Unklare Lage: Ukrainische Panzer mit pro-russischen Truppen © ZDF

Unklare Lage: Ukrainische Panzer mit pro-russischen Truppen

Ukraine-Konflikt: Wir sind schlecht informiert

Roman Berger / 01. Mai 2014 - Viele Medien haben ihr Korrespondentennetz ausgedünnt. Die Folgen zeigen sich jetzt bei der Berichterstattung über die Ukraine.

Bilder aus der Ostukraine: Panzer mit russischen Fahnen fahren durch die Stadt Kramatorsk. Auf den Fahrzeugen bewaffnete Männer in Kampfanzügen ohne Abzeichen. Sind es russische oder ukrainische Panzer? Haben ukrainische Truppen freiwillig die Seiten gewechselt oder wurden sie dazu gezwungen? Wer hat die Männer geschickt? Die Lage ist unübersichtlich. Erst einige Tage nachdem über die Ereignisse in Kramatorsk berichtet worden war, war es sicher, dass ukrainische Truppen freiwillig übergelaufen waren.

Zu Beginn der Krise im letzten Herbst schien alles klar zu sein: Friedliche «proeuropäische» Demonstranten kämpften gegen den korrupten «russlandtreuen» Präsidenten Viktor Janukowitsch. Viele westliche Journalisten logierten im Hotel «Ukraina», wo sich ein «Pressezentrum der Opposition» etablierte. Kaum ein Journalist entfernte sich vom «revolutionären» Maidan, um sich ein Bild von der Lage im Land zu machen.

Alte Feindbilder

Der Konflikt in der Ukraine fand medial im traditionellen Ost-West-Schema statt: «Hier der gute Westen, dort der finstere Herrscher und das dunkle Russland. Fortschritt gegen Korruption», meint der Osteuropa-Historiker Simon Weiss (Universität Heidelberg).

Die Berichterstattung fiel entsprechend einseitig aus. In den Nachrichtensendungen der ARD waren in der Zeit von November bis Februar fast 80 Prozent der Interviewpartner Regierungsgegner (Medienmagazin «Zapp» NDR). Ein beliebter Gesprächspartner war der deutsch sprechende Boxer Vitali Klitschko, der zu einer Art Galionsfigur stilisiert wurde, obwohl er nur einer von mehreren Oppositionsführern ist.

Personalisierte Krise

Erst nach dem Sturz von Janukowitsch gab es kritischere Töne. Jetzt tauchte der Name «Swoboda» in den Medien auf, weil die nationalistische Partei mit diesem Namen prominent in der Übergangsregierung vertreten ist. Und spätestens seit Putin die Halbinsel Krim annektiert hat, erhält der Ukraine-Konflikt eine neue Dimension: Jetzt stossen die «Russland-Versteher» und «Russland-Kritiker» aufeinander. Und die Krise wird personalisiert: Der deutsche «Spiegel» titelt: «Der Brandstifter – Wer stoppt Putin?» (Spiegel, 10. März 2014). Vor wenigen Monaten war der gleiche «Brandstifter» noch ein Feuerwehrmann, als Putin nämlich Verhandlungen über die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen ermöglichte und so den USA eine militärische Intervention in Syrien ersparte.

Stegreif-Journalismus statt Recherchen

Zur Berichterstattung über die Ukraine-Krise wurden die Journalisten eingeflogen. Viele von ihnen waren zum ersten Mal in der Ukraine und mussten aus dem Stegreif über dieses komplexe Land informieren.

Der «Parachute-Journalismus» ist eine Folge der drastischen Einschränkung der Auslandberichterstattung. Zu beobachten war das in Moskau, wo in den 90er-Jahren die Anzahl der westlichen Korrespondenten mit jedem Jahr schrumpfte. Anstatt die Berichterstattung über die 15 neuen unabhängigen Staaten der Ex-Sowjetunion auszubauen, begannen viele westliche Medien, ihre Korrespondentenbüros zu schliessen.

Amerikanische Fernsehstationen reduzierten ihre gesamte Auslandberichterstattung mit der Begründung: Der Westen hat den Kalten Krieg gewonnen. Die Welt ist weniger gefährlich und deshalb weniger «newsy» geworden. Der bekannte US-Politologe Samuel Huntington unterstützte diese Rückzugsbewegung: Nach dem Verschwinden der Sowjetunion brauche die alleinige Supermacht USA zwar eine «neue Mission». Doch Aussenpolitik könne die Öffentlichkeit jetzt mit ruhigem Gewissen den Profis in der Regierung und einer gut informierten Elite überlassen.

Unter dem Spardruck der Verleger begannen auch europäische Medien viele Aussenposten zu schliessen. In Moskau verzichteten Zeitungen wie die deutsche «Die Zeit», das «Handelsblatt» oder der Zürcher «Tages Anzeiger» auf eigene, ständige Korrespondenten, obwohl diese Blätter von weiterhin profitablen Verlagen herausgegeben werden. Auf den Redaktionen selber machte sich angesichts der Stagnation unter Putin auch eine gewisse «Russland-Müdigkeit» breit.

Konfliktparteien im Informationskrieg

Der Abbau der Auslandberichterstattung ist ein schleichender, für die Leserschaft nicht sofort erkennbarer Prozess. Seine Auswirkungen werden aber in Krisensituationen wie der jetzigen spürbar. Je weniger Reporter vor Ort recherchieren, desto leichteres Spiel haben die Konfliktparteien, die sich im Kampf um die Deutungshoheit einen harten Informationskrieg liefern (siehe Artikel auf Infosperber «Es tobt ein Informationskrieg».

