Ausschnitt aus dem Wahlvideo der SVP © zvg

Die SVP und das Hitler-Symbol «88»

Sandra Künzi / 12. Okt 2015 - Im Wahlkampf-Video der SVP tanzt eine Frau mit einem sehr auffälligen «88» auf dem Shirt. «Ungewollter Zufall», sagt die SVP.

Red. Die Bernerin Sandra Künzi ist Autorin und gehört zur ersten Generation des Schweizer Poetry Slams.

Tanz vor Maurer, Blocher und Co.

Die Berner Slam-Poetin Stefanie Grob hat mit ihrem satirischen Beitrag vom 19. September 2015 in der Sendung «Zytlupe» auf SRF 1 ins Parteinest der SVP gestochen. Sie stellte die Frage, wie es sein kann, dass ein amtierender Bundesrat im wahlkämpferischen Parteivideo mit Nazisymbolen tanzt. Konkret geht es um eine junge Frau, die ein T-Shirt mit dem Aufdruck «Bronx 88» trägt und vor Herrn Maurer, Herrn Blocher und anderen SVP-Heroes herumtänzelt.

Vielleicht sind Sie so naiv, wie ich es bis vor kurzem war, und erkennen darin nichts Verwerfliches. Wenn man aber weiss, dass in der Neonazi-Szene die Zahl 88 für «Heil Hitler» steht, dann sieht es anders aus. «H» ist der achte Buchstabe im Alphabet und 88 ist einer der bekanntesten Zahlencodes unter Rechtsextremen.

Darauf hat Stefanie Grob in ihrer Zytlupe aufmerksam gemacht und dann ging die Post ab: Bis heute wurden sechs Beschwerden bei der Ombudsstelle von SRF deponiert – so viele Klagen haben bisher nur wenige Zytlupen geschafft – und es ergingen unzählige Hassmails an die Redaktion sowie an die Autorin, beispielsweise dieses hier:

«Sehr geehrte Frau Grob

Wegen Ihrem krankhaften Hass gegen alle Andersdenkenden sind Sie eine Gefahr für das friedliche Zusammenleben in unserem Land. Gehen Sie doch bitte in psychiatrische Behandlung. Es wäre schade, wenn ein sogenannter Nazi, der gleich hasst wie Sie, Sie töten würde.

Mit freundlichem Gruss

M.W.» (Name der Redaktion bekannt)

Viele Schreibende, Politikerinnen und Künstler erhalten verächtliche und drohende Mails. Nicht umsonst präsentieren deutsche JournalistInnen in ihrer wunderbaren antirassistischen Leseshow «Hate Poetry» Unglaublichkeiten aus dem Genre Leserbriefe. Aber das macht es nicht besser.

SVP: «Reiner Zufall»

Der Beitrag von Stefanie Grob scheuchte sogar die Weltwoche auf (Nr. 39/2015). Sie wirft der Autorin vor, sie habe im gebührenfinanzierten Hauptsender zur besten Sendezeit ungebremst ihrem Hass gegen die SVP Ausdruck verliehen. Die «88» sei reiner Zufall, denn auf dem T-Shirt stehe ja auch noch «Bronx» und «Bronx Heil Hitler» funktioniere nicht. Es stimmt, «Bronx» steht eher fürs Gegenteil. Aber macht das kleine «Bronx» die grosse «88» harmloser? Wenn man die absolut professionelle, strategisch durchinszenierte und vermutlich sehr teure Werbung der SVP im Ganzen betrachtet, dann dürfte der SVP-Flirt mit rechtsextremen Symbolen kaum Zufall sein. Ausserdem sind alle anderen T-Shirts, die da noch rumtänzeln, farblich unauffällig und ohne Aufdruck. Nur das kontrastreiche «88» sticht gross heraus. Da kann man nur schwer an ein unbemerktes Zufällchen glauben.

In Blochers Departement stand «88» zur Diskussion

Und schliesslich befand sich ja auch der ehemalige Justizminister Christoph Blocher auf dem fraglichen Videodreh. Es war sein Departement, dass 2005 den parlamentarischen Auftrag fasste, eine Strafnorm gegen die Verwendung rassistischer Symbole auszuarbeiten. Herr Blocher trieb das Geschäft nicht unbedingt engagiert voran. Nach seiner überraschenden Abwahl Ende 2007 ging es vorwärts. Im Vorentwurf 2009 und auch im Abschreibungsantrag ans Parlament von 2010 wird die Zahl «88» wiederholt als Beispiel für einen bekannten rechtsextremen Code angeführt, beispielsweise so: «Im vorliegenden Fall ist eine klare Definition von rassistischen Symbolen nicht möglich. Dass die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammenden und bekannten Symbole wie das Hakenkreuz (auch seitenverkehrt) oder die Sigrunen, insbesondere die Doppelsigrune als Zeichen der SS, oder der Hitlergruss unter den Begriff ‘rassistische Symbole’ fallen, ist weitgehend unbestritten. Problematischer wird es aber, wenn Symbole für Gleichgesinnte eine Bedeutung haben, sich ihr Sinn aber Aussenstehenden verschliesst. In diesen Zusammenhang gehören z.B. folgende Zeichen: Zahlendarstellungen wie 88 für ‘Heil Hitler’ (8 steht für den 8. Buchstaben des Alphabets), 18 (Adolf Hitler), 14 (Synonym für die 14 Worte ‘We must secure the existence of our people and a future for white children’) usw. Der unbefangene Dritte weiss nicht, falls er diese Symbole überhaupt wahrnimmt, was diese bedeuten.»

