Bad News von der Zürcher Falkenstrasse

Christian Müller © aw
Christian Müller / 12. Mär 2015 - Die Wahl des neuen Chefredaktors der NZZ bestätigt die Prognose: der VR wünscht sich die NZZ politisch noch mehr rechts.

Soll ich mich freuen darüber, dass ich mit meiner seit drei Jahren gestellten (und auf Infosperber publizierten) Prognose, die NZZ rutsche mehr und mehr nach rechts, recht hatte? Es wäre mir lieber, meine Befürchtungen hätten sich nicht bewahrheitet.

Nun also doch. Nach dem gescheiterten Versuch des NZZ-Verwaltungsrates, den Christoph Blocher-Intimus Markus Somm von aussen in die NZZ-Chefredaktion zu hieven, war klar, dass nun ein interner Mann her musste. Und wer drängte sich da auf?

Natürlich, Martin Meyer, der Chef des Feuilletons, ein sich in den letzten Jahren immer deutlicher als Karriere-Opportunist outender Kadermann, wäre eine Option gewesen. Dass er bei der Somm-Übung hinter den Kulissen bzw. beim wöchentlichen Rotary-Lunch in Zürich mitgemischelt hat, hat ihn intern wohl zur Persona non grata werden lassen. Also waren noch zwei, die in Frage kamen: Inlandchef René Zeller, der PR-erfahrene FDP-Mann, und Eric Gujer, der bereits vor anderthalb Jahren zum NZZ-Auslandchef avancierte Nato-, USA- und Israel-Anbeter.

Nun sind die Würfel gefallen. Die Würfel? Nein, diese Wahl war mit Sicherheit nicht das Resultat von zufällig zu liegen kommenden Würfeln. Diese Wahl bestätigt – leider –, dass auf jeden Fall ein Rechtsaussen als neuer Chef her musste, wenn nicht von aussen, dann halt von innen.

Für Eric Gujer zählt nur die militärische Stärke

Schon einen Monat nach seiner Ernennung zum Auslandchef der NZZ vor anderthalb Jahren schrieb Eric Gujer einen programmatischen Leitartikel auf der Samstags-Frontseite der NZZ. Die künftig einzuschlagende Gesinnung der NZZ erläuterte er anhand des Nahen Ostens. Der Westen müsse endlich wieder mehr zu Israel halten – aus Stabilitätsgründen. Denn Israel sei militärisch so stark wie nie zuvor und sei ungefährdet. «Netanyahu, ohnehin Gegner eines souveränen Staates im Westjordanland», so schrieb Gujer damals wörtlich, «hat keinen Anreiz, sich kompromissbereit zu zeigen. Die israelische Politik der Abschottung funktioniert. Seit dem Bau einer Mauer entlang der grünen Linie ist die Zahl terroristischer Anschläge in Israel drastisch zurückgegangen. ( ) Die Ungewissheiten des «arabischen Frühlings» und das wachsende soziale Ungleichgewicht im eigenen Land beschäftigen die Israeli intensiver als die Nachbarn jenseits des Sperrwerks. Die periodischen Warnungen vor einer dritten Intifada schrecken niemanden mehr. Selbst die aus dem Gazastreifen abgefeuerten Raketen sind nur eine Plage, aber keine echte Bedrohung.»

Und dann, als Israel letztes Jahr erneut Gaza zu bombardieren begann und unendliche Verwüstungen hinterliess: verurteilte Eric Gujer konsequenterweise nun Israel, da die Raketen aus Gaza ja gar keine Gefährdung, sondern nur noch eine «Plage» waren? Nein, natürlich nicht, im Gegenteil. Er verteidigte Netanyahu, dem, wörtlich, «fälschlicherweise der Ruf eines Hardliners anhängt.» «Für das jüngste Blutvergiessen gibt es jedoch einen eindeutigen Verantwortlichen – die Hamas.» So einfach ist das für den neuen Chefredaktor der NZZ.

