Buch-Cover: Der Autor wirft der Pharma Mafia-Methoden vor © Riva Verlag München

«Pharmafirmen lügen und sind kriminell»

Red. / 15. Nov 2014 - Professor Peter C. Gøtzsche, Direktor des Nordic Cochrane Centers, und Spezialist für Innere Medizin rechnet mit der Pharma ab.

Dieses soeben am 15. November erschienene Buch handelt von der dunklen Seite der Pharmaindustrie, von der Art und Weise, wie Medikamente entdeckt, produziert, vermarktet und überwacht werden. Es zeigt auf, wie Wissenschaftler Daten fälschen, um ihre Meinung zu verteidigen. Dabei stehen die Pharmakonzerne nach dem Urteil des Autors der Mafia in nichts nach, sie hätten sogar mehr Menschenleben auf dem Gewissen. Peter C. Gøtzsche hält umfassende Reformen für dringend nötig. Im Folgenden ein Interview, das der Autor der NGO «Coordination gegen Bayer-Gefahren» CBG gewährt hat. Im Vordergrund steht der Pharmakonzern Bayer.

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Die Firma Bayer hat viele Pharmaskandale zu verantworten, von Heroin bis Lipobay. Welche Erfahrung haben Sie mit diesem Unternehmen gemacht?

Peter C. Gøtzsche: Wie andere grosse Pharmaunternehmen hat sich Bayer an organisierter Kriminalität beteiligt, zum Beispiel an der Bestechung von Ärzten oder dem Betrug am amerikanischen Gesundheitsprogramm Medicaid.

Im Zweiten Weltkrieg hatte Bayer medizinische Experimente an KZ-Häftlingen durchgeführt. Ein Brief aus dieser Zeit zeigt, dass Bayer vom KZ Auschwitz 150 Frauen für jeweils 170 Mark kaufte. Bayer schrieb an den Kommandanten: «Die Versuche wurden gemacht. Alle Personen starben. Wir werden uns bezüglich einer neuen Sendung bald mit Ihnen in Verbindung setzen.» Deutsche Unternehmen haben KZ-Häftlingen zum Beispiel Typhusbakterien gespritzt und danach verschiedene Medikamente ausprobiert.

Warum vergleichen Sie die Pharmaindustrie mit dem Organisierten Verbrechen?

Weil ich herausgefunden habe, dass das Geschäftsmodell der zehn grössten Pharma-Unternehmen organisierte Kriminalität beinhaltet.

In den 80er Jahren infizierten Bayer-Produkte Tausende Bluter mit HIV. Interne Dokumente zeigen, dass die Firmenleitung die Risiken kannte, die kontaminierten Produkte aber weiter verkaufte. Ist dies ein Beispiel für kriminelle Geschäfte?

An dieser Stelle ist Bayer nicht alleine. Es gab viele Firmen, die kontaminierte Blutprodukte verkauften.

Bayer gibt jährlich rund 10 Milliarden Euro für Werbung und Vertrieb aus. Hierunter fallen Medikamentengaben an Krankenhäuser, Ärzte-Fortbildungen, Pharmareferenten, Spenden an Lobbyverbände etc. Der Konzern verweigert jedoch eine Aufschlüsselung dieser Summe. Sollte die Industrie gezwungen werden, solche Ausgaben im Detail zu veröffentlichen?

Ja, natürlich. Wir sollten aber einen Schritt weiter gehen und Werbung für Medikamente generell verbieten. Tabakwerbung haben wir schliesslich auch reglementiert, und das Pharmamarketing ist ebenso gefährlich.

Warum gelingt es den Firmen immer wieder, unnütze und sogar gefährliche Präparate auf den Markt zu drücken?

Es ist üblich, die Ergebnisse von Medikamententests zu verfälschen und die Gefahren von Arzneimitteln zu verheimlichen. Zudem stossen wir überall auf das Geld der Pharmaindustrie - jeder mit Einfluss im Gesundheitswesen soll gekauft werden. Der Industrie gelingt es auf allen Ebenen, wichtige Personen zu bestechen – bis hin zu Gesundheitsministern.