Keine Distanzierung

Herr Blocher war und ist bezüglich der Bedeutung der Zahl «88» sicher kein unbefangener Dritter. Doch selbst wenn die umstrittene «88» reiner Zufall gewesen wäre, müsste sich die SVP diese Neonazi-Nummer anrechnen lassen, solange sie sich nicht klar davon distanziert. Aber bis vor kurzem hat sie dazu keine Stellung bezogen, ausser man würde den Weltwoche-Artikel als indirekte Stellungnahme sehen. Das meine ich keinesfalls satirisch, sondern mit Blick auf die journalistische Unabhängigkeit absolut ernst: Offiziell gehört die Weltwoche ihrem Herausgeber Roger Köppel und dieser kandidiert bekannterweise für den Nationalrat. Ich gehe daher als Leserin davon aus, dass die Beiträge in der Weltwoche der SVP-Parteilinie zu entsprechen haben. Alles andere wäre unlogisch. In derselben Weltwoche-Ausgabe 39/2015 durfte übrigens auch noch Christoph Mörgeli gegen Stefanie Grob und SRF sowie gegen die Schweizer Illustrierte und den Blick wettern.

Statt über die Medien zu jammern, sollte die SVP froh sein, dass bisher kein grösseres Schweizer Medium ihr Spiel mit Nazi-Codes ernsthaft thematisiert hat. So war sie bisher zu keiner Stellungnahme gezwungen. Erst im Bericht der Westschweizer Zeitung L'Hebdo vom 1. Oktober 2015 liess sich der Nationalrat und Videoclip-Verantwortliche Thomas Matter schal vernehmen: «Personne n'était au courant chez nous, pas même Christoph Mörgeli, pourtant historien.»

Wieso setzen sich die Schweizer Medien nicht ernsthafter mit dem «bizli Hitlersymbolik» im Wahlkampfvideo der SVP auseinander? Ist es wirklich nur ein Kavaliersdelikt? Kann ein Bundesrat «Heil Hitler»-Parolen unterstützen, ohne sich rechtfertigen oder entschuldigen zu müssen? Wieso soll man der faden Erklärung glauben, es hätte niemand um die Symbolik der Zahl «88» gewusst, wenn es doch gerade Herr Blocher und sein Department war, das sich intensiv mit derartigen Symbolen und ganz konkret mit der Bedeutung der Zahl «88» zu befassen hatte?

Schade, dass die SVP nicht zu ihrem Spiel mit rechtsextremen Symbolen steht – oder sich ganz klar und eindeutig davon distanziert! Und schade, dass sie nicht sagen will, wie teuer das Video war und wer es bezahlt hat.

*****

Ich schliesse meinen Kommentar im Sinne der Transparenz mit folgenden Informationen:

• Ja, ich bin mit Stefanie Grob befreundet, aber ich gehöre ihr nicht!

• Ja, ich wähle die SP-Frauenliste, aber finde auch Rosemarie Quadranti von der BDP gut.

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Dieser Beitrag erschien im JourmalB

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NACHTRAG vom 12.10.2015, 15.00 Uhr

Einige Mailserver betrachten die Zahl «88» offensichtlich als Nazi-Propaganda und haben deshalb unseren Newsletter mit der «88» in der Titelzeile des Artikels zurückgewiesen.

Derweil verteidigte sich Christoph Mörgeli auf Twitter mit dem Argument, das Label «New York Bronx 88» stamme von der legendären Bronx Firestation No 88. Hinter dem grossen «88» im SVP-Wahlvideo stecke kein «teuflischer Plan» etwa der Freimaurer. Auf die Fragen, warum die SVP das «88»-T-Shirt im Wahlvideo so prominent auftreten liess, oder ob der angebliche Zufall durch Würfeln entstanden sei, antwortete Mörgeli bisher nicht.

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Ergänzender Hinweis: Im SRF-«Club» vom 6. Oktober hat Sonja A. Buholzer die rechtsextreme Bedeutung von «88» im SVP-Wahl-Video ebenfalls thematisiert. Ausschnitt hier.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Die Bernerin Sandra Künzi ist Autorin und gehört zur ersten Generation des Schweizer Poetry Slams. 2013 erschien ihr erstes Buch «Mikronowellen», 2014 erhielt sie die Auszeichung «Weiterschreiben» der Stadt Bern.

