Helmut Schebens Analyse auf Infosperber führt zu Diffamierung auf Watson.ch © is
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Philipp Löpfe auf Watson: Troll-Alarm

Stefan Schaer / 09. Dez 2015 - Löpfe unterstellt Infosperber-Autor Scheben, im Dienste Russlands zu schreiben. Das ist mehr als eine Diffamierung.

Red. Auf Watson.ch hat Redaktor Philipp Löpfe den Infosperber-Autor Helmut Scheben diffamiert, ohne dass dieser zu den einzelnen Vorwürfen vorher Stellung nehmen konnte*. Der unabhängige Journalist Stefan Schaer ging auf seiner Webseite auf den «Fall» ein. Wir übernehmen hier seinen Text.

Die Hintergründe des Syrienkonflikts sind für Aussenstehende nur schwer zu durchschauen – wer kämpft mit wem gegen wen für wessen Interessen in wessen Aufrag? Helmut Scheben, ehemaliger Redaktor des Schweizer Fernsehens, hat auf infosperber.ch eine Analyse publiziert, die nicht dem Mainstream entspricht. Watson.ch hat die Analyse übernommen.

Ich finde Schebens Text interessant und stringent, seine Einschätzungen sind relativ gut dokumentiert.

Das sieht Philipp Löpfe, dessen Artikel auf watson.ch von Infosperber zuweilen übernommen werden, anders – ganz anders. In seiner Replik kritisiert er Scheben scharf. Selbstverständlich darf Löpfe das, er darf in seiner Kritik so hart sein, wie er will, solange er belegt, was er schreibt und solange er fair bleibt. Beides tut Löpfe nicht. Er belegt keine einzige seiner Aussagen und geht zum Teil weit unter die Gürtelline.

Bereits der Titel auf Watson.ch lässt ahnen, was uns erwartet:

  • Syrien – ein Spielball der Mächte? Wie watson auf einen Putin-Troll hereingefallen ist.

Vorwurf von Philipp Löpfe: Watson hätte den Infosperber-Artikel auf keinen Fall übernehmen dürfen.

Unter dem Titel schreibt Löpfe folgenden Lead:

  • Der syrische Diktator Baschar al-Assad ist eigentlich ganz okay, auch der bosnische Kriegsverbrecher Radovan Karadzic war streng genommen kein Böser, die Annexion der Krim war völkerrechtlich in Ordnung, und überhaupt meinen es Putin & Co. nur gut: Diese Thesen verbreitet der Journalist Helmut Scheben – leider auch auf watson.

Was gelinde gesagt unpräzis ist. Auf watson.ch (wie auch auf Infosperber) ist von Helmut Scheben nämlich nur der Text zu Syrien zu lesen, nichts zu Karadzic, nichts zur Krim, nichts zu «Putin meint es gut».

Leider bemüht sich Löpfe auch in der Folge keinen Moment um Fairness oder Fakten. Er schreibt:

  • Kurz: Das wurde alles zu viel für den armen Assad und «seine Regierung in Damaskus sah keinen anderen Weg mehr, als den Terrorgruppen mit massiven militärischen Schlägen zu begegnen», so Scheben. Das alles war wohlgemerkt nicht eine brutale Unterdrückung des Volkes durch einen Diktator, sondern ein teuflischer Plan der Opposition, die damit der «Weltöffentlichkeit ein Regime vorführen (konnte), welches mit Artillerie und Luftwaffe ganze Stadtviertel unter Feuer nahm».

Ganz egal, ob Scheben mit seiner Darstellung – für die er notabene Quellen nennt – richtig liegt oder nicht: Löpfe bringt für seine Sicht der Dinge null Argumente, null Belege, einfach nichts. Dieses Prinzip zieht sich ebenso durch den ganzen Artikel wie der herablassende Ton.

Auch vor Diffamierungen schreckt Löpfe nicht zurück:

  • Das alles wollte der gute Assad offenbar gar nicht, und die Sache mit den Giftgasangriffen sei ohnehin erstunken und erlogen, eine Propagandalüge.

Bezeichnend, dass Löpfe den Giftgasangriff ins Spiel bringt. Es ist bis heute – z.B. laut Uno – unklar, wer für dieses Kriegsverbrechen verantwortlich ist (1, 2). Zahlreiche Indizien sprechen eher gegen Assad als Urheber. Wenn also Löpfe suggeriert, Assad sei definitiv schuldig, dann ist das tatsächlich Propaganda – nichts anderes.

