Stacheldrahtverhauene Grenzen waren noch kaum je die Lösung eines Problems © cm

Stacheldrahtverhauene Grenzen waren noch kaum je die Lösung eines Problems

Darum ist die Ecopop-Initiative sinnlos

Christian Müller / 30. Okt 2014 - Die ursprünglichen Ziele waren vernünftig, der Weg aber ist falsch und egoistisch. Nicht alle Probleme lassen sich national lösen.

Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland. Der Satz aus der Feder des Schweizer Dichters Jeremias Gotthelf ist zwar bereits 172 Jahre alt, aber noch immer gültig. Wer etwas ändern will auf dieser Welt, muss bei sich selbst beginnen. Konkretes Beispiel: Wer begriffen hat, dass wir in unserer westlichen Gesellschaft zu viel unwiederbringliche Energie verbrauchen und deswegen auf Änderungen drängt, soll nicht nur fordern, sondern auch handeln – und bei sich selbst beginnen: beim nächsten Autokauf einen kleineren Wagen wählen, weniger Kilometer fahren, seine eigene Wohnung nur auf 20° statt auf 22° heizen, und so weiter, und so fort.

Das «Bei sich selber Beginnen» bezieht sich nicht nur auf Personen, sondern auch auf Staaten. Um beim Beispiel zu bleiben: Die Forderung, den Verbrauch fossiler Energie zu reduzieren, kann nur derjenige Staat glaubwürdig erheben, der das Gleiche im eigenen Land angeht. Von den US-Amerikanern, die beim Energie-Konsum mit an der Spitze stehen, zu verlangen, den Energieverschleiss zu reduzieren, können eigentlich nur diejenigen, die das Gleiche im eigenen Land umzusetzen beginnen. Das gilt nicht zuletzt für die Schweiz: zu argumentieren, die Schweiz sei ja sehr klein und deshalb spiele ihr eigener Energieverbrauch kaum eine Rolle, wäre unehrlich, um nicht zu sagen verlogen.

Das Bevölkerungswachstum als Faktor der Ökologie

Genau in dieser Diskussion um den sogenannten ökologischen Fussabdruck merken besorgte Wissenschaftler an, dass es nicht nur auf den Energieverbrauch pro Kopf ankommt, wenn die Welt vor einer Katastrophe bewahrt werden soll, sondern vor allem auf den Energie-Totalverbrauch der Erdbevölkerung, sprich: dass auch das Bevölkerungswachstum zum zunehmenden Energieverbrauch beiträgt, und zwar spürbar. Der Hinweis ist richtig, wobei es zu differenzieren gilt: In China zum Beispiel steigt der Energieverbrauch des zunehmenden Wohlstandes in den Städten wegen vor allem pro Kopf. Die Bevölkerung aber wächst aufgrund der 1-Kind-Politik, die mutatis mutandis immer noch gilt, nur noch wenig. Umgekehrt in einigen Ländern Afrikas, wo der Energieverbrauch pro Kopf der verbreiteten Armut wegen kaum steigt, wohl aber die Bevölkerung, seit dank Hygiene und Medizin die Kindersterblichkeit zurückgegangen ist. Das Thema Bevölkerungswachstum aus der ökologischen Diskussion auszuklammern, hiesse aber so oder so den Kopf in den Sand stecken.

Ecopop also die richtige Politik?

Die Vereinigung «ECOPOP, Umwelt und Bevölkerung», die als Vereinigung darauf aufmerksam macht, dass das Bevölkerungswachstum aus Gründen der Ökologie ein Problem ist und deshalb gebremst werden sollte, hat also durchaus Recht. Hat sie mit ihrer Initiative, die am 30. November 2014 zur Abstimmung kommt, dazu aber auch den richtigen Weg eingeschlagen?

Indem sie das Bevölkerungswachstum der Schweiz beschränken will, gaukelt sie vor, «zuhause» zu beginnen. Das tut sie mit ihrer Initiative allerdings gerade nicht. Sie fordert nicht, dass es in der Schweiz zu weniger Geburten kommen soll, sie fordert lediglich, dass bereits lebende Menschen jenseits der Schweizer Grenze verbleiben sollen. Das ist das Gegenteil von «Zuhause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland». Und das Gleiche tut sie mit ihrer Forderung, 10 Prozent der Schweizer Entwicklungshilfe in den Entwicklungsländern für «Massnahmen zur Förderung der freiwilligen Familienplanung» einzusetzen. Auch hier nach dem Prinzip: Die Anderen sollen einen Beitrag zur Verlangsamung des Bevölkerungswachstums leisten, nicht wir.

Die Schweiz fördert das Bevölkerungswachstum

Die Realität ist, dass die Schweiz das Bevölkerungswachstum durch Geburten im eigenen Land in mehrerer Hinsicht fördert.

1. Um den Frauen die Doppelbelastung aufgrund von Berufsarbeit einerseits und Schwangerschaft und Geburt andererseits zu erleichtern, schreibt das Gesetz vor, ihnen mindestens 14 Wochen Mutterschaftsurlaub zu gewähren. Die Gesamtkosten der Schweiz (Bund, Kantone, Firmen, etc.) für diese – man verzeihe hier die etwas unfreundlich erscheinende Formulierung – «Subventionierung des Kinderkriegens» belaufen sich auf weit über 1 Milliarde Franken jährlich, vermutlich auf deutlich über 2 Milliarden. (Genaue Zahlen stehen nicht zur Verfügung, da die Kosten in verschiedenen Kassen anfallen. Und dass es, wenn schon, ein Eltern- und nicht nur ein Mutterschaftsurlaub sein sollte, ist auch klar. Das steht aber hier nicht zur Diskussion.)

2. Um den Familien die Ernährung und Erziehung von Kindern zu erleichtern, erhalten die Eltern mit dem Gehalt eine zusätzliche Kinderzulage. Die Lebenserwartung eines Neugeborenen in der Schweiz liegt heute bei ca. 80 Jahren. Also sind ein Fünftel der Schweizer Bevölkerung oder ca. 1,6 Millionen Menschen zwischen 0 und 16 Jahren alt. Deren Eltern erhalten mindestens 200 Franken pro Monat Familienzulagen. Das sind im Jahr rund 4 Milliarden Franken.

3. Familien mit Kindern erhalten in vielen Kantonen zusätzliche Steuererleichterungen. Es gibt keine Zahlen, was das den Staat, in dem Fall die ganze Schweiz, in Form von Mindereinnahmen kostet.

4. Eine unbeachtete «Förderung» des Kinderkriegens basiert auf einem speziellen Fortschritt der Medizin: Immer mehr Eltern, die, aus welchen Gründen auch immer, keine Kinder kriegen konnten, können sich heute ihren Kinderwunsch mit Hilfe modernster Medizin erfüllen. Genaue Zahlen liegen naturgemäss nicht vor, über die dabei entstehenden Kosten schon gar nicht.

5. Und auch eine weitere unbeachtete «Förderung» des Bevölkerungswachstums infolge inländischer Geburten basiert auf medizinischem Fortschritt. Heute kommen gemäss Statistischem Amt 0,4 Prozent der Babys als «extreme Frühgeburten», nämlich zwischen der 22. und der 27. Woche der Schwangerschaft, auf die Welt. Babys also, die bis vor kurzem noch keine Überlebenschance hatten und die mit hoher Wahrscheinlichkeit bleibende Schäden mit ins Leben nehmen. Dazu kommen 0,6 Prozent «sehr frühe Frühgeburten» (28. bis 31. Woche). Allein die Kosten für die medizinischen Massnahmen für Frühgeborene unter 2000g Geburtsgewicht bis zum Gewicht von 3000g, die von der Invalidenversicherung übernommen werden, haben sich in den zehn Jahren von 2003 bis 2013 verdreifacht, von 31 auf 92 Millionen Franken. Sie betrugen zuletzt pro Bezüger knapp 50'000 Franken. Ein Baby im Brutkasten kostet, wie im K-tipp einmal zu lesen war, ca. 3000 Franken pro Tag!

Schön, dass wir Schweizer uns das alles leisten können!

Selbstverständlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass wir medizinisch alles unternehmen, um ein bereits geborenes Geschöpf am Leben zu erhalten. Über die Positionen 1 bis 3 allerdings liesse sich sehr wohl diskutieren. Doch die Vereinigung Ecopop wagt mit ihrer Initiative das Thema «Geburten in der Schweiz» nicht anzurühren! In der Schweiz darf das Kinderkriegen mit allen Mitteln gefördert und subventioniert werden, Bevölkerungswachstum hin oder her, Ökologie hin oder her! Nein, die Deutschen sollen gefälligst in Deutschland bleiben (weil sie dort ja bekanntlich keine unwiederbringlichen Ressourcen verbrauchen...) und die Frauen in Afrika sollen weniger Kinder gebären (ausgerechnet in Afrika, dem Kontinent, der deutlich weniger Energie verbraucht, als er selber auf natürliche Weise generiert...). Dass von Ecopop-Seite nichts zu den Geburten in der Schweiz gesagt wird, ist der reine politische Opportunismus. Die Engländer nennen das «double standard», zu deutsch: Doppelmoral!