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37 Meinungen

Ein nötiger aufklärender Beitrag! Leider nicht verwunderlich ist, dass die «ungewollten Zufälle» etwas häufig vorkommen. Von der Reichskriegsflagge im Keller des Walliser SVP-National- und Staatsrats Oskar Freysinger bis zu diversen Besuchen und Kontakten in ausländischen rechtsextremen Kreisen.
Rolf Zimmermann, am 12. Oktober 2015 um 12:03 Uhr
Ich denke die SVP ist siegesbewusst ausser Rand und Band und erlaubt sich alles; z.B. den üblen Scherz mit dem K.O.Tropfen Drink. Schlimmer ist jedoch, dass sich von den etablierten Parteien und ihren Vertretern kaum klare Aussagen zu hören sind. Im Gegenteil suchen zumindest die bürgerlichen Parteien auch am rechten Rand zu fischen, wie soll man denn erklären, wieso Herr Müller, Parteivorsitzender der FDP seine Forderung an einen SVP-Bundesrat er müsse sich zu den Bilateralen bekennen wieder wahltaktisch zurückgenommen hat? Die SVP verdank sicher einen Teil ihres Erfolges, dass sie stets klare Statements abgibt. Scheinbar ist im übrigen politischen Spektrum niemand in der Lage ebenso deutliche Stellungen zu beziehen und dafür zu werben.
Hermann K.J. Fritsche, am 12. Oktober 2015 um 13:51 Uhr
Es fällt auf, dass auf allen Ebenen, in den meisten Medien, bei Talkshows, und vielen anderen Gelegenheiten, versucht wird, die SVP schlecht zu machen, Sachen hervor zu zerren, Vermutungen anzustellen, als „Wahrheiten“ hoch zu stilisieren, alles, um diese Partei an zu schwärzen. Dabei wäre es sinnvoll, wenn die anderen Parteien und deren Exponenten und svp-phobe Politikerinnen und Politiker ihre Qualitäten - zu Gunsten des Volkes - äussern würden! Wenn das Volk, die Wähler, sich angesprochen fühlen, was leider nicht bei allen Parteien der Fall ist, bestünde auch die Möglichkeit, zu Ungunsten der SVP, gewählt zu werden. Stattdessen wird versucht, in Ermangelung griffiger, einleuchtender Argumente, die grösste Partei wortreich in den Schmutz zu ziehen. Ich gehe davon aus, dass das Volk dieses Spiel durchschaut! Gute, fundierte Kritik soll ausgesprochen werden können, aber sicher nicht solche unwürdige Tricksereien!
Willy Brauen, am 12. Oktober 2015 um 14:54 Uhr
Das Problem ist doch, dass für Argumente kein Raum besteht, da die SVP eine stets verneinende, negierende Position einnimmt; sie ist grundsätzlich gegen alles, hat aber keine eigenen Vorschläge, die es zu diskutieren gäbe. Insofern wird die SVP wohl zu Recht als eine destruktive Kraft und als böse wahrgenommen. Dazu kommt, dass der Stil wenig sachbezogen, doch häufig - verächtlich - personenbezogen ist. Einer anderen Meinung wird keine eigene gegengesetzt, sondern der Meinungsträger wird persönlich abqualifiziert, z.B. als Verräter. Wörter denen eine ursprünglich positive Bewertung inne wohnt, werden ebenso verächtlich gemacht und abqualifiziert, z.B. der Intellektuelle! (Und ohne ihn wäre auch Ems schon längst pleite.)
Hermann K.J. Fritsche, am 12. Oktober 2015 um 15:11 Uhr
Bei allen Vorbehalten gegen die Einpeitscher von der SVP - man kanns auch übertreiben. Ich kann selbst bei Blocher und Köppel keine Sympathie für Hitler entdecken. Und Wikipedia bietet ja einige Lesarten für «88» an: Neben «HH» auch «wichtigste chinesische Glückszahl», «Liebe und Küsse», und einige mehr. Man sollte die SVP dort angreifen, wo sie es verdient und sich nicht in Verschwörungstheorien ergehen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Achtundachtzig
Hajo von Kracht, am 12. Oktober 2015 um 15:15 Uhr
@Hajo. Da mögen Sie wohl recht haben, doch ist es vielleicht als Reaktion auf die SVP-eigenen Verschwörungstheorien gut zu verstehen; z.B. die Saga vom schleichenden EU-Beitritt.
Hermann K.J. Fritsche, am 12. Oktober 2015 um 15:26 Uhr
Das mit dem «88» ist eine unverzeihliche , geschmacklose Entgleisung. Naivität oder Provokation oder Ignoranz oder Dummheit? Von allem dürfte etwas dabei sein. Dummheit rangiert bestimmt weit vorn. Man weiss, dass der/die typische SVP-Wähler_in zu den eher bildungsfernen Schichten in unserem Land gehört. Natürlich gibt es in dieser Partei durchaus Menschen mit feiner Bildung. Ein Trost: Sie sind dort eine verschwindend kleine Minderheit.
Es stimmt zwar: Dass Blocher und Köppel Sympathien zu Hitler gehabt hätte, wäre eine Behauptung, die noch eines Beweises bedürfte. Aber ebenso stimmt es, dass einige SVP-Mitläufer durchaus von den Nazis fasziniert sind und das auch in aller Öffentlichkeit kundtun. Gerade das 88-T-Shirt dürfte eine klammheimliche Konzession an die Rechtsrandständigen sein. Zum Brief an Stefanie Grob: Das Schema ist typisch für Wadenbeisser aus dem braunen Sumpf. Man beruft sich dort immer auf die Meinungsfreiheit, aber wehe, man verbreitet eine Meinung, die ihnen nicht in den Kram passt. Wer das tut, wird gleich an den Psychiater verwiesen. Die Leute auf dem braunen Terrain geben sich dünnhäutig, aber treten Leute mit anderer Meinung genüsslich unter die Gürtellinie. Nehmen wir nur die an die Grenze der Kriminalität stossende Schmierenkampagne gegen unsere Bundespräsidentin. Oder die widerliche Postille «Schweizerzeit», die auf unglaublich fiese, primitive Weise ihre Jauche gegen die «Linken, Netten», gegen die «Gutmenschen» aber nie gegen Nazis versprüht.
Peter Beutler, am 12. Oktober 2015 um 16:15 Uhr
Ja, Bildung ist der SVP ein Dorn im Auge. Bei einem entsprechenden Anlass hatte sich Blocher damit gebrüstet, dass er, wenn er weiter Bundesrat geblieben, das Bildungsbudget um mindestens einen Drittel gekürzt hätte! Sein Argument: Er hätte persönlich erfahren, dass er das meiste was er an der Uni gelernt habe nicht brauchen konnte.
