Ob "Hand aufs Herz" auch dann gilt, wenn man als Linkshänder die rechte Hand hinhält? © BBC

Ob "Hand aufs Herz" auch dann gilt, wenn man als Linkshänder die rechte Hand hinhält?

Obama in Israel: eine höchst gefährliche Show

Christian Müller / 20. Mär 2013 - In seiner berühmten Kairoer Rede versprach Obama, im Nahen Osten für Frieden zu sorgen. Er hat nie versucht, es zu tun.

«Yes, we can», war sein Wahlversprechen. Die Erwartungen waren hoch – zu hoch. Nicht nur was sein innenpolitisches Programm betraf, auch aussenpolitisch, und ganz spezifisch im Israel/Palästina-Konflikt. Denn niemand wäre so geeignet und aufgrund der ökonomischen und militärischen Kräfteverhältnisse so befähigt, in diesem Konflikt einzugreifen und die Streithähne an einen Tisch zu bringen, wie der Präsident der USA. Drei Milliarden Dollar zahlen die USA jedes Jahr Militärhilfe an Israel, und auch nur eine Andeutung, diese Hilfe zu reduzieren oder einzufrieren, würde die israelische Regierung an den Verhandlungstisch zurückbringen. Aber Obama sagt es nicht. Aus innenpolitischen Gründen, wie die meisten Beobachter annehmen, denn die meisten amerikanischen Juden stimmen jeweils für die Demokraten, und in der US-Finanzwelt haben die US-Juden eine starke Stimme.

Keine Spur mehr von «Yes, we can»

In seiner ersten Amtszeit vermied es Obama, persönlich in Israel aufzutauchen. Denn was immer er da gesagt und getan hätte, es hätte ihn Stimmen gekostet. Zu weit auseinander liegen die Meinungen in den USA. Jetzt wagt er es. Aber wagt er auch etwas zu sagen oder gar zu tun?

Bei seiner Ankunft auf dem Ben Gurion Airport in Tel Aviv gab er sich noch als Strahlemann, wie meistens. Doch schon im ersten Speech gab er zu erkennen, dass er erneut keine Absicht hat, politisch etwas zu bewirken, im Gegenteil. Die Freundschaftsbekundungen darf man als «show as usual» übersehen. Aber warum um Himmels Willen sagte er, dass er nun in dem Land sei, in dem die Juden schon vor 3000 Jahren gelebt hätten?

Historische Ansprüche sind immer konfliktfördernd

Mit diesem Satz hat Obama nicht nur seine Kairoer Rede widerrufen, mit diesem Satz hat er auch den Streithälsen in zwanzig anderen Konfliktherden auf der Welt neuen Nährstoff geliefert. Denn wo im Westen lebt heute ein Volk, das schon vor 3000 Jahren da gelebt hat? Etwa in den USA? In Kanada? In Südamerika? Selbst im «alten Europa» haben die Völkerwanderungen in den letzten dreitausend Jahren so ziemlich alles durcheinander gewürfelt.

Auch Obama müsste wissen, dass längst nicht alle Juden rund um die Welt genetische Abkömmlinge von jenen Juden sind, die früher einmal in Palästina gelebt haben. Von den Juden, die in den letzten Jahren in Israel eingewandert sind, kommt ein Grossteil aus Russland. Die russischen Juden wiederum stammen zu einem Grossteil von den Chasaren ab, einem Nomadenvolk aus Zentralasien. Dieses hatte im 8. Jahrhundert n. Chr. den jüdischen Glauben angenommen, so wie andere Völker den christlichen Glauben angenommen haben. Mit jüdischer Abstammung hatte das nichts zu tun.

Die Juden: ein Volk oder eine Religionsgemeinschaft?

Sind die Juden eine Rasse? Oder sind die Juden eine Religionsgemeinschaft? Nur wenige sind sich bewusst, dass es recht heikel ist, von «den Juden» zu sprechen. Aber mindestens Obama müsste es wissen und müsste im Umgang mit der Aussage «das jüdische Volk» vorsichtiger sein. Der israelische Historiker Shlomo Sand zum Beispiel hat die gut begründete These aufgestellt, dass es «das jüdische Volk» gar nicht gibt (Siehe sein Buch: «Die Erfindung des jüdischen Volkes»). Und ein «auserwähltes Volk» ist es schon gar nicht.

Besitzansprüche historisch zu begründen, ist ein Zündholz in ein Pulverfass Werfen. China und Japan sind recht nah an einer kriegerischen Auseinandersetzung, weil beide Mächte ein paar kleine unbewohnte Inseln «aus historischen Gründen» für sich beanspruchen. Nur nennen nicht beide die gleiche Zeit für ihren Anspruch.

Es ist denn auch nicht verwunderlich, dass Obama an der live übertragenen Pressekonferenz am Mittwochabend alles andere als souverän wirkte. Noch kaum je hat man ihn mehr verlegen gesehen als diesmal, oft stammelnd, mit viel «em, em». Denn auch das Thema Iran ist ja keineswegs einfach. Israel ist eine Atommacht. Warum soll Iran nicht auch eine sein dürfen? Das Kesseltreiben gegen den Iran ist reine Machtpolitik und hat mit Redlichkeit und Vernunft nichts zu tun.

Wagt es Obama, die Siedlungspolitik anzusprechen?

Eines mindestens müsste Obama, wenn er sich denn auch nur ein wenig selber treu bleiben möchte, laut sagen: Israel muss die völkerrechtswidrige Siedlungs- und Expansionspolitik zulasten Palästinas mit sofortiger Wirkung einstellen. Gerade weil Obama sich als «engster Freund Israels» vorgestellt hat, müsste er dies tun, denn auf seine Feinde hört Israel schon gar nicht.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Die Palästinenser sind enttäuscht (auf BBC)

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2 Meinungen

@Walter Gurtner;
Dank der gütigen Hilfe des Westens ist es überhaupt dazu gekommen dass nun Al-Kaida in Syrien und Lybien vertretten ist. Funktionierende Regierungen wurden gestürzt und absolutes Chaos hinterlassen. Doch anstatt eine neue Ordnung zu schaffen, wurde das Volk seinem Schicksal überlassen. Sie sind ziemlich naiv wenn sie die Schuld nun bei Assad und dem Iran suchen. Wenn die Juden wirklich Anspruch auf das Land in Palästina haben, sollten vielleicht die Indianer Nordamerika ebenfalls zurück fordern.
Bruno Sousa, am 15. Januar 2014 um 16:19 Uhr
Es wird immer rätselhafter, warum diesem Versager der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Ohne die massive Unterstützung der USA wäre das Apartheid-Regime in Tel Aviv schon längst kollabiert.
Alois Amrein, am 01. August 2014 um 21:17 Uhr

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