Ist die Ecopop-Initiative also fremdenfeindlich?

Ob die Vereinigung Ecopop mit ihrer Initiative deshalb als «fremdenfeindlich» bezeichnet werden darf? Und ob Bundesrätin Simonetta Sommaruga, die das so gesagt hat, recht hat?

Es geht hier nicht um Wörter und Begriffe. Ob fremdenfeindlich, egoistisch, nationalistisch, oder was immer: Schlagwörter dienen der seriösen Diskussion wenig – der Propaganda allerdings sehr wohl. Aber es kann doch nicht sein, dass wir Schweizer im Innern unseres Landes das Kinderzeugen, das Kindergebären und das Kindergrossziehen mit Milliarden von Franken jährlich subventionieren und fördern, aber mit dem Hinweis auf die Ökologie (!) keine sogenannten Ausländer mehr reinlassen wollen und in Entwicklungsländern die «Förderung der freiwilligen Familienplanung» finanzieren helfen. Das geht schlicht gegen jede Moral und Menschlichkeit (siehe dazu auch Verzichten sollen nur die Ausländer). Und es ist ausserdem sehr, sehr kurzfristig gedacht, um ein geläufiges, aber beleidigendes Wort hier nicht einsetzen zu müssen. Denn die Schweiz ist keine Insel, am wenigsten im ökologischen Sinn. Selbst wenn auf den paar Quadratkilometern unseres Landes kurzfristig etwas erreicht werden könnte, die Natur – und um die geht es in der Ökologie! – macht selbst vor Stacheldraht nicht halt.

Mit welcher Methode gegen die Überbevölkerung?

Um eine langfristige Überbevölkerung unserer Erde zu verhindern, gibt es grundsätzlich vier Methoden:

1. Krieg

2. Unheilbare Seuchen

3. Hunger

4. Bildung – inkl. die dazugehörende Gleichberechtigung der Frau

Zu 1. Der Erste Weltkrieg forderte etwa 17 Millionen Menschenleben. Der Zweite Weltkrieg forderte etwa 70 Millionen Menschenleben. Ein weiterer Weltkrieg, eventuell sogar unter Einsatz von Atombomben, könnte durchaus das Ende der Menschheit bedeuten. Das möchten wir wohl alle eher nicht. (Immerhin hätte es den Vorteil, dass dann das Problem des Raubbaus an unwiederbringlicher fossiler Energie wie auch jedes andere ökologische «Problem» auch gerade gelöst wäre.) Das Szenario ist nicht ganz unwahrscheinlich.

Zu 2. Die sogenannte «Spanische Grippe», eine Pandemie in den Jahren 1918 bis 1920, hatte mit Spanien zwar nichts zu tun – sie entstand wohl in Kansas in den USA – aber sie forderte so oder so, je nach Schätzung, bis zu 50 Millionen Menschenleben – und nicht zuletzt junge Menschen waren davon betroffen, die noch keine eigenen Abwehrstoffe entwickelt hatten. Aufgrund der grossen Fortschritte in der Pharmakologie werden ähnliche Pandemien zwar für eher unwahrscheinlich gehalten, aber so ganz zufällig war die internationale Aufregung bei der Schweinegrippe in den Jahren 2009/2010 und ist die internationale Aufregung heute bei der aktuellen Ebola-Seuche nicht. Zwar können Impfstoffe heute deutlich schneller entwickelt werden als noch vor Jahren, aber auch die denkbare Verbreitungsschnelligkeit ist aufgrund des total globalisierten Luftverkehrs deutlich höher als noch vor wenigen Jahren. – Aber auch diese Art der Bekämpfung der Überbevölkerung unserer Erde sollten wir eher nicht ins Auge fassen.

Zu 3. Hunger und Hungersnöte gab’s schon immer. Die grösste Hungersnot der letzten hundert Jahre war die in China zu Zeiten Maos in den Jahren 1958 bis 1961, der, je nach Schätzung, bis zu 50 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Hungersnöte sind, soweit es die historische Forschung überblicken kann, aber bisher noch nie entstanden, weil es weltweit zu wenig Nahrung gegeben hat, sondern weil es nicht gelungen ist, die notwendige Nahrung innerhalb nützlicher Zeit an den richtigen Ort zu bringen – sei es aus politischen, aus wirtschaftlichen oder einfach aus logistischen Gründen bzw. aus Mangel an Information. – Und, ja, gerade weil wir künftige Hungersnöte vermeiden wollen, sollten wir das Bevölkerungswachstum – im weltweiten Total – tatsächlich im Auge behalten.

Zu 4. Es bleibt die Bildung. Die Geschichte, die Soziologie, aber auch einfach ein Blick auf die Landkarte mit einigen zur Verfügung stehenden Zahlen zeigen: Wo die Kinder ein paar Jahre zur Schule gehen können und wo die Frauen, wenn auch vielleicht nur annähernd, die Gleichberechtigung mit den Männern erreicht haben, gibt es keinen massiven Geburtenüberschuss mehr. Auch wo früher aufgrund mangelnder Hygiene und fehlender Medizin von zehn Geborenen nur gerade zwei zehn Jahre alt geworden sind, ist heute die Kindersterblichkeit auf ein Minimum zurückgegangen. Und trotzdem nimmt die Bevölkerung nicht mehr überall zu: Selbst im Iran, um ein Beispiel zu nennen, ist aufgrund der guten Bildung der weiblichen Bevölkerung die sogenannte Fertilität der Frauen auf 2,1 Kind pro Kopf zurückgegangen: also die Zahl, die die Bevölkerung weder wachsen noch kleiner werden lässt.

Wie gefährlich ist die Überbevölkerung?

Eine gängige Prognose besagt, dass die Erdbevölkerung von heute gut 7 Milliarden Menschen bis im Jahr 2050 auf etwa 9 Milliarden Menschen anwachsen wird. Hungern muss – oder müsste – bis zu diesem Zeitpunkt aber noch niemand. Wissenschaftler gehen davon aus, dass landwirtschaftlich heute schon etwa 14 Milliarden Menschen gesund ernährt werden könnten, wenn weniger Lebensmittel weggeschmissen würden und wenn nicht immer mehr Fleisch, vor allem nicht immer mehr Rindfleisch, das besonders viel Energie und Wasser verbraucht, gegessen würde. Ungefähr um die Mitte unseres Jahrhunderts allerdings sollte tatsächlich eintreten, was prognostiziert wird: eine Stabilisierung der Bevölkerungsentwicklung, eventuell sogar eine leichte Reduktion.

Was können wir daraus lernen?

Die Ecopop-Initiative ist ethisch nicht zu vertreten: Man verlangt von den Anderen, gewisse Dinge zu tun und/oder zu unterlassen, während man selber nichts, aber auch gar nichts in die gleiche Richtung zu tun bereit ist. Im Gegenteil. Das Bevölkerungswachstum soll durch Massnahmen, die nur Andere betreffen, gebremst werden, während man im eigenen Land das Bevölkerungswachstum fördert und subventioniert.

Und die Ecopop-Initiative ist sinnlos: Die Schweiz macht mit ihren 41'000 Quadratkilometern Land gerade mal 0,01 Prozent der Erdoberfläche und rund 0,02 Prozent der Landoberfläche der Erde aus. Ob da ein Mensch drinnen oder draussen lebt, tut ökologisch nichts zur Sache. Die Ecopop-Initiative ist aber das Gegenteil von dem, was man «Mit dem guten Beispiel Vorausgehen» nennt. Und sie ist das Gegenteil von dem, was Jeremias Gotthelf vor 172 Jahren, ein bisschen moralisierend, zugegeben, ja, hingeschrieben hat: Im Hause soll beginnen, was leuchten soll im Vaterland.

Ist also Fatalismus angesagt?

Aber wir können trotzdem etwas tun, das den (ursprünglichen) Zielen der Vereinigung Ecopop nahekommt: Wir können mithelfen, dass die Kinder dieser Welt bis in den letzten Winkel unserer Erde Gelegenheit bekommen, in die Schule zu gehen. Und dass die Frauen, den Aufforderungen der Bibel, des Korans und anderer sogenannter «heiliger» Schriften zum Trotz, nicht nur für die Männer da sind, sondern gleichberechtigt neben uns Männern stehen.