Ein Beispiel: Die ukrainische Übergangsregierung macht Ex-Präsident Janukowitsch und den russischen Geheimdienst für das Massaker vom 20. Februar verantwortlich, dem über hundert Menschen zum Opfer gefallen sind. Das russische Staatsfernsehen berichtete sofort nach dem Blutbad, dass auch Scharfschützen aus dem Hotel «Ukraina» geschossen hätten, das an jenem Tag fest in der Hand der Opposition war. Die Informationen aus russischer Quelle galten als unglaubwürdig. Erst Wochen später weckten Recherchen des ARD-Magazins «Monitor» Zweifel an der offiziellen Version der neuen Regierung und stützten die These, dass auch die Opposition am Blutbad beteiligt gewesen sein könnte. Die «Monitor» Recherchen wurden aber in den grossen europäischen und amerikanischen Medien kaum zur Kenntnis genommen (Infosperber berichtete: «Maidan-Tote: Zweifel an der offiziellen Version»).

Oder: Seit dem Beginn der «antiterroristischen Operation» gegen die Separatisten sind die Scheinwerfer der westlichen Medien auf die Ostukraine gerichtet. Den prorussischen Kräften wird vorgeworfen, sie hielten sich nicht an das Genfer-Abkommen, das die Freigabe der besetzten Gebäude und das Niederlegen der Waffen verlangt. Aus dem Blickfeld verschwunden sind «Swoboda» oder der «Rechte Sektor», die ebenfalls bewaffnet sind und Gebäude sowie Strassen in Kiew besetzt halten.

Auch Osteuropa-Forschung reduziert

Weil sie weniger Auslandskorrespondenten beschäftigen, sind die ausgedünnten Redaktionen immer mehr auf Experten angewiesen. Osteuropa-Historiker sind zur Zeit gesuchte Interviewpartner. Aber auch sie haben die «Zeitenwende» zu spüren bekommen. Zahlreiche Lehrstühle wurden als überflüssig bezeichnet, nicht mehr besetzt und ganze Institute sind geschlossen worden.

Die Begründung lautete ähnlich wie beim Abbau der Auslandberichterstattung nach dem Ende des Kalten Krieges: «Der Zusammenbruch der kommunistischen Regime in Ost- und Ostmitteleuropa und die überraschend leichte deutsche Einigung hatten zu der weit verbreiteten Annahme verleitet, dass sich Politik und Wirtschaft des gesamten postkommunistischen Raums von der Oder bis zur Beringstrasse der euro-atlantischen Norm angleichen würden.» (Manfred Sapper. Die Krise der deutschen Russlandexpertise. Osteuropa 6–8 2012).

Wenn es in den 90er-Jahren noch eine Beschäftigung mit dem Raum des ehemaligen «Ostblocks» gab, dann unter der Prämisse «Transition to Democracy». Doch diese Grundannahme hat sich als falsch erwiesen. Die Wirklichkeit in Russland und im postsowjetischen Raum hat sich nicht an diese Erwartungen gehalten.

Gosse Wissenslücken

Transformationsprozesse erfolgen eben nicht geradlinig und über Nacht. Es kann auch autoritäre Rückwärtsentwicklungen geben, wie das unter Putin zu beobachten ist. Verständnis dafür haben, heisst aber nicht Korruption oder Wahlbetrug zu billigen, wie den «Russland-Verstehern» vorgeworfen wird, sondern eben die Entwicklung kritisch zu beobachten.

Aber dazu fehlt immer mehr das Wissen, wie Hans-Henning Schröder vom Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin klagt. Weder Universitäten noch Institute seien fähig, aktuelle Entwicklungen in der Innen- und Aussenpolitik, der Wirtschaft und Gesellschaft Russlands einzuordnen, zu erklären und Handlungsoptionen zu entwickeln, meint der bald pensionierte Osteuropa-Experte. (Russland-Analysen. Nr. 250. 2013).

In den Medien wird das «Phantom Putin» dämonisiert. Wichtiger wäre es, mehr Fakten zu kennen. Zum Beispiel, wie der ehemalige KGB-Offizier, protegiert von Russlands Demokraten der ersten Stunde, Anatoly Sobtschak und Boris Jelzin, seine politische Karriere beginnen und Präsident werden konnte. Oder, wie sich die russische Gesellschaft in den letzten Jahren verändert hat und warum der Kreml-Chef in der Bevölkerung so populär ist. Dazu fehlen auf Feldforschung beruhende Studien.

Bedeutung der Ukraine unterschätzt

Noch grösser sind die Wissenslücken über die Ukraine. Der deutsche Ukraine-Experte Andreas Umland konstatierte vor zwei Jahren: «Die Ukraine ist das grösste Land Europas. Doch in den Medien und in der politischen Debatte ist die Ukraine ein Randthema.» (Andreas Umland. Weisser Fleck. Die Ukraine in der deutschen Öffentlichkeit. Osteuropa 6–8. 2012 ). Der damals in Kiew lehrende Umland warnte: Kiew habe im postkommunistischen Osteuropa eine geopolitische Schlüsselfunktion inne, die geringe Aufmerksamkeit für die Ukraine könnte Folgen für die (deutsche) Aussenpolitik haben. Denn: «Ob die politische Nationsbildung der Ukrainer erfolgreich sein oder scheitern wird, beeinflusst die nach dem Ost-West-Konflikt entstandene Sicherheitsstruktur in Europa.»