Aber wen kümmern schon Fakten:

  • Nachdem das geklärt und Assad reingewaschen ist, kommt Scheben zu seiner zentralen Botschaft: Der Westen muss zusammen mit Putin Assad stützen. Als Zeuge wird dabei der ehemalige «Zeit»-Journalist Michael Lüders ins Feld geführt mit dem Zitat: «Es war ein grosser Fehler, Assad um jeden Preis stürzen zu wollen. (…) Nüchtern besehen kam der syrische Aufstand mindestens zehn Jahre zu früh. Die Bedingungen für einen Machtwechsel waren nicht gegeben.»

Ganz abgesehen davon, dass Scheben mit dieser Einschätzung in guter Gesellschaft ist und Lüders als Kenner der Region gilt, bringt Löpfe auch hier keinerlei Anhaltspunkte für die Falschheit von Schebens Aussage. Er setzt wieder nur auf Beleidigung.

Weil er offensichtlich inhaltlich nichts zu bieten hat, mit dem er Schebens Analyse ernsthaft kontern könnte, weicht Löpfe in der Folge auf Texte aus, die Scheben andernorts publiziert hat:

  • Schebens Machwerk ist kein einmaliger Ausrutscher. So hat er beispielsweise in der «Neuen Rheinischen Zeitung» unter der Schlagzeile «PR-Aufträge für Hass und Tod» einen Artikel verfasst, in dem er den bosnischen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic wie Assad reinwäscht.(…) Alles halb so schlimm, findet Scheben. Das meiste davon seien PR-Lügen von hoch bezahlten amerikanischen Spin-Doktoren. «Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass es falsch ist, dass die Zusammenhänge weitaus komplizierter waren. Auf Seiten der bosnischen Moslems kämpften teilweise internationale Einheiten fanatisierter Islamisten, die den heutigen Kopfabschneidern des Islamischen Staates an Brutalität nicht nachstanden.»

Auch hier: Scheben mag recht haben oder nicht. Der Punkt ist: Löpfe bringt nicht den Hauch eines Beweises dafür, dass Scheben falsch liegt. Er schafft es nicht einmal, dieses und/oder weitere Beispiele aus Schebens angeblichem Sündenregister zu verlinken, damit wir uns selbst ein Bild machen können.

Zu schlechter Letzt setzt Löpfe seinem Artikel die Krone auf, in dem er sich darüber ärgert, dass Scheben in den Kommentaren zu seinen Texten gelobt wird. Löpfe schreibt:

  • Begleitet werden Schebens Artikel jeweils von einem Chor von Putin-Trolls. (…) Nicht nur watson wird so mit Lob der Putin-Trolls überschüttet. «Danke, Herr Scheben! Alles oder fast alles gesagt, was es zu sagen gibt», heisst es auf «Infosperber». Auf «Journal 21» wiederum fragt ein Leser besorgt: «Dürfen Putin, sein Land und seine Menschen nicht in Ruhe und Sicherheit leben?»

Was kann Scheben dafür, wenn er solche Kommentare erhält? Natürlich nichts. Aber Philipp Löpfe schliesst daraus:

  • Der Verdacht liegt nahe, dass Scheben Teil der russischen Propaganda-Maschinerie ist.

Im Klartext: Löpfe unterstellt Scheben, im Dunstkreis und zu Diensten von Putins Russland zu stehen. Das ist mehr als Diffamierung. Denn Löpfe liefert, wie könnte es anders sein, als «Beweis» nichts als heisse Luft.

Im Titel hatte Löpfe Scheben als Troll bezeichnet. Troll bedeutet laut Wikipedia:

«Als Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, welche Kommunikation im Internet fortwährend und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion enthalten.»

Eine Definition, die in diesem Fall eher auf Löpfe denn auf Scheben zutrifft. Fast bin ich versucht zu schreiben: Der Verdacht liegt nahe, dass Löpfe Teil der US-Propaganda-Maschinerie ist…

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Löpfe hat sich am Abend des 8. Dezembers für einen Teil seiner Aussagen entschuldigt:

Hier zu seinem ganzen Watson-Text.

Darin schreibt er:

  • Ich habe keine liquiden Beweise dafür, dass Helmut Scheben ein Putin-Troll ist. Die Indizien dafür sind jedoch erdrückend.

Als ersten und wichtigsten «Beweis» führt Löpfe an:

  • Helmut Scheben ist gelegentlich auch Gast beim TV-Sender «Russia Today» (RT), einem üblen Propaganda-Sender, vergleichbar vielleicht mit Fox News, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: In den USA ist Fox News einer von vielen Sendern.

