Zwei Nuklearforum-Präsidenten: Bruno Pellaud (2001-2009), Hans-Ulrich Bigler (seit 2017) © RTS/Parlament

Zwei Nuklearforum-Präsidenten: Bruno Pellaud (2001-2009), Hans-Ulrich Bigler (seit 2017)

Atombaron feuert gegen Bigler und die «Strombarone»

Kurt Marti / 15. Feb 2019 - Beim Nuklearforum, dem Lobbyverband der Atombranche, ist Feuer im Dach. Der frühere Präsident Bruno Pellaud attackiert.

Die Atomlobby wittert angesichts der Klima-Debatte Morgenluft. In der «Sonntagszeitung» vom letzten Wochenende kündigte FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler, der auch Präsident des Nuklearforums und Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands ist, eine Kampagne für neue Atomkraftwerke an.

Gegenüber der «Sonntagszeitung» erklärte Bigler, jetzt müssten «die ideologischen Scheuklappen» fallen. Die Klimaziele seien nur mit der Atomenergie zu erreichen. Man werde «ernsthaft über die Aufhebung des Kernkraftverbots und den Einstieg in neue Kernkrafttechnologien nachdenken müssen», gab Bigler zu bedenken, dessen Verband und Partei sich bisher im Klimaschutz nicht überanstrengt haben.

Interessantes Detail: Bigler und der Gewerbeverband unterstützten die Energiestrategie 2050, die am 21. Mai 2017 vom Volk angenommen wurde, und die klipp und klar den Atomausstieg verlangt, das heisst, dass die fünf bestehenden Atomkraftwerke am Ende ihrer Betriebsdauer stillgelegt und nicht mehr ersetzt werden sollen.

Pellaud lässt den Titel «Ehrenpräsident» löschen

Die neuste Werbe-Offensive für neue Atomkraftwerke ist kein Wunder, denn als Präsident des Nuklearforums steht Bigler unter Druck aus den eigenen Reihen, insbesondere von Bruno Pellaud, der von 2001 bis 2009 Präsident des Nuklearforums war. Der Physiker gehört seit Jahrzehnten zu den einflussreichsten Atombaronen der Schweiz. Er war schon beim Bau des AKW Leibstadt dabei und schaffte es in den 90er Jahren sogar zum stellvertretenden Generaldirektor der mächtigen «Internationalen Atomenergie-Organisation»(IAEO) in Wien.

In einem vor kurzem erschienen Kommentar auf der Internetseite des atomfreundlichen «Carnot-Cournot-Netzwerks» greift Pellaud den amtierenden Nuklearforum-Präsidenten Bigler frontal an. Bigler habe die Energiestrategie 2050 unterstützt und damit auch den Atom-Ausstieg, «während das Nuklearforum seit 60 Jahren das Gegenteil verbreitete.»

Eine Ungeheuerlichkeit für Pellaud, der noch im gleichen Kommentar bekannt gibt, dass er aus Protest dem Nuklearforum den Rücken gekehrt hat: «Angesichts dieser Entartung» sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als «aus dem Forum auszusteigen» und darum zu bitten, «meinen Titel als ehemaliger Präsident und ‚Ehrenpräsident‘ aus den Akten zu löschen.»

Haue auch für die «Strombarone»

Pellaud fährt nicht nur Hans-Ulrich Bigler an den Karren, sondern ebenfalls der Strombranche, deren Vertreter auch im Vorstand des Nuklearforums sitzen. Diese hätten sich in der Kampagne gegen die Anti-Atom-Initiative im Jahr 2016 «in den eigenen Büros versteckt – ohne Kampf. Sie waren schmachvoll still, diese Strombarone, angeblich ‚pronuklear‘!»

Laut Pellaud übten sich die «Strombarone» in «diskreter Abwesenheit». Die Hälfte ihres Produktionskapitals sei durch die Anti-Atom-Initiative bedroht gewesen. Trotzdem hätten die «Strombarone» geschwiegen, «so dass es anderen überlassen blieb, diesen wesentlichen Teil ihrer Infrastruktur zu verteidigen! Das Schweigen der Atomindustrie war ohrenbetäubend.»

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Beirat (bis Januar 2012), Geschäftsleiter (bis 1996) und Redaktor (bis 2003) der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

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2 Meinungen

Sie lernens einfach nicht!! Atomstrom muss so oder so weg. Das hat nur am Rande einen Zusammenhang! Ob verstrahlt oder das Klima überhitzt - beides geht nicht mehr in der Zukunft!
Marion Theus, am 15. Februar 2019 um 17:11 Uhr
Die Diskussion ist gelaufen. Überall laufen Kosten und Bauzeiten aus dem Ruder. Ausser Russen und Chinesen gibt es kaum noch Anbieter. Nur mit einem konkreten Nebennutzen - Atombombe - lässt sich der Bau noch rechtfertigen und finanzieren. Träumt Herr Bigler wieder davon?
Jürgen Baumann, am 20. Februar 2019 um 07:29 Uhr

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