Die US-Botschaft in der geschützten «grünen Zone» in Baghdad ist so gross wie 80 Fussballfelder © cc
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Barbarei: Der Westen soll in den Spiegel schauen

James Petras / 10. Okt 2016 - Die syrisch-russischen Bombardierungen in Syrien sind eine Barbarei. Der Westen soll aber auch zu seiner eigenen Barbarei stehen.

upg. Nichts kann die Bombardierungen und den Waffenhandel in Syrien rechtfertigen. Das Erinnern an die Untaten des Westens darf das grausame Vorgehen Russlands und des Assad-Regimes auf keinen Fall relativieren. Die Empörung des Westens wäre jedoch glaubwürdiger, wenn er zu seinen eigenen Schandtaten stehen würde. Wir übernehmen deshalb einen Beitrag des vielkritisierten US- und kanadischen Professors James Petras, der dem Westen den Spiegel vorhält. Auch wenn wir diese Sicht nicht einfach teilen, sollten wir uns mit ihr auseinandersetzen.

Barbarei in Worten und Taten

«Was Russland sponsort und [in Syrien] macht, ist nicht Konter-Terror, sondern Barbarei» erklärte Samantha Power, UNO-Botschafterin der USA. ‹Barbaren› rufen Bilder von Führern und Gruppierungen hervor, welche allen zivilisierten Normen und Gesetzen abschwören. Sie verstehen nur die Sprache des bewaffneten Militärs.

Analysieren wir also den sachgerechten Zusammenhang über den Gebrauch und Missbrauch des Ausdrucks ‹Barbaren› – und deren richtige Anwendung. Allein während der letzten 15 Jahre haben die USA und ihre Alliierten in Ländern wie Afghanistan, Irak, Somalia, Libyen, Syrien, Jemen und dem Libanon militärisch interveniert und dabei mehr als 10 Millionen Menschen verwundet, getötet oder vertrieben.1)

Militärische und zivile Beauftragte haben systematisch ganze Wirtschaften zerstört, ethnisch-religiöse Kriege angeheizt, alte Gemeinschaften und Familienzusammenhalte unterminiert und korrupte politische Puppen an die Macht gebracht.

Mit Unterstützung der USA sind Folter, willkürliche Verhaftungen und Inhaftierungen zur Norm geworden. Die Folge sind gesetzlose und chaotische Gesellschaften, die zuvor produktiv und stabil waren. Das Zerstören von sozialen Strukturen löste eine Massenflucht aus von Millionen verzweifelter Menschen, die Invasionen, Krieg und dem kompletten Zusammenbruch der Gesellschaft entkommen wollten.

Karte der geschützten «grünen Zone» in Baghdad

Imperialistische Machtpolitik

Das Resultat dieser bewussten imperialistischen Politik hat Städte und Nachbarschaften geleert, Familien zerbrochen, Leben und Zukunft von vielen Millionen jungen Arabern und Muslimen zerstört. So wie der Menschenzoll steigt und Westeuropa mit dem Resultat der aggressiven Kriege der USA geflutet wird, haben die Imperialisten ihre schrille Rhetorik verschärft und bezeichnen alle Gegner und Kritiker als ‹Komplizen von Kriegsverbrechern› und ‹Barbaren›.

Je grösser und anhaltender die Politik der schamlosen Plünderung geführt wird, umso frustrierter sind ihre Anführer über ihr ultimatives Scheitern und umso grösser ist die Zuflucht ihrer ‹Diplomaten› zu einer scharfzüngigen Sprache.

Russland, China und der Iran, welche von den USA als Hauptgegner bezeichnet werden, sind weder in ein souveränes Land einmarschiert noch haben sie eine verzweifelte Flucht von Millionen Flüchtlingen provoziert.

Russland wurde von der syrischen Regierung gebeten, im Kampf gegen die Invasion von Terrorsöldnern zu helfen. Diese wollen das Land spalten. Die Krim hat sich mit einer Abstimmung friedlich wieder Russland angeschlossen [obwohl von der ukrainischen Regierung und den westlichen Ländern nicht anerkannt. Eine Wahl im russischsprechenden Osten der Ukraine steht noch an].

Das ist nicht mit der Barbarei der USA und der EU zu vergleichen. Auch weigerte sich Moskau, eine militärische Rolle zur Unterstützung der westlichen Kriege im Irak, in Jemen und Libyen zu spielen.