Hermann K.J. Fritsche, am 12. Oktober 2015 um 17:36 Uhr
dranbleiben! Wie oft muss die SVP doch «Zufälle, Missverständnisse, techn. Defekt» beanspruchen. Letzteres schon vor Jahren bei einer absolut unzutreffenden graphischen Darstellung, die «zufällig» ein absolut falsche SVP-Behauptung hätte «beweisen» sollen.
Und natürlich: SVP und SVP-Grössen wie Mörgeli oder Weltwoche reagieren immer nach dem Prinzip «Angriff ist die beste Verteidigung» und «schuld sind immer die Andern»...
Karl Gmünder, am 12. Oktober 2015 um 18:36 Uhr
@Robert. Ja, Sie sind nahe dran, es geht um etwas persönliches und zwar um den persönlichen Rachefeldzug eines einzigen, gekränkten Mannes. Dazu wurde die vormal währschafte Bauernpartei gekauft und missbraucht. Das Ziel ist es die Schweiz zu destabilisieren und ihre Institutionen zu zerstören. Es ist geradezu ein Akt der Notwehr sich gegen diesen bösartigen und zerstörerischen Geist zu wehren. In ihrer Medienmitteilung vom 10.3.15 schreibt die SVP u.a. «Wir sind souverän! Uns kann nichts binden, auch unser eigenes Wort nicht. Sollen andere Staaten Verträge miteinander eingehen. Für eine souveräne Schweiz gilt: Wir können die Spielregeln jederzeit ändern, auch während des Spiels».
Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen, als dass ich nicht verstehe, dass die Leute in unserem Land solchen Text einfach «überlesen». Es geht um Rache und persönliche Macht und für die Mitläufer springt einiges raus: Hohe Ämter, Bedeutung, Geld, Geschäfte für Leute, die teilweise keine Vorbedingungen dafür erfüllen würden. Die Führung des VBS ist auch dafür ein schönes Beispiel.
Hermann K.J. Fritsche, am 13. Oktober 2015 um 22:38 Uhr
Ich glaube nicht, dass das reiner Zufall war. Das war volle Absicht. Genauso wenig wie diese Fahne, die Oskar Freysinger aufgehängt hat. Und als Historiker müsste er eigentlich wissen, was er da aufhängte. Es ist auch kein Zufall, dass Blocher Bildung nicht mag.. warum wohl ? Leute ohne Bildung lassen sich leichter betrügen, lassen sich leichter anlügen. Es ist traurig zu sehen, dass so viele Leute auf die SVP hereinfallen. Eigentlich sollte die Geschichte unseres grossen Nachbarns doch eine Warnung sein. Wir sollten den Anfängen wehren. Nur weiss ich nicht, ob genug Leute erkennen, wie gefährlich die SVP ist.
Melanie Schwab, am 15. Oktober 2015 um 00:31 Uhr
Obwohl jeder Werbeprofi die Zahl 88 als verfänglich hätte sehen müssen, beruht diese Diskussion auf Totalignoranz unter dem Niveau eines 14jährigen amerikanischen Bildungsbanausen, von denen jeder die Gruppe Bronx 88 kennt. In Sachen SVP bestehen oft psychische Probleme, welche eine nüchterne politische Analyse behindern. Das ist aber beim abgetretenen Nationalrat Joder weniger der Fall, der auf www.blick.ch soeben sehr gut erklärt hat, warum der Einfluss der SVP auf das Parlament und die real geführte schweizerischen Politik zurückgegangen ist und weiter zurückgeht. Die realen Probleme haben nicht sehr viel mit der SVP zu tun. Sicher ist, dass Herr Hubacher und Herr Blocher noch zu denjenigen Schweizer Politikern gehören, die einen relativ guten Überblick haben und sich auch über die Anhänger der je eigenen Partei nicht allzu viele Illusionen machen. Hubacher soll dem Vernehmen nach den Nachwuchspolitiker Cédric Wermuth, der dies dringend nötig hat, in strategischen Fragen beraten. So weit es am nächsten Sonntag hauptsächlich darum geht, ob der Bundesrat allenfalls auf maximal einer Position umbesetzt wird, was auch bei einem SVP-Wahlsieg eher unwahrscheinlich ist, bleibt es nicht mal unverantwortlich, dass trotz der unvergleichlichen optischen Umweltverschmutzung durch die derzeitige Plakatschwemme, um die Hälfte der Wählerinnen und Wähler der Urne fernbleiben. Franz Joseph Strauss, damals für die Linken wie Blocher ein Psycho-Popanz: «Es muss noch viel schlimmer kommen!"
Pirmin Meier, am 15. Oktober 2015 um 12:01 Uhr
Wenn ich diese Beiträge mehrmals lese bekomme ich den Eindruck, dass viele Schreiber die SVP geradezu hassen müssen. Ich befürchte, dass sie nicht merken wie stark die mediale Gehirnwäsche gegen die SVP wirkt.
Ulrich Hertig, am 15. Oktober 2015 um 13:20 Uhr
@Melanie Schwab. Die Reichskriegsflagge der deutschen Kriegsmarine ist z.B auf dem grossen Fresko zur Verschonung der Schweiz im 1. Weltkrieg in der unteren Ranftkapelle von Flüeli-Ranft (Sachseln OW) von Robert Durrer aus dem Jahre 1921 dargestellt. Ich habe die Möglichkeit, dies am nächsten Samstag 15 Geschichtslehrern zu erklären. Herr Freisinger wird nicht darunter sein. Die notwendigen heraldischen und geistesgeschichtlichen Hintergründe erfordern ein Spezialwissen, das Herr Freisinger und auch Sie, Frau Schwab, nun mal nicht zu haben scheinen. Man muss schon sehr ignorant sein, um diese Flagge, die wie die alte Schweizerfahne (bei den Fröntlern) missbrauchbar ist, auf ein Nazisymbol zu reduzieren. Klar steht sie aber für das noch nach dem 1. Weltkrieg grassierende All-Deutschtum. Diese Flagge wurde in Schaffhausen 1915, 1916, 1917 und 1918 jeweils bei der in der Schweiz stattfindenden Feier des Kaiser-Geburtstages gefeiert, woran auch Regierungsräte und sogar ein freisinniger Ständerat teilnahmen. Das war beispielsweise für den aus Biel zugezogenen eher welsch orientierten Grossvater des Politikers Thomas Minder eine Provokation. Die Verehrung dieser Flagge galt also schon vor rund 100 Jahren bei preussenkritischen Mitbürgern als unschweizerisch. Sie ist aber keineswegs «blutbefleckter» als z.B. die am 1. Mai geschwenkte rote Fahne. Es empfiehlt sich feindbildfreie Kulturhistorie.