Warum tauchten solche Warnungen nicht rechtzeitig auf den Radarschirmen in Brüssel, Berlin oder Washington auf? Viele Fehleinschätzungen, die zur aktuellen Krise führten, hätten vermieden werden können.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

DOSSIER: «Die Ukraine zwischen Ost und West»
«Es tobt ein Informationskrieg» vom 17.3.2014
«Kriegstreiberei in der NZZ» vom 25.4.2014

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28 Meinungen

Dieser Beitrag scheint mir wertvoll, der Verfasser profitiert von jahrzehntelangen Erfahrungen, man kann ihm gewiss nichts vormachen. Ebenso viel wie Korrespondentenberichte bringt indes die Lektüre von Gogol und Tolstoi, für das langfristige Verständnis von Russland bringt auch Solschenizyn viel, weniger weil er ideologisch nicht in die westliche Landschaft passt als weil gute russische Autoren immer «wirklichkeitsgesättigt» zu schreiben wissen. Man darf sich bei jedem Bericht fragen, was diese Informationen in 100 Jahren noch wert sind.
Pirmin Meier, am 01. Mai 2014 um 12:33 Uhr
Ein guter Bericht. Wir waren aber schon immer schlecht informiert. Früher war die Macht von Reuters und die Macht der Hochfinanz noch grösser als heute, aber die Zensur gab es schon immer, nur heute bemerkt man diese. Dass die Wirtschaft die Welt regiert, und es betreffend der Ukraine noch andere Sichtweisen gibt, nämlich die Wirtschaftliche wo es um viel Geld geht, und um die Usa welche immer noch nicht begriffen hat dass sie nicht mehr die Nummer 1 sind auf diesem Planeten, solche subtilen Details werden heute noch als «Verschwörungstheorien» abgetan. Wie bei den Nazis, als sie die Macht übernahmen, haben alle weg gesehen und gesagt «Verschwörungstheorien» und hinterher sagten sie, wir wussten ja nicht dass da was dran wäre, damals. Der Raubtierkapitalismus regiert unseren Planeten in einen wo möglichen 3ten Weltkrieg hinein, und wenn alles den Bach runter ging, sagen sie alle: Wir wussten ja von nichts. Nun ja, Geschichte widerholt sich, wenn aus den Fehlern nicht gelernt wird. So ist es auch dieses mal. Wir sehen blutigen Zeiten entgegen. Die Lebenden werden die Toten beneiden. Am Schluss werden wohl Rockefeller und Rothschild in einem Bunker 300 Meter tief auf einer verstrahlten Erde die einzigen 2 überlebenden sein. Dann gehört alles ihnen was noch übrig ist.
Beatus Gubler, am 01. Mai 2014 um 13:32 Uhr
Menschenrechte sind heilig. Völkerrecht hingegen ist Akrobatik. USA, Israel, Kosovo und NATO zeigen jederzeit wie sie die Schwerkraft besiegen.
Dass Putin und die Krim Sewastopol zu Russland rechnen ist nicht unlogisch.
Da ist nun ein Problem: Putin kann unmöglich die NATO in der Ostukraine dulden. Die EU notfalls schon. General Rasmussen kann man zumuten dies zu kapieren.
Hannes Keller, am 01. Mai 2014 um 18:23 Uhr
Es ist ein politisches Tollhaus was die Usa und die Eu im Moment abziehen. Wir, das Volk, sind am Schluss immer die Idioten, und müssen noch bezahlen dafür was die da oben anrichten. Schickt die Usa Geld und Stimmungsmacher in die Ukraine, um dort einen widerstand auf zu bauen, damit die EU und somit die USA sich die Ukraine in den Sack stecken können. Und überall Geheimhaltung und Überwachung, diese Heimlichtuerei, niemand mehr hat wirklich eine Übersicht was da Oben für Fäden gezogen werden. Orson Wells lässt grüssen, sein Buch war eine Prophezeiung. Die ganze Welt lässt sich von 1% der Bevölkerung dirigieren, ausbeuten, an der Nase rum führen, foltern, versorgen, einsperren, in Kriege schicken und anderes. Es ist schlimmer als im Pausenhof eines Schulhauses in der Bronx. Es sind Gangs welche Regieren, keine Menschen mehr welche wirklich zur Politik berufen sind. Vielleicht wird es Zeit dass eine Pandemie die Existenz dieses Planeten gemäss Darwin mal beendet. Wenn man die alten Artefakte untergegangener Hochkulturen anschaut, wissen wir was uns ebenso blüht wenn wir jetzt nicht auf die Bremse treten.
Beatus Gubler, am 01. Mai 2014 um 22:06 Uhr
Natürlich «werden wir schlecht informiert". @Gubler. Es gibt nicht nur Ihre Rothschilds und Rockefeller, hier verbeissen Sie sich. Wir müssen auch nicht von einem Extrem ins andere fallen, auch bei Putin nicht einfach die Augen schliessen. @Hannes Keller: Sind Sie der bekannte Hannes Keller, ehemaliger Taucher, vor 28 Jahren Veranstalter der grossartigen Tagung in Zürich mit Popper, Dietfurt, Hans Jonas und Eibl-Eibesfeld, die für mich immer noch grossartigste Tagung meines Lebens?
Pirmin Meier, am 02. Mai 2014 um 19:49 Uhr
Lieber Pirmin Meier

Ja, ich bin der Taucher. Sehr interessiert an Politik und Philosophie. Leider ist es unmöglich zu denken, man habe recht. Popper: Man kann heute nicht wissen was man morgen weiss. Aber versuchen kann man es alleweil. Zum Glück kann man davon ausgehen, dass das auch allen Lesern bewusst ist.
Die gesamte Tagung von damals ist in www.visipix.com frei zugänglich.
unter «Special exhibitions» und «Denken über die Zukunft".
Man muss Putin nicht lieben um die Situation von Russland zu begreifen.
Er ist jetzt in Schwierigkeiten. Militärische Aktionen liegen nicht in seinem
Interesse, er kann sie aber nicht ausschliessen, weil die NATO die Ukraine wild entschlossen haben will. Jetzt muss er die prorussischen Aktivisten - die sein Eingreifen erwarten, bei der Stange halten, obwohl er a) die EU in der Ukraine hinnehmen könnte - aber ohne NATO - und b) nach dem Schelmenstück der EU mit der Osterweiterung der EU nicht trauen kann.
Eine böse Situation ist das. Zum Glück merkt Frau Merkel, dass ihr Land für die Finanz- und Gashilfe der Ukraine vorgesehen ist. Putin winkt dazu mit dem Gashahn.
Hannes Keller, am 03. Mai 2014 um 00:34 Uhr
@Olivier Bregy

Bitte erlauben Sie mir zwei Bemerkungen :

Zitat : (...) «Wir werden schlecht informiert» ---- Die nächste Frage ist dann: Sind die Journalisten schlecht informiert oder wollen Sie schlecht informieren? (... ) / Ende d. Zitates/

Journalisten privater Massenmedien im Schulterschluß mit öffentlich-rechtlichen
praktizieren intellektuelle Prostitution . Zu dieser Diagnose gelangte John Swinton als ehem. hochrangiger Mitarbeiter der NYT.

