60 Menschen aus über 30 Ländern debattieren über Migration © Screenshot

60 Menschen aus über 30 Ländern debattieren über Migration

BBC lanciert spektakuläre Sendung mit Weltsicht

Christof Moser / 31. Mrz 2016 - Globale Themen brauchen globale Perspektiven: Die BBC wagt mit «The Global Philosopher» ein herausragendes Experiment.

Ein TV-Studio an der Harvard Business School in Boston, im Hintergrund eine Videowand mit 60 Bildschirmen – und mittendrin der renommierte Philosophie-Professor Michael Sandel. In diesem aussergewöhnlichen Setting hat BBC Radio 4 Anfang dieser Woche ein wegweisendes Experiment gestartet: «The Global Philosopher». Die Sendung, die sowohl als Radio- (hier) oder TV-Programm (hier) abrufbar ist, soll regelmässig Themen aus einer globalen Perspektive behandeln und widmete sich zum Auftakt dem Thema Migration – unter dem Titel: «Should national borders matter?» Und wenn ja: «Why?»

Via Videowand zugeschaltet werden Menschen aus über 30 Ländern, die das jeweilige Thema diskutieren. In der ersten Sendung zum Beispiel Leo aus São Paulo, der erzählt, wie er als illegaler Einwanderer nach Grossbritannien zu gelangen versuchte, aber von Grenzbeamten abgefangen und zurückgeschickt wurde. Oder Jedidja aus Jerusalem, die warnt, dass die Kultur eines Landes durch die Migrationsströme verloren zu gehen drohe – was heftigen Widerspruch von Lena aus München provoziert: Dieses Denken habe ihr Land an den Abgrund geführt. «A German is teaching an Israeli about the evils of nazism», stellte der «Guardian» in einer Kritik der Sendung begeistert fest.

Social Media verbinden die Welt global – Zeit, dass dies auch traditionelle Medien berücksichtigen

Längst sind die Menschen via Facebook, Twitter und andere sozialen Medien weltweit miteinander verbunden – auch wenn es nur Ferienbekanntschaften sind, die auf der anderen Seite der Welt leben. Die traditionellen Medien bilden diese global vernetzte Öffentlichkeit kaum ab, im Gegenteil: viele Debatten erschöpfen sich in der Enge nationaler Diskurse. Und das in einer Welt, in der sich viele Probleme nur noch multinational lösen lassen.

Ganz besonders trifft das auf die Migrations-Debatte zu, die weltweit geführt wird, aber selten aus anderen Perspektiven als dem eigenen, nationalen Blickwinkel. Und in den Medien fast ausschliesslich von Politikerinnen und Politikern, die ihre politischen Programme abspulen, um ihr Elektorat zu befriedigen: Migration steigert das BIP, Migranten überrollen uns – jeder und jede kennt die Argumente und Gegenargumente. Hier schlägt «The Global Philosopher» eine spektakuläre Schneise: normale Menschen kommen zu Wort, Bürgerinnen und Bürger dieser Welt. Daraus wird ein sehens- oder hörenswertes Programm, das hoffentlich noch viele Fortsetzungen findet.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

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2 Meinungen

Im Journalismus weiss man: die Auswahl der Quellen beeinflusst (oder bestimmt sogar) den Inhalt der Botschaft. Je breiter, bzw. globaler ein Thema ist, desto mehr vertraue ich auf die Analyse und Synthese eines guten Autors und desto kritischer gehe ich mit O-Ton von Unbekannten um. Denn für jede Behauptung, so gewagt sie auch sein mag, findet sich auch eine Stimme, die sie äussert. Der Wahrheitsfindung ist das nicht unbedingt dienlich.
Christoph Pfluger, am 31. März 2016 um 13:58 Uhr
Was fehlt und völlig unberücksichtigt bleibt ist wie immer beim Thema Globalisierung das jegliche Verbindlichkeit, Wohlwollen, Wertschätzung für Arbeiter fehlt. Dies scheint kein Bedürfniss zu sein oder isr dies schlicht nicht vorgesehen weil es Profite behindert?

Ich denke klar ja, setzt man sich mit den Vorgängen rund um die Gründung des MAI und folgend der WTO auseinander. Zuerst wurde die ILO als Verantwortlich für die Globalisierung gewählt, doch diese hatte viel zu viele solidarische und soziale Leitplanken um unser aller Zusammenleben auch global zu sichern was als sinnlose staatliche Einmischung eine seit jeher einseitig definierte Effizenz und Produktivität behindern würde.

Kapitalisten, Investoren die seit jeher derart asozial denken das Gemeinschaften progressive Steuersysteme einführten um sich zu schützen. Das war einmal...
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Völlig ungeschützt sind u.a. Diplome, Unfall- Krankheitsschutz, geleistete Arbeitsjahre, Arbeitserfahrung, Lebenserfahrung, Mindestlöhne, Ferien, Feiertage, Pensionsalter, Renten, Invaliden- Sozial- Armutsschutz, Arbeitsschutz, Umwelt- Sozial- Versicherungsstandards... alles Themen die bis heute von der ILO erarbeitet werden. Doch dies war eben viel zu sozial...

Staatlich geschützt werden soll nur Eigentum (von dem Arbeiter in der Regel nichts haben, also Patente, Immobilien, Urheberrechte, Lizenzen... ), Profite, Investitionen wärend alles für normale Menschen wichtige liberalisierten Märkten und brutalem Wettbewerb ausgesetzt wird.
Uwe Borck, am 31. März 2016 um 20:26 Uhr

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