Man vergesse nicht: Die Frauen denken und handeln, von Natur aus, langfristig. Um es mit einem historischen Bild zu sagen: Die Männer gehen auf die Jagd, um am Abend einen erlegten Hirsch nach Hause zu bringen. Die Frauen bauen ein Nest, damit die Familie auch den nächsten Winter übersteht.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Weiterführende Informationen

Zum Dossier Ecopop-Initiative auf Infosperber
Chefredaktor Patrik Müller gesteht Angst vor Identitätsverlust
Verzichten sollen nur die Ausländer (auf Infosperber)
Wer alles ist fremdenfeindlich (auf Infosperber)
Kein Geld für Kondome, Pillen und Aufklärung (auf Infosperber)
Zur Subvention des Kinderkriegens in der Schweiz, als Beispiel die SBB
Abstimmungs-«Arena»: Löst Ecopop Umweltprobleme?
Mit einem Koffer voll Kondome (Aargauer Zeitung)

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

54 Meinungen

Besten Dank, dass sich Ch. Müller hier die Mühle genommen hat, die Argumente in aller Länge auszuführen. Ob Leute, die bisher die Kürzestvariante «Egopop» nicht verstanden haben, sich umstimmen lassen, bezweifle ich allerdings, denn wer rational bisher die Fehler in Ecopop nicht erkennen wollte, wird auch bei diesem Text kaum weiter als drei Sätze lesen (denn dort steht u.a. «bei sich selber beginnen").
Dennoch: Schön geschrieben, sauber recherchiert und den Versuch wert ist es allemal.
Felix Rothenbühler, am 30. Oktober 2014 um 16:56 Uhr
Eine zunächst gute Analyse, Herr Müller. Sie schreiben; «[...] Sie fordert nicht, dass es in der Schweiz zu weniger Geburten kommen soll..."

Das ist auch meine Kritik, die ich in einem anderen Infosperber anbrachte ("Ökologie und Bevölkerungspolitik nicht vermischen"). Frau Wirth von Ecopop erwiderte, dass die Initiative so nicht zu gewinnen wäre. Das kann ich verstehen, weil eine «national"-eingestellte Gesinnung tatsächlich *nicht* die eigenen Eingeborenen beschränken will, sondern die *anderen*. Heute wurde berichtet, dass die italienische Regierung ein Kindergeld von 80 Euro pro Monat einführen will, um zu versuchen, die Wirtschaft anzukurbeln. Das ist also eine ähnliche Massnahme wie die obersten Punkte 1 bis 3.

Ecopop kann jedoch nur gewinnen mit Stimmen sowohl von grün als auch national Motivierten, die sich zudem wegen der unhaltbaren Wachstumssackgasse des «Mainstreams» sorgen machen. Deshalb ist es verständlich, dass die Initiative einen Bogen um die Thematik der Inlandgeburten macht, auch wenn diese logischerweise dazu gehörte.

Herr Müller widerspricht sich dann aber, indem zuerst Schlagwörter wie «egoistisch» als wenig hilfreich erachtet, aber dennoch verwendet werden. Schlimmer noch: den Ecopop-Befürwortern wird die ethische Gesinnung abgesprochen. Das finde ich schon etwas gewagt, besonders da die «ursprünglichen Ziele als vernünftig» anerkennt werden.

Ganz ins Abseits gerät Herr Müller, wenn er die ökologischen Schäden der Schweiz verniedlicht.
Theo Schmidt, am 30. Oktober 2014 um 18:29 Uhr
<fortgesetzt> Es geht nicht nur um den persönlichen Fussabdruck der EinwohnerInnen der Schweiz, sondern um den Raubbau, für den die Schweiz als Nation verantwortlich ist, als Berherberin mächtiger multinationaler Firmen, welche die Welt ausbeuten. Diese Firmen profitieren von der Möglichkeit, ihre MitarbeiterInnen in der ganzen Welt rekrutieren zu können. Das ist der wahre Motor der Personenfreizügigkeit. Ist das ethisch? Ist es unethisch, gegen diesen Missbrauch und seinen Auswirkungen zu kämpfen?
Theo Schmidt, am 30. Oktober 2014 um 18:36 Uhr
@Schmidt: Zu viele internationale Firmen, die für Raubbau weltweit verantwortlich sind, haben in der CH nicht sehr viele Mitarbeiter, hier befindet sich meist nur wenig mehr als der Briefkasten. Wenn Sie den Ressourcenverschleiss ansprechen, dann bleiben Sie bitte beim eigenen Konsum!
Wenn gegen Ursachen vorgegangen werden soll (Attraktivität der Schweiz, Zubetonierung der Heimat, Ressourcenverschwendung etc. oder eben auch Ansiedlung mächtiger, internationaler Firmen), dann finden Sie plötzlich ganz andere Leute mit im Boot als bei Ecopop respektive umgekehrt sind plötzlich ganz viele Leute von der vordersten Ecopop-Front auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Darüber sollte nachgedacht werden!
Felix Rothenbühler, am 30. Oktober 2014 um 18:51 Uhr
Herr Müller, Sie haben mit über 12'000 Zeichen gegen Ecopop geschrieben, einer Idee, die seit über 40 Jahren besteht.

Was bieten Sie als Alternative an? In den letzten Abschnitten schreiben Sie was wir in der Schweiz tun können - von Kindern die zur Schule gehen sollen und der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Beides ist in der Schweiz geltender Verfassungsauftrag und was im Ausland passiert, können wir kaum beeinflussen, wie Sie selber eindrücklich schildern.

Was Sie aber nicht schreiben, ist, was wir tun werden, wenn «Wachstum» nicht mehr der Motor der Wirtschaft sein kann, weil die endlichen Rohstoffe der Erde dazu nicht mehr reichen.
Sind Sie nicht auch der Meinung, dass Ihre Gegen-Argumentation nach 40 Jahren politischem «weiter so» nicht ein wenig mager ausgefallen ist?

Auch wenn Ecopop nicht vollkommen ist und egoistisch erscheint, bleibt es die bisher einzige Antwort, den Raubbau der Erde wenigstens zu verlangsamen. Es kann zu einem Umdenken führen. Aus dem politischen Bern kommen dazu seit fast einem halben Jahrhundert keine Lösungsvorschläge - ja, es wird anscheinend nicht mal darüber nachgedacht.
Beat Leutwyler, am 31. Oktober 2014 um 03:12 Uhr
Infosperber, scheint mir, ist das einzige Medium, bei dem nicht kampagnenmässig, sondern auf hohem ernsthaftem Niveau über diese Sache diskutiert wird. Im Gegensatz zu Initiativen die Armee betreffend, oder früher auch die Überfremdungsinitiativen, empfehle ich jedem Leser, jeder Leserin, nicht taktisch zu stimmen, auch nicht bis zum Überdruss Zeichen setzen zu wollen, sondern streng nach dem besseren Argument, wie Sokrates es als Lehrer der Ethik verlangt hätte.
Pirmin Meier, am 31. Oktober 2014 um 11:47 Uhr
Interessant und aufschlussreich - Danke.
Die «Subventionierung» des Kinderkriegens geht in der Tat nicht weit genug.
Dank der höheren Lebenserwartung gibt es viel mehr Pensionierte und müssen dadurch immer mehr und immer länger Renten ausbezahlt werden. Wer Kinder bekommt, und grosszieht sichert sich - aber auch all denen, die sich nichts aus Kindern machen - die Altersrenten. Und wenn nun «einfach so» die Zahl der Kinder, welche in der Schweiz aufwachsen (egal ob mit oder ohne CH-Pass) und die später ins Erwerbsleben eintreten, reduziert wird, so werden tendenziell weniger Arbeitende immer mehr alten Personen gegenüberstehen, welche sie zu versorgen haben.
Da droht sich ein Ungleichgewicht, welches schon heute besteht, zu verschärfen.