Aber besonders gefährlich ist das Pharmamarketing. Die Lügen sind häufig so eklatant, dass die Firmen das exakte Gegenteil der Wahrheit behaupten.

Gibt es Abschätzungen, wie viele Menschen an Nebenwirkungen sterben?

Untersuchungen aus verschiedenen Teilen der Welt kommen zu konsistenten Ergebnissen. So sterben in den USA pro Jahr schätzungsweise 200'000 Patientinnen und Patienten an medikamentösen Nebenwirkungen. Etwa in der Hälfte der Fälle werden die Präparate ordnungsgemäss eingenommen. Die andere Hälfte stirbt wegen Überdosierungen oder weil der behandelnde Arzt nicht auf Interaktionen mit anderen Arzneien geachtet hat. Den Medizinern können wir allerdings kaum einen Vorwurf machen: fast jedes Medikament hat 20 oder mehr Sicherheitshinweise und Kontraindikationen. Es ist absolut unmöglich, diese alle zu kennen.

Welcher Anteil der Präparate auf dem Markt ist denn aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Allein wenn wir bei Präparaten mit derselben Wirkung immer das preiswerteste Mittel auswählen würden, liesse sich etwa die Hälfte der Kosten sparen.

In vielen Fällen wäre es schlichtweg besser, gar keine Medikamente zu verschreiben. Alle Mittel haben unerwünschte Nebenwirkungen, die zusammen genommen für eine schreckliche Anzahl von Todesfällen verantwortlich sind. Schmerzmittel werden beispielsweise viel zu häufig verwendet. Auch sollten wir nur einen winzigen Teil der heute verwendeten Psychopharmaka verschreiben, denn diese sind generell gefährlich, wenn sie länger als ein paar Wochen eingenommen werden.

Antibabypillen aus der Yasmin-Reihe haben ein deutlich erhöhtes Embolierisiko im Vergleich zu älteren Präparaten. Allein in den USA hat Bayer fast zwei Milliarden Dollar an geschädigte Frauen gezahlt. Warum wurden diese Pillen trotzdem noch nicht verboten?

Einer meiner dänischen Kollegen veröffentlichte frühzeitig zwei Studien, die ein erhöhtes Risiko von Blutgerinnseln durch Pillen wie Yaz oder Yasmin zeigten. Er wurde von Ärzten, die auf der Gehaltsliste von Bayer stehen, in aggressiver Weise angegriffen. Bayer hat zudem Studien finanziert, die das erhöhte Risiko bestritten.

Bayer gehört zu den weltweit grössten Anbietern freiverkäuflicher Medikamente. Was ist das grösste Problem in diesem Bereich?

Vieles davon taugt nichts – ausser den Käufern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Wie beurteilen Sie die regelmässig wiederkehrenden Versuche, eine tägliche Einnahme von Aspirin als Prävention gegen Herzerkrankungen und spezielle Krebsarten zu etablieren, sogar für Gesunde?

Dagegen ist nichts einzuwenden, schliesslich wollen wir alle länger leben. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass sehr wenige von einer solchen Prophylaxe profitieren würden, während viele geschädigt würden. Es ist daher keine gute Idee, die gesamte Bevölkerung präventiv zu behandeln. Generell ist die Überbehandlung von Gesunden eines der grössten – zugleich für die Industrie lukrativsten – Probleme im heutigen Gesundheitswesen.

Bayer und die Uniklinik Köln haben 2008 einen weit reichenden Kooperationsvertrag geschlossen. Wir haben vergebens versucht, Einblick in die Abmachung zu erhalten. Stimmen Sie mit uns darin überein, dass solche Geheimkooperationen zu einer Ausrichtung der Forschung nach rein wirtschaftlichen Kriterien führen?

Ich bin ein grosser Gegner solcher Kooperationen. Die Erfahrung zeigt, dass die beteiligten Firmen meist die Gewinne abschöpfen und die Ergebnisse für sich beanspruchen. Die Steuerzahler zahlen die Zeche, indem sie viel zu teure Medikamente erstatten müssen.

