Kein Traumberuf: Putzarbeiten machen Frauen entweder unbezahlt oder schlecht bezahlt © Tonyas

«Unattraktive Arbeit besser zahlen als attraktive»

Matthias Weik und Marc Friedrich / 09. Mai 2017 - Politik und Wirtschaft müssten «radikal umdenken», fordern drei Autoren des Buchs «Sonst knallt's». Dazu gehört ein Grundeinkommen.

Red. Es brauche eine Steuerrevolution, ein neues Geldsystem und ein bedingungsloses Grundeinkommen, fordern die drei Autoren Götz W. Werner, Matthias Weik und Marc Friedrich in ihrem neuen Buch. Als Motto zitieren sie Albert Einstein: «Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.» Mit Genehmigung der Autoren veröffentlichen wir in zwei oder drei Teilen grössere Ausschnitte aus dem Buch.«Sonst knallt's».

Grundeinkommen schafft Gleichgewicht am «Arbeitsmarkt»

Es gibt vier mögliche Gründe, weshalb Frauen und Männer erwerbstätig sein möchten:

  1. Sie erkennen einen Sinn im Ziel und Zweck eines bestimmten Unternehmens oder Projekts;
  2. Sie haben Freude an ihrer Tätigkeit;
  3. Sie haben Freude an der Zusammenarbeit mit andern Menschen, an sozialen Kontakten, an Anerkennung, Renommee oder Status;
  4. Geld.

In Wirklichkeit müsste es doch so sein: Je sinnloser oder übler ich ein Unternehmen finde; je anstrengender, würdeloser oder langweiliger eine Arbeit ist; je weniger ich meine Kolleginnen und Kollegen ausstehen kann; je geringer die Aussicht auf Anerkennung für meine Arbeit ist – desto mehr sollte ich den Lohnzettel im Blick haben. Kurzum: Je unattraktiver eine Arbeit, desto höher müsste im Grunde das «Schmerzensgeld» sein.

Warum das meist nicht so ist? Ganz einfach: Es gibt kein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Vor allem für Menschen mit weniger guten beruflichen Qualifikationen führt das dazu, dass sie praktisch nicht Nein sagen können. Nein zu physisch sehr anstrengenden, schmutzigen oder ekligen Arbeiten. Nein zu extrem monotonen Tätigkeiten. Nein zu schlecht geführten Unternehmen oder zu Vorgesetzten, von denen sie unwürdig behandelt werden. Nein zu Unternehmen, die ihre Kunden lediglich übers Ohr hauen wollen. Und so weiter.

Genau darum – weil hier nur eine Seite Nein sagen kann – ist der «Arbeitsmarkt» kein Markt. Was ist das Wesensmerkmal von Märkten? Genau: Sie müssen nicht jeden Mist kaufen. Sie können als Kunde jederzeit Nein sagen ... Doch Arbeitnehmer müssen aus ökonomischem Zwang etwas machen, um so das Existenzminimum zu sichern. Erst ein BGE würde daher echtes Gleichgewicht am Arbeitsmarkt herstellen.

«Unproduktive Tätigkeiten»: Wenn alle nur noch malen

Gegner des BGE argumentieren zuweilen mit dem «Hobby-Argument»: Wenn Menschen mit Grundeinkommen nicht nur bei Bier und Chips vor der Glotze hocken, dann werden sie es als Chance verstehen, sich fortan allem möglichen «unproduktiven» Unsinn zu widmen.

Deutschland würde zum Land der Häkelgruppen, Seidenmalerei-Kurse und Ayurveda-Workshops verkommen. Millionen volkswirtschaftlich überzähliger Geisteswissenschaftler würden nur noch Gedichte schreiben, abseitige Blogs betreiben oder auf ewig in Oberseminaren sitzen, die sich zum Beispiel der Geschichte, Sprache und Kultur des Volkes der Hethiter widmen. Verkrachte Künstler, Schauspieler und Musiker ohne jede Aussicht auf Verkäufe oder Engagements würden ihre Jobs als Taxifahrer oder Kellnerinnen hinschmeissen – und noch mehr miserable Bilder malen, auf Strassen und in Gaststätten herumlärmen oder in Hinterhöfen seltsame Experimentaltheater eröffnen.

Mag alles sein. Na und? Zum Häkeln braucht es Nadeln und Garn. Deren Verkauf schafft Arbeit und Einkommen. Wer zehn Ayurveda-Kurse besucht hat, kommt unter Umständen auf die Idee, selbst Ayurvedalehrer zu werden. Ist das kein Beruf? Oder gar unproduktiver als das Anbieten von Zahnzusatzversicherungen in Callcentern? Womöglich hätte Kafka in seinem kurzen Leben der Weltliteratur fünf weitere Romane geschenkt, wenn er nicht 14 Jahre bei der Arbeiter-Unfallversicherungs-Anstalt hätte arbeiten müssen.

Umgekehrt: Wie lange würde jemand wirklich ausschliesslich Bilder malen, die selbst geschenkt keiner von ihm haben will? Sicher ist eins: Wer gegen Ende der Schulzeit seine Liebe zu Programmiersprachen oder zum Maschinenbau entdeckt hat, den wird die Aussicht auf ein Grundeinkommen kaum zur Lyrik verleiten.

Vom «Verschwinden» der Arbeit

Im Grunde war die Wirtschaft schon immer dadurch getrieben, Arbeit zu erleichtern, sie geschickter, schlauer oder ressourcensparender zu organisieren – oder sie statt von Menschen von Naturkräften, Tieren oder der Technik erledigen zu lassen. Die kapitalistische Marktwirtschaft hat das Ersetzen menschlicher Arbeit durch Maschinenarbeit zu einem ihrer Prinzipien gemacht. Rationalisierung bedeutet seit Beginn des 18. Jahrhunderts: konsequente und immer raschere Abschaffung der «einfachen» Arbeit.

