Das Insel-Dasein schützt nicht vor Gefahren © Patrick Chappatte in «Le Temps»

Eine trügerische Ruhe macht Kommentatoren blind

Urs P. Gasche / 05. Jan 2014 - Wirtschaft und Finanzmärkte scheinen sich zu erholen. Doch es ist eine gefährliche Flucht nach vorne, die in einer Sackgasse endet.

Mit «Alles wird besser» überschrieb Andreas Kunz seinen Leitartikel zum neuen Jahr in der Sonntags-Zeitung. Pessimismus sei verfehlt. Nie zuvor hätten die Menschen für 73 Billionen Dollar Waren produziert. Kunz nimmt das Wirtschaftswachstum als Massstab und ortet in Ländern wie Ghana, Bangladesch oder Ruanda «monumentale Wohlfahrtssprünge».

NZZ-Wirtschaftschef Peter A. Fischer wünscht sich für 2014 einen «Kapitalismus für alle». Vorbild seien die USA, wo der «Unternehmergeist wieder für Wachstum sorgt». Europa dagegen übertreibe mit «unzähligen neuen bürokratischen Vorschriften und Regulierungen» namentlich auch für die Finanzbranche.

«Man darf wieder mit einiger Zuversicht in die Zukunft blicken», meint Rudolf Strahm in einer Kolumne im Tages-Anzeiger und im Berner «Bund». Denn die Regierungen seien «daran, das Finanzsystem für die Zukunft sicherer zu machen». Und die EU habe sich «entscheidungsstark erwiesen». Ihr Krisenmanagement habe funktioniert. Alle «Besserwisser», die vor einer hohen Inflation warnten, die nicht eingetreten ist, «müssten sich heute entschuldigen für...ihre sachlichen Fehleinschätzungen», fordert Strahm.

Börsen boomen, Wirtschaft wächst wieder

Ein oberflächlicher Blick auf einige Zahlen gibt diesen Kommentatoren recht:

  • Die Preise sind stabil.
  • Die Börsenkurse erreichten vor Weihnachten neue Rekordwerte.
  • Die Banken erholen sich.
  • Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz bleibt tief.
  • Die Kaufkraft nimmt zu.
  • Die Wirtschaft beginnt zu wachsen.

Allerdings gilt es gleich zu relativieren:

  • Die Land- und Immobilienpreise sind enorm gestiegen.
  • Die Börsenkurse spiegeln nicht die reale Wirtschaft. Nach blasenartigen Haussen kam es in der Vergangenheit zu gefährlichen Crashs, wie 1929 oder 2008.
  • Die Grossbanken profitieren immer noch von der Staatsgarantie «Too big to fail», welche die Finanzkrise von 2008 zu einer Staatenkrise gemacht hat.
  • Die Massenarbeitslosigkeit in Südeuropa und Afrika untergräbt die Stabilität dieser Länder und führt zu einer unkontrollierbaren Immigration im Norden.
  • Die Geldanlagen werden kaum mehr verzinst: Selbst «sichere» Vermögen wie Sparanlagen verlieren an Wert. Die Renten der Zweiten Säule werden gekürzt. Lebensversicherungen zahlen nur noch das gesetzliche Minimum.
  • Das Wachstum des Bruttoinlandprodukts löst die Probleme der Industriestaaten nicht mehr, sondern verschärft sie.

Von 1929 gelernt

Vom Börsen- und Bankencrash des Jahres 1929 und von der darauf folgenden Weltwirtschaftkrise mit Massenarbeitslosigkeit hat die Wirtschaftswissenschaft gelernt. Statt wie damals den Geldhahn zuzudrehen, was den Konsum abgewürgt hatte, soll man bei einer nächsten Krise falls nötig sogar mit einem Flugzeug über Wohnviertel fliegen und Geldscheine abwerfen, um den Konsum nicht einbrechen zu lassen. So wurde es allen heutigen Führungskräften an den Universitäten gelehrt.

Deshalb war man sich 2008 schnell einig, dass die Nationalbanken den strauchelnden Finanzinstituten massenweise Gratisgeld zur Verfügung stellen sollten, und dass sie u.a. mit massenweisen Käufen von Staatsanleihen der eigenen Regierungen dafür sorgten, dass die Zinssätze trotz hoher Risiken beim Geldausleihen gegen Null tendierten. Dies hat einen unmittelbaren Zusammenbruch des Finanz- und Wirtschaftssystems erfolgreich verhindert.

