Helfen Flüchtlingen in Not: Don Gianfranco Feliciani (links) und Don Giusto Della Valle © TV-Screenshot RSI/RTS

Helfen Flüchtlingen in Not: Don Gianfranco Feliciani (links) und Don Giusto Della Valle

Sie geben Flüchtlingen Obdach und Hoffnung

Beat Allenbach / 29. Nov 2016 - Zwei Priester aus Chiasso und Como haben für ihr Engagement für Flüchtlinge den Preis des Vereins Reset-Menschenrechte erhalten.

Der Preis wurde am Wochenende in Mailand überreicht. Der bekannte Anwalt und Professor Paolo Bernasconi hob in der Laudatio hervor, dass Don Giusto Della Valle, Pfarrer der Kirchgemeinde Rebbio in Como, und Don Gianfranco Feliciani, Erzpriester von Chiasso, seit Jahren zahlreichen Flüchtlingen beidseits der italienisch-schweizerischen Grenze helfen: vor allem unbegleiteten Minderjährigen, schwangeren Frauen, Müttern mit Kleinkindern und von Folter gezeichneten Menschen. Die beiden Priester unterstützen diese Menschen, ohne Ausweispapiere zu verlangen und ungeachtet der Religion der Notleidenden. Sie setzen die Empfehlungen von Papst Franziskus in die Tat um, keine Mauern, sondern Brücken zu bauen und in jeder Pfarrgemeinde mindestens eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen.

Ein starkes Zeichen der Solidarität

Don Giusto beherbergt zeitweise bis über 60 unbegleitete Minderjährige in seiner Kirchgemeinde. Er wurde von überforderten Behörden, vom Roten Kreuz und der Grenzpolizei um Hilfe gebeten. Die Caritas Como bat den Pfarrer von Chiasso, Flüchtlinge zu unterstützen, die vom Grenzwachtkorps an der Einreise in die Schweiz gehindert und nach Italien zurückgeschickt werden. In dieser Situation machte Don Feliciani die bittere Bemerkung, die Schweiz verschliesse den Flüchtlingen die Türe, nicht aber den Geldern von Diktatoren.

Der überreichte Preis hat symbolischen Charakter: Es gibt kein Preisgeld, aber die Anerkennung für die zwei Pfarrer – sie wurden in Italien und im Tessin wiederholt angefeindet – ist ein starkes Zeichen, dass sie nicht allein gelassen werden.

Unwürdiges Hin und Her

Die Situation an der italienisch-schweizerischen Grenze ist unhaltbar. Unbegleitete Minderjährige, die beteuern, Verwandte in Ländern nördlich der Schweiz zu haben, werden weiterhin von den Grenzwächtern nach Italien zurückgeschickt (Infosperber berichtete: «Bürokratie erdrückt Humanität»). Auf unsere Anfrage liess Bundesrätin Simonatta Sommaruga dieser Tage ausrichten, dass eine hochrangige Koordinationsgruppe des Bundes, in der auch das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge vertreten sei, «aktuelle Fragen rund um das Stellen von Asylgesuchen an der Grenze und Rücküberstellungen klärt».

Die Justizministerin ist besorgt über die grosse Anzahl unbegleiteter Minderjähriger an der Südgrenze, das Staatssekretariat für Migration (SEM) wie das Grenzwachtkorps (GWK) würden dieser Herausforderung mit besonderer Aufmerksamkeit begegnen. Weiter heisst es in der Antwort aus dem Sekretariat der Bundesrätin: «Das GWK begleitet und betreut minderjährige Personen, bis sie an eine andere Behörde übergeben werden können. Die italienischen Behörden ihrerseits übergeben minderjährige Personen an das zuständige Hilfswerk vor Ort. Ebenso bringt das SEM unbegleitete minderjährige Asylsuchende entsprechend ihren Bedürfnissen unter, betreut sie und weist sie so rasch als möglich einem Kanton zu. Im Rahmen des Asylverfahrens werden diese von einer Vertrauensperson unterstützt.»

Bürokratie blockiert den Weg zur Familie

Weiter heisst es: «Falls minderjährige Personen an der Grenze zum Ausdruck bringen, dass sie Verwandte in der Schweiz haben, sind folgende Vorgehensweisen möglich: Die minderjährige Person kann einen Asylantrag in der Schweiz stellen und wird so an die regulären Strukturen des SEM überwiesen. Falls die minderjährige Person keinen Asylantrag in der Schweiz stellt, wären die Verwandtschaftsverhältnisse im Rahmen des italienischen Dublin-Verfahrens zu prüfen.»

Unhaltbar ist die Situation für Flüchtlinge, die nahe Verwandte in Deutschland und andern Ländern im Norden haben, denn ihnen helfen weder die schweizerischen noch die italienischen Behörden.

Wie von privaten Flüchtlingshelfern beidseits der Grenze zu erfahren ist, werden jedoch wiederholt Minderjährige, die nachweisen können, Verwandte in der Schweiz zu haben, von Grenzwächtern in die Empfangsstelle des Bundes in Chiasso geführt, von wo sie im Verlauf des Verfahrens ihre Verwandten erreichen können. Andererseits wird jedoch von Flüchtlingshelfern berichtet, dass weiterhin zahlreiche Flüchtlinge, darunter auch Minderjährige mit Verwandten in der Schweiz, an der Grenze zurückgewiesen würden, ohne dass ihre Situation von der Migrationsbehörde überprüft werde. Ob das damit zusammenhängt, dass Grenzwächter wirklich nicht verstehen, ob Flüchtlinge z.B. aus Afrika um Asyl bitten, bleibt offen.

Hier steht Aussage gegen Aussage. Deshalb ist in dieser schwierigen Situation im italienisch-schweizerischen Grenzgebiet wichtig, dass sich Freiwillige um die Flüchtlinge kümmern, ihnen Essen, Kleider, wenn möglich auch Unterschlupf bieten können. Der Preis des Vereins Reset-Menschenrechte an die beiden Pfarrer ist deshalb auch eine Anerkennung für die vielen freiwilligen Helfer, wie Don Feliciani nach der Preisverleihung sagte.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

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