Zurzeit läuft dieses Spiel unter dem Stichwort «Industrie 4.0». Nachdem Maschinen in den letzten 300 Jahren immer mehr Arbeitsschritte vom Menschen übernommen haben, sollen die Maschinen der nächsten Generation nun auch immer weniger von Menschen bedient, gesteuert und kontrolliert werden. Das übernehmen Computer und Software, also digitale Maschinen ...

Wie viele Arbeitsplätze im Zuge der nächsten Runde der «digitalen Revolution» wegfallen werden, wie viele neue für immer besser Ausgebildete entstehen, wie viele Menschen sich jeweils in welcher Zeit weiterbilden oder beruflich komplett neu orientieren müssen – zu all diesen Fragen jagen sich die Prognosen und Studien derzeit im Wochenrhythmus ...

Arbeit am Menschen

Mehr Werte schaffen und deutlich weniger dafür arbeiten. Hätte man das Adam, Eva und ihren unmittelbaren Nachkommen erzählt, dann hätten sie darin die denkbar grösste historische Ironie Gottes erkannt: «Ein paar Tausend Jahre lang verdient Ihr Euer karges Brot im Schweisse Eures Angesichts. Dann findet Ihr endlich den Hintereingang zum Paradies – und jammert über das Verschwinden der Arbeit! Geht’s noch?»

All das wäre denn auch kein sonderliches Problem, wenn die Fortschritte bei der Produktivität und die Entwicklung der Einkommen halbwegs miteinander im Einklang stünden ... Während die Produktivität je geleisteter Arbeitsstunde seit 1991 enorm zulegte, stagnierten die Nettolöhne nahezu. Vor allem deswegen, weil sich der Arbeitsmarkt immer stärker gespalten hat. Im industriellen Sektor geht der Bedarf an Arbeitsleistung im Zuge der technologischen Entwicklung und des Produktivitätsfortschritts eher zurück, die Wertschöpfung dagegen durch die Decke. Im Bereich der Dienstleistungen, wo es bei Lichte besehen oft wenig bis nichts zu rationalisieren gibt (beste Beispiele: Pflege, Gastronomie, Kultur), kommt dieser Fortschritt dagegen in Gestalt von prekären Beschäftigungen und stagnierenden bis sinkenden Einkommen daher. Ein BGE wäre ein Beitrag dazu, den praktisch kaum einholbaren Vorsprung der Maschinenarbeit zugunsten dessen einzuebnen, was ich immer «Arbeit am Menschen» nenne.

Der stärkste Druck in Richtung BGE dürfte am Ende aber wohl ... vom Ende fast aller kontinuierlichen Erwerbsbiografien kommen. Im gleichen Unternehmen von der Lehre bis zur Rente arbeitet heute kaum noch jemand. Froh kann schon sein, wer mit 55 Jahren noch die gleiche Berufsbezeichnung führt wie in jüngeren Jahren.

Ständige Weiterbildung, gelegentliche Neuqualifikation, hin und wieder auch eine komplette berufliche Umorientierung sind von der Ausnahme zur Regel geworden. Beruf, Familie und biografische Sinnfindung für alle, für Männer wie Frauen gleichermassen, unter ein und denselben Hut zu bringen, dafür braucht es immer öfter Auszeiten. Etwas plakativ formuliert: Im Spiel namens Kapitalismus 4.0 steht kaum noch jemand 90 Minuten auf dem Rasen. Ein Grundeinkommen wäre so gesehen nichts anderes als jene Reservebank, auf der heute selbst bei Vereinen der zweiten Reihe Spitzenspieler sitzen.

Selbstversorgung und Fremdversorgung

Die Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens, so ihre Gegner, leugne nicht allein den Umstand, dass der Mensch von Natur aus faul und egoistisch sei. Sie sei zudem eine einfältige Utopie. Geld fürs Nichtstun! Wo gibt’s denn so was? Beziehungsweise: Wo hat es so etwas je gegeben? Antwort: Über weite Strecken der Geschichte, und zwar vom Beginn unserer Sesshaftigkeit vor 10'000 Jahren bis ungefähr ins 18. Jahrhundert.

Richtig am «Utopie-Argument» ist lediglich eins: Es gab früher kein Geld fürs Nichtstun. Das liegt aber einzig daran, dass Geld in der Geschichte der Menschheit erst seit etwa 300 Jahren eine derart zentrale Rolle spielt. Sicher: Tausch und Handel gab es immer. Und Geld in Form von Münzgeld existiert seit etwa 2700 Jahren. Aber «Märkte» im Sinne allgegenwärtiger Scharniere zwischen Arbeit, Produktion und Konsum gibt es erst seit Beginn des 18. Jahrhunderts ...

In Agrargesellschaften, in denen die allermeisten Menschen Selbstversorger sind, steht ihnen ein Grundeinkommen in Form von Grund und Boden zur Verfügung. Nicht unbedingt in Form von privatem Eigentum an Grund und Boden. Aber in Form von Besitz; das heisst: dem Recht, über Ackerland, Wald oder Weiden zu verfügen. Keine Frage, die Menschen mussten hart arbeiten, um diesem Boden ein Naturaleinkommen abzugewinnen. Aber sie mussten nicht auch noch arbeiten, um überhaupt über Grund und Boden verfügen zu dürfen.