Zitat: Warum sprach Juncker schon vor zwei Jahren von Krieg und den Parallelen zu 1914? Warum will er jetzt unbedingt an die Spitze von Europa? / Ende d. Zitates/

Offensichtlich um seiner Maxime mehr Nachdruck verleihen zu können :

"Demokratische Offenbarung : - - „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den
Raum und warten einige Zeit ab, was passiert.- Wenn es dann kein großes Geschrei
gibt und keine Aufstände, weil die meisten garnicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Premierminister von Luxemburg Jean-Claude Juncker erklärt seinen EU-Kollegen die Demokratie
(SPIEGEL 52/1999)
Gustav - Adolf Siebrasse, am 03. Mai 2014 um 10:47 Uhr
@Dass ein so bedeutender Mann wie Hannes Keller, den ich zu den wichtigen Schweizern unserer Zeit zähle, sich hier zu Wort meldet, freut mich. Sein Hinweis darauf, dass Referate der Tagung v. 1986 mit einigen der bedeutendsten Denker der Welt im Netz abrufbar sind, scheint mir wertvoll. Was Hr. Keller damals im Zürcher Börsensaal organisierte, hatte weniger von Prominenz, wohl aber von Substanz her eher mehr «Nachhaltigkeit» als eine herkömmliche WEF-Tagung in Davos, wiewohl man damals fast ohne Sicherheitsmassnahmen auskam: Denken macht keinen Lärm.

@Bregy/Siebrasse: Ich habe Jean-Claude Juncker immer als bedeutenden, «identifizierbaren» und keineswegs haltungslosen europäischen Politiker eingeschätzt. Dass er sich über das Lügen geäussert hat wie Machiavelli, zeigt nur, dass er ein Berufspolitiker ist. Adenauer unterschied 3 Wahrheiten, nämlich die «volle", die «reine» und «nichts als die Wahrheit", was 3 komplett verschiedene Versionen nicht ausschloss.

Juncker scheint vordergründig ein Beispiel zu sein, dass und wie auch die Schweiz in der EU Wichtigkeit erlangen könnte. Man beachte aber: a)Juncker war kein stets wechselnder Bundespräsident, sondern Dauerregierungschef einer Monarchie, Vertreter v. anderem System als CH. b) Juncker politisiert nebenbei erfolgreich für die Interessen Luxemburgs, ist aber in Wirklichkeit d e r Scharnierpolitiker der EU, weder Deutscher noch Franzose. Er macht im Auftrag der EU Politik, auch Machtpolitik, unvereinbar mit CH-Neutralität.
Pirmin Meier, am 03. Mai 2014 um 12:22 Uhr
Geht es im Grunde genommen in diesem Konflikt, so vielschichtig er sich auch äussern mag, nicht wieder um immer dasselbe? Um Energie-Ressourcen und somit Macht? Siehe den Beitrag von Dr. Ganser: http://youtu.be/Jyj-ofBUILw
2 interessante Vorträge auf You-Tube filmisch festgehalten. Dr. Daniele Ganser gehört zu den namhaftesten Historikern im deutschsprachigen Raum. Sein Buch „NATO-Geheimarmeen in Europa - Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung» wurde 2005 veröffentlicht und in zehn Sprachen übersetzt. Er bildet an der Uni Basel Studenten aus. Seine Arbeiten sind nicht zu unterschätzen. Kennt man seine Argumente, rückt der Ukraine-Konflikt in eine etwas andere Dimension. Gruss Beatus Gubler Sozialarbeiter www.streetwork.ch Basel
Beatus Gubler, am 03. Mai 2014 um 14:05 Uhr
@ Herr Bregy Doch, das ist mir auch aufgefallen. Doch das Gesamtbild Peak Oil und die Kriege und politischen Schachzüge passen zusammen. Er hat in ein Wespennest gestochen. Wer in Wespennester sticht, arbeitet oft plötzlich woanders, aber sicher nicht mehr oder für Sendungen im Schweizer Fernsehen. Die Zeiten sind leider vorbei. Und es ist traurig, dass man das wirklich relevante vom Ausland erfahren muss, oder von ehemaligen Studienkollegen welche an «Quellen» arbeiten per Telefon. Wenn's heikel wird, kommt's nicht im Schweizer Fernsehen. Bin ich froh, Bekannte in New York und Kanada zu haben, in Deutschland und Thailand. Ich mag das von Reuters gelieferte vorverdaute Zeugs nicht mehr hören. Darum lese ich ja auch den Infosperber. Ich freue mich für den Erfolg welcher der Infosperber hat, denn es ist auch zu des Lesers Gunsten. Gruss Beatus Gubler
Beatus Gubler, am 03. Mai 2014 um 22:08 Uhr
@Bregy. Noch nie gab's in der Geschichte der Menschheit eine Zivilisation, wo man sich so gut selber informieren konnte wie wir heute, zum Beispiel von der Schweiz aus. In China und Nordkorea sind die Bedingungen schlechter, in den meisten afrikanischen Staaten aus sozialen Gründen wohl auch. Aber wir können uns ins Bild setzen, wenn wir nur wollen, konnten es schon immer. Ich suchte stets Kontakt mit Palästinensern, Juden; ferner Christen in den einstigen Ostblockstaaten. Über Blocher, das Medienhaus Wanner, Ringier, die NZZ, ihre hervorragenden Leistungen, aber auch ihre Hetzstrategie 1902, 1956, 1993, über alles kann man sich ausreichend informieren. Gestern stand in der NZZ ein unübertrefflicher Artikel zu lesen über Chinas Verhältnis zu den Rohstoffen. Es war also eher ein Fehler von mir, die Zeitung aus persönlicher Verärgerung zwei Monate lang nicht zu lesen. Wer sich über die Uni ZH ins Bild setzen will, muss nun halt mal auch die Weltwoche lesen, aber nicht nur die Weltwoche; als ich in den 80-er Jahren ein paar Jahre in Medizingeschichte investierte, agitierte der heutige Medizinhistoriker Condrau lesenswert in der WoZ gegen die Firma Villiger, nicht uninformativ, vielleicht einseitig, er weiss über die Problemlage betr. Villiger u. 3. Reich gewiss mehr als über Chirurgie 1527 am Zürichsee. Seriös war auch Ostinstitut von Sager im Kalten Krieg, man erfuhr viel, das stimmte. Auch Cincera wusste viel, versicherte mir, Meienbergs Recherchen über Kopp würden zutreffen.
Pirmin Meier, am 04. Mai 2014 um 09:57 Uhr
@Bregy. Dass man NZZ dreimal täglich las, gab's in Krisensituationen wie Aug. 68, als Roger Bernheim seriös aus Moskau berichtete und es nicht möglich war, per Netz auf dem sog. neuesten Stand zu sein. Sicher las ich das Blatt nicht ständig 3mal täglich; überdies las ich in Zürich immer noch die TAT, welche ich bevorzugte, habe unterdessen die Biographie von deren Chefredaktor Jaeckle geschrieben. Es war zu jener Zeit unmöglich, sich über internationale Politik in deutscher Sprache zu informieren, ohne auch die NZZ zu lesen. Wenn Frisch und Christian Müller es mutmasslich auch so machten, so nicht, um sich daraus ihre Meinung zu bilden; man liest eine halbwegs brauchbare Zeitung auch dann, wenn man mit ihrer Linie nicht übereinstimmt. In der Regel war die NZZ zuverlässiger als der SPIEGEL, den ich zwar immer gut fand, ausser wenn ich über eine Sache, worüber er schrieb, direkt im Bild war.