Ausserdem: ist es akzeptabel, eine Kooperation mit einer Branche einzugehen, deren Handeln oftmals kriminell ist und die aus Profitgründen den Tod vieler PatientInnen in Kauf nimmt? Ich meine Nein. Klinische Studien sollten vollkommen unabhängig von den Pharmafirmen durchgeführt werden. Und grundsätzlich darf es im Gesundheitswesen keine geheimen Kooperationen geben. Sie sollten eine Einsichtnahme gerichtlich erzwingen, oder sich bei einem Ombudsmann bzw der Politik beschweren.

Öffentlich finanzierte Studien kommen häufig zu anderen Ergebnissen als Untersuchungen der Industrie. Wie kommt das?

Es ist nicht sinnvoll, dass ein Unternehmen, das mit schöngefärbten Studien Milliarden Euro oder Dollar verdienen kann, meist der einzige ist, der jemals die Rohdaten der Studien zu Gesicht bekommt.

Wir haben ein System, in dem die Pharmaunternehmen ihre eigenen Richter sind. Das ist doch merkwürdig, in anderen Bereichen lassen wir dies schliesslich auch nicht zu. Es wäre zum Beispiel lächerlich, zu einem Richter zu sagen: «Ich habe selbst ermittelt, hier sind alle Beweise». Aber genau dieses System haben wir im Gesundheitswesen akzeptiert. Die Industrie macht ihre eigenen Studien und manipuliert sie häufig in einem schrecklichen Ausmass. Aus diesem Grund können wir den Veröffentlichungen der Unternehmen – selbst in angesehenen Fachzeitschriften – nicht vertrauen.

Nach Ihrer Aussage ist das System voller Interessenkonflikte. Ärzte werden von Pharmaunternehmen bezahlt, Mitarbeiter von Behörden wechseln in die Industrie (und umgekehrt). Wie könnte man diese Situation ändern?

Wir stossen überall auf das Geld der Industrie. Ich schlage daher vor, Pharmawerbung schlichtweg zu verbieten. Gute Medikamente werden sich immer durchsetzen, hierfür benötigen wir keine Werbung.

Ein Werbeverbot würde dazu führen, dass Ärzte nicht mehr von Pharmareferenten korrumpiert werden können. Die Herausgeber medizinischer Fachzeitschriften hätten nicht mehr so grosse Angst, Artikel zu veröffentlichen, die nicht im Interesse der Industrie sind. Mit Hilfe einer solchen Reform könnten wir die Fachmagazine aus der Umklammerung von «Big Pharma» befreien.

Haben Sie weitere Forderungen zur Regulierung der Pharmaindustrie?

Die Industrie behält die Rohdaten ihrer Studien für sich. Stattdessen sollten wir neue Medikamente von öffentlichen Einrichtungen untersuchen lassen. Die Hersteller könnten die Tests bezahlen, sollten aber mit den Studien selbst nichts zu tun haben. Ärzte sollten auch keine Zuwendungen der Industrie annehmen dürfen.

Aktuell sind leider viele Mediziner bereit, als Mit-Autoren von Studien zu fungieren, zu deren Rohdaten ihnen der Zugriff verweigert wird und die in Wahrheit von den Firmen verfasst werden. Dabei könnten die Studien ohne die Mitwirkung der Ärzte und ihrer PatientInnen nicht durchgeführt werden. Dies ist ein Verrat akademischer Integrität und ein Bruch des Patienten-Vertrauens. Ärzte und Selbsthilfegruppen müssen das Geld einer derart korrupten Industrie schlichtweg zurückweisen.

In Ihrem Buch heisst es, dass diejenigen, die das kriminelle Handeln der Pharmaindustrie aufdecken, zu Parias werden. Haben Sie nach dem Erscheinen des Buchs, das zuerst auf englisch erschien, Rückschläge erleben müssen?

Nein, im Gegenteil, das Buch hat viel Lob erhalten. Von der Industrie direkt habe ich nichts gehört. Es gab aber einige unverblümte Lügen seitens der Lobbyverbände der Industrie und ihrer bezahlten Partner in den Reihen der Ärzteschaft.