Bei den alten Babyloniern, Sumerern und Ägyptern gehörte alles Land den Palästen und Tempeln. Diese verpachteten ihr Land gegen Teile des Ertrags. Oder sie sammelten alle Erträge ein und verteilten diese wieder. Weil nicht alle Pächter gleich fleissig, nicht alle Böden gleich gut und nicht alle Teile des Reiches von Wasser und Wetter gleich begünstigt waren, wurde für die Pechvögel der Kredit erfunden. Und weil einige allzu sehr vom Pech verfolgt waren, wurden die Sabbatjahre aus der Taufe gehoben, in denen alle bis dato nicht getilgten Schulden gestrichen wurden.

Mit privatem Immobilienbesitz haben es als Erste die alten Griechen versucht – und hatten keine 100 Jahre später die Probleme von Schuldknechtschaft und Sklaverei am Hals. Bei den alten Römern, die anfangs ebenfalls alle freie Bauern gewesen sind, erhielt später jeder Mann, der zwanzig ordentlich besoldete Dienstjahre bei den Legionen abgeleistet hatte, in den eroberten Provinzen ein Stück Land ...

Unter Bedingungen der Selbstversorgung besteht das Grundeinkommen im prinzipiell bedingungslosen Zugriff auf Grund und Boden. Die letzten stummen Zeugen des «Prinzips Selbstversorgung» kann man bis heute besichtigen, auch wenn sie diese Funktion schon lange nicht mehr erfüllen: in den Kleingartensiedlungen der Städte und in den noch erhaltenen Werkssiedlungen des 19. Jahrhunderts, deren Häuschen ebenfalls über kleine Gärten verfügen.

Der Siegeszug der Industriegesellschaft hat, neben vielem, vor allem dies verändert: Selbstversorgung ist keine Option mehr. Bestenfalls kann sie noch ein unglaublich aufwendiges Hobby sein. Heute leben wir in einer Gesellschaft vollständiger Fremdversorgung. Das heisst: So gut wie nichts von dem, was wir zum Leben (und darüber hinaus) brauchen, können wir selbst herstellen. Zwar sagen wir immer noch, dass jemand «von seiner eigenen Hände Arbeit» lebt. Aber das ist nur noch eine Metapher.

Fremdversorgung bedeutet: Wir leben überhaupt nicht von unserer Arbeit. Weil wir das Prinzip der Arbeitsteilung immer weiter perfektionierten, leben wir schon beim Genuss banalster Konsumgüter von der Arbeit Tausender Mitmenschen ...

Es ist wirklich so: Ohne Moos nix los. Früher war der «Kampf ums Dasein», an den ja bis heute erstaunlich viele Leute glauben, ohne Acker so gut wie verloren. Heute ist er es ohne Geld. Daher ist ein Grundeinkommen ein Menschenrecht.

Das Recht auf Leben und das Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft sind unserem aufgeklärten humanistischen Menschenbild nach – und in unserer Verfassung – unbedingte Rechte. Kein einziges unserer Grund- und Menschenrechte ist an den Nachweis von Vermögen oder Arbeitsplatz gebunden. Darum darf ein Grundeinkommen für jeden Bürger an keinerlei Bedingungen geknüpft sein. Deshalb muss es freilich auch nur ein Grundeinkommen sein. Für die Annehmlichkeiten des Lebens, von denen die Menschen zu Recht äusserst verschiedene Vorstellungen haben, muss danach tatsächlich jeder selbst sorgen.

«Durchgerechnet: Zur Frage, ob ein BGE finanzierbar ist»

Die Frage, ob ein Bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar wäre, wischen nach wie vor viele Leute mit Milchmädchenrechnungen vom Tisch. 1'000 Euro für jeden? Sehr witzig!

Bei rund 82 Millionen Einwohnern macht das in Deutschland 984 Milliarden Euro pro Jahr. Einige BGE-Fans sind sogar noch grosszügiger und fordern 1'500 Euro. Da wären wir dann bei knapp 1,48 Billionen.

Womit die 2016 erwirtschaftete Summe aller Arbeitnehmerentgelte (knapp 1,6 Billionen) nahezu vollständig, das Volkseinkommen (2,34 Billionen) zu fast zwei Dritteln und das Bruttoinlandsprodukt (3,13 Billionen) zu rund 47 Prozent verfrühstückt wären. Noch Fragen?

Nur langsam und zäh setzt sich leider die – an sich nicht schwer zu erlangende – Einsicht durch, dass ein BGE natürlich keine zusätzliche «soziale Wohltat» wäre. Denn selbstredend würde es die vorhandenen Einkommen nicht ergänzen, sondern lediglich zum Teil ersetzen.

De facto haben ja nicht nur die 43,5 Millionen abhängig Beschäftigten, die 4,3 Millionen Selbstständigen (einschliesslich mithelfende Familienangehörige) und die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland ein Einkommen. Auch die übrigen knapp 15 Millionen Bürger leben nicht von Luft und Liebe. Sie beziehen ihr Einkommen entweder aus verschiedenen staatlichen Transferleistungen oder aus familiären Quellen.

Der Punkt ist: Auf diese Einkommen haben sie entweder nur einen sachlich oder einen zeitlich begrenzten Anspruch – oder eben auch gar keinen. Ein Bedingungsloses Grundeinkommen schafft damit im Kern lediglich den Missstand ab, dass das Existenzminimum sowie eine angemessene soziale und kulturelle Teilhabe für etwa jeden fünften Einwohner der Bundesrepublik nicht bedingungslos garantiert sind. Für alle übrigen Bürger ändert sich unterm Strich wenig: Ihr Nettoeinkommen bleibt gleich. Nur dass mit BGE dann einen Teil desselben die Allgemeinheit finanziert.

