Prof. Ernst Fehr stellt sich vor als Direktor des «UBS International Center» (2012) © UBS

Prof. Ernst Fehr stellt sich vor als Direktor des «UBS International Center» (2012)

1:12-Initiative: Ein schwaches Stück Journalismus

Kurt Marti / 30. Okt 2013 - Dass sich Professor Ernst Fehr von der UBS sponsern lässt, wird verschwiegen. Auch die gestellten Fragen sind schwacher Kaffee.

In einem fast seitenlangen Interview im «Tages-Anzeiger» und im Berner «Bund» wird Ernst Fehr als «Wirtschaftsprofessor an der Universität Zürich» vorgestellt. «1:12 ist der falsche Weg, um Gerechtigkeit herzustellen» wird er im Titel zitiert. Leserinnen und Leser erfahren nicht, dass Fehr an der Universität dem «UBS International Center» vorsteht, das von der Grossbank mit Millionen gesponsert wird, deren Exponenten in den vergangenen Jahren vor allem mit horrenden Salären aufgefallen sind. Fehrs Ziel ist es, die Anliegen der Wirtschaft in der Gesellschaft verständlich zu machen: «Die Wirtschaftswissenschaft soll in der Gesellschaft etwas zu sagen haben...Die Wirtschaft soll sich mit der Gesellschaft verbinden.»

In die Rolle der Gegenposition schlüpfen

Die Autoren des TA- und Bund-Interviews Janine Hosp und Stefan Häne, unterschlugen nicht nur des Professors UBS-Connection, sondern versagten auch auf der ganzen Linie als Interviewer. Sie zeigten keine Lust, den Professor mit den Argumenten der 1:12-Befürworter herauszufordern.

Dabei ist es die Rolle der Journalisten, bei solchen Interviews über kontroverse Themen die Befragten mit den jeweils besten Gegenargumenten zu konfrontieren: mit denen der 1:12-Gegner, wenn sie es mit einem Initiative-Befürworter zu tun haben, und mit den Argumenten der 1:12-Befürworter, wenn es sich um einen Initiativ-Gegner wie in diesem Fall handelt. Wenn Journalisten nicht in der Lage sind, sich in die Position anderer Personen zu versetzen, dann haben sie ihren Beruf verfehlt.

Nur wenig ausgebildete, kaum erfahrene und schlecht bezahlte Jungjournalisten von Lokalradios halten einfach das Mikrofon hin. «Tages-Anzeiger» und «Bund» konnten es sich sogar leisten, dass zwei Personen das Interview führten: Eigentlich eine gute Voraussetzung, um den Befragten etwas in die Zange zu nehmen.

Und das waren die Fragen

Kritik soll belegt sein. Am besten lesen Sie das Interview selber nach. Hier die heissesten Fragen daraus:

Eingangsfrage: «Geht es um Gerechtigkeit oder um Neid?» Als offene Anfangsfrage OK.

Nächste Fragen:

«Was zeigen Ihre Forschungen?» Die Journalisten müssten die Antwort kennen und kritische Fragen dazu stellen.

«Wie viel Ungleichheit erträgt eine Gesellschaft?» Fehr kann diese Allerweltsfrage in elf Zeilen beantworten.

«Leben wir in der Schweiz in einer ungerechten Gesellschaft?» Statt dies zu fragen, könnten die Journalisten dies mit einem schlagenden Argument zu belegen versuchen.

«Bestehen zwischen der Schweiz und den USA kulturelle Unterschiede?» Falls die Leserinnen und Leser bei dieser Frage noch nicht eingeschlafen sind: Ja, es bestehen.

«Trotz Millionensalären: Insgesamt geht es den Schweizern doch gut?» Eine Suggestivfrage, die zeigt, dass die Journalisten dem Professor gar nichts entgegenhalten wollen.

«Warum wird bei den hochbezahlten Sportstars wie Roger Federer keine Lohngleichheit gefordert?» Ein Argument der Initiativ-Gegner wie Fehr einer ist, nicht der Befürworter. «Hier spielt der Markt», lehrt der Professor. Mit dem «Markt» rechtfertigten auch die CEOs der Banken ihre unverschämten Einkommen.

An dieser Stelle getrauen sich die fragende Redaktorin und der fragende Redaktor im Interview zum ersten Mal eine Gegenposition einzunehmen: «Aus der Warte der Gerechtigkeit kassiert aber Federer viel zu viel.» Der Professor meint, das «kann jemand so sehen» und plädiert für eine verschärfte Progression der Einkommenssteuer, nur, winkt er ab, wären davon «weit grössere Teile der Bevölkerung betroffen».