Bei der Reichskriegsflagge der deutschen Kriegsmarine fehlte mutmasslich Oskar Freys
Pirmin Meier, am 15. Oktober 2015 um 13:42 Uhr
PS. Die letzte Zeile oben gehört nicht zum Text. Meine Forschungen zur Reichskriegsflagge in der Schweiz gehören zu meiner Biographie mit der bei Th. Minder nicht erwünschten Familiengeschichte, weshalb das vom Verlag bereits angekündigte Buch nicht erschienen ist und in der vorliegenden Form wohl nie erscheinen wird. Dabei war Minders Grossvater einer der wenigen Sympathisanten von Carl Spitteler in der damals deutschfreundlichen Ostschweiz und aus meiner heutigen Sicht als Gründer der Schweizerwoche das historisch wohl bedeutendste Mitglied der Familie.
Pirmin Meier, am 15. Oktober 2015 um 13:49 Uhr
Wer diese Diskussion - eben bis sich Pirmin Meyer und Ulrich Hertig einklinkten - als die von Menschenwesen unter dem Niveau von 14jährigen Bildungsbanausen einstuft, offenbart etwas, was bei ihm immer noch tief in der Seele schlummert. Eine klammheimliche Sympathie zu jener menschenverachtenden Ideologie: Das, was man gemeinhin unter Rechtsextremismus und Linkenhass versteht. Die Helden dieser Weltanschaung: Mussolini, Dolfuss, Franco, Salazar, Pinochet, die Apartheitschergen und ihre Mitläufer wie Franz Josef Strauss ( Müncher Attentat mit gegen hundert Todesopfern), Margareth Thatcher und viele in unserem Land.
Zu «Bronx 88». Der Schöpfer dieses Sujets wusste haargenau um die Bedeutung der Zahl 88. Viele, die es nun auf ihren Leibern zu Schau stellen, wahrscheinlich nicht, das stimmt schon, P. M. Tatsache ist aber, dass «Bronx 88» in Europa an Neinaziaufmärschen und an Kundgebungen von anderen rechtsextremen Organisationen, z.B. der deutschen Pegida, häufig zu sehen ist. Die Leute, die dort mitmachen, wissen natürlich, welche Botschaft sie damit austragen. Und diejnigen, die diese skandalöse Wahlvideo in die Welt setzten, ganz sicher auch.
Peter Beutler, am 15. Oktober 2015 um 14:26 Uhr
@Kollega Beutler. Was die mir unterstellte «klammheimliche Sympathie» betrifft, bitte ich meinen noch in Vorbereitung befindlichen Essay über die Haltung eines Luzerner Publizisten, Edmund Ernst, betreffend «Neutralität und Charakter» aus einem Leitartikel vom 7. Oktober 1939 abzuwarten. Du weisst, lieber Peter, dass ich Dich meinerseits als wackeren Demokraten einschätze und allfällige Äusserungen von Dir, die nicht automatisch mein Gefallen finden, nicht als klammheimliche Sympathie sagen wir mal für Pol Poth deuten würde. Bleiben wir also bei der Diskussion auf gesundem kollegialem Boden. Hoffe Dich demnächst in Engelberg zu sehen.
Pirmin Meier, am 15. Oktober 2015 um 14:32 Uhr
PS. @Beutler. Im Gegensatz zu Dir, der den Kanton seines parlamentarischen Wirkens verlassen hat, habe ich trotz nur 35%iger Smartvote-Übereinstimmung Deiner Kollegin Priska Birrer-Heimo die Stimme für den Ständerat gegeben. Weisst Du warum? Weil sie sich gegen Juso David Roth verwahrte, der auf den Tod von Margaret Thatcher öffentlich auf ein Bier anstiess. In diesem Sinn finde ich bei infosperber (eher seltene) Interventionen von Urs P. Gasche für politischen Anstand nie als Zensur, selbst wenn ich selber mal eine Mahnung einstecken muss.
Pirmin Meier, am 15. Oktober 2015 um 14:46 Uhr
Lieber Pirmin, das mit der klammheimlichen Sympathie in der tiefsten Seele ist so eine Sache. Das heisst noch lange nicht, dass man einen Hitler bewundert. Das hätte weder.eine Thatcher noch ein F.J. Strauss getan. Aber beide haben offen ihre Sympathie zum faschistischen Massenmörder Pinochet öffentlich zur Schau getragen, was ich dir nicht unterstelle. Aber du hast halt einmal M. Thatcher Respekt bekundet ...
Eine klammheimliche Sympathie ist nicht rational, sie ist emotional.
Peter Beutler, am 15. Oktober 2015 um 15:39 Uhr
Ich bin erstaunt, dass derart miese und haltlose Unterstellungen wie die von Herrn Peter Beutler im infosperber.ch überhaupt publiziert werden dürfen. Wie qualifiziert ist Herr Beutler für eine solche Aussage? Er bestätigt nur meine Vermutung, dass es Leute gibt welche die SVP scheinbar hassen und nicht merken, dass sie einer medialen Gehirnwäsche unterzogen sind. PS: ich bin nicht Mitglied der SVP.
Ulrich Hertig, am 15. Oktober 2015 um 16:16 Uhr
Nochmals in aller Deutlichkeit : Es ist ein Akt von Notwehr sich mit aller Vehemenz gegen die staatszersetzende. Politik der SVP zu stellen.
Hermann K.J. Fritsche, am 15. Oktober 2015 um 18:24 Uhr
Fritsche, Beutler, Zimmerman
Was die Herren der SVP alles unterstellen, hat mit sachlicher Meinungsäusserung nichts zu tun. Wie gross muss wohl der Hass auf eine grosse Minderheit, rund um die SVP sein, dass solche unsachlichen Äusserungen mit „destruktiver Kraft“, was Ihr der Partei vorwerft, gemacht werden? – (ich bin übrigens nicht Mitglied der SVP) – KO-Tropfen ohne Nachweis, Freysinger’s Fahne, was nichts mit „Nazi“ zu tun hat, tendenziöse Auslegung des T-Shirts, die Partei habe keine Argumente, sage überall nein, Vorhaltungen über den „schleichenden EU-Beitritt“, wenn gleich die „dynamische Übernahme von EU-Recht“, (automatisch) von der linken Seite unterstützt wird! Was wird wohl geschehen, wenn alles EU-Recht in der Schweiz gelten soll, ohne unser Recht? Treten wir so nicht „schleichend“ bei? Zudem werden zeilenweise Unterstellungen formuliert bis zum abwinken! Blocher ein „Rachefeldzug“ zu unterstellen, ist reichlich akrobatisch formuliert! Zum Glück gibt es noch Leute, die sich für eine freie Schweiz einsetzen – und zwar aus allen Parteien, was meine Unterstützung geniesst!

