Links das neuste Cover des «Time Magazine» – rechts der Vorschlag von Gabor Steingart © Time/MediaPioneer

Statt «Power of Youth» wäre «Power of Truth» ehrlicher

Red. / 13. Dez 2019 - «Time» erkürte Greta Thunberg zur «Person des Jahres». Gabor Steingart hätte lieber den SUV auf der Titelseite gesehen.

Erst später in der Evolutionsgeschichte der Menschheit habe sich das rationale Gehirn herausgebildet: Wissen statt Fühlen. Dieser durch Erziehung und Bildung geprägte Teil des Gehirns komme oft zu gänzlich anderen Schlussfolgerungen als sein emotionaler Counterpart, erklärt Gabor Steingart in seinem Morning Briefing.

Greta Thunberg vertrete unser rationales Gehirn. Doch das emotionale Gehirn spiele böse Streiche, weshalb wir anders konsumieren würden als wir denken. Daraus schliesst Steingart: «Wenn das „Time Magazine“ ehrlich zu uns wäre, gehörte nicht die Klima-Göttin („The Power of Youth“), sondern der real gekaufte Klimakiller auf das Titelbild („The Power of Truth“).

Das Jahr 2019 sei wieder ein Jahr, in dem das emotionale Gehirn über seinen rationalen Counterpart auf ganzer Strecke triumphierte:

► 2019 ist ein SUV-Rekordjahr: Bis einschliesslich November wurden rund 692'000 dieser Fahrzeuge in Deutschland neu zugelassen (siehe Grafik). Das entspricht einem Plus von rund 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

► In diesem Jahr wird es Statistiken zufolge weltweit rund 39 Millionen Flüge geben – rund eine Million mehr als im Vorjahr. Vor 15 Jahren lag die Zahl lediglich bei rund 24 Millionen (siehe Grafik unten). Dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft zufolge wuchsen weltweit die Fluggesellschaften im ersten Halbjahr 2019 weiter um 4,6 Prozent.

► Die Lust der Europäer auf Fleisch sei ungebrochen – trotz der negativen Klimaeffekte der industriellen Massenzucht. Die Entwicklung des jährlichen Fleischkonsums ist von 2018 auf 2019 in Deutschland weiter gestiegen: von 64,9 auf 65,3 Kilogramm pro Kopf. Im Jahr 2010 betrug der Konsum noch 63,4 Kilogramm.

Fazit von Gabor Steingart: «Wir sollten uns keinen Illusionen hingeben. Am wenigsten über uns selbst. Greta Thunberg ist für uns immer beides: Person und Fiktion des Jahres 2019.»

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Siehe dazu auf Infosperber:

Daniela Gschweng:

Hanspeter Guggenbühl:

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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3 Meinungen

Gabor Steingarte Gedankengang, ist gar nicht mal so abwegig...

BÖS-SUV und LIEB-GRETA - klingt wie modernes Märchen...

Wenn man sich dazu mal im Laufe der Jahrzehnte, die jeweils von TIME ausgewählten «Person of Year» anschaut, wird man auch z.B. Josef Stalin finden. Dazu eine in Deutschland auch nicht gerade unbekannte Person, namens Adolf Hitler. Das war für das Jahr 1938...

Hier wird nur auf diese belegbaren Tatsachen selbst hingewiesen. Ob sich dazu jemand aber weitere Gedanken und Schlüsse macht, steht jedem und jeder, natürlich völlig frei.

Werner Eisenkopf
Runkel/D.
Werner Eisenkopf, am 13. Dezember 2019 um 13:17 Uhr
Solange ein Roman Abramowitsch eine 300 Millionen $ Yacht besitzen und ausfahren darf, muss sich kein SUV Besitzer moralisch genötigt fühlen, ein sparsameres Auto zu fahren. Entweder kann jeder für die Fortbewegung so viel Abgase Ausstosses wie man will, oder alle haben die gleiche Limite pro Jahr.
Erst wenn die Umweltschützer begreifen, dass man den Kapitalismus in den einen Güterklassen laufen lassen kann, in anderen Güternklassen reformieren sowie gut regulieren muss und in einigen Güternklassen ersetzen muss, werden wir die Umwelt wirklich schützen können.
Es sind nicht die SUV oder die Billigflieger. Es ist ganz ursächlich, dass wir alle Lebensbereiche mittlerweile allein dem kapitalistischen Prinzip unterworfen haben. Nicht nur die Umwelt wird so malträtiert, sondern z.B. alle vorsätzlich an ihrem Körper verletzten Zahnarztpatienten, welche wegen der Zahnarztschwemme und der daraus resultierenden Ummsatzschwäche der Zahnarztpraxen unnötigt verletzt werden.
Marc Fischer, am 15. Dezember 2019 um 07:49 Uhr
@Marc Fischer
So sehr ich Ihnen in Ihrem Kommentar beipflichte: Der Sozialismus in all seinen Ausprägungen scheint uns vor 30 Jahren entrissen worden zu sein.
Und «leading by example» funktioniert scheinbar in kapitalistischen Systemen nicht. Bzw doch. Und deshalb siehts derzeit auch so düster aus, einfach weil die exemplarischen Leader bisher einen total miesen Job gemacht haben.

Die Evolution scheint deutlich zu langsam zu sein, weshalb der Mensch noch in seiner, ursprünglich überlebensnotwendigen, egoistisch getriebenen (Hab)Gier gefangen ist.
Die Erkenntnis wie das biblische «Geben ist seeliger denn nehmen» in modernen Zeiten zu interpretieren wäre setzt halt eine gewisse geistige Reife voraus, die scheinbar durch die vom vielen gedruckten Geld nur noch breiigen Gehirne deutlich überfordert.
Marc Mingard, am 19. Dezember 2019 um 12:26 Uhr

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