Risiken und Nebenwirkungen

Ein Beipackzettel mit der ausdrücklichen Warnung vor Risiken und Nebenwirkungen dieser Feuerwehrübung war und ist in den Lehrbüchern kaum zu finden. Das Öffnen der Geldschleusen ist eine äusserst starke Medizin und mit entsprechend hohen Risiken verbunden. Die Notenbanken leihen Billionen aus, ohne dafür seriöse Sicherheiten zu erhalten. Falls die Gläubiger die Kredite nicht zurückzahlen können, leihen ihnen die Notenbanken einfach noch viel mehr. Einige halten dies für ein «Perpetuum Mobile», weil Notenbanken technisch nicht pleite gehen können. Allerdings beantworten sie die Frage nicht, weshalb die Notenbanken dieses Wundermittel nicht schon immer und ständig angewandt haben: Geld à gogo und gleichzeitig Tiefzinsen. Ein Eldorado für die Wirtschaft. Ein Eldorado fürs Wachstum.

Die Antwort ist einfach: Eine Tausendernote ist weder mit Gold noch mit andern realen Werten gedeckt. Der Wert des Geldes ist Vertrauenssache. Das Vertrauen kann panikartig schwinden, wenn sich das Gefühl verbreitet, die Guthaben auf den Banken verlören an Wert. Eigentlich hätte die Flut billigen Geldes, welche Notenbanken in den letzten Jahren erzeugt haben, schon längst zu einer Geldentwertung, also zu höheren Zinsen und einer Inflation führen müssen. Doch Notenbanken haben durch Käufe von Staatsanleihen in Billionenhöhe die Zinssätze künstlich und marktwidrig tief gehalten. Längerfristig wird das Risiko einer grossen Inflation dadurch noch grösser. Sie hat insofern bereits eingesetzt, als sich Investoren in materielle Werte wie Land, Immobilien und Aktien flüchten (was alle Reichen dieser Welt noch viel reicher macht). «Eine unerwartete Inflation ist die grösste Gefahr für Anlagen», warnt die «Principal Financial Group» in den USA, welche (Hedge-)Funds in Erwartung einer Inflation verkauft.

Alles auf Pump und nochmals Pump

Die heutige Wirtschaftspolitik beschreibt Ian Johnson, Ökonom und Generalsekretär des Club of Rome, so: «Man überzeugt die Menschen, Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen, mit Geld, das sie nicht haben.» Ziel ist die Ankurbelung des Konsums und damit des Wachstums.

In Zahlen: Die Verschuldung der privaten Haushalte und Unternehmen (ohne Banken und Versicherungen) ist in den EU-Staaten (ohne Musterland Deutschland) innert zehn Jahren von 130 auf 180 Prozent ihrer verfügbaren Einkommen gestiegen*. In der Schweiz hat insbesondere die private Hypotheken-Verschuldung stark zugenommen.

Gleichzeitig hat die öffentliche Verschuldung in den meisten Ländern weiter zu- statt abgenommen. Das gilt auch für die führenden Wirtschaftnationen USA, Japan oder Deutschland.

Wenn die Wirtschaft da und dort zu wachsen beginnt, was hierzulande euphorische Meldungen auslöst, ist dies kaum dem «Unternehmergeist» zu verdanken. Vielmehr kommt dieses Wachstum bloss wegen einer zusätzlichen Anhäufung von Schulden zustande. Konsum und Arbeitsplätze auf Pump zu schaffen kann in einer Krisensituation kurzfristig sinnvoll sein, auf die Länge aber führt es in den Ruin.

Die Einsicht sollte wachsen

Doch bereits seit langen fünf Jahren wird versucht, mit Tiefstzinsen, Abermilliarden von zinslosem Notenbankengeld und einer steigenden privaten und öffentlichen Verschuldung die Volkswirtschaften anzukurbeln, Investitionen auszulösen und schlussendlich Arbeitsplätze zu schaffen. Der Erfolg blieb – trotz der in Kauf genommenen hohen Risiken – bescheiden und gibt keinen Anlass für den eingangs zitierten Optimismus. Die meisten Volkswirtschaften, die sich gegenwärtig «erholen», tun dies nur scheinbar – aufgrund neuer zusätzlicher Verschuldung. Der frühere US-Finanzminister und Harvard-Ökonom Lawrence Summers bilanzierte in der «Financial Times»: «Man kann nicht länger im Glauben verharren, dass bald wieder normale wirtschaftliche und politische Bedingungen herrschen.»