Jetzt wagen die Fragenden sogar den Einwand, dass «Ökonomen wie etwa der deutsche Heiner Flassbeck dies anders sehen». Allerdings erfährt die Leserschaft nicht ein einziges Argument dieses Flassbecks, so dass Fehr irgendetwas antworten darf. Es endet damit, dass die 1:12 eine «klassisch populistische Initiative» sei.

Dann wollen die Journalisten ihre Meinung bestätigt sehen: «Ist also doch der Neid Triebfeder der Jungsozialisten?» Dies will nun der Professor doch nicht so direkt behaupten und fragt zurück «Was ist Neid?», worauf die Journalisten für einmal insistieren: «Sagen Sie es uns!» Und tatsächlich bekommen sie fast die Antwort, die sie wünschen: «Vielleicht ist es Neid», räumt der Professor ein. Das heisst «vielleicht» eben auch nicht. Kinder zum Beispiel wollen eine gerechte Verteilung, schiebt Fehr nach. Das führt zur nächsten Suggestivfrage: «Also diskreditieren die Gegner die Juso zu Unrecht als Neider?». Diplomatisch meint der Professor: «Diese Wertung überlasse ich Ihnen.» Er selber glaube, dass es «vielen Befürwortern tatsächlich um Gerechtigkeit» geht. «Aber es ist der falsche Weg, um Gerechtigkeit herzustellen.»

Es folgen noch zwei weitere Fragen über den Neid (!), und eine dritte, ultimative zum Neid bringt den Professor endgültig in Verlegenheit. Frage: «Hat der Neid zugenommen?» Antwort «Es gibt dazu keine Daten».

Wie einfach es doch sein kann, ein Interview über ein kontroverses Thema zu führen. Da kann man wirklich vor Neid platzen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Professor Fehr stellt sich vor als Direktor des «UBS International Center»
Zum UBS-Sponsoring an der Universität Zürich
Zum Wissenschafts-Sponsoring an der Uni Zürich

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12 Meinungen

Die Foto zeigt den Professor nicht in einem Gebäude der UBS, sondern in einem oberen Stockwerk unterhalb des Lichthofes der Universität Zürich. Die Professoreninterviews im TAGI waren flächendeckend schwach, erst recht diejenigen, welche sich für die dilettantisch formulierte 1 zu 12-Initiative ins Zeug legten. Es bestätigt sich bei diesen Verlautbarungen weniger, dass diese Professoren ihren Lohn nicht wert wären, sondern das Dilemma, welches der Soziologe Max Weber in seiner Vorlesung «Wissenschaft als Beruf» formuliert hat. Der Satz «Politik gehört nicht in den Hörsaal", meint nicht dümmliche und nichtsbringende Politikabstinenz, sondern ein tatsächliches Strukturproblem des Intellektuellen als beamteter Professor. Dieses Problem besteht auch dann, wenn man nicht mit der UBS usw. verbandelt ist. Es ist grundsätzlicher Natur.

Ein Professor der Wirtschaft und der Politik hat die Probleme zu verstehen und so genau wie möglich zu beschreiben, wiewohl eine absolute Objektivität nicht möglich ist. Es liegt aber nie an ihm, eine Abstimmungsparole herauszugeben. Sobald zum Beispiel der Staatsrechtler Carl Schmitt, der ähnlich viel wie Machiavelli und Thomas Hobbes von Politik verstand, sich zur Formulierung hergab: «Der Führer schützt das Recht» (Nach den Morden v. 30. Juni 1934) - war er von diesem Augenblick an kein Wissenschaftler mehr, sondern ein Politiker, und zwar mit hoher und höchster Verantwortung. Desgleichen ist jede Abstimmungsempfehlung eines Wissenschaftlers eine politische Handlung, und zwar eine rein politische Handlung.