A propos Salomon Gessner: war der beste Zürcher Freund des Bruggers Johann Georg Zimmermann, dessen Biographie ich geschrieben habe incl. Porträt der Helvetischen Gesellschaft. Bronner wurde Kantonsbibliothekar Aargau, von ihm habe ich alles gelesen, was dort aufliegt. Und wie gesagt, ein recherchierter NZZ-Beitrag v. über die Rohstofflage auf dieser Welt mit Betonung von China, v. glaubwürdiger Expertin, kann relevanter sein als OSZE-News und Juncker. Es gibt mindestens 100 Artikel jährlich, die wirklich was bringen. Tagi, WoZ u. WW bringen zusammen knapp gleich viel relevante Beiträge.
Pirmin Meier, am 04. Mai 2014 um 18:27 Uhr
@Thomas Binder. Vater Julius Binder, jetzt 88, Nationalrat, Ständerat, Verfassungsratspräsident, Grundsatzpolitiker und gelegentlich Interessenpolitiker, Vater des Umweltschutzartikels in der BV, war einer der besten politischen Redner in der CH des 20. Jahrhunderts; seine Nichtwahl in den Bundesrat läutete den katastrophalen Abstiegs seiner Partei ein; über Chr. Blocher mussten ich andere sich weit öfter ärgen als über Ständerat Binder. Letzterer war aber an verantwortlicher Stelle nicht in der Lage, das Eingehen einer wichtigen Zeitung, deren VR-Präsident er war, aufzuhalten. Auf dem Feld der Pressepolitik scheint Blocher potenter zu sein, was in Sachen Breite des Diskussionsfeldes kein Nachteil sein muss. Was viele zu EU, Einwanderung u. Justizstaat denken, findet nicht mehr nur in den Leserbriefspalten statt.

Der radikalliberale 1848-er Verfassungsvater Jakob Robert Steiger von Luzern gründete mit dem Geld einer schwerreichen deutschen Ehefrau drei radikale Zeitungen, ohne welche das liberale Gedankengut in der Innerschweiz keine Chance bekommen hätte. Allerdings waren die Zeitungen damals sogar noch demagogischer und polemischer als heute, dafür aber in ihrer politischen Linie besser erkennbar, transparenter. Presseprozesse waren an der Tagesordnung. Wegen föderalistischer Struktur, regionaler Zeitungsvielfalt und weil es weder ein öffentlichrechtliches Radio noch ein entsprechendes zwangsabonniertes Fernsehen gab, hatte noch kein Medium Einfluss auf die ganze Schweiz.
Pirmin Meier, am 04. Mai 2014 um 19:22 Uhr
@Forum
Bitte erlauben Sie mir , Ihnen aus deutscher Sichtweise Abneigung gegenüber angeblich alternativlosen Konsumangeboten vorverdauter Meinung erlangen zu können ; -- nach einer Maxime des Charles Dickens : » Ich brauche Informationen. Eine Meinung bilde ich mir selbst » .

