Gegen Strategien der Reichen zur Steuervermeidung könne eine Quellen- und Umsatzsteuer helfen © campact
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«Wir werden um Milliarden betrogen»

Urs P. Gasche / 14. Apr 2015 - Mit «wir» meint Steueranwalt Achim Doerfer Normalverdiener. Reiche und Konzerne jedoch könnten Billionen steuerfrei verschieben.

Unversteuerte Vermögen und Vermögenserträge können Reiche und Superreiche sowie internationale Konzerne von einem Steuerparadies ins nächste verschieben. Normalverdiener hätten zu Recht das Gefühl, dass eine zynische Elite Steuern umgehen kann und dass eine ganze Palette von Steuervermeidungsexperten fürstlich davon lebt, uns allen eine lange Nase zu drehen.

Das schreibt der deutsche Steueranwalt Achim Doerfer in seinem Buch «Die Steuervermeider – Wie wir um Milliarden betrogen werden»*.

Statt der Renovierung von Schulen und dem Erhalt der öffentlichen Infrastruktur zu dienen, würden Milliarden in den Innenausbau von 300-Fuss-Jachten fliessen.

Von der Schweiz auf die Kanalinseln oder in die Karibik

Noch lägen schätzungsweise 2,2 Billionen Franken «zum grössten Teil unversteuert» auf Schweizer Konten, schreibt der Steueranwalt in seinen Buch. Er schätzt, dass von den deutschen, britischen und italienischen Vermögen bis 2016 ein Drittel aus der Schweiz verschoben werden. Aber «wohl eher nicht zurück in die Steuerehrlichkeit». Schweizer Banken würden ihre besten Kunden ihren Tochtergesellschaften in Singapur, auf die Kanalinseln oder in der Karibik übergeben. Die Betroffenen könnten auch rechtzeitig Sachwerte wie Immobilien kaufen oder ihr Geld in bar abheben und in einem Schliessfach lagern.

Die Zahl der permanent reisenden Multi-Millionäre und Milliardäre, die keine oder kaum Steuern zahlen, schätzt Doerfer auf weltweit etwa eine Million. Sie würden zum Beispiel ihren Wohnsitz auf den Kanalinseln anmelden, für ihre Unternehmen einen Briefkastensitz in Luxemburg erstellen und ihr Vermögen zum Beispiel in Singapur anlegen, wo sie keine Ertragssteuern zahlen müssen.

«Aggressive Steuergestaltung» von Konzernen

Grosskonzerne würden von staatlich finanzierten Infrastrukturen wie Hochschulen und Strassen profitieren, aber sie trügen nichts dazu bei.

Amazon zum Beispiel habe etwa zwei Milliarden Euro an unversteuerten

Gewinnen in Luxemburg parkiert. Apple habe im Jahr 2011 in Deutschland sogar eine Steuerrückerstattung erhalten. Konzerne der USA hätten 1,8 Billionen Dollar in Steueroasen verschoben.

Innerhalb der EU erlaube es der «Steuerwettbewerb» den Konzernen, ihre Gewinne immer weniger zu versteuern. Als Beispiel nennt Doerfer den Software-Konzern SAP. In den zehn Jahren von 2002 bis 2012 hat der Konzern die Gewinne um 200 Prozent erhöht und die Aktien stiegen um 400 Prozent. Doch Steuern zahlte der Konzern im Jahr 2012 nur 50 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Forderungen

Steueranwalt Doerfer hält Erhöhungen der Einkommenssteuern für Lohnempfänger und Normalverdiener für verfehlt. Im Gegenteil: Diese Steuern müssten gesenkt werden. Im Gegenzug seien Massnahmen zu ergreifen, welche es den Reichen, Superreichen und den Konzernen erschwert, Steuern zu vermeiden und zu umgehen. Der Autor empfiehlt unter anderem:

  • Eine Besteuerung an der Quelle, beim Konsum und beim im Land erzielten Umsatz. Wenn Google oder Ikea Zinsen oder Lizenzgebühren an Töchter in Steueroasen zahlen, müssten diese in Deutschland oder der Schweiz besteuert werden.
  • Keine Steuerabzüge mehr, weil vor allem davon profitiert, wer viel hat.
  • Ein einheitlicher Mehrwert-Steuersatz.
  • Einführung oder Erhöhung der Erbschaftssteuern. Steuern auf ererbtes Vermögen würde Erben dazu anspornen, selbst zu arbeiten, und sie hätten gegenüber andern Markteintretenden keine Wettbewerbsvorteile mehr.

Man solle nicht die produktive Arbeit mit hohen Einkommenssteuern belasten, «sondern staatliche Mittel dort generieren, wo sich Potenziale bereits verwirklicht haben, also beim Vermögen».