Bei vielen Spitzenverdienern würde der jährliche Abzug von 12'000 oder auch 18'000 Euro Grundeinkommen wenig bis gar nicht ins Gewicht fallen. Viel interessanter ist, was nach Einführung eines BGE mit den kleineren Arbeitseinkommen passiert. Mehr als eine Million Berufstätige beziehen gegenwärtig Leistungen nach Hartz IV. Die sogenannten Aufstocker arbeiten, verdienen damit aber weniger, als sie auch so vom Amt bekämen. Und fast jeder fünfte Aufstocker arbeitet sogar Vollzeit. Im Grunde ist das staatlich geförderte Lohndrückerei. Mit BGE wäre damit sofort Schluss.

Oft werde ich bei Vortragsveranstaltungen oder Diskussionen gefragt, wer denn mit 1'000 Euro Grundeinkommen noch im Einzelhandel arbeiten würde. Nun: Eine Verkäuferin verdient in Deutschland durchschnittlich rund 1'500 Euro netto im Monat, wenn sie Vollzeit arbeitet. Ich gehe stark davon aus, dass es Verhandlungssache werden wird, ob sie für 500 Euro zusätzlich tätig sein möchte.

Abgesehen davon: Mit BGE wird es viel weniger Sozialabgaben geben.

Was wird also nach Einführung eines BGE gesamtwirtschaftlich passieren?

  1. Alle, deren Geschäftsmodelle auf Hungerlöhnen basieren, müssen sich warm anziehen. Entweder verschwinden sie mangels Mitarbeitern ganz schnell vom Markt, oder sie müssen deutlich besser zahlen. Möglichkeit drei: Sie müssen Arbeiten, die sich nur mit Billiglöhnen kalkulieren lassen, ganz fix automatisieren.
  2. Sofern ihre Einkommen am unteren Ende des Gehaltsgefüges rangieren, gewinnen auch Normalverdiener Verhandlungsspielräume.
  3. Bei allen Übrigen wird ein Teil ihres Einkommens, nämlich ziemlich exakt der Betrag des BGE, vom Anteil der bisherigen Lohnkosten in den Steueranteil wandern– nach unserem Vorschlag ausschliesslich in eine Konsumsteuer. Warum das summa summarum sowohl in Bezug auf die Preisbildung wie auch gesamtwirtschaftlich neutral ist, werden wir in einem weiteren Teil über Steuern darlegen.

Allerdings haben einige Befürworter des Grundeinkommens eine kleine Milchmädchenrechnung zur Hand. Sie bilden beim Thema Finanzierung flugs eine Quersumme aus allen sozialen Transferleistungen, gegenwärtig sind das knapp 900 Milliarden Euro, plus zugehöriger Verwaltungskosten – sodass sich ein BGE von 1'000 Euro ebenso flugs zu neun Zehnteln finanzieren lässt. Das ist natürlich Unsinn.

Es gibt tausenderlei Gründe, warum jemand grundsätzlich nicht erwerbstätig sein kann, und gleichwohl auf deutlich mehr als ein Grundeinkommen angewiesen ist. So werden etwa Menschen mit schweren körperlichen Einschränkungen auch nach Einführung eines Grundeinkommens zusätzliche – teils erhebliche – Leistungen erhalten. Entsprechende Ansprüche werden auch in Zukunft geprüft, abgewogen und verwaltet. Weshalb das BGE sicherlich nicht sämtliche Sozialetats überflüssig machen wird.

Tatsächlich aufgebracht werden muss das Geld zur Finanzierung eines Bedingungslosen Grundeinkommens – nach Abzug zumindest von Teilen der heute gezahlten Sozialtransfers – nur für jene, deren Einkommen unterhalb des fraglichen Betrags liegt. Dieses sogenannte «Delta» zwischen den aktuell erzielten Einkommen einerseits und den niedrigeren beziehungsweise fehlenden Einkommen andererseits haben wir am Institut für Entrepreneurship der Uni Karlsruhe berechnet, das ich (Götz W. Werner) bis 2010 geleitet habe. Wir sind dabei von einem Grundeinkommen von zunächst 800 Euro ausgegangen und kamen damals auf eine «Finanzierungslücke» von etwa 70 Milliarden Euro.

In einem wissenschaftlich trockenen Sammelband (Werner/ Eichhorn/Friedrich: Das Grundeinkommen) stellten wir 2012 weitere detaillierte «Rechenmodelle» vor. Wie auch immer man rechnet, ein BGE lässt sich gewiss nicht aus der Portokasse bezahlen. Aber anders als in den Milchmädchenrechnungen, die bei Talkshows und Podiumsdebatten beredet werden, lassen sich für die fraglichen Summen sehr wohl Strategien zur «Gegenfinanzierung» eines BGE formulieren ...

Es geht im Wesentlichen nicht darum, neue Geld- und Einkommensströme zu generieren. Wir müssen die existierenden nur vernünftiger organisieren. Hat man das begriffen, dann lassen sich auch grundsätzliche Umsteuerungen dieser Ströme rechnen.

Das war bei anderen historischen Systemwechseln – etwa von der Bestands- zur Einkommensbesteuerung oder bei der Einführung der gesetzlichen Sozialversicherung – nicht anders. Ohne Frage wäre die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens ein Systemwechsel. Niemand behauptet, dass er einfach wäre. Aber er ist politisch, rechtlich und auch finanziell möglich. Denn: Im Zuge der «Industrie 4.0» werden so viele Jobs wegfallen und nur wenige – zumeist für Top-Fachkräfte – neu entstehen, dass wir überhaupt keine andere Wahl haben, als ein BGE einzuführen.

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In ihrem Buch schlagen die drei Autoren eine schrittweise Einführung eines BGE vor.