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Der Pharmakonzern Bayer hat bisher auf seiner Webseite zum Buch von Gøtzsche nicht Stellung genommen. Gegen die englische Version «Deadly Medicines and Organised Crime: How Big Pharma Has Corrupted Healthcare», die bereits im August 2014 erschien, versuchte Bayer nicht, gegen die Tatsachen-Darstellungen und die happigen Vorwürfe gerichtlich vorzugehen. Auch auf der Seite der Interpharma ist zum Buch von Gøtzsche nichts zu lesen.

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Siehe

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Professor Peter Christian Gøtzsche ist Direktor des Nordic Cochrane Centers und Spezialist für Innere Medizin. Von 1975-83 war er in der Pharmaindustrie in den Bereichen Klinische Studien und behördliche Regulierung tätig. Von 1984-95 arbeitete er in Kopenhagener Krankenhäusern. 1993 gehörte er zu den Gründern der Cochrane Collaboration. Gøtzsche wurde 2010 an der Universität Kopenhagen zum Professor für klinisches Forschungsdesign und Analyse ernannt.

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17 Meinungen

Wow, der Infosperber zeigt Mut, gratuliere.
Hoffentlich wird er durch dieses Wagnis nicht untergehen!!!!!
Urs Lachenmeier, am 16. November 2014 um 12:00 Uhr
Die Fragen der Coordination gegen Bayer-Gefahren sind sehr tendentiös gestellt. Diese Art die Dinge zu sehen kann in einem Beitrag *auch* gebracht werden - sie darf aber nicht per se als ausgewogen gelten.
Die Forderung, dass klinische Versuche ohne (finanzielle) Unterstützung der Industrie stattfinden sollen, ist aus ethischer Sicht sicher vertretbar. Der Staat hat dazu keinen Auftrag, darf also bisher nichts finanzieren. Und alle anderen Player sind entweder abhängig oder würden es rasch oder haben kein Geld. Die geforderte 100% ige Transparenz kostet viel Administration.
Wenn man keine klinischen Studien mehr machen kann, werden am Menschen ungeprüfte Medikamente auf den Markt kommen, oder die Forschung hört ganz auf. Beides wäre für die Patienten keine gute Entwicklung.
Andreas U. Schmid, am 16. November 2014 um 12:18 Uhr
Für mich ist eines evident: In kaum einem anderen Bereich unserer Gesellschaft sind Filz und «organisierte Kriminalität» - wie sich Herr Gøtzsche ausdrückt - so weit verbreitet wie in Medizin und Gesundheitswesen. Jede Seite macht es sich einfach und versucht den schwarzen Peter jeweils den anderen Akteuren zuzuschieben. Natürlich ist die Pharmabranche keine Veranstaltung von Heiligen. Aber dasselbe gilt für die Ärzteschaft, die Spitäler, die Versicherer usw. Alle haben sie ein Interesse an einem möglichst teuren Gesundheitswesen, schliesslich verdienen sie alle daran. Nehmen wir z.B. die Cochrane Collaboration, deren Arbeit gerade im Kampf gegen die vielen Scharlatane und Esoteriker aus der angeblichen «Alternativmedizin» sehr wichtig und eben nicht von der Pharmaindustrie bezahlt ist. Sie nimmt also kein Geld aus der Branche, arbeitet dafür aber für die Vermarktung ihrer Datenbanken mit dem Wiley-Verlag zusammen, der zusammen mit Elsevier, Springer und Informa für eine - sagen wir mal - nicht gerade zimperliche Preispolitik steht (man google mal nach 'The Cost of Knowledge').