Vorab ein Gespräch zwischen Moustafa Kashefi ( alias Ken Jebsen/KenFM ) und Willy Wimmer (CDU) :
http://www.youtube.com/watch?v=faL4zRUdQTA
Danach ist Jochen Scholz , Oberstleutnant a. D. der Bundeswehr , zu Gast bei NuoViso :
http://www.youtube.com/watch?v=x_KtLZ32-6U

Hoffentlich werten auch Sie Ihren Zeitaufwand » in bestimmter Hinscht » als ertragreich ( s. Dickens )
Gustav - Adolf Siebrasse, am 05. Mai 2014 um 09:33 Uhr
Das Erfolgsmodell des A. C. Springer : «Ich war mir seit Kriegsende klar, daß der deutsche Leser eines auf keinen Fall will, nämlich nachdenken". ( Ende des Zitates )
Damit rechtfertigt sich offensichtlich eine zahnlose Journaille in den Massenmedien und der sedierte Urnenpöbel empfindet es nicht als anstößig , von jenen aus dem Lotterbett der intellektuellen Prostitution heraus mit nachgerichteten Meldungen abgespeist zu werden .
Wer vertreibt diese opportunistische Journaille aus der von Faulheit , Trägheit und Gleichgültigkeit verseuchten Umgebung und vermittelt ihnen die Idee des Joseph Pulitzer : » Es gibt kein Verbrechen, keinen Kniff, keinen Trick, keinen Schwindel, kein Laster, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, macht sie vor aller Augen lächerlich. Und früher oder später wird die öffentliche Meinung sie hinwegfegen. Bekannt machen allein genügt vielleicht nicht – aber es ist das einzige Mittel, ohne das alle anderen versagen.“ ( Ende d. Zitates)
Als Einstieg dazu sollten entsprechende » mehrjährige » Praktika bei Unbeugsamen
- Wissenschaftler , Politiker und ehemalige Kollegen ( incl.ehemalige freie Mitarbeiter ) - zwingend vorgeschrieben sein .
Gustav - Adolf Siebrasse, am 06. Mai 2014 um 14:31 Uhr
Mit Ausdrücken aus der Ohrfeigensprache wie «Journaille", «Urnenpöbel", «intellektuelle Prostitution» und dem Vorschlag zu irgendwelchen «zwingend vorgeschriebenen Praktika» wird klar, dass es um keine ernsthfafte Untersuchung von Missständen geht, bloss um Abreaktion von Frust. Das Zitat von Pulitzer ist vorzüglich und bleibt lesenswert.
Pirmin Meier, am 06. Mai 2014 um 15:13 Uhr
Pardon ; - Welche Wortwahl wäre angemessen bei Betrachtung des Sachverhalts insbes. mit Rückblick auf die vergangenen 13 Jahre bis heute ? .- - - Wurden nicht die Veröffentlichungen z. B. über US-amerikanische Politik ( inbes. Militär - und Außenpolitik ) in Europa mehrheitlich von willfährigen Massenmedien ohne Recherche übernommen ? - Waren es nicht Salven von Ohrfeigen , die solcherart dem geneigten Publikum verabreicht und von diesem klaglos hingenommen wurden? . - Unter welchem Aspekt darf ein solches Wahlvolk betrachtet werden ? -
Welche Stellenwert kann man Massenmedien ( zumal den öffentl.-rechtlich alimentierten ) hinsichtlich ihres Auftrages einer ernsthaften Untersuchung von Mißständen zubilligen ? - -
Kann John Swinton vorgeworfen werden , daß er bei seiner Diagnose » Intellektuelle Prostitution » ( und weiterem Textinhalt) keine Koseform gewählt hat ? - - -
( ..... )
Gustav - Adolf Siebrasse, am 06. Mai 2014 um 18:08 Uhr
Bregy/Siebrasse: Es hat nichts mit dem Willen zur Wahrheit zu tun, wenn man unterschiedliche Perspektiven nicht auf beleidigende Weise austauscht. Das Pamphlet ist keine wissenschaftliche Textsorte, wie ich in meinen Nachrufen auf den sonst verdienstlichen Religions- und Kirchenkritiker ausgeführt habe, im Netz leicht zu finden; sogar über den soeben verstorbenen Kunstsammler Gurlitt, den ich nicht zu verteidigen habe, wäre, samt seinem Vater, ein differenziertes Urteil zu gewinnen. Wenn gleichzeitig Antisemiten und «Antifaschisten» jemanden schlecht machen, wie ich meinem Nachruf im Textatelier Hess von Biberstein ausführe, lohnt sich das Bemühen um eine eigenständige Perspektive.@Bregy. Juncker u. Co. wurden von mir nicht verteidigt, ich habe in aller Deutlichkeit gesagt, dass Juncker leider mehr Funktionär der EU wurde denn, wie es die Schweiz zu machen hätte, Interessenvertreter eines neutralen Kleinstaates, welche Eigenschaft allerdings Luxemburg, ausser dem Kleinstaat, nie hatte. Man muss überhaupt nichts sehen wie die NZZ oder die FAZ; so hat etwa Angela Merkel Putin keine Empfehlungen zu machen, er dürfe am 9. Mai in Sewastopol keine Parade machen. Jene Stadt wurde von deutschen Bombern 1942 beinahe dem Erdboden gleich gemacht: daran darf Putin sehr wohl erinnern! Dass aber beim März-Referendum auf der Krim beschissen wurde, wusste jeder intelligente Mensch schon bei Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses. Da braucht's keine Enthüllungen russischer Oppositioneller.
Pirmin Meier, am 06. Mai 2014 um 20:02 Uhr
Es hat nichts mit dem Willen zur Wahrheit zu tun, wenn man unterschiedlicher Perspektiven auf beleidigende Weise austauscht. (Ein «nicht» zu viel). Der genannte Kirchenkritiker, der mit Pamphletsprache seiner Sache nicht immer geholfen hat, heisst Karlheinz Deschner, seine Bücher sind trotzdem lesenswert. Auch über die Kunsthändlerfamilie Gurlitt, deren mit Gründen umstrittener Patriarch Hildebrand Gurlitt von allen Naziorganisationen ausgeschlossen wurde und nur mit jüdischer Kunst handeln durfte, sollte man zumindest nicht vorschnell urteilen. Natürlich wollten sie, selber «jüdisch versippt", in einer unmöglichen Situation noch Geld verdienen; haben aber letztlich nicht wenige bedeutende Kunstwerke mutmasslich für die Nachwelt gerettet. Usw. Wie auch immer, ich bin Bregy und Siebrasse einverstanden, dass man die Allerweltsmeinungen nie auf Anhieb übernehmen sollte. Aber manchmal ist halt doch dann und wann etwas Wahres dran.
Pirmin Meier, am 06. Mai 2014 um 20:11 Uhr
@Bei Abstimmungsresultaten ab 97%, auch in der Schweiz, wenn es mal so wäre, sind DDR-Verhältnisse erreicht. Dort wurde 1988/89 sogar noch für die Differenz zwischen 98 und 99% nachweisbar beschissen. Oppositionelle: Ich finde es immerhin erfreulich, dass die Sache mit dem allzu eindeutigen Abstimmungsresultat auch in Moskau thematisiert wurde. Sonst erkundigen Sie sich mal bei Tagikorrespondentin Zita Affentranger, ehemalige Schülerin von mir, garantiert nicht käuflich, über russische Oppositionelle. Hoffe selber in den nächsten zwei Jahren mit meiner Nichte, einer Russlandhistorikerin, die ehemaligen Schweizer Dörfer auf der Krim und an der Wolga aufsuchen zu können.
Pirmin Meier, am 06. Mai 2014 um 21:02 Uhr
Mit Kritik an Pussy Riot schlagen Sie bei mir als Leser von Tolstoi, Dostojewskij und Solschenizyn offene Türen zu Kleinholz; typischerweise hielt ein katholischer Pastoralassistent in der Region Sursee über diese Pussys als Christinnen von heute eine Lobpredigt, wiewohl sie die Kirche öffentlich «Scheisse» nannten. Zwar habe ich von einer Gewährsperson der Moskauer Homosexuellenszene gemailt bekommen, mindestens eines der Mädchen drücke sich intelligenter aus als man es in den Medien vernehme, direkt faszinierend; im Kleingedruckten wollten die Pussies dann nicht alle Provokationen so gemeint haben, wie sie rüberkamen. Dass P.R. bei uns etwa um das Siebenfache beliebter sind als in Russland, rechne ich zum Grundwissen. Aber selbst über diese Girls sollte man sich nicht nur über die Medien informieren.