Wachstum als Lösung ist eine Illusion

Industriestaaten dürfen nicht mehr am irrationalen Glauben festhalten, dass die Wirtschaft eines Tages wieder so stark wachse, dass bisher angehäufte Schulden mit den Erträgen getilgt und genügend Arbeitsplätze geschaffen werden können. Die Unternehmen versuchen mit allen Mitteln, ihre Produktivität zu steigern, das heisst, mit weniger Arbeitsplätzen auszukommen.

Der frühere deutsche Bundespräsident und ehemalige Direktor des Internationalen Währungsfonds Horst Köhler beschrieb die Lage aus Distanz wie folgt: «Vielleicht werden sich kommende Generationen mit Verwunderung an eine relativ kurze Phase in der Geschichte der Menschheit erinnern, in der ständiges Wirtschaftswachstum für möglich und nötig gehalten wurde. Wenn wir wollen, dass auch kommenden Generationen ein lebenswertes Leben auf unserem Planeten möglich ist, müssen wir das bisher so Selbstverständliche hinterfragen und den Blick auf Alternativen richten.»

Der frühere ETH-Gastprofessor und Naturwissenschaftler Marco Morosini bezeichnet die heutige Ökonomie als «autistisch». Sie sei blind für die Natur und die künftigen Generationen: «Trotz vierzig Jahren Umweltbewusstsein und Umweltökonomie ist sie noch immer eine Ökonomie, deren einziger Drehpunkt die Vermehrung des Geldaustausches ist – denn das Bruttoinlandprodukt BIP misst nichts anderes.» Der Weltgipfel «Rio+20» und die neusten Umweltberichte der OECD und des UN-Umweltprogramms Unep hätten bestätigt, dass die globale Umwelt trotz Warnungen und zaghaften Korrekturen beschleunigt Schaden nehme, und dass allfällige Fortschritte durch die zunehmenden wirtschaftlichen Aktivitäten des Menschen zunichte gemacht würden.

In ihrem Buch «Postwachstumsgesellschaft» haben Professorin Angelika Zahrnt und Dozentin Irmi Seidl nachgewiesen, dass das Wachstum in den Industriestaaten seine Versprechungen von Vollbeschäftigung, sozialer Gerechtigkeit, Wohlstandsverteilung und gutem Umweltmanagement immer weniger erfüllt. Exponentielles Wachstum von jährlich x Prozent erweise sich zunehmend als «ineffektive Medizin», deren irreversible Nebenwirkungen langsam zu den Hauptwirkungen würden.

Gordon Brown: «Wir stolpern unaufhaltsam in den nächsten Crash»

Nicht nur aus Sicht dieses Naturwissenschafters, sondern auch des ehemaligen britischen Finanz- und Wirtschaftsministers Gordon Brown führt die heutige Politik unweigerlich in eine Sackgasse, an deren Ende uns ein gewaltiger Crash erwartet. Als Schatzkanzler und Premierminister hatte er mit zugeschaut, wie sich die Krise aufbaute, aber unterdessen ist er offensichtlich klüger geworden: Das – angesichts aller Lobbys – politisch noch Mögliche reiche nicht, um den globalen Problemen mit globalen Lösungen zu begegnen, schrieb Brown am 19.12.2013 in der «New York Times». Was die Regierungen und «World Leaders» seit 2008 zur Kontrolle des international organisierten Finanzsystems zustande gebracht haben, bezeichnet Gordon Brown als «Farce»: Die überbordenden Verschuldungen, leichtsinnigen Kreditvergaben und das Unwesen der Schattenbanken seien nicht verschwunden. Die «Too-big-to-fail»-Banken seien sogar grösser geworden. Bonus-Zahlungen, die unvernünftige Risiken belohnen, seien weiterhin die Regel.

Die wenig kontrollierten Schattenbanken hätten ihre Umsätze seit 2008 sogar um zwanzig Prozent auf 71 Billionen Dollar erhöhen können. Der Plan des G-20-Gipfels, die Schattenbanken zu regulieren, sei ein Plan geblieben.

Browns Fazit: «Politische Rücksichten, fehlender Mut gegenüber Lobbys und ein Mangel an globalem Denken und Handeln führen unaufhaltsam zum nächsten Crash.»