Wäre es nicht sinnvoller, sachlich zu diskutieren, was unsere Regierung, Parteien und deren Räte tun sollten, damit die Schweiz langfristig überlebt und wir unseren Nachkommen eine schöne, lebenswerte, unabhängige, neutrale, nicht zugebaute, und eine nicht verschuldete Schweiz übergeben können?
Willy Brauen, am 15. Oktober 2015 um 19:05 Uhr
@Pirmin Meier
Sie schreiben in Ihrem Beitrag: «Obwohl jeder Werbeprofi die Zahl 88 als verfänglich hätte sehen müssen, beruht diese Diskussion auf Totalignoranz unter dem Niveau eines 14jährigen amerikanischen Bildungsbanausen, von denen jeder die Gruppe Bronx 88 kennt."
Mich näme wunder, welche Musik die vermeintlich bekannte Musikgruppe Bronx 88 spielt. Hier «mein Problem»: eine solche Gruppe konnte ich auf Youtube und im Internet gar nicht finden. Weiss dazu und wie es zu diesem T-Shirt kam mehr?
Heini Glauser, am 17. Oktober 2015 um 14:35 Uhr
Give your urban chic a little team spirit with this soft & relaxed tee featuring a high low hem with side slits, faux leather front yoke, and screen print «New York - Bronx» text with laminate print «88» varsity-style numbers.

http://lisaplace.se/2014/03/02/bronx-88/
http://www.polyvore.com/new_york_bronx_88/set?id=117320384
https://www.pinterest.com/pin/23573598023662167/
http://m.rue21.com/store/jump/product/Bronx-88-Side-Slit-High-Low-Tee/0361-001364-0008842-0010