Und der Konflikt in der Ostukraine? Weil 99,9 Prozent der NZZ-Leserinnen und -Leser mangels Kenntnissen in russischer Sprache weder die ukrainischen Medien noch die russischen direkt konsultieren können, konnte es sich der bisherige NZZ-Auslandchef Eric Gujer leisten, eine so einäugige Berichterstattung und Kommentierung zu liefern, wie es sich dies sonst nur eine Monopol-Zeitung leisten kann. Allein schon die Auswahl, worüber die NZZ im Ukraine-Konflikt berichtet hat, zeigt in aller Deutlichkeit: Hauptsache, die jetzige ukrainische Regierung ist Nato- und USA-minded. Ist es für Eric Gujer ein Problem, dass der heutige Präsident der Ukraine Petro Poroschenko schon unter dem russlandfreundlichen Präsidenten Janukowytsch Wirtschaftsminister war und mit einem geschätzten Privat-Vermögen von 1,6 Milliarden US-Dollar (!) zu den zehn reichsten Oligarchen der Ukraine gehört? Kein Kommentar. Ist es für Eric Gujer ein Problem, wenn eben dieser Präsident einen US-Investment-Banker innerhalb von 24 Stunden einbürgert und zum Minister ernennt? Eine siebenzeilige Agenturmeldung musste genügen. Und ist es für Eric Gujer ein Problem, dass dieser Oligarch Petro Poroschenko weder gegen die Korruption noch gegen die Vetternwirtschaft noch gegen die Ausbeutung der breiten und sehr armen Bevölkerung durch eben diese Oligarchen je etwas unternommen hat? Natürlich nicht. Hauptsache, er ist, wie sein Premier Arsenij Jazenjuk, vornedurch EU-freundlich und in der Realität ein USA-Vasall. Das genügt.

Wohlverstanden: Nicht die kritische Haltung gegenüber Russland und speziell gegenüber Putin sei hier kritisiert: da ist eine kritische Haltung selbstverständlich angesagt. Das Problem des neuen NZZ-Chefredaktors ist seine unkritische, nein: seine blinde Haltung gegenüber der in allen Ränkespielen versierten Machtpolitik der USA. Was von den USA und von der Nato kommt, ist unser Heil, Verlass ist nur auf militärische Stärke. Schiessen ist besser als Verhandeln, Krieg ist besser als Friede, was zählt ist «Stabilität» – Stabilität basierend auf militärischer Stärke, und dies in Israel, in der Ukraine, wo auch immer.

Dem VR sei gratuliert

Wenn es dem Verwaltungsrat der NZZ darum ging, die NZZ politisch weiter nach rechts zu dirigieren, hat er mit der Ernennung Eric Gujers zum neuen Chefredaktor zweifellos eine seinen Zielen dienende Wahl getroffen. Es ist einfach zu hoffen, dass die NZZ-Abonnenten ihrer eigenen Haltung ebenso konkret Ausdruck verleihen. Kleiner Vorschlag: Man kann eine NZZ auch mit einem Hausnachbarn teilen und damit, NZZ am Sonntag inklusive, CHF 396.50 im Jahr sparen. Eine NZZ unter Chefredaktor Eric Gujer ist auch am Abend oder erst am folgenden Tag noch zu lesen, soweit sie noch lesenswert ist. Oder man kann fürs gesparte Geld zusätzlich die Süddeutsche Zeitung als E-Paper abonnieren (EUR 347.88). Damit man die Welt um die Schweiz herum wenigstens mit zwei Augen anschauen kann.

PS: In Anbetracht der Gujerschen Nahost-Perspektive ist auch Haaretz in Tel Aviv eine interessante Ergänzung und Alternative, allerdings in Englisch. Ein Online-Abo kostet 100 US$ pro Jahr.

