Tunis im Februar 2011. Nicht zuletzt Frauen kämpften und kämpfen für mehr Demokratie. © Lars Müller Publishers

Tunis im Februar 2011. Nicht zuletzt Frauen kämpften und kämpfen für mehr Demokratie.

Der Wunsch nach Demokratie – sichtbar gemacht

Christian Müller / 29. Sep 2013 - Ein Bilderbuch, ein Lesebuch, und auch ein Lehrbuch: Herausforderung Demokratie. Das Werk gehört in jede Familie mit Jugendlichen.

Es ist ein gewaltiges Buch, das da eben herausgekommen ist: mit über 500 Seiten Umfang, mit über 300 grossen Abbildungen, mit neuen Texten von einem guten Dutzend kompetenter Autoren – darunter Hanspeter Kriesi, Daniel Bochsler, Sandra Lavenex oder auch Colin Crouch – und mit einer zeitlichen und geographischen Weite, wie sie in der Schnelle kaum zu «erfahren» ist. Aber schon beim ersten Blättern bleibt man hängen, staunt über den Schatz an geschichtsträchtigen Aufnahmen gerade auch aus neuster Zeit, und man beginnt zu lesen.

Demokratie, Wunschtraum fast aller Menschen

Wir alle reden über die Demokratie. Über die Demokratie, wie sie für uns Schweizer selbstverständlich zu sein scheint. Über die Demokratie, die selbst in Europa noch lange nicht überall zufriedenstellend funktioniert. Über die Demokratie, für die in ferneren Ländern Menschen auf die Strasse gehen und nicht selten ihr Leben dafür aufs Spiel setzen. Aber wissen wir eigentlich, was Demokratie ist? Wie sie funktioniert, hierzulande und anderswo? Was ihre Voraussetzungen sind? Und wo und wie sie – zusehends! – auch wieder gefährdet ist?

«Unter Demokratie verstehe ich, dass sie dem Schwächsten die gleichen Chancen einräumt wie dem Stärksten», sagte Mahatma Gandhi. Verstehen auch wir das unter Demokratie?

«Heute ist die Qualität der etablierten Demokratien erneut infrage gestellt, auch wenn nicht mehr von einer Überforderung der Regierungen die Rede ist. Als Folge der Globalisierung und der wirtschaftlichen Entwicklung werden die Handlungsspielräume der demokratisch gewählten nationalen Regierungen zunehmend eingeschränkt, während supranationale Organisationen und eine grosse Zahl von Akteuren wie Notenbanken, Expertengruppen, Unternehmen und Grossbanken, die von den Bürgerinnen und Bürgern nicht auf demokratische Weise zur Verantwortung gezogen werden können, in zunehmendem Masse das Sagen haben. Die damit verbundene Aushöhlung der nationalen Demokratien löst populistische Reaktionen aus, welche das Ideal der Volksherrschaft gegen die Herrschaft von Technokraten und undurchsichtigen Mächten zu verteidigen suchen.» Hanspeter Kriesi und Lars Müller, die beiden Herausgeber des Werkes, aus deren Vorwort dieses Zitat stammt, haben die Gefahren erkannt, die der Demokratie lauern. Es sind nicht nur politische Despoten, die wir uns hierzulande schon kaum mehr vorstellen können. Es sind vor allem auch neue Kräfte, die die Demokratie unterlaufen, sie zu umgehen oder gar auszuschalten versuchen.

Bilder, Bilder, Bilder

Lars Müller, der 1983 in Baden einen Verlag gründete, in dem er vor allem Werke zu Gestaltung, Design und Architektur herausgab, schöpft voll aus dem Visuellen. Hanspeter Kriesi, bis 2012 Professor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich und Direktor des «National Center of Competence in Research Challenges to Democracy in the 21th Century» (NCCR Democracy), heute Professor am renommierten «European University Institute» in Florenz, ist der ideale Text-Autor und -Sammler. Die beiden Herausgeber – mit Unterstützung des NCCR Democracy – haben es geschafft, ein Werk hinzulegen, das dem heutigen grossen Bedürfnis nach dem Bild – als empfundene Bestätigung der textlich vermeldeten Realität – in vollem Masse Rechnung trägt, und doch nicht nur zum Begucken und Bestaunen taugt. Die Vielzahl der äusserst kompetenten Fachautoren und die Weite der eingebrachten Blickwinkel auf das Thema «Demokratie» machen das Buch zum publizistischen Ereignis. Alle, die den Begriff Demokratie brauchen – und, absichtlich oder nur fahrlässig, gelegentlich auch missbrauchen – , die Politiker und Politikerinnen, die Medienleute, aber auch die Lehreinnen und Lehrer, sollten dieses grosse Buch nicht nur in die Hände nehmen, sondern sich darin vertiefen – zum Wohle der Demokratie, die wir uns wünschen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Zur Bestellung des Buches
Zum Autor Hanspeter Kriesi (aus der ZS)
Unsere defekte Demokratie (auf Infosperber)
Hanspeter Kriesi zur Demokratie (NZZ/Weltföderalisten)

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Eine Meinung

Das Kreuz mit der Demokratie, es beschäftigt mich immer wieder. Wenn die Mehrheit in einer Nation in den Wertvorstellungen einen Bildungsmangel hat, rückständig ist, werden die anderen, die Fortgeschrittenen, die Gebildeten, diejenigen welche einen hohen Ethos erarbeitet haben, unter Umständen sehr zu Leiden haben unter der Mehrheit. Darum beschäftigt mich immer wieder die Vorstellung, wie es wäre eine Weiterbildung mit anschliessender Prüfung als Bedingung zu machen, um ein Stimmrecht zu erhalten. So wie das Autofahren einen Führerschein braucht, so wäre ein Stimmrechtsschein für das Teilnehmen an wichtigen demokratischen Entscheidungen sicher von Vorteil. Eine umfassende Bildung über das Wirtschaftswesen, die Gefahren der Verführung durch Populisten, Bildung über den Sinn der Ethik, Moral, Werturteile, Regeln, u.s.w. könnte eine Demokratie schon während des Entstehungsprozesses in der Qualität erheblich positiv beeinflussen. Denn wenn wir die Geschichte anschauen, so müssen wir sehen, dass eine gute sozialistische Diktatur einer schlechten Demokratie überlegen sein kann. Will man also vermeiden, dass eine Demokratie wieder zurückfällt in eine Diktatur, wäre im Vorfeld eine qualitative Stabilisierung der Demokratie durch Bildung zwingend notwendig. Insbesondere auch deshalb, weil sozialistische Diktaturen sehr schnell und einfach missbraucht werden können. Beatus Gubler www.streetwork.ch Basel
Beatus Gubler, am 29. September 2013 um 13:41 Uhr

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