Für ein glückliches Alter braucht es keine höheren Krankenkassen-Prämien © FensterZumSonntagMagazin

Mit weniger Prämien das gleiche Alter erreichen

Urs P. Gasche / 15. Mrz 2017 - Höhere Prämien und Gesundheitsausgaben verlängern in der Schweiz das Leben nicht. Das zeigt ein Vergleich zwischen BE und SG.

In der Schweiz sind höhere Gesundheitsausgaben und höhere Krankenkassen-Prämien nicht mehr mit einer längeren Lebenserwartung zu rechtfertigen. Das zeigt anschaulich folgende Grafik, die Swissinfo aufgrund von Zahlen des Bundesamts für Statistik, des EDI und des Eidgenössischen Finanzdepartements erstellt hat. Relevant ist der Vergleich zwischen den Kantonen Bern (mit rotem Kreis) und St. Gallen (mit grünem Kreis), in denen die Zusammensetzung der Bevölkerung vergleichbar ist.

Die St. Galler zahlen aktuell im Durchschnitt rund 15 Prozent weniger Krankenkassenprämien (und erst noch weniger Steuergelder für die Spitäler und Altersheime). Die Grafik bezieht sich auf etwas ältere Zahlen, als der Prämienunterschied zwischen den Kantonen Bern und St. Gallen noch grösser war. Trotz der seit langem tieferen Prämien im Kanton St. Gallen haben die St. Galler die gleiche Lebenserwartung wie die Berner.

Lebenserwartung (waagrechte Achse) im Vergleich zur Höhe der Krankenkassenprämien (senkrechte Achse). Grössere Auflösung hier.

Andere Kantone als Bern und St. Gallen sind schwieriger vergleichbar. Denn die Lebenserwartung hängt stark von der Zusammensetzung der Bevölkerung ab. Die zehn Prozent wirtschaftlich Schwächsten leben rund zehn Jahre weniger lang als die zehn Prozent wirtschaftlich Stärksten.*

Auch zwischen Städten und dem Land gibt es grössere Unterschiede, die nichts mit der Höhe der Gesundheitsausgaben zu tun haben. Zudem sind Kantone mit einem sehr teuren Universitätsspital nicht mit Landkantonen zu vergleichen, obwohl die Krankenkassen eigentlich keine Ausbildungs- und Forschung zahlen sollten.

In reichen Staaten stösst die Lebenserwartung an Grenzen

In der Schweiz insgesamt hat die Lebenserwartung der 65-Jährigen seit 2001 nicht mehr zugenommen. (Infosperber vom 20. November 2016: «Rentnerinnen und Rentner werden nicht mehr älter»).

Weltweit zeigt folgende Swissinfo-Grafik, dass Ausgaben über 4000 Dollar pro Kopf der Bevölkerung keinen Einfluss mehr haben auf die Lebenserwartung.

Waagrecht die Gesundheitsausgaben pro Kopf. Senkrecht die durchschnittliche Lebenserwartung in den einzelnen Ländern. Grössere Auflösung hier. Interakative Grafik mit Maus-Legenden zu jedem Land hier (runter scrollen).

--------------------

*Ärzteblatt 2016: «Reichere Männer leben elf Jahre länger als Arme»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

4 Meinungen

Gesundheitsausgaben sorgen für sauberes Wasser, saubere Luft und gesunde Nahrungsmittel sowie eine ausgeglichene Lebensweise.
Das oben Beschriebene sind Krankheitskosten. Sie mildern manchmal die Beschwerden und sind ein Riesengeschäft.
Die Lebensqualität- und länge muss anders gestaltet werden.
Maja Beutler-Vatter, am 15. März 2017 um 14:52 Uhr
Die Lebenserwartung erlaubt im Bereich der Sozialversicherungen so ziemlich jede Prämienerhöhung zu rechtfertigen.
Die aktuellen Zahlen der Schweiz (traditionelle Sterbetafeln) zeigen aber seit etwa zehn Jahren eine klare Trendwende. Die Zunahme der Lebenserwartung hat sich spürbar verlangsamt. Die Zahlen suggerieren sogar eine mögliche Abnahme der Lebenserwartung, wenigstens bei den Frauen, schon innerhalb der nächsten zehn Jahre.
Interessant ist, dass die Versicherer seit ein paar Jahren eine neue Berechnungsmethode auf der Basis der Geburtsjahrgänge (Kohortensterbetafeln) vorziehen, welche die erwartete Lebenslänge für alle um etwa zwei Jahre erhöht. Dies ermöglicht Prämienerhöhungen zu rechtfertigen, Umwandlungssätze der 2. Säule zu kürzen, usw.
Regionale Unterschiede werden hier natürlich nicht berücksichtigt und auch die Tatsache, dass die Lebenserwartung geschlechterspezifisch verschieden ist wird nicht prämienwirksam. Nur die Heiratsstrafe bleibt für die AHV-Rentner erhalten. Auch hier gibt es keinen entsprechenden Prämienrabatt.
Der regionale Kostenunterschied ist gesundheitspolitisch kaum zu begründen und die GE/VD-Initiativen, diese Kosten endlich lokal bestimmen und kontrollieren zu können sind zweifellos berechtigt. Die seit 2014 in Kraft stehenden neuen Reservevorschriften (Solvenzkriterien) haben diese Divergenz noch verstärkt. Auch sie sind gesundhzeitspolitisch irrelevant, nicht aber für die Umsätze der Kassen...
Josef Hunkeler, am 15. März 2017 um 17:33 Uhr
kann mich den beiden vorherigen Menschen nur anschliessen. Ein Beitrag vor kurzer Zeit verweiste auf die unterschiedlichen Vorgehensarten bei Operationen, welche meist ambulant vorgenommen werden könnten. Dass Menschen, weil die eine Zusatzversicherung aufweisen, generell stationär behandelt werden, weil mehr Geld dafür genommen werden kann, spricht für sich.

Echte Vorsorge, wie das Messen der Vitalstoffe, bevor überhaupt ein einziges Medikament verschrieben wird, sollte ein klares Muss sein in Anwesenheit der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Allein die Aufhebung von Vitalstoffdefiziten, würde manchen Menschen rasch wieder auf die Beine bringen usw.
Barbara Vögeli, am 15. März 2017 um 18:05 Uhr
In der Medizin entstehen keine Gesundheits-, nur Krankheitskosten. Allerdings sind nicht einmal 50% dieser in der Gegenwart der Schweiz medizinischer Natur. Ärzte und Pflegepersonal arbeiten nur zu 1/3 am Patienten. Überwiegend sind sie mit abrechnungsrelevanter Dokumentation beschäftigt. Die Tendenz ist anhaltend, von jedem Franken Kostensteigerung gehe nur 20 Rappen in die Medizin, der Rest in die Verwaltung. Man schaue sich im Spital seines Vertrauens an, wie viele Mitarbeiter mit welchem Lohn im OP und wie viele im Bereich Finanzen & Controlling arbeiten. Spitäler sind heute eher Finanzunternehmen mit lieblos angeschlossenen Bettenbetrieb.
Ralf Schrader, am 20. März 2017 um 13:30 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung unter Ihrem richtigen Namen zu äussern. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Achtung: Die Länge der Einträge ist beschränkt und wir erlauben nicht, zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander zu platzieren. Unnötig herabsetzende Formulierungen ändern oder löschen wir ohne Korrespondenz.