PS 2: Im nachhinein fragt man sich: War vielleicht schon der Wechsel von Auslandchef Martin Woker zu Eric Gujer im Sommer 2013 der Wunsch von oben? Martin Woker hatte sich zum Beispiel im Nahen Osten noch redlich bemüht, die Konflikte von mehreren Seiten zu beleuchten. Zwischenzeitlich ist seine Stimme kaum mehr zu vernehmen, obwohl er im Impressum der NZZ unter «Autoren» noch figuriert.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Eric Gujer: Wir sind neoliberal (Interview im TagesAnzeiger)
NZZ-International geht auf Stabilitätskurs (auf Infosperber)
Die NZZ rückt sichtbar nach rechts (auf Infosperber)
NZZ: ... angeblich für den Frieden (auf Infosperber)
NZZ-Chefredaktor gefeuert – es verheisst Übles
Wie die Ukraine ausgebeutet wird (Echo der Zeit vom 11. März 2015)

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17 Meinungen

Es ist alles eine Frage der Perspektive! Strammer Europakurs, Huldigung der USA und Russland-Bashing à gogo, ja dann stimmt der Kurs. Es fragt sich allerdings, ob damit neue Leser (Print und Digital) gefunden werden können, denn Mainstream-Meinungen gibt es in Hülle und Fülle!
Beda Düggelin, am 12. März 2015 um 11:42 Uhr
Warum haben Sie Chefredaktor Markus Spillmann überhaupt ersetzt, hat Ihnen sein Bart nicht gefallen, haben Sie etwas gegen Bärte? Da sind Sie auch den Aktionären nich eine Antwort schuldig.
Beda Düggelin, am 12. März 2015 um 11:48 Uhr
Welchen forschenden Menschen kuemmert es, wer Chefignorant der NZZ ist? Mit rechts und links hat das nicht das Geringste zu tun. Vogel Strauss hat den Kopf im Sand, unbeachtet, ob rechts Osten oder Westen ist.
Wer auch nur ein bisschen Bescheid weiss, was in der Welt wirklich laeuft, bekommt solche Hirn- Hals- und Herzschmerzen, wenn er den Auslandteil der NZZ liest, dass er Solcherlei, NZZ lesen meine ich, in der Folge unterlaesst.
Sollen sich doch die CIA und Konsorten - Abschreiber im kleinen Kreise unter sich ihrer Weltsicht erfreuen.
Wirklich.
Wen kuemmert noch eine NZZ, ein TA, eine FAZ, eine SD? Auslandteile: Abgeschrieben. Und das, was man wissen muesste, um sich ein richtiges Bild zu machen: Verschwiegen. Die Blaetter sind Meister im Nichtsagen. Blanke Luege ist kein Problem. Beispiel: Die Krim wurde annektiert. Luege.

Bitte mal Udo Ulfkotte folgen. Der hat 15 Jahre lang bei der FAZ das gemacht, was ich eben beschrieb: Verantwortungslos inseitig geschrieben und das Wichtige verschwiegen. Er ist vom Saulus zum Paulus geworden und erzaehlt, wie, auf welche Weise die Journalisten eingeseift werden.
Thomas Ramdas Voegeli, am 12. März 2015 um 12:24 Uhr
Ach Christian, you are barking up the wrong tree, oder auf gut Deutsch: Du bist auf dem falschen Dampfer. Um Politik geht‘s doch gar nicht bei der Ernennung Eric Gujers zum Chefredaktor der NZZ. Es erklärt die Redaktorinnen und Redaktoren der NZZ zu Marionetten, wer von ein paar Leitartikeln und Kommentaren des Chefredaktors die politische Ausrichtung der Gesamtredaktion abzuleiten versucht. Eric Gujer, selbst wenn er wollte, kann die Traditionen und Gepflogenheiten des Hauses NZZ, beispielsweise die starke Stellung der Ressortchefs, nicht von heute auf morgen liquidieren – ganz abgesehen davon, dass der neue Chefredaktor in seinen Auslandkommentaren ja nur die proisraelische und proamerikanische Linie fortsetzt, die unter dem früheren Auslandchef Hansruedi Kamer üblich war. Zum andern ist Gujer nur einer im neuen Führungskollektiv. Zuständig für NZZ.ch und neue digitale Produkte ist die Neue, die Österreicherin, was, ungeachtet aller bildlichen Selbststilisierung Gujers zum Primus inter pares, diesem fast nur die Chefredaktion des Auslaufmodells NZZ-Tageszeitung als Spielwiese übrig lässt. Auch dies deutet darauf hin, dass es dem NZZ-Verwaltungsrat nicht um Politik oder die „richtige“ parteipolitische Linie des Blattes geht, sondern um eine neue Haltung gegenüber dem Medienwandel, um eine stärkere Verwurzelung des Unternehmens im Digitalen. Was wohl nur von Aussenstehenden und Newcomern, und nicht von Dinosauriern des Gedruckten, geleistet werden kann.

