Tamedia-Verleger schweigt sich über eine Lösung für Westschweizer und Tessiner aus © rts/cc

Tamedia-Verleger schweigt sich über eine Lösung für Westschweizer und Tessiner aus

Pietro Supinos Sprecher schweigt jetzt ebenfalls

Urs P. Gasche / 15. Apr 2015 - Der Tamedia-Verleger will das Fernsehen SRF und die SRG dezimieren, beantwortet aber wesentliche Fragen von Infosperber nicht.

Der Verleger des Tamedia-Konzerns («Tages-Anzeiger», «Der Bund», «Berner Zeitung», «Bernerbär», «SonntagsZeitung», «20Minuten», «20Minuten-online», «Landbote», «Zürcher Oberländer», «Zürcher Unterländer, «Zürichsee-Zeitung», «Le Matin», «Le Matin Dimanche», «24Heures», «Tribune de Lausanne», «Bilan», «Finanz und Wirtschaft») will Werbung auf den öffentlich-rechtlichen Fernsehkanälen verbieten und das Budget der SRG um mindestens einen Drittel kürzen (Infosperber vom 31.3.2015).

Westschweiz und Tessin mit keinem Wort erwähnt

Wer sich in der NZZ eine ganze Zeitungsseite lang über die Rolle der SRG und den Service Public ausbreitet und mit keinem Wort die Rolle der SRG für die französische und die italienische Schweiz erwähnt, unterschlägt die wichtigste Funktion der SRG in unserem Land, nämlich öffentlich-rechtliche Fernseh- und Radioprogramme für diese sprachlichen Minderheiten zu ermöglichen.

SRG-Generaldirektor Roger de Weck hat inzwischen in der NZZ präzisiert, dass die SRG 70 Prozent ihrer Gebühren-Einnahmen aus der deutschen Schweiz einnimmt, die deutschsprachigen Programme aber nur 45 Prozent aller Gebühen-Einnahmen erhalten. Ein ähnliches Verhältnis gilt bei den Einnahmen aus der Werbung.

Mit mehr als der Hälfte aller Einnahmen ermöglicht die SRG die welschen, Tessiner und rhätoromanischen Programme.

Deshalb stellt sich für unsere föderalistische Schweiz die kapitale Frage, wer die lateinischsprachigen Programme finanzieren soll, wenn das Deutschschweizer Fernsehen

  • keine Werbeeinnahmen mehr hat und
  • dessen Programme erst noch – wie es Supino fordert – beschränkt würden auf «Beiträge von staatspolitischer Bedeutung, die auf dem freien Markt nicht in gewünschtem Ausmass oder in der gewünschten Qualität angeboten werden».

Von einem Gross-Verleger, der sich mit dem «Service Public» befasst, sei zu erwarten, schrieb Infosperber, dass er gleichzeitig Vorschläge macht, wie die Westschweizer und die Tessiner ihre Fernseh- und Radioprogramme finanzieren sollen:

  • Braucht es dann eine Vervielfachung der Gebühren?
  • Muten wir den andern Sprachregionen Programme zu, die direkt vom Staat mit Steuergeldern (mit-)finanziert sind?
  • Sollen sich Welsche und Tessiner künftig mit nur je einem Fernseh- und Radioprogramm zufrieden geben?

Antworten auf solche Fragen bergen Zündstoff. Ein Verleger und Unternehmer sollte sich über die Folgen seiner Vorschläge Gedanken machen und diese nicht einfach unter den Tisch kehren.

Supinos Mediensprecher meldet sich

Am 2. April 2015 meldete sich ein Christoph Zimmer mit einem Meinungseintrag auf Infosperber, ohne der Leserschaft transparent zu machen, dass er Supinos Mediensprecher ist. Zimmer schrieb von einem «Missverständnis», denn ein «gleichwertiger Service Public für alle Landesteile wird von Pietro Supino nicht in Frage gestellt». In einem Essay habe der Verleger «diesen Punkt explizit hervorgehoben und unterstützt».

Infosperber antwortete dem Tamedia-Sprecher, dass es auf die oben erwähnten Fragen zur Finanzierung der welschen und Tessiner Sender konkrete Antworten brauche: «Noch besser wäre es, Herr Supino würde diese Antworten geben bzw. Vorschläge machen. Wir publizieren sie gerne auf Infosperber.»

Darauf wiederholte Christoph Zimmer seine pauschale Behauptung, die Programme seien «in allen Landesteilen ohne Werbefinanzierung möglich». Das würden die Beispiele in Schweden oder Belgien zeigen.

Das war am 4. April 2015.

Infosperber wartet noch heute (15. April) auf konkrete Antworten und Vorschläge zur Finanzierung der Westschweizer und Tessiner Programme. Verleger Pietro Supino hat keine geliefert, und sein Sprecher Christoph Zimmer schweigt jetzt ebenfalls.

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Der Autor war 1975/76 und 1985-1996 bei der SRG angestellt.

Weiterführende Informationen

«Pietro Supino redet am Wesentlichen vorbei» (auf Infosperber)

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