Fünf Jahre nach dem Beinahe-Kollaps von 2008

Es wäre dringend angezeigt, sinnvolle Investitionen, Ausbildungshilfen und Sozialprogramme nicht weiter mit zusätzlicher Verschuldung zu finanzieren, sondern mit effektiven Einnahmen aus einer Besteuerung der Finanztransaktionen und aus dem rigorosen Vorgehen gegen internationale Praktiken der Steuerumgehung von Konzernen und Superreichen. Doch fünf Jahre nach dem beinahen Finanz- und Wirtschafts-GAU von 2008 ist die Bilanz mehr als ernüchternd:

  • Ökonomen und Politiker sind ratlos, wie sie die Zinssätze erhöhen können. Die künstlich nahe bei Null gehaltenen Zinssätze hebeln die Wettbewerbsregeln im Kapitalmarkt aus, führen zu Fehlinvestitionen, begünstigen die Schuldner und benachteiligen die Gläubiger, Pensionskassen und Sparer. Doch eine Erhöhung der Zinsen führt zu Pleiten von überschuldeten Staaten und vielen «geretteten» Banken.
  • Noch immer können Grossbanken darauf zählen, dass der Staat sie rettet. Ein geregeltes nationales oder internationales Konkursverfahren hat die Bankenlobby mit Erfolg verhindert. Für diese grossen Konzerne ist das Bekenntnis zur Marktwirtschaft, in welcher der Konkurs eine zentrale Rolle spielt, nur Fassade. Die jüngsten EU-Beschlüsse zur Abwicklung von bankrotten Grossbanken sind wenig wert.
  • Noch immer profitieren Banken davon, dass sie nur ein bescheidenes Eigenkapital brauchen: Die Parlamente zeigen sich unter dem Druck der Finanzlobby unfähig, den Grossbanken ein Eigenkapital von zwanzig oder dreissig Prozent vorzuschreiben (ungewichtet in Prozent der Bilanzsumme). Diese Eigenmittelquote liegt gegenwärtig bei UBS und CS bei unter 4 Prozent.
  • In Südeuropa dürfen Banken Staatsobligationen in ihren Bilanzen zum Wert von 100 Prozent bewerten, anstatt zum tatsächlichen Marktwert. Deshalb halten spanische, griechische und italienische Banken nach Angaben der Europäischen Bankenaufsicht EBA über 70 Prozent der Staatsanleihen ihrer jeweiligen Länder.
  • In Nordeuropa konnten private Banken und Versicherungen risikoreiche Staatsanleihen an Staaten und die Europäische Zentralbank verschieben. Bei nächsten staatlichen Schuldenschnitten kommen vor allem die Steuerzahler zur Kasse.
  • Noch immer können «Schattenbanken» weitgehend unreguliert spekulieren: Hedge Funds, Versicherungs- und Industriekonzerne sowie Immobilienspekulanten. Auch in China und anderswo breiten sich Schattenbanken aus.
  • Noch immer werden der rein spekulative Hochfrequenzhandel und andere rein spekulative Transaktionen dank Steuerbefreiung gefördert statt eingeschränkt. Eine weit gefasste Finanztransaktionssteuer ist an den Krisengipfeln aus den Traktanden gefallen. Denn die Finanzkonzerne wollen nichts davon wissen. Mit den Milliarden-Einnahmen aus einer solchen Steuer könnten soziale Folgen der Wirtschaftskrise abgefedert und Investitionen getätigt werden, ohne der Realwirtschaft zu schaden und ohne die Schuldenberge zu erhöhen (siehe «Die Milliarden endlich bei den Spekulanten holen»).
  • Noch immer bleiben die grössten Steuerparadiese wie der US-Staat Delaware oder die Cayman Islands unangetastet. In Delaware gibt es noch immer fast eine Million Briefkastenfirmen, die zusammen jedes Jahr viele Milliarden Dollar Steuern legal hinterziehen.

Die Mittel wären vorhanden, um die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen und die Schuldenberge abzubauen. Die Unfähigkeit, die enormen Risiken zu reduzieren, stellt die Funktionsfähigkeit der traditionellen nationalen Demokratien in Frage. Sie schaffen es nicht, globales Handeln durchzusetzen. Die Regierungen verkaufen kleine, ungenügende Schritte in die richtige Richtung als grosse Erfolge und streuen den Bevölkerungen Sand in die Augen.

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*Quelle: Jamie Dannhauser von der Londoner Lombard Street Research

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AKTUELL: Eine Studie des Weltwährungsfonds IMF vom 3.1.2014 hält Zahlungsausfälle wie nach 1929 für wahrscheinlich. Anders als in Schwellenländern könnten Industriestaaten ihre Probleme nicht allein mit Wirtschaftswachstum lösen.

