Sergio Ermotti, CEO der Grossbank UBS © ArtBasel

UBS storniert alle Inserate bei Finanz+Wirtschaft

Lukas Hässig / 06. Apr 2017 - Die F+W kritisiert seit Jahren die zu dünne Kapitaldecke der Grossbanken. UBS-CEO Sergio Ermotti zu seinem Sprecher: «Mach was».

Dieser Beitrag erschien am 5. April auf «Inside Paradeplatz».

Einst boykottierte SVP-Tycoon Walter Frey alle Medien der Tages-Anzeiger-Gruppe. Das Tagi-Magi hatte eine kritische Autostory gebracht. Das war vor 30 Jahren.

Tempi passati? Nicht für die UBS. Der Bankenkoloss stornierte Anfang dieses Jahres alle bereits reservierten Werbeflächen in der Finanz und Wirtschaft F+W.

Das Wort «Boykott» nimmt die UBS nicht in den Mund

Der Chef der F+W nahm auf Anfrage keine Stellung, die UBS offiziell auch nicht. Aus der Bank war zu vernehmen, dass es keinen Boykott gebe. Vielmehr sei die F+W zu teuer, zudem würden Erfahrungen zeigen, dass die Aufmerksamkeit bezüglich den eigenen Inseraten im Wirtschafts- und Finanzblatt, das zur Tages-Anzeiger-Gruppe Tamedia gehört, zu den schlechtesten zähle.

Dass die UBS wegen kritischer Artikel und auf Befehl von UBS-CEO Sergio Ermotti die Inserate im Print storniert habe, wie in der Medienbranche zu hören ist, gehöre ins «Reich der Verschwörungstheorien».

Man sei mit der F+W weiter im Geschäft, nämlich mit Sponsoring von Anlässen. Zudem würde man zusammen mit anderen Banken auch online bei der F+W Werbung schalten.

Artikel in der F+W haben der UBS nicht gepasst

Die Finanzzeitung fährt seit Jahren einen kritischen Kurs, was die Sicherheit der beiden grossen Banken in der Schweiz angeht. Ihre journalistischen Aushängeschilder erhielten dafür Pressepreise.

Über diese Berichterstattung hatte sich UBS-Chef Ermotti wiederholt enerviert gezeigt. An einem Podium der F+W im Sommer 2015 liess er seiner Wut freien Lauf. Die Schweiz mache viel mehr als alle anderen Länder, was die Vorgaben für genügend Kapital bei den Banken-Multis betreffe. Der emotionale Ausbruch des Bankenchefs kollidierte schon damals mit der Realität.

Ein paar Jahre zuvor hatte die Schweiz zwar tatsächlich eine schärfere Regulierung beschlossen. Doch in der Zwischenzeit hatte das Ausland, vor allem England und auch die USA, aufgeholt. Nun war der «Swiss Finish» nicht mehr herausragend, sondern Durchschnitt.

Eine Expertenkommission des Bundes empfahl auf Grund dieser Entwicklung nicht wie von den Grossbanken erhofft eine Erleichterung bei der Inland-Regulierung, sondern eine Verschärfung. Die Zeitung F+W thematisierte das wiederholt. Das liess sich UBS-Kapitän Ermotti offensichtlich nicht gefallen. Denn kurz nach der Sommer 2015-Veranstaltung stoppte die UBS ein erstes Mal die Inserate für die F+W. Plötzlich blieben die sonst immer eintreffenden Buchungen aus.

Erst 2016 entspannte sich die Lage. Die Grossbank begann, ab und zu wieder Anzeigen in der Zeitung zu schalten. Nicht für lange. Am 7. Januar dieses Jahres publizierte Sergio Ermotti in der NZZ ein Essay. Der UBS-CEO lobte die Tatsache, dass die europäischen Regulierer ‹das ganze Bild› berücksichtigen wollten.

Vier Tage später konterte der Chefredaktor der F+W. Unter dem Titel «Europa ist kein Vorbild» plädierte Mark Dittli – einmal mehr – für eine schärfere Kapitalunterlegung für die CS und die UBS. «Die Vertreter von Nationalbank, Finma, Wissenschaft und Politik, die sich für höhere Eigenmittelanforderungen einsetzen, wollen weder den Schweizer Banken noch der Volkswirtschaft schaden», meinte Dittli. «Aber sie wollen möglichst verhindern, dass Bund und Nationalbank jemals wieder eine Grossbank retten müssen ... Es ist nicht fair, wenn Ermotti ihnen ‹Unwissenheit oder Gleichgültigkeit gegenüber der Bedeutung der Banken für unsere Wirtschaftskraft› vorwirft.»

Der Journalist, der sich das Thema Kapitalausstattung der Schweizer Grossbanken wie kein Zweiter im Land auf die Fahnen geschrieben hat und darin als Experte gilt, kommt in seinem Kommentar zu einem eindeutigen Schluss: «Die Schweiz ist gut gefahren mit der Strategie, in (Too Big To Fail)-Regulierungsfragen global zur Spitzengruppe zu zählen. Es gibt keinen Grund, davon abzuweichen.»

Da riss der Faden. UBS-Chef Ermotti griff noch am gleichen Tag – es war ein Mittwoch – zum Hörer. Seinem Kommunikationschef diktierte er ins Stammheft: Tu endlich was.

Der gehorchte. Die Inserate, die bei der F+W bereits fix gebucht waren, wurden gestoppt. Seither ist die UBS nicht mehr präsent in der Finanzzeitung.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig betreibt die Webseite «Inside Paradeplatz».

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Eine Meinung

Klar kann die UBS da ihre Marktmacht einsetzen. Ich habe schon lange meine Konsequenzen bezüglich Abzockerbänker gezogen. Keine Konten! Keine Aktien! Keine Produkte von diesen!
Marcel Hablützel, am 06. April 2017 um 15:22 Uhr

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