Antwort von Christian Müller:

Geschätzter "alter" Kollege, lieber Anton
Erlaube mir zuerst eine Frage: Wenn man nach Dir googelt, kommt das übliche Feld des NZZ-Impressums, gemäss dem Du Mitglied der NZZ Redaktion International bist. Geht man aber ins heute gültige Impressum, in dem auch Eric Gujer bereits als Chefredaktor aufgezeichnet ist, findet man Dich im Ressort International nicht mehr. Und Du schreibst auch nicht mit einer NZZ-Email-Absender-Adresse. Bist Du schon out, obwohl noch nicht 65? Mich interessiert es natürlich, ob Du Deinen Chef oder nur einen alten Kollegen verteidigst.

Zu Deiner Argumentation: Als Leser der NZZ interessiert mich nicht, ob einer Verständnis für die neuen Technologien hat. Einer, der am Samstag Leitartikel auf die NZZ-Frontseite setzt, interessiert mich wegen der Meinungen, die er darin vertritt. Und diese messe ich als promovierter Historiker an dem, was die Geschichte an Erfahrungen und Lernbarem bietet. Aus dieser Sicht sind die Kommentare von Eric Gujer verheerend und verhängnisvoll.

Dass Eric Gujer in Sinn und Geist die Tradition von Hansruedi Kamer weiterführt, ist auch keine Entschuldigung. Kamer hat im Jahr 2003 den Angriff der USA auf Irak ausdrücklich gutgeheissen. Heute wissen wir, welch desaströse Folgen dieser Angriff auf den Irak und die umliegenden Länder hatte.

Es steht Dir selbstverständlich frei, die Kommentierung Deines alten NZZ-Kollegen gut und erfreulich zu finden, so wie ich sie schlecht und bedauerlich finde. Aber vermische das bitte nicht mit anderen Aufgaben des Chefredaktors, speziell nicht mit dem Umbau auf die digitalen Plattformen. Dafür wäre ein 40jähriger eh besser geeignet als ein über 50jähriger Mann, und wenn er kommerziell erfolgreich sein will, darf er keine Hemmungen haben, statt guten Journalismus Bücher, Wein, Hörnli und Auto-Occasionen zu vertreiben, so wie das andere Grossverlage tun. Mit Gewinn, notabene, aber mit ihren Leserinnen und Lesern als Opfer der neuen Strategie.

Mit kollegialem Gruss

Christian
Anton Christen, am 13. März 2015 um 13:13 Uhr
@Dominik Roelli: Es geht nicht darum, Eric Gujer frühzeitig als neuen Chefredaktor antizipiert zu haben, es geht weiterhin um die Zukunft der NZZ: «To be or not to be, that´s the question!» Im zweiten Teil gehe ich mit Ihnen einig, Deutschland dürfte ein äusserst schwieriger Markt für die NZZ sein, das haben auf anderem Gebiet ja auch unsere Grossbanken erfahren!
Beda Düggelin, am 13. März 2015 um 16:32 Uhr
Zu Christian: Das muss ein recht altes NZZ-Impressum sein, in dem Du mich gefunden hast. Ich arbeite nicht mehr für die NZZ, sondern beziehe von der (fremdverwalteten) NZZ-Pensionskasse eine Rente. Beeinträchtigt das in Deinen Augen meine Urteilsfähigkeit? Gut, ich bekenne, dass mir das Schicksal meines früheren Arbeitsgebers im Sturm des Medienwandels nicht ganz gleichgültig ist, obwohl mich News und ihre Kommentierung nur noch am Rande interessieren (einzige Ausnahme: Hogenkamps Niuws). Mich fasziniert, wie das Unternehmen NZZ teils tollpatschig (siehe die De-facto-Entlassung Spillmanns), teils clever (die Lancierung von nzz.at) versucht, auf Inserateneinbussen, Auflagenschwund und veränderte Lesegewohnheiten (den total individualisierten, unübersichtlich gewordenen Lesermarkt) zu reagieren. Mit der personellen Entflechtung der Positionen „Chef Digital“ und „Chef NZZ Print“ hat das Unternehmen einen meines Erachtens richtigen und überfälligen Schritt getan. Lässt sich das sinnvoll mit dem Etikett „Rechtsrutsch“ versehen? I doubt it very much. Oder liest Du eigentlich die NZZ nur, um Deine Vorurteile bestätigt zu bekommen?

