Stromverkäufer EKZ belohnt Verschwender

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Hanspeter Guggenbühl / 06. Sep 2017 - Der grösste Zürcher Stromverteiler fördert die Verschwendung mit höherem Mengenrabatt.

Es ist eine kleine Geschichte, weil Elektrizität spottbillig ist, aber typisch für vernebelnde Firmen-PR: Das Elektrizitätswerk des Kantons Zürich (EKZ), neben der Berner BKW der grösste Endverteiler von Strom in der Schweiz, schrieb in seiner Medienmitteilung vom 30. August in fetter Schrift: «Die Strompreise der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) gehören auch im nächsten Jahr zu den tiefsten in der Schweiz. Für die Mehrheit der EKZ Kunden wird der Strom günstiger.»

Die NZZ verbreitete diese PR-Mitteilung am 6. September unter dem Titel «Erneut tiefere Strompreise – EKZ passen Tarif an». Im Text folgt die NZZ weitgehend dem Wortlaut der EKZ-Mitteilung: «Für das kommende Jahr fallen die Strompreise erneut tiefer aus, wovon die Mehrheit der Kunden (gemeint sind Haushalte und KMU ohne Marktzutritt im EKZ-Monopol des Kantons Zürich, d.Verfasser) profitiere. So zahle ein Vierpersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden vier Prozent weniger. Für einen Gewerbebetrieb mit einem Verbrauch von 7000 Kilowattstunden (richtig laut EKZ: 8000 kWh, d. Verfasser) sind es sogar sieben Prozent. Weil die EKZ neu einen Grundpreis beim Energietarif einführen, um Fixkosten zu decken, profitieren Haushalte mit geringerem Verbrauch weniger.»

Soweit die NZZ als Abschreiberin der EKZ-PR-Abteilung; die andern grossen Zürcher Medien liessen die «gute Nachricht» (NZZ) für die Kunden im EKZ-Monopol bisher rechts liegen. Aussen vor bleibt damit der folgende energiepolitische Aspekt:

Höherer Fixanteil fördert Verschwendung

Die Stromtarife des EKZ und der meisten andern Stromverteiler in der Schweiz bestehen aus einem fixen Grundtarif und verbrauchsabhängigen Ansätzen. Der fixe Anteil führt zu einem Mengenrabatt, denn: Je höher der Anteil des Grundpreises ist, desto tiefer fallen bei wachsendem Verbrauch die Gesamtkosten pro konsumierte Kilowattstunde (kWh) aus. Wer wenig Strom verbraucht, wird also bestraft, wer viel verbraucht belohnt.

Diesen Rabatt oder «degressiven Tarif», der die Stromverschwendung fördert, kritisieren Fachleute, AKW-Gegnerinnen und einige Medienschaffende seit Jahrzehnten. Unter ihrem Druck senkte das EKZ den fixen Grundtarif für Haushalte vor einigen Jahren von 120 auf 60 Franken pro Jahr (immer exkl. MWSt); dieser fixe Anteil wird heute in der Kategorie «Netztarif» ausgewiesen. Im neuen Tarifsystem ab 2018 führen die EKZ nun in der Kategorie «Energietarif» einen zusätzlichen Grundpreis von 36 Franken pro Jahr ein. Damit hebt das Kantonswerk den Fixkosten-Anteil und Mengenrabatt wieder an. Beispiel: Bei einem sparsamen Haushalt, der sich mit einem Stromkonsum von 1000 kWh pro Jahr begnügt, steigt der Anteil der Fixkosten auf total 96 Franken oder rund 40 Prozent der gesamten jährlichen Stromausgaben.

Tiefe Marktpreise drücken variablen Tarif

Wenn trotz höherem Fixtarif die Gesamtkosten der EKZ-Kunden mit hohem Verbrauch sinken, so liegt es daran, dass die EKZ die variablen Tarife für Strom und Netzbenutzung senken konnten. Beispiel: Der variable EKZ-Hochtarif für Haushalt-Strom (ohne Netztarif und Abgaben) vermindert sich von heute 7,6 auf 6,4 Rappen/kWh, weil die EKZ den Strom auf dem Markt billiger einkaufen können; um knapp einen Rappen sinkt auch der Netztarif.

Der tiefere Marktpreis freut die Stromkonsumenten, plagt aber Produzenten wie etwa die Axpo. Für das EKZ ist diese Entwicklung zweischneidig: Als Einkäuferin von Strom drückt es den Marktpreise und fördert damit die Stromverschwendung zusätzlich. Als Mitbesitzerin der Axpo leidet das EKZ unter dem tiefen Marktpreis, weil die Axpo Verluste schreibt und keine Dividenden mehr ans kantonseigene EKZ zahlt.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Weiterführende Informationen

DOSSIER: Die Politik der Stromkonzerne

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3 Meinungen

Das was hier als Bestrafung resp. Rabatt bezeichnet wird, hat eine ganz einfache Logik: Die Kostenstruktur des Stromversorgungssystems besteht aus einem hohen Anteil an Fixkosten. Man kann es folglich auch so sehen: Die Anpassung des Grundpreises reduziert die Quersubventionierung, und das ist ja nicht per se schlecht, oder?
Stefan Roth, am 07. September 2017 um 14:32 Uhr
«Logisch» scheint mir das nicht. Nur Monopole können Fixkosten separat verrechnen, wie Strom, Gas und Wasser. Beim Tanken von Benzin hört es schon auf. Bei den Telefongebühren auch. Auch Banken, Versicherungen, Wäschereien oder Gastbetriebe können ihre Fixkosten nicht separat in Rechnung stellen. Die Fixkosten oder «Grundgebühren» beim Strom und Wasser haben für die Kundinnen und Kunden die Wirkung eines Mengenrabatts. Eine sparsame Nutzung wird finanziell bestraft, weil die Gesamtkosten pro verbrauchte pro kWh steigen. Statt vielen bürokratischen Sparvorschriften könnte man auch progressive Preise ohne Grundgebühren einführen, so dass es sich noch viel mehr lohnt, Investitionen für einen rationelleren Verbrauch zu tätigen. Wäre doch ein marktwirtschaftlicher Ansatz!
Urs P. Gasche, am 10. September 2017 um 13:54 Uhr
@StefanRoth: Wie wurden die Fixkosten bestimmt? Ich habe eine Berechnung gesehen. Diese ist sehr komplex und erlaubt flexible Zuordnungen... Mit welchen Zinssätzen werden Investitionen und Amortisationen gerechnet? Welcher Konsument braucht wieviel Netzleitung? Denken Sie an Photovoltaik die der Nachbar konsumiert und dabei den vollen Netzzuschlag bezahlt. Fixkosten 'melken' die kleinen Konsumenten und Produzenten und belohnen Monopole und Verschwendung.
Markus Ursprung, am 11. September 2017 um 15:32 Uhr

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