Wenn das eine Verschwörung ist, dann eine gewaltig grosse!
Hajo von Kracht, am 17. Oktober 2015 um 15:34 Uhr
Ich erlaube mir, allen welche das Anti-SVP-Mantra verinnerlicht haben, die beiden Interviews auf Tele Zürich zur Kenntnis zu nehmen. Da sprechen sowohl Herr Köppel wie Herr Mörgeli besonnen und in bestem schweizerischen Demokratieverständnis über den Erfolg und die Niederlage. Da fallen die Herren Levrat und Darbellay an der Elefantenrunde wirklich ab.
Ulrich Hertig, am 22. Oktober 2015 um 09:18 Uhr
@Hertig. Ja, das erinnert etwas an die Geschichte vom Wolf und den sieben Geisslein. Doch das täuscht nicht über die grundsätzlich staatszerstörende Absicht der SVP. Ich zitiere nochmals aus der Medienmitteilung der SVP vom 10. März 2015:"Wir sind souverän! Uns kann nichts binden, auch unser eigenes Wort nicht. ... Wir können die Spielregeln jederzeit ändern, auch während des Spiels.» Das ist die Grundlage eines dysfunktionalen Staates; und wem das gleichgültig sein mag, der kann vielleicht sich die wirtschaftlichen Folgen vorstellen, wenn die Schweiz kein ernsthafter Vertragspartner mehr sein wird.
Hermann K.J. Fritsche, am 22. Oktober 2015 um 09:56 Uhr
Zur Erinnerung: die Hitlergenossen nannten sich: National-Sozialistische
Partei Deutschlands. Schon deshalb ist der Versuch die SVP in die Nähe der Nazis festzulegen falsch. Wie wäre es, wenn die intellektuellen Linken einmal vor der eigenen Türe wischen würden.
Ulrich Hertig, am 26. Oktober 2015 um 11:47 Uhr
Es ist mehr als betrüblich und wohl ein Symptom der Bildungsfernen, dass «intellektuell» zu einem Schimpfwort verkommen ist, dabei besitzen, die so geschmähten den wichtigsten - und wohl einzigen - Rohstoff der Schweiz!
Hermann K.J. Fritsche, am 26. Oktober 2015 um 13:15 Uhr
Und? Lieber Herr Hertig, wissen Sie wer die Wahlkämpfe der Nazis gesponsert haben? Die Deutsche Schwerindustrie und die KMU- Betriebe. Und welche beiden Parteien wurden als erste verboten, als die Natis mit den Rechtsknservativen von Hindenburg eine Koalition eingingen? Die Kommunisten und die SPD. Da nähern wir uns doch, Herr Hertig, denen, die wenig von der Geschichte wissen: den Bildungsfernen ...
Peter Beutler, am 26. Oktober 2015 um 14:00 Uhr
@Rohstoff ist, Herr Fritsche, wiewohl ständig gebraucht, für Bildung wohl ein falscher Ausdruck, so Goethe: «Den Gehalt in deinem Busen und die Form in deinem Geist.»

Die Schweiz bleibt auf Intellektuelle v. Spitze angewiesen. Das Studium produziert sie immer weniger. Vermute, dass Uni BS, notabene auf Geisteswissenschaften bezogen, gegen 1870, als Spitteler dort studierte und Nietzsche ohne Habil. v. Burckhardt unbürokratisch berufen wurde, mit 30 Professoren und 300 Studenten mehr Weltspitze war als heute, so wie das mathematische Niveau der Euler und Bernoulli (18. Jhd.) leider nie mehr erreicht wurde. Mörgeli, den Sie sicher nicht schätzen, ist, wie Bodenmann nicht zu Unrecht dieser Tage feststellte, tatsächlich Durchschnitt und und in der Leistung, die weder überschätzt noch unterschätzt werden sollte (selber kritisierte ich seine Arbeit mal vor ca. 25 Jahren betr. Museum) ungefähr Standard vieler Professoren. Ich würde wegen Mangel an Lehrern von Weltformat heute in ZH nicht mehr Geschichte, Germanistik u. Philosophie studieren. Was dort rausschaut, kann man heute oft problemlos in Selbststudium machen. Mit anderen Worten: Man kann wohl nicht oben Geld reinlassen und unten kommt Bildung raus. Noch was, damit wir nicht länger wie damals ca. im Januar 250 Wortmeldungen lang streiten: Ich schaute letzthin wieder in das Islam-Buch rein, über das wir damals stritten. Kann nur sagen: Eine in der Tat suboptimale akademische Leistung! Wir stritten uns völlig unnötig darüber.
Pirmin Meier, am 26. Oktober 2015 um 16:07 Uhr
@Beutler. Die von Dir genannten Zusammenhänge mit dem Nationalsozialismus sind vergleichsweise gut bekannt, da muss man nicht mal extra Meienberg lesen. Trotzdem handelt es sich bei diesen Streitigkeiten mehr um Geschichtspolitik als um Geschichtsforschung. Auch der durchaus schlaue Leser Ueli Maurer zitierte gern das, was er aus der Geschichte gebrauchen kann, aus meinen Forschungen z.B. die enorme Bedeutung der Einbürgerung für die einstige Souveränität der Landsgemeinden. Ferner ist es üblich, die Toten des Nationalsozialismus/Faschismus gegen die des Kommunismus gegeneinander aufzurechnen. Versichere Dir, dass das nicht mein Geschichtsbild ist.
Pirmin Meier, am 26. Oktober 2015 um 16:13 Uhr
Bildungs als «Rohstoff»: unzulässig, doch populät eher Populistne verstädnlich, die whl kaum mehr Zugang zu Goethe haben.
"Islam-Buch»: Bestenfalls eine Sammlung schlechter Pennäler-Aufsätze.
Homo Oeconomicus und die Abwertung sog. «Schmetterlings-Fächer» scheinen mir Ursache mangelnder differenzierender Denkfähigkeit zumindest mit zu sein. Statt Sachdiskussionen, die eine intellektuelle Auseinandersetzung bedingen, populistisches Haudrauf!
Hermann K.J. Fritsche, am 26. Oktober 2015 um 16:35 Uhr
Zweifle, dass selbst in Gymnasien Faust noch etwas anders denn die Geballte bedeutet. Und wer liest denn noch den Zarathustra, eine wichtiges Werk unserer Geisteskultur? Habe für und im Auftrag des grossen Schauspielers Minetti eine Theaterfassung geschrieben:
http://www.vordenker.de/zara/zara.htm
Hermann K.J. Fritsche, am 26. Oktober 2015 um 16:44 Uhr
Hart im Austeilen, aber sehr sensibel wenn ihnen der Spiegel vor die Augen gehalten wird. Die Geschmähten besitzen den einzigen Rohstoff der Schweiz. Was ist dann mit den Facharbeitern in unseren Fabriken und den gewerblichen Berufsarbeitern? Ob diese nicht den bedeutenderen Teil des Wohlstandes erarbeiten? Nur diese sind nicht mehr in der SPS zu Hause. Ich war dreimal mit Gewerkschaftern am Verhandeln für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag, das 3. Mal als Leiter der Unternehmer-Delegation. Ich weiss wie sie denken, bodenständig, wir haben alle einmal das blaue Ueberkleid getragen. So wie alle kommunistischen und sozialistischen Experimente gescheitert sind, war das national-sozialistische 3. Reich pleite bevor der Krieg begonnen hat. Die Weimarer-Republik war gescheitert am kommunistischen Machtanspruch und dem damaligen Kapitalismus der nichts, aber gar nichts mit dem liberalen Gedankengut und den liberalen Wirtschaftslehren von Mises, Hayek, Röpke zu tun hatte. Das wurde erst mit Erhard in Deutschland praktiziert und hat heute kaum mehr Einfluss wegen Staatsgläubigkeit und dem perversen
Neoliberalismus. Das aus bildungsferner Sicht.
Ulrich Hertig, am 26. Oktober 2015 um 16:45 Uhr
@Hertig. Ganz besonders und noch mehr würde ich die von Ihnen genannten Facharbeiter bewundern, die eh unentbehrlich sind, wenn diese vielleicht auch noch mal nach Feierabend ein Buch lesen würden, es muss nicht gerade Bärfuss sein. Zwischen diesen Kreisen und jenen, die @ Herr Fritsche gelegentlich nennt, findet zu wenig Dialog statt. Der Respekt müsste grösser werden.

