"Ich werde für eine Erneuerung der Atomwaffen sorgen": Hillary Clinton © common

"Ich werde für eine Erneuerung der Atomwaffen sorgen": Hillary Clinton

Hillary Clinton propagiert Aufrüstung der USA

Christian Müller / 10. Sep 2016 - Der US-Präsident ist auch der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte. Hillary Clinton outet sich in Cincinnati als Kriegsbegeisterte.

Verständlich: Die Medien können nicht jeden Tag über den US-amerikanischen Wahlkampf berichten. Dieser Wahlkampf ist ja auch eine unerfreuliche Geschichte, und unerfreuliche Geschichten haben wir auf dieser Welt zurzeit genug.

Trotzdem: Ist es ein Zufall, dass keine der grösseren Zeitungen im deutschsprachigen Raum auf die Rede zu sprechen kam, die Hillary Clinton am 31. August in Cincinnati vor Kriegsveteranen gehalten hat?

Wohl eher nicht. Denn in dieser Rede betonte die Kandidatin der Demokraten deutlicher als je zuvor,

– dass die Vereinigten Staaten von Amerika das grossartigste Land der Welt sind (the greatest country on earth),

– dass die US-Amerikaner eine aussergewöhnliche Nation sind (an exceptional nation),

– dass die Vereinigten Staaten von Amerika nicht nur eine unentbehrliche Nation sind, sondern DIE unentbehrliche Nation,

– dass die Vereinigten Staaten von Amerika DIE Weltmacht sind,

– dass die Vereinigten Staaten von Amerika die Welt führen müssen,

– dass es das oberste Ziel sein muss, die militärische Vorherrschaft der USA weltweit zu erhalten und zu stärken,

– dass es überhaupt nicht in Frage kommt, das Militär-Budget zu kürzen und

– dass auch die nukleare Bewaffnung dringend erneuert werden muss.

So eine Rede, mochten sich die Medien im deutschsprachigen Raum gedacht haben, muss ja nicht auch noch weiterverbreitet werden, Hillary Clintons Image ist eh angeschlagen.

Für europäische Ohren unerträglich

Kaum jemand in Europa wünscht sich den miliardenschweren, clownesken Selbstdarsteller Donald Trump im Weissen Haus. Zu widersprüchlich sind seine programmatischen Aussagen, zu oft hat er irgendwelche Sprüche widerrufen müssen, einigermassen konstant ist fast nur seine Fremdenfeindlichkeit. Ist aber Hillary Clinton eine Kandidatin, auf deren Präsidentschaftszeit man sich freuen kann, wie man sich – damals! – auf Obamas Präsidentschaft freute (um sich dann allerdings schon bald in seinen Hoffnungen getäuscht zu sehen)?

Dass Hillary Clinton eine Marionette der Hochfinanz sein wird – nicht zufällig erhielt sie allein von Multimilliardär George Soros 30 Millionen Dollar als Wahlkampfspende – mögen die einen nicht glauben und andere mag es nicht interessieren. Dass sie aber mit allen Mitteln, im Zweifelsfall auch mit Atomwaffen, die militärische Vorherrschaft der USA halten und sogar ausbauen will, wird hierzulande schon gar nicht erwähnt. Konnte man irgendwo lesen, dass Hillary Clinton militärische Vergeltung auf «Cyberangriffe» in Aussicht stellte?

Nach dem Zweiten Weltkrieg dachte man weltweit noch an Frieden, an Ausgleich, an Balance – und wenn es auch nur das «Gleichgewicht des Schreckens» war. Und heute? Vergiss es! Auch die meisten europäischen Medien wünschen sich heute die USA in der Rolle der Weltpolizei. Infosperber berichtete, siehe hier, und hier, und hier.

Kaum inhaltliche Informationen in deutscher Sprache

Wer im Internet nach einer deutschsprachigen Berichterstattung über Hillary Clintons Rede vor den Kriegsveteranen in Cincinnati sucht, findet lediglich einen Kommentar auf der World Socialist Web Site. Es sei, ausschliesslich zur Information jener, die die Rede im Original – und eben in englischer Sprache – nicht verstehen, erlaubt, ein paar Inhaltsangaben zu Hillary Clintons Rede aus diesem (aus sozialistischer Sicht natürlich kritischen) Artikel der wsws hier wiederzugeben:

Die Demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton ist entschlossen, den Kriegskurs der Vereinigten Staaten fortzusetzen und auszuweiten. Das bekräftigte Clinton am 31. August in einer Rede vor der Amerikanischen Legion, einem Verband der Kriegsveteranen. Ihr zufolge hätten die USA das Recht und die Pflicht, die Welt mit militärischer Gewalt zu beherrschen.

Die Kandidatin gelobte, als Präsidentin werde sie dafür sorgen, dass die USA die dominierende Militärmacht der Welt bleiben würden. Der US-Imperialismus werde die Militärbündnisse weiterführen, mit denen er Europa und den Fernen Osten kontrolliert, und, falls notwendig, auch unabhängig von der Weltmeinung einseitig Krieg führen.