Michael Gisiger, am 16. November 2014 um 13:54 Uhr
@ Gisiger: Die Cochrane Kollaboration definiert sich selber kaum als «Kampf gegen Scharlatane und Esoteriker aus der angeblichen «Alternativmedizin». Wie sie sich definieren kann man auf ihrer Webseite nachlesen – in diesem Filz wie Sie schreiben ist diese Organisation in etwa ein Härchen am Vorleger vor der Praxis eines Arztes oder am Orientteppich in einer Villa eines Pharma-CEO's. Es ist eine gemeinnützige Organisation, die ihre Produkte über einen renommierten Verlag vermarkten lässt. Na und? Sie werfen doch z.b. Faire-Trade-Produkten auch nicht vor, dass sie im Regal der MIGROS stehen? Oder in einem teuren Feinkostladen?
Eliane Schneider, am 16. November 2014 um 14:35 Uhr
Doch, doch, @Schneider, die Cochrane Collaboration trägt mit aktuell 600 Meta-Analysen zur angeblichen «Alternativmedizin» (Link: http://goo.gl/so1fmS) sehr wohl ihr Scherflein bei im Kampf gegen die Scharlatane und ihre Globuli (um nur ein Beispiel zu nennen): «The findings of currently available Cochrane reviews of studies of homeopathy do not show that homeopathic medicines have effects beyond placebo.» (Quelle: http://goo.gl/zSTI)
Michael Gisiger, am 16. November 2014 um 15:09 Uhr
@ gisiger: Na und? Die Cochrane Collaboration schiebt die Scharlatanerie und Esoterik aber nicht nur in die Ecke von Homöopathen. Das ist eben das Wesen der Unabhängigkeit oder unabhängigen Denken: die Fähigkeit Scharlatane und wissenschaftliche Mängel auch in etablierten und mächtigen Kreisen zu entdecken. Nur weil an der Homöopathie nichts dran ist (dafür aber auch ohne schwere Nebenwirkungen) muss man die Alternativmedizin nicht mit dieser gleichsetzen. Das würde allen sinnvollen Varianten und neuen Wegen in der Medizin nicht gerecht.
Eliane Schneider, am 16. November 2014 um 16:05 Uhr
@RA Edmund Schönenberger: ich habe Gesangstunden genommen und *kann* singen. Ob ich deswegen fressen muss, wage ich zu bezweifeln.
"Big Pharma» hat über die letzten Jahrzehnte dazu geführt, dass die Lebenserwartung der Menschen auf dem ganzen Planeten markant angestiegen ist. Viele Diagnosen, welche vor einiger Zeit einem Todesurteil gleichkamen, sind heute behandelbar, oder sogar kurativ heilbar.
Der Mensch / Patient muss im Zentrum der Gesundheitssystems stehen. Dies ist aber tatsächlich bei vielen Akteuren des Gesundheitswesen und Politikern noch nicht angekommen.
Erste Schritte zur Verbesserung der desolaten Lage mit der Medikamentenforschung sind eingeleitet. Autoren müssen ihre Interessensbindungen offenlegen und Sponsoren müssen deklariert werden.
Den Kerngehalt des obgenannten Artikels kommentiere ich nicht weiter, weil mir weitergehende Grundlagen / Informationen fehlen.