@Anton Christen: Du kannst es selber überprüfen. Gibt man in Google Anton Christen NZZ ein, so erscheint der lachende Anton Christen aus dem NZZ-Impressum. – Ich lese die NZZ, neben anderen Tages- und Wochenzeitungen, auch aus Deutschland und anderen Ländern, weil mir die Entwicklung unserer Gesellschaft Sorgen macht und weil ich überzeugt bin, dass wir mit dem vorherrschenden Neoliberalismus die Menschheit schon bald an die Wand fahren. Das gilt es zu verhindern. cm
Anton Christen, am 13. März 2015 um 18:03 Uhr
Zitat: «Bad News von der Zürcher Falkenstrasse: ... der VR wünscht sich die NZZ politisch noch mehr rechts. «

Ich sage: Good News!

So sehe ich das als Nicht-Journalist und Konsument verschiedener Medien im In- und Ausland. Für meinen Geschmack gibt es in der Schweiz viel zu viele linke Medien. Was beide Seiten, links und rechts, mittlerweile gemeinsam haben, ist das Fehlen guter Recherche und die Unterstützung der Schweiz gegen aussen. Dass sich die verschiedenen Journalisten spinnefeind sind, liegt wohl in der Natur der Sache. Dazu kann ich nichts beitragen. Aber wenigstens gegen die Restwelt (speziell die EU) sollte man als Journalist/in CH-Farbe bekennen und die Schweiz nicht schlechter machen, als sie ist. Hier sehe ich die NZZ als führendes Blatt. Die meisten anderen Blättchen jammern ihr täglich Klagelied gegen unsere Wirtschaft. Dass ist nicht nur naiv, sondern auch geschäftsschädigend.

Noch was zu Russland, USA und die Nato. Die USA ist die Nato. Europa hat gar keine Armee mehr. Ob die Ukraine zu Russland gehört, darf man die Ukrainer ruhig selber fragen. Natürlich müssen sie sich vorher die Illusion eines EU-Beitritts abschminken. Wird nämlich nicht passieren, ein EU-Beitritt. Der Status quo ist für die USA und Russland ganz ok. Die Ukraine ist ein Puffer zwischen den beiden. Dass sich verschiedene Schweizer Medien für Sanktionen gegen Russland stark machten, zeigt wie naiv ihr Denken ist.
Zu Israel: Wir sollten aufhören, Israel reflexartig zu unterstützen.
Renato Stiefenhofer, am 14. März 2015 um 10:27 Uhr
@Renato Stiefenhofer: Bravo, Ihre Meinung deckt sich praktisch in allen Belangen mit meiner Wahrnehmung! Nur eine kleine Anmerkung zur Europa-Frage. Absolut einver-standen, die Schweiz sollte ihr Licht bei Verhandlungen nicht unter den Scheffel stellen, wir haben genügend Gründe, stark aufzutreten und uns nicht «Hinunter-markten» zu lassen, wir sind nicht Griechenland! Die NZZ tut gut daran, dies wahrzunehmen und auch auszusprechen, für mich ist der Kurs zu europafreundlich, da muss sich die NZZ ändern, ob dies geschehen wird, bleibt äusserst fraglich.
Absolut Super-Kommentar zu Russland, USA und die Nato. Sanktionen gegen Russland? Wo sind wir eigentlich, die Schweiz ist souverän, neutral und Nicht-Nato-Mitglied. Da haben Sanktionen gegen Russland gar keinen Platz! Ja, so ist es, wie Sie schreiben und auch die reflexartige Unterstützung Israels ist zuviel des Guten!
Beda Düggelin, am 14. März 2015 um 11:29 Uhr
@ Renato

"Wir sollten aufhören, Israel reflexartig zu unterstützen."