Buch bestellen:

«Sonst knallt's – Warum wir Wirtschaft und Politik neu denken müssen», Edition Eichborn, 2017, 15.90 CHF

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Infosperber fasste einen zweiten Teil aus dem Buch zusammen: «Alle Steuern abschaffen – bis auf eine» (20. Mai 2017)

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Die drei Autoren:

Götz W. Werner ist Gründer der dm-Drogeriemarkt-Kette. Sein Führungsstil ist geprägt von seiner Nähe zur Anthroposophie. Als Unternehmer setzt er auf Kooperation, selbstständiges Arbeiten und auf die Entwicklung seiner Angestellten.

Marc Friedrich (links) ist Mitgründer der Honorarberatung Friedrich & Weik Vermögenssicherung. Seit vielen Jahren hält er gemeinsam mit Matthias Weik Vorträge im In-und Ausland rund um das Thema Wirtschaft und Finanzen.

Matthias Weik (rechts) ist Mitinitiator von Deutschlands erstem offenen Sachwertfonds. Gemeinsam mit Marc Friedrich hat er die Bestseller «Der grösste Raubzug der Geschichte», «Der Crash ist die Lösung» und «Kapitalfehler» geschrieben.

Weiterführende Informationen

Zum Infosperber-Dossier "Bedingungsloses Grundeinkommen"
BGE auch in Afrika, ein Experiment (auf Infosperber)

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16 Meinungen

Das Bedingungslose Grundeinkommen wird kommen wie das Amen in der Kirche. Wenn man jedoch, wie die Initianten bei der «Finanzierungsfrage» herumeiert, kann die Vorlage zerredet werden.

Es geht um Kaufkraft, welche bei abnehmender Erwerbsarbeit fehlt, wenn das Geld nicht zum Konsumenten fliesst. Der Roboter wird die Preise purzeln lassen und wir müssen uns mit weniger Kaufkraft abfinden müssen. Auf alle Fälle ist die Zeit der Ersparnisse (für die meisten) beendet.

Alles andere, wie die Autoren, ist Bucherfolg suchen um Geld verdienen zu können?
Das BIP ist der einzig korrekte Parameter, weil er auf der Bedürfnisabdeckung der Bevölkerung mit Geld in Zirkulation, beruht. Dabei kann ich mir eine Umsatzsoziabgabe (Rentenreform 2020?), oder Direktzahlungen für einen ordentliches Leben in Würde vorstellen kann. Die westliche Welt liegt im selben Boot und fischt im selben trüben Wasser. Exportweltmeisterschaft beendet.

Die Zuordnung des Geldgegenwerts der Arbeit beruht auf der Ideologie von Adam Smith (Wertschöpfung). Richtig wäre jedoch nach J.B. Say (Produktivkraft). Dabei geht es nicht nur um unattraktive Arbeit.

Woher stammt das Geld für die Steuern? Fliesst das Geld der Staatsquote nicht in die Wirtschaftsleistung, sondern in den Himmel?

Wer kommt eigentlich für den Gegenwert (Geld aus Schulden) der Arbeit in der arbeitsgeteilten Wirtschaft auf?

Können auch die Buchschreiber die korrekte Antwort geben?
Arbeitgeber, Kunden, oder der Erwerbstätige selbst?
Georg Bender, am 09. Mai 2017 um 15:41 Uhr
interessante Meinung.  denn würden die Menschen wieder zum selbstversorger werden, würde die ganze Wirtschaft zusammen brechen. ich vermute, es ist nicht die Angst vor den faulen Menschen, welche Bilder von blümchenwiesen malen, sondern, dass niemand mehr an der Kasse Schlange steht. die Informatiker werden schon schauen, dass die Internet server laufen, nachdem sie ihre paar pflänzchen gegossen haben. aber niemand kauft halt mehr gucci und armani. das handy funktioniert plötzlich auch noch nach 10 Jahren und ist halt auch kein wegwerfprodukt mehr. der ganze Erfolg, der Europäischen und arabischen Zivilisation beruht einzig auf dem höheren ernteertrag, gegenüber anderen Regionen. darum erfanden gelangweilte Menschen so Sachen wie das Rad, Mathematik, stahlverarbeitung und heute paar lustige apps. wenn die Menschen schlau anstatt raffgierig wären, müssten sie wieder eine solche produktionseffezienz anstreben, damit wieder viele gelangweilte Menschen das Rad neu erfinden können. das sind nur paar wenige Genies, aber alle provitieren davon. darum sollten die Menschen eine Welt erschaffen, wo die ganzen absurden Ideen kreiert werden können. aber Angst und Terror sichert das riesige Vermögen ein paar Wenigen besser. es ist jedem selber überlassen, für welchen Weg er oder sie sich entscheidet.
Rene Baur, am 10. Mai 2017 um 01:32 Uhr
Herr Rene Baur
Wir werden nur zum Teil Selbstversorger. Der Mensch hat den Roboter geschaffen um sich von der Erwerbsarbeit zu verabschieden. Wie er den dann seinen Tagesablauf weiss er natürlich nicht?
Interessant wird es mit den nicht getilgten Schulden (Geld)? Mit dem Roboter werden die Marktpreise purzeln. Wie verhalten sich die Banken, weil die Kredite können definitiv nicht mehr wie gewohnt bedient werden?

Weil der Roboter weder konsumiert noch Beiträge bezahlt, wird die entsprechende Kaufkraft nach Hause überwiesen werden müssen.