Ein Blick in die jüngste Geschichte

In Asien war der Westen in Vietnam, den Philippinen und in Afghanistan einmarschiert und hat diese Länder schwer geschädigt.

Japan, heute ein Verbündeter der USA, war in China, Korea und Südostasien einmarschiert und hat dort schwere Kriegsverbrechen begangen.

China dagegen hat sich seit Jahrhunderten nicht an imperialistischen Eroberungskriegen beteiligt. Vom Iran aus gab es keine Invasion in der modernen Zeit. Im Gegenteil, der Irak ist in den 1980er Jahren mit Unterstützung der USA im Iran einmaschiert und führte einen jahrzehntelangen Krieg gegen den Iran, der Millionen von Opfern forderte.

Wenn Kriege, Invasionen, das Zerstören ganzer Gesellschaften und das Verursachen von Millionen von Toten ein Mass der Barbarei sind, dann sind die USA, Europa und Japan die wahren Barbaren.

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1) Petras meint die Zeit nach 9/11. Noam Chomsky, Linguistikprofessor am MIT, veröffentlichte schon vor 9/11 ein Buch über die damalige US-Rhetorik der «Schurkenstaaten» und der «Achse des Bösen» und nannte die USA den grössten Schurkenstaat der Geschichte. Der Einmarsch der USA und ihrer Allianz der Willigen in den Irak 2003 ist gemäss Völkerrecht ein schweres Verbrechen. Die Verantwortlichen müssten vor den Internationalen Gerichtshof gebracht und als Kriegsverbrecher angeklagt werden.

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Übersetzt aus dem Englischen von Stephan Klee.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

James Petras war Soziologie-Professor in Kanada und den USA (Bild cm).

Weiterführende Informationen

Gazette James Petras 2014

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20 Meinungen

Dieser Artikel ist sowas von einseitig, dass er es nicht verdient abgedruckt zu werden. Wir lernen daraus eigentlich nur, dass die USA das erste, wichtigste und hauptsächlichste Feindbild des Autors sind. Die Barbarei von Putin und Assad in Syrien findet jetzt statt und darf nicht kleingeredet werden, indem man alle Schandtaten der USA in den letzten 100 Jahren aufzählt. Da genügt ein einleitender Satz nicht. Falls sich solche Artikelhäufen, bestelle ich meinen newsletter gerade wieder ab. Ich erwarte von einem newsletter Information und nicht Demagogie.
Karl Siegenthaler, am 10. Oktober 2016 um 13:34 Uhr
Der Infosperber will diese Sicht nicht einfach teilen, sich aber mit ihr auseinandersetzen. Wenigstens das, in aller Offenheit, vielen Dank! Selber kann ich im Artikel grundsätzlich nichts finden, das ich nicht teilen könnte, auch wenn es offen gestanden wehtut.
Andreas Mathys, am 10. Oktober 2016 um 14:44 Uhr
für mich persönlich zeigen die aktuellen Kriege «nur noch ihre hässlichste Fratze» die ausgedacht werden kann. Es gibt keine Legitimation mehr für Kriege, noch für «selbstverliebte Darstellungen» irgendwelcher selbsternannten Führungsspitzen. Wer den Tod von Zivilisten in Kauf nimmt, hat keine Berechtigung mehr sich als «Landesführer» zu bezeichnen oder als Selbiger bestätigt zu werden. Ganz egal um welche Hintergründe es sich letztendlich handeln mag. Das was bis zum aktuellen Zeitpunkt zu sehen war - ist einer fortschrittlichen Gesellschaft unwürdig. Ja beschämend!
Nun, wie sollte auch Frieden entstehen können, wenn Menschen nicht einmal mehr verbal und/oder schriftlich auf Gehässigkeiten und Wertungen verzichten können. Ich persönlich bin satt von dieser Welt, die alles nur ständig „rechtfertigt“ um Kampf und Wettbewerb hochhalten zu können.
Barbara Vögeli, am 10. Oktober 2016 um 16:35 Uhr
Findest du nicht das einiges fehlt ? Zum Beispiel der Überfall Deutschlands auf Polen, Tschechien, etc (wenn wir schon bis zum zweiten Weltkrieg zurückgehen). Das Eingreifen der USA in den zweiten Weltkrieg. Ungarn 1956, Tschechoslowakei 1968, Afghanistan 1979, Tibet etc etc. Und ja es tut weh, wenn man Sachen liest wie ' Die Krim hat sich mit einer Abstimmung friedlich wieder Russland angeschlossen'.
Karl Siegenthaler, am 10. Oktober 2016 um 17:47 Uhr
zum Golfkrieg finde ich übrigens auf Wikipedia Folgendes : Der Irak genoss im Gegensatz zum revolutionären Iran erhebliche diplomatische, militärische und wirtschaftliche Unterstützung seitens der Sowjetunion, Frankreichs sowie Aufklärungsdaten von den Vereinigten Staaten. Er bezog außerdem finanzielle Hilfe von anderen arabischen Staaten (vornehmlich dem ölreichen Kuwait und Saudi-Arabien).
Karl Siegenthaler, am 10. Oktober 2016 um 17:51 Uhr
Ich kann die Stellungnahme von Herrn Mathys nur sekundieren. Bei einer halbwegs objektiven Berichterstattung könnte eine Interpretation, wie sie Herr Siegenthaler vorschlägt wohl kaum bestand haben.