Beim Punkt 2 (Reduktion der Überbevölkerung - Unheilbare Seuchen) kommt etwas zu kurz: die wachsenden Resistenzen auf Antibiotika. Wegen des Übergebrauchs/-konsums von Antibiotika gibt es eine wachsende Zahl von Keimen, welche resistent geworden sind. Eine bakterielle «Seuche», gegen welche keine Antibiotika wirken, könnte wohl auch sehr hohe Sterberaten - wie sie für die Reduktion der Überbevölkerung nötig sind - bewirken.
Andreas U. Schmid, am 31. Oktober 2014 um 13:16 Uhr
Herr Schmid verweist auf die enorme Komplexität der Problemlage und scheint vor einseitigen fundamentalistischen Entscheidungen sowie ideologischer Sichtweise zu warnen. Einfach mal abrupt aufhören mit eigenen Kindern bringt es auch nicht. Notwendige Änderungen in Richtung einer Bevölkerungsabnahme, was auf lange Sicht alleweil vernünftiger sein könnte als Zunahme, müssten in ihren Nebenfolgen bedacht werden in Richtung der Technik eines nichtkatastrophischen Wandels. Diese Debatte muss auch nach dem 30. Nov. noch ernsthaft geführt werden. Der Verfassungsgrundsatz, dass die Schweiz die Zuwanderung selbständig steuere, gehört sicher zu den vernünftigsten Verfassungsbestimmungen in Europa; aber hier hört nun leider der relative Konsens vieler bereits auf. Es liegt in der oben geschilderten Komplexität. Die unbeschränkte Personenfreizügigkeit als Ausdruck der WTO-"Theorie der komparativen Kostenvorteile» (Rudolf H. Strahm) ist jedoch Ausdruck institutionalisierter Unvernunft und hat sicher nichts mit einer humanen internationalen Ordnung zu tun.
Pirmin Meier, am 31. Oktober 2014 um 13:42 Uhr
Es wird einem Ökonomiestudenten im ersten Semester beigebracht, dass Seelenmassage (moral suasion) bezüglich ökonomischem oder energiemässigem Verhalten nichts bringt. Es kann nur via Gesetze oder ökonomische Anreize beeinflusst werden.
Es ist nicht allein der Ressourcenverbrauch, der steigt, wenn ein Mensch von Südeuropa in den Norden zieht (mehr Kaufkraft=höherer Ressourcenverbrauch und mehr Heizkosten und lange Besuchsreisen in den Süden zu den Verwandten oder Familiennachzug), sondern auch die Belastung der Landschaft (Siedlungsflächenverbrauch) und der Infrastruktur (hohe Grenzkosten für Neubau)
Die SchweizerInnen fühlen sich immer weniger daheim im eigenen Land mit wachsendem Zuwandereranteil (Identität, Heimatgefühl).
Jedes Land ist primär für seinen eigenen ökologischen Fussabdruck verantwortlich.
Alex Schneider, am 01. November 2014 um 05:40 Uhr
@Alex Schneider. Obwohl Ihre Argumentation nicht total falsch ist, wirkt sie irgendwie aus der Sicht von uns Europäern in Sachen ökologischem Fussabdruck, den «wir» selber in viel grösserem Ausmass verursachen, nicht glaubhaft und der Argumentation von Christian Müller nicht angemessen. Wahr mag sein, dass unser Sozialstaat keine Alternative ist für die unsozialen Arbeitsbedingungen z.B. von Glencore in Afrika. Dabei ist Glencore immer noch vernünftiger als die Verlagerung von Afrikas Armut nach Europa für die dortigen privilegierten Armen, die eine Schleppergebühr von bis zu 10 000 Dollar zahlen können. Die ganze Sache ist skandalös. Aber ob so ein Problem mit Ecopop gelöst werden kann? Mit Sicherheit hat es aber auch nichts mit der Schweizer Asyltradition zu tun, welche etwa bei den Hugenotten, den deutschen und italienischen Liberalen und bei den bedrängten Juden stets auf dem Prinzip der Selbstverantwortung der Asylsuchenden aufbaute. Für die Hugenotten, denen wir sehr viel verdanken, etwa in Richtung Uhrmacherei (wurden von Einheimischen als Konkurrenz empfunden), bestand in Genf eine Rückzahlungspflicht für Aufwand der Asylstadt, sofern es diesen gab. Im Sinne der Bergpredigt müssten zumindest kriminalitätsgefährdete und als Einwanderer der Wirtschaft wenig bringenden Afrikaner in den Pfarrhäusern, in den sich entleerenden Klöstern (ist zum Teil der Fall) und kirchlichen Vereinshäusern untergebracht werden, ev.auf Kosten der kirchensteuerprivilegierten Institutionen.
Pirmin Meier, am 01. November 2014 um 08:52 Uhr
@Pirmin Meier Bleiben Sie doch einfach beim Thema und schweifen Sie nicht einfach auf irgendein Nebengleis ab!
Alex Schneider, am 01. November 2014 um 10:40 Uhr
@Schneider: Ja, ich fühle mich immer weniger daheim in meinem Land. Wegen Ecopop, wegen Nationalisten, wegen dem Sozialdumping, wegen den Milliardären, wegen Populisten, wegen der Wohlstandsverwahrlosung.
Felix Rothenbühler, am 01. November 2014 um 10:45 Uhr
@ Rothenbühler. Es gibt noch genug von mir beschriebene Orte, wo Sie diese Ihnen unsympathischen Nationalisten nicht treffen, zum Beispiel am Grab des schlichtesten Dorfheiligen in der Schweiz in der Krypta der Kirche von Soyhières Jura, dem Père Blanchard, oder sonst auf den immer rareren einsamen Plätzen im Lande, so auf den Spuren der prähistorischen Schalensteine. Die damaligen Künstler in einem fast leeren Land litten nicht wie Sie unter Sozialdumping. Um bei den Abschweifungen zu bleiben. Seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative sind weit mehr Leute in die Schweiz gekommen als zur Zeit der Völkerwanderung und Alemannenlandnahme in hundert Jahren. Es bleibt trotzdem dabei, dass Christian Müller einen sehr bedenkenwerten Artikel geschrieben hat mit Aspekten, denen sich Herr Schneider und andere wohl nicht gern stellen.
Pirmin Meier, am 01. November 2014 um 10:59 Uhr
Die Argumentation von Christian Müller ist nicht schlüssig. Vor allem ignoriert er, dass in der Schweiz die Geburtenrate bei ca. 1.4 Kindern pro Frau liegt. Das ist deutlich unter dem Wert von 2.1, der längerfristig zu einer konstanten Bevölkerungszahl führen würde. Das, was mit den «Massnahmen zur freiwilligen Familienplanung» erreicht werden soll, ist in der Schweiz schon längst Tatsache.
Schlagwörter dienen der Diskussion nicht. Wie wahr! Schade allerdings, dass Herr Meier seine eigenen Worte nicht beherzigt und mit Begriffen wie «ethisch nicht zu vertreten», «gegen jede Moral und Menschlichkeit», «politischer Opportunismus» und «Doppelmoral» selbst die grosse Moralkeule auspackt.
Auch die Vorwürfe, die Ecopop-Initiative sage nichts zu diesem oder jenem anderen wichtigen Thema, sind etwas albern. Eine Initiative kann niemals alle wichtigen Fragen aufs Mal anpacken. Es ist Angelegenheit der Initianten, das Thema zu wählen. Wer findet, ein wichtiges Thema sei vergessen worden, soll eine eigene Initiative lancieren.
Herrn Meier ist die Initiative zutiefst unsympathisch. Das ist sein gutes Recht. Und das ist Grund genug für ihn, nein zu stimmen. Aber es reicht nicht als Grundlage, den anderen ethisch oder moralisch verwerfliches Handeln zu unterstellen. Dazu müsste man schon etwas konkreter zeigen: Wer könnte durch die Initiative zu Schaden kommen? Auf welche Weise?
Daniel Heierli, am 01. November 2014 um 13:36 Uhr
Herr Heierli bringt wohl Christian Müller und P. Meier durcheinander. Ich habe als Lehrer der Ethik noch fast nie eine Parole zu einer Initiative gegeben, tue es auch jetzt nicht. Ich mahne bloss, die Argumentation betr. unsere Inkonsequenzen, auf die Christian Müller verweist, ernst zu nehmen. Ich habe zusätzlich auch bereits gesagt, dass man das Problem der Überbevölkerung nicht lösen kann, indem man bei uns die Geburtenrate noch tiefer runterschraubt, das muss anderswo geschehen. Für die Entwicklungszusammenarbeit Prioritäten zu setzen finde ich nicht das Schlechteste an der Initiative, wiewohl es auch rein psychologisch schwierig wird, als Paternalismus interpretiert wird. Ich schwinge bei politischen Diskussionen fast nie die Moralkeule, mir sind auch einige Protagonisten von Ecoopop zu gut bekannt, um mich ihnen gegenüber so zu benehmen. Meine Beiträge liefen nicht auf eine Parole, sondern auf skeptisches Nachdenken hinaus.

Noch was: Wenn Tiana Angelina Moser aufs Weltdorf zu sprechen kommt und von Abschottung schwafelt, dann nimmt sie selbstverständlich nicht ernst, was ich oben geschrieben habe, dass allein die Einwanderung seit dem Ja zu MEI ungefähr der Alemanneneinwanderung zur Zeit der Völkerwanderung betrifft, was also mit Abschottung nichts zu tun hat. Wahrscheinlich hat sich diese Politikerin im Lande geirrt, über das sie sich äussern will. Unkenntnis ihres Landes ist bei Politikern und auch Politikerinnen weit verbreitet.
Pirmin Meier, am 01. November 2014 um 13:54 Uhr
ECOPOP: STOPP der Zubetonierung der Schweiz; 100'000 Zuwanderer sind genug! (1)

Mit der ECOPOP-Initiative wäre immer noch eine Brutto-Zuwanderung von ca. 100'000 Personen möglich. Das ist nur ein Drittel weniger als die heutigen 150'000. Auch mit ECOPOP hätte die Schweiz immer noch eine rund vier Mal höhere Bruttozuwanderung als die EU. Von Abschottung kann also keine Rede sein. Wir müssen die Quantität der Zuwanderung festlegen. Die Masseneinwanderungsinitiative (MEI) wird bei der Umsetzung bis zur Unkenntlichkeit verwässert werden.

