Für die Ärmsten der Armen ist Auswanderung kein Thema. Sie brauchen aber Entwicklungshilfe! © cm

Für die Ärmsten der Armen ist Auswanderung kein Thema. Sie brauchen aber Entwicklungshilfe!

Hilfe vor Ort ohne Einfluss auf Zuwanderung

Christian Müller / 15. Jul 2012 - Viele Politiker glauben, Entwicklungshilfe führe zu besseren Jobs vor Ort und bremse die Migration. Falsch, sagt eine neue Studie.

Das «Forum für Aussenpolitik» foraus, ein Think Tank Aussenpolitik-interessierter Studenten und junger Akademiker, hat sich in einer breitangelegten Studie dem Themenkreis Entwicklungshilfe und Migration angenommen. Das Resultat ist für viele eine Überraschung: Mehr Arbeitsplätze und höhere Löhne in Entwicklungsländern führen nicht zu einer Verringerung der Migration. Im Gegenteil: Um in ein anderes Land auswandern zu können, braucht man immerhin ein bisschen Geld, das den Ärmsten der Armen meist fehlt. Die meisten Zuwanderer in der Schweiz kommen deshalb nicht aus den ärmsten Ländern, sondern aus Ländern, in denen die Entwicklung «nach oben» bereits eingesetzt hat.

Unbedarfte Politiker

Einige Politiker zeigten sich nach Einblick in die Studie überrascht und forderten schon gleichentags ein Überdenken der Schweizer Entwicklungshilfe. Jene, die Entwicklungshilfe nur befürworten, weil sie mit ihr eine Reduktion der Zuwanderung bewirken wollen, werden aus der Studie sogar Argumente gegen die Entwicklungshilfe abzuleiten versuchen.

Für Leute allerdings, die sich mit der Migration als weltweites Phänomen intensiver beschäftigen, ist das Fazit der foraus-Studie kein Aha-Erlebnis, sondern ein begrüssenswerter – weil sachlich argumentativer – Beitrag zur politischen Diskussion um die Zuwanderung. Denn Migration ist, Infosperber hat darüber schon ausführlich berichtet, ein weltweites und kein Schweizer Phänomen. Und die Migration wird auch nicht abnehmen, sondern zunehmen: die heutige Möglichkeit, in den elektronischen Medien bildhaft zu sehen, wie in anderen Ländern die Menschen im Wohlstand, ja vielfach sogar im Luxus leben, heizt Migration tendenziell natürlich an.

Versachlichung tut not

Migration gab es schon vor Tausenden von Jahren und es wird sie immer geben. Trotzdem wird in vielen Diskussionen die Zuwanderung vor allem auf der emotionalen Ebene geführt. Das ist selten zielführend. Die Diskussion um die weltweit unvermeidbare Migration sollte deshalb möglichst faktenkonform und sachlich geführt werden. Infosperber stellt seinen Leserinnen und Lesern deshalb die neuste Studie des Think Tanks foraus in voller Länge zur Verfügung, inkl. die dazugehörende Medien-Mitteilung (siehe unten zum Lesen und Downloaden als pdf). Zusammen mit den Dokumenten der Tagung des Europa Forum Luzern zum Thema Zuwanderung mögen sie so einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion leisten und Einblick in ein Phänomen geben, mit dem sich auch die nächsten Generationen immer wieder beschäftigen werden müssen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Zur Berichterstattung und zu den Dokumenten der Tagung am Europa Forum Luzern
foraus-Studie zum Thema Zuwanderung und Entwicklungshilfe
foraus-Medienmitteilung zur Studie zu Zuwanderung und Entwicklungshilfe
Sonderbotschafter Eduard Gnesa zur foraus-Studie (Der Sonntag 15.7.2012)

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

Eine Meinung

>>"die heutige Möglichkeit, in den elektronischen Medien bildhaft zu sehen, wie in anderen Ländern die Menschen im Wohlstand"
Dieser Effekt wird in der Regel überschätzt und für Angstmacherei genutzt. Er wirkt in der Regel nur auf Leute aus grossen Städten, die ein schwaches soziales Netzwerk haben. Der grosse Rest bleibt, auch wenn er unter für uns unvorstellbaren Bedingungen lebt, dort, wo er ist. Die Angst vor dem Verlust der Familie und der Veränderung ist viel grösser.
Peter Christener, am 01. August 2012 um 07:15 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.