Walliser Regierungsgebäude in Sitten: Grosszügige Verzichte zugunsten der Staatsbank © ktm

Walliser Regierungsgebäude in Sitten: Grosszügige Verzichte zugunsten der Staatsbank

Millionen-Geschenk für die Walliser Kantonalbank

Kurt Marti / 09. Mär 2012 - Der Kanton Wallis ist ein finanzschwacher Kanton. Doch der Finanzminister verzichtet auf 16,5 Millionen zugunsten der Staatsbank.

Am Mittwoch präsentierte die Walliser Kantonalbank (WKB) erneut einen höheren Umsatz und Gewinn. Die Walliser Medien waren voll des Lobes, allen voran der Walliser Bote, dessen furiose Berichterstattung von der WKB mit einem Inserat im Wert von 2 500 Franken in selbiger Ausgabe verdankt wurde.

Im Windschatten der CVP eine Vorzugsbehandlung

Die WKB hat allen Grund allseits dankbar zu sein, denn sie erhielt im letzten Jahr ein weit teureres Geschenk von rund 16,5 Millionen Franken. Im Windschatten der CVP und der schweigsamen Walliser Medien kann sich die WKB eine Vorzugsbehandlung leisten, die in keinem anderen Kanton anzutreffen ist: Der Dividendensatz für die WKB-Aktien des Kantons liegt mit 14 Prozent weit unter jenem für die Privataktionäre mit 23,5 Prozent und auch weit unter dem Durchschnitt aller Kantonalbanken. Damit verschenkt der finanzschwache Kanton jedes Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag.

Die Oberwalliser Zeitung «Rote Anneliese» (RA) hat dieses Millionen-Geschenk zulasten der Staatskasse seit 2005 immer wieder angeprangert und in einem ausführlichen Vergleich mit den anderen Kantonalbanken aufgezeigt, dass erstens die WKB viel zu billig davon kommt und zweitens die Verwaltungsräte und die Direktoren zuviel kassieren. Im Jahr 2007 regte sich auch bei der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Grossen Rates und beim Walliser Finanzinspektorat erste zaghafte Kritik mit der Aufforderung an die Walliser Regierung, dem Millionen-Geschenk an die WKB einen Riegel zu schieben.

Kapitalertrag fast dreimal tiefer als der Durchschnitt

Die Aufforderung des Finanzinspektorates verhallte an den Flanken der Walliser Viertausender. Der damalige CVP-Staatsrat und Finanzminister Jean-René Fournier aspirierte auf den lukrativen Posten des VR-Präsidiums der WKB und wollte mit der Hausbank der CVP keine Scherereien. Erst nach seinem Rücktritt und Übertritt in den Ständerat gab sein Nachfolger CVP-Staatsrat Maurice Tornay endlich eine Studie in Auftrag.

Die Beratungsfirma BDO AG bestätigte in einer 50 000 Franken teuren Studie die Berechnungen der RA: Im Vergleich mit den anderen Kantonalbanken lieferte die WKB viel zu wenig in die Staatskasse ab und die Gesamthonorare der Verwaltungsräte und Direktoren lagen deutlich über dem Durchschnitt.

Die Studie kam im April 2010 zum Schluss, dass im Jahr 2008 der Kapitalertrag der Staatsaktien bezogen auf den Nominalwert von 110 Millionen «beinahe dreimal tiefer als der Durchschnitt der anderen Kantonalbanken» war, konkret 9,5 Prozent statt 29.05 Prozent. Daraus resultierte allein im Jahr 2008 ein Dividendengeschenk für die WKB in der Höhe von 21,5 Millionen.

In den letzten zehn Jahren ein Geschenk von über 100 Millionen

Im Jahr 2011 lieferte die WKB 15,4 Millionen in die Staatskasse ab. Mit dem Durchschnittssatz der Kantonalbanken von 29,05 Prozent hätten es aber 31,95 Millionen sein müssen. Folglich durfte sich die WKB erneut über ein Geschenk von 16,5 Millionen freuen. In den letzten zehn Jahren hat sich so ein Geschenk-Betrag von über 100 Millionen aufsummiert.

Die Studie bestätigte auch die damaligen RA-Recherchen, wonach die Gesamthonorare des WKB-Verwaltungsrates und der WKB-Direktion überdurchschnittlich hoch ausfielen: Die Gesamtentschädigung des Verwaltungsrates in der Höhe von 835 000 Franken lag bedeutend höher als jene vergleichbarer Kantonalbanken (293 000 bis 580 000 Franken). Dieselbe Abkassier-Mentalität zeigte sich auch bei der Gesamt-Entschädigung für die Direktion in der Höhe von drei Millionen, während vergleichbare Banken nur 1,4 bis 2,8 Millionen dafür aufwendeten.

Das Wallis kann sich diese Grosszügigkeit offenbar leisten

Die Studie blieb übrigens anderthalb Jahre unter Verschluss bis der Staatsrat sie auf Anfrage endlich herausrückte. Die Walliser Medien liess das Millionen-Geschenk zugunsten der WKB kalt. Auch im Budget des Kantons für das Jahr 2012 ist keine massgebliche Erhöhung der Dividende vorgesehen. Der Kanton Wallis kann sich diese Grosszügigkeit gegenüber seiner Staatsbank offenbar leisten.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Redaktor der Roten Anneliese 2000 bis 2010

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