Mit Schülern wie Sie hatte ich ein gutes Verhältnis; einer, der sich als mein Kritiker betrachtete, beeindruckte mich vor ca. 20 Jahren durch Rekurs beim Rektor gegen eine zu gute Philosophienote. Er lasse sich durch Aufrundungen nicht bestechen; ich gab nach und setzte die Note für den stets interessanten, aber manchmal wirren Gesprächspartner wieder herunter.

Ich fühle mich weder durch Sie beleidigt noch möchte ich andere mit Debattenbeiträgen beleidigen. Aber ich fürchte, die Geduld einiger könnte, wenn die Diskussion zu individuell und zu speziell geführt wird, an die Grenze kommen. Aus meiner Sicht könnte, ja sollte man dieses Blogkapitel «langsam» schliessen. Amen.
Pirmin Meier, am 06. Mai 2014 um 22:14 Uhr
Pamphlet(sprache)?
Die Bezeichnung > Pamphlet < ist ursprünglich wertneutral als Bezeichnung eines Genres der politisch-religiösen Streitschriften gemeint ( lt. Wikipedia ).- Nun gibt der weitere Textinhalt dieser Wortgeschichte z. B. einem Inquisitor eine willkommene Gelegenheit , sich der Deutungshoheit zu bemächtigen. -