Clinton nannte wiederholt Russland und China als mögliche Ziele eines amerikanischen Kriegs, obwohl jeder derartige Konflikt die Gefahr eines Atomkriegs heraufbeschwören würde. Einmal mehr betete Clinton die unbewiesenen Anschuldigungen gegen Russland herunter und erwähnte die angeblichen russischen Hacker- und Cyberangriffe, zum Beispiel gegen das Nationalkomitee der Demokraten. Sie erklärte: «Als Präsidentin werde ich klarstellen, dass die Vereinigten Staaten Cyberangriffe wie jeden anderen Angriff behandeln. Wir werden darauf mit massiver politischer, wirtschaftlicher und militärischer Vergeltung reagieren.»

In drohendem Ton erklärte sie, eine ihrer ersten Amtshandlungen werde darin bestehen, eine umfassende Überprüfung der amerikanischen Nuklearwaffen durchzuführen: «Wir müssen sicherstellen, dass das US-Waffenarsenal für zukünftige Bedrohungen gerüstet ist», d.h. um einen Atomkrieg zu führen.

Gleich zu Beginn bekannte sich Clinton zur «einzigen Weltmacht Amerika». Sie erklärte, im Verlauf ihrer politischen Karriere «hat mich bei jedem Schritt eine Grundüberzeugung geleitet und inspiriert: Die Vereinigten Staaten sind eine exzeptionelle Nation. Ich glaube, dass wir immer noch Lincolns letzte große Hoffnung auf Erden sind. Wir sind immer noch Reagans strahlende Stadt auf dem Hügel. Wir sind immer noch Robert Kennedys großes, uneigennütziges, barmherziges Land.»

Mit ihrer Rede verdeutlichte Clinton auf aggressive Weise ihre allgemeine Strategie in der Militärpolitik. Sie forderte eine erhöhte militärische Bereitschaft, die Modernisierung der Waffensysteme und eine umfassende Vorbereitung auf alle Arten von Konflikten. «Wir dürfen unsere militärische Überlegenheit nicht einbüßen. Das bedeutet, wir müssen dem Pentagon eine stabile, kalkulierbare Finanzierung ermöglichen, damit es vernünftige Investitionen tätigen kann», erklärte sie, und verurteilte die «Sequester»-Deckelung der Militärausgaben, die als Teil der Haushaltskürzungen von beiden Parteien verhängt worden war. Das US-Militär müsse «auf jedem Gebiet in kürzester Zeit einsatzbereit sein, nicht nur an Land, auf dem Wasser, in der Luft und im Weltraum, sondern auch im Cyberspace.»

Mit Bezug auf Obamas Truppenabzug aus Irak und Afghanistan erklärte Clinton: «Wir haben mehr als hunderttausend Soldaten aus dem Irak und Afghanistan abgezogen, so dass sie nach Hause kommen, sich ausruhen und für künftige Ereignisse trainieren können.»

( )

Clinton beendete ihre Rede mit einem offenen Aufruf an die Republikaner, sie zu unterstützen. Sie wies darauf hin, dass fünfzig republikanische nationale Sicherheitsexperten kürzlich erklärt hätten, sie würden Trump nicht unterstützen. Sie argumentierte: «In diesen Wahlen darf es nicht um Ideologie gehen. Es geht nicht nur um Unterschiede in der Politik. Es geht darum, wer die Erfahrung und die Fähigkeiten besitzt, Präsident und Oberbefehlshaber zu sein.»

Ende Zitat

Besser und informativer ist natürlich, sich die Rede Hillary Clintons vor den Kriegsveteranen selber anzuhören und anzusehen, denn auch Hillary Clintons Mimik zeigt, wie sie sich fühlt, wenn sie den Kriegsveteranen zuruft: Ich werde euer Commander-in-Chief sein, euer Oberbefehlshaber, weil ich, im Gegensatz zu Donald Trump, dazu fähig bin.

Der US-amerikanische Präsident ist gemäss US-Verfassung tatsächlich auch der Oberbefehlshaber der US-amerikanischen Streitkräfte. Mit Hillary Clinton in diesem Amt wahrlich keine schöne Aussicht.

Kleiner Nachtrag:

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels war Hillary Clintons Rede in Cincinnati auf Youtube 33'951 mal aufgerufen worden. 208 User setzten zusätzlich ein «like» hin, die Hand mit Daumen nach oben, aber, eher überraschend, sechsmal mehr, nämlich 1293, ein Dislike, die Hand mit Daumen nach unten. Ob man endlich auch in den USA merkt, welche Kandidaten da zur Auswahl stehen?

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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9 Meinungen

Danke schön, Herr Müller und Infosperber für diesen Artikel.

Tatsächlich ist die Berichterstattung gegenüber Clinton sehr wohlwollend - im Gegenzug wird Trump konstant mit Häme übergossen, und es werden ihm oft genug Aussagen unterstellt, die er gar nie gemacht hatte.
Unabhängig davon was man von beiden Kandidaten hält, diese ungleiche Behandlung müsste aufgewckte Zeitungsleser nachdenklich machen.