Jedes Jahr 40'000 neue Wohnungen, 50'000 zusätzliche Autos, 410 Quadratmeter neue Siedlungsfläche für jede zugewanderte Person?

Für Hochqualifizierte gäbe es genug Kontingente. Gemäss Bundesamt für Statistik nehmen pro Jahr maximal 20'000 neu Zugewanderte eine hochqualifizierte Stelle inklusive Medizin und Pflege an.

Da ein Zuwanderer im Durchschnitt einen tieferen Lohn hat als ein Ansässiger, wird das AHV-Defizit durch die hohe Nettozuwanderung langfristig noch vergrössert.

Jedes Land ist für seine Umweltbilanz selbst verantwortlich (UNO-Umweltpolitik). Da wir die Einkommenshöhe und damit den Ressourcenverbrauch/Kopf nicht steuern können, bleibt nur noch die Steuerung der Zuwanderung. Die Wachstumsideologie von Bundesrat und Parlament fährt uns an die Wand.
Alex Schneider, am 01. November 2014 um 13:55 Uhr
ECOPOP: STOPP der Zubetonierung der Schweiz; 100'000 Zuwanderer sind genug! (2)

Begrenzung der Zuwanderung ist nicht fremdenfeindlich. Das machen auch grosse Staaten wie USA, Kanada und Australien ohne Fremdenfeindlichkeitsgeschrei. Klar ist aber auch, dass sich die Befindlichkeit der Bevölkerung nicht verleugnen lässt: Mit mehr Fremden im Land geht ein Stück Schweizer Identität und Heimatgefühl verloren.

Gemäss Arealstatistik des Bundes erfolgt heute rund 80% des Siedlungsflächenwachstums aufgrund des Bevölkerungswachstums. Mit dem neuen Raumplanungsgesetz kann bei starkem Bevölkerungswachstum weiterhin neues Bauland geschaffen werden, neu mit klaren Vorgaben in den kantonalen Richtplänen. Der Rückzug der Landschaftsinitiative war ein grosser Fehler!

Verdichtung ist gut, um den Kulturlandverbrauch, die Energie- und Pendlerkosten pro Kopf zu senken. Aber alle übrigen Umweltprobleme, welche mit einer hohen Bevölkerungszahl zusammenhängen, lassen sich dadurch nicht vermeiden. Mehr Menschen steigern den Ressourcenverbrauch (Wasser, Energie, Baumaterialien) und erfordern den gleichzeitigen Ausbau von bereits stark ausgelasteten Verkehrs- und übrigen Infrastrukturanlagen. Damit kommen die öffentlichen Haushalte unter Druck.
Alex Schneider, am 01. November 2014 um 13:56 Uhr
ECOPOP: STOPP der Zubetonierung der Schweiz; 100'000 Zuwanderer sind genug! (3)

Kein Dichtestress? Warum ziehen denn so viele Zürcher jährlich in die ländlichen Regionen des Kantons Aargau?

Freiwillige Familienplanung muss umfassend in die Gesundheitspolitik für Entwicklungsländer eingebaut werden. Es geht nicht primär um Kondome.

Jährlich sind 80 Millionen oder ein Drittel aller Schwangerschaften ungewollt. Mit mehr Mitteln für freiwillige Familienplanung kann Frauen zu ihrem existenziellen Recht auf Selbstbestimmung, auf Zugang zu Information und zu allen Methoden der Empfängnisverhütung verholfen werden.
Alex Schneider, am 01. November 2014 um 13:57 Uhr
@Schneider: Die Zürcher wohne ausserhalb der Stadt, weil dort kein oder kein bezahlbarer Wohnraum verfügbar ist. Gegenfrage: Warum leeren sich die Bergtäler in GR, BE und TI? Warum ist JU so dünn besiedelt? Ziehen denn die Leute dort alle weg, weil sie im Dichtestress leben? Warum ziehen diese Leute denn ausgerechnet bevorzugt in die bereits dicht gestressten Zentren?

Familienplanung: Warum schreibt Ecopop die Familienplanung nicht primär oder gar ausschliesslich für Schweizer und Schweizerinnen vor? Die Initiative wäre weit weniger heuchlerisch, wenn sie statt Familienplanung im Ausland eine solche im Inland propagieren würde - tut sie aber nicht!
Felix Rothenbühler, am 01. November 2014 um 15:45 Uhr
Das ewige Gejammer von zuviel oder zuwenig...
Der Geburtenrückgang gefährde die Wirtschaft und die Altersvorsorge. Das Problem liegt zuerst im System, welches ewiges Wachstum erfordert. Z.B. Umlageverfahren der AHV.
Vor Jahren gab es Ängste wegen den gebärfreudigen Italienerinnen, heute ist Italien das geburtenschwächste Land Europas...
Was wir dringend machen müssten: die Massenvermehrung von (Buch-) Geld eindämmen. Zum Beispiel auch die Spekulation mit Nahrungsmittlen, welche nicht nur die Nahrung verteuert sondern auch spekulationsbegründete Lagerschäden verursacht. So z.B. gehorteter Weizen der in Indien im Freien unter Blachen gelagert verschimmelt und verfault. Es soll 5 mal soviel sein, wie die hungernden Menschen weltweit bräuchten, um satt zu werden.
Gesellschaften im Wohlstand wachsen weniger schnell oder überhaupt nicht mehr. Es braucht weder (künstliche?) Seuchen noch Kriege und auch sonst keine Techniken der WHO, WTO oder NWO.
Wir sollten aber aufhören, die Mobilität zu subventionieren.
Urs Lachenmeier, am 01. November 2014 um 16:35 Uhr
@Rothenbühler Selbstverständlich ziehen die Leute zu den Arbeitsplätzen. Trotzdem wollen viele nicht städtisch wohnen und ziehen in den Agglomerationsgürtel. Dort ist das Wohnen billiger, kinderfreundlicher und näher zum Grünraum. So ziehen jedes Jahr mindestens 1'000 Zürcher in den Kanton Aargau.

Die FREIWILLIGE Familienplanung soll unterstützt werden. Es gibt keine Vorschriften! Dies geschieht im Eigeninteresse der Familien und der Entwicklungsländer, die unter der hohen Kinderzahl leiden. In der Schweiz haben wir diese Probleme ja nicht.
Alex Schneider, am 02. November 2014 um 07:29 Uhr
@Schneider: Und was ändert das? Die Leute ziehen aus den unendlichen Weiten von Grün in die multikulti-Dichtestress-Zentren - freiwillig. Ach, die Arbeitsplätze sind das Problem? Gut, einverstanden. Warum packt Ecopop denn nicht die zentralisierten Arbeitsplätze an? Kein Mumm, sich mit der Wirtschaft und den selbst verursachten Problemen anzulegen?
Freiwillig sagen wir den Entwicklungsländern, was deren freiwillige Eigeninteressen sind oder zu sein haben (und dass sie gefälligst an vielen Kindern zu leiden haben). Auch nicht besser, nicht?
Felix Rothenbühler, am 02. November 2014 um 08:37 Uhr
@Rothenbühler Sie können nicht alle sinnvollen politischen Massnahmen in eine Initiativer packen! Sie haben auch offensichtliche nicht begriffen, was das Wort «freiwillig» bedeutet.
Alex Schneider, am 03. November 2014 um 06:14 Uhr
Ich glaube, dass der Satz «global denken, lokal handeln» auch was Ecopop betrifft, Sinn macht. Die Zerstörung der Landschaften unseres Landes durch unbegrenzte Bebauung - 800000 mehr Leute in 10 Jahren die wohnen usw wollen - muss aufgehalten werden und zwar jetzt, bevor die Schweiz ein Hong-Kong von Genf bis zum Rhein geworden ist. Ich weiss nicht, ob sich die Gegner der Initiative bewusst sind, dass Landschaftszerstörungen IRREVERSIBEL sind - was mal verbaut ist bleibt verbaut.
bernhard sartorius, am 10. November 2014 um 15:57 Uhr
An Uwe Pawlowski : Danke. Aber das mit «Hongkong» ist eine Metapher und nicht eine Grundbuchvermessung. Ich hätte auch schreiben können :wir wollen kein Singapur von Genf bis zum Rhein. Sie wissen , was damit gemeint ist: keine mehr oder weniger durchgehendes Stadt-Vorstadt -Gebiet. «Global denken, lokal handeln» braucht anscheinend auch eine Erklärung : ich bin ein «globaler Mensch» (Reisen und Arbeit fast in der ganzen Welt), kann aber nur lokal politisch tätig sein - wie in meiner Unterstützung von Ecopop. Was andere Länder betrifft, kann ich denken oder ausrufen, was die Schweiz betrifft, kann ich, dank der direkten Demokratie, etwas tun - und das ist auch das Ziel von Ecopop: auf der lokalen Ebene der Zerstörung der Landschaften - ein UNERSETZLICHER Wert - versuchen, eine griffige Bremse anzusetzen.
bernhard sartorius, am 11. November 2014 um 22:38 Uhr
Der «globale Mensch"? reist in der ganzen Welt herum für Arbeit und Spass....
Beansprucht deshalb übertrieben hohe Teile der begrenzten Resourcen. Wie ist es denn mit seinem ökologischen Fussabdruck? Diese völlig übertriebene und nicht kostendeckende Mobilität ist eben ein wichtiger Teil des globalen wie lokalen Problems!
Urs Lachenmeier, am 12. November 2014 um 08:18 Uhr
An Urs Lachenmeier: Sie haben natürlich Recht, und es ist mir auch bewusst - nur habe ich eine Professur, welche mit Vorlesungen usw in verschiedene Länder verbunden ist. MyClimate-Beiträge bezahle ich, natürlich, mit jedem Flug-Ticket. Aber klar bleibt: es ist ein objektiver Widerspruch, sich für die Umwelt einsetzen und Vielfliegerei. Viele global tätige Umweltschützer stecken darin . Aber das ist kein Grund, wenn man lokal was tun kann - zB Ecopop -, dies wegen diesem Widerspruch schlechtzureden. Noch einen guten Tag.
bernhard sartorius, am 12. November 2014 um 09:16 Uhr
"Die Menschheit reduzieren» ist als Unterstellung ein absurdes Argument,. Die Zielsetzung, mit der Zunahme der Bevölkerung dürfe es nicht so weitergehen, anerkannte in den 50-er Jahren Papst Pius XII., auf den sich Oekonom W. Röpke berief, als er 1957 Massnahmen gegen die Bevölkerungsexplosion forderte. Beim Papst war halt nur die unzuverlässige Knaus-Ogino-Methode, der viele Katholiken ihre Existenz verdanken, und Keuschheit erlaubt. Immerhin wurde die Zielsetzung anerkannt, so wie das Zinsverbot ab 1424 nur langsam und schrittweise zum modernen Finanzsystem abgebaut wurde ( ein anderes Thema).