Um es militärwissenschaftlich zu sagen: Die Aussage «Ohne Lufthoheit keine strategische Sicherheit» oder ähnlich darf nicht zur Parole für oder gegen den Gripen verlängert werden, ohne unwissenschaftlich zu werden. Die Parole muss den Politikern überlassen werden, in der Schweiz den Organisationen der Stimmbürger. Desgleichen sind und waren Professoren für Finanz und Wirtschaft etwa zur Minderinitiative oder zu 1 zu 12 nicht parolenkompetent. Sie können allenfalls sagen: die Minder-Initiative schlägt Regulierungen vor, die eher als Selbstregulierung der Aktionariate von börsenkotierten Firmen gesehen werden können, während 1 zu 12 eine klar etatistisch-sozialistische Regelung vorschlägt. Im Sinne reiner politischer Beschreibung kann man sagen: 1 zu 12 spricht Menschen mit sozialistischen Orientierungen an, während die Minder-Initiative, wie das Studium von 5000 Zuschriften an Minder empirisch belegt, das marktwirtschaftlich orientierte Kleinbürgertum anzusprechen vermochte. Aus diesem Grund wurde die Minder-Initiative angenommen, während 1 zu 12 mutmasslich verworfen wird. Eine wissenschaftliche Einschätzung geht immer davon aus, dass die entsprechende Aussage falsifiziert werden kann. Diese Verifikation oder Falsifikation findet am 22. November statt. Es gibt in der Politik keine Wahrheiten, bloss Entscheidungen, die man dann hoffentlich auch wieder mal korrigieren kann.
Pirmin Meier, am 31. Oktober 2013 um 15:13 Uhr
Der UBS-Professor Fehr argumentiert schwach. Das ist der Untergang der öffentlichen Hochschulen. Transparenz und Gewaltenteilung sind zu retablieren. Die Menge der Forschung kann kein Kriterium sein. Wann greift die Bildungsdirektorin klärend ein?
ruedi meier, am 31. Oktober 2013 um 19:39 Uhr
Dass der Neidvorwurf als Verunglimpfung gesehen wird, haben wir der Kirche zu verdanken. Ich wage die Aussage: Neid ist fast immer ein solides Gerechtigkeitsempfinden! Die grösste «Sünde» ist, Neid als Sünde zu deklarieren.
Eduard Baumann, am 01. November 2013 um 10:23 Uhr
Interessanterweise zeigt heute ausgerechnet 20 Minuten, wie man ein Interview zum Thema 1:12 auch kritisch führen kann. Es wäre ein leichtes gewesen, JSA einfach Steilpässe zuzuspielen, aber indem die Journalisten ihn mit den Argumenten pro 1:12 konfrontiert haben, gewinnt das Interview deutlich an Gehalt und Unterhaltungswert: http://www.20min.ch/schweiz/news/story/-Viele-vergessen--warum-es-uns-so-gut-geht--25615748

Immerhin spielt die Konkurrenz im Hause Tamedia. Ist nicht das erste Mal, dass das (oft zu Unrecht) belächelte Gratismedium dem so genannten Flaggschiff den Rang abläuft.
Michael Sorg, am 01. November 2013 um 11:14 Uhr
@Eduard Baumann. Ich empfehle Herrn Baumann die Lektüre des Standardwerks des Soziologen Helmut Schoeck, «Der Neid, eine Theorie der Gesellschaft", ferner auch wichtige Werke zur Phänomenologie des Antisemitismus. Ausserdem noch Sigmund Freud. Noch mehr in die Tiefe, also eine Neidanalyse für Fortgeschrittene, kann man nachlesen im Buch von Max Scheler über das Ressentiment als Grundlage der Moralen. Friedrich Nietzsche, nicht gerade der dümmste der Philosophen, formulierte in seiner Moralkritik: «Ich bin gerecht» bedeute vor allem «Ich bin gerächt.» Dies sei die Gemeinsamkeit der christlichen wie der sozialistischen Moral. Für mich war das nie eine Widerlegung dieser beiden Moralmodelle, wohl aber ein Aufruf zur Reinigung. Neid ist tatsächlich eine - metaphorisch gesprochen - teuflische Eigenschaft, die auch beim Mobbing eine grosse Rolle spielt. Nach Nietzsche beruht auch die Sexualmoral zum Teil auf Neid, etwa «Tantenmoral". Die sexuell frustrierte Tante erläutert der schönen Nichte die Gefahren der Sexualität, weil sie derselben den entsprechenden Erfolg beim anderen Geschlecht missgönnt. Auch sexuell erfolgreiche Männer müssen nach dieser Theorie mit einer Sexualmoral der «zu kurz Gekommenen» (z.B. Priesterkaste) gebremst werden.

Die Grundstruktur des Neides liegt darin, dass man nicht etwas haben will, was der andere hat, sondern dass man ihm dies aus tiefstem Herzen missgönnt. Im Märchen etwa die Missgunst der hässlichen Schwester gegenüber der schönen Schwester. Diese ist erst gestillt, wenn deren Gesicht zerstört ist. Der Antisemitismus ist auch deswegen zutiefst neidbezogen, weil er sich auf erfolgreiche Eigenschaften vieler Juden bezieht, z.B. in intellektueller, geschäftlicher und sozialer Hinsicht. Judenhass bezieht seinen Grund wesentlich aus der Annahme, dass der Erfolg der Juden ungerechtfertigt sei und beispielsweise einem nicht ganz unbegabten Durchschnittsmaler wie Adolf Hitler den Aufstieg vermiese. Dass jüdische Kulturschaffende erfolgreicher waren als Hitler, der Deklassierte, leider - mit Ausnahme des politischen Magnetismus - nur mittelmässig Begabte. Über den Neid als Mitfaktor des mörderischen Antisemitismus haben sich auch Hannah Arendt und Jean-Paul Sartre ausgelassen.