Das Beispiel, das Sie aufgegriffen haben, passt gut zu meiner eigenen Feststellung, nämlich dass im Zusammenhang mit Clinton deren möglich Aussenpolitik nie zum Thema gemacht wird. Kritische Betrachtungen ihres «Leistungsausweis'» als ehemalige Chefin des State Department? Fehlanzeige!

Das Beispiel Berichterstattung US-Wahlen zeigt «schön» auf, wie «frei» die Mainstream-Medien 15 Jahre nach 9/11 noch sind. So gesehen: Gut gibt es den Infosperber!

P.S. Hier noch ein weiteres deutschsprachiges Medium jenseits des «main stream», welches sich kritisch mit Frau Clinton auseinandersetzt: http://www.neopresse.com/?s=Clinton
Christoph Meier, am 10. September 2016 um 12:58 Uhr
Die Aufmarschachse der USA gegen Russland/CIS, vor allem aber gegen die V.R. China (potenziell auch gegen Indien) ist seit langem klar, egal ob Demokraten oder Republikaner an der Macht sind. Das ist halt ein Aspekt des Backlash seit 1989-91 und was dann noch dazu kam. Trump ist vielleicht weniger gefährlich als Clinton, wer weiss ?
Christian Müller, am 10. September 2016 um 14:07 Uhr
Es ist immer wieder atemberaubend, zu sehen und hören, wie stark die amerikanische classe politique davon überzeugt ist, es sei «manifest destiny» der USA, die Welt zu führen und zu beherrschen. Das dies vor allem militärisch erfolgt, kann nicht überraschen bei einem Land, welches Waffentragen als Bürgerrecht versteht und solches in die Verfassung geschrieben hat.
Helmut Scheben, am 10. September 2016 um 15:48 Uhr
Da ist doch schlussendlich der Clown einer Kriegstreiberin -zumindest aus europäischer Sicht - vorzuziehen.
Hermann K.J. Fritsche, am 10. September 2016 um 16:52 Uhr
Der Soziologe Stefan Schulz (bekannt durch sein Buch «Die Zeit nach der Zeitung") stellte die Tage in nem Interview die These zu Trump auf:
Dass dieser im möglicherweise Innern ein herzensguter Mensch sei. Trump ist eit rund 40 Jahren medial präsent und bei all den Jahrzehnte alten Reden wiederholte er immerzu seine Kritik an der US Regierung. Die Frage ob er President werden wolle, verneite Trump immerzu mit dem Hinweis, dass er sich dazu nicht fähig fühlte/sei.
Möglicherweise ist die ganze Wahlkampfshow von Trump, der letzten beiden Jahre reine Taktik auf Grund Erfahrung aus seinen CastingShow's. Denn legt man seinen Fokus auf Trump's sachlich/ruhige Interviews, bekommt man ein ganz anderes Bild als das Medial bei uns vermittelte. (Von seinen peinlichen Auftritte auf Wahlkampfshow's wird uns medial praktisch ausschließlich berichtet)
Florian Frey, am 10. September 2016 um 17:03 Uhr
Schade, dass man in diesem Bericht dem Herrn Obama noch schnell eins ans Schienbein hauen muss. Er ist einer der besten Präsidenten Amerikas. Was er aussenpolitisch erreicht hat ist kaum zu toppen und er ist und war stets einfach ein Mensch mit Weitsicht.
Dass Clinton ein Wolf im Schafspelz ist, sollte mittlerweile jedem klar sein. Ich denke, sie ist gefährlicher als Trump, weil sie undurchschaubar ist. Trump dagegen ist sehr emotional und dafür gibt es keinen Platz im Weissen Haus. Ob er dies nur während dem Wahlkamp ist und danach sogar ein guter Präsident werden könnte, werden wir sehen. Trump wäre auf jeden Fall ein Abenteuer, da er auch Dinge wie Freihandel und die US-Rolle als Weltpolizist in Frage stellt. Mit Clinton wird sich kaum was verändern.
Adrian Güntert, am 12. September 2016 um 13:28 Uhr
Was auch noch für Trump, sicherlich aber gegen Clinton spricht ist, dass er im Gegensatz zu ihr keine Konfrontation mit Russland im Auge hat, im Gegenteil. Das wäre zumindest für Europa eine gute Botschaft.
Hermann K.J. Fritsche, am 12. September 2016 um 15:07 Uhr
Dankeschön dem Autor für diese klare Beleuchtung. Leider lassen sich die meisten Menschen von «äusserlichen Bildern» ver(w)irren. Ganz nach dem Motto «the Show must go on». Dabei bleibt das was (ge)wichtig wäre links liegen.
Barbara Vögeli, am 13. September 2016 um 09:02 Uhr
Beachten Sie, was www.newyorktimes.com für «Hillary Clinton for President» ins Feld führt. Es muss aber erstaunlich viel Verteidigungsaufwand betrieben werden.
Pirmin Meier, am 25. September 2016 um 08:40 Uhr

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