Immerhin ist tröstlich, dass sogar die USA eingesehen haben, dass die Bombardierungen ihrer Saudi-Allierten im Jemen nicht besonders Image-fördernd sind. Selbst der Kongress hat eingesehen, dass die 9/11 Mannschaft unter den eigenen Alliierten rekrutiert wurde.

Wenn die Bombardierung eines Spitals in Kunduz oder die Bombardierung einer syrischen Kaserne leichte Versehen in einem globalen System sind, aber die im Krieg nicht ungewöhnlichen Kriegshandlungen rund um Aleppo pauschal als Kriegsverbrechen klassiert werden, darf man sich Gedanken zur Motivation der Berichterstatter machen.

Von Falludscha und Abu-Ghuraib spricht niemand mehr. Mossul dürfte aber in den nächsten Wochen so prominent in den Nachrichten auftauchen, wie es gegenwärtig Aleppo tut. Bin gespannt, wieviele «versehentliche» Bombardierungen dann raportiert werden. Ich gehe nicht davon aus, dass die Franzosen oder Amerikaner dann Resolutionen zur Verurteilung der «barbarischen» Angriffe anbieten werden.
Josef Hunkeler, am 10. Oktober 2016 um 18:22 Uhr
Karl Siegenthaler, ich denke nicht, dass der Artikel einseitig ist. Eher, dass Sie selbst sehr einseitig denken und böses ausschliesslich bei den anderen sehen. Wir, der «demokratische Westen» haben unter der Führung der USA in den letzten 15 Jahren 4 Angriffskriege geführt. Das sehen Sie nur nicht als Problem, weil Sie für diese Angriffskriege waren. Ich gebe es zu, ich war es damals auch.Ich habe der Kriegspropaganda geglaubt. Bis heute habe ich mich aber informiert und muss feststellen: der Artikel hat einfach nur recht. Die Propaganda für diese US-Kriege waren alles Lügen. Informieren Sie sich auch Herr Siegenthaler. Man muss gewisse Dinge hinterfragen und von verschiedenen Seiten betrachten. Die USA ist in Syrien Partei und ihre Skandalisierungen angeblicher Russischer Barbarei könnte auch einfach Kriegspropaganda sein.
Urs Giezendanner, am 11. Oktober 2016 um 12:31 Uhr
Der Autor verschweigt wichtige Tatsachen, z.B. die Besetzung und Annexion Tibets und den Krieg gegen Vietnam 1975 durch die Chinesen. Ebenso unerwähnt bleibt die aggressive chinesische Expansionspolitik im Südchinesischen Meer gegen die Anrainerstaaten Vietnam, Philippinen, Japan, Brunei, Malaysia und Indonesien. Ebenso verharmlost er die russische Aggression in der Ostukraine und die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland.