Arbeiterschriftsteller Karl Kloter, dem Umweltanliegen noch vor der sozialen Frage (er verhandelte immerhin konkret noch wegen 10 Rappen Stundenlohn in der Betriebskommission von Siemens Albis) wichtig waren, schrieb 1969 einen engagierten Roman «gegen Schwarzenbach», forderte aber vom Bundesrat Massnahmen (die versprochen wurden!) zur Stabilisierung der Einwanderung.

Als ökologisch ideale Einwohnerzahl der Schweiz nannte Kloter 4,5 Millionen. Wem 10 oder 15 Mio Einwohner in der Schweiz kein Problem bedeuten, nimmt die Natur nicht ernst. Historisch hat allerdings für Linke das weltanschauliche Ziel der internationalen Solidarität den Vorrang gegenüber einer demografischen Einwanderungspolitik. Nicht Dichtestress in den Zügen ist das Problem, sondern z.B. das Freizeitverhalten der Menschenmassen etwa im Umfeld der See-Ufer, auch Verwüstung von Alplandschaft, so im Raum Andermatt.
Pirmin Meier, am 12. November 2014 um 14:11 Uhr
Das grosse Problem mit den Ecopop-Gegnern ist, dass sie die Tatsache der BevölkerungsEXPLOSION in der Schweiz - nicht im Australischen Outback ! - wegen der Zuwanderung und der dadurch entstehenden uferlosen Bautätigkeit immer wieder auf die Seite schieben. Es ist und bliebt eine Tatsache, dass wenn die Zuwanderung im selben Rythmus weitergeht, wir in absehbarer Zeit - und dies mehr oder weniger definitiv - im Unterland keine unbebauten Zonen mehr haben und Vorstädte in den unteren Alpentälern. Natürlich für ein Wirtschafts-Experte wie der abtretende Präsident des Club of Rome, sollte dies kein Problem sein: falls auf dem Planeten als Ganzes das Wachstum gebremst wird , können locker gewisse Gegenden, wie zB die Schweiz, total überbaut werden - mit Begrünung der Dächer, wie er vorschlägt :-) !
bernhard sartorius, am 12. November 2014 um 14:38 Uhr
An Uwe Pawlowski: ein Zuwachs in 10 Jahren von netto um die 750000 von einer Gesamtbevölkerung von ungefähr 7,5 Millionen ist meiner Erachtens eine Bevölkerungsexplosion. Das sind ungef. 10 % Rechnen Sie bitte aus, was zB für Deutschland , ein solcher Prozentsatz zahlenmässig bedeuten würde - Sie haben wahrscheinlich, eher als ich, die Für Deutschland relevanten Zahlen im Kopf. Der Befund würde mich interessieren ! MfG.
bernhard sartorius, am 12. November 2014 um 15:55 Uhr
@Pawlowski. Die Schweizerische Bevölkerungsexplosion zwischen Winterthur - Bassersdorf - Schwamendingen - Zürich - Schlieren - Altstetten - Dietikon - Spreitenbach - Neuenhof - Wettingen bis Olten usw. gab es in der geschilderten Zeit, die auch von deutschen und österreichischen Poeten (Sealsfield-Postl, in Solothurn begraben) beschriebene liebliche Landschaft gibt es so nicht mehr. Ich hielt diese Woche in Wettingen eine Vorlesung über die Flurnamen von Spreitenbach. Niemand hat das wunderbare Dorf Schwamendingen mit seinen Froschweihern und Dübendorf schöner beschrieben als Poeten wie Arnold Kübler und Albin Zollinger. Man soll nicht tun, als ob der Fortschritt keine Opfer gekostet hätte. Es war nicht falsch, dass es diesen Fortschritt gab. Aber die Meinung, BIS HIERHER UND NICHT WEITER, oder dass wenigstens Grenzen gesetzt werden sollte, dürfte im Rahmen der Meinungsfreiheit als nichtrassistische, weltfrohe und potentiell humanitäre Auffassung zugelassen werden, ev. mit Lektüre des preiswürdigen Buches «Schluss mit dem Wachstumswahn - Plädoyer für eine Umkehr» von Urs P. Gasche und Hanspeter Guggenbühl. Man kann zugeben, dass alle Initiativen, die bisher in dieser Sache mit konkreten Modellen Abhilfe forderten, ihre Widerhaken hatten. Wenn Ecopop wahrscheinlich deswegen abgelehnt wird, heisst das nicht, dass die angesprochenen Probleme nicht gelöst werden müssten.

Es braucht aber w i r k s a m e Massnahmen. Die verfassungsmässigen Voraussetzungen dazu bestehen bereits.
Pirmin Meier, am 12. November 2014 um 17:56 Uhr
Man muss, Herr Pavlowski, es nicht kompliziert machen (um sich den Anschein zu geben, man hätte ein gutes Argument): in ungefähr 10 Jahren ist, dank der Zuwanderung, die Bevölkerung der Schweiz um die 10 % gewachsen, mit den entsprechenden zusätzlichen Bauten und Überbauungen: ungef.750000 Menschen entsprechen 10 %, wenn ich mich nicht irre, von der schon bestehenden Bevölkerung von ungef.7,5 Millionen. OK. Wenn wir diesen «Rhythmus» auf Ihr Land übertragen (jetzige Bevölkerung um die 80 Millionen), würde dies einer Einwanderung von ungef-8 Millionen in zehn Jahren entsprechen - etwas mehr als 2 «Berlins (jetzige Bevölkerung ungef. 3,5 Mi) würden in zehn Jahren aufgestellt. Keine Bevölkerungsexplosion ? An Herrn Pirmin Meier: nach den letzten Umfragen wird es SEHR knapp, und man kann nichts ausschliessen, , dass Ecopop durchkommt. Die Kampagne der Ecopop-Befürworter startet voll durch nächste Woche.
bernhard sartorius, am 12. November 2014 um 20:48 Uhr
@Sartorius. Weil es knapp wird, geht es für niemanden an, bloss ein Zeichen setzen zu wollen. Die Lösung muss genau angeschaut werden. Genau das sage ich den Schülern im Fach Staatskunde. Wahrscheinlich wäre sie schmerzhaft.

