Der israelische Rapper Khen Rotem dokumentierte auf Facebook das Verhalten der Fundamentalisten © kr

Der israelische Rapper Khen Rotem dokumentierte auf Facebook das Verhalten der Fundamentalisten

Fluggesellschaft El Al beendet Mobbing gegen Frauen

Barbara Marti / 02. Sep 2018 - Boykottdrohung eines Unternehmens zeigt Wirkung: Fundamentalisten, die nicht neben Frauen sitzen wollen, dürfen nicht mitfliegen.

In Flugzeugen der israelischen Fluggesellschaft El Al weigern sich immer wieder ultraorthodoxe jüdische Passagiere, neben Frauen zu sitzen. Die Crew-Mitglieder fordern in der Regel die Frauen auf, ihren Platz zu wechseln. Letztes Jahr verurteilte ein Gericht diese Praxis als diskriminierend und rechtswidrig. Doch unterdessen hat EL Al die Vorschriften für die Flugbesatzungen geändert.

Mobbing gegen Frauen

Anlass war ein Vorfall auf einem Flug von New York nach Tel Aviv. Vier fundamentalistische Männer weigerten sich, neben Frauen zu sitzen und verlangten, dass diese die Plätze wechseln müssen. Mit weiblichen Crew-Migliedern wollten sie nicht sprechen, wie der mitreisende Rapper Khen Rotem, Künstlername «Sagol 59», berichtete. Er hatte den Vorfall auf Facebook öffentlich gemacht. Die Männer hätten die Flugbegleiterinnen «weder angeschaut noch mit ihnen gesprochen», schrieb Rotem.

Frauen wechselten Plätze

Männliche Flugbegleiter und der Ko-Pilot mussten schliesslich mit den Männern verhandeln, «statt den Flug vorzubereiten und sich um die Passagiere zu kümmern». In der langen und oft auch lauten Auseinandersetzung sei es um Theologie und Glaubensfreiheit versus individuelle Freiheitsrechte gegangen. Schliesslich erklärten sich zwei Frauen bereit, ihre Plätze zu tauschen. Sie hätten kein Upgrade erhalten, berichtete Rotem. El Al entschuldigte sich und schrieb in einem Kommentar zu Rotem’s Facebook-Post, es dürfe niemand diskriminiert werden. «El Al Flugbesatzungen tun alles, um den Bedürfnissen aller Passagiere gerecht zu werden.»

Erfolgreiche Boykottdrohung

Barak Eilam, Chef eines der grössten Technologieunternehmens in Israel, war dies zu wenig. Mit ihm protestierte ein Schwergewicht aus der Wirtschaft, die sich gegenüber den Fundamentalisten sonst eher zurückhält. Eilam drohte mit Boykott: «Wir machen keine Geschäfte mit Unternehmen, die jemanden aufgrund von Rasse, Geschlecht oder Religion diskriminieren. Wir werden nicht mehr mit El Al fliegen, bis die Fluggesellschaft ihre diskriminierende Praxis gegenüber Frauen aufgibt», erklärte er. Die Drohung wirkte: Kurz darauf änderte El Al die Vorschriften für das Kabinenpersonal. «In Zukunft wird jeder Passagier unverzüglich aus dem Flugzeug geschickt, der sich weigert, neben einem anderen Passagier zu sitzen», erklärte El Al-Chef Gonen Usishkin. Laut der Tageszeitung «Haaretz» hat die Boykottdrohung El Al in eine Zwickmühle gebracht: Sowohl die religiösen Fundamentalisten wie auch die Techindustrie seien Grosskunden von El Al.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine. Barbara Marti ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitung «FrauenSicht».

Weiterführende Informationen

So machten Israels Tech-Giganten Druck (auf Haaretz)

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5 Meinungen

Mobbing gegen Frauen. Bisherige Praxis der El Al
Bis hinein ins 21. Jh sind die Frauen eindeutig diskriminiert worden. Sie mussten
den «Herren der Schöpfung» ihre Plätze freigeben. Ich bin in meiner Kindheit genau
das Umgekehrte gelehrt worden! Kommt dazu, dass sich die israelische Staatsgewalt offensichtlich in keiner Weise daran gestört hat und deshalb auch nicht dagegen eingeschritten ist. Plötzlich soll nun aber die Praxis geändert und die Frauen sollen die gleichen Rechte wie die Männer erhalten.- Schön und gut, lieber spät als nie! Fatal ist bloss, dass diese Kehrtwende nicht aus dem Willen erfolgt, der Frau Gleichberechtigung zu gewähren; sie erfolgt einzig und allein aus einem oekonomischen Kalkül. An der tieferen Wertung der Frau gegenüber dem Manne wird sich somit kaum etwas ändern!
Paul Spätig, Ligerz
Paul Siebenundzwanzig, am 02. September 2018 um 15:55 Uhr
Die israelischen Taliban haben viel zu viel Macht im Staat Israel. Siehe auch Siedlungspolitik.
Alois Amrein, am 02. September 2018 um 18:24 Uhr
Wir dürfen uns nicht verwundern wenn Diskriminierung gegen Frauen und Kinder, wie auch andersdenkende zunimmt. Solange Politiker aus welchen Gründen und Interessen mit Ignoranz gegenüber diesen fundamentalen Problemen denken und handeln wird sich nichts zum Guten verändern. Wir müssen die Politik in die Pflicht nehmen und einzelne Exponenten anhand ihre z.T. abstrusen Thesen, Behauptungen und Lügen immer wieder bloss stellen. Die Religionsfrage darf keine Politik Frage mehr sein.
Martin V., am 03. September 2018 um 12:15 Uhr
Fragen Sie einmal die SWISS, wie die Airline mit Zwischenfällen mit ultraorthodoxen jüdischen Passagieren umgeht.
Thomas Ferber, am 04. September 2018 um 12:20 Uhr
Es ist genau dieser Fundamentalismus, der auf beiden Seiten den Hass schürt und die Völker nicht zum Frieden kommen lässt.
Thomas Ferber, am 04. September 2018 um 12:25 Uhr

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