Wenn ich jedoch die Flickschusterei 2020 bewerte, so scheint mir, dass den Ökonomen und Politiker als auch der Bevölkerung, die Kaufkraft nicht richtig eingeordnet werden kann?
Die Abwicklung über die Lohnsumme vernebelt den Geist, weil einerseits die Jungen glauben, sie würden die Rente «finanzieren» und andererseits wird von abnehmenden Erwerbstätigen im Verhältnis zu den Rentnern geschwafelt. Denkfehler wegen falschem System! Die Politiker und Medien kopieren die Meinungen, anstatt zu versuchen, selber zu denken? Das Geld fällt definitiv nicht vom Himmel?
Georg Bender, am 10. Mai 2017 um 17:48 Uhr
welche wörter (roboter,bge,tieflohnpolitik,arbeitslosigkeit,etc) schlussendlich in den geschichtsbüchern stehen, ist doch hans wie heiri.
kleinere Einnahmen bei den Konsumenten führt zu kleineren Einnahmen bei Staat und Konzernen.
gleiche Schulden oder Kosten bei kleineren Einnahmen zu tilgen, ist schwierig.
grössere Schulden bei gleichen Einnahmen ist das selbe Problem.
aber wie gesagt, das alles ist kein Problem, wenn man die raffgier aus der Gleichung nimmt.
früher konnte jeder Essen und Unterschlupf auf einem Stück Land kreieren, heute ist jeder auf den goodwill von hr Menschen mit Doktortitel angewiesen, dass er das erreichen kann.
ich bin überzeugt, dass sie die Idee auch verstehen, wenn sie meine Wörter durch ihre ersetzen. vielleicht wollen sie auch das Vokabular erweitern...ich benutze jeden Tag das Wörterbuch...
Rene Baur, am 12. Mai 2017 um 02:40 Uhr
In einem Land, in dem das Lohnniveau wesentlich höher ist als in den angrenzenden Gebieten, wird der Arbeitsmarkt durch die Personenfreizügigkeit ruiniert. Wenn ein Lohn von den Einheimischen als inakzeptabel eingestuft wird, dann findet der Arbeitgeber immer noch einen Auswärtigen, für dessen Massstäbe dieser Lohn ganz o.k. ist. Dass die Lebenshaltungskosten im reichen Land ebenfalls höher sind, merkt der Auswärtige mit der Zeit schon. Dann kann man ihn ja durch einen frischen Auswärtigen ersetzen...

In einigen Teilgebieten spielt der Arbeitsmarkt in der Schweiz ganz gut. In der Politik wird dann von «Fachkräftemangel» gesprochen. Die Arbeitgeber können Lohn und Arbeitsbedingungen nicht mehr ganz in eigener Regie bestimmen. Wenn ihr Angebot nicht stimmt, finden sie tatsächlich keine Bewerber mehr für ihre Stellen. So müsste ein Arbeitsmarkt eigentlich sein. Dass man als Arbeitnehmer nicht eine grosse Zahl von Traumstellen zur Auswahl hat, und dass man manchmal gewisse Abstriche machen muss, wird als normal gesehen. Die Einsicht, dass in einem funktionierenden Arbeitsmarkt die Arbeitgeberseite in ähnlichem Ausmass zu kompromissen gezwungen sein sollte, ist leider nicht so verbreitet.

Erschütternd finde ich, dass auch viele Linke unkritisch bei dem Geschrei um einen angeblichen Fachkräftemangel mitmachen. Wessen Interessen vertreten sie? Oder haben sie ganz einfach die Mechanismen nicht verstanden?
Daniel Heierli, am 12. Mai 2017 um 10:23 Uhr
Das Grundeinkommen könnte dazu führen, dass die Wirtschaft bedarfsgerechter produziert. Kein »Channel-Stuffing« mehr, wo die nicht verkauften neu produzierten Autos weltweit vor sich hin rotten. „Hier und da begann man sich zu fragen, ob der Sinn der Produktion wohl eigentlich darin lag, Waren herzustellen oder lediglich für Arbeitsplätze zu sorgen.“ Ob die Schweiz für ein Grundeinkommen allerdings der richtige Ort ist? Hier findet immer noch eine Art Glorifizierung der Arbeit statt. Schnell ist man hierzulande gegen ein leistungsloses Einkommen „unten“ übersieht dabei aber, dass dieses „oben“ schon immer existierte, nämlich durch Zinsen, Dividenden, Kapitalgewinne usw. Zwar ist man hier für technologische Revolutionen offen, doch gesellschaftlich, monetär und wirtschaftlich möchte man am liebsten alles beim Alten belassen wie am Anfang des 20 Jahrhunderts.
Wie der Beitrag schon anspricht, gibt es verschiedene Arbeitswelten wie es der Autor des Buches „Die Tyrannei der Arbeit“ Ulrich Renz anspricht:
"Während sich für die Globalisierungsverlierer Arbeit mehr denn je nach Zwang anfühlt, nach purer Daseinsnotwendigkeit, sieht die gebildete Mittelschicht sie als Mittel zur Selbstverwirklichung. Während die einen sich in ihrem Berufsleben mit einer immer breiter werdenden Definition dessen abfinden müssen, was für sie als zumutbar zu gelten hat („Es gibt keine Drecksarbeit“), wird Arbeit im oberen Bereich zu einem großen Abenteuer, auf das man schon lange begierig gewartet hat."
Edgar Huber, am 12. Mai 2017 um 13:17 Uhr
Etwas wird im zusammenhang mit dem «Verschwinden» der Arbeit gerne vergessen: Nur ein Teil davon wird wegrationalisiert. Ein beträchtlicher Teil wird ausgelagert. Ein Grossteil der Arbeitsstunden wird in Länder ausgelagert, wo die Löhne sehr tief sind. Wir können es uns auf diese Weise leisten, sehr viel Arbeit durch andere Leute für uns erledigen zu lassen.