@Fritsche. Stelle sachtes Wachstum unserer «Schnittmenge» fest, nicht zuletzt betreffend Faust und Zarathustra. Dadurch aber, dass wir nicht mehr die Jüngsten sind, bleibt vielleicht der Abstand zu den Jungen unbeschadet unserer noch vorhandenen Meinungsverschiedenheiten nach unten äquivalent. Wie können wir in der Netzgesellschaft die humanistischen Gehalte, die für uns wichtig sind, noch wenigstens als ethische Anregungen zu vernünftigen Entscheidungen den Jungen interessant machen? Twitter, Facebook und Faust II scheinen irgendwie inkompatibel zu sein. Und Nietzsche wurde natürlich auch schon verheerend falsch verstanden. Ich scheue mich nicht, mit deutschen Neurechten darüber zu diskutieren. Es gibt dort mehr Intellektuelle als bei der SVP. Sie würden dazu vielleicht sagen. Umso schlimmer! Intellektualität ist eine Aufgabe, manchmal eine Versuchung.
Pirmin Meier, am 26. Oktober 2015 um 17:08 Uhr
Noch einmal: Das mit dem «88» war ein Missgriff. Die Debatte, die daraus entstand, wurde «entgleist». Niemand hier, ich absolut nicht, habe behauptet, die führenden SVP-Leute hätten Sympathien zu den Nazis.. Aber eben, man lässt Symbole zu, die bisweilen eine Abgrenzung zu dieser Ideologie vermissen lassen. Nun ist daraus sogar eine Sozialismusdebatte entstanden. Dabei müsste man noch definieren, was man unter Sozialismus versteht. Der Sozialismus der Sozialdemokratie lässt sich nun wirklich nicht gleichsetzen mit dem Stalinismus. Das wird aber hier von einigen Kommentatoren klammheimlich versucht. Wirkt unbeholfen, ist vielleicht mehr Ausdruck von politischer Unbildung oder schlicht Dummheit als von Böswilligkeit. Ja, der totalitäre Sozialismus à la Stalin ist gescheitert. Keineswegs aber der demokratische Sozialismus. Seine Zeit wird noch kommen. Zu allererst waren in Deutschland die SPD und ihr nahestehenden Gewerkschaften Opfer der Nazis, während bis tief ins Bürgertum zunächst mit diesen kooperiert wurde. Schon gut, man weiß das ja, wie Prmin Meier sagt. Aber man tut so, als ob man es nicht wüsste. Und heute? Wir demokratische Sozialisten haben das Attentat von Utoya in Norwegen (2011) nicht vergessen. Gegen 80 Jusos und Sozialdemokraten wurden brutal umgebracht, ebensoviele schwer verletzt. Und der Täter? Ein ehemaliger Jugendführer der norwegischen Rechtspopulisten. Wir so genannten «Linken» und «Gutmenschen» möchten nicht, dass so etwas in unserem Land geschieht.
Peter Beutler, am 26. Oktober 2015 um 18:23 Uhr
@Pirmin. Der Unterschied liegt vielleicht weniger in der Meinung, denn in der Betrachtungsweise. Als Systemiker, u.a. an Derrida und Luhmann geschult, mag man etwas spekulativer denn ein Historiker sein. Pointierte Formulierungen möchten aber einem katholischen Meienberg nicht ganz fremd sein.
Die Problematik ist wohl, dass der jugendliche Geist an schwarz-weissen Formulierungen, die er versteht, sich erfreut, wohingegen Differenzierungen erst über die Zeit und mit viel Studium zu erobern wären. Wichtig scheint mir, nicht müde zu werden die stets wohlfeilen Begriffe immer wieder zu hinterfragen und ihr metaphorischer Raum zu durchleuchten. Komplexe Inhalte lassen sich nicht einfach darstellen. (Ashby's Law)
Hermann K.J. Fritsche, am 27. Oktober 2015 um 11:05 Uhr

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