Eine Neid-Initiative gegen Reiche liegt dann vor, wenn es das Hauptziel ist, diese zu schädigen, ja wenn man lieber eine ärmere Volkswirtschaft hätte und sogar gern noch weniger verdienen würde, sich aber nicht mehr über den angeblichen Erfolg der Reichen ärgern müsste. Ich behaupte nicht, dies liege bei der 1 zu 12 Initiative vor;es ist aber, aus ethischer Sicht, ein Anlass zur Gewissenserforschung. So wie längst nicht alle aus Fremdenhass für Einwanderungsbeschränkungen stimmen so stimmen nicht alle bloss aus Neid für die 1 zu 12-Initative. Es ist aber klar, wie die Neider stimmen, auch wie die Fremdenhasser stimmen. Letztere haben übrigens ebenfalls immer wieder mal ein Neidproblem.
Pirmin Meier, am 01. November 2013 um 11:42 Uhr
@Eduard Baumann. Neidvorwurf eine Verunglimpfung? Neid, fast immer ein solides Gerechtigkeitsempfinden? Im Zusammenhang mit dem Neidproblem beim Fremdenhass ist mir um 1970 (Schwarzenbach-Initiative) eine im übrigen intelligente, ehrliche und tüchtige, absolut fehlerfrei schreibende Chefsekretärin aufgefallen, die schon damals das - im Prinzip nicht unvernünftige - Gedankengut von Ecopop vertrat. Dabei sagte die ledige kinderlose ca. 45jährige Schwarzenbach-Anhängerin: «Diese Italienerinnen und Spanierinnen wissen auch nichts Gescheiteres, als jedes Jahr einen dicken Bauch zu haben."

Der Rechtsintellektuelle Schwarzenbach, Verfasser von gegen 20 Büchern, hätte so etwas nie formuliert. Der Neid ist aber selbstverständlich ein Motor der Politik, und es gehört mit zum politischen Erfolg, wenn man diesen zu mobilisieren vermag. Als Lehrer der Ethik habe ich dieses zu analysieren und nicht zu fragen, ob der Neid eher den Rechten oder den Linken nützt.
Pirmin Meier, am 01. November 2013 um 12:02 Uhr
Es ist eigentlich ein Problem, das nicht vor unseren Grenzen halt macht. Die Wirtschaft hat sich ja globalisiert. Aus Vernunftsgründen und aus meinem Gewissen heraus finde ich sollte die Globalisierung so ausgelebt werden, dass sich die Regionen gegenseitig aushelfen, wenn irgendwo etwas fehlt oder allgemein Not an Lebenswichtigem ist.
Die Globalisierung hat aber, wie wir alle wissen ganz anders stattgefunden. Die globale Wirtschaft versucht so optimal wie möglich Gewinne zu machen. Da produzieren, wo es am billigsten ist und so hoch wie möglich zu verkaufen, egal ob da grad Mangel herrscht oder nicht.
Die 1:12 Initiative ist ein weiterer Versuch mit Regulierung etwas mehr Gerechtigkeit herbeizuführen. Wie eine Verbesserung damit herbeigeführt werden kann, steht völlig offen, ist aber ein Versuch wert.

Was ich denke, wie wirklich eine Verbesserung erreicht werden könnte, die auch über unsere Grenzen herausstrahlen könnte, wäre, dass der Staat Betriebe auf genossenschaftlicher oder andersartiger Nonprifitheit fördern würde, statt ihnen unnötig Steine auf den Weg zu legen. Das könnte eine Ausstrahlung geben.
Maya Eldorado, am 03. November 2013 um 15:47 Uhr
Ich schäme mich als Journalist ("Fremdschämen"!) für die zwei naiven KollegInnen des Tagi zutiefst. Das ist eines der extremsten «Gefälligkeitsinterviews», das mir in meiner langen Karriere je vor die Augen gekommen ist. Und jetzt vernehme ich noch, dass mich der Tagi zusätzlich getäuscht hat, indem er mir verheimlichte, dass der Mann von der UBS finanziert ist. So geht der Journalismus rasch vor die Hunde. Und die schlimmsten Befürchtungen rund um gesponsorte (lies: geschmierte) Lehrstühle bestätigen sich: Nachdem die Abzockerwirtschaft sich schon die Politik immer mehr kaufen kann, reisst dies nun auch bei der Wissenschaft immer mehr ein. Unvoreingenommene Forschung im Interesse aller ist damit in Gefahr. N.R.
Niklaus Ramseyer, am 04. November 2013 um 11:45 Uhr
Lieber Herr Ramseyer