Mit seiner Kritik an der Politik der westlichen Staaten, allen voran die USA, hat der Autor natürlich weitgehend recht. Dies rechtfertigt jedoch nicht, die Grossmächte China und Russland euphemistisch in einem Licht darzustellen, das sie in keiner Weise verdienen.
Alois Amrein, am 11. Oktober 2016 um 13:06 Uhr
Alois Amrein, ich denke dass wir selbst uns weitgehend «euphemistisch in einem Licht darstellen, das wir selbst in keiner Weise verdienen».
Der «demokratische» Westen - also wir - führt grausame Plünderungskriege mit Millionen Toten, vor allem Zivilisten, legt im nahen Osten alles in Schutt und Asche, verseucht ganze Gebiete auf Generationen hinaus radioaktiv mit DU-Geschossen und schweigt das tot, terrorisiert mit täglichen Drohnenmorden...
Und Sie zeigen auf die anderen, sprechen u.a. von «völkerrechtswidriger Annexion», wohlwissend das es in der Krim keinen einzigen Toten gab und wahrscheinlich nicht wissend das Label «völkerrechtswidrig» im Falle der Krim wohl falsch ist.
Was sicher und unumstritten völkerrechtswidrig war, sind alle Kriege, die wir geführt haben im nahen Osten. Aber das ist für Sie wahrscheinlich kein Problem. Man sieht den Stachel im Auge des anderen viel Besser als der Baumstamm im eigenen.
Urs Giezendanner, am 11. Oktober 2016 um 13:27 Uhr
Herr Giezendanner, bitte lesen Sie meinen Beitrag richtig. Ich zeige nicht einfach auf die «anderen», ich sage lediglich dass alle mit gleichen Ellen gemessen werden müssen.

Von Völkerrecht scheinen Sie keine Ahnung zu haben, sonst kämen Sie nicht zu diesem Trugschluss i.S. Annexion der Krim durch Russland. Sie gehören offensichtlich zu denen, die die Welt in Gute und Böse einteilen, ohne kritische Distanz. Oder sind Sie am Ende sogar ein Putin-Troll? Das wäre dann wirklich bedauernswert, denn solche sind in überwiegender Anzahl in der SVP zu finden.
Alois Amrein, am 11. Oktober 2016 um 13:38 Uhr
"Völkerrecht» ist immer noch ein «Selbstbedienungsladen».

Das «Selbstbstimmungsrecht» wurde in der UN-Charta kodifiziert und die Unabhängigkeitsbewegung im Afrika der 60er Jahre bezeugt, dass dieses Recht einmal sogar ernst genommen wurde. Wie schliesslich auch im Schweizer Jura....

Die «Annexion» von Goa zeigte die Limite des Völkerrechts. Portugal hatte einfach «vergessen» die obligatorische Rechtssprechung des internationalen Gerichtshofes zu anerkennen. Folglich war diese «Annexion» rechtens.

Eine ganze Reihe «ehrbarer» Staaten, haben «vergessen», diese Gerichtsbarkeit anzuerkennen. Israel, Pakistan, Indien, Nord-Korea haben «vergessen» die «Nonproliferation-treaties» zu ratifizieren, können also in dieser Hinsict nicht belangt werden. Iran allerdings schon.

Das Selbstbestimmungsrecht stört eine ganze Reihe «ehrbarer» Staaten. Guantanamo, Guam, Katalonien, Aquitanien, Meklenburg-Vorpommern, Thurgau...

Krim hat immerhin über die Frage abgestimmt. In der Ost-Ukraine darf die Frage nicht einmal gestellt werden. Wie auch in Katalonien. Stellen Sie sich vor, wie die ganzen Steuerausfälle ersetzt werden sollten...
Josef Hunkeler, am 11. Oktober 2016 um 16:05 Uhr
@Thierry Blanc. Besten Dank für diese schöne Zusammenstellung. Die Lektüre ist allen, v.a. den «instant» Berichterstattern und «instant"-Experten in Völkerrecht zu empfehlen.