Diesclaimer: Ich arbeite für einen Berufsverband im Gesundheitswesen und bin als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. Ich habe Aktien von Roche, Nestle, Novartis und Ypsomed von meinen Grosseltern geerbt. Ich bin regelmässig auf Medikamente angewiesen.
Andreas U. Schmid, am 16. November 2014 um 16:22 Uhr
@Schneider: Jederzeit gerne «neue Wege in der Medizin» - vorausgesetzt, in klinischen Studien wurde wissenschaftlich solide deren Wirksamkeit festgestellt. Alles andere bleibt Esoterik, die nur dazu da ist, leichtgläubigen und/oder verzweifelten Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wer behauptet, man könne Krebs z.B. mit «Silberwasser» heilen oder der Mensch könne sich einzig von Licht ernähren ist und bleibt ein Quacksalber!
Michael Gisiger, am 17. November 2014 um 11:31 Uhr
In diesem Zusammenhang zu empfehlen ist der spannende Bestseller «The Constant Geardner» von John le Carré. Obwohl es ein Roman vom Typ politischer Thriller ist, dürfte mehr als ein bisschen Wahrheit dahinter stecken. Thema sind die mitunter tödlichen klinischen Versuche in Entwicklungsländern, wie sie auch die Erklärung von Bern thematisiert: http://www.evb.ch/themen-hintergruende/gesundheit/klinischeversuche/
Theo Schmidt, am 17. November 2014 um 11:57 Uhr
Es heisst natürlich «The Constant Gardener», auf deutsch «Der ewige Gärtner», siehe z.B.:
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_ewige_G%C3%A4rtner_%28Roman%29
Theo Schmidt, am 17. November 2014 um 11:59 Uhr
@Gisiger: Klinische Studien. Sie schneiden damit ein zentrales Thema an: genau um die Esoterik in der wissenschaftlich deklarierten Forschung geht es eben auch. Wenn man den Leuten beispielsweise suggeriert, dass man sich gegen Krebs impfen kann, kommt das in den «Silberwasserbereich» den Sie angesprochen haben. Ein 2006 weltweit eingeführter Impfstoff wie Gardasil konnte noch gar nicht den Beweis erbringen, dass er gegen Gebärmutterhalskrebs wirkt, denn es wurden vorab Mädchen im Alter 11-17 geimpft. Dieser Krebs tritt aber erst im Alter so um die 50 gehäuft auf, betrifft zudem hier in der Schweiz nur eine Handvoll Frauen pro 100'000 und kann auch andere Ursachen als Viren haben. In klinischen Studien wurden lediglich gewisse Vorstufen von Krebs untersucht, festgestellt. Wie kann es sein, dass diese nicht 1:1 erwiesene Wirksamkeit zuerst von Swissmedic abgesegnet, dann auch noch als Präventionskampagagne vom BAG lanciert wurde, eine Art von Krebs, die lediglich 1.6% aller Krebserkrankungen in der Schweiz ausmacht? Und das noch auf Kosten der obligatorischen Krankenkasse (Schätzungsweise 160 Mio für die bis jetzt geimpften 200'000)? 'Zufällig' gab's 2008 auch noch einen Nobelpreis für den Entdecker der HPV-Viren. Also, lief oder läuft doch wie geschmiert? – unerwünschte schwerwiegende Wirkungen inklusive.
Eliane Schneider, am 17. November 2014 um 16:29 Uhr
Sind die «zugelassenen» Medikamente eigentlich besser, wirksamer und ungefährlich? Welche Interessen werden meist durchgesetzt? Wie werden die Arzneien getestet, bald ohne Einwilligung der Testpersonen? Wann werden welche und wieviele Medikamente wegen Gefährlichkeit wieder zurückgezogen?
Und wer will denn die Patientenrechte dermassen einschränken?
http://aestheticpractitioner.org/blog/2014/10/eu-plant-patienten-recht-am-eigenen-koerper-zu-entziehen/
Urs Lachenmeier, am 18. November 2014 um 09:29 Uhr
... und ergänzend zu oben: wenn man bedenkt, dass knapp die Hälfte der je vergebenen Nobelpreise für Medizin und über ein Drittel für Chemie an die USA ging, dann dürfte sich der Art. 14 in der Revision des Heilmittelgesetztes „Swissmedic soll zusätzliche Kategorien von Arzneimitteln für die ganze Schweiz vereinfacht zulassen (Art. 14): Arzneimittel, die im EU- und EFTA-Raum seit zehn Jahren zugelassen sind („well-established-use“)“ nicht nur hinsichtlich dem Wichtigsten, nämlich der Sicherheit, sondern auch wirtschaftlich als trojanisches Pferd entpuppen, die Hälfte der grössten Pharmakonzerne sitzt in den USA, ihr Anteil der in der Schweiz verkauften Medikamente beträgt jetzt