In den USA ist «RT» ebenfalls nur ein Sender unter vielen. Die US-Ausgabe von RT kann man sogar als journalistischer, kritischer und kontroverser einschätzen als «Fox News». Sind etwa alle Interviewten in «Fox News» Propagandisten der US-Politik? Dass Schebens Auftritt beim RT nahelege, dass Scheben ein Putin-Troll sei, ist reichlich abstrus. Namhafte Chefredaktoren, Professoren und republikanische und demokratische Kongress-Abgeordnete lassen sich von RT interviewen. Löpfe kann kritisieren, was Scheben im RT-Interview allenfalls gesagt hat. Das tut er aber nicht.

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*Red. Philipp Löpfe gab dem kritisierten Autor Helmut Scheben die Gelegenheit zur Stellungnahme nur zum pauschalen «Verdacht, er sei Teil der russischen Propaganda-Maschinerie. Wollen Sie dazu Stellung beziehen (es eilt)?». Ein Kritisierter muss jedoch Gelegenheit haben, sich zu den ganz konkreten Vorhaltungen äussern zu können. Was würde Löpfe sagen, wenn wir einen Artikel von ihm zersausen und ihn zuvor lediglich fragen würden: «Was sagst Du zum Vorwurf, Teil der US-Propaganda-Maschinerie zu sein?», ohne dass wir ihm mitteilen, aufgrund welcher Tatsachendarstellungen wir diesen Vorwurf erheben würden?

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf «Stefan Schaer: Pointiertes zu Medien, Politik und Gesellschaft»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Stefan Schaer ist selbstständiger Journalist und Layouter in Bern. Er publiziert auf einer eigenen Webseite.

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2 Meinungen

Wie hätte Herr Löpfe erst reagiert, wenn Herr Scheben in seinem Artikel auch auf die Rolle Israels im Nahen Osten eingegangen wäre, das den IS und andere „Rebellen“ militärisch gegen Syrien unterstützt und medizinisch betreut (wie die Türkei). Ob Herr Scheben, wie es sich nun zeigt, in seinem Artikel aus Selbstschutzgründen nicht darauf eingegangen ist?

Für Herr Löpfe wird wohl alleine schon die Erwähnung des Namens der unabhängigen, freien, verantwortungsbewussten Journalistin, Karin Leukefeld, ein nicht hinnehmbarer Tabubruch gewesen sein. Und schon gar diese Erwähnung: „In ihrem 2015 erschienen Buch «Flächenbrand» beschreibt sie (Karin Leukefeld), wie unabhängige Journalisten mundtot gemacht wurden, wenn sie sich den Bildern widersetzten, die die Leitmedien verbreiteten“.
Ausserdem gab Herr Scheben „RTdeutsch“ ein Skype-Interview.

Solch verantwortungsbewusste, feie Journalisten die den Informationsauftrag gegenüber der Bevölkerung ernst nehmen, sind bei unseren fanatisierten Propagandisten/Demagogen zum Abschuss freigegeben

Ein „Putin-Troll“
Beat Wick, am 09. Dezember 2015 um 16:16 Uhr
"die glücklichen Sklaven, sind die erbittersten Feinde, der Freiheit» (Marie von Ebner-Eschenbach)

In einer Demokratie sind die Medien ein wichtiger Bestandteil. Sie haben primär kritisch die Mächtigen (ob Politik oder Wirtschaft) zu begleiten. Politik wie Wirtschaft haben die breite Bevölkerung via Medien von ihrem Vorhaben, Ideen und Plänen zu überzeugen. Wofür sie aus der Position der Macht ja alle Mittel haben.

Wenn aber Redaktionen ideologisch getrieben (wohl durch einen einseitigen soziologisch/kulturellen Umgang der sich darin befindlichen Medienschaffenden?!) nur noch um Meinungsvermittlung und nicht Meinungsbildung interessiert sind, - treiben sie kritiklose die Macht inne habende vor sich her!
(zB bei Ideologischen Themen wie zZt: Russland, Syrien, Griechenland, ...)


((Wenn die wenigen verbleibenden kritisch/sachlichen Leute (wie M.Lüders, J.Todenhöfer, ...) vor jedem kritischen Einwand sich gezwungen fühlen erst den jeweiligen «Bösen» zu benennen, - mach ich mir Sorgen! M.Lüders zB: erst Assad mehrfach als brutaler Diktator benennen, um danach erst sich zu erlauben kritisch auf westliches Verhalten aufmerksam zu machen. Andersherum kommt ja niemand auf selbe Idee?))
Florian Frey, am 09. Dezember 2015 um 17:21 Uhr

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