktor, wo aber doch nur eine streng legale Lösung in Frage kommt. Meierskappel LU möchte aus steuerlichen Gründen zum Kanton Zug, das wird wohl nicht gehen.
Pirmin Meier, am 02. Februar 2015 um 04:31 Uhr
PS. Vor der Aufnahme Sardiniens in die Schweiz müssten wir noch eine Volksabstimmung über eine schweizerische Marine hinter uns bringen. Ich fürchte, das gäbe weniger Stimmen als der «Gripen."
Pirmin Meier, am 02. Februar 2015 um 04:48 Uhr
@ Pirmin Meier
LoL. Und Einspruch. Unser einer macht das mit Basistunnels. Sagen wir mal Einstieg vor den Toren Berns, unter dem bitzeli Alpen und Mittelmeer durch, und dann können die Sardinier sagen, wo sie ihren Zugang haben wollen.

Bezüglich Oesterreich 38 deckt sich Ihre Sicht mit der Meinigen, und es war in so fern ähnlich der Krim: Man möchte gerne, dass die Nationalsozialisten mit dem gierigen deutschen Gesamtvolk im Rücken nicht nur Oesterreich annektiert, sondern dass dieselbigen die Weltherrschaft angestrebt haben sollen. In der Schule habe ich das auch so gelernt, habe es 50 Jahre lang geglaubt - und es dürfte wenig mit der Wahrheit gemein haben.
Heute soll ums Verrecken durchgedrückt werden, dass Russland die Krim ANNEKTIERT habe. Es ist schlicht und einfach eine Lüge, es ist ein neues Kapitel Geschichtslüge, welche hier jetzt, vor unsern Augen, etabliert werden soll.
Thomas Ramdas Voegeli, am 02. Februar 2015 um 06:17 Uhr
Hier noch etwas Sonderbares aus der Ukraine: Den «Kampf gegen die Korruption» wird nun ein Georgier in der Ukraine führen, der wegen einer ganzen Reihe von Straftaten als Minister und Staatsanwalt unter Saakaschwili über INTERPOL gesucht wird!...
Elisabeth Tymoshenko, am 02. Februar 2015 um 18:19 Uhr

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