Pavlovski: «Bevölkerungsexplosion» ist selbstverständlich ein Kampfbegriff. Er muss nicht unbedingt verwendet werden. Es genügt die Feststellung, dass in der Schweiz derzeit ein Einwanderungsdruck herrscht, der pro Jahr zahlenmässig höher ist als die Alemanneneinwanderung zur Zeit der Landnahme in 200 Jahren. Das ist selbstverständlich keine Explosion, bloss ein nicht zu unterschätzender Befund. Man kann sich demselben stellen oder so tun, als wäre das völlig unbedeutend und vor allem total harmlos. Die Kelten sind übrigens nicht untergegangen, sondern assimiliert worden. In einem Vortrag vor der Neuen Helvetischen Gesellschaft am 3. April 1914 in SH sagte der Berner Anwalt Steck, dass man entweder die Einwanderer assimiliere oder von diesen assimiliert werden. Das ist ein Vorgang, den man längerfristig sehen muss. Dass die Zahl der Muslime diejenige der Protestanten überholt, kann mutmasslich noch in diesem Jahrhundert eintreten, spätestens im nächsten. Unter dem Gesichtspunkt v. Glaubensfreiheit und konfessionsneutralem Staat kann uns das völlig egal sein, wiewohl Bemühungen um Erleichterung der öffentlichrechtlichen Anerkennung des Islam, nach LU-Gutachten noch mit juristischen Hindernissen versehen, mir als vorauseilende Unterwerfung vorkommen.
Pirmin Meier, am 12. November 2014 um 21:20 Uhr
an Uwe Pawlowski: Ich nehme an, Sie sind Schweizer Bürger geworden und so können Sie sich erlauben, forsch in dieser Schweizer Angelegenheit aufzutreten. Forsch aber leider ausweichend: da Sie nicht auf die Zahlen einzugehen können ohne Ecopop Recht geben zu müssen - 10 % Einwanderung in die Schweiz in 10 Jahren, was für Deutschland, im selben Fall, mehr als 2 neue «Berlins» beinhalten würde - bliebt Ihnen anscheinend nur noch die Möglichkeit , eines was das Thema betrifft inhaltslosen, persönlichen Seitenhiebs.
An Herrn Pirmin Meier: Klar, aber ich betone - es wird immer wieder vom Tisch gewischt: es geht bei Ecopop primär zu verhüten, dass das ganze Flachland zugebaut wird, die Landschaften überall zu Vorstädten werden etc, was halt mit dem Tempo der Zuwanderung wie wir sie in letzter Zeit hatten, direkt verbunden ist.
bernhard sartorius, am 12. November 2014 um 23:30 Uhr
@Sartorius. Ich bitte Sie, meine Beiträge eher als die eines Staatskundelehrers zu sehen als die von einem, der eine Parole zu vertreten hat. Unsaubere und unvollständige Argumentationen sind in jedem Lager zu kritisieren.
Pirmin Meier, am 13. November 2014 um 01:28 Uhr
Unser Land ist zu attraktiv, weshalb wollen denn soviele Menschen zu uns ziehen? Mit der Abschaffung der Aufwandbesteuerung für sehr reiche Ausländer können wir wenigstens in diesem Segment einen legalen Missbrauch abstellen. Ethisches Verhalten gegen «Rosinenpickerschläue»... Gerechtigkeit v Rechtfertigung.
Das omnipräsente Wettbewerbsdenken suggeriert, dass wir immer und überall die Besten sein müssen. Mit oberschlauen und unanständigen Tricks ziehen wir hierfür Kapital und Konzerne in unser Land. Dem Geldfluss folgen Menschen. Und hier wird's dann absurd, das (Hehler-) Kapital wird gewünscht, den Zusammenhang mit den Folgen will man nicht sehen.
Oft werden Argumente betreffend Arbeitsplatzverlust oder betreffend Arbeitskräftemangel gepredigt, nacheinander oder auch gleichzeitig, wie es gerade passt. Batze-und-Weggli-Mentalität. Der Preis für's Wachstum ist sehr gross oder zu gross. Korrekturen sind dringend, ich sehe diese in erster Linie in der Mässigung unseres strukturellen Egoismus.
Urs Lachenmeier, am 13. November 2014 um 09:39 Uhr
Individuen brauchen Raum um sich zu entfalten. Sowohl geistig wie auch körperlich. Wird es zu eng, kommt es vermehrt zu Aggressionen, die als Verteidigung des Bewegungsspielraums angesehen werden können, selten aber rational ablaufen. Entladen sie sich in einer Initiative, sind sie noch auf der rationalen Ebene.

Die Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz sind geschönt. Anstelle der Förderung der unerfahrenen eigenen Basis, zieht die schweizer Wirtschaft vermehrt die erfahrene Basis der umliegenden Staaten ab. Was unsere Wirtschaft fördert, kostet anderen Volkswirtschaften Substanz. Unserer Jugend wird gleichzeitig signalisiert, dass sie sich in einem landesgrenzenüberschreitenden Wettstreit um Arbeitsplätze befindet. Das macht einige wenige Stärker, viele zerbrechen aber an diesem Druck.
-> vermehrt greifen die Stärkeren zu leistungssteigernden Substanzen, die Schwächeren zu Antidepressiva, Ritalin und Co.

Un wollen wir nicht vergessen, an einem konkreten Beispiel:
Frau Sammaruga wohnt in einem beschaulichen Vorort in einem beschaulichen Zweifamilienhaus mit eigenem Garten. Dort stieg sie oft, bevor sie das Taxi bevorzugte, in einen leeren Bus, der drei Stationen später gefüllt ist. Frau Sammaruga ist privilegiert und kann sich körperlich wie auch geistig entfalten (- leider). Aber Meinungen von solchen Menschen, die soviel Raum beanspruchen, sind nicht repräsentativ, um das wahre Ausmass der Veränderungen in der Bevölkerung der letzten Jahre zu beurteilen.
Olivier Bregy, am 14. November 2014 um 16:40 Uhr
Die Frage ist: Wollen wir eine starke Wirtschaft mit den Nebeneffekten, die auch nicht billig sind? Wollen wir Zustände wie im umliegenden Europa? Wie in Brüssel aktuell:

http://www.neopresse.com/europa/schwere-unruhen-bruessel/

oder Schweden:

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/05/24/stratfor-unruhen-in-schweden-werden-auf-europa-uebergreifen/

Das sind alles Reaktionen von Jugendlichen und Menschen, die weder geistig noch körperlich ihren Bewegungsdrang ausleben können.
Olivier Bregy, am 14. November 2014 um 16:43 Uhr
@Bregy. Umständehalber könnte ich derzeit sehr genaue und realistische Angaben über Jugendarbeitslosigkeit CH gebrauchen. Worauf stützten Sie Ihre Meinung?
Pirmin Meier, am 14. November 2014 um 17:41 Uhr
Sind es eher 10000 plus oder doch um 20 000?

PS. @Bregy. Die Bemerkungen über Sommaruga sind nicht ganz fair. Sind Sie mal Bundesrat, können Sie auch einen gehobenen mittelständischen Lebensstil praktizieren, und es gibt für Bundesrätinnen durchaus Gründe, ein Taxi zu benützen. Solche Nebenkriegsschauplätze gehören nicht in die Diskussion.
Pirmin Meier, am 14. November 2014 um 18:39 Uhr
@Meier: Ich kann auch jetzt einen mittelständischen Lebensstil praktizieren. Ich muss deshalb aber nicht die Perspektive des Schweizers ignorieren, der in städtischen Siedlungen aufgereiht und einquartiert langsam den Bewegungsspielraum verliert.

Meine Vorfahren haben ihr Land von Generation von Generation weitergereicht. Jede Generation wusste was ihr von der letzten hinterlassen wurde. Man kann das schätzen und bewahren und als Grundlage für ein friedliches Zusammenleben betrachten oder es einfach wirtschaftlichen Interessen opfern.
Olivier Bregy, am 14. November 2014 um 19:38 Uhr
@Pawloski:

"Vermutlich wird bei der offiziellen Zählart getrickst, wenn beispielsweise Arbeitslose, die keine Stelle suchen, nicht erfasst werden. Das Problem ist von vielen anderen Staaten bekannt. «

Nicht vermutlich, natürlich wird getrickst:

Nach wievielen Monaten fallen Jugendliche, die keinen Job gefunden haben, aus der Statistik?

Nach 8 oder 12 oder 14 Monaten?

Danach sind offiziell nicht mehr arbeitslos. Die Zahlen beruhen auf der Erfassungen der RAVS. Offiziell nicht mehr arbeitslose Jugendliche (und auch viele langzeitarbeitslose Erwachsene) werden in der Folge von Privatschule zu Privatschule weitergereicht, finanziert aus den Sozialwerken.
Olivier Bregy, am 14. November 2014 um 19:43 Uhr
@Meier: «PS. @Bregy. Die Bemerkungen über Sommaruga sind nicht ganz fair."

Ich geben Ihnen Recht. Ich wollte sagen:

Frau Sommaruga hat Glück, dass sie sich im eigenen Garten körperlich und im Bundeshaus geistig betätigen kann.