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Achim Doerfers Anwaltskanzlei ist auf Steuerrecht spezialisiert und hat einen Kunden verteidigt, der den deutschen Steuerbehörden Schweizer Bankdaten verkaufte.

Weiterführende Informationen

*Buch kaufen: Achim Doerfler «Die Steuervermeider – Wie wir um Milliarden betrogen werden»

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3 Meinungen

Ja, hier haben wir es wieder einmal !

Der Mensch wurde von der Natur (warum eigentlich ?) mit „super Schläue“ ausgestattet, und diese Schläue nutzt er auch weidlich aus.

Wenn wir eine Skala von 1 bis 10 erstellen, befinden sich die Schlausten zu oberst, bei der 1 unten stehen dann die „lölis und lappis“.
So nun lässt alle diese Wesen auf der Welt herumlaufen und agieren. Was passiert ? Die aus der Klasse 10 haben in kurzer Zeit „vieles“ und die von der unterste Stufe „fast nütt mehr“ … etwas überspitzt ausgedrückt.

Wenn wir alle reiche enteignen würden und dessen Reichtum gleichmässig auf der Welt verteilen würden so dass jeder zum starten gleich viel hätte, hätte sich nach ein Paar Tage schon wieder eine gewaltige Verschiebung sichtbar gemacht … zu Gunsten der 10er Gruppe.
Nach ein Paar Jahre oder Jahrzehnte wäre alles wieder beim alten !
Ich nehme an dass es keine Neuzeit Erscheinung ist, sondern Heute auf höherem Niveau, dank gewaltige Zahlen, mehr sichtbarer.
Früher haben einfach die aus der unterste Gruppe nicht überlebt.


Was sagt uns das ? Der „Schuldige“ ist der Mensch selbst in seiner Beschaffung, seiner Schläue, seiner Lust emporsteigen, zu siegen, zu haben und besitzen und damit auch Macht über andere zu erlangen.
Ich denke nicht dass der Mensch selbst dies ändern kann, es muss eine „Wesen-Umwandlung“ stattfinden.
Die frage ist aber ob dann dieses „sanftere, selbstlose und grosszügigere Wesen“ dann Überlebens fähig wäre, … der Ausgang ist ungewiss !
Frau Carmey Bruderer, am 14. April 2015 um 19:20 Uhr
Eigentlich haben sie recht, unglücklich formuliert. Ich habe mich nach dem Enter drucken auch gefragt ob diese Ausdrucksweise eine glückliche war.
Gemeint waren aber von mir die 2 Extrem Kategorien von Menschen, bzw. die «naiven» die sich alles und sofort wegnehmen lassen (die gibt es), und eben diese «schlaue» die zuschlagen sobald sie sehen dass etwas zu holen ist.

Ich entschuldige mich hier in aller Form für diese unglückliche Formulierung.

Da sich die Gelegenheit bietet füge ich hier hinzu, dass ich mit obigem Artikel zu 100% einverstanden bin.
Nichts geht mir mehr auf den «Wecker» als raffgierige Menschen. Geld macht nicht glücklich, ich weiss es denn ich hab etwas Geld. Alles was über einer zwei Millionen geht ist für Otto-Normal-Mensch unnötig.
Er wird das nie geniessen können ! Wir sehen es ganz deutlich bei den grossen Lotto Gewinner, z.B. die mit 120 Mio Euro nach Hause gehen.

Die „Hölle“ startet mit so einem Gewinn !
Frau Carmey Bruderer, am 14. April 2015 um 21:40 Uhr
Schauen Sie sich die Wahlen in BL, LU und ZH an.
Die Wasserträger der aufgeführten Steueroptimierenden sind mehrheitlich relativ weit unten und/oder ideologieverblendete.
Dem Fussvolk werden Sozialbetrüger etc., von den Medien noch verstärkt da auflagefördernd, übergross dargestellt. Zwischendurch lügt dann auch mal eine Gemeindevertreterin - und es wird dankbar - ohne Wahrheitsprüfung weiter verbreitet. Die Wahrheit interessiert nicht mehr.
Weitere «Täter» sind Asylanten und Fremde. Derweil munter weiter von unten nach oben umverteilt wird. Und der Durchschnittsabstimmende merkt's nicht...
Heisst es Erbschaftssteuer so könnte man auf den Gedanken kommen, all die Ablehnenden erben mehr als 2 Mio. Wird eine Transaktionssteuer für Finanzgeschäfte gefordert so droht Abwanderung der Zocker und Weltuntergang. Und wie geschrieben: Ideologieverblendete schreien sofort - verpassen aber, dass unser soziales Auffangnetz Stück um Stück zerrissen wird.
Es macht den Anschein, dass die Mehrheit der abstimmenden Minderheit mit schlechter Medizin versorgt nun meint mit noch mehr schlechter Medizin zu gesunden...
Urs Dietschi, am 14. April 2015 um 23:36 Uhr

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