schon fast ein Drittel, etwa gleich hoh wie der von Schweizerprodukten. – und so „nebenbei“: Frauen, oder Länder aus Afrika und China, beispielsweise sind bei den Nobel-Preisträgern nicht oder kaum zu finden. Aber als Testgut schon. Das Outsourcing der klinischen Studien hat schon lange begonnen, auch in korruptere Staaten, es ist billig, leichter erhältlich, weniger streng im Personenschutz, also auch weniger kontrollierbar bezüglich Qualität. Das würde auch diesen Satz von interpharma erklären: „In den letzten zehn Jahren ist es in der Schweiz zu einer deutlichen Abnahme der klinischen Forschung gekommen. Seit 2004 hat sich die Zahl klinischer Versuche beinahe halbiert. Dieser Trend zeigt sich in allen Phasen. Speziell ausgeprägt ist der Rückgang bei Phase I (–58%).“
Eliane Schneider, am 18. November 2014 um 17:06 Uhr
ff. – aber eigentlich könnte es auch heissen diese Forschung bekommt einen kleineren Anteil vom betriebswirtschaftlichen Kuchen oder es werden ganz einfach weniger Tests gemacht, weil die Sicherheit zu lasch gehandhabt wird. Oder gesunde Freiwillige, die die Phase I ausmachen, lassen sich nicht mehr so leicht einspannen. Das Problematische an diesem Artikel 14 ist, dass es auch Substanzen betrifft, die vor 2006 zugelassen worden sind, weil zu diesen Erstfassungen der klinischen Studien bis jetzt von Swissmedic trotz Öffentlichkeitsprinzip der Zugang verweigert wird. Mit anderen Worten eine ganzheitliche Prüfung durch unabhängige Aussenstehende ist nicht möglich. Aus der Sicht der Sicherheit sind zudem 10 Jahre Anwendung viel zu kurz.
Eliane Schneider, am 18. November 2014 um 17:16 Uhr
@Schneider: Ob Gardasil sinnvoll ist oder nicht einmal beiseite gelassen, ich bin da auch nicht überzeugt - auf welchen Zahlen basiert Ihre Schätzung von CHF 160 Mio. Kosten für die Krankenkassen? Bei drei Impfungen p. P. à CHF 159 vertraglich vereinbarter Pauschale betragen die Kosten bei 200'000 Geimpften zwar immer noch die hohe Summe von gut CHF 95 Mio. - aber nicht CHF 160 Mio., wie Sie schreiben. Zudem sind diese 95 Mio. immer noch ein Klacks im Vergleich zu den rund 50 Mio., die die Kassen jedes Jahr für Globuli, Anthroposophen-Zauber und Co. im Rahmen der Grundversicherung berappen müssen. Aber wie ich Ihren weiteren Kommentaren entnehmen kann, befinden Sie sich sowieso auf einem Feldzug gegen das «pöhse Imperium» USA und deren Pharmaindustrie, die sich doch tatsächlich erfrecht, schon einen Drittel des Schweizerischen Medikamentenmarkts zu besetzen; von dem Sie als «Psychologin» nur bedingt profitieren können ...
Michael Gisiger, am 18. November 2014 um 17:36 Uhr
@ Gisiger. Ich rechne eben nicht nur aus der Sicht der Pharma. Diese Zahlen sind hochoffiziell vom Unispital Zürich, gemäss dieser eine komplette Impfung 800.– beträgt. Eine Impfung ein paar Jahre später wird zudem als wahrscheinlich nötig angegeben. So und jetzt dürfen Sie nochmals rechnen ...
Eliane Schneider, am 18. November 2014 um 17:50 Uhr
Schon von MEZIS gehört? = mein Essen zahle ich selbst. = no free lunch im englischen usw.
Folgendes ist aus einem Presrsebericht,, nach dem Mezis in der Schweiz vorgestellt wurde:
Zitat:"Im Mai 2009 wurde MEZIS Deutschland von der Vereinigung unabhängiger Ärztinnen und Ärzte (www.vua.ch) in Zürich eingeladen Nach einer Pressekonferenz, über die u.a. die Neue Züricher Zeitung berichtete, wurde die Initiative im Rahmen eines Vortrags bei den Mitgliedern der VUA vorgestellt. Als Ergebnis einer anschließenden Diskussion hielten wir fest, dass eine Gründung von MEZIS Schweiz zwar wünschenswert wäre, allerdings aus Gründen anderer politischer Aktivitäten bei den Mitglieder nicht ausreichend Zeit vorhanden ist, MEZIS Schweiz ins Leben zu rufen. Bisher sind zwei Schweizer Kollegen an einer MEZIS-Mitgliedschaft interessiert » Zitat Ende.
Mezis klagt übrigens zur Zeit gegen Korruption im Medizinal-Bereich bzw, bei
Ärzten /Frage zum Presseartikel: ist Politik bei unseren Ärzten wichtiger als der Patient??
Elisabeth Schmidlin, am 23. November 2014 um 17:52 Uhr

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