Ich doppele nach, indem ich nur die Erinnerung erfrische. Die Laendereien Israels wurden geraubt. Die ansaessigen Palaestinenser wurden im lockersten Fall vertrieben, im nicht ganz lockersten Fall umgebracht, im noch weniger lockeren Fall Behandlungen unterzogen, welche ich hier nicht auffuehre.

Um des weiteren zu vermeiden, im Sperber von einem lieben (Desinfo-) Kommentator des Verschwoerungstheorien - Verrueckten - Verfallenen bezeichnet zu werden, verzichte ich darauf zu vermerken, welche lieben Leute hinter dem Projekt «Israel» standen und stehen.

Es ist in der Tat egal, wer dahintersteht. Die Tatsache ist: Palaestinenser wurden unter Traenen, Qual und Leid von ihrer Scholle vertrieben, und die heutigen ach so lieben guten immer zu vollstem Unrecht schlecht gemachten Jesuslandhueter Israeli, sie fuehren es fort. Schon mal was von Gaza gehoert? Eben.

Indes wir Schweizer (Maden im Speck - nur verkennen wir, dass der Speck extra ausgelegt wurde, um uns in absolut truegerischer Sicherheit zu wiegen und Selbstgefaelligkeit zu baden), indes wir Schweizer schoengeistige Gespraeche fuehren ueber Gut und Boese in der Welt da draussen, geschehen in unserem Lande hinter verschlossenen Tueren Kapitalverbrechen. Nur nebenbei.

Gaza?? Weeit weg. Moecht mal in einem qualitaetsfreien Blatt wie NZZ was Fundiertes ueber Israel und Palaestina lesen. NZZ? Ausschliesslich auflageorientiert.
Thomas Ramdas Voegeli, am 14. März 2015 um 13:19 Uhr
Habe noch einen interessanten Link gefunden:

https://twitter.com/sarsarsar/status/576725386811305984?cn=cmVjb3NfbmV0d29ya19kaWdlc3RfYWI%3D&refsrc=email

Arbeitet dieser Mann nicht auch für die NZZ, ist er nicht auch einer von ihnen?
In Medias RAS.