Die F-Tastenbelegung ist wohl gerechtfertigt. Ausdrücke wie «rechtswidrig», «völkerrechtswidrig», «illegal» sollten etwas vorsichtiger und überdachter verwendet werden, als das in vielen Medien der Fall ist. Vieles was als «Recht» betrachtet wird, ist das Machwerk von Leuten, die weder die Kompetenz zur Rechtsetzung haben oder blosse Illusion, welche von mehr oder weniger professionellen Desinformationsagenturen in die Welt gesetz wird.
Josef Hunkeler, am 12. Oktober 2016 um 12:10 Uhr
Noam Chomsky ein Fabulierer!? Er hat noch so recht, wenn er die USA einen Schurkenstaat nennt, er ist einer, der die Ehre der Amerikaner rettet. Die ersten Einwanderer, auf deren Herkunft ich jetzt nicht eingehen will, massakrierten und ermordeten 4 Millionen Indianer.
Ermordenten auch die Präsidenten, die sich als zu wenig «ameri-kanisch» erwiesen. All die Geheimdienst-Umtriebe für die Diktatoren, die Zerstörung von Demokratien (Chile) in Südamerika. All die Deals mit verbrecherischen Herrschaftsschichten, all die Machtdemon-strationen mit Hunderttausenden Toten im Nahen Osten, die Unterstützung eines lügenhaften Regimes wie Israel (gelinde gesagt) eines ist, usw., usw. Herr Siegentaler scheint nicht sehr zugänglich für Informationen zu sein.
Selbstverständlich geht es nicht darum, die USA allein anzuklagen. Aber mit der Glorialisierung sollten wir endlich aufhlören.
Die USA hält sich für die Weltmacht schlechthin und ist nicht geneigt,darüber eine Diskussion starten zu lassen. Europa muss sehr darauf achten, nicht auch noch ganz in den Sack gesteckt zu werden.
Jürg Schoop, am 13. Oktober 2016 um 22:03 Uhr
http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-10/wladimir-putin-russland-journalisten-kriegsverbrechen-5vor8
Alois Amrein, am 14. Oktober 2016 um 10:09 Uhr
Wer bestreitet denn die aufgezählten Fakten ? Es sind die nicht aufgezählten der andern Seite, die den Artikel einseitig machen. Aber grundsätzlich geht es mal gar nicht darum, welches die Bösen und welches die Guten sind. Verbrechen gehören immer angeklagt, egal von wem sie begangen werden. Was Russland im Moment in Syrien macht, ist ein Verbrechen. Dass auch die syrischen Rebellen schlimme Verbrechen begangen haben, öndert nichts daran. Noch ein Frage: was hätten die USA in Syrien (mit Syrien meine ich nicht Irak, Somalia, Vietnam oder Libyen, sondern Syrien) anders machen sollen ? Vielleicht Assad unterstützen, den Volksaufstand möglichst schnell nederzuschlagen ?
Karl Siegenthaler, am 14. Oktober 2016 um 14:07 Uhr
Herr Siegenthaler, die USA haben jede Menge Waffen in diesen Konflikt gepumpt, Islamistische Kämpfer ausgebildet und ausgesrüstet, medial in langer Aufbauarbeit dafür gesorgt, dass wir die Situation so sehen, wie wir sie sehen.
Wie erklären Sie sich, dass friedliche Demonstranten, weil sie angeblich beschossen wurden, innert Stunden zu gut ausgebildeten und hochbewaffneten Kämpfern mutieren, die eine sehr grosse Armee militärisch in Bedrängnis bringen? Das macht keinen Sinn. Erst dann, wenn man sieht, dass diese Waffen schon da und die Kämpfer schon ausgehoben waren, von der CIA und wem auch immer.
Haben Sie, wenn Sie sich erinnern an die Zeit, bevor Assad gegen die Katar-Pipeline war, also ca. 2008, je etwas über den bösen Diktator Assad gehört? Ich nicht. Ich habe gehört, dass Syrien ein säkulares, prosperierendes, wohlhabendes, modernes äusserst gastfreundliches Land war. Man durfte nicht öffentlich über Religion sprechen, ja. Aber dafür lebten zig Religionsgemeinschaften aller Religionen friedlich zusammen. Klingelt da was? Wo ist da der Clash of Civilications? Friedliches Zusammenleben darf nicht sein.
Es ist eine Sorte Kriegspropaganda, den Feind mit allem Möglichen zu beschuldigen. Die USA führt skrupellose Krieg, lügt skrupellos und führt ihre Alliierten mit Kriegspropaganda in immer weitere Kriege. Da lohnt es sich doch, auch die aktuellen Beschuldigungen über «Kriegsverbrechen in Alleppo» kritisch zu hinterfragen, oder nicht?
Urs Giezendanner, am 14. Oktober 2016 um 14:32 Uhr