Mein Beitrag vom 06.05.2014 enthält Zitate und Tatsachenbehauptungen .
Nach der darauf folgenden Kritik habe ich einen kleinen Fragenkomplex verfaßt , dessen Inhalt meine vorher bekundete Meinung und Beweggründe a u c h in Kenntnis einer Äußerung von Peter Scholl-Latour darlegen : » Wir leben in einer Zeit der Massenverblödung» ( Ende d. Zitates)
Nun bitte ich um Hilfestellung hinsichtlich der offenen Fragen .- Möglicherweise habe ich Antworten dazu in Passagen der folgenden Beiträge nicht erkannt .- - -
Gustav - Adolf Siebrasse, am 07. Mai 2014 um 12:41 Uhr
@Olivier Bregy
Dank für Ihre Info. - Es ist zu hoffen , daß viele Bürger von den weisungsgebundenen Medien abrücken . - Auch in den > NachDenkSeiten < wird dieses Thema unter dem Titel » Die Gewinner der Ukraine-Krise » erörtert . - Dort heißt es in einem letzten Absatz ( Zitat) :» Es ist ungeheuerlich, dass der Sohn eines US-Vizepräsidenten, der sich massiv in die Entwicklungen in der Ukraine einmischt, geschäftlich an der Krise verdient und wirtschaftliche Interessen an den künftigen Entwicklungen in der Ukraine hat. Einen derartigen Interessenkonflikt gab es seit den Tagen von Rumsfeld und Cheney nicht mehr. In jedem anderen Land würde man derartige Praktiken wohl – zu Recht – als Kleptokratie bezeichnen. - - - Und was sagt die Presse dazu? - - - Sie schweigt. » ( Ende des Zitates )
Wer angesichts des Zustandes der Massenmedien seiner Übelkeit nicht mehr Herr wird ( eine Krankheitsform , die sich ganz allmählich zur epidemischen Erscheinung auswächst ) , sollte sich der » Informationsarchäologie » zuwenden .
Gustav - Adolf Siebrasse, am 14. Mai 2014 um 21:17 Uhr
@Hegel sagte: Hütet euch vor meinen Schülern! Wenn man fair bleiben will, ist es immer eine Frage der Perspektive. Der Journalist, die Journalistin hat eine andere Perspektive als der Historiker, er steht auch, wiewohl in dieser Hinsicht vor allem die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts ein ebenfalls schlechtes Beispiel abgibt, als Journalist freiwillig-unfreiwillig den Kriegsparteien näher als der Betrachter über die Jahrhunderte. Für Letzteres ist, wie ich gesagt habe, die Literatur eine der besten Quellen, z.B. Tolstoi.
Pirmin Meier, am 15. Mai 2014 um 07:45 Uhr
@Bregy, ich nehme Ihre Diskussionsbeiträge ernst und halte Sie vergleichsweise für gut informiert. Wenn Sie aber glauben, die Echtzeit-Informationen hätten eine Chance gegen den Hintergrund, den grosse Literatur gibt, etwa Homer und die Tragiker über Griechenland, dann wissen Sie schwerlich, was wirklich passiert. Solschenzyn zum Beispiel hat mit seiner Erzählung «Das Lächeln des Buddha» im 1. Kreis der Hölle die für alle Zeiten beste Beschreibung eines Gefängnisses in einem totalitären Staat gegeben; wer diese Beschreibung nicht kennt, weiss schlicht nichts, selbst wenn er 100 Echtzeitberichte von Amnesty International gelesen hat. Es ist zugleich die beste Beschreibung über die Verlogenheit von Berichten von Leuten, die offiziell ein solches Gefängnis besuchen dürfen, auch Journalisten. Es wird gezeigt, was der Besuch im Butyrka-Gefängnis in Moskau zur Kenntnis genommen hat und wie es wirklich war mit einer noch nie erreichten Tiefe. Desgleichen bleibt man ohne Gogol, Puschkin, Tolstoi, Dostojewskij und Tschechow reiner Russland-Analphabet, und ohne den grossen Gatsby von Fitzgerald weiss man auch nach 10 Ferienaufenthalten in den USA nichts über dieses Land. Ohne «Mein Katalonien» von Orwell hat man vom Spanischen Bürgerkrieg eigentlich nichts vernommen. Aristoteles und Thales wussten auch schon alles über das Problem Griechenlands mit dem Euro, bzw. ohne Vertiefung bleibt, wie der Begriff schon sagt, alles an der Oberfläche. Natürlich braucht es Echtzeitinformationen.
Pirmin Meier, am 15. Mai 2014 um 08:55 Uhr
Was Sie über die griechischen Tragiker sagen, zeigt, dass es Ihnen leider an Bildung zu fehlen scheint. Diese wissen, Freud war es sich im Gegensatz zu Ihnen bewusst, sogar mehr über den Menschen als Freud und alle Psychologe und Journalisten, sie sind, wie es Erasmus von Rotterdam aufgefallen ist, zum Teil sogar dem Heiligen Geist in der Bibel überlegen, welch letztere aber auch nicht zu unterschätzen ist. Und die Folteropfer haben leider notwendigerweise nicht die Distanz, die der Gulagveteran Solschenizyn am Ende doch errang für eine weltliterarische Analyse. Ausserdem gibt es nun halt mal Unterschiede in der Genialität. Ein Folteropfer kann Hintergründe pberdies nicht gerade optimal analysieren. Ich sage das ohne Zynismus, weil ich immerhin auch schon mal, übrigens im Militär, beinahe totgeschlagen worden bin. Ohne intelligente Analyse, die ein Minimum an Gesundheit und Distanz voraussetzt, versteht man nichts. Auch Shakespeare, etwa Hamlet, ist als Quelle unschlagbar. Und kein Folteropfer kann leider das Böse so genau zeigen wie Shakespeare in Richard III. Deswegen muss aber das Folteropfer erst recht ernst genommen werden.
Pirmin Meier, am 15. Mai 2014 um 09:28 Uhr
@Schön dass Sie mit Platon kommen, weil dieser in der Weltgeschichte des Erkennens die theoretisch grösstmögliche Distanz zum Einzelfall verkörpert, das Verstehen des allgemeinen Falls fordert, wie es meine Schüler 33 Jahre lang an der Matura oft genügend verstanden haben. Ohne Homer als Basis nähert sich das Platonverständnis dem Grenzwert Null, und bei Hinweisen auf Internet-Deutungen muss klar werden, dass dies mit Verstehen, wennmöglich auf der Grundlage von Originaltext, nichts zu tun hat. Platon hat Homer eben nicht für sich denken lassen, bloss von ihm gelernt, H. war der wohl beste Menschendarsteller der Literatur nebst dem genannten Shakespeare, so sah es wenigstens Goethe. Natürlich hat niemand, auch Elias Erdmann nicht, Platon «richtig gedeutet". Höhlengleichnis und Kant kann man nur selber «checken", nicht deuten lassen. Zum Verständnis gehört, dass man den Unterschied zwischen Nominalismus und Universalismus realisiert, sich erkenntnistheoretisch klar macht, wie aus dem Einzelfall eine mögliche Vorstellung von Wahrheit resultiert. In diesem Sinn ist eine philosophische Grundbildung unerlässlich, sonst gilt der Satz von Heidegger: «Die Wissenschaft denkt nicht.» Dass die uns von Medien vorgespiegelte Wirklichkeit «noch nicht durchdacht» ist, ist klar; noch schlimmer bleibt, wenn sie vorinterpretiert ist. Das ist eben Manipulation, welche Sie beklagen. Dagegen kann man aber wenig ausrichten ohne Grundausbildung in Kritik, als deren Meister Kant anzuerkennen bleibt.
Pirmin Meier, am 15. Mai 2014 um 11:21 Uhr
Adam Riese war auch ein Antisemit, deswegen gibt 1 + 1 trotzdem 2, entschuldigen Sie, die Diskussion lohnt sich nicht mehr.
Pirmin Meier, am 15. Mai 2014 um 15:13 Uhr

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