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Siehe Replik und Duplik zu diesem Beitrag:

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Siehe auch

Siehe auch

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor studierte am «Institut de Hautes Etudes Internationales» in Genf u.a. Währungspolitik, Welthandel und Weltwirtschaft, auch beim späteren Nobelpreisträger Maurice Allais.

Weiterführende Informationen

«Die Politik belohnt weiterhin das Schuldenmachen» vom 14.11.2012
«Obama von einer Mega-Superblase herausgefordert» vom 10.12.2012
«Der Liberalismus und die Logik des Finanzmarktes» vom 10.10.2013
«So rasch haben die Banken ihr Eigenkapital verbraucht» vom 7.7.2013
«Fatales Gratisgeld: Wann platzt die Blase?» vom 26.6.2013
«Die Milliarden endlich bei den Spekulanten holen» vom 10.10.2012
«ARD entlarvt Josef Ackermann als Falschspieler» vom 14.7.2012

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19 Meinungen

Ein sehr guter Bericht. Danke. Er bestätigt meine Erwartung, dass die Blase mal platzen wird. Je früher desto besser, wer aus der Vergangenheit nicht lernen will, wird die Fehler von damals wiederholen.
Beatus Gubler, am 05. Januar 2014 um 11:39 Uhr
Danke für diese gut lesbare Zusammenfassung der Lage aus profunder Sicht! Werde die Lektüre des Artikels sogleich auf meinem Blog empfehlen.
Billo Heinzpeter Studer, am 05. Januar 2014 um 11:46 Uhr
Die Schönfärber und Augenwischer werden nie aussterben, «positive thinking» ist an gesagt! Die finanzielle Repression führt zu neuen Ungleichgewichten und zu einer Umverteilung, was nicht im Interesse des Erfinders Ben Bernanke noch seines Adlaten Mario Draghi sein kann. Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht, zu diesem Brunnen kann man auch die Pferde führen, allerdings müssen die Pferde auch saufen und das tun sie heute nur noch sehr behutsam und vor allem nicht nachhaltig. Es kann keine Erfolgsmeldung sein, wenn die Wirtschaft in Spanien wieder mit 0.1 % wächst und die Arbeitslosigkeit sich um 150´000 auf rund 4.7 Mio. verringert! Seit einigen Jahren befinden wir uns bereits in der von Lawrence Summers festgestellten «sakularen Stagnation» und fast alle scheinen damit zufrieden zu sein....Es ist nicht einzusehen, warum die Finanzmärkte aufgrund der Fed-Ankündigung jubilieren sollten, aber Verdrängen der gegenwärtigen Situation scheint angesagt, «après nous le déluge"! Wie sagte einst Emil in einem seiner Sketches: «wenn die Bombe tickt, ist es eine Zeitbombe."
Beda Düggelin, am 05. Januar 2014 um 12:24 Uhr
Für mich ein hervorragender Artikel, der beste bei Infosperber im Neuen Jahr, danke, Herr Gasche. Noch scheint sich die Schweiz, wie ich an anderer Stelle formuliert haben, im Vergleich zu anderen Ländern gleichsam im Erstklasshotel aufzuhalten. Dabei haben wir bereits jetzt eine noch nie dagewesene Jugendarbeitslosigkeit, die aber von einem eidgenössischen Chefbeamten als «niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Europa» schöngeredet wird.
Pirmin Meier, am 05. Januar 2014 um 14:24 Uhr
Sehr gute Zusammenfassung. Der Neo-Liberalismus ist eine Perversion der echten liberalen Lehren w.z.B. der Wiener Schule mit Ludwig v. Mises, August v. Hayek, Wilhelm Röpke, Murray Rothbard. Die Lehre von John M. Keynes war nie realistisch weil die Politik sie nie verstanden sondern missbraucht hat. Meiner Meinung nach wäre es Aufgabe der Politik die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und sich dann selber daran zu halten. Das Resultat wenn die Politik meint die Wirtschaft aktiv beeinflussen zu können sind die heutigen Schuldenberge, der desolate Zustand praktisch aller Sozialwerke und die Inflation das Krebsübel jeder Gesellschaft. Ich erwarte eine unerhört hohe Inflation und dann Währungsreformen. Alles schon dagewesen.
Ulrich Hertig, am 05. Januar 2014 um 15:46 Uhr
@hertig. Der Begriff «Perversion der echten liberalen Lehren» trifft es wohl nicht. Röpke hat den Keynesianismus von Anfang als nicht liberal bekämpft. Dabei muss man Keynes fair würdigen. «In the Long run we all are dead", auf lange Sicht sind wir alle tot, war keine philosophische Absage gegen «nachhaltiges» Denken, weswegen Keynes für ökologisch Denkende wie auch für Liberalkonservative zum Schreckgespenst wurde. Keynes war sich bewusst, dass in konkreter Situation v. 1929 schnell gehandelt werden musste u. Hinweise auf «lange Sicht» waren für ihn damals so falsch wie wenn Churchill 1940 Zuwarten empfohlen hätte. Es war also eine je einmalige historische Situation.

