Tagesschau-Hauptausgabe: Nach drei Wochen Schweigen wenigstens zwei Minuten Informationen zu Mossul © srf

Die SRF-Tagesschau und das Drama in Mossul

Urs P. Gasche / 11. Apr 2017 - Hunderttausende können aus der umkämpften Stadt nicht fliehen. Über das Kriegsgeschehen berichtet die Tagesschau nur am Rande.

Im Westteil von Mossul lebten 750'000 Einwohner, mehr als doppelt so viele Menschen wie Ende 2016 während der syrischen und russischen Bombardierungen in Aleppo gelebt hatten. Wer sich in Mossul von den Fesseln des IS befreien und flüchten konnte, flüchtete. Doch kürzlich waren immer noch fast eine halbe Million Männer, Frauen und Kinder unter der Kontrolle islamistischer Rebellen eingeschlossen. Sie werden seit Wochen von vielen Seiten mit Haubitzen, Bomben und Drohnen angegriffen. Der IS hält die Zivilbevölkerung als Gefangene und installiert sich häufig auf den Dächern von Wohnhäusern. Das menschliche Leid ist unermesslich.

Der Spiegel berichtet über den Krieg in Mossul

In nahen Flüchtlingslagern konnten Journalisten mit vielen Geretteten reden und sich über den Krieg in Westmossul ein grobes Bild machen. In befreite Stadtteile können sich die Medien nur unter Aufsicht der irakischen Armee begeben. Ihre Interviewpartner und ihre Bilder werden streng zensuriert. Das ungehinderte Filmen und Fotografieren von zerstörten Strassenzügen ist verboten. Etliche Reporter haben diese massiven Einschränkungen in ihren Berichten transparent gemacht.

Langes Schweigen der Tagesschau-Hauptausgabe

Wer sich seit Anfang März hauptsächlich mit der Hauptausgabe der SRF-Tagesschau informierte, hat über das Drama in Westmossul nur wenig mitbekommen:

  • 6. März 2017: Unter der Schlagzeile «Heftige Kämpfe in Mossul» informierte die Tagesschau in einer Minute und 34 Sekunden, dass die irakische Armee immer weiter vorrücke. Sie habe bereits zwei von fünf Brücken über den Tigris erobert. Ein Offizier der irakischen Armee beruhigte: «Wir wollen die Zivilbevölkerung schützen». Zum Schluss noch die Information, dass das IKRK «Hinweise auf den Einsatz von Giftgas» hätte.
  • 7. März bis 26. März: Die Tagesschau informiert um 19.30 Uhr drei Wochen lang nicht mehr darüber, was in Mossul passiert.
  • 27. März: Die Tagesschau informiert, dass in Mossul bereits seit Oktober «ein heftiger Kampf tobt». Für Zivilisten seien die Kämpfe und die pausenlosen Luftschläge kaum mehr auszuhalten. Seit Mitte Februar soll es 3000 Todesopfer gegeben haben. Der IS soll Zivilisten als Schutzschilder missbrauchen. Die Tagesschau zeigt Bilder zerstörter Strassenzüge. In den Lagern der zum Teil völlig ausgehungerten Geflüchteten würden völlig unzureichende Bedingungen herrschen, berichten Betroffene. – Kein Wort zu den Luftangriffen der von den USA geführten Koalition, kein Wort darüber, dass das US-Militär einen Luftangriff bestätigte, der nach Angaben von Helfern und Lokalpolitikern über hundert Tote unter der Zivilbevölkerung gefordert hatte (NZZ vom 27. März).
  • 28. März bis heute 11. April: Das Drama in Mossul findet in der Hauptausgabe der Tagesschau nicht mehr statt.

Die New York Times informierte am 27. März über die Luftangriffe.

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Die Angaben über die Tagesschau basieren auf einer Internet-Recherche. Falls etwas übersehen wurde, bitte gerne melden.

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Über die militärische Verwüstung des Jemens durch die von den USA unterstützte saudische Koalition informierte die SRF-Tagesschau im beschriebenen Zeitraum bis heute noch weniger.

Auf eine Liste von unbedeutenden Beiträgen, welche die Tagesschau in den letzten Wochen stattdessen ausgestrahlt hat, verzichten wir.

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  • Infosperber-BERICHTE zu Mossul

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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2 Meinungen

Eine sehr gute Frage Herr Stefan Werner. Auf eine Antwort auf diese Frage warte ich auch schon länger. Schon sehr suspekt, dass auf der anderen Seite Aleppo ununterbrochen in den Nachrichten gezeigt wurde, als Russland und Syrien die IS-Terroristen (oder in SRF-Sprache: «die moderaten Rebellen) dort bombardiert haben.

Tom Streit, am 12. April 2017 um 16:43 Uhr
@Gasche: Wäre eine derart krasse Lücke in der Information über die Vorgänge in Mossul nicht ein Fall für den Ombudsmann (Roger Blum), wenn nicht gar für die UBI (Unabhängige Beschwerdeinstanz) ? Von Ihnen (Gasche/infosperber) angeregt, hätte sie ja doch ein gewisses Gewicht...
Heinz Abler, am 14. April 2017 um 09:33 Uhr

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