Wie nett von Ihnen, Herr Amrein, dass Sie mich gleich in 5 Schubladen stecken. Wie Sie darauf kommen, dass ich in gut und böse unterscheiden soll, verstehe ich nicht. Ich frage mich nur, wie Sie es auf die Reihe kriegen, die Millionen Toten der lügnerischen und sinnlosen US-Kriege, die auf Generationen hinaus zerstörte Erde zu vergleichen mit z.B. der Krim-Sache. Ich glaube nicht, dass Sie das ohne rassistische Gedanken hinkriegen. Wenn ein Menschenleben als Menschenleben zählt, müssen Sie gleiches mit gleichem vergleichen. Wenn Sie der Ansicht sind, dass z.B. Iraker «Sand-Nigers» sind, die man umnieten darf, ja, dann stimmen ihre Vergleiche schon. Böse ist, wer böses tut.
Da hilft auch nicht weiter, dass Sie Zeit-Artikel posten, in denen sich ein Pressevertreter mit ein paar zahnlosen Alibi-Artikeln vom Vorwurf der Einseitigkeit lossagen will. Es ist eben ein Unterschied, auch mal am Rande über etwas berichtet zu haben und einer Medienkampagne über sämtliche Formate über Wochen über unbelegte Berichte einer One-Man-Show in London. Nur weil die USA jemanden beschuldigt, muss das nicht stimmen. Es kann genau so gut Propaganda sein, um ein eigenes Eingreifen zu rechtfertigen.
Wer von uns zwei mehr von Völkerrecht versteht, bleibe mal dahingestellt, ich gehe davon aus, sie haben die obenstehenden Kommentare auch gelesen. Dass die USA in jedem einzelnen ihrer Kriege völkerrechtswiedrig handelte, darauf können wir uns wenigstens einigen?
Urs Giezendanner, am 14. Oktober 2016 um 15:16 Uhr
Wenn sie noch nie von den vielen politischen Gefangenen, den 15 Geheimdiensten und der Folter in den Gefängnissen Assads gehört haben, müsste ihnen doch mindestens das Massaker von Hama, begangen von Assads Vater Hafiz ein Begriff sein. Sonst sind sie offenbar doch nicht so gut informiert, wie sie vorgeben. Was ausserdem auch schockiert an ihrer Aussage, ist dass ANGELICH unbewaffnete Demonstranten beschossen wurden. Diese Tatsache wird höchstens von Assad selber bestritten.
Karl Siegenthaler, am 14. Oktober 2016 um 17:33 Uhr
Herr Siegenthaler, angesichts der seit Jahrhunderten gespannten und kriegerischen Lage im Nahen Osten kann ich mir vorstellen, dass es tatsächlich Geheimdienste gab. Das Massaker von Hama gab es auch, aber der junge Assad änderte vieles und nicht alles. Ich masse mir nicht an, es besser zu wissen, wie ein solches Land geführt werden muss. Unsere Kriege und Regime-Changes haben nirgendwo die Situation verbessert, immer im Gegenteil. Ausserdem verhält sich sowohl Israel gegenüber den Palästinensern als auch z.B. Saudi-Arabien nicht besser. Das ist dort aber kein Problem und die sind bestbefreundet mit den USA. Die USA folterte selbst umfangreich, der Verantwortliche General ist nun im Stab von Hillary Clinton. Herr Siegenthaler, ist das nicht Heuchelei?
Schiessereien in Demonstrationen laufen immer nach dem selben Schema ab: Es werden beide Seiten beschossen von unbekannten Scharfschützen. Das war in Syrien so und in der Ukraine, in Libyen. So entfacht man einen Krieg.
Empfehlenswert ist dieser Artikel im Magazin Politico von Robert F. Kennedy: http://www.politico.com/magazine/story/2016/02/rfk-jr-why-arabs-dont-trust-america-213601?o=2
Urs Giezendanner, am 14. Oktober 2016 um 18:23 Uhr
Herr Siegenthaler, angesichts der seit Jahrhunderten gespannten und kriegerischen Lage im Nahen Osten kann ich mir vorstellen, dass es tatsächlich Geheimdienste gab. Das Massaker von Hama gab es auch, aber der junge Assad änderte vieles und nicht alles. Ich masse mir nicht an, es besser zu wissen, wie ein solches Land geführt werden muss. Unsere Kriege und Regime-Changes haben nirgendwo die Situation verbessert, immer im Gegenteil. Ausserdem verhält sich sowohl Israel gegenüber den Palästinensern als auch z.B. Saudi-Arabien nicht besser. Das ist dort aber kein Problem und die sind bestbefreundet mit den USA. Die USA folterte selbst umfangreich, der Verantwortliche General ist nun im Stab von Hillary Clinton. Herr Siegenthaler, ist das nicht Heuchelei?
Schiessereien in Demonstrationen laufen immer nach dem selben Schema ab: Es werden beide Seiten beschossen von unbekannten Scharfschützen. Das war in Syrien so und in der Ukraine, in Libyen. So entfacht man einen Krieg.
Empfehlenswert ist dieser Artikel im Magazin Politico von Robert F. Kennedy: http://www.politico.com/magazine/story/2016/02/rfk-jr-why-arabs-dont-trust-america-213601?o=2
Urs Giezendanner, am 14. Oktober 2016 um 18:23 Uhr

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