Wenn wir diese Art von Ausbeutung stoppen oder auch nur abschwächen würden, wäre bei uns die Arbeit plötzlich wieder etwas weniger knapp!
Daniel Heierli, am 12. Mai 2017 um 21:51 Uhr
@Daniel Heierli
"Ein Grossteil der Arbeitsstunden wird in Länder ausgelagert, wo die Löhne sehr tief sind"
Dies kann ebenfalls zu Channel-Stuffing beitragen, denn wenn die Arbeit recht bezahlt wird könnten sich die Firmen keine Überproduktion mehr leisten.
Edgar Huber, am 13. Mai 2017 um 23:18 Uhr
@Edgar Huber
Absolut einverstanden! Wenn die Arbeit viel zu billig ist, wird auch Ware produziert, für die gar kein echter Bedarf besteht.
Daniel Heierli, am 14. Mai 2017 um 13:56 Uhr
Im Buchtext steht geschrieben, es brauche ein neues Geldsystem. Nun wir leben in einem Schuldgeldsystem. Geld wird geboren aus Krediten oder Investitionen. Das Geld besteht also aus Schulden bei einer Bank, weil die Bank es nicht verschenkt. Dafür entrichtet man den Zins und Zinseszins was zur Folge hat, dass unter anderem auch deshalb immer wieder neue Kredite von anderen Personen getätigt werden müssen. Mit jedem Kauf eines Produktes oder einer Dienstleistung entrichtet man ohne es zu wissen auch Zinsen, da diese im Preis einkalkuliert sind wie auch die Sozialabgaben, Gewinne für Dividenden, AHV usw. Will man Wachstum muss auch die Geldmenge mitwachsen was ebenfalls auch automatisch mehr Schulden bedeutet. Eine Reform wäre nötig z.B durch Bankentrennung in Geschäftsbanken und Kapitalmarkt (Kapitalmarkt, da wo das Casino stattfindet ) wobei den Geschäftsbanken die Form der AG und die direkte oder indirekt Teilnahme am Kapitalmarkt zu verbieten ist. Es gibt im Netz genügend Beispiele, wo das Geldsystem erklärt wird. Z.B von Mathias Binswanger oder Dirk Müller und Franz Hörmann bei YouTube. Sehenswert auch Die Geschichte von Goldschmied Fabian, welche «Gebrüder Grimm» artig gestaltet ist.
Edgar Huber, am 14. Mai 2017 um 20:56 Uhr
Das BGE wird in unserem vorherrschenden Geldsystem sicher nötig werden (oder wäre es schon jetzt). Dennoch liegt das Hauptproblem des Kapitalismus' wie wir ihn heute kennen und des Ungleichgewichts zwischen Arm und Reich, m.M.n. anderswo.

Nämlich bei der Tatsache, dass wir eine nationale Weltleitwährung haben, den US-Dollar, an dem alle anderen nationalen Währungen angebunden sind, was für alle anderen Länder ausser Amerika ausschliesslich zum eigenen Nachteil ist.

Der britische Ökonom John Maynard Keynes hatte dieses Problem erkannt und hatte zum Zwecke einer ausgeglichenen Weltwirtschaft nach dem 2.WK die internationale Währung «Bancor» vorgesehen. Innerhalb der Länder hätte man weiterhin in nationaler Währung bezahlt, während alle internationalen Käufe/Verkäufe mit dem neutralen «Bancor» abgewickelt worden wären.

Wie ist es nun dazu gekommen, dass die ganze Welt den US-Dollar als Weltleitwährung «akzeptiert» hatte? Stichworte: Bretton Woods, Harry Dexter White.

Ich möchte zu diesem sehr wichtigen Thema folgendes Buch empfehlen:

Georg Zoche - Welt Macht Geld
Tom Streit, am 15. Mai 2017 um 15:01 Uhr
@ Edgar Huber, @Tom Streit. Vielen Dank für das Einbringen des Themas Schulden und Weltleitwährung.
Wenn wir das Schuldsystem beenden wollen, müssen wir auch die privaten Vermögen begrenzen. Wie jeder Einzelne mit seiner Gier umgeht ist Privatsache. Doch in einer Demokratie sollten wir es schaffen die Vermögen so zu begrenzen, dass Einzelne ihre Macht nicht mehr unbegrenzt ausspielen können. Dazu braucht es eine echte Progression. Ich schlage vor dass ab 50 Mio 50 % Steuern erhoben werden. Ebenso auf Einkommen ab 500000 50%. Was für das Gleichgewicht besonders wichtig ist, ist eine Steuer von 80% auf alle Geld-aus-Geld-Gewinne (Dividenden, Zins usw.) ab 1000.- Natürlich müsste die Schweiz diesen Vorschlag allen europäischen Ländern unterbreiten - wir brauchen diese Lösungen weltweit - lieber heute als morgen :-) Die Zerstörungen und Leiden durch unser jetziges System sind unerträglich.
Luzia Osterwalder, am 16. Mai 2017 um 07:31 Uhr
@ Luzia Osterwalder
Danke für den Input. Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Um das Gleichgewicht zu erhalten, muss es klare Richtlinien und Regeln geben, die dann unter demokratischer Kontrolle durchgesetzt werden. Und das am besten auf der ganzen Welt. Dies würde aber auch bedingen, dass die am weitest verbreiteten Medien auch echte Vertreter der Volksinteressen sein müssten und ihre Aufgabe als Aufdecker von Korruption/Vetterliwirtschaft wieder wahrnehmen könnten, was heute nicht mehr der Fall ist.

