Climate Change, Klimawandel, Kosten © BenGoode/CC

Klimawandel könnte viermal so teuer werden wie die letzte Finanzkrise, aber er bietet auch Chancen.

Investoren warnen vor den Kosten des Klimawandels

Daniela Gschweng / 28. Dez 2018 - Politik wie Wirtschaft sollen aus ihrem «zombieähnlichen» Reaktionsmuster ausbrechen, fordert eine finanzstarke Investorengruppe.

Die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels könnten um ein Vielfaches schlimmer sein als die Finanzkrise 2008, warnte eine Gruppe von Investoren am 10. Dezember auf dem Klimagipfel in Katovice. Zu der Investorengruppe, die zusammen etwa 32‘000 Milliarden US-Dollar verwaltet, gehören einige der weltweit grössten Pensionsfonds, Versicherer und Vermögensverwalter.

Im Zentrum ihrer nachdrücklichen Warnung steht die Kohleverbrennung. Die Gruppe, darunter auch AXA, Zurich und mehrere Schweizer Pensionskassen, verlangt, dass alle Subventionen für fossile Brennstoffe eingestellt und erhebliche Steuern auf den CO2-Ausstoss eingeführt werden, berichtete der «Guardian». Ohne die Reduzierung der CO2-Emissionen und die schrittweise Einstellung der Kohleverbrennung stehe die Welt vor einem Crash, der um ein Vielfaches schlimmer sein könne als die Krise von 2008.

Dass der Klimawandel kostet, ist nicht neu

Obwohl dieser Appell in seiner Deutlichkeit bisher einmalig ist, sind das keine allzu überraschenden Neuigkeiten. Es gibt eine Vielzahl von Studien mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die die Kosten der Klimaänderung beziffern. Eine Studie des «Universal Ecological Fund» (FEU-US) von 2017 beispielsweise beziffert die Kosten von Umweltereignissen sowie Gesundheitskosten für die USA auf 240 Milliarden Dollar jährlich. Während des kommenden Jahrzehnts, berichtete «National Geografic», dürften diese auf 360 Milliarden US-Dollar steigen und das US-Wachstum damit abwürgen. Eine Studie der Universität Chicago, die die Produktivität in Indien untersucht hat, stellte fest, durch den Temperaturanstieg allein habe Indien zwischen 1971 und 2008 bereits drei Prozent seiner Produktivität eingebüsst.

«Zombieähnliche» Reaktion der Bosse

Nicht nur Wissenschaftler rechnen die Kosten nach. Der Governeur der Bank of England, Mark Carney, warnte im März 2018 vor einem «Minsky-Moment» in Sachen Klima. Minsky war ein Wirtschaftswissenschaftler, der die globale Finanzkrise von 2008 schon sehr früh kommen sah. Auch die Vereinten Nationen warnten schon 2011 vor den Kosten des Klimawandels.

Geholfen habe das alles nicht viel, sagte Chris Newton von IFM Investors, der nach eigenen Angaben Fonds über 113 Milliarden Australische Dollar (79 Milliarden Franken) verwaltet, gegenüber dem «Guardian». Der langfristige Charakter der Veränderung habe aus Sicht der 415 Investoren, die das «Global Investor Statement» unterzeichnet haben, bei Wirtschaft und Politik eine «zombieähnliche» Reaktion ausgelöst. Diese Nicht-Reaktion sei ein sicherer Weg in die Katastrophe, da die Auswirkungen des Klimawandels «plötzlich, schwer und katastrophal» sein könnten. Die Ratingagentur Standard and Poor's drückte sich etwas gelassener aus: «Der Klimawandel hat bereits begonnen, das Funktionieren unserer Welt zu verändern», zitierte der «Guardian».

Wachstum durch Pro-Klima-Wirtschaft

Die gute Nachricht daran: Finanzstarke Investoren können diese Entwicklung beeinflussen. «Die kohlenstoffarme Wirtschaft bietet zahlreiche Möglichkeiten. Investoren, die die sich verändernde Welt ignorieren, tun dies auf eigene Gefahr», sagte beispielsweise Thomas DiNapoli vom 207 Milliarden Dollar schweren New York State Common Retirement Fund. Die Unterzeichner fordern, dazu eine CO2-Steuer in «wirtschaftlich sinnvoller» Höhe einzuführen. Statt derzeit zehn Dollar sollte diese in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren auf 100 Dollar pro Tonne steigen. Sie geben auch der Sichtweise Ausdruck, dass der Klimawandel nicht den Markt zerstören, sondern im Gegenteil neue Wirtschaftsfelder fördern, Arbeitsplätze entstehen lassen und Wachstum anregen könne.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«Tackle climate or face financial crash, say world's biggest investors», The Guardian
«Hidden Costs of Climate Change Running Hundreds of Billions a Year», National Geografic
«What does climate change really cost society? This lab is trying to find out», The Guardian

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2 Meinungen

Auch der Finanzindustrie wird die Einsicht kommen, dass - auf einer Welt mit begrenzten Ressourcen - Wachstum der direkte Weg in die Katastrophe ist.

Alles Wachstum ist materiell und erhöht somit die Umweltbelastung, inklusive Treibhausgase.

Die Finanzindustrie ist durchaus in der Lage, solche Grundsätze zu verstehen und einen guten Weg zu wählen um ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Förderung von Relokalisation, Restrukturierung, Biolandwirtschaft und dergleichen sind positive Umweltschutzziele.

Auch die Treibhausgasausstösse werden dadurch verringert und die Welt wird etwas zukunftsfähiger.

Wachstum wird durch Nachhaltigkeit ersetzt, durch eine Gesellschaft, die lange währen kann.

Die negativen Beispiele und Daten findet man z. B. auf www.ecoglobe.ch/senarios und
www.ecoglobe.ch/basics .

Frau Daniela Gschweng schrieb:

"Investoren warnen vor den Kosten des Klimawandels"
[...]
"Wachstum durch Pro-Klima-Wirtschaft»
[...]
"Sie geben auch der Sichtweise Ausdruck, dass der Klimawandel nicht den Markt zerstören, sondern im Gegenteil neue Wirtschaftsfelder fördern, Arbeitsplätze entstehen lassen und Wachstum anregen könne."
Helmut Lubbers, am 28. Dezember 2018 um 23:28 Uhr
Guter Artikel - gute Einsicht der Investoren!
Der grösste Widerspruch des Anthropozäns besteht ja ohnehin darin, dass Bildungsbürger eine Schöpfung bewahren wollen, die konservative Wachstums Freaks nicht selten im Namen Gottes vernichten.
Mal ganz kurz durchatmen. Was würde die Freiheit der Menschen wohl stärker einschränken: ein Verbot fossiler Energieträger oder ein Klima, in dem Überleben unmöglich ist?
Wäre die individuelle Entscheidung wirklich das Mass aller Dinge, bräuchten wir keine Gesetze. Die schiere Anzahl zeigt aber, dass es offenbar verbindliche Regeln braucht. Und das ist gut so.
Jürgen Baumann, am 02. Januar 2019 um 11:47 Uhr

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