Warum fremdschämen? Schämen kann man sich nur für sich selber. Ihre Kollegen haben das offensichtlich noch nicht durchschaut. Wenn es dann einmal soweit sein sollte, werden sie das für sich tun können.
Dass alles, aber auch wirklich alles durchtränkt ist vom Kapitalismus und der Zudienerin der ersten Stunde der globaliserten Marktwirtschaft haben viele noch nicht wirklich oder gar nicht durchschaut.

In der Tageswoche schlägt folgender Artikel grad hohe Wellen:
https://www.tageswoche.ch/de/147/basel/599579/scientology-setzt-auf-basel.htm#comment_25708
Die Scientologen wollen ja in Basel einen prominenten Tempel bauen. Da wird von der Community klar durchschaut, um was es da geht.
Meines Erachtens ist das was da von den Mächtigen der Finanzindustrie mit der Wirtschaft zelebriert wird nichts anderes. Nur findet das halt viel subtiler statt und die ganze Menschheit steckt mittendrin. Deshalb wahrscheinlich hat es so Wenige, die wirklich zu durchschauen beginnen, was da wirklich abläuft.
Maya Eldorado, am 04. November 2013 um 14:34 Uhr
Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen (Lembke). Allerdings ist es auch leichter, den Mund zu halten, als eine Rede (Heinz Erhardt). So jagt ein Scherz denselben.
Übrigens sagte schon Karl Marx, dass die Presse uns sagt, was wir denken sollen. War sie früher ein wichtiger Teil der Lösung, ist sie heute wachsender Teil des Problems. Es sind vermehrt intellektuelle Prostituierte. Journalisten haken bei Interviews nicht nach, weil sie ihrem Verleger gehorchen. Und weil sie ihre Familien ernähren müssen.
Renato Stiefenhofer, am 04. November 2013 um 18:38 Uhr
Kurt Martis Kritik an diesem ungenügenden Interview war wichtig. In der Staatskunde muss man aber im Gegensatz zu Parteijournalismus auch Schwächen der Gegenseite sehen. Also nebst Fehrs Interessenbindungen zusätzlich klar machen, dass der vom Tagi ebenfalls interviewte Keynesianer Heiner Flassbeck jahrelang Berater des heutigen Linken-Politikers Oskar Lafontaine war. Flassbecks Meinungen sind gewiss nicht uninteressant, aber sehr viel neutraler und objektiver als z.B. ein Prof. Mörgeli politisiert Flassbeck auch wieder nicht. Insofern war mein Hinweis betr. politische Parolen von Professoren gemäss Max Webers Warnungen nicht bloss als philosophisch-historische Abschweifung gemeint mit dem Zweck, die Diskussion langfädig zu machen. Desgleichen wäre Kritik angebracht an der schweizweiten Abstimmungszeitung gegen 1 zu 12, wo weniger der pensionierte Prof. Jäger, als vielmehr der Polit-Kabarettist Thiel eine schwache Nummer abgibt. Indem er sich pauschal über das theoretische Denken lustig macht, beweist Thiel nur, dass er - wie eine Mehrzahl einstiger Gymnasiasten - nie gelernt hat, die Funktion des theoretischen Denkens zu verstehen. Dass viele Theorien, zumal auch ökonomische, miserabel begründet sind, ändert nichts an der Notwendigkeit theoretischen Argumentierens sogar auch im ökonomischen Diskurs. Gerade für bestmögliche Diskussionen über die 1 zu 12-Initiative müsste man nicht nur praktisch, sondern auch logisch und sauber, eben theoretisch argumentieren können.
Pirmin Meier, am 06. November 2013 um 17:29 Uhr
Nachträgliche Ergänzung: Andreas Thiel, dem ich im November vorwarf, «wie viele ehemalige Gymnasiasten die Funktion des theoretischen Denkens nicht zu verstehen» ist kein ehemaliger Gymnasiast, unter denen es nichtsdestoweniger natürlich sehr intelligente und gebildete Leute gibt, sogar solche, die theoretisch denken können.
Pirmin Meier, am 18. April 2014 um 07:39 Uhr

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