Die Nachkriegsjahre nach dem 2.WK wären eine riesen Chance gewesen, um eine faire internationale Leitwährung à la «Bancor» zu etablieren. Leider hat es das US-Imperium vorgezogen auf diese nachhaltige Lösung zu verzichten, mit der evtl. ein Kollaps der Weltwirtschaft und weitere Kriege hätten verhindert werden können. Die USA wollte offensichtlich lieber kurzfristig die Vorteile mit dem eigenen US-Dollar als Weltleitwährung geniessen. Ich bin mir sehr sicher, dass dies auf lange Dauer schief gehen wird.

Der Clou am «Bancor» wäre ja eben, dass ihm selbst nur noch eine untergeordnete Rolle zufallen würde, nämlich als internationale Verrechnungseinheit. Die Idee bestand darin, dass die Länder innerhalb des selben Wirtschaftsraumes via internationale Clearingstelle Güter gegen Güter tauschen können. Wenn ein Land dem Wirtschaftsraum die Menge X an Öl zur Verfügung stellen würde, bekäme sie diesen Betrag in «Bancor» gutgeschrieben, womit es dann andere Güter beziehen könnte.
Tom Streit, am 16. Mai 2017 um 11:04 Uhr
@Tom Streit: Ja, einverstanden, eine unabhängige Weltwählrung muss ein Ziel sein. Die Rahmenbedingungen müssen auch stimmen. Bis dahin sind noch einige Stolpersteine zu überwinden. Dazu müsste jeder Mensch seine eigene Gier überwinden. Auch überheblicher Nationalitätenstolz. Jeder tapfere Mann und jede fleissige Frau müsste erkennen, dass die erste oder zweite Million einfacher zu erreichen sein sollte, als die 30. z.b. Interessant sind die Bücher von Christian Felber: Die Gemeinwohl-Ökonomie, ethischer Welthandel und Geld, die neuen Spielregeln. Im Letzten hat es für Interessierte einen Fragebogen, rund ums Geld-System. Dieser kann hier runtergeladen werden: https://www.ecogood.org/media/filer_public/d5/ff/d5ff5ed2-0c0c-4f46-812c-758fa85624e2/fragenkatalog_geldkonvent_2014.pdf Viel Spass.
Luzia Osterwalder, am 16. Mai 2017 um 11:32 Uhr
Ist irgendwer unglücklich über die Haushalt-Roboter wie die Wasch- und Geschirrspülmaschinen ? Die verlorene Arbeit wird kaum von irgendeinem Betroffenen bereut. Die freigewordene Zeit scheint auch nicht für alle verloren.

Was die Mythen über Geld und Geldpolitik betrifft, sollte daran erinnert werden, dass die Banknoten der SNB erst seit den 50er Jahren legales Geld sind. Früher hat niemand danach gefragt und funktioniert hat es trotzdem.

Die Leitwährung US-Dollar war bis 1971 immerhin durch Gold abgesichert. Wenigstens Zentralbanken konnten das einfordern. Dann hatte aber die US Zweifel, ob sie den Vietnamkrieg ohne die internationale Gelddruckerei noch finanzieren könnte. Dies umsomehr als DeGaulle effektiv Gold sehen wollte.

Die braven Amerikaner schrieben darauf auf ihre Dollarnoten «in God we trust» und der Rest der Welt finanzierte den Vietnamkrieg und noch ein paar andere Kriege.

Geld per se hat keinen Wert. Nur die Möglichkeiten irgendwen zu finden, der dafür Waren und Dienstleistungen abzugeben bereit ist, macht den Wert des Geldes aus.

Lokales Geld kann «Legal tender» sein, weil das lokale Gesetz durchgesetzt werden kann. Ausländisches Geld ist für die meisten Leute im wesentlichen aber nur Papier. Man muss wen finden, der das in nützliches Geld umtauschen will. Das kann auch der Gesetzgeber nicht erzwingen.
Josef Hunkeler, am 17. Mai 2017 um 15:37 Uhr
L. Osterwalder, T. Streit

Das Kernproblem liegt nicht am Schuldgeldsystem an sich (an welchem übrigens nicht alle Länder teilnehmen dürfen) sondern am nicht im Sinne der Geldschöpfung organisierten Bankensystem.

Ohne Schuldgeldsystem hätte der Wohlstand bei uns nie dieses Ausmass erhalten, da es zuerst Kredite braucht um Staat & Wirtschaft aufzubauen.

Scheinbar hat Keynes das Geldsystem auch nicht völlig verstanden? Er hätte die Konzentration der Banken auf die Geldschöpfung verlangen müssen. Die Form der AG, Mitwirkung am Kapitalmarkt und Beteiligung sowie Kreditgewährung an Teilnehmer sollten unzulässig sein. So wäre das Geld selbst durch Güter gedeckt und die Funktion als Tausch Ersatzmittel gegeben.

Ein Goldstandard dient der Begrenzung des Geldmengenvolumens. Wurde ständig aufgeweicht, weil das Wachstum stand im Vordergrund (Wohlstand).

Die Sozialquote bzw. der Lebenstandard muss entsprechend in die Produkte einkalkuliert werden, damit die Existenzkämpfe und Armut beendet sind. Das Geld- und Wirtschaftssystem bietet die Möglichkeit, wenn die Standards von der OECD vorgegeben werden, damit die Globalisierung, den «Bancoreffekt» ergibt.

Aus dem USDollar sind praktisch alle gesetzlichen Zahlungsmittel (Währungsreserve der einzelnen Länder) entstanden. Darum sind die Wechselkurse am Dollar angebunden, also sind alle Währungen «Bancors» mit zusätzlichem Zutritt in den «Geldspielwarenmarkt» (Kapitalmarkt). Die Ausdehnung einer Währung hängt von derer Akzeptanz ab.
Edgar Huber, am 19. Mai 2017 um 18:30 Uhr

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