In Medias NZZ?
Beda Düggelin, am 14. März 2015 um 18:33 Uhr
Danke! Das war ein echtes Vergnügen den Artikel und die Kommentare zu lesen! Man weiss ja vor lauter Russland-Bashing und den Bücklingen vor USA, NATO, EU, Israel manchmal kaum noch, wo einem der Kopf steht.
Ruth Obrist, am 15. März 2015 um 15:38 Uhr
@Lahor Jakrlin: Da tun Sie wohl Infosperber völlig unrecht! In den Spiegel schauen, das wäre angebracht, aber das tut leider «meine NZZ» auch nicht! Wir bekommen einen Einheitsbrei vorgesetzt, dies ist nicht de Stoff aus dem die Träume sind. Wir brauchen keinen Amerikanismus, keine Nato-Politik, kein SVP-Bashing, wir brauchen kompetente Journalisten, welche in der Lage sind, zu differenzieren. Ich bin weiss Gott mit Christian Müller und Urs Gasche nicht imemr gleicher Meinung, aber gerade in diesem Punkt sind wir uns einig. Die NZZ muss endlich kritischer, auch Amerika- und Nato-kritischer, auch Europa-kritische werden. Über das Verhältnis der NZZ zur SVP ganz zu schweigen! Ansonsten die Geschichte durchaus schlecht ausgehen könnte für uns alle, sowohl innen- als auch aussenpolitisch! Übrigens hat der «Tagi» den neuen Chefredaktor wohlwollend begrüsst!
Aber Res Strehle, auch HSG-Absolvent (was viele wohl nicht glauben) war Eric Gujer wohlgesinnt, er geht ja alsbald in Pension!
Beda Düggelin, am 16. März 2015 um 14:01 Uhr
@Herr Jakrlin: äusserst interessant, was Sie hier schreiben! Auch Ihre Lesereihenfolge ist speziell. Der Tagi hat praktisch mit der NZZ gleichgezogen, aber über Res Strehle, wir waren zur gleichen Zeit an der HSG, habe ich ja schon berichtet. Er hat sich ja bereits bei einem Panelgespräch an der Uni Zürich für die Berichterstattung bezüglich Masseneinwanderungsintiative entschuldigt, warum eigentlich?
Leider wird die NZZ immer mehr zum Berichterstattermedium, Kommentare der Redkatoren fallen weg, weil man sich politisch nicht exponieren will. Doch auch die NZZ ist eine politische Zeitung, der FDP nahestehend, sonst würde sie nicht andauernd SVP-Bashing betreiben!
Linksliberal ist ein weiter Begriff, es gibt linkere und rechtere Linksliberale. Und was heisst überhaupt liberal? Liberal ist ein Feigenblatt um zu bekennen, dass man nicht kosnservativ sein will. Ist nun die NZZ im 236. Jahrgang nicht mehr konservativ?
Wenn sie dies nicht mehr sein will, dem Mainstream zuliebe, wird sie keine Zukunft mehr haben. Linksliberale Medien gibt es mehr als genug!
Nun sind Sie dran, wie liberal und wie links sind und waren nun Markus Spillmann und Eric Gujer? Warum wurde Markus Spillmann überhaupt ersetzt?
Beda Düggelin, am 16. März 2015 um 14:30 Uhr
Wunderbar, die Diskussion!!
Und was man nicht wahrhaben will (K.B.), das tut man als Verschwörungstheorie ab. Das ist alt bewährte Taktik.
Ruth Obrist, am 16. März 2015 um 14:54 Uhr
@Herr Jakrlin: Ihre Kommentare heben sich punkto Inhalt erfreulich von anderen Blogbeiträgen ab, sehr gut! Ich finde Ihre Argumentation sehr passend und gar erhellend! Wir unterscheiden uns nur geringfügig, indem ich mir mehr Profil einer Zeitung wünsche und dies erfordert Stellungnahme und Kommentar. Die Lesenden werden aufgrund dieser Kommentare ihr eigenes Probil schärfen! Schliesslich wünschen ja auch Sie sich eine NZZ, welche die echten liberalen Werte verteidigt und da stellen ja auch Sie fest, dass Kommentare eben doch notwendig sind.
Beda Düggelin, am 16. März 2015 um 15:35 Uhr
@Herr Jakrlin: Ihre Fragen sind ausgezeichnet. Ich könnte ins letzte Detail gehen, möchte aber nicht zu lange werden! Damit andere Leser nicht meinen, ich möchte mich verstecken, hier die Antwort zu Ihren beiden letzten Fragen:
Ich bin mir nicht sicher, ob das Publikum von Infosperber so einseitig gefärbt ist, etwas USA-, Israel- und Nato-Kritik muss sein, dies hat gar nichts mit dem Links-Rechts-Schema zu tun, da können sich eben die Geister selbst bei der NZZ scheiden, auch wenn man sich dem Lager der NZZ nahestehend fühlt.
Ich denke Christian Müller ist ein kritischer Geist und das ist gut so. Wichtig ist der Diskurs, die Auseinandersetzung: niemand hält uns davon ab, über die Zeit klüger zu werden, sagte schon Konrad Adenauer!
Beda Düggelin, am 16. März 2015 um 16:35 Uhr
1999, vor dem ominösen 9/11, der die Rechtfertigung für den Überfall auf Afghanistan und Irak abgab, habe ich Brzezinskis Schachbrett-Theorie von der Einzigen Weltmacht gelesen. Obwohl die Schachfelder Nahost, inklusive Israel, und Zentralasien darin ausgelassen sind, ist die amerikanische Strategie der Vorherrschaft so genau dargelegt, dass mir seither alles klar ist. In diesem Sinne wird Eric Gujer die NZZ weiterführen, nehme ich an. Für die Interessen der USA, der NATO, EU, Israels.
Danke für die Links von Olivier Bregy!
Ruth Obrist, am 17. März 2015 um 09:40 Uhr

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