Wenn man aber zu einer Zeit, da die Wirtschaft relativ normal funktioniert, wie in Deutschland und in der Schweiz derzeit, wenn sogar Konjunktur herrscht, trotzdem Keynsianisch glaubt handeln zu müssen, dann wäre es eine Perversion auch des Keynesianismus. Leider kann sich K. heute leider nicht mehr gegen den Missbrauch seines Namens wehren.

Wilhelm Röpke war nicht so sehr ein Liberaler, eher ein Liberalkonservativer. Er starb 1966 in Genf, hatte noch Einfluss auf die Politik des Bundesrates, z.B. Hans Schaffner, als nach den beiden Rekord-Einwanderungsjahren 1962/62 (mehr «Masseneinwanderung» als heute) mit Kontingenten die Bremse angezogen wurde. Röpke unterschied wie Friedman zwischen Freihandel u. Personenfreizügigkeit, schlug Einschränkung der letzteren als konjunkturdämpfende Massnahme vor.
Pirmin Meier, am 05. Januar 2014 um 16:12 Uhr
Was jene, die ihn schmähen, oft vergessen: Keynes wollte den Kapitalismus retten. Er gehörte nicht zur Linken, sondern zum liberalen britischen Establishment, und schätzte das Geld und die Annehmlichkeiten, die es verschafft.
Beatus Gubler, am 05. Januar 2014 um 17:13 Uhr
Man sieht seine Lage eben immer aus der Perspektive des Erlebten, und da nehmen sich die Schreibenden nicht aus. Die Eurokrise kann nicht verschwinden, solange nicht die fehlerhaften Komponenten ausgewechselt werden und eine antizyklische Wirtschaftspolitik in Europa Anwendung findet. Dazu ein Beitrag (An Agenda to save the Euro) von Joseph Stieglitz auf www.project-syndicate.org. Die Folgen, das nicht zu tun und weiterhin auf die Rezepte der neoliberalen Theorie zu vertrauen, wird das Friedensprojekt Europa gefährden.
Noch ein paar Bemerkungen zu Schulden und zum Sparen:
- Die Summe aller Schulden auf der Welt ist NULL. Für jeden Schuldner gibt es einen Gläubiger!
- Wer Schulden hat ist deshalb nicht schuld. Es geht nicht um die Moral!
- Die Staatsschuldenkrise ist eine Erfindung der Finanzbranche um die Staaten weiter in die Deffensive zu treiben.
- Ein Staatshaushalt funktioniert NICHT wie ein Milchbüchlein. Was einzelwirtschaftlich sinnvoll ist volkswirtschaftlich Verhängnisvoll...
-... es dürfen in einer Volkswirtschaft nicht alle sparen. Der Staat darf in der Krise nicht sparen, wenn es die Wirtschaft und die Privaten tun.
Wenn wir uns in Sachen Wirtschaftskompetenz nicht von neoliberalen Dogmen und Mythen emanzipieren, können wir keine neuen Wege finden. Für den geneigeten Leser ist «flassbeck-economics.de» und der Blog von Paul Krugman in der New York Times zu empfehlen.
Felix Hug, am 05. Januar 2014 um 18:10 Uhr
Gratuliere, der Artikel verdient all die positiven Reaktionen.
Zu der knapp angetönten politischen Seite wäre vielleicht hinzuzufügen:
Spanien, Portugal und Griechenland hatten lange noch faschistische Regimes; Griechenland als Rückfall. Auch der Rest der GIPSI, Italien und Irland sind in dieser Richtung ja nich ganz unbelastet.
Die Arbeitslosenquote besonders der Jungen (Männer) dieser Länder ist daher ein DOPPELTER Alptraum. Viele sehen da eine goldene Morgenröte kommen (-> Griechische Neonazipartei). Mamma Merkel beunruhigt das anscheinend nicht - scheint dafür zu jung zu sein.