Mir wäre aber lieber umgekehrt oder sie macht beides im Garten oder am Pianino.
Olivier Bregy, am 14. November 2014 um 20:07 Uhr
@Pawloski: Und ich wollte nur sagen, dass Sie sich sicher sein können, dass getrickst wird.
Tricksen ist natürlich relativ. Man müsste erst mal sagen immer, was Arbeitslose überhaupt sind. Arbeitslos bedeutet nach Statistik auf Stellensuche nach maximal X Monaten (je nach Land und Situation ca 8 bis 14 Monate)

Abgesehen davon möchte ich eher auf einen Trend hinweisen, der kaum umkehrbar ist, wird die Politik weiter von der Wirtschaft dominiert.

Es gilt die Trends zu erkennen und zu kontrollieren, als dass den Trends mangels Interaktionsmöglichkeiten nur noch mit Symptombekämpfung begnetet werden kann.

Symptombekämpfung = Arbeitslosenbekämpfung mit Weiterbildung und Sozialleistungen.

Ursachenbekämpfung = Wirtschaft verpflichten, «Eigengewächse» zu fördern (= «qualitatives Wachstum")
Olivier Bregy, am 14. November 2014 um 20:33 Uhr
@Meier:

http://www.nzz.ch/finanzen/newsticker/langzeitarbeitslosigkeit-nimmt-in-der-schweiz-stark-zu-1.18424283

http://www.nzz.ch/finanzen/newsticker/langzeitarbeitslosigkeit-nimmt-in-der-schweiz-stark-zu-1.18424283

http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2013/12/die-erwerbslosenquote-ist-die-eigentliche-arbeitslosenquote/
Olivier Bregy, am 14. November 2014 um 20:53 Uhr
aus letzter Quelle: «In der Praxis unterschätzt die Quote der registrierten Arbeitslosen aber die tatsächliche Arbeitslosigkeit – für gewisse Personengruppen sogar substanziell. Das gilt zum Beispiel für Jugendliche, die oftmals trotz Arbeitslosigkeit relativ lange keinen Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch das RAV haben und sich deshalb dort nicht registrieren. Das gilt aber auch für Personen, die so lange arbeitslos waren, dass sie kein Arbeitslosengeld mehr beziehen können. Diese „ausgesteuerten“ Personen, die sich auch nach dem Auslaufen der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes weiterhin aktiv um eine Stelle bemühen, tauchen unter den registrierten Arbeitslosen nur dann auf, falls sie weiterhin beim RAV registriert bleiben, obwohl sie kein Arbeitslosengeld mehr beziehen können. Allerdings sind nach einem Jahr nur noch etwa ein Drittel der Ausgesteuerten beim RAV registriert."
Olivier Bregy, am 14. November 2014 um 20:56 Uhr
Das Problem ist, dass die Wirtschaft vermehrt darüber hingeht, die Ausbildung ihrer Fachkräfte zu sozialisieren: Einerseits durch Import von Arbeitskräften, andererseits durch Delegieren an den Staat.

Das Problem sind Politiker nach dem Muster von Juncker, die die Wirtschaft bevorteilen auf Kosten der Sozialwerke.

Die Wirtschaft soll nur ruhig selber wieder beteiligt werden an der Bildung ihrer Fachkräfte.

Langfristig hätte das gar Vorteile: Die Fachkräfte, sagen wir mal einfach, wären «passender».

Das Problem ist die Fluktuation auf Stufe Management: Kurzfristige Gewinne stehen vor langfristigen Perspektiven.

Daher: Die Wirtschaft muss verpflichtet werden. Junckersche Beihilfe zur Übervorteilung dürfen nicht Einzug halten.
Olivier Bregy, am 14. November 2014 um 21:08 Uhr
Die Diskussion über Ecopop ist spannend und spannungsvoll weil wahrscheinlich zum ersten mal in einem bestimmten Land - und nicht «weltweit», was praktisch eher «nirgendswo» bedeutet - ein politischer Beschluss möglich ist, welcher aus politischen Gründen
- Schutz der Landschaften - dem endlosen «Wachstum» eine griffige Bremse ansetzt. Dass damit viele kurzfristig Probleme entstehen werden - deren Bewältigung in der Tat ein Umdenken fordert - , ist zweifelslos der Fall. Aber mittel-und langfristig wird man froh sein, Ecopop angenommen zu haben, denn man wird sich weiterhin an dem bleibenden, unglaublich grossen Wert intakter Landschaften nicht nur erfreuen, sondern auch «gesunden» können. Reines Wirtschaftsdenken führt uns nicht aus der jetzigen zivilisatorischen Sackgasse ( Die Unmöglichkeit, weiterhin unbegrenztes Wachstum zu fördern in begrenztem Raum) raus. Das können die Gegner hier drehen wie sie wollen: mit dieser Tatsache werden sie sich, auch wenn Ecopop abgelehnt sein würde, so oder so konfrontieren müssen. Also lieber jetzt, um weiteren Schaden zu vermeiden. Oder dann, Ihr Ecopop-Gegner, seit ehrlich und sagt ganz offen: Ja, wir stehen dazu, dass das gesamte Flachland der Schweiz ein städtisches Konglomerat wird, die Seen zu Stadt-Weiern, mit Spasszonen in den Alpen. Das ist auch eine ehrliche Vision , die man, ohne sie zu teilen, respektieren kann.
bernhard sartorius, am 14. November 2014 um 22:24 Uhr
@Meier: Haben Sie den Artikel gelesen, was meinen Sie?

Also nicht 10'000 oder 20'000:

Die Unterschiede zwischen den beiden Statistiken sind insbesondere für jene Gruppen gross, in der sich viele Personen nicht beim RAV anmelden. So lag die Zahl der Erwerbslosen 15–24-Jährigen bei rund 66 000 Personen. Davon war nur jeder Fünfte, also rund 13 000 Personen, bei einem RAV registriert.
Olivier Bregy, am 15. November 2014 um 17:10 Uhr
Was würden Sie nun schreiben, bei der Auswahl unter zahlreichen Zahlen, in einem Aufsatz über einen Politiker, der sich gegen die Jugendarbeitslosigkeit verwenden will:

"Das Schicksal der 20 000 arbeitslosen Jugendlichen in der Schweiz ist ihm nicht schnuppe."

"Das Schicksal der 13 000 registrierten arbeitslosen Jugendlichen...."

"Das Schicksal der 66 000 beim RAV gelegentlich registrierten arbeitslosen Jugendlichen....» ist ihm nicht schnuppe.

Welche Zahl würden Sie vorschlagen, dass man sie, ohne gerade in Panik zu machen, am besten verantworten kann?
Pirmin Meier, am 15. November 2014 um 17:16 Uhr
kommt auf den Politiker an ;-)
Olivier Bregy, am 15. November 2014 um 17:21 Uhr
Es ist klar, dass die RAV-Anmeldungen zur Messung der Arbeitslosigkeit nicht taugen.

Auch die Kriterien nach ILO beschönigen:

gemäss ILO (International Labour Organization der UNO) gilt als arbeitslos, wer i) ohne Arbeit ist, ii) in den letzten 4 Wochen aktiv nach einer Stelle gesucht hat und iii) zur Aufnahme einer Tätigkeit innerhalb von zwei Wochen verfügbar wäre.

Warum zählt man nicht einfach die Bevölkerung, zieht davon die 16 bis 14 Jährigen und die 65+ ab. Das ist der Nenner.

Als Zähler nimmt man einfach die Steuererklärungen mit Lohn.

Käme wohl ziemlich mies raus... die wissen schon, wieso sie nur Arbeitslosen zählen, die sich ins RAV bemühen...

Herr Meier, bitte widmen Sie auch den vielen Lehrern an Privatschulen mit Burnout ein paar Zeilen. Die Ärmsten müssen sich mit diesen «Mein Papi ist mein RAV"-Schnösel und -Gören mit ADHS rumschlagen.

Wir können froh sein, in einer Pharma-Hochburg zu leben. Nicht auszudenken, die Krankenkassen würden von heute auf morgen allen Arbeitslosen die Tranquilizer und Antidepressiva wegnehmen.
Olivier Bregy, am 15. November 2014 um 17:37 Uhr
16 bis 24 Jährigen...
Olivier Bregy, am 15. November 2014 um 17:38 Uhr
...unter 16 Jährige meine ich... Ja Hergott, brauch ich denn jetzt auch Ritalin.
Olivier Bregy, am 15. November 2014 um 17:40 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung unter Ihrem richtigen Namen zu äussern. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User, um Missbräuche zu vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Achtung: Die Länge der Einträge ist beschränkt und wir erlauben nicht, zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander zu platzieren. Unnötig herabsetzende Formulierungen ändern oder löschen wir ohne Korrespondenz.