Werner T. Meyer
Werner Meyer, am 05. Januar 2014 um 18:12 Uhr
@Felix Hug. Paul Krugmann schreibt sich die Finger wund, um Politiker und Notenbanker zu überzeugen, den Geldhahn weiter aufzudrehen. Dieses Rezept war gut unmittelbar nach der Krise von 2008. Doch mit diesem «Quantative Easing» jetzt und in Zukunft weiter zu machen, ist m.E. viel zu riskant. Krugmann geht vom Dollar aus, der als Leitwährung stets als die sicherste Währung galt. Mit einer Steuer auf Kapital-Transaktionen und eines Schliessens der Steuerparadiese wären genügend Finanzmittel vorhanden, um sinnvolle Investitionen und Sozialprogramme zu finanzieren, ohne Geld aus dem Nichts zu schaffen und damit das Vertrauen in Währungen aufs Spiel zu setzen.
Urs P. Gasche, am 05. Januar 2014 um 18:22 Uhr
Unter dem Regime von Franco wurde die Entlassung von Mitarbeitern fast unmöglich. Resultat: Spanien hat seit dieser Zeit immer eine der höchsten Arbeitslosen Quoten. In Frankreich besteht auch heute das gleiche Problem. KMU's das Rückgrat jeder Wirtschaft stellen keine zusätzlichen Mitarbeiter an, weil sie diese dann praktisch nicht mehr entlassen können wenn es für die Weiter-Existenz der Unternehmung nötig wäre.
Ich bin gar nicht Anhänger der «hire and fire"-Methode.
Frage: wo steht Verantwortung für... in der sogenannten Neo-Liberalen Denkweise? Bei Röpke kann man das nachlesen in «Jenseits von Angebot und Nachfrage".
Ulrich Hertig, am 05. Januar 2014 um 18:25 Uhr
Neue Steuern auf Finanztransaktionen und Schliessung der «Steuerparadiese» ist ein stetiges linkes Verlangen. Hat noch nie etwas gebracht, je mehr Geld die Politik in den Händen hat desto mehr Schulden und unnütze Projekte werden damit gemacht. In Germanien sind die Steuererträge noch nie so hoch gewesen, aber die Schulden nehmen trotzdem zu. Wenn ich Schulden mache und diese nicht mehr zurückzahlen kann gehe ich Pleite. Mir soll doch niemand mehr zu erklären versuchen, dass das beim Staat anders sein soll.
Ulrich Hertig, am 05. Januar 2014 um 18:35 Uhr
@Urs Gasche: Die USA können es sich leisten, weiterhin das «benign neglect» zu praktizieren, es stört sie nicht, auch wenn der USD gegenüber dem CHF bei 0.50 notiert und auch gegenüber dem Euro auf Tauchstation geht. Nun hat man ja bezüglich Budgetdefizit und Schuldenobergrenze offenbar einen faulen Kompromis gefunden, der alle beruhigt. Dass das QE die Finanzmärkte beruhigt hat, ist höchst erstaunlich, also Weiterwursteln ist angesagt, aber die Bombe tickt!
Beda Düggelin, am 05. Januar 2014 um 18:41 Uhr
@Urs P. Gasche. Wenn alle anderen Hebel politisch blockiert sind und die Notenbank keine anderen in Reichweite hat, kann sie nur den Geldhahn aufdrehen. Die Geldschwemme ist nicht das Problem, sondern nur der verzweifelte Versuch, Deflation zu verhindern. Denn nur dann, wenn das Notenbankgeld in die Realwirtschaft fliesst, und daraus Investitionen und Arbeitsplätze entstehen, steigen die Preise. Der unsschöne Nebeneffekt ist, dass die Banken mit dem Geld der Zentralbanken lieber zocken gehen (Aktien), als Kredite für Firmen damit zu finanzieren. Würden die Notenbanken restriktiver sein, wäre die Chance gross, dass gar kein Geld mehr in der Realwirtschaft an kommt. Und das wäre auch falsch.
Ich bin ganz Ihrer Meinung, Steuerparadiese schliessen, Wettkasinos schliessen, Kapital- und Transaktionssteuern einführen. Aber, das Vertrauen in Währungen sollte nicht weiter denselben Märkten überlassen sein, welche die Krise auslösten. Und, das beste Sozialprogramm ist die Schaffung von Arbeitsplätzen durch den Saat. Ja, der Staat soll und muss sich in einer Situation VERSCHULDEN, wo die Wirschaftsleistung 20% unter dem Soll liegt. Denn, was gibt es denn mehr zu verlieren als eine funktionierende Gesellschaft?
Felix Hug, am 05. Januar 2014 um 18:47 Uhr
@Ulrich Hertig: Eine Volkswirtschaft funktioniert NICHT wie die eines Unternehmens. Das ist das kleine Einmaleins der Makroökonomie oder auch Volkswirtschaft. Nämlich: die Ausgaben des Einen, sind die Einnahmen des Anderen. Wenn in der Krise plötzlich die Einkommen 20% sinken, fällt im gleichen Moment die Nachfrage, und so weiter...
Dazu gibt es klare empirische Beweise. Mehr zu solchen Fragen ist auf «flassbeck-economics.de» zu finden. Und, ob eine Idee von «Links» oder «Rechts» kommt, spielt keine Rolle, Hauptsache sie ist gut!
Felix Hug, am 05. Januar 2014 um 18:57 Uhr
Geld muss fliessen. Das horten immenser Summen welche stillstehen ist eines der grossen Übel, welches dringendst reguliert werden muss. Das hinter diesem horten eine Absicht sich verbirgt, ohne in das Gleis von Verschwörungstheoretikern zu geraten, hat offensichtlich System. Ich denke hier ist eines der Grundübel. Von Wirtschaft verstehe ich nicht viel, ich lernte Informatiker und wurde dann im zweiten Bildungsweg Sozialarbeiter und Autor. Aber ich kann Beobachten, und ich sah meinen hochausgebildeten Vater wie er sich für wenig Geld krumm gearbeitet hat bis zum Heldentod Herzinfarkt. Er bekam den Infarkt und sein Ex-Chef hat jetzt eine Villa am Zürichsee. Wie geht so was? Möge er in Frieden Ruhen.
Beatus Gubler, am 08. Januar 2014 um 00:15 Uhr
@Armin Stamm. Herzlicher Gruss zurück! Ja, Flasbeck hatten wir auch schon auf Infosperber.
Urs P. Gasche, am 08. Januar 2014 um 09:46 Uhr
ich staune, besonders die Idee Volkswirtschaft funktioniere nicht wie die einer Unternehmung könnte direkt von der Määrlitante Trudi Gerster stammen. Der Staat und die Politiker können nicht mehr Geldausgeben als sie vorher eingenommen und gespart haben. Sparen für schwierige Zeiten können sie offensichtlich, sonst gäbe es die alles erdrückenden Schuldenberge nicht. Da die Eliten nicht mehr weiter wissen stehend folgende Massnahmen vor der Verwirklichung: die als «normal» betrachtete Inflation von 2 % wird massiv zunehmen. Vermögensabgaben vom IWF vorgeplappert und z.B. von Herrn Schäuble als diskutabel betrachtet, Bargeldverbote (EWS macht schon einen EG-konformen Anlauf) und die Bürger sind dann nicht nur im Internet, Telefon, durch Videokameras an allen Ecken sondern auch in ihren ganz persönlichen Finanzen total kontrolliert. Alle die von mehr oder weniger intelligenten Experten entworfenen Theorien haben noch nie funktioniert. Währungsreformen werden kommen, wie schon früher, so nennt man den politisch-staatlichen Diebstahl.
Ulrich Hertig, am 11. Januar 2014 um 09:13 Uhr
@Ulrich Hertig. Ich kann Ihr Votum voll und ganz unterstützen! Der Gesamtbundesrat (mit Ausnahme Ueli Maurers) wird nicht müde, die Personenfreizügigkeit zu verteidigen und dann ist die Finanzministerin bereit, die Kapitalfreizügigkeit einzuschränken (CHF 100´000 bei Bartransaktionen) und den gläsernen Bürger in Kauf zu nehmen, das ist Himmel und Hölle auf Erden, viel Hölle und wenig Himmel. Wann erwachen endlich unsere eidg. Parlamentarier. Willkommen auf der Titanic, noch sind Plätze frei! Personenfreizügigkeit ohne Kapitalfreizügigkeit ist doch schizofren und gar pervers. Die Währungsreform wird kommen, dies ist so sicher wie das Amen in der Kirche!
Beda Düggelin, am 11. Januar 2014 um 09:27 Uhr

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